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3 Coaching in der Seelsorge in:

Thomas Hanstein

Coaching in der Seelsorge, page 95 - 162

Ein methodischer Ansatz zur Perspektivenerweiterung im kirchlich-katholischen Milieu

1. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-3963-2, ISBN online: 978-3-8288-6736-9, https://doi.org/10.5771/9783828867369-95

Tectum, Baden-Baden
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95 3 Coaching in der Seelsorge 3.1 Berührungspunkte und Abgrenzung beider Begleitungs- und Gesprächsformen Vor dem bisher Dargelegten ergeben sich sowohl Ähnlichkeiten wie auch Unterschiede zwischen beiden Möglichkeiten der Begleitung . Wesentliche Differenzen werden vorliegend auf den Ebenen Menschenbild und Grundhaltungen sowie Struktur und Prozessbegleitung gesehen . Da grundlegende Unterschiede im Menschenbild in den – oben aufgeführten – Thesen bereits skizziert worden sind, und die vorliegende Arbeit unter dem Schwerpunkt des methodologischen Vergleiches steht, geht der abschließende Teil hauptsächlich der Struktur sowie der kontextuellen Einbindung nach . Auch außerhalb von Theologie und Seelsorge wird »pastorale Lebensberatung« als »eingebettet in religiöse Wert- und Glaubensvorstellungen« (Migge, 2009, S .  78) verstanden, sowohl auf der Seite des Klienten wie der des Begleitenden . Damit liegt bereits ein deutlicher Unterschied zur asketischen Haltung im Coaching vor . Nicht weltanschaulich neutral vorzugehen, bedeutet, dass nicht nur der Glauben des Klienten Relevanz besitzt, sondern auch die Weltanschauung und das Menschenbild des Seelsorgers – hier als Coach . Inhaltlich ranken sich die – zumeist persönlichen – Fragestellungen des, ein seelsorgliches Gespräch Suchenden meist explizit(er) um 96 Thomas Hanstein: Coaching in der Seelsorge Glaubens- oder um existenzielle Lebensthemen, oft an persönlichen Lebensknotenpunkten, die mit Themen wie Trauer, Abschied, oft auch Schuld und Vergebung verbunden sind, während diese beim Coaching mehr im Hintergrund liegen . Ebenso wird in der Seelsorge oft – explizit oder auch unausgesprochen – ein Rat erwartet, während dies dem Grundsatz des Coaching und seinen Grundhaltungen – wie aufgezeigt – widerspricht . So kommen Menschen zumeist mit grundsätzlichen Lebensfragen, konkreter Trauer, auch seelischem Schmerz und Ratlosigkeit zu einem Seelsorger, und erhoffen sich von diesem – und von dem Gespräch mit ihm – zuerst ein offenes Ohr und Verständnis, dann aber auch ein »Abladen« ihrer Sorgen und ein analoges »Mittragen« auf der anderen Seite – und dies weitergedacht womöglich auch von Gott, den der Seelsorger repräsentiert . Diese theologische Möglichkeit des »Abgebens« ist dann funktional, solange ein Mensch im Leid noch an eine Instanz außerhalb seiner selbst glauben kann . Gerade in Trauerphasen geht dieses Vermögen zuweilen längere Zeit verloren (vgl . Kübler-Ross, 1982, S . 37 – 88) . Der Begleitete hätte somit, über die Erwartung des »Mittragens« von Seiten des Seelsorgers und ggf . – je nach Glaubenshaltung – auch durch dessen stellvertretendes Gebet, keine andere Möglichkeit aus seiner seelischen Lage . Er müsste unausweichlich in einem »Rest« seiner Problemtrance verbleiben, wenn im seelsorglichen Gespräch nicht wenigstens an einer Stelle nach Lösungen und ersten Schritten gesucht werden würde . Einer möglichen Visionsarbeit, dem anfänglichen (Wieder-) Erleben der Selbstwirksamkeit und einem möglichen ersten Erspüren neuer Muster stünde dann aber das Verharren im Problemzustand mit dem überwältigenden Gefühl des Ausgeliefertseins gegenüber . Der an seinem Zustand bereits leidende Mensch fühlt sich in Folge dessen noch abhängiger, kleiner, unbedeutender – und dies umso mehr, je weniger ein (klassisches) seelsorgliches Gespräch auf dessen Lage zu reagieren vermag . »Da kann ich auch nur noch beten …«, habe sich dies – nach dem Bericht einer Klientin, die mit der Bitte um ein strukturiertes Coaching anschließend zu einem Coach kam – am 97 3 Coaching in der Seelsorge Ende eines Beratungsgespräches mit einer Seelsorgerin beispielhaft angehört, was die Hilfe Suchende »noch mehr verstört« (O-Ton) habe . Ernüchternde Beispiele wie dieses motivieren dazu, die weitere Professionalisierung im Bereich der Seelsorge im Blick zu behalten . Unabhängig davon kann, im Blick auf beide Formen der Begleitung, zusammenfassend festgestellt werden: Auch das seelsorgliche Gespräch geht grundsätzlich personenzentriert – wenn auch nicht explizit so benannt – vor . Die je subjektive Wahrheit des Klienten hat allerdings nicht den Stellenwert wie im Coaching . Dies ergibt sich zum einen aus dem zugrunde liegenden Menschenbild, zum anderen aus der kollektivistischen Dimension verfasster Religion (vgl . Hofstede, 2011, S . 95 – 150), und zudem auch aus der Rolle des Seelsorgers . Dieser wird klassisch nach wie vor als Ratgeber – und zuweilen noch als »Vermittler« – betrachtet . Lösungs- und Zielorientierung bestehen beim seelsorglichen Ansatz nicht, bzw . werden – in dieser Klarheit – nicht zugrunde gelegt . Teilweise wird in neueren Konzepten zur Seelsorge ebenfalls von Ressourcen gesprochen, allerdings werden diese nicht unbedingt bei der Person verortet, sondern gelegentlich (noch) bei einem transzendenten »Überbau« . Eine vergleichbare methodische Scharnierstelle, wie die Arbeit mit Musterzuständen im Coaching, ist in der Seelsorge (bislang) nicht erkennbar . Ebenso ist die zur Verfügung stehende Methodik entweder sehr begrenzt oder wirkt im Vergleich zum Coaching relativ unstrukturiert bis willkürlich . Diese Beobachtungen bieten sich für einen komplementären Ansatz zwischen Seelsorge und Coaching an, der vorliegend exemplarisch und konzeptionell vorstrukturiert sein soll . 3.2 Komplementärer Ansatz 3.2.1 Vom Gegenüber her denken Kann es vor dem oben Dargelegten wundern, dass auch Seelsorge das verinnerlicht hat, was jeder Gottesdienst vorgibt: dass der »kleine« Mensch der Empfangende und der »große« Gott der Gebende ist? 98 Thomas Hanstein: Coaching in der Seelsorge Zu sehr scheint dieses Muster, das vom Gottes- und Menschenbild her geprägt ist und sich vielfach auch biblisch interpretieren lässt, im kollektiv erlernten wie im religiös individuellen Bewusstsein verinnerlicht . Daran ändern auch Aussagen und als Kirchenfeste verdichtete Glaubenswahrheiten offenbar nur wenig . So glaubt die Christenheit, dass Gott sich in einem Menschen inkarniert hat, und damit die Welt und das »schwache Fleisch« des Menschen erst ganz »angenommen« hat . Doch diese Botschaft erscheint oft auf das Weihnachtsfest fixiert . Die (hoch)mittelalterliche Mystik z . B . dachte hier fortschrittlicher und ganzheitlicher . Ihre Ansätze gingen davon aus, dass Gott im Menschen »wäst« und der Mensch durch die Inkarnation Gottes prinzipiell ein »vergöttlichtes« Wesen ist, das qua Menschsein durch sein »Seelenfünklein« (Meister Eckhart) zur »Gottesschau« befähigt ist . So ist es auch verständlich, warum der Glaube der (katholischen) Kirche fast 2000 Jahre ohne das Dogma der »leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel« (1950 durch Papst Pius XII . promulgiert) auskam . Es hatte genügt, Maria in der antiken Kirche als »Gottesgebärerin« (431 n . C ., Konzil von Ephesus) zu deklarieren; ein »ohne die Verwesung zu schauen« war dazu nicht nötig . Im Grunde erlebte damit – anthropologisch – in der Moderne die »Erbsünde« eine neuplatonische Renaissance, und das Göttliche am Menschen – wie auch sein natürlicher Leib – erfuhren eine Absage (vgl . Hanstein, 2014[a]) . Doch auch in der katholischen Tradition und Theologie existieren Ansätze, die sich mit dem Gedanken einer – dann »Gott verdankten« – Salutogenese gut in Einklang bringen lassen können, wie die Orientierung an inne liegenden Ressourcen unschwer mit gnadentheologischen Ansätzen in Verbindung zu bringen ist (vgl . die Thesen in Kap . 1 .3 .1 und 1 .3 .2) . Diese Schätze zu bergen, könnte die konstruktiv-kritische Auseinandersetzung mit dem eigenen Menschenbild innerhalb von Theologie, Kirche und Seelsorge befördern . Methodisch bietet sich das Konzept Kurzgespräch (vgl . Kap . 1 .2 .2) für die Berücksichtigung des systemisch-lösungsorientierten Coachingansatzes innerhalb der Seelsorge an . Der Abgleich zwischen 99 3 Coaching in der Seelsorge beiden Formen der Begleitung verweist auf konkrete Aspekte, entlang derer sich eine Fortschreibung systemisch-lösungsorientierten Coachings im seelsorglichen Gespräch nahelegt . Die Methode des Kurzgespräches geht davon aus, dass es »innerhalb eines alltäglichen Kontaktes« (Lohse, 42013, S . 185) möglich ist, die entsprechende Person aus ihrem »Problemkarussell« zu führen . So wird auch in Kauf genommen, dass das Gespräch »jederzeit durch äußere Faktoren unterbrochen« (ebd ., S . 186) werden kann . Coaching kann an dieser Stelle zu einem formaleren Rahmen anregen, der dem Thema und Anlass ggf . mehr Rechnung tragen kann . Ein Folgegespräch kommt erfahrungsgemäß nur dann zu Stande, »wenn es zu einem Beratungsgespräch kommt« (ebd ., S . 185) . An diesem Punkt könnte ggf . bereits der Verzicht auf die Rolle des »Beraters« für ein erstes Coachinggespräch im Seelsorgekontext motivieren . Das angesetzte Zeitfenster könnte dabei Verbindlichkeit auf beiden Seiten schaffen . Der losen Aufzählung eines möglichen Instrumentariums in der Seelsorge (vgl . Kap . 1 .2 .2) stehen eine klare Struktur und ein klarer Prozessablauf im Coaching gegenüber . Erst diesen nach- und den einzelnen Phasen zugeordnet, wendet auch der Coach Methoden an (vgl . Kap . 2 .3 .2 und 2 .3 .3) . Die Anliegenklärung schafft dabei Klarheit auf beiden Seiten, was auch für das seelsorgliche Gespräch genutzt werden könnte . Das Phänomen, es im seelsorglichen Gespräch gelegentlich »laufen zu lassen«, kann bereits durch diesen strukturierten Einstieg aufgefangen werden, da diese Gesprächshaltung die Unsicherheit des »Rat Suchenden« ggf . noch verstärkt, als dass dieses Erleben abgebaut wird . Struktur im Prozess kann sich so im Laufe des Gespräches in inhaltlicher Klarheit spiegeln . Mit klaren Einleitungsfragen, wie: »Was wollen Sie für sich geklärt haben?« oder: »Was sollte geschehen sein, wenn Sie aus dem Gespräch gehen?«, ist ein Fokussieren auch im seelsorglichen Gespräch relativ leicht möglich . Das Bewusstsein für Rituale wie für »heilige« Orte ist bei Personen, die ein seelsorgliches Gespräch wünschen, aufgrund ihrer religiösen Sozialisation in der Regel überdurchschnittlich ausgeprägt . 100 Thomas Hanstein: Coaching in der Seelsorge Diese Anlagen können mit der Visionsarbeit eines Coachinggespräches gut verbunden werden . Für ältere Menschen sind äußere, physisch begehbare und haptisch greifbare Orte noch immer »Gnadenorte« . Zu ihnen kommen sie, um etwas zu bitten, aber auch um zu danken . Diese Sensibilität für Orte mit einer besonderen Atmosphäre kann gut für innere Orte und Landschaften nutzbar gemacht werden . Menschen, die einen solchen Hintergrund ins Coaching einbringen, sind sehr offen für die Arbeit mit inneren Bildern, wozu sich das Züricher Ressourcenmodell (vgl . Kap . 2 .3 .4) auch für die Seelsorge anbietet . Im seelsorglichen Gesprächsprozess können Interventionen ebenso gut fruchtbare Irritationen auslösen . Da im Kontext Kirche Moral und damit Bewertung – oft auch unausgesprochen – eine überdurchschnittliche Bedeutung besitzen, sind Theologie und Seelsorge nicht frei von dieser Tendenz . Die Grundhaltung der Askese kann beim Seelsorger für eine entsprechend große Achtsamkeit beim Thema Bewertung und Wertfreiheit sensibilisieren . Dieser Hintergrund spiegelt sich gleichermaßen in der Erwartung wider, einen »guten Rat« für den »richtigen Weg« zu bekommen . Mit einer asketischen Grundhaltung kann daher gleichermaßen wertfreies Interesse sowie der Respekt vor den Möglichkeiten des Gegenübers eingeübt werden . Methodisch besteht hier beispielhaft im Reframing – gerade – auch für das seelsorgliche Gespräch eine ausgesprochene Bereicherung . Die geschilderte, zumeist schon vorbewertete und im Gespräch zusätzlich zur »fachgerechten Bewertung« angebotene Situation des Klienten kann so in einen neuen Rahmen eingebettet werden . Mit diesem neuen Kontext verändert sich zwangsläufig auch die Bewertung, wie oft auch die Bedeutung bestimmter Aspekte . Der Klient erhält so die Möglichkeit, neue Perspektiven einzunehmen und von diesen aus – kontextverändert und nach Möglichkeit wertneutral – seine Situation zu betrachten . Dies kann zugleich den Seelsorger vom – ex- oder impliziten – Anspruch »allgemeingültiger Wahrheit« entlasten, und somit gleichzeitig von der Rolle des »Ratgebers« . Auffällig ist in diesem Zusammenhang eine – vom Selbstverständnis 101 3 Coaching in der Seelsorge der (katholischen) Kirche wiederum systemlogische – beobachtbare Ambivalenz zwischen Beanspruchung der Ratgeberfunktion und einer eigenen Zurückhaltung beim Thema – v . a . externer – Beratung .36 Verschiedene Aspekte sind in beiden Formen der Begleitung somit verschieden bekannt bzw . stark ausgeprägt . Eine relativ klare Differenzierung lässt sich bezüglich des Kontextes – und damit der Zielgruppe – treffen, da der Schwerpunkt des (klassischen) Coachings im beruflichen Bereich liegt, während er sich in der seelsorglichen Begleitung um persönliche Fragestellungen rankt . Dieser Unterschied weist, bei der Arbeit auf der Grenze zwischen den Bereichen Coaching und Seelsorge, bereits auf die Notwendigkeit einer angemessenen Transparenz gegenüber dem Klienten hin . Die unterschiedliche Perspektive der Betrachtung kann auch sprachlich untersucht werden . So finden sich in der Seelsorge Begrifflichkeiten, die Belastungssituationen in emotionalen Bildern ausdrücken, welche diesen Zustand  – ganzheitlich  – verstärken können (vgl . die Bsp . in Kap . 1 .2 .4 und 1 .2 .5) . Ebenso neigen Begleiter in Situationen, in denen ihnen der »Rat« ausgeht, intuitiv zu geschlossenen oder gar zu suggestiven Fragen – auch ein Seelsorger ist davor nicht gefeit . Wenn es stimmt, was vor über 200 Jahren Heinrich von Kleist beschrieben hat, dass Gedanken beim Aussprechen in eine »allmähliche Verfestigung« überführt werden (vgl . Kleist, 1805), dann manifestieren sich im Verbalisieren des Gedachten und Gefühlten auch Einstellung und Haltung . Insofern kann eine Begleitung, die ziel- und lösungsgerichtet vorgeht, den Aspekt der Sprache nicht ignorieren . Zumal können Erfahrungen im Coaching praktisch belegen, dass das Aussprechen einen Mehrwert gegenüber dem reinen Denken hat . Coaching kann hier – sowohl durch den Ansatz des aktiven Zuhörens wie beispielhaft 36 Der Umgang mit den Missbrauchs»fällen« und die Reaktion auf die Pfeiffer- Untersuchungen im Jahr 2010 ist hierfür ein sprechendes (strukturelles) Beispiel . 