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1 Event Engineering – eine wissenschaftliche Disziplin in:

Helmut Kienast

Das Event als kommunikationswissenschaftlicher Prozess, page 1 - 8

Basiswissen für eine erfolgreiche Eventrealisation

1. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-3966-3, ISBN online: 978-3-8288-6848-9, https://doi.org/10.5771/9783828868489-1

Tectum, Baden-Baden
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Event Engineering – eine wissenschaftliche Disziplin Differenziert und spezifiziert man den Terminus „Event“ in seine fachspezifischen individuellen Komponenten, so erkennt man sehr rasch, dass es sich um eine Thematik von größter Komplexität handelt. Planung, Organisation und Realisierung, egal welcher Art und Größenordnung, erfordern fundiertes Wissen und Kompetenz auf mehreren Ebenen. Der Prozess von einer „Idee“, von einem „Gedanken“ bis zur erfolgreichen Konzeptionierung, Konstruktion und Verwirklichung einer Eventthematik umfasst Themenbereiche wie Kreativität, Technik, Wirtschaft, Kommunikation, Kunst, Kultur, Psychologie und Soziologie. Betrachtet man das schnelle Tempo, mit dem neue Technologien entstehen und sich weiterentwickeln, so erkennt man auch die Notwendigkeit eines fundierten Wissens auf diesen Ebenen. Da sich technische Neuerungen nicht nur primär auf die Technik selbst, sondern sekundär auch auf die Realisierung der Veranstaltung mit Blick auf Dramaturgie, Inszenierung, künstlerische Darbietung, Bühnendesign, Locationdesign, Gestaltung und Kreation aller Art, Budgetierung und Kostenplanung auswirken, ist wissenschaftliche Forschung und Analyse von größter Bedeutung. Die Realisierung einer Veranstaltung bedeutet die Konstruktion eines einmaligen Ereignisses. Diese Intention kann nur durch die Symbiose mehrerer wissenschaftlicher Disziplinen erfolgreich umgesetzt werden. Die Forschung als wesentlicher Bestandteil soll zum besseren Verständnis, zur Systematik und Kategorisierung, zur Weiterentwicklung von neuen Strategien und Innovationen bzw. zu einem wissenschaftlichen Diskurs auf universitärer Ebene beitragen. Der Terminus „Event Engineering“ als wissenschaftliche Disziplin ist somit zwingend und erforderlich. Diese beansprucht und braucht den universitären Platz, um als wissenschaftliche Disziplin den öffentlichen Diskurs und 1 1 die Entwicklungsmöglichkeit von neuen Strategien und innovativen Ambitionen voranzutreiben. Die unterschiedliche Sichtweise auf die Thematik „Event“ stellt eine grundlegende Problematik der Kategorisierung einzelner Bereiche dar. Ist es die Kunst der Inszenierung, ist es eine Dienstleistung für den Kunden unter rein ökonomischen Aspekten, ist es die technische Realisierung einer Idee? Event Engineering als wissenschaftliche Disziplin soll als eine Teildisziplin der Sozialwissenschaften verstanden werden. Es ist seinerseits eine interdisziplinäre Wissenschaft, die sich aus mehreren Wissenschaften zusammensetzt: Kommunikationswissenschaften Technische Wissenschaften Kunst- und Kulturwissenschaften Architektur Wirtschaftswissenschaften Soziologie Psychologie In unterschiedlichen Bereichen kommt es zu Überschneidungen mit fließenden Übergängen. In diesem Buch sollen einzelne Themen aus den unterschiedlichen Wissenschaften erörtert werden. Ein Event ist ein kommunikativer Prozess. Ein Ereignis als kommunikative Interaktion zwischen Eventinitiator (Kommunikator) und Teilnehmer (Rezipient) bildet die Basis für die Integration und Inkludierung weiterer wissenschaftlicher Teildisziplinen, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten der Eventrealisierung unvermeidbar sind. Es werden in den einzelnen Kapiteln dieses Buches die wissenschaftlichen Bereiche hinsichtlich einer erfolgreiche Eventrealisierung behandelt. 