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9 Darstellung der Ergebnisse in:

Doris Kölbl

Wenn Mädchen zu Müttern werden, page 145 - 186

Eine sozialpädagogische Betrachtung

2. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4192-5, ISBN online: 978-3-8288-7089-5, https://doi.org/10.5771/9783828870895-145

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
Darstellung der Ergebnisse Darstellung und Auswertung der Daten des Kurzfragebogens Grundlegende Daten zu den Befragten297 Die folgende Darstellung zeigt die Ergebnisse des Kurzfragebogens in Tabellenform: Anna Jasemin Simone Marie Kristin Alter der Mutter bei der Befragung 17 Jahre 19 Jahre 18 Jahre 17 Jahre 17 Jahre Alter der Mutter bei der Geburt des Kindes 16 Jahre 17 Jahre 16 Jahre 17 Jahre 16 Jahre Alter des Kindes 15 Monate 2 Jahre 2,5 Jahre 7 Monate 7 Monate Feste Partnerschaft Ja Nein Nein Ja Ja Partner ist Vater des Kindes Ja - - Nein Ja Alter des Partners 23 Jahre - - 22 Jahre 20 Jahre Familienstand Verheiratet Ledig Ledig Ledig Ledig Verhältnis zum Kindesvater Er ist der Ehemann. Kindesmutter kennt ihn nicht. Nur Kontakt wegen Kind. Nur Kontakt wegen Kind. Aktueller Partner Staatsangehörigkeit der Mutter Rumänisch Deutsch Deutsch Deutsch Österreichisch Staatsangehörigkeit des Kindesvaters Serbisch Nicht bekannt. Togoisch Thailändisch Serbisch Einkommen Leistungen nach SGB II Leistungen nach SGB II Leistungen nach SGB II Leistungen nach SGB II Leistungen nach SGB II 9 9.1 9.1.1 145 Wohnsituation Bei Schwiegereltern der Kindesmutter Eigene Wohnung Bei der Mutter Eigene Wohnung Bei Schwiegereltern der Kindesmutter Aktueller Schulbesuch Nein Nein Ja (um erweiterten Hauptschulabschluss zu machen) Nein Nein Schule verlassen Nach der 8. Klasse 9. Klasse - In der 8. Klasse 9. Klasse Schulabschluss Nein Hauptschulabschluss Hauptschulabschluss Nein Hauptschulabschluss Ausbildung Nein Ja Nein Nein Nein Ausbildungsrichtung - Pflege Basiskurs - - - Kindergarten Nein Ja Ja Nein Nein Darstellung der Ergebnisse der Kurzfragebögen in Tabellenform Auswertung der Kurzfragebögen Die Auswertung der Kurzfragebögen, die im Anschluss an das Interview ausgefüllt wurden, soll dazu dienen, die befragten minderjährigen Mütter näher zu charakterisieren. Hierbei wird deutlich, dass alle Mütter die oben genannten Auswahlkriterien erfüllen, sich aber darüber hinaus hinsichtlich der Aspekte Partnerschaft und Familienstand, Staatsangehörigkeit, Schulabschluss und Ausbildung und der Inanspruchnahme von Kinderbetreuung unterscheiden. Insgesamt wurden fünf junge Frauen interviewt. Alle fünf Frauen waren während der Schwangerschaft und zum Zeitpunkt der Geburt minderjährig. Zum Zeitpunkt des Interviews sind noch drei Mütter minderjährig, zwei bereits volljährig. Alle Befragten leben außerhalb von Mutter-Kind-Einrichtungen, zwei leben in einer eigenen Wohnung, zwei bei den Schwiegereltern und eine im Haushalt ihrer eigenen Mutter. Tabelle 15 9.1.2 297 Stand: 31. Januar 2006; Alle Namen wurden aus Gründen des Datenschutzes ge- ändert. 9 Darstellung der Ergebnisse 146 Das Alter der Kinder bewegt sich – wie oben gefordert – zwischen einem halben Jahr und drei Jahren: Zwei Kinder waren sieben Monate, ein Kind 15 Monate, ein Kind 2 Jahre und eines 2,5 Jahre alt. Von den fünf befragten Müttern ist eine mit dem Kindesvater verheiratet, eine lebt in fester Beziehung mit dem Kindesvater, eine hat gar keinen Kontakt zum Kindesvater und ist auch in keiner anderen Paarbeziehung, und zwei Mütter haben zwar Kontakt mit dem Kindesvater, sind aber von ihm getrennt. Von den beiden zuletzt genannten Müttern ist eine in einer neuen Partnerschaft, die andere hat derzeit keine Paarbeziehung. Drei Mütter sind deutscher, österreichischer und rumänischer Staatsangehörigkeit. Alle Mütter haben kein eigenes Einkommen, sondern erhalten Leistungen nach SGB II. Von den fünf befragten Müttern haben drei einen Schulabschluss, zwei haben die Schule vorzeitig abgebrochen. Eine Mutter besucht zum Zeitpunkt der Befragung noch die Schule, um einen höher qualifizierenden Schulabschluss zu erwerben, und eine Mutter hatte zum Zeitpunkt der Befragung bereits eine Ausbildung absolviert. Aktuell nehmen zwei Mütter für ihre Kinder die Möglichkeit der Kinderbetreuung in Anspruch. Beide Kinder werden tagsüber in einem Kindergarten betreut. Die Ergebnisse des Kurzfragebogens zeigen, dass es gelungen ist, neben den gemeinsamen Auswahlkriterien, junge Mütter zu finden, die aus unterschiedlichen Lebenszusammenhängen kommen. Sie unterscheiden sich hinsichtlich der Paarbeziehung, dem Familienstand, der Staatsangehörigkeit, der Wohnsituation und dem Schul- und Ausbildungsstand. Ergebnisse der Interviewauswertung Eigene Reaktion auf die Schwangerschaft Im Folgenden steht die Reaktion der Mütter auf die Schwangerschaft im Zentrum der Betrachtung: Eine Mutter ist von der Schwangerschaft völlig überrascht und erschrocken, weil sie sich erst später Kinder gewünscht hat und sich zu 9.2 9.2.1 9.2 Ergebnisse der Interviewauswertung 147 jung fühlt, um Mutter zu werden, und sich nicht reif fühlt, um diese Verantwortung zu tragen. Für sie ist es äußerst schwierig, mit der frühen Schwangerschaft konfrontiert zu sein: "Und das war für mich so komisch und so schwer. Isch weiß nicht als isch wollte nicht. Isch hab´ immer so gedacht, isch weiß nischt wie das geht und isch bin klein und isch will später Kinder machen". Eine andere Mutter beschreibt den Schock der Schwangerschaft folgendermaßen: "Da eh, da ist für mich erst mal ´ne Welt zusammen gebrochen. Ich hab´ gedacht, ach du Scheibenkleister, wie machst´n das jetzt?" Ambivalente Gefühle hinsichtlich der Schwangerschaft äußert eine weitere Mutter: "Auf einer Seite glücklich, aber auf der anderen Seite is ´ne Welt zusammen gebrochen" . Die junge Mutter befürchtet, die Doppelbelastung von Schule, Ausbildung und Kind nicht vereinbaren und meistern zu können: "Ich wusste gar nicht, was, in dem Zeitpunkt wusst´ ich nicht, wo ich dann Schule weiter machen sollte, den Kleinen, dann noch irgendwie nur vielleicht noch nebenbei arbeiten". Zwei der fünf Mütter erwägen eine Abtreibung, jedoch ist diese für beide nicht mehr möglich, da sie beide die Schwangerschaft zu spät bemerken: "Man kann ja nur bis zum 3. Monat abtreiben. Und die Zeit hätte auch nicht mehr gereicht dann, das zu beantragen und so". Der Wunsch, das Kind abzutreiben, auch wenn es dafür schon zu spät ist, bedeutet, dass das Kind nicht nur ungewollt, sondern letztlich auch unerwünscht ist und keine bewusste Entscheidung für das Kind erfolgen konnte: "Also es ging gar nicht, mich zu entscheiden, weil ich war schon im fünften Monat gewesen, als es festgestellt wurde. Musst ich dann eben hinnehmen, dass ich nicht den Kleinen noch abtreiben konnte. Weil ich wollte den Kleinen erst abtreiben, wenn´s im dritten Monat gewesen wäre". 9 Darstellung der Ergebnisse 148 Eine der Schwangeren denkt, nachdem es für die Abtreibung bereits zu spät ist, an die Möglichkeit der Adoption. "Ich will das Kind nicht, ich geb´ es frei, also zu Adoption". Nachdem ihre eigene Mutter jedoch ihre Unterstützung anbietet, entscheidet sich die junge Mutter doch gegen die Freigabe des Kindes zur Adoption. Lediglich für eine der Befragten ist das Ereignis die Schwangerschaft mit Freude verbunden, weil sie den Wunsch, eine junge Mutter zu sein, schon lange hegte: "Ich hab´ mich gefreut, weil ich wollte ´ne junge Mutter sein, wenn ich ehrlich bin". Ihre eigene Mutter hat selbst ihr erstes Kind bekommen, als sie noch sehr jung war. Die befragte junge Mutter erhofft sich von der jungen Mutterschaft eine gute Beziehung zu ihrem Kind. Eine junge Mutter zu sein, ist für sie die Basis für eine gute Beziehung zwischen Mutter und Kind: "Weil wenn die Mutter ein bisschen älter wär, dann find´ ich man hat nicht so ´ne gute Beziehung. Sie hat keine Ahnung, ist so´n bisschen altmodisch. Wenn ´ne junge Mutter da im Spiel ist, da ist immer ich weiß nicht, denkt man lockerer würd´ ich sagen". Reaktionen anderer auf die Schwangerschaft Eltern Die Schwiegereltern, Eltern oder die eigene Mutter sind bei allen Befragten zwar die Ersten, die von der Schwangerschaft erfahren, jedoch fallen die Reaktionen der Eltern jeweils unterschiedlich aus. Die Eltern von drei Müttern reagieren mit Freude bis gelassen. So befürchtet eine Befragte zwar negative Reaktionen von Seiten der Eltern, ist aber dann erleichtert, als es wider Erwarten keinen Ärger gibt: "Dann bin ich erst ma meine Mama angerufen, ich hab´ gedacht so ujuhh jetzt gibt´s Ärger. Aber meine Eltern auch ganz locker gewesen also keinen Mucks gesagt". 9.2.2 9.2 Ergebnisse der Interviewauswertung 149 Eine Mutter bietet ihrer schwangeren Tochter als Reaktion sofort ihre Unterstützung an: "Das schaffen wir schon irgendwie alles". Die Eltern einer Mutter thematisieren zwar das aus ihrer Sicht zu junge Alter ihrer Tochter für die Mutterschaft, machen ihr aber letztlich dahingehend keinen Vorwurf: "Alle haben sich gefreut. Also war nicht, äh du bist noch zu jung oder so. Natürlich haben sie mir auch gesagt, aber sie meinten, wenn du zurechtkommst, dann ist das ok". Eine Mutter ist über die Schwangerschaft ihrer Tochter verzweifelt, weil ihre Tochter ihrer Meinung nach selbst noch ein Kind und damit zu jung ist, eigene Kinder zu bekommen: "So ehm meine Mutter hat gesagt, eh du bist ein Kind und machst Kinder. Und sie hat auch geweint". Partner Die Partner der jungen Mütter reagieren überwiegend mit Freude auf die Schwangerschaft: "Er hat sich gefreut, weil er ist eben älter als ich, schon zwei Jahre und ja und er hat sich natürlich gefreut". Eine andere Mutter erklärt, dass der Ehemann sich sehr über die Schwangerschaft und auf das Kind gefreut habe: "Das war so schön und mein Mann auch es war so, es war so glücklich". Der Freund einer Mutter freut sich noch mehr über das Kind, als er erfährt, dass es ein Junge wird: "Im sechsten Monat, da wusste ich, wusste ich es, dass er ehm ´n Junge wird und ja da war der Papa ja noch glücklicher, weil´s ja Moslem ist, war´s noch war er noch glücklicher" . Eine Schwangere, die nicht mit dem Vater zusammen ist, geht während der Schwangerschaft eine neue Beziehung ein. Ihr neuer Partner, der sie ja bereits als Schwangere kennen gelernt hat, akzeptiert die Schwangerschaft seiner Partnerin: "Er hat gesagt, ich nehm´ dich so wie du bist". 