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Julia Klein

Neuer Terrorismus – Reale Bedrohung oder konstruiertes Forschungsparadigma?

Eine empirische Studie über Veränderungen im Verhalten terroristischer Organisationen

1. Edition 2020, ISBN print: 978-3-8288-4512-1, ISBN online: 978-3-8288-7551-7, https://doi.org/10.5771/9783828875517

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Sozialwissenschaften, vol. 95

Tectum, Baden-Baden
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Te ct um Julia Klein Neuer Terrorismus – Reale Bedrohung oder konstruiertes Forschungsparadigma? Eine empirische Studie über Veränderungen im Verhalten terroristischer Organisationen Wissenschaftliche Beiträge Sozialwissenschaften | 95 Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag Reihe Sozialwissenschaften Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag Reihe Sozialwissenschaften Band 95 Julia Klein Neuer Terrorismus – Reale Bedrohung oder konstruiertes Forschungsparadigma? Eine empirische Studie über Veränderungen im Verhalten terroristischer Organisationen Tectum Verlag Julia Klein Neuer Terrorismus – Reale Bedrohung oder konstruiertes Forschungsparadigma? Eine empirische Studie über Veränderungen im Verhalten terroristischer Organisationen Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag, Reihe: Sozialwissenschaften; Bd. 95 © Tectum Verlag – ein Verlag in der Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 2020 ePDF: 978-3-8288-7551-7 (Dieser Titel ist zugleich als gedrucktes Werk unter der ISBN 978-3-8288-4512-1 im Tectum Verlag erschienen.) ISSN: 1861-8049 Umschlaggestaltung: Tectum Verlag, unter Verwendung des Bildes # 272486672 von zimmytws | www.shutterstock.com Alle Rechte vorbehalten Besuchen Sie uns im Internet www.tectum-verlag.de Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Angaben sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. Die vorliegende Dissertation wurde durch den Fachbereich 6 der Universität Koblenz-Landau zur Erlangung des akademischen Grades einer Doktorin der Staatswissenschaften am 10.10.2019 angenommen. V Danksagung An erster Stelle möchte ich meinem Doktorvater Prof. Dr. Siegmar Schmidt danken. Über die Jahre hinweg hat er mich in vielen Gesprächen und Kolloquien mit seiner konstruktiven Kritik geduldig durch alle Stadien meiner Arbeit begleitet. Ebenfalls danke ich meinem Zweitgutachter Prof. Dr. Werner Sesselmeier für seine Zeit und seinen Einsatz. Nie habe ich dank der tollen Unterstützung und Motivation durch die beiden die Freude und Begeisterung an dem Projekt verloren. Besonders danke ich meinem Freund Marco, der neben mir am Nachbarschreibtisch das Gleiche durchgemacht hat und mich immer motiviert und vor allem bei technischen Fragen unterstützt hat. Ein Dank geht auch an meine Mutter, die in akribischer Kleinstarbeit Orthographie- und Grammatikfehler im Text gesucht, aufgespürt und korrigiert hat. Meinem Vater danke ich für die baulichen Konstruktionen, die monatelanges Verweilen am Schreibtisch erst möglich gemacht haben. Ein Dank geht auch an meinem Chef, der mir im letzten Stadium meiner Arbeit viel Zeit und Freiraum zur Fertigstellung gegeben hat. Meiner besten Freundin Patricia bin ich sehr dankbar für die ganze Zeit, in der sie immer für mich da war. Besondere Unterstützung habe ich auch von meiner lieben Freundin Carina bekommen, die sich immer wieder Zeit genommen hat, um die gesamte Arbeit zu lesen. Viele Ideen und Probleme konnte ich mit ihr besprechen und so meinen „roten Faden“ wieder finden. Nicht zuletzt danke ich meinen zwei lieben und treuen Begleitern, meinen Hunden Lilly und Chili, die vom ersten Tag an neben meinem Schreibtisch darauf gewartet haben, dass die nächste Pause kommt. VII Inhalt Danksagung V Abbildungsverzeichnis XI Abkürzungsverzeichnis XVII 1 Einleitung: Das Forschungsparadigma des Neuen Terrorismus 1 1.1 Forschungsinteresse und Problemstellung 1 1.2 Forschungsziel und Fragestellung 4 1.3 Forschungsstand 5 1.4 Begriffsverständnis und theoretischer Ansatz 7 1.5 Methodik 10 1.6 Aufbau der Untersuchung 11 2 Alter und Neuer Terrorismus im wissenschaftlichen, medialen und politischen Diskurs 15 2.1 Alter und Neuer Terrorismus in der Literatur vor dem 11. September 2001 18 2.2 Alter und Neuer Terrorismus in der Literatur nach dem 11. September 2001 24 2.3 Kritische Betrachtung des Paradigmenwechsels 32 2.3.1 Mögliche Ursachen des Neuen Terrorismus 33 2.3.2 Kritik am Forschungsparadigma 35 2.4 Zuammenfassung: Kapitel 2. Alter und Neuer Terrorismus im wissenschaftlichen, medialen und politischen Diskurs 42 VIII Inhalt 3 Terrorismus als rationale Entscheidungsfindung 45 3.1 Die Entwicklung des Begriffs Terrorismus 45 3.2 Allgemeine Definition 48 3.3 Die Rational Choice Theorie als Erklärungsmodell zum Verhalten terroristischer Organisationen 51 3.4 Bereiche des terroristischen Verhaltens 56 3.4.1 Strategien 57 3.4.1.1 Taktiken: Costly Signaling und Heroisierung 58 3.4.1.2 Mittel 59 3.4.1.3 Angriffsziele 63 3.4.2 Ziele 64 3.4.2.1 Hauptziele 65 3.4.2.2 Zwischenziele 66 3.4.3 Struktur 67 3.4.3.1 Interne und externe Struktur 68 3.4.3.2 Kommunikation 68 3.4.3.3 Finanzierung und Ressourcen 70 3.4.3.4 Aktionsbereiche 72 3.4.4 Ideologie 73 3.4.4.1 Links-sozialrevolutionäre Ideologie 75 3.4.4.2 Rechts-konservative Ideologie 77 3.4.4.3 Nationalistisch-separatistische Ideologie 79 3.4.4.4 Religiöse Ideologie 81 3.4.4.5 Primär- und Sekundärideologien 83 3.5 Zusammenfassung: Kapitel 3. Terrorismus als rationale Entscheidungsfindung 86 4 Neuer Terrorismus als Untersuchungsgegenstand 89 4.1 Neuer Terrorismus als neue Lebensphase: Die Wave-Theorie 89 4.2 Konzeptspezifikation: Theoretischer Ansatz des Neuen Terrorismus 94 4.2.1 Die Eigenschaften des Neuen Terrorismus 95 4.2.2 Die Forschungshypothesen des Neuen Terrorismus 102 4.2.2.1 Neue Strategie: Forschungshypothese H1 zur hohen Gewaltbereitschaft 103 4.2.2.2 Neue Strategie: Forschungshypothese H2 zur undifferenzierten Opferwahl 127 IX Inhalt 4.2.2.3 Neue Struktur: Forschungshypothese H3 zur Netzwerkartigkeit 131 4.2.2.4 Neue Ideologie: Forschungshypothese H4 zur Religiosität 143 4.2.2.5 Forschungshypothese H5 zur Predominant Energy 151 4.3 Zusammenfassung Kapitel 4: Neuer Terrorismus als Untersuchungsgegenstand 161 5 Methodische Vorgehensweise der empirischen Untersuchung 163 5.1 Forschungsdesign und Methodik 163 5.2 Global Terrorism Database (GTD): Datenherkunft 167 5.3 Terrorist Organization Profiles (TOPs): Datenherkunft 177 5.4 Global Terrorism Database (GTD): Datenaufbereitung 182 5.4.1 Zusammenführung der Datenbanken 182 5.4.2 Verdichtung und Reduktion der Variablen 183 5.4.3 Reduktion der Anschlagszahlen durch Definitionsanpassung 188 5.4.4 Einfügung der Variablen „Ideologie“ 189 5.4.4.1 Stichprobenziehung nach dem Konzentrationsprinzip 190 5.4.4.2 Erhebung der Variablen „Ideologie“ 194 5.4.4.3 Ergebnisse der Erhebung 200 5.5 Ausgleich Datenverlust Anschläge 1993 204 5.6 Operationalisierung 205 5.6.1 H1: Hohe Gewaltbereitschaft 206 5.6.2 H2: Undifferenzierte Opferwahl 211 5.6.3 H3: Netzwerkartigkeit 214 5.6.4 H4: Religiosität 218 5.6.5 H5: Predominant Energy 219 5.7 Zusammenfassung Kapitel 4: Methodische Vorgehensweise der empirischen Untersuchung 220 6 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus 223 6.1 Deskriptive Auswertung 223 6.1.1 Erster Überblick: Entwicklung der weltweiten Anschlagszahlen 223 6.1.2 Hohe Gewaltbereitschaft 226 6.1.2.1 Opferzahlen 226 6.1.2.2 Selbstmordattentate 236 6.1.2.3 Massenvernichtungswaffen 238 X Inhalt 6.1.3 Undifferenzierte Opferwahl: zivile Opfer 242 6.1.4 Netzwerkartigkeit: Internationalisierung 245 6.1.5 Religiosität: religiöse Ideologie 257 6.1.6 Predominant Energy 264 6.2 Forschungshypothesen des Neuen Terrorismus 265 6.2.1 Forschungshypothese H1 zur hohen Gewaltbereitschaft 265 6.2.1.1 Opferzahlen 266 6.2.1.2 Selbstmordattentate 269 6.2.1.3 Massenvernichtungswaffen 270 6.2.2 Forschungshypothese H2 zur undifferenzierten Opferwahl 272 6.2.3 Forschungshypothese H3 zur Netzwerkartigkeit 273 6.2.3.1 Internationalisierung 273 6.2.4 Forschungshypothese H4 zur Religiosität 274 6.2.5 Forschungshypothese H5 zur Predominant Energy 276 6.3 Zusammenfassung Kapitel 5: Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus 289 7 Ergebnisse und Fazit zur empirischen Wirklichkeit (k)eines Neuen Terrorismus 293 7.1 Theoretische Ergebnisse: Der Diskurs und seine Akteure 295 7.2 Empirische Ergebnisse: Veränderungen im Verhalten terroristischer Organisationen 299 7.3 Ausblick: Ansätze für die Forschung und aktuelle Entwicklungen 305 7.4 Fazit: Politische Relevanz und Handlungsempfehlungen 308 Postscriptum 313 Literaturverzeichnis 315 Anhang 349 XI Abbildungsverzeichnis Abbildung 1: Definitionsbereiche Terrorismus 56 Abbildung 2: Gegenüberstellung von Eigenschaften alter Anschläge/ Organisationen und neuer Anschläge/Organisationen aus der Literatur 96 Abbildung 3: Zuordnung Dimensionen und Unterdimensionen des Neuen Terrorismus 97 Abbildung 4: Die vier Dimensionen des Neuen Terrorismus 101 Abbildung 5: Vergleich Definition „Terrorismus“ eigene Untersuchung vs. Definition GTD 188 Abbildung 6: Übersicht Anzahl Täter und Anschläge, 1970–2014 193 Abbildung 7: Auflistung verwendeter Zeitungen und Nachrichtenportale 198 Abbildung 8: Auflistung verwendeter Zeitschriften 198 Abbildung 9: Auflistung verwendeter Institutionen 199 Abbildung 10: Übersicht Anzahl terroristischer Organisationen nach Ideologien 203 Abbildung 11: Anteile terroristischer Organisationen nach Ideologien 1970–2014 203 Abbildung 12: Statistischer Ausgleich der Anschlagszahlen aus dem Jahr 1993 nach Ideologien 205 Abbildung 13: Indikatoren für Unterdimension „Opferzahlen“ 207 Abbildung 14: Indikator für Unterdimension „Opferzahlen“ 208 Abbildung 15: Indikator für Unterdimension „Selbstmordattentat“ 208 Abbildung 16: Indikatoren für Unterdimension „Massenvernichtungswaffen“ 209 Abbildung 17: Ausprägungen der Variablen Vweapontype der GTD 2014 210 XII Abbildungsverzeichnis Abbildung 18: Zusammengefasste Ausprägungen der Variablen Vweapontype der GTD 2014 211 Abbildung 19: Indikatoren für Unterdimension „Zivile Opfer“ 211 Abbildung 20: Ausprägungen der Variablen Vtargtype der GTD 2014 212 Abbildung 21: Ausprägungen der Variablen Vtargtype der GTD 2014 für nicht zivile Opfer 213 Abbildung 22: Ausprägungen der Variablen Vtargtype der GTD 2014 für zivile Opfer 213 Abbildung 23: Zusammengefasste Ausprägungen der Variablen Vtargtype der GTD 2014 214 Abbildung 24: Indikatoren für Unterdimension „Internationalisierung“ 215 Abbildung 25: Indikator für Unterdimension „Internationalisierung“ 217 Abbildung 26: Indikatoren für Unterdimension „Religiöse Ideologie“ 218 Abbildung 27: Ausprägungen der Variablen Videology der GTD 2014 218 Abbildung 28: Jährliche Anzahl terroristischer Anschläge, 1970–2014 223 Abbildung 29: Vergleich Anzahl terroristischer Anschläge der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 225 Abbildung 30: Vergleich durchschn. Anzahl terroristischer Anschläge pro Jahr der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 225 Abbildung 31: Übersicht Anschlagszahlen nach Anschlagstypen 226 Abbildung 32: Anteil der Anschlagstypen an allen Anschlägen, 1970–2014 227 Abbildung 33: Jährliche Anzahl von Anschlägen mit Opfern, 1970–2014 228 Abbildung 34: Jährlicher Anteil von Anschlägen mit Opfern, 1970–2014 228 Abbildung 35: Jährlicher Anteil von Anschlägen mit Opfern differenziert nach Anschlagstypen, 1970–2014 230 Abbildung 36: Übersicht Opferzahlen nach Opferarten 231 Abbildung 37: Jährliche Opferzahl gruppiert nach Verwundeten, Toten und Opfern gesamt, 1970–2014 233 Abbildung 38: Durchschnittliche jährliche Opferzahl pro Anschlag, 1970–2014 234 Abbildung 39: Durchschnittliche jährliche Opferzahl pro Anschlag gruppiert nach Verwundeten und Toten, 1970–2014 235 XIII Abbildungsverzeichnis Abbildung 40: Anteil der Selbstmordattentate an allen Anschlägen, 1970–2014 236 Abbildung 41: Jährlich Anzahl von Selbstmordattentaten, 1970–2014 237 Abbildung 42: Jährlicher Anteil von Selbstmordattentaten, 1970–2014 238 Abbildung 43: Übersicht Anschläge mit Massenvernichtungswaffen nach Waffentypen 238 Abbildung 44: Jährliche Anzahl von Anschlägen mit Massenvernichtungswaffen, 1970–2014 239 Abbildung 45: Jährlicher Anteil von Anschlägen mit Massenvernichtungswaffen, 1970–2014 240 Abbildung 46: Anteile von Anschlägen mit chemischen, biologischen und radioaktiven Waffen an allen Anschlägen mit Massenvernichtungswaffen, 1970–2014 241 Abbildung 47: Jährliche Anzahl von Anschlägen mit Massenvernichtungswaffen differenziert nach Waffentypen, 1970–2014 262 Abbildung 48: Übersicht Anschläge nach Anschlagszielen 242 Abbildung 49: Anteil von Anschlägen mit zivilen Opfern an allen Anschlägen, 1970–2014 242 Abbildung 50: Jährlich Anzahl von Anschlägen mit zivilen Opfern, 1970–2014 244 Abbildung 51: Jährlicher Anteil von Anschlägen mit zivilen Opfern, 1970–2014 245 Abbildung 52: Übersicht Anschläge nach logistischer Internationalität 246 Abbildung 53: Anteil von logistisch-internationalen Anschlägen an allen Anschlägen, 1970–2014 246 Abbildung 54: Jährliche Anzahl von logistisch-internationalen Anschlägen, 1970–2014 247 Abbildung 55: Jährlicher Anteil von logistisch-internationalen Anschlägen, 1970–2014 248 Abbildung 56: Übersicht Anschläge nach ideologischer Internationalität 249 Abbildung 57: Anteil von ideologisch-internationalen Anschläge an allen Anschlägen, 1970–2014 249 XIV Abbildungsverzeichnis Abbildung 58: Jährliche Anzahl von ideologisch-internationalen Anschlägen, 1970–2014 250 Abbildung 59: Jährlicher Anteil von ideologisch-internationalen Anschlägen, 1970–2014 251 Abbildung 60: Übersicht Anschläge nach gemischter Internationalität 252 Abbildung 61: Anteil von gemischt-internationalen Anschläge an allen Anschlägen, 1970–2014 252 Abbildung 62: Jährliche Anzahl von gemischt-internationalen Anschlägen, 1970–2014 253 Abbildung 63: Jährlicher Anteil von gemischt-internationalen Anschlägen, 1970–2014 254 Abbildung 64: Übersicht Anschläge nach gesamter Internationalität 255 Abbildung 65: Anteil der gesamt-internationalen Anschläge an allen Anschlägen, 1970–2014 255 Abbildung 66: Jährliche Anzahl von gesamt-internationalen Anschlägen, 1970–2014 256 Abbildung 67: Jährlicher Anteil von gesamt-internationalen Anschlägen, 1970–2014 257 Abbildung 68: Übersicht ideologische Anschläge nach Ideologien 258 Abbildung 69: Anteil von Anschlägen nach Ideologien unterteilt an allen Anschlägen mit Ideologie, 1970–2014 258 Abbildung 70: Jährliche Anzahl von ideologischen Anschlägen unterteilt nach Ideologien, 1970–2014 261 Abbildung 71: Jährlicher Anteil von ideologischen Anschlägen unterteilt ach Ideologien, 1970–2014 263 Abbildung 72: Jährlicher kumulierter Anteil von ideologischen Anschlägen differenziert nach Ideologien, 1970–2014 263 Abbildung 73: Vergleich der jährlichen Anzahl von allen Anschlägen und Anschlägen mit Ideologie, 1970–2014 264 Abbildung 74: Vergleich Anteil von Anschlägen mit Opfern der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 267 Abbildung 75: Vergleich Anteil von Anschlägen mit Opfern unterteilt nach Anschlagstypen der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 267 XV Abbildungsverzeichnis Abbildung 76: Vergleich durchschn. Opferzahl pro Jahr unterteilt nach Opferarten der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 268 Abbildung 77: Vergleich durchschn. jährliche Opferzahl pro Anschlag unterteilt nach Opferarten der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 269 Abbildung 78: Vergleich Anteil von Selbstmordattentaten der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 270 Abbildung 79: Vergleich Anteil von Anschlägen mit Massenvernichtungswaffen der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 271 Abbildung 80: Vergleich Anteil von Anschlägen mit zivilen Opfern der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 272 Abbildung 81: Vergleich Anteil von internationalen Anschlägen der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 274 Abbildung 82: Vergleich Anteil von ideologischen Anschlägen unterteilt nach Ideologien der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 275 Abbildung 83: Vergleich Anteil von ideologischen Anschläge mit Opfern und allen Anschlägen mit Opfern der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 277 Abbildung 84: Vergleich Anteil von ideologischen Anschlägen mit Opfern unterteilt nach Ideologien der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 278 Abbildung 85: Vergleich Anteil durchschn. Anzahl Opfer pro Anschlag von ideologischen Anschlägen und allen Anschlägen der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 279 Abbildung 86: Vergleich durchschn. Anzahl Opfer pro Anschlag von ideologischen Anschlägen unterteilt nach Ideologien der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 280 Abbildung 87: Vergleich Anteil von ideologischen Selbstmordattentaten und allen Selbstmordattentaten der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 281 Abbildung 88: Vergleich Anteil von Selbstmordattentaten an ideologischen Anschlägen unterteilt nach Ideologien der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 282 XVI Abbildungsverzeichnis Abbildung 89: Vergleich Anteil von ideologischen Anschlägen mit Massenvernichtungswaffen und allen Anschlägen mit Massenvernichtungswaffen der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 283 Abbildung 90: Vergleich Anteil von ideologischen Anschlägen mit Massenvernichtungswaffen unterteilt nach Ideologien der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 283 Abbildung 91: Vergleich Anteil von ideologischen Anschlägen mit zivilen Opfern und allen Anschlägen mit zivilen Opfern der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 285 Abbildung 92: Vergleich Anteil von ideologischen Anschlägen mit zivilen Opfern unterteilt nach Ideologien der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 286 Abbildung 93: Vergleich Anteil von internationalen ideologischen Anschlägen und allen internationalen Anschlägen der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 287 Abbildung 94: Vergleich Anteil von internationalen ideologischen Anschlägen unterteilt nach Ideologien der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 288 Abbildung 95: Übersicht der gestützten und abgelehnten Forschungshypothesen H1–H4 291 Abbildung 96: Zusammenhang religiöse Anschläge und übrige Eigenschaften 292 Abbildung 97: Übersicht gestützte und abgelehnte Forschungshypothesen der Untersuchung 300 Abbildung 98: Höherer Wert der Untersuchungsbereiche im Zeitraum II bei religiösen Anschlägen 301 Abbildung 99: Höchste Werte der Untersuchungsbereiche nach Ideologien 301 XVII Abkürzungsverzeichnis AUC United Self Defense Forces of Colombia ANC African National Congress AQAP Al Qaeda in the Arabian Peninsula AQI Al Qaeda in Iraq AQLIM Al Qaeda in the Land of the Islamic Maghreb AQY Al Qaeda in Yemen BAAD Big, Allied and Dangerous CETI Center for Terrorism and Intelligent Studies CMEPP Center for Middle East Public Policy CSA Convent Sword and the Army of the Lord CSTPV Center for the Study of Terrorism und Political Violence DARPA Defense Advanced Research Projects Agency EOKA Ethniki Organosis Kyprion Agoniston ETA Euskadi Ta Askatasuna FARC Revolutionary Armed Forces of Colombia – People’s army FLN Front de Libération de Nationale GSCP Salafist Group for the Preaching and Combat GTD Global Terrorism Database IRA Irish Republican Army ISIL Islamic State of Iraq and the Levant ISVG Institute for the Study of Violent Groups ITERATE International Terrorism: Attributes of Terrorist Events XVIII Abkürzungsverzeichnis LRA Lord’s Resistance Army LTTE Liberation Tigers of Tamil Eelam MAK Maktab al Khidamat MCTR Military Council of the Tribal Revolutionaries MIPT Oklahoma City National Memorial Institute for the Prevention of Terrorism MMO Mapping Militant Organizations OIRA Official Irish Republican Army PGIS Pinkerton Global Intelligence Service PKK Workers’ Party of Kurdistan PLO Palestine Liberation Organization PRI Institutional Revolutionary Party RAF Rote Armee Fraktion RDWTI RAND Database of Worldwide Terrorism Incidents START National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism TKB Terrorism Knowledge Base TOPs Terrorist Organization Profiles TRAC Terrorism Research & Analysis Consortiums UDD Democracy Against Dictatorship UFF Ulster Freedom Fighters UVF Ulster Volunteer Force WITS Worldwide Incidents Tracking System 1 1 Einleitung: Das Forschungsparadigma des Neuen Terrorismus 1.1 Forschungsinteresse und Problemstellung Regierungen und Institutionen, die sich mit der Terrorismusbekämpfung befassen, haben häufig eigene wissenschaftliche Einrichtungen oder bedienen sich des Wissens externer Einrichtungen, Universitäten und Think Tanks, um Strategien der Terrorismusbekämpfungen zu entwickeln. Vor allem im Umfeld dieser wissenschaftlichen Einrichtungen, aber auch in den Medien, gab es nach dem ersten Anschlag auf das World Trade Center 1993 einen Paradigmenwechsel in der Terrorismusforschung. Das neue Forschungsparadigma, der „Neue Terrorismus“, löste das altbekannte Bild terroristischer Organisationen ab. Der Begriff verfestigte sich im Laufe der Zeit in der Wissenschaft, den Medien, der Politik und in der Öffentlichkeit.1 Das Bild dieses Neuen Terrorismus orientiert sich hauptsächlich an den Bildern des 11. September 2001. Es setzt sich zusammen aus losen Zellen international agierender Netzwerke, deren politische Ziele hinter der Fassade einer religiösen Ideologie verschwinden, um mit Hilfe von Selbstmordattentätern und Massenvernichtungswaffen möglichst viele Menschen mit sich in den Tod zu reisen und jedem das Gefühl zu geben, er könnte der Nächste sein. Der Gebrauch von Massenvernichtungswaffen und Selbstmordattentätern, eine steigende Anzahl von religiösen Gruppen, eine erhöhte Opferzahl und eine vernetzte Struktur der terroristischen Organisationen zählen hierbei zu den am häufigsten erwähnten Eigenschaften.2 Ein erster Blick auf das aktuelle Handeln politischer Akteure und die Entwicklung des Diskurses lässt Zweifel an der tatsächlichen Existenz eines Neuen Terrorismus aufkommen: Im Kontext der Anschläge des 11. September 2001 und in dem damit stark wiederbelebten Diskurs um einen Neuen Terrorismus stiegen die Mittel 1 Siehe unter anderem Morgenthau 1993; Simon/Benjamin 2000; Giddens 2004; Morgan 2004. 2 Siehe unter anderem Copeland 2001; Hoffmann 2006, S. 409 ff; Jenkins 2006; Crenshaw 2007; Mockaitis 2008. 2 Einleitung: Das Forschungsparadigma des Neuen Terrorismus zur Bekämpfung des Terrorismus zunächst allein in den USA von 2001 bis 2002 um 276 Prozent.3 Der im November 20144 veröffentlichte Global Terrorism Index 2014 des Institute for Economics and Peace spricht mit 17.958 Opfern von der höchsten Anzahl von Todesopfern terroristischer Anschläge seit dem Jahr 2000. Alleine im Vergleich zum Jahr 2012 ist in 2013 die Anzahl der Todesopfer terroristischer Anschläge um über 50 % gestiegen.5 Terroristischen Organisationen wie der Boko Haram, der Al-Nusrah Front und dem Islamischen Staat fielen 2013 sogar noch mehr Menschen zum Opfer als im Jahr 2001 bei den Anschlägen auf das World Trade Center. Die Aufmerksamkeit der Bevölkerung und der Einsatz der Regierungen bei der Bekämpfung des Terrorismus sind trotz der gestiegenen Opferzahlen zum Erscheinen des Global Terrorism Index 2014 jedoch wesentlich geringer als in den Jahren direkt nach dem 11. September 2001. Im August 2014 schloss das Oklahoma City National Memorial Institute for the Prevention of Terrorism (MIPT), das bis zu diesem Zeitpunkt über 20.000 Polizisten in den USA im Bereich Terrorismusbekämpfung geschult hatte. Dessen Finanzierung durch das nach dem 11. September 2001 gegründeten U. S. Department of Homeland Security wurde komplett eingestellt.6 Staatliche Konflikte, Naturkatastrophen und die Weltwirtschaftskrise schienen den Fokus der Politik in eine neue Richtung gelenkt zu haben. Aber vor allem die weite Distanz zu den Anschlägen scheint die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit und somit den Handlungsdruck auf die Regierungen zu verringern – gleichzeitig ist es in dem Diskurs um den Neuen Terrorismus in den letzten Jahren ruhiger geworden. Erst seit einer Reihe an medial wirkungsvollen Anschlägen7, die mit dem Anschlag auf die französische Satirezeitschrift Charlie Hebdo im Jahr 2015 begonnen haben, steht der Begriff des Neuen Terrorismus wieder im Mittelpunkt der Öffentlichkeit. In einem Online Artikel von CNN „Paris Attack: The New Terror“ wird Daniel Benjamin zitiert. Er ist einer der Autoren, die Anfang der neunziger Jahre in dem Diskurs um den Neuen Terrorismus noch vor Bruce Hoffman auf die zukünftigen Gefahren von Massenvernichtungswaffen hingewiesen hatten. Er beschreibt in diesem Artikel den Gebrauch von Sturmgewehren als Teil der „evolution of terrorism“.8 Obwohl die Anschläge in Paris eben nicht den Eigenschaften des Neuen Terrorismus entsprechen, lässt sich eine ähnliche Rhetorik und ein damit verbundener Aktionismus wie nach 3 Vgl. United States General Accountig Office 2002, S. 2. 4 Die vorliegende Untersuchung bezieht sich auf einen Zeitraum von 1970 bis 2014. 5 Vgl. Institute for Economics and Peace 2014, S. 4/13. 6 Vgl. Brewer 2014. 7 Paris, November 2015; Brüssel, März 2016; Istanbul, Juni 2016; Nizza, Juli 2016; Berlin, Dezember 2016; Istanbul, Januar 2017; London, März 2017; Stockholm, April 2017; Manchester, Mai 2017; London, Juni 2017. 8 Vgl. Collinson 2015. 3 Forschungsinteresse und Problemstellung den Anschlägen des 11. September 2001 erkennen. Auffällig ist der Zusammenhang zwischen dem Ausmaß der Aufmerksamkeit für ein einzelnes Ereignis und der Verkündung einer evolutionären Veränderung des Terrorismus bzw. dem Verhalten der terroristischen Organisationen. Aber auch die Flexibilität, mit der der Begriff eingesetzt wird und situationsabhängig in veränderter Gestalt auftaucht, lässt Zweifel aufkommen, ob es sich beim Neuen Terrorismus um ein empirisch nachweisbares Phänomen handelt oder doch nur um die gezielte Rhetorik einzelner Akteure und die subjektive Wahrnehmung der Bevölkerung. Diese Zweifel an der Existenz des Forschungsparadigmas müssen auch aufgrund von gegenseitigen Abhängigkeiten zwischen wissenschaftlichen und politischen Institutionen erhoben werden: Die Politik ist auf die Erkenntnisse und Auswertungen von Think Tanks angewiesen, um ihre Strategien zu optimieren, und die wissenschaftlichen Einrichtungen sind zum Teil auf die Finanzierung aus staatlichen Aufträgen angewiesen, um ihre Forschung weiter betreiben zu können.9 Besonders der RAND Corporation wird von einigen Autoren unterstellt, im Sinne einiger politischer Akteure gezielt das Forschungsparadigma eines Neuen Terrorismus im wissenschaftlichen, medialen und politischen Diskurs zu fördern.10 Dieser Vorwurf einer gegenseitigen Abhängigkeit macht eine kritische Betrachtung vermeintlich wissenschaftlicher Erkenntnisse nötig, um die Objektivität der Ergebnisse zu überprüfen und zum anderen den Nutzen für politische Entscheider sicherzustellen. Zwar gibt es seit Anfang der neunziger Jahre, und vor allem seit dem 11. September 2001, einen umfassenden wissenschaftlichen Diskurs über die Existenz und Ausgestaltung eines „Neuen Terrorismus“, es gibt jedoch bis heute keine umfassende empirische Untersuchung, die die tatsächliche Entwicklung aller erwähnten Eigenschaften des „Neuen Terrorismus“ bei terroristischen Organisationen bestätigt oder widerlegt. Daraus resultiert das Erkenntnisinteresse der vorliegenden Dissertation: Herauszufinden, ob sich die Eigenschaften terroristischer Organisationen und terroristischer Anschläge quantitativ und qualitativ in einem Maß verändert haben, dass es gerechtfertigt erscheint, einen neuen Begriff in den wissenschaftliche Diskurs einzubringen, der die Entwicklung des Terrorismus in eine Zeit „davor“ und eine Zeit „danach“ teilt. Dabei wird vor allem dem Vorwurf einiger Autoren Rechnung getragen, die Akteuren mit einem besonderen Interesse eine gezielte Etablierung des Forschungsparadigmas unterstellen. Die vorliegende Arbeit erhebt den Anspruch, diese Forschungslücke einer fehlenden empirischen Untersuchung zu 9 Im Jahr 2013 hatte die RAND Corporation, eines der größten privaten Forschungszentren der Welt, Einnahmen in Höhe von 236 Millionen US-Dollar. Ca. 50 % der Einnahmen kamen aus Aufträgen unterschiedlicher Regierungsbehörden. Vgl. RAND Corporation 2015 a. 10 Vgl. u. a. Burnett/Whyte 2005; Copeland 2001. 4 Einleitung: Das Forschungsparadigma des Neuen Terrorismus schließen, indem sie die tatsächlichen Entwicklungen im Verhalten terroristischer Organisationen mit den Eigenschaften aus dem Begriff des Neuen Terrorismus in einer Auswertung empirischer Daten vergleicht. 1.2 Forschungsziel und Fragestellung Der vorliegenden Arbeit liegt im Zusammenhang mit dem wissenschaftlichen, medialen und politischen Diskurs um den Neuen Terrorismus eine Vermutung zugrunde, die eine genauere Betrachtung des Begriffs notwendig erscheinen lässt. Seit Beginn der neunziger Jahre hat es keine wesentlichen Veränderungen im Verhalten von terroristischen Organisationen gegeben, die zu einer erhöhten Bedrohungslage und somit zu einem Handlungsdruck im Bereich der Terrorismusbekämpfung geführt haben, wie es das Forschungsparadigma des Neuen Terrorismus darlegt. Aus dieser Vermutung lässt sich eine übergreifenden Fragestellungen ableiten, die aus theoretischen und empirischen Erkenntnissen heraus im Laufe der Arbeit beantwortet werden sollen. Die übergeordnete Fragestellung befasst sich mit der Existenz des Neuen Terrorismus und somit konkret mit dem Verhalten terroristischer Organisationen: Gibt oder gab es einen „Neuen Terrorismus“? In einem ersten Schritt stellt sich die Frage nach der Entwicklung des wissenschaftlichen, medialen und politischen Diskurses, der den Untersuchungsgegenstand „Neuer Terrorismus“ für den Fortgang der Arbeit definiert. Hierzu ergeben sich folgende Leitfragen, die im theoretischen Teil der Arbeit beantworten werden: L1. Welche Akteure sind an dem Diskurs um den Neuen Terrorismus beteiligt? L2. Welche Veränderungen, bzw. Eigenschaften von Anschlägen und im Verhalten terroristischer Organisationen fassen die Akteure unter dem Begriff „Neuer Terrorismus“ zusammen? L3. Welche Begründungen werden für die Veränderung im Verhalten terroristischer Organisationen angeführt? 5 Forschungsstand Demgegenüber steht die tatsächliche Entwicklung im Verhalten der terroristischen Organisationen. Im empirischen Teil der Untersuchung werden dazu folgende Fragestellungen zu beantworten sein: F1. Welche Veränderung im Verhalten terroristischer Organisationen hat es seit 1993 gegeben, bezogen auf die Eigenschaften, die im wissenschaftlichen Diskurs als die Eigenschaften des Neuen Terrorismus beschrieben werden? F2. Wie stark sind diese Veränderungen? F3. Wie neu sind die Eigenschaften? Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die tatsächlichen Entwicklungen im Verhalten terroristischer Organisationen mit den Eigenschaften aus dem Begriff des Neuen Terrorismus in einer empirischen Datenauswertung zu vergleichen. 1.3 Forschungsstand Eine Forschungslücke besteht zum einem in fehlenden umfassenden empirischen Belegen zu den Eigenschaften des Neuen Terrorismus, die den Paradigmenwechsel in dem wissenschaftlichen Diskurs rechtfertigen würden. Zum anderen werden nur ansatzweise die Ursachen für die Veränderungen im Verhalten terroristischer Organisationen angesprochen. Eine ausführliche Betrachtung der Literatur zum Neuen Terrorismus erfolgt in Kapitel 2. Alter und Neuer Terrorismus im wissenschaftlichen, medialen und politischen Diskurs. Die nachfolgende Auflistung ist daher nur eine kurze Zusammenstellung der in diesem Kapitel erwähnten Autoren. Literatur zum Neuen Terrorismus Die Literatur zum Thema Neuer Terrorismus lässt sich inhaltlich in zwei Zeitabschnitte einteilen: vor dem 11. September 2001 und nach dem 11. September 2001. Die Literatur vor dem 11. September 2001 besteht hauptsächlich aus Artikeln eines noch beschränkten Autorenkreises, die das Aufkommen eines Neuen Terrorismus allgemein diskutieren (u. a. Laqueur 1996; Hoffman 1999; Simon/Benjamin 2000; Roy/ Hoffman/Paz/Simon/Benjamin 2000; Crenshaw 2000; Hirschmann 2000), aber auch zu einzelnen Aspekten Stellung nehmen, wie „Religion“ (u. a. Ranstorp 2004; Hoffmann 1998–1999 a), „Netwar“ und „Cyberwar“ (u. a. Hoffman 1998–1999 b; Arquil- 6 Einleitung: Das Forschungsparadigma des Neuen Terrorismus la/Ronfeldt/Zanini 1999; Whine 1999) oder „Massenvernichtungswaffen“ (u. a. Hoffmann 2000). Nach den Anschlägen des 11. September 2001 hat sich der Autorenkreis quantitativ und geographisch erweitert, der sich in Artikeln für eine Entwicklung hin zu einem Neuen Terrorismus ausspricht (u. a. Bremer 2001; Simon/Benjamin 2001– 2002; Cronin 2003; Simon 2003; Wilkinson 2003; Whine 2006; Jenkins 2006; Neumann 2009 b). Unerschöpflich erscheint die Literatur zu den einzelnen Aspekten, wie z. B. „Selbstmordterrorismus“ (u. a. Bloom 2005 a; Atran 2006; Crenshaw 2007), „Massenvernichtungswaffen“ (u. a. Stern 2001; Gurr/Cole 2005; Jenkins 2008) und „Religion“ (u. a. Stern 2003; Frayman 2006; Fine 2008). Auffällig ist die Konzentration auf islamistischen Terrorismus, Al Qaeda und Osama bin Laden in den Texten über Neuen Terrorismus, ohne jedoch auch diese Teilaspekte empirisch zu untermauern (u. a. Bremer 2001; Howard 2004; Simon 2003; Wilkinson 2003; Sageman 2004; Mockaitis 2008; Neumann 2009 a/2009 b). Neben einzelnen Artikeln finden sich nach dem 11. September 2001 auch Kapitel in Monographien und Aufsatzsammlungen (u. a. Howard 2004; Kraushaar 2006) und sogar ganze Bücher, die sich ausschließlich mit dem Thema als Monographie (u. a. Mockaitis 2008; Neumann 2009 a) oder in Form von Artikelsammlungen (u. a. Tan/Ramakrishna 2002) beschäftigen. Aber keine dieser Arbeiten nutzt eine ausführliche empirische Untersuchung, um die Argumente für oder gegen einen Neuen Terrorismus zu belegen. Dies wird höchstens teilweise durch empirische Untersuchungen zu einzelnen Aspekten (u. a. Spencer 2006; Mockaitis 2008) oder durch qualitative Fallbeispiele (u. a. Kometer 2004; Neumann 2009 a) geleistet. Gleichzeitig hat sich nach dem 11. September 2001 auch eine Metadiskussion aus kritischen Betrachtungen der genannten Artikel und der Frage entwickelt, ob und in wieweit das Forschungsparadigma existiert (u. a. Copeland 2001; Tucker 2001; Morgan 2004; Zimmermann 2004; Burnett/Whyte 2005; Spencer 2006; Crenshaw 2007; Field 2009; Kurtulus 2011). Literatur zu empirischen Untersuchungen Die einzige umfassende empirische Untersuchung zur Entwicklung des Terrorismus erschien im Jahr 2015: „Putting Terrorism in Context“ von Gary LaFree, Laura Dugan und Erin Miller.11 Diese werten in ihrem Buch die Daten der Global Terrorism Database (GTD) von 1970 bis 2012 aus, wobei die Herausstellung des 11. September 2001 als „Black Swan Event“ den argumentativen Ausgangspunkt bildet. Bei dem „Black Swan Event“ beziehen sich die Autoren auf ein Phänomen, das Nassim Nicholas Taleb 11 Vgl. LaFree/Dugan/Miller 2015. 