Stefanie Steiner-Grage, Fördern und Fordern. Max Reger als Lehrer des Dresdners Paul Aron in:

Matthias Herrmann (ed.)

Sichten auf Max Reger und seinen Schüler Paul Aron, page 85 - 100

Mit Korrespondenz des Ehepaars Reger und Aron

1. Edition 2020, ISBN print: 978-3-8288-4300-4, ISBN online: 978-3-8288-7573-9, https://doi.org/10.5771/9783828875739-85

Series: Dresdner Schriften zur Musik, vol. 8

Tectum, Baden-Baden
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85| Fördern und Fordern. Max Reger als Lehrer des Dresdners Paul Aron Stefanie Steiner-Grage I Zeit seines Lebens war Max Reger als Lehrer tätig. Unterrichten und Lehren bildete eine der wenigen Konstanten in seinem Leben. Dies beginnt während seiner eigenen Studienzeit in Wiesbaden, wo Reger – selbst noch Student bei Hugo Riemann – begann, seine Kommilitonen in Musiktheorie zu unterrichten und reicht buchstäblich bis zum letzten Tag seines Lebens, an dem er in Leipzig noch seine Stunden am Konservatorium versah, bevor er in der darauffolgenden Nacht in einem Leipziger Hotelzimmer verstarb. Die Arbeitslast, die Reger seinen Schülern von einer Stunde zur nächsten auferlegte, konnte enorm hoch sein. Die Wiesbadener Klavierschülerin Hilde Hasselmann (später verh. Schnabl) etwa erhielt von ihrem Lehrer eine Karte mit den Hausaufgaben – nach einer Reihe von aufgelisteten Stücken folgt der Zusatz: Nebenbei spielen Sie fleißig Chopin Etuden welche Sie in der nächsten Stunde alle können müssen. Dann die Polonaise verlange ich ebenfalls auswendig u. zwar noch etwas schneller. Sodann üben Sie jetzt das Fantasie- Impromptu (cis moll) von Chopin […]. Ferner gehen Sie zum Musikalienhändler u. holen Sie sich die 12 großen transzend[ent]alen Etüden von Liszt (Breitkopf & Härtel) […] Üben Sie die erste gleich feste für die nächste Stunde. So nun werden Sie wohl genug Stoff haben.1 Von seinen Schülern verlangte Reger ebensoviel Arbeitseifer und Fleiß, wie er auch sich selbst abverlangte. Auch für Kompositionsstudenten war das 86 | STEFANIE STEINER-GRAGE wöchentliche Pensum immens. Wie Alfred Baresel berichtet, konnten schon einmal von einem Donnerstag auf den anderen 50 Menuette oder Gavotten als Hausaufgabe auf dem Programm stehen, mit der Begründung, dass „man eine Form erst dann mit eigenen Gedanken anfüllen könne, wenn man sie in- und auswendig kennt.“2 Hermann Keller formulierte es einmal so: […] man mußte arbeiten, arbeiten und wieder arbeiten. Das war die eigentliche praktische Kompositionslehre Regers, daß man, um das Komponieren zu lernen, gar nicht genug komponieren könne.3 Ähnlich erinnerte sich Wilhelm Rettich: Mit Übungen im Kanon, Kontrapunkt und Fuge war Max Reger nicht leicht zu sättigen, was die Quantität betrifft, oder gar zufriedenzustellen in Bezug auf die Qualität, obwohl hierbei zu sagen wäre, dass es ihm vor allem auf die ausgesprochene Menge der Arbeiten ankam: fortgesetzt vielfache praktische Übungen im Handwerklichen musste der beste Weg sein zur Erweckung der eigentlichen – eventuellen – schöpferischen Gaben – so hatte er es an sich selbst erfahren.4 Von seinen eigenen pädagogischen Fähigkeiten war Reger allerdings nicht wirklich überzeugt. In seiner Weidener Zeit schrieb er dazu selbstkritisch in einem Brief: Ich gestatte mir, Sie […] darauf aufmerksam zu machen, daß in mir nur sehr unbedeutende pädagogische Talente schlummern, weil ich gerne unbewußt meine Anforderungen an Schüler zu hoch stelle, wie ich ja, aufrichtig gestanden, die Fühlung mit der Theorie so ziemlich verloren habe […].5 Die Berufung an die Münchener Akademie der Tonkunst am 1. Mai 1905 als Lehrer für Kontrapunkt, Komposition und Orgel sowie am 1. April 1907 an das Leipziger Konservatorium als Lehrer einer für ihn neu eingerichteten „Meisterschulklasse für musikalische Komposition“ stellte für Reger insofern einen Wendepunkt dar, als er nun der pädagogischen Arbeit auch institutionalisiert nachgehen durfte bzw. musste. Berühmt waren speziell in Leipzig seine Analysestunden, die einen großen, auch internationalen Schülerkreis anzogen. Der Ruf, eine solide handwerkliche musikalische Ausbildung – sozusagen das Rüstzeug für alles weitere Komponieren – zu vermitteln, eilte Reger voraus und zog sogar über die Landesgrenzen hinaus Schüler an; so ergab eine Statistik, dass von Regers Leipziger Studierenden gut ein Drittel aus dem Ausland, sogar bis nach Südamerika, stammte. 