9 Darstellung der Ergebnisse 150 Freunde Eine Mutter hat Angst davor, in der Schule von ihrer Schwangerschaft zu erzählen, weil sie nicht einschätzen kann, wie die Schulkameraden darauf reagieren: "Ich hatte erst Angst wirklich denen es zu erzählen, so von wegen wie reagieren die drauf". Die Freunde einer Mutter reagieren mit Interesse und fragen sie viel über die Schwangerschaft und das Erleben der Schwangerschaft und Geburt. Die Freunde einer anderen Mutter finden die Schwangerschaft in Ordnung und sprechen ihr Mut zu: "Die war´n alle irgendwie so, ja du schaffst das schon und passt schon so, ja" Veränderungen in einzelnen Lebensbereichen Eigene Entwicklung Mit der Geburt des Kindes beginnt für die Mütter ein neuer Lebensabschnitt, der Auswirkungen auf ihre eigene Entwicklung hat. Mit dem Kind haben die noch minderjährigen Mädchen nun nicht mehr nur die Verantwortung für sich selbst, sondern auch für den Säugling. Eine junge Mutter beschreibt dies so: "Mja früher war mein Kopf war so wie ein Kind. Ich habe nicht gedacht, was soll ich für andere machen, isch habe immer für mich gedacht". Eine Mutter musste sich ohne Kind um nichts Gedanken machen, hatte keine Verantwortung für andere, lebte völlig Ich-zentriert, und ihre Gedanken kreisten vor allem um sie selbst. Als Mutter fühlt sie sich erwachsener als früher, weil sie nun zuerst an das Kind und dessen Bedürfnisse denkt und die Bedürfnisse des Kindes zudem vor ihre eigenen stellt: "Und jetzt also, jetzt bin ich erwachsen. Also ich denke erst mal immer bei mein Kind. Also für mich ist nicht so interessant, für ihn ist immer die wichtige". 9.2.3 9.2 Ergebnisse der Interviewauswertung 151 Für eine andere Mutter ist ebenso die Verantwortung für das Kind die zentrale Veränderung in ihrem Leben. Vor der Geburt war ihr die Tragweite der Verantwortung jedoch nicht so bewusst: "Also, bevor ich schwanger war, da das war ganz anders. Also komplett anders, also, da hat man überhaupt keine Verantwortung. Und dann kam eben der Jonny, mein Kind, ja da war´s ganz anders so. Da, da ist mir richtig die Augen so, oh Gott jetzt hab´ ich ´ne Verantwortung". Sie fühlt sich durch die Geburt des Kindes erwachsener: "Also, man wird dadurch auch mehr erwachsener. Ehrlich jetzt, man versteht viel mehr. Man lernt auch viel mehr jetzt". Die junge Mutter beschreibt sich selbst als gewissenhafter, verantwortungsbewusster und reifer als früher: "Dadurch mit ´nem Kind hab´ ich mich noch nicht, nicht richtig interessiert so ja. Also ich hab´ gar nicht richtig zugehört, wenn mir ein Erwachsener was gesagt hat oder so, aber jetzt schon". Zwei Mütter empfinden sich selbst durch die Geburt des Kindes ruhiger und ernsthafter als früher: "Ich in ruhiger geworden. Ich geh´ nicht mehr feiern und ich vermiss das gar nicht". "Ja ich hab´ mich verändert. Ich bin ernster geworden und nehm´ nicht mehr alles so locker wie früher". Eine andere Mutter bemerkt bei sich selbst keine Veränderung, bekommt aber dahingehend Rückmeldung aus ihrem Umfeld: "Na, ich soll mich wohl ganz schön verändert haben. Jasemin, du hast dich ganz schön verändert. Meinten sie wohl alle, aber ich weiß es nicht. Da sag´ ich so echt, das hör ich jetzt voll oft, ich kann mich gar nicht daran entsinnen oder so. Also, ich bin der Meinung, dass ich halt immer noch so bin wie vorher auch. Oder ich merk´ das nicht". Die eigene Entwicklung gestaltet sich bei einer Mutter durch die Geburt des Kindes anders, als sie sich das gewünscht hat. Sie muss durch das Kind einige Einschränkungen hinnehmen: "Weil man ist jung, man hat – eigentlich denkt man noch mhh bald wirst du 18 und oder nächstes Jahr hast du wieder Geburtstag und möchtest ja auch mal weggehen oder dich mit Jungs treffen oder irgendwie sich mit ehm, wie wie soll ich sagen, sich noch anders noch entwickeln, aber das ging ja dann gar nicht so mehr mit dem Kleinen". 9 Darstellung der Ergebnisse 152 Darüber hinaus fühlt sich diese Mutter durch den Stress nicht mehr so ausgeglichen, ist häufiger genervt als früher: "Aber ich bin dadurch, dass ich den Kleinen habe, sehr oft genervt, weil ich eben nicht genau den Schlaf, den ich haben möchte, den kann ich nicht kriegen, weil ich immer auf den Kleinen so ein bisschen achte". Wohnsituation Für drei der befragten Mütter ändert sich hinsichtlich der Wohnsituation durch die Geburt des Kindes nichts, sie wohnen vor und nach der Geburt gemeinsam mit den Eltern beziehungsweise Schwiegereltern zusammen. Eine Mutter äußert sich dazu: "Das sind jetzt so 36 m². Und das ist ein bisschen klein und wird ein bisschen eng, aber es geht". Die Wohnsituation der anderen beiden Mütter verändert sich durch die Geburt des Kindes maßgeblich. Sie ziehen beide aufgrund der Mutterschaft in eine eigene Wohnung, weil die Wohnung ihrer Eltern zu klein ist: "Und zu fünft wär das ein bisschen viel geworden. Und deswegen haben meine Eltern gesagt, ich krieg die eigene Wohnung". Hierbei ist jedoch anzumerken, dass nicht die Eltern die Wohnung finanzieren, sondern das Jobcenter. Eine andere Mutter beschreibt die Entscheidung für die eigene Wohnung so: "Und dann wurde mir das da alles zu viel und zu eng, und ich konnte da nicht so richtig alleine sein. Da hab´ ich mir gedacht, na ja gut, dann suchen wir uns ´ne eigene Wohnung". Schule/Ausbildung Betrachtet man die Veränderungen, die sich innerhalb der Schul- und Ausbildungssituation durch die Mutterschaft ergeben haben, wird deutlich, dass zwei der befragten Mütter die Schule vorzeitig verlassen haben und bisher keinen Schulabschluss erreicht haben: "Ich musste aufhören, ich hab´ die achte Klasse noch nicht mal beendet. Na ja, auf jeden Fall musste ich die Schule komplett abbrechen, jetzt bleibt mir halt nur noch Abendschule übrig". 9.2 Ergebnisse der Interviewauswertung 153 Die anderen drei Mütter haben zwar den Schulabschluss noch vor der Schwanger- und Mutterschaft erreicht, sind aber dennoch hinsichtlich der Ausbildung mit Schwierigkeiten konfrontiert. Eine Mutter hat eine Ausbildung zur Erzieherin oder Säuglingsschwester aufgrund der Schwangerschaft bisher nicht verwirklichen können: "Ja, ich wollte Kindergärtnerin werden, also, ich hatte immer die Beziehung zu den Kindern und dadurch oder Säuglingsschwester wollt´ ich werden. Das war dann mein Traumberuf". Nach der Geburt des Kindes hat sie diesen Wunsch aufgegeben und kann sich eine Ausbildung wegen ihres Kindes auch gar nicht mehr vorstellen: "Äh nicht, wirklich. Nicht mehr. Also durch das Kind jetzt und so. Also, ich weiß nicht. Nee, nicht mehr". Eine andere Mutter hat Zweifel, ihren ursprünglichen Berufswunsch Konditorin noch verwirklichen zu können. Sie steht vor der Schwierigkeit, Berufstätigkeit und Kinderbetreuung zu vereinen und muss, um sich beruflich weiter zu entwickeln, unter Umständen wieder auf die Unterstützung der eigenen Mutter zurückgreifen: "Mein Berufswunsch war Konditor. Ja aber, na ja klappt nicht so ganz. Ich möchte eigentlich immer noch werden. Ich will auch jetzt kucken, dass es irgendwie so ein bisschen hinhaut. Weil frühes Aufstehen, so früh kann ich den Kleinen nicht in´ den Kindergarten bringen und ob das meine Mutter vielleicht macht, so. Müsst ich dann erst sehen". Lediglich eine der befragten Mütter hat sowohl einen Schulabschluss gemacht als auch eine Ausbildung zur Pflegehelferin absolviert. Die Mutter thematisiert die Schwierigkeiten der Doppelbelastung von Ausbildung und Kindererziehung: "Weil das halt ziemlich schwer ist, jetzt mit diesem Kind jetzte irgendwie ´ne Ausbildung zu machen oder so. Ich hab´ das ja gesehen bei die drei Monate, Elisabeth wurde krank gewesen und da hab´ ich Mama gefragt, ob sie mal auf die Kleine aufpassen kann, dass ich da halt nicht zu viel verliere, also halt verpasse". Allerdings findet sie damit keine feste Arbeitsstelle, sondern lediglich einen 1-€-Job in einem Altenheim und ist darüber enttäuscht: "Ja und dann hatt´ ich das Angebot gekricht, über drei Monate den Pflegekurs zu machen, den ich dann auch gemacht habe. Und die meinten auch 9 Darstellung der Ergebnisse 154 von da, man hat gute Chancen irgendwo also da eine Arbeit zu bekommen. Ja das sieht man ja bei mir, dass es nich so war". Am Ende wird sie dann gekündigt, als ihre Tochter krank ist und sie deswegen zu viele Krankheitstage hat: "Die Elisabeth wurde krank zwischen Weihnachten und halt vor Weihnachten. So dann zwischen Weihnachten und Neujahr war ja die Kita zu, und dann hab´ ich die Grippe gekriegt, dann musst ich mich auch noch krankschreiben lassen und dann haben sie mich gekündigt und jetzt wart ich wieder". Neue Aufgaben Auch hinsichtlich der neuen Aufgaben wird die verstärkte Kindzentrierung deutlich. Das Kind und seine Bedürfnisse stehen im Zentrum der Aufmerksamkeit: "Den ganzen Tag nur mein Kind". Die Mütter müssen sich Gedanken darüber machen, welche Bedürfnisse das Kind hat und die Verantwortung für die Erfüllung übernehmen. Eine Mutter beschreibt dies folgendermaßen: "Also, ich muss aufstehen, ich muss erst mal für ihn Essen machen und anziehen und so und dann mich. Also ganz anders. Ich muss also denken, was er braucht". Um die Bedürfnisse des Kindes erfüllen zu können, muss eine Mutter ihre eigenen Bedürfnisse zurückstellen und auch Einschränkungen in finanzieller Hinsicht hinnehmen: "Jetzt muss ich sparen, jetzt muss ich mich um ihn kümmern, ich will ihm auch etwas bieten können. Das ist mir sehr wichtig". Eine Mutter empfindet die Aufgaben, die mit der Pflege und Versorgung des Kindes verbunden sind, als enorm anstrengend und belastend: "Und dann hab´ ich erst einmal gemerkt, wie anstrengend das ist. Ich sag´ so mein Kind ist ja schon anstrengend wie zwei". Drei Mütter haben bereits konkrete Erfahrungen mit der Pflege und Versorgung des Kindes, weil sie schon als Babysitterinnen tätig waren. 