102 Thomas Hanstein: Coaching in der Seelsorge durch die Methode des Reframings / Paraphrasierens – perspektiverweiternde Impulse setzen . 3.2.2 Praxisbeispiele: Exemplarisches Reframing durch lösungsorientiertes Coaching Anhand exemplarischer Formulierungen aus der seelsorglichen Praxis lässt sich aufzeigen, wie bereits gezieltes Paraphrasieren einen neuen Rahmen setzen kann . Dabei ist der Problemzustand in der Regel mit geschlossenen Aussagen verbunden – charakterisiert dies zugleich den enger gewordenen Fokus beim Klienten . Bereits die bewusste Öffnung der Fragen des Coachs bzw . Seelsorgers vermag neue Perspektiven zu öffnen . Die aufgeführten Beispiele entstammen der Praxis und sind beliebig erweiterbar . Problemzustand bzw. geschlossene Fragen / Aussagen Ressourcenaktivierung bzw. offene Fragen / Aussagen »Das werde ich jetzt halt aushalten müssen .« »Sie verfügen offenbar über ein hohes Maß an Belastbarkeit und eine hohe Frustrationstoleranz .« J mögliche Weiterarbeit mit: a) der Frage nach den Wegen, es »auszuhalten« und danach, was dabei hilft und stärkt b) der Frage nach einem evtl . aktuellen Nutzen 103 3 Coaching in der Seelsorge »Ich hatte schon immer mein Kreuz zu tragen .« »Sie haben schon oft schwierige Situationen erlebt und auch bewältigt .« J mögliche Weiterarbeit mit: a) der Frage danach, wozu diese Erfahrung und die darin verborgene Ressource den Klienten jetzt befähigen könnte b) was der Klient selbst in der Situation des »Kreuz Tragens« beeinflussen könnte bzw . was / wer ihm in dieser Situation helfen könnte »Wenn’s nicht anders sein soll!« »Im Moment sehen Sie nur diese Möglichkeit . Doch die Zukunft entzieht sich unserer Planung . Was wäre ein erster Schritt in eine bessere Situation für Sie? a) Focusing / Visionsarbeit b) Skalierungsfragen »Der Herr hat’s auch geschultert .« »Sie haben ein Vorbild in Ihrer aktuellen Situation . Wie ging diese Geschichte weiter?« J mögliche Weiterarbeit mit: a) Verweis darauf, dass im Glauben nach dem Kreuz die Auferstehung kommt, auch im vermeintlich Kleinen und Unscheinbaren b) Ressourcenarbeit (Religiosität als Ressource) 104 Thomas Hanstein: Coaching in der Seelsorge »Jetzt hilft nur noch beten .« »Sie können trotzdem (noch) beten und so Ihre Gefühle in Worte fassen . Das ist nicht selbstverständlich in Ihrer Situation .« J mögliche Weiterarbeit mit: a) Ansatz an dieser Bestärkung b) der Frage nach evtl . weiteren Möglichkeiten: »Das Gebet ist für Sie eine Möglichkeit . Was könnten noch weitere sein? / Wie können Sie noch weitere Möglichkeiten entdecken?« »Geht es Ihnen gut?« »Wann ging es Ihnen in letzter Zeit so richtig gut?« J mögliche Weiterarbeit mit: a) der Frage nach Begünstigungsfaktoren des positiven Selbsterlebens b) der Arbeit an diesen Faktoren c) alternativ: Skalierung der gefühlten Zufriedenheit und Visionsarbeit: »Stellen Sie sich vor, das Gefühl, dass es Ihnen gut geht, ist auf der Skala beim Wert … – woran merken Sie das, was hat sich verändert?« – und: »Was können Sie als nächstes tun, damit …« 105 3 Coaching in der Seelsorge »Was ist am problematisch sten an diesem Menschen?« »Wo sehen Sie den größten Bedarf an Optimierung Ihrer Beziehung? J mögliche Weiterarbeit mit: a) der Zielformulierung b) den nächsten Schritten / Maßnahmen c) alternativ: Ansatz an gut Funktionierendem »Haben Sie psychische Probleme?« »Wie würden Sie Ihre aktuelle mentale Verfassung beschreiben?« J mögliche Weiterarbeit mit: - Vergleichen - Bildern »Haben Sie Beziehungsprobleme?« »Versuchen Sie, Ihr aktuelles Beziehungsleben zu beschreiben .« J mögliche Weiterarbeit mit: a) der Frage nach Begünstigungsfaktoren b) den eigenen Anteilen an diesen Faktoren c) alternativ: Skalierung der gefühlten Zufriedenheit und Visionsarbeit 106 Thomas Hanstein: Coaching in der Seelsorge »Haben Sie Schwierigkeiten mit Alkohol oder Drogen?« »Wie gehen Sie unter Druck mit Suchtmitteln um?« J mögliche Weiterarbeit mit: a) Skalierungsfragen b) Beschreibung gesunder Formen des Ausgleichs »Gehen Sie unter diesen Umständen überhaupt noch gern zur Arbeit?« »Wann macht Ihnen die Arbeit am meisten Spaß?« J mögliche Weiterarbeit mit: a) der Frage nach Unterstützungsfaktoren b) der Frage nach bereichernden Momenten im Arbeitsleben c) alternativ: Skalierung der gefühlten Zufriedenheit und Visionsarbeit; daraufhin Ziele und Maßnahmen »Herr Diakon (Pfarrer), Sie haben mir sehr viel Mut gemacht!« »Es freut mich, dass Sie durch unser Gespräch Ihren Mut wiedergefunden haben .« J mögliche Weiterarbeit mit: Rückblick zu den wiedergefundenen Ressourcen An dieser Auswahl sprachlicher Beispiele wird deutlich, wie Methodik und Prozessbegleitung, die sich hier in der sprachlichen Intervention zu erkennen geben, zu einer inhaltlichen Klarheit und Weitung führen . 107 3 Coaching in der Seelsorge Durch diese kommt der Klient weg von der Fixierung auf den erlebten Problemzustand; er wird animiert, gedanklich und emotional seinen Blick zu weiten und den bisherigen »Tellerrand« zu verlassen . Da speziell in Überforderungs- und Stresssituationen der Körper entsprechend ganzheitlich reagiert, ist dieser Aspekt für die Seelsorge als Begleitung in persönlichen Belastungssituationen besonders bedeutsam . Auch von daher ist der – im Coaching grundlegende – Aspekt der Musterzustandsänderung nicht nur eine methodische Bereicherung für das seelsorgliche Gespräch . Für das Coaching eines Klienten, der seine religiöse Grundhaltung in das Gespräch einbringt, kann dieser Zusammenhang bedeuten: Religiosität und Glaube können – wenn auf einem positiven Gottesbild und einer lebensbejahenden religiösen Sozialisation basierend – als Ressourcen angesehen werden, die oft tiefe Wurzeln führen . Die Erwartung nach einem Rat – und die damit ggf . auch aufkommende Überforderung beim Seelsorger – kann mit Hilfe des Coachingverständnisses an diese Ressourcen konkret rückgebunden werden . Coaching bietet dafür ein breites Instrumentarium, die Selbstwirksamkeit des Klienten durch Anknüpfung an dessen positive Selbsterfahrungen (wieder) zu evozieren . 3.2.3 Musterzustände in der Seelsorge Im  – oben am Beispiel der Taufe37  – skizzierten Sakramentsverständnis wird der ganzheitliche Charakter eines religiösen Rituals bzw . einer sakramentalen Handlung deutlich – vorausgesetzt, diese Praktik »greift« (noch) . Neben der Kontextabhängigkeit – und dem Kontextwissen bzw . einer entsprechenden Milieukompetenz – auf der soziologischen Ebene hat – vor der vorliegenden Fragestellung – die neurowissenschaftliche Perspektive eine besondere Bedeutung: 37 Vgl . Kap . 1 .2 .6 . 108 Thomas Hanstein: Coaching in der Seelsorge Während der »aufgeklärte« Mensch – im Beispiel der Taufe in der Regel die Eltern und Paten, stellvertretend für den Täufling – rational, und damit begründet und willentlich, im Vorfeld eine Entscheidung für oder gegen den Sakramentenempfang fällen kann  – kirchenrechtlich betrachtet aus eigener Freiheit heraus sogar muss –, und wie er im Nachhinein das Erlebte auch reflektieren kann, so arbeitet gleichsam parallel in ihm eine andere Ebene, das »emotionale Erfahrungsgedächtnis« (Hüther) . Deutlicher wird dies am Beispiel der (katholischen) Ordination, zu der sich die Weihekandidaten nicht nur vor den (sitzenden) Bischof knien müssen, sondern in deren Rahmen sie, während der relativ lang andauernden so genannten Allerheiligenlitanei, ausgestreckt auf dem Boden liegen . Auch hier gilt, dass diese Handlung im Vorfeld, im besten Fall als Teil der Ausbildung, reflektiert sein sollte; gleichermaßen aber auch, dass ihr ganzheitliches Erleben über die Ebene der Sprachlichkeit hinausgeht . An beiden Beispielen aus dem rituellen kirchlichen (katholischen) Vollzug wird deutlich, was Neurowissenschaften und die theoretischen Grundlagen des Coachings – wie oben aufgezeigt – unter dem Begriff des Musterzustandes fassen: als fest verbackene »Einheit von äußeren und inneren Faktoren mit einem spezifischen Zusammenspiel von körperlichen, geistigen, seelischen und sozialen Reaktionen« (Berg / Berninger- Schäfer, 2010, S . 19) . Umgangssprachlich formuliert: Es »macht etwas mit mir« – weil diese Ganzheitlichkeit das limbische System stimuliert und dort eine erste Bewertung des Erfahrenen unbewusst, präaktional und vorrational erfolgt . Diese Erfahrung wird vielfach von der Embodimentforschung bestätigt (vgl . Kap . 2 .2 .2), wie sie auch zeigt, dass verinnerlichte und somatisch abgebildete »Verkörperungen« der Gefühls- und Gedankenwelt wieder einen »Rückbau« erfahren können (vgl . Cantieni, 2011) – gleichsam als »körperliches Reframing« (ThH) verstanden . Setzt man diese Affinität für Musterzustände grundsätzlich innerhalb der (katholischen) Seelsorge voraus, so wäre eine große Zurückhaltung und hohe Sensibilität bezüglich der rituellen »Erzeugung« 109 3 Coaching in der Seelsorge ambivalent wirkender oder gar negativ sich auswirkender Musterzustände ein wichtiger erster Schritt hin zu einer ganz(heitlich) personenzentrierten Seelsorge . Wie das Wasser der Taufe als Element des »Abwaschens« – von der »Schuld Abrahams« – interpretiert werden kann – bzw . laut Rituale: wird (sic!; vgl . Bischofskonferenz, 2007, z . B . S . 99) –, so ist es ebenso möglich, in ihm ein Zeichen des erfrischenden, lebendigen »göttlichen Lebensstromes« zu sehen, in den hinein das Leben dieses jungen Menschen sakramental gestellt wird . Die erste Botschaft würde dann lauten: »Du warst ein ›Kind der Sünde‹, nun bist du frei!« – was, wie oben aufgezeigt nur bedingt zugreift bzw . zugestanden wird –, die zweite: »Du bist ein ›Kind Gottes‹ und von der Entstehung deiner ersten Zelle an, wie Du bist, gewollt . Du hast eine Würde von Gott her, die dir keiner nehmen kann . Und als ›Kind Gottes‹ musst du nicht ›mit allen Wassern des Lebens gewaschen‹ sein .«38 Die dahinterliegende  – methodische, durch alle Rituale und Sakramente hindurch analysierbare – Frage scheint zu sein, ob es theologisch notwendig ist, den Menschen zuerst in einen »drückenden« Musterzustand zu versetzen, um ihn danach wieder »aufzuheben aus dem Staub« (1 Sam 2,8) . Welcher Weg der humanere ist, scheint evident . Welchen die Praxis der (katholischen) Kirche (noch) verfolgt, ebenso . 3.2.4 Interventionsmethoden für die Seelsorge – bewährte Tools in der Praxis Zwei wesentliche – zwar methodische, sich inhaltlich aber auswirkende – Scharnierstellen im Coaching bestehen – wie aufgezeigt – in der Ressourcenaktivierung und der Musterzustandsänderung . Dazu kommt eine Vielzahl von Interventionsmethoden zur Anwendung, wie oben (Kap . 2 .3 .3) bereits skizziert . Da die Orientierung an – dem 38 Vgl . Hanstein, 2017[b] . 110 Thomas Hanstein: Coaching in der Seelsorge Klienten – eigenen Ressourcen auch seelsorglich relevant sein kann bzw . sollte, und eine Änderung der Perspektive unabhängig von der Begleitungsform grundsätzlich für neue Räume – Sichtweisen, Assoziationen, Ideen und letztlich Lösungen – öffnen kann, legen sich einige dieser Techniken bzw . Tools für die Seelsorge und das seelsorgliche Gespräch nahe . Die hier beschriebenen Beispiele stellen lediglich eine mögliche Auswahl dar . Sie entstammen verschiedenen Hintergründen und wurden in der Praxis des Autors den jeweiligen Kontexten angepasst und zum Teil auch weiterentwickelt . Daher wollen sie, neben der Einladung zur eigenen Erprobung in der Seelsorge, auch zur klientenorientierten und kontextbezogenen kreativen Fortschreibung anregen . Die aufgezeigten Unterschiede in den Menschenbildern sollten jedoch vorab reflektiert werden, um den Klienten milieukompetent begleiten zu können, und um Zielsetzungen zu vermeiden, die aufgrund der hierarchischen und – strukturell – absolutistischen Verfasstheit der (katholischen) Kirche unrealistisch wären . Der Schwerpunkt aller bisherigen Begleitungen des Autors im Kontext Kirche lag daher auch auf Fragen zum Umgang des Klienten mit »Ausflüssen« dieses Referenzrahmens . Diese traten hauptsächlich in Konfliktfällen zu Tage, was im kirchlichen Milieu in der Regel nicht offene Konflikte, sondern verdeckte und schwelende meint . Ebenso vorgelagert sollte die Frage nach den Adressaten sein, denn es macht einen wesentlichen Unterschied, ob Ehrenamtliche oder Gemeindemitglieder »gecoacht werden« oder kirchliche Mitarbeiter . Während der erste Kreis im Konfliktfall in der Regel mehr Wahlmöglichkeiten hat, sind diese bei der zweiten Gruppe relativ eingeschränkt . Nimmt man Untersuchungen zur Berufszufriedenheit und zur psychosozialen Belastung ernst, sind es zudem weniger die Gemeindemitglieder als die kirchlichen Mitarbeiter, die unter der anhaltenden Krise der (katholischen) Kirche leiden . So berichteten Hauptamtliche in Coachings neben persönlichen Belastungen und Herausforderungen auf der »vertikalen Beziehungsebene« von theologischen »Rückwärtstrends«, wie einer »wieder zunehmenden 111 3 Coaching in der Seelsorge Zentrierung auf das kirchliche Amt, speziell den Priester« (O-Töne) . Es ginge »doch nur noch darum, dass die Messe auch gelesen« werde, »wie vor 50 Jahren«, das habe »alles nichts mehr mit Seelsorge« (O-Ton) zu tun . Da Visionen wie mögliche Änderungen des Musterzustandes für das Coaching zentral sind, ist die Berücksichtigung dieser Rahmenbedingungen insbesondere für die Begleitung kirchlicher Mitarbeiter grundlegend . Bodenanker Die Methode des Ankerns ist mittlerweile in höchsten Kreisen gebräuchlich: Sie wird immer dann genutzt, wenn sich eine Person mit Hilfe eines Symbols in den gewünschten Zustand bringt, der mit der hinter diesem Symbol stehenden Haltung – oder der mit ihr verwobenen Emotion – verbunden ist . So ist dies bei Angela Merkel offensichtlich die symbolisierte Bewegung der Hände, bei manchen Führungskräften der Druckpunkt an der Handwurzel oder die Perlenkette einer Frau in der Jackentasche, die während einer unangenehmen Konferenz fest berührt wird . Die Funktionalität dieser einfachen Technik wird mit Bodenankern weitergeführt: Körperlich zu spüren, was »einen trägt«, wie die »Erdung« in einer bestimmten Situation ist, was einem der »Bodenkontakt« bedeutet, kennen Menschen, die sich in Ausnahmesituationen behaupten mussten, gut . Ihr Körper hat sich diese Erfahrungen eingeprägt, ihre Amygdala im limbischen System hat die entsprechenden Bewertungen gespeichert . Insofern kommt dem Boden, auf dem der ganze Körper eines Menschen aufruht – und auf dem schließlich auch seine Schritte hin zur Lösung zurückgelegt werden müssen –, für die Arbeit an Entscheidungen eine wichtige Rolle zu . Dieser ganzheitliche Zusammenhang, der durch die Embodimentforschung unterstützt wird (vgl . Kap . 