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1 Forschungsdesign und Methoden in:

Katharina Kaineder

Interkulturelles Zusammenleben afghanischer und österreichischer Familien, page 13 - 22

"Es war genial, aber es war ein Wahnsinn"

1. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-4328-8, ISBN online: 978-3-8288-7272-1, https://doi.org/10.5771/9783828872721-13

Series: Anwendungsorientierte Religionswissenschaft, vol. 15

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
1 Forschungsdesign und Methoden Neben den öffentlichen Berichterstattungen und politischen Diskursen ist es mir ein Anliegen, das Thema des interkulturellen Zusammenlebens aus der Perspektive der Menschen zu erarbeiten, die Erfahrungen in diesem Bereich gemacht haben. Durch die wissenschaftliche Analyse möchte ich herausfinden, wie sich das Zusammenleben der österreichischen und af ghanischen Familien gestaltet (hat) und mit welchen Herausforderungen und Situationen diese Familien konfrontiert waren und sind. 1.1 Fragestellung Daraus ergeben sich folgende Fragestellungen: Wie gestaltete sich das Zusammenleben österreichischer und afghanischer Familien nach den Ereignissen im Sommer 2015? Mit welchen Fragen und Situationen waren die Familien konfrontiert? 1.2 Sampling und Zugang zu den Interviewpartnerinnen und Interviewpartnern Um die verschiedenen Situationen, Strukturen und Erfahrungen in ihrer Tiefe und Intensität zu erforschen, wurde als Fallbeispiel ein Dorf in Oberösterreich gewählt, in dem drei Familien wohnen, die sich entschlos sen haben, afghanische Flüchtlinge bei sich zuhause aufzunehmen. Die Grundlage der Datengewinnung stellten qualitative Interviews mit den jeweiligen Elternpaaren der österreichischen Familien dar. Die Inter viewpartnerinnen und Interviewpartner dienten als Primärquellen, weil sie persönliche Erfahrungen im Bereich des interkulturellen Zusammen lebens mit Menschen aus Afghanistan machten. Hinzu kommt, dass sie bereit waren an der Studie teilzunehmen.1 Der Zugang zum Feld ergab sich durch meine engere Bekanntschaft zu einer der drei Familien. Uber sie bekam ich im Weiteren die Möglichkeit, auch mit den anderen beiden Familien in Kontakt zu treten. Durch diese Umstände entstand eine ge wisse Vertrautheit mir gegenüber als Person und als Forscherin, obwohl ich zwei der drei Familien zuvor nicht kannte. Die Stimmung vor, wäh rend und nach den Interviews war meist ausgelassen und angenehm und die Interviewpartnerinnen und Interviewpartner vertrauten mir viele Vgl. F lic k , Uwe: Qualitative Sozialforschung. Eine Einführung, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag 42011 (= Rowohlts Enzyklopädie), 167. 13 ihrer Erfahrungen, Erlebnisse, Sorgen und Wünsche an, welche sich wäh rend der Zeit des Zusammenlebens ereignet hatten. 1.3 Erkenntnisinteresse Die Familien aus Österreich und Afghanistan pflegen aufgrund des Zu sammenlebens in dem gleichen Familienhaus einen sehr engen Kontakt. Die interviewten Personen kennen das Leben der Flüchtlinge, verbringen ihren Alltag mit ihnen, begleiten sie zu Behördengängen und Arzttermi nen und sind Vermittlerinnen und Vermittler zwischen den beiden Kul turen. Dadurch verfügen sie über ein relevantes und wertvolles Wissen in Bezug auf das Zusammenleben afghanischer und österreichischer Fami lien, das für die Hilfsorganisationen, Kirche, Politik und Gesellschaft von großer Bedeutung ist. Durch die Auseinandersetzung mit ihrer Situation erhoffe ich, Erkenntnisse zu erhalten in welchen Themenbereichen einer seits Lernchancen liegen und andererseits Hilfestellungen für die Betroffe nen von Nöten sind. 1.4 Qualitative Sozialforschung und Methoden der Datenerhebung Im Laufe des Forschungsprozesses waren Entscheidungen in Bezug auf die Verwendung der Methoden und die daraus resultierenden Schritte er forderlich. Eine detaillierte