9.2 Ergebnisse der Interviewauswertung 155 Sie empfinden die Pflege- und Versorgungsaufgaben deshalb als weniger anstrengend: "Ich hatte ehm von Freunden viel gesehen, weil die haben auch schon Kleinkinder gehabt und da durfte ich dann auch immer aufpassen, wusst´ ich schon, wie die Windel ums Kind gepackt wird, und Essen und Trinken wusst ich dann auch schon viel". Eine der Mütter hat ebenso bereits Erfahrungen mit Babys und kleinen Kindern sammeln können und kann diese Erfahrungen aus der Kinderbetreuung auch in die Pflege und Versorgung ihres Säuglings einbringen. Jedoch differenziert sie zwischen der Kinderbetreuung und der eigenen Mutterschaft, indem sie auf die enorme Verantwortung verweist, die sie durch das eigene Kind hat: "Ja, das wusste ich auch vorher. Also von, mein Bruder hat schon zwei Kinder und wo ich auch so in dem Alter war, habe ich auch schon gewickelt und aufgepasst auch deswegen war wickeln für mich nicht so Problem jetzt. Aber wenn das dann deine eigene ist, dann ist es mehr schwierig so". Eine Mutter erzählt von anfänglichen Schwierigkeiten und Ängsten hinsichtlich der Pflege und Versorgung des Säuglings, von Situationen, in denen sie hilflos und zeitweise überfordert war: "Oder das erste Mal wickeln, wo ich wieder aufstehen konnte und so. Und da hat´ ich auch schon ein bisschen Angst oder da hatten ´se ja nur so ´ne Hemdchen, wo du hinten zumachen musstest, ja ich so Hilfee! Und da da der Nabel von eh ihr, die das bisschen ehm Nabelschnur war ja auch noch dranne. Da musste man das mit ´nem Alkohol wegmachen, das fand ich auch alles schlimm. Ich so Hilfee"! Neben den völlig neuen Aufgaben der Kinderversorgung wird die parallele Schulausbildung für die folgende Mutter zur Doppelbelastung, die sie als sehr anstrengend erlebt: "Neue Aufgaben in dem Sinne also ich hatte des Stillen, das Wickeln und Baden, also die ganz normalen Sachen, die auch jede andere Mutter hatte und dann eben dazu noch die Schule fertig zu machen. Weil ich hatte ja da zu dem Zeitpunkt noch keinen Abschluss. Und dass ist dann ein bisschen ärgerlich, weil die Schule, die macht auch Stress und denn noch den Kleinen dazu ist so ein bisschen stressig". 9 Darstellung der Ergebnisse 156 Partnerschaft Beim Thema Partnerschaft wird deutlich, dass nur zwei Mütter in festen Paarbeziehungen, die anderen drei in eher als instabil zu bezeichnenden Partnerschaften leben. Eine Mutter kennt den Vater ihres Kindes nicht, da das Kind aus einem One-Night-Stand in der Disko entstanden ist: "Weil ich ja in der Disko war und was getrunken habe, und dann, na ja, ist es halt passiert, und Papa gibt´s nicht". Sie geht dann zwar erneut eine Partnerschaft ein, aber auch diese zerbricht nach der Geburt des Kindes: "Ja, und dann ist aber auch alles schief gegangen. Weil auch zu viel Schwierigkeiten waren und so. Dann hat er Elisabeth noch bis zu einem Jahr, hat er die dann noch begleitet und danach nicht mehr". Ebenso in einer erst vier Monate alten, instabilen Beziehung befindet sich eine andere Mutter: "Und davor, es war so gewesen, dass wir, ich habe eine Beziehung gewesen, die war gerade vier Monate alt gewesen in dem Zeitraum und ehm ja und da ist der Kleine eben entstanden auch. Und ja mit dem Mann hat ich dann nicht so äh also hat ich schon viel Kontakt aber ehm ja nicht so intensiv". Diese Beziehung geht sechs Monate nach der Geburt auseinander, weil sich die Mutter durch den Partner eingeengt fühlt: "Ich war hier gewesen, und dann sagt der Papa, du bleibst zu Hause und ich gehe. Und da hab ich gesagt nix da. Und er hat auch sehr viel mich eingeengt und da hab´ ich gesagt mn, da hab´ ich gesagt nach sechs Monaten nachdem der Kleine da war, äh es geht nicht mehr". Die Partnerschaft einer anderen Mutter leidet darunter, dass der aktuelle Partner der Mutter nicht der Vater des Kindes ist, wobei die Mutter betont, dass sie froh ist, dass er dennoch bei ihr bleibt, obwohl es nicht sein Kind ist: "Ich find´s aber trotzdem schön, dass er gesagt hat, er bleibt trotzdem bei mir, er hätte ja auch sagen könne, ej pass´ mal auf ich geh´ jetzt". Ein weiteres Indiz für die Instabilität der Paarbeziehung liefert folgende Begründung der jungen Mutter dafür, warum sie nicht mit ihrem Partner zusammenlebt: 9.2 Ergebnisse der Interviewauswertung 157 "Weil die Wohnung das wär, zwei Zimmer ist halt zu klein einfach mal weil wir würden uns dann ständig auf die Nerven gehen und das ist nicht gut". Lediglich eine Mutter beschreibt eine Intensivierung der Beziehung durch das Kind. Sie war zwar auch vor der Geburt des Kindes in ihren Partner verliebt, erlebt aber durch das Baby eine Intensivierung der Beziehung: "Wenn du ein Baby hast, dann bist du mehr, also du willst diesen Mann mehr als früher". Freizeit Die Freizeit der Mütter ändert sich durch das Kind bei allen Befragten enorm. Spontan etwas zu unternehmen ist kaum noch möglich, vielmehr sind die Mütter auf die Unterstützung Anderer angewiesen, die die Betreuung übernehmen, damit sie selbst ihre Freizeit einmal ohne Kind gestalten können: "Ja, man kann nicht sag´ ich jetzt einfach mal planen was mit einer Freundin und sagen, wir geh´n da und da hin. Man muss ja erst fragen, ob Mama halt oder jemand anders auf die Kleine aufpasst. Freizeit hab´ ich eigentlich nur, wenn sie halt dann im Kindergarten ist oder abends dann halt, wenn sie schläft". Eine Mutter findet es schade und schwierig, dass sie immer bei dem Kind zu Hause sein muss: "Also, es war schwer so, ich musste immer mit ihm bleiben, ich wollte rausgehen ein bisschen in Kino oder so und ich ah ich, isch war nicht, also isch musste zu Hause bleiben mit dem Baby. Also isch, sich bin jeden Tag mit ihm zu Hause". Eine junge Mutter sehnt sich nach der ersten Zeit mit dem Baby danach, die Wohnung wieder zu verlassen. Durch das Kind ist sie jedoch eingeschränkter als früher: "Aber dann wollte man wieder raus, musste also weil ich kam anfangs wegen dem Kleinen nicht raus. Und ich kann dem Kleinen nicht immer sagen äh geh´ mal zu Oma, damit ich dann mal rausgehen kann". Der Mehrheit der Mütter fehlt die Zeit, etwas für sich zu tun: "Die hat sich viel verändert. Ich hab´ kaum Freizeit. Ich hab´ überhaupt keine Freizeit, meine Freizeit verbringe ich nur mit ihm". 9 Darstellung der Ergebnisse 158 Eine andere Mutter äußert zu diesem Thema: "Ja, mir fehlt so´n bisschen Zeit für mich". Typische Aktivitäten von jugendlichen Mädchen, wie Einkaufen, Schminken, Maniküre oder Tanzen leiden unter der Mutterschaft. Eine Mutter hat zwar manchmal die Möglichkeit für ein paar Stunden allein zum Shopping zu gehen, aber selbst dann ist sie in Gedanken bei ihrem Kind und beeilt sich, wieder nach Hause zu kommen: "Wenn ich einkaufen gehe, immer oft hektisch und immer schnell". Eine andere Mutter erklärt: "Also, wenn ich kein Kind eh hatte, dann ich war so, so ich hatte keine Gedanken – wie sagt man – ich war so, so frei so. Ich hatte immer etwas für mich Zeit eh, also Maniküre machen, meine Haare schön machen. Oder schminken oder so". Auch abends auszugehen ist mit dem Kind schwieriger geworden: "So was wie tanzen dann eben alle drei Wochen vielleicht, vielleicht alle zwei Wochen vielleicht mal. Dass man dann mal weggeht, aber. Eigentlich so viel dann auch wieder nicht, weil dann ja der Kleine noch da ist". Die Freizeitgestaltung orientiert sich damit weniger an den Interessen eines heranwachsenden Mädchens, sondern verstärkt an denen des Kindes: "Weil ich dann eher mit dem Kleinen dann durch die Gegend gurke oder eben äh dann mit dem Kleinen Schwimmen gehe oder. Also es hat isch dann mehr aufs Kleine, auf den Kleinen". Freundschaften Die Freundschaften der jungen Mütter haben sich ebenso verändert. Lediglich bei einer der Befragten sind die Freundschaften im Wesentlichen so geblieben wie vor der Schwangerschaft: "Aber eigentlich ist das so, dass wir, dass meine Freundschaften trotzdem so geblieben sind, wie sie sind". Jedoch haben die Freunde nicht immer Verständnis dafür, dass die junge Mutter heute aufgrund des Kindes weniger Zeit hat als früher: 9.2 Ergebnisse der Interviewauswertung 159 "Manchmal sehen sie´s nicht, dass ich ein Kind habe, sondern sie sagen dann, ja nun komm mal mit, komm mal mit raus. Sag´ ich, nein ich hab´ ein Kind, das geht doch gar nicht". Eine andere Mutter hat sämtliche Freundschaften durch den Umzug zu ihrem Freund verloren und bisher auch keine neuen Kontakte zu Gleichaltrigen knüpfen können. Sie hat nun lediglich Kontakte zu älteren Müttern aus dem Verwandtenkreis ihres Partners, mit denen sie sich sporadisch trifft: "Die sind ja auch schon ein bisschen älter als ich und auch alle schon, haben auch selber schon Kinder und. Aber ich geh´ ab und zu zum Besuch zu denen und ja". Dass sie nicht mehr alles mit ihren Freunden machen kann, weil sie jetzt das Kind und die damit verbundene Verantwortung hat, bedauert eine andere Befragte: "Nicht mehr so wie früher. Bist so frei und kannst alles machen und wo du willst gehen. Aber wenn du das Baby hast, musst du immer aufpassen und mit ihm bleiben". Die Enttäuschung darüber, durch die Geburt des Kindes Freundschaften zu verlieren, wird in der folgenden Erzählung deutlich: "Ja aber dann haben Sie gemerkt, Jasemin ist schwanger geworden und dann haben sie, sie sind alle mal schön weggeblieben, denn Jasemin konnte ja nicht mehr in die Disko gehen". Von ihren Freundinnen ist der jungen Mutter nur eine einzige geblieben, die heute selbst Mutter ist: "Nee, nur eine einzige Freundin, die ich jetzt heute auch noch habe. Aber sonst niemand. Aber sonst eigentlich die anderen Freunde alle gar nicht". Eine Mutter fühlt sich von ihren Freundinnen im Stich gelassen und ausgenützt, weil sie merkt, dass sie letztlich nicht an ihr selbst interessiert waren und sie, seitdem sie Mutter ist, nicht mehr interessant ist: "Ehm, na ja bis man das noch nicht gesehen hat, war ich auf deutsch gesagt, gut genuch und da wo man es dann gesehen hat und ich auch nicht mehr in die Disko gehen konnte, da hab´ ich’s richtig gemerkt, da haben sie nicht mehr angerufen, sind nicht mehr gekommen". 