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Johannes Schaller, Björn Eichmann (Ed.)

Gesundheit braucht kluge Köpfe

10 Jahre SRH Hochschule für Gesundheit

1. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-3988-5, ISBN online: 978-3-8288-6840-3, https://doi.org/10.5771/9783828868403

Tectum, Baden-Baden
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Johannes Schaller Björn Eichmann Gesundheit braucht kluge Köpfe Johannes Schaller Björn Eichmann Gesundheit braucht kluge Köpfe 10 Jahre SRH Hochschule für Gesundheit Tectum Verlag Johannes Schaller Björn Eichmann Gesundheit braucht kluge Köpfe. 10 Jahre SRH Hochschule für Gesundheit © Tectum – ein Verlag in der Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 2017 E-Book: 978-3-8288-6840-3 (Dieser Titel ist zugleich als gedrucktes Werk unter der ISBN 978-3-8288-3988-5 im Tectum Verlag erschienen.) Umschlagabbildung u. Logo: © SRH Besuchen Sie uns im Internet www.tectum-verlag.de Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Angaben sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar. Vorwort Schaller, Johannes & Eichmann, Björn Im Jahr 2017 feiert die SRH Hochschule für Gesundheit ihren 10. Ge‐ burtstag. Dies ist natürlich ein Anlass, um diese 10 Jahre Revue passie‐ ren zu lassen und einen Blick auf die Entwicklung unserer Hochschule zu werfen. Die Geschichte dieser sehr jungen staatlich anerkannten Hochschule in privater Trägerschaft ist dabei in erster Linie geprägt von aktiven Bemühungen, Studiengänge zu entwickeln und zu etablie‐ ren, die ihrem Profil und Auftrag als „Gesundheitshochschule“ gerecht werden. So wurden in den letzten 10 Jahren innovative, zukunftsge‐ richtete Studiengänge entwickelt, die sich an den Nachfragen unserer studentischen Kunden orientieren. Davon berichtet dieser Band. Die Entwicklung unserer Hochschule ist natürlich nicht im luftlee‐ ren Raum geschehen, sondern war immer geprägt von den Rahmenbe‐ dingungen, die maßgeblich von der deutschen Hochschulpolitik und vor allem von aktuellen Entwicklungen im Gesundheitsbereich vorge‐ geben wurden. Damit ist die hier geschilderte Entwicklung vielleicht auch ein Spiegel augenblicklicher und künftiger Perspektiven im Be‐ reich der Gesundheitsversorgung und der Gesundheitsfachberufe. Im Jahr 2006 wurde die SRH Hochschule für Gesundheit Gera als erste und mittlerweile auch einzige private Hochschule Thüringens ge‐ gründet und erhielt 2007 die vorläufige staatliche Anerkennung. Zum Wintersemester 2007 nahm die Hochschule mit vier Bachelorstudien‐ gängen und 77 Studierenden den Studienbetrieb auf, 2009 stieg die Zahl der Studierenden bereits auf über 300. Nach der erfolgreichen in‐ stitutionellen Akkreditierung durch den Wissenschaftsrat 2010 wurde die Hochschule unbefristet staatlich anerkannt, 2012 folgten dann die ersten akkreditierten Masterstudiengänge. Im selben Zeitraum wurde das Angebot um ausbildungsintegrierende Studienmodelle erweitert. Dazu wurden staatlich genehmigte, rechtlich unselbstständige Außen‐ stellen in Bonn, Düsseldorf, Heidelberg, Karlsruhe, Leverkusen und V Stuttgart eingerichtet. Die ausbildungsintegrierenden Studiengänge im Bereich der Physiotherapie und der Logopädie, die an unseren Stand‐ orten in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg angeboten werden, wurden in Zusammenarbeit mit der SRH Fachschulen GmbH entwickelt. Diese Kooperation profitiert von den jeweiligen Fachschu‐ len, da diese oft auf jahrzehntelange Erfahrung zurückblicken können und somit eine Zusammenarbeit ermöglichen, auf die wir sehr stolz sind und die in Deutschland einzigartige Studiengänge ermöglicht. Aufgrund der nachhaltig positiven Entwicklung und des starken Studierendenaufwuchses konnten wir im Jahr 2014 in ein modern aus‐ gestattetes, neues Hochschulgebäude am Hauptstandort Gera mit 4.500 qm Fläche zum Lernen, Lehren und Forschen umziehen. Im Wintersemester 2017/2018 studierten über 1000 Studierende in 15 Studiengängen und fünf Studienmodellen an unserer Hochschule. Da‐ mit hat sich die Hochschule in den wenigen Jahren seit ihrer Grün‐ dung als eine feste Größe in der Thüringer Hochschullandschaft eta‐ bliert. Die SRH Hochschule für Gesundheit ist Teil eines großen Netz‐ werkes – der SRH Gruppe. Im Jahr 1966 als Stiftung Rehabilitation Heidelberg (SRH) gegründet, ist die SRH ein führender Anbieter von Bildungs- und Gesundheitsdienstleistungen mit insgesamt über 13.000 Mitarbeitern, der mit 45 Tochterunternehmen an mehr als 60 Standor‐ ten deutschlandweit private Hochschulen, Bildungszentren, Schulen und Krankenhäuser betreibt. Die SRH Hochschule für Gesundheit ist dabei als „Gesundheitshochschule im Gesundheitskonzern“ eine von mittlerweile 10 SRH Hochschulen mit insgesamt über 13.000 Studie‐ renden. Die Struktur des hier vorliegenden Bandes orientiert sich an den Studiengängen, die in den letzten Jahren unsere Hochschule stark ge‐ prägt haben. Jeder dieser Studiengänge zeigt dabei seine Besonderheit, sein Profil und die jeweiligen Herausforderungen, mit denen er zu kämpfen hat. Nach der Darstellung des jeweiligen Studiengangs folgen Einblicke in Forschungsprojekte, Kooperationen, aber auch kritische Bewertungen. Im Rahmen dieser überblicksartigen Darstellungen ist es uns wichtig, auch unsere Studierenden als Vertreter des Studien‐ gangs zu Wort kommen zu lassen. Aus diesem Grund werden bei der Vorwort VI Präsentation des jeweiligen Studienganges jeweils hervorragende stu‐ dentische Abschlussarbeiten oder Projekte vorgestellt. Aufgrund dieser Struktur wird sicherlich deutlich, dass an diesem Band eine Vielzahl von Autorinnen und Autoren mitgewirkt hat. Ih‐ nen allen herzlichen Dank für diese tolle Teamarbeit! Gera, Karlsruhe, Stuttgart, Heidelberg, Bonn, Leverkusen und Düssel‐ dorf im Jahr 2017 Johannes Schaller & Björn Eichmann Vorwort VII Inhaltsverzeichnis Gesundheit der Zukunft – Zukunft der Gesundheit. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .Kapitel 1: 1 Die Studiengänge der Physiotherapie (Bachelor of Science) . . . . . . . . . . .Kapitel 2: 9 Die Studiengänge der Ergotherapie (Bachelor of Science). . . . . . . . . . . . . .Kapitel 3: 35 Der Studiengang Logopädie (Bachelor of Science) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .Kapitel 4: 43 Der Studiengang Neurorehabilitation (Master of Science) . . . . . . . . . . . . .Kapitel 5: 61 Der Studiengang Gesundheitspsychologie (Bachelor of Science) . . . . . .Kapitel 6: 77 Der Studiengang Psychische Gesundheit und Psychotherapie (Master of Science). . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kapitel 7: 89 Der Studiengang Medizinpädagogik (Bachelor of Arts) . . . . . . . . . . . . . . . .Kapitel 8: 101 Der Studiengang Medizinpädagogik (Master of Arts) . . . . . . . . . . . . . . . . . .Kapitel 9: 115 Der Studiengang Bildung und Förderung in der Kindheit (Bachelor of Arts) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kapitel 10: 125 Der Studiengang Gesundheits- und Sozialmanagement (Master of Arts) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kapitel 11: 137 Weitere akademische Perspektiven für die Gesundheitsfachberufe . . . .Kapitel 12: 143 Success stories . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .Kapitel 13: 169 IX Gesundheit der Zukunft – Zukunft der Gesundheit Schaller, Johannes Gesundheit und froher Mut, das ist des Menschen höchstes Gut. (Deutsches Sprichwort) 1.1 Gesundheit im Fokus Unser Gesundheitssystem ist immer für eine Schlagzeile gut. Es ver‐ geht kaum ein Tag, an dem nicht zu diesem Thema berichtet wird (SPIEGELONLINE, 2017; Süddeutsche Zeitung, 2017). Dabei geht es um sämtliche mit Gesundheitsversorgung assoziierten Bereiche, etwa um Ärztemangel, steigende Kosten, die Anhebung von Krankenkas‐ senbeiträgen, die Auflösung von Geburtenstationen in ländlichen Ge‐ bieten, um Big Data, die elektronische Gesundheitskarte, um Einspar‐ effekte, die Betreuung sterbender Menschen, die Aufgaben von Not‐ aufnahmen in den Krankenhäusern, aber auch um neue Behandlungs‐ ansätze, Forschungsprojekte etc… – die Liste ließe sich wohl fast end‐ los fortsetzen (vgl. Bundeszentrale für politische Bildung, 2017). Die Bedeutung dieses Themas und seiner Rezeption in den Medi‐ en ist nicht weiter verwunderlich, geht es dabei doch um die Gesund‐ heit, „unser höchstes Gut“ bzw. eines der wichtigsten Güter, wie es aus einer von "Spiegel online" 2015 veröffentlichten Umfrage der Gesell‐ schaft für Konsumforschung (GfK) hervorgeht (Marquart, 2015). Nach den „wichtigsten drei Wünschen“ befragt, waren die Antworten der In‐ terviewten recht übereinstimmend: Mehr als die Hälfte der Befragten (56%) wünschte sich Gesundheit, davon dachten die meisten an das ei‐ gene Wohlbefinden aber auch an das der Familie. Jenseits des persönlichen Wohlbefindens hat Gesundheit eine gro‐ ße volkswirtschaftliche Bedeutung, die bei vielen gesundheitspoliti‐ Kapitel 1: 1 schen Diskussionen unterschätzt bzw. völlig vernachlässigt wird: Je ge‐ sünder die Bürger eines Landes, desto größer ist die individuelle Pro‐ duktivität und auch das kollektive Wirtschaftswachstum (s. Überblick bei Marx & Rahmel, 2009). Damit zeigt sich, dass das Thema Gesund‐ heit nicht nur für das Individuum sondern auch für unsere Gesell‐ schaft höchste Relevanz besitzt. Inwiefern wiederum die Qualität und Effizienz der deutschen Ge‐ sundheitsversorgung dem internationalen Vergleich Stand halten kann, wird sehr heterogen und manchmal sogar durchaus hitzig diskutiert (vgl. Manouguian et al., 2010; Robert-Koch-Institut, 2015). Fakt ist, dass das Gesundheitssystem in Deutschland immense Summen ver‐ schlingt. Das Statistische Bundesamt (2017) hat bekannt gegeben, dass sich die Gesundheitsausgaben in Deutschland im Jahr 2015 auf 344,2 Milliarden Euro oder 4213 Euro je Einwohner beliefen, d.h. jeder neunte Euro wurde für das Gesundheitssystem ausgegeben. Im Ver‐ gleich zum Vorjahr stiegen die Gesundheitsausgaben damit um 15,0 Milliarden Euro oder 4,5% und auch für die folgenden Jahre prognos‐ tiziert das Statistische Bundesamt einen weiteren Anstieg der Gesund‐ heitsausgaben. Jenseits der aktuellen Zahlen und Entwicklungen stellt sich natür‐ lich die Frage nach der längerfristigen Dimension: Wie muss ein Ge‐ sundheitssystem der Zukunft gestaltet sein? Welchen Herausforderun‐ gen muss es sich stellen? Welchen Anforderungen muss es genügen? Wie müssen künftig Versorgungssysteme strukturiert sein? Welche Auswirkungen hat das auf bestehende Konzepte? Welche neuen Ange‐ bote müssen geschaffen werden? Diese Fragestellungen lenken den Blick dann auch zu Aspekten der Personalausstattung und -qualifikationen und bringen Implikatio‐ nen für den Bildungsbereich mit sich – oder anders formuliert: Welche Anforderungen werden in Zukunft an die „Profis“ im Gesundheitsbe‐ reich gestellt? Und welche Qualitäten und Qualifikationen sind dafür unabdingbar? Kapitel 1: Gesundheit der Zukunft – Zukunft der Gesundheit 2 1.2 Anforderungen an die gesundheitliche Versorgung der Zukunft Die Herausforderungen an das Gesundheitswesen der Zukunft sind enorm (vgl. WHO, 2014). Exemplarisch seien dabei folgende Punkte benannt (vgl. Kurth, 2001 vgl. Sieger & Rustemeier-Holtwick, 2017): Die Geburtenzahlen in Deutschland stagnieren. Dagegen steigen die Lebenserwartung, das Durchschnittsalter und der Anteil älterer Menschen an der Gesamtbevölkerung (Statistisches Bundesamt, 2000). Ältere wiederum nehmen mehr Gesundheitsleistungen in Anspruch als Jüngere und auch die Zahl pflegebedürftiger, multimorbider Men‐ schen nimmt damit zu (Statistisches Bundesamt, 2010; Nowossadek, 2012). Der medizinische Fortschritt erschließt neue Möglichkeiten in Prävention, Diagnostik und Rehabilitation (vgl. Krüger-Brand, 2014, S. 2208). Gleichzeitig weckt diese Entwicklung aber auch Ängste und Befürchtungen, wie z.B. „gefühllosen Pflegerobotern“ (vgl. Von Stösser, 2011) ausgeliefert zu sein oder aber unzureichendem Datenschutz und -sicherheit (vgl. Barmer, 2010). Auch die Interaktion zwischen Leistungserbringern und Patienten unterliegt einem Wandel: Patienten sind oft sehr gut informiert, agie‐ ren eigenverantwortlich und mit einer gesteigerten – oftmals auch kri‐ tischen – Erwartungs- und Anspruchshaltung (vgl. Dieterich, 2007) gegenüber Versorgungsleistungen und erwarten auch kompetente Ant‐ worten und „Lotsenhilfe“ in einem mittlerweile hochkomplexen, kom‐ plizierten und ausdifferenzierten Gesundheitssystem. (vgl. Sachver‐ ständigenrat, 2007). 1.3 Gesundheitsberufe der Zukunft – zwischen Anspruch und Wirklichkeit Wie weiter oben schon angeführt, führen diese Entwicklungen auch zu neuen Anforderungen an die im Gesundheitsbereich Tätigen, es hat Auswirkungen auf Berufsprofile, auf Aus-, Fort- und Weiterbildungen; dabei entstehen auch „neue“ Berufe, die den sich wandelnden Anfor‐ derungen Rechnung tragen. Entsprechend konstatierte vor wenigen Jahren der Wissenschaftsrat (2012, S. 8): „Erforderlich ist eine insge‐ samt stärker kooperativ organisierte Gesundheitsversorgung, in der Kapitel 1: Gesundheit der Zukunft – Zukunft der Gesundheit 3 insbesondere die Angehörigen der Gesundheitsfachberufe nicht nur zunehmend komplexere Aufgaben erfüllen, sondern in einem gewis‐ sen Umfang auch bestimmte, vormals von Ärztinnen und Ärzten wahrgenommene Aufgaben übernehmen. Die Veränderung der Ar‐ beitsteilung wirkt sich wiederum auf die zukünftigen Qualifikationser‐ fordernisse und Qualifizierungswege in den Berufen der Gesundheits‐ versorgung aus.“ Vor diesem Hintergrund forderte das Beratungsgre‐ mium 10 bis 20 % eines Ausbildungsjahrgangs in den Gesundheits‐ fachberufen akademisch zu qualifizieren; eine bloße Weiterentwick‐ lung der für die Gesundheitsfachberufe üblichen Ausbildung an be‐ rufsbildenden Schulen reiche nicht aus, sondern die Ausbildung solle künftig an Hochschulen verortet werden. Mit dieser Forderung nach der Akademisierung der Gesundheitsberufe greift der Wissenschafts‐ rat auch Entwicklungen auf, die in vielen europäischen Nachbarstaa‐ ten schon lange ihren Lauf genommen haben (vgl. BMBF, 2014). 1.4 Die SRH Hochschule für Gesundheit – Perspektiveneröffner und Chancengeber Die SRH Hochschule für Gesundheit hat sich wie andere Hochschulen, die für den Gesundheitsbereich qualifizieren, unter anderem den Zie‐ len des Wissenschaftsrates verschrieben. Basierend auf einem umfas‐ senden bio-psycho-sozialen (vgl. Engel 1977, 1980) Verständnis von Gesundheit, in dem neben den körperlichen Zuständen auch psychi‐ sche Komponenten und soziale Prozesse unter „Gesundheit“ verstan‐ den werden, gehören nach unserem Selbstverständnis neben den „klassischen“ Gesundheitsfachberufen (auf die sich die Stellungnahme des Wissenschaftsrates in erster Linie bezieht) auch pädagogische und psychologische Berufe dazu. Um aber eine qualitativ hochwertige Ausbildung von Spezialisten für den Gesundheitsbereich gewährleisten zu können, gilt es eine Rei‐ he von spezifischen Anforderungen zu bewältigen, die hier in aller Kürze und ohne Anspruch auf Vollständigkeit genannt sein sollen: – Für all diese Berufe ist eine theoretisch fundierte und gleichzeitig praxisgerechte Ausbildung vonnöten. Dies ist der Maßstab, an dem sich die Konzeption der Curricula, die Qualität der Lehre und da‐ mit die fachliche und pädagogische Qualifikation der Hochschul‐ Kapitel 1: Gesundheit der Zukunft – Zukunft der Gesundheit 4 mitarbeiter messen lassen müssen, die dafür idealerweise langjähri‐ ge praktische Erfahrung und auch die entsprechende akademische Expertise mitbringen. – Jenseits der Forderung des Wissenschaftsrats, Bachelorstudiengän‐ ge einzurichten, muss es darum gehen, diese vormals schulischen Fächer auch zu wissenschaftlichen Disziplinen zu entwickeln, „mit allem, was dazugehört, mit der gesamten akademischen Laufbahn, aber vor allem auch mit der Implementierung genuiner Forschung“ (Gerst & Hibbeler, 2012, S. 2461). – Die Akademisierung der Gesundheitsberufe benötigt mehr als die klassischen Vollzeitstudiengänge. Die Studienmodelle müssen in‐ novativ sein und flexibel auf die verschiedenen familiären, berufli‐ chen und privaten Lebenssituationen der Studierenden eingehen, d.h. neben den klassischen Vollzeitmodellen werden sowohl ausbil‐ dungs- als auch berufsbegleitende Studienformen benötigt. – Neben den Studienformaten müssen auch die -inhalte auf die doch sehr heterogene Zielgruppe und deren eventueller Vorerfahrungen zugeschnitten sein: junge Abiturienten, Fachschüler, Studierende mit abgeschlossener Berufsausbildung, Berufserfahrung und Fami‐ lie. – Aus-, Fort- und Weiterbildung im Gesundheitsbereich geschieht in Deutschland nach wie vor in weiten Teilen durch Fachschulen und Weiterbildungsinstitute. Die Hochschulangebote befinden sich an der Schnittstelle zu diesen Institutionen. Auch hier sind innovative Angebote vonnöten, um eine Akademisierung überhaupt zu er‐ möglichen. – Die Ausübung und Ausbildung im Bereich der Gesundheitsberufe ist durch nationale Gesetze und Berufsordnungen geregelt, die auch einem steten Wandel unterliegen, die dazu führen, dass auch Studienprogramme immer wieder aktualisiert werden müssen. Hier seien beispielhaft die Verlängerung der Modellklausel im Er‐ gotherapeuten-, Hebammen-, Logopäden- sowie im Masseur- und Physiotherapeutengesetz bis 2021 (vgl. Gröhe & Fischbach, 2016) oder die Gesetzesinitiative zur generalistischen Ausbildung in der Pflege genannt (vgl. Die Bundesregierung, 2016). Die SRH Hochschule für Gesundheit kann nach 10 Jahren trotz dieser Anforderungen ein sehr positives Resümee ziehen. Die Daten aus der Kapitel 1: Gesundheit der Zukunft – Zukunft der Gesundheit 5 internen Absolventenbefragung zeigen, dass für über 90 Prozent der Bachelorstudierenden der berufliche Werdegang nahtlos dem ersten akademischen Abschluss folgte. Etwa jeder zweite befindet sich bereits bei Abschluss des Studiums in einer Anstellung in Teilzeit, jeder dritte schließt unmittelbar ein weiteres Studium - in der Regel ein Masterstu‐ dium - an. Eher selten (ca. 1%) geht der Weg nach dem Abschluss in die Selbständigkeit oder wird im Ausland fortgesetzt. Dennoch bleibt festzustellen, dass diese Karrierepfade sich sehr unterscheiden, stark von individuellen Komponenten geprägt und un‐ ter Systemgesichtspunkten wohl auch erst zu entwickeln sind. Analy‐ siert man diese Pfade etwas genauer, so kann man sich der Position von Ewers (2008, S. 24) nur anschließen: „Noch ergeben die neuen Qualifizierungsangebote in Deutschland kein schlüssiges Bild: Es fehlt an einem Gesamtkonzept sowie einer sinnvollen Abstimmung zwi‐ schen den Bildungssektoren und den unterschiedlichen Gesundheits‐ berufen. […] Manche Aktivitäten beschränken sich auf einzelne Diszi‐ plinen oder verfolgen Partikularinteressen, andere verstricken sich in berufspädagogischen und curricularen Detailfragen. Innovationen, die an Besitzstände und Machtstrukturen einzelner Gesundheitsberufe rühren, provozieren lautstarken Widerstand. Oftmals wird die Experi‐ mentierfreude durch ökonomische Gegenargumente schon im Keim erstickt – etwa wenn die mit höheren Bildungsabschlüssen einherge‐ henden Einkommenserwartungen breiter Gruppen von Gesundheits‐ berufen und die Konsequenzen dessen für die Finanzierung der Ge‐ sundheitssysteme insgesamt problematisiert werden. In der Summe – so ist zu resümieren – wird die Breite und Tiefe des hier aufgegriffenen Themas und dessen Relevanz für die öffentliche Gesundheit in Deutschland unterschätzt.“ So wird es in Zukunft für die Gesundheitshochschulen wohl auch darum gehen, die Relevanz der Akademisierung der Gesundheitsfach‐ berufe und die damit einhergehenden Implikationen für die öffentliche Gesundheit noch stärker als bisher darzustellen und in Zusammenar‐ beit mit anderen Agenten des Gesundheitssystems die in Ansätzen vorhandenen Karrierewege „breiter“ und neu zu beschreitende zu schaffen und somit auch die Gesundheit der Zukunft mitzugestalten. Eine Hochschule, wie die SRH Hochschule für Gesundheit, wird damit Kapitel 1: Gesundheit der Zukunft – Zukunft der Gesundheit 6 auch immer einen Beitrag leisten für die Zukunft – für die Zukunft der Gesundheit. Literatur BARMER GEK (Hrsg). (2010). Nutzen und Akzeptanz von elektronischen Gesund‐ heitsakten. Abschlussbericht zum Forschungsvorhaben. Kurzfassung. Köln: Eigen‐ verlag. Berlin: Eigenverlag. Zugriff am 25.04.2017 unter http://www.gbe-bund.de/pdf/GE SBER2015.pdf Bundesministerium für Bildung und Forschung (2014): Bestandsaufnahme der Ausbildung in den Gesundheitsfachberufen im europäischen Vergleich. Band 15 in der Reihe Berufsbildungsforschung. Zugriff am 21.04.2017 unter https://www. bmbf.de/pub/Berufsbildungsforschung_Band_15.pdf Bundeszentrale für politische Bildung. Gesundheitspolitik. Zugriff am 21.04.2017 unter http://www.bpb.de/politik/innenpolitik/gesundheitspolitik/ Die Bunderegierung (2016): Reform der Pflegeberufe. Kostenfreie Ausbildung für die Pflege. Zugriff am 25.04.2017 unter https://www.bundesregierung.de/Content/ DE/Artikel/2016/01/2016-01-13-reform-pflegeberufe.html Dieterich. A. (2007). Arzt-Patient-Beziehung im Wandel: Eigenverantwortlich, in‐ formiert, anspruchsvoll. Deutsches Ärzteblatt, 104 (37), 2489-2491. Engel, G. L. (1977). The need for a new medical model: A challenge for biomedici‐ ne. Science, 196 (4286), 129-136. Engel, G. L. (1980). The clinical application of the biopsychosocial model. The American Journal of Psychiatry, 137 (5), 535-544. Ewers, M. (2008): Die Zukunft der Gesundheitsberufe. Nachwuchsförderung und Qualifizierung auf dem Prüfstand, Dr. med. Mabuse, 173, 22 -24. Gerst, T. & Hibbeler, B. (2012). Auf dem Weg in die Akademisierung. Deutsches Ärzteblatt, 109 (49), 2458-2461. Gröhe, H. & Fischbach, I. (2016): "Bessere Versorgung und Beratung von Pflegebe‐ dürftigen vor Ort". Bundestag verabschiedet das Dritte Pflegestärkungsgesetz. Zu‐ griff am 25.04.2017 unter https://www.bundesgesundheitsministerium.de/press e/pressemitteilungen/2016/4-quartal/psg-iii-verabschiedung-bt.html Krüger-Brand, Heike E. (2014). Technisierung der Medizin: „Die Technik ist uns auf den Leib gerückt“. Deutsches Ärzteblatt, 111 (50), 2208-2212. Kurth, B.-M. (2001). Demographischer Wandel und Anforderungen an das Ge‐ sundheitswesen. 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Reihe 7.2: Krankheitskos‐ ten 2002–2008. Eigenverlag: Wiesbaden. Statistisches Bundesamt (2017). Pressemitteilung vom 21. Februar 2017 –61/17. Zu‐ griff am 20.04.2017 unter https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pre ssemitteilungen/2017/02/PD17_061_23611pdf.pdf?__blob=publicationFile Süddeutsche Zeitung. Gesundheitspolitik. Zugriff am 20.04.2017 unter http://www .sueddeutsche.de/thema/Gesundheitspolitik Von Stösser, A. (2011). Roboter als Lösung für den Pflegenotstand? Ethische Fra‐ gen. Archiv für Wissenschaft und Praxis der sozialen Arbeit, 3, 1-9. Wissenschaftsrat (2012). Empfehlungen zu hochschulischen Qualifikationen für das Gesundheitswesen. Zugriff am 15.12.2015 unter http://www.wissenschaftsrat.de /download/archiv/2411-12.pdf World Health Organization/ Regionalbüro für Europa (2014). Gesundheit 2020 – das Rahmenkonzept der Europäischen Region für Gesundheit und Wohlbefinden. Zugriff am 25.04.2017 unter www.euro.who.int/de/health-topics/health-policy/ health-2020-the-european-policy-for-health-and-well-being/about-health-202 0 Kapitel 1: Gesundheit der Zukunft – Zukunft der Gesundheit 8 Die Studiengänge der Physiotherapie (Bachelor of Science) Erhardt, Tobias & Elsner, Bernhardt Von der Gymnastikausbildung über die „Krankengymnastik“, die fach‐ schulische Qualifikation, bis hin zur Akademisierung: Die Physiothe‐ rapie entwickelt sich weiter. Sie wird zur Profession, orientiert sich an gesellschaftlichen Wertuniversalien, ergänzt Wissenschaft mit Berufsund Erfahrungswissen und kontrolliert das eigene Handeln (Erhardt, Braun, Fischer, 2015). Durch neue Krankheitsbilder im neurologischen, pädiatrischen, chirurgischen, internistischen und orthopädischen Bereich hat sich die Physiotherapie zu einem unverzichtbaren Bestandteil des Therapiean‐ gebots entwickelt. Krankenkassen fordern den Wirkungsnachweis physiotherapeutischer Anwendungen. Dazu benötigt die Physiothera‐ pie ausgebildete Fachkräfte, die in der Lage sind, durch wissenschaftli‐ ches Arbeiten diese Nachweise zu erbringen. Unter modernen Ge‐ sichtspunkten der Krankenversorgung, insbesondere chronisch kran‐ ker Menschen und Menschen mit Behinderungen, sind interdisziplinä‐ re Behandlungskonzepte „state of the art". Dabei ist es notwendig, dass sich die beteiligten Fachleute kritisch mit den zur Verfügung stehenden Verfahren auseinandersetzen und im Dialog untereinander und mit den Patienten selbst individuelle Konzepte erarbeiten. Die demographische Entwicklung, ein verstärktes präventives Bewusstsein und die Bewegungsarmut in der Dienstleis‐ tungsgesellschaft verstärken den zukünftigen Bedarf an Physiothera‐ peuten mit einer fachwissenschaftlichen, interdisziplinären und per‐ sönlichen Handlungskompetenz. Neben den klassischen physiotherapeutischen Anwendungen tre‐ ten neue und interdisziplinäre Methoden als berufliche Herausforde‐ rung in den Vordergrund. Dabei werden Tätigkeitsfelder in der Prä‐ Kapitel 2: 9 vention, Therapie und Rehabilitation tangiert von Aufgaben in den Be‐ reichen Gesundheitsmanagement, Qualitätssicherung, Management und Forschung. Ganzheitliche Behandlungen erfordern interdiszipli‐ näres Wissen, Kompetenzen und Können. Der physiotherapeutische Studiengang an der SRH Hochschule für Gesundheit wird in drei ver‐ schiedenen Modi angeboten: (1) ausbildungsintegrierend, (2) ausbil‐ dungsbegleitend und (3) berufsbegleitend. Der ausbildungsintegrierende Bachelorstudiengang Physiotherapie wird als siebensemestriges Vollzeitstudium an den Studienorten Karls‐ ruhe, Stuttgart und Leverkusen durchgeführt. Die Studierenden sind im ersten Studienabschnitt, Semester 1 bis 6, auch Berufsfachschüler der SRH Fachschulen für Physiotherapie. Sie schließen diesen Ab‐ schnitt gemäß der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Physio‐ therapeuten (PhysTh-APrV) mit dem Staatsexamen ab und erhalten die Berufsanerkennung als Physiotherapeut. Danach folgt das ab‐ schließende 7. Semester. Das Studium wird jeweils mit der Bachelorar‐ beit und dem Kolloquium abgeschlossen. Der Studiengang vermittelt die notwendigen Kompetenzen und Schlüsselqualifikationen für Leitungspositionen in Einrichtungen (z.B. Praxen, Rehabilitationseinrichtungen, medizinischen Zentren, Klini‐ ken, Schulen) des Gesundheitswesens. Die curricularen Inhalte richten sich an den aktuellsten Erkenntnissen nationaler und internationaler Therapie und Forschung aus. Die innovative Verbindung von Praxis und anwendungsorientierter Forschung ermöglicht eine ideale Kombi‐ nation evidenzbasierter Physiotherapie. Kritisches Hinterfragen von Therapien, Diagnostik und Screening (z.B. das Erkennen von Red Flags, Yellow Flags) aber auch die Integration des Patienten (Shared Decision Making, partizipative Entscheidungsfindung) sind zentrale Ziele des seit 2012 existierenden und in Deutschland in dieser Form einzigartigen Studienganges. Besonders hervorzuheben sind die zahl‐ reichen Kooperationspartner an den jeweiligen Standorten. Kliniken, medizinische Zentren, Rehabilitationseinrichtungen aber auch Praxen ermöglichen einen idealen Theorie-Praxis Transfer. Darüber hinaus gibt es im Bereich anwendungsorientierter Forschung mit diesen Part‐ nern, aber auch mit anderen Hochschulen, Universitäten und Partnern aus Industrie und Wirtschaft ein wachsendes Netzwerk. Kapitel 2: Die Studiengänge der Physiotherapie (Bachelor of Science) 10 Die Nachfrage nach Physiotherapeuten auf dem deutschen Ar‐ beitsmarkt ist sehr groß. Ein zunehmender Fachkräftemangel führt zeitnah zu einem Versorgungsproblem im Gesundheitswesen. 