Beschreibung der angewandten Methoden ist im Rahmen dieser Diplomarbeit nicht vorgesehen, da diesbezüglich aus reichend Literatur vorhanden ist. Daher gehe ich auf die Gründe ein wa rum ich welche Methode für diese Arbeit verwendete und gebe in Fußno ten die dazugehörige Literatur an. 1.4.1 Gründe für die Verwendung der qualitativen Sozialforschung Für die Fragestellung dieser Arbeit war es mir ein Anliegen, die Situation der Familien von innen heraus zu analysieren und zu erforschen. Dabei nahm ich besonders Rücksicht auf die Einbettung in den Kontext, welcher sich im engeren Sinn in den Situationen der Familien und des Dorfes zeigte. Im weiteren Sinn spielten auch die vorherrschende Asylpolitik, die mediale Darstellung und historische Ereignisse eine Rolle, wie die hohe Anzahl der ankommenden Flüchtlinge im Sommer 2015. Die qualitative Sozialforschung ist daher eine geeignete Grundlage für diese Arbeit, unter anderem, weil es ihr Ziel ist, das zu erforschende Themenfeld von innen heraus zu analysieren. Das bedeutet, dass die Expertinnen und Experten diejenigen sind, die auch die handelnden Akteure innerhalb des Feldes 14 darstellen.2 Ziel ist dabei, „Alltagskultur, das selbstverständliche Han deln, Erleben und Deuten von Subjekten in ihrer Lebenswirklichkeit"3 zu erforschen. Dabei situiert qualitative Sozialforschung das Forschungs thema innerhalb sozialer Beziehungen, beachtet den Raum in dem es statt findet, analysiert den betreffenden Kontext und bezieht mehrere Perspek tiven mit ein. Sie achtet auf den stattfindenden Prozess und die Einord nung in eine bestimmte Zeit.4 Dadurch ist sie sehr nahe am Leben der Menschen und deren subjektivem Erleben von gesellschaftlichen Gebil den und Strukturen. Sie ermöglicht so, relevante Fragen der Menschen aus deren Perspektiven heraus zu analysieren, die vielleicht mit Zahlen und Statistiken nicht ausreichend zu beantworten wären.5 Aus diesen Grün den, ist die Fragestellung dieser Arbeit am besten durch die Anwendung der qualitativen Sozialforschung zu beantworten. 1.4.2 Tiefeninterview und themenzentriertes Leitfadeninterview „Qualitative Interviews lassen Dichte und Plastizität erkennen und sind deshalb besonders geeignet für zentrale volkskundlich-ethno logische Fragestellungen wie die Untersuchung von subjektiven Sinnwelten, Lebensgeschichten und Alltagskulturen in ihrer histo rischen D im ension."6 Zur Datengewinnung entschied ich mich daher primär für ein qualitatives ethnographisches Interview, auch Tiefeninterview genannt. Dieses er möglichte mir durch die Informationen der zu interviewenden Personen, zu wesentlichen Erkenntnissen über deren Alltag und die verschiedenen Situationen zu gelangen. Um das Interview auf ein bestimmtes Thema, nämlich die Art und Weise des Zusammenlebens und die dazugehörigen Herausforderungen und Chancen zu fokussieren, entschloss ich mich, es anhand eines themenzentrierten Leitfadens durchzuführen. Dabei sollte aus dem Wechselspiel von sehr offen gehaltenen Fragen und deren Vgl. FLICK, Uwe / KARDO RFF, Ernst / STEIN KE, Ines: Was ist qualitative For schung? Einleitung und Überblick, in: Flick, Uwe (Hg.): Qualitative Forschung. Ein Handbuch, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag 32004 (= Rowohlts Enzyklopädie), 13. SCH M ID T-LAUBER, Brigitta: Das qualitative Interview oder: Die Kunst des Re den-Lassens, in: Göttsch, Silke / Lehmann, Albrecht (Hg.): Methoden der Volks kunde. Positionen, Quellen, Arbeitsweisen der europäischen Ethnologie, Berlin: Reimer 220 07 (= Ethnologische Paperbacks), 169. Vgl. ebd., 169. Vgl. ebd., 171. Ebd., 184. 