9 Darstellung der Ergebnisse 160 Erhaltene private Unterstützung Eltern/Schwiegereltern Bei der Thematisierung der privaten Hilfs- und Unterstützungsangebote wird deutlich, dass diese überwiegend aus dem Kreis der Familie kommen: "Das schaffen wir schon", sagt eine Mutter zu ihrer Tochter, nachdem diese erfahren hat, dass sie schwanger ist. Und so sind die Eltern oder die Schwiegereltern regelhaft Hauptansprechpartner und unterstützen die jungen Mütter: "Also, meine Schwiegermutter hat mich alles eh erzählt, wie soll ich machen mit dem Baby, also sie hat drei Kinder und sie weiß alles". Sie erfährt hier Unterstützung bei Unsicherheiten hinsichtlich des Umgangs mit dem Baby und erhält Informationen über die Babypflege und -erziehung. Ebenso findet sie hier Unterstützung, wenn sie selbst einmal ohne das Kind etwas unternehmen möchte: "Aber sie weiß wie ist, jeden Tag mit ihm zu Hause zu bleiben und ich will auch ein bisschen rausgehen oder so und manchmal bleibt auch meine Schwägerin oder meine Schwiegermutter mit ihm". Eine junge Mutter berichtet von der Unterstützung ihres Vaters bei Behördengängen und dem Ausfüllen von Anträgen: "Mein Papa. Also der weiß ja nun mit Ämtern schon besser Bescheid als ich, der ist mit mir da auch runter gefahren und hat alles ausgefüllt". Eine andere Mutter war sich bereits während der Schwangerschaft sicher, dass sie mögliche schwierige Aufgaben, die sie als junge Mutter haben wird, mit der Unterstützung aus der Familie, auf die sie zurückgreifen kann, besser bewältigen können wird: "Also mir war bewusst, dass das hart werden würde, aber mir war auch bewusst, dass ich einfach mal Leute hinter mir steh´n habe". 9.2.4 9.2 Ergebnisse der Interviewauswertung 161 Außerhalb der Kernfamilie erwähnt eine Mutter auch die Unterstützung einer Tante: "Und sonst, meine Tante unterstützt mich ganz viel. Und in vielerlei Hinsicht. Die nimmt auch manchmal, dass sie dann sagen, wir geh´n jetzt mit dem Kleinen zum Zoo oder so". Bei einer anderen jungen Mutter übernimmt auch ihre Oma die Betreuung des Säuglings. Die Mutter scheint diese Betreuungsmöglichkeit als große Entlastung zu empfinden und äußerst: "Meine Oma könnte die wirklich die ersten zwei Jahre nur nehmen". Partner Im Gegensatz zur Familie fällt die Unterstützung der jeweiligen Partner weniger intensiv aus. Eine Mutter berichtet, dass ihr Partner sie vor allem während der Schwangerschaft sehr verwöhnt habe: "Er wollte mir alles kaufen. Vitamine und äh Babyöl und für den Bauch so alles. Und er hat mich immer gefragt in der Schwangerschaft hat er misch gefragt, was willst du essen? Was soll ich für dich tun"? Mit der Zeit hat ihr Partner aber zunehmend das Interesse und die Lust verloren, und so übernimmt sie heute die Aufgaben hinsichtlich der Kindesversorgung weitgehend allein: "Aber jetzt nicht mehr. Nur wenn ich schwanger bin". Eine andere Mutter wird von dem Partner, den sie im Lauf der Schwangerschaft neu kennen gelernt hat, unterstützt: "Dann war ich im 6. oder 7. Monat schwanger, da hab´ ich schon jemand neuen kennen gelernt, und der hat mich dann soweit unterstützt die Rest der Schwangerschaft". Sie erlebt seine Anwesendheit als sehr bereichernd und unterstützend: "Mein Ex-Freund ist ja auch dageblieben, er durfte im Krankenhaus ja übernachten. Da war er drei oder vier Tage, hat er mit mir da im Krankenhaus verbracht. Ja, weil ich ja noch so erschöpft war, ich konnt´ ja nicht aufstehen, gar nichts. Da hat er mir die Kleine immer an die Brust gelegt und so. War richtig schön, also". 9 Darstellung der Ergebnisse 162 Als die Beziehung dann zerbricht, fällt diese Unterstützung weg und die Befragte ist darüber sehr enttäuscht: "Ja und dann hab´ ich ja gedacht, weil ich ja dann mich neu verliebt hatte, dass es denn vielleicht klappt. Ja, man soll da nicht denken. Es ist halt schade, dass es auseinander gegangen ist". Die Hauptlast hinsichtlich der Kinderversorgung liegt bei einer anderen Mutter, die sich bereits vom Kindesvater getrennt hat, bei ihr selbst. Der Vater kümmert sich einmal in der Woche um das Kind: "Er kommt jetzt jede Woche einmal und dann schläft der Kleine bei ihm und dann geht er wieder zusammen, bringt den Kleinen in´ den Kindergarten und dann bin ich wieder da". Dennoch würde sich die junge Mutter wünschen, dass der Ex-Partner sich öfter engagiert und sie stärker entlastet: "Und beim Papa geht´s auch nicht, dass der Kleine öfters zum Papa geht, aber. Na ja". Der Partner einer anderen Mutter engagiert sich hinsichtlich der Pflege, Versorgung und Erziehung des Kindes überhaupt nicht. Die junge Mutter rechtfertigt dies damit, dass er nicht der leibliche Vater des Kindes ist: "Ich hab´ auch zu ihm gesagt, wo er nichts getan hat und so, ich kann´s irgendwo verstehen, dass ist einfach nicht sein Fleisch und Blut. Wär´ das wirklich seine Tochter, er hätt´s gemacht, sag ich ihnen ganz ehrlich". Und auch die folgende Aussage einer anderen Mutter macht deutlich, dass sie nur sporadisch auf die Hilfe ihres Partners zurückgreifen kann: "Wenn ich mal einkaufen gehe oder so, Sachen für mich, dann lasse ich ihn kurz bei meinem Freund, aber auch nicht länger als jetzt zweieinhalb Stunden oder so". Inanspruchnahme professioneller Hilfsangebote Frauenarzt Alle befragten Mütter erhalten von Beginn der Schwangerschaft an kontinuierliche Betreuung durch einen Frauenarzt. Sie besuchen die 9.2.5 9.2 Ergebnisse der Interviewauswertung 163 üblichen Vorsorgeuntersuchungen, bekommen allerdings keine weitere Beratung, Adressen oder Hilfsangebote aufgrund ihrer Minderjährigkeit und jungen Mutterschaft: "Da hatte sie mir gar nichts gesagt, sie hat nur gesagt, dass ich dann zu dem nächsten Termin kommen muss, weil ich ja schon extrem weit war". Eine Mutter erhält Informationen von der Frauenärztin nur auf konkretes Nachfragen, das heißt, die Frauenärztin informiert sie nicht von selbst, sondern gibt lediglich Antworten auf die Fragen, die ihr gestellt werden. Wenn die junge Mutter also nicht selbst die Initiative ergreift, erhält sie nur die Routinekontrolle, jedoch keine weiteren Informationen: "Und also, wenn ich was frage, also nur sie hat mich gehelfen, wenn ich nicht frage, dann nix". Auch eine andere Mutter erhält keine weitergehenden Informationen über Beratungsstellen oder andere Anlaufstellen und Möglichkeiten, sondern wird beim Frauenarzt lediglich darauf angesprochen, ob sie sich nicht zu jung für eine Mutterschaft hält. Vom Frauenarzt bekommt diese Mutter statt weiterführender Hilfe nur folgenden vorwurfsvollen Kommentar: "Nee, nee also die haben mir nichts angebotet oder so aber die meinten schon zu mir, ach findest du nicht, dass das zu jung ist und so". Sie hätte sich mehr Unterstützung gewünscht und Hilfe gerne angenommen, gibt eine andere junge Mutter an und hätte sich über Kontaktadressen von Seiten der Frauenärztin gefreut: "Ja, manchmal war das echt schon viel so mit den ganzen Sachen. Hilfe wäre da auch gut gewesen. Man weiß da ja am Anfang so nichts". Da sie jedoch keine Hilfe von professioneller Seite erhält, ist die junge Mutter gezwungen, Eigeninitiative zu ergreifen und besorgt sich alle für sie wichtigen Informationen selbst: "Aber ehm sonst habe ich alles auch selber mir rausgesucht und selber gemacht. Das war viel zu tun". 9 Darstellung der Ergebnisse 164 Hebamme Auffallend ist, dass von den fünf befragten Müttern nur eine Mutter einen Geburtsvorbereitungskurs belegt hat. Nur zwei Mütter hatten nach der Geburt Hebammenbetreuung zu Hause. Alle anderen genossen nur während der Entbindung im Krankenhaus die Begleitung durch die Hebamme: "Ich hab´ sie nur bei der Entbindung gesehen und dann nicht mehr. Sie kam dann nicht mehr nachher zu mir oder nee". Die Kindesmütter, die keine Hebamme in Anspruch genommen haben, waren weder darüber informiert, dass es die Leistung der ambulanten Hebammenbetreuung überhaupt gibt, noch darüber, dass die Krankenkasse die Kosten dafür übernimmt. Die beiden Mütter, die Hebammenhilfe genossen haben, haben die Begleitung durch die Hebamme als unterstützend erlebt: "Alles also. Sie hat mich viel gezeigt und so. Das war gut". Die Hebamme unterstützt die Mütter bei Unsicherheiten und Problemen hinsichtlich des Stillens und berät die jungen Frauen in Bezug auf die Pflege und Versorgung des kleinen Säuglings: "Nach der Geburt kam sie drei Wochen. Sie hat mir auch gezeigt, wie ich mich besser entspannen kann. Auch also in der Schwangerschaft wie, was ich, was ich machen soll, was für´s Kind gut ist und was für mich dann gut ist. Ja das war, das war eine Hilfe auch. Sie hat richtig gute Tipps gegeben". Jugendamt Vier der Befragten haben Kontakte zum Jugendamt, weil sie minderjährig und unverheiratet sind und ihr Kind deswegen unter gesetzlicher Amtsvormundschaft steht. Hier werden die Mütter über rechtlich Schritte aufgeklärt, die hinsichtlich der Vaterschaft, dem Sorgerecht und der Zahlung von Unterhalt von Bedeutung sind. Eine Mutter ist froh, dass sie die Beratung zu diesen Themen beim Jugendamt erhält: "Ich sag´ so ist ja schön, dass man das auch mal erfährt und so". 9.2 Ergebnisse der Interviewauswertung 165 Andere Mütter fühlen sich aber weniger gut beraten und sind unzufrieden mit dem Angebot der Vormundschaftsstelle: "Die bei der Vormundschaft haben mich da nicht so beraten, die hatten das nicht so, die hat das nicht so gehabt. Da war ich nur so da, aber beraten haben die da nicht". Eine andere Mutter fühlt sich ebenso wenig beraten. Sie erhält dort ihrer Meinung nach keine für sie wertvolle Beratung, ebenso wenig hat sie beim Jugendamt Informationen zu weiteren Angeboten oder Kontaktadressen erhalten. Andererseits ist sie aber froh, dort keine Vorwürfe aufgrund ihrer jungen Mutterschaft bekommen zu haben: "Keine wirkliche Beratung, jetzt. Oder so, dass die mir sagen zu jung. Die haben mir gar nicht zu jung erwähnt. Für die war das irgendwie ok". Die Mutter, die zwar noch minderjährig, aber bereits verheiratet ist und damit nicht unter gesetzlicher Amtsvormundschaft steht, hat keinerlei Kontakte zum Jugendamt, weder vor noch nach der Geburt. Sie kennt die Institution Jugendamt und damit verbundene Angebote überhaupt nicht, weiß nicht, was das Jugendamt ist und hat dahingehend keinerlei Informationen erhalten: "Was ist Jugendamt"? Kinder- und Jugendgesundheitsdienst Alle Befragten hatten Kontakt zum Kinder- und Jugendgesundheitsdienst, da dieser Kontakt für minderjährige Mütter im Bezirk Neukölln bis zum Erreichen der Volljährigkeit verpflichtend ist. Die Beratung und Betreuung durch den Kinder- und Jugendgesundheitsdienst wird überwiegend als große Unterstützung und hilfreich erlebt: "Da hab´ ich Beratung bekommen. Das war gut". Hier werden die jungen Mütter im Rahmen der rechtlichen Beratung hinsichtlich der Vaterschaft und dem Sorgerecht aufgeklärt und über ihre Ansprüche bezüglich Kindergeld, Erziehungsgeld und Unterhaltsvorschuss informiert. Darüber hinaus können hier auch notwendige Vorsorgeuntersuchungen durchgeführt werden, falls das Kind noch 9 Darstellung der