1. Brennpunkte der Armut unter der Corona-Krise in:

Roland Mierzwa

Armut und die Corona-Krise, page 1 - 28

Die „Vorrangige Option für die Armen“ neu überdacht

1. Edition 2020, ISBN print: 978-3-8288-4520-6, ISBN online: 978-3-8288-7562-3, https://doi.org/10.5771/9783828875623-1

Tectum, Baden-Baden
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Brennpunkte der Armut unter der Corona-Krise Der SPIEGEL machte in einem Artikel deutlich, wie der Corona-Virus nicht nur auf geschwächte Milieus, geschwächte Schichten und geschwächte Gesellschaften traf. Die tiefe Kluft zwischen Arm und Reich wurde auf noch erschreckendere Weise deutlich. Und: Die Pandemie verschärfte die Unterschiede dramatisch. Gar nicht wenige Arme trugen deswegen eine „große Wut im Herzen“. An vielen Orten lässt sich ein Zusammenhang zwischen Ungleichheit und hohen Infektionsraten „bis auf regionale, manchmal lokale Ebene hinunter belegen“. Das birgt „ungeheuren sozialen Sprengstoff “. Es wird etwas unternommen werden müssen, um die Eruption der Wütenden sowie Flüchtlingswanderungen zu verhindern (vgl. Pitzke/Sandberg/Schaap/Schindler, 30.05.2020, 86– 88). Inland Einen Überblick über die (nationalen) Krisenphänomene in Verbindung mit der Armut gibt die Stellungnahme zur Corona-Pandemie und ihren Folgen der SAGE-Wissenschaftler*innen vom 15. Mai 2020 (Alice Salomon Hochschule Berlin). Dabei wird u.a. auf die prekäre Situation von alleinerziehenden Frauen, von Obdachlosen, aber auch von Suchtkranken hingewiesen. Es wurde aber auch problematisiert, dass sogenannte Risikogruppen unter den Armen „wieder“ eine zusätzliche Stigmatisierungserfahrung machen. Aber auch mit Blick auf Geflüchtete und Asylsuchende problematisierte das Papier: „Zunehmender Rassismus erzeugt ein Gefühl der Bedrohung und einen Zwang zur Überanpassung“ (7). Mit Blick auf die Inklusionsfrage stellten die Wissenschaftler*innen fest: „(…) der barrierefreie Zugang zu Informationen und zu Versorgungsleistungen für alle Menschen mit Beeinträchtigungen fehlt vielerorts“ (9). Obdachlosen wird zumeist „eine Alternative zur Straße (…) meist nicht angeboten“ (9). 1. 1.1. 1 Hartz IV Wenn nachfolgend etwas zu Hartz IV ausgeführt wird, dann ist grundsätzlich voranzustellen, dass Hartz IV, so wie es ausgestaltet ist, eine herablassende Fürsorge-Leistung darstellt, die so niedrig ist, damit die Menschen nicht in Würde leben können, sich nicht gesund ernähren können sowie sich nicht ordentlich kleiden können (vgl. Butterwegge, 2020, 288; s.a. 215f.). Das ist gewollt, damit diese Hartz-IV-Armut im Interesse der Herrschenden, Reichen und Einflussreichen als Drohkulisse, Druckmittel bzw. Disziplinierungsinstrument abschreckend auf die übrigen Gesellschaftsmitglieder wirken kann, um deren Verhalten dadurch „positiv“ im Sinne größerer Systemkonformität zu beeinflussen (vgl. Butterwegge, 2020, 126; s.a. 196). Darüber hinaus wird diese „materielle“ Drohkulisse durch eine sozialpsychologische Drohkulisse ergänzt. Es wird – über Hartz IV – mit Abstiegsängsten der übrigen Bevölkerung gespielt, vielleicht mal zu denen gehören zu können, die nicht mehr ausreichend leistungsstark für den Wirtschaftsstandort sind, die nicht mehr nützlich und ökonomisch schwer verwertbar sind und die sich dann vielleicht dem Vorwurf ausgesetzt sehen müssen, ein „Sozialschmarotzer“ zu sein und der „Standortgemeinschaft“ auf der Tasche zu liegen (vgl. Butterwegge, 2020, 386; s.a. 208f.). Schließlich wirkt es auf die „Arbeitsgesellschaft“ bedrohlich und macht Angst, wenn durch das „System“ 1-Euro-Jobs der Berufs- und Qualifikationsschutz aufgehoben wurde (vgl. Butterwegge, 2020, 289). Die nachfolgenden Ausführungen zu Hartz IV unter der Corona-Krise machten nun deutlich, dass von der „herrschenden Politik“ unter der Corona- Krise nicht entscheidend von diesem „Wirkungsmechanismus“ von Hartz IV abgewichen wurde. Und damit wird der von Rainer Mausfeld (2019) beschriebenen „Absicht“ der Eliten nicht gegengesteuert, der erwünschte sozialpsychologische Effekt der Armut aufrechterhalten. Mausfeld schreibt (Seite 80): „Denn sie (die Armut R.M.) verhindert Partizipation, erzeugt Lethargie und diszipliniert gerade diejenigen gesellschaftlichen Gruppen, die eigentlich das größte Interesse an einer Änderung haben sollten. Armut und Armutsängste sind der beste Garant der gewünschten politischen Lethargie der Bevölkerung: Wenn ein Fünftel der Gesellschaft keine politische Stimme hat, keine Organisationsform, keine mediale Repräsentanz, keine Lobbyisten für eine 1.1.1. 1. Brennpunkte der Armut unter der Corona-Krise 2 Vertretung ihrer Interessen, in weiten Teilen hochgradig überwacht und diszipliniert ist, erhöht dies natürlich die Stabilität des Status herrschender Eliten. Prekarisierung kann folglich als eine neue Taktik der Herrschaftssicherung des Kapitals betrachtet werden. Denn die durch Prekarität bei den Betroffenen ausgelöste Furcht löst, so Pierre Bourdieu, auch bei den (noch) nicht Betroffenen Furcht aus, ‚eine Furcht, die im Rahmen von Prekarisierungsstrategien systematisch ausgenutzt wird. […] Man wird den Verdacht nicht los, dass Prekarität gar nicht das Produkt einer mit der ebenfalls vielzitierten ‚Globalisierung‘ gleichgesetzten ökonomischen Fatalität ist, sondern vielmehr das Produkt eines politischen Willens. […] Teil einer neuartigen Herrschaftsnorm, die auf die Errichtung einer zum allgemeinen Dauerzustand gewordenen Unsicherheit fußt und das Ziel hat, die Arbeitnehmenden zur Unterwerfung, zur Hinnahme ihrer Ausbeutung zu zwingen“. Dadurch dass Tafeln geschlossen hatten, für Kinder warme Mahlzeiten in Schule und Kita wegfielen, keine Spielräume für Bevorratungskäufe bestanden (bei steigenden Preisen für Lebensmittel), drohte nach der Verbraucherorganisation Foodwatch Mangelernährung (vgl. Hacker, 05.05.2020). Die „kleine“ Lösung beim kostenlosen Mittagessen für Kinder aus armen Familien vom BMAS (vgl. Lehmann/ Kutter, 23.04.2020, 6) war hierbei nur eine dürftige Lösung. Vor allgemein gerechten Lösungen, die auch Hartz-IV-Bezieher*innen erreichen könnten, wurde lange Zeit ausgewichen – das wird daran deutlich, dass von der Politik zunächst nicht auf so Lösungsvorschläge wie einen Bevorratungszuschuss (vgl. www.labournet.de/… 4.05.2020), einen Einkaufsgutschein im regionalen Handel in Höhe von 250 Euro (vgl. Rudzio, 07.05.2020, 20) oder das „Bedingungslose Grundeinkommen“ (vgl. Koch, 28.04.2020, 6) eingegangen wurde. Und „selbst in dieser Krisensituation konnte sich die große Koalition nicht dazu durchringen, auch Kindern im Hartz-IV-Bezug wenigstens den sogenannten Kinderzuschlag in Höhe von 185 Euro zu gewähren, den Familien mit geringem Einkommen nun vereinfacht beantragen können“ (Mängel, Juni 2020, 11). Etwas Linderung ist nun aber angesagt, dass der „Kinderbonus“ von 300 Euro aus dem Konjunkturpaket auch ungekürzt bei Hartz-IV-Empfängern*innen ankommt, bei einer gleichzeitigen Mehrwertsteuersenkung von Anfang Juli 2020 bis Ende De- 1.1. Inland 3 zember 2020 (vgl. taz 05.06.2020, 2). Dennoch bleibt im Großen und Ganzen die soziale Schieflage bei Hartz-IV-Empfängern*innen bestehen, so die Bewertung des Konjunkturpaketes durch Anton Hofreiter (vgl. taz 05.06.2020, 3), der Kommentar von Saskia Hödl (vgl. taz 06./07.06.2020, 10) und das Interview mit Sebastian Dullien (vgl. taz 06./07.06.2020, 3). Auch bei der digitalen Kluft, die bei Hartz-IV-Haushalten besteht (vgl. Lehmann, 14.04.2020, 2; Wasilewski, 30.04.2020) und wo das Hartz-IV-Regime nicht wirklich konstruktiv hilfreich ist (vgl. Wasilewski, 20.04.2020), wurde am Anfang der Corona-Krise zunächst nur in sparsamen Umfang eine technische Lösung gefunden, indem nun einige Bundesländer Ende April leihweise einige iPads, Tablets und Notebooks für bedürftige Kinder zur Verfügung stellten (vgl. Lehmann/ Kutter, 23.04.2020, 6). Nach Thomas