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Einführung in:

Wolf H. Birkenbihl

Maximilian I., page 1 - 4

Kaiser zwischen Traum und Wirklichkeit

1. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-4301-1, ISBN online: 978-3-8288-7216-5, https://doi.org/10.5771/9783828872165-1

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
Einführung Maximilian I., der zweite Habsburger auf dem römisch-deutschen Kaiserthron, kann aufgrund seiner komplexen und zugleich so widersprüchlichen Persönlichkeit schwerlich für einen durchschnittlichen Charakter seiner Epoche gehalten werden. Er ist mit Sicherheit eine der faszinierendsten Gestalten an der Wende zur Neuzeit und markiert in der Ahnenreihe der habsburgischen Herrscher eine deutliche Zäsur. Das Bild des Kaisers in der Geschichte wurde seit jeher, insbesondere aber seit dem 19. Jahrhundert, durch unterschiedlichste Betrachtungsweisen geprägt. Dies hat in erster Linie politische und weniger wissenschaftliche Gründe. Die Politik Maximilians, seine Erfolge wie auch die mitunter durchaus kontroversen Entscheidungen dieses Monarchen, wurden von Historikern entweder stark glorifizierend oder aber extrem abwertend dargestellt. Lange Zeit blieb die Persönlichkeit des Kaisers dessen eigenem, von ihm initiierten, Bild- und Literaturwerk verhaftet.1 Bedeutenden Künstlern seiner Zeit, wie etwa Albrecht Dürer, Bernhard Strigel oder Hans Burgkmaier, hatte Maximilian den Auftrag erteilt, die wesentlichen Ereignisse seines Lebens mit Hilfe entsprechender Bildfolgen in Szene zu setzen und auf diese Weise seine Taten zu verbreiten. Für die bildliche Ausstattung seiner beiden autobiographischen Schriften, dem „Weißkunig“2 und dem „Theuerdank“3, verpflichtete er neben hochrangigen Künstlern auch Druckwerkstätten ersten Ranges. Maximilian zeigte sich so als maßgeblicher 1 Manfred Hollegger: Maximilian I. (1459-1519). Herrscher und Mensch einer Zeitenwende, Stuttgart 2005, S. 256-257 2 Marx Treitzsaurwein: Der Weiß Kunig. Eine Erzehlung von den Thaten Kaiser Maximilian des Ersten. Von Marx Treitzsaurwein auf dessen Angeben zusammengetragen, nebst den von Hannsen Burgmair dazu verfertigten Holzschnitten. Herausgegeben aus dem Manuscripte der kaiserl. königl. Hofbibliothek, Wien 1775 3 Melchior Pfintzing (Hrsg.): Die geuerlicheiten und eins teils der geschichten des loblichen streytparen vnd hochberümbten helds und Ritters herr Tewrdanncks, Nürnberg 1517 1 Förderer dieser zu jener Zeit immer noch verhältnismäßig neuen Form der bereits auch medial genutzten Vervielfältigung und Verbreitung in Gestalt eines Buches oder Flugblattes. Es war dem Kaiser durchaus daran gelegen, ein populäres Bild seiner selbst unter das Volk zu bringen. Als besonders wegweisend für die Geschichtsschreibung sollte sich der von dem Augsburger Kaufmann und Bankier Johann Jakob Fugger in Auftrag gegebene „Ehrenspiegel“ zur Verherrlichung des Hauses Habsburg erweisen, der unter dem Titel „Oesterreichisch Ehrenwerkh“4 publiziert wurde. Dieses maßgeblich von Clemens Jäger, dem professionellen Geschichtsschreiber der Stadt Augsburg, verfasste, zwischen 1555 und 1559 erschienene zweibändige Werk, setzte dem Kaiser im zweiten Teil, rund 40 Jahre nach dessem Tod, ein anspruchsvoll gestaltetes literarisches Denkmal. Der Nürnberger Dichter Sigmund von Birken bearbeitete diese Schrift von Grund auf und brachte sie im Jahre 1668 unter dem Titel „Spiegel der Ehren des Erzhauses Österreich“5 neu heraus. Eben diese Publikation sollte für das heroisch geprägte Maximiliansbild, das bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts bestand, richtungsweisend sein. Das in den Jahren 1884 und 1891 erschienene, zweibändige Werk des Greifswalder Professors Heinrich Ulmann „Kaiser Maximilian I.“6 ist aufgrund seines Materialreichtums bereits als Ausgangspunkt für jede ernsthafte Maximiliansforschung anzusehen. Erst im 20. Jahrhundert konnte sich letztlich eine weitgehend objektive und kritische Sichtweise des Lebens und Wirkens dieses bedeutenden Habsburgers durchsetzen. Als Standardwerk zu Maximilian I. und seiner Zeit kann wohl bis heute die von dem österreichischen Historiker Hermann Wiesflecker verfasste, zwischen 1971 und 1986 veröffentlichte, fünfbändige Ausgabe „Kaiser Maximilian I. Das Reich, Österreich und Europa an der Wende zur Neuzeit“7 gelten. 4 Clemens Jäger: Oesterreichisch Ehrenwerkh, 2 Bde., Innsbruck 1555, 1559 5 Sigmund von Birken (Bearb.): Spiegel der Ehren des Hoechstloeblichsten Kayserund Koeniglichen Erzhauses Oesterreich: oder Ausführliche GeschichtSchrift von Desselben, und derer durch Erwählungs-, Heurat-, Erb-, u. Glücks-Fälle ihm zugewandter Käyserlichen HöchstWürde, Königreiche […], Nürnberg 1668 6 Heinrich Ulmann: Kaiser Maximilian I. Auf urkundlicher Grundlage dargestellt, 2 Bde., Suttgart 1884, 1891 7 Hermann Wiesflecker: Kaiser Maximilian I. Das Reich, Österreich und Europa an der Wende zur Neuzeit, 5 Bde., München 1971-1986 Einführung 2 Persönlichkeit und Taten des Kaisers werden in dieser Biographie detailliert untersucht. Vorliegende biographische Darstellung zu Maximilian I. will die einzelnen Lebensstationen dieses Monarchen in chronologischer Reihenfolge nachzeichnen. Dessen Handeln war klar auf Expansion ausgelegt, sowohl mit kriegerischen Mitteln als auch durch vorausschauende Heiratsdiplomatie. Ein Großteil seiner Regierungszeit sollte allerdings zweifellos durch Unternehmungen an diversen Kriegsschauplätzen geprägt sein, die in der nachfolgenden Lebensbeschreibung unweigerlich im Vordergrund stehen. Aber auch die Interessen und Wesensmerkmale dieses Kaisers, die seine Persönlichkeit letztlich ausmachten, finden hierbei Erwähnung. Einführung 3

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Zusammenfassung

Maximilian I., der zweite Habsburger auf dem deutschen Kaiserthron, als Nachfolger seines Vaters Friedrich III. 1459 in Wiener Neustadt geboren, 1486 in Frankfurt am Main zum römisch-deutschen König gewählt und in Aachen gekrönt, seit 1493 Alleinherrscher im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, 1508 zum „Erwählten Römischen Kaiser“ proklamiert – dieser Maximilian ist mit Sicherheit eine der faszinierendsten Gestalten an der Wende zur Neuzeit.

Er war Ritter und moderner Herrscher zugleich, Krieger und Visionär. Er schätzte Turniere und war stolz auf seine konkurrenzlose Artillerie, mit der er Städte und Länder eroberte. Sein politisches Streben war von Anfang an klar auf Expansion ausgelegt, sowohl mit kriegerischen Mitteln als auch durch vorausschauende Heiratspolitik.