87| FÖRDERN UND FORDERN. MAX REGER ALS LEHRER DES DRESDNERS PAUL ARON Regers Verdienst war mit 9 000 Mark jährlich bei einer Lehrverpflichtung von sechs Semesterwochenstunden vergleichsweise hoch.6 Die Gesamtzahl an Reger-Schülern zu überblicken, wird durch die in München wie in Leipzig große Zahl an Privatschülern sowie Gasthörern in den Analysestunden erschwert (einige Privatschüler folgten Reger sogar in die Ferien). Eine eigene „Schule“ wollte Reger dabei aber gar nicht gründen. Gegen- über dieser Idee verrät er einiges Missbehagen, wenn er einem Redakteur des Hannoverschen Couriers am 22. März 1906 schreibt: Das „ianerthum“, wie es heutzutage blüht, ist eine höchst traurige Erscheinung! Ich persönlich würde es als sehr schlimm erachten, wenn man mit Recht von Regerianern sprechen würde […].7 Susanne Shigihara kommt in einer Untersuchung von Regers Unterrichtstätigkeit zu dem Fazit, man könne Reger insgesamt gesehen wohl nicht als großen Pädagogen bezeichnen. Dadurch, daß er nicht in der Lage oder willens war, von sich selbst abzusehen und auf die spezifische Begabung des Schülers einzugehen, sondern seine eigenen Anschauungen zu vermitteln suchte, denen sich der Schützling, wollte er bleiben, anpassen mußte, wirkte Reger in gewisser Weise nivellierend, allerdings auf einem handwerklich sehr hohen Niveau.8 II Fördern und Fordern – dieser Titel scheint bei näherer Betrachtung für Reger geradezu Programm gewesen zu sein. Im Fordern war er gut, wie die oben zitierten Anforderungen an Schüler zeigen. Und ganz selbstverständlich ging er auch davon aus, dass der Rest der Welt sich nach seinem übervollen Terminkalender zu richten habe. Dem Geiger Henri Marteau, mit dem Reger häufiger konzertierte und sich auch anfreundete, teilte er brieflich mit: Mein Lieber! […] Ich bin Ende Februar nur frei am 25. Febr. (Freitag); das ist der einzige Tag; Du musst also schon so gut sein, Deine Hochzeit auf 25. Februar zu legen. Es wäre mir sehr erwünscht, wenn Du mir darüber baldigst Nachricht geben würdest, damit ich mich einrichten kann.9 Regers hohe Ansprüche an seine Schüler spiegeln sich in den Konservatoriumszeugnissen, die er während seiner Leipziger Zeit ausstellte. Er war grundehrlich und undiplomatisch, mitunter gar sarkastisch. Relativ gemä- 88 | STEFANIE STEINER-GRAGE ßigt erscheinen noch Aussagen wie: „hat mit wechselndem Fleiß gearbeitet“10 oder „war gelegentlich fleißig“11. Häufig ist aber zu lesen: „Bekam den 1. Preis der Faulheit. Weiteres überflüssig“12 oder „war sehr faul, nachlässig, Fortschritte dementsprechend“13. Reger konnte aber auch noch deutlicher werden: Was er gar nicht durchgehen lässt, sind „seltene Faulheit u. Nachlässigkeit“14 oder gar „grenzenlose Bummelei“15. Ein mexikanischer Student, dem von einem anderen Theorielehrer immerhin ein „Studium des doppelten Kontrapunktes“ bescheinigt wird, wurde von Reger mit den Worten beschieden: „Ganz unbegabt, sehr faul“.16 Am schönsten wohl die spitze Aussage: „Er kam, sah u. ward nicht mehr gesehen; die graue Theorie scheint ihm unüberwindliches Grauen eingeflößt zu haben!“17 Vor diesem Hintergrund wird ansatzweise deutlich, wie viel damals ein positives Zeugnis Regers bedeutet haben muss. Über Paul Aron, der bereits seit 1905 als Privatschüler, vom 5. April 1907 bis Ostern 1909 dann am Leipziger Konservatorium bei ihm Unterricht hatte, hielt er im Zeugnis fest: „hat bei ausgesprochen guten Anlagen für die Theorie, bei schönem Fleiß sich große Kenntnisse erworben. Prof. Dr. Max Reger.“ Auch die restlichen Noten Arons waren hervorragend: Begabung, Leistung und Fleiß je „I“. Robert Teichmüller, Leiter des Konservatoriums und bedeutender Klavierpädagoge, bestätigt Aron für die praktische Prüfung als Pianist mit Liszts A-Dur-Konzert immerhin: „recht musikalisch“.18 Im Bereich des Lobs sind allerdings noch deutliche Steigerungen möglich, wie das Zeugnis für den angehenden Münchener Komponisten Joseph Haas belegt: Dieser habe „bei außerordentlichen musikalischen Anlagen“ und „sehr großem Fleiße ganz außerordentlich gute Leistungen erzielt“ und sei darüber hinaus bereits „ein Komponist von entschiedener Begabung“, der „schon eine Reihe von bestgelungenen Kompositionen bei verschiedenen Verlegern veröffentlicht“ hat. Reger empfiehlt Joseph Haas daher schon im Abschlusszeugnis für eine Stellung als Theorielehrer an einem Konservatorium.19 Was lässt sich aus den zitierten Aussagen ablesen? Reger verlangte von seinen Schülern viel, und sofern seine Erwartungen erfüllt wurden, geizte er nicht mit Lob und auch ganz handfesten Empfehlungen. Jedoch scheinen bei manchen Schülern die hochgesteckten Erwartungen auch abschreckend gewirkt zu haben; dies ging so weit, dass wohl so mancher sich dauerhaft einschüchtern ließ und dem Unterricht gleich ganz fernblieb … 89| FÖRDERN UND FORDERN. MAX REGER ALS LEHRER DES DRESDNERS PAUL ARON Reger und Aron Paul Aron, 1886 geboren, also nur 13 Jahre jünger als sein Lehrer Reger, hatte zunächst vier Semester Jura in München studiert, war aber bereits während dieser Zeit Privatschüler in Klavier und Komposition. Schon die erste erhaltene Postkarte des Briefwechsels vom 7. Dezember 1905 ist für die gesamte Korrespondenz zwischen Lehrer und Schüler sehr typisch: Reger bestellt Aron für den 16. Dezember 1905 zu einer Privatstunde ein und fordert Sicherheit in der Pünktlichkeit.20 Charakteristisch für Regers Briefstil (und wohl auch in gewissem Maße für seinen Charakter) sind die vielen Unterstreichungen, das beharrliche Insistieren, die vielen Wiederholungen und das mehrfache, oft redundante Kreisen um ein- und dieselbe Information sowie die freundlichen, mitunter