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2. John Maynard Keynes: Vom provisorischen und vom definitiven Rezept gegen die Arbeitslosigkeit in:

Johann Ulrich Schlegel

Feuersignale der Menschheit, page 23 - 30

Wie das Beispiel zum Lehrmeister der Geschichte wird

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4078-2, ISBN online: 978-3-8288-6927-1, https://doi.org/10.5771/9783828869271-23

Tectum, Baden-Baden
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John Maynard Keynes: Vom provisorischen und vom definitiven Rezept gegen die Arbeitslosigkeit "Auf lange Sicht sind wir alle tot." John Maynard Keynes Vor rund 70 Jahren, am 21. April 1946, starb John Maynard Keynes. Was Karl Marx für die Sozialisten, ist John Maynard Keynes für die libe‐ ralen Kapitalisten und Ökonomen. Im selben Jahr, als Marx starb, wurde Keynes, der als der bedeutendste Nationalökonom in die Geschichte des 20. Jahrhunderts eingehen sollte, am 5. Juni 1883 in Cambridge als Spross einer angesehenen Familie geboren. Seine Mutter, die Tochter ei‐ nes Pfarrers, war Bürgermeisterin von Cambridge und sein Vater Kanz‐ ler der Universität und gleichfalls Nationalökonom. Lernen am Beispiel: Werdegang eines prophetischen Genies Keynes stammt also aus der "Belle Epoque", lernte ihre gesellschaftli‐ chen Sonnenseiten kennen und durchlief den ebenso klassischen wie mustergültigen englischen Bildungsweg in Eton und am King's College in Cambridge. Er studierte Mathematik und Philosophie, und sein Wunsch war, Professor für Philosophie zu werden. Vorerst aber tat er Dienst im Indien-Ministerium, ohne sein Ziel einer akademischen Laufbahn aus den Augen zu verlieren. Er erreichte es in der Tat, aber statt für Philosophie wurde er für das Fach Nationalökonomie berufen. Die Menschen lieben es nur sehr wankelmütig, qualifizierte Leute un‐ ter sich zu wissen. Mochte dieser von Energie und geistiger Genialität sprühende Kopf auf ein Geleise abgeschoben werden, auf dem er sich nicht auskannte. Ähnlich dem grössten Psychologen des 20. Jahrhun‐ derts, dem Arzt Sigmund Freud, wurde auch Keynes, der grösste Öko‐ nom dieses Jahrhunderts, zu welchem er sich gerade durch diese Ver‐ 2. 23 bannung aus der Philosophie im vermeintlichen Nebengeleise auf‐ schwang, nie ordentlicher Professor. Man kann sagen, er eignete sich die Kenntnisse nicht durch ein reguläres Studium, sondern durch das Leben an, holte alle ordentlichen Professoren der Ökonomie ein, um sie schliesslich – einsam an der Spitze – weit hinter sich zu lassen. Die Gesamtausgabe aller bis heute erschienenen Schriften von Keynes um‐ fasst 30 dicke Bände. Diese Leistung ist gewaltig für einen Mann, der nur gut 60 Jahre alt wurde und seit seinem 57. Altersjahr schwer krank war. Dazu ging Keynes so vielfältigen Neigungen nach wie Philosophie, Kunst, Publizistik – er war Herausgeber einer Zeitung – und der Ver‐ mögensverwaltung, in welcher er äusserst geschickt war und mit der er sich eine völlige finanzielle Unabhängigkeit sicherte. Mit rund 40 Jahren verliebte sich Keynes in die sowjetrussische Tänzerin Lydia Lopokowa, die er im Ballett-Ensemble Serge Diaghi‐ lews in London kennengelernt hatte. Nach beträchtlichen Schwierig‐ keiten heirateten sie im Sommer 1925 in Cambridge. Ihre Hochzeits‐ reise führte in die Heimat seiner russischen Frau, deren sozialistisches System er scharf angriff. Der Mut des Meisters 1919 hatte ihn die britische Regierung als Leiter der Delegation des Schatzamtes an die Verhandlungen des Friedens von Versailles ge‐ schickt. Über