Wasilewski’s Einschätzung war man beim Sozialgericht Düsseldorf und dem Jobcenter anscheinend der Meinung, „dass ein Computer und Drucker für Kinder aus armen Familien im Homeoffice überflüssig ist“ (Seite 2). Es müssten aber Initiativen erfolgen, damit die Lehrer*innen an den Schülern*innen (der Hartz-IV-Haushalte) näher dran sind (vgl. Severine Thomas, 14.05.2020, 30). Dazu müsste auch ein „Support“ beim digitalen Lernen durch „digital natives“ organisiert werden. Einzelne Beispiele persönlichen Engagements müssten zu einer breiten Verantwortungsübernahme durch die Länder führen (s.a. den Beitrag von Burchard und Warnecke, 07.05.2020, 19). Beim Umgang mit Schulkindern beteiligte sich der Staat zunächst an der Verschärfung sozialer Ungleichheit. Für Abiturprüfungen wurde eine Lösung gefunden, weil hier ja überwiegend „systemrelevante Kinder“ sind, aber „Unterschicht-Kinder“ mit Schulproblemen wurden überwiegend alleingelassen (vgl. Wasilewski, 30.04.2020, 4). Betrachtet man sich die Posten von 2,51 Euro pro Erwachsenen und 2,07 Euro pro Kind „für Kauf und Reparatur von Festnetz- und Mobiltelefonen und anderen Kommunikationsmitteln“ im Hartz-IV-Regelsatz, dann zeigt sich, dass das Grundrecht auf Bildung nicht zum Hartz-IV-Kind passt. Das Recht wird von den Verantwortlichen zunächst nicht ernst genommen und einfach beiseitegeschoben. Es wird nun in den kommenden sechs Monaten bis zu 1,2 Millionen zusätzliche Bedarfsgemeinschaften geben (vgl. Peduto, 06.05.2020). Dabei fallen viel mehr Frauen aus dem Arbeitsmarkt, weil von Frauen 1. Brennpunkte der Armut unter der Corona-Krise 4 dominierte Sektoren davon betroffen sind: Dienstleistungsgewerbe, die Gastronomie, der Tourismus oder der Handel (vgl. Tertilt, 04.06.2020, 7). Das entscheidende Problem hierbei ist, dass es zwei Klassen von Hartz-IV-Beziehern*innen geben wird – durch die neuen Regelungen. Der Zungenschlag, der dabei mitschwingt ist der, dass zwischen Schuldigen und Unschuldigen unterschieden wird. Harald Thomé, Jurist bei der Erwerbsloseninitiative Tacheles kritisiert. „Auf der einen Seite haben wir nun die ‚guten Erwerbslosen‘. Die, nichts für ihre Situation können, weil Corona daran schuld ist. Auf der anderen Seite gibt es die restlichen Beziehenden, die schlechter gestellt sind. Dabei sind sie in den allermeisten Fällen genauso unverschuldet in die Erwerbslosigkeit oder ins Aufstocken gerutscht wie jetzt die Corona-Arbeitslosen“ (in: www.labo urnet.de,… abgerufen am 04.05.2020). Die „restlichen“ Beziehenden von Hartz IV konnten unter der Corona-Krise „keine Glücksgefühle entwickeln“ (Klöckner, 03.05.2020, 2), weil sie, auch unter der Corona-Krise extrem stark die „Armut jeden Tag“ spürten (vgl. Wasilewski, 30.04.2020, 5) und auch in dieser Zeit erleben mussten, dass „die Scheiße immer den Berg runterrollt“ (ders.) – d.h. wer unten steht, kriegt alles ins Gesicht. Dort wo andere – noch in der Corona-Zeit – aus dem Vollen schöpfen konnten, bleibt den Hartz-IV-Beziehern „oft nur die Scham vor der eigenen Armut“ (Klöckner, 03.05.2020, 3). „Wer in armen Verhältnissen aufwächst, bildet den so genannten ‚Notwendigkeitshabitus‘ aus, wie ihn der französische Soziologe Pierre Bourdieu erkannt hat. Das Denken, die Wahrnehmung der sozialen Welt, ist so stark von Entbehrung geprägt, dass die gesamte sich entwickelnde Persönlichkeit durch den Mangel an Ressourcen und folglich eben auch an Möglichkeiten gekennzeichnet wird“ (Klöckner, 03.05.2020, 3). Ein Beitrag im SPIEGEL (23.05.2020, 23–30) zur Generationengerechtigkeit zeigt auf, dass durch die Corona-Krise für die Zukunft „zusätzliche“ Hartz-IV-Bezieher*innen aus der jungen Generation produziert werden könnten, weil durch Schulschließungen Schüler aus ärmeren Verhältnissen Bildungslöcher entwickeln, weil Ausbildungsplätze gestrichen werden resp. Ausbildungsverträge zurückgezogen wurden bzw. Ausbildungsinhalte im Rahmen der dualen Ausbildung infolge des Notstandes nicht vermittelt werden konnten, weil Masterarbeiten nicht praxisnah geschrieben werden können und man dadurch 1.1. Inland 5 schlechter qualifiziert ist, was sich negativ auf die Einstellungschancen auswirkt, weil befristete Arbeitsverhältnisse bei jungen Arbeitnehmer*innen gekündigt wurden. Es kann dann sein, dass Teile dieser Generation das Stigma langer Arbeitslosigkeit oder unterqualifizierter Arbeit aufbaut, was dazu führen kann, dass ein Teil dieser Menschen dauerhafter im Hartz-IV-Bezug verbleibt. Kann dadurch, weil die „soziale Frage“ dramatisch wird, die Sorge um das Klima zum Luxusdiskurs für die „Generation-Greta“ werden fragt der SPIEGEL (23.05.2020, 29). Andererseits kann die Erfahrung der „Verletzlichkeit“ in dieser Generation den Impuls geben zu einem nachhaltigen Wandel „unserer Gesellschaft“. Abschließend machen die Autoren des SPIE- GEL-Artikels (Dettmer/Hornig u.a., 23.05.2020, 30) deutlich, dass diese Erfahrungen dazu führen können, dass die Diskussion um das bedingungslose Grundeinkommen von dieser Flanke her einen Aufwind bekommt. Obdachlosigkeit Die Situation der Obdachlosen wurde unter der Corona-Krise schwieriger, weil viele Notunterkünfte unter der Pandemie geschlossen hatten. Auch Aufenthalt-Treffs hatten geschlossen, weil die Abstandsregeln und Hygienevorschriften einen Betrieb nicht mehr möglich machten. Viele Obdachlose hungerten, weil sie auch nicht mehr so viel Spenden sammeln konnten, weil weniger Menschen auf der Straße waren (vgl. Nehls, 27.03.2020; s.a. Jeska, Pfingsten 2020, 7). Viele Obdachlose gingen zuvor in öffentliche Einrichtungen wie Bibliotheken, um sich z.B. über das Internet über behördliche Anweisungen zu informieren, Mobiltelefone zu laden oder sich einfach aufzuwärmen. Durch die Schlie- ßung nahezu aller öffentlicher Einrichtungen in der Anfangsphase der Corona-Krise waren diese Möglichkeiten weggefallen (vgl. Walther, 6.04.2020, 3). Und es kamen neue Obdachlose dazu, weil unter der Corona-Krise nicht mehr einfach so mal beim Kumpel auf dem Sofa übernachtet werden konnte. Aber auch der Arzt Gerhard Trabert wisse, dass viele obdachlose Frauen früher missbraucht wurden und nun in der Lebenslage Obdachlosigkeit „ihren Frieden“ finden (vgl. Lobenstein, 1.1.2. 1. Brennpunkte der Armut unter der Corona-Krise 6 07.05.2020, 4). Unter der unter der Corona-Krise regional zugenommenen häuslichen Gewalt (vgl. Wiedemann, 29.04.2020, 19; Ringelstein, 11.05.2020, 10) wird auch Missbrauch sein, so dass zu erwarten ist, dass auch deswegen bei dieser Gruppe die Obdachlosigkeit zunahm. Die Situation der Obdachlosen wurde darüber hinaus existenziell prekär: „Die Leute draußen trauen sich nicht mehr zu uns, um irgendetwas abzugeben“ (vgl. Nehls, 27.03.2020). Und unter den Obdachlosen nahm die Gewalt zu: Sie „schlagen sich und beklauen sich“ (dies.). Und wegen dem Coronavirus waren am Anfang an vielen Orten die Toiletten zu. Es gab weniger Möglichkeiten zum Duschen. Unter den Obdachlosen sind Hochrisikopersonen. Viele rauchen, haben Vorerkrankungen, die nicht behandelt sind, das Immunsystem ist teilweise geschwächt. Viele Obdachlose haben ein geringes Wissen über die Gefahren einer Infektion und zeigen auch eine gewisse Sorglosigkeit gegenüber einer Corona-Erkrankung (vgl. Walther, 06.04.2020, 3). Bei den Obdachlosen besteht ein besonderes Übertragungsrisiko durch Corona über gemeinsam genutzt Matratzen, durch gemeinsam genutztes „Geschirr“ und durch den Aufenthalt in den beengten Verhältnissen in Not- und Sammelunterkünften (vgl. Walther, 06.04.2020). Weil viele Obdachlose ein Alkoholproblem haben, in den Notunterkünften ein Alkoholverbot besteht, bestehen zusätzliche Probleme für diese Menschen ein adäquate Lösung zu finden. Ein „soziales Element“ des Obdachlosenlebens wurde nicht mehr möglich, weil den Obdachlosen von Sozialarbeitern*innen vermittelt wurde, dass man nicht mehr Zigaretten, Alkohol und Schlafplätze mit anderen Obdachlosen „teilen“ dürfte (vgl. Nehles, 27.03.2020, 8); und trotzdem suchen sie die Nähe zueinander (vgl. Jeska, Pfingsten 2020, 6). Christoph Butterwegge konstatierte Anfang Mai 2020, dass im Obdachlosenmilieu teilweise Verzweiflung um sich greift (vgl. ders., 07.05.2020, 5). Aber es gab auch eine überwältigende Hilfsbereitschaft, die den Obdachlosen in ihren Notlagen half – und so die Verzweiflung linderte (vgl. Meggers, Mai 2020; Brandhorst, Mai 2020; Jeska, Pfingsten 2020, 7). 