7 Begriffsverständnis und theoretischer Ansatz in seinem Werk „The Black Swan“ beschreibt.12 Es handelt sich hierbei um ein Ereignis, dessen Eintreten außerhalb der Erwartungen liegt, das extreme Auswirkungen hat und nicht den Vorhersagen entspricht. Das Forschungsziel dieser Arbeit ist es, durch einen umfassenden Blick auf den gesamten Terrorismus die Annahmen über Terrorismus, die sich durch dieses „Black Swan Event“ ergeben haben, genauer zu beleuchten. Hierbei wird jedoch der Fragestellung nach der generellen Existenz eines Neuen Terrorismus nicht nachgegangen. Das Konzept des Neuen Terrorismus und der dazugehörige wissenschaftliche, mediale und politische Diskurs werden nicht angesprochen. Zwar werden für einige Eigenschaften des Terrorismus, die auch für die vorliegende Untersuchung zum Neuen Terrorismus relevant sind, zeitliche Entwicklungen dargestellt, es findet jedoch kein Vergleich der beiden Zeiträume in der empirischen Untersuchung statt. Aber vor allem der Zusammenhang des Verhaltens terroristischer Organisationen und ihrer Ideologie wird in die Untersuchung nicht miteinbezogen. Dennoch kann die Untersuchung von Gary LaFree, Laura Dugan und Erin Miller aktuell als eine der umfassendsten deskriptiven Datenauswertungen zum Thema Terrorismus betrachtet werden. Aus diesem Grund und weil für die vorliegende Dissertation dieselbe Datenbank als Grundlage der Untersuchung verwendet wurde, soll das Werk an dieser Stelle Erwähnung finden. 1.4 Begriffsverständnis und theoretischer Ansatz Rational Choice Die terroristische Organisation wird in der vorliegenden Arbeit als gesamte Organisation, bzw. kollektiver Akteur betrachtet. Ein nicht-psychologischer, instrumenteller Ansatz, wie das Modell des rationalen Handelns, bietet sich hierbei an, um Entscheidungen, Verhalten und Verhaltensänderungen auf dieser Makroebene der terroristischen Organisation zu erklären. Deshalb wird die terroristische Organisation im Folgenden als rational handelnde Organisation verstanden. Sie trifft unter anderem die Auswahl der jeweiligen Strategien zur Erreichung ihrer Ziele unter der Annahme der kollektiven Rationalität und reagiert auf Veränderungen in ihrer Umwelt.13 Die Rational Choice Theorie gehört zu den strategischen Theorien und ist neben den organisationalen und psychologischen Theorien ein mögliches Erklärungsmodell zur Entscheidungsfindung und dem Verhalten terroristischer Organisationen. Im Gegensatz zur Rational Choice Theorie sieht die organisationale Theorie das Verhalten und die Entscheidungsfindung terroristischer Organisationen nicht als Reak- 12 Vgl. Taleb 2007. 13 Vgl. Crenshaw 1985/1998; McCormik 2003, S. 481 ff; Mayntz 2004; Abrahams 2008. 8 Einleitung: Das Forschungsparadigma des Neuen Terrorismus tion auf äußere Einflüsse, sondern als Konsequenz interner organisationaler Prozesse. Nicht die Umsetzung der politischen oder ideologischen Vorstellungen steht im Mittelpunkt, sondern das Überleben der Organisation als solche. Dieses Erklärungsmodell ist für die vorliegende Untersuchung jedoch ungeeignet, da in seiner Logik Verhalten und Entscheidungsfindungen der terroristischen Organisation auf nicht beobachtbaren Prozessen basieren und somit empirisch schwer oder gar nicht überprüfbar sind.14 Die psychologische Theorie erklärt Verhalten und Entscheidungsfindung terroristischer Organisationen aufgrund individueller Präferenzen, Glaubenssysteme und psychologischer Dispositionen der Mitglieder. Als Erklärungsmuster werden kognitive und affektive Verzerrungen in Form von Persönlichkeitsstörungen der Mitglieder, oder Aggressionsauslöser, wie Frustration oder Narzissmus herangezogen. Ähnlich wie bei der organisationalen Theorie, ist die schwierige empirische Überprüfbarkeit problematisch.15 Des Weiteren kann ein psychologisches Erklärungsmodell aufgrund seiner Verallgemeinerungen generell der Komplexität des Phänomens Terrorismus nicht gerecht wird.16 Die Rational Choice Theorie als Erklärungsmodell zum Verhalten und zur Entscheidungsfindung terroristischer Organisationen ist als einziges Modell für die Untersuchung geeignet, da sie im Gegensatz zur organisationalen und zur psychologischen Theorie von einem Standard-Verhalten der terroristischen Organisationen ausgeht, dessen Abweichungen, aber auch dauerhafte Veränderungen, gemessen werden können.17 Wave-Theorie Der Neue Terrorismus wird als eine Phase in der Entwicklung des Terrorismus verstanden, wie sie von David C. Rapoport in seiner Wave-Theorie dargestellt wird.18 Bestimmte Eigenschaften terroristischer Organisationen sollten häufiger (zeitlich und räumlich) in dem Untersuchungszeitraum des Neuen Terrorismus auftreten, als dies zuvor der Fall war. Die Grundlage für die Untersuchung bildet das strukturelle Verständnis einer Phase: „It is a cycle of activity in a given time of period – a cycle characterized by expansion and contraction phases. A crucial feature is its international character; simi- 14 Vgl. Crenshaw 1985/2001, S. 19 ff; McCormick 2003, S. 486 ff. 15 Vgl. McCormick 2003, S. 490 ff. 16 Vgl. Reich 1998, S. 261 f; Daase/Spencer 2011, S. 30. 17 Vgl. Crenshaw 1998, S. 9; McCormick 2003, S. 500. 18 Vgl. Rapoport 2004; Siehe ausführlich: Rapoport 2006 a/b/c/d. 9 Begriffsverständnis und theoretischer Ansatz lar activities occur in several countries, driven by a common predominant energy that shapes the participating groups’ characteristics and mutual relationships.“19 Jede Wave hat als verbindendes Element eine „Predominant Energy“, die sie dazu bringt, spezifische Strategien, Ziele und Strukturen anzuwenden. Sowohl die Predominant Energy als auch die restlichen Eigenschaften des Neuen Terrorismus sind nicht ausschließlich, sondern nur dominant prägend für die Wave. Aus der Wave-Theorie leitet sich für die Untersuchung das Verständnis über das Verhältnis von „Altem Terrorismus“ und „Neuem Terrorismus“ ab, welches eben nicht nur als Abfolge von zwei Phasen verstanden wird. Der Neue Terrorismus ist über einen bestimmten Zeitraum dominant und hat somit eine Wave in der Geschichte des Terrorismus geprägt, während gleichzeitig der Alte Terrorismus weiterhin existiert, im Verhältnis jedoch quantitativ und qualitativ geringer als zuvor. Theoretischer Ansatz des Neuen Terrorismus Ausgehend von der Grundannahme des kollektiven Rationalismus bei terroristischen Organisationen, der Wave-Theorie nach David C. Rapoport und den extrahierten Eigenschaften aus dem Diskurs über den Neuen Terrorismus, lässt sich ein theoretischer Ansatz des Neuen Terrorismus ableiten, aus dem im Verlauf der Untersuchung Forschungshypothesen formuliert werden, die die Existenz eines Neuen Terrorismus bestätigen bzw. widerlegen sollen. Diese Theoriebildung ergibt sich inhaltlich aus den bereits vorhandenen Annahmen über einen Neuen Terrorismus, die in der Arbeit im Abschnitt über den Diskurs des Neuen Terrorismus zusammengetragen werden. Der kollektive Rationalismus und die Wave-Theorie bilden hierfür den Rahmen. Bei dem theoretischen Ansatz des Neuen Terrorismus wird davon ausgegangen, dass es einem Zeitabschnitt gibt, der Anfang der neunziger Jahre begonnen hat, in dem sich folgende Eigenschaften bei terroristischen Organisationen vermehrt zeigen: die hohe Bereitschaft des Gewalteinsatzes, eine Undifferenziertheit bei der Opferwahl, ein erhöhtes Vorkommen religiöser Ideologien und eine netzwerkartige Struktur.20 Es wird davon ausgegangen, dass die Veränderungen innerhalb terroristischer Organisationen, aber auch die Bildung neuer terroristischer Organisationen, rationale Reaktionen auf externe Auslöser sind. Zu diesen Auslösern gehören Ereignisse, wie die Iranische Revolution, der Zusammenbruch der Sowjet-Union, der Jahrtausendwechsel, die wachsende Ungleichverteilung in der Bevölkerung, die Globalisierung und die fortschreitende Technologisierung bei Kommunikationsmittel, neue Reisemöglichkeiten und Waffen. Diese externen Ereignisse beeinflussen jedoch nicht 19 Rapoport 2004, S. 47. 20 Vgl. u. a. Copeland 2001; Hoffmann 2006, S. 409 ff; Jenkins 2006; Crenshaw 2007; Mockaitis 2008. 10 Einleitung: Das Forschungsparadigma des Neuen Terrorismus die Ideologie einer bereits bestehenden terroristischen Organisation, sondern führen höchstens zur vermehrten Bildung neuer terroristischer Organisation mit speziellen Ideologien. Diese Eigenschaften bzw. die daraus resultierenden Aktivitäten terroristischer Organisationen zeigen eine quantitative Ausbreitung, indem sie zum einen an mehrere Orten auf der Welt gleichzeitig, aber vor allem in ihrer Gesamtanzahl vermehrt auftreten. Die Predominant Energy einer Wave als verbindendes Element des Neuen Terrorismus scheint die Religion zu sein, die sich als Ideologie der terroristischen Organisationen manifestiert und sie dazu bringt, spezifische Strategien, Ziele und Strukturen anzuwenden. 1.5 Methodik Bei der vorliegenden Dissertation handelt es sich um eine Untersuchung aus dem Bereich der Politikwissenschaft, die einen empirisch-analytischen Ansatz in Form einer quantitativen Untersuchung zur Gewinnung des Erkenntnisinteresses nutzt. Der eigentlich deduktive Forschungsprozess beginnt nach der Extraktion der vier Eigenschaften des Terrorismus aus der vorliegenden Literatur. Aus dem entwickelten theoretischen Ansatz des Neuen Terrorismus werden Forschungshypothesen gewonnen, die mithilfe quantitativer empirischer Verfahren überprüft werden. Bei der Auswertung handelt es sich um eine Sekundäranalyse bereits vorhandener Daten. Der Datensatz der Global Terrorism Database (GTD) des National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism (START) umfasst 142.714 terroristische Anschläge aus einem Zeitraum von 1970 bis 2014.21 Die quantitative, deskriptive Auswertung des Datensatzes in Form einfacher Vergleichsanalysen erfolgt mit STATA Release 13. Als statistische Modelle zur Auswertung der Daten werden vor allem Häufigkeitsverteilungen und Mittelwertvergleiche angewandt. Im Mittelpunkt der Auswertung steht, neben der deskriptiven Auswertung, der Vergleich der beiden Untersuchungszeiträume „1970–1992“ und „1993–2014“. Den unterschiedlichen Größen der Untersuchungszeiträume wird durch die Betrachtung der verschiedenen Durchschnittswerte Rechnung getragen. 21 Die Auswertung der Datenbank und die Erhebung der fehlenden Variablen „Ideologie“, die auf den Daten der GTD 2014 basieren, war bereits abgeschlossen, bevor im Sommer 2016 die Daten für das Jahr 2015 durch das National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism (START) ergänzt wurden. Aus diesem Grund beschränkt sich der Untersuchungszeitraum auf die Jahre 1970 bis 2014. 11 Aufbau der Untersuchung Die fehlende Variable „Ideologie“ wurde selbst für die Untersuchung erhoben und als neue Variable in die Datenbank eingefügt. Als Erhebungsgrundgesamtheit dienten die in der Global Terrorism Database (GTD) aufgeführten „echten“ terroristischen Organisationen, denen eine Ideologie zugeordnet werden konnte. Ausgenommen wurden hiervon Einzeltäter und allgemeine Gruppierungen von Einzeltätern. Hierzu wurde zunächst mithilfe einer Stichprobenziehung nach dem Konzentrationsprinzip die Erhebungsgrundgesamtheit auf ein sinnvolles Maß reduziert. Als Maß diente die Aktivität der terroristischen Organisationen in Form der Anschlagshäufigkeit, die für die Untersuchung über zehn Anschlägen liegen sollte. Zur Erhebung der Variablen wurden insgesamt 526 verschiedene Dokumente genutzt. Für jede Organisation liegen mindestens drei Quellen unterschiedlicher Herkunft vor, in denen Hinweise zur Ideologie der jeweiligen terroristischen Organisation gefunden wurden. Zu den genutzten Quellen zählen fast 300 unterschiedliche Internetquellen unter anderem in Form von Datenbanken, Zeitungsartikeln, Berichten, Essays und Homepages. Des Weiteren liegen Textstellen und Kapitel aus 72 Büchern, 34 Zeitschriftenaufsätzen, vier Zeitungsartikeln (Printmedien), einer Gerichtsentscheidung, einem Archivgut und einem Filmdokument vor. 1.6 Aufbau der Untersuchung Kapitel 2. Alter und Neuer Terrorismus im wissenschaftlichen, medialen und politischen Diskurs gibt einen umfassenden Überblick über den Diskurs des Neuen Terrorismus seit Anfang der 90er Jahre. Das Kapitel orientiert sich an den folgenden drei Leitfragen: Welche Akteure sind an dem Diskurs beteiligt? Welche Veränderungen bzw. Eigenschaften von Anschlägen und im Verhalten terroristischer Organisationen fassen die Akteure unter dem Begriff „Neuer Terrorismus“ zusammen? Welche Begründungen werden für die Veränderung im Verhalten terroristischer Organisationen angeführt? Hierzu wird zunächst in Unterkapitel 2.1. Alter und Neuer Terrorismus im wissenschaftlichen, medialen und politischen Diskurs eine Übersicht zur Entwicklung des Diskurses über den Neuen Terrorismus auf Grundlage einer umfassenden Literaturauswertung der relevanten Texte zum Thema gegeben. Diese gliedert sich in zwei Unterkapitel, bei denen die Literatur in Ausführungen vor dem 11. September 2001 und nach dem 11. September 2001 separiert wird und die Argumente der Fürsprecher des Forschungsparadigmas darstellt. Im Anschluss werden in Kapitel 2.2. Kritische Betrachtung des Paradigmenwechsels mögliche Gründe die für eine Existenz des neuen Forschungsparadigmas genannt und im Anschluss die Kritiker des Forschungsparadigmas und Ihre Argumentationslinien dem gegenübergestellt. 12 Einleitung: Das Forschungsparadigma des Neuen Terrorismus Das Kapitel 3. Terrorismus als rationale Entscheidungsfindung der vorliegenden Untersuchung beschäftigt sich mit dem Phänomen Terrorismus und dem Verständnis vom Verhalten terroristischer Organisationen. Dazu wird in diesem Kapitel zunächst ein kurzer geschichtlicher Einblick in die Entstehung des Begriffs „Terrorismus“ gegeben, dem eine allgemeine Definition des Begriffs folgt. Bei dieser Definitionsfindung werden bereits existierende Definitionen zu einer für die Untersuchung geeigneten Definition zusammengeführt. Im Anschluss wird in Unterkapitel 3.3 Die Rational Choice Theorie als Erklärungsmodell zum Verhalten terroristische Organisationen auf die terroristische Organisation als handelnder Akteur des Terrorismus genauer eingegangen. Hierbei wird die Betrachtung der Makoebene einer terroristischen Organisation als klassische Organisation in den Mittelpunkt gestellt. Das Verhalten dieser Organisationen wird unter der Annahme des rationalen Verhaltens nach der Rational Choice Theorie beschrieben. Dazu werden im Anschluss in Unterkapitel 3.4. Bereiche des terroristischen Verhaltens vier aus der Definition abgeleitete Bereiche des terroristischen Verhaltens genauer beleuchtet: Die Strategien, die Ziele, die Struktur und die Ideologie der terroristischen Organisationen. Jeder dieser Bereiche wird in weitere Unterkapitel gegliedert, die die einzelnen Aspekte der Bereiche unter der Annahme des rationalen Verhaltens beschreiben. In Kapitel 4. Neuer Terrorismus als Untersuchungsgegenstand wird das Forschungsparadigma „Neuer Terrorismus“ zu einem theoretischen Ansatz des Neuen Terrorismus formuliert. Dazu wird in Unterkapitel 4.1. Neuer Terrorismus als Neue Lebensphase: Die Wave-Theorie die Wave-Theorie von David C. Rapoport vorgestellt, die als übergreifendes Konzept benötigt wird, um die beschriebenen Veränderungen im Terrorismus analytisch bewerten zu können. Diesem Vorlauf folgt in Unterkapitel 4.2. Konzeptspezifikation: Theoretischer Ansatz des Neuen Terrorismus die Formulierung des theoretischen Ansatzes und der dazugehörigen Forschungshypothesen. Im Unterkapitel 4.2.1. Die Eigenschaften des Neuen Terrorismus wird ausgehend von der Grundannahme des kollektiven Rationalismus von terroristischen Organisationen und der ausgeführten Wave-Theorie nach David C. Rapoport ein theoretischer Ansatz des „Neuen Terrorismus“ abgeleitet und ausführlich dargestellt. Die vier Eigenschaften des Neuen Terrorismus werden hierzu als Dimensionen in einen analytischen Rahmen eingebettet, der sich aus der Definition des Terrorismus ableiten lässt. In diesem Kapitel steht vor allem das für die Untersuchung relevante Verständnis des Verhältnisses von Altem Terrorismus und Neuem Terrorismus im Mittelpunkt. Ebenso wird geklärt, welche Bedeutung die „Predominant Energy“ der Wave-Theorie für den Verlauf der Untersuchung hat. Anschließend erfolgt in Unterkapitel 4.2.2. Die Forschungshypothesen des Neuen Terrorismus die Formulierung der vier Eigenschaften als Forschungshypothesen. Des Weiteren werden die zugehörigen 13 Aufbau der Untersuchung Ausprägungen der Untersuchungsbereiche zu konkretisierten Forschungshypothesen formuliert, soweit mehr als ein Untersuchungsbereich vorliegt. Jeder Untersuchungsbereich wird hinsichtlich seiner Begriffsbedeutung im Kontext des Terrorismus und der rationalen Erwägungen zu dessen Einsatz ausgeführt. Anschließend werden die Untersuchungsbereiche durch einen Anschlag aus dem Diskurs illustriert, bei dem der jeweilige Untersuchungsbereich im Zentrum steht. Kapitel 5. Methodische Vorgehensweise der empirischen Untersuchung beginnt zunächst mit Unterkapitel 5.1. Forschungsdesign und Methodik, welches das Forschungsdesign und die Methodik der folgenden empirischen Untersuchung erläutert. Danach werden in Unterkapitel 5.2. Global Terrorism Database (GTD): Datenherkunft zunächst die Entwicklung, der Aufbau und die Vor- und Nachteile der Global Terrorism Database (GTD) als auszuwertender Datenbank vorgestellt. Dies geschieht im folgenden Unterkapitel 5.3. Terrorist Organization Profiles (TOPs): Datenherkunft ebenfalls für die Terrorist Organization Profiles (TOPs) Datenbank. Diese Datenbank bildet die Grundlage zur Erhebung einer fehlenden, aber für die Untersuchung benötigten Variablen „Ideologie“. Die Ausprägungen der Variablen dieser Datenbank werden in diesem Unterkapitel hierzu zu sechs Ausprägungen zusammengefasst. Im folgenden Unterkapitel 5.4. Global Terrorism Database (GTD): Datenaufbereitung werden alle Veränderungen und Anpassungen, die vor der Auswertung an der Global Terrorism Database (GTD) vorgenommen wurden, beschrieben. Hierzu zählt vor allem die Integration der verlorenen Daten aus dem Jahr 1993, die Verdichtung der Daten und die Anpassung an die Terrorismusdefinition der Untersuchung. Im Anschluss wird auf die Erhebung der fehlenden Variablen „Ideologie“ und deren Einfügung in die Datenbank eingegangen. Zunächst wird die Auswahl der Stichprobenziehung nach dem Konzentrationsprinzip zur Reduktion der Anzahl terroristischer Organisationen als Erhebungseinheit der Variablen begründet und ausgeführt. Danach werden die Quellen und die Vorgehensweise zur Erhebung der Variablen „Ideologie“ der restlichen 198 terroristischen Organisationen beschrieben. Zum Abschluss werden die Ergebnisse der erhobenen Variablen Ideologie und ihrer Ausprägungen für die 364 terroristischen Organisationen beschrieben und graphisch dargestellt. Kapitel 5.5. Ausgleich Datenverlust Anschläge 1993 beschreibt kurz das Vorgehen zum Ausgleich des Datenverlusts durch die Aufarbeitung erhaltener Datenfragmente und die statistische Anpassung der bereits mit STATA in Jahreskohorten zusammengefassten Anschlagszahlen. Den Abschluss dieses Kapitels bildet das Unterkapitel 5.6. Operationalisierung. In diesem werden den Variablen, die aus den am Ende des theoretischen Teils formulierten Forschungs hypothesen stammen, manifeste Indikatoren aus der Datenbank zugewiesen. In Kapitel 6. Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus wird zunächst im ersten Unterkapitel 6.1. Deskriptive Auswertung ein kurzer Überblick 14 Einleitung: Das Forschungsparadigma des Neuen Terrorismus über die Entwicklung der weltweiten Anschlagszahlen gegeben. Zu jedem Untersuchungsbereich werden die wichtigsten Werte in einer Tabelle aufgeführt. Neben einer graphischen Darstellung der Verteilung der Ausprägungen für den gesamten Untersuchungszeitraum, werden auch die Entwicklungen der Jahresdurchschnittswerte der einzelnen Indikatoren in absoluten Zahlen und in Anteilen dargestellt. Im zweiten Unterkapitel 6.2. Forschungshypothesen des Neuen Terrorismus dieses empirischen Teils wird zur Beantwortung jeder Forschungshypothese bzw. dem jeweiligen Untersuchungsbereich eine graphische Auswertung aus der Datenbank erstellt. Hierzu werden die Werte der Untersuchungsbereiche bzw. die Jahresdurchschnittswerte der Indikatoren der Datenbank zu Durchschnittswerten für die beiden Untersuchungszeiträume Zeitraum I „1970–1992“ und Zeitraum II „1993–2014“ zusammengefasst und miteinander verglichen. Abschließend werden die Forschungshypothesen als gestützt oder abgelehnt bewertet. Im letzten Kapitel 7. Ergebnisse und Fazit zur empirischen Wirklich (k)eines Neuen Terrorismus werden die Ergebnisse der Untersuchung nochmals zusammengefasst und hinsichtlich der einzelnen Fragestellungen bewertet. Danach werden die Ergebnisse im Kontext der aktuellen politischen Diskussion und der aktuellen Datenlage hinsichtlich Ihrer Relevanz bewertet. Zum Abschluss wird ein Ausblick gegeben, welche weiteren Fragestellungen und Forschungsperspektiven sich aus den gewonnenen Erkenntnissen ableiten lassen. 15 2 Alter und Neuer Terrorismus im wissenschaftlichen, medialen und politischen Diskurs Im Juli 1993 taucht der Begriff „New Terrorism“ zum ersten Mal in der US-amerikanischen Presse auf. Die Zeitung Newsweek schrieb in ihrem Artikel The New Terrorism vier Monate nach dem ersten Anschlag auf das World Trade Center über eine Serie vereitelter Anschläge auf den Holland Tunnel, den Lincoln Tunnel, die George Washington Brücke, das Gebäude der Vereinten Nationen und das Jacob Javits Federal Gebäude.22 Die acht mutmaßlichen Täter, die sogenannte „Beta Zelle“, wurden festgenommen, bevor sie ihre Pläne umsetzen konnten. Das FBI hatte bei den Ermittlungen zu den Anschlägen auf das World Trade Center zuvor durch einen Informanten von den neuen geplanten Anschlägen rechtzeitig erfahren. Zwei Jahre später wurde Sheik Omar Abdel Rahman und neun weitere Angeklagte für die Tat verurteilt.23 Nicht nur in den Medien tauchen die Anschläge des Jahres 1993 als Wendepunkt in der Geschichte des Terrorismus unter dem Begriff „Neuer Terrorismus“ auf. Auch der 9/11 Commission Report beschreibt 2004 in dem Kapitel: From the old to the new terrorism: The first world trade center bombing die Anschläge auf das World Trade Center, das Pentagon und das Weiße Haus als „a new terrorist challenge, one whose rage and malice had no limit.“24 Im Jahr 1998 sagt der damalige Präsident der USA Bill Clinton in seiner Rede vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen: „… terrorism has a new face in the 1990s.“ Er spricht nur wenige Wochen nach den Anschlägen auf die U. S. Botschaften in Kenia und Tansania von einer steigenden Gefahr durch die Nutzung von Massenvernichtungswaffen durch terroristische Organisationen. Seit diesen Ereignissen taucht der Begriff immer wieder in der Politik, aber auch in den Medien und in wissenschaftlichen Texten auf. Neben „The New 22 Vgl. Morgenthau 1993. 23 Vgl. Fried 1996. 24 Kean/Hamilton 2004, S. 72. 16 Alter und Neuer Terrorismus im wissenschaftlichen, medialen und politischen Diskurs Terrorism“25 werden in Artikeln und Büchern auch häufig die Begriffe „The New Face of Terrorism“26, „The New Age of Terrorism“27 oder „The Chancing Face of Terrorism“28 gebraucht, um den vermeintlichen Wandel der terroristischen Organisationen in Worte zu fassen.29 Als Beweis für die Existenz des Neuen Terrorismus bedienen sich die Autoren dieser Werke einzelner Anschläge, die entweder aufgrund der hohen Opferzahl oder des versuchten Einsatzes von Massenvernichtungswaffen besonders spektakulär waren oder aber von islamistischen, terroristischen Organisationen durchgeführt wurden. Gary LaFree bezeichnet solche Anschläge wie den 11. September 2001 als ein „Black Swan“ Ereignis. Er bezieht sich dabei auf das Buch von Nassim Nicholas Taleb The Black Swan. Nassim Nicholas Taleb beschreibt darin das Phänomen des Schwarzen Schwans: „First, it is an outlier, as it lies outside the realm of regular expectations, because nothing in the past can convincingly point to its possibility. Second, it carries an extreme impact. Third, in spite of its outlier status, human nature makes us concoct explanation for its occurrence after the fact, making it explainable and predictable.“30 Der nachvollziehbare Wunsch solche schlimmen Ereignisse erklärbar zu machen, um die Wut zu kanalisieren, Gefahren vorhersehbar zu machen und die Angst zu verringern, führt dazu, dass sie am Ende den gesamten Diskurs bestimmen und zu einem Handlungsdruck bei politischen Entscheidern führen.31 Neben dieser psychologischen Erklärung für die Aufmerksamkeitskonzentration auf wenige Anschläge stechen besonders die mediale Wirkung und die politische Bedeutung der Anschlagsorte hervor. Viele andere Anschläge, wie der FARC in Kolumbien aus dem Jahr 1998 dagegen, bei dem 268 Opfer (und sieben Terroristen) starben oder der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) in Sri Lanka aus dem Jahr 1993, bei dem sogar 500 Opfer (und 470 Terroristen) starben, werden in der Diskussion um die Entwicklung des Terrorismus jedoch nicht weiter erwähnt.32 Zu den am häufigsten erwähnten Anschlägen gehören neben dem ersten Anschlag auf das World Trade Center 1993 in New York, der Sarin-Gas Anschlag auf die U-Bahn 25 Vgl. u. a. Laqueur 1996; Laqueur 1999; Crenshaw 2000; Juergensmeyer 2000; Simon/Benjamin 2000; Hoffmann 2002; Simon 2003; Wilkinson 2003; Giddens 2004; Jenkins 2008; Neumann 2009a. 26 Vgl. u. a. Simon/Benjamin 2000; Bremer 2001; Gurr/Cole 2009. 27 Vgl. u. a. Jenkins 2006. 28 Vgl. u. a. Hirschmann 2000; Morgan 2004. 29 Im Folgenden werden alle Artikel und Texte berücksichtigt und unter dem Oberbegriff „Neuer Terrorismus“ zusammengefasst, die diese oder ähnliche Begriffe verwenden. 30 Taleb 2007, xvii–xviii. 31 Vgl. LaFree 2012. 32 Vgl. National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism (START) 2015 a, 199808030008/199311110002. 17 Alter und Neuer Terrorismus im wissenschaftlichen, medialen und politischen Diskurs in Tokio 1995, der Anschlag auf das Murrah Federal Building in Oklahoma City ebenfalls 1995, die Anschläge auf die amerikanischen Botschaften in Tansania und Kenia 1998, der Anschlag auf die USS Cole 2000 im Yemen, die Anschläge auf das Weiße Haus, das Pentagon und das World Trade Center 2001. Nach dem 11. September 2001 gab es eine Reihe von Bombenanschlägen auf öffentliche Verkehrsmittel, die in der Literatur erwähnt werden. Darunter sind die Anschläge auf den Bahnhof in Madrid 2004, auf die U-Bahn in London 2005 und auf Nahverkehrszüge in Mumbai 2006. Der Anschlag auf das französische Satire Magazin Charlie Hebdo, welcher in den Medien große Resonanz fand, war der erste Anschlag, der nach langer Zeit wieder als „New Terror“ bezeichnet wurde.33 Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 wurden ähnlich spektakuläre Anschläge in den Medien mit einem eingängigem Kürzel bezeichnet, das sich auf das Datum der Anschläge bezieht. Die Anschläge des 11. September 2001 in den USA wurden zu 9/11, die Anschläge vom 11.03.2004 in Madrid zu 11-M und die Anschläge vom 07.07.2005 in London zu 7/7. Die durchgängige Art der Bezeichnung weist darauf hin, dass die Anschläge derselben Kategorie zugeordnet werden und die kurze, prägnante Art der Bezeichnung auf die Bedeutung, die den Anschlägen beigemessen wird. In diese Reihe wird auch der Anschlag vom 07.01.2015 in Paris eingeordnet, der in dem Medien die Abkürzung 1/7 erhalten hat.34 Obwohl der Begriff „Neuer Terrorismus“ zum ersten Mal 1993 nach den ersten Anschlägen auf das World Trade Center aufkam, erschienen die meisten wissenschaftlichen Texte, die sich mit dem Phänomen beschäftigen, erst nach dem zweiten Anschlag 2001 auf das World Trade Center, das Pentagon und das Weiße Haus. Der 11. September 2001 hat als Ereignisse des politischen und wissenschaftlichen Diskurs um den Neuen Terrorismus nochmals angestoßen und weitere Autoren in die Diskussion miteingebracht. Entsprechend häufig befindet sich dieser Anschlag im Mittelpunkt der Diskussion und hat auch deren Richtung zum Teil geprägt. Rückblickend werden zwar auch Anschläge in den Jahren zuvor mit zum Zeitraum des Neuen Terrorismus gezählt, die Anschläge des 11. September 2001 und Al Qaeda als terroristische Organisation stehen jedoch als Synonym für das Wesen des Neuen Terrorismus. Dies zeigt sich deutlich im 9/11 Commission Report. In einem Kapitel des Reports, der die Vorkommnisse rund um den 11. September 2001 detailliert aufarbeitet, wird die Geschichte von Al Qaeda und Osama bin Laden unter der Überschrift „The Foundation of the New Terrorism“ nachgezeichnet.35 33 Vgl. Collins 2015. 34 Vgl. Boot 2015. 35 Vgl. Kean/Hamilton 2004, S. 47 ff. 18 Alter und Neuer Terrorismus im wissenschaftlichen, medialen und politischen Diskurs 2.1 Alter und Neuer Terrorismus in der Literatur vor dem 11. September 2001 Alex P. Schmidt weist in seinem umfassenden Handbuch zur Terrorismusforschung den Neuen Terrorismus als eigenständige Theorie aus und Bruce Hoffman als den Autoren, der den Neuen Terrorismus endgültig als Forschungsparadigma bzw. eigenständige Theorie mit in die Terrorismusforschung gebracht hat.36 Er gehört zumindest zu den Autoren, die sich am ausführlichsten mit dem Thema auseinandergesetzt haben und ist eine der am häufigsten zitierten Primärquellen in der vorliegenden Literatur. Allerdings gilt für Bruce Hoffman, wie für die meisten Autoren, dass er die Bedrohung eines Neuen Terrorismus nach den Anschlägen des 11. September 2001 anders wahrnahm und beschrieb.37 In einem Artikel aus dem Jahr 2000 antwortet er auf einen Artikel von Steven Simon und Daniel Benjamin aus demselben Jahr, die zu diesem Zeitpunkt bereits auf die Gefahr eines Neuen Terrorismus hingewiesen haben: „… I have come to the believe that this is by no means as certain or even convincing as it is often portrayed – despite fears, arguments and spending to the contrary.“38 Steven Simon und Daniel Benjamin sahen in den Anschlägen 1993 auf das World Trade Center, 1995 auf die U-Bahn in Tokyo, 1996 auf das Murrah Federal Building und 1998 auf die Botschaften in Kenia und Tansania bereits „Vorboten“ eines gewaltbereiteren Neuen Terrorismus, während Bruce Hoffman sich bis dahin ausschließlich auf den religiösen Terrorismus als wachsende zukünftige Bedrohung konzentrierte, aber nicht auf eine wachsende Gewaltbereitschaft insgesamt.39 Er ging zu diesem Zeitpunkt davon aus, dass die Terroristen des 21. Jahrhunderts bei ihren altbekannten Taktiken und Mitteln bleiben werden. Weder den Gebrauch von Massenvernichtungswaffen noch eine insgesamt steigende Anzahl von Opfern als Teil einer wachsenden Gewaltbereitschaft sah er als große zukünftige Bedrohung, wie sie Steven Simon und Daniel Benjamin für terroristische Organisationen vorhersagten.40 Er erkannte jedoch, dass die Mortalität einzelner Anschläge gestiegen war und dass die Anwendung der Gewalt nicht mehr so selektiv erfolgte, wie es bis dahin der Fall war. Statt speziell ausgesuchter Opfer mit symbolischer Bedeutung wurden 36 Vgl. Schmid 2011, S. 11. 37 Hoffmann beschreibt vor 2001 immer wieder Hinweise, die er im Rückblick als Beweise für einen Neuen Terrorismus bewertet. Er widerspricht sich teilweise in seiner Vorstellung über die zukünftige Entwicklung des Terrorismus, was auf eine allgemeine Unsicherheit über das Eintreffen seiner aufgestellten Prognosen deutet. 38 Roy/Hoffman/Paz/Simon/Benjamin 2000 b, S. 162. 39 Vgl. Hoffman 1993; Simon/Benjamin 2000, S. 59. 40 Vgl. Hoffman 2000, S. 37/39; Roy/Hoffman/Paz/Simon/Benjamin 2000 b, S. 163. 