2 .2 .2), wird im Coaching symbolisch und methodisch genutzt . Das organische Erleben des Klienten wird vom Coach angeleitet: 112 Thomas Hanstein: Coaching in der Seelsorge Bodenanker Im Raum werden Karten ausgelegt, die Situationen, Entscheidungsmöglichkeiten, reale Räume oder auch bereits erkannte und formulierte Ressourcen visualisieren . Wenn es sich anbietet, wird dem Klienten angeboten, diese Papiere selbst auszulegen . Dies hat den Vorteil, dass er ggf . nicht mehr stimmige Optionen bereits außen vor lässt . Nun wird er gebeten, sich – in der für ihn stimmigen Reihenfolge – auf die ausgelegten Karten zu stellen . Der Coach gibt dem Klienten Zeit, ggf . kann er – je nach dessen Vorerfahrungen – Wahrnehmungs- und Achtsamkeitsübungen einbauen . Er bittet den Coach, sich auf das Wahrnehmen seiner gedanklichen, gefühlsmäßigen und körperlichen Reaktionen zu konzentrieren, und diese dabei nicht zu bewerten . Im Anschluss werden seine Assoziationen und Regungen besprochen und ggf . zur Weiterarbeit oder eigenen Ressourcenaktivierung fixiert . 113 3 Coaching in der Seelsorge Labiles Dreieck – Visualisierung von Konflikten Der Umgang mit Konflikten ist milieuabhängig . Insofern gehört zur professionellen Coachingarbeit, wie aufgezeigt, auch ein Grundmaß an Milieukompetenz . Während in der einen Organisation Konflikte offen zu Tage treten, dann aber auch explizit »am Schopf« gepackt werden dürfen, scheinen sie in der anderen klammheimlich permanent zu schwelen . Auch besonders im kirchlichen Milieu ist dieses Thema omnipräsent – oder eben nicht: Insider und Begleiter sprechen von einer sehr ausgeprägten Form spezieller Konfliktscheue . Konflikte binden aber immer Energie, und geben Personen eine gewisse Zuschreibung oder auch Rolle . Ihnen zu Grunde liegen – oft auch bislang nicht formulierte – verschiedenartige Motive, die wiederum auf verschiedenen Ebenen – der Emotion, der Ratio – angesiedelt sind und ihrerseits mit Bewertungen und Interpretationen zusammenhängen . Insofern enthält jeder Konflikt Botschaften über das System und seine Akteure; Botschaften, die die Beteiligten sich besser verstehen lassen können, wenn der Konflikt auch Thema sein darf . Und Botschaften, die, falls sie möglichst sachlich betrachtet werden können, die Wahrnehmungen, Einstellungen und Haltungen der Einzelnen ernst nehmen – statt die volle Energie des Konfliktes auf einen oder einige wenige abzuwälzen, und dabei doch nichts in der Sache zu lösen . Den intrapersonellen Konflikt in diesem Zusammenhang unberücksichtigt lassend, hängen  – interpersonelle und organisatorische – Konflikte auch stark mit dem Faktor Macht zusammen . Konflikte spiegeln dabei nicht selten vorgegebene Machtstrukturen und weisen auf das »inoffizielle Organigramm« des Systems hin . Aufgrund dieser Komplexität von Konflikten bietet sich das Labile Dreieck für Coaching entlang dieses Themas an . Es visualisiert die Konfliktsituation mit Hilfe eines vereinfachten Modells: 114 Thomas Hanstein: Coaching in der Seelsorge Der Klient beschriftet das Dreieck mit der Konfliktsituation . Dabei sollte darauf geachtet werden, dass die Beschreibung in einer knappen, aber dennoch präzisen Form geschieht . Der Coach hält dem Klienten das Dreieck anschließend entgegen und dabei an den oberen beiden Ecken fest . Die untere Ecke weist zum Tisch oder zum Boden . Das beschriftete Dreieck gilt als Symbol für den aktuellen und zuvor vom Klienten beschriebenen Konfliktfall . Der Klient wird gefragt, ob er sich auf dieses vereinfachte Symbol einlassen und dafür in dieser Zeit die (komplexen) Beschreibungen vom Vorfeld außer Acht lassen kann . Dann demonstriert der Coach (wenn es sich anbietet, durch Loslassen des Blattes), dass der »Konflikt« so nicht »stehen bleiben« kann . Er ist in sich labil, hat – von sich aus – keinerlei Halt . Der Coach positioniert den »Konflikt« wieder so, dass die Beschriftung vom Klienten wieder gut zu lesen ist . Dann legt er (längliche) Papierstreifen neben das Dreieck . Mit der Beobachtung, dass der Konflikt ohne Stützen also »kippen« würde, wird der Klient gebeten, die Stützen in seinem Konfliktfall zu suchen . Leitfragen können sein: »Wer profitiert von dem (schwelenden) Konflikt? Wessen Position wird (dauerhaft) gestärkt? Welche Haltung (zum Thema, zu anderen Beteiligten) befördert den Konflikt?« Der Klient wird nun gebeten, den ›Stützen‹ Namen zu geben und diese unter dem Dreieck anzubringen . Dabei achten manche Klienten speziell darauf, an welche Stelle sie die Stütze anlegen . Davon abhängig kann dieser Hinweis vom Coach aufgenommen werden . Stützen, die weiter außen am Dreieck liegen, könnten auch für die »soziale Statik« des Konfliktes eine besondere Bedeutung haben . Hier kann das Gespräch zur Suche nach Lösungsstrategien und Maßnahmen dann ansetzen: Der Klient wird um Vorschläge gebeten, welche ›Stützen‹ von ihm »abgesägt« werden könnten – und wie . Auf Aspekte, auf die der Klient keinen Einfluss hat, wird dabei verzichtet . Zur Erreichung der Musterzustandsänderung sollte dabei auf das reale »Zersägen« – hier in Form des Zerreißens oder Zerschneidens – durch den Klienten selbst geachtet werden . Ebenso sollten ihm die »zersägten« Teile mitgegeben werden, da hieran die Lösung bereits – haptisch 115 3 Coaching in der Seelsorge und emotional – erfolgreich erprobt worden ist: Das Dreieck steht nun nicht mehr . Mit dieser Veranschaulichung anhand der Papierelemente kann die Intervention abgeschlossen werden . Alternativ zu »Stützen« kann sich je nach Kontext auch das Bild eines an Seilen befestigten Konfliktes anbieten . Das Vorgehen ist hier analog . Die Visualisierung »spielt« hierbei aber zusätzlich mit dem Thema der »Seilschaft«, die bildlich ggf . weiter ausgebaut werden kann – bevor sie »zerschnitten« wird: Konfliktdreieck Mit Hilfe dieser symbolischen Visualisierung kann der Klient »Stützen« oder die »Seilschaft« des Konfliktsystems erkennen, was ihm bislang so noch nicht deutlich war . Diese Methode »funktioniert«, weil sie wesentliche Charakteristika eines Konfliktes veranschaulicht . Gleichzeitig kann sie zu selbstgesteuer- 116 Thomas Hanstein: Coaching in der Seelsorge ten Handlungsmöglichkeiten anleiten . Dieser Aspekt ist umso bedeutender, je passiver und »ohnmächtiger« sich der Klient im betreffenden Fall fühlt . Visualisierung Wie am Beispiel des »Labilen Dreiecks« veranschaulicht, werden mit der – wörtlich (lat .) – »Sichtbarmachung« Zusammenhänge ins Bild und / oder eine Struktur gebracht . Dies kann zwei- (am Flipchart oder am Metaplan) oder dreidimensional (gegenständlich, z . B . mit Figuren) geschehen . Nach Möglichkeit sollte dabei der Wahrnehmungstyp des Klienten berücksichtigt werden  – wofür es in der Regel schnelle Anzeichen gibt (vgl . Kap . 2 .3 .3) . Anders als bei einer verbalen Schilderung ist die visualisierte Szene greif- und in gewisser Hinsicht erfahrbar . Die Dauer der Auseinandersetzung mit dem »Bild« kann der Klient festlegen, er kann die Struktur verändern und die Wirkung der modifizierten Darstellung für die Suche nach Lösungen berücksichtigen . Visualisierungen bieten sich v . a . an, wenn Zusammenhänge und / oder Strukturen sehr komplex sind – wobei die Herausforderung der Reduktion auf das Wesentliche oft bereits den weiteren Weg bahnt . Sie »funktionieren«, weil – neben den für Analyse und Verarbeitung von Sprache zuständigen Bereichen – zusätzliche Hirnareale angesprochen werden . Insofern ist die Visualisierung eine ausgesprochen ganzheitliche Interventionstechnik . Innere, äußere und mythologische Perspektiven Die Bedeutung des Perspektivwechsels hat die systemische Therapie, speziell die Familientherapie, erkannt . Wo er ermöglicht werden kann, werden gewohnte Denkschleifen und eingefahrene Muster(zustände) unterbrochen . Die Veränderung des Blickwinkels setzt hinreichend Distanzierung von der Situation und damit 117 3 Coaching in der Seelsorge vom geschilderten Problem(zustand) voraus . Bei der Arbeit mit inneren Perspektiven kann, entsprechend des J inneren Teams, an jene inneren Anteile des Klienten angeknüpft werden, die für die Erreichung des Zieles relevant erscheinen . Beim Coaching mit äußeren Perspektiven setzt der Coach, je nach Situation und dem, was der Klient anbietet, entweder an realen oder fiktiven Personen an . Ähnlich wie in der Psychotherapie sind im Kontext Religion und Kirche speziell die mythologischen Perspektiven bedeutend . Was im ersten Zusammenhang für archetypische Figuren des kollektiven Unbewussten (nach C . G . Jung) gilt, sind im seelsorglichen Kontext Personen, die eine exponierte Stellung in der Frömmigkeit oder Kirchengeschichte genießen . Die historischen Fakten sind dabei jedoch an dieser Stelle – für die Ressourcenarbeit und Lösungsfindung des Klienten – weniger wichtig . Entscheidend ist das »innere Bild« dieser Figur für den Klienten, so dass die – Relevanz dieser – Person für den Klienten zur Ressource werden kann bzw . sich von dessen Blickrichtung aus neue Handlungsoptionen erschließen lassen . Bieten sich – z . B . aus dem geschilderten Systemzusammenhang – reale äußere Perspektiven an, kann der Coach den Klienten nach dem möglichen Feedback einer konkreten Person fragen, z . B .: »Was würde Ihnen Person A hier rückmelden?« Diese Intervention setzt am ›Blinden Fleck‹ (nach dem Johari-Fenster) an und kann das Wahrnehmungsfeld des Klienten weiten, was Auswirkungen auf die zu formulierenden Maßnahmen und ggf . auch Ziele haben kann . Fiktive äußere Perspektiven gehen in der Kreativität noch einen Schritt weiter und können den Klienten irritieren . Doch gerade dessen nun geforderte Reaktion auf etwas, mit dem er nicht gerechnet hat, schafft Freiraum für neue, bislang ungedachte Ideen . Beispiel: »Was würde Donald Trump in dieser Situation sagen?« Eine Irritation und die sie begleitenden Emotionen können bei Fragen wie diesen wie ein »Türöffner« zu einer inneren »Kreativwerkstatt« fungieren . Soma- 118 Thomas Hanstein: Coaching in der Seelsorge tisch wird dies in der Regel gut erkennbar unterstrichen, was auf die Musterunterbrechung beim Klienten hinweist . Diese somatischen Marker werden vom Coach – direkt – gespiegelt oder – später bei der Lösungssuche – rückgemeldet . Für die Arbeit mit inneren Perspektiven ist es wichtig, dass der Klient sich seiner inneren Anteile bewusst ist und auch über sie reden kann . Das J Riemann-Modell kann hier, wie die J Transaktionsanalyse, wieder methodische Unterstützung bieten . Hinsichtlich einer Konfliktsituation mit seinem Vorgesetzten, in der der Klient z . B . das »trotzige Kind« gibt, könnten auch die anderen inneren Anteile »befragt« werden: »Da war doch noch was in Ihnen … Was spüren Sie: Wo ist das ›freie‹ Kind in dieser Situation? Wenn Sie ihm ein Mikrofon geben und den Verstärker ganz laut drehen, was ruft es Ihnen zu ?« Ebenso wäre die Arbeit an diesem Beispiel mit den Anteilen des ›Erwachsenen- Ich‹ oder auch des ›fürsorglichen Eltern-Ich‹ gut möglich . Der Klient kann gebeten werden, die für ihn – zielfokussiert geführt – wichtigsten Anteile zu symbolisieren . Den, an dem er die größte Ressource in der aktuellen Situation erkannt hat, kann er – symbolisiert – buchstäblich in das nächste Zusammentreffen mit dem – an dieser Stelle – Vorgesetzten »mitnehmen« . Das spätere Bewusstmachen der erlebten Perspektive in der Konfrontation kann dann konkret in einen veränderten Musterzustand – und in eine gewünschte neuartige Handlung – münden . Wichtig ist hier, dass sich die Methode nicht in der Analyse der inneren Anteile erschöpft . Der Klient sollte mit dem Bewusstsein aus der Sitzung gehen, dass er seine Anteile »händeln«, d . h . gezielt einsetzen kann . Mythologische Perspektiven besitzen eine spezielle Dimension . Sie sind nicht haptisch greifbar, aber – vorausgesetzt authentisch vom Klienten ausgewählt – im Bewusstsein – oder hier: Glauben – real . Ihre Träger repräsentieren Werte, die oft als zeitlos gelten . Die Fragen können ähnlich wie bei äußeren und inneren Perspektiven gestellt werden . Je nachdem, wie weit in der Perspektive sich Klient und Coach 119 3 Coaching in der Seelsorge befinden, sollte im Regelfall indikativisch formuliert werden . Für den Fall, dass dies kontraproduktiv ist, weil die Direktheit der Formulierung abschreckt (z . B . im südwestdeutschen Sprachgebrauch), kann auf den Konjunktiv – wie am Beispiel oben – zurückgegriffen werden . Bei allen Möglichkeiten werden die spontanen Assoziationen des Klienten vom Coach festgehalten . Sie werden dabei nicht bewertet . Am Ende ist es die alleinige Aufgabe des Klienten, aus dieser kreativen Ideensammlung das auszuwählen, was er für angemessen erachtet – weil es zum Ziel führen kann, oder weil er es beim nächsten Mal »nur mal ausprobieren« möchte . Perspektivenarbeit 120 Thomas Hanstein: Coaching in der Seelsorge Paradoxe Interventionen Das soeben angeführte Beispiel, mit der »Perspektive« Donald Trump zu arbeiten, kann verdeutlichen, wie auch – und insbesondere – »Quergedachtes« buchstäblich intervenieren kann . Bei aller Offenheit, die ein Klient ins Coaching einbringen mag, kreist sein Geist (und spiegelt sein Körper) um die Fragestellung, wegen der er Coaching gebucht hat . Gedankengänge und Lösungswege können ähnlich auch schon selbst (vor)gedacht worden sein, und auch die Anstöße des Coachs können ihn anfänglich ggf . nicht in eine andere »Spur« bringen . Erst Interventionen, die so »schräg« sind, dass sie nicht – darin gründet ihr Erfolg – ins Muster passen, vermögen da oft Erhebliches, weil sie bisherige Denkschleifen unterbrechen . Assoziationen, die aufgrund dieser paradoxen Einwürfe oder Fragen des Coachs beim Klienten hervorgerufen werden, sind oft voller neuer Gedanken, innerer Bilder und neuartiger Emotionen . Hieran kann J Reframing (als »Neurahmung«, vgl . Kap . 