15 Antworten ein dynamisches Gespräch entstehen, aus dem heraus die wichtigsten Ereignisse und Erfahrungen der Situationen der Familien er schlossen werden können.7 Um die wichtigsten Aspekte bzw. Lebensbereiche zu thematisieren, er stellte ich vorab einen Leitfaden, der die unterschiedlichen Dimensionen des Zusammenlebens benannte, insofern sie nicht aus dem Gespräch zu vor bereits angesprochen wurden. Dabei handelte es sich vor allem um die Bereiche Kommunikation, Gesundheit, Bildung und Arbeit, Mobilität, Kindererziehung, Arbeiten rund ums Haus, Nahrungsmittel und Essen, sowie Finanzielles.8 Durch Aufrechterhaltungs- und Steuerungsfragen, wie zum Beispiel „Was heißt das für eure Familie?", „Könnt ihr dazu noch etwas sagen?", „Und dann?", „Wie ging es weiter?", „Was passierte da im Einzelnen?" wurde dem Gespräch und dem Interview Tiefe verliehen und Details zu einzelnen Vorgängen und Erfahrungen erschlossen.9 Ein wesentliches Prinzip qualitativer Interviews ist das Prinzip der Offen heit. Dabei ist es wichtig, sich auf das Feld einzulassen, Veränderungen und Umstrukturierungen zuzulassen und Fragestellungen und Methoden im Laufe des Prozesses anzupassen.10 Deshalb sind die vorliegende Arbeit und deren Ablauf vorwiegend aus dem Material der Interviews und deren Analyse entstanden: Dem am Beginn angesiedelten Theorieteil über die Asylpolitik in Österreich liegen die Aussagen der Interviewten über die Auswirkungen ebendieser auf das Zusammenleben der Familien und de ren Alltag zugrunde. Die ausgewählten Themenbereiche stammen aus den Erzählungen der Paare und wurden nicht alle von mir bewusst er fragt, beispielsweise der Aspekt der Geschlechter und der Religionen. Sie sind dennoch bei allen Interviews zum Vorschein gekommen und waren somit besonderer Bestandteil des Zusammenlebens. Der Leitfaden wurde nach bestimmten Erkenntnissen aus den ersten beiden Interviews entspre chend angepasst. Zum Beispiel ließ ich die Aspekte der Wahrnehmungen von außen und der Konfrontationen im Dorf nach den ersten Interviews weg und konzentrierte mich vorwiegend auf die Aspekte des Zusammen lebens innerhalb der Familien. Im Weiteren ist es wichtig, bei qualitativen Forschungsmethoden darauf zu achten eine gemütliche und angenehme Erzählsituation zu schaffen. So Vgl. SCHLEHE, Judith: 6 Formen qualitativer ethnographischer Interviews, in: Beer, Bettina (Hg.): Methoden ethnologischer Feldforschung, Berlin: Reimer 22008 (= Ethnologische Paperbacks), 126. Vgl. SCHLEHE, Judith: Formen qualitativer Interviews, 126-127. Vgl. F l i c k , Qualitative Sozialforschung, 210. Vgl. SCH M ID T-LAUBER, Das qualitative Interview, 172-173. 16 bemühte ich mich, bei der Interviewführung die Fragen des Leitfadens im Kopf zu haben und nicht auf den Zettel angewiesen zu sein, um auch fle xibel auf das Erzählte eingehen und die Fragen angemessen stellen zu können. Die Formulierungen der Fragen waren offen und somit Anreize für längeres Erzählen auf Seiten der Interviewten. Warum-Fragen wurden vermieden. Das Interview wurde in allen drei Fällen im Haus der inter viewten Paare geführt, weshalb der Ort für sie besonders vertraut war und mir gleichzeitig Einblicke in ihre Lebens-, Wohn- und Alltagssitua tion gewährte.11 Zu Beginn des Interviews klärte ich, ob ich das Gespräch mit einem Auf nahmegerät aufzeichnen durfte, was bei allen drei Familien möglich war. Diese Aufnahmen wurden daraufhin transkribiert und analysiert. 1.4.3 Paarinterview Ich entschloss mich dazu, die Eltern der Familien als Paar zu interviewen und sie gemeinsam von ihren Erfahrungen erzählen zu lassen, da die Ent scheidung eine afghanische Familie zuhause aufzunehmen abgesprochen und gemeinsam gefällt wurde. Durch die Befragung beider zugleich, wurde es mir möglich unterschiedliche und geteilte Perspektiven wahr zunehmen und zu analysieren. Diese zeigten sich beispielsweise beson ders stark beim Aspekt der Geschlechter.12 Das Paarinterview erlaubte un terdessen einen Einblick in „die konkreten, interaktiven Handlungsvoll züge in unterschiedlichen Situationen":13 So konnten sie sich gegenseitig ergänzen bzw. korrigieren und