die Vorstellungen Englands, wie hohe Reparationsleis‐ tungen Deutschland zahlen sollte, hatte er eigene Berechnungen ange‐ stellt, und diese zeigten ihm, dass Deutschland niemals so hohe Zah‐ lungen aufzubringen vermöchte. Keynes resignierte und schrieb in einem zornigen Brief an den Premierminister: "Hier kann ich nichts mehr nützen. Selbst in diesen letzten grässlichen Wochen habe ich noch gehofft, dass Sie eine Möglichkeit finden würden, einen gerechten und brauchbaren Vertrag zustande zu bringen. Doch dafür ist es jetzt offensichtlich zu spät. Die Schlacht ist verloren. Ich überlasse es Ihren Leuten, sich an der Verwüstung Europas zu weiden. …" Das war der Kassandra-Ruf dieses Überwachen, Sehenden unter den Blinden, der erkannte, dass furchtbares Unheil über die Welt her‐ einbrechen würde, wenn jetzt die Gier der Sieger, masslos Deutschland 2. John Maynard Keynes: Vom provisorischen und vom definitiven Rezept gegen die Arbeitslosigkeit 24 auszusaugen, ihren freien Lauf nähme. Das Erstarken des Nationalso‐ zialismus, seine raschen Erfolge und die furchtbare Entwicklung des Zweiten Weltkrieges hatten hier mit Keynes einen Propheten gefunden. Aber dieser galt nichts in seinem eigenen Lande. Und so nahm das Schicksal seinen unabwendbaren Fortgang. Aber Keynes Empörung war nicht verraucht. Gleichsam mit einem Donnerschlag ins Antlitz des selbstzufriedenen, bigotten viktoriani‐ schen Establishments schleuderte er noch im selben Jahr das zornige Buch auf den Markt, welches schonungslos auf die Gefahr des Ver‐ sailler Vertragswerkes hinweist: "The Economic Consequences of the Peace". Mitten aus dem liberalen, kapitalistischen Lager heraus be‐ gründete hier einer, dass die Fundamente der Vorkriegsgesellschaft zerbrochen seien und man demzufolge sich nicht mehr auf sie zu stüt‐ zen vermöchte. Keynes sprach dabei von der veränderten Sozialstruk‐ tur, dem Ende der internationalen Arbeitsteilung, dem Wetterleuchten des Sozialismus, der Unbeständigkeit der Goldwährung und dem Ver‐ lust des Glaubens an einen automatischen wirtschaftlichen Fortschritt. Mit einem Mal wurde Keynes international berühmt und national be‐ rüchtigt. Für den Staatsdienst hatte er sich vorläufig disqualifiziert, ob‐ wohl insgeheim die massgeblichen Persönlichkeiten sehr wohl sahen, wie recht er hatte; nur durfte ein englischer Politiker es nicht wagen, solche Wahrheiten auszusprechen. Denn sie wären nicht verstanden worden. Das Hauptwerk als Ausgangspunkt Das Hauptwerk von Keynes, die "Allgemeine Theorie", erschien 1936. Die grosse Weltwirtschaftskrise hatte ihren tiefsten Punkt überschrit‐ ten, aber ihre Folgen von Rezession, anhaltender Massenarbeitslosig‐ keit, Preisverfall und völligem Versagen der gemäss klassischer Lehre angenommenen Selbstheilungskräfte dauerten fort. Die Völker flüchte‐ ten sich in nationale Konjunkturprogramme und nationales Autarkie‐ streben: In Amerika siegte Roosevelt über die Republikaner, in Eng‐ land finden wir die starke nationale Konzentration unter MacDonald, und Deutschland erstarrte im Block des Nationalsozialismus. Das Hauptwerk als Ausgangspunkt 25 Genau hier hakte nun das epochale Werk von Keynes ein. Es führ‐ te zu der Revolution im ökonomischen Denken des 20. Jahrhunderts. Keynes griff die herkömmliche, ökonomische Theorie frontal an, die glaubte, dass es "in der kapitalistischen Gesellschaft Mechanismen ei‐ nes automatischen Ausgleichs gäbe, die von selbst zur Vollbeschäfti‐ gung von Menschen und Material führten." Massen wie Eliten müssen geworben werden Dabei war