2 Zwischen Skepsis und Hoffnung – ein konservativ-christlicher Anarchist und das vergeudete 20. Jahrhundert in:

Peter Paschek

Peter F. Drucker, page 53 - 83

Erinnerungen an einen konservativ-christlichen Anarchisten

1. Edition 2020, ISBN print: 978-3-8288-4518-3, ISBN online: 978-3-8288-7559-3, https://doi.org/10.5771/9783828875593-53

Tectum, Baden-Baden
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Zwischen Skepsis und Hoffnung – ein konservativ-christlicher Anarchist und das vergeudete 20. Jahrhundert Am 14. März 2003 schickte ich Peter Drucker folgendes Fax: „Let me just ask you the following: You remark on page 23: ‚The United States as a world power – perhaps as the world power – will certainly have to use her power politically, that is as power. But if the American century means nothing except the material predominance of the United States, it will be a wasted century.‘33 Remembering when we both walked through Claremont’s Botanic Garden – I think in ’95 or ’96, you said that you are up to write a book titled ‚incorrect reflections on a wasted century‘. You never did so! May I conclude that the 20th Century wasn’t wasted. I’m very keen on your reply.“ Innerhalb weniger Minuten erhielt ich seine Antwort: „Dear Peter, No, the only conclusion is that I wasted much of my time – not writing the TRULY important books I should have written. My non-written books greatly outnumber my written ones – and some such as THE WASTED CENTURY and ORGANIZING IGNORANCE might have been a great deal more important than the – easier ones – I wrote instead.“ 2 33 Peter F. Drucker: The Future of the Industrial Man (1942), 1995 Edition, New Jersey, S. 190 53 Warum war das 20. Jahrhundert für Peter Drucker ein vergeudetes Jahrhundert? Zur Beantwortung dieser Frage ist es erforderlich, auf Druckers Konzept von der erträglichen Gesellschaft als der dem Menschen angemessenen Lebensform einzugehen. Zu dieser Gesellschaft wird der Anspruch des anderen auf ein erträgliches Leben von den Bürgern gegenseitig ernst genommen. Die materielle Kultur als Voraussetzung für diese Lebensform ist die freie Marktwirtschaft: „Was jedoch absolut notwendig ist – sonst wird die Freie Marktwirtschaft noch nicht einmal als wirtschaftliche Institution funktionieren –, ist das, was die Politikwissenschaftler des 19. Jahrhunderts als Rechtsstaat bezeichneten und was wir heute Menschenrechte nennen: eine soziale und politische Ordnung, die die Persönlichkeit und das Eigentum des Staatsbürgers effektiv vor willkürlichen Übergriffen von oben schützt. Die Menschenrechte garantieren dem Staatsbürger die Freiheit, einer Religion einer Wahl anzugehören, einen Beruf seiner Wahl auszuüben, autonome soziale Institutionen zu gründen und ohne Diktat irgendeiner Obrigkeit frei zu lesen, zu reden, zu schreiben und zu denken.“34 Der bescheidene Begriff „erträglich“ verdeutlicht Peter Druckers Verständnis vom Können des Menschen und von den Grenzen dieses Könnens. Der Kant’sche Satz, dass vom „krummen Holze“, woraus der Menschen gemacht ist, nichts Gerades gezimmert werden kann, könnte auch von Drucker kommen. Besser noch charakterisiert folgendes Zitat von Helmuth Plessner Druckers Menschenbild: „Nur der Mensch hat, weil er weder Engel noch Tier ist, die Möglichkeit, ein Wolf im Schafs- 34 Peter F. Drucker: Können die Demokratien den Frieden gewinnen? In: ders.: Umbruch im Management. Was kommt nach dem Reengineering? Düsseldorf 1996, S. 267. Originaltitel: Can Democracies Win the Peace? In: Management in a Time of Great Change. New York 1995, S. 2 2 Zwischen Skepsis und Hoffnung 54 pelz oder ein Schaf im Wolfspelz zu sein, – nicht zu vergessen die häufigste Form: Schaf im Schafspelz.“35 Perfektion ist für den Menschen nicht möglich, weder in seiner Eigenschaft als Person noch in seiner Eigenschaft als Mitmensch. Weder der Einzelne kann in seiner Lebensführung vollkommen werden noch ist eine perfekte Gesellschaft möglich. Aber das Streben danach ist ein Anliegen des Menschen, seitdem er existiert. Auch hierzu äußert sich Plessner im Sinne von Drucker: „Um so dringender braucht unsere Gesellschaft, will sie frei bleiben, einen Schutz gegen sich selbst, damit ihr die schöpferischen Kräfte nicht verschüttet werden, deren Quellen im einzelnen Menschen liegen: in seinem Gewissen, seinem Widerspruchsgeist, seinem kritischen Vermögen, seiner unstillbaren Sehnsucht nach einer besseren Welt.“36 Für Drucker liegt es in der Verantwortung des freien Bürgers, nach dieser erträglichen lebenswerten Gesellschaft zu streben. Zum Streben nach dieser lebenswerten Gesellschaft gehört, so Drucker, ein Fundament, ohne das keine Gesellschaft als freie Gesellschaft existieren kann. „Man in his social and political existence must have a functioning society just as he must have air to breathe in his biological existence. A society may be based on concepts and beliefs developed to organize a specific physical reality. Or it may rest on foundations as alien to its surroundings as were those of Robinson Crusoe’s society to San Juan Fernandez. But it must always be capable of organizing the actual reality in a social order. It 35 Helmuth Plessner: Das Problem der Öffentlichkeit und die Idee der Entfremdung (1960). In: ders.: Schriften zur Soziologie und Sozialphilosophie. Gesammelte Schriften X. Frankfurt am Main 2003, S. 224 36 Helmuth Plessner: Wissenschaft und moderne Gesellschaft (1961). In: ders.: Schriften zur Soziologie und Sozialphilosophie, Gesammelte Schriften X, Frankfurt/Main 2003, S. 149 2 Zwischen Skepsis und Hoffnung 55 must master the material world, make it meaningful and comprehensible for the individual; and it must establish legitimate social and political power. No society can function as a society unless it gives the individual member social status and function, and unless the decisive social power is legitimate power. The former establishes the basic frame of social life: the purpose and meaning of society. The latter shapes the space within the frame: it makes society concrete and creates its institutions. If the individual is not given social status and function, there can be no society but only a mass of social atoms flying through space without aim of purpose. And unless power is legitimate there can be no social fabric; there is only a social vacuum held together by mere slavery of inertia.“37 Im weiteren Verlauf des Textes, stellt Drucker die Frage, was zuerst zu entwickeln sei, die grundlegenden politischen Konzepte oder die grundlegenden politischen Institutionen. Eine Frage so alt wie das politische Denken selbst und eine Frage, die den theoretischen Disput zwischen Aristoteles und Plato auslöste. Doch trotz der Weihe durch die Antike und durch große Namen war diese Frage für Drucker ohne Bedeutung. „There can be no question of primacy – neither in time nor in importance – between basic political concepts and basic political institutions. Indeed, it is the very essence of political thought and action that they have always one pole in the conceptual realm of beliefs, aims, desires, and values and one in the pragmatic realm of facts, institutions, and organizations. The one without the other is not politics. The exclusively conceptual may be sound philosophy or sound ethics; the exclusively pragmatic, sound anthropology or sound 37 Peter F. Drucker: A Functioning Society. Selection of Sixty-Five Years of writing on Community, Society and Polity. 2003, New Jersey. S. XV-XVII 2 Zwischen Skepsis und Hoffnung 56 journalism. Alone, neither of them can make sound politics or, indeed, politics at all.“38 So weit meine Ausführungen zu den Grundpfeilern der politischen Theorie von Peter Drucker. Doch die vielen Rückschläge im Verlauf des 20. Jahrhunderts bei dem Versuch, dieses Konzept mit der Wirklichkeit zu vereinen, ließen ihn zwar mit Hegel sagen: „Umso schlimmer für die Wirklichkeit“, hielten ihn aber nicht davon ab, ein Leben lang danach zu streben. Jedoch die vielen „Narben“ machten ihn mit den Jahren zu einem – wie er es nannte – konservativ-christlichen Anarchisten. Als Mitsiebziger sagte er in einem Interview zum Abschluss: „Henry Adams called himself a conservative christian Anarchist. I am getting close.