100% der bisherigen Abgänger erhalten auch deshalb sofort nach Beendi‐ gung ihres Studiums eine Anstellung. Physiotherapeuten mit akademi‐ schem Abschluss werden in aktuellen Stellenanzeigen für Leitungsbzw. Lehrfunktionen gesucht. Im ausbildungsbegleitenden Studienmodell werden Fachkompe‐ tenzen in den Bereichen Neurowissenschaften und Neurorehabilitati‐ on geschult. Die Immatrikulation ist nach dem erfolgreichen Absolvie‐ ren des ersten Ausbildungsjahres der Physiotherapieausbildung mög‐ lich. Das Studium verläuft im Jahr zwei und drei der Ausbildung paral‐ lel zu dieser. Anschließend folgt ein dreisemestriger Vollzeitstudienab‐ schnitt, der mit dem Bachelor of Science (B. Sc.) abschließt. Das berufsbegleitende Studienmodell ermöglicht das Studium der Physiotherapie nach erfolgreich absolvierter Physiotherapieausbildung innerhalb von 6 Semestern und schließt ebenfalls mit einem Bachelor of Science (B. Sc.) ab. Im berufsbegleitenden Modell besteht die Mög‐ lichkeit, sich außerhochschulisch praktisch erworbene Kompetenzen in Form von Zertifikatsweiterbildungen der Krankengymnastik am Gerät (KGG) sowie manueller Therapie (MT) auf das Studium anrech‐ nen zu lassen. Die Entwicklung der Wahlschwerpunkte „Manuelle Therapie“ sowie „Neurorehabilitation“ erfolgte mit unseren Kooperati‐ onspartnern aus der Praxis (das Medi ABC, Physio-Akademie, IAOM sowie NOZ Leipzig bzw. des DGNKN e.V.). Dieser Studiengang ist eine Antwort auf die vom Wissenschaftsrat empfohlene Teilakademisierung in der Physiotherapie von ca. 10-20 % (derzeit ca. 3 %). Die enge Verzahnung von Wissenschaft, Praxis und Weiterbildung machen diesen Studiengang ebenfalls einzigartig. Unse‐ rer Absolventinnen und Absolventen gewinnen nahezu regelmäßig Wissenschaftspreise für die herausragende Qualität ihrer Abschlussar‐ beiten. Die Qualifikationsziele des Studiengangs sind reflektierende Prak‐ tiker, die zu einer evidenzbasierten Gesundheitsversorgung beitragen können. Aktuell laufende Forschungsprojekte sind (1) eine fragebo‐ genbasierte Online-Umfrage zum Kenntnisstand von praktisch tätigen Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten zur evidenzbasierten Kapitel 2: Die Studiengänge der Physiotherapie (Bachelor of Science) 11 Praxis, (2) die Effektivität von physiotherapeutischen Interventionen zur Wiederherstellung der Funktion nach Schlaganfall sowie beim idiopathischen Parkinson-Syndrom (IPS), sowie (3) die Effektivität physiotherapeutischer Interventionen zur Wiederherstellung der Funktion bei chronisch kritisch kranken Menschen mit einem auf der Intensivstation erworbenem Schwächesyndrom. Kapitel 2: Die Studiengänge der Physiotherapie (Bachelor of Science) 12 Manuelle Lymphdrainage nach Schlaganfall - Die Wirkung der Manuellen Lymphdrainage auf den intrakraniellen Druck, die frührehabilitative Entwicklung und das Immunsystem akuter Schlaganfallpatienten (Bachelorarbeit) Koch, Ulrike Einleitung 2013 gehörte der Schlaganfall zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland (Statistisches Bundesamt, 2014). Entgegen bisheriger Meinungen konnten nun Louveau et al. (2015) Lymphgefäße im Ge‐ hirn nachweisen. Aus diesem Grund scheint es sinnvoll, die Manuelle Lymphdrainage (MLD) als möglichen Therapieansatz für Schlaganfall‐ patienten zu untersuchen. Methode Sieben akute Schlaganfallpatienten (ischämisch und hämorrhagisch) wurden in einer nicht randomisierten, teilweise kontrollierten klini‐ schen Studie am Klinikum Darmstadt behandelt. Die Interventions‐ gruppe erhielt täglich eine MLD am Kopf und wenn möglich intraoral. Untersucht wurde die Wirkung auf den intrakraniellen Druck (ICP), Kapitel 2.1: Kapitel 2.1: Studiengang Physiotherapie (Ai) 13 die frührehabilitative Entwicklung (Frühreha-Barthelindex, FRBI) und das Immunsystem. Ergebnisse In der Interventionsgruppe konnte eine kurzfristige Senkung des ICP durch die MLD festgestellt werden (Ø -0,58 mm Hg). Der FRBI ver‐ besserte sich in Interventions- und Kontrollgruppe, was keine Rück‐ schlüsse auf die MLD zulässt. Die dokumentierten Blutparameter (CRP und Gesamtleukozytenzahl) konnten einen Effekt der MLD auf das Immunsystem weder bestätigen noch widerlegen. Diskussion Der Verlauf des ICP liefert erste Hinweise über den Einfluss der MLD auf das zentrale Nervensystem. Die geringe Teilnehmerzahl lässt je‐ doch keine allgemeingültigen Schlussfolgerungen zu. Fazit Um die Wirkung der MLD auf die Schlaganfallsymptomatik nachzu‐ weisen sind randomisierte, kontrollierte Studien notwendig. Positive Ergebnisse würden neue Therapieansätze für die Neurorehabilitation liefern. Kapitel 2: Die Studiengänge der Physiotherapie (Bachelor of Science) 14 Unterscheiden sich interdisziplinäre Therapiekonzepte von physiotherapeutischen Therapiekonzepten in ihrer Wirkung auf Patienten mit Morbus Parkinson? Eine systematische Literaturrecherche (Bachelorarbeit) Morreale, Vanessa Einleitung Diese Arbeit untersucht den Unterschied in der Wirkung zwischen multidisziplinären Therapiekonzepten (MDT) und physiotherapeuti‐ schen Therapiekonzepten (PT) bei Patienten mit Morbus Parkinson. Methodik Eine systematische Literaturrecherche in der Meta-Datenbank PubMed wurde durchgeführt. Die Literatur wurde selektiert, die Inhal‐ te analysiert und die Evidenzstärke klassifiziert. Ergebnisse Die Recherche ergab 27 Arbeiten (16 Studien, 11 Reviews). Die Evi‐ denzstärke, welche nach dem Scottish Intercollegiate Guidelines Net‐ work (SIGN) eingestuft wurde, lag zwischen I+ und III. Für beide The‐ rapiekonzepte konnte ein positiver Effekt festgestellt werden. Dies wie‐ Kapitel 2.2: Kapitel 2.2: Studiengang Physiotherapie (Ai) 15 sen 69,2% der MDT-Studien auf, in der Physiotherapie waren es 75% der Studien. Eine Heterogenität des Studiendesigns und der Ergebnisse war zu erkennen. Diskussion Beide Therapiekonzepte wiesen positive Tendenzen auf. Da die Studi‐ endesigns und Ergebnisse eine Heterogenität innehatten, war der Ver‐ gleich der Studien miteinander schwierig. Ähnliche Erkenntnisse do‐ kumentierten die analysierten Reviews. Dort kristallisierte sich zuneh‐ mend eine Forderung nach organisierten Therapiezentren und Netz‐ werken aus, um eine Bündelung der Kompetenzen zu erzeugen. Kapitel 2: Die Studiengänge der Physiotherapie (Bachelor of Science) 16 Evidenzlage des PECH-Schemas in der Sporttraumatologie (Bachelorarbeit) Lindner, Marco Einleitung Das PECH-Schema wird zur ersten Versorgung akuter Sportverletzun‐ gen angewandt. In dieser Arbeit wird die Evidenzlage dieser Anwen‐ dung untersucht, zusammengefasst und kritisch reflektiert. Methodik Es wurde eine Literaturrecherche in den Datenbanken von Pubmed und PEDro zu PECH und den Symptomen Schmerz, Schwellung und Beweglichkeit durchgeführt. Insgesamt wurden 12 relevante Artikel identifiziert. Ergebnisse Eine funktionelle Behandlung ist effektiver als Ruhigstellung. Eis lin‐ dert Schmerzen, verringert jedoch die Beweglichkeit. Eine Schwel‐ lungsreduktion durch Kühlung ist nicht belegt. Die Kompressionsthe‐ rapie ist effektiv. Es gibt keine Evidenz für Hochlagerung. Diskussion Die Evidenzlage steht im Widerspruch zur gängigen Praxis. Die Kom‐ ponenten wurden teilweise widerlegt. Kapitel 2.3: Kapitel 2.3: Studiengang Physiotherapie (Ai) 17 Schlussfolgerung Aufgrund der fehlenden Evidenz von PECH kann häufig nur individu‐ ell über die Anwendung im Akutfall entschieden werden. Es bedarf in jedem Fall weiterer Forschung. Kapitel 2: Die Studiengänge der Physiotherapie (Bachelor of Science) 18 Überprüfung von Faszieneigentherapien bei Sportlern. Vergleich von Fascia Releazer® vs. Pin Roller (Bachelorarbeit) Schweisthal, Miriam Hintergrund Die Faszieneigentherapie tritt im Bereich der Physiotherapie sowie im Sportbereich immer mehr in den Vordergrund. Daher ist es umso wichtiger ihre Wirkungen und die Effektivität dieser Techniken zu hin‐ terfragen. Methode Mit Hilfe einer Studie an Sportlern wurden die Techniken des „Rol‐ ling“ und des „Shearing“, die in der Faszieneigentherapie inkludiert sind, auf ihre Effektivität untersucht werden. Als Vertreter des „Shea‐ ring“ wurde der Fascia Releazer® verwendet, für das „Rolling“ ein Pin Roller. Ergebnisse Anhand der Studie konnte die Durchblutung gesteigert sowie die Stei‐ figkeit des Gewebes gesenkt werden. Einen Einfluss auf die Elastizität bei einer kurzen Interventionsdauer, wie sie in der Studie verwendet wurde, konnte nicht bestätigt werden. Die Sensibilität bzw. das Emp‐ finden an der behandelten Fläche konnte jedoch deutlich beeinflusst Kapitel 2.4: Kapitel 2.4: Studiengang Physiotherapie (Ai) 19 werden. Zudem konnten Veränderungen in der Hydration des Gewe‐ bes mittels des Fascia Releazer®´s festgestellt werden. Ausblick Es sind noch weitere Studien notwendig, um genauere Aussagen über die Wirkungsweise der einzelnen Therapiegeräte im Gewebe belegen zu können. Kapitel 2: Die Studiengänge der Physiotherapie (Bachelor of Science) 20 Effektivität der manuellen Lymphdrainage in Kombination mit manueller Therapie als konservative Therapie nach akuten, lumbalen Bandscheibenvorfällen (Bachelorarbeit) Gehrig, Ina Hintergrund Bei 5% der Patienten mit Rückenschmerzen ist ein Bandscheibenvor‐ fall die Schmerzursache (Lühmann et al., 2005; Börm et al., 2005). Fast 100 000 Bandscheibenoperationen wurden 2012 in Deutschland durchgeführt (Neubauer, 2013). Operationen bergen aufgrund der su‐ perfizialen oder profunden Wundheilungsstörungen das Risiko einer Chronifizierung (Krämer, 2006, S. 72). Methode Diese Arbeit untersucht den Einfluss von manueller Lymphdrainage (MLD) kombiniert mit manueller Therapie (MT) auf akute, lumbale Bandscheibenvorfälle. Für ein Pilotprojekt wurden sechs Probanden mit akutem, lumbalen Bandscheibenvorfall in zwei Gruppen randomi‐ siert. Beide Gruppen erhielten während der untersuchten Woche MT. Die Interventionsgruppe erhielt zusätzlich Behandlungen mit MLD. Kapitel 2.5: Kapitel 2.5: Studiengang Physiotherapie (Ai) 21 Ergebnisse Die konservative Therapie mit MT kombiniert mit MLD hat nach einem akuten, lumbalen Bandscheibenvorfall positive Auswirkungen auf Schmerzen (VAS) und die Beweglichkeit (Fersen-Boden-Abstand, Finger-Boden-Abstand, Schober-Zeichen, Ott-Zeichen) im Vergleich zur Kontrollgruppe. Schlussfolgerung Es gibt bisher kaum Studien, die die Kombination beider Techniken bei Bandscheibenvorfällen untersuchen. Weitere Studien sind notwen‐ dig. Kapitel 2: Die Studiengänge der Physiotherapie (Bachelor of Science) 22 Prädiktoren in der ambulanten Rehabilitation nach Knie-TEP. Eine prospektive Kohortenstudie (Bachelorarbeit) Krondorf, Lukas Forschungsfrage Welche Prädiktoren in der ambulanten Rehabilitation von Patienten mit Knie-TEP gibt es? Hintergrund Die Identifikation der Prädiktoren kann zu einer optimierten Rehabili‐ tationsmaßnahme und besserer Funktion des operierten Kniegelenkes führen. Methodik Bei dieser prospektiven Kohortenstudie mit 16 Probanden, die alle eine Knie-Totalendoprothese erhalten haben, wurde eine ambulanten Reha durchgeführt. Messparameter Physiotherapeutischer Befund, Knee-Osteoarthritis-Outcome-Score (KOOS) und eine modifizierte Variante des Timed-Up-Go-Test (mTUG). Kapitel 2.6: Kapitel 2.6: Studiengang Physiotherapie (Ab) 23 Ergebnisse Der subjektive Ruheschmerz ist der beste Prädiktor für höhere KOOS- Werte (p = 0,005 ; ϱ  = 0,590 ; ϱ²  = 35%) und geringere Belastungs‐ schmerzwerte (p < 0,01 ; ϱ  = 0,751 ; ϱ²  = 56%) am Ende der Reha. Der Grad der Bildung, Behandlungsdauer und Geschlecht der Probanden beeinflussen das Ergebnis. Alter, soziale Faktoren und sportliche Akti‐ vität haben keinen signifikanten Einfluss. Schlussfolgerung Standardisierte Erhebung der Schmerzwerte (VAS) und Einführung von KOOS und mTUG als Qualitätskriterien in der Reha nach Knie- TEP werden empfohlen. Kapitel 2: Die Studiengänge der Physiotherapie (Bachelor of Science) 24 Einfluss der Pausendauer auf das motorische Lernen bei Schlaganfallpatienten. Eine randomisierte kontrollierte Studie (Bachelorarbeit) Schweder, Simon Einleitung Schlaganfallpatienten leiden häufig an Gleichgewichtsstörungen. Aus diesem Grund stellt ein Gleichgewichtstraining prozentual einen gro‐ ßen Therapieinhalt in der Physiotherapie. Eine hohe Wiederholungs‐ anzahl ist einer der fördernden Faktoren für motorisches Lernen. Ob eine Pause zwischen den einzelnen Übungsblöcken eine Rolle beim motorischen Lernen spielt, ist unbekannt. Ziel dieser Studie ist, genau dies heraus zu finden. Methodik In einem randomisierten kontrollierten Studiendesign wurden 20 Pati‐ enten nach Schlaganfall in die Untersuchung eingeschlossen. Es wurde die Gleichgewichtsfähigkeit anhand des Einbeinstandes und des Tan‐ demstandes überprüft. Per Losverfahren wurden die Patienten in 2 Gruppen aufgeteilt. In Gruppe A wurde jeweils eine 1-minütige Pause zwischen den sechs 2-minütigen Übungsblöcken eingehalten, in Grup‐ pe B wurde jeweils eine 4-minütige Pause zwischen den sechs 2-minü‐ tigen Übungsblöcken eingehalten. Kapitel 2.7: Kapitel 2.7: Studiengang Physiotherapie (Ab) 25 Ergebnisse Gemessen an den Medianwerten konnten sich alle Probanden in Ihren Gleichgewichtsleistungen im Einbein- und Tandemstand verbessern. Im Vergleich der Medianwerte konnte sich Gruppe A im Tandemstand signifikant stärker verbessern als Gruppe B. Der Gesamtgruppenver‐ gleich der beiden Primärparameter konnte allerdings keine Über- oder Unterlegenheit einer der beiden Pausendauervarianten zeigen. Diskussion Gleichgewichtstraining zeigt einen positiven Effekt auf dieselben Funktionen. Eine festgelegte Pausendauer hierbei einzuhalten scheint den Ergebnissen nach allerdings fraglich zu sein. Keine der beiden Gruppen konnte im Vergleich miteinander eine signifikant bessere Leistung erzielen. Allerdings, im Vergleich der Medianwerte, konnte die Gruppe A im Parameter Tandemstand eine signifikant bessere Leistung erzielen als Gruppe B. Schlussfolgerung Diese Pilotstudie hat kontroverse Ergebnisse erzielt. Aufgrund der nicht eng genug gesteckten Ein- und Ausschlusskriterien waren die Gleichgewichtsleistungen der Probanden sehr unterschiedlich. Kein statistischer Test kann dies genauestens herausrechnen. Aus diesem Grunde sind weitere Studien zu dem Thema gefordert. Kapitel 2: Die Studiengänge der Physiotherapie (Bachelor of Science) 26 Evidenz zu den Auswirkungen von Schlaf auf motorisches Lernen. Ein systematisches Review (Bachelorarbeit) Hartleib, Lisa Einleitung Motorisches Lernen stellt die Grundlage für die Entwicklung der mo‐ torischen Fertigkeiten des Menschen dar. Ein Aspekt der Festigung des motorischen Lernens, neben dem wiederholten Üben einer Aufgabe, scheint der Schlaf zu sein. Bisher fehlt hierfür jedoch ein Überblick der aktuellen Literatur. Methodik Die systematische Literaturrecherche erfolgte in den Datenbanken Pubmed, PEDro, EMBASE, EMBASE alert, der Cochrane library und Medline. Zeitgleich wurde eine Handsuche durchgeführt. Auf der Ba‐ sis des PICOS – Schemas wurden die Ein- und Ausschlusskriterien der Suche festgelegt. Ergebnisse Die Suche ergab eine Trefferquote von 731 Studien. In diese Arbeit konnten elf Volltexte eingeschlossen werden. Die Übersichtsarbeit zeigt, dass Schlaf zu einer Verbesserung des motorischen Lernens führt. Kapitel 2.8: Kapitel 2.8: Studiengang Physiotherapie (Ab) 27 Diskussion Die Ergebnisse der Übersichtsarbeit zeigen eine Leistungsverbesserung, geben jedoch keine Auskunft über die nötige Dauer und Dosierung des Schlafes, sowie dessen Langzeitwirkung. Auch ist bislang unklar, bei welcher Übungsauswahl und Art der Anweisung der Schlaf opti‐ male Ergebnisse erzielt. Hier ist eine weitere Forschung in Form von randomisierten kontrollierten Studien mit verschiedenen Dosierungen von Schlaf im Vergleich zu einer Wachgruppe mit einem sechsmonati‐ gem Follow up gefordert. Kapitel 2: Die Studiengänge der Physiotherapie (Bachelor of Science) 28 Die Wirksamkeit eines externen Aufmerksamkeitsfokus auf die Bewegungsausführung bei Patienten nach Schlaganfall (Bachelorarbeit) Mückel, Simone Einleitung In der Behandlung von Schlaganfallpatienten können die Instruktio‐ nen des Therapeuten einen internen oder externen Fokus beinhalten. Ziel der Studie war es, die Wirksamkeit des externen Fokus, verglichen mit einem internen Fokus, bei Schlaganfallpatienten zu untersuchen. Methodik In einer randomisierten kontrollierten Studie wurden 19 Patienten per Randomisierung der Interventionsgruppe (n = neun) und der Kon‐ trollgruppe (n = zehn) zugeteilt. Beide Gruppen sollten im Sitz das Körpergewicht so weit wie möglich auf die nicht betroffene Körpersei‐ te verlagern. Die Interventionsgruppe (externer Fokus) fokussierte da‐ bei einen Kreis, der auf der Behandlungsliege angebracht wurde. Die Kontrollgruppe (interner Fokus) konzentrierte sich auf die ipsiläsiona‐ le Körperhälfte. Über eine Druckmessmatte wurden das Ausmaß und die Präzision der Gewichtsverlagerung gemessen. Ergebnisse Die Patienten der Experimentalgruppe konnten ihr Körpergewicht doppelt so weit zur gesunden Körperhälfte verlagern wie Patienten der Kapitel 2.9: Kapitel 2.9: Studiengang Physiotherapie (Bb) 29 Kontrollgruppe (p = 0,006). Bezüglich der Bewegungspräzision gab es keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen den Gruppen (p = 0,085). Diskussion Die Wirksamkeit des externen Fokus auf die Bewegungsausführung konnte bei Schlaganfallpatienten nachgewiesen werden. Aufgrund der geringen Patientenanzahl ist die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf al‐ le Patienten mit Zerebralparese fraglich. Schlussfolgerung Der externe Fokus sollte bevorzugt in der Therapie von Schlaganfallpa‐ tienten eingesetzt werden. Kapitel 2: Die Studiengänge der Physiotherapie (Bachelor of Science) 30 Ergebnisse einer Umfrage von Physiotherapeuten. Frühe Mobilisierung von Patienten mit Schlaganfall auf zertifizierten Stroke Units in Deutschland (Bachelorarbeit) Austinat, Katrin Einleitung Die Behandlung von Patienten nach einem Schlaganfall auf einer Stroke Unit verringert die Sterblichkeit und verbessert das funktionelle Outcome. Sehr frühe Mobilisation ist mit einer Verringerung von Komplikationen nach Schlaganfall verbunden. Ziel dieser Studie ist es herauszufinden, wie und wann Patienten mit Schlaganfall auf zertifi‐ zierten Stroke Units in Deutschland mobilisiert werden. Methode Mit einem standardisierten Fragebogen wurden Physiotherapeuten zu Desertion von Patienten mit Schlaganfall befragt. Die Befragung wur‐ de im März 2015 auf zertifizierten Stroke Units in Deutschland durch‐ geführt. Kapitel 2.10: Kapitel 2.10: Studiengang Physiotherapie (Bb) 31 Ergebnisse 53 Fragebögen konnten in dieser Studie ausgewertet werden. Die erste Mobilisierung von Patienten mit Schlaganfall fand im Mittel 21 Stun‐ den nach Symptombeginn statt. 20 % der Patienten wurden im Bett be‐ wegt. Fazit Die befragten Physiotherapeuten sind wesentlich an der Rehabilitation der Patienten nach Schlaganfall in der Akutphase beteiligt. Kapitel 2: Die Studiengänge der Physiotherapie (Bachelor of Science) 32 Rhythmisch-akustische Stimulation (RAS) als Ergänzung des Gangtrainings von Patienten nach Schlaganfall in der physiotherapeutischen Praxis. Eine randomisierte kontrollierte Studie (Bachelorarbeit) Schöler, Almut Einleitung Die rhythmisch-akustische Stimulation (RAS) ist die Stimulation der Schrittfrequenz mit einem akustischen Signal. Ziel der Studie war es, die Wirksamkeit von RAS als ergänzende Maßnahme beim Gangtrai‐ ning von Schlaganfallpatienten der Spätphase zu untersuchen. Methodik In einer randomisierten kontrollierten Studie wurden zwölf Patienten per Los der Interventionsgruppe (n=6) und der Kontrollgruppe (n=6) zugeteilt. Beide Gruppen durchliefen ein vierwöchiges Gangtraining. Die Interventionsgruppe bekam zusätzlich RAS durch Musik über Kopfhörer. Vor und nach Intervention sowie zwölf Wochen später (Follow-up) wurden Berg Balance Scale, 6-Minuten-Gehtest und Schrittlänge sowie Geschwindigkeit bei einer Gehstrecke von zehn Me‐ tern gemessen. Kapitel 2.11: Kapitel 2.11: Studiengang Physiotherapie (Bb) 33 Ergebnisse Es gab keine signifikanten Unterschiede bezüglich der gemessenen Va‐ riablen zwischen Interventions- und Kontrollgruppe. Ebenso gab es keine Hinweise darauf, dass die Fähigkeit, einem Takt zu folgen, für eine gute Wirksamkeit von RAS notwendig ist. Diskussion Die Wirksamkeit von RAS konnte bei chronischen Schlaganfallpatien‐ ten im ambulanten Setting in dieser Untersuchung nicht nachgewiesen werden. Möglicherweise kam es aufgrund der kleinen Stichprobe zu einer ungünstigen Randomisierung, wodurch keine Effekte sichtbar waren. Schlussfolgerung Ob RAS in der ambulanten Praxis zur Behandlung von Schlaganfallpa‐ tienten wirksam ist, bleibt fraglich. Kapitel 2: Die Studiengänge der Physiotherapie (Bachelor of Science) 34 Die Studiengänge der Ergotherapie (Bachelor of Science) Elsner, Bernhardt Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten unterstützen und begleiten Menschen jeder Altersgruppe, die in ihrem täglichen Leben beein‐ trächtigt oder von Beeinträchtigung bedroht sind. Durch ihre Experti‐ se tragen Sie dazu bei, körperliche, geistige aber auch psychische Funk‐ tionen zu erhalten oder wiederherzustellen. Darüber hinaus helfen sie Menschen ihre Selbstständigkeit beizubehalten und verschiedene Auf‐ gaben in ihrem Leben weitestgehend allein zu erfüllen. Der Studien‐ gang Ergotherapie (B. Sc.) bereitet Ergotherapeutinnen und Ergothera‐ peuten auf die Herausforderungen der zukünftigen Gesundheitsver‐ sorgung vor. Der Studiengang wird in zwei verschiedenen Modi ange‐ boten: (1) ausbildungsbegleitend und (2) berufsbegleitend. Im ausbildungsbegleitenden Studienmodell werden Fachkompe‐ tenzen in den Bereichen Neurowissenschaften und Neurorehabilitati‐ on geschult. Die Immatrikulation ist nach dem erfolgreichen absolvie‐ ren des ersten Ausbildungsjahres der Ergotherapieausbildung möglich. Das Studium verläuft im Jahr zwei und drei der Ausbildung parallel zu dieser. Anschließend folgt ein dreisemestriger Vollzeitstudienabschnitt, der mit dem Bachelor of Science (B. Sc.) abschließt. Das berufsbegleitende Studienmodell ermöglicht das Studium der Ergotherapie nach erfolgreich absolvierter Ergotherapieausbildung in‐ nerhalb von 6 Semestern und schließt ebenfalls mit einem Bachelor of Science (B. Sc.) ab. Im berufsbegleitenden Modell können die Schwer‐ punkte „Interdisziplinäre Frühförderung (IFF)“ oder „Neurorehabili‐ tation“ gewählt werden. Die Entwicklung der Wahlschwerpunkte „IFF“ sowie „Neurorehabilitation“ erfolgte mit unserem Studiengang „Bil‐ dung und Förderung in der Kindheit (BFK)“ bzw. mit unserem Koope‐ Kapitel 3: 35 rationspartner aus der Praxis, der Deutschen Gesellschaft für Neuro‐ traumatologie und klinische Neurorehabilitation e.V. (DGNKN). Dieser Studiengang ist eine Antwort auf die Akademisierungsund Professionalisierungsbestrebungen der Ergotherapie. Die enge Verzahnung von Wissenschaft und Praxis machen diesen Studiengang deutschlandweit einzigartig. Die Qualifikationsziele des Studiengangs sind reflektierende Praktiker, die zu einer evidenzbasierten Gesund‐ heitsversorgung beitragen können. Aktuell laufende Forschungsprojekte sind (1) eine fragebogenba‐ sierte Online-Umfrage zum Kenntnisstand von praktisch tätigen Ergo‐ therapeutinnen und Ergotherapeuten zur Evidenzbasierten Praxis, so‐ wie (2) die Effektivität von ergotherapeutischen Interventionen zur Wiederherstellung der Funktion der oberen Extremität nach Schlagan‐ fall. Kapitel 3: Die Studiengänge der Ergotherapie (Bachelor of Science) 36 Entwicklung und Evaluation eines standardisierten Gruppen- Armtrainings für Schlaganfallpatienten in der ambulanten ergotherapeutischen Rehabilitation (Bachelorarbeit) Knauf, Katrin Hintergrund Ziel der vorliegenden Studie war es, ein standardisiertes Zirkeltraining in der Gruppe zur Behandlung von Tarifen der oberen Extremität nach Schlaganfall zu entwickeln und in der ambulanten ergotherapeuti‐ schen Therapie auf Umsetzbarkeit und Effektivität zu überprüfen. Methodik Für die multizentrische Pilot-Kohortenstudie wurden in zwei ambu‐ lanten Therapiezentren und einer ergotherapeutischen Praxis Patien‐ ten mit vorhandener Armparese rekrutiert, bei denen der Schlaganfall ein Jahr oder länger zurücklag. Patienten nahmen an einem fünfwö‐ chigen Gruppen-Armtraining mit zwei Terminen pro Woche teil. Ein Teil des Trainings war ausgelegt als Zirkeltraining mit insgesamt sechs Übungsstationen. Nach dem fünfwöchigen Training erfolgten die Er‐ hebung bezüglich Umsetzbarkeit mittels Fragebögen und die Auswer‐ tung anhand von Trainingsprotokollen. Sekundär wurde der Zuge‐ winn auf Körperfunktions-und Aktivitätsebene vor und nach dem In‐ Kapitel 3.1: Kapitel 3.1: Studiengang Ergotherapie (AB) 37 terventionszeitraum mit dem Box AND Block Test mit einer modifi‐ zierten Form des Motor Activity Log erhoben und betrachtet. Ergebnisse Insgesamt wurden 16 Patienten mit einem durchschnittlichen Alter von 61 Jahren (SD neun Jahre) in die Studie eingeschlossen. Der Zeit‐ punkt des Ereignisses lag im Durchschnitt fünf Jahre (SD vier Jahre) zurück. Die Compliance der Patienten zu den fünfwöchigen Gruppen Armtraining war zu 75 % sehr gut bis gut. Für vier der sechs Zirkel‐ übungen konnten statistisch signifikante Trainingseffekte im vorher nachher Vergleich erhoben werden. Alle anderen Tests auf Körper‐ funktions-und Aktivitätsebene ergaben keine statistisch signifikanten Ergebnisse. Diskussion Das standardisierte Gruppen-Armtraining ist in dem ambulanten er‐ gotherapeutischen Alltag umsetzbar und stellt eine sichere Behand‐ lungsmöglichkeit neben der regulären Einzeltherapie von Patienten mit armbetonter Hemiparese ein Jahr oder länger nach Schlaganfall dar. Kapitel 3: Die Studiengänge der Ergotherapie (Bachelor of Science) 38 Effekte der studentischen Resonanztherapie auf die Konzentrationsleistung bei Kindern mit Aufmerksamkeitsstörungen. Eine retrospektive Kohortenstudie (Bachelorarbeit) Luthardt, Franziska Einleitung Aufgrund der vielen ADHS Diagnosen bei Kindern, bei dem die Hauptproblematiken die geringe Konzentrations- und Aufmerksam‐ keitsleistungen sind, gibt es viele Konzentrationstrainings. Die SRT weist einige positive Beobachtungs- und Erfahrungsberichte über die Verbesserung der Konzentration auf. Es gibt jedoch keine statistischen bzw. evidenten Nachweise darüber. Methodik Es wurde ein retrolektives Kohortenstudiendesign ausgewählt. Es gab eine Prüf- und Kontrollgruppe von jeweils 10 Probanden. Die Prüf‐ gruppe hatte zu Beginn eine stochastische Resonanztherapie und die Kontrollgruppe nicht. Anhand einer EEG-Messung mittels des Neuro‐ feedbacks wurden die Bereiche des Theta (Ablenkbarkeit, Träumerei) und der Bereich des SMR (fokussierte Aufmerksamkeit) zu Beginn und am Ende der 10 Therapieeinheiten gemessen. Mittels einer Quoti‐ entenbildung der beiden Bereiche wurde das Ratio berechnet und ver‐ glichen. Kapitel 3.2: Kapitel 3.2: Studiengang Ergotherapie (AB) 39 Ergebnisse Es wurden keine signifikanten Verbesserungen im Vergleich der Prüfund Kontrollgruppe und auch zwischen den einzelnen Therapieeinhei‐ ten (p >0,05) gefunden. Diskussion Bei weiteren Studien sollten mehrere Probanden mit detaillierten Ein‐ schlusskriterien rekrutiert werden. Schlussfolgerung Obwohl zwischen den einzelnen Therapieeinheiten die Ratios der Prüfgruppe besser waren, sind keine signifikanten Verbesserungen zu sehen. Somit ist eine stochastische Resonanztherapie kein Ersatz für ein Konzentrationstraining, explizit für den Zusammenhang von Ab‐ lenkbarkeit und fokussierter Aufmerksamkeit. Kapitel 3: Die Studiengänge der Ergotherapie (Bachelor of Science) 40 Effektivität der Behandlungsmöglichkeiten des visuell-räumlichen Neglect-Patienten nach rechtshemisphärischem Schlaganfall. Eine systematische Übersichtsarbeit (Bachelorarbeit) Sala, Karolina Hintergrund Der unilaterale linksseitige visuell-räumliche Neglect ist ein häufig auftretendes Störungsbild nach rechtshemisphärischem Schlaganfall und wird meist mit einer schlechten Rehabilitationsprognose assoziiert. Es existieren zahlreiche Interventionen zur Behandlung dieses Stö‐ rungsbildes, jedoch mangelt es an systematischen Übersichtsarbeiten mit hohem Evidenzgrad, die deren Effektivität untersuchen. Ziel der Arbeit ist der Vergleich vorhandener Interventionen zur Behandlung des unilateralen linksseitigen visuell-räumlichen Neglects, anhand des Neglectausmaßes und der Performanz in den Aktivitäten des täglichen Lebens, um anschließend eine Aussage über deren Effektivität treffen zu können. Methodik Im Zeitraum von August bis November 2014 erfolgte eine Datenbank‐ recherche in PubMed, Cochrane Library und PEDro. Zusätzlich er‐ folgte eine Handrecherche. Eingeschlossen wurden randomisierte kon‐ trollierte Studien, die im Zeitraum von Januar 2000 bis November Kapitel 3.3: Kapitel 3.3: Studiengang Ergotherapie (BB) 41 2014 publiziert wurden und bei denen eine der möglichen Interventio‐ nen im Fokus stand. Diese RCT´s sollten Patienten nach rechtshemi‐ sphärischem Schlaganfall und mit linksseitigem Neglect untersuchen. Ausschlusskriterien waren Hemianopsie und pharmakologische Studi‐ en. Es wurde eine Meta-Analyse durchgeführt. Ergebnisse Es wurden elf randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 334 Probanden eingeschlossen. Es konnten neun verschiedene Interventio‐ nen identifiziert werden, die innerhalb der Meta-Analyse untersucht wurden. Die Meta-Analyse ergab im Vergleich der neglectspezifischen Behandlung mit der Kontrollgruppe keine statistisch signifikanten Kurzzeiteffekte, sowie Langzeiteffekte, in Bezug auf das Neglectausmaß und die Verbesserung in der Performanz der ADL´s. Schlussfolgerung Die Effektivität der neglectspezifischen Interventionen, gegenüber der Standardtherapie, bezüglich der Reduktion des Neglectausmaßes und der Verbesserung der Performanz in den ADL´s bleibt unbewiesen. Auf der Basis der gegenwärtigen Evidenz aus RCT´s kann keine ein‐ deutige Empfehlung für eine der untersuchten Interventionen gegeben werden. Weitere Forschung, mit mehr methodisch hochwertigen Stu‐ dien und größeren Stichproben ist notwendig, um vorteilhafte Effekte der Interventionen zu untersuchen. Kapitel 3: Die Studiengänge der Ergotherapie (Bachelor of Science) 42 Der Studiengang Logopädie (Bachelor of Science) Wahn, Claudia Die Forschungsexpertise des Hochschulteams im ausbildungsinte‐ grierten Bachelorstudiengang Logopädie umfasst ein breites Spektrum an Aktivitäten und reicht von der Entwicklung und Erprobung neuer präventiver, diagnostischer und therapeutischer Verfahren über mo‐ derne Methoden der Bildgebung des Gehirns bis hin zu Blickbewe‐ gungsmessungen. Dabei stehen neben neurologischen Störungsbildern wie der Aphasie, der Primär Progressiven Aphasie (PPA), den demen‐ tiellen Sprach- und Sprechbeeinträchtigungen und verschiedenen For‐ men der Apraxie auch Schluck-, Stimm- und die breite Palette der Spracherwerbsstörungen sowie Schriftsprachstörungen (v.a. LRS, Ale‐ xie, Agraphie) im Mittelpunkt des Interesses. Eng verzahnt mit der Lehre stehen auch in der Forschung grundlagenorientierte Ansätze ne‐ ben einer starken Anwendungsbezogenheit. Dabei bilden unsere aktiv miteinander vernetzten Experten aus den Fach- und Interdisziplinen der Logopädie, der Patho-, Psycho- und Neurolinguistik, der theoreti‐ schen Linguistik, der Akademischen Sprachtherapie, der Gebärden‐ sprachforschung, der Medizin und des Gesundheitsmanagements die zentralen Ausgangspunkte für die Forschung. Mit Hilfe dieses interdis‐ ziplinär ausgerichteten forschungsstarken Teams werden ProbandIn‐ nen und PatientInnen vom Säugling bis ins hohe Alter fokussiert. Die Forschung dient dabei stets dem Wohle des Individuums sowie dessen Agieren in der Gesellschaft, v.a. im Gesundheits- und Bildungsbereich. Im Einzelnen verfolgen unsere ProfessorInnen folgende Forschungsin‐ teressen: Kapitel 4: 43 Prof. Dr. rer. medic. Irene Ablinger-Borowski (Dipl. Log.) Forschungsschwerpunkte von Irene Ablinger-Borowski liegen im Be‐ reich der erworbenen kognitiven Sprachstörungen, insbesondere der Aphasien und Dyslexien. In den letzten Jahren wurde die Methode der Blickbewegungsmessung in der Untersuchung und Therapie der Wort‐ verarbeitung bei Patienten mit peripheren und zentralen Lesestörun‐ gen erfolgreich eingesetzt und erweitert. Als besonders effektiv erwies sich die Entwicklung eines blickbasierten Wortlesetrainings, das durch sakkadenabhängige Displaymanipulationen die visuelle Verfügbarkeit der Buchstabeninformation kontrolliert und dadurch die Interaktion lexikalischer bzw. segmentaler Wortverarbeitungsmechanismen stimu‐ liert. Aktuelle Projekte befassen sich mit der Entwicklung eines mo‐ dellgeleiteten Diagnostikums für erworbene Dyslexien, der Therapie bei reiner Alexie, der Untersuchung von Veränderungsprozessen im Zusammenspiel kognitiver Leistungen und Lesefertigkeiten über die Lebensspanne hinweg sowie dem Einsatz von Apps in der Aphasiethe‐ rapie. Prof. Dr. phil. Juliane Klann (M.A.) Juliane Klanns Forschung befasst sich mit den neurokognitiven Grundlagen intakter und beeinträchtigter Sprachverarbeitung in Laut-, Schrift- und Gebärdensprache sowie mit der Entwicklung und Nor‐ mierung sprachlicher Therapie- bzw. Förderkonzepte und diagnosti‐ scher Verfahren. Das besondere Augenmerk gilt bei allen Forschungs‐ aktivitäten der Frage nach der Rolle von Sprache als Teil eines multi‐ modalen, auf sensorischen und senso-motorischen Erfahrungen beru‐ henden sozialen Interaktionsnetzwerks. Methodisch nähert sie sich dieser Frage mittels funktioneller Bildgebung, linguistischer Analysen, mit Hilfe von Läsions-und Therapiestudien sowie über Studien zum motorischen und sprachlichen Lernen. Die Forschungsdaten umfassen neben Untersuchungen der intakten Laut-, Schrift- und Gebärden‐ sprachverarbeitung auch die gestörte Sprachverarbeitung bei Aphasie und in der Sprachentwicklung. In ihren Forschungsprojekten werden hörende und gehörlose Probanden sowie sich sprachlich normgerecht und normabweichend entwickelnde Kinder und Jugendliche unter‐ Kapitel 4: Der Studiengang Logopädie (Bachelor of Science) 44 sucht. Die Störungsbilder dieser stets interdisziplinär ausgerichteten Studienprojekte umfassen die Aphasie, die Gliedmaßenapraxie, die kindliche Dyslexie, die kindlichen Spektren der Autismus-Spektrum- Störung sowie (Spezifische) Sprachentwicklungs- und Hörstörungen. Juliane Klanns Forschung ist eingebettet in zahlreiche nationale, euro‐ päische und außereuropäische Kooperationen und findet auf deut‐ schen und internationalen Fachkonferenzen großen Anklang. Prof. Dr. rer. medic. Katharina Dressel (Dipl. Log.) Die Forschungsschwerpunkte von Katharina Dressel liegen im Bereich erworbener kognitiv bedingter Sprachstörungen. Klassifikation und Therapie bei primär progressiven Aphasien sowie weitere dementiell bedingte Störung der Sprache und Kommunikation und ihre evidenz‐ basierte Therapie stehen dabei im Vordergrund. Aktuelle Projekte be‐ fassen sich mit der Symptomatik bei primär progressiven Aphasien so‐ wie mit der Entwicklung eines Fragebogens zur Erfassung kommuni‐ kativer Bedürfnisse bei Menschen mit Demenz. Diagnostik, Therapie und modelltheoretische Lokalisation von erworbenen sprechmotori‐ schen Störungen (Sprechapraxie) sowie erworbene Störungen der Zah‐ lenverarbeitung sind ein weiterer Forschungsschwerpunkt. Aktivitäten im Bereich Lehrforschung betreffen die Bereiche des interprofessionel‐ len Lernens, den Einsatz moderner digitaler Medien in der Lehre so‐ wie die Entwicklung von Ausbildungszielen für eine akademische Lo‐ gopädie auf nationaler Ebene sowie die Ermittlung von länderüber‐ greifenden Referenzpunkten für die Logopädieausbildung auf europäi‐ scher Ebene. Prof. Dr. rer. medic. Muna van Ermingen-Marbach (Dipl. Log.) Der Forschungsschwerpunkt von Muna van Ermingen-Marbach liegt im Bereich der Ursachenforschung, Diagnostik und Therapie sowie der neuroanatomischen Struktur bei Entwicklungsdyslexie. Dabei ste‐ hen vor allem Aspekte der spezifischen neuronalen Signatur kognitiver Subtypen von Entwicklungsdyslexie im Vordergrund. Dabei soll ge‐ klärt werden, ob und inwieweit sich zum einen dyslektische Kinder in ihren Aktivierungsarealen bei lesebezogenen Aufgaben von normal le‐ Kapitel 4: Der Studiengang Logopädie (Bachelor of Science) 45 senden Kindern unterscheiden und zum anderem, ob hirnfunktionale Unterschiede innerhalb der dyslektischen Gruppe unterscheidbar sind. Die Auswirkungen einer auf das kognitive Defizit ausgerichteten spezi‐ fischen Intervention auf die Hirnfunktion sowie auf die Performanz sind hierbei von großem Interesse. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Abbildung kognitiver Einflüsse auf die Leseleistung über die gesamte Lebensspanne und deren Auswirkungen bzw. zugrundeliegenden Ver‐ änderungsprozesse. Prof. Dr. phil. habil. Claudia Wahn (Dipl., M. A.) Die Forschungsschwerpunkte von Claudia Wahn sind breit angelegt und betreffen sowohl den Kindersprachbereich, insbesondere die pri‐ mären und sekundären Spracherwerbsstörungen auf der semantischlexikalischen Ebene sowie das Risiko dafür als auch den neurologi‐ schen Bereich, insbesondere die neurologisch bedingten Schriftsprach‐ störungen. Im Zentrum der aktuellen Projekte stehen dabei grundsätz‐ lich Therapie und Förderung, auf die die Forschungsaktivitäten gerich‐ tet sind. Einen Einblick in laufende Projekte und ihren aktuellen Stand findet sich in der folgenden Aufstellung: Projektskizze (1): Therapiestudien zu einer produktions- und rezeptionsorientierten Sprachtherapie und deren Effekte auf semantisch-lexikalische Störun‐ gen zweisprachiger Vorschul- und Grundschulkinder sowie Überfüh‐ rung von Einzeltherapie- in Gruppentherapieformate. Aktuell Publikation der Ergebnisse (Buchprojekt, Int. Verlag der Wissenschaften Peter Lang sowie bereits publizierte Artikel in diversen Fachzeitschriften); Kooperationspartner: Stadt Köln, Amt für Kinder, Jugend und Familie (Abteilung Tageseinrichtung für Kinder), Kölner KiTas sowie Schulen mit dem Förderschwerpunkt Sprache der Stadt Köln. Kapitel 4: Der Studiengang Logopädie (Bachelor of Science) 46 Projektskizze (2): Entwicklung des Sprachverständnisses von unterstützt kommunizie‐ renden Kindern mit schwerster ICP und Anarthrie unter besonderer Berücksichtigung des semantisch-lexikalischen und morphologischsyntaktischen Erwerbs aktuell Phase der Datenerhebung für einzelne Subgruppen; interdisziplinäres Forschungsprojekt in Kooperation mit der Universität Leipzig Projektskizze (3): Entwicklung von Therapiematerialien für die Störungsbilder der Ale‐ xie und Agraphie auf der Basis konnektionistischer Modelle der Sprachverarbeitung – Konnektionistisch-orientierte Sprachtherapie in der Behandlung von Schriftsprachstörungen aktuell Datenerhebung im Rahmen eines Promotionsprojektes (Frau Dipl.-Patholing. J. König) und von Abschlussarbeiten; Koopera‐ tionspartner: SRH Kliniken, Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik, Nümbrecht, Logopädisch-interdisziplinäres Zentrum für intensive Therapie, Lind‐ lar Prof. Dr. phil. Karl-Heinz Stier (M. Sc.) Der Forschungsschwerpunkt von Karl-Heinz Stier ist dem Bereich Stimme gewidmet, insbesondere der Stimmtherapie und Akzentme‐ thode. Herr Stier ist der Nachfolger der Gründer der Akzentmethode S. Smith, K. Thyme-Frøkjær und B. Frøkjær-Jensen. Er forscht an dieser Methode im Hinblick auf die Stimmprävention bei Berufssprechern und bei neurologischen Störungen. Zu dieser Methode gibt er Fortbil‐ dungen für LogopädInnen und vermittelt diese Methode auch an Uni‐ versitäten und Hochschulen. Darüber hinaus lassen sich folgende Tätigkeiten benennen: – Kooperationen des SRH Campus Stuttgart mit dem Diakonischen Krankenhaus Stuttgart zum Thema „Stimmstörungen nach Stru‐ ma-Operationen“ – Mitarbeit an der neuen S2-Leitlinie Stimmstörungen. Kapitel 4: Der Studiengang Logopädie (Bachelor of Science) 47 – Leitung des dbl-Arbeitskreises Stimme – Gremiumsmitglied in der Bundesfreiberuflerkommission des dbl – Logopädischer Berater bei HABA. Entwicklung von Ratgebern für Eltern und Erzieher; Konzeption des Sprachspiels Papperlapapp. – aktuell Publikation der Ergebnisse (Buchprojekt, Int. Verlag der Wissenschaften Peter Lang) zum Thema Stimmprävention bei Leh‐ rerInnen nach der Akzentmethode. Prof. Dr. med. Raimund Böckler Die zunehmende Zahl von Säuglingen und Kleinkindern mit schweren Schluckstörungen erfordert die Etablierung kindgerechter endoskopi‐ scher Untersuchungsverfahren. Aus diesem Grund wurde ein neuer, endoskopischer Untersuchungsalgorithmus entwickelt, der eine stan‐ dardisierte pädiatrische Befunderhebung ermöglichen soll. Die Validi‐ tät dieser Methodik wird im Rahmen einer Multicenter-Studie geprüft. Projektskizze: Validierung eines diagnostischen Algorithmus zur flexiblen endosko‐ pischen Evaluation des Schluckens (FEES) bei Säuglingen und Klein‐ kindern mit neurogener Dysphagie Auswahl von Bachelorarbeiten seit Einführung des Studiengangs im WS 2011/ 12 Die seit Einführung des Bachelorstudiengangs entstandenen Ab‐ schlussarbeiten weisen eine große Breite an Themen auf, die das Fach vollumfänglich abbilden. Folgende exemplarisch ausgewählte Ab‐ stracts vermitteln einen Eindruck der Bachelorarbeiten, die seither entstanden sind. Die vorgestellten Arbeiten wurden mit „sehr gut“ be‐ wertet. Kapitel 4: Der Studiengang Logopädie (Bachelor of Science) 48 Literatur Alves, J., Magalhães, R., Gonçalves, O.F., Sampaio, A., Agavni Petrosyan, A., Machado, A. (2013). Non-pharmacological cognitive intervention for aging and dementia. World J Clin Cases 1, 8, 233-241. Charness, N., Parks, D. and Sabel, B. (2001). Communication, Technology and Aging: Opportunities and Challenges for the future. New York: Springer. Hesse, G., Eichhorn, S., Laubert, A. (2014). Hörfähigkeit und Schwerhörigkeit alter Menschen. HNO (1), 3-9. Hummel, T. (2014). Riechvermögen im Alter. HNO (1), 1-3. Martin, M., Clare, L., Altgassen, A.M., Cameron, M.H. & Zehnder, F. (2011). Co‐ gnition-based interventions for healthy older people and people with mild co‐ gnitive impairment. Cochrane Review. Niehoff, J. U. (2007). Gesundheitssicherung – Gesundheitsversorgung – Gesund‐ heitsmanagement, Berlin. Owens, R.E., Farinella, K.A. & Metz, D.E. (2014). Introduction to communication disorders: A lifespan evidence-based perspective. München: Pearson. Rosenbrock, R. & Gerlinger, T. (2006). Gesundheitspolitik – Eine systematische Einführung, Bern. Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen „Kooperation und Verantwortung. Voraussetzungen einer zielorientierten Ge‐ sundheitsversorgung“. Gutachten 2007. Kurzfassung. Simon, M. (2011). Das Gesundheitssystem in Deutschland (3.Aufl.), Bern. Kapitel 4: Der Studiengang Logopädie (Bachelor of Science) 49 Zur Effektivität des Wortschatzsammlers bei Kindern mit Down-Syndrom: Eine Einzelfallstudie Freimüller, Caroline Alice Insbesondere die Erweiterung des Wortschatzes gilt bei Kindern mit Down-Syndrom als große Herausforderung. Ein speziell für Down- Syndrom-Patienten entwickeltes Therapiekonzept zur Erweiterung der sprachlichen Kompetenzen gibt es bislang jedoch nicht. Der strategie‐ orientierte Therapieansatz „Der Wortschatzsammler“ von Motsch (2012) stellt eine effektive Möglichkeit zur Verbesserung der seman‐ tisch-lexikalischen Fähigkeiten bei Kindern im Vorschulalter dar. Wie sich dieses Konzept auf die semantisch-lexikalischen Kompetenzen ei‐ nes Kindes mit Down-Syndrom auswirkt und ob sich hierdurch ein positiver Effekt aufzeigt wurde im Rahmen dieser Arbeit anhand einer durchgeführten Einzelfallstudie mit Prä-Post-Design überprüft. Die Intervention erstreckte sich über einen Zeitraum von drei Wochen, wobei der unmittelbare Therapieeffekt durch ein standardisiertes und normiertes Testverfahren im Anschluss an die Therapie erfasst wurde. Durch eine Gegenüberstellung der Testergebnisse wurde deutlich, dass sich eine signifikante Verbesserung nach Abschluss der Interven‐ tion auch bei einem Kind mit Down-Syndrom zeigt. Kritisch zu be‐ trachten ist jedoch, dass der Entwicklungsstand bei diesen Kindern eine erhebliche Varianz aufzeigt und eine Übertragung des Einzelfall‐ ergebnisses als unzureichend erscheint. Als positiv sollte insbesondere die Tatsache, dass auch ein Kind mit Down-Syndrom zum Einsatz me‐ talinguistischer Fähigkeiten in der Lage ist, betrachtet werden. Ausge‐ hend von der aktuellen Forschungslage und den Einzelfallergebnissen ist die Durchführung einer randomisierten kontrollierten Interventi‐ onsstudie mit einer größeren Anzahl an Down-Syndrom-Kindern Kapitel 4.1: Kapitel 4: Der Studiengang Logopädie (Bachelor of Science) 50 über einen längeren Zeitraum empfehlenswert, um diesen positiven Effekt sowie zusätzlich Langzeiteffekte allgemein nachzuweisen. Schlüsselwörter: Down-Syndrom – Einzelfallstudie – Strategietherapie – „Wortschatz‐ sammler“ – semantischlexikalische Fähigkeiten Literatur Motsch, H.-J. & Ulrich, T. (2012). „Wortschatzsammler“ und „Wortschatzfinder“. Effektivität neuer Therapieformate bei lexikalischen Störungen im Vorschulal‐ ter. Sprachheilarbeit-Fachzeitschrift für Sprachheilpädagogik und akademische Sprachtherapie, 2.12, 70-78 Kapitel 4.1: Studiengang Logopädie 51 Erklärungsansätze zur Wirksamkeit rhythmischmelodischer Therapieverfahren in der Sprechapraxie Straßer, Bernadette Die Sprechapraxie (SAX) ist eine sprechmotorische Störung, die mo‐ delltheoretisch auf der Ebene der phonetischen Enkodierung einzu‐ ordnen ist (Levelt, Roelofs & Meyer, 1999; Ziegler, 2009). Hirnanato‐ misch ist sie mit Läsionen im Netzwerk der sprechmotorischen Pla‐ nung assoziiert (Vogel, 2010). Ein Therapieverfahren zur Behandlung ist die rhythmisch-melodische Therapie. Mit einer Literaturarbeit wurde der Forschungsfrage nachgegan‐ gen, welche Mechanismen der Wirksamkeit rhythmisch-melodischer Therapieverfahren in der Behandlung der SAX zugrunde liegen. Es wurde untersucht, auf welchen sprechmotorischen Ebenen sich Wirk‐ samkeitseffekte zeigen. Zudem wurden Wirksamkeitsmechanismen auf der Basis der Sprachverarbeitungsmodelle (Levelt et al., 1999; Zieg‐ ler, 2009) und Bildgebungsverfahren reflektiert. Therapieeffekte zeigten sich auf segmentaler und suprasegmentaler Ebene. Modelltheoretisch und neuroanatomisch bestanden Über‐ schneidungen hinsichtlich der Bedeutung der zeitlichen Sequenzie‐ rung, sublexikalischer Einheiten, der globalen Aktivierung und indivi‐ duellen Wirksamkeitsmechanismen als wesentliche Aspekte der Wirk‐ samkeit. Dennoch sind weitere Studien notwendig, um ein tieferes Ver‐ ständnis der Wirksamkeit rhythmisch-melodischer Therapieverfahren zu erlangen und in der Praxis gezielt anzuwenden. Kapitel 4.2: Kapitel 4: Der Studiengang Logopädie (Bachelor of Science) 52 Schlüsselwörter: Sprechapraxie - rhythmisch-melodische Therapie – Wirksamkeitsme‐ chanismen - phonetische Enkodierung - neuronale Korrelate Literatur Levelt, W.J.M, Roelofs, A. & Meyer, A.S. (1999). A theory of lexical access in speech production. Behavioural and Brain Science, 22, 1-75. Vogel, M. (2010). Sprechapraxie. Sprache Stimme Gehör, 34, 120. Ziegler, W. (2009). Modelling the architecture of phonetic plans. Evidence from apraxia of speech. Language and Cognitive Processes, 24, 631-661. Kapitel 4.2: Studiengang Logopädie 53 Zum Einfluss der Differenz der orthografischen Tiefe zweier Sprachen auf den Leseerwerb bei simultan bilingual aufwachsenden Kindern – Eine Vergleichsgruppenstudie mit Kindern in der dritten Klasse Holzmann, Stina Einleitung Etliche Kinder wachsen heutzutage bilingual auf und erwerben daher auch die Schriftsprache in beiden Sprachen gleichzeitig. In der Litera‐ tur findet man Hinweise, dass die Graphem-Phonem-Konvertierung (GPK) einer Sprache den Leseerwerb beeinflusst. Daher stellt sich die Frage, was mit dem Leseerwerb geschieht, wenn Kinder mit zwei Spra‐ chen aufwachsen, deren GPK unterschiedlich eindeutig ist. Ziel war es, die Forschungslücke zu verkleinern und Fachpersonal neue Erkennt‐ nisse für Beratungen oder ähnliches zur Verfügung zu stellen. Methodik Zur Überprüfung der Forschungsfrage wurde eine Vergleichsgruppen‐ studie durchgeführt. Sechs Drittklässler der Experimentalgruppe E (n=6), bilingual deutsch-englisch, und neun Drittklässler der Ver‐ gleichsgruppe IT (n=9), bilingual deutsch-italienisch, lasen Wörter, Kapitel 4.3: Kapitel 4: Der Studiengang Logopädie (Bachelor of Science) 54 Pseudowörter und Textabschnitte und bearbeiteten Aufgaben zur pho‐ nologischen Bewusstheit (PB) und zu Gedächtnisfunktionen. Ergebnisse Bei der Auswertung bezüglich der Gruppenunterschiede zeigte sich, dass die Lesegeschwindigkeit zwar zwischen den Gruppen unter‐ schiedlich ist, diese Unterschiede aber nicht signifikant sind, wohinge‐ gen die Unterschiede bezüglich der Lesegenauigkeit für mehrere Un‐ tertests signifikant werden. Gruppe E zeigte in allen Untertests beim Lesen mehr Fehler als Gruppe IT. Im Bereich der PB und des Gedächt‐ nisses ergaben sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen. Diskussion Aus den Ergebnissen lässt sich schließen, dass Gruppe E beim Lesen der deutschen Sprache von der Lesestrategie, die für Englisch besser geeignet ist, beeinflusst wird. Dies erkennt man an den signifikant mehr Fehlern beim Lesen von Pseudowörtern in Kombination mit der Fehlerart. Da die PB sowie Gedächtnisleistungen nicht signifikant di‐ vergieren, kann der Einfluss dieser Komponenten auf die unterschied‐ liche Leseleistung ausgeschlossen werden. Schlussfolgerung Die Ergebnisse der Arbeit bringen neue Erkenntnisse, jedoch bleiben Fragen offen, welchen in weiterer Forschung nachgegangen werden sollte. Beispielsweise sollte beantwortet werden, wie sich die aufge‐ deckten Unterschiede zwischen den Gruppen auf den weiteren Leseer‐ werb auswirken, wenn die Anforderungen steigen. Schlüsselwörter: Leseerwerb - simultan bilingual - orthografische Tiefe - Kinder Kapitel 4.3: Studiengang Logopädie 55 Entwicklung und Evaluation der Durchführbarkeit eines teletherapeutischen Screeningverfahrens zur Untersuchung der suprasegmentalen Sprachverarbeitung bei Kindern im Alter von 5 bis 6 Jahren Jansen, David Hintergrund In mehreren Studien konnte dargelegt werden, dass die Fähigkeiten zur Verarbeitung musikalischen und prosodischen Inputs für den frühkindlichen Spracherwerb wichtig sind und Defizite in diesem Be‐ reich das Risiko erhöhen, eine spezifische Sprachentwicklungsstörung (SSES) zu entwickeln. Ziel dieser Arbeit war es, auf dieser Grundlage ein teletherapeutisches Screeningverfahren für den Bereich der supra‐ segmentalen Sprachverarbeitung zu entwickeln und dessen Durch‐ führbarkeit vor dem Hintergrund des logopädischen Praxisalltags zu überprüfen. Methode Die Durchführbarkeit des Verfahrens wurde innerhalb von drei Stich‐ proben getestet und mittels Fragebögen evaluiert. Dabei umfassten zwei Stichproben jeweils zehn Kindergartenkinder im Alter von 5;0 bis 6;11 Jahren und eine Stichprobe erwachsener Probanden. Kapitel 4.4: Kapitel 4: Der Studiengang Logopädie (Bachelor of Science) 56 Ergebnisse Es konnten einige zu verbessernde Mängel des Screeningverfahrens aufgedeckt, die Durchführbarkeit im Allgemeinen jedoch bestätigt werden. Schlussfolgerung Es ist möglich, ein solches Verfahren zu entwickeln und an die Bedürf‐ nisse des logopädischen Arbeitsalltages anzupassen, allerdings sind noch viele weitere Arbeitsschritte notwendig, um das Verfahren in der Praxis einsetzbar zu machen. Schlüsselwörter: Screeningverfahren – Prosodie – musikalische Verarbeitung – spezifi‐ sche Sprachentwicklungsstörungen (SSES) – Durchführbarkeit Kapitel 4.4: Studiengang Logopädie 57 Stimmdiagnostik bei Mann-zu-Frau Transsexuellen. Zur Evaluierung der deutschen Version des Transsexual Voice Questionnaire Brack, Lisa Emily Einleitung Die Stimmbehandlung bei Mann-zu-Frau Transsexuellen unterschei‐ det sich in ihren Anforderungen und Komplexitäten stark von der klassischen Stimmtherapie. Um dem gerecht zu werden, bedarf es ei‐ nes spezifischen Testmaterials zur Erfassung des Erlebens der eigenen Stimme. Die vorliegende Arbeit soll klären, ob die deutsche Version des Transsexual Voice Questionnaire (TVQ) solch ein zuverlässiges Testmaterial für die Verwendung in Praxis und Forschung bietet. Methodik Psychometrische Untersuchung der TVQ-Ergebnisse von 11 Proban‐ dinnen, inklusive dem Vergleich mit demografischen Aspekten und der allgemeinen Selbsteinschätzung. Befragungen wurden zu zwei Zeitpunkten durchgeführt, um neben der internen Konsistenz auch die Test-Retest Reliabilität zu analysieren. Ergebnisse Auch die deutsche Version des TVQ zeichnet sich durch eine hohe in‐ terne Konsistenz und Test-Retest Reliabilität aus. Kapitel 4.5: Kapitel 4: Der Studiengang Logopädie (Bachelor of Science) 58 Schlussfolgerung Der TVQ erfasst zuverlässig das subjektive Erleben der eigenen weibli‐ chen Stimme transsexueller Frauen und kann somit für die Verwen‐ dung in der Praxis und der Forschung empfohlen werden. Schlüsselwörter: transsexual - transgender - voice - self-assessment - reliability Kapitel 4.5: Studiengang Logopädie 59 Der Studiengang Neurorehabilitation (Master of Science) Mehrholz, Jan Neurologische Erkrankungsfolgen, die zu einer bleibenden Behinde‐ rung führen, nehmen seit Jahren zu (Feigin et al. 2019; Mehrholz 2015; Pohl, Mehrholz & Mehrholz 2012). Beispiele dafür sind u.a. die Criti‐ cal-Illness-Polyneuropathie und Myopathie (Pohl et al. 2016; Pohl et al. 2014). Insgesamt nehmen zwar altersstandardisierte Inzidenzraten z.B. des Schlaganfalls in manchen industrialisierten Ländern ab, aber es wird u.a. wegen der älteren Bevölkerung ein Anstieg der Gesamtzahl von Menschen z.B. mit Schlaganfall und eine gestiegene Krankheitslast verzeichnet (Feigin et al. 2019; Mehrholz 2015; Pohl, Mehrholz & Mehrholz 2012). Dadurch wächst der Gesamtbedarf an neurologischer Rehabilitation (Mehrholz 2015; Pohl, Mehrholz & Mehrholz 2012). Nach der Gesetzgebung gilt es, diese Behinderungen zu vermeiden und dafür allen Menschen Rehabilitation vor der Rente und Pflegebe‐ dürftigkeit zukommen zu lassen (SGB V, § 40 und insbesondere SGB IX). Diese Entwicklung verlangt nach wissenschaftlich hochquali‐ fizierten Fachkräften, die eine umfassende Versorgung dieser Patienten gewährleisten. Allerdings fehlen im Bereich der neurologischen Reha‐ bilitation Ärzte, sodass es neuer und innovativer Personalkonzepte be‐ darf. Dabei wird es in Zukunft notwendig sein, auf wissenschaftlicher Basis die Effektivität von Rehabilitationsmaßnahmen im Bereich von neurologischen Erkrankungen zu ermitteln, um vorhandene Ressour‐ cen optimal auszunutzen. Auch führende Fachverbände wie die Deut‐ sche Gesellschaft für Neurotraumatologie und Klinische Neurorehabi‐ litation e. V. betonen schon lange den steigenden Personalbedarf zur Begleitung wissenschaftlicher Studien. Diese Lücke in der Versorgung zu schließen, sind Aufgabe und Ziel des Masterstudiengangs Neurorehabilitation. Der erste Masterstu‐ Kapitel 5: 61 diengang der SRH Hochschule für Gesundheit Gera und besteht be‐ reits seit dem Sommersemester 2012. Neben dem wissenschaftlichen Charakter und der unmittelbaren Einbindung der Studenten in die neurologische Rehabilitation qualifiziert der Master auch zur Promoti‐ on. So konnte eine Studentin des Masters Neurorehabilitation bereits erfolgreich ihre Promotion (Dr. rer. medic.) an der medizinischen Fa‐ kultät Dresden auf der Basis eines im Masterstudium Neurorehabilita‐ tion begonnenen Projektes im Jahr 2016 abschließen. Außerdem wurde eine Abschlussarbeit im Master neuroreha 2015 mit dem IFK Wissenschaftspreis als 1. Preisträgerin ausgezeichnet. QUELLEN Feigin, V.L., Forouzanfar, M.H., Krishnamurthi, R., Mensah, G.A., Connor, M., Bennett, D.A., et al. Global and regional burden of stroke during 1990-2010: findings from the Global Burden of Disease Study 2010. Lancet. 2014;383(9913):245-54. Mehrholz J. Herausforderung Demografie. neuroreha. 2015;07(02):57-63. Pohl, M., Mehrholz, K., Mehrholz, J. (2012). Rehabilitation bei Chronisch-Kri‐ tisch-Kranken. Intensiv- und Notfallbehandlung. 2012;37(3):127-33. Pohl, M., Bucka, C., Jöbges, M., von Helden, A., Schaupp, M., Hartwig, M., et al. (2016). Patientenklientel und Rehabilitationsverlauf in der neurologisch-neuro‐ chirurgischen Frührehabilitation – ein Vergleich der Jahre 2002 und 2014 Ak‐ tuelle Neurologie. 2016: akzeptiert. Pohl, M., Bucka, C., Jöbges, M., von Helden, A., Schaupp, M., Hartwig, M., et al. (2014). Rehabilitationsverlauf von Patienten in der neurologisch-neurochirur‐ gischen Frührehabilitation: Ergebnisse einer multizentrischen Erfassung im Jahr 2014 in Deutschland. [Course of rehabilitation in early neurological/ neurosurgical rehabilitation. Results of a 2014 multi-center evaluation in Ger‐ many] Nervenarzt. 2016;87(6):634-44. Die Präsentation wissenschaftlicher Studien und Projekte wird als selbstverständlicher Bestandteil des Studiengangs auf regelmäßigen Kongressen angesehen. So wurde beispielsweise auf der letzten ge‐ meinsamen Jahrestagung 2017 der Deutschen Gesellschaft für Neu‐ rorehabilitation e.V. und der Deutschen Gesellschaft für Neurotrauma‐ tologie und klinische Neurorehabilitation e.V. die SRH Hochschule für Gesundheit mit allen Studenten (zum Teil vortragenden Studenten) des Studiengangs Neurorehabilitation und 3 Mitarbeitern vertreten. In Kapitel 5: Der Studiengang Neurorehabilitation (Master of Science) 62 einer elektronischen Postersitzung wurde thematisch die Schlaganfall‐ rehabilitation beleuchtet. Hier ist besonders der Beitrag von Frau Högg hervorzuheben, derzeit Studentin im Masterstudium Neurorehabilita‐ tion. Sie erläuterte ihre Ergebnisse einer systematischen Übersichtsar‐ beit zu den Effekten von Krafttraining auf die obere Extremität in der Rehabilitation nach Schlaganfall. Sie berichtete, dass es kaum gut me‐ thodisch durchgeführte Studien gibt die spezifisch die Kraft der oberen Extremität nach Schlaganfall verbessern. Eine weitere Studentin des Masterstudiengangs Neurorehabilitation Frau Zeder stellte das Schwei‐ zer Multiple Sklerose Register als Chance für die schweizerische Phy‐ siotherapieforschung vor. Ihre Kollegin aus dem gleichen Studiengang, Frau Ringli, stellte eine 6-monatige randomisierter Kontrollstudie zum Thema „körperliches Training mit simultanen kognitiven Training bei älteren Erwachsenen“ vor. In einem Workshop waren eine Studentin und ein Mitarbeiter des Studiengangs eingeladen, um zu dem Thema „Motorisches Lernen“ sich zu äußern. Es wurden entsprechende Be‐ handlungsmöglichkeiten auf der Basis aktueller wissenschaftlichen Studien vorgestellt. Es wurde exemplarisch das motorische Lernen zur Verbesserung der Balance, des Stehens, des Gehens und der Arm- Handfunktion erläutert und anschließend einzeln an spezifischen Be‐ handlungsbeispielen vorgeführt. Regelmäßig werden solche Kongress-Zusammenfassungen als Kongressberichte in einschlägigen Fachzeitschriften durch den Studi‐ engangsleiter im Studiengang Neurorehabilitation M. Sc. publiziert. Beispiele für anwendungsorientierte praxisnahe Forschung im Stu‐ diengang Neurorehabilitation M. Sc. sind die gemeinsam mit Studie‐ renden und Absolventen des Studiengangs durchgeführten Projekte GYMNAST und FITonICU (Mitarbeit von Studenten, Dozenten und Professoren im Studiengang Neurorehabilitation M. Sc.) Quellen GYMNAST & FITonICU Mehrholz, J., Mückel, S., Oehmichen, F. & Pohl, M. (2015). First results about reco‐ very of walking function in patients with intensive-care-unit-acquired muscle weakness from the General Weakness Syndrome Therapy (GymNAST) cohort study. BMJ Open 5:e008828. Kapitel 5: Der Studiengang Neurorehabilitation (Master of Science) 63 Mehrholz, J., Thomas, S., Burridge, J.H., Schmidt, A., Scheffler, B., Schellin, R., Ruckriem, S., Meissner, D., Mehrholz, K., Sauter, W., Bodechtel, U. & Elsner, B. (2016). Fitness and mobility training in patients with Intensive Care Unit-ac‐ quired muscle weakness (FITonICU): study protocol for a randomised control‐ led trial. Trials 17: (1):559. Thomas, S., Sauter, W., Starrost, U., Pohl, M. & Mehrholz, J. (2017). Time to decan‐ nulation and associated risk factors in the post-acute rehabilitation of critically ill patients with intensive care unit-acquired weakness: a cohort study. Eur J Phys Rehabil Med akzeptiert und im Druck. Thomas, S., Burridge, J.H., Pohl, M., Oehmichen, F. & Mehrholz, J. (2016). Reco‐ very of sitto-stand function in patients with intensive-care-unit-acquired mus‐ cle weakness: Results from the General Weakness Syndrome Therapy cohort study. J Rehabil Med 48:(9):793-798. Thomas, S., Burridge, J., Sauter, W., Starrost, U., Pohl. M. & Mehrholz, J. (2017). Regaining swallowing function in the rehabilitation of critically ill patients with intensivecare-units acquired muscle weakness. Disability and Rehabilitation am 23.2.2017 akzeptiert und im Druck. Thomas, S. & Mehrholz J. (2017). Fitness- und Mobilitätstraining bei Patienten mit einem auf einer Intensivstation erworbenem Schwächesyndrom (FITonICU): Protokoll für eine randomisierte kontrollierte Studie. Zf Physiotherapeuten (5):im Druck. So wird zum Beispiel in der GYMNAST Studie die klinische Erholung von Patienten mit auf der Intensivstation erworbenem Schwächesyn‐ drom erforscht. Die GYMNAST Studie ist eine groß angelegte Kohor‐ tenstudie die sowohl die Therapieinhalte der Physiotherapie genaues‐ tens dokumentiert als auch die Ergebnisse von mehr als 150 Patienten detailliert im Jahresverlauf beschreibt. In den ersten Ergebnissen, die bereits mehrfach international und national publiziert worden, zeigte sich eine sehr gute Erholung der Gehfähigkeit, Aufstehfähigkeit, der Erholung der Schluckfähigkeit und der Entwöhnung vom Tracheosto‐ ma. Die FITonICU Studie ist eine randomisierte Studie zum Fitness und Mobilitätstraining von beatmeten Patienten auf Intensivstation mit erworbenem Schwächesyndrom. Dabei wird ein eigens entwickel‐ ter neuer und detaillierter Pfad für eine gezielte Mobilisation von schwerst betroffenen und chronisch kritisch kranken Patienten auf Ef‐ fektivität untersucht. Ein weiteres Beispiel für die Integration wissenschaftlicher Studien und Projekte ist ein von der SRH Hochschule für Gesundheit über An‐ Kapitel 5: Der Studiengang Neurorehabilitation (Master of Science) 64 schubfinanzierung gefördertes Projekt: eine hochmoderne Netzwerk- Metaanalyse auf der Basis einer systematischen Übersichtsarbeit zu sämtlichen randomisierten Studien zur transkraniellen Gleichstromsti‐ mulation. Quellen Elsner, B, Kwakkel, G., Kugler, J. & Mehrholz, J. (2017). Network meta-analysis of randomised trials on the effects of transcranial Direct Current Stimulation (tDCS) for improving capacity in activities of daily living (ADL) and paretic arm function aster stroke. Neurorehabil Neural Repair eingereicht. Elsner, B., Pohl, M., Kugler, J. & Mehrholz, J. (2016). Transcranial direct current stimulation for improving idiopathic Parkinson‘s syndrome. An abridged versi‐ on of a Cochrane review. Eur J Phys Rehabil Med 52:(6):902-906. Elsner, B., Pohl, M., Kugler, J. & Mehrholz, J. (2016). Transcranial direct current stimulation (tDCS) for improving activities of daily living, and physical and co‐ gnitive functioning, in people after stroke. Cochrane Database Syst Reviews (3):CD009645. Elsner, B., Kugler, J., Pohl, M. & Mehrholz, J. (2016). Transcranial Direct Current Stimulation for improving spasticity after stroke. A systematic review with me‐ ta-analysis. Journal of Rehabilitation Medicine 48:(7):565–570. Ebenfalls erwähnenswert ist, dass der Studiengangsleiter im Studien‐ gang Neurorehabilitation als Herausgeber seit nunmehr fast 10 Jahren eine eigene Zeitschrift mit dem Namen „Neurorehabilitation“ (Thieme Verlag) herausgibt. Damit wird Studierenden und Absolventen des Studiengangs Neurorehabilitation die Möglichkeit gegeben Abschluss‐ arbeiten in ihrem Studiengang in einem entsprechenden Fachjournal zu publizieren. Diese Möglichkeit wurde bereits mehrfach genutzt und dient neben dem fachlich-wissenschaftlichen Interesse auch der Öf‐ fentlichkeitsarbeit dieses Studiengangs. Kapitel 5: Der Studiengang Neurorehabilitation (Master of Science) 65 Klinische Prädiktoren für das Erreichen des selbständigen Gehens und Aufstehens bei Patienten der neurologisch-neurochirurgischen Frührehabilitation mit auf Intensivstation erworbenem Schwächesyndrom: eine Kohortenstudie (Masterarbeit*) Thomas, Simone (* ausgezeichnet mit dem 1. Preis, IFK-Wissenschaftspreis für Master‐ arbeiten) Fragestellung Bislang sind nur wenige klinische Prädiktoren bei Patienten mit auf In‐ tensivstation erworbenem Schwächesyndrom auf Grund einer Critical- Illness- Polyneuro- bzw. -Myopathie (CIP/CIM) bekannt. Ziel der Stu‐ die war es, klinische Prädiktoren für das Erreichen der Gehfähigkeit und für das selbständige Aufstehen von Patienten mit CIP/CIM zu be‐ stimmen. Methodik In einer prospektiven Kohortenstudie wurden chronisch kritisch kran‐ ke Patienten mit der Diagnose CIP/CIM eingeschlossen. Die Muskel‐ Kapitel 5.1: Kapitel 5: Der Studiengang Neurorehabilitation (Master of Science) 66 kraft (MRC, Griffkraftdynamometrie), Mobilität (FSS-ICU, PFIT-s) und das Gleichgewicht (Functional Reach Test (FR)) sowie die Kogni‐ tion (MoCA) wurden im zweiwöchigen Intervall von der Aufnahme in der Klinik Bavaria Kreischa bei Dresden in Deutschland bis zur Ent‐ lassung untersucht. Das Erreichen der Gehfähigkeit (FAC ≥3) und des Aufstehens wurden täglich protokolliert. Es wurden multivariate pro‐ portionale Hazardmodelle nach Cox (in SAS 9.3) genutzt. Hazardrati‐ os (HR) wurden im multivariaten Modell (Kriterien slentry p=0.3; slstay p=0.2) errechnet. Ergebnisse Es wurden 87 Patienten in die Studie eingeschlossen. Im multivariaten Modell wurden die erreichten Zentimeter im FR und die Punktzahl im PFIT-s als Prädiktoren für das Erreichen der Gehfähigkeit ermittelt (FR: HR = 1,024; p= 0,0431; PFIT-s: HR = 1,304; p= 0,0063). Für das selbständige Aufstehen konnten das Alter, die Punktzahl im FSS-ICU und im MoCA als Vorhersagefaktoren bestimmt werden (Alter: HR = 0.934; p=0,0435; FSS-ICU = 1,096; p=0,0167; MoCA = 1,099; p=0,0574). Schlussfolgerung FR und PFIT-s- können das Erreichen der Gehfähigkeit bei chronisch kritisch kranken Patienten mit CIP/CIM vorhersagen. Alter, FSS-ICU und MoCA stellen Prädiktoren für das selbständige Aufstehen bei die‐ sen Patienten dar. Kapitel 5.1: Studiengang Neurorehabilitation 67 Die Effekte der repetitiven peripheren Magnetstimulation in der Schlaganfall-Rehabilitation: Eine randomisierte-kontrollierte Studie (Masterarbeit) Pohl, Kristin Loreen (* für den IFK-Wissenschaftspreis für Masterarbeiten 2017 einge‐ reicht) Hintergrund und Ziel der Arbeit Diese Arbeit stellt eine Zwischenanalyse einer randomisierten-kontrol‐ lierten Studie dar, die die Effekte der repetitiven peripheren Magnetsti‐ mulation (rPMS) im Vergleich zu Elektrostimulation untersucht. Auf‐ grund bisheriger klinischer Erfahrungen werden stärkere Verbesserun‐ gen nach rPMS vermutet. Methodik Subakute Patienten nach Schlaganfall mit spastischer Hemiparese der oberen Extremität erhielten täglich über drei Wochen hinweg eine 15 minütige Stimulation. An vier verschiedenen Testzeitpunkten wurde die Entwicklung von Funktion, Spastik, alltäglichen Aktivitäten und dem Gehen bewertet. Kapitel 5.2: Kapitel 5: Der Studiengang Neurorehabilitation (Master of Science) 68 Ergebnisse Insgesamt konnten elf Patienten in die Untersuchung eingeschlossen werden, wovon sieben Patienten in die Interventionsgruppe randomi‐ siert wurden. Stärkere Verbesserungen konnten insbesondere für die Funktion und die Spastik in der rPMS-Gruppe ermittelt werden. Die Kontrollgruppe zeigte eine negative Entwicklung der Spastik. Diskussion Die Aussagekraft der Ergebnisse hält sich aufgrund der geringen Pati‐ entenanzahl und der unterschiedlichen Gruppengröße in Grenzen. Schlussfolgerung Trotz der geringen Patientenzahl bildet sich bereits jetzt ein Trend für eine bessere Wirksamkeit der rPMS heraus. Präzisere Ergebnisse wer‐ den dennoch zum Abschluss der Studie erwartet. Kapitel 5.2: Studiengang Neurorehabilitation 69 Die Intervention der Virtuellen Realität zur Rehabilitation der oberen Extremität nach Schlaganfall: Eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse (Masterarbeit) Pils, Anja Einleitung Mehr als 50% der Funktion der oberen Extremität kann nach einem Schlaganfall beeinträchtigt sein, lediglich nur 5% können ihre Arme und Hände wieder uneingeschränkt bewegen und 20% erlangen kei‐ nerlei Arm-Handfunktion wieder. Die Virtuelle Realität (VR) liefert dazu in der neurologischen Rehabilitation seit einigen Jahren positive Effekte. Es soll der aktuelle Stand der Wissenschaft evaluiert und die Frage beantwortet werden: „Welchen Effekt hat die Intervention der Virtuellen Realität zur Rehabilitation der oberen Extremität im Ver‐ gleich zu einer aktiven oder keinen Kontrolltherapie nach Schlagan‐ fall?