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Reichstag zu Freiburg 1497/98 und Feldzug gegen Hochburgund in:

Wolf H. Birkenbihl

Maximilian I., page 69 - 72

Kaiser zwischen Traum und Wirklichkeit

1. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-4301-1, ISBN online: 978-3-8288-7216-5, https://doi.org/10.5771/9783828872165-69

Tectum, Baden-Baden
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Reichstag zu Freiburg 1497/98 und Feldzug gegen Hochburgund Aufgrund der mehr als schlechten Erfahrungen, die Maximilian mit den Reichsständen auf beiden vorangegangenen Reichstagen gemacht hatte, begegnete er den Versammelten auf dem Reichstag zu Freiburg, der vom 28. September 1497 bis zum 4. September 1498 tagte, unter Rügen und Drohungen, mit der entschiedenen Forderung, ihm endlich ohne Umschweife die beschlossene aber bis dato nicht ausbezahlte Reichshilfe – „die hulf der 150 000 gulden“194 – zukommen zu lassen. Diese Gelder beabsichtigte der König für einen erneuten Feldzug gegen Frankreich einzusetzen.195 Angesichts der kontraproduktiven Haltung der Reichsfürsten hatte Maximilian um die Jahreswende 1497/98 als oberste Regierungs- und Gerichtsbehörde seinen eigenen Reichshofrat eingerichtet, um auf diese Weise die Einflussnahme der Stände soweit wie möglich umgehen zu können. Dieser Hofrat sowie die ihm zugeordnete Hofkammer und Hofkanzlei sollten ihren Sitz fortan in Innsbruck haben. Aufgabe dieser neuen Einrichtung war sowohl die Bearbeitung von Angelegenheiten des Reiches als auch der österreichischen Erblande. Von der neuen Hofratsordnung, die ohne Zustimmung der Reichsstände eingeführt worden war, schien man auf dem Freiburger Reichstag anscheinend bereits noch vor Eintreffen Maximilians Kenntnis gehabt zu haben, denn die versammelten Fürsten reagierten, wenn auch zunächst noch zurückhaltend, erbost auf diese eigenmächtige Neuregelung. Die Stimmung auf diesem Reichstag schien 194 Aus dem Protokoll des brandenburgischen Gesandten auf dem Freiburger Reichstag vom 26. Juni 1498, zit. nach: Inge Wiesflecker-Friedhuber (Hrsg.): Quellen zur Geschichte Maximilians I. und seiner Zeit, Darmstadt 1996, S. 96 195 Dieter Mertens: „Uß notdurften der hl. cristenheit, reichs und sonderlich deutscher nation“. Der Freiburger Reichstag in der Geschichte der Hof- und Reichstage des späten Mittelalters, in: Hans Schadek (Hrsg.): Der Kaiser in seiner Stadt. Maximilian I. und der Reichstag zu Freiburg 1498, Freiburg im Breisgau 1998, S. 33, S. 38 69 ohnehin eher gereizt gewesen zu sein. Alle Anwesenden machten dem König den ihrer Ansicht nach vollkommen mißglückten Feldzug in Italien zum Vorwurf, den sie als große Torheit bezeichneten, ihrerseits aber von Anfang an mit Erfolg behindert hatten.196 Beratungen über die Fortführung innerer Reformen kamen nicht zustande, da man in erster Linie über die Geldforderungen Maximilians debattierte. Nach zähen Verhandlungen erzwang der König immerhin die Auszahlung einer geringen Summe aus dem Gemeinen Pfennig. Von einem erneuten Feldzug gegen Frankreich erhoffte sich Maximilian die Rückeroberung ganz Burgunds, das er dauerhaft dem Einflussbereich seines Hauses unterstellen wollte.197 Mit rund 20.000 Mann stieß der Habsburger im Sommer 1498 kurzentschlossen gegen Hochburgund und die Champagne vor, wobei ihn der Mailänder Herzog, Ludovico Moro, finanziell ganz wesentlich unterstützte. Ein großangelegter Gegenschlag der Franzosen warf das Reichsheer allerdings bis an die Grenzen der im Besitz der Habsburger befindlichen Freigrafschaft Burgund zurück. Trotz eifriger Unterstützung der Reichsarmee durch die Elsässer war schon bald nicht mehr