leicht penetranten Ermahnungen. Wir können vermuten, dass Aron bei dem vereinbarten Treffen den Wunsch äußerte, nach einer noch relativ kurzen Zeit (im Schreiben ist die Rede von zwei Monaten) ein Zeugnis von seinem Lehrer zu erhalten. Jedenfalls stellte Reger noch vor Weihnachten (am 23. Dezember) seinem Schüler eine sehr positive Bescheinigung aus. Aus ihr gehen die unterrichteten Fächer „Klavierspiel, Harmonielehre, Generalbaßspiel und Modulationslehre“ hervor; zudem wird die Art und Weise hervorgehoben, mit der Aron auf den bisherigen zweimonatigen Unterricht reagiert hat: mit beachtlichem Fleiß und ebensolcher Begabung. So wird Aron dank seiner Fortschritte geraten, in den unterrichteten Fächern „die Laufbahn eines Musikers zu ergreifen“. Zudem könnten ihm, wenn weiter so gearbeitet würde, beachtliche Resultate vorausgesagt werden.21 Möglicherweise erinnerte sich Reger noch allzu gut an seine eigenen Schwierigkeiten, gegenüber den skeptischen Eltern seine Musikerlaufbahn durchzusetzen – eine Situation, in der nun Aron, der sein Jurastudium zugunsten der Musik aufgeben wollte, ebenfalls steckte. 1907, nach Regers Berufung an das Leipziger Konservatorium, wohin ihm Aron folgte, ist zunächst keine weitere Korrespondenz mehr überliefert, erst am 2. April 1908 finden wir wieder eine briefliche Spur, und zwar enthält ein Brief an die Wiener Sängerin Martha Ruben (die Tochter von Bekannten Regers) die oft zitierte, denkwürdige Formulierung Arons, in der er sich als „Sekretär, Kindermädchen etc. der verehrten Familie Reger“ bezeichnet.22 Elsa Reger hatte sich nach einer nicht günstig verlaufenen Operation für längere Zeit auf Kur begeben müssen; als Haushälterin war Martha Ruben gefunden worden, der für weitere organisatorische Aufgaben, insbesondere auch bei der Kinderbetreuung der beiden Adoptivtöchter 90 | STEFANIE STEINER-GRAGE Christa und Lotti, Paul Aron zur Hand ging. Aus dieser Zeit sind Fotos erhalten, die Martha Ruben von Reger anfertigte – sie zeigen ihn (was selten ist) in heiter gelöster Stimmung und lächelnd (vgl. Abbildungen, Nr. 6). Elsa Reger freilich scheint die fröhliche, gelöste Stimmung in „ihrem“ Hause während ihrer Abwesenheit ein Dorn im Auge gewesen zu sein; auch das gute Verhältnis, das Martha Ruben zu den beiden Pflegetöchtern Christa und Lotti aufbauen konnte, wird sie kaum erfreut haben – jedenfalls musste Martha Ruben früher als geplant zurück nach Wien reisen.23 Nach diesem „Interregnum“ als „Sekretär und Kindermädchen“ wird der Ton in der Korrespondenz wieder geschäftsmäßig. Am 9. September teilt Reger Aron mit, er habe ihn dem Dirigenten Ernst von Schuch empfohlen und bittet darum, sich wegen genauerer Abstimmung direkt mit ihm in Verbindung zu setzen; auch ein weiteres Zeugnis werde Aron von Reger bekommen, aber eigentlich sei es für die bevorstehende Saison längst zu spät, per Empfehlung noch etwas bewirken zu können.24 Trotz dieser Einschränkung ist dieser Brief ein Beleg dafür, wie rührend sich Reger um seine vielen Schüler – jedenfalls die guten – wie auch seine Freunde kümmerte und sich auch stets um deren berufliches Fortkommen sorgte. Viele solche Empfehlungsschreiben sind von ihm überliefert, etwa für Hermann Grabner, Karl Hasse, Fritz Stein, die Sängerin Anna Erler- Schnaut25 und viele weitere Musiker. In der Folgezeit ist die Korrespondenz mit Aron durchsetzt mit diversen Aufträgen, die der Lehrer seinem Adlatus erteilt. Aron muss nun eine ganze Reihe von Botengängen für Reger erfüllen: Am 8. Oktober 1908 solle Aron, wenn er sich mittags zum Essen begebe, Karl Straube aufsuchen und diesen fragen, wo Reger ihn am nächsten Tag nach dem Konzert treffen könne. Aron selbst solle ihm diesbezüglich gegen 5 Uhr Bescheid geben.26 Quasi als „Gegenleistung“ für solche und ähnliche Botendienste folgt am 4. April 1909 erneut ein sehr gutes Zeugnis durch Reger: Mehrere Jahre sei Aron in Theorie und Klavier unterrichtet worden. Dank seiner gro- ßen Anlage zur Musik und zum Klavierspiel habe er bereits jetzt „schönste Erfolge“ zu verzeichnen, ja ihm sei vorauszusagen, „zweifellos einer unserer besten Pianisten“ zu werden, vor allem im Bereich der Kammermusik. Die praktische Seite dieser Aussage bleibt nicht unerwähnt: die gemeinsamen, erfolgreichen Konzerte in „Magdeburg, Leipzig, Hamburg, München, Altenburg, Plauen, Dresden“, wobei „die Schwierigsten“ seiner Werke für 2 Klaviere unter Anerkennung auch der Kritik gespielt worden seien. Deshalb empfehle er Aron hiermit „allen Concertvorständen aufs Allerwärmste“.27 91| FÖRDERN UND FORDERN. MAX REGER ALS LEHRER DES DRESDNERS PAUL ARON Interessant ist in diesem Zeugnis die Einschränkung (wenn es denn eine ist), Aron eigne sich besonders als „Kammermusikspieler“. Ob also Reger Aron die intendierte Solistenkarriere wirklich zutraute? Ab Mitte 1909 gehen jedenfalls Arons Botengänge für Reger Schlag auf Schlag weiter: 20. Juli 1909: Morgen Vormittag solle er vorbeikommen, er habe einen Scheck zum Einlösen!28 1. August 1909: Am morgigen Vormittag oder Nachmittag müssten sie gemeinsam die „4 Symphonien“ durchspielen; er solle „Streichhölzer mitbringen.