“ Zusätzlich ist zu klären, auf welcher ICF-Ebene ein Patient am meisten profitiert. Methodik In Form einer systematischen Übersichtsarbeit wurden PubMed, Med‐ line, PEDro und The Cochrane Library auf randomisierte kontrollierte Studien bis zum Jahr 2014 durchsucht. Das primäre Outcome stellte die Funktion und Aktivität des Arms und der Hand dar. Als sekundä‐ res Outcome sollten die Effekte auf die ADL-Fähigkeiten untersucht Kapitel 5.3: Kapitel 5: Der Studiengang Neurorehabilitation (Master of Science) 70 werden. Die Ergebnisse wurden extrahiert, nach ihrer Qualität bewer‐ tet (Risk of Bias Tool) und einer Metaanalyse (Review Manager 5.3) unterzogen. Ergebnisse 28 Studien trafen die Einschlusskriterien. Primäre Outcomes: Arm: si‐ gnifikante Effekte zugunsten der VR vs. aktiver Therapie (p=0.006), aber auch vs. VR als zusätzliche Therapie oder keiner Therapie (p=0.002); Hand: keine Endpunkte zeigten signifikante Effekte. Sekun‐ däres Outcome: ADL-Fähigkeit: sowohl als alleinige und auch als zu‐ sätzliche Therapie zeigte die VR signifikante Effekte (p=0.008; p=0.001). Es wurde eine starke Nutzung der Assessments auf Funkti‐ onsebene festgestellt. Diskussion Aufgrund der Datenlage ist eine starke Evidenz der VR, im Vergleich zur aktiven oder keiner Therapie, für die Armfunktion und ADL-Fä‐ higkeiten zu verzeichnen. Jedoch nicht für die Handfunktion. Schlussfolgerung Die VR ist eine potentiell nützliche Technologie, die im rehabilitativen Prozess zu Verbesserungen der oberen Extremität führen und damit wahrscheinlich eine Empfehlung für diese Intervention ausgesprochen werden kann. Kapitel 5.3: Studiengang Neurorehabilitation 71 Der Einfluss eines räumlichen Navigationstrainings auf die räumliche und nicht-räumliche kognitive Leistung von Patienten mit leichter bis mittelgradiger Parkinson- Erkrankung (Masterarbeit) Stahlmann, Astrid Die Fähigkeiten zum räumlichen Lernen und räumlichen Gedächtnis gehören zu den wichtigsten Voraussetzungen, um alltägliche Anforde‐ rungen eigenständig zu meistern. Das Ziel dieser Arbeit ist es, den Ef‐ fekt eines "Virtual Reality" räumlichen Navigationstrainings bei Par‐ kinson-Patienten auf das räumliche Gedächtnis und das Arbeitsge‐ dächtnis zu evaluieren. Innerhalb dieser Studie wurden elf Parkinson- Patienten (Alter: > 54 Jahre; Schweregrad: Hoehn & Yahr Stadium I- III; stabile Medikation) randomisiert in Trainings- (TG) und Kontroll‐ gruppe (KG) eingeteilt. Die TG erhielt zweimal pro Woche, über einen Zeitraum von fünf Wochen Ergotherapie und ein räumliches Navigati‐ onstraining. Im Vergleich dazu erhielt die KG lediglich Ergotherapie im gleichen Umfang. Die Ergebnisse der vorliegenden Studie lassen durch den Einsatz eines Navigationstrainings deutliche Verbesserun‐ gen des räumlichen Lernens und Gedächtnisses sowie des Arbeitsge‐ dächtnisses bei Parkinson-Patienten erkennen. Das Hippocampus-ba‐ sierte Lernen ist im Vergleich zum Striatum-basierten Lernen leis‐ tungsfähiger (p= ,013). In der Arbeitsgedächtnisaufgabe konnten bei Patienten der TG nach dem Navigationstraining gesteigerte Reaktionszeiten im Ver‐ gleich zur KG herausgestellt werden (p= 0,035). Darüber hinaus zeigt sich ein Trend, dass die TG im Vergleich zur KG nach dem Training Kapitel 5.4: Kapitel 5: Der Studiengang Neurorehabilitation (Master of Science) 72 eine verbesserte Performanz in der Arbeitsgedächtnisaufgabe erreicht. Bei den Ergebnissen handelt es sich um eine vorläufige Auswertung, eine genauere Aussage ist erst nach Abschluss der Studie Anfang 2015 möglich. Schlüsselwörter: Navigationstraining, Parkinson Erkrankung, räumliches Lernen, räumliches Gedächtnis. Kapitel 5.4: Studiengang Neurorehabilitation 73 Elektromechanisch-assistiertes Gangtraining bei neurologischen Patienten Wieduwild, Eric Einleitung Neurologische Erkrankungen haben Einfluss auf die selbstständige Gehfähigkeit. Im Rahmen der evidenzbasierten Therapie müssen Phy‐ siotherapeuten entscheiden, welches die beste Behandlung ist, um Gehfähigkeit wiederzuerlangen oder das Gangmuster zu verbessern. Methodik Ziel war es die beste Evidenz für elektromechanisch-assistiertes oder roboterassistiertes Gangtraining (EAGT) zu untersuchen und zu eva‐ luieren. Eine Literatursuche in Datenbanken nach RCT´s wurde durchgeführt, zu EAGT bei unterschiedlichen neurologischen Gang‐ störungen, außer bei Patienten nach Schlaganfall. Eine quantitative Analyse wurde durchgeführt, primär zur Gehfähigkeit, sekundär zu Gangausdauer, Gehgeschwindigkeit und Schrittlänge. Ergebnisse Zehn Studien wurden eingeschlossen und acht ausgewertet. Alle Pati‐ enten waren zu Beginn gehfähig. Behandelt wurde Multiple Sklerose, Rückenmarkverletzung und Parkinson. Es zeigten sich nur bei Parkin‐ son signifikante Verbesserungen bei Gangausdauer (81,6 m; p < 0,001) und Gehgeschwindigkeit (0,19 m/s; p = 0,001). Kapitel 5.5: Kapitel 5: Der Studiengang Neurorehabilitation (Master of Science) 74 Diskussion Die Ergebnisse müssen mit Vorsicht betrachtet werden, da eine geringe Population untersucht wurde mit moderater bis starker Heterogenität. Schlussfolgerung Es bedarf weiterer Untersuchungen von nicht gehfähigen Patienten und anderen Krankheitsbildern. Schlüsselwörter: elektromechanisch-assistiertes Gangtraining – neurologische Gangstö‐ rung – Lokomotion – Gehfähigkeit Kapitel 5.5: Studiengang Neurorehabilitation 75 Der Studiengang Gesundheitspsychologie (Bachelor of Science) Fankhänel, Thomas Psychologie Die Psychologie als Lehre vom Erleben und Verhalten des Menschen erfreut sich bei Studierenden in ganz Deutschland großer Beliebtheit. Im Jahr 2016 haben in Deutschland über 60.000 Studierende das Fach Psychologie belegt (Abele-Brehm, 2017). Die bisherige Landschaft der Studiengänge wurde hier gemäß der Anforderungen des Arbeitsmark‐ tes durch stärker spezialisierte Angebote mit Schwerpunktsetzung er‐ gänzt. Diesem Trend folgend bietet die Hochschule für Gesundheit die Studiengänge Gesundheitspsychologie (Bachelor) und Psychische Ge‐ sundheit und Psychotherapie (Master) an, welche insbesondere die ak‐ tuellen Befunde zu Prävention und Ressourcenorientierung in ihrem Curriculum berücksichtigen. Die Berufsaussichten in der Psychologie sind hervorragend: So liegt die Arbeitslosenquote bei Arbeitnehmern mit Studienabschluss in Psychologie bei 2,4% und damit niedriger als die durchschnittliche Quote von Akademikern allgemein. Arbeitsange‐ bote finden sich in einer Vielzahl von Branchen, was wiederum die Vielfalt des Studiums widerspiegelt, die kurz dargestellt werden soll. Gesundheitspsychologie (B. Sc.) Epidemische Infektionskrankheiten nehmen ab, die Zahl der von chro‐ nisch-degenerativen Krankheiten betroffenen Menschen erhöht sich hingegen stetig. Mittlerweile ist durch Forschungsergebnisse gut belegt, dass psychische Wirkmechanismen viele der so genannten Zivilisati‐ Kapitel 6: 77 onskrankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes mel‐ litus ursächlich oder verlaufsimmanent mitbestimmen (Knoll, Scholz & Rieckmann, 2011; Renneberg & Hammelstein, 2006; Schwarzer, 2004). Die Erkenntnis, dass solche verhaltens- und erlebensbezogenen Risikofaktoren durch psychologische Maßnahmen effektiv entschärft werden können, lenkt den Blick zunehmend auf Ansätze der Präventi‐ on. Zudem fällt ins Gewicht, dass auch die Zahl genuin psychischer Erkrankungen zunimmt. Nach Angaben des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG, 2011) leiden etwa 50 Millionen Menschen in der Europäischen Union unter psychischen Beeinträchtigungen wie De‐ pressionen, Angsterkrankungen, Stresssymptomen oder Suchterkran‐ kungen. Das BMG berichtet, dass circa 10% aller Arbeitsfehltage mit psychischen Erkrankungen in Verbindung gebracht werden können. Dabei fehlen gemäß der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK, 2011 a) psychisch erkrankte Arbeitnehmer im Schnitt drei bis sechs Wochen, depressiv Erkrankte waren 2010 durchschnittlich sogar sie‐ ben bis zwölf Wochen arbeitsunfähig. Neben therapeutischen Hilfsan‐ geboten sind auch im Bereich der psychischen Gesundheit Prävention und Empowerment-Ansätze längst Teil der Versorgungspraxis (vgl. BPtK, 2011 b). Prävention und Förderung psychischer Gesundheit ha‐ ben neben den positiven Auswirkungen auf das Wohlbefinden des Einzelnen vor allem erhebliche gesellschaftliche Konsequenzen, zieht man v.a. die Versorgungskosten für die Behandlung psychischer Er‐ krankungen in Betracht (BMG, 2011; BPtK, 2011 a). Auf Antrag der Gesundheitsministerkonferenz der Länder (GMK) vom 30. Juni 2011 sollen Prävention und Gesundheitsförderung in allen Politikfeldern und Lebensbereichen in Zukunft stärker verankert werden (GMK, 2011), was durch die Einführung des Präventionsgesetzes (2016) und Novellierung des Arbeitsschutzgesetzes (2015) noch einmal untermau‐ ert wurde. Der Bedarf an Praktikern in diesem Bereich ist dementsprechend beachtlich und wächst derzeit kontinuierlich (siehe Gesundheitsbe‐ richterstattung des Bundes unter www.gbe-bund.de). Aus den aktuel‐ len Trends (BMG, 2011; Frensch, 2012) kann insbesondere für folgen‐ de Tätigkeitsfelder ein steigender Bedarf an Gesundheitspsychologen abgeleitet werden: Kapitel 6: Der Studiengang Gesundheitspsychologie (Bachelor of Science) 78 – Gesundheitsförderung (u.a. Gesundheitsberatung, Gesundheits‐ zentren, Erziehungs- und Familienberatung, Gesundheitsforschung) – Medizinische Rehabilitation (u.a. Gesundheitstrainings, Patienten‐ schulung) – Life Coaching und ganzheitliche Medizin (z.B. Selbstmanagement, Stresstraining, Mind-Body-Medizin) – Aus-, Fort- und Weiterbildung inkl. Supervision (u.a. für Psycholo‐ gen, für andere Gesundheitsberufe (z.B. Pflege), für Erziehungsbe‐ rufe, für Sozialberufe) – Management und der Koordination von Gesundheitsaufgaben (z.B. bei Kosten-/ Leistungsträgern, im Bereich von Kommunen, in der Gesundheitspolitik, innerhalb von Modellprojekten, in Gesund‐ heitszentren, Selbsthilfe-Organisationen, Patientenberatungsstellen u. ä.), – Betriebliche Gesundheitsförderung Der Bachelorstudiengang Gesundheitspsychologie vereint daher eine fundierte allgemeinpsychologische Ausbildung mit Schwerpunk‐ ten in Gesundheits- und Rehabilitationspsychologie. Inhaltliche Schwerpunkte sind hierbei: – Prävention – Ressourcenorientierte Sichtweise und Behandlung psychischer und somatischer Erkrankungen – Betriebliche Gesundheitsförderung – Therapeutische Begleitung chronischer Erkrankungen Ziel des Studiums der Gesundheitspsychologie an der Hochschule für Gesundheit ist die Verbesserung der Ausbildungsqualität des für diese Tätigkeitsfelder benötigten Fachpersonals. Um dieses Ziel errei‐ chen zu können, bieten die Module des Studiengangs ein breit gefä‐ chertes Angebot an theoretischen und praktischen Lehrinhalten. Die praxisnahe Ausbildung sieht deshalb u.a. die Konzeption und selbst‐ ständige Durchführung eines Moduls zur schulischen Suchtprävention, die Leitung von Workshops für Stressmanagementtrainings und Ent‐ spannungsverfahren oder eine Patientenedukation in einer Klinik vor. Kapitel 6: Der Studiengang Gesundheitspsychologie (Bachelor of Science) 79 Hilfe vor dem Absturz – Grenzen und Möglichkeiten in der hausärztlichen Versorgung von Patienten mit schädlichem Alkoholkonsum Thiel, Carolin & Fankhänel, Thomas Seit einigen Jahren ist die WHO (World Health Organization) darum bemüht, Hausärzte im Rahmen der Regelversorgung dahingehend zu motivieren, vermehrt alkoholsuchtpräventive Maßnahmen durchzu‐ führen. Die Umsetzung scheitert laut Angaben der Hausärzte an struk‐ turellen Barrieren und patientenbezogenen Faktoren. Ziel der vorliegenden Untersuchung war, erstmalig aus der Per‐ spektive ärztlicher Suchttherapeuten eine Analyse der aktuellen Ver‐ sorgungssituation von Patienten mit schädlichem Alkoholkonsum in der hausärztlichen Praxis vorzunehmen und zu gleich Möglichkeiten zu eruieren, welche zu einer Optimierung der aktuellen Versorgungssi‐ tuation beitragen könnten. Dazu wurden insgesamt 15 teilstrukturierte leitfadengestützte Experteninterviews durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass neben strukturellen Barrieren und pa‐ tientenbezogenen Faktoren vor allem Defizite in der suchtmedizini‐ schen Ausbildung sowie negative Einstellungen der Hausärzte gegen‐ über Alkoholsuchtpatienten eine Implementierung suchtpräventiver Maßnahmen in die Hausarztpraxis behindern. Für die Versorgungs‐ praxis ist der dringendste Handlungsbedarf in der Optimierung der suchtmedizinischen Ausbildung der Hausärzte zu sehen. Kapitel 6.1: Kapitel 6: Der Studiengang Gesundheitspsychologie (Bachelor of Science) 80 Internetkurs für Senioren Kusenber, Nils & Schulz, Katrin Im Rahmen des aktiven Alterns wird zunehmend diskutiert, die Le‐ bensbereiche älterer Menschen mit elektronischen Medien zu vernet‐ zen, um diese als Ressource nutzbar zu machen. Gerade das Internet bietet hier ein großes Potential, allerdings hindern multiple Barrieren die Nutzung. Es ist daher von höchster Wichtigkeit ältere Menschen zielgruppenadäquat an dieses Medium heranzuführen. Das Ziel der Studie war die Schaffung eines regionalen Angebotes mit anschließen‐ der Evaluation. An dem Angebot nahmen insgesamt 10 Teilnehmer mit einem Durchschnittsalter von 68.4 Jahren teil. Der Internetkurs wurde an 6 aufeinanderfolgenden Wochen zu jeweils einer Stunde durch zwei Kursleiter im Computerraum der SRH Hochschule für Gesundheit Ge‐ ra durchgeführt. Dabei wurde zunächst der Bedarf der Teilnehmer in einem Telefoninterview ermittelt sowie bei der Vermittlung ein ziel‐ gruppenadäquates Tempo berücksichtigt. Die Teilnehmer übten wäh‐ rend des Kurses alle vermittelten Inhalte konsequent an praktischen Aufgaben. Zur Evaluation wurde jeweils ein selbstkonzipierter Präund Postfragebogen verwendet, welche vor der ersten Kursstunde bzw. nach der letzten Kursstunde ausgegeben wurden. Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass das die Teilneh‐ merinnen den Computer und das Internet nach dem Kurs deutlich häufiger nutzten als zuvor und sich deutlich sicherer im Umgang fühl‐ ten. Alle Teilnehmer waren darüber hinaus hoch zufrieden mit den In‐ halten und der Durchführung des Kurses und meldeten sich für den Aufbaukurs an, welcher im April 2017 stattfand. Aufgrund der Ergebnisse ist davon auszugehen, dass ein angeleite‐ ter Internetkurs einen positiven Einfluss auf die Verbindung von älte‐ ren Menschen und digitalen Medien haben kann. Aufgrund der Nach‐ Kapitel 6.2: Kapitel 6.2: Studiengang Gesundheitspsychologie 81 frage scheint es lohnend, den Kurs über einen längeren Zeitraum zu etablieren. Kapitel 6: Der Studiengang Gesundheitspsychologie (Bachelor of Science) 82 GAD- Glaub an Dich! Entwicklung und Evaluation eines Trainings zur Selbstwertsteigerung bei Jugendlichen im vollstationären Setting Engler, Vanessa; Luck-Sikorski, Claudia & Schulz, Katrin Der Einfluss des Selbstwertgefühls auf die Funktionsfähigkeit eines Ju‐ gendlichen ist von zentraler Bedeutung, bedenkt man, dass die Zeit der Jugend geprägt ist durch verschiedene Entwicklungsaufgaben und Ent‐ scheidungen, welche das zukünftige Leben beeinflussen können (Blick‐ le, 2011). So ist die Entwicklung eines gesunden Selbstwertgefühls eine zentrale Aufgabe, vor allem bei Jugendlichen, welche im Rahmen psy‐ chiatrischer Erkrankungen in diesem Bereich Defizite aufweisen (But‐ ton et al., 1996). Grade hier gibt es noch Nachholbedarf in der psycho‐ therapeutischen Arbeit mit Jugendlichen, Trainings zur Steigerung des Selbstwertgefühls sind in Deutschland wenig vertreten. Ziel der Studie war die Konzipierung und Evaluation eines Selbst‐ werttrainings für Jugendliche im Alter von 11-15 Jahren. Das Training wurde in Zusammenarbeit mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Asklepios Fachklinikums im Zeitraum von sechs Wochen durchgeführt. Es nahmen 6 Jugendliche (Durchschnittsalter M = 12.83 Jahre) am Training teil, dieses unterteil‐ te sich in ein Einzel- und begleitendes Gruppentraining. Die Evaluati‐ on erfolgte mittels eines randomisierten Kontrollgruppendesigns mit Eigen- und Fremdbeurteilung durch die Aussagenliste zum Selbstwert‐ gefühl für Kinder und Jugendliche (Schauder, 2010). Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass das entwickelte Training zur Steigerung des Selbstwertgefühls ergänzend zum regulären Ange‐ Kapitel 6.3: Kapitel 6.3: Studiengang Gesundheitspsychologie 83 bot einer psychotherapeutischen Klinik wirksam sein kann. Das Selbstwertgefühl der Interventionsgruppe verbesserte sich im Ver‐ gleich zur Kontrollgruppe in den drei Dimensionen Schule, Familie und Freunde deutlich. In weiteren Arbeiten ist die Sicherung der Er‐ gebnisse durch eine größere Stichprobe geplant, eine Veröffentlichung des Manuals wird angestrebt. Quellen Blickle, G. (2011). Berufswahl und berufliche Entwicklung. In F. Nerdinger, G.Blickle & N. Schaper (Hrsg) Arbeits- und Organisatinspsychologie (S. 173-193). Berlin, Heidelberg: Springer Verlag. Button, E., Sonuga-Barke, E., Davies, J. & Thompson, M. (1996). A prospective study of self-esteem in the prediction of eating problems in adolescent school girls: Questionnaire findings. British Journal of Clinical Psychology, 35 (2), 193-203. Kapitel 6: Der Studiengang Gesundheitspsychologie (Bachelor of Science) 84 Ressourcenaktivierung im Studium – ein Beitrag zur innovativen Gestaltung der Hochschullehre Johannes, Christine & Schulz, Katrin Situiertes Lernen in multimedialen Lernumgebungen kann Studieren‐ den den Transfer zwischen Theorie und Praxis erleichtern. Dabei man‐ gelt es oft an innovativen Konzepten zur Gestaltung von Hochschul‐ lehre. Zudem bleibt häufig offen, ob ein Transfer in die praktische An‐ wendung tatsächlich gelingt. Im Sinne der Förderung von berufsrele‐ vanten Kompetenzen in Rahmen des Studiums sind diese Konzepte für ein Hochschulstudium von besonderer Relevanz. Im Rahmen des Forschungsprojektes soll ein neues didaktisches Konzept evaluiert werden. Hierbei handelt es sich um ein integriertes Lehrmodul, indem Studierende verschiedener Jahrgänge (1. & 3. Se‐ mester Gesundheitspsychologie) zusammengeführt werden. Studierende im 1. Semester Gesundheitspsychologie nehmen in Kleingruppen (10-12 Personen) an einem 12wöchigen Gruppenange‐ bot zum Thema „Ressourcenaktivierung im Studium“ teil. Die Inhalte des Gruppenangebotes sind hierbei u. a. Stress, Achtsamkeit, Glück & Mut, Selbstmanagement, Zeitmanagement und Ressourcenaktivierung. Die Gruppenveranstaltungen werden von den Studierenden im 3. Se‐ mester selbstständig konzipiert und geleitet und anschließend durch Videofeedback von der modulverantwortlichen Lehrkraft supervidiert. Die Ziele für die Studierenden sind hierbei spezifisch für die einzelnen Gruppen: Kapitel 6.4: Kapitel 6.4: Studiengang Gesundheitspsychologie 85 1. Semester 3. Semester Theoretische Vertiefung einzelner Inhalte Erlernen von Feedbacktechniken Selbsterfahrung im Gruppenkon‐ text Erlernung von Softskills (selbstbe‐ zogene Kompetenzen) Selbstreflexionsfähigkeit Vertiefung von gruppenspezifi‐ schen Themen aus Teilnehmerper‐ spektive Theoretische Vertiefung einzelner Inhalte Selbsterfahrung im Gruppenkon‐ text Handlungspraktische Kompeten‐ zen in der Arbeit mit Gruppen inhaltliche Planung von Softskill- Gruppen Planungskompetenz Präsentationskompetenz Selbstreflexionsfähigkeit Vertiefung von gruppenspezifi‐ schen Themen aus Anleiterper‐ spektive Eingesetzte Methoden sind neben der Vermittlung theoretischer As‐ pekte praktische Übungen, Rollenspiele und Hausaufgaben. Alle Ver‐ anstaltungen werden mittels Evaluationsbögen und Videoaufnahmen dokumentiert. Erste Ergebnisse sprechen dafür, dass die studentischen Workshopteilnehmer (1. Semester) die Lernumgebung positiv beurtei‐ len. Dabei ist die Zieltransparenz, Lernbegleitung und wahrgenomme‐ nes Interesse der Workshopleiter hoch, die Workshopteilnehmer füh‐ len sich in Kompetenz und Autonomie unterstützt und berichten ein hohes Ausmaß an organisierenden Prozessen und vertiefenden Elabo‐ rationen. Die studentischen Workshopleiter (3. Semester) können sich durch Erfahrung und Supervision in ihrer Rolle teilweise entwickeln. Hervorzuheben ist hier die im Konzept angelegte Förderung von Auto‐ nomie während des Lernens, die für alle Workshopleiter steigt. Für weitere Durchgänge wird gegenwärtig eine Methode zur Reflektion der Feedbacktechniken für das 1. Semester erarbeitet sowie eine Auswer‐ tung des Videomaterials angestrebt, um die Lernerfolge auch auf die‐ ser Ebene abzubilden. Kapitel 6: Der Studiengang Gesundheitspsychologie (Bachelor of Science) 86 Methamphetaminkonsum in Mitteldeutschland- Eine qualitative Studie zu Bedarf und Herausforderungen für die rehabilitative Versorgung Hoffmann, Laura; Schumann, Nadine; Thiel, Carolin; Fankhänel, Thomas; Klemment, Andreas & Richter, Matthias Die synthetische Droge Methamphetamin (Crystal Meth) besitzt ein hohes Abhängigkeitspotenzial und gehört nach Cannabis zu den meist konsumierten illegalen Drogen weltweit. Nationale wie internationale Studien weisen nach, dass der Missbrauch von Methamphetamin glo‐ bal rasant gestiegen ist. Auch in Deutschland weist der Konsum von Crystal Meth in den letzten Jahren enorm hohe Steigerungsraten im Vergleich zu anderen Suchtmitteln auf. Die Region Mitteldeutschland ist dabei besonders stark vom Konsumanstieg betroffen. Der regelmä‐ ßige Crystal Meth-Konsum ist mittel- oder langfristig mit gravieren‐ den psychischen und physischen Folgen assoziiert. Um die gesundheit‐ lichen Auswirkungen sowie auch soziale, rechtliche und ökonomische Folgen des Drogenkonsums zu vermeiden bzw. abzumildern und lang‐ fristige Schädigungen zu verhindern, sind ein frühzeitiger Zugang für die Betroffenen in das rehabilitative Versorgungssystem sowie eine be‐ darfsgerechte langfristige Versorgung zu gewährleisten. Ziel des Pro‐ jektes war es deshalb, die Anforderungen an den gestiegenen Versor‐ gungsbedarf Methamphetaminabhängiger in Mitteldeutschland und die damit verbundenen Herausforderungen für die Deutsche Renten‐ versicherung als Kostenträger rehabilitativer Maßnahmen zu explorie‐ ren sowie Optimierungspotenziale für eine bedarfsgerechte Versor‐ gung Crystal Meth Abhängiger in Mitteldeutschland abzuleiten. Dazu Kapitel 6.5: Kapitel 6.5: Studiengang Gesundheitspsychologie 87 wurden Experten entlang der Versorgungskette (d.h. ambulante Bera‐ tungs- und Behandlungseinrichtungen, Akutversorgung, Rehabilitati‐ on) zu zentralen Aspekten und Herausforderungen einer bedarfsge‐ rechten Versorgung der Betroffenen sowie zu ihren Erfahrungen und Einschätzungen bezüglich bestehender Risikogruppen im Rahmen einer qualitativen Untersuchung befragt. Zusammenfassend zeigen die Ergebnisse der vorliegenden Studie übereinstimmend mit aktuellen internationalen und nationalen Daten, dass die Zahl von Methamphetaminabhängigen in Mitteldeutschland weiterhin alarmierend hoch ist. Dadurch zeigt sich, dass die Versor‐ gung dieser Klienten- bzw. Patientengruppe auch aktuell im Alltag von Versorgern im gesamten Suchthilfesystem von hoher Relevanz ist. Die vorliegenden Ergebnisse zeigen jedoch, dass derzeit noch keine ausrei‐ chend bedarfsgerechte Versorgung Methamphetaminabhängiger in sämtlichen Versorgungsbereichen gewährleistet werden kann. Um be‐ stehende Versorgungslücken zu schließen, sind die vorhandenen Bera‐ tungs- und Behandlungsangebote zukünftig spezifisch an die konkre‐ ten Bedarfe der Betroffenen anzupassen. Ein möglicher Ansatz wäre hierbei, die Behandlungs- und Beratungslandschaft insgesamt flexibler zu gestalten, um somit Zugang und Inanspruchnahme von Versor‐ gungsangeboten zu verbessern. Weiterhin ist z.B. die Schaffung von spezifischen Angeboten für Eltern mit Kindern, Frauen sowie Schwan‐ geren unabdingbar für die bedarfsgerechte Versorgung dieser vulnera‐ blen Zielgruppe. Ein allgemein transparenteres und nachvollziehbare‐ res Reha-Antragsverfahren kann neben anderem ebenso dazu beitra‐ gen, den Zugang zur Entwöhnungsbehandlung zu verbessern. Intensi‐ vere Nachsorgeangebote, ambulante Wohnformen und psychothera‐ peutische Angebote könnten zudem die Wiedereingliederung der Be‐ troffenen perspektivisch maßgeblich verbessern. Kapitel 6: Der Studiengang Gesundheitspsychologie (Bachelor of Science) 88 Der Studiengang Psychische Gesundheit und Psychotherapie (Master of Science) Luck-Sikorski, Claudia Psychische Störungen sind häufig und folgenschwer - für den Einzel‐ nen, aber auch für die Gesellschaft. Statistisch gesehen erkrankt jede zweite bis dritte Person in Deutschland irgendwann in ihrem Leben an einer psychischen Störung. Neben der Wiederherstellung der psychi‐ schen Gesundheit nach einer Erkrankung ist daher auch die Präventi‐ on psychischer Störungen von immenser Bedeutung. Überlegungen, wie wir die psychische Gesundheit erhalten können, spielen eine große Rolle in der betrieblichen Gesundheitsförderung und in einer Vielzahl weiterer Anwendungsgebiete. Die Erhaltung psychischer Gesundheit und die Behandlung psychischer Störungen stehen im Mittelpunkt un‐ seres Masterstudiengangs Psychische Gesundheit und Psychotherapie. Die Anforderungen an unsere psychische Gesundheit in Beruf und Privatleben sind enorm. Nicht ohne Grund ist die gesamtgesellschaftli‐ che Belastung durch psychische Erkrankungen seit Jahrzehnten auf dem Vormarsch. Bereits 2005 postulierte die WHO: „Es gibt keine Gesundheit ohne seelische Gesundheit" (Meise & Wancata 2005). Genau vor diesem Hintergrund setzt der Masterstudiengangs Psy‐ chische Gesundheit und Psychotherapie an. Dieser Grundsatz gilt für alle Lebensbereiche und über die gesamte Lebensspanne. Egal, ob ein Kind Ängste in der Schule oder ein Erwachsener Probleme mit Ar‐ beitslosigkeit bzw. einer zu hohen Arbeitsbelastung hat, steht die Er‐ haltung der psychischen Gesundheit im Fokus. Neben diesen externen Stressoren gewinnt auch der Bereich der Medizinischen Psychologie an Bedeutung. In einer Gesellschaft, in der die sogenannten Zivilisati‐ onserkrankungen wie Diabetes und Adipositas an Bedeutung gewon‐ nen haben, wird auch immer wichtiger wie Betroffene mit somatischen Kapitel 7: 89 Erkrankungen umgehen. Auch hier ist professioneller psychologischer Beistand nachgewiesenermaßen hilfreich und hilft negative Krank‐ heitsfolgen zu mindern. Im optimalen Fall kommt es durch eine geziel‐ te Prävention nicht zum Auftreten psychischer Störungen und die psy‐ chische Gesundheit wird erhalten. Der Masterstudiengang Psychische Gesundheit und Psychothera‐ pie an der SRH Hochschule für Gesundheit widmet sich der Förde‐ rung und Erhaltung psychischer Gesundheit sowie der Behandlung psychischer Erkrankungen und betrachtet hierbei verschiedene Patien‐ tengruppen ebenso wie verschiedene Setting Ansätze, bis hin zum be‐ trieblichen Gesundheitsmanagement. Analysiert man inhaltlich das Lehrangebot von Studiengängen im Bereich der Psychologie an deutschen Hochschulen, wird man über‐ wiegend feststellen, dass die Fächer der Klinischen Psychologie und der Psychotherapie sehr stark störungs- und defizitorientiert ausge‐ richtet sind. Zudem findet an vielen Universitäten eine starke Fokus‐ sierung auf einzelne Psychotherapieschulen, vorrangig Verhaltensthe‐ rapie, statt. Dieses Angebot steht im Widerspruch zur aktuellen Be‐ fundlage der Wirkfaktorenforschung, die zahlreiche allgemeine, psy‐ chotherapieschulen-übergreifende Wirkfaktoren identifiziert hat und zudem kritisiert, dass Psychotherapie im Rahmen historisch gewachse‐ ner Schulen praktiziert wird (z.B. Grawe, 1995). Ziel ist es daher, die Studierenden im Rahmen des Masterstudien‐ gangs Psychische Gesundheit und Psychotherapie frühzeitig über die verschiedenen Psychotherapieschulen hinaus für Merkmale und Wirk‐ faktoren einer allgemeinen psychologischen Therapie zu sensibilisie‐ ren. Nicht eine ausgrenzende, sondern eine integrative Betrachtung der verschiedenen Therapieschulen und vor allem eine deutliche Be‐ achtung ihrer Wirksamkeitsnachweise sind das Ziel und Gegenstand des Masterstudiengangs. Neben allgemeinen Wirkfaktoren, z.B. der Therapeut-Patient-Beziehung, der Problemaktualisierung und der ak‐ tiven Hilfe zur Problembewältigung, setzt der Masterstudiengang ins‐ besondere auf die Beachtung der Ressourcen (z.B. Grawe, 1992, 1995). Durch die bewusste Betonung dieses salutogenetischen Aspekts so‐ wohl in der Lehre als auch der Forschung besteht eine optimale Pas‐ sung zum Bachelorstudiengang Gesundheitspsychologie. Kapitel 7: Der Studiengang Psychische Gesundheit und Psychotherapie (Master of Science) 90 Die Studierenden werden befähigt, den Menschen unter allgemein psychotherapeutischer sowie wissenschaftlicher Perspektive zu be‐ trachten und ressourcenorientierte Lösungsansätze zu antizipieren (wissenschaftlich-kritisch reflektierender Praktiker). Sie lernen im Rahmen des Masterstudiums Handlungskonzepte für ausgewählte Problemlagen zu entwickeln und sie methodisch und arbeitsorganisa‐ torisch auf die ausgewählten Versorgungsformen auszurichten. Mit den Studieninhalten werden die Studierenden zudem befähigt, kom‐ plexe Handlungssituationen fachlich zu fundieren und je nach Bedarf am Fall auszurichten. Sie lernen komplexe Probleme des zukünftigen Berufsalltags innovativ und methodisch sicher im Dialog mit den Strukturen und unter Berücksichtigung der gegebenen Bedingungen zu lösen. Auf diese Weise formt das Masterstudium fachlich hoch qua‐ lifizierte und methodisch sichere Persönlichkeiten, die Verantwortung für komplexe Tätigkeiten übernehmen und diese gegenüber den Klien‐ ten/Patienten, dem Kollegium, der Institution und den relevanten ge‐ sellschaftlichen Instanzen zu vertreten wissen. Literaturangabe Grawe, K. (1992). Diskussionsforum. Psychotherapieforschung zu Beginn der neunziger Jahre. Psychologische Rundschau, 43, 132-162. Grawe, K. (1995). Grundriss einer Allgemeinen Psychotherapie. Psychotherapeut, 40, 130-145. Meise, U. & Wancata, J. (2005). „Es gibt keine Gesundheit ohne psychische Ge‐ sundheit“ Die Europäische Ministerielle WHO-Konferenz für Psychische Ge‐ sundheit; Helsinki 2005 Neuropsychiatrie, Band 20, Nr. 3/2006, S. 151–154. Kapitel 7: Der Studiengang Psychische Gesundheit und Psychotherapie (Master of Science) 91 Rehabilitationsziele, Zuverlässigkeit und Erreichbarkeit Pocher, Luisa; Luck-Sikorski, Claudia & Leidner, Ottmar Im Rehabilitationsprozess gilt die partizipative Vereinbarung der Re‐ habilitationsziele als Kernkomponente des Reha-Managements. Mit‐ hilfe einer retrospektiven