19 Alter und Neuer Terrorismus in der Literatur vor dem 11. September 2001 zunehmend Zivilisten Opfer der Anschläge.41 In einem Artikel von 1999 bezeichnete er den Einsatz von Massenvernichtungswaffen für bestimmte Arten von terroristischen Organisationen zwar als möglich, betonte jedoch auch, dass einfache Waffen, wie die Feuerwaffe und die Bombe, weiterhin Mittel der Wahl bleiben würden.42 Der 11. September 2001 war jedoch auch für ihn der Wendepunkt, um endgültig von einem Neuen Terrorismus zu sprechen. Die hohe Anzahl von Opfern, der hohe Koordinations- und Planungsaufwand, der nötig war, um mehrere Anschläge gleichzeitig durchzuführen und die Bedeutung des Selbstmordattentäters getrieben durch das Märtyrertum einer religiösen Ideologie waren für ihn die herausragenden Charakteristiken, die den 11. September 2001 zum Sinnbild des Neuen Terrorismus machten und Al Qaeda zum Stereotyp der neuen terroristischen Organisation. Im Gegensatz zu den Formen des Alten Terrorismus ging es nicht mehr nur um die Publizität und die Unterstützung der eigenen Bezugsgruppe, die die terroristischen Organisationen mit ihren Anschlägen erreichen wollten. Das Töten an sich wurde zu einem Mittel, um die eigenen Ziele zu erreichen.43 2006 gestand er rückblickend ein: „Entsprechend war man bis zu den Anschlägen vom 11. September allgemein der Ansicht, dass es Terroristen nicht ums Töten gehe, sondern um Publicity. […] Deshalb erwartete man nicht, dass sie sich auf einen Massenmord mit konventionellen oder auch Massenvernichtungswaffen einließen, …“44 Die unterschiedlichen Sichtweisen vor und nach den Anschlägen des 11. September 2001 lassen sich zum Teil aus der zur Verfügung stehenden Datenlage erklären: Thomas R. Mockaitis weist in seinem Buch aus dem Jahr 2008 daraufhin, dass in den neunziger Jahren die Anzahl der Anschläge insgesamt im Vergleich zu den Anschlägen der achtziger Jahren abgenommen hatte. Die Zahl der Verletzten und Todesopfer war dagegen zwar gestiegen, aber nur in einem geringen Maß. Er entnahm die Zahlen der Terrorism Knowledge Database (TKB), deren Daten durch die RAND Corporation zur Verfügung gestellt wurden.45 Da Bruce Hoffman in den Jahren 1998 bis 2006 Direktor der RAND Corporation war, kann davon ausgegangen werden, dass er zum damaligen Zeitpunkt aus derselben Datenbank seine Erkenntnisse speiste. Die Entwicklung der Anschläge in den neunziger Jahren bzw. die damaligen zur Verfügung stehenden Daten über terroristische Anschläge erklären die Fokussierung auf die Religion als zentralen Kern der Entwicklung des Terrorismus. Signifikanter als 41 Vgl. Hoffman 1999 a, S. 8/1999 b, S. 21; Ebenso: Laqueur 1996, S. 2/7; Juergensmeyer 2000, S. 158. 42 Vgl. Hoffman 1999 a, S. 36 ff; Ebenso: 2000, S. 37. 43 Vgl. Hoffman 2002, S. 30 ff. 44 Hoffman 2006, S. 407. 45 Vgl. Mockaitis 2008, S. 39 ff. Die MIPT Terrorism Knowledge Database und die RAND Corporation werden in Kapitel 4.3. Terrorist Organization Profiles (TOPs): Datenherkunft näher beschrieben. 20 Alter und Neuer Terrorismus im wissenschaftlichen, medialen und politischen Diskurs die Anzahl der Anschläge oder die Entwicklung der Opferzahlen war der Anteil der Opfer, die durch religiöse terroristische Organisationen verletzt wurden oder starben. Dieser Anteil lag in dieser Quelle in den achtziger Jahren bei 27 % und in den neunziger Jahren bereits bei 50 %.46 Nicht nur Bruce Hoffman, sondern auch andere führende Autoren auf dem Gebiet der Terrorismusforschung hielten in den neunziger Jahren die Religion für die treibende Kraft und den Mittelpunkt des Neuen Terrorismus. Besonders bei islamistischen Organisationen, aber auch bei einigen rechten Kräften, die sich in den neunziger Jahren vor allem in den USA formierten, wurde eine apokalyptische und millenarisch religiöse Ideologie als zukünftige Bedrohung gesehen.47 Die massenhafte Tötung, besonders durch die Benutzung von Massenvernichtungswaffen, konnten sich auch die anderen Autoren höchstens in Verbindung mit diesen religiösen terroristischen Organisationen vorstellen. Trotz des Sarin-Gas Anschlags am 20.03.1995 auf die U-Bahn in Tokyo durch die religiöse Sekte Aum Shinrikyo, erschienen die konventionelle Bombe und die Handfeuerwaffen einigen Autoren zu diesem Zeitpunkt immer noch als das Mittel der Wahl von „rationalen“ terroristischen Organisationen. Die Massenvernichtungswaffen galten nur als Ausnahmeerscheinung, die zwar in Zukunft vorkommen konnte, was aber weniger vermutet wurde.48 Walter Laqueur beschäftigte sich in seinem Buch The New Terrorism – Fanaticism and the Arms of Mass Destruction49 zwar in einem Kapitel ausführlich mit dem Thema Massenvernichtungswaffen, zweifelte aber vor allem den Einsatz von biologischen und nuklearen Massenvernichtungswaffen an. Interesse an diesen Waffen unterstellt er vor allem „the fanatic, the disgruntled, and the mentally unbalanced“.50 Auch Bruce Hoffman setzte sich 1999 in einem Artikel nochmals ausführlich mit dem Thema Massenvernichtungswaffen auseinander. Dabei kam er zu dem Schluss, dass einige der damaligen terroristischen Organisationen Eigenschaften aufwiesen, die in Kombination mit den äußeren Bedingungen den Einsatz theoretisch möglich machen würden. Er schloss jedoch erneut mit der Anmerkung, dass es sich um ein sehr unwahrscheinliches Szenario handle und Überreaktionen zu vermeiden wären.51 Dass sich die Autoren nach den Anschlägen auf die U-Bahn in Tokyo 1995 zumindest ausführlich mit den Thema auseinandersetzten, passt zu der Vermutung von Martha Crenshaw, dass „… the study of terrorism and counterterrorism policy 46 Vgl. Mockaitis 2008, S. 41, Table 3.3. 47 Vgl. Laqueur 1996, S. 5 f; Hoffman 1998–1999 a, S. 12; Crenshaw 2000, S. 411 ff. 48 Vgl. Laqueur 1996, S. 5; Hirschmann 2000, S. 309; Hoffman 2000, S. 37. Roy/Hoffman/Paz/Simon/ Benjamin 2000b, S. 163. Anders: Simon/Benjamin 2000, S. 71; Stern 2001, S. 8 ff. 49 Vgl. Laqueur 1999. 50 Laqueur 1999, S. 78. 51 Vgl. Hoffman 1999 b. 21 Alter und Neuer Terrorismus in der Literatur vor dem 11. September 2001 have been event-driven.“52 Der Versuch von Aum Shinrikyo, mithilfe von chemischen Kampfmitteln eine große Masse von Menschen zu töten, blieb jedoch nur ein missglückter Versuch mit relativ wenigen Opfern.53 Wäre der Versuch gelungen, wäre der psychologische Schaden wesentlich größer gewesen, und die Wahrnehmung des Gefahrenpotentials von Massenvernichtungswaffen wäre vermutlich schon zu diesem Zeitpunkt vergleichbar zu der nach den Anschlägen des 11. September 2001 gewesen.54 Dem Erklärungsmuster, dass Forschungsfelder durch spezielle Vorfälle ausgelöst werden, steht die Entwicklung einer weiteren vorhergesagten Veränderung entgegen: der Cyberterrorismus als zukünftige Bedrohung im Bereich des Terrorismus. Obwohl es bis zu diesem Zeitpunkt keinen aufsehenerregenden terroristischen Anschlag durch Cyberterroristen gab, hielt Walter Laqueur bereits 1996 die Bedrohung durch den Cyberterrorismus für wesentlich größer als die Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen. Er sah das Potential in einer Zerstörungskraft, die einen größeren Schaden verursachen könnte, als dies durch direkte physische Gewalt jemals möglich wäre, mit den Folgen einer größeren Panik und wesentlich mehr Opfern. Die Abhängigkeit der Gesellschaft von der Technik, die sich mit der Entwicklung des Internets verstärkt hatte, würde an dieser Stelle eine Tür für terroristische Organisationen öffnen, sobald sie ihre Anstrengungen in diese Richtung leiten würden.55 Neben den inzwischen zur Normalität gewordenen Vorteilen des Internets, die terroristische Organisationen inzwischen nutzen, wie den Informationserwerb, Informationsaustausch, Koordinierung, Planung, Rekrutierung, Ausbildung und Kommunikation untereinander und mit der Öffentlichkeit56, sprach Walter Laqueur vor allem von direkten Angriffen durch Computerviren und Schadsoftwaren auf eine unendliche Auswahl von Zielen. Er zählte in seinem Buch „Weapons of Mass Destruction“ den Cyberterrorismus zu den vier großen Massenvernichtungswaffen neben biologischen, chemischen und nuklearen/radiologischen Kampfstoffen.57 Ähnlich sah dies auch Kai Hirschmann: „WMD Terrorism might occur via sinlge incidents but will not play a major role. Cyberterrorism, in turn, must be expected to become 52 Crenshaw 2000, S. 415. 53 Bei dem Anschlag gab es 13 Tote und 5.500 Verletzte. Vgl. National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism (START) 2015 a, 199503200014. 54 Der Anschlag war dennoch der erfolgreichste und am meisten wahrgenommene Anschlag mit Massenvernichtungswaffen bis zu diesem Zeitpunkt. Vgl. Stern 2001, S. 60. 55 Vgl. Laqueur 1996, S. 7. 56 Siehe näheres hierzu: Whine 1998; Weimann 2004; Canadian Center for Intelligence and Security Studies 2006; Mockaitis 2008, S. 44. 57 Vgl. Laqueur 1999, S. 74 ff. 22 Alter und Neuer Terrorismus im wissenschaftlichen, medialen und politischen Diskurs very important.“58 Er verweist auf die Vorteile des Cyberterrorismus, die diesen als potentielle zukünftige Bedrohung ausweisen: Durch die weite physische Entfernung zu den Anschlägen können die Terroristen leichter anonym bleiben, die Gefahr der eigenen physischen Gefährdung sinkt. Mit relativ billigen Mitteln lassen sich große Schäden verursachen, die bei Gelingen große Aufmerksamkeit erreichen können. Die Aufmerksamkeit und der psychologische Effekt auf die Opfer und die Bevölkerung treten jedoch erst ein, wenn der Schaden sichtbar wird. Es ist jedoch durch die Komplexität der Systeme schwierig, erfolgreich einen Schaden anzurichten.59 Gegen Cyberangriffe spricht, dass erfolgreiche Anschläge das Internet als Ort des Geschehens sichtbar machen und so zu einer verschärften Überwachung führen. Damit würden terroristische Organisationen ihre wichtigste neue Basis zur Information, Koordinierung, Planung, Rekrutierung, Ausbildung und Kommunikation gefährden.60 Auch dass es bis heute keinen bekannten, erfolgreichen Anschlag durch Cyberterrorismus gibt, mag dazu beigetragen haben, dass sich das Thema im Rahmen dieser Debatte nicht weiter entwickelt hat.61 Weitere Schlagwörter bei der Unterscheidung zwischen Altem Terrorismus und Neuen Terrorismus, die bis zum 11. September 2001 zur Diskussion standen, sich aber in dieser Art nicht weiter durchsetzen konnten, bezogen sich auf die Zusammensetzung der terroristischen Organisationen. Bruce Hoffman beschrieb einen Wandel von hauptberuflichen, professionellen Terroristen, die ihre gesamte Zeit und ihren vollen Einsatz in der terroristischen Organisation einbringen, wie dies die Mitglieder der RAF taten, hin zu einem „Amateurterrorismus“. Während die alten terroristischen Organisationen nahezu vollständig aus diesen ganztags, professionellen Terroristen bestünden, sei dies bei neuen terroristischen Organisationen nur noch teilweise der Fall. Dies erklärte er als Folge der medialen Entwicklung: Durch das Internet war es für fast jeden möglich geworden, sich über Methoden, wie den Bau einer Bombe, zu informieren, während früher die Befähigung zum Terroristen in Trainingscamps erlernt werden musste, was zeitaufwendig war und sich deshalb wenig mit einem normalen Leben kombinieren ließ. Die wachsende Anzahl von Amateurterroristen machte er unter anderem mitverantwortlich für die wachsende Gewalttätigkeit des Neuen Terrorismus, da ihnen die zentrale Kontrolle durch eine Autorität fehlt.62 58 Hirschmann 2000, S. 309. Hoffman hält dies auch in einem Beitrag von 2002 noch für die „next great callenge“. Vgl. Hoffman 2002, S. 45. 59 Vgl. Hirschmann 2000, S. 308 f. 60 Vgl. Canadian Center for Intelligence and Security Studies 2006, S. 4. Anders: Arquilla/Ronfeldt/ Zanini 1999, S. 67. 61 Auch Walter Laqueur führt in seinem Buch „Krieg dem Westen“ 2004 das Thema Cyberterrorismus nicht mehr mit auf. Vgl. Laqueur 2004. 62 Vgl. Hoffman 1999a, S. 20 f./2006, S. 405. 23 Alter und Neuer Terrorismus in der Literatur vor dem 11. September 2001 Walter Laqueur beschrieb eine andere Beobachtung, die er „Lone Terrorist“ nannte. Er ging von Einzeltätern oder maximal kleinen Gruppen aus, die ohne jegliche Kontrollinstanz auch nicht vor grausamen Anschlägen zurückschrecken würden. Neben einer höheren Gewaltbereitschaft sollten sich diese durch ungewöhnliche Ideologien auszeichnen.63 Kai Hirschmann sah die Zukunft des Terrorismus im „Privatterroristen“, der den Terror mit dem Geschäft vermischt. Dem Privatterroristen stünden hohe finanzielle Ressourcen zur Verfügung, die er teilweise auch aus legalen Geschäften erhält, wobei er jedoch trotz seiner extremen politischen und religiösen Ansichten nicht direkt an den Aktionen beteiligt werden möchte. Als Beispiel sah er Osama bin Laden, der einen Großteil seines Vermögens in die direkte und indirekte Finanzierung des Terrors steckte. Des Weiteren brachte Kai Hirschmann den Begriff „Single Issue-Terrorism“ mit in die Diskussion um den Neuen Terrorismus ein. Er bezog sich dabei auf einen Text von G. Davidson Smith aus dem Jahr 1998.64 Dieser beschrieb den Single Issue-Terrorismus als einen Terrorismus, der sich gegen einen Missstand stellt, der aus politischem Handeln bzw. Nicht-Handeln resultiert. Dabei handelt es sich um Einzelthemen, wie Abtreibung, Tierschutz und Umweltschutz. Die Mitglieder kommen aus allen sozialen Schichten und Berufsgruppen und finden sich nicht in den Organisationen zusammen, um eine gesamte gemeinsam geteilte Ideologie zu verteidigen, sondern um eine Schnittpunkthema ihrer Ideologien mit terroristischen Mitteln durchzusetzen. Die Anschläge finden lokal statt, jedoch existiert das Phänomen weltweit. Die Kommunikation untereinander findet damals schon hauptsächlich durch das Internet statt.65 Keine dieser drei Arten hat sich jedoch weiter als ein Typus des Neuen Terrorismus in der Diskussion verfestigt. Meist wurden Abtreibungsgegner zu rechts-konservativen oder religiösen terroristischen Organisationen mit dazu gezählt und die Ökoterroristen zu links-sozialrevolutionären terroristischen Organisationen. Im Laufe der Zeit hat sich zumindest der Ökoterrorismus als eigenständige Terrorismusform in der wissenschaftlichen Diskussion etabliert, jedoch abseits des Neuen Terrorismus.66 63 Vgl. Laqueur 1996, S. 6 f. 64 Vgl. Hirschmann 2000, S. 302ff. Auch bei: Poland 2005, S. 47 f. 65 Vgl. Smith 1998. Im Gegensatz zu Smith hält Laqueur zumindest den Ökoterrorismus (Tierschutz und Umweltschutz) für ein Phänomen, dass sich auf entwickelte Länder (und die damalige Sowjet Union) beschränkt. Vgl. Laqueur 1999, S. 208. 66 Das FBI bezeichnet 2008 den Ökoterrorismus und den Tierrechtsextremismus als „… one of the most serious domestic threats in the USA today …“ Bis zu diesem Zeitpunkt wurden 2.000 Verbrechen in diesem Bereich durch das FBI erfasst. Vgl. Federal Bureau of Investigation 2008a. Siehe unter anderem ausführlich zum Thema Ökoterrorismus: Long 2004; Buell 2011. 24 Alter und Neuer Terrorismus im wissenschaftlichen, medialen und politischen Diskurs 2.2 Alter und Neuer Terrorismus in der Literatur nach dem 11. September 2001 Nach den Anschlägen des 11. September 2001 erscheint die Einteilung in Alten und Neuen Terrorismus in der Diskussion eindeutiger und einheitlicher. Die unterscheidende Line verläuft nicht mehr hauptsächlich zwischen alten und neuen Anschlägen, sondern auch zwischen alten und neuen terroristischen Organisationen. Al Qaeda hat sich mit dem Anschlag auf das World Trade Center, das Pentagon und das Wei- ße Haus zum Prototyp des Neuen Terrorismus qualifiziert, an dem sich die Eigenschaften im Diskurs messen lassen müssen. Organisationen wie die ETA, IRA, PLO, RAF stehen nun als typische alte terroristische Organisationen Al Qaeda als typischer neuer terroristischer Organisation gegenüber.67 Eine neue Unterscheidung zwischen alten und neuen terroristischen Organisationen erkennen Autoren wie Steven Simon, Paul Wilkinson, Wolfgang Kraushaar oder Lord Anthony Giddens in der Struktur der terroristischen Organisationen. Alleine Bruce Hoffman hatte bereits 1998 und 1999 auf diese Unterschiede hingewiesen.68 Während alte terroristische Organisationen meist kleine, hierarchisch angeordnete Organisationen mit einer strikten Befehls-, Kontroll- und Kommunikationsstruktur sind,69 stellen sich die neuen terroristischen Organisationen als große, diffuse und amorphe Gebilde dar. Die neuen terroristischen Organisationen bestehen nur noch aus autonomen, lose miteinander verbundenen Zellen, ohne eine hierarchische, teilweise sogar ganz ohne eine klar erkennbare Organisations- und Mitgliederstruktur.70 Meist ist die Führung nur noch spirituell und nicht mehr strategisch. Der Zusammenhalt der Organisationen bleibt trotz der fehlenden strategischen Führungsperson bestehen. Ein gemeinsamer Glaube und eine spirituelle Inspiration ersetzen diese.71 Es gibt jedoch auch einige Autoren, die die Entwicklung zu komplett autonomen, dezentralisierten Gebilden mit Einschränkungen sehen. Peter Neumann beschreibt die neuen terroristischen Organisationen nach wie vor als kleine Organisationen, deren Strukturen nur diffuser geworden sind.72 An dieser Stelle spiegelt sich das unterschiedliche Verständnis von „Organisation“ und „Netzwerk“ wieder. Die Unsicherheit, wann eine Organisation schon ein Netzwerk ist und in wie viele Ebenen es sich 67 Vgl. u. a. Hoffman 1999a; Simon 2003; Wilkinson 2003; Howard 2004; Kometer 2004; Giddens 2004; Kraushaar 2006, S. 13 ff; Neumann 2009 a. 68 Hoffman 1998–1999 a; S. 18/1999 a, S. 8 ff. 69 Vgl. Hoffman 1999 a, S. 8 ff./2000, S. 38/2006, S. 405; Wilkinson 2003, S. 1; Kraushaar 2006, S. 17. 70 Vgl. Hoffman 1999 a, S. 9 f./2000, S. 38/2006, S. 405 ff; Simon/Benjamin 2000, S. 69; Giddens 2004, S. 7; Kraushaar 2006, S. 18. 71 Vgl. Crenshaw 2000, S. 411; Giddens 2004. 72 Vgl. Neumann 2009 b, S. 3. 25 Alter und Neuer Terrorismus in der Literatur nach dem 11. September 2001 aufteilen lässt, zeigt sich besonders bei Al Qaeda. Während einige Autoren Al Qaeda als eine terroristische Organisation beschreiben,73 die sich in netzwerkartig miteinander verbundene Zellen teilt, ist sie für andere: „… eine Organisationsstruktur, die ähnlich wie ein globales Unternehmensnetzwerk aufgebaut ist und aus Terrorgruppen in über 40 Ländern besteht.“74 Brian Michael Jenkins und Paul Wilkinson sehen bei Al Qaeda noch eine hierarchische Kommunikations- und Führungsstruktur als vorhanden an, während Martha Crenshaw dagegen Al Qaeda nach 2001 als ein vollkommen dezentralisiertes Netzwerk beschreibt. Dies bleibt jedoch für sie das einzige Beispiel einer dezentralisierten religiösen terroristischen Organisation.75 Renate Mayntz, die sich ausführlich mit Organisationsformen von terroristischen Organisationen beschäftigt hat, sieht die Grenze allerdings fließend und spricht von Hybriden-Organisationen: „… the boundary between a decentralized organization and a well-connected network may appear fluid …“76 Al Qaeda habe sich im Laufe der Zeit in seiner Struktur gewandelt und sei weniger hierarchisch, dafür mehr netzwerkartig geworden. Jedoch gilt für Al Qaeda, laut Renate Mayntz, wie für alle anderen neuen terroristischen Organisationen, dass sie neben ihrer netzwerkartigen Struktur auch Charakteristiken einer hierarchischen Struktur aufweisen. Dies gelte im Umkehrschluss auch für die alten terroristischen Organisationen.77 In diesem Sinne hält auch Peter Neumann die Zellenstruktur nicht für ein neues Phänomen: „cells are as old as terrorism, and they are not what is meant when referring to the diffusion of terrorist group structures.“78 Für ihn ist die Zellenstruktur nur flexibler geworden, die Hierarchie bleibt durch den Anführer der einzelnen Zelle bestehen, auch wenn dies nach außen hin nicht mehr sichtbar ist. Dadurch ist die Zelle nur soweit autonom, wie es die Führungspersonen zulassen.79 Neben Veränderungen in der Führungs- und Kommunikationsstruktur ist der Grad der Internationalisierung ein weiteres strukturelles Merkmal, das in der Diskussion um eine steigende Netzwerkartigkeit aufgegriffen wird. Während Bruce Hoffman für die neunziger Jahre einen Rückgang internationaler Anschläge aus US-amerikanischer Sicht anmerkt, und Rueven Paz nur für den islamistischen Terrorismus eine globale Ausbreitung sieht, ändert sich dies nach dem 11. September 2001.80 Wäh- 73 Vgl. Wilkinson 2003; Jenkins 2006, S. 123. 74 Behr/Märker 2004, S. 2. 75 Vgl. Wilkinson 2003, S. 2; Jenkins 2006, S. 123; Anders: Crenshaw 2007, S. 27. 76 Mayntz 2004, S. 10. 77 Vgl. Mayntz 2004, S. 11 f. Ähnlich auch zur Struktur von Al Qaeda: Simon/Benjamin 2000, S. 69 f; Jenkins 2006, S. 123. 78 Mockaitis 2008, S. 18. 79 Vgl. Neumann 2009 a, S. 17 f. 80 Vgl. Hoffman 1999 a, S. 10; Roy/Hoffman/Paz/Simon/Benjamin 2000 c, S. 168. 26 Alter und Neuer Terrorismus im wissenschaftlichen, medialen und politischen Diskurs rend die alten terroristischen Organisationen lokal begrenzt aktiv werden in Bezug auf Planung, Rekrutierung und Ausführung der Anschläge,81 wird den neuen terroristischen Organisationen ein globaler Charakter zugesprochen. Die neue terroristische Organisation erscheint als globales Unternehmen mit geo-politischen Zielen, dessen Mitglieder sich multinational zusammensetzen und das weltweit rekrutiert und Finanzquellen erschließt. Der wichtige Unterschied zu den alten terroristischen Organisationen liegt jedoch in einer Veränderung bis hin zur Transnationalität, der jeder lokale Bezugspunkt fehlt.82 Die Entwicklung zu internationalen Verbindungen wird auch den alten terroristischen Organisationen in den letzten 30 Jahren zugesprochen, diesen blieb jedoch meist ein geographischer Bezugspunkt.83 Die neuen terroristischen Organisationen scheinen einen Schritt weiter beim Grad der Internationalisierung zu gehen. Sie bewegen sich in transnationalen Räumen ohne festes Basisland und bilden in diesem Räumen ihre Netzwerke in alle Richtungen aus.84 Den Grund für diese Ausbreitung sieht Peter Neumann vor allem in der technischen Entwicklung. Niedrige internationale Reisekosten und moderne Kommunikationstechnologien ermöglichen die Transnationalisierung. Aber auch die Identitätskrise vieler Migranten, denen die Verbundenheit zu einem nationalen Bezugspunkt fehlt, gehört für ihn zu den Hauptgründen.85 Brian Michael Jenkins erkennt in Al Qaeda eine der ersten terroristischen Organisationen, die sich das Modell eines globalen Unternehmens angeeignet haben.86 Die meisten Autoren teilen die Ansicht, dass es sich bei Al Qaeda eindeutig um eine internationale Organisation handelt.87 Thomas R. Mockaitis weist dagegen darauf hin, dass sich zumindest die Anschläge selbst bei diesem vermeintlichen Prototyp einer transnationalen terroristischen Organisation, neben den zwei Anschlägen 1993 und 2001 in den USA, auf Afghanistan und den Irak beschränken. Er bezweifelt aber auch insgesamt die geographische Ausbreitung der Ziele. 88 Einige – aber nicht alle – Autoren nehmen ein neues Verhältnis terroristischer Organisation zu Staaten und Regierungen wahr. Insgesamt hatte die staatliche Unterstützung des Terrorismus nachgelassen. Walter Laqueur weist daraufhin, dass der staatlich geförderte Terrorismus jedoch nicht ganz verschwinden wird. Zwar sind die 81 Vgl. Wilkinson 2003, S. 1; Giddens 2004; S. 5; Neumann 2009 a, S. 18/1999 b, S. 3. 82 Vgl. Wilkinson 2003, S. 1; Behr/Märker 2004, S. 1 f; Giddens 2004, S. 6; Jenkins 2006, S. 124 f; Kraushaar 2006, S. 18; Neumann 2009a, S. 20/2009b, S. 3. 83 Vgl. Behr/Märker 2004, S. 2; Jenkins 2006, S. 124; Mockaitis 2008, S. 43; Neumann 2009 a, S. 18 f. 84 Vgl. Schneckener 2006, S. 49. 85 Vgl. Neumann 2009b, S. 3 f. 86 Vgl. Jenkins 2006, S. 123. 87 Vgl. u. a. Hoffman 2002, S. 35 ff; Giddens 2004; Schneckener 2006, S. 50; Howard 2004, S. 77. 88 Vgl. Mockaitis 2008, S. 48. 27 Alter und Neuer Terrorismus in der Literatur nach dem 11. September 2001 Sowjetunion und einige europäische Staaten als Unterstützer weggefallen, dennoch gibt es immer noch einige Staaten im Nahen Osten, die terroristische Organisationen nach wie vor unterstützen. Während die alten terroristischen Organisationen durch eigene oder ausländische Regierungen kontrolliert, finanziell oder strategisch unterstützt oder sogar beauftragt würden,89 seien die neuen terroristischen Organisationen dagegen unabhängiger von Staaten und Regierungen. Durch neue finanzielle Quellen, die sich hauptsächlich im illegalen Bereich bewegen, sollen sie weniger auf finanzielle und strategische staatliche Unterstützung angewiesen. Neben Kidnapping, Drogenschmuggel und Betrug, gehen einige terroristische Organisationen jedoch auch legalen Geschäften nach.90 Rueven Raz dagegen sieht jedoch die Trennlinie nicht zwischen alten und neuen terroristischen Organisationen, sondern zwischen säkularen und religiösen terroristischen Organisationen. Religiöse terroristische Organisationen waren für ihn noch nie Empfänger staatlicher Unterstützung, außer der Hamas und Hezbollah, die er als Ausnahmen bezeichnet.91 Eine Willkür bei der Opferauswahl haben bereits Walter Laqueur und Bruce Hoffman Ende der neunziger Jahre angesprochen.92 Nach den Anschlägen des 11. September 2001 auf das World Trade Center, das Pentagon und das Weiße Haus, bei denen die meisten der fast 3.000 Todesopfer Zivilisten waren, steht dieser Aspekt noch stärker im Mittelpunkt des Diskurses um den Neuen Terrorismus. Viele Autoren weisen darauf hin, dass die alten terroristischen Organisationen Gewalt selektiv, begrenzt und überlegt gegen symbolische Ziele einsetzten. Moral, Image und Verhaltenskodizes, aber auch der Zuspruch von Unterstützern, Publikum und eigener Bezugsgruppe hielten diese terroristischen Organisationen davon ab, Unschuldige zu Opfern ihrer Anschläge zu machen.93 Peter Neumann weist jedoch darauf hin, dass auch den alten terroristischen Organisationen Zivilisten zum Opfer fielen, dies war jedoch die Ausnahme und wurde durch die terroristischen Organisationen zumindest begründet, z. B. als Kollateralschaden.94 Bei den neuen terroristischen Organisationen scheint der Angriff auf Zivilisten oder zumindest die Inkaufnahme von zivilen Opfern zur Routine zu werden. Anthony Giddens und Wolfgang Kraushaar sprechen von einer „Entgrenzung der Gewalt“ und beziehen sich dabei auf diese 89 Vgl. Hoffman 1999 a, S. 8; Simon/Benjamin 2000, S. 61; Jenkins 2006, S. 121 f. Simon/Benjamin zählen Iran, Irak, Syrien, Sudan, Kuba, Libyen und Nord Korea zu den Ländern, die die alten terroristische Organisationen unterstützen. 90 Vgl. Wilkinson 2003, S. 1 f; Jenkins 2006, S. 120 f. 91 Vgl. Roy/Hoffman/Paz/Simon/Benjamin 2000 c, S. 168. 92 Vgl. Laqueur 1996, S. 2; Hoffmann 1998–1999a, S. 15. 93 Vgl. Hoffman 2000, S. 38; Juergensmeyer 2000, S. 158; Simon/Benjamin 2000, S. 65 f.; Bremer 2001, S. 23; Giddens 2004, S. 7; Hoffman 2006, S. 405; Jenkins 2006, S. 118; Kraushaar 2006, S. 15. 94 Vgl. Neumann 2009 a, S. 25/27/2009 b, S. 4. 28 Alter und Neuer Terrorismus im wissenschaftlichen, medialen und politischen Diskurs willkürliche Opferauswahl bzw. die Inkaufnahme von zivilen Opfern, aber auch auf die insgesamt steigenden Opferzahlen.95 Stärker als in den neunziger Jahren wird die hohe Opferzahl bezogen auf einzelne Anschläge, aber auch auf den Terrorismus insgesamt zu einem Thema, da die Anzahl der Verwundeten und Getöteten in einem überdurchschnittlichen Maße ansteigt.96 Massentötungen als das neue Ziel von neuen terroristischen Organisationen und eine steigende Brutalität der Taktiken und Mittel stehen im Mittelpunkt der Diskussion.97 Zwar steigen die Zahlen der Opfer seit Ende der sechziger Jahre kontinuierlich leicht an, den „großen Sprung“ gibt es aber erst nach den neunziger Jahren. Die Entwicklung des Tötens von einem Mittel zum Ziel und die damit verbundene erhöhten Gewaltbereitschaft in Form von steigenden Opferzahlen erkannte auch Brian Michael Jenkins als das wichtiges Element eines Neuen Terrorismus. Während er 1975 noch schrieb „Terrorists want a lot of people watching, not a lot of people dead“98, konstantiert er dagegen 2006: „Many of today’s terrorists want a lot of people watching and a lot of people dead.“99 Die Hauptgründe für die anwachsende Gewalt sieht er zum einen in dem wachsenden Druck, durch immer brutalere Anschläge immer spektakulärere Bilder in den Medien zu erzeugen, im Kampf um die größten Schlagzeilen. Zum anderen ist für ihn die Verschiebung von rein politischen zu ethnischen und religiösen Motiven ein weiterer Grund. Der tiefverwurzelte Hass ethnischer Auseinandersetzungen und die Hinwegsetzung über alle weltlich moralischen Grundsätze durch eine fanatische göttliche Rechtfertigung sieht er als Auslöser für die neuen terroristischen Organisationen mehr Gewalt anzuwenden, die sich in Form von höheren Opferzahlen niederschlägt.100 Die Logik dieser steigenden Gewalt sehen einige Autoren auch als Konsequenz der medialen Entwicklung. Ein abgestumpftes Publikum verlangt nach immer spektakuläreren Bildern, um den Anschlägen Aufmerksamkeit zu schenken. Das Töten selbst und die Art des Tötens werden von den neuen terroristischen Organisationen genutzt, um Aufmerksamkeit beim Publikum zu erzeugen.101 Nicht nur möglichst viel und möglichst wahllos wird getötet, sondern auch möglichst spektakulär, nach dem Motto: „… if it bleeds, it leads, and the more it bleeds, the more attention it attracts.“102 Enthauptungen von 95 Vgl. Giddens 2004, S. 7; Kraushaar 2006, S. 15 f. 96 Vgl. Bremer 2001, S. 24; Hoffman 2002, S. 31; Howard 2004, S. 75; Wilkinson 2003; Jenkins 2006, S. 118/2008, S. 184 f; Kraushaar 2006, S. 14; Mockaitis 2008, S. 39f; Neumann 2009b, S. 5. 97 Vgl. Wilkinson 2003, S. 1; Neumann 2009a, S. 25. 98 Jenkins 1975, S. 4 99 Jenkins 2006, S. 119. 100 Vgl. Jenkins 2006, S. 118. 101 Vgl. Jenkins 2006, S. 118/2008, S. 190; Neumann 2009 b, S. 5. 102 Mockaitis 2008, S. 43. 29 Alter und Neuer Terrorismus in der Literatur nach dem 11. September 2001 Geiseln werden ins Internet gestellt, um die Gewalt einer möglichst globalisierten Medienöffentlichkeit zu präsentieren. Hoffman erkannte bereits 1999 eine Gewaltspirale in den Medien und der Öffentlichkeit, die die Täter zu spektakulären Bildern zwingt. Er bezog sich dabei aber vor allem auf einige wenige, spektakuläre tödliche Anschläge aus dem Jahr 1996 und nicht auf einen Anstieg der Anschläge insgesamt.103 Ein weiteres spektakuläres Mittel, zu dem die neuen terroristischen Organisationen greifen, ist das Selbstmordattentat. Während in der Diskussion vor 2001 Selbstmordattentate in Bezug auf den Neuen Terrorismus nicht thematisiert oder nicht als neues Phänomen dargestellt wurden,104 ändert sich dies nach dem 11. September 2001. Das Selbstmordattentat als Mittel scheint nun der Logik des Neuen Terrorismus zu folgen, vor allem in Kombination mit religiösen Ideologien: das „Ewigkeitsversprechen“ und der Moment des Märtyrertums der Religionen versetzt die Täter überhaupt erst in die Lage, Ihre eigene Angst zu überwinden und ihren Tot als Bedingung zur erfolgreiche Ausführung eines Anschlags in Kauf zu nehmen.105 Selbstmordattentate werden von vielen Autoren als spektakuläre, undifferenzierte und maßlose Mittel des Neuen Terrorismus beschrieben.106 Neben den Selbstmordattentaten kommt ein weiteres Mittel der neuen terroristischen Organisationen in die Diskussion, das bereits vor 2001 zur Debatte stand, zu dieser Zeit jedoch anders bewertet wurde. Steven Simon und Daniel Benjamin waren sich bereits 2000 sicher, dass die neuen terroristischen Organisationen Massenvernichtungswaffen einsetzen werden, um besonders spektakuläre Bilder zu erzeugen und besonders viele Menschen zu töten.107 Bruce Hoffman dagegen hielt vor 2001 den Gebrauch von Massenvernichtungswaffen für sehr unwahrscheinlich, da er große technologische Schwierigkeiten bei deren Einsatz sah. Für ihn war dieses Szenario höchsten bei religiösen terroristischen Organisationen in Kombination mit Amateurterrorismus denkbar. Die damalige Wahrnehmung der Gefahr durch Massenvernichtungswaffen beschrieb er insgesamt als überproportional und realitätsfern.108 Auch Walter Laqueur war sich sicher, dass Massenvernichtungswaffen in Zukunft eher wenig benutzt würden, weil ihr Gebrauch kontraproduktiv für die terroristischen Organisationen sei, da sie zum einen schwer zu handhaben sind und zum anderen auch die eigene Bezugsgruppe gefährden würden.109 Martha Crens- 103 Vgl. Hoffman 1999 a, S. 10. 104 Vgl. Laqueur 1996, S. 2; Crenshaw 2000, S. 414. 105 Vgl. Hoffman 2002, S. 32; Kraushaar 2006, S. 17. 106 Vgl. Bremer 2001, S. 25; Wilkinson 2003, S. 1; Kraushaar 2006, S. 16 f; Neumann 2009 b, S. 4. 107 Vgl. Simon/Benjamin 2000, S. 71 f; Roy/Hoffman/Paz/Simon/Benjamin 2000 d, S. 171 f. 108 Vgl. Hoffman 1998–1999 b, S. 21/1999 a, S. 37 f./2000, S. 39; Roy/Hoffman/Paz/Simon/Benjamin 2000b, S. 163 ff. 109 Vgl. Laqueur 1996, S. 4 f. 30 Alter und Neuer Terrorismus im wissenschaftlichen, medialen und politischen Diskurs haw ließ die Beantwortung nach der Wahrscheinlichkeit von Anschlägen mit Massenvernichtungswaffen offen, vermutet jedoch auch eine Überbewertung.110 Obwohl im Gegensatz zu dem Anschlag 1995 auf die Tokioter U-Bahn durch Aum Shinrikyo bei dem Anschlag 2001 durch Al Qaeda keine Massenvernichtungswaffen eingesetzt wurden, scheint sich die Erwartungshaltung gewandelt zu haben. Viele Autoren halten danach den Einsatz von Massenvernichtungswaffen durch die neuen terroristischen Organisationen zumindest für eine denkbare Möglichkeit.111 Selbst Bruce Hoffman sieht nun auch die zukünftige Bedrohung des Terrorismus bei den Massenvernichtungswaffen.112 Einige Autoren zeigen sich allerdings immer noch kritisch, was den zukünftigen Einsatz von Massenvernichtungswaffen angeht. Einer steigenden Motivation, diese Waffen zu benutzen, sehen sie praktische Hindernisse gegen- über stehen.113 Aber auch, wenn sich die Autoren nach 2001 immer noch nicht einig sind über den Gebrauch von Massenvernichtungswaffen, zeigt die umfassende Auseinandersetzung mit dem Thema, in welchem Bereich die tatsächliche Bedrohung der Massenvernichtungswaffen liegt: „Terrorists’ actual capabilities, ambitions, and fantasies blur with our own speculation and fears to create what the terrorists want: an atmosphere of alarm.