die verschiedenen Begebenheiten wäh rend der Zeit des Zusammenlebens mit der afghanischen Familie rekon struieren. Besonders hilfreich erschien mir, dass diese Methode viel stär ker die Individuen als Mensch-in-Beziehung im Blick hat und sie in ihren sozialen Verflechtungen und ihrem Kontext befragt und wahrnimmt.14 Es wäre für mich künstlich gewesen, sie getrennt voneinander oder gar nach einander zu befragen, da sie in dieser speziellen Situation vieles gemein sam entschieden, erlebt und durchlebt haben. Bewusst einen von dem In terview auszuschließen hätte von vornherein keine angenehme und all tagsnahe Atmosphäre geschaffen. Vgl. ebd., 172-173. Vgl. W lM BA U ER, Christine / M O TA KEF, Mona: Das Paarinterview. Methodologie - Methode - Methodenpraxis, Wiesbaden: Springer VS 2017, 31. Ebd., 28. Vgl. ebd., 4. 17 1.5 Dokumentation der Daten Die Ereignisse im Feld werden für eine angemessene Analyse und Inter pretation zuvor dokumentiert und aufbereitet. Bei qualitativen Interviews handelt es sich dabei meist um eine Tonaufnahme während des Ge sprächs, die anschließend transkribiert wird. Hinzu kommen Möglichkei ten der Dokumentation, die den Kontext des zu erforschenden Feldes und die Ereignisse rund um das Interview einfangen.15 1.5.1 Feldnotizen Feldnotizen werden in qualitativen Studien sehr häufig verwendet, um Geschehnisse, Erfahrungen und Gespräche im Feld zu protokollieren. Da bei ist es wichtig, sich direkt nach dem Kontakt mit den handelnden Ak teurinnen und Akteuren im Feld, oder auch zwischendurch, Zeit zu neh men, um die Eindrücke achtsam niederzuschreiben. Diese Notizen stellen die ersten Interpretationen und Zugänge auf Seiten des Forschenden dar, insofern er Aspekte weglässt oder eben auch niederschreibt. Dabei ist es essentiell zu markieren, was zusammenfassend oder interpretierend be schrieben wurde.16 Diese Form der Dokumentation war in einem Moment des Prozesses be sonders wertvoll, als ich bei einem Begegnungskaffee - ein Treffen bei Kaffee und Kuchen, das den Kontakt zwischen Asylwerberinnen und Asylwerbern, die im Dorf leben und anderen Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohnern ermöglichen soll - teilnahm. Nach den Begegnungen und den Gesprächen mit den Menschen, die in diesem Ort leben, sowohl Asyl werberinnen und Asylwerber als auch Österreicherinnen und Österrei cher, schrieb ich die Eindrücke in Form von Stichworten, Sätzen und Zi taten als Feldnotiz nieder. Dort erhielt ich einen guten Einblick in den Kontext und die Dynamik des Dorfes, die Begegnungen untereinander, das Sich-Austauschen, einander Helfen und in das Engagement und die Organisation der Menschen, um die Flüchtlinge in den verschiedenen Be reichen zu unterstützen. Die Feldnotiz ermöglichte mir, diese Wahrneh mungen angemessen festzuhalten. 1.5.2 Forschungstagebuch Das Forschungstagebuch dient dazu, den Verlauf des Forschungsprozes ses zu dokumentieren und Veränderungen zu Methoden oder Fragestel lung, Gedanken, Theoriebildungen und dessen Verwerfungen, unter Vgl. F lic k , Qualitative Sozialforschung, 371-372 . Vgl. F lic k , Qualitative Sozialforschung, 374-377 . 18 anderem in Form von Memos festzuhalten. Außerdem hilft es der For schenden bzw. dem Forschenden, den Verlauf zu reflektieren.17 Seit Beginn der Forschung trug ich das Tagebuch bei mir, um Notizen über das zu erforschende Thema, die Abänderungen in der Auswahl der Methoden und der Fragestellung und Memos zu den ersten Interviews und möglicher Auswertungen zu machen. Im Forschungstagebuch doku mentierte ich den gesamten Forschungsprozess und vermerkte unter an derem die Situationsbedingungen der Interviewpartnerinnen und Inter viewpartner, den jeweiligen Kontext und die Gespräche vor und nach der Aufnahme, sowie Datum, Ort und Dauer des Interviews. 