“ Im Abschlussgespräch zu unserem Buch gab er mir 2004 die Antwort darauf, was es für ihn bedeutet, ein konservativchristlicher Anarchist zu sein: „Ein konservativ-christlicher Anarchist, ja das bin ich mehr oder weniger! Je älter ich werde, umso skeptischer werde ich gegenüber all den Versprechen, die die Menschheit durch eine Gesellschaft erlösen wollen. Ich denke, dass eine der wesentlichen Erfahrungen, die wir in den letzten 50 Jahren gemacht haben, darin liegt, dass wir zunehmend desillusioniert wurden von ‚Volksverglückung‘ und zunehmend zur Überzeugung gelangten, dass es keine perfekte Gesellschaft gibt, sondern nur eine erträgliche. Man kann verbessern, aber nicht perfektionieren – und dies ist ein konservatives Konzept, aber ebenso auch ein christliches, da es den Schwerpunkt auf das Individuum und seinen Glauben legt und das Ende nicht in dieser Welt, sondern außerhalb dieser Welt sieht. Darum bin ich konservativ-christlich und Anarchist in dem Sinne, dass ich zunehmend misstrauisch werde gegenüber Regierungen – nein, das ist das falsche Wort – gegenüber Macht. Als Philosoph – der ich nicht vorgebe zu 38 Ebd., S. XVII 2 Zwischen Skepsis und Hoffnung 57 sein – habe ich immer Macht als das zentrale Problem und die Lust an der Macht als die Grundsünde des Menschen angesehen – nicht Sex. Sex ist keine Sünde, das haben wir mit allen Tieren gemein. In diesem Sinne bin ich Anarchist, aber ungleich den Anarchisten akzeptiere ich das Erfordernis von Regieren und Regierung. Der von mir am meisten geschätzte politische Philosoph ist Wilhelm von Humboldt, der Gründer der Universität Berlin im Jahr 1809. Er hat als junger Mann von 23 Jahren ein wunderbares Buch über den Mythos der Französischen Revolution geschrieben. Darin enthalten ist ein Essay mit dem Titel ‚Die Grenzen der Wirksamkeit des Staates‘. Dieses Thema bildet den Mittelpunkt meines Interesses. Diese Fragestellung veranlasste mich, mich mit den Wirtschaftsunternehmen zu beschäftigen und den anderen autonomen Institutionen unserer Gesellschaft, die soziale Aufgaben übernommen haben und somit die Macht des Staates einschränken. Deshalb nenne ich mich auch heute einen konservativ-christlichen Anarchisten, allerdings in dem eben beschriebenen sehr speziellen Sinn.“39 Druckers Antwort enthält erste Hinweise darauf, warum er das 20. Jahrhundert als ein vergeudetes bewertete. Dies gilt insbesondere für die Rolle des Staates und der Staatsführung. Ich werde im Verlauf dieses Kapitels im Zusammenhang mit Druckers Begründung des vergeudeten 20. Jahrhunderts hierauf zurückkommen. Doch zunächst möchte ich einiges zu seinem Verständnis von einem konservativ-christlichen Anarchisten klarstellen, natürlich aus meiner Sicht, also wie ich ihn in seiner Persönlichkeit über mehr als zwei Jahrzehnte Freundschaft wahrgenommen habe. Peter Drucker bezeichnete sich als einen konservativchristlichen Anarchisten und nicht als einen christlich konservativen Anarchisten. Er hat nie, wie es z. T. in den USA, dem 39 Peter F. Drucker, Peter Paschek (Hrsg.): Kardinaltugenden effektiver Führung, München 2004, S. 225f. 2 Zwischen Skepsis und Hoffnung 58 Land der religiösen Aufgeregtheiten, zum Ausdruck kommt, das Christliche überbetont und sein Werk allein auf die Grundlage der christlichen Lehre gestellt. Eine Aussage aus dem Jahr 1989 von ihm möge das unterstreichen: „Very bluntly, people are dreadfully bored with theology […] and I sympathize with them. I’ve always felt that quite clearly the good Lord loves diversity. He created 25.000 species of flies. If he had been like some theologians I know, there would have been only one right specie of fly.“40 Hier kommt Druckers Offenheit für andere Möglichkeiten des Menschseins deutlich zum Ausdruck, die zwar beliebig ist, die aber auf den Absolutheitsanspruch der eigenen Weltsicht verzichtet. Natürlich waren er und damit sein Werk durch den christlichen Glauben und durch christliche Werte geprägt. Der Glaube aber war für ihn vor allem Hoffnung. Das brachte er kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs, als ein Großteil der Menschheit noch immer in Verzweiflung verharrte, in einem Beitrag über Kierkegaard zum Ausdruck: „Glaube ist die Überzeugung, dass in Gott das Unmögliche möglich sei, dass durch Ihn Zeit und Ewigkeit Eins sind, dass sowohl das Leben wie auch der Tod eine Bedeutung hat. Glauben ist das Wissen, dass der Mensch Kreatur ist – nicht autonom, nicht Herr, nicht Schlusspunkt, nicht das Zentrum – und doch verantwortlich und frei.“41 Frei, das bedeutet für Drucker auch die Möglichkeit des Menschen, sich gegen die Menschlichkeit zu entscheiden. Denn Druckers Weltansicht ist eine geschichtliche. Menschlichkeit 40 Nach Peter Steinfels: A Man’s Spiritual Journey From Kierkegaard to General Motors. New York Times, November 2005. 41 Peter F. Drucker: The Unfashionable Kierkegaard (1949). In: ders.: The Ecological Vision: Reflections on the American Condition. New Brunswick 1993 (Deutsche Übersetzung von Richard Brem) 2 Zwischen Skepsis und Hoffnung 59 und Menschenrechte sind für ihn eben keine überzeitlichen Instanzen, sondern kulturelle Errungenschaften, denen der Mensch als „Neinsagenkönner“ (Max Scheler) gegenübersteht. Zur Wiederveröffentlichung seines Kierkegaard-Beitrags42 schreibt er 1993: „The Lutheran Protestantism of my childhood was so ‚liberal‘ that it consisted of little more than a tree at Christmas and Bach cantatas at Easter. And the Pastor—attendance at whose religion class, two hours a week, was still mandatory in the Austrian Gymnasium of my childhood – hardly aimed much higher. Thus, I was totally unprepared, when, barely nineteen – a bored trainee at an export house in Hamburg, employed mainly in copying invoices for shipments of padlocks to India or to East Africa – I encountered Kierkegaard’s masterpiece ‚Fear and Trembling‘. I even then probably knew that my own work would be totally in society – though by then I also did suspect that it was not going to be in business and that I was, indeed, most unlikely to become a ‚commercial success.‘ And even though I later did teach religion for a few years (though only in the side) my work has indeed been totally in society. But I knew at once, in those far-back days of 1928, that my life would not and could not be totally in society, that it would have to have an existential dimension which transcends society. ‚The Unfashionable Kierkegaard‘ was thus written as an affirmation of the existential, the spiritual, the individual dimension of the Creature. It was written to assert that society is not enough – not even for society. It was written to affirm hope.“ Wenige Jahre vor dem Erscheinen des Kierkegaard-Beitrags verfasste Peter Drucker 1942 sein Buch „The Future of the Industrial Man“. Neben Verzweiflung bestimmte zusätzlich Hoff- 42 Peter F. Drucker: ebd., S. 426 2 Zwischen Skepsis und Hoffnung 60 nungslosigkeit die Stimmung in großen Teilen der Welt. Im Vorwort zu der Neuausgabe dieses Buches 1995 schrieb er: „In those days everyone worried – and with good reason – how to survive the war, and how not to be defeated by the forces of darkness. I worried too, of course; many a night during the month this book was written, I could not go to sleep. Yet, this book almost alone in those days – dared ask: ‚What do we hope for the postwar world? What must we do to deserve one?‘ ‚Because I have never been an optimist, I have to keep on trying‘, a close friend said when he started a ‚new career‘ at age seventy-eight. It might have been the motto of this book.“43 Allerdings war eine Aussage Peter Druckers in dem oben besprochenen Kontext für mich zunächst schwer nachvollziehbar. Es handelt sich um eine Passage seines 1957 erschienenen Buches „Landmarks of tomorrow“, in dem er sich mit den heraufkommenden Wissensgesellschaften auseinandersetzt: „What we need is a return to spiritual values, a return to religion … society needs a return to spiritual values – not to offset the material but to make it fully productive … Mankind needs the return to spiritual values, for it needs compassion … The individual needs the return to spiritual values …“44 Doch dann wurde er deutlich und erläuterte, worum es ihm ging: „Yet things are not so simple as the battle cry ‚Return to Religion‘ might seem to imply!