2 .3 .3) ansetzen, ebenso die Musterzustandsänderung . Übergangsbrücke und Heldenreise Das Bild von Fluss und Brücke bietet sich aufgrund des archetypischen Charakters für Übergangssituationen regelrecht an . Ein Fluss begrenzt zwei naturgemäß voneinander getrennte Bereiche, was sich sowohl in Wortbedeutungen (z . B .: »Rivalen«, von lat . »rivus«) wie in Redewendungen (z . B .: »zum anderen Ufer wechseln«) sprachlich niedergeschlagen hat . Räumlich kann dieses Bild mit einfachen Mitteln – wie Stühlen und Tischen – gut symbolisiert werden, so dass das organische Raumerleben, ähnlich wie bei den Tools J Bodenanker und J Tetralemma oder bei der praktischen Arbeit mit dem J Riemann-Modell, die Musterzustandsänderung somatisch unterstützt . Das Überqueren einer Brücke beinhaltet einzelne Phasen, die dem Wechsel eines 121 3 Coaching in der Seelsorge Arbeitsbereiches in den anderen, einer Abteilung oder Firma zur nächsten, ähnlich sind: Der Einbau dieser Interventionsmethode kann an der Vorstellung einer Brücke ansetzen . Der Klient wird gebeten, sich eine reale Brücke vorzustellen, die ihm als Erstes in den Sinn kommt, die er vielleicht schon – als Wanderer, Radfahrer, mit der Bahn … – überquert hat . Bietet sich dieses bekannte Bild – warum auch immer, z . B ., weil es emotional negativ besetzt ist, – weniger an, wird der Klient gebeten, sich eine Brücke mit entsprechender Landschaft »auszumalen« . Leitfragen können sein: »Wie wirkt der bislang unbekannte Bereich auf der anderen Seite auf Sie? … Welche Gefühle nehmen Sie bei sich wahr, wenn Sie zur Brücke schauen?« Es ist möglich, dass sich der Gang zur und über die Brücke in mehreren oder in weniger Schritten anbietet . Hier kann der Coach verschiedentlich unterstützen: »Was wollen Sie mitnehmen, was muss, was sollte, was darf auf der hiesigen Seite bleiben? … Was wollen Sie davon vielleicht noch vernichten, bevor Sie die Reise antreten?« Der Klient »packt« sich nun seinen Rucksack oder – je nach Milieu – Koffer . Es kann sein, dass er beim »Begehen« der Brücke zögert oder dass er es eilig hat . Hierauf sollte der Coach kontextabhängig reagieren . Wenn ein Rückblick möglich ist, wird der Klient gebeten, sich Zeit dafür zu nehmen: »Mit welchen Gefühlen schauen Sie zurück? … Welche Erfahrungen nehmen Sie mit?« An dieser Stelle könnte – je nach Persönlichkeit des Klienten – Ressourcenarbeit und ggf . die Rückmeldung dieser Bereitschaft von Seiten des Coachs angebracht sein, da bereits der Wille zur Veränderung und deren Inangriffnahme eine starke Ressource darstellt: »Was wird Ihnen mit Ihrem Reichtum an Erfahrung und Ihrem Mut für ›Neuland‹ nicht wieder unterkommen?« Der Klient wird gebeten, sein Gepäck wieder aufzunehmen . Dabei könnte, wenn sinnvoll – z . B ., wenn der Wechsel mit dem Ziel Erleichterung, in welcher Hinsicht auch immer – nach dessen Gewicht gefragt werden: »Was löst diese Erleichterung bei Ihnen aus? … Wo spüren Sie sie am meisten im Körper?« Wenn 122 Thomas Hanstein: Coaching in der Seelsorge der Klient bereits einen Erstkontakt mit dem neuen Bereich – z . B . ein Assessment, Schnuppertage, Gespräche mit den neuen Mitarbeitern / Kollegen – hatte, kann der Moment des Verlassens der Brücke und des Ankommens auf der anderen Seite ein im Coaching bedeutsamer sein, da hier der Ersteindruck mit dem jetzigen – noch in der Vision vorweggenommenen – verglichen werden kann: »Wie werden die Menschen, denen Sie schon begegnet sind, auf Sie zukommen, wenn Sie dann ›wirklich‹ kommen? Wie werden Sie ihnen entgegengehen?« Wenn die »neue Welt« noch erfahrungsoffen ist, kann der Klient gebeten werden, »stehen zu bleiben« und, vor dem allerersten Schritt aufs »Neuland«, sich dieses bewusst vor Augen zu führen: »Was / wen sehen Sie als Erstes, dort angekommen? Wie riecht es dort? Welche (neuen) Geräusche hören Sie?« Ein Blick zurück zur Brücke – und über diese hinaus zum soeben verlassenen Gebiet – kann wieder emotionale und somatische Regungen freisetzen: »Wie fühlt es sich gerade an? Wo spüren Sie Ihr Herz? Gibt es (weitere) Bereiche in Ihrem Körper, die sich gerade melden? Und wie?« oder: »Wonach ist Ihnen im Augenblick: Wollen Sie es sich im Gras gemütlich machen? Nach der langen Reise vielleicht erst mal feiern, es sich gut gehen lassen? Oder lieber weitergehen?« Angekommen am eigentlichen Ort, können Fragen nach dem mitgeführten Inhalt – Symbole für »mitgebrachte« Erwartungen und Ziele, die eigene Kommunikations- und Arbeitsweise, für eigene Rituale und Werte, auch für eigene Verhaltensweisen und Konfliktstile … – weiterführen: »Was wollen Sie als Erstes auspacken? Was bleibt noch in Ihrem Gepäck? Was dürfen oder sollen andere gern gleich sehen? Was ist von persönlicherer Bedeutung?« Vielleicht gibt es bereits Inhalte, die sich der Klient für bestimmte Situationen »zurechtlegen« will: »Wo soll dies in Ihrem Rucksack / Koffer aufbewahrt werden, damit Sie schnellen Zugriff darauf haben? Und: »Wie fühlt es sich an, wenn Sie mit diesem Wissen / mit dieser Sicherheit in den neuen Bereich / in Verhandlungen mit bislang noch Unbekannten gehen?« Für Menschen, besonders Führungskräfte, die ein strukturiertes Arbeiten gewohnt sind, kann sich die Weiterarbeit mit der J Timeline anbieten . 123 3 Coaching in der Seelsorge Ebenso wäre es auch hier wieder möglich, mit J äußeren Perspektiven zu arbeiten: »Wer würde Ihnen (was) in dieser Situation zurufen?« oder ggf . konkret: »Wie würde Person B darauf reagieren?« Übergangsbrücke Für den »Weg zurück« oder »wieder nach unten« bietet sich die Heldenreise (vgl . Gilligan / Dilts, 2013, hier weitergeführt) an: Jemand, der einen beruflichen »Abstecher« hinter sich gebracht hat und in die »alte« Welt zurückkehrt, dem wehen nicht nur Interesse und Anerkennung entgegen . Nicht selten schwingen auch andere Gefühle – wie Misstrauen oder auch Neid – mit, werden aber nicht (gleich) verbalisiert . Auch das Nichtthematisieren ist übliches Verhalten, mit dem ein System dieses Thema zu vermeiden suchen kann . Die Wahrnehmung dieser Emotionen 124 Thomas Hanstein: Coaching in der Seelsorge und Phänomene ist wichtig, aber auch wieder abhängig vom entsprechenden Milieu und seinen Werthaltungen . Eine Organisation, die – wie die Kirche und kirchliche Gruppierungen – Identität durch das Wir-Gefühl vermittelt, reagiert hier anders als ein Arbeitssystem, das von einzelnen Individualisten getragen wird . Über viele Jahre an ein- und demselben Arbeitsplatz zu bleiben, lässt für das eine System einen Rückgriff auf entsprechend positiv konnotierte Werte – wie Treue oder Beständigkeit – zu, während es für andere Milieus einen deutlichen persönlichen Entwicklungsbedarf im Bereich Veränderungsbereitschaft indiziert . »Nirgends habe ich so einen Hang zur Sesshaftigkeit erlebt wie im pastoralen Bereich, obwohl die Bibel doch was ganz Anderes kennt« (O-Ton), hörte sich dieses Phänomen aus dem Mund eines jahrzehntelang in verschiedenen Bereichen – neben Industrie, Wirtschaft, Öffentlichem Dienst auch Kirche – tätigen Organisationsentwicklers an . Und nirgends anders höre man so oft wiederholt Sätze wie: »Das war schon immer so  …« oder: »Das kann bei uns nicht funktionieren …« – und erlebt entsprechende Widerstände . Auch deshalb ist hier – wichtiger als die Beobachtung der Wirkung auf andere und auf das jeweilige System – die Wahrnehmung der eigenen Emotionen und somatischen Reaktionen, in der Visionsarbeit entlang dieser Vorstellung, leitend, der Rückkehr nach »langer Reise«: Der Klient wird gebeten, sich an einen Helden aus Jugendtagen zu erinnern, von dem er viel gelesen (oder viel gesehen) hat . Der Coach lässt ihn berichten, was ihn an dieser Person so fasziniert habe . In der Regel sind es bei allen klassischen Heldenfiguren dieselben Eigenschaften und Attribute: Sie sind an Persönlichkeit (klassisch meist Mut oder Weisheit) gereift, strahlen eine veränderte, anziehende Aura aus, weil sie (klassisch zur Belohnung) mit einem Elixier gestärkt worden sind . Anders als beim Wechsel über die »Übergangsbrücke«, von einer Welt zur anderen, muss sich der »Held« nicht von seiner alten Welt 125 3 Coaching in der Seelsorge lösen . Vielmehr ist er »Herr zweier Welten« . Der Klient wird gebeten, dies, ausgehend von »seinem« Helden, auf seine konkrete Situation zu übertragen: Da er auch die »andere Welt« kennt, ist er »gestählt« für »Spielchen« der alten, mit denen man ihm »auf den Zahn fühlen« könnte . Leitfragen können sein: »Wie ist es möglich, diesen Schatz an Wissen und Erfahrung aus der ›anderen Welt‹ in die ›alte‹ wieder zu integrieren, ohne dabei den ›Allwissenden zu geben‹? … Wie können Sie die alten Kollegen / Mitarbeiter an Ihren neuen Erfahrungen partizipieren lassen? … Welche konkreten Maßnahmen bieten sich dazu an?« Und, in Kombination mit äußeren Perspektiven: »Wie würde Sie und Ihr Auftreten Person X (aus der ›anderen Welt‹) aktuell beschreiben?« Mit Hilfe dieser Methode und Perspektive kann die zurückliegende »Reise« an sich bereits als Ressource begriffen werden . Da sich der Klient bereits dadurch vom Gros der Zurückgebliebenen unterscheidet, gibt ihm dies das Bewusstsein eines Wissens- und Erfahrungsvorsprungs – auch, wenn dieser von der Organisation im Moment explizit nicht (ab)gefragt sein sollte . Er hat sich bewährt und ist an unvorhersehbaren Herausforderungen persönlich gewachsen . Dabei hatte er Unterstützung von außen, hat jedoch auch seine inneren Ressourcen (neuartig) kennen – und schätzen  – gelernt . Wer von einer »Heldenreise«  – lebend  – zurückgekehrt ist, auf der er »Drolle« überlisten, »Dämonen« töten oder »Drachen« köpfen musste, dessen »Zauberelixier« kann ihn auch – anhaltend – davor bewahren, unverständlichen Verhaltensweisen von »Zwergen« in der »alten Welt« – z . B . aus Neid hervorgerufen, hinter dem aber oft tiefer Respekt und Hochachtung verborgen sind  – »aufzusitzen«, und sich von ihnen zu Unheldenhaftem »verführen« zu lassen . Tetralemma »Soll ich dieses oder jenes machen …?«, oder als klassisches, Blüten zupfendes Motiv: »Sie liebt mich nicht, sie liebt mich 126 Thomas Hanstein: Coaching in der Seelsorge doch …« – Oft fühlen sich Menschen, besonders in extremen Stress-Situationen, in einem Dilemma zwischen Option »A« und Möglichkeit »B« . Die Fähigkeit, rational und strategisch in solchen Momenten weiter zu denken, wird dann vom steinzeitlichen Hirnareal blockiert, da dieses signalisiert: »Es geht um Leben oder Tod …« – und wieder (nur) um zwei Denkrichtungen . Kein Wunder, dass »Angst« sprachlich von »Enge« (wörtlich »schmale Passage«, von lat . »angustia«) herrührt . Um gedanklich, emotional und somatisch aus dieser Engführung herauszufinden, bietet sich methodisch das Tetralemma (vgl . Varga von Kibéd / Sparrer, 2016) an, denn dort gibt es nicht nur »das« oder »jenes« . Vier Quadranten werden am Board visualisiert oder auf dem Boden markiert . Wenn die zweite Form möglich ist, kann sie mit J Bodenankern weitergeführt werden . Möglichkeit A bedeutet: »Das Eine«, Alternative B: »Das Andere« . Zusätzlich gibt es die Option AB: »Keines von Beidem« sowie noch A+B: »Beides« . Entlang dieser Felder werden Handlungsoptionen durchgespielt . Der Coach fragt den Klienten nicht nur nach dem, was ihm zu den jeweiligen Bereichen einfällt, sondern auch nach seinen Emotionen, z . B .: »Wie fühlt sich der Bereich AB für Sie an?« In der Regel hatte der Klient die Optionen AB und A+B bislang als denkbare Möglichkeiten noch nicht präsent . Folglich verändert die Auseinandersetzung mit diesen Feldern sein Empfinden . Wenn der Klient längere Zeit auf dem Feld A+B verharrt, könnten sich neue Perspektiven aufzeigen, bei denen sich eine Vertiefung lohnen würde: »Wie könnten Sie die Aufgaben zusammenbringen, was lässt sich dazu organisatorisch lösen?« Hier sind die körperlichen Signale zumeist besonders wichtig . Oft empfinden Klienten plötzlich eine Freiheit, mit der sie nicht gerechnet hätten . Sie erkennen, dass sie weniger als gedacht an den Bereichen hängen . Eine Musterzustandsänderung tritt ein, an die die J Visionsarbeit nun gut angelegt werden kann . 127 3 Coaching in der Seelsorge Tetralemma Skalierungsfragen In diesem Tool wie auch in vielen anderen Herangehensweisen an ein Thema bieten sich Skalierungsfragen immer dann an, wenn der inhaltliche Bezug des Klienten oder seine gefühlte Bedeutung zum Thema konkreter gefasst werden soll . Die klassische Fragestellung: »Bewerten Sie diese gefundene Möglichkeit auf einer Skala von … bis … (wobei -1- die geringste persönliche Bedeutung meint, -10- die höchste) wird vom Coach dazu entsprechend abgewandelt . In der Regel ist es zielführend, wenn der Klient für seine Antwort nicht zu lange überlegt, sondern relativ spontan antwortet . Wird der genannte Wert mit anderen Optionen und deren Bewertung verglichen, kann dem Klienten seine Antwort rückgespiegelt werden, z . B .: »Wie fühlt es sich für Sie an, wenn Sie diese Möglichkeiten mit Ihren Bewertungen durchspielen?« 128 Thomas Hanstein: Coaching in der Seelsorge Die Bewertungen können bei Bedarf wieder visualisiert und mit J Bodenankern oder dem J Tetralemma verbunden werden . Inneres Team Die Arbeit mit dem »inneren Team« oder mit »inneren Anteilen« geht auf Schulz von Thun zurück und ist mittlerweile zum festen Repertoire in der Coachingarbeit geworden . Vor der Kommunikation nach und mit »außen« steht für den Kommunikationsexperten das »Hineinhören« nach »innen« . Kommunikationsstörungen mit dem äußeren Team  – bestehend aus anderen Menschen mit ihren jeweiligen Ansichten, Deutungen und auch Interessen – hängen demnach nicht selten mit dem inneren Team zusammen: mit verschiedenen inneren »Stimmen« im Menschen . Im Laufe der Herausbildung der eigenen Persönlichkeit mussten sich diese – durch Erziehung und Sozialisation geprägten – verschiedenartigen Anteile miteinander auseinandersetzen . Alle diese Anteile sind ihrerseits von durchaus verschiedenen Erfahrungen, Werten und Normen geprägt und drängen danach, das menschliche Verhalten und Handeln zu beeinflussen . Herauszufinden, welcher dieser inneren Anteile wann im Alltag die »Überhand« gewinnt und das Handeln bestimmt, fördert Sicherheit in persönlichen und beruflichen Herausforderungen und vermindert ggf . sogar die Manipulierbarkeit »von außen« . Die »inneren Wortmeldungen« können sich dabei – je nach Persönlichkeitstyp – »lauter« oder verborgener zeigen . In jedem »artikulierten« Fall aber stehen sie für Persönlichkeitsanteile, Wünsche oder Bedürfnisse, die ihrerseits wieder ihre biographische Entstehungsgeschichte haben . Die Auseinandersetzung mit inneren Anteilen kann letztlich auch für die Arbeit mit inneren Konflikten und Dilemmata verwendet werden . Für den Fall, dass die inneren Anteile vom Klienten nicht benannt werden können, bieten sich zur Hinführung ggf . die »Ich-Zustände« aus 129 3 Coaching in der Seelsorge der Transaktionsanalyse an (vgl . Berne, 172002) . Davon abhängig sind auch der Einstieg und die weitere Prozessführung: Wenn diese Anteile selbständig benannt werden, werden die Bezeichnungen auf Moderationskarten festgehalten . Alternativ können die erkannten und benannten Anteile vergegenständlicht werden, hierzu bietet sich dann die J Aufstellungsarbeit an . In beiden Formen lassen sich die Musterzustandsänderung, die Visionsarbeit und das Lösungsbrainstorming mit kreativen Veränderungen der bislang bestehenden Konstellationen einleiten bzw . umsetzen . Abhängig davon, mit welchen Tools bisher schon gearbeitet worden ist, kann der Coach z . B . Figuren J aufstellen oder die Ebenen nach der Transaktionsanalyse J visualisieren . Auch ist es möglich, über die Emotion in der entsprechenden Situation zu führen, z . B .: »Wenn Ihr Chef Sie so aggressiv attackiert, wie fühlen Sie sich dann?