Beobachtungsstudie über mehrere Zeitpunk‐ te erfolgte an einem Gesamtkollektiv von 118 Schädel-Hirn-Trauma- Rehabilitanden aus der Klientel des Beratungs- und Reintegrations‐ dienstes ReIntra die Untersuchung der Zuverlässigkeit und Erreichbar‐ keit der formulierten Zielsetzungen. Obwohl die meisten Geschädigten im Rehabilitationsverlauf nach der Glasgow Outcome Scale eine Selbstständigkeit in den Aktivitäten des täglichen Lebens (ADL) erreichten, gelang es hypothesenkonform weniger als 20% der SHT-Geschädigten in Vollzeittätigkeit und weni‐ ger als 30% in Teilzeittätigkeit in den ersten Arbeitsmarkt drei Jahre nach Beendigung des Reha-Managements zurückzukehren. Bereits zum ärztlichen Erstkontakt durch ReIntra besitzen die Integrationszie‐ le prognostische Aussagekraft und stellen in der logistischen Regressi‐ onsanalyse der vorliegenden Untersuchung den einzigen Prädiktor für die Erwerbstätigkeit drei Jahre nach Abschluss des Reha-Managements dar. Zukünftig muss die Unterscheidung zwischen Integrationsziel und Integrationsprognose unterstrichen werden und sich im Reha-Ma‐ nagement in Deutschland verankern. Kapitel 7.1: 93 „Das bin ich, das sind wir“ Störch, Sarah; Dieterichs, Tim; Luck-Sikorski, Claudia & Schulz, Katrin Eine Trennung oder Scheidung stellt sowohl für Kinder als auch für die Eltern ein einschneidendes Ereignis dar. Kinder erleben in dieser Zeit oftmals ein Gefühlschaos zwischen Angst, Unverständnis und Wut. Auch für Eltern bringt dieses Ereignis viele neue Herausforde‐ rungen und Aufgaben mit sich. Vielleicht steht ein Umzug an, juristi‐ sche Angelegenheiten müssen geklärt werden, familiäre Strukturen än‐ dern sich. In dieser Situation fällt es oft schwer, die Aufmerksamkeit und den Fokus auf die Bedürfnisse der kindlichen Entwicklung zu legen. Hier‐ für wurde an der SRH Hochschule für Gesundheit Gera in Zusam‐ menarbeit mit Pädagogen und Psychologen ein Kursangebot für Kin‐ der im Alter von 4 bis 6 Jahren und deren Eltern entwickelt, mit dem Ziel, die Familie bei der Bewältigung dieser schwierigen Situationen zu unterstützen. Das Programm umfasst 5 Wochen in denen eine Aufteilung in Kinder- und Elternsitzungen stattfindet. In den Elterntreffen haben El‐ tern die Möglichkeit, andere Eltern kennenzulernen, sich über Erfah‐ rungen und Fragen auszutauschen sowie Ideen und Anregungen für anspruchsvolle Situationen im Erziehungsalltag zu besprechen. Die Kindertreffen zielen darauf ab, den Selbstwert, sowie die emo‐ tionale Kompetenz der Kinder zu stärken, um deren Widerstandsfä‐ higkeit zu fördern. Die Treffen der Kinder beschäftigen sich hierbei nicht vorrangig mit dem Thema Scheidung, sondern zielen auf die Vermittlung wichtiger Kompetenzen für die weitere Entwicklung ab. Dies geschieht in gemeinsamen Spielen, Geschichten lesen, Übungen und Rollenspielen. Die Kurse werden von qualifizierten Gesundheits‐ psychologen (B. Sc.) durchgeführt. In ihrer Master-Arbeit haben die Studierenden Sarah Störch und Tim Dieterichs dieses Programm zur Bewältigung der Trennung von Kapitel 7.2: 94 Eltern für Kinder im Alter von 4 bis 6 Jahren entwickelt. Es wird ge‐ prüft, dieses nach einer Evaluation zu publizieren. Kapitel 7.2: Studiengang Psychische Gesundheit und Psychotherapie 95 Erst gesund, dann krank? Zum Einfluss von fitness- und ernährungsbezogenen Inhalten auf das Risiko einer Essstörung Grau, Julia; Schulz, Katrin & Luck-Sikorski, Claudia Adipositas ist weltweit eines der führenden Public Health Probleme und auch in Deutschland sind ca. 22% der Erwachsenen betroffen (Mensink et al., 2013). Menschen mit Adipositas sind in hohem Maße von Stigmatisierung und daraus resultierender Diskriminierung be‐ troffen (Puhl & Brownell, 2001). Die wahrgenommene Stigmatisierung und Diskriminierung von Menschen mit Adipositas hat weitreichende Folgen für die Betroffenen und ist verbunden mit negativen Auswir‐ kungen auf Wohlbefinden und Gesundheit (Puhl & Heuer, 2010; Ma‐ jor, Hunger, Bunya, & Miller, 2014; Hilbert, Braehler, Haeuser, & Zen‐ ger, 2013). Gleichzeitig kann angenommen werden, dass das öffentlich wahr‐ genommene Stigma von Adipositas mit einem Fear of Fat, also einer ausgeprägten Sorge Gewicht zuzunehmen, einhergeht, die sich auch aus den bestehenden westlichen Schönheitsidealen speist. Hiermit be‐ einflussen Social Media Plattformen nicht nur die soziale Entwicklung, Identität, Selbstwert und sozialen Beziehungen der Nutzer, sondern ebenso das Gesundheitsverhalten (Subrahmanyam & Greenfield, 2008; Valkenburg & Peter, 2009). Insbesondere junge Nutzer des weiblichen Geschlechts berichten, dass Bilder und Texte zu diesen Inhalten ein negatives Körperbild verschafft und diese im weiteren Verlauf häufiger zu Diäten greifen, um dem Druck standzuhalten (Thompson & Lough‐ leed, 2012; Musaiger & Al-Mannai, 2013). Auch für diese Fragestel‐ lung liegen bislang kaum Erkenntnisse vor. Kapitel 7.3: 96 Aus aktuellem Bezug besteht ein erhöhtes Forschungsinteresse an dem Einfluss fitness- und ernährungsbezogener Inhalte des Mediums Instagram auf das Ernährungsverhalten weiblicher Nutzer. Dies resul‐ tiert wesentlich aus den stetig wachsenden aktiven Nutzerzahlen (Suhr, 2016), dem publizierten Schönheitsideal (Chrisler, Fung, Lopez, & Gorman, 2013) und der hohen Anfälligkeit junger Frauen für ein ess‐ gestörtes Verhalten (Blodgett, Jones, Haugen, & Schaefer, 2015). Diese Komponenten können dazu führen, dass die vermeintlich positiv an‐ gestrebte Veränderung des Gesundheitsverhaltens der Bevölkerung hin zu einem sportlichen, aktiven und schlanken Körper, letztlich in einem Teufelskreis der Essstörung mündet. Diesbezüglich soll die vorliegende Studie den Einfluss besagter Inhalte untersuchen. Sie wird im Rahmen der Forschungsförderung der SRH Hochschule für Gesundheit finan‐ ziert und ist Teil der Bachelorarbeit der Studierenden Julia Grau (B. Sc. Gesundheitspsychologie). Literaturangaben Blodgett, E. H., Jones, M. E., Haugen, E. C., & Schaefer, M. K. (2015). Perceptions of the causes of eating disorders: a comparison of individuals with and without eating disorders. (32). Chrisler, J., Fung, K. T., Lopez, A. M., & Gorman, J. A. (2013). Suffering by compa‐ rison: Twitter users’ reactions to the Victoria’s secret fashion show. Body Image (10), 648-652. Hilbert, A., Braehler, E., Haeuser, W., & Zenger, M. (2013). Weight bias internal zation, core self-evaluation, and health in overweight and obese persons. Obesi‐ ty. (Silver.Spring). Major, B., Hunger, J. M., Bunya, D. P., & Miller, C. T. (2014). The ironic effects of weight stigma. Journal of Experimental Social Psychology, 51, 74-80. Mensink, G. B., Schienkiewitz, A., Haftenberger, M., Lampert, T., Ziese, T., & Scheidt-Nave, C. (2013). Übergewicht und Adipositas in Deutschland. Bundes‐ gesundheitsblatt-Gesundheitsforschung-Gesundheitsschutz, 56(5-6), 786-794. Musaiger, A. O., & Al-Mannai, M. (2013). Role of obesity and media in body weight concern among female university students in Kuwait. Eating Behaviors (14), 229-232. Puhl, R., & Brownell, K. D. (2001). Bias, discrimination, and obesity. Obesity Re‐ search, 9(12), 788-805. Kapitel 7.3: Studiengang Psychische Gesundheit und Psychotherapie 97 Puhl, R. M., & Heuer, C. A. (2010). Obesity stigma: important considerations for public health. American journal of public health, 100(6), 1019-1028. Subrahmanyam, K., & Greenfield, P. M. (2008). Virtual worlds in development: Implications of social networking sites. Journal of Applied Developmental Psy‐ chology (29), 417-419. Thompson, S. H., & Loughleed, E. (2012). Frazzled by Facebook? An exploratory study of gender differences in social network communication among under graduate men and women. College Student Journal (46), 88-99. Valkenburg, P. M., & Peter, J. (2009). Social consequences of the internet for adole‐ scents a decade of research. Current Directions in Psychological Science (18), 1-5. 98 Nachwuchsforschungsgruppe „Stigma und internalisiertes Stigma bei Adipositas“ Jung, Franziska; Weinberger, Natascha-Alexandra; Bernard, Marie & Luck-Sikorski, Claudia Obwohl Adipositas eine der häufigsten und folgenreichsten Gesund‐ heitseinschränkungen darstellt, sind Menschen mit Adipositas mit Vorurteilen konfrontiert, die mit einer Fehlwahrnehmung der Ursa‐ chen von Adipositas einhergehen. In Hinblick auf limitierte effektive lebensstilbasierte Interventionen bei Adipositas gilt es Hürden zur er‐ folgreichen Behandlung zu identifizieren. Negative Einstellungen (Stigmatisierung) gegenüber Menschen mit Adipositas wurden als ein Faktor identifiziert, der die negativen Auswirkungen auf die Gesund‐ heit adipöser Patienten moderiert. Der Stigma-Prozess, ausgehend von der Zuschreibung negativer Eigenschaften, hin zu Diskriminierung und internalisiertem Stigma, ist bisher in weiten Teilen nicht erforscht und Studien hierzu fehlen größtenteils gänzlich. Diese Nachwuchs‐ gruppe, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert ist und im Rahmen des Integrierten Forschungsund Behandlungszentrums (IFB) Adipositas Erkrankungen an der Universität Leipzig angesiedelt ist, widmet sich daher den Mechanis‐ men von Stigmatisierung und ihren Folgen. Die Projekte erlauben eine umfängliche und weitreichende Analyse von Stigmatisierung (u. a. Untersuchung anderer Mechanismen, wie Ekel) und Diskriminierung (Erfassung von Prävalenz, Qualität der Diskriminierungserfahrungen und die damit verbundene Selbststigmatisierung). Zusätzlich werden verhaltensrelevante Aspekte von Stigmatisierung experimentell erfasst und eine neu entwickelte Intervention zur Reduktion von Stigmatisie‐ rung getestet, adaptiert und erneut pilotiert. Als Translationsmodul Kapitel 7.4: Kapitel 7.4: Studiengang Psychische Gesundheit und Psychotherapie 99 der Projekte wird ein gruppenbasiertes Interventionsmodul zum Um‐ gang mit internalisiertem Stigma entwickelt und pilotiert. Studierende der Hochschule für Gesundheit sind in der For‐ schungsgruppe im Rahmen von Tätigkeiten als Studentische Hilfskräf‐ te und (Forschungs-) Praktikanten tätig. Folgende Publikationen sind im Rahmen der Gruppe in Gera entstanden: – Weinberger N, Kersting A, Riedel-Heller SG*, Luck-Sikorski C*. Body dissatisfaction in individuals with obesity compared to nor‐ mal-weight individuals: A systematic review and meta-analysis. Obesity Facts 2016 (IF: 2.400, in press) – Spahlholz J, Pabst Al, Riedel-Heller SG, Luck-Sikorski C. Coping with perceived weight discrimination: Testing a theoretical model for examining the relationship between perceived weight discrimi‐ nation and depressive symptoms in a representative sample of indi‐ viduals with obesity. Int J Obes 2016, DOI: 10.1038/ijo.2016.164 (in press, IF: 5.337) – Luck-Sikorski C & Riedel-Heller SG. Obesity as a disability? Disa‐ bility & Health 2016 (IF: 1.291, in press) – Volkhardt I, Semler E, Meier T, Luck-Sikorski C. Empfehlungen für ein veganes Mittagsangebot in der Betriebs- und insb. Mensenver‐ pflegung. Ernährungsumschau 2016 (in press) – Jung F, Luck-Sikorski C, Riedel-Heller SG. The easy way out? Stig‐ ma and Knowledge as Determinants of Counseling and Referral Behavior in General Practitioners and Internists. Obesity Surgery 2016 DOI: 10.1007/s11695-016-2104-5 (e-first, IF 3.747) 100 Der Studiengang Medizinpädagogik (Bachelor of Arts) Koch, Sebastian & Leschowski, Robert Der Bachelorstudiengang Medizinpädagogik wurde 2007 akkreditiert und im Wintersemester 2007 erstmals für Studierende am Hochschul‐ standort Gera angeboten. Hierbei bildet der polyvalente Bachelorstu‐ diengang Medizinpädagogik die Basis für den seit Wintersemester 2015 angebotenen konsekutiven Masterstudiengang Medizinpädago‐ gik. Die Studierenden absolvieren den Bachelorstudiengang Medizin‐ pädagogik berufsbegleitend als Teilzeitstudium innerhalb von 9 Se‐ mestern (inklusive Unterrichtspraktikum). Ziel des Studiums Die Studierenden erwerben notwendige Kompetenzen, welche Lehr‐ kräfte für Berufe der Gesundheitsversorgung benötigen. Zu diesen Kompetenzen gehören wissenschaftlich fundiertes (evidenzbasiertes) Fachwissen, didaktisches Verständnis, eine hohe Methodenkompetenz sowie ausgeprägte Sozialkompetenzen. Ziel ist es, den Studierenden die Kompetenzen zu vermitteln, die sie benötigen, um Lehr- und Lernsituationen in hoher Qualität zu pla‐ nen, durchzuführen und zu evaluieren. Kapitel 8: 101 Inhalte des Studiums Der Bachelorstudiengang Medizinpädagogik ist modular aufgebaut. Den 16 Modulen werden drei Kompetenzfelder zugeordnet: 1. Bildungswissenschaften/Berufspädagogik 2. Erste berufliche Fachrichtung „Gesundheit/Pflege“ 3. Zweite berufliche Fachrichtung „Krankheitslehre“ Ein weiterer Schwerpunkt liegt in allgemeinen und fachdidaktischen Modulen. Zusammen mit bildungswissenschaftlichen Modulen wer‐ den notwendige pädagogische Kompetenzen vermittelt, die einen mo‐ dernen Lehrer auszeichnen. Die Studierenden werden im wissenschaftlichen Arbeiten auf ihre eigene Abschlussarbeit vorbereitet, in der sie ihre erlernten Fähigkeiten einfließen lassen können. Praxisnahes Studium In Ergänzung zu den praxisnahen Modulen ist das Unterrichtsprakti‐ kum ein wichtiger Bestandteil des Studiums. In diesem Praktikum können die Studierenden, im 8. Semester, erste praktische Erfahrungen als Lehrer an Bildungseinrichtungen sammeln. Durch eine enge Zu‐ sammenarbeit der SRH Hochschule für Gesundheit Gera mit verschie‐ denen Kooperationspartnern und Bildungseinrichtungen kann den Studierenden eine Betreuung auf hohem Niveau angeboten werden. Ein weiterer Bestandteil des praxisnahen Studiums sind verschie‐ dene Exkursionen. In diesem Zusammenhang werden regelmäßig Ex‐ kursionen in das „Deutsche Hygiene-Museum“ in Dresden und in das „Medizinhistorische Museum der Charité“ in Berlin geplant und durchgeführt. Hierbei können die Studierenden ihr erworbenes Fach‐ wissen anhand der ausgestellten Modelle und Präparate erweitern. Zugangsvoraussetzungen Zu den Zugangsvoraussetzungen für den Bachelorstudiengang Medi‐ zinpädagogik gehören neben der allgemeinen Hochschulreife, Fach‐ hochschulreife oder einer gleichwertigen Hochschulzugangsberechti‐ Kapitel 8: Der Studiengang Medizinpädagogik (Bachelor of Arts) 102 gung der Nachweis über eine abgeschlossene Berufsausbildung in einem Fachberuf des Gesundheits- und Sozialwesens. In definierten Ausnahmefällen können auch Bewerber gemäß § 63 Abs. 3 ThürHG zugelassen werden, die keine Hochschulzugangsbe‐ rechtigung haben, aber eine Berufsausbildung in einem Fachberuf ab‐ geschlossen haben und eine Berufserfahrung von mindestens 3 Jahren nachweisen können. Entwicklung des Studiengangs Seit der Akkreditierung des Bachelorstudienganges Medizinpädagogik im Jahr 2007 erfreut sich der Studiengang eines steigenden Interesses an Studienbewerbern und Studierenden. Seit 2011 konnten sich bisher insgesamt 187 Absolventen über ihr erfolgreich abgeschlossenes Bachelorstudium Medizinpädagogik an der SRH Hochschule für Gesundheit Gera freuen. Die Studiengangsleitung steht in regelmäßigem Kontakt mit den zuständigen Ministerien in Thüringen. Darunter zählen das Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport, das Thüringer Landesver‐ waltungsamt und das Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissen‐ schaft und Digitale Gesellschaft. Das Ziel dieses Austausches ist es den Entwicklung der Studierenden im Bachelorstudiengang Medizinpädagogik Abbildung 1: Kapitel 8: Der Studiengang Medizinpädagogik (Bachelor of Arts) 103 Bachelorstudiengang Medizinpädagogik in Anlehnung an die gesetzli‐ chen Rahmenbedingungen und Vorgaben weiterzuentwickeln. Heterogenität als Chance Eine Besonderheit des Bachelorstudiengangs Medizinpädagogik ist die stark ausgeprägte Heterogenität durch unterschiedlich hohe Berufser‐ fahrung und die verschiedenen Grundberufe der Studierenden. Da‐ durch bringen sich die Studierenden besonders stark in die Vorlesun‐ gen ein. Dieses Potential wird von den Dozenten genutzt, um die Vor‐ lesungen praxisnah zu gestalten und das selbstgesteuerte Lernen zu fördern. Grundberufe der Studierenden im 1. Semester WS16/17 Wissenschaftliche Beiträge der Studierenden Die Studierenden können in Modulen wie „Interdisziplinäres Projekt an Schulen des Gesundheitswesens, Projekte als Methode im Unter‐ richt“ erste Erfahrungen im Umgang mit dem Schreiben von wissen‐ Abbildung 2: Kapitel 8: Der Studiengang Medizinpädagogik (Bachelor of Arts) 104 schaftlichen Arbeiten sammeln. Aus diesen Arbeiten und den später verfassten Bachelorarbeiten entstehen Publikationen, die auch in Fach‐ zeitschriften veröffentlicht werden. Studierende verfassen Fachliteratur In Kooperation mit dem Georg-Thieme Verlag konzipierten und er‐ stellten Studierende des Bachelorstudiengangs Medizinpädagogik ein gemeinsames Lehrbuch für Rettungssanitäter. Die Studierenden schrieben alle geforderten Kapitel und sendeten diese an die Verlags‐ gruppe zur redaktionellen Durchsicht. Das Lehrbuch wurde im Mai 2017 auf der RettMobil 2017 - Euro‐ pas Leitmesse für Rettung und Mobilität - veröffentlicht. Weitere ge‐ meinsame Buchprojekte sind bereits in Planung. Studienprojekt: Bewegungsübungen bei Demenz Ein weiteres Projekt befasst sich mit dem Thema „Brain-Gym“. Studie‐ rende der SRH Hochschule für Gesundheit Gera entwickelten auf Grundlage des Brain-Gym-Konzepts acht Bewegungsübungen für Menschen mit Demenz (vgl. Dennison & Dennison 2004). Diese Be‐ wegungsabläufe sollen die geistige Aktivität steigern. 2014 wurden hierfür die Effekte der acht Bewegungsabläufe bei Klienten mit De‐ menz im ambulanten Setting evaluiert. Die Studierenden rekrutierten 36 Klienten mit leichter bzw. mittlerer Demenz. Die Interventions‐ gruppe mit 22 Klienten durchlief unter Anleitung von geschultem Fachpersonal die Übungen. Die 14 Klienten der Kontrollgruppe nah‐ men nicht an den Übungen teil. Anhand des Alters-Konzentrations- Tests (AKT) nach Gatterer wurde der Effekt der Übungen überprüft. Das Ergebnis zeigt, dass nach 4 Monaten durch regelmäßigen Einsatz der acht Bewegungsübungen in Anlehnung an das Brain-Gym-Kon‐ zept die Interventionsgruppe im Alters-Konzentrations-Test bessere Ergebnisse erzielte als die Kontrollgruppe. Dennison, P. E. & Dennison, G. (2004). Brain Gym. Lehrerhand‐ buch, 13. Aufl. VAK, Verl. Für Angewandte Kinesiologie, Freiburg. Kapitel 8: Der Studiengang Medizinpädagogik (Bachelor of Arts) 105 Förderung der Handlungskompetenz durch das Projekt Schüler-OP in der Ausbildung der Anästhesie- und Operationstechnischen Assistenten Grube, Liane Schülerstationen sind ein geeignetes Konzept zur besseren Verzahnung von Theorie und Praxis und zur Förderung der Handlungskompetenz in der Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger. Auszubil‐ dende leiten dabei selbstständig eine Station und arbeiten autonom. Die Förderung von Handlungskompetenz ist ebenso Ziel der Ausbil‐ dung zum Anästhesie- und Operationstechnischen Assistenten (ATA/ OTA). Die Messung und Förderung der Handlungskompetenz mittels dem Projekt Schülerstation in der Pflege wurde in der vorliegenden Arbeit mit der Methode der Literaturrecherche eruiert und Hand‐ lungsempfehlungen zur Durchführung des Projektes in der Ausbil‐ dung der ATA/OTA entwickelt. Im Ergebnis zeigte sich, dass bei der Kompetenzerfassung im Projekt Schülerstation die Evaluation der Be‐ teiligten im Vordergrund steht. Ein geeignetes empirisch fundiertes Kompetenzmessinstrument konnte in der Literaturrecherche nicht er‐ mittelt werden. Die verstärkte Anwendung von Maßnahmen für den Theorie-Praxis-Transfer während einer Schülerstation lässt jedoch auf die Förderung von Handlungskompetenz schließen. Angelehnt an die Merkmale einer Schülerstation konnten Handlungsrichtlinien für die Durchführung in der ATA/OTA-Ausbildung entwickelt werden. Die Durchführung des Projektes Schüler-OP ermöglicht die Förderung von Handlungskompetenz in der Ausbildung der ATA/OTA. Dies konnte eruiert aber nicht messbar nachgewiesen werden. Kapitel 8.1: Kapitel 8: Der Studiengang Medizinpädagogik (Bachelor of Arts) 106 Handlungskompetenz – Schülerstation – Schüler-OP – anästhesie‐ technische Assistenten (ATA) – operationstechnische Assistenten (OTA) Kapitel 8.1: Studiengang Medizinpädagogik 107 Die Auswirkung eines moderaten Ausdauertrainings auf die Konzentrationsfähigkeit von Studenten – eine Interventionsstudie an der SRH Hochschule für Gesundheit Gera Leschowski, Robert Der Bewegungsanteil der Menschen pro Tag nimmt immer weiter ab. Konzepte wie die Bewegte Schule versuchen durch Implementierung von Bewegung in den Unterricht diesem Trend entgegenzuwirken und gleichzeitig die Konzentrationsleistung der Schüler zu steigern. Durch eine randomisiert kontrollierte Längsschnittstudie mit 37 Studenten einer Gesundheitshochschule soll bestätigt werden, dass ein 3-wöchiges moderates Ausdauertraining einen positiven Effekt auf die Konzentrationsleistung hat. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Konzentrationsleistung in der Interventionsgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe signifikant steigt (p = 0.022). Somit konnte die positive Auswirkung auf die Kon‐ zentrationsleistung von Studierenden nachgewiesen werden. Können die Ergebnisse mit weiteren Studien reproduziert und be‐ stätigt werden, kann eine angepasste Konzeption der Bewegten Schule perspektivisch den Weg in die Praxis finden und so die Konzentrati‐ onsleistung sowie die Gesundheit der Schüler und Studenten signifi‐ kant verbessern. Kapitel 8.2: Kapitel 8: Der Studiengang Medizinpädagogik (Bachelor of Arts) 108 Schlüsselwörter: Bewegung – Konzentrationsleistung – Bewegte Schule – Ausdauertrai‐ ning Kapitel 8.2: Studiengang Medizinpädagogik 109 Motivation für die Aufnahme einer Pflegeausbildung - eine quantitative Studie an verschiedenen Schulen in Bayern Kohler, Verena Aufgrund des zu erwartenden demographischen Wandels und des prognostizierten Pflegenotstandes kann der Bedarf an Pflegefachkräf‐ ten nicht gedeckt werden (vgl. Schnable, 2007). Diese Bachelorarbeit gibt einen Überblick über die Motivation potentieller Bewerber in Be‐ zug auf den Beginn einer Pflegeausbildung. Ziel der quantitativen Querschnittsstudie ist es, dem bevorstehenden Pflegenotstand entge‐ genzuwirken und mehr Auszubildende in der Pflege zu akquirieren (vgl. Schnable, 2007). Die Basis der Untersuchung bildet ein Fragebo‐ gen, der an 84 Schüler und Schülerinnen an allgemeinbildenden Schu‐ len in Bayern verteilt wurde. Die Berufsbewerber beantworteten Fra‐ gen zur Attraktivität des Pflegeberufes und stellten Motive heraus, die für den Beginn einer Pflegeausbildung entscheidend sind. Die Ergebnisse zeigen, dass 34,2% der Befragten motiviert sind, eine Ausbildung in der Pflege zu beginnen. Die restlichen 65.8% der Studienteilnehmer zeigen sich eher abgeneigt, eine Ausbildung in einem der Pflegeberufe zu ergreifen. Ansatzpunkte für das Anwerben neuer Mitarbeiter in der Pflege sind: Gute Verdienstmöglichkeiten, eine langfristige Arbeitsplatzsicherung, Fairness und Gleichberechti‐ gung im Beruf und Freizeit als Ausgleich zur Arbeit. Die genaue Um‐ setzung dieser Ansatzpunkte in den Betrieben erfordert noch weitere Untersuchungen. Die Arbeit ist an alle Mitarbeiter der gesundheitli‐ chen Aus-, Fort- und Weiterbildung adressiert, um auf das Problem der zurückgehenden Bewerberzahlen an den Pflegeschulen aufmerk‐ sam zu machen. Kapitel 8.3: Kapitel 8: Der Studiengang Medizinpädagogik (Bachelor of Arts) 110 Schlagwörter: Motivation, Pflegeausbildung, Pflegenotstand, Bewerberzahlen, demo‐ graphischer Wandel Kapitel 8.3: Studiengang Medizinpädagogik 111 Probleme und Bewältigungsstrategien von Pflegenden im Umgang mit dem Tod junger Patienten Buchwald, Anika Auf Palliativstationen tätiges Personal muss sich besonders mit dem Leid und dem Tod auseinandersetzen (Widegger, 2011). Die Sterbebe‐ gleitung und der Tod junger Patienten löst eine große persönliche Be‐ troffenheit aus (Müller et al., 2014). An der Untersuchung nahmen sechs Pflegefachkräfte der Palliativ‐ stationen des Klinikums Burgenlandkreis GmbH teil. Es wurde ein qualitatives Forschungsdesigngewählt, um die subjektiven Sichtweisen der Teilnehmer zu erfassen. Als Instrument der Datenerhebung wurde die Methode des problemzentrierten Interviews verwendet. Die Daten wurden mit Hilfe von MAXQDA12 ausgewertet und einem Kategori‐ ensystem zugeordnet. Es wurden unterschiedliche Belastungsfaktoren eruiert, sowie der Tod junger Patienten. Durch das noch nicht gelebte Leben und die eventuell vorhandenen kleinen Kinder, wird der Tod in diesen Fällen als ungerecht und vorzeitig empfunden. Des Weiteren wurden die in‐ dividuellen Bewältigungsstrategien der Befragten erhoben. Tod und Trauer geht den Pflegenden nahe und wurde bislang nur unzureichend betrachtet. Teilweise besteht Verbesserungsbedarf, der in weiterfüh‐ renden Untersuchungen erforscht werden sollte. Schlüsselwörter: Palliativmedizin, Pflegekräfte, Belastungsfaktoren, Bewältigungsstrate‐ gien, junger Patient Kapitel 8.4: Kapitel 8: Der Studiengang Medizinpädagogik (Bachelor of Arts) 112 Die Geschichte der Eröffnung des Schädels - Technologien der Trepanationen vom Neolithikum bis zur Gegenwart Linden, Brigit Schon vor Urzeiten versuchten die Menschen krankhafte Prozesse im Gehirn zu behandeln. Da das Gehirn von Knochen umschlossen ist, verschafften sich schon steinzeitliche Operateure Zugang zum Gehirn, indem sie den Schädelknochen mit unterschiedlichen Werkzeugen und Techniken öffneten. Dazu nutzten sie unterschiedliche Materiali‐ en. Von steinzeitlichen Schabeinstrumenten aus Muscheln, kompli‐ zierteren Bohrgeräten in der Antike, ausgeklügelte Bohrer mit Siche‐ rungssystemen im mittelalterlichen Persien bis hin zu Hightechnaviga‐ tionssystemen, die den heutigen Neurochirurgen die Arbeit erleichtern. Bei den Trepanationstechniken hat es keine gravierenden Veränderun‐ gen seit dem Neolithikum gegeben. Es wird bis zum heutigen Tage mit Hilfe von bohrenden, schabenden oder schneidenden Instrumenten der knöcherne Schädel geöffnet. Anders verhält es sich bei dem Instru‐ mentarium. Im Neolithikum benutzten die Operateure primitive Kratzinstrumente aus Stein oder Muscheln. Seit der Antike aber haben die Gelehrten Instrumente mit Sicherungsfunktionen zum Schutz der Hirnhäute entwickelt. Und auch schon in der Steinzeit war der Ort, in dem man lebte, entscheidend für die Güte der medizinischen Versor‐ gung. In unterschiedlichen Regionen gab es auch damals schon signifi‐ kante Unterschiede bei der Überlebensrate nach den erfolgten Trepa‐ nationen. Kapitel 8.5: Kapitel 8.5: Studiengang Medizinpädagogik 113 Schlagwörter: Trepanation, Trepanation History, Skull Trepanation, primitiv cranial surgery, forensic anthropology Kapitel 8: Der Studiengang Medizinpädagogik (Bachelor of Arts) 114 Der Studiengang Medizinpädagogik (Master of Arts) Sänger, Sylvia Der Masterstudiengang Medizinpädagogik wurde 2015 akkreditiert und startete im Wintersemester 2015. Als konsekutiver Studiengang komplettiert er den Bachelorstudiengang Medizinpädagogik. Mit dem Abschluss wird der Titel Master of Arts Medizinpädagogik vergeben. Der Studiengang entspricht der Niveaustufe 7 des Europäischen Quali‐ fikationsrahmens und umfasst insgesamt 120 Credit Points. Zusam‐ men mit dem Bachelorstudiengang werden insgesamt 300 Credit Points vergeben. Dies entspricht den Vorgaben des Thüringer Lehrer‐ bildungsgesetzes (§ 14, Studium für das Lehramt an berufsbildenden Schulen). Mit einer Regelstudienzeit von 5 Semestern bzw. 2,5 Jahren wird der Masterstudiengang Medizinpädagogik berufsbegleitend durchgeführt. Ziele des Studiums Die Studierenden sollen fachwissenschaftliche und erziehungswissen‐ schaftliche Kompetenzen erwerben um pädagogische Tätigkeiten an Schulen der Gesundheitsberufe sowie an Fort- und Weiterbildungs‐ stätten, an Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesens und In‐ stitutionen zur Gesundheitsförderung aufnehmen und kompetent aus‐ füllen zu können. Durch eine berufsfeldbezogene Qualifizierung wer‐ den den Studierenden sowohl wissenschaftliche Grundlagen als auch Methodenkompetenz vermittelt. Der medizinisch-wissenschaftliche Fortschritt, die steigenden Anforderungen an ein effektives Wissens‐ management, die zunehmende Bedeutung der Bildungsforschung und der Implementierung ihrer Ergebnisse in die tägliche Praxis erfordert Kapitel 9: 115 ein Studium, in dem die entsprechenden Fähigkeiten vermittelt wer‐ den. Inhalte des Studiums Die Module des Masterstudiengangs Medizinpädagogik können in drei Kompetenzfeldern zugeordnet werden: Kompetenzfeld 1: Bildungswissenschaften und Berufspädagogik Kompetenzfeld 2: Erste berufliche Fachrichtung: Gesundheit / Pflege Kompetenzfeld 3: Zweite berufliche Fachrichtung: Krankheitslehre Die Vermittlung des Stoffes erfolgt nach dem CORE-Prinzip (CORE=Competence oriented research and education). In einer Reihe von Modulen wird nach der Methode des Problem Based Learnings gearbeitet. Die Studierenden erhalten so ein großes Maß an Methoden und Selbstkompetenz. Elemente des wissenschaftlichen Arbeitens wie zum Beispiel die systematische Recherche werden kontinuierlich ange‐ wandt und wiederholt. Durch die große Praxiserfahrung der internen und externen Lehrenden wird stets der Bezug von wissenschaftlichen Grundlagen und ihrer Übertragung in die Praxis geschaffen. Metho‐ denkompetenz ist ein Schwerpunkt des Masterstudiengangs Medizin‐ pädagogik. Die Studierenden müssen in der Lage sein, aktuelle medizi‐ nische Fragestellungen richtig zu erkennen und mit Hilfe der Techni‐ ken der evidenzbasierten Medizin das bestverfügbare Wissen aus der Forschung zu identifizieren und kritisch einzuschätzen um später bei der Vermittlung von Wissen an den Berufsfachschulen immer auf dem aktuellen Stand zu sein. Zugangsvoraussetzungen Zu den Zugangsvoraussetzungen für den Masterstudiengang gehören eine abgeschlossene (staatlich anerkannte) Berufsausbildung in einem Fachberuf des Gesundheits- und Sozialwesens oder einem vergleichba‐ ren Berufsabschluss und der Nachweis eines akademischen Abschlus‐ Kapitel 9: Der Studiengang Medizinpädagogik (Master of Arts) 116 ses in Medizinpädagogik (Bachelor) oder ein vergleichbarer Studien‐ abschluss (inkl. Praktikum und pädagogischen Anteilen). Entwicklung des Studiengangs Durch die enge und gute Zusammenarbeit von Mitarbeitern des Ba‐ chelor- und Masterstudiengangs sowie die Dozententätigkeit der Stu‐ diengangsleiterin des Masterstudienganges, können auch im Bachelor‐ studiengang viele Bachelorstudenten gewonnen werden, das Master‐ studium anzuschließen. Seit Bestehen des Studiengangs wurden in je‐ dem Semester Kohorten immatrikuliert. Wissenschaftliche Beiträge der Studierenden Es wird angestrebt, dass Studierende Ergebnisse und Produkte aus ein‐ zelnen Lehrmodulen wissenschaftlich aufarbeiten und entsprechend präsentieren. So entstanden zum Beispiel im Modul „Gesundheitsund Therapiewissenschaft – Interdisziplinäres Projekt“ die folgenden Produkte: Kapitel 9: Der Studiengang Medizinpädagogik (Master of Arts) 117 Lehrmodul „Der aktive Patient“ für Medizinstudierende Sänger, Sylvia & Gensichen, Jochen Das Lehrmodul wurde durch die Studierenden der Medizinpädagogik des Wintersemesters WS15/16 erarbeitet und im Juni 2016 mit Medi‐ zinstudierenden durchgeführt. Kooperationspartner ist das Institut für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Jena. Nach einem einführenden Vortrag zum Thema Patientenaktivie‐ rung und Patientenempowerment erfolgte die Arbeit an drei Lernsta‐ tionen: Station1: Es wurden Entscheidungshilfen vorgestellt, die Ärzte und Patienten im Setting der gemeinsamen Entscheidungsfindung (shared decision making) einsetzen können: Option grids, Fakten‐ boxen und interaktive Entscheidungshilfen. Station 2: An dieser Station lernten die Studierenden, anhand wel‐ cher Kriterien die Qualität einer Gesundheitsinformation ermittelt werden kann. Es wurden Quellen evidenzbasierter Gesundheitsin‐ formationen vorgestellt. Station 3: Tools zur Patientenaktivierung wurden vorgestellt. Dazu gehören Fragenchecklisten, Medikamentenpläne, Befundordner und Anregungen zum Arzt-Patienten-Gespräch. Durch praktische Übungen konnten sich die Teilnehmer an allen Lernstationen mit den vorgestellten Materalien, Instrumenten und Verfahren vertraut machen. Im Anschluss an die Veranstaltung wurde eine Evaluation unter den Teilnehmern durchgeführt. Die Studierenden haben das Projekt als wissenschaftliches Poster aufgearbeitet und zum 50. Kongress für Allgemeinmedizin und Fami‐ lienmedizin der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Fa‐ milienmedizin (DEGAM) vom 29.09. - 01.10.2016 in Frankfurt am Main vorgestellt. Kapitel 9.1: Kapitel 9: Der Studiengang Medizinpädagogik (Master of Arts) 118 Sänger S., Gensichen J. Medizinpädagogik goes Allgemeinmedizin – Ein Werk‐ stattbericht zum interprofessionellen Lernen http://www.egms.de/static/de/mee tings/degam2016/16degam193.shtml Kapitel 9.1: Studiengang Medizinpädagogik 119 Lehrmodul „Gesundheits-Apps in der Hausarztpraxis“ Feick Frank; Laborge, Denise; Baumgarten, Sven; Vollmar, Horst Christi‐ an & Sänger, Sylvia Das Lehrmodul wurde durch die Studierenden der Medizinpädagogik des Wintersemesters WS15/16 erarbeitet und im Februar 2017 mit Medizinstudierenden durchgeführt. Kooperationspartner ist das Insti‐ tut für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Jena. Nach einem einführenden Vortrag zur Definition, Bedeutung und Einordnung von Gesundheits-Apps erfolgte die Arbeit an zwei Lern‐ stationen: Station 1: Qualität von Gesundheits-Apps Die Bewertungsplattform für Gesundheits-Apps HealthOn als Tool zur Einschätzung des Risikopotenzials wurde vorgestellt und konn‐ te praktisch erprobt werden. Die Kommunikation von Qualitätsas‐ pekten von Gesundheits-Apps im Arzt-Patienten-Gespräch wurde thematisiert und diskutiert. Station 2: Chancen und Risiken von Gesundheits-Apps Im Vorfeld der Veranstaltung haben die Studierenden der Medizin‐ pädagogik mit sieben Hausärzten qualitative Befragungen zu Chancen und Risiken von Gesundheits-Apps durchgeführt. Diese Ergebnisse wurden mit den Medizinstudenten diskutiert und deren Meinungsbild eingeholt. Im Anschluss an die Veranstaltung wurde eine Evaluation unter den Teilnehmern durchgeführt. Die Studierenden haben das Projekt als wissenschaftliches Poster auf‐ gearbeitet und zur 18. Jahrestagung des Deutschen Netzwerks evidenz‐ basierte Medizin vom 9.