“ Für Peter Drucker stellte sich die zentrale Frage, unter welchen Voraussetzungen eine erträgliche Wissensgesellschaft zu gestalten ist, in der Wissen zur entscheidenden Ressource und 43 Peter F. Drucker: The Future of the Industrial Man. Erstveröffentlichung 1942, 1995 Edition, New Jersey, S. 12 44 Peter F. Drucker: The Landmarks of Tomorrow. Erstveröffentlichung 1957, New Jersey 1999, S. 264f. 2 Zwischen Skepsis und Hoffnung 61 damit zur Macht wird. Eine Gesellschaft, in der Wissen nicht bedroht wird, sondern Wissen zur Bedrohung des Menschen werden kann. „We cannot say any longer: ‚Knowledge is truth‘ or ‚All power corrupts.‘ We must accept new propositions: Knowledge is power, and power is responsibility. Knowledge and power have been problems of man since the Garden of Eden. Now they are in the center of his existence. “45 Daraus folgte für Peter: „The individual needs the return to spiritual values, for he can survive in the present human situation only by reaffirming that man is not just biological and psychological being but also spiritual being, that is creature, and existing for the purpose of his Creator and subject to Him. Only thus can the individual know that the threat of instant physical annihilation of the species does not invalidate his own existence, its meaning and its responsibility. Only thus, above all, can he survive as a person under totalitarianism. Man, if he owns a spiritual nature in addition to his physical, psychological and social being, can never be entirely controlled by the ‚knowledge‘ of totalitarianism. The mere existence of spiritual man proves the knowledge of the totalitarians to be false and vain.“46 Obschon Peter Drucker diesen „battlecry for religion“ niemals wiederholte, habe ich ihn Anfang der 1990 Jahre darauf angesprochen und gefragt, ob er damit nicht zu sehr das Religiöse in den Vordergrund gerückt habe und das vernachlässigt habe, um das es eigentlich ging und geht: die Erneuerung des politischen Humanismus frei von kulturimperialen Ansprüchen und im Zeichen der Geschichtlichkeit des Menschen. 45 Ebd., S. 266f. 46 Peter F. Drucker: ebd., S. 265 2 Zwischen Skepsis und Hoffnung 62 Seine genaue Antwort ist mir entfallen, ich weiß nur, dass sie mich überzeugte, sowohl inhaltlich als auch in der für Drucker typischen Selbstironie. Sie erinnerte mich an eine Anekdote über Max Scheler, der auf die Frage, er habe doch viele seiner Freunde zum Katholizismus bekehrt, in etwa antwortete: „Das mag ja sein, aber ich habe meine Verrücktheiten nie selbst mitgemacht.“ Peter Drucker war, auch in den dunkelsten Phasen des 20. Jahrhunderts, weit davon entfernt, das Religiöse überzubewerten. Auch in den eben genannten Passagen aus „Landmarks of Tomorrow“ ging es ihm vor allem darum, „to make a point“. Endlichkeit, Kontingenz und die Unergründlichkeit des menschlichen Lebens als verbindlich hinnehmen und gestärkt durch den Glauben, dass der Mensch nicht Schlusspunkt ist und doch verantwortlich und frei seine Lebensführung gestalten kann, ist das christliche Moment im konservativ-christlichen Anarchisten Peter Drucker. Ansonsten war sein „Protestantismus“ bis ins hohe Alter so „liberal“ wie in seiner Jugend. Dabei war ihm immer bewusst, dass es neben eines, in dem Fall seines liberalen, christlichen Glaubens viele Wege gibt, das Leben eines lebensbejahenden, streitbaren politischen Humanisten – der er letztlich war – zu führen. Auch das erwähnte Buch Druckers „The Future of the Industrial Man“, das 1942 erstmals veröffentlicht wurde, „affirms hope“, weist aber auch auf zukünftige Gefahren hin. Diese Mischung aus Hoffnung und Skepsis entsprang seinem klaren, unverstellten Blick auf die Realität und auf die Natur des Menschen. Es war ein humorvolles, beinahe liebevolles Verständnis für die „Unzulänglichkeiten des alten Adam“. Dieses Verständnis aber endete abrupt, wenn Machtmissbrauch und Verantwortungslosigkeit ins Spiel kamen. Wissend um die Konstanten des menschlichen Handelns setzte Drucker 1942 zwar große Hoffnung auf die Vereinigten Staaten in der Wahrnehmung ihrer außenpolitischen Vorbild- 2 Zwischen Skepsis und Hoffnung 63 funktion für eine freie Gesellschaft. Er warnte aber gleichzeitig vor den Gefahren eines vergeudeten 20. Jahrhunderts, falls die USA in dieser Rolle versagen sollten. „If the free industrial society is to be developed in a free, nonrevolutionary, nontotalitarian way, there is only one country that can do it today: the United States. In our time the driving forces, the basic beliefs and institutions will have to be in the United States and will have to radiate from here […]. For the United States has become the strategic, political and economic center of international gravity. She has the most highly developed, most advanced and most powerful industrial mass-production system. The United States as a world power – perhaps as the world power – will certainly have to use her power politically; that is, as power. But if the American century means nothing except the material predominance of the United States, it will be a wasted century. Some people today seem to think that it is the destiny of the United States to out-Nazi the Nazis in world conquest and to substitute the Yankee as the master race for Hitler’s Nordics; some even call that ‚fighting for democracy.‘ But this way would not lead to America’s strength and greatness but only to her downfall. It would also not lead to a solution of the basic social crisis of which this war is but an effect. The task of the statesman is not to forget physical reality but to organize it for the fulfillment of his beliefs and concepts; and one indispensable requirement of such organization is that it works. The ‚idealist in politics‘ will always make a fool of himself and of the people who trust him. And the ‚politician‘ who sees nothing, but organization never knows what he is striving for. The statesman who alone can be truly successful in politics can solve pragmatic problems of power and organization as well as the trickiest politician without ever giving up or compromising his basic principles. He never loses sight of the fact that ideal aims can be fulfilled only through institutional organization. On the other hand, 2 Zwischen Skepsis und Hoffnung 64 he knows that principles, while not determining how to do things, decide what one does and why.“47 Eine eher versteckte, aber ebenso deutliche Warnung wie die von Peter Drucker kam zehn Jahre nach Druckers „The Future of the Industrial Man“ von Reinhold Niebuhr. Drucker stand dem Denken des Theologen, Philosophen und Historikers Niebuhr sehr nahe. In seinem Buch „The Irony of American History“ leitete dieser 1952 das letzte Kapitel unter der Überschrift „The American Future“ mit folgenden Worten ein: „NATIONS, as Individuals, may be assailed by contradictory temptations. They may be tempted to flee the responsibilities of their power or refuse to develop their potentialities. But they may also refuse to recognize the limits of their possibilities and seek greater power than is given to mortals. Naturally there are no fixed limits for the potentialities of men or nation. There is therefore no nice line to be drawn between a normal expression of human creativity and either the sloth which refuses to assume the responsibilities human freedom or the pride which overestimates man’s individual or collective power. But it is possible to discern extreme forms of each evil very clearly; and also to recognize various shades of evil between the extremes and the norm.“48 Peter Drucker war enttäuscht von der „Ironie“ der amerikanischen Außenpolitik, eine Außenpolitik der guten Absichten, die immer wieder scheiterte bei dem Versuch, diese guten Absichten mit der Wirklichkeit zu versöhnen. Diese Enttäuschung bedrückte Peter Drucker aus verständlichen Gründen bis in das neue Jahrtausend. Im März 2003 beendete Peter Drucker – im Bewusstsein, dass in weni- 47 Peter F. Drucker: The Future of the Industrial Man (1942), New Jersey 1993, S. 190f. 48 Reinhold Niebuhr: The Irony of the American History. London 1952, S. 112 2 Zwischen Skepsis und Hoffnung 65 gen Tagen der 2. Irakkrieg beginnen würde – ein Fax an mich wie folgt: „We are now in a very depressing mood. I don’t have to explain it, do I!?