“29 2. August 1909: Er müsse ihn bereits morgen Vormittag besuchen und einen bestimmten Frachtbrief in Verbindung mit einer Benachrichtigung mitbringen.30 4. August 1909: Für Aron lägen 150 Mark bereit. Er solle sich baldigst in einem Koffergeschäft nach einem näher beschriebenen Damenhutkoffer erkundigen, auch preislich.31 6. August 1909: Morgen Nachmittag solle er 10 Stück Leinwandkleberollen nicht vergessen mitzubringen.32 26. September 1909: Am Montag vormittag solle er eine Schachtel mit 100 Stück seiner Zigaretten vorbeibringen, zudem die genaue Adresse des Heilgehilfen J. Buschbeck in der Salomonstraße erkunden.33 1. Oktober 1909: Morgen vor 17 Uhr solle er sicher das Paket bei Hinrichsen (Peters) abgeben und am Sonntag 13.30 Uhr ein Exemplar von Storms Kursbuch zum Winterfahrplan mitbringen, ebenso die aufgetragene Liedabschrift und die Zahnarzt-Adresse.34 Natürlich erhält Aron auch ganz musikpraktische Aufträge, etwa „peinlichst genau“ den Klavierpart der Klarinettensonate op. 107 durchzuspielen und auf einem Blatt die Druckfehler zu notieren.35 Aron scheint inzwischen für Reger auch Zeitungen und Zeitschriften sichten zu müssen; am 16. Mai 1910 verlangt Reger von Aron, „umgehendst“ sechs Exemplare des Aufsatzes im Dresdner Anzeiger über das Regerfest zu beschaffen. Zudem werde er am Freitag 15.30 Uhr erwartet, um mit ihm die Bachschen Goldbergvariationen durchzunehmen. „Seien Sie nicht böse, wenn ich Sie so sehr plage.“36 Trotz dieses (bei Reger eher seltenen) Anfalls von Selbstkritik bleibt auch das – sagen wir es einmal positiv – beharrliche Insistieren und das in seinem Mangel an Vertrauen fast schon übergriffige Überwachen erhalten: Am 23. Juli 1911 erkundigt sich Reger, ob Aron wirklich nicht vergessen habe, den ihm mitgegebenen wichtigen Brief in den Postkasten einzuwerfen?37 92 | STEFANIE STEINER-GRAGE Aber auch die konstante Förderung des jüngeren Musikers setzt sich kontinuierlich fort, und Reger versucht, für Aron bezahlte Aufträge „an Land zu ziehen“: Am 19. Februar 1912 kündigt er diesem für den 30. Oktober d. J. ein gemeinsames Konzert auf zwei Klavieren in Zittau an und hofft, dass sich Aron darüber und über 200 Mark Honorar freue.38 In der Folgezeit erhält Aron weitere Aufträge, da Reger ihn inzwischen bei Konzerten mit eigenen Werken (vor allem den Beethoven-Variationen op. 86) gerne als Duopartner heranzieht. So kündigt er Aron etwa im Brief vom 1. März 1912 ein Konzert in Marburg an der Lahn für den 26. November an, wiederum mit den Beethoven-Variationen und einem Honorar von 100 Mark.39 Musikmetropole Berlin Nur kurze Zeit später kommt es zu einer sehr ernsthaften Ermahnung Arons durch Reger, der seinem ehemaligen Schüler am 5. April 1912 in einem langen Brief40 ernsthaft ins Gewissen redet. Darin heißt es, Aron dürfe nun nicht länger in Leipzig bleiben, sondern müsse sich nach Berlin wenden, um seine Karriere voranzutreiben; er habe ihm schon vor Jahren gesagt, dass es nur einen Weg gäbe: sich ein „großes Repertoire“ einzuspielen und drei Abende „Schlag auf Schlag“ in Berlin zu geben! Leider habe Aron diesen Rat missachtet. Er müsse sich als „Virtuose“ einen Namen machen, sonst werde er auch als Kammermusiker nicht verpflichtet!41 Reger könne Aron keine Engagements mit der Meininger Hofkapelle zusagen, ihn jedoch mit Empfehlungsschreiben für den Neubeginn in Berlin ausstatten. Solange er in Leipzig bliebe, hätte er keine Zukunft, er werde am dortigen Konservatorium niemals angestellt! Es gäbe also nur einen Weg: nach Berlin zu ziehen, sich als Liedbegleiter viel Geld zu erspielen und drei Abende zu geben, davon einen mit Orchester. Die Ausgaben von 2 500 Mark ließen sich zuvor in Berlin verdienen.42 Kurz nach diesem erneuten Vorschlag43 scheint es noch zu einem persönlichen Treffen der beiden gekommen zu sein, bei dem Reger Aron wohl tatsächlich von der Notwendigkeit eines Umzugs nach Berlin überzeugen konnte – jedenfalls finden wir den ehemaligen Schüler ab Mai 1912 in Berlin. Die zunehmende Dichte an Empfehlungsschreiben verrät, wie sehr sich Reger für Aron einsetzt. Reger schreibt an seine eigenen Konzertveranstalter Robert Knoblauch (Frankfurt/Main) und Louise Wolff (Berlin), um Aron als Pianisten zu empfehlen. Von der schon zuvor geäußerten Idee, dass Aron in Berlin drei Klavierabende in einer Woche auf eigene Rechnung veranstalten müsse, um dort Fuß zu fassen44, rückt Reger aber nicht ab, was etwas er- 93| FÖRDERN UND FORDERN. MAX REGER ALS LEHRER DES DRESDNERS PAUL ARON staunt, wenn man bedenkt, dass er selbst nie ernsthaft versuchte, in der Musikmetropole Berlin eine dauerhafte Anstellung zu finden. Übrigens finden wir den Hinweis Regers, eine Musikerkarriere sei überhaupt nur in Berlin zu beginnen, bereits Jahre vor dem Schreiben an Aron, nämlich in einem Brief an den mit ihm befreundeten Sänger Joseph Loritz, den Reger im Jahr 1900 ebenfalls auf der Suche nach einer Anstellung unterstützt hatte: Außerdem würde ich dir raten im Bechsteinsaal in Berlin einen Liederabend zu geben; zu verdienen wäre da fürs erste Mal natürlich kaum etwas – allein solche Opfer müssen eben gebracht werden. Trotz der Zerfahrenheit u. dem argen, heillosen Cliquenwesen in Berlin ist diese Stadt immer doch unsere Metropole in Bezug auf Musik! Und ein großer Erfolg als Sänger wiegt, in Berlin errungen, 10 andere Erfolge in der Provinz auf! Bitte, das nicht außer acht lassen! Wenn du mir Tag u. Datum eines Liederabends in Berlin angibst, so kann ich da manchen Empfehlungsbrief nach Berlin schreiben! 