« oder, mit Blick auf die Ebenen und Rollen oder die Figuren vor Augen: »In welcher Rolle erleben Sie sich dann?« Das ›angepasste Kind‹ würde, nach der Theorie der Transaktionsanalyse, ggf . nichts Weiteres dazu sagen und »folgen« . Das ›freie / rebellische Kind‹ bereits hätte schon mehrere Optionen . Hier kann mit der Suche nach »freien« Erfahrungen in der Kindheit des Klienten der innere Rollenwechsel eingeleitet werden . Darauf wird das dabei empfundene Gefühl auf die aktuelle Situation übertragen: »Wie fühlt es sich an, wenn Sie jetzt ähnlich wie damals reagieren würden?« Da die geschilderte frühere Erfahrung in der Regel (sonst wäre sie an dieser Stelle nicht genannt worden) mit einer positiv konnotierten Emotion verbunden ist, könnten sich hier bereits (bislang überlagerte) Ressourcen zeigen . Analog kann auf der Ebene des ›Eltern-Ich‹ verfahren werden: »Ich möchte Sie einladen, zum Ausprobieren mal in die Rolle des ›behütenden Eltern-Ich‹ zu gehen . Sie sehen die Sache immer noch kritisch, das müssen Sie gar nicht aufgeben . Aber Sie dürfen das jetzt mal zurückstellen . Vielleicht hilft Ihnen die Vorstellung, dass Sie diese Aufgabe gut delegieren konnten …« Da diese Ebenen stark mit den eigenen Kindheitserfahrungen 130 Thomas Hanstein: Coaching in der Seelsorge verbunden sind, kann ggf . – wobei hier grundsätzlich Vorsicht geboten ist und der Coach den Klienten schon einigermaßen gut einschätzen können sollte – wieder nach Erfahrungen mit dem Behütetsein gefragt werden . Für den Fall, dass eine vertraute Person schnell genannt wird, kann diese auch als J äußere Perspektive eingebaut werden, indem der Coach z . B . fragt: »Wie würde Ihre Oma in dieser Situation auf Ihren Chef reagieren?« Da derartige Fragen zugleich als J paradoxe Interventionen fungieren können, beginnen die Klienten nicht selten zu lachen – oder auf andere Weise emotional zu reagieren . Mit der angeschlossenen Frage, was der Klient konkret tun kann, um sich nach diesem Muster (vorausgesetzt, es war ein zielführendes und umsetzbares) zu verhalten, bleibt Coaching ganz und gar beim Klienten und seinen inneren Anteilen – hier der »Oma« als »Modell« – und nimmt das Problem – in diesem Beispiel den »Chef« – nicht zum Gegenstand der Erarbeitung . Dadurch werden die Musterzustandsänderung und der Übergang in den Lösungszustand gut möglich . Andernfalls könnte mit der Transaktionsanalyse weitergearbeitet werden . Für den Fall, dass die Anknüpfung an Biographisches bisher positiv verlief, könnte der Klient auch weiter, hin zum ›Erwachsenen-Ich‹ geführt werden . Vielleicht gibt es auch hier wieder Modelle für eine erfahrene partnerschaftliche Kommunikation, oder der Klient kann beschreiben, wo er eine solche schon erlebt hat . In beiden Fällen würde sich die Frage nach der Übertragung auf die von ihm geschilderte Situation bzw . Konstellation anschließen . V-W-Regel Liegt das Anliegen im Coaching auf der Frage nach dem Umgang des Klienten mit Äußerungen einer anderen Person – am soeben beschriebenen Beispiel des Vorgesetzten – könnte die so genannte »V-W-Regel« Unterstützung bieten . Gut geeignet ist sie v . a . für Beziehungskonstellationen auf gleicher Ebene, also vorrangig unter Kollegen (auf derselben Organigrammstufe) 131 3 Coaching in der Seelsorge und in Partnerschaften . Was einfach klingt, ist in der Praxis oft schwierig: eine Formulierung, die als Vorwurf – V – beim Klienten ankommt, als Wunsch – W – des Gegenübers zu deuten . Auch wenn es dabei auf den ersten Blick darum zu gehen scheint, diese Person »besser« zu verstehen, besteht ein grundlegendes Ziel in der Vermeidung wiederholter negativer Emotionen, wie sich angegriffen oder gar verletzt zu fühlen, da diese zumeist neue emotionale Reaktionen freisetzen . Weil – nach dem Modell von Johari und anderer Kommunikationstheorien – die Botschaft des ›Senders‹ erst im – entsprechend seiner eigenen Vorerfahrungen und Assoziationen je sensibilisierten – Ohr des ›Empfängers‹ entsteht, setzt diese Regel auch beim Hörer – hier dem Klienten – an, und nicht bei der – vermuteten – Aussageintention des Gegenübers . Eine grundlegende Frage kann daher lauten: »Wie schaffen Sie es, trotz dieser Worte, die Sie hören, bei sich zu bleiben?« Für den kirchlichen Kontext kann diese Interventionstechnik aufgrund der beobachtbaren Neigung zum Thema Schuld und des dargelegten »sündhaften« Menschenbildes besonders wichtig sein . Beispiele aus der Praxis können diese Regel verdeutlichen: Eine Aussage lautete: »Könnten Sie das beim nächsten Mal unbedingt so machen?« Die Klientin hatte (als ›V‹) verstanden: »Er war mit meiner Arbeit im Büro total unzufrieden .« Im Coachingprozess wurde, aufgrund des geschilderten Kontextes und der angespannten Situation in Produktion und Vertrieb, (als ›W‹) herausgearbeitet: »Ich wünsche mir einen effizienteren Ablauf, deshalb schlage ich dieses Vorgehen vor .« Zusätzlich überlegte sich die Klientin Rückfragen an ihren Vorgesetzten, z . B .: »Heißt das, Sie hätten beim nächsten Mal gern ein anderes Vorgehen? Haben Sie dazu schon konkrete Vorstellungen? Wo kann ich Sie dabei unterstützen?« In diesem Fall trat so eine Veränderung auf mehreren Eben ein: Die Klientin wechselte den Blick nach vorn, weg von einem Wortwechsel in der Vergangenheit . 132 Thomas Hanstein: Coaching in der Seelsorge Sie erfuhr – und erprobte – sich als Aktive, die passend und sachlich reagieren konnte . Dabei nahm sie den »Ball« des Chefs souverän und konstruktiv auf . Zusätzlich verschwand die hyperbolische Formulierung – und emotionale Empfindung – wie von selbst . In der realen »Konfrontation« war es der Klientin schließlich sogar möglich, statt der »erprobten« Frage mit: »Das heißt, wir brauchen …« zu parieren . Damit konnte sie die Teamebene eröffnen und das Gefühl: »Er gegen mich« überwinden . In einem anderen Fall brachte ein Klient folgende Formulierung ins Coaching ein: »Der (Pfarrer) hat zu mir gesagt, ich soll mich nicht so haben, er hat auch kein Wochenende für sich .« Da noch weitere Aussagen in der ersten Sitzung fielen, die zeitlich weiter zurücklagen, waren seelische Verwundungen beim Klienten offensichtlich . Diese Emotionen und Worte aus zurückliegenden konfliktiven Gesprächen hatten dieser aktuellen – in Relation dazu eher »beiläufigen« und »harmlosen« Bemerkung – eine entsprechende Emotionalität verliehen . Der Klient hatte (als ›V‹) gehört: »Der meint, ich schaffe zu wenig .« Und sofort als Rechtfertigung nachgelegt: »Dabei habe ich unter der Woche bis zu drei Abende mit Sitzungen, und dann jeden Samstag oder Sonntag noch was .« Nachdem auf die Situation in der Gemeinde und im Team geschaut – und sie J gestellt – worden war, formulierte der Klient als Assoziation: »Von ihm her gedacht, steht er da schon oft allein da sonntags . Das war für mich bisher immer normal, schließlich hat er als Pfarrer dafür keine Familie . Aber vielleicht wünscht er sich auch mal einen Sonntag bei seiner Mutter, kann ja sein .« Worauf der Klient nur über die Aufstellung gekommen war, das war bisher vom Vorgesetzten – aus welchen Gründen auch immer – nicht thematisiert worden . Auch diese Besonderheit galt es in diesem Fall achtsam zu berücksichtigen, so dass direkte Fragen an dieser Stelle nicht so ohne Weiteres sinnvoll erschienen . Jedoch erwähnte der Klient im Coachingprozess immer wieder, dass er einen »ganz neuen Blick für die persönlichen Wünsche eines Pfarrers« (O-Ton) 133 3 Coaching in der Seelsorge bekommen habe . Die Neukonnotierung vom ›V‹- zum ›W‹-Denken war in diesem Coaching ein wichtiger Schritt, auch für die weiteren Situationen und Anliegen . Körperreise Aufbauend auf den oben beschriebenen Hintergründen zu inneren Bildern, zur Kongruenz bzw . Inkongruenz dieser mit dem äußeren Erleben, zwischen Inter- und Intra-Kommunikation, sowie zu somatischen Markern (vgl . Kap . 2 .3 .3 und 2 .3 .4), kann eine Körperreise die subjektive Anatomie eines Klienten ganzheitlich spürbar machen . Diese Technik kann an andere Methoden angebunden werden, z . B . an die J Visualisierung oder anJ Bodenanker . Diese »äußeren« Impulse können dann für den Klienten als Anstöße »für innen« genutzt werden . Der Coach sollte in die Körperreise grundlegend einführen, und von vornherein auch klarstellen, dass es im Ermessen des Klienten liegt, sie jederzeit zu beenden . Ebenso kann dieser frei entscheiden, wie weit er die Impulse des Coachs »mitgehen« kann . Für den Kontext Kirche und Seelsorge kann sich die Einführung auf das Wesentliche beschränken, da Meditation und Körpererleben hier  – in der Regel  – bekannt sind . Im Bereich Business und Management könnte es nötig sein, in der Auswahl sensibler vorzugehen . Eine Anleitung zur Körperreise kann wie folgt aussehen (vgl . Hanstein, 2016, S . 30 – 33): Der Klient wird eingeladen eine Körperhaltung einzunehmen, in der er bequem und zugleich aufrecht sitzen kann . Der Coach bittet ihn, achtsam für den Atem zu werden, z . B . so: »Sie spüren den Atem in Ihnen fließen . Er atmet ganz von selbst, Sie müssen dazu nichts tun . Genau genommen atmet es in Ihnen .« Der Klient wird angeleitet, den Atem bewusst wahrzunehmen, ihn dabei aber nicht zu verändern . Er wird für das Ein- und Ausatmen sensibilisiert, besonders für den Moment der Pause dazwischen . Auch kann er eingeladen werden, an 134 Thomas Hanstein: Coaching in der Seelsorge seinen Atem Gedanken »anzulegen«, und – wenn für ihn stimmig – die Augen zu schließen . Der Coach bittet den Klienten, dabei auf mögliche körperliche Reaktionen zu achten, ohne diese verändern zu wollen . Der Klient wird eingeladen, sich seinen Lieblingsort vorzustellen: »Er erscheint Ihnen ganz klar vor Augen . Sie sehen Bilder, Farben, Schattierungen, hören Töne und riechen diesen Ort . Lassen Sie all das auf sich wirken . Alle Ihre Sinne sind offen dafür .« Der Coach setzt bewusst Pausen, schweigt . Dann lenkt er die Aufmerksamkeit des Klienten auf seinen Körper, in etwa so: »Lassen Sie diesen Ort, die Geräusche und die Düfte nun als Bild vor Ihrem Auge stehen . Es bleibt, Ihr Liebingsort ist in Ihnen . Und achten Sie nun auf Ihr Gesicht, während Sie Ihren Ort betrachten . Spüren Sie die Regungen, die dieser Anblick auf Ihrer Haut auslöst, fahren Sie sie gern zärtlich mit den Händen ab .« Vom organischen Erleben des inneren Bildes »Lieblingsort« aus, führt der Coach den Klienten entweder weiter im Körper – zu den Fußsohlen, ihrer Auflage und gefühlten Temperatur, die Wirbelsäule entlang zur Schulter … – oder aber zu einem »äußeren« Bild, das mit der geschilderten Situation bzw . der vorzubereitenden Zukunftsvision zusammenhängt . Bei der ersten Variante zielt der Coach den »gefühlte Sinn« beim Klienten an, z . B . die Enge in der Luftröhre, wenn der Klient sich vorstellt, am Montag von seinem Chef in dessen Büro »vorgeladen« zu werden . Über diesen Weg kann er zur Kommunikation mit diesem gefühlten Zustand und seiner somatischen Reaktion gelangen . Der Coach kann den Klienten ausgehend von diesem inneren Bild zu einem neuen führen, das ihm – hier buchstäblich – mehr Luft verschafft . Das soeben gespürte, in diesem Beispiel die enge Luftröhre, wird dabei nicht negiert, sondern als wichtige »Stimme« des Körpers dankbar angenommen – und »verabschiedet« . Bei der zweiten Variante bittet der Coach den Klienten, wieder zu seinem Lieblingsort zu »gehen« – wobei entsprechende Impulse die Sinne erneut ansprechen können –, und von hier aus auf eine andere Szene zu schauen . Der Lieblingsort in ihm, mit seinen inneren Bildern und Emotionen, kann dann als J Perspektive fungieren . Diese liefert dem Klienten dann neue Aussagen 135 3 Coaching in der Seelsorge über die Situation in der »Ferne« . Der Coach kann entsprechend führen, z . B .: »Wenn Sie von dieser wunderschönen Stelle nach dort drüben schauen, wie fühlt sich das für Sie an?« Und, auf den Körper bezogen: »Spüren Sie eine Veränderung in Ihnen, bei diesem Blick, in der Atmung, in der Luftröhre, in der Schulter, wo?« Auch hier gilt wieder, diese Reaktionen nicht zu bewerten oder verändern zu wollen, vielmehr: »Vielleicht wollen Sie Ihre Schulter leicht bewegen, oder aufrichten, in die Stelle, die sich bei Ihnen geregt hat, hinein spüren? … Lassen Sie Ihren Atem kommen und gehen, spüren Sie dabei die Kraft, die Ihnen dieser Ort gibt! … Und auch die Pause, die immer da ist . Die Ihnen Luft gibt, das heißt auch: Freiraum zum Handeln .