1 Event Engineering – eine wissenschaftliche Disziplin 2 Kommunikationswissenschaft Kommunikator Aussage Medium Rezipient Soziologie Technik Technik Soziologie Psychologie Psychologie Kunst und Kultur Psychologie Ökonomie Architektur, Design Ökonomie ↓ ↓ ↓ ↓ Wirkung Technische Wissenschaften bilden einen hohen quantitativen Anteil in der Konstruktion und Umsetzung einer Zielsetzung. Ohne Technik kann keine Idee, keine Kunstform konstruiert werden. Diese unter bestimmten operativen Bedingungen zu inszenieren, einen Gedanken oder ein Produkt als einmaliges Ereignis zu präsentieren, verlangt aktuelles kompetentes technisches Wissen in Audio- und visuellen Techniken, Video- und Projektionstechniken, Materialtechniken und Traversenbau, Lichttechnik, Pyrotechnik, Bühnenbau, Elektrotechnik, Simulationstechniken, Zuschauerstromanalysen, Sicherheitsparameter etc. Eine erfolgreiche Inszenierung gelingt nur, wenn die Grundparameter dieser technischen Disziplinen beherrscht und kompetent umgesetzt werden. Kunst und Kulturwissenschaften, Locationdesign und Locationarchitektur, die Inszenierung eines Eventthemas per se verlangen Wissen und Talent in diesen Bereichen. Ein einmaliges Ereignis beginnt mit einer Idee. Es geht um die kreative Auseinandersetzung mit einem Gedanken, einer Vorstellung, einer Fantasie, die zu einem geistreichen und originellen Schaffensprozess führt. Sei es bei der bildnerischen Gestaltung, beim Schauspiel, bei Musik oder Architektur, die Basis bildet stets eine Idee. Die Herausforderung liegt in der Einmaligkeit, in der Konstruktion und Realisierung dieser Idee. 1 Event Engineering – eine wissenschaftliche Disziplin 3 Von der Idee zur technischen Umsetzung Jedes Produkt, das einem künstlerischen Schaffensprozess unterliegt, bedarf der Inszenierung. Was wäre ein Bild ohne Präsentation in einer Galerie, was wäre ein Schauspiel ohne Bühne und Theater, was wäre eine musikalische Komposition ohne Instrumente, ohne Aufführung, und was wäre all dies ohne die Inszenierung durch eine ideenreiche und intelligente Technik? Die Kompetenz dieser Inszenierung ist die Forderung und der Anspruch von Event Engineering. Kunst als Event oder Event und Technik als Kunst? Wird die Präsentation eines Bildes in einer Galerie, wird ein neues Autodesign, werden Musik, eine neue Modekollektion etc. als einmaliges Ereignis inszeniert und präsentiert, so ist die Kunst, ist der Schaffensprozess eines Produkts der Ausgangspunkt einer Eventkonzeption. Wird aber das Event selbst zu einem kreativen Schaffensprozess, wird eine ganze Stadt zur Bühne, eine ganze Stadt inszeniert, bildet die Kombination von mehreren Parametern wie Kunst und Technik (Licht, Audiotechnik oder Videotechnik) die Grundlage der künstlerischen Performance (wie etwa die Ars Electronica in Linz) oder stellt ein künstlerischer Prozess als Aktionskunst den Anspruch der Einmaligkeit per se, so wird das Event selbst zur Kunst. Wirtschaftliche Grundlagen bilden die Basis für eine erfolgreiche finanzielle Zielsetzung, psychologische und soziologische Themen sind unersetzlich in der Inszenierung und Dramaturgie, darüber hinaus in der Wirkungsforschung mit der Intention, die Einstellung oder das Verhalten eines Teilnehmers zu verändern. Event Engineering – Klärung eines Begriffs Aktuelle Problemfelder in der Forschung ergeben sich einerseits in der Systematik und Kategorisierung von Begriffen, andererseits auch in den unterschiedlichen Anwendungen und Strategien einzelner Themenbereiche und Projekte. International unterschiedliche Termini und Definitionen sowie der teilweise noch sehr bescheidene und ungenügende wissenschaftliche Diskurs bereiten Schwierigkeiten. Es bedarf einer genauen Definition einzelner Parameter. Es sollen zunächst die 1.1 1.2 1 Event Engineering – eine wissenschaftliche Disziplin 4 Termini „Event“ und „Engineering“ im Einzelnen betrachtet und erörtert werden. Anschließend wird versucht, eine Definition des komplexen Begriffs „Event Engineering“ zu finden. Darüber hinaus ist es notwendig, ihn auf eine globalere Ebene zu stellen und hinsichtlich seines wissenschaftlichen interdisziplinären Anspruchs zu erörtern. Betrachtet man den Umstand, dass eine Person oder eine Personengruppe aus einem bestimmten Grund, aus einer bestimmten Absicht eine Idee, einen Gedanken so präsentieren und darbieten will, dass dabei mehrere andere ausgewählte Personen unterhalten, informiert oder unterrichtet werden, so handelt es sich dabei um einen kommunikativen Prozess, der ein geplantes Geschehnis oder Ereignis darstellt. Kommunikation ist etwas Lebendiges, oft nicht planbares, ein dynamischer Prozess, der sich zwischen zwei oder mehreren Lebewesen ereignet. Die Auswahl an Personen, die dieses Erlebnis erfahren dürfen, kann festgelegt werden. Die Art