Ergebnisse 166 nicht krankenversichert ist. Eine Mutter beschreibt ihre Erfahrungen mit dem Kinder- und Jugendgesundheitsdienst wie folgt: "Da bin ich halt gleich hingegangen, und da hab´ ich mich auch gleich wohlgefühlt. Da bin ich auch gerne hingegangen". Eine andere Mutter äußert sich zur Beratung im Kinder- und Jugendgesundheitsdienst so: "Ja, weil Frau F. gibt einen auch wertvolle Tipps und kann einem auch immer wertvoll weiterhelfen. Weil mit der Frau vom Jugendamt kam ich nicht so wirklich klar". Lediglich eine Mutter versteht nicht, wieso sie ihr Kind regelmäßig im Kinder- und Jugendgesundheitsdienst vorstellen muss und empfindet diese Beratung als lästige Verpflichtung: "Ich hab´ mich immer gefragt, warum muss ich gehen, ich hab´ keine Lust und so". Eine andere Mutter würde die Beratung beim Kinder- und Jugendgesundheitsdienst auch anderen Mädchen empfehlen, die jung Mutter werden: "Ich würde ihr empfehlen, wenn das Kind schon da ist, zum so Gesundheitsdienst zu gehen. Und dann dort zu reden, ganz viel zu reden. Weil die können ganz viel helfen. Egal in was für Hinsichten. Ob das Ärger, ob das Stress mit dem Freund oder Partner ist oder ob das mit dem Amt Stress gab, die können das wirklich ganz gut, und man kann mit denen auch ganz gut toll reden". Weitere Beratungsstellen Drei der befragten Mütter haben während der Schwangerschaft und auch nach der Geburt keinen Kontakt zu weiteren Beratungsstellen für Schwangere oder Mütter. Das bedeutet, dass diese Mütter außerhalb von den verpflichtenden Angeboten beim Jugendamt und Kinder- und Jugendgesundheitsdienst keine weitere professionelle Beratung in Anspruch genommen haben. Den Kontakt zu einer Beratungsstelle sucht eine der befragten Mütter während ihrer Schwangerschaft deshalb, weil sie erfahren möchte, ob ihr das Kind aufgrund ihrer Minderjährigkeit nach der Geburt weggenommen werden kann. Nachdem ihr diese Angst von Sei- 9.2 Ergebnisse der Interviewauswertung 167 ten der Beratungsstelle genommen werden konnte, hält die junge Mutter keine weitere Beratung mehr für sich und ihr Kind erforderlich. Sie äußert sich dazu wie folgt: "Meine Sorge war halt, wie gesagt, dass sie mir das Kind wegnehmen aufgrund dessen, weil ich noch minderjährig bin und die dann zu mir gesagt haben, von wegen Frau X, da brauchen sie sich gar keinen Kopf machen, erst mal brauchen sie klare Beweise ich glaube nicht, das sie ihr Kind schlagen, misshandeln oder verrecken lassen und das war ja auch nicht der Fall. Von daher braucht ich mir ja keine Sorgen machen. Aber dann bin ich da nicht mehr hin". Eine andere Mutter sucht eigeninitiativ eine Beratungsstelle der Caritas auf und möchte einen Antrag auf Hilfe von der Stiftung `Mutter und Kind´ stellen. Nachdem sie alle Unterlagen eingereicht hat, hört sie jedoch von dieser Stelle nichts mehr: "Äh ja hatte ich, ich hatte bei der Caritas versucht, aber Caritas wollte gleich ´n ehm wie heißt das, ehm ´n von Jobcenter so´n Bericht haben, und den hatte ich zu dem Zeitpunkt noch nicht, weil ich ja noch schwanger war, und da hatte sie gesagt, ja dann schicken sie den bitte nach der Geburt. Nach der Geburt habe ich den hingeschickt, aber sie hatte mir dann auch nichts wieder zurückgeschickt, und ich warte sozusagen noch da drauf". Beratungsstelle speziell für junge Mütter Keine der jungen Mütter hat eine Beratungsstelle besucht, die speziell Beratung für junge Mütter und deren besondere Lebenssituation anbietet. Die jungen Mütter äußern mehrheitlich, dass sie eine solche Beratungsstelle nicht kennen würden und bisher von einem derartigen Angebot nichts haben in Erfahrung bringen können und sie auch dahingehend keine Empfehlung erhalten haben: "Also, isch wüsste nicht, dass ehm also, dass eine Beratungsstelle für junge Mütter ist oder so was". Eine andere Mutter bestätigt: "Ach nee. So, so was hab´ ich, hab´ ich noch nicht gehört, dass es so was gibt". Eine Mutter erachtet eine Beratungsstelle für junge Mütter als notwendig, bei der den jungen Müttern beispielsweise Dinge im Umgang mit dem Kind gezeigt und weitere Hilfe angeboten wird. Sie erachtet eine 9 Darstellung der Ergebnisse 168 solche Beratung, Betreuung und Begleitung vor allem für diejenigen jungen Mütter als wichtig und sinnvoll, die keine Unterstützung durch ihre Familie erhalten: "Also, ich denke auch so eine Betreuung für junge Mutter und ehm also dass ehm zeigen und helfen. Also, sie weiß nicht, wie eine Baby rauskommt oder so was und sie brauchen Hilfe, also, sie müssen bei einer Beratung für Mutter gehen. Sie brauchen das. Aber ich hatte Glück mit meiner Schwiegermutter, weil wenn de jemand niemand hat, also sie brauchen unbedingt diese Beratung". Eine andere Mutter hätte selbst gerne eine Beratungsstelle für junge Mütter besucht: "Ja, das, das hätte ich auch gemacht. Das, das wär dann schön gewesen. Dann wäre man nicht so allein gewesen den Anfang. Und hätte mal da noch die Beratung gekricht schon vorher bevor der Kleine dann da war". Eine andere Mutter hätte ein solches Angebot gerne angenommen, um mit jemandem reden zu können: "Ja, mal mit andere reden und so. Das wäre schon gut gewesen". Jedoch gibt es auch eine Mutter, die an einer speziellen Beratung für junge Mütter überhaupt kein Interesse zeigt: "Nee, das hat ich ja alles durch meine Eltern. Also, ich ich sag´ Ihnen auch ganz ehrlich, ich hätt´ mich da auch nirgendwo hingesetzt und mich beraten lassen, weil das wusst´ ich alles vorher alles". Bücher/Zeitschriften Drei der Befragten ergreifen Eigeninitiative und informieren sich in Büchern selbst darüber, wie sich das Baby im Mutterleib entwickelt, wie es heranwächst und sind neugierig darauf, was in ihrem Bauch passiert: "Und ich hatte immer Bücher gelernt und gekuckt, wie ein Baby aussieht im Bauch und was der dort macht und wie isst er in meinem Bauch und so". Eine andere Mutter verschafft sich Wissen und Informationen über die Entwicklung ihres Kindes in Büchern und Zeitschriften: "Ich hatte viel dann auch in Büchern. Und da konnt ich reinkucken, wie ich, wie was jetzt ansteht, was er, was er jetzt lernt, wie wo was hingeht". 9.2 Ergebnisse der Interviewauswertung 169 Mutter-Kind-Gruppe Keine der befragten Mütter hat seit der Geburt des Kindes eine Mutter- Kind-Gruppe besucht. Lediglich eine Mutter plant nach einer Empfehlung durch den Kinder- und Jugendgesundheitsdienst den Besuch einer Gruppe. Eine Mutter kannte dieses Angebot nicht: "Ich wusste gar nicht, dass es so was gibt. Nee." Babyschwimmen Ebenso wie bei der Frage nach dem Besuch einer Mutter-Kind-Gruppe hatte auch keine Mutter ein Angebot zum Babyschwimmen in Anspruch genommen. Eine Mutter wusste nicht einmal, dass es ein derartiges Angebot überhaupt gibt: "Babyschwimmen kenn ich gar nicht". Eine andere Mutter kannte zwar das Angebot, traute sich aber nicht hinzugehen, weil sie dachte, ihr Baby sei noch zu klein. Sie wollte erst gehen, wenn das Kind größer und älter ist. Und wiederum bei einer anderen Befragten scheitert der Besuch des Babyschwimmens aus finanziellen Gründen, sie kann sich dieses Angebot aufgrund der hohen Preise nicht leisten: "Ich war mit ihr beim Babyschwimmen, und dann haben sie mir die Preise gesagt, und da war mir ganz schlecht". Vergünstigte Angebote gab es aber nicht, und so mussten sie und ihr Kind auf diese Erfahrung verzichten: "Ja, und dann hab´ ich nachgerechnet immer, ob ich das ob ich das mir finanzieren könnte und dann hab´ ich mir das ausgerechnet. Hat aber nicht geklappt, es war zu teuer". Kindergarten Zwei der befragten Mütter nehmen derzeit bereits die Möglichkeit der Kinderbetreuung im Kindergarten in Anspruch. Alle anderen Mütter möchten ihre Kinder anmelden. Ein Argument für die Entscheidung 9 Darstellung der Ergebnisse 170 zum Kindergarten ist der Wunsch, endlich wieder mehr Zeit für sich selbst zu haben: "Ich brauch meine Ruhe. Ja doch, soll er gehen". Eine Mutter verbindet mit dem Kindergarten, neben dem Faktor, mehr Zeit für sich selbst zu haben, die Hoffnung, dann möglicherweise die Schule nachholen zu können: "Das ist besser, damit ich dann halt gewisse Zeiten habe, wo ich mich noch mal hinlegen kann oder noch mal was machen kann oder da wird´ ich dann die Schule machen". Eine andere Mutter erhofft sich von dem Besuch in einer Kindereinrichtung, dass ihr Kind dort erzogen wird: "Er lernt dort auch viel, und Benehmen lernt er auch. Das Benehmen. Die meisten Kinder heute wissen kein Benehmen jetzt. Ehrlich jetzt. Die machen, was die wollen. Wenn man denen was sagt, mach das nicht. Sie machen´s trotzdem. Es nützt nicht. Und deswegen Kindergarten, vielleicht lernen die da". Kontakte zu anderen jungen Müttern Drei der Befragten haben Kontakte zu anderen jungen Müttern, die zu ihrem Freundeskreis gehören und die sie bereits von früher kennen: "Meine Freundin, die hat auch ein Mulatten – Kind. Und da ´drüber auch wieder ´ne Freundin, die hat auch ein Kind, ein Mulatten – Kind. Aber das sind alles alte Freunde von vorher". Zwei der Befragten haben lediglich Kontakte zu anderen Müttern aus Verwandtschaftskreisen: "In meiner Familie würd´ ich sagen, gibt´s auch viele junge Mütter. Dadurch habe ich auch viele Mütter kennen gelernt". Eine dieser Mütter hätte sich gerne mehr Kontakt zu Müttern außerhalb der Familie gewünscht: "Nein, also isch, hatte isch nicht. Ich habe mir oft gewünscht so mit andere zu reden oder spazieren gehen so, aber isch habe eh nicht gekannt jemand". Alle Befragten haben damit Kontakt zu anderen jungen Müttern – allerdings kommen diese Mütter alle aus der Verwandtschaft oder dem 9.2.6 9.2 Ergebnisse der Interviewauswertung 171 früheren Freundeskreis der Befragten, das heißt, es sind seit der Geburt des Kindes keine neuen Kontakte zu anderen jungen Mädchen entstanden, die auch bereits Mutter sind. Konfrontation mit Vorurteilen Drei der befragten Mütter thematisieren im Verlauf des Interviews die Konfrontation mit Vorurteilen oder erwehren sich gegen die Vorurteile, die minderjährigen Müttern entgegengebracht werden: "Weil bei uns junge Mütter wir kriegen immer so Vorurteile ab, wir sind, wir können für unsere Kinder nicht sorgen, wir, wir sind doch selber noch Kinder und hier und da und hast du nicht geseh´n. Komisch. Es ist nur ich hab´ noch nicht einmal im Fernsehn gesehen, dass eine unter 18-jährige Mama ihr Kind misshandelt, geschlagen, ermordet, (…) hat, es sind immer die Älteren, aber uns junge Mütter müssen sie ankacken. Das ist doch immer so. Dann sag´ ich denen auch, das ist doch so, das sind alles 34 und älter, die ihre Kinder misshandeln". Die Meinung, dass man als Minderjährige bereits sehr verantwortungsbewusst und reif sein kann, vertritt eine andere junge Mutter. Als Beispiel betrachtet sie ihre Schwägerin, ebenfalls eine minderjährige Mutter, die sie durchaus wie eine 19- oder 20-Jährige empfindet, weil sie mit dem Baby umgehen kann und nicht völlig ahnungslos ist, wie es ihrer Meinung nach jungen Müttern unterstellt wird: "Also, ich finde, sie ist auch wie 19 oder 20, also nicht so sie ist junge Mutter und weiß gar nichts oder so was". Eine andere Mutter wird sowohl von Ärzten als auch in der Öffentlichkeit häufig aufgrund ihrer Schwangerschaft und ihres Alters angesprochen. Sie ist damit konfrontiert, dass andere sie für zu jung halten, um ein Kind zu erziehen und ihr das auch sagen: "Und alle meinten, ich bin zu jung so". Sie selbst reagiert darauf mit einer Verteidigungs- bis Trotzhaltung: "Ich meinte nee, wieso? Ich komm schon zurecht irgendwie". 