« Darauf wird der Klient gebeten, sein »Päckchen zu schnüren«, um – für heute – Abschied zu nehmen, und daran erinnert, dass er jederzeit zu diesem »Kraftort« zurückkehren kann . Der Coach lädt ihn ein, sich für die Reise zurück zu stärken, und dazu auch das mitzunehmen, was ihm gerade, mit Blick in die Ferne, Kraft gegeben hat . Am Ende der »Reise« bekommt der Klient die Zeit, die er zur »Rückkehr« benötigt . Wenn er im Laufe der Methode die Augen geschlossen hatte, wird er angeregt, sie langsam und allmählich wieder zu öffnen, und ebenso mit langsamen Bewegungen des Körpers – z . B . dem Abstreichen der Augen-, Stirn- und Wangenpartie – wieder »zurück« zu kommen . Darauf wird der Klient nach seinem grundsätzlichen momentanen Befinden gefragt, bevor der Coach das Gespräch auf die – gespürten und »gesehenen« – Ressourcen lenkt . Er lädt den Klienten ein, diese inneren Bilder zu beschreiben und auch die Stellen, an denen sie spürbar waren bzw . noch sind . Danach bieten sich – je nach dem Schwerpunkt des Nachgespräches – zwei Möglichkeiten zur Transfersicherung an: Die »ins Wort gebrachten« Ressourcen können an eine weitere Wahrnehmungsübung angebunden werden . Der Klient wird dabei gebeten, mit diesen Ressourcen – entweder, je nach Thema – »im Rücken«, »im Bauch«, »in den Händen« zu 136 Thomas Hanstein: Coaching in der Seelsorge gehen, fest aufzutreten, dem Coach »entgegen zu kommen«, einen »festen Stand« zu üben, oder »aufrecht zu sein« . Bei der Nachbesprechung dieser Übung überlegt der Klient, wie er die dabei empfundenen positiven Gefühle durch J Ankern sichern und – später bei Bedarf – abrufen kann . Die zweite Möglichkeit besteht im J Visualisieren, wozu sich erfahrungsgemäß das J Ressourcenrad anbietet . Systemische Aufstellungsarbeit Die »klassische« Aufstellungsarbeit entstammt der Familientherapie (vgl . Varga von Kibéd / Sparrer, 2016) und ist durch einen genauen Ablauf gekennzeichnet . Im Coaching können einzelne Elemente daraus an geeigneter Stelle eingebaut werden, ohne eine komplette »klassische« Aufstellungsarbeit durchführen zu müssen . Diese Interventionstechnik eignet sich für das Teamcoaching, weniger für Einzelgespräche . Insofern könnte sie im Rahmen der Seelsorge für Klausuren von Pastoralteams oder – bei gegebener Abgrenzung zur systemischen Therapie – zur Paar- und Familienseelsorge angewandt werden . Durch »Aufstellungen« können Zusammenhänge – wie Beziehungs- und Interaktionsmuster, indirekte Abhängigkeiten oder wiederkehrende Konfliktmuster von Aktion und Reaktion – gegenständlich J visualisiert und / oder erfahren werden . Diese Technik eignet sich sowohl für innere und äußere Systeme, wie mit Personen oder Figuren (dazu im Folgenden mehr) . Damit ist z . B . der Blick auf das J innere Team des Klienten möglich wie auf Systeme, in denen sich dieser bewegt, z . B . Arbeitsteams oder Gremien . In allen Fällen arbeitet Coaching mit Veränderung der Konstellationen, je nachdem, was entweder die interviewte Person – der »Stellvertreter« oder »Repräsentant« – an Wahrnehmungen schildert, oder welche Wirkungen die Veränderung der Situation einer Figur beim Klienten auslöst . Drei Aspekte sind, entsprechend der »klas- 137 3 Coaching in der Seelsorge sischen« Variante, auch in der verkürzter Anwendung – mit Hilfe von Personen – unabdingbar: Der Klient bleibt der »Chairman« des Geschehens, auch wenn eine andere – von ihm ausgewählte – Person seine »Rolle« übernimmt . Das heißt konkret, dass die Aufstellung auch erst an dem Punkt (vorläufig) abgeschlossen ist, wenn der Klient das Gefühl hat, dass seine Situation adäquat gespiegelt ist . Ebenso stellt dieser die Aufstellung so um, wie sie ihm als gewünschte Szenerie erstrebenswert erscheint . Auch entscheidet er autonom, welche Vorschläge des »Repräsentanten« – und ggf . anderer vom Coach befragter Personen – für angemessene Lösungsideen sinnvoll sind . Zweitens führt der Coach den »Stellvertreter« mit einem Ritual in seine Rolle ein, wie er diesen – und ggf . andere an der Aufstellung Beteiligte – aus dieser auch wieder entlässt . Was im einen Kontext das klassische »Abstreifen« sein kann, kann im anderen Milieu durch das Ändern des Raumes oder bereits durch dankbares Applaudieren erreicht werden . Last but not least muss der Coach seine Rolle und Haltung als asketischer Moderator entsprechend verinnerlicht haben, da in dieser Interventionstechnik – und den mit ihr aufkommenden Assoziationen – die Gefahr zur Deutung und Interpretation ungleich höher ist als im Einzelcoaching . 138 Thomas Hanstein: Coaching in der Seelsorge Aufstellung Für das Einzelcoaching ist die zweite Variante, die Systemische Aufstellungsarbeit mit Figuren, ggf . besser geeignet . Die Wahl des Materials ist sowohl vom Zugang des Klienten abhängig wie vom entsprechenden Milieu, in welchem der Auftrag angenommen worden ist . Eigens zum Coaching angeschaffte »Figurenkegel« aus Holz z . B . stellen eine gute Grundausstattung dar . Das Material ist hierbei in der Regel farblich und hinsichtlich zusätzlicher Effekte neutral gehalten, und somit relativ breit anwendbar, auch im Business-Bereich . Beliebt sind für diese Technik aber auch »ausgediente« Playmobil- und Lego-Figuren oder Ähnliches . Bei diesem Material ist die Charakteristik der Figuren vorgegebener, Tiere bieten sich z . B . als »Träger« von Eigenschaften an . Entsprechend der Situation des Klienten und seiner »Vorliebe« können somit entweder Figuren der einen oder der anderen Kategorie ausgewählt werden . Es kann aber ebenso der Einblick in die ganze »Schatzkiste« des Coachs sinnvoll sein . Dann sollte dem 139 3 Coaching in der Seelsorge Klienten genügend Zeit gegeben werden, sich »seine« Figuren auszuwählen . Korrekturen sind dabei natürlich möglich . Falls sich der Klient beim Aufstellen »schwer tut«, kann der Coach auch durch Leitfragen führen, z . B .: »Hat die Entfernung zwischen diesen beiden Personen eine besondere Bedeutung?« oder: »Wollen Sie sich für die Ausrichtung der Blickrichtung bei diesen beiden noch Zeit nehmen?« Wichtig ist dabei, als Coach nicht zu stark zu steuern, gleichzeitig aber auch die Schilderungen des Klienten als erste Orientierung »im Ohr« zu behalten, falls dieser wichtige Aspekte oder Akteure unbeachtet lassen sollte . Ggf . korrigieren sich die anfänglichen Aussagen durch diese Aufstellung bereits, oder der Klient präzisiert sie durch räumliche Umstellung . Auch könnte der Coach z . B . fragen: »Sie haben vorhin auch noch eine Person X erwähnt . Wäre es wichtig für Sie, sie hier noch einzubringen?« Der Klient wird dadurch angeregt, die Relevanz dieser Person für das System bzw . für seine Position darin zu überdenken . Ggf . wurde deren Bedeutung vom Klienten bisher stärker eingeschätzt als real gegeben . Dann kann es sein, dass sie im Moment (noch) »außen vor« bleibt, oder (vom Klienten) am Rand positioniert wird . Anhängig davon, wo die Aufstellung im Raum vorgenommen worden ist, kann der Klient eingeladen werden, die Szene von wechselnden Perspektiven aus – von »vorn«, von »hinten«, von der »Seite«, von »oben«, oder auch »auf Augenhöhe« der Figuren – zu betrachten . Danach wird der Klient gebeten, die Wirkung der gestellten Szene zu beschreiben . Da bei dieser Variante der Aufstellung – bei aller Symbolik – Figuren zur Anwendung kommen, könnten die Musterzustandsänderung und die Einleitung eines Lösungsbildes ggf . einfacher möglich sein als bei menschlichen »Repräsentanten« (vgl . oben) . Der Klient wird nun eingeladen, die Szenerie neu so zu ordnen, bis sein »Wunschbild« entsteht . Dabei reicht erfahrungsgemäß oft schon die Veränderung der Körperhaltung bei einzelnen Figuren, z . B . »aus der Schusslinie« 140 Thomas Hanstein: Coaching in der Seelsorge zu gehen, einer Figur »den Rücken zuzuwenden«, sich »klein zu machen« oder gerade »aufzubauen« oder eine Platzierung so vorzunehmen, dass die Aktion einer anderen Figur / Person »ins Leere läuft« . Auch die Veränderung der Größenverhältnisse – z . B . durch »Sitzen«, »Stehen oder »Liegen« – kann bereits neuartige Wirkungen mit sich bringen . Manchmal kann es aber auch nötig sein, eine Figur ganz »aus dem Spiel« zu nehmen . Dann kann der Coach wieder dazu einladen, die Wirkung dieser Veränderung bei sich zu beschreiben . Die finale Aufstellung, bei der der Klient das Gefühl hat, unter diesen Umständen gut und gern weiterarbeiten zu können, kann vom Coach als Foto festgehalten werden . Dazu kann es wieder wichtig sein, den Klienten nach »seiner« Perspektive auf die Aufstellung zu befragen . Ausgehend vom Lösungsbild ist es daraufhin möglich, den Transfer auf die reale Situation zu planen und Maßnahmen zu formulieren . Es bietet sich erfahrungsgemäß aber an, nach diesem umfangreichen Schritt und der fotografischen Transfersicherung eine Pause im Coaching einzubauen . In dieser Zeit kann sich das Wunschbild auf mehreren Ebenen beim Klienten »setzen« und verinnerlichen . Riemann- und Petzold-Modell Dass Modelle praktikable Visualisierungen bieten können, lässt sich auf vielfältige Beispiele übertragen . Modelle bieten eine Strukturierung und auch Vereinfachung der Wirklichkeit, jedoch auch die Einnahme der »Draufsicht« auf die geschilderte Situation oder Konstellation . Diese »Feldherrenperspektive« ermöglicht dem Klienten, Distanz zur Situation selbst einzunehmen . Neben der »Analyse« der Situation kann unter Nutzung von Modellen eine Musterzustandsänderung eingeleitet oder die Lösungsfindung forciert werden . Unter dem Grundsatz, dass sie dabei zugleich nicht mehr sein wollen als Modelle, und folglich immer hinter der Realität zurückbleiben (müssen), ist die Arbeit 141 3 Coaching in der Seelsorge mit Modellen im Coaching mittlerweile weit verbreitet . Die »Säulen der Identität« nach Petzold (vgl . Petzold, 2012) bieten sich dazu ebenso an wie die »Grundausrichtungen« nach Riemann, ergänzt von Thomann (vgl . Riemann, 2013; Thomann, 2004) . Die »Säulen der Identität« lassen sich gut am Board visualisieren und erklären, worauf der Klient gebeten werden kann, sein persönliches Identitätsgebäude zu erstellen . Hierbei können, je nach Typ, die Breite der »Säulen« oder auch die Farbe des »Anstriches« eine Bedeutung – entsprechend der Leitfrage – bekommen: »Welche Säulen tragen Ihr Haus im Moment am stärksten, welche am wenigsten?« Der Coach stellt klar, dass nach Petzold alle fünf Säulen die Tragfähigkeit bestimmen, und dass eine mangelnde Stabilität einer Säule durch die anderen ausgeglichen werden muss . Die »leeren« Säulen bieten sich für eine »Beschriftung« gut an, weshalb der Klient gefragt werden kann, welche Aspekte die einzelnen Säulen jeweils bestimmen . Bei der Säule »Leiblichkeit« fallen in der Regel Begriffe wie körperliche und psychische Unversehrtheit, beim »sozialen Netzwerk« zumeist Familie und Freunde, während die Säulen »Arbeit / Leistung«, »Sicherheit« und »Werte« in der Regel persönlicher konnotiert sind . Erfahrungsgemäß benötigt der Klient hierfür mehr Zeit . Zur Unterstützung können vom Coach Leitfragen gestellt werden, wie z . B .: »Wo geben (alternativ: bekommen) Sie momentan viel Energie?«, oder auch, falls passend: »Was vernachlässigen Sie aktuell?« Der Bereich der beruflichen Bestätigung z . B . gestaltet sich bei jedem Klienten anders und ist auch jedem unterschiedlich wichtig . Die »Säule« der materiellen Sicherheit kann sich an den Grund- oder weitergehenden Bedürfnissen ausrichten . Und der Bereich der persönlichen Werte zeigt ureigene Glaubenssätze auf . Ausgehend vom skizzierten Ist-Stand kann in die J Visionsarbeit gewechselt werden, z . B . mit Fragen wie: »Wie soll Ihr Haus in fünf Jahren aussehen?« Der Klient kann eine zweite Visualisierung anfertigen und, ausgehend von den Zielen dieser Darstellung, Feinziele und Maßnahmen ableiten . Hierzu kann eine J Timeline sinnvoll sein . 142 Thomas Hanstein: Coaching in der Seelsorge Petzold-Modell Die vier Grundformen der Motivation nach Riemann werden durch die Bereiche »Nähe« – »Distanz« – »Risiko« – »Sicherheit« auf dem Boden fixiert . Entsprechend der geschilderten Situation des Klienten wird dieser gebeten, zuerst einen Platz zu suchen, den er üblicherweise (z . B . im Konfliktfall) einnimmt – oder womöglich gerade (in der Realität) innehat . Analog zum J Bodenanker kann der Klient durch die anderen Bereiche geführt werden, wobei er jedes Mal zum Wahrnehmen und Aussprechen seiner Empfindungen und Gedanken eingeladen wird . Am Ende des (ersten) Durchgangs kann z . B . gefragt werden: »Was würde sich ändern, wenn Sie stattdessen beim nächsten Mal unerwarteter Weise von diesem Bereich aus reagieren würden? Für Sie? Für andere?« Hierbei können die einzelnen Bereiche mit Kriterien »gefüllt« werden, z . B . strukturierte und analytische Vorgehensweise (statt emotionale Reaktion) beim Quadranten »Sicherheit«, z . B . Spontanität, Experimentieren, Gestalten im Bereich »Risiko«, z . B . eigene Ziele, Erfolg haben beim Quadranten »Distanz«, oder z . B . Kontakte pflegen, in 143 3 Coaching in der Seelsorge Konflikten vermitteln, Empathie zeigen im Bereich »Nähe« . Ausgehend davon kann zu anderen Tools, z . B . der Arbeit mit J realen oder fiktiven Perspektiven oder zum J inneren Team, gewechselt werden, um Maßnahmen und Ziele zu erarbeiten . Ebenso lassen sich mit dieser Methode gut Musterzustandsänderungen einleiten . Für die Anwendung des Riemann-Modells im kirchlichen Milieu ist die grundlegende – oft andere Bereiche überlagernde und bestimmende – Bedeutung der »Beziehungsecke« (N) zentral . Ebenso wird die Beanspruchung des Bereiches der eigenen persönlichen Freiheit nicht selten als Angriff auf das »Wir-Gefühl« gewertet . Der Quadrant der Sicherheit zeigt sich oft in Werten wie Gewissenhaftigkeit und Zuverlässigkeit . Riemann-Modell 144 Thomas Hanstein: Coaching in der Seelsorge Timeline Als Zeitstrahl, der nicht historische Gegebenheiten zeitlich rückwärts aneinanderreiht, sondern der in die Zukunft reicht, kann diese Technik mit der Visionsarbeit verbunden werden . Bei der Anwendung des J Petzold-Modells z . B . können die veränderten »Säulen« an eine Timeline angebracht werden . In einer aktuellen Veränderungssituation bieten sich ggf . zwei oder drei J Visualisierungen an: Mit Fragen wie diesen kann der Klient zielgerichtet geführt werden: »Wie soll Ihr ›Haus‹ aussehen, nachdem Sie die aktuelle Herausforderung X erfolgreich gemeistert haben werden?« oder: »Wo werden Sie es an einzelnen ›Säulen‹ erkennen, dass Sie diese Veränderung geschafft haben?« Abhängig von den Antworten und dem Zugang des Klienten zu Visualisierungen kann er eingeladen werden, das Bild, das er gerade innerlich »vor Augen« hat, an der entsprechenden Stelle der Timeline zu fixieren . Hilfreich kann es dazu sein, ihn dieses »Bild« zuerst beschreiben zu lassen . Die spiegelnden Rückfragen des Coachs sollten hierbei möglichst konkret sein . In der Visionsarbeit kann der Klient zusätzlich noch einen Zeitschritt weitergeführt werden, z . B . so: »Wie sieht dann Ihr persönliches ›Lebenshaus‹ im Jahr X aus?« Ausgehend von dieser Visualisierung können dann Ziele, Unterziele und Maßnahmen abgeleitet werden, indem der Coach den Klienten dazu mit Fragen wie dieser anleitet: »Was müssen Sie dazu konkret tun, um zu diesem Ergebnis zu kommen?« Die Timeline ist eher eine Methode als eine Interventionstechnik . Sie kann immer dann zur Anwendung kommen, wenn es zielführend erscheint, die erarbeiteten Ziele oder Maßnahmen zeitlich zu konkretisieren . Erfahrungsgemäß bietet es sich an, diese Methode – als eine Art »Sekundärtechnik« (ThH) – zum bereits verwendeten Tool dazu zu verwenden . Dazu kann der Zeitstrahl gestalterisch kreativ angepasst werden . 