1.1. Inland 7 Straßenkinder Nach einer Studie des Deutschen Jugendinstituts leben etwa 6500 Stra- ßenkinder in Deutschland. Unter der Corona-Krise wurden es mehr. Sie flohen vor Gewalt und Missbrauch aus lauter Verzweiflung auf die Straße. Ihnen ging es unter der Corona-Krise wie vielen Obdachlosen. Weil die Passanten von der Straße verschwunden waren, fehlt Geld durch das Betteln für Essen und Drogen. Und wenn sich die Drogenabhängigen unter den Straßenkindern keine Drogen mehr kaufen konnten, kamen die aggressiven Durchbrüche. Mit den geschlossenen Einkaufzentren fehlten warme Orte und Toiletten – das war für Mädchen ein großes Problem. Es kann sein, wenn sich nicht um die Straßenkinder gekümmert wird, dass zu den seelischen Verletzungen, wegen denen sie auf die Straße flohen, neue psychische Probleme und Ängste hinzukommen können. Ein Problem bei dem-sich-Kümmern um die Straßenkinder war, dass man wegen den Distanzvorschriften nicht mehr so viel „Nähe“ gelebt werden konnte. Den Straßenkindern musste gesagt werden, dass eine Umarmung nicht mehr möglich war. Der Verein „Straßenkinder e.V.“ ist trotzdem sehr engagiert, um den „neuen“ Straßenkindern unter der Corona-Krise beizustehen. Mit warmen Essen, Rechtsberatung, Duschmöglichkeiten, Schlafsäcken und auch mit einem Wunschlied, wenn man die Anlaufstelle betritt (vgl. Graen, 2.04.2020; Strassenkinder-ev.de/2020/04/09/…). Die ländliche Situation Armut hat im ländlichen Raum ein anderes Gesicht. So laufen Hartz- IV-Bezieher schon einmal 12 Kilometer zum Einkauf in die Stadt, um die Buskosten zu sparen – denn dadurch können sie sich wieder einmal satt essen. Oder ein Ehepaar, das von der Rinderzucht in Sachsen-Anhalt lebt. Sie verdienen dadurch so wenig, so dass sie kein Geld übrig haben zum Erhalt des Hauses. Auch ein Urlaub ist nicht drinn. Heizmaterial 1.1.3. 1.1.4. 1. Brennpunkte der Armut unter der Corona-Krise 8 wird mühsam im Wald beschafft. Dem Ehepaar bleiben nach Abzug der Fixkosten 400 Euro „zu Leben“ im Monat. Wenn bei Hartz-IV-Beziehern auf dem Lande selbst kein Fernseher da ist, weil das Geld für die Reparatur fehlt, aber auch kein Handy oder ein Computer vorhanden sind, dann sind diese Menschen von lebenswichtigen Informationen während der Corona-Krise abgeschnitten. Viele Menschen auf dem Land leben infolge ihrer Armut sehr isoliert – das wurde unter der Corona-Krise extremer (vgl. MDR.DE 08.04.2020). Europa Flüchtlingslager/Flüchtlinge nach Europa In den Flüchtlingslagern an den EU-Außengrenzen droht eine humanitäre Katastrophe. „Viele sind hoffnungslos überfüllt, so auch das Lager bei Moria auf Lesbos, das größte auf den griechischen Inseln. Über 20000 Menschen leben in dem für weniger als 3000 Geflüchtete ausgelegten Durchgangslager, viele von ihnen schon seit Monaten oder gar Jahren. Unversorgte Krankheiten, Gewalt und Demütigungen gehören zum Alltag. Angesichts der staatlichen Vernachlässigung ist es einzig der Initiative der Geflüchteten selbst zu verdanken, dass bislang kein Fall von Covid-19 in Moria festgestellt wurde. Eine Ausbreitung ließe sich kaum eindämmen, denn die hygienischen Zustände sind katastrophal: Abstand halten ist so gut wie unmöglich, allein vor der Essensausgabe müssen die Menschen täglich dicht gedrängt warten. Über hundert Flüchtlinge teilen sich eine Toilette, sauberes Wasser und Seife sind häufig nicht verfügbar. Überdies gibt es auf den Inseln nur wenige Kapazitäten, um eine mögliche Infizierung mit dem Virus zu testen, und kaum Intensivbetten“ (Lenz/Starosta, Mai 2020, 13). Andere Hinweise über die katastrophale Lage bietet Pro Asyl: „1300 Personen sind es, die sich laut Zahlen der Menschenrechtsorganisation (…) im Lager Moria auf Lesbos einen Wasserhahn teilen, 500 kommen auf eine Dusche. Kinder, die auf Brettern über die schlammi- 1.2. 1.2.1. 1.2. Europa 9 gen Wege eines riesigen Not-Camps balancieren. Umgeben von hohen Zäunen. Mit Fäkalien verseuchtes Wasser, das bis an Zelte und Matratzen läuft“ – die Bilder aus Lesbos, Kos, Samos, Chios und Leros ähneln sich sehr (vgl. Senkbeil, 24.05.2020, 4). Als Präsident Recep Tayyip Erdoğan Ende Februar einseitig die Grenze öffnete, reiste „rechter Mob“ aus verschiedenen europäischen Ländern an die griechische Grenze. Es kam zu Angriffen auf Geflüchtete, Aktivisten*innen und Journalisten*innen (vgl. Lenz/Starosta, Mai 2020, 14). Auch durch Grenzschutzmaßnahmen der Polizei kam es zu einer Gefährdung von Flüchtlingsbooten und es wurde Tränengas eingesetzt, selbst gegen Kinder (vgl. dies.). Mitte April 2020 bereitete man sich in Griechenland für die Abwehr weiterer aus der Türkei kommender Flüchtlinge vor – mit dem Argument, dass die Menschen infiziert seien. So instrumentalisierten beide Seiten die Menschen (vgl. Lenz/Starosta, Mai 2020, 16). Der Evakuierung der Minderjährigen aus Lagern verweigern sich die europäischen Nationen weitgehend. 47 Kinder sollen nach Deutschland geholt werden. „Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks, Stand 12. Mai, will Großbritannien 16 Minderjährige aufnehmen, Luxemburg 12, Portugal 500, die Schweiz 22 und Finnland 100. Österreich 0. Insgesamt sollen rund 1600 Jugendliche in der EU untergebracht werden – von 14000“ (Senkbeil, 24.05.2020, 4). Die Aufnahmebereitschaft in den Städten (in Deutschland) ist allerdings wesentlich größer – z.B. in Berlin, Rostock, Greifswald und Neubrandenburg. Doch bevor Kinder und Jugendliche kommen dürfen, müsste das jeweilige Bundesland ein Aufnahmeprogramm beschließen (vgl. dies.). Darüber hinaus könnten „noch“ viele Asylbewerber aus Deutschland zusätzlich wieder nach Griechenland und Italien abgeschoben werden. Deutschland versucht die Abschiebefristen zu verlängern, um durch die Corona-Krise verlorene Zeit wiederzugewinnen, dafür sucht es nach Einschätzung von Pro Asyl ein Schlupfloch in den gesetzlichen Regelungen (vgl. von Hardenberg, 16./17.05.2020, 8). Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass z.B. Malta Mitte April ankündigte, dass sie keinen Migranten mehr helfen könne, die von Afrika nach Europa übersetzen, weil Polizei und Militär ihre Ressourcen auf die Bekämpfung von SARS-CoV-2 konzentrieren würden (vgl. 1. Brennpunkte der Armut unter der Corona-Krise 10 Jakob, 14.04.2020, 10). Das war wohl ein vorgeschobener Grund, wie verschiedene Fälle verweigerter Seenotrettung, sogar mit Waffengewalt, zeigten (vgl. Jakob, 02.06.2020, 2). Allerdings darf man das rigide Verhalten Maltas nicht allein Malta zum Vorwurf machen – es ist Teil einer Handlungs-/Verantwortungskette. Malta ist auch von den EU- Ländern alleingelassen, weil es keinen verpflichtenden Verteilmechanismus für alle Menschen, die in der EU ankommen, gibt (vgl. Beisel/ Meiler, 06./07.06.2020, 9). International Afrika – die besondere Verletzlichkeit infolge absoluter Armut durch Corona Seit Mitte April 2020 wurden steigende Infektionszahlen in Afrika festgestellt. Diese Entwicklung trifft nicht nur auf schwache Gesundheitssysteme1, die wegen Misswirtschaft und Korruption so marode sind (vgl. Schlindwein, Mai 2020, 72), sondern auch auf extrem mangelund unterernährte Kinder, wie in Somalia (vgl. Dimbil, April 2020), die dadurch extrem anfällig für Viren sind. Darüber hinaus sind die Immunsysteme vieler Menschen in Afrika durch Krankheiten wie HIV, Cholera und Malaria geschwächt und daher die Risikogruppe im Vergleich zu Europa proportional viel größer anzunehmen (vgl. Böhm, 16.04.2020). Und dann noch dieser Sachverhalt: „Fast 40 Prozent der Afrikaner hätten zu Hause keine Möglichkeit, sich die Hände mit Wasser und Seife zu waschen“ (Unicef, 13.04.2020). Deswegen stehen Kinder zu Hunderten mit Kanistern täglich an einer Wasserquelle Schlan- 1.3. 