“114 Ein Element des Neuen Terrorismus, das sowohl vor als auch nach dem 11. September 2001 eine große Bedeutung hat, ist ein vermehrtes Auftreten des religiösen Terrorismus. Es wird von fast allen Autoren in den Texten zum Neuen Terrorismus mit aufgeführt und häufig in Verbindung mit anderen Aspekten, wie Selbstmordattentaten und Massenvernichtungswaffen genannt. Die Gewalt als sakrales Element in den neuen religiösen Organisationen wird hierbei als die zentrale Bedrohung gesehen.115 Die Autoren begründen dies aus der Logik einer fundamentalistischen Religion mit apokalyptischen Zielen heraus: ein anderes Wertesystem mit anderen Mechanismen der Legitimation, moralischen Vorstellungen und Weltansichten, legitimierte Gewalt gegen die „Anderen“. Die Welt werde in Gut und Böse geteilt, damit gäbe es keine Unschuldigen mehr, nur Anhänger und Feinde. Es existiere aber auch kein politisches Kalkül mehr. Verhandlungen seien nicht mehr ein Schritt zum Ziel, da die Ziele nicht mehr verhandelbar sind, sondern absolut. Das Ziel besteht in der 110 Vgl. Crenshaw 2000, S. 413 ff. 111 Vgl. Bremer 2001, S. 24; Cameron 2002, S. 67; Wilkinson 2003, S. 2; Behr/Märker 2004, S. 2; Bolz/ Dudonis/Schulz 2005, S. 133; Neumann 2009 b, S. 4. 112 Vgl. Hoffman 2002, S. 45. 113 Vgl. Giddens 2004, S. 8; Jenkins 2006, S. 119 f; Neumann 2009 a, S. 28. 114 Jenkins 2006, S. 120. 115 Vgl. Hoffman 1998–1999 a, S. 12/15/1999 a, S. 20; Benjamin/Simon 2000; Crenshaw 2000, S. 411; Roy/ Hoffman/Paz/Simon/Benjamin 2000 d, S. 171; Simon/Benjamin 2000, S. 66; Bremer 2001, S. 25; Hoffman 2006, S. 409 f; Jenkins 2008, S. 187 f; Mockaitis 2008, S. 41; Neumann 2009 a, S. 28/2009 b, S. 5. 31 Alter und Neuer Terrorismus in der Literatur nach dem 11. September 2001 Vernichtung des Feindes, um einem auserwählten Kreis von Anhängern die Erlösung in einer neuen Welt zu bringen.116 Daniel Benjamin und Steven Simon betonen dieses Zusammenspiel von Religion und Gewalt im Neuen Terrorismus in einem Artikel im Jahr 2000 in der New York Times: „It is just this combination – religious motivation and a desire to inflict catastrophic damage – that is the new to terrorism.“117 Häufig wird die fundamentalistische Auslegung des Islam, der Islamismus, als Stereotyp einer gewalttätigen religiösen Ideologie erwähnt. Martha Crenshaw, Mark Juergensmeyer, Steven Simon, Daniel Benjamin und Peter Neumann weisen jedoch darauf hin, dass dies ebenso für christliche, jüdische oder pseudo-religiöse oder andere religiöse Ideologien bei terroristische Organisationen gilt.118 Religiöser Terrorismus wird nicht in dem Sinne als neu beschrieben, dass es ihn bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht gegeben hätte. Vielmehr wird ein Wiedererstarken religiöser terroristischer Organisationen wahrgenommen, die im letzten Jahrhundert nur von anderen ideologischen Ausrichtungen überschattet wurden. Das Wiedererstarken des religiösen Terrorismus in den neunziger Jahren wird zum einem mit dem Jahrtausendwechsel begründet. Dieses Ereignis hat für religiöse und quasireligiöse terroristische Organisationen einen apokalyptisch-millenarischen Charakter. Vor allem werden die Gründe aber im ökonomischen und politischen Bereich gesehen: Globalisierung und Demographischer Wandel und die Modernisierung haben zu Unsicherheiten und Ungewissheiten geführt, auf die säkulare Ideologien keine Antwort geben konnten. Die Religion soll aber vermeintlich ideologische Klarheit bringen.119 Nicht zuletzt die Tatsache, dass die Anschläge 2001 auf das World Trade Center, das Pentagon und das Weiße Haus durch religiös motivierte terroristische Organisationen verübt wurden, führte bei den Autoren dazu, die religiöse Ideologie als eine zentrale Eigenschaft des Neuen Terrorismus wahrzunehmen. Dies bezieht sich ebenso auf die meisten spektakulären Anschläge in den neunziger Jahren, bei denen Bruce Hoffman die Religion als „connecting linking thread“ bezeichnet: „Four incidents in particular – the Tokyo nerve gas attack, the Oklahoma City bombing, the 1993 bombing of New York City’s World Trade Center, and the 1998 attack on U. S. embassies in Africa – indicate that terrorism may be entering a peri- 116 Vgl. Hoffman 1998–1999 a, S. 15/1998–1999 b, S. 21/1999 a, S. 19 f/2006, S. 148; Crenshaw 2000, S. 411; Simon 2003, S. 1; Jenkins 2008, S. 187; Mockaitis 2008, S. 41. 117 Vgl. Benjamin/Simon 2000. 118 Vgl. Crenshaw 2000, S. 412; Hirschmann 2000, S. 300; Juergensmeyer 2000, S. 158; Simon/Benjamin 2000, S. 66; Neumann 2009 b, S. 8. 119 Vgl. Hoffman 1998–1999 a, S. 13 f./2006; Juergensmeyer 2000, S. 163; Ramakrishna/Tan 2002, S. 3 f; S. 145; Neumann 2009 b, S. 4. 32 Alter und Neuer Terrorismus im wissenschaftlichen, medialen und politischen Diskurs od of increased violence and bloodshed. The connecting thread linking these four otherwise unrelated incident is religion.“120 Neben dem religiösen Terrorismus bleibt auch der national-separatistische Terrorismus auf der Tagesordnung. Thomas Mockaitis weist darauf hin, dass der Großteil der Anschläge durch diese terroristischen Organisationen ausgeübt wurde, auch wenn sie weniger tödlich waren als die der religiösen terroristischen Organisationen.121 Martha Crenshaw erkennt auch in den rechten terroristischen Organisationen immerhin ein Potential zum Neuen Terrorismus. Die radikalen, rechts-konservativen terroristischen Organisationen der Christian-Identity-Bewegung aus den USA haben zum Beispiel apokalyptisch religiöse Elemente in ihrer Ideologie, die sie wesentlich gewaltbereiter werden lassen als europäische rechts-konservative terroristische Organisationen.122 Peter Neumann weist auf einen Punkt hin, den sowohl religiöse, national-separatistische als auch rechts-konservative terroristischen Organisationen in ihrer Ideologie aufweisen, der zu hoher Gewaltbereitschaft führen kann: „Diese [die terroristischen Organisationen – Anm. Autor] definieren bestimmte ethnische, religiöse oder rassistische Gruppen als ‚anders‘ und damit als weniger menschlich oder beachtenswert als die eigene.“123 2.3 Kritische Betrachtung des Paradigmenwechsels Die zitierten Autoren der vorangegangenen Kapitel, die sich mit dem Forschungsparadigma des Neuen Terrorismus beschäftigen, sind sich insgesamt darüber einig, dass es seit Beginn der neunziger Jahre einen Neuen Terrorismus gibt, auch wenn sie die einzelnen Eigenschaften unterschiedlich in ihrer quantitativen und qualitativen Entwicklung bewerten. Es hat sich jedoch nach dem 11. September 2001 auch ein Autorenkreis gebildet, der dem Diskurs um den Neuen Terrorismus kritischer gegen- übersteht bzw. die Existenz und Neuwertigkeit der Eigenschaften genauer betrachtet und teilweise anzweifelt. Im Mittelpunkt dieser Metadiskussion stehen unter anderem die zuvor erwähnten Autoren und deren Einschätzungen zu dem veränderte Verhalten terroristischer Organisationen. Diese Kritiker und Ihre Vorwürfe werden im Folgenden im zweiten Teil dieses Kapitels beleuchtet. Zunächst werden jedoch die möglichen Ursachen des Neuen Terrorismus erörtert, die von den Autoren des 120 Hoffman 1998–1999 a, S. 12. 121 Mockaitis bezieht sich auf die Zahlen der MIPT Terrorism Knowledge Database aus einem Zeitraum von 1968 bis 2006. Vgl. Mockaitis 2008, S. 40 f. 122 Vgl. Crenshaw 2000, S. 411 f. 123 Neumann 2009 b, S. 5. 33 Kritische Betrachtung des Paradigmenwechsels Diskurses genannten werden und als Begründung für die Existenz des Neuen Terrorismus verstanden werden können. 2.3.1 Mögliche Ursachen des Neuen Terrorismus In der Metadiskussion um den Neuen Terorrismus gibt es zwei Autoren, die auf Ver- änderungen in der Umwelt von terroristischen Organisationen hinweisen, die durchaus einen Wandel in ihrem Verhalten ausgelöst haben könnten und mit ihrer Argumentation die Vertreter des Paradigmenwechsels unterstützen. Matthew J. Morgen und Audrey Kurth Cronin führen einige Faktoren auf, welche sie als mitverantwortlich sehen für die Wandlungen im Verhalten terroristischer Organisationen. Audrey Kurth Cronin sieht Terrorismus als „… a by-product of broader historical shifts in the international distribution of power in all of its forms – political, economic, military, ideological, and cultural“124 und terroristische Organisationen als „normale“ internationale Akteure, die von Veränderungen, wie zum Beispiel der Globalisierung, profitieren.125 Matthew J. Morgen geht noch einen Schritt weiter und behauptet: „Terrorism has quantitatively and qualitatively changed from previous years.“126 Zum einen werden politische und geschichtliche Ereignisse, wie die Iranische Revolution, der Zusammenbruch der Sowjet Union und der Jahrtausendwechsel, von Autoren für Veränderungen verantwortlich gemacht. Der Zusammenbruch der Sowjet Union hat nicht nur viele nukleare Waffen in den Schwarzmarkt gelangen lassen, auf die terroristische Organisationen zugreifen können, er hat auch pakistanische und afghanische Kämpfer zurück gelassen, die durch den pakistanischen und amerikanischen Geheimdienst ausgebildet wurden. Diese gut ausgebildeten Kämpfer, denen nach dem Krieg sowohl eine Beschäftigung als auch eine Perspektive fehlten, bildeten die Basis für die Mitgliederrekrutierung durch islamistische terroristische Organisationen. Auch hatte der Zusammenbruch eines der größten kommunistischen Systeme Auswirkungen auf den Rückgang von sozialrevolutionären Ideologien in terroristischen Organisationen. Das Versagen des Kommunismus und der Rückgang links-sozialrevolutionärer terroristischer Organisationen hat eine ideologische Lücke hinterlassen, die der Religion einen Raum bot sich als Ersatzideologie zu etablieren.127 124 Cronin 2003, S. 53. 125 Vgl. Cronin 2003, S. 51. 126 Morgan 2004, S. 41. 127 Vgl. Hoffman 1998–1999 a, S. 12 ff; Roy/Hoffman/Paz/Simon/Benjamin 2000a, S. 161; Heine 2004, S. 128 f; Morgan 2004, S. 39; Hoffman 2006, S. 144. 34 Alter und Neuer Terrorismus im wissenschaftlichen, medialen und politischen Diskurs Zum anderen machen die Autoren die Folgen der Globalisierung für das Entstehen des Neuen Terrorismus verantwortlich. Ein entscheidender Aspekt ist spielt hierbei die Technologisierung und die globale Verbreitung deren Errungenschaften.128 Sowohl die Kommunikation als auch die Handlungsreichweite haben sich für terroristische Organisationen verbessert. Vor allem das Internet und das Mobiltelefon machen die Verbreitung von Ideologien und Informationen, die Rekrutierung und Werbung einfacher. Die Möglichkeit sich seit Beginn der neunziger Jahre über die Herstellung und den Gebrauch von Massenvernichtungswaffen zu informieren, lässt für viele auch die Wahrscheinlichkeit steigen, dass Terroristen hiervon Gebrauch machen und dies zu einem Ansteigen der Opferzahlen führen könnte. Aber auch die Planung simultaner, komplexer Anschläge, wie die des 11. September 2001 und vor allem die Rekrutierung junger Leute für islamistische terroristische Organisationen, wurde erleichtert. Des Weiteren können mithilfe des Internets und des Mobiltelefons auch kleinste, weit entfernte terroristische Organisationen an großen, weitverstreuten terroristischen Netzwerken teilhaben.129 Audrey Kurth Cronin und Matthew J. Morgan weisen auch auf weitere infrastrukturellen Vorteile der Globalisierung hin, von denen terroristische Organisationen profitiert haben: durch geminderte Grenzkontrollen ist die Grenzüberschreitung und somit internationales Agieren für terroristische Organisationen zumindest in Europa und der Nordamerikanischen Freihandelszone einfacher geworden. Die Terroristen selbst, aber auch Material und Geld können sich über weite Strecken bewegen ohne Gefahr zu laufen entdeckt zu werden, erleichtert durch die unterschiedliche Gesetzgebung der jeweiligen Staaten.130 Der Hauptgrund für die Ausbreitung religiöser terroristischer Organisationen sehen die Autoren jedoch zum einen vor allem in einer wachsenden Ungleichverteilung von Chancen, Einkommen und Gütern in der Welt, die die Globalisierung mit sich bringt und zum anderen in einer wachsenden Unsicherheit in der Bevölkerung, die durch das Zusammentreffen westlicher, säkularer, liberal-demokratischer Werte und religiöser fundamentalistischer Lebensweisen entsteht. Die Regierungen hätten es nicht geschafft dauerhafte Strukturen zu schaffen, die die Probleme der Ungleichverteilung, der nicht erfüllten Erwartungen und der Verunsicherung lösen konnten.131 Dass an dieser Stelle die Religion und damit gleichzeitig auch terroristische Organisationen mit religiösen Ideologien die Menschen auffangen konnten, beschreibt Peter 128 Vgl. Simon/Benjamin 2000, S. 73; Hoffmann 2002, S. 35 f; Cronin 2003, S. 46 ff. 129 Vgl. Hirschmann 2000, S. 301; Simon/Benjamin 2000, S. 7; Cronin 2003, S. 46 ff; Morgan 2004, S. 41; Neumann 2009 b, S. 3. 130 Vgl. Cronin 2003, S. 48 f; Morgan 2004, S. 38. 131 Vgl. Simon/Benjamin 2000, S. 73; Ramakrishna/Tan 2002, S. 3 f; Cronin 2003, S. 45/52 f; Hirschmann 2004, S. 302; Morgan 2004, S. 36; Hoffman 2006, S. 145. 35 Kritische Betrachtung des Paradigmenwechsels Neumann als ein Resultat des „wahrgenommene Scheiterns der angeblich modernen, säkularen Ideologien“132 und der Anfälligkeit für „Ideen und Ideologien ohne einen nationalen Bezugspunkt“133 als Folge der globalen Migration. Field weist darauf hin, dass die Religion in Zeiten globaler Veränderungen der öffentlichen Ordnung den Menschen vor allem eine Tiefgründigkeit und ideologische Klarheit gibt, die es ihnen einfach macht den Alltag zu verstehen und zu akzeptieren.134 2.3.2 Kritik am Forschungsparadigma Da die Existenz eines Neuen Terrorismus auch die Existenz eines Alten Terrorismus bedingt, gibt es zwei Formen des Terrorismus, deren Eigenschaften sich miteinander vergleichen lassen. Die meisten Kritiker argumentieren, ähnlich wie die Vertreter des Paradigmenwechsels, mit einem zeitabhängigen Konzept, bei dem alles vor der Stunde null zum Alten Terrorismus gehört und alles nach der Stunde null zum Neuen Terrorismus.135 Alle Beispiele, die dieser Annahme entgegenstehen, werden von den Kritikern als Argumente gegen die Existenz eines Neuen Terrorismus gesehen. Zu dieser Argumentation werden sowohl einzelne Anschläge als Beispiele herangezogen sowie einzelne Organisationen als auch die Eigenschaften selbst. Das Hauptargument, das gegen das Forschungsparadigma eines Neuen Terrorismus spricht, ist der fehlende Neuigkeitswert der Eigenschaften, der die Namensgebung rechtfertigen würde. Einige Aufsätze beschäftigen sich hauptsächlich mit dieser Frage nach dem Neuigkeitswert des Neuen Terrorismus: „Is the ‚New Terrorism‘ Really New?“136, „How New Is the New Terrorism?“137 oder „The ‚New Terrorism‘: Revolution or Evolution?“138 Besonders die Religion als Ideologie des Neuen Terrorismus bietet immer wieder Angriffsfläche in der Diskussion um die Neuwertigkeit. Alexander Spencer und Isabelle Duyvesteyn weisen darauf hin, dass die Religion schon seit Jahrtausenden als Motiv für terroristische Organisationen existiert. Zum anderen führen sie terroristische Organisationen auf, denen sie einen religiösen Anteil in der Ideologie zusprechen, die in der Debatte um den Neuen Terrorismus jedoch als alte terroristische Organisationen bezeichnet werden. Dazu zählen zum Beispiel die Ulster Freedom 132 Neumann 2009 b, S. 4. 133 Neumann 2009 b, S. 4. 134 Vgl. Juergensmeyer 2000, S. 163. 135 Vgl. Spencer 2006, S. 4. 136 Vgl. Tucker 2001. 137 Vgl. Duyvesteyn 2004. 138 Vgl. Field 2009. 36 Alter und Neuer Terrorismus im wissenschaftlichen, medialen und politischen Diskurs Fighters (UFF), die IRA, die Irgun, die Front de Libération de Nationale (FLN), und die Ethniki Organosis Kyprion Agoniston (EOKA).139 Nicht nur die Religion als Ideologie terroristischer Organisationen muss sich diesem Vorwurf stellen. Anthony Field erkennt eine gewisse Kontinuität im Verhalten terroristischer Organisationen und schreibt 2009 über den Neuen Terrorismus: „In short, it appears that the characteristics of the ‚new terrorism‘ are not particularly new.“140 Er stellt neben der Religion ebenso die Unverhandelbarkeit der Ziele, den Einsatz von Massenvernichtungswaffen, die Internationalisierung, die Netzwerkartigkeit, die Tödlichkeit und die undifferenzierte Opferwahl von terroristischen Organisationen in Frage.141 David Tucker dagegen sieht zumindest den Einsatz von Massenvernichtungswaffen als neuen Weg der Aufmerksamkeitserregung an: „In sum, the one thing new about the new terrorism ist the increased likehood of the use of CBNR weapons.“142 Für Alexander Spencer ist auch der Selbstmordterrorismus kein neuer Aspekt terroristischer Organisationen. Als Beispiel führt er die Assassinen an, die bereits ca. 1100 nach Christus in vollem Bewusstsein dazu bereit waren, bei Angriffen ihr Leben zu opfern. Auch die Tamil Tigers, die er offensichtlich zu der Kategorie des Alten Terrorismus zählt, führt er hierbei als Beispiel auf. Er verweist auf den außergewöhnlich hohen Anteil von Selbstmordattentaten am gesamten Terrorismus zwischen 1980 und 2000.143 An diesen Beispielen wird deutlich, dass nicht nur die Argumente für, sondern auch gegen die Existenz eines Neuen Terrorismus zum Großteil nur durch einzelne Fallbeispiele getragen werden, aber auch wie abhängig die Richtung der Argumentation von der Definition eines Neuen Terrorismus ist. Neben der Datenproblematik144 dieses Fallbeispiels liegt das Problem vor allem in der Verwendung der terroristischen Organisation als Untersuchungsbereich. Dass die LTTE als Gegenbeispiel 139 Isabelle Duyvesteyn und Alexander Spencer verweisen in diesem Zusammenhang auf David C. Rapoport und dessen Ausführungen über die Zealoten und die Assassinen. Vgl. Duyvesteyn 2004, S. 445; Spencer 2006, S. 14; siehe auch: Rapoport 1984; Hoffman 1998–1999 a. 140 Field 2009, S. 205. 141 Vgl. Field 2009, S. 200 ff; Ebenso: Tucker 2001, S. 3 f; Duyvesteyn 2004, S. 443 f./447; Spencer 2006, S. 15 f./18/21 f./23; Crenshaw 2007, S. 12 f/19 f./28. 142 Tucker 2001, S. 7. 143 Vgl. Spencer 2006, S. 20. 144 Alexander Spencer führt auf, dass die LTTE 168 von 270 Selbstmordanschlägen in einem Zeitraum von 1980 bis 2000 verübt haben sollen. Als Quelle gibt er einen Artikel von Yoram Schweitzer aus dem Jahr 2000 an. Dieser wiederum verweist auf einen Artikel von Dr. Johann Gunaranta, ohne dass jedoch die Herkunft der Daten ersichtlich wird. Die Global Terrorism Database (GTD) dagegen führt von 1990 (erster Selbstmordanschlag) bis einschließlich 2000 62 Selbstmordattentate der LTTE auf. Vgl. Schweitzer 2000; Gunaratna 2000, S. 68 ff; Spencer 2006, S. 20; National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism (START) 2015 a. 37 Kritische Betrachtung des Paradigmenwechsels für das Verhalten des Alten Terrorismus über einen Zeitraum von 1980 bis 2000 herangezogen wird, impliziert zum einen, dass sie in die Kategorie „alte terroristische Organisation“ gehört, auch nach 1990 weiterhin zur dieser Kategorie gehört und eine Veränderung im Verhalten ausgeschlossen wird. Zum anderen zeigt die reine Betrachtung der Anwendung von Selbstmordattentaten durch die LTTE, dass diese erst seit 1990 zum Repertoire der LTTE gehören, obwohl sie schon seit 1975 mit Anschlägen aktiv ist. Versteht man Neuen Terrorismus als eine Verhaltensänderung des Terrorismus insgesamt und nicht als ein umfassendes Verhaltenskonzept einzelner terroristischer Organisationen, spricht diese Datenlage jedoch eher für das Forschungsparadigma eines Neuen Terrorismus, da in diesem von einem Anstieg der Selbstmordattentate seit Beginn der neunziger Jahre ausgegangen wird. Auch Thomas Copeland kritisiert, dass sich die Argumentation vor allem auf einzelne Anschläge als Beweise für den Neuen Terrorismus stützt. Den Beginn des Neuen Terrorismus Anfang der neunziger Jahre versucht er mit Gegenbeispielen zu widerlegen: Die Anschläge 1993 auf das World Trade Center und 1995 auf das Murrah Federal Building in Oklahoma City beschreibt er zwar als schockierend jedoch nicht als neu, da es bereits davor Anschläge auf amerikanische Staatsbürger gab, wie zum Beispiel den Anschlag 1983 auf Marine Kasernen in Beirut. Dem Anschlag 1995 auf die U-Bahn in Tokio gesteht er zwar zu, die psychologische Hemmschwelle zum Gebrauch von Massenvernichtungswaffen durchbrochen zu haben, weist jedoch darauf hin, dass es seit 1968 bereits 60 Versuche gab, Massenvernichtungswaffen einzusetzen. Zum anderen sieht er in vielen Anschlägen, die als typische Anschläge des Neuen Terrorismus gelten, einige Eigenschaften, die eher unter die Kategorie Alter Terrorismus fallen. In dem Anschlag 2000 auf die USS Cole im Jemen sieht er keinen klassischen Anschlag des Neuen Terrorismus, da dieser gezielt gegen Militärpersonal gerichtet ware und mit einer konventionellen Bombe durchgeführt wurde. Vor allem die Anschläge von 2001 auf das World Trade Center, das Pentagon und das Weiße Haus ein Beweis sind für ihn ein Beweis gegen die These eines Neuen Terrorismus. Wie bei vielen Anschlägen in der Vergangenheit nutzten die Attentäter die Methode einer Flugzeugentführung und beschränkten sich auf Messer als Waffen. Auch aufgrund der hohen symbolischen Wirkung der Ziele und der staatlichen Unterstützung durch Afghanistan und den Irak in Form von Rückzugsgebieten, Dokumenten, Geld und Informationen lässt er die Anschläge nicht als Beweis für die Existenz eines Neuen Terrorismus gelten. Insgesamt kommt er zu der Erkenntnis, dass die gelieferten Argumente nicht ausreichen und es zum damaligen Zeitpunkt zu früh sei, um einen Paradigmenwechsel auszurufen.145 145 Vgl. Copeland 2001, S. 93/102. 38 Alter und Neuer Terrorismus im wissenschaftlichen, medialen und politischen Diskurs Den Autoren des Neuen Terrorismus werden in der Metadiskussion neben dem Wunsch nach wissenschaftlicher Erkenntnis auch weitere Absichten unterstellt, die sie dazu verleiten einen Paradigmenwechsel in der Terrorismusforschung zu unterstützen. Martha Crenshaw richtet hierbei Vorwürfe explizit in Richtung der wissenschaftlichen Gemeinde. Sie unterstellt einigen Autoren, vor allem aber Anfängern, eine absichtliche Eingrenzung des Untersuchungsbereichs. Die zeitliche Eingrenzung auf den Zeitraum nach 1990 und die Fokussierung auf die Religion als alleinige erklärende ideologische Variable sieht sie als Ausweg um sich nicht mit dem gesamten komplexen Phänomen des Terrorismus auseinander setzen zu müssen. Den Grund für politische Akteure auf das Bild des Neuen Terrorismus zurückzugreifen sieht sie ebenfalls im Bereich der Komplexitätsreduktion. Das Zurückgreifen auf einfache Metaphern und Analogien, wie sie häufig bei der Beschreibung des Neuen Terrorismus verwandt werden, erspare diesen Akteuren Zeit und Energie in einer komplexen Informationswelt.146 Der häufigste Vorwurf der den Autoren des Neuen Terrorismus jedoch gemacht wird, ist die politische Erwünschtheit des Paradigmenwechsels. Das Szenario des Neuen Terrorismus impliziert das Bild einer in diesem Ausmaß noch nie dagewesenen Bedrohung, die nach entsprechenden Gegenmaßnahmen verlangt. Der Neue Terrorismus bietet ein präzises und bedrohliches Feindbild eines global agierenden, wahllosen und unverhandelbaren Terrorismus, der einen neuen globalen Kampf gegen den Terrorismus rechtfertigt. Der Zuschauer wird damit von der Notwendigkeit der Maßnahmen überzeugt, um die Legitimation für eine Ressourcenerhöhung der einzelnen Akteure zu erreichen. Es würden hierbei sogar direkte militärische Aktionen oder die Einschränkung von Freiheitsrechten legitimiert.147 Alexander Spencer sieht hierbei einen direkten Zusammenhang zwischen der Propagierung eines Neuen Terrorismus und den gewählten Terrorismusbekämpfungsstrategien und nennt die Besetzung des Iraks und die Ausweitung der Polizeibefugnisse auf eine Shootto-kill Strategie der Polizei in Großbritannien als Beispiele für Terrorismusbekämpfungsstrategien, die weder „democratically debated, publicly discussed, independently monitored or even necessary“148 sind.149 Die Vorwürfe an Autoren und politische Akteure, einen Paradigmenwechsel bewusst herbeigeführt zu haben, bleiben bei einigen Autoren nicht nur wage, sondern richten sich an konkrete Institutionen und Personen. Thomas Copeland listet zum Beispiel für die USA eine Reihe von Institutionen auf, denen er unterstellt 146 Vgl. Crenshaw 2007, S. 29 f. 147 Vgl. Burnett/Whyte 2005, S. 8; Spencer 2006, S. 5; Crenshaw 2007, S. 28 f; Field 2009, S. 205. 148 Spencer 2006, S. 5. 149 Vgl. Spencer 2006, S. 26; Ebenso Burnett/Whyte 2005, S. 8. 39 Kritische Betrachtung des Paradigmenwechsels durch die Etablierung des Paradigmas die eigenen Ressourcen zu erhöhen bzw. die eigene Existenz weiterhin zu rechtfertigen. Zu diesen Institutionen zählt er proaktive Institutionen wie die CIA und die NSA, reaktive Institutionen wie die Federal Emergency Management Agency oder das State Department’s Foreign Emergency Support Team, aber auch Institutionen, die sich mit einem hoch technologisierten Terrorismus auseinandersetzen wie die Air Force oder die DARPA (Defense Advanced Research Projects Agency).150 Den Vorwurf an Analysten und politische Akteure, ein Interesse an der Verbreitung des Forschungsparadigmas des Neuen Terrorismus zu haben, formuliert er im Jahr 2001 nach den Anschlägen des 11. September sehr deutlich: „Key proponents of the paradigm include the analysts at places like the Center for Strategy and International Studies and the RAND Corporation (home to Laqueur and Hoffman respectively), who influence both mid-level bureaucrats (at CIA, State, and DOD, whose job it is to defend against terrorism), and the policy makers who decide how to spend the government’s counter-terrorism money.“151 Ähnlich wie Thomas Copeland sehen Jonny Burnett und Dave Whyte die Schlüsselrolle in der Verbreitung des Forschungsparadigmas bei der RAND Corporation. Besonders den Autoren, die im Umfeld der RAND Corporation tätig sind, unterstellen sie auf Grund ihrer Abhängigkeit von der Institution in einen Konflikt zwischen wissenschaftlicher Erkenntnis und erwünschten Ergebnissen geraten zu sein. Zu diesem „Nexus“ zählen sie vor allem die Autoren Bruce Hoffman, Brian Michael Jenkins, Magnus Ranstorp, Paul Wilkinson, das Center for Studies in Terrorism and Political Violence (CSTPV) der University of St. Andrews und die Zeitschriften „Terrorism and Political Violence“ und „Studies in Conflict and Terrorism“. Als kritisch an diesem engvernetzten Forschungspool sehen sie aber vor allem die teilweisen Überschneidungen von Personal der RAND Corporation und der ehemaligen US-Regierung unter Georg W. Bush.152 Auch die direkten und indirekten Beteiligungen an militärischen und geschäftlichen Aktivitäten im Irak während der Zeit der US-amerikanischen Besatzung lassen Jonny Burnett und Dave Whyte von einer „Embedded Expertise“ sprechen und feststellen, dass „… an effect of being embedded is that research cannot be regarded as objective scholarship in a traditional sense.“153 Nimmt man sich des Vorwurfs von Thomas Copeland, Jonny Burnett und Dave Whyte der politischen Verflechtung an und beleuchtet die Verbindungen der identifizierten Autoren des Diskurses zu wissenschaftlichen, politischen und militärischen Einrichtungen, fallen vor allem sechs Namen dabei auf: Bruce Hoffman, Brian 150 Vgl. Copeland 2001, S. 100 f. 151 Copeland 2001, S. 100. 152 Vgl. Burnett/Whyte 2005, S. 8 ff. 153 Burnett/Whyte 2005, S. 13. 40 Alter und Neuer Terrorismus im wissenschaftlichen, medialen und politischen Diskurs Michael Jenkins, Paul Wilkinson, Steven Simon, Daniel Benjamin und Paul L. Bremer. Bruce Hoffman war von 2001 bis 2004 Direktor des RAND Büros in Washington D. C. und gleichzeitig Vizepräsident für außerbetriebliche Angelegenheiten als auch geschäftsführender Direktor des Center for Middle East Public Policy (CMEPP) im Jahr 2004.154 Brian Michael Jenkins ist aktuell noch Senior Adviser des Präsidenten der RAND Corporation nachdem er von 1972–1998 Vorsitzender des Political Science Department bei der RAND Corporation war.155 Auch Paul Wilkinson hatte unter anderem über das Center for the Study of Terrorism und Political Violence (CSTPV), welches er gemeinsam mit Bruce Hoffman 1994 an der University of St. Andrews gründete, Verbindungen zur RAND Corporation. Die University of St. Andrews und die RAND Corporation verband nicht nur die Personalie Bruce Hoffman, sondern auch die gemeinsame RAND-St. Andrews Database, die eine Vorgängerversion der Terrorism Incident Database war und ursprünglich von Brian Michael Jenkins im Jahr 1970 ins Leben gerufen wurde.156 Darüber hinaus müssen auch die identifizierten Autoren Steven Simon, Daniel Benjamin und Paul L. Bremer aufgrund Ihrer Lebensläufe nicht nur als Wissenschaftler und Journalisten sondern auch selbst als Teile des politischen Systems bewertet werden. Paul L. Bremer war unter Präsident Ronald Reagan bereits in wichtigen politischen Positionen tätig. Nach zwei Jahren als Executive Secretary des U. S. Department of State wurde er Botschafter in den Niederlanden, Sonderbotschafter für Counterterrorism and Coordination for Counterterrorism und Direktor des Bureau of Counterterrorism. Unter Präsident Bill Clinton wurde er dann noch zum Vorsitzenden der National Commission on Terrorism ernannt und führte schließlich im Jahr 2003 als oberster Verwalter die Übergangsverwaltung (Coalition Provisional Authority – CPA) im Irak an.157 Der Journalist Daniel Benjamin war von 2009 bis 2012 unter der Außenministerin Hillary Clinton Sonderbotschafter und Coordinator for Counterterrorism im U. S. Department of State nachdem er bereits in den neunziger Jahren unter Präsidenten Bill Clinton zuerst als Nationaler Sicherheitsberater und anschlie- ßend als Direktor für transnationale Bedrohungen im Sicherheitsrat der USA tätig war.158 Auch der Terrorismusexperte Steven Simon, der mit Daniel Benjamin zu den Autoren gehörte, die das Forschungsparadigma des Neuen Terrorismus immer wieder zu einem Thema Ihrer (auch gemeinsamen) Veröffentlichungen machten, blickt auf eine lange Karriere in der US-amerikanischen Politik zurück. Er war viele Jah- 154 Vgl. Georgtown University 2015; Council on Foreign Relations 2019. 155 Vgl. Jenkins 2015; RAND Corporation 2015 b. 156 Vgl. Burnett/Whyte 2005, S. 9; Houghton 2008; University of St. Andrews 2011. 157 Vgl. Dobins/Jones/Runkle/Mohandas 2009, S. 14 f; United States Department of State 2019. 158 Vgl. Brookings 2019; The John Sloan Dickey Center for International Understanding 2019. 41 Kritische Betrachtung des Paradigmenwechsels re im U. S. Department of State tätig und bereits in den neunziger Jahren Direktor für globale Angelegenheiten und anschließend Senior Direktor für transnationale Bedrohungen im Sicherheitsrat der USA. Im Jahr 2011 kam er als Direktor für die Bereiche Mittlerer Osten und Nordafrika erneut zurück in den Sicherheitsrat der USA. Darüber hinaus war er jedoch auch noch als Experte für den Bereich Mittlerer Osten bei der RAND Corporation tätig.159 Bei den restlichen Autoren scheinen dagegen jedoch keine offensichtlichen Verbindungen zu relevanten Institutionen zu bestehen. Hierbei handelt es sich vor allem Wissenschaftler wie Ulrich Schneckner, Thomas R. Mockaitis, Kumar Ramakrishna, Martha Crenshaw160 und der Soziologie Lord Anthony Giddens. Darunter sind auch bekannte Terrorismusexperten wie Walter Laqueur, Peter R. Neumann, Mark Juergensmeyer oder Wolfgang Kraushaar, welcher jedoch als Experte für Linksextremismus und Linksterrorismus das Thema Neuer Terrorismus eher beiläufig anschneidet. Matthew J. Morgan ist einer der wenigen Autoren, der neben seiner Tätigkeit als Dozent an diversen Universitäten, vor allem als Berater in der Privatwirtschaft tätig war. Er war jedoch auch sechs Jahre für die United States Intelligence (USAI) tätig, wie in einer Selbstbeschreibung seines Werks „A Democracy is Born“ zu lesen ist.161 Die Autoren Kai Hirschmann und Russell D. Howard haben dagegen beide einen militärischen Hintergrund. Russel D. Howard, der unter anderem auch Direktor des Jebsen Center for Counterterrorism Studies der Fletcher School und Gründungsdirektor des Combating Terrorism Center in West Point war, ist Brigardegeneral a. D. der United States Army.162 Kai Hirschmann war zuletzt Chefredakteur und Dezernatsleiter der Informations- und Medienzentrale der Bundeswehr.163 159 Vgl. Council on Foreign Relations 2009; Middle East Insitute 2014; Massari 2017. 160 Martha Crenshaw beteiligt sich zwar auch als Autorin am Diskurs um den Neuen Terrorismus, äu- ßert aber bereits 2000 Kritik und Zweifel an der Existenz des Forschungsparadigmas. Vgl. Crenshaw 2000. 161 Vgl. Morgan 2007, S. 174. 162 Vgl. Monterery Insitute of International Studies 2014. 163 Vgl. Center for Global Studies 2018. 