145 3 Coaching in der Seelsorge Ressourcenrad und Ressourcenbaum Eindrückliche Symbolisierungen und – über diese – neue Zugänge zu Erlebnissen, eigenen Werten und Ressourcen können – wie oben39 bereits skizziert – mit Hilfe der Techniken »Ressourcenrad« und »Ressourcenbaum« gut erreicht werden . Je nach persönlicher Neigung und ggf . beruflichem Hintergrund wird sich der Klient entweder für das technischere oder für das natürlichere Symbol entscheiden . Der Vorschlag einer der beiden Tools durch den Coach kann aber auch aufgrund des jeweils gegebenen Anliegens erfolgen; je nachdem, welche Bilder und Metaphern der Situation angemessener erscheinen . Menschen, die im Kontext Kirche und Ehrenamt biblisches Arbeiten gewohnt sind, können mit dem Bild des Baumes gut angesprochen werden . Beim »Ressourcenrad« wird eine kreisrunde Karte (Inventar Moderationskoffer oder festes A3-Papier) vom Coach vorbereitet, auf der vom Zentrum her mehrere (12, 16, 20) Felder vorstrukturiert wurden . Die Moderationskarte gleicht so einem Rad mit Speichen, von daher die Anlehnung an ein »Rad« . Beim »Ressourcenbaum« bekommt der Klient ebenfalls ein vorstrukturiertes Blatt, auf dem ein großer Baum mit seinen sichtbaren – so der Stamm, die Krone, die Blätter – wie in der Natur unsichtbaren Teilen – dem ganzen Wurzelbereich – abgebildet ist . Bei beiden Tools dienen die Vorlagen der Übertragung auf das eigene Leben und der Visualisierung der mit den Methoden erkannten Aspekte . Das Sichtbarmachen dient damit nicht nur dem jeweiligen Schritt im Coachinggespräch bzw . -prozess . Vielmehr ist damit nicht selten ein Aha-Effekt beim Klienten verbunden, der über die Fülle seiner Ressourcen selbst staunen muss, und für den das beschriftete Blatt zur wiederholbaren Bewusstmachung dient . Beide Techniken dienen der Anknüpfung an gelungene Situationen im Leben des Klienten . Die Erinnerung daran sowie das Aussprechen und 39 Kap . 2 .3 .3 . 146 Thomas Hanstein: Coaching in der Seelsorge Fixieren der damals spürbaren und wirksamen Ressourcen lösen eine somatische Änderung des Musterzustandes aus . Hieran können dann die Schritte Visionsarbeit und Entwicklung von Zielen angelegt werden . Ressourcenrad Die Fixierung auf das jeweilige »Problem« und der dabei typische, neuronal bedingt eingeengte »Tunnelblick« lassen die eigene Betrachtung und Würdigung bisheriger Ressourcen in der Regel nur bedingt oder gar nicht zu . Diese sind für den Weg vom Problem- zum Lösungszustand und für eine authentische Ziel- und Maßnahmenformulierung durch den Klienten aber grundlegend . Daher bietet sich diese Technik für das »Bergen« der Ressourcen gut an . Wenn der Zugang dazu noch zu sehr blockiert ist, kann der Coach mit niederschwelligen Fragen ansetzen, z . B .: »Was ist Ihre größte Stärke?« oder – verbunden mit dem Ansatz an J Perspektiven – z . B .: »Was würde Ihre … (nahestehende Person) als Ihre größte Stärke beschreiben?« Wenn der Zugang zu 147 3 Coaching in der Seelsorge den eigenen Ressourcen mit Gefühlen von Ablehnung und Verletzung verbunden ist, kann der Coach zudem Fragen auf der Beziehungsebene verwenden, wie diese: »Was würde Ihre Frau / Ihr Mann sagen, wenn ich frage, warum sie / er Sie am meisten liebt?« Der Klient wird gebeten, die Ressourcen, die so ins Bewusstsein treten, in das Rad einzutragen . Ausgehend davon kann das »Ressourcenrad« zur Musterzustands- änderung eingesetzt werden . Ebenso bietet es sich zur Suche nach Lösungen an oder kann eine gute buchstäbliche Grundlage zur Formulierung von Maßnahmen sein . Denn die Beweglichkeit, die im Bild eines Rades liegt, kann das Vorwärtskommen befördern . Dabei liegt es in der Hand des Klienten, mit welcher Ressource er wann und wozu starten will, und mit welcher er zu welchem Zeitpunkt »an den Start« geht . In der Praxis wurde diese Technik bei Change-Prozessen gelegentlich mit der J Veränderungskurve verbunden . In Phasen, in denen ein Mensch oder ein Team neuen »Schwung« braucht, um aus dem »Tal der Tränen« (vgl . Hanstein, 2014[b]) herauszukommen, kann die entsprechende Ressource – z . B . Begeisterungsfähigkeit – an die visualisierte Szene »angelegt« werden . Wo es noch gilt, dieses »Tal« als Arbeitsgruppe auszuhalten, kann ebenso nach einer angemessenen Ressource – z . B . der Stärkung des Teamgeistes durch die Feier von Zwischenzielen – gefragt werden . Aus den erkannten Ressourcen kann der Klient / das Team vor der Folie der aktuellen Situation – in der Regel – leicht Ziele und nächste Schritte ableiten . Für die bleibende Bewusstmachung der im Coaching (wieder)entdeckten Ressourcen bietet sich das ausgefüllte Ressourcenrad zum weiteren Selbstcoaching an . In der Regel wissen Klienten auf die Frage, wo das Rad seinen Platz finden könnte, sofort eine Antwort . Reale Reaktionen waren z . B . diese: »Das kommt an den Spiegel, dass ich es am Morgen gleich sehe.« Oder, als Feedback in der Folgesitzung: »Ich habe das Rad jeden Tag mit ins Büro genommen . Da stand es neben den Bildern der Familie . Und wenn ich in ein Meeting musste, hatte ich es in meiner Mappe sichtbar für mich .« Für den weiteren Coachingprozess kann es sich anbieten, an diesen Erfahrungen und Rückmeldungen anzusetzen . Der 148 Thomas Hanstein: Coaching in der Seelsorge Klient kann dann spiegeln, in welcher Situation er welche Ressource abrufen kann, aber auch, wann welche »automatisch da« (O-Töne) ist . Auch beim »Ressourcenbaum« wird der Klient adressatengerecht mit Leitfragen geführt . Zum unteren Bereich können es Fragen wie diese sein: »Was hat Sie bis hierher wachsen lassen? … Woher ziehen die Wurzeln Ihres Lebensbaumes ihre Kraft? … Wie weit verästelt ist Ihr Wurzelsystem?« Die Metapher der Wurzel kann biographische Prägungen und gemeisterte Herausforderungen beim Klienten wachrufen, ebenso kann sie an dessen individuelle Werte und Glaubenssätze andocken, oder sie kann für die Frage nach dem sprichwörtlichen »Standpunkt« und der »Bodenhaftung« sensibilisieren . Im Bereich des Stammes kann der Coach mit Fragen führen, wie z . B .: »Was hat Ihren ›Lebensstamm‹ so stabil werden lassen? … Welche Eigenschaften schreiben Sie diesem Stamm zu? … Wodurch hat der Stamm so viel Festigkeit und zugleich Biegsamkeit erreicht? … Inwiefern haben ihn Winde und Stürme und all die Wechsel der Jahreszeiten geprägt?« Je nachdem, ob der Klient länger im Bild bleiben will oder ob er für den Transfer schneller bereit ist, führt der Coach mit Fragen nach den speziellen Kompetenzen des Klienten – möglich sowohl im persönlichen wie im beruflichen Bereich . Wenn es sich aufgrund spürbarer Musterzustandsänderung anbietet, kann der Klient auch gefragt werden, wie sich dies anfühlt – und ob und wo er die benannten Ressourcen auch körperlich spüren kann . Als Zwischenschritt können beide dazu auch aufstehen, und die aktuell angewandte Methode kann mit J Bodenankern oder einer, auf die Bereiche »Erdung« und »Stand« sich beschränkenden J Körperreise ausgebaut werden . Danach wäre es wichtig, die Position wieder zu verändern und diesen Exkurs bewusst zu beenden und auch zu benennen . Die Baumkrone ist der Bereich, in dem Wachstum am deutlichsten wahrzunehmen ist . Er bietet sich daher für die Visionsarbeit gut an . Blätter oder auch Früchte, die »wachsen« sollen, können benannt werden . So weit der Bereich der Krone ist, so unbegrenzt kann der 149 3 Coaching in der Seelsorge Klient hier auch seine Wünsche und erhofften Möglichkeiten einbringen . Wie an den anderen Ebenen auch, ist es besonders hier wichtig, Raum für das Anschreiben oder auch Einmalen zu lassen – im Idealfall durch den Klienten selbst . Der Klient wird daraufhin gebeten, sich dieses – nun volle und bunte – Blatt nochmals näher anzuschauen . Dazu kann es auch vom Tisch an die Wand übertragen werden . Klient und Coach können hier wieder aufstehen und – jetzt mit einer größeren räumlichen Distanz – den gefüllten Baum betrachten . Nach einer stillen Zeit kann der Coach wieder Leitfragen stellen, z . B .: »Wie wirkt Ihr Baum auf Sie? … Wie zufrieden sind Sie mit der Darstellung?« – wobei sich hier die J Skalierungsfrage anbieten kann: »Fehlen Ihnen noch Aspekte, wollen Sie noch etwas hinzufügen?« Dann führt der Coach den Klienten, mit Fragen wie diesen, in den Bereich der Äste: »Der Baum ist frisch und kräftig, er treibt neue Blätter . Seine Blüten duften und bald schon trägt er Früchte . Was brauchen die Äste, die zu den Blättern und Blüten hinführen, um langfristig die nötige Energie fließen lassen zu können? … Was steht, übertragen auf Ihre Situation, hier an?« Die abgeleiteten Ziele werden an die Äste geschrieben – möglichst in einer angemessenen Signalfarbe . 150 Thomas Hanstein: Coaching in der Seelsorge Ressourcenbaum 151 3 Coaching in der Seelsorge Persönlicher Entwicklungsplan Ein persönlicher Entwicklungs- und Maßnahmeplan bietet sich für  – ggf . längere  – Übergänge zwischen Coachingsitzungen an, besonders aber zur Transfersicherung nach Abschluss des Coachingprozesses . Es handelt sich dabei weniger um eine Intervention als um eine Methode, damit der Klient am besprochenen Thema selbständig weiterarbeiten kann . Ausgehend von der besprochenen Zukunftsvision, den mit Unterstützung des Coachs abgeleiteten Zielen und – ggf . bereits erfolgten – Maßnahmen kann der Klient, in Abgleich mit hinzugekommenen Erfahrungen und Reaktionen seiner Umwelt auf aktuell festgesetzte Schritte, weitere Maßnahmen für sich formulieren . Eine ähnliche Unterstützung bietet diese Methode im persönlichen Entwicklungsbereich, der für die Seelsorge in der Regel naheliegender ist . Dem Entwicklungs- und Maßnahmeplan kann ein beabsichtigter Zeitraum vorangestellt werden, z . B .: »von heute bis …« . Inhaltlich gilt dabei der Grundsatz »weniger ist mehr« . Es bietet sich an, den Bogen auf drei, maximal vier Bereiche zu beschränken und eine begrenzte Anzahl an Unterpunkten aufzuführen, z . B .: Welches sind meine Stärken, die ich beibehalten / hier einbringen möchte? – – – In welchen Bereichen sehe ich Entwicklungspotenzial? – – – 152 Thomas Hanstein: Coaching in der Seelsorge Was kann ich zur Erhaltung meiner Ressourcen tun? – – – Die Lösungsvorschläge sollten möglichst konkret und auf die betreffende Situation hin vom Klienten formuliert werden . Bei den Entwicklungsbereichen kann der Coach vorab wieder an Zukunftsvisionen anknüpfen, um ein Zurück in die Problemtrance beim Klienten zu vermeiden . Eine mögliche Leitfrage dabei ist: »Welche persönlichen Felder sind im Coachingprozess entdeckt worden, die für eine tiefere Beschäftigung einladen?« Die Fragestellungen des Entwicklungs- und Maßnahmeplans sollten adressatengerecht umformuliert werden, um auch den aktuellen Coachingsprozess und sein Anliegen und Thema angemessen aufzugreifen . Wenn der Bogen die gesamte Begleitung abschließt, kann es nützlich sein, im Rückblick an die Tools und Inhalte anzuknüpfen, mit deren Unterstützung an diesen Fragestellungen gearbeitet worden ist (z . B .: Ressourcenrad, Timeline, Riemann-Modell, Bodenanker …) . Die dargelegten Tools sind Beispiele, und damit Vorschläge für Coaching in der Seelsorge . So wie es bereits einen wesentlichen Unterschied bedeuten kann, ob man einen Ehrenamtlichen, einen Hauptberuflichen oder ein – sonst nicht weiter »aktives«40 – Ge- 40 Diese übliche Formulierung weist – nebenbei bemerkt – auf leitende Werte in den dominierenden Milieufeldern im klassischen kirchlichen Milieu hin . Praktisch entzünden sich hieran sowohl Spannungen, wie sich daran auch Distinktionstendenzen zeigen . Denn für »Konservativ-Etablierte« (Milieu 1), die »Bürgerliche Mitte« (Milieu 2) und »Traditionelle« (Milieu 3) ist die in der Regel ausschließliche Bereitschaft zu befristetem Engagement der »Liberal-Intellektuellen« (Milieu 10) und »Performer« (Milieu 9) kaum nachvollziehbar . (Milieubezeichnungen vgl . Sinus, 2013) Sie orientieren sich 153 3 Coaching in der Seelsorge meindemitglied coacht, so kann es auch sehr wichtig sein zu wissen, welche eigene »Milieufärbung« der Klient mitbringt . Entsprechend dieser Vorerfahrungen sollten auch die Methoden bzw . Techniken klientengerecht variiert werden, nachdem der Coach durch dessen Schilderungen einen ersten Eindruck von seiner Lebenswelt erhalten hat . So kann die – im kirchlichen Milieu gebräuchliche – Einladung zu schildern, »wie man gerade da ist« einen leitenden Ingenieur im Management ggf . irritieren – und die Weichen für den Coachingprozess zu Beginn bereits ungünstig stellen . Was Sprache ausdrückt, zeigt sich aber auch auf allen anderen Kommunikationsebenen . Diese emotionale, intellektuelle und nicht zuletzt methodische Varianz zu leisten, zeichnet im Letzten aber den guten Coach aus . Durch aktives Zuhören, wirkliche Askese und Empathie ist es möglich, auch die Tools so anzupassen, dass sie individuell »zugeschnitten« greifen können . Bei demselben Klienten – aus dem Management – wäre es z . B . undenkbar, das Coachinggespräch in einem Raum mit – kirchlich üblich – »gestalteter Mitte« zu beginnen, oder überhaupt auf zwei Stühlen, ohne einen Tisch dazwischen . Bei verinnerlichten Grundhaltungen wird es für den Coach selbstverständlich, bereits beim ersten Kontakt  – in diesem Fall telefonisch – so aufmerksam hinzuhören, dass die Eckdaten, »was geht« und was »No-go-Area« ist, relativ deutlich sind . Er kann dem Klienten so weit entgegenkommen, weil es dessen eigener Prozess und sein Weg ist . Diese Grundhaltung bedeutet für die Methoden im Coaching, aufbauend auf einem guten »Methodenkoffer«, alsbald auch mit dem Experimentieren zu beginnen, zu modellieren, auf an dem: »Früher ging es doch auch …«, oder: »Wenn sie es nur so machen würden …«, oder: »Es war schon immer so …« . Noch spannungsgeladener gestaltet es sich bezüglich der »Prekären« (Milieu 4), die sich oft im »Teufelskreis« zwischen gewünschter Anerkennung und nicht gegebener Integration / Inklusion erfahren, weil sie sich nicht so einbringen können wie andere . 154 Thomas Hanstein: Coaching in der Seelsorge gute Weise zu »improvisieren« . Was in der Handreichung dann Visualisierung heißt, kann sich am Beispiel des leitenden Ingenieurs dann z . B . alternativ in Diagrammen oder anderen Darstellungen aus dem technisch-analytischen Bereich niederschlagen . Statt mit ihm »in sich hinein zu spüren«, kann es angemessener und authentischer sein, sein Gefühl z . B . mit Hilfe einer Skalierung auszudrücken . Auch würde ihn die klassische Form der Wunderfrage mit Anknüpfung an die »gute Fee« gedanklich ggf . zur Gutenachtgeschichte seiner Tochter führen, anstatt zu einer ernsthaften Lösung für seine aktuelle berufliche Herausforderung . Auch hier gilt es daher, sich – ohne eigene »Verstellung«, d . h . dennoch authentisch – der Sprache des Klienten zu bedienen, z . B . hier wieder technische Analogien zu favorisieren . Mit der Frage, »welches Schwungrad dazu in Bewegung gesetzt werden« oder welche »Parameter dafür zu verändern« sind, kann der Coach z . B . entsprechend sprachlich variieren, und so mit derselben methodischen Intention auch den analytisch-rationalen Ingenieur41 zum Ziel führen . 