1.3.1. 1 So ist die Zahl der Intensivbetten sehr gering: In Äthiopien kommen 150 Intensivbetten auf 105 Millionen Menschen; in Mali 6 Intensivbetten auf 18 Millionen Einwohner*innen; und in Ruanda stehen 8 für zwölf Millionen Menschen bereit (vgl. Monath, 23.04.2020, 4). In Somalia gibt es kein Beatmungsgerät, in der Zentralafrikanischen Republik drei Beatmungsgeräte, in Nigeria stehen für 200 Millionen Einwohner*innen 100 Beatmungsgeräte bereit (vgl. Ludwig/Reuss, 25./26.04.2020, 8). „In 41 afrikanischen Ländern gibt es zusammengenommen gerade einmal 2000 funktionierende Beatmungsgeräte, in den übrigen 13 Ländern fehlen diese gänzlich – oder die Stromversorgung ist zu unzuverlässig, um die Apparate am Laufen zu halten“ (Schlindwein, Mai 2020, 72). 1.3. International 11 ge. Hier ist Social Distancing praktisch unmöglich (vgl. Schlindwein, Mai 2020, 73). Auch die Lebensbedingungen – Leben zu zehnt in einem Haus mit einem Raum – erschwerte es Regeln zu sozialem Abstand einzuführen, um Infektionskreisläufe zu unterbrechen. Dadurch dass der Nachschub an Desinfektionsmitteln, Masken, Handschuhen etc. nur spärlich erfolgte und darüber hinaus auch unglaublich teuer geworden war, arbeiteten viele Klinikteams relativ ungeschützt. Hier dürfte man nicht leichtfertig Zuversicht bzgl. der Situation in Afrika verbreiten (vgl. Dorries, 2./3.05.2020), sondern auf andere Hotspots der Armut schauen – wie z.B. die Amazonas-Stadt Manaus2 – wo man eine Vorstellung davon bekommt, was sich in Afrika noch abspielen könnte. Ende Mai sind die gemeldeten Corona-Toten auf dem afrikanischen Kontinent relativ gering: 3000 von mehr als 330.000 Todesfällen weltweit. Experten geben unterschiedliche Gründe an: Zum Beispiel das warme Klima, die junge Bevölkerung oder es werden viele Covid-19-Opfer gar nicht erst als solche diagnostiziert. Ein Hinweis auf das letzte Argument bietet sich in Nigeria, wo bis zum 23. Mai lediglich rund 200 Coronatote gemeldet wurden, obwohl die Totengräber in der Stadt Kano beispiellos viel zu tun haben. Ein viertes Argument ist, dass die Pandemie erst viel später ihren Höhepunkt in Afrika erreichen wird. Das zeigt sich an Südafrika, das trotz einem harten Lockdown die Zahl der Neuansteckungen nicht eindämmen konnte. „Bis Ende des Jahres müsse am Kap der Guten Hoffnung mit bis zu 50000 Toten gerechnet werden, sagen Pessimisten“, obwohl bisher erst 360 Opfer gezählt wurden (vgl. Böhme/Dieterich/Seibert/Tandler, 23.05.2020, 2). Ein fünftes Argument ist, dass in einigen Ländern schon frühzeitig und entschlossen der Kampf gegen das Corona-Virus aufgenommen wurde, zum Beispiel in Sierra Leone – nicht nur wegen der zurückliegenden Erfahrungen mit Ebola, auch weil man sah, was in Europa geschah (vgl. Bah/Ivil/Prager, 23.05.2020, 3). Diese Situation ist nicht „natürlich“ und hängt auch etwas mit einer seit vielen Jahren versagenden WHO zusammen, die deswegen versagt, weil sie von Big Pharma und Big Food durch die Hintertür 2 Vgl. https://www.arte.tv/de/afp/neuigkeiten/buergermeister-von-amazonas-stadtbittet-greta-thunberg-wegen-corona-um-hilfe abgerufen am 3.05.2020) 1. Brennpunkte der Armut unter der Corona-Krise 12 (z.B. über die Gates-Stiftung) gekapert wird bzw. zumindest in Interessenkonflikte gestürzt wird, denn der Umfang des Geldes, der von der Gates-Stiftung zur WHO fließt, ist abhängig von Profiten von Nahrungsmittelkonzernen, Alkoholkonzernen und Pharmakonzernen. Dadurch wird die Arbeit der WHO in eine Richtung gelenkt, die eher wegführt von einer Stärkung der Gesundheitssysteme in den armen Ländern und auch eher wegführt vom Kampf gegen die sozialen Ursachen von Krankheit. Die WHO nimmt durch die durch Bill Gates neu ausgerichtete Perspektive auf Gesundheit und Krankheit nicht mehr so sehr stark die Tatsache in den Blick, dass sich Krankheit und Gesundheit sehr stark an der Veränderung der sozialen Verhältnisse, den hygienischen Bedingungen, der Beseitigung von Armut entscheidet. Die WHO wusste zwar einmal in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts, dass der wesentliche Killer nicht irgendein Virus ist, nicht irgendeine Krankheit, sondern dass die meisten Todesfälle aufgrund sozialer Ungleichheit existieren. Aber unter dem Einfluss von Big Pharma und Big Food wird von der WHO nicht dagegen angegangen und hier wenig Initiative ergriffen und Gesundheitspolitik vorwiegend über technische Maßnahmen betrieben: Impfkampagnen, Verteilung von Medikamenten und Verteilung von Malarianetzen. Gegen durch chronische Armut geschwächte Immunsysteme wird weniger vorgegangen (vgl. hierzu den Beitrag von Thomas Kruchem, 17.07.2018). Die Corona-Krise wird sich besonders negativ auf Mädchen auswirken. Weil sie stärker in den Haushalt eingespannt werden bzw. aufgrund wirtschaftlicher Probleme Familien sich nicht mehr den Schulbesuch leisten können, werden durch die Corona-Krise Bildungsbiographien zerstört. „Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass mehr Mädchen in Folge der Krise verheiratet werden, zum Beispiel, um ihr Überleben zu sichern oder die Familie zu entlasten“, so Katharina Ebel (SOS- Kinderdörfer, 10.04.2020). Auch das erzwungene Zusammenleben auf engem Raum, wie z.B. in Südafrika (vgl. Macheroux-Denault, 10.04.2020) oder Kenia (vgl. Böhm, 16.04.2020, 7), wird dazu führen können, dass Sorge und Stress sich in häuslicher Gewalt entladen. Die Ebola-Krise zeigte eine erhöhte Müttersterblichkeit an. Damit könnte man annehmen, dass wenn die Ressourcen der Kliniken in den Kampf gegen Covid-19 gesteckt werden, werdende Mütter und Neugeborene schlechter versorgt sind. 1.3. International 13 In Sierra Leone zeigte sich, aufgrund der Erfahrungen mit Ebola, dass das Land an einer posttraumatischen Belastungsstörung leidet, so dass alte (psychische) Wunden mit Covid-19 wieder aufbrechen. Der neue Virus verbreitet eine „neue“ Angst in der Bevölkerung, so dass alte Plakate, die gegen eine Stigmatisierung unter Ebola warben, nun eine neue Aktualität erhielten, weil vor einem neuen stigmatisierenden Verhalten gewarnt werden müsste. Krankenwagen, die Covid-19 Patienten*innen abholen werden mit Ebola in Verbindung gebracht – wer damals abgeholt wurde, kam häufig nicht zurück (vgl. Bah/Ivil/Prager, 23.05.2020, 3). Die Armut wurde schmerzhafter, weil nun Tagelöhner Hunger leiden mussten. Es kam zu wachsenden sozialen Unruhen – z.B. in den Townships Südafrikas (vgl. Macheroux-Denault, 10.04.2020; DER SPIE- GEL 25.04.2020, 77). Weil wichtige Handelspartner der afrikanischen Staaten durch die Corona-Krise ausfielen ist die ökonomische Situation „katastrophal“ – so sind zum Beispiel infolge des Rückgangs beim Verkauf kenianischer Blumen 150.000 Arbeiter*innen mit Arbeitslosigkeit bedroht (vgl. Kekeritz, 21.04.2020)3. Durch den Ausfall von Touristen fallen entscheidende Versorgungsstrukturen aus. Ganze Dörfer sind in ihrer Existenz bedroht. Manchmal hängen an einem Arbeitsplatz in der Touristenbranche 20 Personen, die versorgt werden (vgl. Schumacher, 18./19.04.2020, 5; s.a. Schlindwein, 30.05/31.05/01.06.2020, 36)4. Corona kann sich vermengen mit weiteren Krisenphänomenen afrikanischer Staaten – Dürre, Heuschreckenplage, Kriege (vgl. Böhm, 16.04.2020, 7; Eveleens, 22.04.2020, 11). In Kriegsgebieten des Kontinents, das zeigten die Erfahrungen mit dem Ebola-Virus, etwa in Mali, 3 Der Autor Kekeritz deutete in seinen Ausführungen nicht an, dass man auch kritisch auf Afrika als Blumenproduzenten schauen kann und sich fragen müsste, ob es eine zukunftsfähige Form der wirtschaftlichen Kooperation zwischen Deutschland und den afrikanischen Ländern ist (vgl. hier den kritischen Blick bei: Hagen, 2016, 63f.). 