9.2.7 9 Darstellung der Ergebnisse 172 Besondere Belastungen Neben den bereits thematisierten Belastungen und neuen Aufgaben, die die Mutterschaft im Jugendalter mit sich bringt, nennen drei der Mütter weitere Belastungen, mit denen sie im Zusammenhang mit der Mutterschaft konfrontiert waren: Eine Mutter musste sich damit auseinandersetzen, dass das Kind dem Vater vor allem den Aufenthalt in Deutschland sichert und der damit verbundenen kränkenden Vermutung, dass dies der einzige Beweggrund für die Beziehung mit ihr und die Freude über die Vaterschaft gewesen ist: "Papa war glücklich, weil er hat den Aufenthalt ja nur gesehen, weil er hatte keinen Aufenthalt gehabt und ehm ja". Die ungeklärte Vaterschaft belastet eine andere junge Mutter, denn es kamen für ihr Kind grundsätzlich zwei Väter in Frage. Als sich nach einem Vaterschaftstest herausstellt, dass ihr derzeitiger Freund nicht der Vater ist, vermutet die Mutter, dass dieser die Röhrchen mit dem Testmaterial vertauscht hat, weil er Angst hatte, der Vater zu sein: "Dass er den Test einfach manipuliert hat, damit er nicht der Vater ist". Der Grund für die Manipulation liegt für sie darin begründet, dass ihr Partner keinen Unterhalt zahlen möchte. Der Mutter selbst geht es in erster Linie jedoch nicht um finanzielle Absicherung, sondern um einen Vater für ihr Kind: "Er wollt damals nicht wegen Unterhalt. Ich sag´ auf deinen Unterhalt kann ich scheißen, ich brauch dein Geld nicht. Für die 154 € kann ich meinem Kind auch keinen Vater kaufen". Wiederum eine andere Mutter schildert ihre Auseinandersetzung damit, alleinerziehend zu sein und alle Aufgaben rund um die Pflege, Versorgung und Erziehung des Kindes völlig alleine bewältigen zu müssen: "Ja und jetzt soweit, jetzt bin ich wieder alleine und muss alles alleine machen ehm das ist ehm nicht immer halt so einfach". Zu der Belastung, alleinerziehend zu sein, kommt bei dieser Mutter die Tatsache, dass sie den Vater des Kindes noch nicht einmal selbst kennt 9.2.8 9.2 Ergebnisse der Interviewauswertung 173 und ihn auch ihrer Tochter nicht vorstellen kann, weil die Schwangerschaft das Ergebnis eines One-Night-Stands ist: "Ist halt schade, dass dass sie halt nicht ihren eigenen Papa kennt und so. Ich ja auch nicht, aber na ja". Zukunftsvorstellungen Schule/Arbeit Die Wünsche für die Zukunft tangieren vor allem die Themenfelder Schule beziehungsweise Arbeit, Partnerschaft und Kinder und die Wohnsituation. Deutlich wird, dass sich die Mütter neben der Kindererziehung auch Erfolg im Beruf wünschen: "Ich will eine, ich will nicht zu Hause bleiben, die ganze Zeit mit Kinder und so. Isch will arbeiten gehen". Eine Mutter würde gerne im Altenbereich tätig werden, weil sie dafür auch die Qualifikation besitzt, sieht aber aufgrund eigener Erfahrungen die Problematik, dass es schwierig werden wird, die Arbeitszeiten mit den Kindergartenzeiten der Tochter zu vereinbaren: "Im Altersheim oder so. Aber das ist auch doof, da muss man so früh aufstehen, die Kleine dann so früh in den Kindergarten bringen und das möcht´ ich auch nicht wirklich". Deutlich wird auch, dass die Mütter durchweg kompromissbereit sind, was die Ausbildungsrichtung oder Tätigkeit angeht. Um nicht nur mit den Kindern zu Hause bleiben zu müssen, wäre es letztlich nahezu zweitrangig, was sie machen: "Also, ich wollte eine Ausbildung machen oder so was oder Frisör machen oder ist egal was, Kassiererin oder so was". Eine Mutter zweifelt daran, überhaupt noch irgendeine reelle Chance auf dem Arbeitsmarkt zu haben: "Mir wär´s im Moment wär´s mir wirklich egal, was ich mache, weil ehm ich hab´ einfach mal so viel verbaut jetzt dass ich keinen Abschluss gemacht habe". 9.2.9 9 Darstellung der Ergebnisse 174 Dennoch würde sie gerne die Schule beenden oder eine Ausbildung machen, um nicht dauerhaft von den Leistungen nach SGB II abhängig zu sein: "Das auf jeden Fall, also eins von beiden muss ich machen. Da kann kommen was will, ich hab´ keine Lust vom Sozialamt weiter zu leben". Auch eine andere Mutter möchte auf jeden Fall arbeiten, unabhängig davon was: "Und Arbeit. Auf jeden Fall arbeiten, irgendwie was". Die Wahl der Arbeit rückt aufgrund der antizipierten und tatsächlich erfahrenen mangelnden Chancen in den Hintergrund. Was zählt, ist dann letztlich nur, überhaupt irgendeine Arbeit zu bekommen. Wohnsituation Eine junge Mutter möchte gerne ohne ihre Schwiegermutter sein und am liebsten mit ihrem Mann und dem Kind alleine in einer eigenen Wohnung leben. Sie äußert dies im Flüsterton mit Blick auf das Aufnahmegerät: "Ohne meine Schwiegermutter. Also nur ich alleine mit meinem Mann, mit meine Kinder. Nicht mit meine Schwiegermutter". Darüber hinaus sehnt sie sich nach einem Rückzugsort fernab der Großfamilie: "Manchmal man braucht so alleine bleiben mit dein Mann und deine Kinder und ruhig bleiben und so – wie sagt man – nicht so viele sein". Eine andere Mutter träumt davon, aus Berlin wegzugehen, sie möchte Neues entdecken und die Welt kennen lernen: "Aber ich will einfach mal, ich weiß nicht, ich bin siebzehn Jahre wohn´ ich jetzt hier und irgendwann ist auch mal gut, weil mich interessiert das hier alles gar nicht das ist alles immer dasselbe. Man sieht immer dieselbe Straße immer dieselben Leute. Immer. Das ist hmmm. Das muss nicht sein. Hier ist alles so trist. So langweilig". 9.2 Ergebnisse der Interviewauswertung 175 Kinder Bei den Wünschen für die Zukunft wird hinsichtlich der weiteren Familienplanung deutlich, dass weitere Kinder durchaus vorstellbar sind, dies aber auf später verschoben wird. Eine Mutter kann sich langfristig noch ein oder zwei Kinder vorstellen, möchte aber erst beruflich Fuß fassen: "Ich hab´ gleich mit der Pille wieder angefangen. Dass mir das bloß nicht noch mal passiert, dass ich noch mal schwanger werde. Weil ich will ja auch noch Ausbildung dann demnächst jetzt machen". Ebenso wünscht sich eine andere Mutter zwar auch weitere Kinder. Sie möchte die Kinder aber erst in drei oder vier Jahren bekommen, weil sie jetzt mit ihrem Kind so viel zu tun hat und mit der Betreuung des Kindes jetzt bereits an ihre Grenzen kommt: "Später. Aber so jetzt nee. Das würd´ ich nicht schaffen. Weil wie gesagt, mein Kind ist unglaublich. Ich hab´ so ein unruhiges Kind noch nicht gesehen". Partnerschaft Die beiden Mütter, die derzeit nicht in einer Partnerschaft leben, äu- ßern den Wunsch nach einer stabilen Partnerschaft. Dabei ist es ihnen auch wichtig, einen Partner zu finden, der auch ihr Kind akzeptiert und sie unterstützt: "Den richtigen Partner finden. Der auch den Kleinen richtig akzeptiert". Eine weitere Mutter, die in einer Paarbeziehung lebt, äußert den Wunsch, demnächst heiraten zu wollen: "Und dann meinen Mann irgendwann noch heiraten hoff´ ich doch, dass wir das endlich mal gebacken kriegen". Interpretation und Schlussfolgerungen Dass die Schwangerschaft im Jugendalter weder ein normales noch immer ein erwünschtes Ereignis ist, zeigen die Reaktionen der jungen Mädchen auf die Schwangerschaft. Alle Befragten sind bis auf eine 9.3 9 Darstellung der Ergebnisse 176 Mutter geschockt darüber, dass sie so jung Mutter werden. Auch wenn vielleicht etwas Freude über das heranwachsende Leben aufkommt, so bricht für die meisten jungen Mädchen erst einmal eine Welt zusammen. Dies zeigt sich auch daran, dass zwei Mädchen zuallererst an Abtreibung denken, enttäuscht sind, als es dafür schon zu spät ist, und eine Mutter sogar eine Adoption in Erwägung zieht. Durch die Mutterschaft verändert sich das Leben der Mädchen erheblich. Vor allem hinsichtlich der eigenen Entwicklung müssen die jungen Mütter Einbußen hinnehmen. Durch die Verantwortung für das Kind müssen sie eigene Interessen zurücknehmen, die jungendtypische Ich-Zentrierung zugunsten des Kindes aufgeben. Die meisten Mütter erleben sich durch das Kind erwachsener, reifer, gewissenhafter und ernster. Allerdings beklagt eine Mutter auch die Einschränkungen hinsichtlich ihrer persönlichen Entwicklung, die sich heute wegen des Kindes anders gestaltet, als sie selbst sich das gewünscht hätte. Auch bezüglich der neuen Aufgaben, die mit der Mutterschaft einhergehen, äußern die Mütter eine zunehmende Kindzentrierung. Die Übernahme von Verantwortung für die Bedürfnisse des Kindes impliziert die Rücknahme eigener Bedürfnisse und hat Einschränkungen für die jungen Mütter zur Folge. Neben fehlender Zeit für sich selbst und für die eigenen jugendtypischen Interessen werden zudem Einschränkungen in finanzieller Hinsicht thematisiert. Einige Mütter haben hinsichtlich der Pflege und Versorgung von Säuglingen bereits Erfahrungen durch Babysitting gesammelt. Die Pflege und Versorgung des Kindes sind aus ihrer Sicht deshalb für sie nichts Neues und kein Problem. Die überwiegende Mehrheit der Mütter schätzt ihre Fähigkeiten diesbezüglich sehr hoch ein. Dies zeigt jedoch einen Mangel an realistischer Einschätzung hinsichtlich der tatsächlichen Verantwortung und suggeriert, dass jeder ein Kind großziehen kann und damit keine besonderen Mühen verbunden sind. Nur eine einzige Mutter thematisiert den Unterschied zwischen Babysitting und der eigenen Mutterschaft und erkennt die langfristige Verantwortung, die tagtäglich auf ihr lastet. Eine andere Mutter thematisiert im Themenbereich der neuen Aufgaben die Doppelbelastung, zum einen für die Pflege und Erziehung verantwortlich zu sein und sich andererseits auch um die eigene schulische Entwicklung kümmern zu müssen. 