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Kathrin Römisch, Vortrag Arbeit für Alle! Wie können gute Aktions-Pläne aussehen? Zusammen-Fassung in Leichter Sprache in:

Lars Bruhn, Jürgen Homann, Christian Judith, Anja Teufel (Ed.)

Inklusiver Arbeitsmarkt, page 154 - 193

Zwischen menschenrechtlichem Anspruch und vielfältigen Barrieren

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-3969-4, ISBN online: 978-3-8288-6857-1, https://doi.org/10.5771/9783828868571-154

Tectum, Baden-Baden
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154 Vortrag Arbeit für Alle! Wie können gute Aktions-Pläne aussehen? Kathrin Römisch Zusammen-Fassung in Leichter Sprache 155 Worum geht es in dem Vortrag? In dem Vortrag geht es um Aktions-Pläne. Sie erfahren: Wie sollen gute Aktions-Pläne aussehen? 1. Was bedeuten diese Fachwörter? 2. Der Aktions-Plan: Worauf sollen alle achten? 3. Was denken die Fachleute von den Disability Studies zu Behinderung? 4. Wie sehen fertige Aktions-Pläne aus? 5. Wir finden Aktions-Pläne-Machen gut. Kathrin Römisch arbeitet an der Hoch-Schule in Bochum. Sie is t Professorin für Heil-Pädagogik. Sie is t auch im Beirat vom Zentrum für Disability Studies in Bochum. Die Abkürzung für das Zentrum in Bochum is t: BODYS. 156 1. Was bedeuten diese Fachwörter? • Zentrum für Disability Studies • Inklusion • Behinderten-Rechts-Konvention • Aktions-Plan Disability Studies Das is t Englisch. Disability heißt auf Deutsch: Behinderung. Studies heißt auf Deutsch: Forschung. Forschung bedeutet: Wir denken viel über eine Sache nach. Und wir kennen uns gut aus mit einer bes timmten Sache. Wir sind Fachleute für das Thema Behinderung. Bei Disability Studies forschen wir zum Thema Behinderung. Das machen wir an der Hochschule. Das is t das Zentrum für Disability Studies. Inklusion Alle Menschen können mitmachen. Niemand wird ausgeschlossen. Alle Menschen gehören dazu: Menschen mit und Menschen ohne Behinderungen. Das is t auch auf dem Arbeits-Markt so. Das is t Inklusion.  157 Behinderten-Rechts-Konvention Deutschland hat 2009 einen wichtigen Vertrag unterschrieben. Der Vertrag heißt: die Behinderten-Rechts-Konvention. Ich sage zu dem Vertrag jetzt immer diese Abkürzung: BRK. Viele Länder auf der ganzen Welt haben die BRK unterschrieben. In der BRK geht es um die Rechte von Menschen mit Behinderungen. In dem Vertrag geht es ganz viel um Inklusion. Die Regierung soll sich an den Vertrag halten. Die Regierung soll sich s tark machen für die Inklusion und den Vertrag. Auch die Firmen auf dem Arbeits-Markt sollen etwas für Inklusion tun. Alle sollen sich um Inklusion kümmern.   158 Aktions-Plan Aber wie können wir das in Deutschland schaffen? Was genau gehört alles dazu? Dafür is t ein Plan gut. In einem Plan läss t sich alles genau aufschreiben. • Was ich alles schaffen will. Zum Beispiel: Inklusion in Deutschland. • Wie ich etwas schaffen will. • Und was alles wichtig is t dafür. Dieser Plan hat einen bes timmten Namen. Er heißt: Aktions-Plan.   159 Es gibt viele verschiedene Aktions-Pläne zur BRK. In der BRK s teht zwar nicht: Es muss Aktions-Pläne geben. Aber Aktions-Pläne sind wichtig. Es gibt den nationalen Aktions-Plan von der Regierung. Die Abkürzung is t: NAP. Dieser Aktions-Plan is t für ganz Deutschland. Die BRK soll überall in Deutschland gelingen. Deshalb hat die Regierung den NAP gemacht. Viele