“ Aber auch durch die wenig erfreuliche Politik der guten Absichten konnte Peter Druckers Humor nicht erschüttert werden. Er bemerkte hierzu lapidar: „If you are in bed with an elephant, it doesn’t matter, if the elephant means well!“ Das Scheitern der US-Außenpolitik war der wesentliche Grund für Peter Druckers Einschätzung eines vergeudeten 20. Jahrhunderts, doch nicht der einzige. Die Schrecklichkeiten der verschiedenen blutigen Revolutionen und die sich daran anschließenden Verbrechen totalitärer Regime gehörten dazu, denn, so Drucker: „To be sure, this century of ours may well have been the cruelest and most violent in history, with its world and civil wars, its mass tortures, ethnic cleansings, genocides, and holocausts. But all these killings, all these horrors inflicted on the human race by this century’s ‚charismatics,‘ hindsight clearly shows, were just that: senseless killings, senseless horrors, ‚sound and fury, signifying nothing.‘ Hitler, Stalin and Mao, the three evil geniuses of this century, destroyed. They created nothing.“49 Aber nicht nur der Totalitarismus, sondern die permanent zunehmende Macht der Staatsführung in den westlichen Demokratien gehörte für Peter Drucker zu den Enttäuschungen des 20. Jahrhunderts. All diese Entwicklungen machten ihn zu dem konservativ-christlichen Anarchisten in dem Sinne, wie er es in unserem Gespräch 2004 erläuterte. Den christlichen Aspekt davon habe ich bereits an anderer Stelle behandelt. Was bedeutet der konservative Anarchist Peter Drucker? 49 Peter F. Drucker: The age of social transformation. (1994). Atlantic Monthly, 274, 53–80. 2 Zwischen Skepsis und Hoffnung 66 Anarchist wurde er durch zunehmendes Misstrauen gegenüber Macht. Machtmissbrauch und die Lust an der Macht waren für ihn die Grundsünden des Menschen. Aber ungleich den Anarchisten hielt Drucker die Institution des Regierens und der Regierung oder Staatsführung für eine der Grundvoraussetzungen einer funktionierenden Gesellschaft. Zur Verhinderung einer entgrenzten Staatsführung ist es für ihn jedoch erforderlich, permanent die Grenzen der Wirksamkeit der Regierung in Frage zu stellen, zu prüfen und gegebenenfalls zu verändern. In diesem Kontext bezog sich Peter Drucker auf den von ihm so hochgeschätzten politischen Philosophen Wilhelm von Humboldt und auf dessen Schrift „Ideen zu einem Versuch die Wirksamkeit des Staates zu bestimmen“50. Hier noch einmal seine zentrale Aussage zu von Humboldt: „Der von mir am meisten geschätzte politische Philosoph ist Wilhelm von Humboldt, der Gründer der Universität Berlin im Jahr 1809. Er hat als junger Mann von 23 Jahren ein wunderbares Buch über den Mythos der Französischen Revolution geschrieben. Darin enthalten ist ein Essay mit dem Titel ‚Die Grenzen der Wirksamkeit des Staates‘. Dieses Thema bildet den Mittelpunkt meines Interesses. Diese Fragestellung veranlasste mich, mich mit den Wirtschaftsunternehmen zu beschäftigen und den anderen autonomen Institutionen unserer Gesellschaft, die soziale Aufgaben übernommen haben und somit die Macht des Staates einschränken.“51 Genau in diesem skeptischen Sinn gegenüber Machtgier und entgrenzter Staatsführung versteht sich Drucker als Anarchist. 50 Wilhelm von Humboldt: Ideen zu einem Versuch die Gränzen der Wirksamkeit des Staates zu bestimmen (1791) In: ders., Schriften zur Anthropologie und Geschichte, Darmstadt, 2002, S. 56–234 51 Peter F. Drucker, Peter Paschek (Hrsg.): Kardinaltugenden effektiver Führung, ebd., S. 224 2 Zwischen Skepsis und Hoffnung 67 Die Realitäten, die ihn zu dieser Überzeugung führten, hat er in vielen seiner Schriften eingehend analysiert und bewertet. Besonders nachdrücklich tat er dieses mit dem Kapitel „The Sickness of Government“ in seinem Buch „The Age of Discontinuity“. Diese Schrift hatte nicht nur maßgeblichen Einfluss auf die Wirtschaftspolitik von Margaret Thatcher im Vereinigten Königreich, sondern das eben erwähnte Kapitel daraus veranlasste Präsident Nixon zu einer Replik. Die Anekdote hierzu erzählt Peter Drucker: „Let me illustrate with something from the history of the book itself. Chapter 10, ‚The Sickness of Government‘ was published in a magazine a few months before the book itself appeared, and just when Richard Nixon was sworn in for his first presidential term. Mr. Nixon took occasion, in one of his first public speeches as president, sharply to attack the book. ‚Peter Drucker,‘ he said, addressing the employees of the Department of Health, Education and Welfare (HEW), shortly after his inauguration in early 1969, ‚says that modern government can only do two things well: wage war and inflate the currency. It is the aim of my administration to prove Mr. Drucker wrong.‘ In one way, Mr. Nixon did indeed prove me wrong – though hardly in the way in which he meant it. His administration showed in Vietnam that modern government may perhaps not even know how to wage war – though it also showed that it knew only too well how to inflate the currency. But in the sense in which Mr. Nixon meant his attack on the book to be understood, his administration amply proved the thesis of this book. For the earthquake, the volcanic eruption of Watergate, very largely resulted from the fundamental discontinuity between the sickness of Government, which this book identifies and discusses, and Mr. Nixon’s attempts to defy this reality through his ‚Imperial Presidency‘.“52 52 Peter F. Drucker: The Age of Discontinuity (1969). New Jersey 2003, S. XII 2 Zwischen Skepsis und Hoffnung 68 „The Sickness of Government“, „The Disenchantment with Government“, „The failure of the Megastate“ oder „The Obsolence of the Cold War State“: Peter Drucker geht scharf ins Gericht mit der Regierungspolitik der westlichen Staatsführungen im 20. Jahrhundert auf internationaler, nationaler, regionaler und kommunaler Ebene. Zum Verständnis dieser negativen Einschätzung bedarf es einer schwerpunktartigen Darstellung der Grundpositionen Druckers zur Verantwortung der Staatsführung in der modernen Gesellschaft. Zunächst macht er deutlich, dass es ihm nicht um ein Plädoyer für die Rückkehr des Nachtwächter-Staates geht: „Yet never has strong, effective, truly performing government been needed more than in this dangerous world of ours. Never has it been needed more than in this pluralist society of organizations. Never has it been needed more than in the present world economy. We need government as the central institution in the society of organizations. We need an organ that expresses the common will and the common vision and enables each organization to make its own best contribution to society and citizen and yet to express common beliefs and common values. We need strong, effective governments in the international sphere so that we can make the sacrifices of sovereignty needed to give us working supranational institutions for world society and world economy. The answer to diversity is not uniformity. The answer is unity. We cannot hope to suppress the diversity of our society. Each of the pluralist institutions is needed. Each discharges a necessary economic risk. We cannot suppress the autonomy of these institutions. Their risk makes them autonomous whether this is admitted by political rhetoric or not. We therefore have to create a focus of unity. This can only be provided by strong and effective government.“53 53 Peter F. Drucker: ebd., S. 225 2 Zwischen Skepsis und Hoffnung 69 Ein „effective government“ hat sich für Peter Drucker zwei zentralen politischen Herausforderungen zu stellen: 1. Das Zusammenleben der Bürger in der Gesellschaft zu organisieren. 2. Eine Balance zwischen Bewahren und Verändern anzustreben, insbesondere in turbulenten Zeiten. Oder mit den Worten des von ihm hochgeschätzten Christian von Krockow: „Politik lässt sich damit bestimmen als der Kampf – vor allem der organisierte Kampf – über die Wahrung oder Veränderung bestehender Verhältnisse.