4 Der Autor Schumacher macht ebenfalls keine kritischen Bemerkungen zum Tourismus in den Entwicklungsländern. Was alles problematisch am Tourismus sein kann zeigen Ausführungen von Kathrin Hartmann auf (vgl. dies., 2015, 72–81). Auch Stephan Lessenich (vgl. ders., 2018, 131ff.) blickt kritisch auf den Tourismus – ökologische Probleme, deformierte Ökonomien, Ressourcenverbrauch, romantischer Entwicklungstourismus. Er ordnet aber auch den Tourismus globalisierungskritisch in ein global gespaltenes Mobilitätsregime ein (vgl. das Thema Visumspolitik auf den Seiten 138ff.). 1. Brennpunkte der Armut unter der Corona-Krise 14 der Zentralafrikanischen Republik, dem Südsudan und der DR Kongo wird ein Seuchenschutz besonders schwer sein (vgl. Schlindwein, Mai 2020, 74). Mitte April warnten Hilfsorganisationen, „dass ein wirtschaftlicher Zusammenbruch mit grassierender Armut, Krankheiten und Hunger in Folge mehr Opfer fordern könnte als das Coronavirus selbst“ (Schumacher, 18./19.04.2020, 6; s.a. Schwarte, 28.04.2020). Es wird befürchtet, dass infolge von Hunger weltweit 300.000 Menschen täglich sterben könnten – und das über Monate hinweg (vgl. Böhm/Frehse/Grefe, 20.05.2020, 6). Und es könnte auch die Beschäftigung mit anderen Epidemien/ Krankheiten in den Hintergrund treten – zum Beispiel bei Malaria. Das könnte hierbei zu einem Rückfall in die Zustände des vergangenen Jahrhunderts führen – mit Hundertausenden mehr Toten (vgl. Dieterich, 11.05.2020, 5; s.a. van Dijk, 28.05.2020, 11). „Die Impfallianz Gavi geht davon aus, dass durch die Suspendierung von Impfkampagnen bereits 13,5 Millionen Menschen wichtige Impfungen nicht erhalten haben. Das wiederum könnte zu einem Wiederaufleben von Infektionskrankheiten wie Masern oder Polio sorgen“ (Cascais, 26.05.2020, 2). „Die NGO Stop TB Partnership warnt, dass es durch COVID-19bedingte Störungen der Gesundheitsversorgung in Subsahara-Afrika zwischen 2020 und 2025 6,3 Millionen zusätzliche Tuberkulosefälle und zusätzliche 1,4 Millionen Tote geben könnte“ (ders.). Tuberkulose tritt in Afrika besonders häufig in Verbindung mit Aids auf. Auch hier könnte die eingeschränkte Versorgung mit Medikamenten in diesem und nächsten Jahr zu mehr als 500.000 zusätzlich an Aids Gestorbenen führen. Letztlich könnten Kinder ein zweites Mal ihre Bezugsperson verlieren. Viele Kinder (in Afrika) haben durch die Aids-Epidemie ihre Eltern verloren. Jetzt bedroht das Coronavirus die Großeltern, die sich häufig seither um die Kinder kümmern (vgl. Breyhan, Mai 2020?). Aber es ist auch auf die Feststellung eines senegalesischen Ökonoms in der „Süddeutschen Zeitung“ hinzuweisen, dass viele afrikanische Staaten beim Coronavirus glimpflich davonkommen könnten. Und in Afrika ist Empowerment zu finden: „Eine Fabrik in Kenia wurde jüngst umgerüstet und soll dort nun 30.000 Gesichtsmasken am Tag für ärmere Menschen produzieren“ (Hilgers, 16.04.2020, 2). Die „taz“ 1.3. International 15 wies darauf hin, dass viele afrikanische Staaten sehr schnell und sehr streng auf das Coronavirus reagierten – teilweise entschlossener verglichen mit dem Verhalten europäischer Regierungen (vgl. ders., 1). Besonders hervorzuheben ist hier zum Beispiel Ruanda (vgl. Schlindwein, Mai 2020, 73f.)5. Da die USA die Beitragszahlungen – in Höhe von 400 Millionen Dollar (vgl. Grefe/Kohlenberg, 29.04.2020, 21) – zur WHO einstellte (am 15.04.2020), die USA war der größte Geldgeber der Weltgesundheitsorganisation, ist nun die Unterstützung Afrikas durch die WHO im Kampf gegen Covid-19 maßgeblich eingeschränkt – auch bei zukünftigen Impfkampagnen (vgl. Macheroux-Denault, 10.04.2020). Die „Notlösung“ des Schuldenmoratoriums für die ärmsten Länder stellt in diesem Zusammenhang eine extreme Minimallösung dar. „Besser wäre eine Streichung eines Teils der offenen Schulden. Nach Berechnungen der europäischen NGO ‚Eurodad‘ könnten dadurch für 2020 und 2021 in 69 Niedrigeinkommensländern immerhin rund 50 Milliarden US-Dollar zur Bekämpfung der Pandemie und ihrer Folgen frei werden. Geld, das nicht erst auf Geberkonferenzen langwierig beschafft werden muss“ (Kekeritz, 21.04.2020). Die Bundesregierung von der Bundesrepublik Deutschland verweigert sich seit vielen Jahren einem geordneten Entschuldungsverfahren. Mitte April 2020 war in Afrika wegen der geringen Testkapazität das Wissen über die Verbreitung von Corona extrem unpräzise. Das hing damit zusammen, dass die Beschaffung von Test-Kits und Reagenzien seit Anfang April 2020 auf dem Weltmarkt immer teurer und schwieriger wurde. Anbieter, zum Beispiel aus den USA, sind in der aktuellen Situation nicht bereit, selbst den ärmsten Entwicklungsländern, die Test-Kits verbilligt zur Verfügung zu stellen. 5 Der Nachteil der radikalen Maßnahmen gegen Covid-19 in Ruanda: „Das kleine Land verfügt für seine elf Millionen Einwohner nur über eine begrenzte Fläche fruchtbaren Ackerlandes und damit bei geschlossenen Grenzen nur über eine geringe Sicherheit in der Nahrungsmittelversorgung. Die Lebensmittelpreise schießen nun in die Höhe. Die Armutsbevölkerung in der Hauptstadt, die vom täglichen Einkommen lebt, ist hungrig; die Regierung muss deshalb Lebensmittel verteilen. Um Geld aufzutreiben, zahlt sie Staatsangestellten derzeit kein Gehalt“ (Schlindwein, Mai 2020, 73). Und staatliche, kostenlose Schulen, die sonst ein warmes Mittagessen bereitstellen, sind geschlossen. 1. Brennpunkte der Armut unter der Corona-Krise 16 Die „Frontarbeiter“ in der Corona-Krise waren in der Überzahl Frauen (vgl. z.B. Böhm, 23.04.2020, 9; s.a. Oxfam, 09.04.2020, Box 3). Für diese Frontarbeiter*innen standen zum Beispiel in Afrika viel zu wenig Masken, Handschuhe und Anzüge zur Verfügung. Deswegen traten, wie z.B. in Simbabwe, Ärzte und Krankenschwestern in den Streik. In einigen Ländern – wie z.B. Kenia, Nigeria oder Togo – ist Krankenhauspersonal in größerem Umfang infiziert/erkrankt (vgl. Schwikowski, 08.05.2020). Das machte auch etwas deutlich. Es kam zu überzogener Polizeigewalt bei der Durchsetzung der Quarantänemaßnahmen. Der Independent berichtet gar davon, dass die kenianische Polizei im Zuge der Durchsetzung der Ausgangssperre mindestens zwölf Menschen getötet hat. Diese Art der staatlichen Gewalt steht in der Tradition der Kolonialzeit, die die postkolonialen Staaten für ihre Zwecke übernommen haben, schreibt David Schwake (21.04.2020, 2). Bei der Bekämpfung von Covid-19 in Afrika haben humanitäre Organisationen eine erhebliche Bedeutung, weil sie gerade in dem Teil des Gesundheitssystems in den Entwicklungsländern mitwirken, das den Blick weg von den Eliten hin zu den Armen lenkt. Dazu gehört auch die NGO Ärzte ohne Grenzen. Diese Organisationen erfahren seit April 2020 Spendenrückgänge (vgl. epd 11.04.2020). So wurden auch Handlungsspielräume in Afrika beschnitten. Aufgrund von schlechten Erfahrungen bei Geldern, die 2014 und 2015 nach Liberia zur Ebola-Bekämpfung flossen, aber dort nie ankamen, versuchen sich nun Aktivisten in Afrika zu vernetzen und zu überprüfen, ob Gelder tatsächlich in die Corona/Covid-19-Bekämpfung fließen. Die Ergebnisse sollten dann fortlaufend in die sozialen Netzwerke eingespeist und über Radiostationen bekannt gemacht werden (vgl. Gänsler, 19.04.2020; 20.04.2020, 11). Die Otto Group unterstützte afrikanische Baumwollbauern mit Hilfspaketen, weil es bei den Menschen in der Corona-Krise schlicht ums Überleben geht, so Alexander Birken, Chef der Otto Group (29.04.2020, 22). Der Pharmakonzern Roche, verkauft, weil Medikamente jedem zur Verfügung stehen sollen, Medikamente z.B. in Uganda billiger, als zum Beispiel in Deutschland (vgl. Schwan im Interview, 07.05.2020, 21). 