42 Alter und Neuer Terrorismus im wissenschaftlichen, medialen und politischen Diskurs 2.4 Zuammenfassung: Kapitel 2. Alter und Neuer Terrorismus im wissenschaftlichen, medialen und politischen Diskurs Der im Kapitel 2. Alter und Neuer Terrorismus im wissenschaftlichen, medialen und politischen Diskurs aufgearbeitete Diskurs um den Neuen Terrorismus hat Anfang der neunziger Jahre begonnen und bekam mit den Ereignissen des 11. September 2001 eine erneute inhaltliche und personelle Dynamik, die es sinnvoll erscheinen ließ, ihn in zwei Phasen zu teilen. Von Anfang der neunziger Jahre bis zum 11. September 2001 kristallisierten sich vor allem die US-amerikanischen Autoren Bruce Hoffman, Walter Laqueur, Steven Simon, Daniel Benjamin, Martha Crenshaw und Mark Juergensmeyer, aber auch der deutsche Autor Kai Hirschmann als Treiber des Diskurses heraus. Im Zentrum standen zu dieser Zeit bei den meisten Autoren vor allem die Bedeutung der Religion für den Terrorismus, aber auch eine wachsende Gewaltbereitschaft und eine weniger selektive Gewalt wurde von mehreren Autoren erwähnt. Einige Autoren brachten auch spezielle Phänomene, wie den Amateur- Terroristen, den Lone-Terrorist, den Privat-Terroristen oder Single-Issue-Terrorism als Begriffe mit in den Diskurs ein, die sich jedoch in der zweiten Phase des Diskurses nach dem 11. September 2001 nicht weiter verfestigten. Die weniger selektive Opferauswahl und die steigende Gewaltbereitschaft dagegen waren auch nach dem 11. September 2001 weiterhin Bestandteil des Diskurses. Beide Phänomene führten zum Einsatz spezifischer Mittel, wie Selbstmordattentate und Massenvernichtungswaffen, aber vor allem zu einer steigenden Opferzahl. Ganz neu wurde von vielen Autoren eine Veränderung in der Struktur der terroristischen Organisationen hin zu großen diffusen, dezentralisierten Netzwerken formuliert. Auch eine Internationalisierung bzw. Globalisierung der Organisationen und Anschläge kam neu als Themenschwerpunkt hinzu. Der Autorenkreis erweiterte sich in der zweiten Hälfte des Diskurses um die bekannten Terrorismusexperten Brian Michael Jenkins und Paul Wilkinson aber auch um Autoren mit militärisch-politischem Hintergrund wie Paul L. Bremer oder Russell D. Howard sowie um einige Wissenschaftler, darunter Lord Anthony Giddens, Thomas R. Mockaitis, Kumar Ramakrishna und Matthew J. Morgan. Gleichzeitig kamen weitere Autoren aus dem deutschsprachigen Raum hinzu wie zum Beispiel Wolfgang Kraushaar, Peter R. Neumann, Ulrich Schneckener. Vor allem die Religion als Faktor stand sowohl vor als auch nach dem 11. September 2001 im Mittelpunkt des Diskurses. Aber vor allem in der zweiten Hälfte legten sich die meisten Autoren auf die Religion als zentrale Eigenschaft des Neuen Terrorismus fest. Als mögliche Auslöser für den Neuen Terrorismus nannten die Autoren hauptsächlich Ereignisse, wie die Iranische Revolution, den Zusammenbruch der Sowjet 43 Zuammenfassung: Kapitel 2 Union, den Jahrtausendwechsel, aber auch die wachsende Ungleichverteilung in der Bevölkerung, die Globalisierung und der technische Fortschritt bei Kommunikationsmitteln, Reisemöglichkeiten und Waffen wurden genannt. Ein anderer Autorenkreis, der sich vor allem nach dem 11. September 2001 in den Diskurs einbrachte, formulierte dagegen auch Zweifel an der Existenz eines Neuen Terrorismus. Zu ihm gehörten unter anderem Autoren wie Alexander Spencer, Isabelle Duyvesteyn, Anthony Field, Thomas Copeland, Jonny Burnett oder Dave Whyte. Aber auch Martha Crenshaw artikulierte im Laufe der Zeit immer wieder ihre Zweifel an der Existenz eines Neuen Terrorismus. Kritisiert wurden vor allem die zeitliche Eingrenzung des Konzepts, der fehlende Neuigkeitswert, die auf Einzelfallbeispielen basierenden Argumentationen und eine Komplexitätsreduktion des Phänomens. Am stärksten wurde jedoch eine Kritik formuliert, die konkreten Institutionen und Personen eine politische Erwünschtheit des Forschungsparadigmas unterstellte. Dies betraf vor allem in den USA ansässige Personen und Institutionen aus dem Umfeld der RAND Corporation, zu denen auch die genannten Autoren Bruce Hoffman, Brian Michael Jenkins und Paul Wilkinson gehörten. Aber Personen mit Verbindungen zu politischen und militärischen Institutionen wie Steven Simon, Daniel Benjamin und Paul L. Bremer. 45 3 Terrorismus als rationale Entscheidungsfindung Bevor das Paradigma des Neuen Terrorismus genauer empirisch untersucht werden kann, soll zunächst im vorliegenden Kapitel der grundlegendere Begriff des Terrorismus ins Zentrum der Untersuchung gerückt werden. Da es sich bei dem Begriff jedoch um ein komplexes Phänomen handelt, wird im folgenden Kapitel zunächst definiert, was für die Untersuchung unter „Terrorismus“ genau zu verstehen ist. In einem zweiten Schritt wird anschließend dargelegt, wer die Akteure sind und mit welchem Erklärungsmodell das Handeln dieser Akteure beschrieben werden kann. Hierzu wird die terroristische Organisation als kollektiver Akteur und die Rational Choice Theorie als Erklärungsmodell für das Verhalten und die Entscheidungsfindung terroristischer Organisationen vorgestellt. Ein Erklärungsmodell wird benötigt, um einen vollständigen theoretischen Ansatz zum Neuen Terrorismus entwickeln und die Ergebnisse der Untersuchung auf Grundlage nachvollziehbarer Regeln und Annahmen interpretieren zu können. 3.1 Die Entwicklung des Begriffs Terrorismus „The term ‚terrorism‘ has been a source of confusion, contradiction, and controversy from the first time it slipped into our political vocabulary.“ 164 Bei der Suche nach einer geeigneten Definition des Begriffs „Terrorismus“ lassen sich in der vorliegenden Literatur viele unterschiedliche Definitionen finden. Bis heute gibt es keine einheitliche Definition des Phänomens „Terrorismus“, obwohl sich einige Autoren intensiv mit der Suche nach einer geeigneten Definition beschäftigt haben.165 Definitionen dienen im Allgemeinen dazu, einen Gegenstand oder Sach- 164 Gupta 2008, S. 7. 165 Herauszuheben ist hierbei die Arbeit von Alex P. Schmid, der in seinem Werk „The Routledge Hand- 46 Terrorismus als rationale Entscheidungsfindung verhalt durch eine kurze Beschreibung von anderen Gegenständen oder Sachverhalten abzugrenzen und dem Phänomen eine Struktur zu geben. Der Anspruch auf universelle Gültigkeit einer Definition ist mit zunehmender Komplexität eines Phänomens schwieriger umzusetzen, da sich je nach Verwendung des Begriffes der Fokus einer Definition ändert, abhängig von Betrachter, Kontext oder Ziel der Definition.166 Leonard Weinberg, Ami Pedahzur und Sivan Hirsch-Hoefler führen die Schwierigkeit, eine Definition für den Begriff Terrorismus zu finden, vor allem auf den Umstand zurück, dass der Begriff von vielen Seiten zur Erzielung politischer Effekte instrumentalisiert wird.167 Ebenso schwierig sind die objektive Abgrenzung von anderen Formen politischer Gewalt und die unterschiedliche Bewertung von Ereignissen, je nach Nähe zu den Geschehnissen.168 Nicht zuletzt aufgrund der emotionalen Aufladung des Begriffes beschränken sich einige Autoren bei der Definitionsfindung daher auf eine Minimaldefinition oder auf die Verwendung von Phrasen.169 Aufgrund der Uneinigkeit über den Begriff in der aktuellen Literatur wird im Folgenden der Ursprung der Begriffe „Terror“ und „Terrorismus“ kurz nachgezeichnet, um im Anschluss eine für den Untersuchungsgegenstand geeignete Definition zu entwickeln.170 Terror als Begriff tauchte zum ersten Mal in dem Ausdruck „régime de la terreur“ in Kontext der französischen Revolution auf. Damals handelt es sich aber nicht um eine Organisation, die Staat und Bevölkerung terrorisierte, sondern um ein Regime, den französischen Staat, der versuchte die Aufstände der Jahre 1793 und 1794 gegen den neuen französischen Staat mit den Mitteln des Terrors niederzuschlagen. Es handelte sich in diesem Fall bei „Terror“ zunächst um eine Form des Staatsterrorismus.171 Die Durchsetzung des Terrorismus als Begriff und Phänomen substaatlicher Organisationen172 begann Ende des 19. Jahrhunderts: Die Narodnya Volya, eine russische Bewegung von Konstitutionalisten, die versuchten die russische Zarenherrschaft zu book of Terrorism Research“ unter anderem über 250 verschiedenen Definitionen aus einem Zeitraum von 1794 bis 2010 zusammengetragen hat. Vgl. Schmid 2011, S. 99–148. Ähnlich ausführlich auch: Institue for Safety, Security and Crisis Management et al. 2008. 166 Vgl. Schmid 2004, S. 197. Schmid bezieht sich vor allem auf die unterschiedlichen Kontexte, in denen Terrorismus verstanden wird. Danach kann Terrorismus als Verbrechen, politische Handlung, Krieg, Kommunikation oder religiöser Fundamentalismus verstanden werden. 167 Vgl. Waldmann 2000, S. 15. 168 Vgl. Weinberg/Pedahzur/Hirsch-Hoefler 2004, S. 777 ff. 169 Vgl. Krumwiede 2005, S. 32 f; Poland 2005, S. 3. 170 Für eine ausführlichere Auseinandersetzung mit dem Begriffsursprung und seiner Entwicklung siehe Hoffmann 2006, S. 21 ff. 171 Vgl. Jones 1997, S. 48 ff; Hoffman 2006, S. 23 ff; Gupta 2008, S. 5 f. 172 Substaatlicher Terrorismus wird auch häufig als „aufständischer“ Terrorismus bezeichnet. Vgl. Waldmann 2000, S. 15. 47 Die Entwicklung des Begriffs Terrorismus beenden und einen Verfassungsstaat zu errichten, töten 1881 nach mehreren erfolglosen Versuchen Zar Alexander II mit einem Bombenattentat, um ihre Forderungen durchzusetzen, was jedoch erfolglos blieb. Sie stehen bis heute für den Beginn des artikulierten, systematischen substaatlichen Terrorismus.173 David C. Rapoport bezeichnet diese erste Phase des Terrorismus als anarchistische Phase in seinem Konzept des modernen Terrorismus.174 Terroristische Organisationen, ohne dass der Begriff an sich gebraucht wurde, gab es aber schon lange zuvor. Die Sikarier, eine besonders aktive Gruppe der jüdischen Freiheitspartei Zeloten, erstachen auf Veranstaltungen in Menschenmassen Personen mit einem kleinen Dolch, den sie unter ihren Gewändern versteckten, dem Sicar. Zu ihrem Opfern gehörten wichtige Personen, wie Hohepriester, Geldverleiher, aber auch die gemäßigten Kräfte der eigenen Seite und vor allem ihre direkten Feinde, die Palästinenser. Sie versuchten unter anderem im ersten Jahrhundert nach Christus in Jerusalem einen Regimewechsel mit terroristischen Mitteln durchzusetzen, indem sie die Bevölkerung zu einem Volksaufstand gegen Rom bewegen wollten. Sowohl die religiöse Ideologie, das politische Ziel, als auch das Mittel der speziellen Gewaltanwendung erlauben es, die Sikarier als eine der ersten terroristischen Organisationen zu bezeichnen.175 Etwa eintausend Jahre später tauchte eine weitere Organisation auf, die Gruppe der Assassinen, eine schiitischen Geheimsekte, gegründet von Hasan-i Sabbah, einem Ismailit, die im Gegensatz zu den Sikariern über einen längeren Zeitraum als Organisation auftrat. Die Assassinen werden heute gerne als Vergleichsbeispiel zu Al Qaeda herangezogen, da sie sich in einigen offensichtlichen Merkmalen ähneln: Hasan-i Sabah führte eine islamistische Gruppierung an, deren Mitglieder – angeblich unter dem Einfluss von Drogen – daran glaubten, sie seien von Gott beauftragt eine Botschaft zu verkünden und dass ihre Taten sie zu Märtyrern machen und ihnen nach dem Tod den Weg ins Paradies eröffne werden. Auch der Einsatz von Selbstmordattentaten trat in dieser Organisation schon damals auf, da sich die Assassinen lieber selbst töteten als gefasst zu werden, um in das ihnen versprochene Paradies zu gelangen. Allerdings beschränkten sich 173 Vgl. Laqueur 1977, S. 17 ff; Otte 1997, S. 56 f; Narodnya Volya 2006; Hoffman 2006, S. 27 ff. 174 Der Begriff „Modernen Terrorismus“ darf an dieser Stelle nicht mit dem Konzept, des „Neuen Terrorismus“ gleichgesetzt werden. David C. Rapoport beschreibt in seinem Beitrag „The Four Waves of Modern Terrorism“ die Entwicklung des Terrorismus seit Ende des 19. Jahrhundert bis heute in einem Vierphasenmodell: Der anarchistischen Phase folgt eine antikoloniale Phase, dann eine neue linke Phase und zuletzt eine religiöse Phase, deren Ende er ca. im Jahr 2025 sieht. Ausführlich hierzu: Rapoport 2004. 175 Vgl. Hengel 1976, S. 47 ff; Laqueur 1977 S. 13 f; Rapoport 1984, S. 664 ff; Laqueur 1999, S. 11. 48 Terrorismus als rationale Entscheidungsfindung die Assassinen auf spezifische Angriffsziele im Gegensatz zu vielen heutigen islamistischen Organisationen.176 3.2 Allgemeine Definition Eine kurze allgemeine Definition zu finden, bedeutet Schwerpunkte zu setzen und die wichtigsten Elemente zu extrahieren, abhängig von der weiteren Verwendung. Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, Veränderungstendenzen im Verhalten von Organisationen des substaatlichen Terrorismus zu untersuchen. Dazu bedarf es einer ausführlichen und detaillierten Beschreibung terroristischer Organisationen, die einzelne begriffliche Komponente wie Ziele und Akteure weiter ausführt, als dies allgemein gehaltene Definitionen leisten können. Dazu muss zunächst eine kurze allgemeine Definition möglichst unterschiedliche Aspekte beinhalten, die sich in einem zweiten Schritt weiter ausführen lassen. Dies ist notwendig, da der Begriff „Neuer Terrorismus“ und seine Abgrenzung zum „Alten Terrorismus“ nur untersucht werden kann, wenn der allgemeine Begriff des Terrorismus klar und ausführlich im Vorlauf für die Untersuchung definiert ist. Die Definition dient somit auch als Basis für die Konzeptualisierung der einzelnen Untersuchungsbereiche des Untersuchungsgegenstandes „Neuer Terrorismus“. Als Ausgangspunkt für eine Definition bietet sich ein Text von James Poland an, indem er drei grundlegende Merkmale des Terrorismus aufführt: Terrorismus ist eine Strategie zur Verbreitung von Angst, zur Erzeugung von Aufmerksamkeit und zur Erreichung politischer Ziele.177 Es muss hierbei ein Unterschied gemacht werden zwischen „Terror“ als Atmosphäre der Angst, die durch gewalttätige Akte oder deren Androhung entsteht, und dem „Terrorismus“ in organisierter substaatlicher Form, der sich der Verbreitung dieses Terrors bedient, um politische Ziele zu erreichen.178 Der Terror ist somit nicht nur Mittel der Staaten zur Unterdrückung der Bevölkerung, sondern auch Mittel substaatlicher Akteure. Hervorzuheben ist hierbei die Erreichung politischer Ziele, da Terror alleine als taktisches Mittel auch psychisch Erkrankten oder Kriminellen bei der Erreichung ihrer persönlichen oder finanziellen Ziele dienen kann. Dabei verfolgen sie aber kein höheres politisches Ziel, son- 176 Vgl. Rapoport 1984, S. 668 ff; Morgan 1997, S. 40 f; Heine 2004, S. 46 ff. Zur Geschichte der Assassinen siehe Lewis 1989. 177 Vgl. Poland 2005, S. 9 f; Mayntz 2004, S. 7. 178 Vgl. Schmid 2011, S. 2 f. Anders: Waldmann 2000, S. 15 f; Straßner 2008, S. 11 f. Waldmann und Straßner dagegen benutzen eine abweichende Definitionen der beiden Begriffe: Sie unterscheiden in „Terror“ als Strategie des staatlichen Terrorismus und in „Terrorismus“ als Strategie des substaatlichen Terrorismus. 49 Allgemeine Definition dern sehen den Erfolg ihrer Handlung im Akt selbst oder in der persönlichen Bereicherung. Auf der anderen Seite machen aber nicht die politischen Ziele und Motive alleine eine terroristische Organisation aus. Schmid betont die herausragende Stellung des Terrors als terroristische Strategie: „Terrorism is, in my view, about methods an technique“179. Erst die Kombination aus einem politischen Ziel und der Anwendung von bestimmten Terror-Strategien macht eine Organisation somit zu einer terroristischen Organisation. Bezeichnend für den Terrorismus sind nicht nur die Ebene der physischen Taten und Opfer auf der einen Seite. Es gibt noch eine psychische Ebene, auf der sie mit Hilfe von Symbolik Botschaften an ein Publikum senden möchten, wobei besonders die Verbreitung der Botschaften über die Massenmedien in der heutigen Zeit eine wichtige Rolle spielt.180 Dieses Publikum bezeichnet Herfried Münkler auch als den „interessierten Dritten“. Dabei handelt es sich um Gruppierungen, für deren Interessen die Terroristen kämpfen. Die Botschaft an Bevölkerungsteile und Anhänger, die mobilisiert werden sollen, lautet: „… dass Widerstand nicht nur möglich ist, sondern auch erfolgreich sein kann.“181 Die Botschaften eines Selbstmordattentäters zum Beispiel richtet sich dagegen an ein breiteres Publikum und lauten: „Jeder kann der nächste sein“ und „Wir sind zu allem bereit“. Terroristische Organisationen, die mit Selbstmordattentätern arbeiten, haben keine Bezugsgruppe, vor der sie ihr Handeln rechtfertigen müssten und wollen niemandem gefallen. Die Botschaft dieser Terroristen geht an eine andere Empfängeradresse: Sie richtet sich nicht mehr in erster Linie an Herfried Münklers „interessierten Dritten“, sondern an die mögliche Opfergruppe.182 Brian Michael Jenkins beschreibt bereits 1975 die Bedeutung der Botschaft und die damit verknüpfte Aufmerksamkeit als zentrale Aspekt hinter terroristischen Handlungen: „Terrorism is violence for effect. Terrorists choreograph violence to achieve maximum publicity. Terrorism is theater.“183 Schwierigkeiten ergeben sich immer wieder bei dem Versuch terroristische Organisationen von anderen Formen der politischen Gewalt abzugrenzen, wie zum Beispiel von Guerillaorganisationen oder paramilitärischen Organisationen. Guerillaorganisationen bestehen häufig aus ehemaligen Militärs, die sich gegen die bestehende Ordnung aufgelehnt haben und deren personelle Ziele sich hauptsächlich ebenfalls auf militärisches Personal begrenzen. Die Bevölkerung soll in erster Linie nicht in 179 Schmid 2011, S. 23. 180 Vgl. Schmid 2011, S. 80. 181 Münkler 2001, S. 14; Ebenfalls: Münkler 2002 a, S. 180 182 Herfried Münkler bezieht sich dabei vor allem auf religiöse Organisationen. Diese benötigen keine Bezugsgruppe mehr, da sie die Legitimation ihres Handelns aus ihren apokalyptischen und millenarischen Ideologien direkt ableiten. Vgl. Münkler 2001, S. 15. 183 Jenkins 1975, S. 4. 50 Terrorismus als rationale Entscheidungsfindung Angst und Schrecken versetzt werden, sondern die Ziele der Guerilla unterstützen oder sich ihnen sogar anschließen, um die militärische Machtübernahme zu erleichtern. Im Gegensatz zu Terroristen halten sich Guerilla-Truppen an die grundsätzlichen Konventionen, die im Krieg herrschen. Da es den meisten Guerillaorganisationen um die Kontrolle des Territoriums geht, ist ihr Handlungsfeld auf ein spezielles Gebiet beschränkt, über das hinaus sie nicht agieren. Terroristische Organisationen dagegen können sowohl regional, national, international und transnational agieren und in Erscheinung treten. Sie handeln auch symbolisch und kommunikativ und nicht nur militärisch.184 Louise Richardson beschreibt die Guerillatruppe als „… eine irreguläre Armee, die gegen die regulären Truppen des Staates kämpft. Sie ist militärisch durchorganisiert Ihr Ziel ist es den Feind mit militärischen Mitteln zu besiegen …“185 Gemeinsam ist beiden Erscheinungsformen zunächst immer die Anwendung von Gewalt zur Durchsetzung politischer Ziele. Viele Guerillaorganisationen, wie z. B. die Revolutionary Armed Forces of Colombia – People’s Army (FARC), die je nach Kontext als Guerillaorganisation oder als terroristische Organisation bezeichnet werden, haben sich im Laufe der Zeit jedoch immer mehr zu terroristischen Organisationen gewandelt, wie sie im Sinne der Definition verstanden werden kann. Wie im Fall der Revolutionary Armed Forces of Colombia – People’s Army (FARC) wurden die politischen Ziele, die Mittel, der Handlungsradius und die Auswahl der Opfer immer weiter ausgeweitet, bis sie schließlich auch für die Bevölkerung eine Bedrohung darstellten und diese in Angst und Schrecken versetzten.186 Ein ähnlich fließender Übergang findet sich am anderen Ende des ideologischen Spektrums auch bei paramilitärischen Organisationen, wie zum Beispiel der United Self Defense Forces of Colombia (AUC). Zwar bekämpfen diese terroristischen Organisationen hauptsächlich anderer Gruppierungen, die gegen die bestehende Ordnung aufbegehren, doch meist sind mehr die Methoden paramilitärisch, als dass die Mitglieder tatsächlich eine direkte Verbindung zum Staat hätten. Zusammenfassend führen die genannten Aspekte des Terrorismus zu folgender Definition, die sich an der Definition des United Department of Defense orientiert: 184 Vgl. Krumwiede 2005, S. 33; Schneider/Hofer 2008, S. 36 f; Schmid 2011, S. 69. 185 Richardson/Schickert 2007, S. 30 f. 186 Vgl. Stanford University 2019 a. 51 Die Rational Choice Theorie als Erklärungsmodell „Terrorismus ist der kalkulierte Einsatz ungesetzlicher und medial inszenierte, symbolischer Gewalt oder die Androhung dieser Gewalt zur Verbreitung von Angst durch substaatliche Akteure. Dies geschieht in der Absicht Regierungen und Bevölkerung einzuschüchtern oder zu nötigen und eine Botschaft zu verbreiten, um politische Ziele zu erreichen.“187 3.3 Die Rational Choice Theorie als Erklärungsmodell zum Verhalten terroristischer Organisationen Da die vorliegende Arbeit auf der Makroebene Veränderungstendenzen ganzer Organisationen, bzw. Konglomerate ganzer Organisationen untersuchen möchte, werden nicht die Entscheidungen und Handlungen einzelner Mitglieder der Organisationen betrachtet. Die terroristische Organisation wird als ein Akteur verstanden und handelt auch als ein solcher. Martha Crenshaw und Renate Mayntz weisen darauf hin, dass es sinnvoll erscheint, eine terroristische Organisation im Sinne einer klassischen Organisation zu verstehen.188 Terroristische Organisationen haben als ein kollektiver Akteur, der kollektive Entscheidungen trifft, Mitglieder, die funktionelle Rollen innerhalb der Organisation besetzen und in diesen Rollen handeln. Diese Mitglieder besitzen eine Mitgliedschaft, die sich aus der Differenzierung zwischen Organisation und ihrer Umwelt ergibt. Die Beziehungen zwischen diesen Mitgliedern sind latent und können sowohl hierarchisch als auch netzwerkartig strukturiert sein. Die Kommunikation untereinander besteht aus einem Informationsaustausch und einem Führungsmodell bzw. Befehlsmodell und der Konzentration oder Dezentralisierung von Macht, die das Verhalten der Mitglieder regeln. Diese sind durch die jeweiligen Regeln innerhalb der Organisation vorgegeben. Das Verhalten der Mitglieder und deren Bindung werden aber nicht nur durch Führung und Befehle geregelt, sondern auch durch eine ideologische Identifizierung mit der Organisation. Organisationen stehen auch in ständigem Austausch mit ihrer Umwelt, aus der sie Informationen aufnehmen und auf die sie reagieren. Einfach gesagt sind Organisationen Produkti- 187 Angelehnt an United States Department of Defense 2010, S. 274: „The unlawful use of violence or threat of violence to instill fear and coerce governments or societies. Terrorism is often motivated by religious, political, or other ideological beliefs and committed in the pursuit of goals that are usually political. See also antiterrorism; combating terrorism; counterterrorism; force protection condition.“ 188 Vgl. Crenshaw 1985, S. 466; Mayntz 2004, S. 9. 52 Terrorismus als rationale Entscheidungsfindung onssysteme, die konkrete Handlungen koordinieren, um einen spezifischen Zweck zu erfüllen, das heißt Ziele zu erreichen, die jedoch wandelbar sind.189 Es darf jedoch nicht außer Acht gelassen werden, dass es auch Attentäter gibt, die keiner terroristischen Organisation angehören, sich zu keiner zugehörig fühlen und bekennen bzw. nicht im Namen einer terroristischen Organisation handeln, wie zum Beispiel die Attentäter Andreas Breivik, Timothy Veigh oder Ted Kaczynski. Deren Anteil am gesamten Terrorismus beträgt jedoch nur 0,33 %.190 Bei diesen „Lone-Actor“- oder „Lone-Wolf “-Terroristen ist es besonders schwierig, den Anteil tatsächlicher politischer Ziele oder gar einer psychischen Störung zu bewerten. Der Handlungsantrieb von Andreas Breivik zum Beispiel kann durchaus als ein politisches Motiv gesehen werden, welches er jedoch in seinen Statements und seinem Manifest mit abstrusen verschwörungstheoretischen Argumenten beschreibt.191 Ihn deshalb als nur psychisch gestörten Einzeltäter statt als Terrorist zu bezeichnen, wäre dennoch zu einfach. Durch Kultur, Erziehung und Erfahrungen geprägt, finden sich für viele Menschen nicht nachvollziehbare Motive, Rechtfertigungen und Weltbilder auch in terroristischen Organisationen, wie zum Beispiel bei Aum Shinrikyo192, wieder. Selbst christlich-religiöse Motive sind, je nach Standpunkt des Betrachters, nicht nachvollziehbar und erscheinen zunächst wenig rational. Der Umstand, dass in einer Organisation mehrere Menschen an die gleichen Geschichten glauben, lässt sie jedoch auch nicht automatisch rationaler und nachvollziehbarer werden. Was zu der Schlussfolgerung führt, dass Täter wie Andreas Breivik, solange sie eindeutig politische Ziele erreichen und eine Botschaft verbreiten wollen, ebenso als Terroristen anzusehen sind, wie die Mitglieder von Aum Shinrikyo oder des Islamischen Staates. In der vorliegenden Untersuchung werden die Anschläge von „Lone-Wolf “- Terroristen daher trotz der strukturellen Konzentration auf die Organisationsebene grundsätzlich auch zur Beantwortung der Fragestellung mit herangezogen. 189 Vgl. Crenshaw 1985, S. 465 ff; Mayntz 2004, S. 9 ff; Weinert 2004, S. 546; Schreyögg 2008, S. 9 f. 190 Florian Hartleb spricht von nicht einmal zwei Prozent Anteil am Gesamtterrorismus. In der Global Terrorism Database ist der Anteil noch geringer: 474 von 142.714 Anschlägen lassen sich als „individual“ eindeutig Einzeltätern ohne Zugehörigkeit zu einer Organisation zuordnen. Wieviel Prozent der nicht zuordenbaren Anschläge durch Einzeltäter ausgeführt wurden, ist jedoch unklar. Vgl. Hartleb 2013, S. 234 f; National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism (START) 2015a. 191 Vgl. Hartleb 2013, S. 231. 192 Die terroristische Organisation Aum Shinrikyo nannte sich im Jahr 2006 unter einer neuen Führung in Aleph um und distanzierte sich von den gewalttätigen Handlungen der Vergangenheit. Sie wird in der Literatur jedoch weiterhin hauptsächlich als Aum Shinrikyo bezeichnet und soll daher auch in der vorliegenden Untersuchung so genannt werden. 53 Die Rational Choice Theorie als Erklärungsmodell Ein nicht-psychologischer instrumenteller Ansatz, wie das Modell des rationalen Handelns der Rational Choice Theorie bietet sich hierbei an, um Entscheidungen, Verhalten und Verhaltensänderungen auf der Makroebene terroristischer Organisation zu erklären.193 Die Rational Choice Theorie gehört zu den strategischen Theorien und ist neben den organisationalen und psychologischen Theorien ein mögliches Erklärungsmodell zur Entscheidungsfindung und dem Verhalten terroristischer Organisationen. Im Gegensatz zur Rational Choice Theorie sieht die organisationale Theorie das Verhalten und die Entscheidungsfindung terroristischer Organisationen nicht als Reaktion auf äußere Einflüsse, sondern als Konsequenz interner organisationaler Prozesse. Nicht die Umsetzung der politischen oder ideologischen Vorstellungen steht im Mittelpunkt, sondern das Überleben der Organisation als solche. Dieses Erklärungsmodell ist für die vorliegende Untersuchung jedoch ungeeignet, da in dessen Logik Verhalten und Entscheidungsfindungen der terroristischen Organisation auf nicht beobachtbaren Prozessen basieren und somit empirisch schwer oder gar nicht überprüfbar sind.194 Die psychologische Theorie erklärt Verhalten und Entscheidungsfindung terroristischer Organisationen aufgrund individueller Präferenzen, Glaubenssystemen und psychologischer Dispositionen der Mitglieder. Als Erklärungsmuster werden kognitive und affektive Verzerrungen in Form von Persönlichkeitsstörungen der Mitglieder oder Aggressionsauslöser, wie Frustration oder Narzissmus herangezogen. Ähnlich wie bei der organisationalen Theorie ist die schwierige empirische Überprüfbarkeit problematisch.195 Des Weiteren kann ein psychologisches Erklärungsmodell aufgrund seiner Verallgemeinerungen generell der Komplexität des Phänomens Terrorismus nicht gerecht werden.196 Aus den genannten Gründen wird die terroristische Organisation unter Annahme der Rational Choice Theorie im Folgenden als rational handelnde Organisation verstanden. Sie trifft unter anderem die Auswahl der jeweiligen Strategien zur Erreichung ihrer Ziele unter der Annahme der kollektiven Rationalität. Dies bedeutet, dass es bei der Entscheidungsfindung in terroristischen Organisationen immer um die Abwägung von Optionen mit dem Ziel der Maximierung des Nutzens und der Minimierung der Kosten für die Organisation geht. Die Entscheidungsfindung in Bezug auf die Wahl der Anschlagsart, des Ortes und der Zeit ist dabei abhängig von externen Faktoren und dem Verhalten der anderen Akteure.197 Eine These, die 193 Die Rational Choice Theorie ist ebenso dazu geeinigt das individuelle Verhalten von Lone-Wolf- Terroristen zu erklären. 194 Vgl. Crenshaw 1985/2001, S. 19 ff; McCormick 2003, S. 486 ff. 195 Vgl. McCormick 2003, S. 490 ff. 196 Vgl. Reich 1998, S. 261 f; Daase/Spencer 2011, S. 30. 197 Vgl. Crenshaw 1998, S. 8; McCormick 2003, S. 481 ff; Mayntz 2004, S. 5; Gupta 2008, S. 30; Anders: 54 Terrorismus als rationale Entscheidungsfindung für das rationale Verhalten von Organisationen spricht, findet sich bei Ulrich Druwe. Er stellt die These auf, dass das Handeln von Organisationen weniger emotional und dafür rationaler ist als das Handeln von Individuen. Er bezieht diese Behauptung auf sein Konstrukt der „sozialen Kognition“, das sich aus den intellektuellen, charakterlichen und sozialen Fähigkeiten eines Individuums zusammensetzt und sich auf die Organisation übertragen lässt. Diese kollektive soziale Kognition bewertet er als stärker als die individuelle soziale Kognition. Zwar kommt neben den bekannten Einschränkungen des rationalen Handelns bei Organisationen noch das Problem der Verflechtung der Mitglieder einer Organisation und ihrer Umwelt hinzu, dagegen entfallen jedoch emotionale Aspekte, die beim individuellen Handeln eine Rolle spielen. Handeln und Verhandeln sind ausschließlich auf die Zielerreichung gerichtet, wobei die Aushandlungsprozesse ebenfalls nach rationalen Kriterien erfolgen.198 Häufig kritisiert wird dagegen an rationalen Verhaltensmodellen zum einem die kontroverse und wenig präzise Definition des Begriffes der Rationalität und zum anderen die ausbleibende Erklärungskraft bestimmter altruistischer und moralischer Verhaltensweisen.199 Altruistische Verhaltensweisen einzelner Personen innerhalb von Organisationen lassen sich jedoch mit der Bildung einer kollektiven Identität innerhalb der jeweiligen Ideologie der terroristischen Organisationen erklären. Diese führt dazu, dass die einzelnen Mitglieder in ihren Handlungen das Wohl der Organisation bzw. der Bezugsgruppe über ihr eigenes Wohl stellen.200 Vor allem ist der Ansatz der rationalen kollektiven Entscheidungsfindung für diese Untersuchung geeignet, da damit ein Standard-Verhalten von den Organisationen erwartet wird, dessen Abweichungen, aber auch dauerhafte Veränderungen gemessen werden können. Einzelne sporadische Abweichungen lassen sich durch fehlerhafte Kalkulation der Optionen und Kosten oder durch eingeschränkte Informationen erklären.201 Eine dauerhafte Veränderung im Verhalten dagegen bedeutet eine Ver- änderung der Bedingungen, zum Beispiel der alternativen Optionen oder eine Ver- änderung der Kosten. Die in der Untersuchung folgende Annahme, dass die Organisationen des Neuen Terrorismus sich anders verhalten als die Organisationen des Alten Terrorismus, muss demnach messbar mit Veränderung der exogenen Bedingungen zusammenhängen: „The strategy has changed over time to adapt new circumstances that offer different possibilities for dissent action …“.202 Abrahams 2008 sieht das Hauptziel terroristischer Organisationen nicht im Erreichen der politischen Ziele, sondern im Überleben der Organisation als soziale Einheit. 198 Vgl. Druwe 1991, S. 151 ff. 199 Vgl. Schmid 2011, S. 222. 200 Vgl. Gupta 2008, S. 47 ff. 201 Vgl. Crenshaw 1998, S. 9; McCormick 2003, S. 500. 202 Crenshaw 1998, S. 10. 55 Die Rational Choice Theorie als Erklärungsmodell Unter Annahme einer Rational Choice Theorie lässt sich auch eine mögliche Antwort auf die Frage geben, warum politische bzw. extremistische Organisationen überhaupt erst auf terroristische Mittel zurückgreifen, anstatt auf andere Weise zu kommunizieren oder zu handeln. Martha Crenshaw beschreibt die Entscheidung zu terroristischen Mitteln zu greifen als „… a reasonably informed choice among available alternatives, some tried unsuccessfully …“.203 Dahinter verbergen sich zwei Mechanismen, die zu dieser Radikalisierung von politischen bzw. extremistischen Organisationen führen: Zum einen ein Lernprozess, bei dem erkannt wird, dass die bisherigen Strategien nicht ausreichend waren, um die eigenen Ziele zu erreichen. Zum anderen eine Abwägung von Nutzen und Kosten, die für oder gegen die Wahl des Terrorismus sprechen. Übersteigt der erwartete Nutzen die erwarteten Kosten, ist das Moment erreicht, in dem sich eine politische oder extremistische Organisation dazu entscheidet zu einer terroristischen Organisation zu werden. Zu den Kosten des Terrorismus gehört unter anderem die Gefahr, dass die Reaktionen auf terroristische Anschläge seitens der Regierung und Bevölkerung zu einem Ressourcenverlust bei der terroristischen Organisation führen. Der Nutzen des Terrorismus besteht darin, dass Regierungen dazu gezwungen werden zu reagieren und die Organisation und ihr Anliegen nicht weiter ignorieren können. Auch die Bekanntheit des Anliegens oder des Problems der terroristischen Organisation kann durch einen terroristischen Anschlag steigen. In diesem Fall würde sich die Ressource der Aufmerksamkeit für die terroristische Organisation erhöhen und somit der Nutzen steigen. Neben diesem Agenda-Setting gehört die Mobilisierungsfunktion von Anhängern und Unterstützern zu dem größten Nutzen des Terrorismus.204 Die Wahrscheinlichkeit, mit der Kosten auftreten, ist abhängig von verschieden Faktoren, wie zum Beispiel dem politischen System, in dessen Grenzen sich die terroristische Organisation mit ihrem Anliegen bewegt. Da bei der Rational Choice Theorie aufgrund von eingeschränkten kognitiven Fähigkeiten und fehlenden Informationen von einer begrenzten Rationalität der terroristischen Organisationen ausgegangen werden muss, ist es möglich, dass die Situation von der Organisation nicht in ihrer Komplexität erfasst werden kann und die erwarteten Kosten nicht den tatsächlichen Kosten entsprechen. Dies kann entweder zu einer Anpassung der terroristischen Strategien führen oder zu einem Übergang in eine politische Organisation, die eben keine terroristischen Strategien mehr anwendet, da sich diese für die Organisation nicht lohnen. Im äußersten Fall kann dies auch zu einer kompletten Auflösung der terroristischen Organisation führen. 