Keynes auch ein sehr geschickter Verkäufer seines Werkes: Er stufte alles, was vor ihm war, als Klassik ein, und zwar unter der ne‐ gativen Färbung, es sei altmodisch. Ausserdem verbreitete er den An‐ schein, alle wesentlichen neuen Erkenntnisse stammten von ihm. Des‐ halb musste er heftige Vorwürfe einstecken, und er entschuldigte sich, er habe damals ebenfalls bedeutende skandinavische Ökonomen nur schwer lesen können. Das Hauptziel jedoch war erreicht, Keynes stand wie eine Sonne unter weit entfernten Sternen im Rampenlicht, und er setzte sich und seine neue Theorie durch. Dabei war er in seinem über‐ fallartigen Angriff auf alle bisherige ökonomische Theorie der festen Meinung, dass mit der Beschreitung neuer Wege die Vollbeschäftigung wieder erreicht werden könne. Ein "Laisser-faire" der Kräfte würde zwar mit der Zeit ein neues Gleichgewicht schaffen. Es wäre aber ein makabres Gleichgewicht mit langandauernder Unterbeschäftigung und Arbeitslosigkeit. Elemente und Feststellungen, um aus der Krise herauszukommen Mittels einer gut aufeinander abgestimmten Geld- und Fiskalpolitik könne jedoch, so die Überlegung von Keynes, unfreiwillige Arbeitslo‐ sigkeit vermieden werden. Aber in welchem Moment und wie soll der Staat eingreifen? Wesentlich ist die Art und Dauer der Einpendelung eines Gleichgewichts. Es stellt sich bei einem "Laisser-faire" die Frage nach dem Preis hierfür. Wie lange können wir warten? Den Preis er‐ kennen wir an den Kosten auch der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Dimension. Sie hiessen beispielsweise Faschismus, eine ho‐ 2. John Maynard Keynes: Vom provisorischen und vom definitiven Rezept gegen die Arbeitslosigkeit 26 he Zunahme der Verbrechen oder schwerer kultureller Niedergang. Berühmt und ein geflügeltes Wort von Keynes wurde: "Auf lange Sicht sind wir alle tot." Er schätzte den Preis als sehr hoch ein. Wenn wir nicht handeln, lassen wir den Lebenssinn und damit die wahrhaft kostbare Lebenszeit ungenutzt verstreichen. Das Horazische "Carpe diem" (Nütze den Tag), positiv ausformuliert, wird somit zu einem Leitgedanken im System von Keynes. Den einen wichtigen Grund für seine Feststellungen fand Keynes in der sogenannten Zinstheorie. Er argumentierte, dass die Zinssen‐ kungstendenzen in der Rezession durch Verlagerung des Kapitals in Aktien das Investitionspotential wegen des spekulativen Charakters gefährden könnten. Das Problem besteht, dass Gelder, mit denen sonst investiert würde, in einer Art Casino-Kapitalismus ins Leere laufen. Produktion und Beschäftigung nehmen ab. Keynes lässt keinen Zweifel darüber, dass er für diese Entwicklungsstufe des Kapitalismus wenig Sympathie hegt: "Wird die Kapitalentwicklung eines Landes zum Neben‐ erzeugnis der Tätigkeit eines Spielsaales, dann wird die Arbeit voraus‐ sichtlich schlecht getan werden." Die zwei Spiralen Der andere wichtige Grund liegt gemäss Keynes im Niveau des Wohl‐ standes der Arbeitnehmer. Jedes Einkommen, das in der Wirtschaft er‐ zielt wird, bringt andere Einkommen hervor. Selbst der Sparer schafft Beschäftigung im Bankbereich, und die Bank ermöglicht hierauf mit diesen Geldern durch Kreditgewährung abermals neue Investitionen in Betrieben, die weitere Leute beschäftigen können. Die Konjunktur‐ spirale weist nach oben. Wenn die Einkommen in der Krise schmäler werden, wird weniger konsumiert. Der Konsumationsrückgang vernichtet zusätzliche Ar‐ beitsplätze. Die Spirale dreht sich nach unten. Wir haben es mit einem sogenannten negativen Einkommensmultiplikator zu tun. Mit Keynes