9.3 Interpretation und Schlussfolgerungen 177 Angesichts der enormen Belastungen, die mit den neuen Aufgaben durch das Kind verbunden sind, verschieben die Mütter die weitere Familienplanung auf später, um erst einmal noch Zeit zu haben, den Schulabschluss nachzuholen oder eine Ausbildung zu absolvieren und sich selbst noch entwickeln zu können. Eine junge Mutter erwähnt in diesem Zusammenhang, dass sie mit diesem einen Kind schon an ihre Grenzen stößt und sich erst einmal keine weiteren Kinder wünscht. Die Mütter, die wegen der Schwangerschaft in eine eigene Wohnung gezogen sind, haben neben den Pflichten der Kinderversorgung nun auch einen eigenen Haushalt zu organisieren, und die Mütter, die bei den Eltern oder Schwiegereltern leben, müssen sich mit dem Leben in der Gemeinschaft arrangieren und haben nur wenig Privatsphäre. Zwar können sie unter Umständen auf mehr Unterstützung von Seiten der Familie zurückgreifen, sie müssen sich andererseits aber stärker anpassen. Sie bleiben also irgendwie noch das Kind und sind gleichzeitig aber schon selbst Mutter. Eine Mutter thematisiert diese Problematik und wünscht sich für ihre Zukunft nichts sehnlicher, als mit ihrem Mann und dem Kind in eine eigene Wohnung ziehen zu können und damit dem Einfluss der Großfamilie und der Schwiegermutter – obwohl sie von dieser am meisten unterstützt wird – zu entkommen. Vor allem im Bereich der Schul- und Berufsausbildung treten durch die Mutterschaft enorme Veränderungen auf. So verlassen die Mütter entweder die Schule vorzeitig ohne jeglichen Abschluss oder sie müssen – wenn sie denn einen Abschluss haben – Einschränkungen im Ausbildungs- und Berufsleben hinnehmen. So geben einige Mütter ihren einstigen Berufswunsch zugunsten der Kindererziehung völlig auf oder modifizieren ihn, damit er sich mit dem Muttersein vereinbaren lässt. Eine Mutter, die bereits eine Ausbildung absolviert hat, muss sich den harten Bedingungen des Arbeitsmarktes stellen. Sie hat Mühe, eine Arbeitsstelle zu finden und beurteilt es als sehr schwierig, die Doppelbelastung von Arbeit und Mutterschaft zu bewältigen. Ihre Enttäuschung darüber, auf dem Arbeitsmarkt so schlechte Chancen zu haben, findet den Höhepunkt, als sie in ihrer neuen Stelle gekündigt wird, weil sie zu viele Krankheitstage wegen ihres Kindes hat. Deutlich wird bei allen Befragten, dass sie sich grundsätzlich neben der Mutterschaft auch Erfolg im Berufsleben wünschen. Dabei sind die jungen Mütter – nicht zuletzt aufgrund bereits gemachter Erfahrungen – durchweg 9 Darstellung der Ergebnisse 178 kompromissbereit hinsichtlich der Ausbildungsrichtung und tatsächlichen Tätigkeit. Angesichts antizipierter und tatsächlicher mangelnder Chancen aufgrund der fehlenden Qualifikation in Verbindung mit der frühen Mutterschaft ist es für die Mütter regelhaft zweitrangig, was sie beruflich machen. Sie geben den Gedanken auf, sich nach eigenen Interessen und Fähigkeiten beruflich zu entfalten, um überhaupt irgendeine Chance auf eine Arbeitsstelle zu bekommen, so ihrem Kind und sich selbst eine Perspektive geben zu können und wirtschaftliche Selbstständigkeit zu erreichen. Hinsichtlich der Partnerschaften der Mütter kann festgehalten werden, dass die Mütter, die in einer instabilen Partnerschaft leben oder gar keinen Partner haben, an dieser Situation leiden. Daran, dass sie den Vater des Kindes gar nicht kennen, sie vom Kindesvater getrennt sind oder der aktuelle Partner nicht der Vater des Kindes ist. Sie alle sehnen sich nach einer stabilen Partnerschaft oder wünschen sich einen Partner für sich und einen Vater für ihr Kind. Die beiden Mütter, die in einer festen Paarbeziehung leben, erleben das Kind als Bereicherung, und eine Mutter beschreibt durch die Geburt des Kindes sogar eine Intensivierung der Beziehung zu ihrem Mann. Durch die neuen Aufgaben der Mutterschaft schmälert sich auch das Zeitbudget für Freizeitaktivitäten. Die Mehrzahl der Mütter verbringt – im Gegensatz zu früher – die meiste Zeit mit dem Kind. Den Müttern fehlt die Zeit, jugendspezifischen Interessen nachzugehen und einfach einmal etwas für sich selbst zu tun. Möchten sie dennoch Zeit ohne Kind verbringen, müssen die jungen Mütter auf die Unterstützung anderer zurückgreifen, in der Regel auf die der eigenen Eltern oder Schwiegereltern, was abermals ihre Abhängigkeit forciert. Die mangelnde zeitliche Flexibilität hat Rückwirkung auf die Freundschaften der Mütter, den Kontakt zu Gleichaltrigen, der gerade bei Jugendlichen von großer Bedeutung ist. Nicht immer haben die Freunde Verständnis dafür, dass die junge Mutter wegen ihres Kindes weniger Zeit hat und nicht mehr so flexibel ist wie früher. Die Mütter verlieren mehrheitlich den Kontakt zu Peers, was für einige eine sehr schmerzliche Erfahrung ist. Nur eine einzige Mutter erklärt, dass sich hinsichtlich ihrer Freundschaften seit der Geburt des Kindes nichts verändert hat. Alle anderen Mütter leiden darunter, dass Freundschaften wegbrechen, das Interesse der Freunde an ihnen verloren geht und 9.3 Interpretation und Schlussfolgerungen 179 sie mit dem Kind zurückgewiesen werden. Eine Mutter fühlt sich von ihren früheren Freunden regelrecht im Stich gelassen. Wenn sich Freunde zurückziehen oder aber der Mutter plötzlich ablehnend gegenüberstehen, kann das sehr verletzend sein und eine zunehmende Orientierung am Partner, der Familie und den Eltern fördern. Hier wäre es wichtig, dass junge Mütter auch neue Kontakte knüpfen können. Die befragten Mütter beschreiben jedoch mehrheitlich, dass sie seit der Mutterschaft keine neuen Kontakte zu anderen jungen Müttern aufbauen konnten. Alle Befragten kennen zwar mindestens eine junge Mutter. Diese stammt aber entweder aus dem engeren Familienkreis, oder es handelt sich bei der Bekanntschaft um eine frühere Freundin, die ebenfalls früh Mutter geworden ist. Neue Kontakte sind folglich seit der Geburt nicht entstanden – jedoch sind alte Kontakte verloren gegangen. Neben den neuen Aufgaben und Veränderungen im Zuge der Mutterschaft erwähnen die befragten Mütter weitere Belastungen, mit denen sie konfrontiert sind und die ihnen große Sorgen bereiten. Eine Mutter muss die Enttäuschung verarbeiten, dass das Interesse des Partners an der Vaterschaft vor allem daher rührt, dass er sich dadurch den Aufenthalt in Deutschland sichern kann. Eine andere Mutter beklagt, dass ihr Partner die Vaterschaft nicht anerkennen wollte, weil er nicht bereit war, Unterhalt für das Kind zu zahlen. Und wiederum eine andere Mutter kennt den Vater des Kindes nicht, sie quält zum einen der Gedanke, dass sie ihrem Kind niemals den Vater vorstellen kann, und sie belastet zum anderen die Tatsache, dass sie deshalb die alleinige Erziehungsverantwortung hat. Alle diese Belastungen haben sich im Rahmen der jungen Mutterschaft ergeben. Diese Problematiken können aufgrund ihrer Komplexität überfordern, vor allem wenn man betrachtet, wie jung die Mädchen sind. Nachdem sich die vergangenen Abschnitte den wesentlichen Ver- änderungen gewidmet haben, die die Geburt des Kindes im Leben der jungen Mädchen verursacht hat, soll im Folgenden der Blick auf die Unterstützung gelenkt werden, die die Mütter erhalten haben, um mit der neuen Situation zurechtzukommen. Diese Betrachtung schließt auch die Reaktionen der Umwelt auf die Schwanger- und Mutterschaft mit ein. 9 Darstellung der Ergebnisse 180 Die Reaktion der Eltern beschreiben die meisten Mütter als positiv. Die meisten Eltern reagieren gelassen, zeigen ihre Freude oder bieten ihre Unterstützung an. Dort, wo das junge Alter der Mutter thematisiert wird, geschieht dies nicht in Form eines Vorwurfs. Eine Mutter zeigt sich jedoch äußerst besorgt darüber, dass ihre Tochter nun selbst Mutter wird. Sie ist anfangs geschockt und weint. Die jungen Mütter, die sich in einer Partnerschaft befinden und den Vater des Kindes kennen, beschreiben eine freudige Reaktion des Partners auf das Kind. Die Mutter, deren Freundschaften sich durch die Schwangerschaft nicht wesentlich verändert haben, erklärt, dass auch ihre Freunde die Schwangerschaft in Ordnung fanden und ihr Mut zugesprochen haben. Jedoch thematisieren mehrere Mütter, dass sie im Laufe ihrer Schwangerschaft mit dem Vorwurf aus der sozialen Umwelt konfrontiert waren, sie seien noch zu jung für ein Kind. Diese Konfrontation mit Vorurteilen erleben die Mütter als belastend und verletzend, und sie erwehrten sich mehrheitlich gegen Vorurteile minderjährigen Müttern gegenüber. Die meiste tatsächliche Unterstützung aus dem sozialen Umfeld erhalten die minderjährigen Mütter von den eigenen Eltern beziehungsweise den Schwiegereltern. Die Unterstützung umfasst sowohl Ratschläge hinsichtlich der Pflege, Ernährung und Erziehung des Kindes, die zeitweilige Übernahme der Betreuung, damit die junge Mutter selbst einmal Zeit für sich hat oder ausgehen kann, als auch die Begleitung zu Behördengängen. Im Gegensatz zur Unterstützung durch die Eltern und Schwiegereltern fällt die des eigenen Partners weniger engagiert aus. Sie nimmt nach der Geburt zunehmend ab oder fällt bei einigen Befragten völlig weg, so dass die Hauptverantwortung der Kinderversorgung am Ende bei den jungen Müttern liegt. Wenn die Väter sich engagieren, wird dies von den Müttern als bereichernd und unterstützend erlebt, alles in allem wäre mehr Engagement von Seiten der Kindesväter jedoch wünschenswert. Nach Betrachtung der familiären Unterstützung richtet sich der Blick nun zusammenfassend auf die Inanspruchnahme professioneller Hilfeangebote: Alle befragten Frauen haben die Vorsorgetermine beim Frauenarzt wahrgenommen, wurden jedoch hier hinsichtlich der jungen Mutterschaft nicht weitergehend beraten, haben keine Kontaktadressen von 9.3 Interpretation und Schlussfolgerungen 181 speziellen Beratungsstellen für junge Schwangere und Mütter bekommen und wurden nicht auf weiterführende Hilfen aufmerksam gemacht. Dies hat zur Folge, dass die jungen Mütter selbst die Initiative ergreifen, eigenhändig nachfragen oder sich selbst die für sie