1.5.3 Tonaufzeichnung Wie bereits erwähnt, stellten die Interviews der drei Familien die primäre Datengewinnung dar, die ich mit einem Aufnahmegerät festhielt. Um dem Gerät so wenig Aufmerksamkeit wie möglich zu schenken und ein möglichst natürliches Gespräch führen zu können, stellte ich es an den Rand des Tisches und nicht in die Mitte. Allerdings ist durch manche Aus sagen hinsichtlich des Aufnahmegerätes erkenntlich, dass sie es während dem Gespräch nicht vergessen hatten. So erinnerte in einem Interview Mi chaela Anton an die Aufnahme des Gespräches: „Du darfst nicht immer so klopfen, das nimmt alles auf!"18 Auffallend war, dass das Aufnahmegerät von den Interviewpartnerinnen und Interviewpartnern unterschiedlich wahrgenommen wurde. Bei man chen eher zögerlich und skeptisch, bei anderen normal und ohne Beden ken. Das könnte einerseits den Grund haben, dass sie mir unterschiedlich viel Vertrauen schenkten, andererseits, dass manche es in ihrem Feben schon mehrmals verwendet hatten oder selber schon Interviews geführt hatten, andere nicht. Prinzipiell schien das Aufnahmegerät allerdings die beste Fösung, um die vielen Facetten und Details der Geschichten und Er fahrungen einzufangen und anschließend auszuwerten.19 1.5.4 Transkription Im Anschluss an die Aufnahme der Interviews transkribierte ich sie an hand der Transkriptionsregeln des Institutes für Volkskunde und Vgl. ebd., 377-378. Michaela, 379. Vgl. ebd., 372-373. 19 Kulturanthropologie der Karl-Franzens-Universität Graz.20 Kurz zusam mengefasst bedeutet dies: - Die Interviews wurden vollständig und wörtlich transkribiert. - Die Interviews wurden mit den Namen der Beteiligten, Datum und Ort gekennzeichnet. Es wurden für alle Beteiligten Codenamen erstellt, um sie zu anonymisieren. - Bei jedem Sprechbeitrag beginnt eine neue Zeile, die mit Zeilennum mer versehen ist. Zwischendurch wurde immer wieder eine Zeitmarke eingefügt. - Die Personen wurden am Anfang des Sprechbeitrages mit einem Kür zel versehen; zum Beispiel K: für Katrin bzw. I: für Interviewerin. - Besonderheiten in der Grammatik oder andere Sprachmittel wie „mhm" wurden dann niedergeschrieben, wenn sie für das Verständnis wichtig waren. Wortwiederholungen oder abgebrochene Wörter und Sätze wurden immer miterfasst. - Der Dialekt wurde in die Hochsprache angeglichen. Nur manche Dia lektwörter, die besonders schwer zu übersetzen oder von wesentlicher Bedeutung waren, wurden beibehalten und mit >.. .< versehen. - Die Satzzeichen wurden für Pausen der Sprecherinnen und Sprecher verwendet, im Allgemeinen folgten sie allerdings den Regeln der deut schen Grammatik. - Bei Überlappungen von Sprechbeiträgen wurde dieses Zeichen einge fügt (...). - Betonte Wörter oder Satzteile wurden unterstrichen. - Wörter oder Satzteile, die nicht verständlich waren, wurden folgender maßen markiert: (...?). Wörter, die nicht sicher richtig verstanden wur den auf diese Weise: (Gasgeschäft?) - Pausen, außersprachliche Geschehnisse und ähnliches wurden in eckige Klammern gesetzt: [lacht laut auf]. 1.6 Auswertung durch die Grounded Theory Zur Auswertung bediente ich mich vorwiegend dem offenen Kodieren der Grounded Theory von Corbin und Strauss, weil sie mir ermöglichte die Daten aufzubrechen und den Gehalt und die Bedeutung zu rekonstru ieren. „Offenes Kodieren ist der Analyseteil, der sich besonders auf das Benennen und Kategorisieren der Phänomene mittels einer eingehenden Untersuchung der Daten bezieht."21 Durch den Prozess des Durchführens Die Transkripte liegen am Institut für Religionswissenschaft an der theologi schen Fakultät der Karl-Franzens-Universität Graz auf. STRAUSS, Anselm L. / C o rb in , Juliet M.: Grounded theory. Grundlagen qualita tiver Sozialforschung, Weinheim: Beltz 1996, 44. 