45 Reger zeigt Zeit seines Lebens ein gehöriges Selbstbewusstsein, was Empfehlungen von ihm für einen Schüler ausmachen können; 1913 berichtet er Herzog Georg II. von Sachsen-Meiningen: Dr [Hermann] Grabner braucht in Straßburg k e i n e Prüfung zu machen als Theorielehrer; meine Empfehlung genügt heutzutage vollkom[m]en; eine Reihe von g u t e n Stellungen – auch an Staatsinstituten – sind auf Grund meiner Empfehlung mit Schülern von mir besetzt worden.46 Auch bei Aron erkundigt sich Reger, um zu erfahren, ob seine Empfehlungen gefruchtet haben und ob es ihm mit Klavierstunden und Konzerten besser gehe, schreibt er am 19. März 1914 – wohl in Antwort auf eine Geburtstagsgratulation des ehemaligen Schülers – nach Berlin. Dies scheint jedoch nicht der Fall gewesen zu sein. Noch während Regers Kur in Meran nach einem körperlichen Zusammenbruch im Februar 1914 kommt es zu einem Wiedersehen mit Aron. In gewohnter Manier dirigiert Reger den Jüngeren mit Brief vom 23. April 1914 zum Sanatorium nach Martinsbrunn, in dem er sich auskuriert: Wenn Aron am folgenden Sonnabend 11.35 Uhr in Meran ankomme, solle er den beschriebenen Weg gehen und sich zum gemeinsamen Mittagessen einfinden. Er müsse sofort antworten, ob er sicher komme!47 Aron scheint erneut um Empfehlungen gebeten zu haben, und wiederum empfiehlt ihn Reger an Konzertveranstalter und Bekannte in Berlin. Je- 94 | STEFANIE STEINER-GRAGE doch scheinen alle Bemühungen nicht gefruchtet zu haben, denn bereits im November 1914 – mittlerweile ist der Erste Weltkrieg in vollem Gange und die Situation entsprechend schwierig – scheint Aron wieder bei Reger um Hilfe ersucht zu haben. Dieser kommt erneut auf seine bereits zuvor erteilten Ratschläge zurück, er habe Aron doch schon vor Jahren geraten, sich „ein großes Repertoire auswendig“ zu erspielen, um dann Klavierabende zu geben. Leider sei er diesem Ratschlag nicht gefolgt. Dennoch tue es ihm leid, daß er momentan „bös daran“ sei. Es wundere ihn, dass er in Berlin nicht besser Fuß gefasst habe, er habe doch „ausgedehnte Beziehungen!!“ Selbstredend denke Reger bezüglich der Vergabe von Konzerten an ihn.48 Und tatsächlich, trotz der ernsthaften Ermahnungen scheint Reger sich wenig später erneut darum bemüht zu haben, Aron Aufträge zu vermitteln: Am 25. November 1914 kündigt er an, er habe für ihn ein Konzert am 4. Januar in Kassel mit 200 Mark Honorar49 und gibt mit der folgenden Karte vom 18. Dezember 1914 organisatorische Details.50 Auch eine der späten Karten Regers an Aron, in der er sich am 23. März 1915 wahrscheinlich für dessen Geburtstagswünsche bedankt, übermittelt beste Wünsche für sein Wohlergehen51 Die allerletzte überlieferte Post des Komponisten an Aron ist mit „Ihr alter Reger“ unterzeichnet und datiert vom 19. November 1915. Dabei geht es um die Anfrage eines gemeinsamen Konzerts in Cüstrin, wo Aron damals stationiert und in einer Schreibstube eingesetzt war.52 Ein halbes Jahre später, in der Nacht vom 11. Mai 1916, starb Reger – das weitere Schicksal seines Schülers Paul Aron erlebte er nicht mehr. Fazit Reger als Lehrer konnte in einer naiven, zwar nicht bösartigen, jedoch gnadenlos ehrlichen Art und Weise die Leistungen seiner Schützlinge kommentieren. Jede Art von Lüge oder auch nur heuchlerischer Schmeichelei war ihm fremd. Undiplomatische Botschaften, doch auch vernichtende Kritik verpackte er in Späße und Witze. Reger erweist sich nicht nur als genialer Manager in eigener Sache, sondern ebenso als ein geschickter Netzwerker, der all denen gerne weiterhalf, die er schätzte und von deren künstlerischem Können er überzeugt war. Dabei erkannte er Talent, gepaart mit dem nötigen Fleiß, um dieses zu entwickeln, neidlos an – viele seiner Empfehlungsschreiben sind nicht nur von diplomatischem Kalkül geprägt, sondern auch von tiefer Anerkennung und Wertschätzung für die Leistung anderer. Wenn Reger etwas nicht ausstehen konnte, so war dies nicht Mangel an Begabung, sondern Faulheit. 95| FÖRDERN UND FORDERN. MAX REGER ALS LEHRER DES DRESDNERS PAUL ARON III Zu fragen ist schließlich noch, was Reger wohl generell von Paul Aron als Pianist hielt. Traute er diesem wirklich die ganz große Virtuosenkarriere zu? Auffällig ist, dass Reger in seinen Zeugnissen und Empfehlungsschreiben Arons stets auf dessen hohe Begabung für Kammermusik eingeht – was eher dagegen sprechen könnte, dass Reger sich Aron als Virtuosen vorstellen konnte. Der Musikschriftsteller Walter Niemann nennt in seinem Lexikon Meister des Klaviers den „durch Reger der Musik zugeführte[n] Dresdner Paul A r o n“ und beschreibt ihn als „ein[en] Pianist[en] von geschliffenem Ton, hübschem piano und schmiegsamer Glätte“ sowie „ein[en] ausgezeichnete[n] Interpret[en] der modernen Klaviermusik.