wichtigen Informationen besorgen müssen. Auffallend ist auch, dass nur eine Mutter an einem Geburtsvorbereitungskurs teilgenommen hat und alle anderen keine Hebammenbetreuung vor der Geburt hatten und auch ihren Anspruch dahingehend nicht kannten. Es ist diesbezüglich auch keine Beratung oder Empfehlung durch den Frauenarzt erfolgt. Folglich haben nur zwei Mütter die Hebammenbetreuung nach der Geburt in Anspruch genommen, alle anderen sind der Hebamme nur während der Geburt begegnet und wussten ebenso wenig über die Krankenversicherungsleistung der ambulanten Nachbetreuung durch die Hebamme Bescheid. Deutlich wird an dieser Stelle auch, dass die Mütter, die Hebammenhilfe in Anspruch nehmen konnten, diese als sehr hilfreich und bereichernd empfunden haben. Die jungen Mütter müssen aufgrund ihrer Minderjährigkeit Beratungsangebote beim Jugendamt und Kinder- und Jugendgesundheitsdienst in Anspruch nehmen. Beim Jugendamt entfällt die obligatorische Beratung für minderjährige Mütter, wenn sie verheiratet sind, weil das Kind der minderjährigen Mutter dann keinen Amtsvormund mehr benötigt. Das Resultat im vorliegenden Fall ist, dass eine befragte minderjährige Mutter, die bereits verheiratet ist, das Jugendamt und dessen Angebote noch nicht einmal kennt. Alle anderen Befragten nehmen die verpflichtenden Besuche im Jugendamt zwar wahr, fühlen sich aber überwiegend dort nicht gut beraten. Sie erhalten dort auch keine weiteren Kontaktadressen für weitergehende Beratungsangebote oder zielgruppenspezifische Anlaufstellen. Positiv hingegen wird, bis auf eine Ausnahme, die Beratung des Kinder- und Jugendgesundheitsdienst erlebt, die für minderjährige Mütter unabhängig davon, ob sie verheiratet sind oder nicht, obligatorisch ist. Die Mütter erklären, dass sie dort für sie relevante Beratung und Tipps bekommen haben. Eine Mutter empfiehlt den Kinder- und Jugendgesundheitsdienst sogar anderen minderjährigen Müttern weiter. Anzumerken ist an dieser Stelle jedoch, dass das Angebot erst nach der Geburt des Kindes, also nicht während der Schwangerschaft greift und damit die Beratung erst zu 9 Darstellung der Ergebnisse 182 einem relativ fortgeschrittenen Zeitpunkt der Auseinandersetzung mit der Mutterschaft einsetzt. Die Mehrheit der befragten Mütter hat keinen weiteren Kontakt zu anderen Beratungsstellen, dass bedeutet, dass diese Mütter nur das obligatorische Pflichtangebot wahrnehmen und darüber hinaus bisher mehrheitlich keine weitere professionelle Beratung aufgesucht haben. Lediglich eine Mutter wendet sich eigeninitiativ an eine Beratungsstelle, um Stiftungsgelder zu beantragen, wird dann aber durch mangelnde Betreuung enttäuscht und erhält keine Rückmeldung bezüglich ihrer Anfrage. Eine andere Mutter sucht eine Beratungsstelle aus der Angst heraus auf, man könnte ihr aufgrund ihrer Minderjährigkeit das Kind wegnehmen. Als sie erfährt, dass Minderjährigkeit allein hierfür kein Grund ist, geht sie nicht mehr zur Beratung. Dies zeigt, dass die Mutter negative Reaktionen auf ihre Schwanger- und Mutterschaft erwartet. Das Nichtaufsuchen von Beratungsstellen kann möglicherweise daraus resultieren, dass die Angebote schlichtweg nicht bekannt sind, oder aber, dass die Mütter aus Angst oder Scham vorhandene Angebote nicht annehmen. Um diese Hypothesen oder weitere Gründe für die Nichtinanspruchnahme von Hilfeangeboten näher zu erforschen sind weiterführende Forschungsarbeiten von Nöten. Auf die Frage nach einer speziellen Beratungsstelle für minderjährige oder junge Mütter antworten alle Befragten damit, dass sie von einer derartigen Stelle oder einem Beratungs- oder Informationsangebot speziell für junge Mütter bisher nichts in Erfahrung bringen konnten, jedoch fast alle ein solches Angebot gerne wahrnehmen würden und auch als notwendig empfinden. Keine der Mütter besucht mit ihrem Kind einen Kurs zum Babyschwimmen, keine Mutter nimmt das Angebot einer Mutter-Kind- Gruppe wahr. Es gibt Mütter, die sich weder unter dem einen noch unter dem anderen Angebot etwas Näheres vorstellen können beziehungsweise diese Angebote nicht kennen. Bei einer Mutter scheitert der Besuch des Babyschwimmens aus finanziellen Gründen. Das Angebot, ihr Kind in den Kindergarten zu geben, um wieder mehr Zeit für sich selbst zu haben oder auch eine Ausbildung zu absolvieren oder den Schulabschluss nachzuholen, nimmt ein Teil der be- 9.3 Interpretation und Schlussfolgerungen 183 fragten Mütter bereits in Anspruch, der andere Teil plant dies. Eine Mutter erhofft sich, dass ihr Kind im Kindergarten erzogen wird. Darüber hinaus ergreifen einige Mütter Eigeninitiative und informieren sich in Büchern und Zeitschriften über die Entwicklung ihres Kindes während der Schwangerschaft und nach der Geburt. Zusammenfassung Durch die Mutterschaft nehmen die Mütter eigene jugendspezifische Bedürfnisse zurück und müssen aufgrund der Verantwortung für das Kind Einschränkungen hinsichtlich ihrer persönlichen Entwicklung hinnehmen. Zu den neuen Aufgaben der Pflege, Versorgung und Erziehung des Kindes kommt für einige Mädchen die Organisation des eigenen Haushaltes hinzu, sie haben dadurch weniger Freizeit und kaum Zeit für sich selbst. Dies hat bei vielen jungen Müttern auch ein Wegbrechen alter Freundschaften zur Folge. Die zunehmende Konzentration auf das Kind und der Verlust der Peers, die gerade im Jugendalter so wichtig sind, können zur Isolation führen und in Kombination mit den Anforderungen der Mutterschaft zur Überforderung der Heranwachsenden beitragen. Die jungen Mütter haben darüber hinaus überwiegend die Schule ohne jeglichen Abschluss verlassen oder noch keinen Ausbildungsabschluss erwerben können. Jedoch ist klar, dass die Chancen für junge Mütter ohne Schulabschluss und ohne jegliche Ausbildung auf dem ohnehin angespannten Arbeitsmarkt verschwindend gering sind. Neben der Problematik von Schule und Beruf leiden viele der befragten Mütter an instabilen Paarbeziehungen, müssen sich mit Schwierigkeiten hinsichtlich der Vaterschaftsanerkennung und Unterhaltszahlungen auseinandersetzen oder sind alleinerziehend. Darüber hinaus fällt das Engagement der Väter hinsichtlich der Unterstützung der jungen Mutter regelhaft äußerst gering aus, so dass die Befragten die Hauptverantwortung für das Kind tragen. Die Befragung zeigt, dass minderjährige Mütter sich in einer Lebenssituation befinden, in der sie als Jugendliche enorme Verantwortung tragen und dies auch so empfinden. Für die Bewältigung der Mutterschaft greifen sie überwiegend auf die Unterstützung aus dem 9.4 9 Darstellung der Ergebnisse 184 privaten Umfeld zurück, meist ist die eigene Mutter oder die Schwiegermutter Hauptansprechpartnerin der jungen Mutter. Dies jedoch kann die Abhängigkeit von den Eltern forcieren und eine Ablösung, die im Jugendalter notwendig ist, verhindern oder schwieriger werden lassen, vor allem dann, wenn die junge Mutter mit ihrem Kind noch zu Hause lebt. Diese Lebenslagen und die damit verbundenen Aufgaben und Belastungen, die sich im Rahmen der frühen Mutterschaft bei den jungen Frauen ergeben, erfordern spezifische professionelle Hilfeangebote, die die jungen Mütter von den enormen Anforderungen und der Verantwortung aufgrund der Mutterschaft entlasten und ihr Unterstützung anbieten. Hinsichtlich der Inanspruchnahme professioneller Hilfeangebote fällt auf, dass die Mehrzahl der befragten jungen Mütter nur die Pflichtuntersuchungen beim Frauenzart und die für minderjährige Mütter obligatorischen Beratungsangebote des Jugendamtes und des Kinder- und Jugendgesundheitsdienstes in Anspruch nimmt, jedoch nur vereinzelt weitere freiwillige Angebote wahrgenommen werden. Empfehlungen von professionellen Fachkräften hinsichtlich weiterer möglicher Anlaufstellen haben die befragten Mütter nicht erhalten. Dies hat zum einen zur Folge, dass von den jungen Müttern große Eigeninitiative gefordert ist, sich selbst die notwendige Unterstützung zu suchen, und zum anderen, dass den Müttern, die diese Eigeninitiative nicht oder nicht in ausreichendem Umfang aufbringen können, wichtige Angebote gar nicht bekannt sind. Der Mehrheit der befragten jungen Mütter sind Angebote wie Hebammenhilfe, Mutter-Kind-Gruppen oder Babyschwimmen unbekannt, diese Angebote haben die jungen Mütter nicht erreicht. Keine Mutter hatte bisher Kontakt zu einem speziellen Beratungsangebot für junge Mütter, keine der Mütter kennt eine derartige Beratungsstelle, aber nahezu alle hätten sich spezifischere Beratung für ihre besondere Lebenssituation gewünscht. Sowohl die Erkenntnisse, die aus den theoretischen Ausführungen im ersten Teil gewonnen werden konnten, als auch die Evaluation der Interviews im zweiten Teil der vorliegenden Diplomarbeit haben gezeigt, dass minderjährige Mütter aufgrund ihrer Lebenssituation und den damit verbundenen Anforderungen und Aufgaben spezielle Bera- 9.4 Zusammenfassung 185 tungs- und Unterstützungsangebote benötigen, die ihre komplexe Lebenslage als junge Mutter berücksichtigen. Aus diesem Grund wurden die folgenden Handlungsanweisungen entwickelt. Sie sollen Anregungen für die sozialpädagogische Arbeit mit minderjährigen Müttern geben. 9 Darstellung der Ergebnisse 186

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Zusammenfassung

Jedes zehnte Kind weltweit wird von einer Mutter geboren, die selbst noch keine 20 Jahre alt ist. Auch in Deutschland sind Teenagerschwangerschaften ein Thema – eines, das bisher in der sozialpädagogischen Fachdiskussion nur wenig Beachtung gefunden hat. Vor allem die Lebenslagen von jungen Mädchen, die außerhalb von Mutter-Kind-Einrichtungen leben, wurden vernachlässigt. Um diesen weißen Fleck zu füllen, befasst sich Doris Kölbl mit der frühen Mutterschaft – speziell mit der komplexen Lebenslage, in der sich minderjährige Mütter befinden. Sie durchleben einen Spagat: Die eigene Entwicklung zum Erwachsenen und die Anforderungen an eine versorgende und erziehende Mutter fordern besondere Anpassungsleistungen. Werden die bisherigen Hilfeangebote für die Mädchen dieser Herausforderung gerecht? Das vorliegende Buch gibt Anregungen, wie sozialpädagogische Hilfen für junge Mütter gestaltet werden können, um auf deren Lebenssituation als Jugendliche und Mutter adäquat einzugehen und enthält eine Zusammenstellung von relevanten Hilfeangeboten und Kontaktadressen.