gelangten alle Industriestaaten der westlichen Welt zur Auffassung, es bestehe die Möglichkeit zur Steuerung der Konjunktur. Bis in die frühen neunzehnhundertachtziger Jahre glaubte man fest: Krisen gehörten der Vergangenheit an. Der psychologische Aspekt Die zwei Spiralen 27 scheint dabei sehr wesentlich. Es ist gerade das Gefühl der Zuversicht und eines Glaubens an Sicherheit und Wohlstand, der zu einem lang‐ andauernden Aufschwung beigetragen und das Wohlstandsniveau ge‐ sichert hat. Wann endet das goldene Zeitalter? Die Frage tauchte schon früh auf, ob dieses Zeitalter eines Keynes vor‐ über sei. Milton Friedman, Monetarist und als Wortführer in der spä‐ teren Gegenbewegung zum Keynesianismus stehend, formulierte aber trotzdem unverhofft und erneut: „Wir sind alle Keynesianer“. Denn Friedman kam zum Schluss, dass eine blosse Steuerung der Wirtschaft über die Kontrolle der Geldmenge erst nach sehr langer Zeit von 5 bis 10 Jahren positive Resultate erbringe. Eine verantwortungsvolle Staatsführung kann sich keine so lange Rezessionsphase leisten. Die Nixon-Regierung in den USA ist denn auch nach einer nur kurzen Zeit monetaristisch orientierter Politik wieder davon abgerückt. Zwi‐ schen 1982 und 1983 hat das Repräsentantenhaus in den Vereinigten Staaten mit grossem Mehr ein Arbeitsbeschaffungsprogramm in Milli‐ ardenhöhe beschlossen. Ebenso wurde die deutsche Regierung in die Pflicht genommen, als in den achtziger Jahren die Arbeitslosenzahlen zu steigen begannen. Die Arbeitslosigkeit ist in allen entwickelten Ländern zu einem Hauptproblem der Gesellschaft geworden. Allein in der OECD er‐ reicht das Massenheer der Arbeitslosen heute rund 50 Millionen Men‐ schen. 1970 bis 1975 nahm in Deutschland die Zahl der Arbeitslosen kontinuierlich zu und erhöhte sich von 149’000 auf 1’074’000 regis‐ trierte Arbeitslose. Dann stellte sich ein Konjunkturaufschwung bis 1979 ein. Von nur noch 876'000 Arbeitslosen schwoll der Strom der Arbeitslosen erneut ohne jegliche Zwischenerholung bis 1985 auf 2’304’000 an. Heute sind es etwa 2,5 Mio. In der kleinen Schweiz wur‐ den 1985 genau 30’345 Arbeitslose gezählt, 1995 waren es rund 5 Mal so viele: 151’662, und 2014 sind es über 200’000. Sieht man von ganz leichten Schönwetterperioden wie 1989 bis 1990 oder umgekehrt einem besonders krassen Einbruch 1994 ab, so dauert eine erschre‐ ckend zunehmende Beschäftigungskrise weiter an. 2. John Maynard Keynes: Vom provisorischen und vom definitiven Rezept gegen die Arbeitslosigkeit 28 Die Gegenwart als Weg der Entscheidung Was kann Keynes uns als Rezept dagegen verschreiben? Die Antwort lautet: Keynes hat Elemente in die Wirtschaftswissenschaft einge‐ bracht, welche diese und hiermit auch die Wirtschaftspolitik auf Dauer beeinflusst haben. Sein Verdienst ist, das Augenmerk seiner Zeitgenos‐ sen wirksam auf Aspekte gelenkt zu haben, die übersehen oder ver‐ nachlässigt worden waren. Keynes selbst hatte ein äusserst feines Ge‐ spühr für Veränderungen in der Welt. Seine Theorie hat er dieser stän‐ dig angepasst. Gleichzeitig veränderte er diese Welt mit seiner Theorie. Wie wir sahen, hat dies nachhaltig zu Aufschwung, Prosperität und Wohlstand geführt. Diese Zeit ist heute vorbei. Die Welt hat sich aber‐ mals verändert. Wir können daher seine Lehre nicht als dogmatisches Rezept übernehmen. Keynes lehrt uns jedoch, auf veränderte Verhält‐ nisse mit feinem Gespür und mutig einzugehen. Es gilt, neue Wege zu beschreiten. Das passiert in der Nationalökonomie in der Tat. Die Pa‐ lette reicht vom Linkskeynesianismus