“53 Auch dies wirkt eher nicht wie die Beschreibung eines Tastenvirtuosen. Im Gegensatz dazu steht Regers Bekanntschaft mit der Pianistin Frieda Kwast-Hodapp. Wie bei den jungen Brüdern Fritz und Adolf Busch, welche Reger zutiefst beeindruckten, als sie ihm sein schwieriges Violinkonzert op. 101 auswendig vorspielten, so konnte auch die junge, mit dem ersten Preis des Mendelssohn- Wettbewerbs ausgezeichnete Pianistin ihm seine Bach-Variationen op. 81, in die sie sich zuvor monatelang vertieft hatte, bei einem Besuch derart mustergültig auswendig vortragen, dass Reger – begeistert von ihrem gefühlvollen Spiel und ihrer eminenten Technik – ihr sogleich ein „gepfeffertes“ Werk schreiben wollte (das spätere Klavierkonzert op. 114). Paul Aron dagegen setzte er als „Laufburschen“, Sekretär, ja sogar Kindermädchen ein, statt ihm Solo-Klavierwerke auf den Leib zu schreiben. Das gemeinsame Konzertieren mit Aron aber verrät durchaus Regers hohe Wertschätzung für diesen Pianisten – wenngleich diese nicht ganz so hoch ausfiel wie für andere, „begnadete“ Solisten. Und diese feine Abstufung belegen auch die Zeugnisse und Empfehlungen Regers für Aron, in denen er besonders für Kammermusik und Klavierbegleitung „wärmstens“ empfohlen wird. Anmerkungen 1 O. Verf., Erinnerungen von Reger-Schülerinnen, in: Mitteilungen der Internationalen Max-Reger-Gesellschaft (= MIMRG) 13 (2006), S. 3–10, hier: S. 9. 2 Ebd., S. 188 (Bericht über den Unterricht bei Reger von Alfred Baresel). 3 Ebd., S. 189 (Bericht über den Unterricht bei Reger von Hermann Keller). 4 Vgl. Wilhelm Rettich, Max Reger im Unterricht, in: MIMRG 4 (2002), S. 15 ff. 96 | STEFANIE STEINER-GRAGE 5 Susanne Shigihara, „Kunst kommt von Können“ – Anmerkungen zu Fritz Lubrichs Erinnerungen an seinen Lehrer Max Reger, in: Peter Andraschke (Hrsg.), Der Reger-Schüler Fritz Lubrich (1888–1971), Dülmen 1989, S. 15–30, hier: S. 19. 6 Vgl. hierzu: Stefan König, Bezugspunkte: Reger als Lehrer am „europäischen“ Leipziger Konservatorium und der Weg des Sándor (Alexander) Jemnitz, in: Susanne Popp/Jürgen Schaarwächter (Hrsg.), Max Reger und die Musikstadt Leipzig. Bericht von der Internationalen Reger-Tagung Leipzig 2008 (Reger-Studien 8), Stuttgart 2010, S. 183–204, hier: S. 183. 7 Brief Regers an Eberhard Buchner, Privatbesitz, zitiert nach: König, Bezugspunkte: Reger als Lehrer, S. 193. 8 Shigihara, „Kunst kommt von Können“, S. 27. 9 Brief Regers an Henri Marteau vom 13. Januar 1910 (Original in der Oberfrankenstiftung Bayreuth), zitiert nach: Agnes Michalak, Stratege Reger – von der Komposition bis zum Konzert, in: Popp/Schaarwächter, Musikstadt Leipzig, S. 287. 10 Abschlusszeugnis von Sándor Jemnitz, zitiert nach: König, Bezugspunkte: Reger als Lehrer, S. 197. 11 Lehrer-Zeugnis des Königlichen Konservatoriums der Musik zu Leipzig (Kopie im Max-Reger-Institut [= MRI] Karlsruhe) über Wasil Bojinoff aus Slivna (Bulgarien): „Herr B. ist begabt, war gelegentlich fleißig; seine Fortschritte waren dementsprechend. Dr. Max Reger.“ 12 Lehrer-Zeugnis des Königlichen Konservatoriums der Musik zu Leipzig (Kopie im MRI Karlsruhe) über Hans Gerhard Hermann Glenewinkel (Nienburg): „Bekam den 1. Preis der Faulheit. Weiteres überflüssig. Dr. Max Reger.“ 13 Lehrer-Zeugnis des Königlichen Konservatoriums der Musik zu Leipzig (Kopie im MRI Karlsruhe) über Anton Willy Heins (Koblenz): „… war sehr faul, nachlässig, Fortschritte dementsprechend. Reger.“ 14 Lehrer-Zeugnis des Königlichen Konservatoriums der Musik zu Leipzig (Kopie im MRI Karlsruhe) über Othmar Kopf (Graz): „Herr Kopf zeichnete sich durch seltene Faulheit u. Nachlässigkeit derart aus, daß von irgendwelchen Leistungen oder Fortschritten keine Rede sein kann. Dr. Max Reger.“ 15 Lehrer-Zeugnis des Königlichen Konservatoriums der Musik zu Leipzig (Kopie im MRI Karlsruhe) über Ludwig Schittler (München): „Zeichnete sich durch seltene Faulheit, grenzenlose Bummelei aus; seine Leistungen waren dementsprechend. Prof. Dr. Max Reger.“ Ähnlich auch in den Zeugnissen über Hirsch Krein (Nischnij Novgorod): „Gut beanlagt – groß im Stundenversäumen. Max Reger“ oder Karl Graf von Rostworowski (Warschau): „Ganz gut beanlagt – grandios im Bummeln! Max Reger.“ 16 Lehrer-Zeugnis des Königlichen Konservatoriums der Musik zu Leipzig (Kopie im MRI Karlsruhe) über Thomas Sánchez (Mexiko): „Ganz unbegabt, sehr faul. Dr. Max Reger“. Dem Unterricht fernzubleiben zieht Kommentare wie die folgenden nach sich: Alfred Curt Herbst (Halle): „hat niemals meinen Unterricht besucht. Reger.“ oder Renato Virgilio (Barletta/Italien): „Hat trotz öfterer mündlicher wie schriftlicher Ermahnung zum Fleiße meinen Unterricht nur sehr nachlässig besucht und sich überhaupt als sehr fauler, nachlässiger Schüler erwiesen. Seit vor Pfingsten kam er zu mir nie mehr in die Stunde. Max Reger.