203 Crenshaw 1998, S. 11. 204 Vgl. Crenshaw 1998, S. 17 ff; McCormick 2003, S. 483 f. 56 Terrorismus als rationale Entscheidungsfindung 3.4 Bereiche des terroristischen Verhaltens Unter der Annahme des kollektiven rationalen Verhaltens terroristischer Organisationen werden in diesem Abschnitt vier Bereiche weiter ausgeführt, in denen das Verhalten terroristischer Organisationen unterteilt werden kann (siehe Abbildung 1). Die Unterteilung in Bereiche und die untergliederten Teilbereiche dienen als systematische Struktur, an der sich die weitere Untersuchung zu den Eigenschaften des Neuen Terrorismus orientiert. Die Strukturierung erleichtert die spätere Aufarbeitung des Diskurses, soll jedoch nicht zwingend als abschließend verstanden werden. Die vier Bereiche leiten sich aus der vorangegangenen Definition aus Kapitel 2.2 Allgemeine Definition ab. Der in der Definition auftauchende Begriff der Gewalt wird von den terroristischen Organisationen in unterschiedlichen Strategien umgesetzt, die sich weiter untergliedern lassen in Mittel, Taktiken und Angriffsziele, die ausgewählt bzw. angewendet werden. Eine Taktik ist die Gesamtheit von Handlungen, die darauf abzielt beim Gegner, der Bevölkerung oder den eigenen Anhängern eine Reaktion hervorzurufen oder das Verhalten so zu ändern, dass es der Erreichung der eigenen Ziele dient. Hierfür bedienen sie sich verschiedener Mittel. Dazu gehören zum Beispiel verschiedene Arten von Waffen, Tätern, Zubehör und Anwendungen körperlicher Gewalt. Regierung und Bevölkerung sind die Angriffsziele, die entweder die direkten Opfer der Anschläge sind, aber auch das Publikum sein können, an das eine Botschaft übermittelt werden soll. Die politischen Ziele sind strategische Ziele, die sich in Zwischenziele und Endziele unterteilen lassen. Sie sind eng verknüpft mit den Strategien, die gewählt werden, um diese zu erreichen. Teilweise sind Strategien und strategische Ziele fließend und schwer voneinander abzugrenzen. Die terroristischen Organisationen selbst müssen als Akteure hinsichtlich der Abbildung 1: Definitionsbereiche Terrorismus, eigene Darstellung. 57 Bereiche des terroristischen Verhaltens unterschiedlichen Ideologien und damit zusammenhängenden Motiven betrachtet werden, die hinter den gewalttätigen Handlungen stehen, aber auch hinsichtlich der Strukturen, die in den einzelnen Organisationen herrschen. Zu Strukturen gehören intern die Mitgliederstruktur, die Führungsstruktur, Kommunikationswege, Finanzierungs- und Ressourcenstruktur und extern der Grad der Internationalisierung und die Vernetzung mit anderen Organisationen.205 3.4.1 Strategien Terroristische Organisationen möchten das Verhalten des Gegners beeinflussen, indem sie seine Optionen verändern. Sie haben das Problem, dass sie meistens zu schwach sind, um wie Staaten Kriege führen zu können, damit sie ihre Ziele erreichen.206 Da auch die Kosten anderer politischer Strategien zu hoch sind, müssen sie zu alternativen Strategien greifen. Die Androhung von Taten alleine kann aber nicht davon überzeugen, dass terroristischen Organisationen ihre Drohungen ernst meinen. Da die Empfänger ihrer Botschaften sich nicht sicher sein können, wie ernst diese Androhungen gemeint sind, wählen terroristische Organisationen Taktiken, die ihnen selbst so hohe Kosten entstehen lassen, dass es dem Gegenüber Sicherheit über ihre Entschlossenheit, Zuverlässigkeit und Macht gibt.207 Häufig wird der Ausdruck „Propaganda durch die Tat“ in diesem Zusammenhang als Taktik terroristischen Organisationen verwendet, die sie von anderen aufständischen Organisationen unterscheidet. Der Ausdruck wurde in der Phase des anarchistischen Terrorismus geprägt und war damals weniger eine spezifische Taktik, als eine übergreifende Einstellung im Sinne einer Leitidee. Propaganda durch die Tat208 bedeu- 205 Eine ähnliche Einteilung findet sich auch bei Neumann. Dieser unterteilt den Terrorismus in die Kategorien „Struktur“, „Ziele“ und „Methoden“. Unter „Ziele“ versteht er jedoch die in dieser Arbeit bezeichnete Kategoire „Ideologie“. Die strategischen und personellen Ziele werden bei ihm nicht weiter ausgeführt. Vgl. Neumann 2009a, S. 14 ff. Anders: Kometer 2004, S. 21. 206 Unter der Schwäche von Organisationen kann das nicht ausreichende Vorhandensein von Anhängern und Ressourcen verstanden werden. Dieses kann unter anderem daran liegen, dass die Ansichten der Organisation nur von einem kleinen Teil der Bevölkerung geteilt werden oder die Mobilisierung der Anhänger nicht funktioniert. Vgl. Crenshaw 1998, S. 11 f. 207 Vgl. Schmid 2011, S. 222; Kydd/Walter 2006, S. 50; Auch Seth G. Jones und Martin Libicki weisen darauf hin, dass die Auswahl einer terroristischen Strategie immer als Auswahl aus einem Set von Handlungsmöglichkeiten geschieht, unter der Annahme, dass diese Auswahl die effizienteste oder einzige ist, um das politische Ziel zu erreichen. Vgl. Jones/Libicki 2008, S. 4. 208 Die Propaganda der Tat als Konzept des Terrorismus entstand in der anarchistischen Phase des modernen Terrorismus und geht unter anderem auf Autoren wie Mikhail Bakunin und Carlo Pi- 58 Terrorismus als rationale Entscheidungsfindung tet, dass terroristische Organisationen handeln statt zu reden, da sie als rational handelnde Organisationen erkannt haben, dass sie die Aufmerksamkeit des Publikums und die Reaktionen des Staates besser oder nur durch Taten gewinnen können. Nur durch Aktionen können sie auf sich aufmerksam machen und ihre Macht demonstrieren.209 Zur Umsetzung Ihrer Taktiken verwenden die terroristischen Organisationen bestimmte Mittel und wählen bestimmte Angriffsziele. Alle drei Bereiche werden im Folgenden näher ausgeführt. 3.4.1.1 Taktiken: Costly Signaling und Heroisierung Die fünf Taktiken des „Costly Signaling“ sind „Taktiken der Tat“, die von den terroristischen Organisationen je nach Ziel und Gegner ausgewählt werden: Die erste Taktik, die Zermürbung des Gegners (Staat) durch permanente Angriffe, überzeugt von der Stärke und dem Willen der terroristischen Organisationen. Sie erzeugt bei ihm hohe Kosten durch hohe Verluste und bringt ihn im Idealfall zu Zugeständnissen. Ein Mittel der Zermürbungstaktik sind häufig Selbstmordattentäter. Diese kommunizieren mit ihrem eigenen Tod die Botschaft: „Wir meinen es so ernst mit unserem Anliegen, dass wir bereit sind dafür zu sterben“. Die zweite Taktik ist die Einschüchterung der Bevölkerung. Jede Unterstützung der Regierung seitens der Bevölkerung wird durch selektive gewalttätige Handlungen oder Repressalien an der Bevölkerung bestraft. Ebenso sind regierungstreue Personen, wie Polizisten oder Staatsanwälte, Opfer von Anschlägen. Dadurch wird der Bevölkerung die Schwäche der Regierung vor Augen geführt und kommuniziert, dass jede Unterstützung dieser Regierung sofortige Konsequenzen hat. Die dritte Taktik ist die Provokation, bei der die Regierung zu Überreaktionen provoziert wird. Das Ziel der terroristischen Organisationen ist es hierbei, möglichst eine militärische Reaktion des Staates zu erzeugen, bei der hohe zivile Verluste die Folge sind, um zum einen Moderate der gegnerischen Seite zu radikalisieren und zum anderen das Vertrauen der Bevölkerung in die Regierung zu schwächen. Die vierte Taktik terroristischer Organisationen wendet sich an die Moderaten der eigenen Gruppe: die Störung. Zwischen den Moderaten der eigenen Reihen und dem Staat soll durch Anschläge Misstrauen auf beiden Seiten entstehen, die friedliche Verhandlungen und Abkommen stören. Der Staat ist sich unsicher darüber, ob die moderaten Kräfte wirklich im Stande sind, im Falle einer Einigung ihre radikalen Kräfte unter Kontrolle zu halten. Die fünfte Taktik ist sacane zurück, welcher schrieb, dass Ideen nur durch Taten entstünden und nicht andersrum. Vgl. Pisacane zitiert in Graham 2005, S. 65 ff; Bakunin 1972, S. 195 f. 209 Vgl. Crenshaw 1985, S. 466; Laqueur 1987, S. 48 ff; Griset/Mahan 2003, S. 6 f; Hoffman 2006, S. 27; Richardson/Schickert 2007, S. 138. 59 Bereiche des terroristischen Verhaltens die Ausreizung, die von terroristischen Organisationen gewählt werden, wenn sich eine weitere radikale Organisation in den Machtkampf einer Region einmischt. Der Bevölkerung muss demonstriert werden, welche Organisation mehr Macht und Entschlossenheit besitzt, und welcher sie sich somit besser anschließen.210 Neben den Taktiken des Costly Signaling kann die Heroisierung als eine weitere Taktik verstanden werden. Hierbei wird versucht die Anschläge als notwendig und im Sinne der Bevölkerung darzustellen, um die Sympathie der Bevölkerung und des Publikums zu gewinnen. Die Täter werden als Helden der Schwachen installiert, deren Taten sich gegen den unterdrückenden Staat wenden.211 Dies zeigt sich auch in Selbstbezeichnung der terroristischen Organisationen, bei der nicht der Begriff Terrorist gebraucht wird, sondern Freiheitskämpfer212 oder Märtyrer. Des Weiteren beschreibt Herfried Münkler den Terrorismus als Kommunikationsstrategie, d. h. dass terroristische Organisationen Kommunikation als Strategie anwenden, deren Ziel die Einflussnahme auf die Psyche der Bevölkerung und Anhänger sein soll. Die Kommunikationsstrategie wirkt als Verstärker der oben genannten eingesetzten Taktiken, indem der Öffentlichkeit bei der Verfolgung der Anschläge in den Medien eine spezifische oder auch diffuse Botschaft gesendet wird, abhängig vom jeweiligen Ziel.213 Dazu werden Anschläge taktisch so inszeniert, dass sie einen besonders hohen Nachrichtenwert enthalten. Symbolik, Dramatik, Tragweite und Überraschung sind einige Faktoren, die bei der Inszenierung von Anschlägen bedacht werden müssen. Da die Verbreitung einer Botschaft einhergeht mit der Entwicklung der (Massen-) Medien, ist die Kommunikationsstrategie eine Strategie, die sich parallel zum technologischen Fortschritt weiterentwickelt hat. Bereits vor den (Massen-) Medien haben terroristische Anschläge eine Botschaft verbreitet, aber mit der Entwicklung dieser Medien hat die Verbreitung einer Botschaft in einem Maße an Bedeutung gewonnen, dass es zum heutigen Zeitpunkt gerechtfertigt erscheint, von einer eigenständigen Strategie zu sprechen. 3.4.1.2 Mittel Zur Umsetzung der beschrieben Taktiken bedienen sich terroristische Organisationen verschiedener Mittel. Konventionelle Waffen, wie Faustfeuerwaffen und Bom- 210 Vgl. Kydd/Walter 2006. Siehe zur Provokationsstrategie auch: Waldmann 2000, S. 22 f. 211 Vgl. Schmid 2004, S. 209. Ursprünglich: Paletz/Schmid 1992, S. 33. 212 Menachem Begin bezeichnete seine Organisation, die Irgun, als „Freedom Fighters“: „A terrorist kills civilians. A figther for freedom saves lives and fights on the risk of his own life until liberty wins the day.“ Begin 1981, S. 46. 213 Siehe näheres dazu: Münkler 2001. Auch Waldmann beschreibt Terrorismus im Wesentlichen als Kommunikationsstrategie. Vgl. Krumwiede 2005, S. 32. 60 Terrorismus als rationale Entscheidungsfindung ben werden von terroristischen Organisationen am häufigsten genutzt. Pistolen, Sturmgewehre, Maschinengewehre, Präzisionsgewehre und Granaten sind Waffen, die dazu geeignet sind, gezielt einzelne Personen oder kleinere Gruppen von Personen in direkter Nähe zu töten. Bomben richten einen wesentlichen höheren physiologischen und psychologischen Schaden an, da sie unvorhergesehener und für größere Menschenmengen eingesetzt werden können. Neben den Faustfeuerwaffen sind sie die bis heute am häufigsten eingesetzten Mittel terroristischer Organisationen. 1993 wurden bei dem ersten Anschlag auf das World Trade Center mit einer Bombe, die in einem Fahrzeug in der Tiefgarage versteckt war, 6 Menschen getötet und über 1.000 verletzt. 1995 tötete der Oklahoma City Bomber, Timothy McVeigh 168 Personen und verwundete Hunderte, ebenfalls durch eine Autobombe. Bei den Anschlägen 1998 auf die Botschaften in Kenia und Tansania starben 235 Personen und über 4.000 wurden verletzt.214 Die ersten Bomben waren mit Schwarzpulver und Dynamit gefüllt, inzwischen wird hauptsächlich TNT oder Plastiksprengstoff, wie Semtex oder C-4, benutzt. Es gibt einfache selbstgebaute Benzinbomben, mit Nägeln gefüllte Rohrbomben, Autobomben, Briefbomben und barometrische Bomben.215 Im Gegensatz zu den konventionellen Waffen sind die unkonventionelle Waffen, die sogenannten Massenvernichtungswaffen, schwieriger zu beschaffen und einzusetzen, haben aber einen wesentlich höheren „Terror-Faktor“. Chemische Kampfstoffe sind am einfachsten zu besorgen, herzustellen und einzusetzen, da viele chemische Stoffe, die als terroristische Mittel missbraucht werden können, zur zivilen Nutzung angewendet werden, wie zum Beispiel Pestizide. Man unterscheidet zwischen Nervenkampstoffen, Blutkampfstoffen, Lungenkampstoffen, Hautkampfstoffen, Reizgasen und Giften. Biologische Kampfstoffe dagegen sind natürlich vorkommende Mikroorganismen, dazu zählen Bakterien, Viren, Pilze und Parasiten.216 Nukleare Waffen beziehen ihre Wirkung aus kernphysikalischen Prozessen im Gegensatz zu normalen Bomben und Faustfeuerwaffen. Sie haben somit eine wesentlich stärkere Wirkung und können zusätzlich noch mit radioaktivem Material bestückt sein um maximalen Schaden anzurichten. Ebenso gibt es aber auch normale Bomben, die mit radioaktivem Material versehen sind, wie z. B. Uran oder Plutonium, die sogenannten „schmutzigen Bomben“.217 Diese Arten von Waffen verursachen sowohl einen größtmöglichen physiologischen als auch psychologischen Schaden. 214 Vgl. Lacayo et al. 1993; Federal Bureau of Investigation 2003; Poland 2005, S. 181 f; National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism 2015 a, 199312000003/ 199504190004/ 199808070002/ 199808070003. 215 Vgl. Martin 2006, S. 357 ff. 216 Siehe Näheres hierzu bei Carus 2001; Höfer 2002; Bailey 2003; Klee/Jacob/Nattermann/Appel 2003; Ochsenbein/Huber 2003. 217 Vgl. Bolz/Dudonis/Schulz 2005, S. 151 ff; Mockaitis 2008, S. 81 ff. 61 Bereiche des terroristischen Verhaltens Insgesamt werden die Waffen der terroristischen Organisation nach ihrem Bedrohungspotential und ihrer technologischen Entwicklung unterschiedlich abgestuft: von selbstgebauten Waffen, die aus handelsüblichen Materialien zusammengebaut werden, über militärische Waffen, bis hin zu hoch komplexen Massenvernichtungswaffen.218 Eine weitere Variante mit besonders hohem psychologischem Schaden sind Selbstmordattentäter, die sich mit Bomben bestücken, um so dem Ziel unerkannt besonders nah zu kommen. Sie sind aus Sicht der gesamten Organisation ein rationales und sinnvolles Mittel, Bomben einzusetzen, da sie relativ billig und flexibel sind und einen hohen Aufmerksamkeits- und Schadensfaktor haben.219 Kinder und Frauen als Selbstmordattentäter, Kämpfer oder menschliche Schutzschilde steigern zum einen den Überraschungsfaktor und das Entsetzen über die Tat, zum anderen ist die Hemmschwelle bei Kontrollen und Gegenmaßnahmen höher. Der Einsatz von Kindern und Frauen ist nicht nur aufgrund der Hemmschwellen häufig, auch die leichte Beeinflussbarkeit, die niedrige Stellung in der Gesellschaft und physische Schwächen machen beide Gruppen zu geeigneten „Waffen mit Waffen“.220 Neben den unterschiedlichen Arten von Waffen gehören auch Entführungen und Geiselnahmen zu den Mitteln der terroristischen Organisationen, mit denen sie ihre Strategien umzusetzen versuchen. Entführungen dienen häufig, neben dem Propaganda-Effekt, der Erpressung von Lösegeld, um die Organisation und weitere Aktionen zu finanzieren. Die Entführung des italienischen Passagierschiffes Achille Lauro 1985 durch die PLF diente als Druckmittel um 50 Gefangene aus der israelischen Haft zu befreien.221 Flugzeugentführungen sind ein klassisches Mittel des internationalen Terrorismus, da im Flugverkehr Personen verschiedenster Nationen als Opfer betroffen sind. Entführte Verkehrsmittel, wie Flugzeuge, Schiffe, Autos, Züge, Busse oder Panzer können den terroristischen Organisationen aber auch selbst als Waffen dienen, in dem sie mit Bomben bestückt sind oder in Menschenmassen gesteuert werden, wie die vier222 Flugzeuge, die am 11. September 2001 in New York von Al Qaeda Mitgliedern in die beiden Türme des World Trade Centers, das Weiße Haus und das 218 Vgl. Martin 2006, S. 358. 219 Vgl. Martin 2006, S. 364; Richardson/Schickert 2007, S. 41. In islamistischen Organisationen widerspricht der Einsatz von Frauen den Grundsätzen des islamischen Rechts. Richardson/Schickert 2007, S. 164 ff. 220 Vgl. Griset/Mahan 2003, S. 192 ff. Richardson/Schickert 2007, S. 164 ff. 221 Vgl. Bertsch 2015. 222 Die vierte Maschine, Flug 93 von Newark, sollte das Weiße Haus in Washington D. C. treffen. Die Entführer konnten jedoch von den Passagieren überwältigt werden und das Flugzeug stürzte in der Nähe von Shanksville, Pennsylvania ab. Vgl. National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism 2015a, 200109110007. 62 Terrorismus als rationale Entscheidungsfindung Pentagon gelenkt wurden.223 Entführungen kommen 10-mal so häufig vor wie Geiselnahmen, da diese im Gegensatz zu Entführungen mit hohen Kosten verbunden sind, weil häufig ein personeller Verlust seitens der Terroristen am Ende einer Geiselnahme steht.224 Bei Entführungen und Geiselnahmen kommen weitere Mittel der Gewaltanwendung wie Hinrichtungen, Verstümmelungen, Vergewaltigungen hinzu. Einzelne grausame Taten, wie das „kneecapping“, als eine Methode der Verstümmelung, können zu einer Signatur der Organisationen werden.225 Auch Worte gehören zu den Mitteln der terroristischen Organisationen. Sie können in Form von Handbüchern, Bekennerschreiben oder Internetseiten genutzt werden, um strategische und philosophische Richtungen für die Anhänger vorzugeben, bieten detaillierte Pläne und Anleitungen oder werden für verschlüsselte Kommunikation zwischen einzelnen Zellen oder Personen genutzt.226 Zu den öffentlich bekanntesten „Handbüchern“ der Terroristen gehören unter anderem das Quotations from Chairman Mao Tsetung von Mao Tse-Tung227, das Minihandbuch des Stadtguerilleros von Carlos Marighella228, The Turners Diaries von William L. Pierce229 und die Military Studies in the Jihad against the Tyrants von Al Qaeda230. Waren früher noch die Bekennerschreiben und die Propaganda der Tat selbst Träger von Botschaften, sind inzwischen „… die Medien selbst zu einem Mittel der Kriegsführung geworden …“231, indem sie die Botschaften der terroristischen Organisationen an ein Publikum verbreiten. Die Medien ermöglichen es den Organisationen durch die Ausstrahlung spektakulärer Bilder ihrer Anschläge die Aufmerksamkeit des Publikums zu erlangen. Besonders kleine, unbekannte Organisationen sind auf die Verbreitung ihrer Anschläge durch die Medien angewiesen, ohne die Ihre Taten sonst nie ein gro- ßes Publikum finden würden.232 223 Vgl. Griset/Mahan 2003, S. 198 ff. 224 Zwischen 1970 und 2012 gab es 747 Geiselnahmen und 7972 Entführungen. Geiselnahmen sind Entführungen von Personen, bei denen die Personen in ihrer Alltagsumgebung festgehalten werden. Bei Entführungen dagegen werden die Personen an einen anderen geheimen Ort gebracht. Vgl. National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism 2015 a/c, S. 22 f. 225 Vgl. Martin 2006, S. 357. 226 Vgl. Griset/Mahan 2003, S. 196. 227 Vgl. Mao 1990. 228 Vgl. Marighella 1970. 229 Vgl. MacDonald 1996. 230 Vgl. Unbekannt 2010. 231 Münkler 2002a, S. 196. 232 Vgl. Laqueur 1999, S. 44. 63 Bereiche des terroristischen Verhaltens 3.4.1.3 Angriffsziele Die Angriffsziele reichen von unbewaffneten Zivilisten und Unbeteiligten bis hin zu Militärpersonal, Sicherheitskräften und Regierungsbeamten. Ob die gewählten Ziele zu gegnerischen Organisationen gehören, Unterstützer sind, nur Beteiligte oder gar unschuldig sind, hängt von der jeweiligen Strategie ab, die die Organisationen verfolgen. Dabei muss unterschieden werden zwischen personellen Zielen, die direkt Opfer der Anschläge werden und dem Publikum, mit dem die terroristischen Organisationen kommunizieren, indem sie aus ihren Anschlägen Nachrichten machen, die sie diesem Publikum senden. Die Kommunikation mit dem Publikum grenzt die Terroristen von normalen Kriminellen ab und ist somit ein wesentliches Merkmal terroristischer Organisationen.233 Das Publikum kann sowohl Gegner, Unterstützer, Beteiligter als auch Unschuldiger sein.234 Die Opfer von Anschlägen stehen nicht immer zwangsläufig in direkter Verbindung zu den Forderungen der terroristischen Organisationen. Bei den Opfern kann es sich auch um unschuldige Zivilisten handeln, die zufällig bei den Anschlägen zu Schaden kommen. Sie zählen entweder zu dem, durch die terroristischen Organisationen in Kauf genommenen, Kollateralschaden oder sind eine bewusst zufällig gewählte Opfergruppe. Der Anschlag auf bewusst zufällig gewählte Opfer soll die Botschaft verbreiten: „… jeder kann der nächste sein …“ und somit dem Publikum seine Verwundbarkeit vor Augen führen, um es einem psychischen Terror auszusetzen. Bei der zufälligen Opferwahl können auch unschuldige Opfer betroffen sein, deren Unglück das Publikum besonders emotional trifft, wie Frauen und Kinder. Diese emotional schwerwiegenden Opfer haben einen besonders hohen Propagandawert, den sich die Terroristen zu Nutze machen. Neben dem Propagandawert spielt bei der Auswahl der Opfer auch die Symbolik eine Rolle. Die gezielte Auswahl von Militärpersonal, Politikern, Diplomaten oder Botschaftern sendet eine andere Botschaft an das Publikum als der Angriff auf ein unschuldiges, zufällig gewähltes Ziel. Hierbei geht es darum, zu demonstrieren, dass „… Widerstand nicht nur möglich ist, sondern auch erfolgreich sein kann“235. Es soll die Schwäche und Verwundbarkeit des Feindes demonstriert werden, indem die Repräsentanten der jeweiligen Regierung gezielt ausgewählt werden. Auch Sicherheitspersonal, Journalisten oder Geschäftsleute stehen symbolisch für feindliche Gruppen und werden als Ziele ausgewählt, um zum Beispiel das Verhalten innerhalb der jeweiligen Gruppe zu steuern, wie zum Beispiel Handelsbeziehungen zu unterlassen. Einzelne Opfer können aber auch symbolisch für einen ideologischen Kampf stehen, wie zum Beispiel der 233 Vgl. Poland 2005, S. 10; Schmid 2011, S. 80. 234 Siehe zur Entwicklung des „Interessierten Dritten“: Münkler 2002 b. 235 Münkler 2001, S. 14; Ebenfalls: Münkler 2002 a, S. 180. 64 Terrorismus als rationale Entscheidungsfindung Arbeitgeberpräsidenten Hans Martin Schleyer, der durch die Rote Armee Fraktion (RAF) entführt und getötet wurde. Schleyer war nicht nur ein Druckmittel, sondern als Arbeitgeberpräsident und ehemaliger SS-Untersturmführer ein klassisches Feindbild links-sozialrevolutionärer terroristischer Organisationen.236 Des Weiteren begehen Terroristen auch Sachbeschädigung, Raubüberfälle, Sabotagen und Computermanipulationen. Sachbeschädigungen geschehen meist als Beiwerk von Anschlägen, können aber auch gezielt symbolisch eingesetzt werden, z. B. die Zerstörung von Bauwerken, die Macht, Geld oder Sicherheit für die Bevölkerung und die Staaten symbolisieren. 2001 wurde das World Trade Center nicht nur aufgrund der Opferzahlen als internationales Ziel ausgewählt, sondern auch aufgrund seiner Bedeutung als Symbol für die Macht und den Reichtum der Westlichen Welt. Die Anschläge hatten einen besonders hohen Propagandawert, da sie zum einen ein symbolischer Anschlag auf die Wirtschaftsmacht USA und die westlichen Welt waren. Zum anderen waren ca. 3.000 unschuldige, zufällig gewählte Opfer, unter denen sich Kinder und Frauen befanden, in den Gebäuden.237 3.4.2 Ziele Die oben beschriebenen Strategien dienen zu Erreichung unterschiedlicher Ziele terroristischer Organisationen. Grundlegend verfolgen alle terroristischen Organisationen immer die zwei gleichen strategischen Ziele, die sich aus der Definition des Terrorismus ableiten lassen: Anhänger gewinnen und den Feind bezwingen.238 Trotz dieser zwei Ziele, die allen terroristischen Organisationen gemein sind, gibt es auch unterschiedliche Ziele, die sie erreichen wollen. Diese sind abhängig von ihrer Ideologie, die als statisch betrachtet wird, und den äußeren Umständen, die dagegen dynamisch sind.239 Daher wird im Folgenden bei der Betrachtung der Ziele terroristischer Organisationen von zwei Annahmen ausgegangen: 1. Die Ideologie einer Organisation und ihre Ziele (somit auch die Wahl der Strategien) stehen in einem Zusammenhang 2. Mit den Umweltbedingungen der Organisationen können sich 236 Laqueur dagegen bezeichnet die personellen Ziele der RAF als wenig prominent, als hätten sie ihre Ziele aus dem „Telefonbuch ausgewählt“. Dennoch kann der RAF keine Wahllosigkeit bei der Auswahl aller Opfer unterstellt werden. Die Auswahl fand zwar nicht nach dem Kriterium „Prominenz“ statt, sie standen aber aufgrund ihrer führenden Stellung eines Berufszweiges oder der Zugehörigkeit zu einer gewissen Gruppe symbolisch für das Feindbild der RAF und ihrer Anhänger. Vgl. Laqueur 1999, S. 28. 237 Vgl. Martin 2006, S. 373 f; Hartwig 2011, S. 32 f. 238 Vgl. Jones/Libicki 2008, S. 4. 239 Vgl. Martin 2006, S. 350; Abrahams 2008, S. 79. 65 Bereiche des terroristischen Verhaltens auch deren Ziele verändern, sobald sich damit das Kosten-Nutzen-Verhältnis für die Organisationen verändert. Die Ziele sollen im Folgenden in Haupt- und Zwischenziele unterschieden werden. 3.4.2.1 Hauptziele Zu den strategischen Hauptzielen, die darauf angelegt sind, eine Veränderung im System zu bewirken, gehören der Regimewechsel, der territoriale Wechsel, der Policy Wandel, die soziale Revolution und die Errichtung eines Empires. Jedes dieser verändernden Ziele kann aber auch entgegengesetzt als Erhaltung des Status Quo existieren: Als Verteidigung des bestehenden Empires, Regimes, Territoriums, einer Policy oder einer sozialen Norm.240 Seth G. Jones und Martin C. Libicki haben 648 terroristische Organisationen unter anderem nach ihren Zielen unterschieden. Dabei kamen am häufigsten der Regimewechsel vor (221), gefolgt vom territorialen Wechsel (176), dem Policy Wandel (128) und der soziale Revolution (75). Die Erschaffung eines Empires (24) und die Erhaltung des Status Quo hatten weniger (24) Organisationen zum Ziel.241 Die Erschaffung eines Empires ist fast ausschließlich das Ziel religiöser Organisationen und soll daher als spezifisches Merkmal dieser terroristischen Organisationen trotz der geringen Fallzahl mitberücksichtigt werden. Die geringe Zahl von Organisationen, die den Status Quo erhalten wollen, lässt sich damit erklären, dass die Veränderung von Zuständen schwieriger ist als deren Erhalt. Zur Erhaltung des Status Quo wählen politischen Organisationen seltener terroristische Strategien, da sie mit anderen Strategien, die ihnen weniger Kosten verursachen, auch ihr Ziel erreichen können. 240 Vgl. Jones/Libicki 2008, S. 18; Anders: Kydd/Walter 2006, S. 51 ff. Andrew H. Kydd und Barbara F. Walter sprechen von sozialer Kontrolle, statt von sozialer Revolution, meinen aber auch die Beeinflussung des Verhaltens von Individuen in der Gesellschaft. Soziale Kontrolle entspricht an dieser Stelle der sozialen Revolution und ihrem Gegenpart, der Erhaltung des Status quo des sozialen Verhaltens/der sozialen Normen. Seth G. Jones und Martin C. Libicki fügen die Errichtung eines Empires als strategisches Ziel hinzu. Dies erscheint vor allem in Hinblick auf religiöse Organisationen sinnvoll. 241 Vgl. Jones/Libicki 2008, Tab A.1, S. 142 ff. Seht G. Jones und Martin C. Libicki greifen auf die Daten der damaligen RAND-MIPT National Terrorism Incident Database als Teil der MIPT Terrorism Knowledge Base des Memorial Institute for the Prevention of Terrorism zurück. Die Tabelle enthält bis 2008 gesammelte Profile terroristische Organisationen und war online bis 2008 verfügbar. Zwischenzeitlich waren die Profile auf der Terrorism Organisation Profiles Datenbank (TOPs) verfügbar und wurden auf 856 terroristischen Organisationen erweitert. Eine ausführliche Beschreibung und Historie der Datenbanken findet sich in Kapitel 4.2. Global Terrorism Database (GTD): Datenherkunft und 4.3. Terrorist Organization Profiles (TOPs): Datenherkunft. 66 Terrorismus als rationale Entscheidungsfindung Andrew H. Kydd und Barbara F. Walter kommen bei der Untersuchung der Liste ausländischer terroristischer Organisationen des U. S. Department of State auf ähnliche Ergebnisse. Bei 44 untersuchten Organisationen haben 31 einen Regimewechsel als Ziel, 19 einen territorialen Wechsel und 4 einen Policy Wandel. Keine der Organisationen strebte laut dieser Studie eine soziale Revolution an, und nur eine wollte den Status Quo erhalten.242 Bei dieser Untersuchung beachten Andrew H. Kydd und Barbara F. Walter den Umstand, dass sich die strategischen Hauptziele einer terroristischen Organisation nicht nur im Laufe der Zeit ändern sondern auch, dass sie mehrere Ziele gleichzeitig verfolgen können. Die Organisation Ansar al-Islam hatte zum Beispiel zum einen das Ziel, dass sich die US-amerikanischen Truppen und deren Verbündete aus dem Irak zurückziehen, und zum anderen wollten sie einen islamischen Staat mit der Scharia als Rechtsgrundlage etablieren. Um beide Ziele zu erreichen, wendeten sie zwei unterschiedliche Strategien an: Die Einschüchterungstaktik und die Zermürbungstaktik, dabei waren sowohl Militär- und Sicherheitspersonal als auch Zivilisten Opfer von Anschlägen der Ansar al-Islam Organisation.243 Auch der Erfolg und das Überleben von terroristischen Organisationen kann in Zusammenhang mit den Hauptzielen gebracht werden. Die Ziele lassen sich nach ihrer Grundsätzlichkeit in eine Rangfolge bringen. Es gibt begrenzte Ziele, bei denen die Umstürzung eines politischen Regimes nicht notwendig ist, wie bei der Erhaltung des Status Quo, einem Policy Wandel und einem territorialen Wechsel, bis hin zu Zielen, bei denen ganze staatliche Systeme zerstört oder Gesellschaftsmodelle gestürzt werden sollen. Je weiter, grundsätzlicher und unverhandelbarer ein Ziel ist, desto geringer ist die Chance auf einen Erfolg seitens der Terroristen. Je grundsätzlicher ein Ziel, wie die soziale Revolution oder die Erschaffung eines neuen Empires, je höher sind die Kosten für die Staaten bei einer Einigung mit den terroristischen Organisationen oder einer Kapitulation. In den meisten Fällen übersteigen sie die Kosten, die die terroristischen Organisationen durch ihre Anschläge verursachen.244 3.4.2.2 Zwischenziele Auf dem Weg zu den strategischen Hauptzielen, gibt es auch einige Zwischenziele, die die terroristischen Organisationen zu erreichen versuchen. Louise Richard- 242 Vgl. United States Department of State 2005; Kyyd/Walter 2006, S. 54 f. Die Daten beziehen sich ausschließlich auf die 2005 durch das Department of State definierten ausländischen terroristischen Organisationen. Die Organisationen der beiden Tabellen sind trotz Angabe des fact sheets als Quelle nicht identisch. 243 Vgl. United States Department of State 2013, S. 248 f; National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism 2014 a. 244 Vgl. Richardson/Schickert 2007, S. 37; Jones/Libicki 2008, S. 18/S. 22 Tab. 2.3. 67 Bereiche des terroristischen Verhaltens son spricht hierbei von „langfristigen politischen“ und „kurzfristigen organisatorischen“ Zielen.245 Zu den „kurzfristigen organisatorischen“ Zwischenzielen gehört die Herstellung der Öffentlichkeit, bei der die Aufmerksamkeit des Publikums auf die Umstände und Motive der Organisationen aber auch auf deren Macht und die damit verbundene Machtlosigkeit der Bevölkerung und Regierungen gelenkt werden sollen.246 Als eine Folgereaktion entsteht in der Bevölkerung Anerkennung für die Taten der Organisationen, sogar Sympathie für deren Ziele und somit für die Organisation selbst. Dadurch lässt sich eine revolutionäre Stimmung247 in der Bevölkerung erzeugen, die die Hauptziele vorantreiben und unterstützten kann. Aber auch negative Reaktionen können ein gewolltes Ziel der Terroristen sein. Bevölkerung, die Regierungen und das Publikum insgesamt sollen psychologisch, sozial und materiell gestört werden. An dieser Stelle zeigt sich eine mögliche enge Verknüpfung von Strategien und Zielen. Die erfolgreiche Umsetzung einer Einschüchterungsstrategie kann zum Beispiel die psychologische und soziale Störung der Bevölkerung zum Ziel haben, die dann als Reaktion darauf ihr soziales Verhalten ändert (soziale Revolution) oder die Regierung nicht mehr unterstützt (Regimewechsel).248 In den USA versuchen terroristische Organisationen die Bevölkerung durch Anschläge auf Abtreibungskliniken einzuschüchtern, damit sie diese nicht mehr besuchen. Weitere Zwischenziele können unter anderem die Freilassung von inhaftierten Mitgliedern der Organisation, das Auftreiben von Ressourcen, die Gewinnung von neuen Mitgliedern und die Mobilisierung der eigenen Anhänger sein. 3.4.3 Struktur Da die terroristische Organisation in der vorliegenden Untersuchung als rational handelnder kollektiver Akteur verstanden wird, der seine Entscheidungen nach Kost- Nutzen-Abwägungen unter der Annahme eines beschränkten Informationszuganges trifft und Eigenschaften einer Organisation im klassischen Sinne besitzt, muss unter diesem Gesichtspunkt im Folgenden die Struktur der terroristischen Organisationen betrachtet werden. Die Struktur von terroristischen Organisationen lässt sich zunächst in zwei Bereiche unterteilen: in eine interne Struktur und in eine externe Struktur. Terroristische Organisationen können vor allem nach der Art des Informationsaustausches bzw. ihrer Kommunikationsstruktur, die sowohl interorganisatio- 245 Vgl. Richardson/Schickert 2007, S. 111 f. 246 Vgl. Poland 2005, S. 10. 