-11. März 2017 in Hamburg präsentiert. Kapitel 9.2: Kapitel 9: Der Studiengang Medizinpädagogik (Master of Arts) 120 Feick, F.., Laborge, D., Baumgarten, S., Vollmar, H.C.H. & Sänge,r S. Medizinpäd‐ agogik goes Allgemeinmedizin: Interdisziplinärer Workshop „Gesundheits- Apps in der Hausarztpraxis“ http://www.egms.de/static/en/meetings/ebm2017/ 17ebm122.shtml Kapitel 9.2: Studiengang Medizinpädagogik 121 Erstellung einer Patientenleitlinie Sänger, Sylvia In Kooperation mit dem Studiengang Psychische Gesundheit und Psy‐ chotherapie (Leitung Prof. Dr. habil. Claudia Luck-Sikorski) und der Deutschen Adipositasgesellschaft e.V. erarbeiten Studierende des Som‐ mersemesters 2016 auf der Grundlage der S3 Leitlinie „Prävention und Therapie der Adipositas“ eine Patientenleitlinie. Sie soll das evidenzbasierte ärztliche Wissen in verständlicher Form für Patienten und ihre Angehörigen und Interessierte verfügbar machen. Ein wesentliches Qualitätsmerkmal für eine gute Gesund‐ heitsinformation ist die Beteiligung von betroffenen Patientinnen und Patienten. Daher wurde im Dezember 2016 mit der Adipositas Selbst‐ hilfe Jena eine Fokusgruppenbefragung zur Informationsbedürfnissen und Erfahrungen Betroffener durchgeführt und qualitativ ausgewertet. Dies wird in die Erstellung der Patientenleitlinie einfließen, die sich an einer festlegelegten Methodik orientiert (http://www.patienten-information.de/mdb/downloads/nvl/methodik /erstellung-pll-nvl-ol-mr.pd f) und die Anforderungen der Guten Praxis Gesundheitsinformation des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin (http://www.ebmnetzwerk.de/pdf/publikation-en/gpgi2.pdf) erfüllt. Nach Fertigstellung im August 2017 wird die Patientenleitlinie auf dem Internetangebot der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften publiziert. Kapitel 9.3: Kapitel 9: Der Studiengang Medizinpädagogik (Master of Arts) 122 IQWiG-Drittmittelprojekte „Qualität von Gesundheitsinformationen“ Sänger, Sylvia In einem Drittmittelprojekt finanziert durch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen IQWiG wird im Master‐ studiengang Medizinpädagogik unter Leitung von Prof. Sylvia Sänger in einer qualitativen Studie die Qualität von Gesundheitsinformatio‐ nen gemeinsam mit Laien getestet. Diese Informationen werden nach der Testung im Internet unter der Adresse www.gesundheitsinformati on.de veröffentlicht. Das Projekt hat eine Laufzeit von März 2016 bis Februar 2018. Nach Erhalt der zu testenden Informationen erfolgt die Rekrutierung der Testteilnehmer (medizinische Laien) im Einzugsgebiet Gera/Jena. In einer Fragebogenerhebung und in anschließenden face-to-face-In‐ terviews erfolgt die Testung. Die Ergebnisse werden transkribiert, qualitativ ausgewertet und als Empfehlungen zur Überarbeitung der entsprechenden Informationen an das IQWiG weitergeleitet. Dort erfolgt dann auf der Grundlage der Ergebnisse der Nutzertestung eine Anpassung bzw. Überarbeitung der Informationen und ihre Publikation. Kapitel 9.4: Kapitel 9.4: Studiengang Medizinpädagogik 123 Der Studiengang Bildung und Förderung in der Kindheit (Bachelor of Arts) Henning, Anne Die Geschichte des Studiengangs ist so alt wie die SRH Hochschule für Gesundheit Gera. Wie in der Entwicklung von Kindern, die im Fokus dieses Studiengangs steht, hat der Studiengang schon einige Entwick‐ lungssprünge gemäß den aktuellen Herausforderungen gemeistert. Frühförderung ist ein Hilfsangebot für Kinder von der Geburt bis zur Einschulung, dessen Ziel die Entwicklungsförderung von Kindern mit Behinderungen und Entwicklungsauffälligkeiten sowie die Beglei‐ tung und Beratung der Eltern ist. Historisch gesehen ist Frühförderung eine heilpädagogische Maßnahme. Ein Bedarf an Austausch, Zusam‐ menarbeit und Abstimmung der pädagogischen Fachkräfte mit ande‐ ren Berufsgruppen war jedoch stets gegeben, wenn ein Kind zusätzlich psychologische oder medizinisch-therapeutische Hilfen benötigte (Thurmair & Naggl, 2010). Mit der Verabschiedung des Rehabilitationsgesetzes (SGB IX) von 2001 sowie der Frühförderungsverordnung (FrühV) von 2003 wurde die Zusammenarbeit zwischen pädagogisch-psychologischen und me‐ dizinisch-therapeutischen Berufsgruppen verpflichtend und sozialpäd‐ iatrische Zentren und interdisziplinäre Frühförderstellen wurden als zentrale Einrichtungen der Frühförderung vorgesehen. Mit diesem Ausbau der ehemals schwerpunktmäßig heilpädagogischen Frühförde‐ rung zu einem komplexen, interdisziplinären Frühfördersystem gingen neue Anforderungen an die Fachkräfte einher, um der Komplexität ihrer Aufgaben gerecht zu werden. Konkret erfordert die Tätigkeit in den Berufsfeldern der Frühförderung nun ein hohes Maß sowohl an Kapitel 10: 125 fachlicher als auch fachübergreifender Qualifikationen (Weiß, Neu‐ häuser & Sohns, 2004). An dieser Stelle setzte der im Jahre 2006 gegründete und seit 2007 durch die AHPGS akkreditierte Bachelorstudiengang Interdisziplinäre Frühförderung (IFF, B. A.) an der SRH Hochschule für Gesundheit Gera an. Zu dem Zeitpunkt gab es trotz des Bedarfs kein vergleichba‐ res Studienangebot in der Studienlandschaft Deutschlands. Ziel des Studiengangs war eine hochwertige Kompetenzvermittlung für Tätig‐ keiten im interdisziplinären Feld der Frühförderung. Der Studiengang richtete sich sowohl an Fachkräfte aus Frühfördereinrichtungen (me‐ dizinisch-therapeutische Praxen, Frühförderstellen, Sozialpädiatrische Zentren), Kindertagestätten und anderen Vorschuleinrichtungen als auch an SchulabsolventInnen mit abgeschlossener (Fach-)Hochschul‐ reife. Er sollte dazu beitragen, die spezifische Ausbildung künftiger oder bereits im Feld der frühkindlichen Erziehung tätiger Fachkräfte durch den fachübergreifenden Fokus der familienorientierten Förde‐ rung auf eine breitere Basis zu erweitern und an moderne fachliche Anforderungen anzupassen. In einem 6-semestrigen Vollzeitstudium oder in einem 9-semestrigen Teilzeitstudium wurden neben berufsspe‐ zifischen Handlungskompetenzen erweiterte Fachkompetenzen insbe‐ sondere im Bereich der Interdisziplinären Frühförderung vermittelt, die in Verbindung mit Management- und wissenschaftlichen Kompe‐ tenzen eine umfassende Reflexions- und Handlungskompetenz ermög‐ lichten. Im Jahr 2013 wurde der Studiengang erfolgreich reakkreditiert. Mit dem Angebot inhaltlich vergleichbarer Studiengänge ab dem Jahr 2012 in Berlin und Hamburg verlor die SRH Hochschule für Gesund‐ heit jedoch dieses Alleinstellungsmerkmal. Um dieser Herausforde‐ rung zu begegnen, wurde der Studiengang weiterentwickelt, indem er umstrukturiert und um weitere wertvolle Inhalte ergänzt wurde. Seit dem Wintersemester 2015/2016 wird der Studiengang nun unter dem Namen „Bildung und Förderung in der Kindheit“ (BFK) angeboten und ist somit auch leichter als Studiengang der Kindheits‐ pädagogik sowohl für Interessenten als auch für potentielle Arbeitge‐ ber erkennbar. Diese Weiterentwicklung betont noch stärker als bislang die Kom‐ petenzen zu den Bereichen Bildung, Familie und Beratung sowie Lei‐ Kapitel 10: Der Studiengang Bildung und Förderung in der Kindheit (Bachelor of Arts) 126 tung und Management, die über das Feld der Frühförderung hinaus im Studium umfangreich erworben werden. Zum einen wurden die Studieninhalte neu strukturiert und einem der folgenden vier inhaltli‐ chen Kompetenzbereiche zugeordnet: a) Grundlagenkompetenz der Entwicklung, Bildung und Förderung in der Kindheit, b) Schwerpunkt 1: Kompetenzen der Familie und Beratung, c) Schwerpunkt 2: Kompe‐ tenzen der Interdisziplinären Frühförderung, d) Schwerpunkt 3: Ge‐ sundheitsmanagement und Leitungskompetenz. Zum anderen wurden durch die Beseitigung von Redundanzen Kapazitäten für weiterfüh‐ rende Studieninhalte geschaffen, die nun für Inhalte der Pädagogik der Kindheit, der Familie sowie der Sozialwirtschaft und -politik genutzt werden. Die Vermittlung von Kompetenzen für Tätigkeiten im interdiszi‐ plinären Feld der Frühförderung ist weiterhin ein zentrales Merkmal dieses Studiengangs. Der Tätigkeitsbereich in Kindertagesstätten wur‐ de jedoch noch mehr in den Fokus genommen. Vor dem Hintergrund der aktuellen Bestrebungen um Inklusion sowie der Zunahme an Ent‐ wicklungsauffälligkeiten unklarer Genese gewinnt dieser Bereich zu‐ nehmend an Bedeutung für Frühförderfachkräfte, insbesondere für die Beratung der Einrichtungen und der Eltern sowie für die gezielte Ent‐ wicklungsförderung der Kinder. Bereits seit Aufnahme des Studien‐ gangs Interdisziplinäre Frühförderung im Jahr 2007 äußerten auch die Studierenden regelmäßig den Wunsch, neben den Frühförderstellen auch in Regelkindertagesstätten zu arbeiten. Dieses Betätigungsfeld ist dem Bereich Bildung zugeordnet. Somit entscheiden die einzelnen Bundesländer auf Basis ihrer gesetzlichen Regelungen über die Aner‐ kennung unseres Abschlusses. Da der Studiengang sowohl in seiner ursprünglichen Version (IFF) als auch der geänderten Version (BFK) den Anforderungen des Qualifikationsrahmens für BA-Studiengänge der „Kindheitspädagogik / Bildung und Erziehung in der Kindheit“ (2009) der Bundesarbeitsgemeinschaft Bildung und Erziehung in der Kindheit e.V. entspricht, haben wir beim Land Thüringen beantragt, dass unsere AbsolventInnen die Berufsbezeichnung „Staatlich aner‐ kannter Kindheitspädagoge“ / „Staatlich anerkannte Kindheitspädago‐ gin“ mit dem Abschluss führen dürfen. Unserem Antrag wurde im März 2016 stattgegeben. Kapitel 10: Der Studiengang Bildung und Förderung in der Kindheit (Bachelor of Arts) 127 Nach Abschluss des Studiums können die AbsolventInnen als in‐ terdisziplinäre Frühförderfachkraft in Bereichen wie Frühförderzen‐ tren, Frühe Hilfen, Beratungszentren, Sozialpädiatrische Zentren, Kli‐ niken, Einrichtungen für behinderte und verhaltensauffällige Kinder, integrativ arbeitende Einrichtungen der Bildung und Förderung von Kindern, Familienzentren und -bildungsstätten, Schulvorbereitung und -übergang tätig werden. Durch die staatliche Anerkennung als KindheitspädagogIn können sie zudem als Fachkraft für alle Bildungs‐ bereiche in der Kindheit eingesetzt werden, u.a. Kindertagesstätten (inkl. Krippenbereich), integrative Bildungseinrichtungen, entspre‐ chende Ämter (Jugend- und Sozialamt, Landratsamt). Weiterhin ver‐ fügen sie über umfangreiche Kompetenzen in den Bereichen Gesund‐ heitsmanagement und Leitung, so dass ihnen Leitungspositionen in Einrichtungen der Bildung und Förderung von Kindern offen stehen. Unsere Studierenden sind in der Mehrzahl weiblich. Viele wählen diesen Studiengang als Erststudium, doch befinden sich auch meist in jeder Kohorte einige Studierende mit abgeschlossener Berufsausbil‐ dung, die mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung das Studium berei‐ chern. Auch sind viele Studierende durch Praktika oder ein Freiwilli‐ ges Soziales Jahr schon mit der Arbeit mit Kindern, dem System Früh‐ förderung oder der Arbeit mit Menschen mit Behinderung vertraut. Für das Pflichtpraktikum im 5. Semester wählen die meisten Stu‐ dierenden entweder eine Frühförderstelle oder eine Kindertagesstätte als Praktikumsstelle. Diese beiden Einrichtungen sind auch meist die‐ jenigen, bei denen sie sich nach Studienabschluss bewerben. Eine gro‐ ße Freude für die Studiengangsleitung sowie für die Hochschule war und ist weiterhin, dass regelmäßig einige der Studierenden schon wäh‐ rend ihres Praktikums eine Anstellung in Aussicht gestellt bekommen und oft auch schon eine Stelle vor Studienabschluss antreten können. Literatur Bundesarbeitsgemeinschaft Bildung und Erziehung in der Kindheit e.V. (i.G.). (2009). Qualifikationsrahmen für BA-Studiengänge der „Kindheitspädagogik“ / „Bildung und Erziehung in der Kindheit“. http://www.ku.de/fileadmin/18/Praxi s/BAG-BEK-BA-QR-final030110.pdf. Zugriff am 30.04.2014. Thurmair, M. & Naggl, M. (2010). Praxis der Frühförderung (4. Aufl.). München: Reinhardt UTB. Kapitel 10: Der Studiengang Bildung und Förderung in der Kindheit (Bachelor of Arts) 128 Weiß, H., Neuhäuser, G. & Sohns, A. (2004). Soziale Arbeit in der Frühförderung und Sozialpädiatrie. München: Reinhardt UTB. Kapitel 10: Der Studiengang Bildung und Förderung in der Kindheit (Bachelor of Arts) 129 „Studium und dann …?“ Eine Befragung der Absolventinnen und Absolventen des Studiengangs „Interdisziplinäre Frühförderung“ (Projektarbeit) Höfer, Cosima & Finger, Ina Im Rahmen einer Lehrveranstaltung führten zwei Studierende des Stu‐ diengangs Bildung und Förderung in der Kindheit (BFK) im Sommer‐ semester 2017 eine Online-Befragung der Absolventen und Absolven‐ tinnen der Jahrgänge 2010 bis 2016 des Studiengangs Interdisziplinäre Frühförderung (IFF) durch. Ziel der Befragung war zu untersuchen, in welchem Maß das Studium für die Tätigkeit des Frühförderers als hilf‐ reich eingeschätzt wird. Weiterhin sollte die rückblickende Zufrieden‐ heit der Alumni sowie der berufliche Werdegang nach dem Abschluss erfragt werden. Von den insgesamt 160 Alumni des Studiengangs IFF konnten 121 per E-Mail erreicht werden. Von diesen nahmen 48 Alumni an der Umfrage teil (Rücklaufquote: 40 %). Vierundzwanzig Alumni gaben an sofort nach dem Abschluss eine Anstellung gefunden zu haben. Eine Übernahme durch die Praktikumsstelle fand bei 5 der Befragten statt. Lediglich 9 Alumni haben länger als einen Monat auf eine Festanstel‐ lung warten müssen. Zum Zeitpunkt der Befragung waren 41 % in der Frühförderung tätig, 29 % in einer Kindertagesstätte angestellt und die restlichen 30 % waren in Zentren für Autismus oder in der ambulanten Kinder- und Jugendhilfe tätig. Der mittlere Stundenumfang betrug 37 Wochenstunden. Gut zwei Drittel gaben an, nach dem Abschluss Wei‐ terbildungen, Fortbildungen und Spezialisierungen absolviert zu ha‐ ben. Kapitel 10.1: Kapitel 10: Der Studiengang Bildung und Förderung in der Kindheit (Bachelor of Arts) 130 Die Frage zur rückblickenden Zufriedenheit beantworteten 35 Alumni. Von diesen gaben 25 an „insgesamt zufrieden“ oder „sehr zu‐ frieden“ mit dem Studium zu sein, 9 Absolventen waren „zufrieden“ und ausschließlich 3 Teilnehmer waren „weniger zufrieden“ oder „un‐ zufrieden“ (11 fehlende Antworten). Insbesondere gefielen 19 Alumni die praxisnahen Vorlesungen, die Vielfalt der Module und die Speziali‐ sierung auf die Frühförderung. Sehr zufrieden waren 18 Absolventen mit den Dozenten und begründeten dieses vor allem mit praxisbezoge‐ nen Lehrinhalten und dem individuellen Eingehen auf die Studieren‐ den. Die Rahmenbedingungen der Hochschule trugen ebenfalls zur Zufriedenheit der Absolventen bei. So erwähnten 12 Teilnehmer, dass die geringe Anzahl an Studierenden zu einer guten Lernatmosphäre beitrug. Auch wurde der respektvolle und persönliche Umgang positiv hervorgehoben. Auf die Frage nach Inhalten oder Modulen, die für die spätere Pra‐ xis als hilfreich eingeschätzt wurden, antworteten 31 Alumni. Von die‐ sen gaben 10 an, dass sie alle Module als praxisrelevant befanden. Die restlichen 21 Alumni nannten spezifische Module, sowie bestimmte, auf Dozenten bezogene Vorlesungsthemen. Auf die Frage zur Akade‐ misierung des Berufs des Frühförderers antworteten 36 Alumni. Da‐ von gaben 94 % an, diese als notwendig zu empfinden. Kapitel 10.1: Studiengang Bildung und Förderung in der Kindheit 131 Wenn Linkshändigkeit zur Beeinträchtigung wird – Eine Untersuchung zum Bewusstsein über die Händigkeit in der Förderung linkshändiger Kinder im Kindergartenalter (Bachelorarbeit) Esser, Franziska In fast jeder Kindertagesstätte gibt es linkshändige Kinder. Da Links‐ händigkeit zu einer Behinderung werden kann, wenn diese nicht vom Umfeld akzeptiert wird, sollten pädagogische Fachkräfte und Eltern Linkshändigkeit frühzeitig erkennen und linkshändige Kinder best‐ möglich unterstützen. Ziel der Bachelorarbeit von Frau Esser war den Informationsstand von Eltern linkshändiger Kinder und von Fachkräf‐ ten in Frühförderstellen und Kindertagesstätten im Hinblick auf die Förderung linkshändiger Kinder zu prüfen. An der schriftlichen Befragung im Sommer 2017 nahmen 12 El‐ ternteile von linkshändigen Kindern zwischen 3 und 7 Jahren, 39 Fachkräfte aus Kindertagesstätten und 8 Fachkräfte aus Frühförder‐ stellen teil. Zusätzlich wurde ein schriftliches Experteninterview mit einer Linkshänderberaterin geführt. Die Ergebnisse zeigten, dass sowohl Eltern als auch Fachkräfte eine Vielzahl der speziell für Linkshänder konzipierten Materialien nicht kennen. Mit Ausnahme einer Linkshänderschere, welche in den meis‐ ten Haushalten und Einrichtungen vorhanden ist, fehlen in vielen Fäl‐ len zum Beispiel Spitzer, Lineale, Besteck, Werkzeug und Bastelvorla‐ gen für Linkshänder. Fachliteratur ist nur in wenigen Einrichtungen vorhanden. Weiterhin gab die Mehrheit der Eltern an nicht zu wissen, ob in der Gruppe des Kindes linkshändige Fachkräfte arbeiten und ob Kapitel 10.2: Kapitel 10: Der Studiengang Bildung und Förderung in der Kindheit (Bachelor of Arts) 132 bzw. welches Linkshändermaterial vorhanden ist. Auch zeigte sich, dass rechtshändige Eltern und Fachkräfte selten die linke Hand nut‐ zen, wenn sie einem linkshändigen Kind eine Tätigkeit vormachen. Abgefragte Tätigkeiten waren u.a. der Umgang mit einer Schere und mit Besteck, Schuhe binden, einen Ball werfen und fangen, Schraub‐ verschlüsse öffnen, Zähne putzen und eine Kerze anzünden. Weiterhin gab nur ein Teil der Eltern und der Fachkräfte an, beim Tisch decken und bei der Sitzordnung auf Linkshändigkeit zu achten. Weniger als die Hälfte der Eltern gaben an, sich zum Thema Links‐ händigkeit informiert zu haben. Als Informationsquellen wurden der Kinderarzt, Fachbücher, der Austausch mit anderen Eltern und das In‐ ternet genannt. Nur ein Elternteil gab an, diesbezüglich von der Kin‐ dertagesstätte beraten worden zu sein. Bis auf eine Ausnahme gaben alle Fachkräfte an, dass die Thematik Linkshändigkeit in der Berufs‐ ausbildung kaum behandelt wurde. Nur wenige Fachkräfte gaben an, sich bezüglich der Förderung linkshändiger Kinder „gut“ ausgebildet zu fühlen. Die Mehrheit der Eltern wünschte sich mehr Informationen bezüglich Förderung, Entwicklung und Schule, sowie einen besseren Informationsaustausch, eine frühzeitige Erkennung und Förderung der Linkshändigkeit, und mehr Fortbildungen für das Personal. Eben‐ so gab auch die Mehrheit der Fachkräfte aus Kindertagesstätten und Frühförderstellen an, mehr über die Thematik erfahren zu wollen. Konkret wünschten sie sich für ihre Einrichtungen eine größere Aus‐ wahl an Linkshänder-Materialien, Diagnostikverfahren, Fachliteratur und ein größeres Weitebildungsangebot. Die Ergebnisse der Umfrage sind konsistent mit den Aussagen der Linkshänderberaterin. Ihrer Meinung nach wären die Kenntnisse der Fachkräfte meist sehr be‐ grenzt, das Interesse an der Thematik jedoch sehr hoch. Dies zeigte sich auch in einer vermehrten Nachfrage von Angeboten der Links‐ händerberatung. Frau Esser hat eine Handreichung entwickelt, in der Fördermög‐ lichkeiten und weiterführende Literatur zum Thema zusammengefasst sind. Kapitel 10.2: Studiengang Bildung und Förderung in der Kindheit 133 Fantasie im Krankenhaus Bergmann, Sophie & Scharf, Luise Der Alltag im Krankenhaus ist für Kinder besonders belastend und langweilig, da die meisten Kinder durch ihre Krankheit in ihren Bewe‐ gungsmöglichkeiten eingeschränkt sind. Für eine erfolgreiche Gene‐ sung und ein psychisches Wohlergehen können Freude, Ablenkung und Unterhaltung eine positive Wirkung auf die Kinder haben. Diese Intension ist grundlegend für das Projekt „Fantasie im Krankenhaus“, welches im SRH Waldklinikum Gera durchgeführt wurde. Folgende Ziele stellen dar, was bei der Durchführung und dem In‐ halt des Projekts besonders war: 1. Die Kinder vom Krankenhausalltag ablenken 2. Den Kindern Unterhaltung bieten 3. Gesundheitsförderung durch positive Gefühle 4. Entlastung für Eltern und Personal Mit dem Projekt wurde beabsichtigt, die Kinder, die durch die Ausnah‐ mesituation im Krankenhaus aus ihrem gewohnten Umfeld ausge‐ schlossen waren, für eine kurze Zeit von Untersuchungen, Ärzten und Schwestern abzulenken und ihnen eine kleine Freude durch ruhige, fantasieanregende Methoden zu bereiten. Denn eine Reise in die Fan‐ tasie von Büchern und Geschichten kann Kindern, helfen positive Ge‐ fühle zu entwickeln und sie zumindest für den Moment optimistischer stimmen. Zu dem Projekt wurden insgesamt drei Termine festgelegt. Der erste Termin beinhaltete eine Geschichtenrunde, zu der diverse Kinderbücher mitgebracht und vorgelesen wurden. Zum zweiten und dritten Termin wurde eine Fantasiereise durchgeführt, in der sich die Kinder mit geschlossenen Augen in eine vorgelesene Geschichte ein‐ fühlen konnten, um ein bisschen zu träumen und sich abzulenken. Dazu lief eine ruhige Melodie im Hintergrund und das Zimmer wurde abgedunkelt. Kapitel 10.3: Kapitel 10: Der Studiengang Bildung und Förderung in der Kindheit (Bachelor of Arts) 134 Allgemein war eine positive Resonanz bezüglich des Projektes von Seiten der Kinder sowie der Eltern zu erkennen. Vor allem die Kinder haben sich sehr gefreut und wünschten sich weitere Ablenkungen. Dieses Ergebnis bestärkte uns in dem Gefühl mit diesem Projekt tat‐ sächlich etwas soziales und gleichzeitig gesundheitsförderndes erreicht zu haben. Kapitel 10.3: Studiengang Bildung und Förderung in der Kindheit 135 Der Studiengang Gesundheits- und Sozialmanagement (Master of Arts) Weil, Thomas Deutschland wird in Zukunft einige große Probleme zu bewältigen ha‐ ben. Bis 2040 sind etwa 8,2 Millionen Rentner (Demografiebericht 2009; Statistisches Bundesamt, 12. koordinierte Bevölkerungsvoraus‐ berechnung) zu versorgen und zu pflegen. Gleichzeitig wird die Ge‐ samtbevölkerung auf 75 Millionen zurückgehen. Ebenso wächst in diesem Zeitraum die Bevölkerungsgruppe, die über weite Strecken des Lebens aus unterschiedlichen persönlichen Gründen und aufgrund der Entwicklungen des Arbeitsmarktes anhaltend kein ausreichendes Einkommen erwirtschaften kann. Die Bevölkerungsgruppe, die dauer‐ haft arm sein wird, wächst unaufhörlich. Soziale Dienste werden sich zunehmend mit den Konsequenzen für das Aufwachsen der Kinder dieser Bevölkerungsgruppe, aber auch um die Lebensbewältigung der Erwachsenen befassen müssen. Sowohl die, aufgrund fehlender Ar‐ beitsmöglichkeiten oder Fähigkeiten, von der Armut Betroffenen selbst, als auch ihre Kinder brauchen Hilfen und Perspektiven. Dies sind Aufgaben, die gute und funktionierende Bewältigungsmöglichkei‐ ten erfordern. Hier nur den Kostenfaktor ins Auge zu fassen, wäre un‐ angemessen und kurzsichtig. Logisch ist jedoch, dass eine Sozialwirt‐ schaft mit großen und überregionalen Betrieben neue Führungskräfte braucht, die im Management dieser Unternehmen sowohl von sozia‐ lem als auch von wirtschaftlichem Wissen geleitet werden. Eine funk‐ tionierende Sozialwirtschaft erfordert unter anderem ein gekonntes Sozialmanagement. Unser Gesundheits- und Sozialwesen steht somit zunehmend vor der Herausforderung, sich betriebswirtschaftlich stärker organisieren zu müssen, um dem hohen Kostendruck und den Anforderungen nach mehr Qualität, Kunden- und Patientenorientierung gerecht zu werden. Kapitel 11: 137 Während der Trend zu immer größeren Einrichtungen geht, stellt man gleichzeitig fest, dass Beschäftigte im Gesundheitswesen erhöhten Stress erleben und zunehmend über hohe Be- und Überlastung klagen. Auch auf andere gemeinnützige Organisationen kommen neue Aufga‐ ben zu. Der Grund: Der Staat zieht sich zunehmend aus gesellschaftli‐ chen und sozialen Verpflichtungen zurück. Gemeinnützige Einrich‐ tungen springen ein, müssen Gelder beschaffen und effektiv wie Wirt‐ schaftsunternehmen arbeiten, um noch besser zu helfen. Dafür werden dringend professionell ausgebildete Fachleute gesucht, die genau für diese Anforderungen spezialisiert sind. Zur Bewältigung dieser Ent‐ wicklungen im sogenannten Sozialen Wandel moderner Gesellschaften werden also breit qualifizierte und sehr gut ausgebildete Manager im Gesundheit- und Sozialwesen benötigt. Im Gegensatz zum Management in anderen Wirtschaftsbereichen berücksichtigt das Gesundheits- und Sozialmanagement zahlreiche Besonderheiten von Organisationen des Sozialbereichs: Mit zunehmender Verbreitung privatgewerblicher Anbieter wird Sozi‐ almanagement auch als Management der Unternehmen der Sozialwirt‐ schaft bezeichnet. Vor diesem Hintergrund lässt sich Sozialmanage‐ ment auch als sogenannte Spezielle Betriebswirtschaftslehre für Sozial‐ betriebe bzw. -unternehmen begreifen. Der von der SRH Hochschule für Gesundheit Gera entwickelte weiterbildende Masterstudiengang „Gesundheits- und Sozialmanage‐ ment“ ist ein auf fünf Semester Regelstudienzeit angelegtes berufsbe‐ gleitendes Teilzeitstudium. Das Studium vermittelt nicht nur essentiel‐ les betriebswirtschaftliches Wissen für das Management in Einrichtun‐ gen des Gesundheits- und Sozialwesens, sondern vor allem werden auch die Vermittlung von Schlüssel- und Führungsqualifikationen in den Fokus des Studiums gestellt. An den einzelnen Blockwochenenden befassen sich die Studierenden unter Anleitung hoch qualifizierter Kapitel 11: Der Studiengang Gesundheits- und Sozialmanagement (Master of Arts) 138 Professoren und Dozenten intensiv und auf wissenschaftlichem Niveau mit praxisrelevanten Fragestellungen. Die Eigenverantwortlichkeit der Studierenden in unserem Masterstudiengang steht dabei absolut im Mittelpunkt, denn nur wer eigenverantwortlich lernt und handelt, kann über sein bisheriges Potential hinauswachsen, Fachwissen und persönliche Kompetenzen erwerben und somit Verantwortung für im‐ mer komplexere Management-Aufgaben übernehmen. Mit dem Weiterbildungsmaster „Gesundheits- und Sozialmanage‐ ment“ an der SRH Hochschule für Gesundheit Gera wurde ein innova‐ tives Studienprofil entwickelt, welches sich Dank der komprimierten Präsenzphasen (zwölf mal vier Tage jeweils von Freitag bis Montag, keine Semesterferien) optimal mit einer verantwortungsvollen Berufs‐ tätigkeit einerseits, aber auch den privaten Anforderungen anderer‐ seits vereinbaren lässt. Während des gesamten Studiums steht die Integration des berufli‐ chen Praxisalltags im Mittelpunkt. Das Studium umfasst drei verschie‐ dene Kompetenzfelder: Im ersten Kompetenzfeld Management von Organisationen wird prio‐ ritär betriebswirtschaftliches, rechtliches und politisches Fachwissen vertieft und um wissenschaftliche Methoden zur Datengewinnung und -bearbeitung erweitert. Im Fokus des zweiten Kompetenzfeldes Führung und Selbstma‐ nagement stehen vor allem die intensive Auseinandersetzung mit per‐ sonalen und sozialen Kompetenzen im Vordergrund. Eine nicht zu‐ Kapitel 11: Der Studiengang Gesundheits- und Sozialmanagement (Master of Arts) 139 letzt auch selbsterfahrende Reflektion eigener Führungsstile ist dabei unerlässlich für eine zeitgemäße und verantwortungsvolle Mitarbeiter‐ führung im Gesundheits- und Sozialwesen. Hier werden Methoden des Rollenspiels und des Psychodramas eingesetzt. Das dritte Kompetenzfeld der Organisationsentwicklung ergänzt durch strategische Management-Kompetenzen wie unter anderem Qualitätsmanagement und Health- and Social-Marketing das Profil der Absolventen im Masterstudiengang „Gesundheits- und Sozialma‐ nagement“. Die Studierenden werden somit befähigt, unternehmensspezifische Probleme zu erkennen und professionelle Angebote im Gesundheitsund Sozialbereich zu entwickeln und anzuwenden. Sie trainieren per‐ sonale und soziale Kompetenzen, um Mitarbeiter verantwortungsvoll zu führen und gleichsam ihr Unternehmen strategisch am Markt er‐ folgreich zu positionieren. Darüber hinaus verfügen unsere Absolven‐ ten über ein detailliertes Verständnis auf dem neuesten Stand der Wis‐ senschaft, welches sie in die Lage versetzt unter Berücksichtigung ge‐ sellschaftlicher und ethischer Erkenntnisse, jeweils passgenaue fun‐ dierte Entscheidungen zu treffen und auch in der Folge selbständig neues Wissen und Können generieren zu können. Somit sind unsere Master-Studierende nicht nur qualifiziert, um eigenständig forschungs- oder anwendungsorientierte Projekte durch‐ zuführen, sondern auch Veränderungsprozesse in den Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesens und somit den gesellschaftlichen Sozialen Wandel maßgeblich mitzugestalten. Dies lernen unsere Stu‐ dierenden, indem sie im ersten und zweiten Fachsemester eine eigen‐ ständige Forschungsarbeit entwickeln, umsetzen, auswerten und an der Hochschule präsentieren. Im Anschluss folgt für alle Master-Stu‐ dierenden im dritten und vierten Fachsemester das sehr umfassende berufsbegleitende Praxisprojekt, welches nicht zuletzt auch auf die er‐ folgreiche Erarbeitung einer praxisrelevanten und gleichsam wissen‐ schaftlich fundierten Masterthese vorbereitet. Absolventen des berufsbegleitenden Masterstudiengangs Gesund‐ heits- und Sozialmanagement stehen vielerlei Karrieremöglichkeiten offen. Der Studiengang befähigt zur Wahrnehmung von verantwor‐ tungsvollen Aufgaben im Management in Profit- und Non-Profit-Un‐ ternehmen, beispielsweise in den Bereichen Controlling, Qualitätsma‐ Kapitel 11: Der Studiengang Gesundheits- und Sozialmanagement (Master of Arts) 140 nagement, Personalwesen oder Projektmanagement. Aufgrund der be‐ triebswirtschaftlichen Ausrichtung sind die Absolventen sowohl für Führungspositionen als auch für Assistenz- und Stabfunktionen und als Projektmanager qualifiziert. Mögliche Einsatzgebiete können am‐ bulante, teilstationäre und stationäre Einrichtungen, wie Krankenhäu‐ ser, medizinische Versorgungszentren, Rehabilitationseinrichtungen, sozialpsychiatrische Institutionen ebenso sein, wie das Management von Sozialeinrichtungen, beispielsweise Kindertageseinrichtungen, Al‐ ten- und Pflegeheime, betreutes Wohnen und das breite Feld der So‐ zialen Arbeit. Außerdem bieten die Träger für Soziale Arbeit regional oder auf Landes- bzw. Bundesebene interessante Karrieremöglichkei‐ ten. Aber auch in der Gesundheits- und Sozialwirtschaft, Unterneh‐ mens- und Sozialberatungen, Versicherungen, Gesundheits- und Sozi‐ alämtern, Ärztekammern, Krankenkassen oder Verbänden des Ge‐ sundheits- und Sozialsektors sind unsere Absolventen gerne gesehene Bewerber für Führungspositionen, genauso wie in diversen Unterneh‐ men der Bereiche Pharmazie oder Medizintechnik. Auch die Promotion und damit eine akademische Laufbahn sind mit dem Masterabschluss Gesundheits- und Sozialmanagement selbst‐ redend möglich. Voraussetzung hierfür ist, dass die Absolventen auch über einen ersten akademischen Abschluss (Bachelor, Diplom, Magis‐ ter) verfügen. Quellen Demografiebericht des Statistisches Bundesamt (2009). Bevölkerung Deutschlands bis 2060. 12. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung. Kaplan, R. & Norton, D. (2001). The Strategy Focused Organization. Harvard Business School Press, Boston. Kotler, P.; Berger, R. & Rickhoff, N.(2010). The Quintessence of Strategic Manage‐ ment. Springer, Berlin. Müller-Prothmann,T. & Dörr, N. (2011). Innovationsmanagement. Strategien, Me‐ thoden und Werkzeuge für systematische Innovationsprozesse, 2. Auflage. Hanser Pocket Power. Simon, H. & von der Gathen, A. (2002). Das große Handbuch der Strategieinstru‐ mente: Alle Werkzeuge für eine erfolgreiche Unternehmensführung. Campus, Frankfurt am Main. Kapitel 11: Der Studiengang Gesundheits- und Sozialmanagement (Master of Arts) 141 Stern, T. & Jaberg, H. (2010). Erfolgreiches Innovationsmanagement. 4. Auflage. Gabler Verlag, Wiesbaden. Welge, M.K. & Al-Laham, A. (2008). Strategisches Management. 5. Auflage. Gab‐ ler, Wiesbaden. Wissenschaftsrat. Zugriff am 5.10.2017 https://www.wissenschaftsrat.de/download /archiv/2411-12.pdf Kapitel 11: Der Studiengang Gesundheits- und Sozialmanagement (Master of Arts) 142 Weitere akademische Perspektiven für die Gesundheitsfachberufe Eichmann, Björn Der Wissenschaftsrat empfiehlt in seinen „Empfehlungen zu hoch‐ schulischen Qualifikationen für das Gesundheitswesen“, dass die Aka‐ demisierung der Gesundheitsfachberufe vorangetrieben werden soll. Er quantifiziert diese Empfehlungen auf bis zu 20 Prozent eines Aus‐ bildungsjahrgangs. Die Akademisierung ist erforderlich, da die Ge‐ sundheitsfachberufe in Zukunft komplexere Aufgabenbereiche erwar‐ ten und Absolventen perspektivisch auch Tätigkeiten übernehmen sol‐ len, die bisher von Ärzten wahrgenommen wurden. Für dieses Aus‐ üben ist ein reflektierendes Handeln notwendig, wissenschaftliche Er‐ kenntnisse unabdingbar und eine evidenzbasierte Handlungskompe‐ tenz erforderlich. Neben der Befähigung zur unmittelbaren Arbeit am Patienten, wird künftigen Absolventen die Chance gegeben werden eine akade‐ mische Weiterqualifizierung über den Bachelor hinaus zu erlangen. Dies bedingt auf der einen Seite einen interprofessionellen Austausch, auf der anderen Seite müssen gesellschaftliche Entwicklungen berück‐ sichtigt werden. Die SRH Hochschule für Gesundheit stellt im Folgen‐ den zwei Masterstudiengänge und drei Bachelorstudiengänge vor, die diese Herausforderungen annehmen und mit klaren Konzepten ange‐ hen möchten: Kapitel 12: 143 Gesundes Altern & Gerontologie Wahn, Claudia Der demographische Wandel stellt unser Gesundheitssystem vor im‐ mer neue Herausforderungen. Zum einen nehmen chronische Erkran‐ kungen und multimorbide Erkrankungen in unserer älter werdenden Gesellschaft zu. Zum anderen ist die ältere Generation vitaler denn je und wünscht sich eine fortbestehende aktive, selbstbestimmte Teilnah‐ me am gesellschaftlichen Leben in den Bereichen Bildung, Arbeit und Unterhaltung. Unsere Gesundheits- und Sozialversorgung muss daher systematisch an diese Veränderungen unter Berücksichtigung wirt‐ schaftlicher Aspekte und wissenschaftlicher Erkenntnisse zum Altern angepasst werden. An diesem Punkt setzt der Masterstudiengang Gesundes Altern und Gerontologie an: Fragen aus der Gerontologie werden gezielt mit Fragen nach einem gesunden Altern verbunden. Der daraus resultie‐ rende Schnittstellenbereich, der zwischen den Gesundheits- und The‐ rapiewissenschaften angesiedelt ist, macht den Masterstudiengang zu einem neuen und innovativen Angebot. Der konsekutive Masterstudiengang Gesundes Altern und Geronto‐ logie an der SRH Hochschule für Gesundheit Gera ist ein Vollzeitstudi‐ um, das sich durch komprimierte Präsenzphasen mit einer Berufstä‐ tigkeit vereinbaren lässt. Inhaltlich wird das Studium dazu in drei Kompetenzfelder eingeteilt: | Erweiterte Grundlagen im Bereich Gesundes Altern und Geronto‐ logie, | Erweiterte Fach- und Schnittstellenkompetenzen, | Erweiterte Methoden und Praxis. Im Zentrum des ersten Kompetenzbereiches steht die Vermittlung grundsätzlicher Aufgaben und Konzepte im Bereich des gesunden Al‐ terns und der Gerontologie in Deutschland und in internationalen Handlungskontexten. Darüber hinaus befasst sich dieses Kompetenz‐ Kapitel 12.1: Kapitel 12: Weitere akademische Perspektiven für die Gesundheitsfachberufe 144 feld mit erweiterten Grundlagen zur Kommunikation über die Lebens‐ spanne, zum lebenslangen Lernen, zur Versorgung, Infrastruktur, Netzwerken inklusive Gesundheitsepidemiologie und Demographie. Gegenstand des zweiten Kompetenzfeldes sind die erweiterten Fach- und Schnittstellenkompetenzen, mit denen folgende Inhalte ab‐ gebildet werden: Prävention im Kontext kognitiver Störungen, Ge‐ sundheitstechnologien und intelligente Technologien in Anwendung auf den Gesundheits- und Therapiebereich. Weitere Schwerpunkte sind das Schnittstellenmanagement im Gesundheits- und Therapiebe‐ reich sowie sensorisches und sensomotorisches Training zur Gesund‐ heitsförderung und Prävention im Alter. Das dritte Kompetenzfeld ist den erweiterten Methoden und der erweiterten Praxis mit Fokus auf interdisziplinärer/ interprofessionel‐ ler Arbeit gewidmet. Hier steht die berufliche Tätigkeit eines „high professional“, der im o.g. Schnittstellenbereich auf dem Gesundheits‐ markt oder als Therapiemanager tätig ist, im Mittelpunkt. Außerdem stehen die Besprechung und Analyse komplexer Fälle, Methodik und Statistik in den Alterswissenschaften im Mittelpunkt. Den Abschluss des Studiums bildet die Anfertigung der Masterthesis, mit der ein ho‐ her Grad an Selbstständigkeit im Hinblick auf die wissenschaftlichempirische Bearbeitung einer Fragestellung aus dem Bereich Gesundes Altern und Gerontologie nachgewiesen wird. Kapitel 12.1: Gesundes Altern & Gerontologie 145 Soziale Arbeit Weil, Thomas In der Bundesrepublik Deutschland etablierte sich Soziale Arbeit (So‐ zialarbeit/ Sozialpädagogik) im Zuge der Bildungsreformen der 1970er Jahre vor allem an den neu gegründeten Fachhochschulen. Diese Ent‐ wicklung nahm in den 1990er Jahren mit der neu entstehenden Dyna‐ mik der professionellen und wissenschaftlichen Begründung und Aus‐ arbeitung reflexiv-erkennender und aktiv-handelnder Sozialarbeiter an Fahrt auf. Die Nachfrage nach Studienplätzen ist heute fast ebenso un‐ gebrochen wie die Nachfrage nach Absolventen dieser Studiengänge (vgl. Kerncurriculum der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit DGSA 2016).1 Die Thesen des Wissenschaftsrates zur künftigen Entwicklung des Wissenschaftssystems in Deutschland aus dem Jahre 2000, die Aner‐ kennung der Sozialen Arbeit als eigenständige Fachwissenschaft durch die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und die Kultusministerkonfe‐ renz (KMK) im Jahre 2001 sowie zur gleichen Zeit die Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen wiesen den Weg für Studienrefor‐ men in der hochschulischen Ausbildung für Soziale Arbeit und schaff‐ ten eine wesentliche Grundlage für Lehre und Forschung in der Sozia‐ len Arbeit. Über die letzten 40 Jahre hat sich gleichwohl an den Hoch‐ schulen im deutschen Sprachraum eine bemerkenswerte Sozialarbeits‐ Kapitel 12.2: 1 Die finale Fassung wurde am 29. April 2016 von der Mitgliederversammlung verab‐ schiedet. Der Text geht zu großen Teilen auf einen Entwurf zurück, der 2005 von einer Arbeitsgruppe der Sektion, Theorie-und Wissenschaftsentwicklung in der So‐ zialen Arbeit“ in der DGSA (Ernst Engelke, Manuela Leideritz, Konrad Maier, Ri‐ chard Sorg, Silvia Staub-Bernasconi) erstellt, jedoch von der DGSA insgesamt nie offiziell verabschiedet wurde, was hiermit nachgeholt wurde. Die in einem Diskussi‐ onsprozess eingeholte Rückmeldungen aus der DGSA berücksichtigend, beruht der vorliegende Text auf einer vom zu diesem Zeitpunkt aktivem Vorstand (Stefan Borr‐ mann, Gudrun Ehlert, Michaela Köttig, Dieter Röh, Sabine Stövesand, Christian Spatscheck, Barbara Thiessen) erarbeiteten Version. Kapitel 12: Weitere akademische Perspektiven für die Gesundheitsfachberufe 146 forschung und -lehre entwickelt, von welcher vielfältige Impulse aus‐ gingen und ausgehen. Sie orientiert sich originär an der Sozialen Ar‐ beit und sozialarbeitswissenschaftlichen Fragestellungen. Ziel des Bachelorstudiengangs Soziale Arbeit ist eine akademische Ausbildung von Fachpersonen, die nicht nur krisenorientierte Inter‐ ventionsmethoden vermittelt, sondern auch ganzheitliche präventive Blickwinkel und Fachansätze. Damit soll den aktuellen gesellschaftli‐ chen Herausforderungen in der Arbeit mit und für Menschen über de‐ ren gesamte Lebensspanne auf hohem fachlichem Niveau begegnet werden. Hierfür wird den Studierenden nicht nur Fachwissen vermit‐ telt, sondern auch professionelle Haltungen, persönliche Stabilität und vor allem Reflexionsvermögen. Dies ist insofern besonders wichtig, da die Absolventen später auch durch sich selbst als Bezugspersonen jeweils Einfluss auf die Stär‐ kung und Stabilisierung von Familien und Personen in Krisensituatio‐ nen nehmen. Daher werden sie bereits im Studium befähigt, die eigene Person und die eigene Wirkung in der Interaktion mit anderen ein‐ schätzen zu können (Selbst- und Fremdwahrnehmung). Insgesamt kommt es also im Prozess der wissenschaftlichen Qualifizierung da‐ rauf an, bei den Studierenden eine akademische Grundhaltung zu be‐ fördern, die sie in die Lage versetzt, den Gegenstand ihrer Arbeit und ihre Rolle im Prozess der Wahrnehmung, Erklärung und Handlung kritisch zu reflektieren. Deswegen muss die Ausbildung dieser Reflexi‐ onsfähigkeit gegenüber reiner Wissensvermittlung oder -akkumulation immer im Vordergrund stehen (vgl. DGSA 2016). Unser Studienkonzept ist geprägt durch die stringente Orientie‐ rung der curricularen, inter- und transdisziplinären Wissensorganisa‐ tion am für die Soziale Arbeit geltenden Gegenstands- und Hand‐ lungsbereich des Verhinderns und der Bewältigung sozialer Probleme, die sich in ungleichen Möglichkeiten zur Lebensführung, unterschied‐ lichen Teilhabemöglichkeiten am gesellschaftlichen Leben sowie dem Mangel an Bildung, Gesundheit, Beschäftigung, Einkommen, sozialen Beziehungen und weiteren gesellschaftlichen Ressourcen zeigen. Da‐ rüber hinaus wurden die im internationalen Kontext vielfältigen theo‐ retischen und handlungstheoretischen Traditionen integriert, sowie die umfangreichen Ansätze zur Forschung von sozialarbeitsrelevanten Kapitel 12.2: Soziale Arbeit 147 Fragestellungen unter Berücksichtigung kontextueller, wie kontext‐ übergreifender Aspekte berücksichtigt. Uns geht es hierbei um die Umsetzung eines integrativen Professi‐ onsverständnisses, das sowohl mit direkten Mitteln der Bildung und Befähigung, der Existenzsicherung, der sozialen Unterstützung und Selbsthilfe als auch mit indirekten Mitteln, wie z.B. Sozialpolitischer Intervention oder dem Management sozialer Organisationen (vgl. Master Gesundheits- und Sozialmanagement) bzw. mithilfe der Einzel‐ fall-, Familien- und Gruppenarbeit, sowie mit sozialräumlich anset‐ zenden Methoden (u.a. Gemeinwesenarbeit) die Lebensführung der von sozialen Problemen betroffenen Menschen und insbesondere de‐ ren selbst gewählten Lebensentwürfen unterstützt und dabei die Ver‐ ursachung darin zum Ausdruck kommender Probleme durch gesell‐ schaftlicher Strukturen und Dynamiken thematisiert. Die SRH-Hochschule für Gesundheit Gera geht davon aus, dass Soziale Arbeit als Disziplin und Profession auf Beschreibungen, Erklä‐ rungen, Bewertungen und Verfahrensweisen beruht, die in einem be‐ stimmten gesellschaftlichen und organisationalen Umfeld, sowie in einem konkreten Problem- und Praxisfeld zum Tragen kommen. Wis‐ senschaftsbasierung und Berufsethik bzw. ein berufsethischer Kodex der Sozialen Arbeit ermöglichen die kritische Distanzierung, sowohl zu gesellschaftlichen Trägerinteressen, als auch zu individuellen Er‐ wartungen des Klientel, was wiederum für eine Profession konstitutiv ist. Die Studieninhalte unseres Studienganges Sozialer Arbeit bilden daher folgende Studienbereiche ab (vgl. Graphik der DGSA 2016): Kapitel 12: Weitere akademische Perspektiven für die Gesundheitsfachberufe 148 Studienbereiche Sozialer Arbeit: Quelle: Kerncurriculum Soziale Arbeit der Deutschen Gesellschaft für Soziale Ar‐ beit (2016) Im Rahmen des Studienbereichs Fachwissenschaftliche Grundlagen der Sozialen Arbeit werden die allgemeinen Grundlagen der Disziplin und Profession sowie die Ideen-, Theorie- und Sozialgeschichte des Helfens und Lernens, die theoretischen Grundlagen der Sozialen Ar‐ beit sowie der Professionalisierung vermittelt und kritisch reflektiert. In ihrem transdisziplinären Charakter integriert Soziale Arbeit das Wissen aus verschiedenen Disziplinen (Anthropologie, Biologie, Eth‐ nologie, Gender Studies, Gesundheitswissenschaften, Kulturwissen‐ schaften, Pädagogik, Philosophie, Psychologie, Politologie, Recht, So‐ ziologie, (Sozial-)Ökonomie, Kommunikations- und Medienwissen‐ schaft u.a.), um ihren Gegenstand erfassen und bearbeiten zu können. Diese Wissenschaften tragen je einzeln in unterschiedlicher Weise zur Erklärung von physischen, psychischen, wie sozialen und kulturellen Sachverhalten, ferner zu ihrer Bewertung wie ihrer Veränderung bei. Kapitel 12.2: Soziale Arbeit 149 Das heißt, dass sie Bezugspunkt für alle Studienbereiche sind. Die Übernahme von Elementen aus diesen (Fremd-)Disziplinen bildet den Studienbereich erweitertes Gegenstands- und Erklärungswissen Sozia‐ ler Arbeit ab. Als Handlungswissenschaft ist Soziale Arbeit auch auf normative Grundannahmen und deren Reflexion angewiesen. Sie bilden u.a. die Grundlage für Professionsethik und Professionskodex, aber auch für rechtliche und menschenrechtliche Begründungen. Dabei ist auf die Frage der Universalisierung versus kontextuelle Pluralisierung von Wertvorstellungen, Ethiken und Rechtsvorstellungen in diversen The‐ mengebieten einzugehen. Auch die Kenntnis der Rahmenbedingun‐ gen, unter denen Soziale Arbeit stattfindet, ist nicht nur Ausgangs‐ punkt für die Analyse von Handlungsspielräumen, sondern auch für eine Analyse im Hinblick auf die Notwendigkeit einer Veränderung dieser Bedingungen. Kriterien für die Auswahl von speziellen Hand‐ lungstheorien/Methoden können zum einen auf der Gestaltung von Lern-, Bildungs-, Hilfs-, Beratungs-, (sozial)politischen Aktivierungsund Organisationsprozessen von Individuen oder/ und Kollektiven oder/ und zum anderen - als sozialtherapeutische Interventionen - auf der Neugestaltung des gesellschaftlichen oder/ und institutionellen Umfeldes der Adressaten der Sozialen Arbeit liegen. Der Studienbe‐ reich Handlungsfelder und Zielgruppen umfasst Differenzierungskri‐ terien in Bezug auf Handlungs- bzw. Praxisfelder Sozialer Arbeit, wel‐ che in der Regel in ihrer Interdependenz behandelt werden. Im letzten Studienbereich geht es um die eigenständige Forschung Sozialer Arbeit, bezogen auf ihre spezifischen Fragestellungen, ihre Bedingungen und Folgen für ihre Adressaten, die Gesellschaft, sowie für die Profession selbst.2 Mit unserem neuen Studienangebot, welches die o.g. Studienberei‐ che abbildet, möchten wir zum einen denjenigen Studieninteressenten, welche an öffentlichen Hochschulen aufgrund des Numerus clausus keine Studienchance erhalten, ein attraktives Angebot für ein grund‐ ständiges Studium in der Sozialen Arbeit machen. Darüber hinaus 2 Auch der Deutsche Berufsverband für Soziale Arbeit und Heilpädagogik (DBSH) hat vor Jahren mit der Veröffentlichung seiner Vorstellung zu „Schlüsselkompeten‐ zen“ (2008) einen interessanten Versuch unternommen, zentrale Fähigkeiten profes‐ sioneller Sozialer Arbeit zu bestimmen. Kapitel 12: Weitere akademische Perspektiven für die Gesundheitsfachberufe 150 wollen wir ein passgenaues Angebot für verdiente Praktiker im sozia‐ len Sektor machen, indem wir es ermöglichen, in unserem berufsbe‐ gleitenden Bachelor-Studiengang Soziale Arbeit in nur vier Semestern zum ersten akademischen Abschluss zu kommen (vgl. § 63 ThürHG). Der nächste logische Schritt wird dann die Implementierung eines Masterstudienganges (nicht nur) für unsere SRH-Bachelorabsolventen mit dem Arbeitstitel: „Sozialer Wandel & Gesundheitsförderung“ (M. A.) sein. Kapitel 12.2: Soziale Arbeit 151 Klinische Ernährungstherapie und Ernährungsberatung im Wandel Büser, Wolfgang Mangel-, Fehl- und Unterernährung – wenn diese Begriffe fallen, denkt man meist an Menschen in so genannten Entwicklungsländern. Kaum jemand weiß, dass viele multimorbide geriatrische Patienten, die sich zu Hause selbst versorgen oder im Pflegeheim leben, unterge‐ wichtig oder krankhaft mangelernährt sind. Weiterhin sind Patienten mit onkologischen Erkrankungen und ein beachtlicher Teil der Kran‐ kenhauspatienten mangelernährt (Uedelhofen, 2009). Die Folgen einer unbehandelten Unter-, Fehl- oder Mangelernäh‐ rung sind weitreichend. Umfang und Schwere hängen von Ausmaß und Dauer des Nährstoffmangels ab. Bei mangelernährten Menschen steigt die Anfälligkeit für Krank‐ heiten. Sie sind zunehmend auf Pflege angewiesen und büßen einen erheblichen Teil an Lebensqualität ein. Während das Körpergewicht junger Menschen nach einer freiwilligen oder unfreiwilligen Fastenpe‐ riode unter normalen Ernährungsbedingungen in der Regel schnell wieder das Ausgangsgewicht erreicht, wird bei älteren Menschen wäh‐ rend der Genesung keine oder nur eine sehr langsame Gewichtszunah‐ me beobachtet. Insbesondere, wenn Menschen an onkologischen Erkrankungen leiden, kommt es früher oder später zu einer ausgeprägten Mangeler‐ nährung, wenn die Anzeichen einer Mangelernährung nicht frühzeitig erkannt werden. Eine Ursache, dass zu wenig mangelernährte Patien‐ ten mit gesonderten klinischen Ernährungskonzepten behandelt wird, liegt auch darin, dass das äußere Erscheinungsbild mangelernährter Patienten häufig nicht unserer Vorstellung von abgemagerten Men‐ schen entspricht. Kapitel 12.3: Kapitel 12: Weitere akademische Perspektiven für die Gesundheitsfachberufe 152 Die Zahl der von Mangelernährung betroffenen Menschen wird bereits 2009 allein in Mitteleuropa auf ca. 30 Millionen geschätzt (Pánová, 2009). Die Zusatzkosten, die Mangelernährung für die Kranken- und Pflegeversicherung jährlich verursacht, beliefen sich im Jahr 2007 auf 8,9 Mrd. Euro. Bis zum Jahr 2020 ist mit einem drastischen Kostenan‐ stieg um fast 25 Prozent zu rechnen (Küpper, 2007). Viele Erkrankungen sind ernährungsabhängig. Die Kostenexplosi‐ on im Gesundheitswesen hat sich, trotz vieler Gesundheitsreformen, in den vergangenen Jahren nicht aufhalten lassen. Solange ernährungs‐ bedingte Erkrankungen weiter zunehmen und dann noch unzurei‐ chend behandelt werden, wird sich daran nichts ändern. Ernährung ist Lebensqualität. Nach vorliegenden Studien sterben noch immer 25 Prozent aller mangelernährten Tumorpatienten nicht an ihrer Grunderkrankung, sondern an ihrer Mangelernährung (Oet‐ ter, 2014 zitiert nach Margulies et al., 2014 S. 368). Trotz der großen wirtschaftlichen Bedeutung spielt Mangelernäh‐ rung hierzulande in der öffentlichen Debatte, ganz im Gegensatz zu Adipositas, nur eine sehr untergeordnete Rolle. Es gibt jedoch medizi‐ nische Bereiche, in denen Mangelernährung eher die Regel als die Aus‐ nahme ist. So zeigen beispielsweise bis zu 75 Prozent der Krebspatien‐ ten bereits zum Zeitpunkt der Erstdiagnose Zeichen einer Mangeler‐ nährung, abhängig von der Tumorart, -lokalisation und -stadium (Ue‐ delhofen, 2009). Neben dem Bereich der Mangelernährung ist eine gezielte Ernäh‐ rungstherapie zunehmend auch für Patienten mit Adipositas gefordert (Fachgesellschaft für Ernährungstherapie und Prävention (FET) e.V., 2015). Eine erschreckend hohe Anzahl von Kindern und Jugendlichen in Deutschland bewegt sich nicht nur zu wenig, sondern ernährt sich falsch bzw. wird falsch ernährt. Sei es, dass zu viel gegessen wird oder dass ungesunde Nahrungsmittel in zu großen und gesunde entspre‐ chend in zu geringen Mengen aufgenommen werden. Gesundheitliche Schädigungen wie Fettleibigkeit, Diabetes, Herz-Kreislauf- und Krebs‐ erkrankungen, aber auch Essstörungen, Magersucht, Störungen des Immunsystems, psychomotorische, emotionale und soziale Störungen sind die Folgen. Kapitel 12.3: Klinische Ernährungstherapie und Ernährungsberatung im Wandel 153 Erstmals äußern Mediziner die Befürchtung, dass die Lebenser‐ wartung einer signifikanten Anzahl von Kindern deutlich geringer ist als die ihrer Eltern (Mertin, 2008). Neben Bewegungsmangel kann hier das Desinteresse von Eltern, Jugendlichen und Kindern an der Be‐ schäftigung mit dem Thema Ernährung herangezogen werden. Insbe‐ sondere Kinder erfahren zuhause oft nicht mehr, wie man sich richtig ernährt und wie man eine gesunde Mahlzeit zubereitet (Eberle et al, 2005). Jedes Jahr wächst der Anteil der adipösen Kinder um 0,8 Prozent‐ punkte– die Häufigkeit von Adipositas hat sich in den vergangenen 15 Jahren mehr als verdoppelt. Und mehr als 50 Prozent der betroffenen Jugendlichen transportieren ihr Übergewicht ins Erwachsenenalter. Damit sind Übergewicht und kindliche Fettleibigkeit ein erheblicher gesundheitlicher Risikofaktor für die Zukunft und ein Kostentreiber für Ausgaben (Rais, 2003 zitiert nach Pressemeldung Bundesverband Verbraucherzentrale e.V. und Stiftung Warentest, 2003). Das Grundwissen zur Ernährung bei Eltern, Kindern, Lehrern und Erziehern geht immer mehr zurück. Hinsichtlich der zunehmenden Überernährung junger Menschen müssen Eltern und Erziehungsbe‐ rechtigte vermehrt dafür sensibilisiert werden, welche Folgeschäden die übergewichtigen Kinder- und Jugendliche davontragen. Um diese Aufgabe erfüllen zu können, müssen sie über die notwendigen „ernäh‐ rungsmedizinischen“ Kenntnisse verfügen. Unterricht und Schulungen zur gesunden Ernährung, Ernährung in besonderen Lebenssituationen, das Erkennen von Ernährungsproblematiken und Präventionsmög‐ lichkeiten müssen schon im Kindergarten beginnen und in anspruchs‐ voller Weise in der Schule weitergeführt werden. In den skandinavi‐ schen Ländern wird dies schon seit langem angeboten (Eberle et al., 2005). Da die Berufsbezeichnung „Ernährungsberater“ rechtlich nicht ge‐ schützt ist, gibt es eine Menge Anbieter auf dem Markt, die in der Er‐ nährungsberatung tätig sind. Kurse, die allgemein auf das Berufsbild „Ernährungsberater“ zielen und sich nicht an Ernährungsfachkräfte mit anerkannten Ausbildungen oder Mediziner richten, testete die Stif‐ tung Warentest im Zeitraum von September 2004 bis Juni 2005. Getes‐ tet wurden länger-, mittel- und kurzfristige Kurse, Präsenzkurse und Fernlehrgänge sowie Weiterbildungen, die sich beispielsweise an Fit‐ Kapitel 12: Weitere akademische Perspektiven für die Gesundheitsfachberufe 154 nesstrainer, Arzthelferinnen, Hauswirtschafterinnen, Beschäftigte im Wellness- und Gesundheitsbereich und Heilpraktiker richten. Nur 3 der 13 getesteten Anbieter von Qualifizierungen für Quereinsteiger be‐ zogen sich auf die Empfehlungen der DGE und vermittelten diese aus‐ führlich. Elementare Grundlagen zum Thema Ernährung fehlten, Pra‐ xiseinheiten kamen in den Weiterbildungskursen zu kurz. Die fachli‐ chen und rechtlichen Grenzen wurden kaum berücksichtigt, so das Er‐ gebnis der Stiftung Warentest (Stiftung Warentest, 2005). Die klinische Ernährung und die Ernährungsberatung sind kein wesentlicher Bestandteil der medizinischen Studiengänge. Eine Man‐ gelernährung wird darüber hinaus vielfach auch von Fachleuten (Ärz‐ ten) nicht erkannt oder nicht frühzeitig und ausreichend behandelt. Es gibt noch zu wenige interdisziplinäre Ernährungsteams in den Krankenhäusern geschweige denn im ambulanten Bereich der medizi‐ nischen Versorgung. Diätassistenten/Innen und Oecotrophologen ver‐ fügen ohne Weiterbildung auf dem Gebiet der Klinischen Ernährung nicht über ausreichende medizinische Kenntnisse. Die Personen, die sich gegenwärtig mit der Versorgung mangeler‐ nährter Patienten beschäftigen und Hausärzte beraten, haben vielfach keine geeignete Ausbildung. Es stellt sich die Frage, ob gerade im Hinblick auf einen zu erwar‐ tenden Ärztemangel und einer unausbleiblichen Spezialisierung der medizinischen Berufe, die Maßnahmen einer klinischen Ernährung von Medizinern durchgeführt werden müssen. Mit der Einführung des Studiengangs Ernährungstherapie und -beratung (B. Sc.) wird, durch die stärkere Einbindung nichtärztlicher Berufsgruppen in die Versorgung und Verantwortung im Gesund‐ heitswesen, eine Lücke in bestehenden Versorgungs- und Beratungs‐ systemen geschlossen. Ziel des Studiums ist es, über die Qualifizierung der Studierenden des Studiengangs „Ernährungstherapie und -beratung“ die Über-, Un‐ ter-, Fehl- und Mangelernährung im europäischen Raum zu verbes‐ sern und so die Voraussetzung für einen Rückgang ernährungsabhän‐ giger Erkrankungen zu schaffen. Im Zentrum steht die gesundheitliche Wirkung der Ernährung in unterschiedlichen Lebenssituationen und Lebensabschnitten, als Be‐ Kapitel 12.3: Klinische Ernährungstherapie und Ernährungsberatung im Wandel 155 standteil der Therapie, z.B. im palliativen und onkologischen Bereich und die präventive Ernährungsberatung. Der Studiengang befähigt zum ernährungstherapeutischen und präventiven Handeln unter ethischen und rechtlichen Kriterien. Dabei sollen Resultate wissenschaftlicher Studien in die Berufspraxis übertra‐ gen werden. Das Bachelorstudium begann erstmals im Wintersemester 2017. Die Studiendauer beträgt einschließlich Praktika sechs Semester (für den Erwerb von 180 Credits) und setzt sich aus Präsenz-, Praxis- und Selbstlernphasen zusammen. Innerhalb des Studiengangs kann unter zwei Schwerpunkten (klinische Ernährungstherapie und Ernährungs‐ beratung) gewählt werden. Die erfolgreiche Teilnahme wird dann durch den Bachelorabschluss zertifiziert und bestätigt. Zum Studium zugelassen werden kann, wer eine abgeschlossene Berufsausbildung in einem der Gesundheitsberufe und eine Berufspra‐ xis von drei Jahren oder die allgemeine bzw. fachgebundene Hoch‐ schulreife nachweisen kann. Hinzu kommt ein Aufnahmegespräch an der Hochschule. Die Anrechnung außerhochschulisch erworbener Kompetenzen, z.B. auf Grund von Weiterbildungen und Berufserfahrung ist möglich. Über ein individuelles Anrechnungsverfahren können bis zu 60 Credits angerechnet werden. Literaturverzeichnis Eberle, U., Fritsche, U.R., Hayn; D., Rehaag, R., Simshäuser, U., Stieß, I. & Waskow, F., (2005). Nachhaltige Ernährung, Ernährungswende, Diskussionspapier Nr. 4, Hamburg/Darmstadt/Frankfurt/Heidelberg/Köln, Juni 2005. Zugriff am 07.10.2017 unter http://www.isoe.de/ftp/EW_DP_Nr 4.pdf Fachgesellschaft für Ernährungstherapie und Prävention (FET) e.V. (2015). Adipo‐ sitas – Ernährungstherapie: Allgemeines, 2015. Zugriff am 07.10.2017 unter https://fet-ev.eu/adipositas-ernaehrungstherapie-allgemeines/ Küpper, C. (2007). Mangelernährung in Deutschland, Studie zu Kosten und Hand‐ lungsbedarf. Zugriff am 07.10.2017 unter https://www.ernaehrungs-umschau.d e/fileadmin/Ernaehrungs-Umschau/pdfs/pdf_2007/09_07/EU09_B25_B26.qxd .pdf Kapitel 12: Weitere akademische Perspektiven für die Gesundheitsfachberufe 156 Mertin, H. (2008). Antrag der Fraktion der FDP des Landtags Rheinland-Pfalz: Stärkung eines verantwortlichen Konsumverhaltens in der Schule. Druck: Landtag Rheinland-Pfalz 15. Wahlperiode, Drucksache 15/2574 29. 08. 2008. Oetter, T. (2014). Mangelernährung unter Zytostatikatherapie, Hausarbeit im Rah‐ men der Weiterbildung für die Pflege in der Onkologie (DKG) am UKM Müns‐ ter, 08.09.2014, zitiert aus: Margulies, A., Fellinger, K., Kroner, T. & Gaisser,A. (Hrsg.) (2011), Onkologische Krankenpflege. Berlin Heidelberg New York: Springer, 2011, S. 368. Zugriff am 07.10.2017 unter http://klinikum.uni-muenst er.de/fileadmin/ukminternet/daten/zentralauftritt/ukm-mitarbeiter/schulen_w eiterbildung/anin/arbeiten/onkologie/Mangelernaehrung_unter_Zytostatikath erapie.pdf Pánová, S. (2009). Mangelernährung und Nachwuchssorgen in der Pflege gemein‐ sames Problem in Mitteleuropa beim „Central European Meeting“ anlässlich der Pflegemesse 2009 in Leipzig. Zugriff am 07.10.2017 unter http://lemmon.lei pziger-messe.de/LeMMon/PRESSE.NSF/html_newstickerger/A1192A5ED27E DD85C125764100312B8F?OpenDocument Rais, B (2003). Alarmierende Zunahme von Übergewicht bei Kindern und Jugend‐ lichen – Wichtigstes Problem der Ernährungspolitik – Jedes fünste Kind ist be‐ troffen, Pressemitteilung Bundesverband Verbraucherzentrale e.V. und Stiftung Warentest vom 15. Januar 2003. Zugriff am 07.10.2017 unter http://www.verbr auchernews.de/artikel/0000013773.html Stiftung Warentest (2005). Ernährungsberatung: Leipziger Allerlei, Kurse: Ernäh‐ rungsberatung, 19.10.2005. Zugriff am 07.10.2017 unter https://www.test.de/Er naehrungsberatung-LeipzigerAllerlei-1301889-1301886/ Uedelhofen, K.W. (2009). Nahrungsversorgung im Krankenhaus – was ist bezahl‐ bar? Cepton Studie. Zugriff am 07.10.2017 unter http://www.dgem.de/sites/def ault/files/PDFs/Veranstaltungen/Fortbildungen/2009/edi_2009/edi_09_Uedelh ofen.pdf Kapitel 12.3: Klinische Ernährungstherapie und Ernährungsberatung im Wandel 157 Arbeits- und Organisationspsychologie mit dem Schwerpunkt betriebliche Sicherheit und Gesundheit Rehmer, Sabine Die Relevanz psychischer Aspekte in Unternehmen wird durch die Veränderungen in der Arbeitswelt und durch neue gesetzliche Anfor‐ derungen in den Bereichen der Arbeitssicherheit und der betrieblichen Gesundheit immer größer. Problematisch ist jedoch, dass es die Ar‐ beits- und Organisationspsychologen nicht in ausreichender Zahl gibt, welche die verschiedenen psychologischen Tätigkeiten in diesen Berei‐ chen umsetzen können (vgl. Rehmer, Bornmann & Trimpop 2016; Trimpop 2015). Um diesen stark anwachsenden Arbeitsmarkt gerecht werden zu können werden Arbeits- und Organisationspsychologen mit einer Schwerpunktsetzung in den Bereichen der Arbeitssicherheit und der betrieblichen Gesundheit benötigt. Dieses Qualifizierungsziel verfolgt der vorliegende Studiengang M. Sc. Arbeits- und Organisationspsy‐ chologie mit Schwerpunkt Sicherheit und Gesundheit in der Arbeits‐ welt. Die von uns ausgebildeten Arbeits- und Organisationspsychologen werden in der Lage sein im Arbeits- und Gesundheitsschutz die ver‐ schiedenen Arbeitsfelder der Grundbetreuung und der betriebsspezifi‐ schen Betreuung gemäß DGUV Vorschrift 2 mit Fokus auf die psychi‐ schen Aspekte auszuführen. Damit ergänzen sie die Arbeit der Fach‐ kräfte für Arbeitssicherheit und der Fachärzte für Arbeitsmedizin um den psychologischen Anteil – die psychische Gesundheit der Mitarbei‐ ter. Kapitel 12.4: Kapitel 12: Weitere akademische Perspektiven für die Gesundheitsfachberufe 158 Im Bereich der betrieblichen Gesundheit sollen sie aktiv das be‐ triebliche Gesundheitsmanagement (BGM) und die betriebliche Ge‐ sundheitsförderung (BGF) mitgestalten können und ebenso als An‐ sprechpartner für psychologische Fragestellungen im Unternehmen zur Verfügung stehen. Durch die Vermittlung der grundständigen methodischen Kompe‐ tenzen und Inhalte gemäß den Empfehlungen der DGPS zur Ausge‐ staltung von M. Sc.