an eine Fortsetzung des Kampfes zu denken, da es an Geldmitteln fehlte, um den Truppen Sold auszubezahlen. Zudem forderte das immer schlechter werdende Wetter mit Beginn des Herbstes seinen Tribut und ließ nicht mehr auf mögliche Erfolge hoffen. Maximilian sah sich genötigt, einen Waffenstillstand mit Frankreich zu schliessen, der für die nächsten Jahre Bestand haben sollte. Einen Friedensschluss ohne Rückgabe ganz Burgunds lehnte er entschieden ab. Dessen ungeachtet hatte sein Sohn Philipp, Erbherzog der habsburgischen Teile Burgunds, bereits am 20. Juli 1498 – sehr zum Ärger des Vaters – einen Separatfrieden mit dem seit April jenen Jahres regierenden französischen König Ludwig XII. geschlossen.198 Philipp handelte ganz im Sinne seiner burgundischen Räte, die auf einen friedlichen Ausgleich mit Frankreich bedacht waren. Ende Oktober 1498 traf Maximilian mit seinem Sohn in Brüssel zusammen, um ihm ins Gewissen zu reden und ihm vor allem das französische Bündnis auszureden. Philipp war indes nicht gewillt, von seiner französischen Sonderpolitik abzuweichen. 196 Wie Anm. 195, S. 40, S. 46 197 Ebd., S. 49-50 198 Hollegger: Maximilian I., S. 102, S. 104 Reichstag zu Freiburg 1497/98 und Feldzug gegen Hochburgund 70 Einzig erfreuliches Erlebnis für den König am Hof seines Sohnes in Brüssel dürfte die Geburt seiner Enkelin Eleonore gewesen sein. In melancholischen Stunden hatte Maximilian bereits das Aussterben seines Hauses befürchtet.199 Um die Kräfte des Habsburgers in Burgund zu binden und ihn bis auf weiteres – ungeachtet des bestehenden Waffenstillstandes – von Frankreich abzulenken, hatte Ludwig Truppeneinheiten nach Geldern entsandt, da er Karl von Egmond bei dessen Kampf um die Unabhängigkeit seines Herzogtums vom Reich zu unterstützen gedachte. Dieses Ablenkungsmanöver war tatsächlich erfolgreich, denn Maximilian zog noch im November 1498 von Brüssel nach Geldern, um dieses Herzogtum am Niederrhein, das sich stets gegen ihn aufgelehnt hatte, zu unterwerfen. Es gelang ihm zwar, in den Wintermonaten 1498/99 einige Städte und Festungen zu erobern, ein endgültiger Erfolg blieb ihm hier jedoch verwehrt, da sich der Monarch aufgrund des zwischenzeitlich ausgebrochenen Schweizer- und Schwabenkrieges gezwungen sah, den Feldzug abzubrechen sowie Geldern zu verlassen. Karl von Egmond konnte die verlorenen Gebiete mit französischer Waffenhilfe gänzlich zurückerobern.200 199 Heinz Noflatscher: Stereotype und Fremdbilder im politischen Verhalten Maximilians I.. in: Johannes Helmrath, Ursula Kocher, Andrea Sieber (Hrsg.): Maximilians Welt. Kaiser Maximilian I. im Spannungsfeld zwischen Innovation und Tradition, Göttingen 2018, S. 177, S. 180 200 Wie Anm. 198, S. 104-104 Reichstag zu Freiburg 1497/98 und Feldzug gegen Hochburgund 71

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Zusammenfassung

Maximilian I., der zweite Habsburger auf dem deutschen Kaiserthron, als Nachfolger seines Vaters Friedrich III. 1459 in Wiener Neustadt geboren, 1486 in Frankfurt am Main zum römisch-deutschen König gewählt und in Aachen gekrönt, seit 1493 Alleinherrscher im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, 1508 zum „Erwählten Römischen Kaiser“ proklamiert – dieser Maximilian ist mit Sicherheit eine der faszinierendsten Gestalten an der Wende zur Neuzeit.

Er war Ritter und moderner Herrscher zugleich, Krieger und Visionär. Er schätzte Turniere und war stolz auf seine konkurrenzlose Artillerie, mit der er Städte und Länder eroberte. Sein politisches Streben war von Anfang an klar auf Expansion ausgelegt, sowohl mit kriegerischen Mitteln als auch durch vorausschauende Heiratspolitik.