Bundes-Länder haben noch eigene Aktions-Pläne gemacht. Auch Firmen und Einrichtungen haben Aktions-Pläne gemacht. Von einer Firma erfahren Sie später noch mehr. Im Vortrag erfahren Sie mehr über Aktions-Pläne. Und was bei Aktions-Plänen wichtig is t. Worauf alle achten sollen. Kathrin Römisch hat auch darüber geredet: Was bisher nicht so gut gelungen is t bei den Aktions-Plänen zur BRK. Sie erfahren auch: Was wir von den Disablity Studies über Aktions-Pläne denken. Und welche Verbesserungen wir uns wünschen.   160 2. Der Aktions-Plan: Worauf sollen alle achten? Wenn ich einen guten Plan in der Hand habe: Dann hilft mir der Plan. Ich weiß, weiß ich tun soll. So is t das auch mit Aktions-Plänen. Das erklärt Kathrin Römisch auf den nächs ten Seiten genauer. Jetzt kommen wichtige Punkte für alle Aktions-Pläne. Daran sollen alle denken. In dem Plan soll etwas über die Probleme s tehen. Zuers t muss ich wissen: Wie is t es jetzt. • Ich muss die Probleme kennen. • Zum Beispiel: Menschen mit geis tiger Behinderung haben es besonders schwer. Sie bekommen selten einen Arbeits-Platz auf dem Arbeits-Markt. Wenn man Dinge besser machen möchte. Dann muss man vorher genau wissen: Was läuft schlecht.   161 Ich brauche klare Ziele. Das heißt: Was will ich alles schaffen? Was will ich erreichen? • Ich muss überlegen: Was soll sich verändern und besser werden? Dass muss ich in dem Plan aufschreiben. • Zum Beispiel: Menschen mit geis tiger Behinderung sollen leichter eine Arbeit auf dem Arbeits-Markt finden. Das sind meine Ziele. Die Ziele müssen klar sein. Dann kann ich mich gut an den Plan halten. Es soll auch kleine Teil-Ziele geben. Es soll auch ein Datum im Plan s tehen. Bis wann ein Ziel erreicht sein soll.   162 Wie will ich das schaffen? Ich muss mir eine Maßnahme für mein Ziel überlegen. Maßnahme bedeutet: Wie kann ich ein Ziel erreichen? Eine Maßnahme is t auch ein Programm für Hilfe vom Staat. Zum Beispiel: Für Menschen mit Behinderungen. Eine Maßnahme is t zum Beispiel: Das Budget für Arbeit. Budget spricht man so: Büd scheh. Ein Budget is t eine bes timmte Menge Geld. Das Budget für Arbeit is t für Beschäftigte aus einer Werks tatt für behinderte Menschen. Sie sollen so leichter in eine Firma wechseln können. Die Firma zahlt einen normalen Lohn. Eine Behörde zahlt einen Lohn-Zuschuss an die Firma.   →→ 163 Habe ich mein Ziel erreicht? Ich muss mein Ziel überprüfen können. Am Ende möchte ich wissen: Habe ich mein Ziel erreicht? Is t etwas jetzt wirklich besser? Wenn ich mein Ziel erreicht habe: • Was genau is t dann besser als vorher? • Was is t alles passiert und was is t anders als vorher? Zum Beispiel: Eine bes timmte Zahl von Menschen nutzt das Budget für Arbeit. Und die Zahl möchte ich bis zu einem bes timmten Datum erreichen.  → → 164 Es soll genaue Regeln für diese Überprüfung geben. Wir brauchen Regeln für diese Fragen: • Wie will man die Ziele überprüfen? • Wer kümmert sich um die Überprüfung? • Wann werden die Ziele überprüft? • Wie geht es danach weiter? In dem Aktions-Plan sollen klare Regeln für diese Fragen s tehen. In einem Aktions-Plan soll auch s tehen: Wie geht es danach weiter? Wer muss alles etwas tun bei der Maßnahme? Wer muss welche Dinge machen? Zum Beispiel: Wer soll das Geld bezahlen für das Budget? Und wie viel Geld gibt es dafür? Noch mehr is t wichtig für einen guten Aktions-Plan.   165 