1.3. International 17 Ein Statement zum Abschluss: „Prognosen mahnen, dass 35 bis 65 Millionen Menschen in tödliche Armutskonstellationen gestoßen werden; am schlimmsten wird es viele Länder in Afrika und Südasien treffen. Daran sind weder Viren Schuld, noch von Armut diskriminierte Menschen. Ursache sind allein menschengemachte Ordnungen sozialer Ungleichheit. Arbeitskräfte und Ressourcen aus den Kolonien beförderten die industrielle Revolution, ohne an deren Errungenschaften beteiligt zu werden. Das wirkt sich bis heute auf kapitalistische Kartierungen der Welt aus. (Absatz herausgenommen R.M.). Armut ist eine menschengemachte Pandemie, wobei der weiße Westen sich als Virus in die Körper jener frisst, deren Immunsystem sie zerstörten. Deswegen sind sie Covid-19 noch ohnmächtiger ausgesetzt als der Westen – und der tut wieder einmal so, als sei das eine natürliche Ordnung und ginge ihn nichts an. Afrika sei ‚das‘ doch als Krisenkontinent gewöhnt und habe kein Anrecht auf Schutz“ (Susan Arndt, 21.04.2020, 13). Indien Mit der Ausgangssperre wegen der Corona-Krise gerieten die Tagelöhner und Wanderarbeiter Indiens/New Delhi’s in den Blick der Öffentlichkeit, etwas, was Indien im Verborgenen gelassen hätte. In langen Märschen zogen sie mit ihren Kindern und Alten in die 700 bis 800 Kilometer entfernten Dörfer. Sie wurden dabei behandelt wie Abwasser, so Arundhati Roy (14.04.2020, 11). Während die Bevölkerung, aufgrund einer Ermunterung von Premierminister Narendra Modi, als Akt der Wertschätzung gegenüber Angestellten im Gesundheitssystem auf Töpfe und Pfannen schlugen, haben Vermieter Ärzte und Krankenschwestern aus ihren Wohnungen geworfen – aus Angst vor dem Virus (vgl. Roy, 14.04.2020, 11). In Mumbai hatte schon bald der Virus den Weg in die Armenviertel gefunden. Dabei war in dem Slum Dharavi nicht die größte Sorge die Krankheit, sondern ob man genug Essen auf dem Teller hat, denn mit dem Lockdown haben viele ihr tägliches Einkommen verloren. Die informelle Wirtschaft in dem Slum Dharavi, die einen Jahresumsatz von knapp einer Milliarde Euro erwirtschaftete, kam durch den Lockdown zum Erliegen. In Indien umfasst der informelle Sektor rund 400 1.3.2. 1. Brennpunkte der Armut unter der Corona-Krise 18 Millionen Menschen ohne Arbeitsvertrag. Der informelle Sektor ist das Rückgrat der indischen Wirtschaft. Dazu gehören Erntehelfer, Straßenverkäufer, Rikschafahrer, Näher, Müllsammler, Haushaltshelfer*innen und Reinigungskräfte (vgl. Schäfer, 16.04.2020, 2). Mumbai verzeichnet in Indien die höchsten Corona-Infektionsraten. „Die dicht besiedelten Gebiete mit wenigen sanitären Einrichtungen sind ein gefundener Nährboden für ansteckende Krankheiten. Dabei ist es nicht ungewöhnlich, dass sich acht Menschen eine kleine Wohnung teilen. Diese Bedingungen erhöhen die Chance einer Übertragung. Ein Viertel der Menschen, die in Dharavi in den vergangen zwei Wochen auf Covid-19 getestet wurden, waren angesteckt“ (Mayroth, 27.03.2020, 4). Aber Testkapazitäten reichten bei weiten nicht aus, so dass eine Dunkelziffer besteht. Der Handlungsspielraum gegen die Verbreitung von Covid-19 ist gering: Es ist nahezu unmöglich, in dem Slum Dharavi, Menschen zu bitten, räumliche Distanz zu halten. Und es ist eine Sisyphusarbeit die Gemeinschaftstoiletten täglich zu desinfizieren. Wegen dem Zusammenbruch der Ökonomie und der drohenden Hungersnot schnürte die indische Regierung für die nächsten drei Monate (ab Mitte April/Mai 2020) ein Hilfspaket mit Reis, Getreide und Direktüberweisungen. Umgerechnet 21 Milliarden Euro sind hier vorgesehen. Das erreicht aber vor allem die Menschen, die bereits vorher Sozialleistungen erhielten. Alle Slumbewohner werden damit aber nicht erreicht (vgl. Mayroth, 27.04.2020, 5). Und es ist angesichts von 800 Millionen Menschen, die es erreichen soll, „kaum mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein“ (Ehmke, Mai 2020, 79). Auch die Aufstockung dieser Unterstützung durch die Stadtverwaltung von Mumbai erreicht längst nicht alle Betroffene. Für viele Bewohner des Slums Dharavi ist die Lebensmittelzuteilung überlebenswichtig. Durch den Lockdown brach auch die Bildung für die Kinder weg, weil an Unterricht zu Hause nicht zu denken war – dazu fehlt den Frauen die Bildung (vgl. Schäfer, 16.04.2020, 4). Der Lockdown war dramatisch; es sterben nicht nur Menschen an Covid-19, sondern auch an den Folgen der Ausgangssperre, am Exodus (vgl. Schäfer, 16.04.2020, 5), an Erschöpfung, an tödlich verletzenden Polizeischlägen, durch Verhungern (vgl. Böhm u.a. 20.05.2020, 7) 1.3. International 19 so viele, dass Schätzungen davon ausgehen, dass hier mehr Tote als Covid-19-Tote zu verzeichnen sind (vgl. Ehmke, Mai 2020, 77). Die Rückkehrer*innen sind in ihren Dörfern nicht immer willkommen. „Dort herrscht mittlerweile die Angst vor, dass sie das Virus einschleppen könnten. Erwerbsmöglichkeiten fehlen aufgrund der Ausgangssperre auch dort. Die Landwirtschaft liegt in weiten Teilen brach. Die Ernte verrottet auf den Feldern, weil es an Arbeiter*innen fehlt und lokale Lieferketten unterbrochen sind“ (Ehmke, Mai 2020, 78). Das hätte nicht nur fatale Folgen für Indien, sondern auch für Nachbarländer wie Nepal und Bangladesch, die von indischen Weizenimporten abhängen (vgl. Böhm u.a., 20.05.2020, 6). Das besonders schlecht gerüstete Gesundheitssystem Indiens ist für die Ärmsten der Armen nicht erreichbar. Diese können sich nahezu keinen Arztbesuch leisten. Täglich sterben Tausende an einfach zu kurierenden Krankheiten. „Jeder zehnte Erwachsene stirbt in Indien an den Folgen von Tuberkulose, jeder zwanzigste an einer Durchfallerkrankung, jeder vierzigste an Malaria“ (Ehmke, Mai 2020, 78f.). Weil gerade einmal ein Fünftel aller Haushalte in Indien Zugang zu fließendem Wasser haben und für alle anderen es ein großer Aufwand ist, an Trinkwasser zu kommen, ist Händewaschen für viele an normalen Tagen purer Luxus. Dadurch wird es schwer präventiv gegen die Erkrankung durch Covid-19 etwas zu unternehmen (vgl. https://www.sos-kin derdoefer.de/informieren/aktuelles/news/coronakrise-in-indien abgerufen am 14.05.2020). Die indische Staatsmacht lässt die Polizei ungehindert rigoros mit dem Rohrstock gegen jene vorgehen, welche die Ausgangssperre nicht befolgen – sei es auch nur aus der Not heraus, um Lebensmittel einzukaufen (vgl. Ehmke, Mai 2020, 79). Brasilien Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus steigt in Brasilien immer schneller an, so sehr, dass man vermutet, dass Brasilien Mitte Mai 2020 das neue Epizentrum der Pandemie war (vgl. Walter, 13.05.2020). Offiziell waren bis zum 18.05.2020 (?) in Brasilien bisher 16.370 Menschen an Covid-19 gestorben, knapp 245.595 Infek- 1.3.3. 