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5 Resümee in:

Sonja Scheungraber

Die charismatische Führungspersönlichkeit, page 133 - 136

Strategien für den Erfolg

2. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-4352-3, ISBN online: 978-3-8288-7304-9, https://doi.org/10.5771/9783828873049-133

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Sozialwissenschaften, vol. 89

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
Resümee Angesichts der dynamischen Veränderungen, die unsere Zeit prägen, sind Führungspersönlichkeiten permanent mit neuen Herausforderungen und Widerständen konfrontiert. Führungspersonen müssen in der Lage sein, persönliche Strategien zu entwickeln, um dieser sich ständig umgestaltenden Zeit gewappnet begegnen zu können. In vorliegendem Buch werden zahlreiche Theorien präsentiert, die eine Erklärung für den Erfolg einer Führungspersönlichkeit aufzeigen. Eine Erklärung für Führungserfolg verweist auf die Betrachtung bestimmter Persönlichkeitseigenschaften einer charismatischen Führungspersönlichkeit. Dabei wird der Charakter als bestimmendes Merkmal erfolgreicher Führungspersönlichkeiten verstanden. Spezielle Charaktereigenschaften, mit denen eine charismatische Führungspersönlichkeit in Verbindung gebracht wird, sind etwa die Fähigkeiten, Visionen zu vermitteln, Emotionen intensiv wahrzunehmen und auch andere diese Emotionen wahrnehmen zu lassen. Darüber hinaus zeichnet charismatische Menschen Begeisterungsfähigkeit, Leidenschaft, Selbstsicherheit, Unabhängigkeit, Einfühlungsvermögen und eine besondere Ausstrahlung aus. Die Theologie argumentiert in diesem Zusammenhang mit Eigenschaften der Liebe, die wiederum das Verhalten und die Ausstrahlung einer Führungspersönlichkeit prägen. Im Hinblick auf die Ursprünge des Charisma-Begriffs lässt sich feststellen, dass die moderne Auffassung von Charisma die theologische Bedeutung unberücksichtigt lässt. Seit seinem ersten Auftreten bei Paulus bis zu seiner Einführung in die Sozialwissenschaft durch Max Weber hat der Charisma-Begriff eine völlige Umkehrung erfahren. Während Charisma im theologischen Kontext ein geistliches Phänomen darstellt und eine durch den Heiligen Geist Gottes vermittelte Gnadengabe meint, die unabhängig von einer Anerkennung der Geführten 5 133 wirksam ist, beschreiben die Sozialwissenschaft und die moderne Führungs- und Managementlehre Charisma als ausschließlich von der Akzeptanz und Anerkennung der Gesellschaft abhängig. Weber fokussiert dabei in erster Linie die Signifikanz einer sozialen Beziehung zwischen dem Führer und den Geführten, wobei es vor allem auf die Bewertung von Seiten der Beherrschten ankommt, ob jemand als charismatischer Führer gewertet wird.298 Daneben wird in der soziologischen und auch managementorientierten Sicht die Bedeutung der Beziehung zwischen Führungskräften und den Geführten hervorgehoben sowie die Situation und der Kontext, in dem Führung geschieht. In der internen Dynamik einer Persönlichkeit liegt die Ursache für eine Entstehung von Charisma. Dazu zählen die Kombination von Schwäche und Stärke und die Kreation einer neuen Identität, die durch Trauma und Erfahrung bedingt ist. Diese kann in der Selbststigmatisierung als Strategie für eine Entstehung von Charisma zum Ausdruck kommen. Bei der Entwicklung von Charisma durch Stigmatisierung zeigt sich auch die Schattenseite von Charisma, da Charisma ein Phänomen ist, das extreme Reaktionen hervorrufen kann. Dazu zählen sowohl exorbitante Begeisterung und Bewunderung als auch extreme und zahlreiche Widerstände, mit denen Charisma konfrontiert ist. Bezugnehmend auf Charisma und Widerstand wird die Fähigkeit des Charismatikers hervorgehoben, Widerstände für seinen zukünftigen Erfolg zu nutzen. Diese Wechselwirkung wird als Charisma-Wirkung beschrieben, die den Erfolg einer charismatischen Führungspersönlichkeit definieren kann. Daneben werden aus theologischer Perspektive der Glaube und die Liebe als Erfolgsgeheimnis des Charismatikers angeführt, die dazu befähigen, Abwertungen in eine Auserwählung umzudeuten, da der Glaube und die Liebe von der Abhängigkeit der Anerkennung befreien. Diese Unabhängigkeit zählt wiederum zu Charisma. Individuelle Wertvorstellungen sind darüber hinaus ein wesentliches Kriterium einer Zuschreibung von Führungsfähigkeit und 298 Vgl. Scheungraber (2012), S. 31–32. 5 Resümee 134 einer besonderen Ausstrahlung, welche man folglich als charismatisch empfindet. Auch die unterschiedlichen Interpretationen des Charisma-Begriffs aufgrund seiner Bedeutungsvielfalt in den Definitionen führen dazu, dass Uneinigkeit darüber herrscht, welcher Persönlichkeit Charisma zuerkannt wird. Aus persönlichkeitsorientierter Sicht versinnbildlicht die charismatische Führungspersönlichkeit Jesus echtes Charisma. Jesus personifiziert die höchste Geistesgabe der Liebe, die als Quelle des Charismas durch den Heiligen Geist bewirkt wird. Als Gegensatz zur charismatischen Persönlichkeit und als Beispiel für eine Täterpersönlichkeit, wird die Persönlichkeit von Hitler angeführt, da seine Charaktermerkmale im Widerspruch zu der Liebe stehen. Anhand der gewonnenen empirischen Erkenntnisse aus dem Beispiel Barack Obama wird Charisma als Eigenschaft und als Strategie für Erfolg verifiziert. Politikerpersönlichkeiten mit persönlichem Charisma, wie Barack Obama, sind besonders häufig mit Widerständen konfrontiert. Barack Obamas Persönlichkeit und sein Verhalten bei Widerständen enthüllen Strategien, die es einer Persönlichkeit ermöglichen, das Spannungsverhältnis zwischen Charisma und Widerstand mit Erfolg zu meistern und Abwertungen in eine Auserwählung umzukehren. Kennzeichnendes Merkmal charismatischer Führungspersönlichkeiten ist dabei, dass sie durch eine besondere Freiheit geprägt sind, die es ihnen ermöglicht selbstreflektiv und unabhängig von der Anerkennung zu agieren. Charisma stellt hierbei eine Gabe dar, die weder von einer Bewährung noch von Anerkennung abhängig ist. Charakteristisch für die Persönlichkeit des Charismatikers ist in diesem Zusammenhang ein hoher Selbstwert, der diese Unabhängigkeit bewirkt und auf die Wertschätzung, die aus dem Glauben resultiert, zurückzuführen ist. Aufgrund einer erhöhten Empathiefähigkeit sowie sozialer und emotionaler Intelligenz ist es Charismatikern möglich, an die Gefühle der Menschen zu appellieren, erfolgreich zu vermitteln und somit werteorientierte Führung umzusetzen. 5 Resümee 135 Typische Eigenschaften charismatischer Führungspersönlichkeiten sind Mut, Geduld, Authentizität, Demut, Empathie, Autorität, Glaube, Leidenschaft, Unabhängigkeit, Zukunftsorientierung, Emotionalität, Fairness, Offenheit, Solidarität, Humor, Unbeeinflussbarkeit, Selbstbeherrschung, Treue und die Liebe. 5 Resümee 136