Alle sollen sich verantwortlich fühlen. An einem Aktions-Plan sollen alle wichtigen Personen mitarbeiten. Einen Aktions-Plan kann nicht nur eine Abteilung allein machen. Oder eine Arbeits-Gruppe in der Politik. So kann es kein guter Aktions-Plan werden. Alle sollen Ja zu dem Aktions-Plan sagen können. Dafür müssen alle Personen gut Bescheid wissen über den Plan. Wichtig is t auch: Die Geschäfts-Leitung muss sich s tark machen für den Aktions-Plan. Sons t gelingt der Plan nicht. Alle Menschen sollen sich beteiligen können. Deshalb muss der Aktions-Plan öffentlich sein. Das heißt: Alle Menschen können von dem Plan erfahren. Wenn eine Firma einen Aktions-Plan macht: Dann sollen alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ihre Meinung sagen können. Und in der Politik bedeutet das: Die Politiker und Politikerinnen fragen wichtige Vereine und behinderte Menschen: Was finden Sie wichtig für den Aktions-Plan? Die Menschen müssen vers tehen können: Warum der Aktions-Plan wichtig is t. Sons t gelingt der Plan nicht. 166 Alle Rechte aus der BRK sind wichtig. In der BRK s tehen viele Rechte von Menschen mit Behinderungen. Alle diese Rechte sind wichtig. Die Politiker und Politikerinnen müssen daran denken. Sie dürfen nicht bes timmte Rechte weglassen. Nur weil die Lösung für manche Probleme besonders schwer is t. Die Aktions-Pläne sollen sich an die BRK halten. Im Frühjahr 2015 hatte Deutschland Besuch vom Fachausschuss. Der Fachausschuss is t eine Gruppe von Fachleuten. Der Fachausschuss überprüft alle Länder: Wie gut die Länder sich um die BRK gekümmert haben. Und ob die Länder sich an den Vertrag halten. Der Fachausschuss war bei vielen Dingen besorgt. Deutschland soll sich besser um die Rechte von Menschen mit Behinderungen kümmern. Das gelingt noch nicht so gut. Der Fachausschuss hat alles aufgeschrieben. Der Bericht heißt: Abschließende Bemerkungen.   167 In dem Bericht s teht: Die vielen Aktions-Pläne sind zu unterschiedlich. Die Aktions-Pläne sollen ähnlicher sein. Und: Die Pläne halten sich zu wenig an die BRK. Aber die Pläne sollen zu dem Vertrag passen. Die Pläne sollen sich an die Rechte von behinderten Menschen halten. Aktions-Pläne dürfen auch unterschiedlich sein. Aber: Der Aktions-Plan muss sich an die Regeln von der BRK halten. Das is t ein sehr wichtiger Punkt für die Aktions-Pläne. Daran sollen alle denken. Leider gibt es damit noch Probleme.   168 Wichtige Lebens-Bereiche in der BRK In der BRK geht es um viele wichtige Lebens-Bereiche. Zu jedem Lebens-Bereich sind Regeln aufgeschrieben. Zum Beispiel: • Zur Arbeit • Zum Wohnen • Zur Freizeit • Zur Gesundheit Die Regeln heißen in der BRK: Artikel. In den Artikeln s tehen die Rechte von Menschen mit Behinderungen.   169 Welche Maßnahme soll in welchem Lebens-Bereich helfen? Das soll genau im Aktions-Plan s tehen. Wofür is t eine Maßnahme gut? Das is t in den Aktions-Plänen jetzt oft nicht klar. In Artikel 27 geht es um das Thema Arbeit. Alle sollen sich bei den Aktions-Plänen an den Artikel halten. Dort s teht zum Beispiel: Der Lohn soll für das eigene Leben ausreichen. Menschen mit Behinderungen sollen genug dafür verdienen können. Menschen mit Behinderungen sollen auf dem Arbeits-Markt arbeiten können. Zusammen mit nicht behinderten Menschen. Es soll dort gute Arbeits-Plätze für Menschen mit Behinderungen geben. Die Arbeits-Plätze sollen ohne Hindernisse sein. Alle sollen auf dem Arbeits-Markt die gleichen Chancen haben. Und es soll gleichen Lohn für gleiche Arbeit geben. Die Aktions-Pläne sollen sich auch an den Bericht vom Fachausschuss halten. Das heißt: Was in den Abschließenden Bemerkungen s teht. Der Fachausschuss hat Probleme herausgefunden: Was alles beim Thema Arbeit bis jetzt schlecht gelungen is t.  170 Was findet der Fachausschuss schlecht? 