“ 97| FÖRDERN UND FORDERN. MAX REGER ALS LEHRER DES DRESDNERS PAUL ARON 17 Lehrer-Zeugnis des Königlichen Konservatoriums der Musik zu Leipzig (Kopie im MRI Karlsruhe) über Dr. jur. Werner Cuntz (Heidelberg): „Er kam, sah u. ward nicht mehr gesehen; die graue Theorie scheint ihm unüberwindliches Grauen eingeflößt zu haben! Dr. Max Reger.“ 18 Lehrer-Zeugnis des Königlichen Konservatoriums der Musik zu Leipzig (Kopie im MRI Karlsruhe) über Paul Aron (Dresden). 19 Lehrer-Zeugnis des Königlichen Konservatoriums der Musik zu Leipzig (Kopie im MRI Karlsruhe) über Joseph Haas (München): „Herr Haas hat bei außerordentlichen musikalischen Anlagen, sehr großem Fleiße ganz außerordentlich gute Leistungen erzielt; er ist ein Komponist von entschiedener Begabung, u. hat schon eine Reihe von bestgelungenen Kompositionen bei verschiedenen Verlegern veröffentlicht. Seine Kenntnisse in Harmonielehre, Kontrapunkt und Fugenbauen etc. etc. sind ganz ausgezeichnet u. gründlichst, so daß er für eine Stellung als Lehrer in einem Conservatorium nicht [warm] genug empfohlen werden kann! In den öffentlichen Prüfungen wurde von seinen Kompositionen Suite für Orgel, Lieder, Sonate für Violine u. Pianoforte mit bestem Erfolge zum Vortrag gebracht. Professor Max Reger.“ 20 Postkarte vom 7. Dezember 1905 (Original im MRI Karlsruhe, Signatur: Ep. Ms. 526). Vgl. den Abdruck im vorliegenden Band unter Nr. 1, in: Matthias Herrmann/Stefanie Steiner-Grage (Hrsg.), Max Reger an Paul Aron. Korrespondenz und Notizen der Jahre 1905 bis 1915, S. 107. 21 Bescheinigung Regers vom 23. Dezember 1905 (Original im MRI Karlsruhe, Signatur: Ep. Ms. 527). Vgl. den Abdruck unter Nr. 2, in: ebd., S. 107 f. 22 Brief vom 2. April 1908 (Original im MRI Karlsruhe, Signatur: Ep. Ms. 342). Vgl. den Abdruck unter Nr. 7, in: ebd., S. 111 f. 23 Vgl. ebd.: Elsa Reger – inzwischen wieder zurück von ihrem Sanatoriumsaufenthalt, fügt dem Brief an Martha Ruben ein paar Zeilen zusätzlich an: „Ich kann mir denken, wie glücklich Ihre Eltern sind, Sie wieder zu haben.“ 24 Postkarte vom 9. September 1908 (Original im MRI Karlsruhe, Signatur: Ep. Ms. 537). Vgl. den Abdruck im vorliegenden Band unter Nr. 13, in: Herrmann/Steiner-Grage, Max Reger an Paul Aron, S. 116 f. 25 Zeugnis für Anna [Erler-]Schnaudt, ausgestellt München 18. Mai 1906 (Kopie im MRI Karlsruhe): „Fräulein Anna Schnaudt ist im Besitze einer der schönsten, klangvollsten Altstimmen von großem Umfang die ich je gehört habe. Da sich zu diesem so hervorragend schönen Organe noch eine ausgezeichnete Schulung dieser Stimme nebst ausgesprochenen künstlerisch vollendetem Vortragstalent noch die musikalisch u. poetisch gestaltende Intelligenz gesellt, kann ich Frl. A. Schnaudt aufs Wärmste allen Concertdirektionen, Concertvereinen, Musikvereinen etc. etc. als Solistin für Oratorium u. Lied empfehlen Max Reger.“ 26 Postkarte vom 8. Oktober 1908 (Original im MRI Karlsruhe, Signatur: Ep. Ms. 540). Vgl. den Abdruck im vorliegenden Band unter Nr. 15, in: Herrmann/Steiner-Grage, Max Reger an Paul Aron, S. 118. 27 Zeugnis von Reger für Aron (Original im MRI Karlsruhe, Signatur: Ep. Ms. 541). Vgl. den Textabdruck unter Nr. 17, in: ebd, S. 120. 98 | STEFANIE STEINER-GRAGE 28 Postkarte vom 20. Mai 1909 (Original im MRI Karlsruhe, Signatur: Ep. Ms. 548). Vgl. den Abdruck unter Nr. 23, in: ebd., S. 123 f. 29 Postkarte vom 1. August 1909 (Original im MRI Karlsruhe, Signatur: Ep. Ms. 549). Vgl. den Abdruck unter Nr. 24, in: ebd., S. 124. 30 Postkarte vom 2. August 1909 (Original im MRI Karlsruhe, Signatur: Ep. Ms. 550). Vgl. den Abdruck unter Nr. 25, in: ebd., S. 124 f. 31 Postkarte vom 4. August 1909 (Original im MRI Karlsruhe, Signatur: Ep. Ms. 551). Vgl. den Abdruck unter Nr. 26, in: ebd., S. 125. 32 Postkarte vom 6. August 1909 (Original im MRI Karlsruhe, Signatur: Ep. Ms. 552). Vgl. den Abdruck unter Nr. 27, in: ebd., S. 125 f. 33 Postkarte vom 26. September 1909 (Original im MRI Karlsruhe, Signatur: Ep. Ms. 556). Vgl. den Abdruck unter Nr. 32, in: ebd., S. 129. 34 Postkarte vom 1. Oktober 1909 (Original im MRI Karlsruhe, Signatur: Ep. Ms. 557). Vgl. den Abdruck unter Nr. 33, in: ebd., S. 129. 35 Postkarte vom 16. September 1909 (Original im MRI Karlsruhe, Signatur: Ep. Ms. 547). Vgl. den Abdruck unter Nr. 29, in: ebd., S. 127. 36 Kartenbrief vom 16. Mai 1910 (Original im MRI Karlsruhe, Signatur: Ep. Ms. 562). Vgl. den Abdruck unter Nr. 39, in: ebd., S. 134. 37 Postkarte vom 23. Juli 1911 (Original im MRI Karlsruhe, Signatur: Ep. Ms. 568). Vgl. den Abdruck unter Nr. 45, in: ebd., S. 138. 38 Postkarte vom 19. Februar 1912 (Original im MRI Karlsruhe, Signatur: Ep. Ms. 570). Vgl. den Abdruck unter Nr. 47, in: ebd., S. 139. 39 Postkarte vom 1. März 1912 (Original im MRI Karlsruhe, Signatur: Ep. Ms. 571). Vgl. den Abdruck unter Nr. 48, in: ebd., S. 140. 40 Brief vom 5. April 1912 (Original im MRI Karlsruhe, Signatur: Ep. Ms. 575). Vgl. den Abdruck unter Nr. 51, in: ebd., S. 142. 