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Zusammenfassung

Unsere Zeit ist geprägt durch dynamische Veränderungen in den unterschiedlichsten Bereichen der Wirtschaft, Gesellschaft und Politik. Für Führungskräfte ist es daher wichtig, flexibel zu denken und neue Konzepte und Strategien zu entwickeln, um langfristig erfolgreich sein zu können. Erfolgreiche Führung bedarf einer werteorientierten Führung, um an die Gefühle und Bedürfnisse der Menschen appellieren zu können, Verantwortung zu übernehmen und erfolgreich zu vermitteln.

Charisma als Merkmal werteorientierter Führung kann den Erfolg einer Führungspersönlichkeit definieren. Sonja Scheungraber analysiert aus theologischer, soziologischer und managementtheoretischer Sicht, welche Eigenschaften einen charismatischen Charakter beschreiben und definiert in der Folge den Begriff „Charisma“ neu.

Charismatische Führungspersönlichkeiten wie Barack Obama bleiben auch in Zeiten des Widerstands souverän. Sie besitzen bestimmte Eigenschaften und Werte, die es ihnen ermöglichen, Widerstände zu überwinden und ihren zukünftigen Erfolg daraus herzuleiten. Die Autorin arbeitet diese Wirkungsmöglichkeiten von Charisma heraus und beschreibt diese als Theorie für Erfolg. Denn Charisma ist nicht nur eine brillante Eigenschaft einer Persönlichkeit, sondern ein Erfolgskonzept.