1. In Deutschland gelingt die Zusammen-Arbeit von behinderten und nicht behinderten Menschen auf dem Arbeits-Markt schlecht. Die Menschen werden getrennt in behindert und nicht behindert. Behinderte Menschen haben schlechte Chancen. 2. Wenn eine Firma Menschen mit Behinderungen eins tellt: Dann darf die Regierung eine Firma dafür belohnen. Die Regierung darf eine Firma auch mit Geld unters tützen. Und wenn in einer Firma zu wenig behinderte Menschen arbeiten: Dann darf die Regierung auch eine Geld-Strafe fes tlegen. Diese Maßnahmen können helfen. Aber das macht die Regierung falsch oder viel zu wenig. 3. Die Werks tatt soll die Menschen vorbereiten auf den Arbeits-Markt. Aber die Werks tatt schafft diese Aufgabe nicht. Die Werks tätten helfen den Beschäftigten dort nicht beim Wechsel auf den allgemeinen Arbeits-Markt.   171 Die Vorschläge vom Fachausschuss So kann Deutschland es besser machen. Die Regierung soll Regeln und Gesetze machen für Inklusion auf dem Arbeits-Markt. Die Regeln und Gesetze sollen zur BRK passen. Darum soll es in den Regeln und Gesetzen gehen: • Es soll mehr Arbeits-Plätze ohne Hindernisse geben. Besonders für behinderte Frauen soll es mehr Arbeits-Plätze geben. • Die Werks tätten sollen abgeschafft werden. Deutschland soll einen Plan dafür machen: Wie sollen die Werks tätten abgeschafft werden? Bis wann soll das passieren? Wenn Beschäftigte auf den Arbeits-Markt wechseln sollen: Dann sollen alle Vorteile davon haben. Die Menschen mit Behinderungen und die Firmen. Die Regierung soll sich dafür gute Ideen überlegen. Wie sie neue Arbeits-Plätze für behinderte Menschen belohnen kann.   172 • Beschäftigte können sich heute auf eine Rente verlassen. Manche Beschäftigten bekommen auch Grund-Sicherung. Wenn es keine Werks tätten mehr gibt: Dann soll dieses Geld nicht weniger werden. • Wie viele Arbeit-Plätze mit und ohne Hindernisse gibt es? Welche Hindernisse gibt es bei den Arbeits-Plätzen? Die Regierung soll das herausbekommen und aufschreiben.   → 173 Der Fachausschuss hat Deutschland überprüft. Das hat der Fachausschuss dabei gemerkt: Bei bes timmten Themen haben Deutschland und der Fachausschuss eine unterschiedliche Meinung. Das is t besonders beim Thema Werks tätten so. Deutsches Ins titut für Menschen-Rechte Das eben hat alles zu dem Thema Aktions-Pläne gehört. Das war ein Überblick über wichtige Punkte. So sollen Aktions-Pläne sein. Diese Punkte hat das Deutsche Ins titut für Menschen-Rechte überlegt. Das is t ein wichtiger Verein. Ein Ins titut is t ein Haus mit Büros. Dort arbeiten Menschen. Was sind Menschen-Rechte? Menschen-Rechte sind bes timmte Regeln. Wie alle gut zusammenleben können. Jeder Mensch hat Menschen-Rechte. Der Verein kennt sich sehr gut aus mit der BRK. Der Verein is t sehr wichtig für die BRK.   174 3. Was denken die Fachleute von den Disability Studies zu Behinderung? Die Arbeit von den Disability Studies war sehr wichtig für die BRK. Die Forscher und