247 Vgl. Martin 2006, S. 349 f. 248 Vgl. Kydd/Walter 2006, S. 66 ff. 68 Terrorismus als rationale Entscheidungsfindung nal als auch intraorganisational stattfindet unterschieden werden. In ihrer externen Struktur können sie außerdem auch nach Ihren Ressourcen und ihrem Aktionsbereich unterschieden werden. 3.4.3.1 Interne und externe Struktur Zur internen Struktur gehört die Größe der Organisation, bestehend aus der Anzahl der Mitglieder. Ebenso spielt die Zusammensetzung dieser Mitglieder eine Rolle. Dazu gehören Merkmale der Mitglieder wie Alter, Geschlecht, Nationalität. Aber vor allem Herkunft, Ausbildung und Professionalisierungsgrad der Mitglieder entscheidet darüber, in welchem Maße die terroristische Organisation in der Lage ist, Anschläge zu planen und auszuführen. Innerhalb der Organisationen sind die Art der Führung (Hierarchiesystem) und der Informationsaustausch unter den Mitgliedern und mit der Führung ein weiterer struktureller Faktor. Die externe Struktur einer terroristischen Organisation bezieht sich auf ihren Grad der Internationalisierung, die Art ihrer Finanzierung und die Verbindung zu anderen Organisationen. Das Verhältnis zwischen den terroristischen Organisationen untereinander kann sich qualitativ unterscheiden. Von Ablegern, über Alliierte, Unterstützern bis hin zu Rivalen sind unterschiedliche Verbindungen möglich. Neben dieser qualitativen Unterscheidung der Verbindungen ist auch die Art der Kommunikation interorganisational entscheidend. Ebenso wie bei intraorganisationalem Informationsaustausch, Führung und operativer Zusammenarbeit gibt es auch hier verschiedene strukturelle idealtypische Modelle, die die Verbindungen beschreiben. Terroristische Organisationen gehen aber nicht nur Verbindungen mit anderen terroristischen Organisationen ein, sondern können auch mit legalen oder kriminellen Organisationen in Verbindung stehen.249 3.4.3.2 Kommunikation Die häufigste strukturelle Unterscheidung von terroristischen Organisationen bezieht sich auf die Kommunikationswege innerhalb und zwischen den Organisationen, wobei die Grenzen jedoch nicht eindeutig sind. Die Begriffe „Hierarchie“ und „Netzwerk“ werden genutzt, um zwei extreme Ausprägungen von Kommunikationswegen zu beschreiben. Zwischen den beiden Idealtypen liegen verschiedene Modelle, die die Kommunikation zwischen Netzwerkknoten beschreiben: Die Kette, das Y, der Stern bzw. das Rad, der Zirkel und Alle Kanäle. Der Begriff „Netzwerk“ wird jedoch 249 Vgl. Mayntz 2004, S. 16 f. 69 Bereiche des terroristischen Verhaltens auch übergreifend gebraucht, handelt es sich auch bei der hierarchischen „Kette“ um eines der „fünf Grundnetzwerke der Kommunikation“.250 Am häufigsten wird vor allem nach den zwei extremen Ausprägungen von Kommunikationsnetzwerken unterschieden. Der eine Pol beschreibt eine statische Organisation mit hierarchischem Charakter, einer klar definierten Führung, bei der die vertikale Kommunikation dominant ist und die Handlungen durch Befehle ausgelöst werden. Der andere Pol ist eine dynamische Organisation, die führungslos agiert, da die Macht ungleich über Netzwerkknoten verteilt wird. Diese Netzwerkknoten sind kleine Einheiten, die autonom handeln autonom und daher keine Befehle durch eine zentrale Steuerung benötigen. Die Grenzen, Knoten und Verbindungen der Organisation sind offen und fließend, sie bilden sich und lösen sich auch wieder auf.251 Jede Organisation besteht aus einzelnen Personen, Gruppen oder Zellen, die diese Knoten des Netzwerks bilden. Sie variieren in ihrer Größe (Anzahl der Personen) und in der Stärke ihrer Verbindung. Knoten, die mit besonders vielen anderen Knoten verbunden sind, sind die Zentralen, über die ein Großteil der Kommunikation läuft, sie haben eine Führungs- und Koordinationsfunktion. Vor allem die Kette, das Rad und Alle Kanäle werden immer wieder zu Beschreibung der Struktur terroristischer Organisationen verwendet. Bei der Kette werden Befehle und Informationen entlang der einzelnen Knoten weitergegeben, beim Rad dagegen laufen sie über eine Zentrale. Die einzelnen Knoten sind mit dieser Zentrale verbunden, aber nicht miteinander, daher ist sie im Gegensatz zur Kette nicht hierarchisch aufgebaut. Alle Kanäle beschreibt ein vollständig dezentralisiertes Netzwerk. Jeder Knoten ist hierbei mit jedem anderem Knoten vernetzt. Die Knoten sind autonom, es gibt keine Zentrale Führung mehr (oder mehrere gleichzeitig). Statt einer Kette nutzen einige Autoren auch das Bild einer Pyramide, um die hierarchische Struktur darzustellen, bei der ebenfalls die Entscheidungen an der Spitze getroffen und nach unten weitergegeben werden. Die Grundnetzwerke der Kommunikation stellen jedoch nur idealtypische Figuren da. In der Realität sind hybride Formen bei terroristischen Organisationen möglich.252 So bemerken John Arquilla und David Ronfeldt: „… it may be difficult for an analyst to discern exactly what type characterizes a particular network.“253 250 Weinert überträgt die Grundnetzwerke der Kommunikation, die von Leavitt und Bavelas ursprünglich zur Erklärung von Kommunikation zwischen Gruppen gedacht waren, auf die Organisation, weist jedoch darauf hin, dass sowohl der technische Fortschritt als auch die verschiedenen Ebenen der Organisation mit in Betracht gezogen werden müssen. Vgl. Bavelas 1950; Leavitt 1951; Weinert 2004, S. 402. 251 Vgl. Mayntz 2004, S. 8 ff; Sageman 2004, S. 151 ff; Weinert 2004, S. 634. 252 Vgl. Crenshaw 1985, S. 469 f; Arquilla/Ronfeldt/Zanini 1999, S. 48 ff; Mayntz 2004, S. 11 f; Sageman, 2004, S. 137; Weinert 2004, S. 634. 253 Arquilla/Ronfeldt/Zanini 1999, S. 50. 70 Terrorismus als rationale Entscheidungsfindung Aber nicht nur die Unterscheidung zwischen den einzelnen Kommunikationsstrukturen ist nicht immer einfach, auch der Unterschied zwischen intraorganisationalem Netzwerk und interorganisationalem Netzwerk ist teilweise nicht einfach zu identifizieren. Prinzipiell lassen sich alle Grundnetzwerke der Kommunikation auch auf die höhere Ebene zwischen den Organisationen anwenden. In diesem Fall sind die Knoten die einzelnen Organisationen, die wiederum aus Knoten bestehen. Die Form des Radnetzwerkes kann sich in diesem übergeordneten Netzwerk noch weiter dezentralisieren, es wird zu einem sogenannten Fokusnetzwerk oder Franchisenetzwerk. In einem Fokusnetzwerk erledigen alle Zellen den gleichen Auftrag und bekommen von einer Zentrale nur noch Unterstützung. In einem Franchisenetzwerk gibt es keine direkte Verbindung zwischen den Organisationen in Form von Informationsaustausch und Befehlen. Die einzelnen Organisationen identifizieren sich nur mit einer Zentrale und nutzen ihren Namen und ihre Strategie.254 Wo eine einzelne Organisation anfängt und ein Netzwerk aus Organisationen beginnt, wird umso uneindeutiger, je dezentralisierter die Organisationen arbeiten. Die klassische Netzwerkbetrachtung umgeht diese Frage, indem sie auf allen Ebenen nicht von Personen, Gruppen oder Organisationen spricht, sondern immer von „Knoten“, von operativen Einheiten, die entweder isoliert arbeiten oder mit anderen Knoten kommunizieren und zusammenarbeiten. 3.4.3.3 Finanzierung und Ressourcen Terroristische Netzwerke bestehen jedoch nicht nur aus terroristischen Organisationen, es existieren auch Verbindungen zu anderen Arten von Organisationen. Diese können in Form einer sozialen Basis, wie zum Beispiel einer Partei als legalem Arm der terroristischen Organisationen bestehen, wie dies bei der Irish Republican Army (IRA) und Sinn Féin der Fall ist. Aber auch Regierungen oder ganze Staaten können zum Unterstützerkreis zählen und sind somit Teil des Netzwerkes. Auch kriminelle Organisationen werden häufig genutzt, um Aktivitäten auszulagern, die die terroristischen Organisationen nicht selbst bewältigen wollen oder können. Dazu zählen unter anderem die Beschaffung von Ressourcen wie Papieren, Waffen oder auch der Transport zu Orten und das Wissen über spezielle Vorgänge.255 In den häufigsten Fällen stellen Staaten, Regierungen und kriminelle Organisationen die wichtigste aller Ressourcen für terroristische Organisationen zur Verfügung: Geld. Aber nicht nur finanzielle Mittel, sondern auch der Zugang zu Handelswegen und der gefahrlose Transport von Geld sind nötig, um Aktivitäten zu planen 254 Vgl. Mayntz 2004, S. 16 f. 255 Vgl. Crenshaw 1985, S. 467; Schneckener 2006, S. 46 ff; European Police Office 2014, S. 13. 71 Bereiche des terroristischen Verhaltens und durchzuführen. Neben den Zuwendungen durch Staaten, selbst eingetriebenen Steuern, dem Verkauf von Merchandisingartikeln und Spenden, die häufig getarnt über wohltätige Vereine, religiöse Einrichtungen oder ähnliche Institutionen laufen, besitzen die Mitglieder der terroristischen Organisationen auch Privatvermögen, die sie zur Verfügung stellen. Diese schnellen und einfachen Wege zur Beschaffung der finanziellen Mittel sind jedoch nicht ausreichend, obwohl Schneckener terroristische Anschläge als „low-Budget“ Veranstaltungen beschreibt.256 Gupta weist jedoch darauf hin, dass die Planung und Durchführung sehr wohl mit hohen finanziellen Kosten verbunden sind und die Organisation nur solange handlungsfähig ist, wie finanzielle Mittel zur Verfügung stehen.257 Alleine der Anschlag auf das World Trade Center kostete schätzungsweise 400.000 bis 500.000 US-Dollar und die jährlichen Kosten für die gesamten Aktivitäten von Al Qaeda belaufen sich nach Schätzungen der CIA auf 30 Millionen US-Dollar.258 Daher müssen sich terroristische Organisationen sowohl an legalen als auch an illegalen Geschäften beteiligen, um ihre finanziellen Mittel ausreichend zu erhalten, obwohl jede zusätzliche Aktivität die Gefahr bedeuten könnte, enttarnt zu werden. Zu legalen Finanzquellen gehören die Beteiligung und der Besitz von eigenen Unternehmen, die meisten Finanzierungswege sind jedoch illegal. Dazu gehören der Handel mit Waffen, Drogen und Edelsteinen, aber auch Menschenhandel, Prostitution, Banküberfälle, Entführungen und der Missbrauch von Sozial- und Versicherungsleistungen. Nicht nur die Beschaffung von Finanzmitteln, auch der Transport erweist sich als potentielle Gefahr entdeckt zu werden. Daher wählen die terroristischen Organisationen häufig illegale oder schwer nachvollziehbare Transfersysteme. Neben Bargeldschmuggel, Scheinfirmen, Strohmänner, Steueroasen sind das vor allem informelle Transfersysteme, wie zum Beispiel das islamische hawala-System.259 256 Vgl. Schneckener 2006, S. 146. Ebenso: Mockaitis 2008, S. 11. 257 Vgl. Gupta 2008, S. 92. 258 Vgl. Kean/Hamilton 2004, S. 169 ff. Wobei das FBI kurz nach den Anschlägen noch von einem Betrag von 175.000 bis 250.000 US-Dollar ausging. Vgl. United States 2004, S. 140. 259 Vgl. Schneckener 2006, S. 145 ff; Gupta 2008, S. 92 f; Mockaitis 2008, S. 11 f; Counter-Terrorism Implementation Task Force 2009, S. 11 ff; Bundesministerium des Inneren 2014; European Police Office 2014, S. 12 f. 72 Terrorismus als rationale Entscheidungsfindung 3.4.3.4 Aktionsbereiche Terroristische Organisationen lassen sich auch nach ihrem Aktionsbereich unterscheiden.260 Sie können national, international und transnational tätig sein.261 Die Unterscheidung bezieht sich sowohl auf den Ort des Anschlags, die Nationalität des Opfers, die Nationalität der Täter selbst, aber auch auf Ausbreitung der Konsequenzen. Nationale terroristische Organisationen führen Anschläge innerhalb ihres Heimatlandes aus und haben auch nur dessen Bewohner zum Ziel, bzw. die Ziele, die nationale Symbole repräsentieren. Kontakte ins Ausland haben in den meisten Fällen höchstens logistische Gründe. Internationaler Terrorismus dagegen richtet sich auch gegen Ausländer im eigenen Land, agiert aber vor allem auch grenzüberschreitend, das heißt es werden auch Ziele im Ausland angegriffen. Im Gegensatz zu transnationalem Terrorismus hat der internationale Terrorismus ein Heimatland, in dem die terroristischen Organisationen ihren „Stammsitz“ haben und mit dem sie sich identifizieren. Transnationale terroristische Organisationen haben kaum noch Bezug zu einen speziellen Land, sie sind quasi heimatlos, Grenzen sind für sie bedeutungslos und sie ersetzen die nationale Mitgliedschaft noch mehr durch eine ideologische Mitgliedschaft als internationale terroristische Organisationen.262 Im Gegensatz zu Schneckener, der einen Zusammenhang von staatlicher Unterstützung und Terrorismus vor allem bei nationalen Organisationen beschreibt, setzt Richardson bei internationalen terroristischen Organisationen den Staat als geographischen Rückzugspunkt mit staatlicher Unterstützung gleich.263 Sie unterscheidet internationale und transnationale terroristischen Organisationen danach, ob sie von Staaten unterstützt werden oder nur unter sich kommunizieren und kooperieren, wenn sie sagt: „International terrorism, therefore, is seen as state-sponsored terrorism, …“264 und „Insofar as terrorist movements coalesce and form linkages to operate together and have an independent impact on state policy they are indeed trans-national actors.“265 Diese theoretische Unterscheidung erscheint jedoch nicht 260 Anders: Schneckener 2006, S. 44; Martin 2006, S. 272. Nationalität, Internationalität und Transnationalität werden von einigen Autoren auch als Strategien bezeichnet und gehören nicht mehr nur zur Struktur. In dieser Argumentation wird der Aktionsbereich bewusst erweitert, was zur Folge hat, dass sich die Struktur der Organisationen verändert. In der vorliegenden Definition von Terrorismus werden Strategien enger definiert. Der Aktionsbereich gehört noch zur Struktur, der sich erst auf die Wahl der Strategien auswirkt. 261 Anders: Institute for Safety, Security and Crisis Management et. al. 2008, S. 69. Hier werden terroristische Organisationen in national, international, transnational und global eingeteilt. 262 Vgl. Schneckener 2006, S. 49 ff; Schneider/Hofer 2008, S. 35 f; Steinberg 2015. 263 Vgl. Richardson, 2004; Schneckener 2006, S. 46. 264 Richardson 2004, S. 67. 265 Richardson 2004, S. 71. 73 Bereiche des terroristischen Verhaltens geeignet, da sie unterstellt, dass internationaler Terrorismus auch immer gleich staatlich unterstützter Terrorismus ist und transnationaler Terrorismus keinerlei staatliche Unterstützung erhält. Dieser Zusammenhang ist jedoch weniger Teil einer Definition als vermuteter Zusammenhang, den sie in ihrer Ausführung weder empirisch belegt noch auf eine Quelle ihrer Vermutung hinweist. 3.4.4 Ideologie Ideologien dienen zur Begründung und Rechtfertigung politischen Handelns und bestehen aus Interessen und Absichten zur Befriedigung der eigenen Ziele. Vor allem sind sie aber Glaubenssysteme und Weltanschauungen mit spezifischen Denkmustern und verfestigten moralischen und normativen Komponenten, die sich über einen langen Zeitraum entwickelt und verfestigt haben. Ein wesentliches Merkmal ist ihr „universeller, uneingeschränkter Handlungsanspruch“, dessen „konsistente Gesamtperspektive“266 durch Komplexitätsreduktion einfache Antworten in allen Lebenslagen für jeden bieten soll.267 Besonders totalitäre und fundamentalistische religiöse Ideologien, die die terroristischen Organisationen antreiben, erheben einen Anspruch auf Unfehlbarkeit und auf einen umfassenden Wahrheitsanspruch.268 Des Weiteren bedingen Ideologien die Bildung kollektiver Identitäten, die dazu führt, die Welt in zwei Gruppen zuteilen: „Wir“ und „die Anderen“ bzw. die „Guten“ und die „Bösen“. Aufgrund der Verankerung in moralische und normative Werte und der Annahme der Unfehlbarkeit einer Ideologie, ist es für diese nicht nur unnötig, sondern auch fast unmöglich, sich Veränderungen in der Umwelt anzupassen. In der folgenden Untersuchung gelten die Ideologien der terroristischen Organisationen daher als konstante Eigenschaft, nach denen terroristische Organisationen eingeteilt werden können. Sie sind ein fester Bestandteil terroristischer Organisationen und werden nicht durch Veränderungen in der Umwelt der Organisationen beeinflusst. Die Anzahl von aktiven Organisationen, die zu einer Ideologie gehören, verändert sich jedoch über die Zeit, und die Ideologie bzw. die Zugehörigkeit von einzelnen Personen zu einer Organisation verschiedener Ideologien kann sich verändern. Die Mitglieder der anarchistischen Bewegung Narodnya Volya, Lev Tichomirow und Gerassim Romanenko, schlossen sich zum Beispiel später rechten Organisationen an.269 266 Woyke 2004, S. 170. 267 Vgl. Schubert/Klein 2006, S. 140. Die Eigenannahme der Unfehlbarkeit bezieht sich vor allem auf totalitäre Ideologien. 268 Vgl. Hildebrandt 2007, S. 4. 269 Vgl. Laqueur 1999, S. 17. 74 Terrorismus als rationale Entscheidungsfindung Auch das Gründungsmitglied der RAF, Horst Mahler, wechselte nach seiner Zeit bei der RAF erst zur linken Kommunistischen Partei Deutschland (KPD), dann zur rechten Nationalsozialistischen Partei Deutschland (NPD) und scheint sich danach dem islamistischen Fundamentalismus zugewandt zu haben.270 Ebenso verändert sich die Motivlage in Konflikten, bei denen verschiedene terroristische Organisationen involviert sind. Dies darf jedoch nicht gleichgesetzt werden mit einer Veränderung der Ideologien der einzelnen terroristischen Organisationen. Der israelisch-palästinensische Konflikt hat sich insgesamt von einem ethnischen zu einem ethnisch-religiösen Konflikt entwickelt. In diesem Zusammenhang haben sich jedoch weniger die terroristischen Organisationen in ihrer ideologischen Ausrichtung geändert, als dass es mehr aktive nationalistisch-separatistische Organisationen zu Beginn des Konfliktes gab als zu dessen Ende. Inzwischen sind diese weniger aktiv, dafür andere religiöse terroristische Organisationen vermehrt.271 Martha Crenshaw dagegen beschreibt die Ideologie einer terroristischen Organisation als „… often weak or incostistent“.272 Sie bezieht sich jedoch eigentlich auf die Hauptziele der Organisationen, die sie als „ideologische Ziele“ bezeichnet. Dies ist jedoch nicht gleichzusetzen mit dem Wertesystem der Organisationen. So beschreibt sie einen Wandel der Euskadi Ta Askatasuna (ETA) von einer nationalistischen zu einer sozialrevolutionären Organisation, womit sie jedoch eine Aussage über die Ziele und nicht die Ideologie der ETA trifft.273 Terroristische Organisationen werden in der vorliegenden Literatur hauptsächlich in vier verschiedene ideologische Richtungen unterteilt: Zum einen folgt die Aufteilung einem „Links-Rechts“-Schema mit links-sozialrevolutionärem Terrorismus und rechts-konservativem Terrorismus, dazu kommen noch der nationalistisch-separatistische Terrorismus und der religiöse Terrorismus.274 Die einzelnen Ideologien setzen sich aus verschiedenen politischen Theorien zusammen. Betrachtet man den Zeitabschnitt des modernen Terrorismus, hat besonders der links-sozialrevolutionäre Terrorismus mit dem Sozialismus, Anarchismus und Kommunismus einen starken ideologischen Unterbau, der sich über eine lange Zeit entwickelt hat. Der rechts-konservative Terrorismus dagegen trat etwas später in Erscheinung und verfügt insgesamt über ein geringeres Ausmaß an politischen Ideen und Theorien, ähnlich wie der national-separatistische Terrorismus. Der religiöse Terrorismus dagegen zieht seine Ziele und Rechtfertigungen aus der religiösen Ideologie des Fundamentalismus 270 Vgl. Jesse 2007, S. 22 f. 271 Vgl. Hildebrandt 2007, S. 8. 272 Crenshaw 1985, S. 471. 273 Vgl. Crenshaw 1985, S. 470 f. 274 Vgl. Jones/Libicki 2008, S. 15; Schmid 2011, S. 171. 75 Bereiche des terroristischen Verhaltens jeder Glaubensrichtung mit apokalyptischen, universellen und traditionsbezogenen Elementen.275 Vor allem die Religion und der Nationalismus bieten eine starke Motivation für Organisationen sich zu radikalisieren, da sie das grundlegende Bedürfnis der Menschen nach Zugehörigkeit zu einer Gruppe befriedigen. Um dieses zu verteidigen, sind viele Organisationen bereit zu terroristischen Mitteln zu greifen.276 In einigen Fällen kommt es auch vor, dass die jeweilige terroristische Organisation mehr als einer der vier oben erwähnten Ideologien zugeordnet wird. In diesem Fall handelt es sich um eine terroristisch Organisationen mit einer Primär- und einer Sekundär-Ideologie.277 Die Primär-Ideologie ist die eigentliche Motivation des Handelns und wird in der späteren Untersuchung daher alleine als Ideologie der einzelnen terroristischen Organisationen angegeben. In einigen Fällen ist die Unterscheidung nicht einfach und kann deshalb auch je nach Autor differieren. Auch gibt es einige weitere Kategorien bei verschiedenen Autoren, wie zum Beispiel den exotischen Terrorismus bei Walter Laqueur278 oder den Ein-Themen-Terrorismus (Single- Issue-Terrorism) bei Alex P. Schmidt.279 Beide Autoren sprechen terroristische Organisationen an, die sich nicht eindeutig einer der vier genannten Ideologien zuordnen lassen. Entweder, weil sie sich nur auf ein spezifisches Thema konzentrieren wie Abtreibung, Umwelt oder Tierrechte, weil sie anscheinend mehreren Ideologien oder gar keiner Ideologie folgen oder weil sie sich zwischen Guerilla-Bewegung und terroristischer Organisation befinden. Obwohl davon ausgegangen werden muss, dass nicht jede terroristische Organisation sich vollständig und ohne Widersprüche einer Ideologie zuordnen lässt, soll eine Unterteilung der Ideologien terroristischer Organisationen auch für die Untersuchung vorgenommen werden. Der vorliegenden Literatur folgend, wird die Unterteilung der Ideologien in links-sozialrevolutionär, rechts-konservativ, nationalistischseparatistisch und religiös vorgenommen. Auf die Überschneidungen der einzelnen Ideologien und deren mögliche Gründe wird im Anschluss eingegangen. 3.4.4.1 Links-sozialrevolutionäre Ideologie Die politischen Theorien, die die Ideologie des links-sozialrevolutionären Terrorismus nähren, reichen vom Vor- und Frühsozialismus am Ende des 18. Jahrhunderts, über den Marxismus mit den Theorien von Marx und Engels und den Anarchis- 275 Vgl. Hildebrandt 2007, S. 5 f. 276 Vgl. Cameron 1997, S. 258. 277 Vgl. Martin 2006, S. 185 f. 278 Vgl. Laqueur 1999, S. 184. 279 Vgl. Schmid 2011, S. 171. 76 Terrorismus als rationale Entscheidungsfindung mus im 19. Jahrhundert bis hin zu neueren Entwicklungen im Kommunismus, wie zum Beispiel dem Maoismus, um nur die wichtigsten Stationen dieser politischen Theorien zu nennen. Eine Massenverelendung Ende des 18. Jahrhunderts war der Auslöser für die ersten Formulierungen frühsozialistischer Ideen zur Befreiung des arbeitenden Volkes. Damals schon wurden Ideen wie Gütergemeinschaft mit einer gleichmäßigen Verteilung des Wohlstandes, gelenkte Planwirtschaft und die Vergesellschaftung von Landwirtschaft und Gewerbe entwickelt, um der Ausbeutung der Menschen ein politisches Konzept entgegenzusetzen. Doch erst Marx und Engels schafften es, sozialistische Ideen nicht nur zu formulieren, sondern auch Anhänger für ihre Ideen zu finden und sie in die politischen Prozesse einzubringen.280 Nicht nur aus diesem Grund zählt der Marxismus bis heute zu den wichtigsten und am häufigsten genutzten Rechtfertigungsgrundlagen links-sozialrevolutionärer terroristischer Organisationen. Besonders das Moment der totalen Revolution durch den „einfachen Arbeiter“ fasziniert seine Anhänger und Rezipienten bis heute. Karl Marx schrieb hierzu: „Wenn das Proletariat die Auflösung der bisherigen Weltordnung verkündet, so spricht es nur das Geheimnis seines eigenen Daseins aus, denn es ist die faktische Auflösung dieser Weltordnung.“281 Das Weltbild des Marxismus besteht im Kern aus dem Gegensatz von Arbeit und Kapital. Karl Marx ging davon aus, dass die fortschreitende Arbeitsteilung die Entfremdung des Menschen von seiner Natur bedingt. Das kapitalistische System führt, nach der Logik des Marxismus, zu einer Konzentration des Kapitals auf eine kleine Gruppe, zu wirtschaftlichen Krisen und zur Verelendung des Proletariats. Die Lösung besteht in der Aufhebung des Privateigentums durch einen Aufstand des Proletariats. Die konkreten Handlungsforderungen, die sich aus dieser Logik ergeben, sind die Formierung des Proletariats als politische Klasse, der Sturz der Bourgeoisie, die Eroberung der politischen Gewalt und als Folge die Aufhebung aller Klassen und des Staates, damit der einzelne Mensch wieder seiner Natur nachkommen und sich frei entfalten kann.282 Bis heute wird diese Argumentation zur zwingenden Befreiung von unterdrückten Gruppen auch von terroristische Organisationen genutzt: „Ziel ist die Veränderung, oft sogar gänzliche Vernichtung bestehender Herrschafts- und Abhängigkeitsverhältnisse im jeweils betroffenen Land.“283 Die Denker des Anarchismus als weitere ideologische Grundlage des heutigen links-sozialrevolutionären Terrorismus propagierten sogar die totale Abschaffung, bzw. Zerstörung des Staats und aller staatlicher Institutionen, um die Ungleichver- 280 Vgl. Fenske 2004, S. 423 ff. 281 Marx 1981, S. 391. 282 Siehe Näheres hierzu: Marx/Engels 1962/1963/1964; Fenske 2004, S. 435 ff. 283 Schneider/Hofer 2008, S. 46; Vgl. Straßner 2008, S. 20 ff. 77 Bereiche des terroristischen Verhaltens teilung in der Gesellschaft zu überwinden und die Menschen in ihre Freiheit zurückzuführen. Mit Michael Bakunin, einem der bekanntesten anarchistischen Denkern, und der Narodnya Volya, einer der ersten bekannten links-sozialrevolutionären terroristischen Organisationen, hatte der russische Anarchismus einen großen Einfluss auf die Ideologie der heutigen links-sozialrevolutionären terroristischen Organisationen. Durch die Unterdrückung im zaristischen Russland griffen Organisationen wie die Narodnya Volya zum Mittel der „Propaganda durch die Tat“. Unter der Propaganda durch die Tat verstanden die Anarchisten den Einsatz von Gewalt bei Aktionen bis hin zum politischen Mord. Die Demonstration des hohen Einsatzes und des persönlichen Risikos der Terroristen sollten das Volk dazu bewegen, einen Aufstand gegen den Staat anzustoßen, der schlussendlich zu einem politischen Wandel führen sollte.284 Immer wieder haben spätere links-sozialrevolutionäre terroristische Organisationen, wie die RAF, die Propaganda durch die Tat als legitimes Mittel zur Erreichung ihrer Ziele verstanden. Neben der Propaganda durch die Tat zeichnet sich der links-sozialrevolutionäre Terrorismus durch eine hohe Anzahl von unterschiedlich langen programmatischen Schriften und Bekennerschreiben aus, weshalb ihn Alexander Straßner auch als „Erklärung- und Rechtfertigungsterrorismus“ bezeichnet.285 Zu den bekanntesten programmatischen Schriften gehören der Revolutionary Catechism286 von Sergey Nechaev, das Mini-Manual of Urban Guerilla Warefare287 von Carlos Marighella und nicht zuletzt auch das Konzept der Stadtguerilla288 von Ulrike Meinhof. Der links-sozialrevolutionäre Terrorismus erlebte seine Hochzeit in den 60er bis Anfang der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts. Unter anderem als Reaktion auf den Vietnamkrieg bildeten sich aus den Vietnamdemonstrationen und Studentenbewegungen Organisationen wie die RAF, die Bewegung des 2. Juni oder die Roten Brigaden, die das politische System stürzen und die gesellschaftlichen Konventionen umwälzen wollten.289 3.4.4.2 Rechts-konservative Ideologie Der rechts-konservative Terrorismus stützt sich auf ein wesentlich dünneres Gerüst politischer Theorien. Die Ideologie ist insgesamt weniger systematisch, fokussiert 284 Vgl. Piscane in Graham 2005, S. 65 ff; Bakunin 1972; Laqueur 1987, S. 48 ff; Laqueur 1999, S. 16 ff; Fenske 2004, S. 457 ff; Rapoport 2004, S. 50; Poland 2005, S. 31/35. 285 Straßner 2008, S. 20. 286 Vgl. Nechaev 2006. 287 Vgl. Marighella 1970. 288 Vgl. Meinhof 1971. 289 Vgl. Neidhardt 1982, S. 325; Jesse 2007, S. 18; Semler 2007, S. 4. 78 Terrorismus als rationale Entscheidungsfindung und tiefgründig als die links-sozialrevolutionäre Ideologie, da es sowohl an wichtigen Schriften und an führenden Persönlichkeiten mangelt, aber auch an Interesse der Akteure, sich mit diesen zu beschäftigen.290 Hauptsächlich ist die Rassentheorie Argumentationsgrundlage für Anschläge auf Personen, die eine andere Hautfarbe haben oder einem speziellen Volk angehören, da sie die Menschheit in unterschiedliche Rassen nach äußeren Merkmalen, wie der Hautfarbe oder Schädelform, wertig unterscheidet. Der Ursprung der Rassentheorie findet sich bereits in der Bibel im ersten Buch Mose in Kapitel 9 „Nohas Fluch und Segen über seine Söhne“: Die drei Söhne Nohas, Japhet, Sem und Cham treten dort als Ausgangspunkt der Völker Europas, Asiens und Afrikas auf. Nach einem Fehlverhalten Chams werden dessen Nachkommen von seinem Vater Noah verflucht, der diese zum Knecht des Japhet macht.291 Die Interpretation der unterschiedlichen Hautfarben der drei Brüder findet sich allerdings erst später im 17. Jahrhundert bei Georgius Hornius, der nicht mehr nur eine Unterteilung nach Regionen, sondern nach Hautfarben in Weiße, Gelbe und Schwarze Völker einführte.292 Später war Jospeh Arthur de Comte Gobineau einer der bis heute einflussreichsten Autoren, der die Rassentheorie im 19. Jahrhundert propagierte. Er bestand jedoch nicht nur auf die grundlegende Unterscheidung von Menschen in die drei Hauptrassen nach den Hautfarben weiß, gelb und schwarz, sondern führte auch den Begriff des Ariers in die Rassentheorie ein. Er unterstellte jeder Rasse unterschiedliche zivilisatorische Entwicklung und Intelligenz.293 Während für ihn die weißen, nordwesteuropäischen Arier die höchste Rasse darstellte, wurde im Dritten Reich unter Adolf Hitler ausschließlich die germanische Rasse als die höchste, bzw. arische Rasse beschrieben. Die Annahme einer unterschiedlichen Wertigkeit der verschiedenen Rassen führte die Vertreter der Rassentheorie zu der Überzeugung, dass sich minderwertige Rassen nicht mit höherwertigen Rassen vermischen dürften, der sogenannten Rassenhygiene, die sich in der Eugenik zuspitzte.294 Dieser Gedankengang führte in der Konsequenz im Dritten Reich dazu, die Vermischung der semitischen Rasse und der germanisch-arischen Rasse zu verhindern, in dem das semitische Volk nicht nur an seiner Verbreitung durch Fortpflanzung gehindert, sondern in letzter Konsequenz auch ausgelöscht werden sollte. Häufig werden auch bis heute Naturwissenschaftler, wie Charles Darwin und Gregor Mendel als Beweis für die Rassentheorie durch rechte Kräfte herangezogen, um der Argumentation einen pseudo-wissenschaftli- 290 Vgl. Martin 2006, S. 222 f. 291 Vgl. Die Bibel 1980, 1. Moses 9, 18–29. 292 Vgl. Greiner 2014. 293 Vgl. De Gobineau/Schemann 1902. 294 Vgl. Fenske 2004, S. 482 ff. 79 Bereiche des terroristischen Verhaltens chen Charakter zu verleihen. Geblieben ist bis heute in der rechts-rassistischen Argumentationslogik, dass die jeweils eigene Rasse oder Nation die höchste ist und ihr aus diesem Grund in der Gesellschaft und im Staat Vorteile gegenüber den anderen Rassen oder Nationen zustehen, wie das Vorrecht auf Arbeitsplätze, Wohnraum oder staatliche Fürsorge. Rechts-konservative terroristische Organisationen setzen daher auf einen starken, militarisierten Staat, der ihre Interessen durchsetzt. Sie sind im Gegensatz zu linkssozialrevolutionären terroristischen Organisationen reaktionär, ihr Weltbild und die Symbolik295 der Gruppierungen sind vergangenheitsbezogen. Ihr eigentliches Ziel ist es daher den Status quo zu erhalten, auch weil sie selbst selten ein umfassendes Reformprogramm besitzen, das hinter den Forderungen steht. Erhaltenswürdig gelten besonders konservative, traditionelle Werte in Bezug auf Familie, Arbeit, Religion oder Besitzverhältnisse. Sobald rechts-konservative terroristische Organisationen jedoch den Staat als zu schwach oder nicht gewillt ansehen, ihre Interessen durchzusetzen, haben sie zum Ziel, die bestehende staatliche Ordnung durch ein autoritäres-faschistischen Staatssystem zu ersetzen.296 Neben dem Rassismus zeigt sich das ausgrenzende und reaktionär-konservative Weltbild der rechts-konservativen Ideologie aber auch in anderen gesellschaftlichen und politischen Einstellungen, je nach den historischen und politischen Rahmenbedingungen. Dazu gehören unter anderem der Antisemitismus, Antiziganismus und Antiamerikanismus als Ablehnungshaltung gegenüber anderer Völker und die Homophobie als Ablehnungshaltung gegenüber anderen gesellschaftlichen Gruppen oder die Islamfeindlichkeit als Ablehnungshaltung gegenüber anderen Religionen. Der völkische Nationalismus und Autoritarismus aber auch der Geschichtsrevisionismus, Antikommunismus, Antimodernismus und sind hierbei die Kernelemente des politischen Weltbilds.297 3.4.4.3 Nationalistisch-separatistische Ideologie Der nationalistisch-separatistische Terrorismus hat vor allem einen territorialen und kulturellen Charakter. Er vertritt eine spezielle Bevölkerungsgruppe, meist eine Minderheit, und versucht für diese Bevölkerungsgruppe Interessen durchzusetzen, die sich ansonsten den Interessen einer anderen Bevölkerungsgruppe oder einem Staat 295 Die wichtigsten Symbole rechter Gruppierungen sind (teilweise leicht abgewandelte) alte Symbole, wie das Hakenkreuz, die Lebensrune, die Triskele oder das Keltenkreuz, die ursprünglich eine andere Bedeutung hatten. Siehe hierzu: Bundesamt für Verfassungsschutz 2014. 