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Schlussbemerkung in:

Eva-Maria Vollmuth

Die Geldwäscheprävention in den Instituten der Finanzbranche als integraler Bestandteil ihres Compliance-Management-Systems, page 283 - 284

1. Edition 2020, ISBN print: 978-3-8288-4513-8, ISBN online: 978-3-8288-7553-1, https://doi.org/10.5771/9783828875531-283

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Rechtswissenschaften, vol. 132

Tectum, Baden-Baden
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Schlussbemerkung Die vorliegende Arbeit erläutert, dass die Geldwäscheprävention in den Instituten der Finanzbranche ein Teil ihres etablierten Compliance- Management-Systems sein muss, um effektiv den internationalen und nationalen Anforderungen und Bestrebungen zur Bekämpfung der Geldwäsche nachkommen zu können. Die Neuerungen im Rahmen der Vierten Geldwäscherichtlinie forcieren durch eine Stärkung des risikobasierten Ansatzes einen größeren Erfolg bei der Geldwäschebekämpfung. Dies führt dazu, dass sich auch die deutschen Institute im Kontext ihrer Geldwäscheprävention noch stärker auf ein ausgebautes Risikomanagement konzentrieren müssen. Das zentrale Element des erweiterten risikoorientierten Ansatzes der Geldwäscheprävention und den Ausgangspunkt für ein angemessenes Risikomanagement stellt die Analyse der Geldwäschesituation im Institut dar. Nur wenn die Risiken, für Geldwäschezwecke missbraucht zu werden, im Rahmen der Risikoanalyse institutsspezifisch identifiziert, kategorisiert und bewertet werden, können angemessene interne Sicherungsmaßnahmen für das Institut abgeleitet, möglicher Handlungsbedarf eruiert und Überwachungshandlungen zur Sicherstellung der Funktionsfähigkeit der Präventionsmaßnahmen etabliert werden. Eine Verbindung von Strafrecht und Finanzaufsichtsrecht soll somit die Geldwäscheprävention nachhaltig verbessern. Der erhöhte Fokus auf ein angemessenes Risikomanagement in den Instituten der Finanzbranche nimmt auch die Geschäftsleiter mehr in die Verantwortung. Sie haben gemäß § 25a Abs. 1 Satz 3 KWG im Rahmen ihrer ordnungsgemäßen Geschäftsorganisation für ein wirksames Risikomanagement im Institut zu sorgen. Nicht nur seit dem ausdrücklichen Hinweis der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht im Rahmen der Veröffentlichung ihres Entwurfs zur fünften Novellierung der Mindestanforderungen an das Risikomanagement spielt die Etablierung einer angemessenen Risikokultur in diesem Kontext eine bedeutende Rolle. Diese beschreibt grundsätzlich die Art und Weise, wie die Mitar- 283 beiter im Rahmen ihrer Tätigkeit mit den aufkommenden Risiken umgehen sollen. Die Förderung einer angemessenen Identifizierung und der bewusste Umgang mit Risiken ist ein wesentliches Ziel der Risikokultur. Sie soll eine Gewähr dafür bieten, dass die Ergebnisse von Entscheidungsprozessen auch unter Risikogesichtspunkten ausgewogen sind. Dabei spielt der bereits erläuterte „tone at the top“ der Geschäftsleitung die größte Rolle. Nur ein klares Bekenntnis der Geschäftsleitung zu einem risikoangemessenen Verhalten, die strikte Einhaltung der von ihr kommunizierten Risikobereitschaft und die Bereitstellung und Förderung eines Dialogs, der durch Transparenz und Offenheit hinsichtlich sämtlicher risikorelevanten Fragen gewährleistet ist, führt zu einer adäquaten Risikokultur in einem Institut der Finanzbranche. Die Aufgabe der Compliance-Funktion ist es dabei, als Element der zweiten Verteidigungsebene sowie als beratender und unterstützender Kooperationspartner der operativen Einheiten im Institut auf die Einhaltung der gesetzlichen und regulatorischen, geldwäscherelevanten Regelungen hinzuwirken und das Bewusstsein der Bankmitarbeiter hinsichtlich der Geldwäschethematik zu schärfen. Um diesem Ziel nahezukommen, ist es wieder eine Frage der Compliance-Kultur, eine Mentalität der Integrität zu fördern. Nur wenn die Überzeugung zur Regelkonformität über alle Hierarchieebenen in einem Institut hinweg existent und damit die Compliance-Kultur kein Fremdwort ist, lassen sich die Maßnahmen zur Geldwäschebekämpfung auch wirksam umsetzen. Dass die Nichteinhaltung der Regelungen und damit eine Vernachlässigung der Compliance die Institute des Finanzsektors teuer zu stehen kommen kann, zeigen die einleitenden Beispiele. Zu berücksichtigen ist in diesem Kontext, dass nicht nur der mit den verhängten Sanktionen verbundene finanzielle Schaden der Banken ein großes Risiko ist, sondern insbesondere auch der Verlust ihres guten Rufes in der Öffentlichkeit einen oft kaum zu beziffernden, erheblichen Schaden darstellt. Schließlich gilt: „Es dauert zwanzig Jahre, sich eine Reputation zu erwerben und fünf Minuten, sie zu verlieren. Wenn man das im Auge behält, handelt man anders.“1330 1330 Warren Edward Buffet, zitiert nach Morrien/Vinkelau, Alles, was Sie über Warren Buffett wissen müssen, S. 37. Schlussbemerkung 284

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Abstract

Recent cases of money laundering involving globally active banks illustrate the growing importance of legal provisions to curb money laundering. Vollmuth examines the prevention of money laundering in financial institutions and shows that the security measures to be established must be an essential part of compliance management in order to combat money laundering successfully. The author deals with the new requirements of the revised Money Laundering Act of June 23, 2017 and discusses legal questions of interpretation of the revised Act. Eva-Maria Vollmuth is working in the field of regulatory audits and consulting on money laundering law and compliance.

Zusammenfassung

Jüngste Geldwäschefälle mit der Involvierung global agierender Banken verdeutlichen die steigende Relevanz von gesetzlichen Bestimmungen zur Eindämmung der Geldwäsche. Vollmuth untersucht die Geldwäscheprävention in den Instituten der Finanzbranche und zeigt auf, dass die zu etablierenden Sicherungsmaßnahmen für eine erfolgreiche Geldwäschebekämpfung ein wesentlicher Bestandteil des Compliance-Management-Systems sein müssen. Die Autorin behandelt die neuen Anforderungen des novellierten Geldwäschegesetzes vom 23. Juni 2017 und diskutiert rechtliche Auslegungsfragen der Gesetzesnovelle. Eva-Maria Vollmuth ist in der aufsichtsrechtlichen Prüfung und geldwäscherechtlichen Beratung tätig.