Forscherinnen haben viele Dinge überlegt. Und wir machen uns s tark für Rechte von Menschen mit Behinderungen. Viel davon s teht heute in der BRK aufgeschrieben. Zuers t möchte ich Ihnen etwas erklären. Was wir über Behinderung denken. Was is t eigentlich Behinderung? Dazu sagen wir von den Disability Studies: Behinderung hat mit der Gesellschaft zu tun. Die Gesellschaft: Das sind alle Menschen in einem Land. Gesellschaft auch: Wie ein Land is t. Hindernisse In der Gesellschaft gibt es viele Hindernisse. Die Hindernisse machen das Leben schwer für behinderte Menschen. Zum Beispiel: Treppen sind Hindernisse für Menschen mit Rolls tuhl. Schwere Sprache is t ein Hindernis für Menschen mit Lernschwierigkeiten.   175 Die Hindernisse im Kopf Manche Hindernisse sind auch nur in den Köpfen. Zum Beispiel wenn Menschen denken: Das können Menschen mit Behinderungen nicht. Das soziale Modell von Behinderung Wir von den Disability Studies denken: Das is t falsch. Wir denken anders über Behinderung. Behinderung hat mit der Gesellschaft zu tun. Menschen werden behindert von der Gesellschaft. Die vielen Hindernisse machen die Teilhabe so schwer. Das heißt in schwerer Sprache so: Soziales Modell. Modell bedeutet: Wie sich jemand etwas vors tellt. Wie etwas is t.   176 Medizinisches Modell von Behinderung Aber viele Menschen denken noch anders. Sie denken: Behinderung hat nur mit dem Menschen selbs t zu tun. Es hat mit dem Körper von dem Menschen zu tun. Und was jemand kann. Das heißt in schwerer Sprache so: Medizinisches Modell. Wir von den Disabilitiy Studies denken: Das medizinische Modell is t falsch. Aber das Denken verändert sich langsam.  177 Menschenrechtliches Modell von Behinderung In der BRK s teht auch etwas zu Behinderung. Dort s teht etwas Ähnliches wie beim sozialen Modell. Dort s teht aber noch mehr. Die BRK is t für viele Menschen mit Behinderungen auf der ganzen Welt. Es geht um die Menschen-Rechte von behinderten Menschen. Auf der ganzen Welt erleben behinderte Menschen Benachteiligungen. Das schwere Wort für Benachteiligung is t: Diskriminierung. Wegen der Benachteiligung geht es den Menschen schlecht. Das hat nichts mit ihrer persönlichen Beeinträchtigung zu tun. Es hat mit den Hindernissen in der Gesellschaft zu tun. Behinderte Menschen bekommen oft keine Menschen-Rechte. Es geht ihnen schlechter als einem Mensch ohne Behinderung. Aber: Alle Menschen haben Menschen-Rechte. Einfach so. Niemand muss dafür etwas tun. Niemand kann die Rechte wegnehmen. Diese Gedanken heißen in schwerer Sprache so: Menschenrechtliches Modell.   178 Teilhabe is t wichtig. In den Disability Studies finden wir noch andere Dinge wichtig. Menschen mit Behinderungen sollen überall mitreden. Sie sollen sich beteiligen können. Das heißt auch: Teilhabe oder Partizipation. Niemand soll über behinderte Menschen reden und entscheiden. Das is t wichtig in der Forschung und bei der Politik. Es soll keine Sonder-Welten mehr geben. Die Werks tatt is t zum Beispiel eine Sonder-Welt. Das is t eine Sonder-Welt bei der Arbeit. Werks tätten sollen abgeschafft werden. Die Trennung von Menschen mit und ohne Behinderungen is t schlecht. Wir sind gegen die Sonder-Welten für Menschen mit Behinderungen. Das is t Diskriminierung. Das verletzt die Menschen-Rechte von behinderten Menschen. Das is t auch wichtig für gute Aktions-Pläne. 