“54 Daran schließt sich die Frage an, wie sich ein „effective government“ zur Erreichung der genannten Ziele in diese „Kampfhandlungen“ einbringen muss. Kampf natürlich im Verständnis der liberalen Demokratie, also ein zivilisiertes Austragen von Konflikten. Konkret: Was muss ein „effective government“ tun, um diese Ziele mit der politischen Wirklichkeit zu versöhnen. Auf keinen Fall, so Peter Drucker, bedeutet es „Doing“, Regierungshandeln heißt für ihn zuallererst „Richtung weisen“ und Bedingungen gestalten: „The purpose of government is to make fundamental decisions, and to make them effectively. The purpose of government is to focus the political energies of society. It is to dramatize issues, it is to present fundamental choices. The purpose of government, in other words, is to govern. This, as we have learned in other institutions is incompatible with ‚doing.‘ Any attempt to combine governing with ‚doing‘ on a large scale, paralyzes the decision-making capacity. Any attempt to have decision-making organs actually ‚do‘ also means very poor ‚doing.‘ They are not focused on 54 Christian von Krockow: Politik und menschliche Natur: Dämme gegen die Selbstzerstörung, Stuttgart 1987, S. 36 2 Zwischen Skepsis und Hoffnung 70 ‚doing.‘ They are not equipped for it. They are not fundamentally concerned with it.“55 Doch anstatt „to govern“ entwickelte sich der Nationalstaat mit dem Ende des 19. Jahrhunderts vom „Provider“ zum „Doer“. In dem Kapitel „From Nation State to Megastate“ in seinem 1992 erstveröffentlichten Buch „The Post-Capitalist Society“ macht Drucker deutlich, dass die über vierhundertjährige Geschichte des Nationalstaates – beginnend mit seiner Entstehung – durch ein Paradoxon bestimmt war: „For the great political thrusts in these four centuries were all attempts to transcend the nation state and to replace it with a transnational political system, whether a colonial empire or a European (or Asian) superstate. These were the centuries in which the great colonial empires rose and fell – the Spanish and the Portuguese empires emerging in the sixteenth and collapsing in the early nineteenth century; then, beginning in the seventeenth century and continuing into the twentieth, the English, Dutch, French and Russian empires. As soon as a new major player emerged on the stage of world history during these four centuries, he immediately set about transcending the nation state and transforming it into an empire – Germany and Italy, barely unified, went in for colonial expansion between 1880 and World War I, with Italy trying again as late as the 1930s. Even the United States became a colonial power in the early twentieth century. And so did the one non-Western country to become a nation state – Japan. In Europe itself, the home of the nation state, these four centuries were dominated by one attempt after the other to establish a transnational superstate. Six times in this period did one European nation state attempt to become the ruler 55 Peter F. Drucker: The Age of Discontinuity: Guidelines to Our Changing Society, S. 232 2 Zwischen Skepsis und Hoffnung 71 of Europe and to transform the nation state into a European superstate under its domination and control.“56 Das Konzept des Nationalstaates geht zurück auf den französischen Staatsrechtler und politischen Philosophen Jean Bodin (1530–1596). Bodins Idee vom Nationalstaat und den diesem zugrunde liegenden Institutionen konnte allerdings europaweit nur deshalb mit großer Begeisterung aufgenommen werden, weil die Bedrohung durch Spaniens Versuch, ein europäisches Imperium unter seiner Führung zu schaffen, derartig groß war, dass der Nationalstaat als übergeordnetes Gewaltmonopol die einzige Alternative blieb, um der Unterwerfung unter eine fremde Macht (also Spanien) zu entgehen. „And it was only because the threat was so great and so real that Bodin’s recommendations were accepted: the nation state and its institutions; a centrally controlled civil service answerable only to the sovereign central control of the military and a standing army officered by professional soldiers appointed by and accountable to central government; central control of coinage, taxes, customs; a centrally appointed professional judiciary rather than courts staffed by local magnates. Each of them threatened a powerfully entrenched ‚special interest‘ of earlier times: an autonomous Church and exempt bishoprics and abbeys; local lords of all sizes, each with his own armed retainers owing fealty only to him, and each with his own jurisdiction and his own taxing powers; free cities and self-governing trade guilds, and scores of others. But the Spanish bid for mastery of Europe left no alternative to them; it was either subjection to the national sovereign or conquest by a foreign sovereign. From then on, practically every change in the political structure of the European nation state was caused – or at least triggered – by similar attempts to gain the mastery of Europe and to re- 56 Peter F. Drucker: The Post-Capitalist Society, S. 104 2 Zwischen Skepsis und Hoffnung 72 place the nation state by a superstate dominated in turn by France, Germany or Russia.“57 Doch all diese imperialen Versuche scheiterten letztlich. Ein wesentlicher Grund hierfür lag in der Unfähigkeit des Imperiums, über den Aufbau von entsprechenden Institutionen integrative politische Strukturen für das Zusammenleben aller Bürger des Imperiums zu etablieren. Und immer, wenn ein Imperium zerfiel, waren die Nationalstaaten an der Reihe, denn „Modern Empires lacked integrative Power. But the nation state alone could integrate, could form a polity – i.e. a political society – could create citizenship.“58 Doch dieser Erfolg des Nationalstaates führte zu einer signifikanten Überschätzung seiner Möglichkeiten und die Grenzen der Wirksamkeit des Nationalstaats wurden mehr und mehr überschritten: Der Nationalstaat, so Drucker, mutierte zum „Megastaat“. „The national state was designed to be the guardian of civil society. The Megastate became its master. And in its extreme, totalitarian, form, it replaced civil society altogether. In totalitarianism all society became political society.“59 Zu diesem Komplex machte Peter Drucker eine für ihn typische Anmerkung: „The first to understand this was not a political scientist or a politician, but a novelist. Franz Kafka’s (1853–1924) two novels, ‚The Trial‘ and ‚The Castle‘ – both only published after his death – are the most penetrating analyses of the Megastate, as they were the earliest.“60 57 Peter F. Drucker: The Post-Capitalist Society, London 1993, S. 105 58 Ebd., S. 109 59 Ebd., S. 110 60 Ebd., 110 2 Zwischen Skepsis und Hoffnung 73 Sämtliche Ausprägungen des „Megastate“ – ob „Fiscal State“, „Welfare State“, „Nanny State“ oder „The Nation State as Master of the Economy“ – müssen nach Drucker scheitern, da sie vom „provider“ zum „manager“ mutierten.61 Unter der Überschrift: „Has the Megastate worked?“ zieht Peter Drucker Bilanz aus seinen Erkenntnissen. Danach zeichnete sich einzig der Cold-War durch eine Wirksamkeit aus. „Has the Megastate worked? In its most extreme manifestation, in totalitarianism, whether of the Nazi or of the Communist variety, it has surely been a total failure – without a single redeeming feature. But has the Megastate worked in its much more moderate form? Has it worked in the developed countries of Western Europe and in the United States? The answer is: hardly any better. By and large, it has been almost as great a fiasco there as in Hitler’s Germany or in Stalin’s Russia. The Megastate has been least successful as a Fiscal State. Nowhere has it succeeded in bringing about a meaningful redistribution of income. In fact, the past 40 years have amply 61 Seinen Hauptkritikpunkt formuliert Drucker wie folgt: „The social axioms of the Keynesian Welfare State have worn no better than its economic axioms. Welfare has not ended poverty. It has instead turned it into degradation and dependence. It has done so in the domestic as well as the international society, that is as much through domestic ‚welfare‘ as through ‚foreign aid!