1. Brennpunkte der Armut unter der Corona-Krise 20 tionen bestätigt (Zahlen nach John-Hopkins-Universität in: Betancur/ Finger, 20.05.2020, 56). Aber aufgrund wissenschaftlicher Modelle ist zu vermuten, dass 2,1 Millionen Menschen infiziert waren (vgl. Walter, 13.05.2020, 1). Auch bei den Gestorbenen wird die Zahl zu niedrig angesetzt sein, weil z.B. nicht durchgängig bei den Toten getestet wird oder zu Hause Gestorbene nicht immer erfasst werden. An der Amazonas-Metropole Manaus wird die Katastrophe besonders deutlich (vgl. Marusczyk, 23.04.2020). Dadurch dass an vielen Orten seit Mitte Mai das Gesundheitssystem zusammenbricht (vgl. Funke, 11.05.2020, 3) – Claudia Zilla weist darauf hin, dass in Lateinamerika und auch in Brasilien sehr wenig in den Gesundheitssektor investiert wurde (vgl. dies., 30.04.2020, 3) – verliert Brasilien im Monat Mai pro Tag 700 bis 800 Leben – und das sind nur die offiziellen Daten (vgl. Funke, 11.05.2020, 3; Stör/Ziegele/Eiseler, 13.05.2020, 1f.). Ein Sonderbeitrag in der ZEIT weist darauf hin, dass den Amazoniern ein Genozid droht. Weil die indigenen Dörfer des Landes im Durchschnitt 315 Kilometer von einem Krankenhaus entfernt liegen, wird es sehr schwer bei einer Infektion zu helfen. „In der Amazonas- Metropole Manaus, die am stärksten von Infektionen betroffen ist, stehen für 1,7 Millionen Einwohner 50 Intensivbetten zur Verfügung“. Erwin Kräutler, emeritierter Bischof von Xingu fragt nach Ärzten und Krankenpflegern für den versprochenen Bau von Notlazaretten. Der Prozentsatz der Toten ist sehr hoch im Bistum. Und die Hoffnung, dass das Virus sich im Tropenklima nicht ausbreiten kann, ist trügerisch – es gibt Tote, die sind 30, 40 oder auch 15 Jahre alt. Der Virus hat, so die Bischöfe des brasilianischen Amazonas-Gebietes, die bestehende sozioökologische Krise verschärft und zu einer humanitären Katastrophe ausweiten lassen. Zu dem Tod durch den Virus kommen Mordversuche und Morde im Zusammenhang von Landkonflikten dazu. Die Armut der indigenen Völker ist so katastrophal, dass sie einem das Herz bricht, so Leonardo Ulrich Steiner, Erzbischof von Manaus. Und so meinen einige, dass die Indigenen die ersten sein müssten, die den Impfstoff bekommen müssten, wenn man den Genozid verhindern will (vgl. Betancur/Finger, 20.05.2020, 56). Die Situation der Indigenen wird von politisch Verantwortlichen, wie Bildungsminister Abraham Weintraub, nicht gewürdigt. Vielmehr äußert er sich herablassend über die Indigenen und denkt noch in den Denkkategorien der 1.3. International 21 Ideologie der Militärdiktatur, wo nur ein Volk, eine Kultur, eine Nation gesehen wurde und er hasst den Ausdruck indigene Völker. Diese Denkkategorien führten aber unter den „Integrations“-Anstrengungen der Militärdiktatur (1964–1985) zu einem Ethnozid. Auch heute sind die indigenen Völker bedroht (vgl. Paulo Suess im Interview mit der KNA, 27.05.2020). Daten des statistischen Bundesamtes in Brasilien machen deutlich, die ärmsten Teile der Bevölkerung, nämlich Menschen in prekären Arbeitsverhältnissen (etwa 11,4 Millionen) und Arbeitslose (12 Millionen) sind überproportional von Covid-19 und seinen Folgen betroffen (vgl. Barros/Melo, Mai 2020, 42). Das ist deswegen der Fall, weil wegen der räumlichen Enge in den Vierteln kaum Abstände eingehalten werden können. „Nicht einmal am frühen Morgen, nicht in Krankenhäusern und auch nicht auf Pflegestationen ist Sicherheit möglich“ (dies.). „Die soziale Ungleichheit in Brasilien ist nicht von race und ethnicity zu trennen. Die schwarze Bevölkerungsmehrheit (56 Prozent laut statistischer Bundesbehörde) ist aktuell am gefährdesten. Sie ist zugleich jene Gruppe, deren Grundrechte am stärksten beschnitten werden. Neuere Erhebungen bestätigen, dass 44,5 Prozent der Schwarzen in Brasilien in Vierteln ohne grundlegende sanitäre Ausstattung leben (also ohne systematische Wasserversorgung, Müllabfuhr, Abwasserentsorgung). In den zwei größten Städten Basilien, São Paulo und Rio de Janeiro, leben 18,7 Prozent beziehungsweise 30,5 Prozent der schwarzen Bevölkerung in Behausungen weit unter jedem Standard (…). Diese Ungleichheiten bilden sich auch in der Pandemie ab. 23 Prozent mehr Schwarze als Weiße befinden sich auf den Krankenstationen und sie haben eine um 33 Prozent höhere Sterblichkeitsrate durch Covid-19. In diesen Zahlen spiegeln sich nicht zufällige Verteilungsprozesse, sondern wirtschaftliche und gesellschaftliche Ungleichheiten auf globalem Niveau. Fast 67 Prozent der Brasilianer und Brasilianerinnen, die auf die (rudimentär) staatliche Gesundheitsversorgung angewiesen sind, sind schwarz. Sie stellen gleichzeitig die Mehrheit der Patienten mit Diabetes, Tuberkulose, Bluthochdruck, Herz- und Nierenerkrankungen dar, die im Zusammenhang mit Covid-19 zur Hochrisikogruppe gehören. Diese Komorbiditäten hängen eng mit den sozialen Umständen zusammen, vom Fehlen sanitärer Grundausstattung bis hin zu prekären 1. Brennpunkte der Armut unter der Corona-Krise 22 Lebens- und Arbeitsverhältnissen, die diese (Vor-)Erkrankungen befördern“ (Barros/Melo, Mai 2020, 43). Die soziale Dimension der Pandemie ist in Brasilien räumlich zu fassen. Es zeigt sich, dass der urbane Raum in formelle und informelle Bereiche geteilt ist, „in Zonen der Reichen und der Armen, die in einem Hochspannungsfeld miteinander ringen, bis die Schwächeren verlieren“ (Barros/Melo, Mai 2020, 43). Aber die unmittelbare Bedrohung durch Covid-19 ist die eine Sache, daneben ist der Hunger in den Favelas anzumerken (vgl. Franzen, 08.04.2020, 4). Die Bewohner bemerken selbst, durch das Wegbrechen der Beschäftigung im informellen Sektor und damit von Einkommen, dass sie zunächst weniger nach Schutzmasken und Desinfektionsmitteln fragen, sondern nach Essen beziehungsweise nach einer täglichen Nahrungsversorgung (vgl. Franzen/Stedile, 16.04.2020; s.a. Zilla, 30.04.2020, 3). Am 30. März hatte der Kongress eine Nothilfe für den informellen Sektor beschlossen, doch wochenlang wurde das Geld nicht ausgezahlt. Es ging um 600 BRL monatlich (ungefähr 104 Euro, wobei der Mindestlohn bei 1045 BRL/182 Euro liegt) (vgl. Freitas, 17.04.2020, 2). Damit blieben viele Hausangestellte aus dem informellen Sektor auf Essensspenden weiterhin angewiesen. Das ist alles nur zu verstehen, weil der Regierungschef Bolsonaro mit seiner Politik das massenhafte Sterben der ärmeren Bevölkerung und der Indigenen in Kauf nimmt – denn sein politisches Projekt basiert auf einem Todestrieb (vgl. Freitas, 17.04.2020, 2f.). Bolsonaro steht an er Spitze des brasilianischen „White Trash“, die ihr Minderwertigkeitsgefühl gegenüber der etablierten weißen Mittelklasse kompensiert durch Hass und Gewalt „gegenüber den in der gesellschaftlichen Rangordnung noch weiter unten stehenden Armen und Schwarzen sowie durch Unterdrückung jeglicher Form von Kultur“. „In dieser Logik erscheint die Aussicht auf eine gesundheitliche Katastrophe in den Armenvierteln – (…) bestimmten Gruppen als Verheißung. Die Warnung, das Coronavirus werde zahlreiche Alte und Arme in den Favelas töten, ist Musik in den Ohren von Bolsonaros radikalen Anhängern. Der Tod vieler Älterer, so die Hoffnung, könnte das Defizit im Rentensystem reduzieren. Zugleich nutzen Milizen das Chaos in den Favelas für ihr mafiöses Geschäftsmodell. Jeder Tod eines jungen Schwarzen, 1.3. International 23 der nun nicht mehr zum ‚Verbrecher‘ heranwachsen kann, wird zugleich als ‚ethische Säuberung‘ gefeiert“ (Souza, Mai 2020, 81). USA In den USA wurde eine besondere Verwundbarkeit und Mortalität unter Armen deutlich; Ausdruck eines Gesundheitssystems, das sehr stark zwischen Betuchten und „Anderen“ differenziert. Die Washington Post veröffentlichte am 7. April 2020 auf der Grundlage einer eigenen Recherche erste Zahlen, die das verdeutlichten: „Im Bezirk Milwaukee, Heimat der größten Stadt des nördlichen Bundesstaats Wisconsin, waren zu diesem Zeitpunkt sieben von zehn Corona-Toten Afroamerikaner, obwohl sie nur jeden vierten Einwohner stellen. Im Bundesstaat Louisiana waren ebenfalls 70 Prozent der Corona-Toten Schwarze, dort machen sie aber nur 32 Prozent der Bevölkerung aus. In Chicago liegt die Todesrate der Schwarzen den Zahlen der Washington Post zufolge sechs Mal so hoch wie die der Weißen. (Absatz herausgenommen R.M.) Auch die Sterblichkeit von Latinos ist im Vergleich zur weißen Bevölkerung fast überall höher. Gründe dafür gibt es viele. Afroamerikaner wie Latinos haben oft Vorerkrankungen, die lebensbedrohlich sein können, wenn man sich mit dem Coronavirus ansteckt. Gerade schwarze Menschen leiden besonders häufig an Diabetes, Bluthochdruck und Asthma“ (Klingst, 20.04.2020, 2f.). Für Keeanga-Yamahtta Taylor ist aber nicht die „besonders schlechte Gesundheit“ für die überdurchschnittliche Sterberate von Afroamerikanern*innen durch Covid-19 verantwortlich – Anfang Juni 2020 waren 23 Prozent der Todesopfer der Pandemie Schwarze, obwohl ihr Anteil an der Bevölkerung nur 13 Prozent beträgt (vgl. Hahn, 02.06.2020, 5) -, sondern vielmehr der Sachverhalt, dass Afroamerikanern*innen infolge des Rassismus eine Behandlung verweigert wurde, „weil Ärzt*innen oder Pfleger*innen ihren Beschwerden über ihre Symptome nicht glaubten“ (06./07.06.2020, 11), weil sie unempfindlich infolge des Rassismus gegenüber dem Leiden von Afroamerikanern*innen sind. Dazu kann die Armut gekommen sein. Aber entscheidend ist wohl ein herrschender Rassismus, der durch D. Trump befeuert wurde. So weist Dave Eggers darauf hin: „Was er (Trump R.M.) mit eingebracht hat, ist die Verunglimpfung von Minderheiten, Immi- 1.3.4. 