179 3 Punkte von den Disability Studies Diese 3 Punkte sind auch wichtig für gute Aktions-Pläne. Daran sollen auch alle denken: 1. Alle Menschen mit Behinderungen sind wichtig. 2. Menschen mit Behinderungen sollen sich überall beteiligen können. 3. Neue Ideen sind wichtig: Wie wir Sonder-Welten abschaffen können.   180 1. Alle Menschen mit Behinderungen sind wichtig. Oft wird nur geschaut: Wer hat einen Schwerbehinderten-Ausweis. Aber es gibt noch viel mehr Menschen mit Behinderungen. Nicht alle haben einen solchen Ausweis. Deutschland soll nicht nur an bes timmte behinderte Menschen denken. ie Regierung soll beim Aktions-Plan nicht einen Teil der Menschen vergessen. Die Gefahr is t aber leider groß. Inklusion is t auch da für Menschen mit geis tiger Behinderung und für Menschen mit sehr schweren Behinderungen. Aber oft sagen Menschen: Für diese Gruppe können wir keine Inklusion machen. Das gelingt nicht. Aber das is t gegen die BRK. Die BRK und Inklusion is t für alle Menschen mit Behinderungen. Niemand darf sagen: Für eine Res t-Gruppe brauchen wir Sonder-Welten. Niemand darf einen Teil von behinderten Menschen ausschließen.   181 2. Menschen mit Behinderungen sollen sich überall beteiligen können. Menschen mit Behinderungen sind Fachleute in eigener Sache. Wenn eine Arbeits-Gruppe einen Aktions-Plan macht: Dann sollen behinderte Menschen deshalb von Anfang dabei sein. Menschen mit Behinderungen wissen am bes ten: Was hilft und was gut is t für sie selbs t. Und: Unterschiedliche Menschen mit Behinderungen sind wichtig. Ein gehörloser Mensch kann nicht für einen Menschen mit Lernschwierigkeiten sprechen. Und eine Rolls tuhl-Fahrerin kann nicht für einen blinden Menschen sprechen.   182 3. Neue Ideen sind wichtig: Wie können wir Sonder-Welten abschaffen? Es gibt die verschiedenen Sonder-Welten in Deutschland schon viele Jahre. Dort arbeiten und wohnen viele Menschen mit Behinderungen. Aber Menschen ohne Behinderungen arbeiten und wohnen anders. Das sind zum Beispiel Sonder-Welten: • Werks tätten und • Wohn-Heime. Dort arbeiten auch viele Menschen ohne Behinderungen. Zum Beispiel: Sozial-Pädagogen und Sozial-Pädagoginnen. Ihr Beruf is t wichtig für sie. Sie verdienen in den Sonder-Welten ihr Geld. Aber Menschen ohne Behinderungen arbeiten und wohnen anders. Kaum jemand aus der Sonder-Welt sagt: Wir schaffen uns jetzt selbs t ab. Viele haben auch Angs t. Sie sagen lieber: Die Inklusion soll zu unserer Sonder-Welt passen. Wir verändern die Inklusion ein bisschen. Aber dann is t es keine Inklusion mehr. Inklusion pass t nicht zu Sonder-Welten. Die Sonder-Welten schaden so der Inklusion. Wie lassen sich Sonder-Welten abschaffen? Das soll ein wichtiges Thema sein in den Aktions-Plänen. 183 4. Wie sehen fertige Aktions-Pläne aus? Frau Römisch hat wichtige Punkte für gute Aktions-Pläne gesagt: Worauf alle bei einem guten Aktions-Plan achten sollen. In Deutschland gibt es schon einige Aktions-Pläne. • Die Regierung hat schon den zweiten Aktions-Plan gemacht. Das is t ein Aktions-Plan für ganz Deutschland. Der zweite Plan heißt: Nationale Aktions-Plan 2.0. Die Abkürzung von diesem Aktions-Plan is t: NAP 2.0. • Auch Firmen machen Aktions-Pläne. Frau Römisch hat von einem Aktion-Plan berichtet. Zuers t geht es jetzt um den zweiten nationalen Aktions-Plan. Frau Römisch hat auch gesagt: Was den Disability Studies bei diesen Aktions-Plänen auffällt.   