‘ Modern welfare destroys. It does not build competence; it creates dependence. It does not alleviate poverty even though it provides middle class or near-middle-class incomes. And it does so irrespective of who the recipients are: black teenage girls in the United States; young, working-class white males in the United Kingdom; highly trained adult men in Germany; middle-class, mostly salaried men in Italy. The one thing, these corrupted and poisoned people have in common, is that they are being financially rewarded for staying on welfare and financially penalized for getting off it.“ (Detaillierte Ausführungen finden sich hierzu in Peter F. Drucker: The Post-Capitalist Society, S. 117–127) 2 Zwischen Skepsis und Hoffnung 74 confirmed Pareto’s Law (named after the Swiss-Italian economist Vilfredo Pareto (1848–1923), according to which income distribution between major classes in society is determined by two factors, and by two factors only: the culture of the society and the level of productivity within the economy. The more productive an economy, the greater the equality of income; the less productive, the greater the inequality of income. Taxes, Pareto’s Law asserts, cannot change this. But the advocates of the Fiscal State based their case in large measure on the assertion that taxation could effectively and permanently change income distribution. The Cold-War State did not guarantee ‚peace‘. During the post-World War II years there were as many ‚minor‘ conflicts as in any period of history – and all over the world. But the cold-War State made possible the avoidance of major global war, not despite the tremendous military arsenal but because of it.“62 Doch mit dem Fall der Mauer und dem Zusammenbruch des sowjetischen Imperiums wurde das Konzept des „Cold War State“ ebenfalls unwirksam. „… the Cold-War State can no longer guarantee arms control. There is no way anymore to maintain the ‚superpower monopoly‘ in such way that smaller nations will be prevented from building total-war capacity, whether nuclear or chemical or biological. Worry over control of the Soviet Union’s nuclear arsenal as the empire disintegrates into individual nation states is just one indication. So is the fact that any number of countries that are otherwise quite insignificant in terms of population or economic strength are rapidly acquiring nuclear, chemical and biological warfare capacity – Iraq was one example, Libya is another and so are Iran, North Korea and Pakistan. These small countries could not, of course, win a war against a great power – as Iraq’s Saddam Hussein still believed. But they can become interna- 62 Peter F. Drucker: The Post-Capitalist Society, S. 119ff. 2 Zwischen Skepsis und Hoffnung 75 tional blackmailers and international terrorists. With such countries as their base small bands of adventurers andbased pirates – in effect – can hold the world to ransom. Arms control can thus no longer be exercised at all – which would make global conflict practically inevitable even if the major powers still manage to avoid Hot War between themselves. Unlike Fiscal State and Nanny State, the Cold-War State has not been a total failure. Insofar as the aim of national policy in the age of the absolute weapons can be said to be the avoidance of World War III, it must be considered a success — the only success of the Megastate. But in the end this success turned to failure — economically and militarily.“63 Trotz seiner Unzulänglichkeiten, Unwirksamkeiten und Unfähigkeiten hat der Nationalstaat eine erstaunliche Widerstandsfähigkeit gezeigt. Immer wieder wurde und wird sein Untergang prophezeit. Doch stets setzte sich der Nationalstaat als vorherrschende Staatsform durch. Selbst die Globalisierung konnte daran nichts ändern. Warum? Menschliches Handeln wird nicht allein durch ökonomische Rationalität bestimmt. „Since the early Industrial Revolution, it has been argued that economic interdependence would prove stronger than nationalist passion: Kant was the first to say so. The ‚moderates‘ of 1860 believed it until the first shots were fired at Fort Sumter. The Liberals of Austria-Hungary believed to the very end that their economy was far too integrated to be split into separate countries. So, quite clearly, did Mikhail Gorbachev. But whenever in the last 200 years political passions and nation-state politics have collided with economic rationality, political passions and the nation-state have won. “64 63 Peter F. Drucker: The Post-Capitalist Society, S. 124f. 64 Peter F. Drucker: The Global Economy and the Nation State. In: Foreign Affairs, Sept./Oct. 1997, Vol. 76, Nr. 5, S. 17 2 Zwischen Skepsis und Hoffnung 76 Drucker beendet das hier zitierte Buch des Jahres 1992 jedoch nicht mit seiner Analyse der Geschichte des Nationalstaates, sondern entwickelt wie immer seine Gedanken für die Zukunft. „The Megastate has thus reached a dead end. But, alas, there is no going back to yesterday’s nation state, as neo-conservatives or economists of the Austrian School would make us believe. For there are new forces arising which both outflank and undermine the nation state.“65 Zwei Jahre später beginnt er seinen Beitrag „Can Democracies Win the Peace?“ mit den Worten: „Communism has lost the Cold War. Now the Democracies have to win the Peace. That may be harder, as all history teaches. For forty years now it was enough that the Democracies were infinitely – and visibly – better. Now they are expected to be good. They are being measures now against their own professions and their own performance. Not the Democracies have to re-think and to re-form.“66 Diesen Gedanken für die Zukunft und den Wandel der gesellschaftlichen Aufgaben des Managers wird das folgende Kapitel ausführlich gewidmet sein. Druckers Erfahrungen und Erkenntnisse zum Megastate haben ihn mehr und mehr zu einem – seinem Verständnis nach – Anarchisten gemacht. Aber was bedeutet das Konservative in seinem Anarchismus? Auch hierzu gibt er eine eindeutige Antwort: In dem mehrfach erwähnten Gespräch aus dem Jahr 2004 zum Abschluss unseres gemeinsamen Buches, sagte Peter Drucker zu mir: 65 Ebd., S. 17 66 Peter F. Drucker: Can Democracies Win the Peace? In: Managing in a time of Great Change. Nr. 4, 1995, S. 309 (first published in Atlantic Monthly 1994) 2 Zwischen Skepsis und Hoffnung 77 „Ich denke, dass eine der wesentlichen Erfahrungen, die wir in den letzten 50 Jahren gemacht haben, darin liegt, dass wir zunehmend desillusioniert wurden von ‚Volksverglückung‘ und zunehmend zur Überzeugung gelangten, dass es keine perfekte Gesellschaft gibt, sondern nur eine erträgliche. Man kann verbessern, aber nicht perfektionieren – und dies ist ein konservatives Konzept.“67 Reform als das zentrale politische Prinzip war sein Credo. Das Streben nach Ausgleich von Bewahren und Verändern war das für Drucker geltende Fundament jeder Politik, nicht nur der Politik des Staates. Politik im Verständnis als „Brechungsform sämtlicher Lebensbeziehungen des Menschen“ (Helmuth Plessner). Politik, wie bereits definiert, als der Kampf, vor allem der organisierte Kampf um Bewahrung oder Veränderung bestehender Verhältnisse. Peter Druckers Einflussgeber in diesem Kontext waren vor allem Friedrich Julius Stahl, Karl Radowitz und vor allem Wilhelm von Humboldt. „And this drew my attention to that remarkable trio of German thinkers who in similar period of social collapse, a little over a hundred years earlier, had created stability by inventing what came to be known as ‚Der Rechtsstaat‘ – the best translation of that difficult word may be the Justice State. They were a remarkable trio, both because of the breadth of interests and activities of each of them, but also because they were respectively an agnostic protestant, a Romanic Catholic, and a converted Jew. The first of them, Wilhelm von Humboldt (1767–1835) was the last great figure of the European Enlightenment, a leading statesman during the Napoleonic Wars, the founder of the first modern university, the University of Berlin in 1809, and later the founder of scientific linguistics. The second, Joseph von Radowitz (1797– 67 Vgl. Peter F. Drucker, Peter Paschek (Hrsg.): Kardinaltugenden effektiver Führung, München 2004 2 Zwischen Skepsis und Hoffnung 78 1853) was a professional soldier and the King’s confidant and first minister, but also a crusading magazine editor and the progenitor of all Catholic parties in Europe – in Germany, in France, in Italy, in Holland, in Belgium, in Austria. The third and last, Friedrich Julius Stahl (1802–1861) […] a legal philosopher he also revived the moribund theology of Lutheran Protestantism. And he was the most brilliant parliamentarian, in fact the only brilliant parliamentarian in German history. The three do not enjoy a good press. They are suspect precisely because they tried to balance continuity and change, that is, because they were neither unabashed liberals nor unabashed reactionaries. They tried to create a stable society and a stable polity that would preserve the traditions of the past and yet make possible change, and indeed very rapid change. And they succeeded brilliantly.