Cambridger Provenienz bis zu modernen Theorien des temporären Gleichgewichts. Auch moderne Ökonomen bauen auf Keynes auf. Allein, der neue, schlagende Durch‐ bruch für die heutige Zeit fehlt. Die Welt verändert sich in atemberau‐ bendem Tempo. Eine äusserst geschmeidige Anpassungsfähigkeit tut Not, für den Einzelnen wie für die Völker. Das ist das provisorische Rezept. Abermals können uns Keynes – und die Weltgeschichte seit Moses dazu – etwas lehren, das in unserer sehr besonderen Massengesell‐ schaft vernachlässigt oder stark verfehlt wird. Wir benötigen für den erfolgreichen Durchbruch nicht tausend Ökonomen- und Spezialisten- Teams. Weder eine kleine Gruppe noch eine riesige Masse wird sich je ein gesellschaftliches Erfolgsrezept aus der anonymen Sterilität wissen‐ schaftlicher Universitätsrefugien oder einer namenlosen Gelehrtenstu‐ be, auch wenn es die grossartigste Wahrheit der Menschheit sein sollte, mit erfolgversprechender Durchschlagskraft verkaufen lassen. Hierzu bedarf es des identifizierbaren, mitreissenden, charismatischen Meis‐ ters. Es braucht den hoffnungserfüllenden Propheten. Das ist der Un‐ terschied zur kalten, seelenlosen Technologie, zu Penicillin, das als Medikament physisch wirkt, oder eben nicht wirkt. Im gesellschaftli‐ chen Bereich gibt es dieses Richtig oder Falsch nur bedingt. Der Die Gegenwart als Weg der Entscheidung 29 Mensch muss psychisch an das Rezept im gesellschaftlichen Bereich zusätzlich glauben. Dieses Feuer der Seele erst haucht dem Rezept wir‐ kungssicher Leben ein. Diesen Glauben – neben aller Fundiertheit und Angemessenheit der Theorie – breitenwirksam entfacht zu haben, das ist das zutiefst entscheidende Genie eines Keynes. Das Definitivum als Rezept. Und auf einen solchen neuen Meister warten wir. In der Welt‐ geschichte kommen sie regelmässig. In einem Dialog gleichsam mit der Masse, die gut hinhören muss. Denn hören sollten wir auf jenen, der fundierte und angemessene weitere Rezepte bereithält. Die Vor‐ sicht muss gross sein. Ist es ihm gelungen, diese Vorsichtsbarriere zu passieren, dann braucht es einen breit abgestützten Glauben an ihn und seine Theorie. Bis dahin muss der Gürtel kulturell und materiell mindestens für sehr viele eng geschnallt bleiben. Bis die Zäsur eintritt, kann es lange dauern. Darum muss provisorisch das zweitbeste Rezept von Keynes ausreichen: Die optimale Anpassung. Denn „auf lange Sicht sind wir“ jetzt noch Lebenden „alle tot“. 2. 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Zusammenfassung

Immer wieder haben einschneidende Ereignisse und große Persönlichkeiten der Weltgeschichte die Menschen bewegt und über Jahrhunderte nicht mehr losgelassen. Als herausragende Beispiele werden sie zu Wegweisern der menschlichen Geschichte. Johann Ulrich Schlegel präsentiert eine Fülle von Beispielen aus der Allgemeinen Geschichte, die sich als wahre Feuersignale der Menschheit entpuppen. Von der Antike über das Mittelalter bis in die Neuzeit zeigt der promovierte Historiker und Jurist auf, wie einzelne Geschichten nicht nur der Präsentation von Sachverhalten und ihrer Identifizierung dienen, sondern insbesondere wie sich anhand von Geschichte Regelmäßigkeiten aufzeigen lassen: Nicht alle Elemente unseres Lebens und allen Lebens sind ausschließlich individuell, neben dem Einmaligen, eindeutig Identifizierbaren begegnen wir Wiederkehrendem und Ähnlichem, das uns anleitet oder von dem wir hoffen, dass es uns trittsicherer mache auf unserem oft so verborgenen und verschlungenen Pfad in die Zukunft.