184 Der NAP 2.0 Der zweite Aktions-Plan von der Regierung is t viel besser als der ers te. Beim ers ten Plan waren Menschen mit Behinderungen wenig beteiligt. Bei vielen Maßnahmen war auch unklar: Wie genau sollen die Maßnahmen helfen. Im zweiten NAP s teht genauer geschrieben: Wie passen die Maßnahmen zu den Menschen-Rechten aus der BRK. Und es geht viel mehr um den Arbeits-Markt. Wie Menschen mit Behinderungen leichter eine gute Arbeit finden können. Das Budget für Arbeit Eine wichtige neue Maßnahme is t das Budget für Arbeit. Budget spricht man so: Büd scheh. Ein Budget is t eine bes timmte Menge Geld. Das Budget für Arbeit is t für Beschäftigte aus einer Werks tatt für behinderte Menschen. So können Beschäftigte die Werks tatt verlassen. Sie sollen so leichter in eine Firma wechseln können. Sie wechseln auf einen normalen Arbeits-Platz. Der Arbeits-Platz is t auf dem Arbeits-Markt. Die Firma zahlt einen normalen Lohn. Eine Behörde zahlt einen Lohn-Zuschuss an die Firma.   185 Wie gut is t der NAP 2.0? Das Ins titut für Menschen-Rechte lobt den zweiten Aktions-Plan. Aber das Ins titut sagt auch: Manche Sachen in dem Aktions-Plan sind schlecht. Es geht dabei zum Beispiel um die Werks tätten. Die Regierung soll mehr überlegen: Was gibt es außer der Werks tatt noch für Möglichkeiten? Das macht die Regierung viel zu wenig. Die Regierung fördert die Werks tätten weiter. Die Regierung will die Werks tätten nicht abschaffen. Das is t schlecht für die Inklusion und das is t gegen die BRK.   186 Die Disability Studies finden noch eine Sache schlecht: Im NAP s teht nichts zu Menschen mit sehr schweren Behinderungen. Wenn Menschen mit sehr schweren Behinderungen nicht in der Werks tatt arbeiten: Dann sind sie oft in Tages-Förder-Stätten. Im Gesetz heißen diese Menschen so: nicht werks tattfähig. Hamburger Landes-Aktions-Plan Das is t im Hamburger Landes-Aktions-Plan übrigens anders. Dort s teht etwas zu Menschen mit sehr schweren Behinderungen. Dort s teht: Die Hilfe für Menschen mit schweren Behinderungen soll besser werden. Sie sollen auch mehr aussuchen können. Es soll mehr verschiedene Möglichkeiten geben. Wie jemand mit sehr schweren Behinderungen leben kann. Menschen mit sehr schweren Behinderungen möchten auch gut leben.   187 Der Aktions-Plan von der Firma Boehringer Ingelheim Frau Römisch hat noch von einer Firma berichtet. Boehringer Ingelheim is t eine große Firma. Die Firma s tellt Medikamente her. Und die Firma forscht zu neuen Medikamenten. Die Firma hat einen guten Aktions-Plan gemacht. Die Firma möchte sich s tark machen für die BRK. Ziele Die Firma hat wichtige Ziele überlegt und aufgeschrieben. Alle können in dem Plan klar erkennen: Welches Ziel hat mit welchem Menschen-Recht aus der BRK zu tun.   188 Der Lebens-Bereich Arbeit In dem Aktions-Plan geht es viel um das Thema Arbeit. Aber es geht auch um andere Themen. Im Aktions-Plan s teht: Menschen mit Behinderungen sollen einen guten Arbeits-Platz haben. Es soll weniger Hindernisse am Arbeits-Platz geben. Die Firma möchte Inklusion bekannter machen bei allen Anges tellten. Die Anges tellten sollen etwas für ihre Gesundheit tun können. Das waren nur ein paar Beispiele. Die Firma bezieht alle Anges tellten mit ein. Und alle Abteilungen aus der Firma sind dabei. Alle Anges tellten bekommen regelmäßig Informationen.   