“68 Einen besonderen Impuls in diesem Zusammenhang gaben sowohl für Drucker als auch für von Krockow der englische Staatsmann und politische Philosoph Edmund Burke, sowie der französische Sozialphilosoph und Staatsmann Alexis Tocqueville. Christian von Krockow hat die Gedanken von Peter Drucker vor allem anhand der Schrift „Reflections on the French Revolution“ von Edmund Burke konkretisiert und verdeutlicht. „Die Methode des verantwortlichen Handelns, die das Ver- ändern mit dem Bewahren verbindet und dabei das Risiko mindert, läßt sich beschreiben unter dem Titel: Reform als politisches Prinzip. Denn reformieren heißt, Bestehendes so zu verändern, daß es neuen Verhältnissen, gewandelten Anforderungen gerecht werden und eben damit bewahrt werden kann. Im Gegensatz zum ‚großen Schlag‘, zum Würfeln um alles oder nichts, meinen Reformen außerdem das behutsame Vorgehen Schritt um Schritt. 68 Peter F. Drucker: The Ecological Vision, ebd., S 443 2 Zwischen Skepsis und Hoffnung 79 Einer Theorie der Reformen ist freilich bisher nur wenig Aufmerksamkeit gewidmet worden, im Gegensatz zur Dramatik der Revolution. Doch die wesentlichen Elemente des reformerischen Prinzips hat schon vor zwei Jahrhunderten der englische Staatsmann Edmund Burke gültig beschrieben. Darum sei er ausführlich zitiert. Burke betont zunächst, daß gerade im wohlverstandenen Interesse des Bewahrens das Verändern unabweisbar wird. ‚Einem Staat ohne Möglichkeiten des Wandels fehlen zugleich die Möglichkeiten der Selbsterhaltung. Ohne solche Möglichkeiten riskiert er den Verlust sogar jener Bestandteile seiner Verfassung, die er als seine heiligsten zu bewahren wünscht.‘ Deshalb ‚ergeben die Neigung zum Bewahren und die Fähigkeiten zum Verbessern, zusammengenommen, für mich den Rang des Staatsmannes‘. Und ‚der Geist der Reformen befindet sich nie in genauerer Übereinstimmung mit sich selbst, als wenn er sich weigert, Mittel der Zerstörung zu sein‘. Er ist, als Bewahren durch Verändern, die Alternative zur Zerstörung. Jede Veränderung ruft freilich – und verständlich genug – Angst und Abwehrreaktionen der Betroffenen hervor. Weil überdies die Ergebnisse großer und überstürzter Veränderungen sich durchweg nicht absehen lassen, weil unerwartete und negative Nebenwirkungen auftreten, geraten nur zu leicht die Veränderungen insgesamt in Mißkredit. Daher kommt es einerseits darauf an, Reformen in kontrollierbaren Teilschritten zu vollziehen: ‚Durch ein langsames, aber stetiges Fortschreiten kann die Auswirkung jedes einzelnen Schrittes überwacht werden; der Erfolg oder Mißerfolg des ersten erleuchtet den zweiten. Auf diese Weise werden wir den ganzen Weg entlang sicher geleitet. Andererseits ist es entscheidend, daß Reformen rechtzeitig eingeleitet werden, ehe ein Übel zu groß geworden ist und sich ohne radikale Eingriffe nicht mehr beheben läßt: ‚Mit größtem Ernst möchte ich die Regierung bitten, die Weisheit rechtzeitiger Reformen zu bedenken. Frühzeitige Reformen gleichen Übereinkünften unter mächtigen Freunden, verspätete den Bedingungen, die man einem unterworfenen Feinde dik- 2 Zwischen Skepsis und Hoffnung 80 tiert. Frühzeitige Reformen finden in ruhiger Atmosphäre statt, verspätete in allgemeiner Erregung. Wenn es erst einmal so weit gekommen ist, dann nimmt ein Volk an seiner Regierung nichts Achtenswertes mehr wahr. Es verfällt in die Wut einer wilden Menge, die nichts mehr verbessern, sondern nur noch niederreißen will.‘“69 Aber wie ist ein Erstarren im Bewahren zu verhindern, denn „everybody tries to keep yesterday alive a little“, wie Peter Drucker sagte? Ein wesentlicher Motivator für rechtzeitiges Reformieren ist der Wettbewerb als Systemimperativ in modernen Gesellschaften. Doch der Konkurrenzkampf wird rücksichtslos ausgetragen, zerstört den Zusammenhalt einer Gesellschaft, stets zu Lasten der Schwachen. Daher benötigt er nicht nur das ausgleichende Gegenprinzip der Solidarität und vor allem einer Staatsführung, die Regeln und Formen etabliert, die eine für die Gesellschaft ruinöse Konkurrenz verhindern. Doch auch in diesem Zusammenhang dürfen Grenzen nicht überschritten werden und es gilt zu berücksichtigen, dass die Natur des Menschen primär nicht auf Konkurrenz angelegt ist, sondern eher auf ihre Vermeidung und Umgehung: „Auf der anderen Seite werden Freiheit und Reformfähigkeit ohne das Konkurrenzprinzip schwerlich zu bewahren sein. Ohnehin versteht es sich keineswegs von selbst; das natürliche Ergebnis aller Konkurrenz ist ja nicht ein Gleichgewicht der Wettbewerber, sondern ein zunehmendes Ungleichgewicht mit seinem Abschluß im Monopol. Daher muß stets ‚künstlich‘ auf die Erhaltung oder Wiederherstellung des Wettbewerbs hingearbeitet werden.“70 69 Christian von Krockow: Politik und menschliche Natur, ebd., S. 150f. 70 Christian von Krockow, ebd., S. 150 2 Zwischen Skepsis und Hoffnung 81 Ganz im Sinne von Peter Drucker zieht von Krockow in seinen Ausführungen über die Reform und die diese bestimmende Balance zwischen Bewahren und Verändern folgendes Fazit: „Was bleibt, ist ein doppeltes Ergebnis. Einmal weist das politische Prinzip der Reform einen Weg zum verantwortlichen Handeln. Es verbindet das Bewahren mit dem Wandel und mit der Veränderung des Bestehenden in Teilschritten macht es kontrollierbar und korrigierbar, was wir tun. Genau darauf kommt es an im Angesicht der Gefahren, mit denen uns unsere Weltbemächtigung konfrontiert; wir können uns die Starrheit so wenig mehr leisten wie die Sprunghaftigkeit und das Würfeln um alles oder nichts. Zum anderen gehört es zu unserer Verantwortung, daß wir die Möglichkeiten für Reformen herstellen und offenhalten. Denn sie sind nicht ‚natürlich‘; es gibt sie nur als Bestandteile einer sehr voraussetzungsvollen und stets gefährdeten politischen Kultur. Unverantwortlich handelt darum, wer diese Möglichkeiten zerstört, sei es in der verbissenen Verteidigung seiner Privilegien, sei es im trügerischen Traum vom großen Sprung in die Utopie.“71 So weit der Rückblick auf das 20. Jahrhundert aus der Sicht des konservativ-christlichen Anarchisten Peter Drucker. Doris Drucker sagte einmal nach Peters Tod zu meiner Frau und mir: „Ihr dürft Peter nicht nachbeten, sondern ihr müsst von ihm lernen.“ Auf die Auswertungen seiner Erfahrungen kommt es an, nicht auf das Hersagen seiner Zitate. Denn „Erfahrungen erlauben Vergleiche und die Nutzanwendung, weil es um das im Wandel Wiederkehrende statt um das Unwiederholbare und um den ‚alten Adam‘, statt um Traumschlösser und Truggespenste eines neuen Menschen geht. [...] Die geschichtlichen Erfahrungen zeigen uns, was die conditio humana ausmacht und aus den hieraus gewonnenen Erkennt- 71 Christian von Krockow, ebd., S. 131 2 Zwischen Skepsis und Hoffnung 82 nissen müssen wir als Bürger unsere Verantwortung definieren.“72 Das Postulat von Doris Drucker, von Peter Drucker zu lernen, ist das zentrale Anliegen des nächsten Kapitels. Im Mittelpunkt steht dort endlich das Management als die maßgebliche Institution der modernen Wissensgesellschaft, als der für Drucker wichtigste Hoffnungsträger einer erträglichen Gesellschaft. Von Peter Drucker zu lernen, heißt in diesem Zusammenhang, der Frage nach zu gehen: Wie kann das 21. Jahrhundert ein Jahrhundert des Managements, speziell des Wirtschaftsmanagement werden? Und wie können wir ein weiteres vergeudetes Jahrhundert vermeiden? 72 Christian von Krockow: Einspruch gegen den Zeitgeist, Hamburg 2003, S. 82ff. 2 Zwischen Skepsis und Hoffnung 83