-Studiengängen im Bereich Arbeits- und Organisa‐ tionspsychologie (vgl. Ellwart et al. 2015) sind natürlich auch weitere Arbeitsfelder im Bereich der Personal- oder Organisationspsychologie denkbar. Der Masterstudiengang umfasst 4 Semester (2 Jahre), wobei das Studium an 24 Blockwochenenden (Do. bis So.) stattfindet. Damit sol‐ len neben B. Sc.-Psychologen vor allem auch Personen angesprochen werden die bereits in den Bereichen der Arbeitssicherheit und der be‐ trieblichen Gesundheit arbeiten und die mit diesem Studium gern den Zugang zu den psychologischen Aufgabenfeldern, inhaltlich und ge‐ setzlich, erwerben möchten. Das Studium im Überblick Studienstart Erstmalig 1. Oktober 2017, dann halbjährlich zum Sommer- und zum Wintersemester Studienort SRH Hochschule für Gesundheit, Campus Gera Die SRH ist eine private Hochschule mit staatli‐ cher Anerkennung, die sich allein durch Studi‐ engebühren finanziert. Nähere Informationen dazu finden Sie auf unserer Website. Studienmodell Vollzeit – in Blockform (120 ECTS-Punkte) Studiendauer 2 Jahre (4 Semester) Das Studium findet im Rahmen von 2 Jahren an 24 Blockwochenenden (Do. bis So.) statt. Abschluss Master of Science (M. Sc.) Arbeits- und Organi‐ sationspsychologie mit Schwerpunkt Sicherheit und Gesundheit in der Arbeitswelt Kapitel 12.4: Arbeits- und Organisationspsychologie 159 Zielgruppen Bachelorabsolventen der Psychologie (B. Sc.) oder anderer Bachelorabschluss (180 ECTS) Masterabsolventen oder vergleichbar (Anerken‐ nung bisheriger Studienleistungen und verkürz‐ tes Studium möglich) Inhalte des Studiums Der M. Sc. Arbeits- und Organisationspsychologie mit Schwerpunkt Sicherheit und Gesundheit in der Arbeitswelt befindet sich an der Kreuzung verschiedener Fachgebiete. Daher schließt das Studium ne‐ ben der Vermittlung arbeits- und organisationspsychologischer Inhalte und Methoden auch spezifische Kenntnisse zu Inhalten und Aufgaben im Bereich der betrieblichen Sicherheit und Gesundheit mit ein. Dazu gehört sowohl die Fachkunde der Fachkraft für Arbeitssicherheit als auch ein Einblick in die Arbeit der Fachärzte für Arbeitsmedizin. Ebenso zählen dazu Kenntnisse des betrieblichen Gesundheitsmanage‐ ments und der betrieblichen Gesundheitsförderung in Unternehmen, der Organisationsentwicklung, des Changemanagements und der Ar‐ beitsgestaltung. Und nicht zuletzt geht es um eine Vermittlung der ver‐ schiedenen verhältnis- und verhaltensbezogenen psychologischen Ar‐ beitsfelder im Bereich der Arbeitssicherheit und der betrieblichen Ge‐ sundheit. Wissensvorsprung durch Zusatzqualifikationen noch während des Studiums Die Studierenden profitieren von der Möglichkeit, noch während Ihres Masterstudiums weitere Abschlüsse zu erwerben, deren Inhalte bereits in das Studium integriert sind. Dies umschließt die Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit (Stufe I, II & III) gemäß § 7 des Ar‐ beitssicherheitsgesetzes sowie § 4 der DGUV Vorschrift 2, den Stress‐ managementtrainerschein und die Ausbildung zum psychologischen Ersthelfer. Weitere für die praktische Arbeit relevante Grundfertigkei‐ ten werden in den Bereichen Präsentation, Moderation, Mediation und Konfliktmanagement, Projektmanagement, Beratung und Coa‐ ching vermittelt. Kapitel 12: Weitere akademische Perspektiven für die Gesundheitsfachberufe 160 Praxisnah | Zukunftsorientiert | Umfassend Neben den theoretischen Studieninhalten zeichnet sich der Studien‐ gang durch seinen hohen Praxisbezug in Forschung und Lehre aus, der sich neben der Masterarbeit auch im Rahmen von zwei selbst konzi‐ pierten und umgesetzten berufsfeldbezogenen Projekten in je einem der sicherheits- und gesundheitsbezogenen Handlungsfelder der zu‐ künftigen Arbeits- und Organisationspsychologen wiederfindet. Die Inhalte im Überblick Arbeits- und Organisa‐ tionspsychologie – Einführung und Grundlagen der A&O- Psychologie – Organisationspsychologie – Personalpsychologie Methoden und Dia‐ gnostik – Empirische Forschungsmethoden und Analyse-, Interventions- und Evaluati‐ onsmethoden – Quantitative Analyseverfahren – Qualitative Analyseverfahren – Psychologische Diagnostik und Gutach‐ tenerstellung Vertiefung Psychologie der Sicherheit und Ge‐ sundheit in der Arbeits‐ welt – Einführung Betriebliche Sicherheit und Gesundheit – Psychologie der Arbeit, Arbeitssicherheit und betrieblichen Gesundheit – Sicherheitsbezogene Handlungsfelder für A&O-Psychologen – Gesundheitsbezogene Handlungsfelder für A&O-Psychologen – Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssi‐ cherheit (Stufen I, II, III) – Elemente der arbeitsmedizinischen Be‐ treuung in Unternehmen Praxisintegrierende Masterarbeit – Berufsfeldbezogene Projekte – Masterarbeit (inkl. Kolloquium) Kapitel 12.4: Arbeits- und Organisationspsychologie 161 Für Arbeits- und Organisationspsychologen sind die Bereiche der Ar‐ beitssicherheit und der betrieblichen Gesundheit spannende Einsatz‐ felder, die zunehmend wichtiger werden. Bisher haben sich die dort tä‐ tigen Kollegen das notwendige Fachwissen im Laufe vieler Jahre selbst angeeignet. An der SRH Hochschule für Gesundheit haben wir deutschlandweit erstmalig einen spezifischen Studiengang entwickelt, der Arbeits- und Organisationspsychologen ausbildet, die befähigt werden in den Bereichen der Arbeitssicherheit und der betrieblichen Gesundheit die verschiedenen psychologischen Tätigkeiten in Unter‐ nehmen, inhaltlich und gesetzlich, umsetzen zu können. Kommen Sie zu uns, wenn Sie Lust darauf haben in diesem stark anwachsenden Ar‐ beitsmarkt tätig zu werden. Literatur Ellwart, T., Hertel, G., Lang, J., Ohly, S. & Trimpop, R. (2015). Arbeitsgruppenbe‐ richt „Perspektiven für die AOW-Psychologie in Bachelor- und Masterstudien‐ gängen“ im Auftrag: Fachgruppe Arbeits-, Organisation- und Wirtschastspsy‐ chologie (AOW) der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs). Rehmer, S., Bornmann, S. & Trimpop, R. (2016). Aus 2 mach 3 – Eine Zukunstsvi‐ sion?!Der Arbeitspsychologische Dienst zur Betreuung von Unternehmen im Rahmen der DGUV, Vorschrift 2. In Wieland, R., Seiler, K. & Hammes, M. (2016). 19. Workshop Psychologie der Arbeitssicherheit und Gesundheit. Ass‐ anger: Kröning. Trimpop, R. (2015). Lösungsvorschläge des PASIG „Arbeitsschutz als interdiszipli‐ näre Gemeinschaftsaufgabe“ in DGUV Forum 4/15, S. 25. Kapitel 12: Weitere akademische Perspektiven für die Gesundheitsfachberufe 162 Die Potentiale einer hochschulischen Qualifizierung in den Pflegeberufen Sieger, Margot Ausgangslage „Die Sicherung einer qualitativen Pflegeversorgung ist eine der gesell‐ schaftspolitisch wichtigen Aufgaben der nächsten Jahre“, so die Ein‐ schätzung der Bundesregierung im Gesetzentwurf zur Neuordnung der Pflegeberufe (PflBRefG 2016, S. 1). Die Betonung der qualitativen Erfordernisse begründet sich durch die demographischen Entwicklun‐ gen, die damit einhergehende quantitativ und qualitativ angestiegene pflegerische Versorgung älterer Menschen, Chronizität in den Krank‐ heitsverläufen, Multimorbidität sowie die zunehmend komplexeren medizinischen Interventionen. Damit korrespondieren Prozesse des sozialstrukturellen Wandels, die verbunden sind mit einer Individuali‐ sierung der Lebensstile und einem Wandel der Generationenbeziehun‐ gen. Dies führt zu zunehmenden ökonomischen Zwängen im Gesund‐ heitssystem und zu Veränderungen der sozialen Sicherungssysteme. Gleichzeitig steigen Erwartungen und Ansprüche der Bevölkerung ge‐ genüber Versorgungs- und Pflegeleistungen (BMFSFJ 2008). Entwicklungsschritte Um diesen Herausforderungen begegnen zu können erfolgte als erster Schritt in den 90iger Jahren die Einrichtung von Studiengängen mit dem primären Ziel, die Wissenschaftsentwicklung der Pflege voranzu‐ bringen, um pflegerisches Handeln über wissenschaftlich fundierte Ansätze begründen zu können und wissenschaftlich fundierte Hand‐ lungskonzepte der pflegerischen Praxis zur Verfügung zu stellen. Auch Kapitel 12.5: Kapitel 12.5: Die Potentiale einer hochschulischen Qualifizierung in den Pflegeberufen 163 der Wissenschaftsrat hält es für erforderlich pflegerisches, therapeuti‐ sches oder geburtshelferisches Handeln auf der Basis wissenschaftli‐ cher Erkenntnis zu reflektieren, die gewachsene Komplexität erfordert vermehrt so genannte ´Reflective Practitioners´ (Wissenschaftsrat 2012, S. 78) Mit den Forderungen der Europäisierung des Bildungssystems, beispielhaft Bologna Declaration1999, die Studiengänge im deutschen Hochschulsystem auf drei Stufen in der Qualifizierung umzustellen (B. A., M. A., Ph. D.), stellte sich auch für die Pflegestudiengänge nach zehn Jahren die Frage nach einer europäischen Kompatibilität ihrer Bildungsgänge. Da auf europäischer Ebene die Primärqualifikation der Pflege auf Hochschulebene etabliert ist, der Gesetzgeber und die Gesundheitspolitik in der BRD einen sol‐ chen Schritt jedoch nur zögerlich beförderten, entstanden auf der BA- Ebene sowohl auf der Erstausbildung aufbauende Studiengänge mit unterschiedlichen Schwerpunkten, wie Management, Pädagogik, Bera‐ tung, Case Management, als auch sogenannte duale bzw. berufsinte‐ grierende Studiengänge (Sieger 2001, Sieger 2005, Olbrich & Sieger 2007, Sieger 2010). Der Studiengang Pflege an der SRH Hochschule für Gesundheit mit dem Abschluss Bachelor of Science (B. Sc.) ist ein auf der Erstaus‐ bildung aufbauender Studiengang. Das Spezifische dieses Studiengangs liegt in der Verbindung der hochschulischen Qualifizierung mit einer Spezialisierung in der Pflege, hier der onkologisch, palliativen Pflege oder der Intensivpflege. Damit wird eine klassische Weiterbildung, die in der Regel über Landesrecht geregelt ist, auf das Niveau einer hoch‐ schulischen Qualifizierung gebracht, so dass der Studierende mit einem Mehr an Kompetenzen in ein spezifisches Handlungsfeld geht. Diese Schwerpunktsetzung wird fakultativ ergänzt mit einem Akzent in der Beratung und Anleitung oder dem Akzent des Case Manage‐ ments. Im günstigsten Fall kann der Studierende das Studium mit drei Abschlüssen abschließen, B. Sc. Pflege, Fachgesundheits- und Kran‐ kenpflegerin für Intensivpflege bzw. palliativ, onkologische Pflege und der Qualifizierung zum Case Manager. Innerhalb der Hochschule in Gera bietet sich ebenfalls die Chance, bei der Akzentuierung im Feld der Beratung und Anleitung und bei entsprechendem Interesse, un‐ mittelbar in den MA Studiengang Medizinpädagogik zu wechseln. Kapitel 12: Weitere akademische Perspektiven für die Gesundheitsfachberufe 164 Zukünftige Perspektiven Die zukünftigen Entwicklungen liegen allerdings in einer Stufung der Qualifizierung. Die Erstausbildung sollte, entsprechend der europä‐ ischen Kompatibilität und in Anpassung an einen europäischen Ar‐ beitsmarkt, auf der Bachelor Ebene angesiedelt bleiben, alle weiterfüh‐ renden Qualifikationen und Spezialisierungen gehören auf die Master Ebene, siehe hierzu auch den Fachqualifikationsrahmen der Deut‐ schen Gesellschaft für Pflegewissenschaft (Hülsken-Giesler & Korporal 2015). Allerdings wird dieser naheliegende Qualifizierungsweg in der BRD, trotz der enormen qualitativen Herausforderungen in der Pflege‐ versorgung, durch den rechtlichen Sonderstatus der Zugehörigkeit `zu den Heilberufen und zum Heilgewerbe` und der damit einhergehen‐ den Gesetzgebungskompetenz des Bundes nicht so leicht umzusetzen sein. Der Gesetzgeber entscheidet über die Berufszulassung, die noch immer an den Abschluss gemäß Krankenpflegegesetz (2003 § 3) an einer Fachschule bzw. an einer Schule des Gesundheitswesens gebun‐ den ist. Hochschulische Kompetenz ist allerdings gefordert, wenn in einem solchen Studiengang ein Modellvorhaben zum Erwerb erweiterter Kompetenzen zur selbständigen Ausübung heilkundlicher Tätigkeiten erprobt werden (G-BA Richtlinie nach § 63 Absatz 3 c SGBV, KrPfG 2003 § 3ff). Dieser Anteil der Qualifizierung liegt allein in der Hand der Hochschule. In einem solchermaßen konzipierten Studiengang geht es darum, einen neuen Typus in den primärqualifizierenden Stu‐ diengängen für die Pflegeberufe zu entwickeln und als Modellversuch zu erproben. Der neue Typus des Studiengangs zeichnet sich dadurch aus, dass die Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin in ein Bachelorstudium integriert wird. Mit der Qualifizierung zur Über‐ nahme heilkundlicher Tätigkeiten wird gleichzeitig das Handlungsfeld für diese Absolventen erweitert und über die Absicherung der Kosten‐ träger auch eine Anschlussfähigkeit an die bestehenden klinischen Strukturen im Gesundheitswesen, was die Zuschnitte der Aufgabenund Verantwortungsbereiche betrifft, erreicht. Genau diese Verlagerung der institutionellen Bindung an die Hochschulen wird im aktuellen Entwurf eines Gesetzes zur Reform Kapitel 12.5: Die Potentiale einer hochschulischen Qualifizierung in den Pflegeberufen 165 der Pflegeberufe angestrebt (PflBRefG 2016 § 37 ff.). Damit wird klar‐ gestellt, „die primärqualifizierende Pflegeausbildung an Hochschulen befähigt zur unmittelbaren Tätigkeit an zu pflegenden Menschen aller Altersstufen und verfolgt gegenüber der beruflichen Pflegeausbildung […] ein erweitertes Ausbildungsziel“(PflBRefG 2016 § 37 Abs. 1). Zum 17. Juli 2017 wurde das Gesetz zur Reform der Pflegeberufe verab‐ schiedet und tritt am 1.1.2020 in ihren wesentlichen Punkten in Kraft. Damit soll eine hochschulische Ausbildung die Studierenden befähi‐ gen hochkomplexe Pflegeprozesse zu steuern und zu gestalten, durch vertieftes Wissen die Weiterentwicklung gesundheitlicher und pflegeri‐ scher Versorgung maßgeblich mitgestalten. Die weiterführenden Ziel‐ setzungen beziehen sich auf die Befähigung sich Forschungsgebiete zu erschließen sowie forschungsbasierte Problemlösungen in berufliches Handeln zu überführen. Im Rahmen des Ausbildungsziels kann die Hochschule darüber hi‐ naus eigene Schwerpunkte setzen. Die Gesamtverantwortung für die theoretischen und praktischen Lehrveranstaltungen liegt zukünftig in den Händen der Hochschule. Damit umfasst die hochschulische Prü‐ fung auch die staatliche Prüfung zur Erlangung der Berufszulassung. Allerdings sind die „Modulprüfungen…. unter dem gemeinsamen Vorsitz von Hochschule und Landesbehörde durch …[zuführen]. Die zuständige Landesbehörde kann die Hochschule beauftragen, den Vor‐ sitz auch für die die zuständige Landesbehörde wahrzunehmen“ (PflB‐ RefG 2017 § 39). Aus der Perspektive hochschulischer Bildung sind primärqualifi‐ zierende Studiengänge am ehesten geeignet, zukünftig berufliche Ent‐ wicklungspotenziale zu eröffnen, da sie horizontale und vertikale Durchlässigkeit schaffen und Spezialisierungen erlauben. Durch die europäische Kompatibilität eröffnen sie erweiterte Optionen auf einem europä‐ ischen Arbeitsmarkt und sind in der klinischen Pflegepraxis ein siche‐ rer Garant für eine produktive Diskussion über Neuzuschnitte der Aufgaben und Verantwortungsbereiche der Health Professionals. Gleichzeitig ermöglichen es die Curricula eines solchen Studiengangs, inhaltliche Entwürfe für ein, den prognostizierten Entwicklungen an‐ gepasstes Profil zu erproben und damit den zukünftigen Herausforde‐ rungen im Gesundheitswesen zu entsprechen (SVR 2000/ 2001, 2007, Kapitel 12: Weitere akademische Perspektiven für die Gesundheitsfachberufe 166 2009; Sieger 2011). Die SRH Hochschule für Gesundheit eignet sich in besonderer Weise, einen solchen Studiengang in Angriff zu nehmen, die Handlungsfelder für die Praxis sind vor Ort. Der gemeinsame fach‐ liche Dialog zu aktuellen Themen der Gesundheit ist zwischen dem Waldklinikum Gera und der Hochschule bereits erfolgreich etabliert. Literatur Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Juegend (BMFSFJ) ( 2008): Pflegeausbildung in Bewegung. Ein Modellvorhaben zur Weiterentwicklung der Pflegeberufe Schlussbericht der wissenschaftlichen Begleitung, Berlin. Bundesgesetzblatt Teil I Nr. 56 (2004): Gesetz über die Berufe in der Krankenpflege und zur Änderung weiterer Gesetze (KrPflG) v. 21.07.2003, S. 1442-1458, geän‐ dert (BGBl. I S. 1776) v. 21.07.2004, zuletzt geändert in der Fassung BGBl. I S. 2657-2660 v. 22.10.2004; s. auch: ABl. EG (Amtsblatt der Europäischen Ge‐ meinschaft) (2005): Notifizierung der Berufsbezeichnung der Krankenschwes‐ ter und des Krankenpflegers, die für die allgemeine Pflege verantwortlich sind (2005/C 123/05) mit dem Eintrag für Deutschland: Gesundheits-und Kranken‐ pflegerin / Gesundheits- und Krankenpfleger v. 21.05.2005, S. 123/6, Brüssel. Bundesgesetzblatt Jahrgang 2017 Teil I Nr. 49, ausgegeben zu Bonn am 24. Juli 2017 Gesetz zur Reform der Pflegeberufe (Pflegeberufereformgesetz – PflBRefG) Deutscher Bundestag – 18.Wahlperiode Drucksache 18/7823 vom 09.03.2016 Ge‐ setzentwurf der Bunderegierung: Entwurf eines Gesetzes zur Reform der Pflegebe‐ rufe (Pflegeberufereformgesetz – PfBRefG). Gemeinsamer Bundesausschuss (2011): Tragende Gründe zum Beschluss des Ge‐ meinsamen Bundesausschusses über die Erstfassung der Richtlinie über die Festle‐ gung ärztlicher Tätigkeiten zur Übertragung auf Berufsangehörige der Alten- und Krankenpflege zur selbständigen Ausübung von Heilkunde im Rahmen von Mo‐ dellvorhaben nach § 63 Absatz 3 c SGBV (Richtlinie nach § 63 Abs. 3 c SGBV) vom 20. Oktober 2011. Hülsken-Giesler M. & Korporal J. (Hrsg.) (2013): Autorinnen und Autoren: Dan‐ gel B., Dütthorn N., Fesenfeld A., Greb U., Hülsken-Giesler M., Korporal J.,Müller A. C., Recken H., Sieger M.: Fachqualifikationsrahmen Pflege für die hochschulische Bildung. Berlin: Purschke &Hensel. Olbrich, C.H., Sieger, M. (2007): Duale Studiengänge – der neue Kompromiss in der pflegerischen Qualifizierung. In: Pflege & Gesellschaft 12 (3) 278 – 282. Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen (Hrsg.) (2000/2001): Gutachten des Sachverständigenrates für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen, Band 2. Baden-Baden: Nomos-Verlag. Kapitel 12.5: Die Potentiale einer hochschulischen Qualifizierung in den Pflegeberufen 167 Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen (Hrsg.) (2007): Gutachten des Sachverständigenrates zur Begutachtung der Ent‐ wicklung im Gesundheitswesen: Kooperation und Verantwortung. Voraussetzun‐ gen einer zielorientierten Gesundheitsversorgung. Baden-Baden: Nomos Verlag. Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen (Hrsg.) (2009): Gutachten des Sachverständigenrates zur Begutachtung der Ent‐ wicklung im Gesundheitswesen: Koordination und Integration -Gesundheitsver‐ sorgung in einer Gesellschaft des längeren Lebens. Baden-Baden: Nomos Verlag. Sieger, M. (Hrsg.) (2001): Pflegepädagogik, Handbuch zur pflegeberuflichen Bildung. Bern, Göttingen, Toronto, Seattle: Huber. Sieger, M. & Kunstmann, W. (2003): Versorgungskontinuität durch Pflegeüberlei‐ tung, Frankfurt/ Main: Mabuse. Sieger, M. (2010): Transformationen in der Krankenpflege nach 1945 - zwischen Pro‐ fessionalisierung und Deprofessionalisierung. In: Kaiser J.-Ch., Scheepers R. (Hrsg.): Dienerinnen des Herrn – Beiträge zur Weiblichen Diakonie im 19. und 20. Jahrhundert. Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt, 164 – 183. Wissenschaftsrat (2012): Empfehlungen zu hochschulischen Qualifikationen für das Gesundheitswesen, Drs. 2411-12, Berlin 13.07.2012. Kapitel 12: Weitere akademische Perspektiven für die Gesundheitsfachberufe 168 Success stories Troll, Diana; Simchen-Schubert, Sabrina & Eichmann, Björn Welchen Karriereweg kann ich mit dem Studium verfolgen, welcher Job passt überhaupt zu mir und wo kann ich ein Praktikum absolvie‐ ren, das mir möglichst facettenreich meine zukünftige Arbeitswelt zeigt? Diese und viele andere Fragen stellen sich Interessenten wäh‐ rend der Recherche nach einem geeigneten Studiengang von Beginn an. Immerhin ist das Studienangebot mit derzeit rund 18.044 Studien‐ gängen an 426 Hochschulen3 riesig. Die Wahl des richtigen Studien‐ platzes ist eine wichtige Entscheidung. Genau aus diesem Grund be‐ gleitet die SRH Hochschule für Gesundheit Gera Interessenten und Studierende vom allerersten Tag an: Mit individuellen Beratungsge‐ sprächen, sei es durch Studiengangsleiter, Professoren oder Mitarbeiter des Studierendenservices, sollen noch vor Studienbeginn möglichst lü‐ ckenlos Antworten auf offene Fragen gefunden werden. Doch auch Möglichkeiten, Chancen, die Notwendigkeit und Risiken sollen aufge‐ zeigt werden, damit sich Studieninteressenten bewusst für ein Studium an der Gesundheitshochschule der SRH entscheiden können. Auch während des Studiums stehen Transparenz, ein individuelles Coaching, eine unvergleichbare Praxisnähe und die Verbundenheit zu den Mitar‐ beitern im Zentrum des Studienablaufs. Eine Besonderheit liegt im Schwerpunkt der Persönlichkeitsentwicklung der Studierenden. Hier‐ zu bieten die einzelnen Studiengänge fortlaufend persönliche Coa‐ chinggespräche an, in welchen die Fachkollegen gemeinsam mit den Studierenden mögliche Perspektiven für eine spätere Berufswahl und persönliche berufliche Schwerpunktsetzungen erarbeiten. In verschie‐ denen Modulen können die Studierenden Selbsterfahrungsmöglich‐ keiten sammeln, indem praxisnahe Themen aufbereitet und der Ziel‐ gruppe präsentiert werden. Darüber hinaus sammeln die Studierenden Kapitel 13: 3 Vgl. Hochschulrektorenkonferenz, Statistiken zur Hochschulpolitik, 1|2015, S. 7 169 bereits während des Studiums umfangreiche Erfahrungen in unter‐ schiedlichen Forschungsprojekten, denn nur wer eigenverantwortlich handelt und lernt, kann über sich hinauswachsen, Wissen und Kompe‐ tenzen erwerben und Verantwortung übernehmen – für sich selbst und für andere. All diese Bausteine bereiten die Studierenden der SRH Hochschule für Gesundheit Gera ideal auf eine Karriere im Gesund‐ heitswesen vor und schulen ihre Fachkompetenzen, um später als Ex‐ perten auf ihrem Gebiet tätig sein zu können. Seit der Gründung im Jahr 2007 hat die SRH Hochschule für Ge‐ sundheit Gera bereits über 700 Absolventen auf diese anspruchsvolle Tätigkeit im Gesundheitswesen vorbereitet. Darauf sind wir, als Ge‐ sundheitshochschule der SRH, sehr stolz. Die Karrierewege der einzel‐ nen Absolventen sind dabei so vielseitig, wie das Studium an der SRH Hochschule für Gesundheit Gera selbst. Viele der Absolventen gingen direkt nach dem Bachelorabschluss in den Job und konnten ihr Wissen und ihre Expertise direkt in der Praxis anwenden. Andere wiederum schlossen nach dem Bachelor einen Master an, sei es an der SRH Hochschule für Gesundheit Gera oder an einer staatlichen Hochschule in der Bundesrepublik. Besonders freuen wir uns darüber, dass einige unserer Masterabsolventen sich für eine Promotion und damit eine akademische Laufbahn entschieden haben. So hat bereits eine Absol‐ ventin des Masterstudiengangs Neurorehabilitation erfolgreich ihre Promotion abgeschlossen. Eine andere Absolventin des Masterstudien‐ gangs Psychische Gesundheit und Psychotherapie wurde erst kürzlich von der Martin Luther Universität in Halle für die Promotion zugelas‐ sen. Im Folgenden haben wir einige Success Stories unserer Absolven‐ ten zusammengetragen, auf die wir gemeinsam erfolgreich zurückbli‐ cken. Success Stories unserer Alumni „An der SRH Hochschule für Gesundheit Gera wird man individuell gefördert und lernt vor allem praktisches Wissen von sehr gut ausge‐ bildeten Dozenten. In kleinen Gruppen kann man sich bestmöglich auf die eigene berufliche Zukunft vorbereiten. Nach dem Studium hat‐ Kapitel 13: Success stories 170 te ich zwei interessante Stellenangebote in vollkommen unterschiedli‐ chen Richtungen. Schlussendlich habe ich mich für eine Stelle als Psy‐ chologin in der forensischen Psychiatrie entschieden und bin sehr zu‐ frieden mit meiner derzeitigen Tätigkeit.“ Sahra Störch, Alumna Gesundheitspsychologie B. Sc. & Psychische Ge‐ sundheit und Psychotherapie M. Sc.. „Am Studium an der SRH Hochschule für Gesundheit Gera gefiel mir besonders die individuelle Beratung. Wenn es Probleme gab, konnten dies jederzeit mit jeglichen Personen direkt und zeitnah besprochen, sowie in Angriff genommen und gelöst werden. Die Vermittlung der praxisnahen Inhalte und die hervorragende und nachhaltige Arbeitsat‐ mosphäre haben mir den Weg geebnet, für meine jetzige Ausbildung zum Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten.“ Tim Dieterichs, Alumnus Gesundheitspsychologie B. Sc. & Psychische Gesundheit und Psychotherapie M. Sc. „Das Studium an der SRH Hochschule für Gesundheit Gera hat mir sehr gut gefallen. Ich fand besonders gut, dass unterschiedliche Modu‐ le im Curriculum verankert sind, sodass man während des Studiums auf verschiedene berufliche Möglichkeiten vorbereitet wird. Heute bin ich als Bildungsreferentin für den Bereich Gesundheit und Pflege in der Fortbildungsakademie des Diakonischen Bildungsinstitut Johannes Falk in Eisenach tätig. Besonders die erworbenen Fähigkeiten inner‐ halb des Moduls „Fort-und Weiterbildung“ helfen mir bei der Kalkula‐ tion von Fort-, und Weiterbildungsangeboten, sowie die Inhalte der „Fachdidaktik“ bei der Erstellung von Stunden und Modulplänen.“ Carolin Kröcher, Alumna Medizinpädagogik B. A. „In meinem Studium gefiel mir besonders gut die leichte Vereinbarkeit zwischen Arbeit und Beruf, die individuelle Förderung und der auf die Praxis ausgerichtete Modulinhalt. Ich habe gelernt wissenschaftlich zu arbeiten, Projekte zu organisieren, pädagogisch zu handeln und didak‐ tisch im Unterricht vorzugehen. Während des Studiums zum Bachelor Success Stories unserer Alumni 171 für Medizinpädagogik wurde ich bereits befristet an einer Kranken‐ pflegeschule in Bayern eingestellt. Mit dem Abschluss folgte eine unbe‐ fristete Stelle als Medizinpädagoge, die es mir ermöglicht Kursleiter zu sein. Berufsbegleitend studiere ich nun den Master Medizinpädagogik an der SRH Hochschule für Gesundheit Gera.“ Steve Priedemann, Alumnus Medizinpädagogik B. A. „Das Studium an der SRH hat mir sehr gut gefallen. Vor allem die In‐ terdisziplinarität im Studiengang zwischen Physiotherapeuten, Inter‐ disziplinärer Frühförderung und der Ergotherapie. Hier konnten wir uns stets austauschen und spannende Diskussionen führen. In guter Erinnerung sind mir die Exkursionen zum Beispiel nach Kreischa ge‐ blieben, bei denen wir einen lehrreichen Einblick in die Frühreha be‐ kamen. Nach dem Studium arbeitete ich in verschiedenen Ergothera‐ piepraxen und bildete mich in den Bereichen Pädiatrie, Neurologie so‐ wie Handtherapie weiter. Heute besitze ich meine eigene Ergotherapie‐ praxis in Berlin und bin mit meinem Team stets daran interessiert, evaluierte Konzepte in unseren praktischen Alltag zu integrieren.“ Julia Rothe, Alumna Ergotherapie B. Sc. „Mein ausbildungsbegleitendes Studium an der SRH Hochschule für Gesundheit Gera erwies sich mit zunehmender Dauer als eine sehr gu‐ te Entscheidung. Das Lernen in einem so hoch qualifizierten und mo‐ tivierten Umfeld war ein wirklicher Segen und hat mich entscheidend in meiner Entwicklung geprägt. Die Professoren standen uns stets mit Rat und Tat zur Seite, sowohl im Praxis- als auch im Theorieteil. Nach der Beendigung meines Bachelorstudiums stand für mich fest, dass ich auch den weiterführenden Masterstudiengang besuchen werde. Das Studium hat in mir den „Entdeckergeist“ und die Neugier geweckt. Ich bilde mich stetig fort und versuche mir ein möglichst breites Wissen anzueignen. Davon sollen primär die Patienten in meiner eigenen Physiotherapiepraxis profitieren.“ Philipp Schmuck, Alumnus Physiotherapie B. Sc. & Neurorehabilitati‐ on M. Sc. Kapitel 13: Success stories 172 „Besonders gut hat mir der nahe Praxisbezug im Studium gefallen. Im ersten Schritt studierte ich Ergotherapie (B. Sc.) an der SRH Hoch‐ schule für Gesundheit Gera, im Zweiten beschloss ich den Master in Neurorehabilitation (M. Sc.), ebenfalls in Gera, zu ergänzen. Beide Studienabschlüsse haben meinen Werdegang stark beeinflusst. Heute bin ich selbstständige Ergotherapeutin. Nach dem Studium entschloss ich mich eine zweite Praxis in Gera zu eröffnen, um das erlernte Wis‐ sen noch weiter auszubauen und praktisch umzusetzen. Schwerpunkt in beiden Praxen ist die Neurologie.“ Astrid Stahlmann, Alumna Ergotherapie B. Sc. & Neurorehabilitation M. Sc. Success Stories unserer Alumni 173

Zusammenfassung

Gesundheit braucht kluge Köpfe – seit zehn Jahren leistet die SRH Hochschule für Gesundheit dazu ihren Beitrag. Gesundheit ist ein zentraler Wirtschaftszweig in allen Industrienationen. In Zeiten des demografischen Wandels wächst er dynamisch. Zusätzlich verändern sich Verständnis und Menge unseres Wissens über Gesundheit. Die wichtigste Ressource zur Bewältigung dieser gesellschaftlichen Herausforderungen ist Bildung. Orientiert an den Interessen der Studierenden eröffnet die SRH Hochschule für Gesundheit jungen Menschen neue Chancen, an diesem Wandel teilzuhaben. Sie begegnen dabei modernen Ausbildungswegen, einer umfassenden Verzahnung von Theorie und Praxis und anspruchsvollen Forschungsprojekten. Die staatlich anerkannte, private SRH Hochschule für Gesundheit ist Teil des bundesweiten Netzwerkes der SRH-Gruppe. In ihren Gesundheits- und Bildungseinrichtungen engagieren sich über 13.000 Beschäftigte und ebenso viele Studierende. Dieser Band gibt einen Rückblick auf das vergangene Jahrzehnt der Hochschule. Gleichzeitig berichtet er vom Aufbruch in eine Gesundheitswelt im Wandel. Vorgestellt werden die aktuell 15 Bachelor- und Masterstudiengänge in fünf verschiedenen Studienmodellen an sieben Standorten. Es werden Einblicke gegeben in Bachelor- und Masterthesen der vergangenen Jahre, sowie in aktuelle Forschungsprojekte. Viele kluge Köpfe hat die SRH Hochschule für Gesundheit für das Berufsleben qualifiziert. Im Wissen darum, dass innovative Bildung unersetzbar ist, werden viele weitere folgen.

References

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Gesundheit braucht kluge Köpfe – seit zehn Jahren leistet die SRH Hochschule für Gesundheit dazu ihren Beitrag. Gesundheit ist ein zentraler Wirtschaftszweig in allen Industrienationen. In Zeiten des demografischen Wandels wächst er dynamisch. Zusätzlich verändern sich Verständnis und Menge unseres Wissens über Gesundheit. Die wichtigste Ressource zur Bewältigung dieser gesellschaftlichen Herausforderungen ist Bildung. Orientiert an den Interessen der Studierenden eröffnet die SRH Hochschule für Gesundheit jungen Menschen neue Chancen, an diesem Wandel teilzuhaben. Sie begegnen dabei modernen Ausbildungswegen, einer umfassenden Verzahnung von Theorie und Praxis und anspruchsvollen Forschungsprojekten. Die staatlich anerkannte, private SRH Hochschule für Gesundheit ist Teil des bundesweiten Netzwerkes der SRH-Gruppe. In ihren Gesundheits- und Bildungseinrichtungen engagieren sich über 13.000 Beschäftigte und ebenso viele Studierende. Dieser Band gibt einen Rückblick auf das vergangene Jahrzehnt der Hochschule. Gleichzeitig berichtet er vom Aufbruch in eine Gesundheitswelt im Wandel. Vorgestellt werden die aktuell 15 Bachelor- und Masterstudiengänge in fünf verschiedenen Studienmodellen an sieben Standorten. Es werden Einblicke gegeben in Bachelor- und Masterthesen der vergangenen Jahre, sowie in aktuelle Forschungsprojekte. Viele kluge Köpfe hat die SRH Hochschule für Gesundheit für das Berufsleben qualifiziert. Im Wissen darum, dass innovative Bildung unersetzbar ist, werden viele weitere folgen.