41 Ebd. 42 Ebd. 43 Vgl. Postkarte vom 18. April 1912 (Original im MRI Karlsruhe, Signatur: Ep. Ms. 576): Er sei am 25. April ab 15 Uhr im Konservatorium und 20 Uhr im Gasthaus „Hannes“. Da könnte man sich aussprechen. Vgl. den Abdruck im vorliegenden Band unter Nr. 52, in: Herrmann/Steiner-Grage, Max Reger an Paul Aron, S. 143 f. 44 Vgl. Brief vom 14. August 1912 (Original im MRI Karlsruhe, Signatur: Ep. Ms. 582): Er habe ihm früher schon gesagt, dass es nur einen Weg gäbe: „großes Repertoire auswendig vorspielen, in Berlin in 1 Woche 3 Abende geben!“ Vgl. den Abdruck im vorliegenden Band unter Nr. 58, in: ebd., S. 147 f. 45 Brief Regers an Joseph Loritz vom 5. November 1900 (Original in der Bayerischen Staatsbibliothek München, Signatur: Fasz. germ. 75, Nr. 7). Vgl. dazu auch den Brief an Joseph Loritz vom 5. Oktober 1900: „Bitte, wende dich […] an Prof. Buths in Düsseldorf; er ist Dirigent des städtischen Musikvereines – bitte, gebe mir Aufschluß dar- über, ob du da hin geschrieben hast an Buths unter Einsendung von Kritiken; ich werde dann sogleich an Buths nach Empfang deines Briefes schreiben.“ – „Heute schreibe ich auch an Dr. A. Seidl u. empfehle dich in wärmster Weise. Hast Du schon Oratori- 99| FÖRDERN UND FORDERN. MAX REGER ALS LEHRER DES DRESDNERS PAUL ARON enpartituren studiert? Als Oratoriensänger wirst du das meiste Geld verdienen! Bitte, das nicht vergessen!“ 46 Max Reger, Briefwechsel mit Herzog Georg II. von Sachsen-Meiningen, hrsg. von Hedwig und E. H. Müller von Asow, Weimar 1949, S. 519, Brief Regers an den Herzog vom 3. September 1913; Reger hatte davor angefragt, ob Grabner aus dem Dienst der Meininger Hofkapelle entlassen werden könne, da er ein Angebot habe, nach Strassbourg zu gehen. („bitte ich unterthänigst [u]m huldvolle Vergebung wegen nachfolgender Belästigung“, S. 516) – der Herzog gewährt diese Bitte. 47 Postkarte vom 23. April 1914 (Original im MRI Karlsruhe, Signatur: Ep. Ms. 588). Vgl. den Abdruck im vorliegenden Band unter Nr. 67, in: Herrmann/Steiner-Grage, Max Reger an Paul Aron, S. 153. 48 Vgl. Postkarte vom 14. August 1912 (Original im MRI Karlsruhe, Signatur: Ep. Ms. 582): „Ich habe Ihnen vor Jahren schon gesagt: großes Repertoire auswendig vorspielen, in Berlin in 1 Woche 3 Abende geben! Das ist der Weg! Sonst gibt es keinen.“ Vgl. den Abdruck im vorliegenden Band unter Nr. 58, in: ebd., S. 147 f. 49 Brief vom 25. November 1914 (Original im MRI Karlsruhe, Signatur: Ep. Ms. 591). Vgl. den Abdruck unter Nr. 70, in: ebd., S. 156 f. 50 Vgl. den Abdruck unter Nr. 71, in: ebd., S. 157. 51 Vgl. den Abdruck unter Nr. 72, in: ebd., S. 158. 52 Vgl. den Abdruck unter Nr. 75, in: ebd., S. 160. 53 Meister des Klaviers. Die Pianisten der Gegenwart und der letzten Vergangenheit, hrsg. von Walter Niemann, Berlin (9.–14., völlig umgearbeitete Auflage) 1921, S. 149.

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References

Abstract

The oeuvre of Max Reger (1873–1916) evoked approval and rejection during the composer's lifetime. Reger also polarized as a person. The present volume deals with Reger's compositional oeuvre and with his personal environment – in the form of his student Paul Aron (1886–1955) from Dresden. At times, he was part of the close network of relationships between the Reger couple. The letters and cards from Reger to Aron from 1905 to 1915, as well as Reger's assessments, which are completely edited for the first time here, are supplemented by Aron's letters from the front of the First World War to Elsa Reger after the death of her husband (1916–1918). The extensive correspondence between Max Reger and Paul Aron shows an exciting teacher-student relationship more than 100 years ago. The sensitive texts of well-known authors trace a detailed picture of the composer. With contributions by Vitus Froesch, Manuel Gervink, Peter Gülke, Michael Heinemann, Matthias Herrmann, Jörn Peter Hiekel, Stefanie Steiner-Grage

Zusammenfassung

Das Oeuvre von Max Reger (1873–1916) rief zu Lebzeiten des Komponisten Zustimmung und Ablehnung hervor. Auch als Person vermochte Reger zu polarisieren. Der vorliegende Band befasst sich mit Regers kompositorischem Werk und mit seinem persönlichen Umfeld – in Gestalt seines aus Dresden stammenden Schülers Paul Aron (1886–1955). Dieser gehörte zeitweise zum näheren Beziehungsgeflecht des Ehepaars Reger. Die hier erstmals vollständig edierten Briefe und Karten Regers an Aron der Jahre 1905 bis 1915 sowie Beurteilungen Regers werden ergänzt durch Arons Briefe von der Front des Ersten Weltkrieges an Elsa Reger nach dem Tod ihres Mannes (1916–1918). Der umfangreiche Briefwechsel von Max Reger und Paul Aron spiegelt eine spannungsreiche Lehrer-Schüler-Beziehung vor mehr als 100 Jahren wider. Die einfühlsamen Texte bekannter Autoren zeichnen ein detailliertes Bild des Tonschöpfers nach. Mit Beiträgen von Vitus Froesch, Manuel Gervink, Peter Gülke, Michael Heinemann, Matthias Herrmann, Jörn Peter Hiekel, Stefanie Steiner-Grage