des Ereignisses und dessen Wirkung kann geplant und konstruiert werden. Es findet darüber hinaus zu einem bestimmten Zeitpunkt mit einer bestimmten Zeitlänge statt. Daraus resultiert folgende Schlussfolgerung: Die deutsche wörtliche Übersetzung des Terminus „Event“ ist „Ereignis“. Um dieses Ereignis unter den erwähnten Parametern zu realisieren, bedarf es einer Konstruktion, Ausarbeitung und technischen Umsetzung. Die englische Übersetzung für „Konstruktion“ lautet: „engineering“. Definition Event Events sind bewusst organisierte und geplante „Ereignisse“ mit einer definierten Zielsetzung innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens. Das Event wird individuell und zielorientiert geplant und ausgeführt mit der Absicht, eine bestimmte Wirkung auf die Teilnehmer zu erreichen. Zufälliges Ereignis: Ein Ereignis mit einer bestimmten Wirkung kann auch zufällig passieren. Ein intensiv leuchtender Sonnenuntergang an einem schönen Ort, eine Sternschnuppe … Diese „Begebenheiten“ lösen wohl eine bestimmte Wirkung in uns aus. Es ist ein Ereignis, über das man vielleicht auch lange spricht. Jedoch ist weder das 1.2.1 1.2 Event Engineering – Klärung eines Begriffs 5 Ereignis per se noch die Wirkung hinsichtlich Zeitpunkt und Zielsetzung geplant und durchgeführt. Das heißt, ein zufälliges Ereignis lässt sich nicht planen, wiederholen, kontrollieren und evaluieren. Bei der Definition der unterschiedlichen Berufsfelder, die im Bereich der Eventplanung tätig sind, gibt es keine einheitlichen Parameter. Es soll versucht werden, einen Begriff zu finden, der die vielfältigen Tätigkeitsfelder im Bereich der Realisierung von Veranstaltungen umfasst. Der Prozess von der Idee bis hin zur technischen Umsetzung dieses Ereignisses bedarf einer bestimmten Zeitdauer. Dies soll und muss genau definiert sein. Entsprechend gilt es, im Folgenden den Begriff „Engineering“ zu erörtern. Definition Engineering Engineering ist die Konzeption, Ausarbeitung, Inszenierung und Konstruktion einer Idee, Inspiration oder Vorstellung und die Realisierung derselben mit einer definierten Zielsetzung innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens. Dabei geht es um die Steuerung und Vorhersage des Verhaltens von Teilnehmern und inszenierten dramaturgischen und technischen Abläufen unter bestimmten operativen Bedingungen mit einer definierten ökologischen und ökonomischen Zielsetzung und unter Wahrung von Sicherheit für Leben und Eigentum. Beide Begriffe, Event und Engineering, definieren und klassifizieren somit das bunte, mannigfaltige und vielseitige Berufsfeld einer Person, die eine Idee als Ereignis realisiert. Definition Event Engineering Event Engineering ist die Konstruktion eines einmaligen Ereignisses. 1.2.2 1.2.3 1 Event Engineering – eine wissenschaftliche Disziplin 6 Charakteristische Eventfaktoren Ein Ereignis lässt sich nicht eins zu eins wiederholen. Die Wirkung hängt von vielen subjektiven Faktoren aufseiten der Teilnehmer ab. Auch spielen nicht kalkulierbare Faktoren wie Wetter, Variablen in der Zuverlässigkeit von Künstlern oder Teilnehmern oder sicherheitsspezifische Parameter eine Rolle. Ein wesentliches und unabwendbares Merkmal für ein Event ist somit die „Einmaligkeit“. Ein Ereignis mit verfehlter Zielsetzung kann nicht nachgebessert oder wiederholt werden – vorbei ist vorbei. 1.3 1.3 Charakteristische Eventfaktoren 7

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Zusammenfassung

Dieses Buch ist perfekte Praxishilfe, Nachschlagewerk und Begleiter für alle, die Events in ihrer gesamten Komplexität erlernen, verstehen und erfolgreich realisieren möchten. Praxisnah und mit viel Fachwissen stellt Helmut Kienast die komplexe Thematik des Events als kommunikationswissenschaftlichen Prozess vor. Neben eventspezifischem Basiswissen erfolgt die schrittweise Einführung in Themen wie Eventzielsetzungen, Eventtypologie und Zielgruppenanalyse, Locationselektion und Locationdesign, Dramaturgie und Inszenierung, psychologische und soziale Wirkungsforschung, kognitive Erlebnisverarbeitung und ökonomische Eventfaktoren.

Eine klare Kaufempfehlung für Veranstalter von Events, Eventagenturen sowie für Studierende und Lehrende der Fächer Kommunikationswissenschaften, Eventmanagement, Eventengineering und Eventtechnik.