20 von Vergleichen und des Hinterfragens der vorliegenden Daten im Sinne von „Was steht hinter dieser Aussage?", „Was ist gemeint?", „Was reprä sentiert es?" werden die einzelnen Aussagen, Satzteile und Absätze ko diert und später kategorisiert, also in ähnliche Gruppen zusammengefasst und benannt. Während des Prozesses der Analyse verfasste ich regelmä ßig Memos, welche Gedanken, erste Theoriebildungen, Dimensionen, Ei genschaften und Ähnliches festhielten.22 Nach dem offenen Kodieren der Daten, versuchte ich diese Kategorien in Beziehung zu setzen und sie zu ordnen; in abgeschwächter Form orien tierte ich mich hierfür an dem System des axialen Kodierens.23 So beschrie ben manche der Kategorien den Kontext, die Bedingungen des momenta nen Zusammenlebens, wie zum Beispiel die Asylpolitik in Österreich, die Motivation Flüchtlinge aufzunehmen oder die Erwartungen an sie. In an deren Kategorien erkannte ich Handlungs- und Interaktionsstrategien während der Zeit des Zusammenlebens, wie das gemeinsame Beten als Strategie des Kommunizierens und sich Kennenlernens ohne sprachliche Mittel. Wieder andere sah ich als Konsequenz, als Aussicht, als Wunsch der Familien aus ihrer Situation und aus ihren Erfahrungen heraus an Po litik oder Gesellschaft. Nach diesen komplexen und vielschichtigen Vorgängen der Analyse und des Aufbrechens der Daten, entstand der Aufbau dieser Arbeit. Die Asyl politik und die familiäre Situation setzte ich an den Anfang, da sie den Kontext der Situation beschreiben und darstellen, wobei hier vorwiegend auf die wesentlichen Aspekte eingegangen wird, die von den Paaren selbst beschrieben und erwähnt wurden. Danach folgt die Auseinander setzung mit den verschiedenen Themenbereichen Kommunikation, Ar beit und Bildung, Gender, Religion und Glaube - den Kategorien also, die sich mit dem Phänomen selbst beschäftigen und das Zusammenleben in ihrer vielschichtigen Art und Weise beschreiben. Das letzte Kapitel be nennt die Wünsche und Erwartungen der Familien auf persönlicher und gesellschaftlicher Ebene. So verankert sich diese Arbeit und Forschung im Gegenstand selbst. Nur durch die Auseinandersetzung mit ihm ist sie entstanden und durch ihn wurde sie geformt. Vgl. ebd., 43-55. Vgl. ebd., 76-93. 21 1.7 Verwendung von MaxQda Zur Unterstützung der Analyse bediente ich mich dem Computerpro gramm MaxQda, das mir ermöglichte, die langen Interviews und Textpas sagen angemessen zu ordnen, zu kodieren und im Anschluss daran zu vergleichen. Die Verwendung unterschiedlicher Farben für die jeweiligen Kategorien und Subcodes und die Möglichkeit sie immer wieder neu ein zuordnen, zu verschieben und in Beziehung zu setzen erleichterte mir die Auswertung der Interviews und das Schreiben der Arbeit enorm.24 24 Vgl. M A YRIN G , Philipp: Einführung in die qualitative Sozialforschung. Eine An leitung zu qualitativem Denken, Weinheim, Basel: Beltz 52002 (= Beltz Studium), 135-137. 22

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References

Zusammenfassung

Das Werk beleuchtet unterschiedliche Aspekte des Zusammenlebens von afghanischen und österreichischen Familien nach der Flüchtlingskrise 2015 und geht der Frage nach, wie sich dieses Zusammenleben gestaltet hat und mit welchen Fragen und Herausforderungen die Familien konfrontiert waren. Die Grundlage der Datengewinnung sind qualitative Interviews mit Eltern von österreichischen Familien, die afghanische Familien bei sich zuhause in einem Dorf in Oberösterreich aufgenommen haben.

Im theoretischen Teil wird zu Beginn auf die Asylpolitik in Österreich eingegangen. Anschließend folgen empirische Erkenntnisse sowohl über die aktuelle Asylpolitik und die Situation im Dorf, als auch über das Zusammenleben der afghanischen und österreichischen Familien unter den Gesichtspunkten Kommunikation, Arbeit und Bildung, Gender, Religion und Glaube. Ziel ist es, die Erfahrungen und Alltagssituationen der Menschen kennenzulernen und herauszufinden, wo relevante Fragestellungen, Herausforderungen und Lernchancen liegen.