189 Unterschiedliche Behinderungen sind wichtig. Die Firma denkt an unterschiedliche Menschen mit Behinderungen. Es geht nicht nur um Menschen mit einem Schwerbehinderten-Ausweis. Oft bekommen Menschen ers t später im Leben eine Behinderung. Und sie haben vorher schon in einer Firma gearbeitet. Das sind oft die einzigen behinderten Menschen in einer Firma. Neue Anges tellte mit Behinderungen sind wichtig. Die Firma möchte auch mit neuen Anges tellten mit Behinderungen zusammenarbeiten. Zum Beispiel: • Mit gehörlosen und mit blinden Menschen • Mit geis tig behinderten Menschen Das is t sehr gut in dem Aktions-Plan. 190 Was kann die Firma noch besser machen? Manche Dinge können bei den Firmen auch noch besser werden. Zum Beispiel: Menschen mit Behinderungen sollen noch besser mitmachen können. Oft sind sie nur am Anfang dabei bis der Plan fertig is t. Aber mitmachen is t auch später noch wichtig. Später sollen alle zusammen die Ziele überprüfen.   191 5. Wir finden Aktions-Pläne machen gut. Es soll Aktions-Pläne geben. Mit einem guten Aktions-Plan kann ich mich s tark machen. Das is t wichtig für Inklusion. Das is t wichtig für Rechte von Menschen mit Behinderungen. Wir müssen auch wirklich so leben! Es darf nicht nur auf dem Papier s tehen. Wir müssen das wirklich so machen. Es sollen genau im Plan s tehen: • Was wollen wir tun. • Und wie können wir das überprüfen: Ob unser Ziel gelungen is t. Manchmal s tehen im Plan auch alte Sachen. Was es sowieso schon gibt. Das is t auch schlecht.   192 Warum sind Aktions-Pläne in Firmen noch gut? Das is t aus einem Handbuch vom Minis terium für Arbeit und Soziales. Gute Anges tellte sind wichtig. Es gibt immer mehr ältere Menschen in Deutschland. Es gibt mit der Zeit immer weniger Fachleute in den Firmen. Die Firmen brauchen deshalb gute Anges tellte. Menschen mit Behinderungen sind gute Anges tellte. Nachdenken über Inklusion und Behinderung is t deshalb immer wichtiger. Zusammen gute Erfahrungen machen Einen Aktions-Plan machen is t eine spannende Sache. Die Menschen spüren dadurch neue Kraft. Das fühlt sich gut an. Bei einem Aktions-Plan arbeiten unterschiedliche Anges tellte zusammen. Die Menschen fühlen sich dadurch mehr miteinander verbunden. Die Menschen finden dann auch ihre Firma noch besser. Gute Werbung für die Firma Die Firma sagt damit: Wir haben viel über Behinderungen nachgedacht. Wir vers tehen die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen gut. Vielleicht bekommt die Firma so auch neue Kunden. Denn Menschen mit Behinderungen sind auch Kunden.

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References

Zusammenfassung

In Artikel 27 des Übereinkommens über die Rechte von Menschen mit Behinderungen der Vereinten Nationen bekennen sich die Vertragsstaaten dazu, einen „inklusiven Arbeitsmarkt“ herzustellen. Wie ist es darum bestellt? Was kann dazu beitragen, diesen menschenrechtlichen Anspruch zu fördern? In Kooperation mit „umdenken Heinrich-Böll-Stiftung Hamburg e.V.“ hat das Zentrum für Disability Studies (ZeDiS) hierzu am 16. September 2016 eine Tagung in Hamburg ausgerichtet. Dabei war der Anspruch der Inklusion für die Tagung selbst maßgeblich. Beides, sowohl Beiträge zum Thema als auch die inklusive Gestaltung der Tagung, dokumentiert das vorliegende Buch. Es beinhaltet Beiträge in Standard- bzw. wissenschaftlicher Sprache, Leichter Sprache sowie Einfacher Sprache.