1. Brennpunkte der Armut unter der Corona-Krise 24 granten und Schwachen. Mit diesem populistischen Twist hat er einen in vielen Menschen schlafenden Hass wachgerufen, den jahrzehntelang niemand angesprochen hatte“ (23./24.05.2020, 52). Andere sagen: „Rassismus ist so amerikanisch, dass die Leute denken, dass du gegen Amerika bist, wenn du gegen Rassismus protestierst“ (vgl. Zitat in: Hahn, 02.06.2020, 5). „Neben der Armut und der daraus folgenden schlechteren ärztlichen Versorgung eint Afroamerikanerinnen und Latinos außerdem ein tiefes Misstrauen gegenüber dem Staat, schreibt die New York Times in einem Leitartikel (…). Weil sie sich von Behörden oft im Stich gelassen fühlten, schenkten sie den Informationen und Verhaltensgeboten auch in der aktuellen Situation wenig Glauben. (Absatz herausgenommen R.M.). Hinzu komme, dass Angehörige der Minderheiten besonders oft in systemrelevanten Berufen arbeiteten. Dazu zähle nicht nur die Gesundheitsversorgung, wo sie meist mit Gesichtsmasken und Handschuhen versorgt würden, sondern auch Tätigkeiten als Boten und Reinigungskräfte, als Kassierer in Supermärkten, als Busfahrerinnen und U-Bahn-Angestellte. Dort erhielten sie keine Schutzkleidung“ (Klingst, 20.04.2020, 3). Das ist die eine Seite der Armut in der Corona-Krise in den USA. Daneben ist noch auf die große Zahl der Arbeitslosen und auf Millionen zusätzlich hungernde Menschen in den USA zu verweisen, die nun zu schon sehr vielen hungernden Menschen dazugekommen sind: „Mehr als 33 Millionen Menschen in den Vereinigten Staaten haben seit Beginn der Krise einen Neuantrag auf Arbeitslosenhilfe gestellt. Die Arbeitslosenquote ist auf mittlerweile 14,7 Prozent hochgeschnellt. Jeder siebte erwerbsfähige Amerikaner hat derzeit keinen Job. Es könnten noch viel mehr sein, heißt es – die Systeme arbeiten langsam, da die Daten aus den Einzelstaaten zusammengetragen werden müssen. Viele Betroffene haben nicht vorgesorgt: Schon vor der aus der Epidemie folgenden Wirtschaftskrise wären vier von zehn Erwachsenen laut der US-Notenbank aufgrund fehlender Rücklagen von unerwarteten Ausgaben in Höhe von 400 Dollar überfordert gewesen. (Absatz herausgenommen R.M.). Dazu kommt, dass es immer noch Probleme bei der Auszahlung der staatlichen Unterstützung (gibt korrigiert R.M.). So warten viele immer noch auf ihr Arbeitslosengeld, obwohl es ihnen zusteht. Auch beim Versand der vom Kongress be- 1.3. International 25 schlossenen Schecks in Höhe von 1200 Dollar hakt es. Auf einmal sehen sich viele Amerikaner erstmals mit der Frage konfrontiert, wo sie das Geld hernehmen sollen, um ihre Familien und sich selbst zu ernähren – (…) (Absatz herausgenommen R.M.) In einer (…) veröffentlichten Studie der Washingtoner Brookings Institution gaben 17,4 Prozent der Mütter mit Kindern im Alter von bis zu zwölf Jahren an, ihnen fehle derzeit das Geld, um ihren Nachwuchs ausreichend zu ernähren. Studienleiterin Lauren Bauer beschrieb in der ‚New York Times‘, dass jetzt in vielen Familien kleine Portionen auf den Tisch kämen und viele Kinder Mahlzeiten ausfallen lassen müssen. Mit den Schulschließungen fallen zudem für viele Kinder Frühstück und Mittagessen weg, Essen, das sie zuvor gratis oder subventioniert erhalten haben“ (Schäuble, 11.05.2020, 1). Dadurch rücken auch die Food Banks ins Zentrum der amerikanischen Gesellschaft. 37 Millionen Amerikaner hatten schon vor der Krise nicht genug Geld, um ausreichend Lebensmittel kaufen zu können. Seit Beginn der Corona-Krise hat das Netzwerk mehr als 42 Millionen Kilogramm Essen ausgegeben – fast 80 Millionen Mahlzeiten. Das Agrarministerium legte im April ein 19 Milliarden-schweres- Hilfsprogramm auf, von dem drei Milliarden darauf verwendet werden, um Lebensmittel zu bezahlen, die über Food Banks und andere Hilfsorganisationen verteilt werden. Der übliche Nachweis über eine Bedürftigkeit wird dabei nicht verlangt, was es Betreffenden leichter macht, Hilfe anzunehmen. Aber Anfang Mai wurde auch schon das Problem gesehen, ob man für einen längeren Zeitraum in den Food Banks genügend Lebensmittel hat (vgl. Schäuble, 11.05.2020, 3; Buchter, 14.05.2020, 17f.). Und die Probleme für die Obdachlosen verschlimmerten sich. Sie bekamen kein Essen von Passanten, haben kein Wasser, um sich zu waschen und keine Toiletten, weil alles geschlossen hat (vgl. Mücke, 06.05.2020, 2). (Junge) Frauen, die nicht mehr die Miete zahlen können, verkaufen verstärkt auf der Plattform Onlyfans eigene Nacktbilder. Die Nutzerzahlen schnellten ebenfalls in die Höhe. Es ist, wie Felix Stephan bemerkt, eine Geschichte der Ungleichheit: „Während die einen ihr Geld nur online ausgeben können, haben andere nichts mehr zu verkaufen als ihre Körper“ (SZ 23./24.05.2020, 1). 1. Brennpunkte der Armut unter der Corona-Krise 26 Seit die Corona-Pandemie die Vereinigten Staaten erreicht hat, schnellte die Zahl der Waffenverkäufe in die Höhe. Millionen mehr Waffen wurden gekauft. Das ist das Resultat, weil die Menschen nervös sind, Unruhen befürchten, aber auch Einbrecher wegen steigendem Hunger. Auch sehen sie versagende Staatsorgane – die Polizei ist auf den Straßen weniger präsent. Ladenbesitzer wollen Plünderungen vorbeugen, die wegen aufkommender Verzweiflung als wahrscheinlicher betrachtet werden. Man fragt besorgt, ob mehr Waffen in Familienhaushalten das Risiko für Todesfälle aufgrund von häuslicher Gewalt oder Unfällen mit Kindern ansteigen lassen kann. Es gibt erste Hinweise, dass es zum Waffeneinsatz aufgrund eines gestiegenen Misstrauens unter der Corona-Pandemie kam (vgl. Wimalasena, 06.04.2020; Burgard, 27.04.2020; Ohne Rüstung leben, 08.05.2020). 1.3. International 27

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References

Abstract

The current coronavirus crisis is unprecedented in multiple respects, and another lockdown especially could have devastating economic, political and psychological effects on society. As a result, poverty could increase dramatically and become deeply entrenched in social structures, with the result that fundamental alternatives to our neoliberal economic and societal model would need to be found. A genuine and comprehensive commitment to solidarity with the victims of poverty seems to be necessary because the coronavirus continues to polarise and divide the world and its societies. In this book, the author devises a comprehensive approach to combating poverty and discovers the Green New Deal as an escape from the downward spiral of global poverty.

Zusammenfassung

Die gegenwärtige Corona-Krise ist in mehrfacher Hinsicht beispiellos. Vor allem ein erneuter Lockdown dürfte gesellschaftlich verheerende Wirkungen haben – ökonomisch, politisch und psychosozial. Die Armut könnte derart dramatisch ansteigen und sich strukturell tiefgreifend in die Gesellschaften eingraben, dass grundsätzliche Alternativen zum neoliberalen Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell gefunden werden müssen. Ein echtes und umfassendes Solidaritätsengagement mit den Armen erscheint notwendig, weil „Corona“ die Welt und die Gesellschaften eher weiter polarisiert und spaltet. In diesem Buch wird das Panorama eines umfassenden Kampfes gegen die Armut entworfen und der Green New Deal als Ausweg aus den Armutsspiralen der Welt entdeckt.