3.2.5 Ausblick: Seelsorge als hypnosystemische Ressourcen- und Visionsarbeit Lässt man die – hier skizzierten – Bemühungen in Theologie und Seelsorge unbeachtet und konzentriert sich auf den biblischen Befund, so fällt auf, dass biblische Erzählungen – sowohl alt- wie neutestamentliche – oft um die Themen der inneren Kraft (oder Kraftlosigkeit) und Zukunftshoffnung (oder Zukunftsangst) ranken . Insofern ist biblisch fundierte Seelsorge dann auch Ressourcen- wie Visionsarbeit . In seelsorglichen Gesprächen geht es oft um – zumeist auch persönliche, private – Veränderungen (bzw . um die Angst davor, mit den üblichen Abwehrmechanismen; vgl . die »Veränderungskur- 41 Dieser Stereotyp soll hier lediglich der besseren Veranschaulichung dienen . 155 3 Coaching in der Seelsorge ve« bei Dollinger, 2014; interpretiert bei Hanstein, 2014[b]) . Bewährte Coachingtools, verbunden mit körperlicher Erfahrung, z . B . in Form von Bodenankern (vgl . Kap . 2 .3 .3 und 3 .2 .4), können hierbei ebenso die Seelsorge bereichern, wie Coaching zugrunde liegende Grundlagen – wie dem Bedürfnis des Klienten nach Selbstaktualisierung, Selbstbeachtung und seiner organischen Bewertungstendenz, einhergehend mit einem wieder kongruenten Erleben des Selbstkonzeptes (nach Rogers, 1973), – erfahrungspraktisch anwenden . Blockaden, die der Klient mit- und in den Gesprächsprozess einbringt, und die die Ziel- und Lösungssuche ggf . erschweren, können vor dem Korrektiv eines humanistischen Menschenbildes als Systeminformationen verstanden werden, haben aber keinesfalls »den Stellenwert von Schuld, Versagen und Unfähigkeit« (Berninger-Schäfer, 2014) . Sie werden im Gesprächsprozess als – autohypnotische oder wie und wodurch auch immer entstandene – momentane Einschränkungen der Wahrnehmungsmöglichkeiten des Klienten angesehen, und damit als nicht statische Beeinträchtigungen, die durch die – hier dargelegten – Grundhaltungen und Tools umfokussiert werden können . Diese Blickrichtung eröffnet auch für Seelsorge und Seelsorger eine veränderte Perspektive: anstatt zurück, nach vorn . Diese entspricht im Übrigen auch dem Paradigmenwechsel in der Sozialen Arbeit in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts: weg von den Defiziten, hin zur Ermöglichung . Hierfür steht auch das Konzept Empowerment, an dem Praktische Theologie und Seelsorge ggf . noch konkreter ansetzen könnten (vgl . Herriger, 1997) . 3.3 Fazit: Perspektivenerweiterung durch Coaching Vor der Fragestellung, worin sich beide dargestellten Möglichkeiten der Begleitung grundsätzlich unterscheiden und an welchen Stellen sie sich gegenseitig bereichern können – wobei der Fokus vorliegender Arbeit auf dem Arbeitstitel liegt – werden abschließend die wichtigsten Erkenntnisse wieder als Thesen gebündelt: 156 Thomas Hanstein: Coaching in der Seelsorge • Wenn sich auch das biblisch-christliche und das humanistische Menschenbild im Grunde unterscheiden, so können diese differenzierten Vorstellungen vom Menschen auch als gegenseitige Korrektive dienen . Das humanistische Menschenbild kann das christliche vor einer zu »negativen« Sicht vom Menschen schützen, wie der biblisch-christliche Ansatz vom Menschen diesen vor einer »positivistischen« Überbetonung bewahren kann .  – Denn es besteht ein Unterschied darin, um die (theoretischen) Möglichkeiten der menschlichen Psyche / Seele zu wissen, in der praktischen Fokussierung jedoch die lebensdienlichen Ressourcen zu stärken . • Die explizite – und konzeptionell untermauerte – Integration des Coachingansatzes in den Seelsorgebereich und die seelsorgliche Gesprächsführung ist an der Zeit, und auch vor den jeweiligen anthropologischen Ansätzen nicht ausgeschlossen . – Für den Seelsorger würde dies eine Weitung seiner fachlichen Kompetenz bedeuten; vorausgesetzt, Seelsorge gleitet nicht in den (relativ indifferenten) Bereich des »Life-Coaching« ab . • Seelsorge und Coaching sind »Geschwister«, da sie Bereiche miteinander teilen . Das Menschenbild im Coaching ist ein perspektiverweiterndes Korrektiv für die Seelsorge und seine möglichen theologischen »Fallstricke« . – Da Coaching nicht den theologischen Anspruch hat, Menschen das Heil zu vermitteln und dazu »Gott mit ins Spiel zu bringen« (Müller, 2000, S . 11), braucht Seelsorge – und Kirche – Coaching dabei nicht als Konkurrenz zu betrachten . • Vor den rasanten Entwicklungen in soziologischer und kommunikationstheoretischer Hinsicht ist diese Perspektivenerweiterung von Seiten kirchlichen Institutionen wünschenswert – konzeptionell im Blick auf integrierbare Ansätze, lebenspraktisch hinsichtlich der Lebensentwürfe heutiger Menschen . • Beide Begleitungsformen verfolgen als gemeinsames Ziel das Wohl des Menschen . – Ein Wohl, das dieser auch im Coaching 157 3 Coaching in der Seelsorge nicht »macht«; jedoch, dem er sich durch die – geführte – Hinwendung zu den inneren Ressourcen und Möglichkeiten aber womöglich deutlicher stellen kann als in einer Seelsorge, die dem einen oder anderen »Fallstrick« erlegen ist, indem sie das Gegebene vorschnell hinnimmt und womöglich den Begleitung Suchenden darin noch bestärkt, oder diesen gar noch zum »Aushalten« und »Ertragen« animiert und ihn damit ggf . in die Problemtrance zurückführt . • In der Seelsorge hat das Prinzip Hoffnung einen hohen Stellenwert . Menschen, die einen Seelsorger aufsuchen, hoffen (noch), dass sich ihr Zustand ändern könnte, oder sie erwarten, dass der Seelsorger ihnen Hoffnung »gibt« . – Diese Erwartung, die sich oft nicht erfüllt, da der Seelsorger auch keine »Wunder« vollbringen kann, an den Klienten zurückzugeben, mit diesem seine Ressourcen zu ergründen, und so die »Hoffnung auf Hoffnung« an seine eigenen Kraftquellen »rückzubinden«, kann Coaching lehren . • In der theologischen Lehre von der ontologischen Offenheit des Menschen für Transzendenz liegt ein (noch immer) aktuelles Potenzial für die Seelsorge, wenn diese anthropologische Verfasstheit auf das Innere des Menschen und nicht auf äußere formale Faktoren setzt . – So können die im Menschen befindlichen Ressourcen als »Gott gegebene Gaben« – theologisch in einem mystagogischen Sinne – verstanden und befördert werden, ohne dem Klienten explizit eine Gottesbeziehung zu »insinuieren«, und zugleich, ohne in die – derzeit gern angeführte – »Falle« der »Anthropozentrik« zu gehen . • Der spirituelle Erfahrungsschatz von Seelsorgern bietet einen naheliegenden Zugang zum Coachingansatz, da im Coaching auch Bereiche zur Sprache kommen, die das »Seelische« betreffen . Hier kann wiederum mit Methoden und Techniken gearbeitet werden, die der Seelsorge genuin eigen sind . Vielfältige Rituale bieten sich hier an . – Damit diese stimmig für den Klienten ein- 158 Thomas Hanstein: Coaching in der Seelsorge gesetzt werden, sollten sie ausschließlich als offene Angebote vorgebracht werden, keinesfalls nach dem Motto: »Ich habe da mal was mitgebracht, das ich gern mal ausprobieren würde …« (O-Ton) . • Der Gesprächsrahmen im Coaching strukturiert das seelsorgliche Gespräch bereits durch seine Orientierung am Anliegen und die Perspektive der Ziele und Maßnahmen .  – Dadurch kann auch im seelsorglichen Gespräch verhindert werden, dass der »rote Faden« verlorengeht, der Gesprächsprozess amorph »ausfleddert« oder sich eine  – vermeintliche  – Tiefe durch  – gutgemeint – »Frömmelndes« einstellt, die weder Befriedigung noch Ergebnisse zeitigt . Dadurch könnte auch der gelegentlichen Uneindeutigkeit »kirchlicher Sprache« konstruktiv begegnet werden . • Im Coaching geht es nicht um fachliche Beratung, schon gar nicht um Rat . Der Seelsorge ist diese Kategorie nach wie vor inhärent, was offenbarungstheologisch mit dem kirchlichen Grundauftrag sowie dem Hirtenamt des Seelsorgers in konsequentem Zusammenhang steht . – Insofern kann Seelsorge vom Coaching einige Haltungen lernen, allen voran die Askese . Denn diese setzt voraus, dass die »innere Wahrheit« des Gegenübers der entscheidende Schlüssel ist, nicht das, was man – als kirchlicher Vertreter – womöglich an Wissensvorsprung mitzubringen meint . • Der Diskrepanz im Anspruch auf »Rat« in Richtung Seelsorge(r) und der zurückhaltenden Einstellung gegenüber (externer) Beratung durch die (katholische) Kirche kann mit dem Coachingansatz gut begegnet werden . – Die evangelische, hier württembergische, Landeskirche hat hier bereits Erfahrungen im Bereich des Oberkirchenrates gesammelt, von denen profitiert werden könnte . 159 3 Coaching in der Seelsorge • Während Seelsorge nach Hilfe sucht und Hilfe leisten will,42 orientiert sich Coaching an den Ressourcen und den Zielen des Klienten . Das (neuartige) Erleben der eigenen Selbstwirksamkeit vermittelt dem »Hilfe Suchenden« / Klienten einen (neuen) inneren Kontakt zu seinen Ressourcen, und gibt ihm neues Zutrauen zu sich selbst . – Anstatt auf eine »höhere Macht« zu setzen, stärkt sich sein Selbst-Vertrauen . Zugleich gibt der Coach die inhaltliche Verantwortung damit ab, aber nicht an eine »höhere Instanz«, sondern an den Klienten . • Systemische Ansätze und systemisches Coaching neigen von ihren Ansätzen her nicht zu Dualismen . – Daher sind es, neben praktischen Aspekten, die Haltung und das Bewusstsein, welche inspirierend und irritierend auf die Seelsorge wirken und ihr Impulse für eine ganzheitliche(re) Sicht auf das Leib-Geist-Seele- Wesen Mensch geben können .43 • Aus theologischer Perspektive ließe sich durch eine konstruktive Unterstützung des Coachingansatzes zudem eine interreligiöse und interkulturelle Seelsorge entwickeln, welche heutigen gesellschaftlichen Gegebenheiten Rechnung tragen kann . – Ebenso liegt im Coachingansatz ein großes Potenzial für die Selbstreflexion der seelsorglichen Praxis und der seelsorglichen Gesprächshaltung und -führung . • Der weitere – hier in Grundzügen angerissene – Abgleich zwischen der Struktur im Coaching und dem Seelsorgekonzept »Kurzgespräch« verspricht dafür methodologisch wie praktisch 42 Auch wenn die Orientierung am »Defizitmodell des Helfens« von Henning Luther bereits vor über zwei Jahrzehnten kritisch angefragt worden ist, ist dieses Motiv in der Seelsorge (beider Konfessionen) bis heute leitend (vgl . Luther, 1992) . 43 Auf die Tradition des kartesianischen Dualismus, der den Körper zur res extensa und den Geist zur – davon abgetrennten – res cogitans stilisiert hat, weist Björn Migge mit seinem Appell für eine ganzheitliche Sicht am Beispiel der Medizin hin (vgl . Migge, 2009, S . 194 – 208) . 160 Thomas Hanstein: Coaching in der Seelsorge eine innovative und nachhaltige Perspektive . – Für den seelsorglichen Bereich bietet sich der systemisch-lösungsorientierte Zugang nach der Karlsruher Schule an, weil dieser Ansatz systemisches Denken und personenzentrierte Ausrichtung verbindet, und beide Aspekte seelsorglich relevant sind . • Sowohl method(olog)ische wie inhaltlich konstruktiv-kritische Beiträge entstammen bislang nahezu ausschließlich der evangelischen Theologie . Ein deutlicher Nachholbedarf im katholischen Bereich ist nicht zu leugnen, und wäre im 500 . Jahr der Reformation ein eindrückliches ökumenisches Zeichen . – Dieses sollte, wenn auch (und vielmehr weil) mittlerweile im »Postfaktischen« angekommen, sich dabei nicht in Oberflächlichkeit (rein Zeichenhaftem) verlieren, sondern faktisch und sachlich weit – bis in den kollektiven »Zwiebelkern« (Hofstede)  – eintauchen, um tief reichende und im Außenbereich kirchlichen Handelns und Sprechens gelebte kulturelle Codes auf ihr Menschenbild hin zu hinterfragen . • Gleiches gilt für Musterzustände in der liturgischen und seelsorglichen Praxis der (katholischen) Kirche . – Für die Reflexion dieser somatisch-seelischen Zusammenhänge und Wirkungen kann Coaching ebenfalls sensibilisieren . Insofern gilt für beide Begleitungsformen  – Seelsorge wie Coaching  – gleichermaßen, was auch für »die« Systemtheorie gilt: sich theoriegeleitet und auf Erfahrung basierend »in permanenter Weiterentwicklung« (Migge, 2007, S .  343) zu befinden . So bleibt zu wünschen, dass die reduzierten Linien dieser – in ihrem Umfang naturgemäß begrenzten – Arbeit zielführende Impulse für weitere Untersuchungen wie für das praktische Coaching im kirchlichen (katholischen) Kontext bieten können . Wie sich dieser Beitrag – trotz auch bedenklicher Erfahrungen seines Autors in diesem speziellen Milieu – der Herausforderung gestellt hat, sich auf ein nicht einfaches Thema einzulassen, so will die vorliegende Erarbeitung zu 161 3 Coaching in der Seelsorge einer ausgeprägten Milieukompetenz animieren . Diese zur Basis und ein humanistisches Coachingverständnis wie hier aufgeführt zur Grundlage, kann Coaching auch im kirchlichen Bereich glücken . Die Menschen, die heute noch Erwartungen in die (katholische) Kirche und ihre Vertreter setzen, haben ein Recht auf bestmögliche Seelsorge – die, wie aufgezeigt, »maßgeschneiderte« Unterstützung heißt und »passgenaue« Ziele erarbeitet . Nicht der »Abgesang« oder die »Verwaltung des Mangels« sind in Krisenzeiten wichtig, sondern der Mut zum Wagnis, das Ausprobieren bislang nicht Gedachten, wenn es sein muss: gar der Wechsel der Elemente, um neue – erfrischende – Perspektiven zu realisieren .44 44 Vgl . als Symbol dafür das Umschlagbild .

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References

Zusammenfassung

Im 500. Jahr der Reformation erscheint das achte Buch des Theologen und Coachs Thomas Hanstein. Darin plädiert der ehemalige Bischofsreferent, kirchliche Rektor und katholische Diakon für eine längst überfällige Perspektivenerweiterung innerhalb der katholischen Kirche für den Bereich der Seelsorge und stellt in anschaulicher Weise einen praktisch gut umsetzbaren, systemisch-lösungsorientierten Ansatz für ein ressourcenorientiertes Coaching in der Seelsorge vor. Dazu leitet Hanstein konkrete Methodenvorschläge ab, die mit innovativen Darstellungen wichtiger Tools anschaulich visualisiert werden.

In seiner konstruktiv-kritischen Auseinandersetzung mit Haltungen und Werten in der katholischen Kirche knüpft der Autor an die von Erik Flügge aufgeworfene Diskussion um die Sprache der Kirche an und zeigt anhand konkreter Fälle aus seiner eigenen Coachingpraxis exemplarisch, dass das zugrundeliegende Menschenbild von einem humanistischen oft weit entfernt ist. Das Buch ist ein Appell an den Mut der Kirche zur selbstkritischen Reflexion und zugleich ein strukturierter Beitrag zur Milieukompetenz von Coachs, die im kirchlichen Milieu tätig sind oder dort einsteigen wollen.