Chapter Preview

References

Abstract

Peter Drucker's work, which has always been guided by a view of society as a whole, is captured from the perspective of a friendship that has lasted for decades. Drucker's work was that of a great political humanist; embedded in it: his management theory, which made him famous.

The first chapter tells the story of a deep long-lasting friendship. The following sheds light on Peter Drucker’s view of the 20th century as a wasted one.

His theory of Management as social function is the focus of chapter 3.

Chapter 4 draws the Portrait of Peter Drucker, the Intellectual.

Finally there are some anecdotes on the lives of Doris and Peter Drucker, two exceptionally strong characters, who shared a deep love for more than seventy years.

Zusammenfassung

Das Werk Peter Druckers war immer geleitet vom Blick auf das Ganze der Gesellschaft, sein Schaffen war das eines großen politischen Humanisten, darin eingebettet: seine Managementlehre, die ihn weltbekannt machte.

Dieses Buch erzählt vom langen Weg in eine tiefe Freundschaft, von der Enttäuschung Peter Druckers über das 20. Jahrhundert und, daran anschließend, sein Verständnis vom Management als gesellschaftliche Aufgabe. Ebenso widmet sich das Buch dem Profil des Intellektuellen Peter Drucker. Den Schlusspunkt setzen Anekdoten aus dem Leben von Doris und Peter Drucker, zwei außergewöhnlich starken Persönlichkeiten, die es siebzig Jahre miteinander „ausgehalten“ haben.