296 Vgl. Martin 2006, S. 226/251 f; Straßner 2008, S. 18. 297 Vgl. Jaschke 2006; Nandlinger 2008; Stöss 2010, S. 10 ff. 80 Terrorismus als rationale Entscheidungsfindung unterordnen müssten. Neben der politischen Anerkennung und Gleichstellung der Bevölkerungsgruppe innerhalb des Staates, geht es in den meisten Fällen um politische Autonomie bis hin zu vollständiger nationaler Unabhängigkeit und der Gründung und internationalen Anerkennung eines eigenen Staates.298 Diese Bevölkerungsgruppe sieht sich als eigene Nation oder ethnische Gemeinschaft, die homogene Merkmale wie Sprache, Kultur, Religion oder Geschichte besitzt.299 Die Ausgangslage für die Konflikte zwischen ethnischen Minderheiten oder Kulturnationen untereinander oder zwischen diesen und Staaten besteht in der Ideologie des Nationalismus, der „… die Merkmale der eigenen ethnischen Gemeinschaft (z. B. Sprache, Kultur, Geschichte) überhöht, als etwas Absolutes setzt und in dem übersteigerten (i. d. R. aggressiven) Verlangen nach Einheit von Volk und Raum mündet.“300 Ende des 18. Jahrhunderts bildete sich in Europa erstmalig das Bewusstsein für die Bedeutung der „Nation“ in der Bevölkerung, sodass zu diesem Zeitpunkt der „Nationalismus“ als Ideologie entstand. Die Französische Revolution kann als Startpunkt für die volle Entfaltung des modernen Nationalismus gesehen werden. Kriege und Kämpfe um Territorium, Anerkennung von Völkern und die Unterdrückung von ethnischen Minderheiten gab es aber schon weit vor dieser Zeit, wurden damals aber hauptsächlich zwischen staatlichen Armeen ausgetragen.301 Im 19. Jahrhundert bildeten sich die ersten nationalistischen politischen Bewegungen auf dem europäischen Kontinent. Der substaatliche separatistisch-nationalistische Terrorismus trat zu ersten Mal in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf. Nach der Zerschlagung der Imperien der besiegten Großmächte in Europa nach dem Ersten Weltkrieg und in Übersee nach dem zweiten Weltkrieg, war die Selbstbestimmung der Staaten ein vornehmliches Ziel der Siegermächte. Als Folge bildeten sich terroristische Organisationen, vor allem in Gebieten, in denen der Rückzug der Großmächte Bevölkerungsgruppen hinterließ, die sich mit den neuen Regierungskonstellationen und territorialen Zuteilungen nicht abfinden wollten, wie zum Beispiel die türkische Bevölkerung auf Zypern oder die Algerier.302 Eine weitere Welle gab es Ende der 60er Jahre, in der unter anderem die IRA, ETA und PFLP wieder verstärkt mit Anschlägen in Erscheinung traten.303 Eine Besonderheit von nationalistisch-separatistischen terroristischen Organisationen ist, dass die eigene Bevölkerungsgruppe, die eigene Nation oder das eige- 298 Vgl. Martin 2006, S. 159. 299 Vgl. Schubert/Klein 2006, S. 202 f. 300 Schubert/Klein 2006, S. 203 f. 301 Siehe zur Entwicklung des Nationalismus: Fenske 2004, S. 473 ff. 302 Vgl. Gal-Or 1997, S. 200; Rapoport 2004, S. 52 f. 303 Vgl. Laquere 2001, S. 42; Malthaner 2005, S. 93. 81 Bereiche des terroristischen Verhaltens nen Volk für die Organisationen eine positive Bezugsgruppe304 darstellt. Der antikoloniale Kampf der terroristischen Organisationen wird für das eigenen Land und Volk geführt und erscheint den Terroristen selbst, aber auch einem großen Teil der Weltbevölkerung, als moralisch gerechtfertigter als andere Arten des Terrorismus. Dies zeigt sich auch in der Eigenterminierung der terroristischen Organisationen: Der Begriff des „Freedom Fighters“, den Menachem Begin prägte, führte später zu der häufig genutzten Formulierung „Der Terrorist des Einen ist der Freiheitskämpfer des Anderen.“305 Die für terroristische Organisationen vergleichsweise hohe Akzeptanz in der Bezugsgruppe und Bevölkerung macht es den Organisationen möglich einen legalen Flügel bzw. eine legale zweite Organisation oder sogar Partei zu bilden, die die Interessen parallel auch mit nicht-terroristischen Mitteln vertritt. Diese kann nochmals in besonderer Weise Aufmerksamkeit und Ressourcen für die illegale terroristische Organisation generieren.306 3.4.4.4 Religiöse Ideologie Die Diskussion um religiöse terroristische Organisationen in den Medien dreht sich fast ausschließlich um islamische terroristische Organisationen, wie Al Qaeda, die Hamas, den Islamischen Staat, Boko Haram oder die Al-Nursah Front. David C. Rapoport bezeichnet den Islam sogar als „Herz“ seiner religiösen Wave.307 Er bestreitet zwar nicht, dass es auch religiösen Terrorismus in anderen Religionen gibt, sieht den fundamentalistischen Islamismus aber als vorausschreitenden Motivator, der andere Religionen dazu bringt sich zu radikalisieren.308 Dagegen lässt sich argumentieren, dass alle Weltreligionen und Sekten ein ähnlich hohes Gewaltpotential in sich tragen, das sie zu einer möglichen ideologischen Grundlage für terroristische Organisationen macht. Alle Religionen und Sekten beziehen sich auf das „Göttliche“, das „Übergeordnete“, das „Heilige“, das in einer ambivalenten Gestalt auftritt: es ist sowohl negativ furchteinflößend als auch positiv achtungsgebietend. Das Heilige kann von den Anhängern einer Religion entweder reformerisch und revolutionär ausgelegt werden. In letzterem Fall kann die Religion ein offenes und selbstkritisches System sein, das nicht dazu neigt, sich selbst mit Gewalt durchzusetzen, 304 Münkler bezeichnet diese Bezugsgruppe auch als den „interessierten Dritten“ in seiner Darlegung des Terrorismus als Kommunikationsstrategie. Vgl. Münkler 2001. 305 Vgl. Begin 1981, S. 39 ff; Rapoport 2004, S. 54; Malthaner 2005, S. 93 f. 306 Vgl. Calvert 1997, S. 147. 307 Die religiöse Wave ist eine der Phasen der „Wave-Theorie“ von David C. Rapoport. Dieser beschreibt die Entwicklung des Terrorismus in einem Zeitraum vom Ende des 19. Jahrhunderts bis heute in vier Phasen. Vgl. Rapoport 2004. 308 Vgl. Rapoport 2004, S. 61. 82 Terrorismus als rationale Entscheidungsfindung sondern tolerant und friedlich ist. Die gilt für den Großteil der praktizierten Religionen. Es gibt jedoch auch konservativere, reaktionäre Auslegungen des „Heiligen“, die intolerant gegenüber allem sind, was anders ist und nicht den starren religiösen Vorschriften entspricht. In diesem Fall der speziellen Auslegung wird die Religion fundamentalisiert und zu einer religiösen Ideologie gemacht.309 Deshalb bezieht sich die Definition nicht auf die Religion an sich als Ideologie, sondern nur auf ihre fundamentalistische Auslegung. Die jeweiligen Inhalte sind so zahlreich, wie die verschiedenen Religionen, religiösen Ausprägungen und Sekten310, die es auf der Welt gibt. Diese wichtigsten Elemente fundamentalistischer Religionen hat Mathias Hildebrand in folgender Weise zusammengefasst: Im Fundamentalismus werden die ursprünglichen Inhalte der Religionen auf die aktuelle Zeit interpretiert, mit der Annahme dass diese Interpretation die einzig wahre ist, daher werden auch weder Zugeständnisse noch moderate Kräfte akzeptiert. Eine Einteilung in Gut und Böse, gekoppelt mit einem apokalyptisch-messianischen Weltbild und der Entmenschlichung des Feindes, ist hierfür die Grundlage. Sie führen in ihrer Konsequenz zu einer besonders hohen Gewaltbereitschaft. Weder Zivilisten noch das eigenen Leben werden in dieser Logik über die Vernichtung des eigentlichen „Feindes“ gestellt. Das Ziel ist es, das Böse ohne Kompromisse und mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu bekämpfen, um danach ein Reich für alle Anhänger zu schaffen, das ausschließlich den Gesetzen und der Herrschaft Gottes in Form einer Theokratie folgt. Fundamentalistische Religionen erheben vor allem den Anspruch, für sämtliche Lebensbereich Geltung zu besitzen.311 Die fundamentalistische Religion als Ideologie für terroristische Organisationen gibt es verstärkt aber nicht erst seit Ende der 70er Jahre in Form des islamistischen Terrorismus, wie es das Konzept des modernen Terrorismus von David C. Rapoport darlegt.312 Die Sikarier, die Thugs und die Assasinen313 sind bis heute die ältesten Beispiele für religiöse terroristische Organisationen. Bei allen drei Organisationen handelt es sich um religiöse terroristische Organisationen aus den verschiedensten Religionen, die über eine lange Zeit viele Opfer forderten und es schafften in einer Weise auf sich aufmerksam zu machen, dass bis heute von ihnen berichtet wird: die Sikarier als jüdische, die Thugs als hinduistische und die Assassinen als schiitische terroristische Organisation. David C. Rapoport geht sogar so weit zu behaupten, dass die Religion als Ideologie vor der Zeit des modernen Terrorismus die einzige war, 309 Vgl. Hildebrandt 2007, S. 3 ff. 310 Diese werden aus Vereinfachungsgründen im Folgenden alle als “Religionen” bezeichnet. 311 Vgl. Hildebrandt 2007, S. 5 f. 312 Vgl. Rapoport 2004. 313 Siehe Näheres hierzu: Rapoport 1984; Zu Zealoten: Hengel 1976; Zu Assassinen: Lewis 1989. 83 Bereiche des terroristischen Verhaltens die Organisationen dazu verleitete zu terroristischen Mitteln zu greifen: „Before the nineteenth century, religion provided the only acceptable justification for terror …“.314 3.4.4.5 Primär- und Sekundärideologien Je nach Autor schwankt die Zuordnung der einzelnen terroristischen Organisationen zu einer Ideologie, vor allem aber bei Organisationen, die in Zusammenhang mit nationalistisch-separatistischen Ideologien bzw. territorialen Zielen stehen. Walter Laqueur weist darauf hin, dass vor allem die Kombination aus nationalistisch-separatistischer und links-sozialrevolutionärer Ideologie wohl hauptsächlich ein Zugeständnis eigentlich nationalistisch-separatistischer terroristischer Organisationen an den marxistisch-lenistischen Zeitgeist der 60er und 70er Jahre war.315 Alexander Straßner beschreibt die Verknüpfung mit einer links-sozialrevolutionäre Ideologie „… als integratives Zubrot zu ausnahmslos ethnisch motivierten Zielsetzungen“316, ähnlich wie die Adaption einer nationalistisch-separatistischen Ideologie als integrierendes Element bei rechts-konservativen terroristischen Organisationen. Rechts-konservative terroristische Organisationen nutzen nationalistische Ideologien zur Unterstützung ihrer eigenen schwachen Ideologie und zur Verschleierung ihrer wahren Motive.317 Diese terroristischen Organisationen werden in der Untersuchung der rechts-konservativen Ideologie zugeordnet. Im umgekehrten Fall bedienen sich einige terroristische Organisationen anderer Ideologien, wie z. B. der Religion, haben ihre Kernideologie aber in ihrer nationalistisch-separatistischen Identität.318 Die Religion kann zur Bildung sozialer kollektiver Identitäten und zur Sakralisierung der eigenen Volksgruppe beitragen und somit die nationalistisch-separatistischen terroristischen Organisationen weiter radikalisieren. Dies kann auch nur Teile der Organisation oder ihrer Anhänger betreffen bzw. nur einen Teil religiöser Bezugsgruppen, wie beim Verhältnis zwischen der IRA und der katholischen Bevölkerung.319 Einige rechts-konservative terroristische Organisationen bedienen sich neben rechter- rassistischer nicht nur nationalistischer, sondern auch religiöser Ideologien. Eine Erklärung könnte sein, dass in rechts-konservativen terroristischen Organisationen Fremdenfeindlichkeit und Xenophobie zu den Kernelementen gehören. Diese Logik des rechts-konservativen Terrorismus baut somit auf einer Unterscheidung 314 Rapoport 1984, S. 659. 315 Vgl. Laqueur 2001, S. 63. 316 Straßner 2008, S. 20. 317 Vgl. Poland 2005, S. 47. 318 Vgl. Hoffman 2006, S. 138. 319 Vgl. Malthaner 2005, S. 97; Martin 2006, S. 159; Hildebrandt 2007, S. 9. 84 Terrorismus als rationale Entscheidungsfindung in „Wir“ und „die Anderen“ auf, wobei „die Anderen“ eine Bedrohung für die eigene Gruppe darstellen. Diese Angst wird nur durch die weniger emotionalen und biologischen Argumentationsstrukturen des Sozialdarwinismus und der Rassentheorie untermauert. Diese reichen jedoch nicht aus, den Zusammenhalt innerhalb der Gemeinschaft in einem Maße zu stärken, dass sich auf Dauer eine handlungsfähige Organisation formiert und neue Mitglieder rekrutiert werden. Aufgrund des schwachen ideologischen Unterbaus nutzen sie die Kraft des Zusammengehörigkeitsgefühls und die emotionale Logik einer Nation oder einer Religionsgemeinschaft, um den Zusammenhalt in der eigenen Gruppe zu stärken und sich noch weiter abzugrenzen, aber auch um die eigentlichen Motive nach außen zu verschleiern.320 Es gibt jedoch ein Moment, das religiöse terroristische Organisationen und rechtskonservative terroristische Organisationen, die die Religion nur als ideologische Hilfe nutzen, voneinander unterscheidet: Dem Ungläubigen oder Andersgläubigen bleibt die Möglichkeit der Bekehrung, er kann sich dem Terror entziehen, indem er sich dem Gauben, den die terroristische Organisation verteidigt, anschließt. Diese Möglichkeit bleibt „den Anderen“ in der rechts-rassistischen Logik nicht. Die eigene Herkunft bleibt die gesamte Existenz bestehen und kann nicht gewechselt werden, sie ist somit exklusiver als eine Religionszugehörigkeit. Die terroristische Organisation Covent Sword and the Army of the Lord (CSA) sahen sich selbst als „God’s People“ und propagierten den christlichen Glauben. Allerdings zählten zu dem christlichen Volk, das sie ansprachen und für das sie kämpften, keine schwarzen Christen. In diesem Fall diente der Glauben nur als Mittel zur Umsetzung der rassistischen Ziele und zur Unterstützung traditioneller Werte.321 Religiöse terroristische Organisationen haben natürlich auch weltlich politische Ziele, Anliegen und Konflikte, die auf die religiöse Ideologie treffen. Wie in den bereits in den vorangegangen Abschnitte erläutert, kommt es häufig vor, dass sich religiöse und rechts-konservative oder religiöse und nationalistisch-separatistische Einstellungen und Ziele vermischen und es nicht sofort eindeutig erscheint, welche Ideologie die grundlegende der Organisationen ist. Die Hamas und die Hezbollah werden in der Terrorist Organisation Profiles Datenbank (TOPs) sowohl als nationalistisch-separatistische als auch als religiöse terroristische Organisationen kategorisiert. Seth G. Jones und Martin C. Libicki dagegen, ordnen die Hamas als eine nationalistisch-separatistische terroristische Organisation ein, die Hezbollah dagegen als eine religiöse.322 Bruce Hoffman dagegen, kategorisiert die Hamas eindeu- 320 Vgl. Poland 2005, S. 47. 321 Vgl. National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism (START) 2014 b. 322 Vgl. Jones/Libicki 2008, S. 59–160; National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism (START) 2014 c/d. 85 Bereiche des terroristischen Verhaltens tig als religiöse terroristische Organisation und begründet dies unter anderem mit der weitgefassten Feindefinition.323 Dagegen lässt sich argumentieren, dass sich das Hauptanliegen der Hamas darauf bezieht, aus Israel, dem Westjordanland und dem Gazastreifen einen palästinensischen Staat zu errichten. Ihr Aktionsraum beschränkt sich weitgehen auf dieses Gebiet und auch ihr direkter Feind ist ein spezifischer: das jüdische Volk. Stereotype Feindbilder der islamischen Welt, wie z. B. die USA, waren nie direkte Ziele der Hamas.324 Dennoch steht die religiöse Ideologie stark im Vordergrund, da die Hamas von einem religiösen Konflikt zwischen Judentum und Islam spricht und nicht von einem staatlichen zwischen Palästina und Israel, und im Gegensatz zur Palestine Liberation Organization (PLO) Verhandlungen mit Israel kompromisslos ablehnend gegenübersteht.325 Diese Art von enger Verzahnung von Religion, Kultur und Territorium findet sich bei einigen terroristischen Organisationen wieder, da die Religion häufig Teil der ethnischen oder nationalen Identität ist. Natürliche Überschneidungen ergeben sich, wenn die geographischen Grenzen der nationalen Minderheit, die die terroristische Organisation als ihre Bezugsgruppe sieht, den Grenzen einer Religion entsprechen, wie in Israel und Palästina oder auch in Kaschmir und Punjab. In den meisten Fällen wird eine weitere Ideologie jedoch genutzt, um die kollektive Identitätsbildung und das Wir-Gefühl zu stärken, wie zum Beispiel bei der IRA, bei der die Religion nur die sekundäre Ideologie ist und die nationalistisch-separatistische die eigentliche primäre.326 Die Verknüpfung mit anderen Ideologien hängt auch vom Kontext des jeweiligen Landes ab, aus dem die terroristische Organisation kommt und operiert. So ist der Anteil der rechts-religiösen terroristischen Organisationen in den USA besonders hoch und der Anteil rechts-nationalistischen terroristischen Organisationen in Europa und Südamerika. In Ländern mit linken Regierungen oder aktiven linkssozialrevolutionären terroristischen Organisationen finden sich häufig reine rechtskonservative terroristische Organisationen, die diesen stürzen wollen, wie die Contras in Nicaragua oder die Argentine Anti-Communist Alliance (Tripple A), die in den 70er Jahren in Argentinien links-radikale Kräfte angriff. 323 Vgl. Hoffman 2006, S. 154. 324 Von 397 verübten Anschlägen durch die Hamas seit 1989 fand ein Anschlag außerhalb Israels und Palästina statt und in 20 Fällen wurden Personen mit ausländischer Staatsbürgerschaft Opfer von Anschlägen innerhalb von Israel und Palästina. Vgl. National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism (START) 2015 a. 325 Vgl. United States Department of State 2013, S. 255 f; National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism (START) 2014 c. 326 Vgl. Hoffman 2006, S. 138; Martin 2006, S. 185 ff. 86 Terrorismus als rationale Entscheidungsfindung 3.5 Zusammenfassung: Kapitel 3. Terrorismus als rationale Entscheidungsfindung Das Kapitel 3. Terrorismus als rationale Entscheidungsfindung stellt als erstes theoretisches Kapitel die Grundlage dar, die zum weiteren Verständnis der Untersuchung zum Neuen Terrorismus benötigt wird. Zunächst wurde festgelegt, was unter dem Begriff Terrorismus zu verstehen ist. Neben der Abgrenzung terroristischer Organisationen von „Guerillaorganisationen“ und „paramilitärischen Organisationen“ wurde Terrorismus für die folgende Untersuchung definiert als: „Kalkulierter Einsatz ungesetzlicher und medial inszenierter, symbolischer Gewalt oder die Androhung dieser Gewalt zur Verbreitung von Angst durch substaatliche Akteure. Dies geschieht in der Absicht, Regierungen und Bevölkerung einzuschüchtern oder zu nötigen und eine Botschaft zu verbreiten, um politische Ziele zu erreichen.“ Des Weiteren wurde ausgeführt, wer die Akteure der Untersuchung sind und mit welchem Erklärungsmodell das Handeln dieser Akteure beschrieben werden kann, um einen theoretischen Ansatz zu entwickeln und die Ergebnisse der Untersuchung auf Grundlage nachvollziehbarer Regeln und Annahmen interpretieren zu können. Hierzu wurde die terroristische Organisation als kollektiver Akteur in Sinne einer klassischen Organisation beschrieben. Als Verhaltensmodell wurde der nicht-psychologische instrumentelle Ansatz des rationalen Handelns gewählt. Eine Kosten- Nutzen-Abwägung, die Bildung kollektiver Identitäten und die Beeinflussung durch externe Faktoren beim Verhalten und der Entscheidungsfindung terroristischer Organisationen wurden hierbei die wichtigsten Annahmen formuliert. Als zentrale Funktion der Rational Choice Theorie wurde die Messbarkeit von Abweichungen des Standard-Verhaltens terroristischer Organisationen herausgestellt. Diese wird im Folgenden für die Untersuchung benötigt, da davon ausgegangen wird, dass die Organisationen des Neuen Terrorismus sich anders verhalten als die Organisationen des Alten Terrorismus und dies messbar mit Veränderungen der exogenen Bedingungen zusammenhängt. Im letzten Teil dieses Kapitels wurden das Verhalten und die Entscheidungsfindung terroristischer Organisationen in die Bereiche Strategien, Ziele, Struktur und Ideologie gegliedert. Diese Gliederung dient als systematische Struktur, an der sich die weitere Untersuchung zu den Eigenschaften des Neuen Terrorismus orientiert. Der Bereich der Strategien wurde weiter unterteilt in Taktiken, Mittel und Angriffsziele. Bei den Taktiken wurden die Taktiken des Costly Signaling (Zermürbung, Einschüchterung, Provokation, Störung, Ausreizung) aber auch Heroisierung und Kommunikation näher ausgeführt. Bei den Mittel standen Waffen, Selbstmordattentäter, Entführungen, Geiselnahmen, sonstige Mitteln der Gewaltanwendung, aber 87 Zusammenfassung: Kapitel 3 auch Dokumentationen wie Handbücher, Bekennerschreiben und Internetauftritte im Mittelpunkt. Die Angriffsziele wurden in personelle und materielle Angriffsziele unterschieden, deren Auswahl abhängig vom Propagandawert und der Symbolik zur Verbreitung unterschiedliche Botschaften beiträgt. Der zweite Bereich befasste sich mit den Zielen der terroristischen Organisationen. Neben den zwei universellen Zielen, Anhänger gewinnen und den Feind bezwingen, wurden als Hauptzielen der Regimewechsel, der territoriale Wechsel, der Policy Wandel, die soziale Revolution und die Errichtung eines Empires identifiziert. Zu den Zwischenzielen wurden die Herstellung der Öffentlichkeit, Anerkennung und Sympathie für die Organisation, die Gewinnung von Ressourcen, Mitgliedern und Anhängern gezählt. Beim dritten Bereich, der Struktur terroristischer Organisationen, wurden vor allem die Kommunikationswege innerhalb und zwischen den Organisationen dargestellt, welche von hierarchischen Systemen bis zu dezentralisierten Netzwerken reichen. Hierbei wurde auf die Schwierigkeit verwiesen, zwischen einzelner Organisation und einem Netzwerk zu unterscheiden. Zur externen Struktur wurden die Verbindungen zu Staaten und anderen legalen und illegalen Organisationen gezählt, die zur Ressourcengewinnung beitragen. Auch unterschiedliche Formen der Beteiligung an legalen und illegalen Geschäften wurden hierzu aufgeführt. Daneben wurden nationale, internationale und transnationale Aktionsbereiche der terroristischen Organisationen abhängig vom Ort des Anschlags, der Nationalität des Opfers, der Nationalität der Täter und der Ausbreitung der Konsequenzen mit zur externen Struktur gezählt. Der letzte Bereich befasste sich mit der Ideologie der terroristischen Organisationen. Diese wurde definiert als Glaubenssystem bzw. Weltanschauung mit spezifischen Denkmustern und verfestigten moralischen und normativen Komponenten, die universelle Geltung für sich beansprucht und zur Komplexitätsreduktion neigt. Die zentrale Erkenntnis war hierbei, dass es einer Ideologie aufgrund der tiefen Verankerung in moralische und normative Werte und aufgrund der Annahme der Unfehlbarkeit (fast) unmöglich ist, sich Veränderungen in der Umwelt anzupassen. Jedoch wurde es als möglich beschrieben, dass eine terroristische Organisation gleichzeitig eine Primär- und eine Sekundärideologie besitzt. Für die Untersuchung wurde die Unterteilung auf links-sozialrevolutionäre, rechts-konservative, nationalistisch-separatistische und religiöse Ideologien beschränkt. 89 4 Neuer Terrorismus als Untersuchungsgegenstand Im vorangegangenen Kapitel wurde der Begriff Terrorismus für die fortlaufende Untersuchung definiert und die Akteure und deren Verhaltensweisen vorgestellt. Hierzu wurde die Rational Choice Theorie als Erklärungsmodell zum Verhalten der Akteure – der terroristischen Organisationen – herangezogen. Diese Auswahl eines geeigneten Verhaltensmodells war nötig, um in den folgenden Kapiteln Verhaltens- änderungen und Entscheidungsfindungen terroristischer Organisationen vor dem Hintergrund der Leitfragen und Fragestellungen strukturiert bewerten zu können. Das aktuelle Kapitel befasst sich mit dem Phänomen des Neuen Terrorismus als spezifische Erscheinungsform des Terrorismus. Es fasst die Erkenntnisse der Leitfrage zu den Veränderungen bzw. Eigenschaften von Anschlägen und dem Verhalten terroristischer Organisationen zu einem Ansatz des Neuen Terrorimus zusammen. Hierzu wird zunächst mit der Wave-Theorie ein Modell vorgestellt, das die Inhalte dieses Diskurses strukturieren und das Verhältnis zwischen Altem Terrorismus und Neuem Terrorismus klären kann. Der anschließende Hauptteil des Kapitels besteht aus der Konstruktion des theoretischen Ansatzes des Neuen Terrorismus und der Formulierung der Forschungshypothesen aus diesem Ansatz. Der theoretische Ansatz und die Forschungshypothesen werden direkt aus den Inhalten des Diskurses abgeleitet. 4.1 Neuer Terrorismus als neue Lebensphase: Die Wave-Theorie Der Begriff Neuer Terrorismus wird von vielen Autoren benutzt, um auszudrücken, dass sich der Terrorismus bzw. das Verhalten terroristischer Organisationen in einem Maße verändert hat, dass es angebracht erscheint, von einer neuen Form terroristischer Organisationen, bzw. von einem neuen Zeitabschnitt des Terrorismus zu spre- 90 Neuer Terrorismus als Untersuchungsgegenstand chen. Die Veränderungen werden zwar als „revolutionär“ empfunden327, als eine „neue Generation“ des Terrorismus328, scheinen aber in ihrem Kern schwer formulierbar. Der Ausdruck „neu“ gibt zunächst keinen Hinweis auf die inhaltliche Ausgestaltung der Veränderungen. Er erweckt nur den Eindruck, dass der Terrorismus in seiner aktuellen Form bisher noch nicht existiert hat. Gleichzeitig bedeutet es, dass es auch einen Alten Terrorismus geben muss, der sich auf irgendeine Art von dem Neuen Terrorismus unterscheidet.329 Die Autoren, die sich mit dem Thema auseinandergesetzt haben, haben verschieden „neue“ Eigenschaften terroristischer Organisationen extrahiert, auch wenn diese teilweise voneinander abweichen. Um zu beschreiben, was genau die Veränderungen sind und welchen gemeinsamen Kern sie haben, wird aber ein übergreifendes Konzept benötigt, das Veränderungen im Terrorismus allgemein als Phänomen beschreiben kann und dem Neuen Terrorismus so seinen Platz in der Geschichte des Terrorismus zuweist. Ein übergreifendes Konzept zum Verständnis der Entwicklung des Terrorismus, das dies leisten kann, ist die Wave-Theorie von David C. Rapoport.330 Der zentrale Beitrag dieser Theorie liegt in der Beschreibung des Verhältnisses von Altem Terrorismus und Neuem Terrorismus, welches für die Untersuchung von Bedeutung ist. David C. Rapoport beschreibt in seiner Wave-Theorie die Entwicklung des Terrorismus in einem Zeitraum vom Ende des 19. Jahrhunderts bis heute und bezeichnet diesen Abschnitt als „Modernen Terrorismus“. Modern bedeutet in diesem Konzept, dass terroristische Organisationen ab diesen Zeitpunkt zum ersten Mal global, bzw. international handelten. Er unterteilt den Modernen Terrorismus in vier Phasen bzw. vier Waves: die Wave des anarchistischen Terrorismus, die Wave des antikolonialen Terrorismus, die Wave des neuen linken Terrorismus und die Wave des religiösen Terrorismus. Über den Fokus von David C. Rapoport hinaus, der sich auf die Beschreibung dieses Zeitraums beschränkt, lässt sich die Wave-Theorie jedoch mit Einschränkungen in seiner Form auch auf die davorliegenden Zeiträume zur Beschreibung der Entwicklung des Terrorismus anwenden.331 Unter einer Wave versteht David C. Rapoport einen Ablauf von terroristischen Aktivitäten innerhalb einer gewissen Zeitspanne. In diesem Zeitabschnitt sind eini- 327 Vgl. Field 2009, S. 195. 328 Vgl. Hoffman 2006, S. 410. 329 Vgl. Spencer 2006, S. 4. 330 Vgl. Rapoport 2004. 331 Bei David C. Rapoport ist die Internationalität der Aktivitäten Teil der Definition einer Wave. Daher lässt sich das Konzept nur unter Vernachlässigung dieses Aspektes auf Zeiträume vor dem internationalen Terrorismus beziehen. Zu beachten ist dabei auch der Unterschied im Verständnis von „international“ oder „global“ je nach Definition und Autor. Bei David C. Rapoport beginnt internationaler Terrorismus 1880 mit den anarchistischen Organisationen. Vgl. Rapoport 2004, S. 47. 91 Neuer Terrorismus als neue Lebensphase: Die Wave-Theorie ge terroristische Organisationen aktiver als andere bzw. gewisse Ideologien, Strategien, Ziele und Strukturen in Organisationen kommen aufgrund von äußeren Bedingungen häufiger vor als andere: „It is a cycle of activity in a given time of period – a cycle characterized by expansion and contraction phases. A crucial feature is its international character; similar activities occur in several countries, driven by a common predominant energy that shapes the participating groups’ characteristics and mutual relationships.“332 Das Konzept enthält einen räumlichen Aspekt, bei dem alle Aktivitäten, die charakteristisch für eine Wave sind, an mehreren Orten auf der Welt stattfinden müssen. Dies bedeutet, dass es eine quantitative Ausbreitung der Aktivitäten geben muss, um von einer Wave sprechen zu können. Wie weit diese Ausbreitung jedoch sein muss, lässt David C. Rapoport an dieser Stelle offen und spricht nur allgemein von einem „internationalen Charakter“.333 Der inhaltliche Aspekt betont, dass jede Wave eine Predominant Energy hat, die die terroristischen Organisationen zu Aktivitäten antreibt. Darunter lässt sich ein verbindendes Element verstehen, das hinter den Zielen, Strategien und Strukturen steht und diese in einen Zusammenhang bringt. Somit gibt es für jede Wave charakteristische Eigenschaften im Verhalten terroristischer Organisationen, die ein verbindendes Element besitzen, das in David C. Rapoports Konzept der jeweiligen Wave ihren Namen gibt. Dabei betont er jedoch, dass diese charakteristischen Eigenschaften zwar für die jeweilige Wave dominant sind, d. h. herausragend häufig vorkommen, aber nicht die einzigen bleiben.334 Nationalistisch-separatistische terroristische Organisationen gab und gibt es auch außerhalb des Zeitraums der antikolonialen Wave bzw. deren charakteristische Eigenschaften wurden und werden auch von anderen terroristischen Organisationen angewandt.335 332 Rapoport 2004, S. 47. 333 Rapoport 2004, S. 47. 334 Es wird im Folgenden bei der Beschreibung des alten Terrorismus die Gegenwartsform benutzt, da davon ausgegangen wird, dass dieser weiterhin existiert, auch unter der Annahme, dass eine Wave des Neuen Terrorismus bereits eingetreten ist. 335 Kaschner kritisiert die falsche Zuordnung von Organisationen zu den einzelnen Waves und bezeichnet eine „starre zeitliche Einordnung“ als Schwäche von David C. Rapoports Konzept. Er unterstellt ihm, die IRA und ETA statt in der antikolonialen Wave in die neue linke Wave einzuordnen. Er übergeht dabei, dass David C. Rapoport ausdrücklich daraufhin hinweist, dass während einer Wave verschiedene Organisationen gleichzeitig existieren können, und einzelne Organisationen über mehrere Waves hinweg existieren: „Each wave’s name reflects its dominant but not its only feature. Nationalist organizations in various numbers appear in all waves, for example, and 92 Neuer Terrorismus als Untersuchungsgegenstand Die Veränderungen im Verhalten terroristischer Organisationen und somit auch die Entstehungen einer Predominant Energy werden durch äußere Veränderungen ausgelöst, hierzu führt David C. Rapoport unter anderem die Technologisierung und die Verbreitung demokratischer Ideen, bzw. deren Scheitern auf.336 Der Zusammenhang zwischen externen Veränderungen und deren Auswirkung auf die internen Verhaltensweisen terroristischer Organisationen geht mit der Annahme des rationalen Verhaltens terroristischer Organisationen konform, welches in der vorliegenden Arbeit als theoretisches Verhaltensmodell vorausgesetzt wird. Ebenso fügt sich der Zusammenhang in die Argumentationslogik der Autoren des Neuen Terrorismus ein, die die Entstehung des Neuen Terrorismus als Reaktion auf gesellschaftliche, politische und technische Ereignisse sehen. Das Verhältnis der einzelnen terroristischen Organisationen zu den Waves spielt vor allem im zeitlichen Aspekt eine Rolle. Einige für die Wave spezifische terroristische Organisationen existieren bereits, bevor die Wave einsetzt. Die Predominant Energy aktiviert neue Organisationen, bzw. bringt bereits existierende Organisationen dazu, spezifische Strategien, Ziele und Strukturen anzuwenden. Einige dieser Organisationen verschwinden noch während der Wave und andere überleben sie und gehen mit in die nächste Wave. Dort passen sie sich entweder den neuen Charakteristiken der Predominant Energy an und werden zum sinnbildlichen Teil der neuen Wave oder bleiben mit ihren alten Charakteristiken ein Überhang der alten Wave. Nach David C. Rapoports Definition beginnt der Rückgang einer Wave, wenn sie es nicht mehr schafft neue Organisationen hervorzubringen oder diese zu inspirieren den Verhaltensmustern der Predominant Energy zu folgen.337 Durch den unterschiedlichen Lebensrhythmus von terroristischen Organisationen und den Waves sind diese nicht strikt voneinander zu trennen, sondern überlappen sich zeitlich. Der anarchistischen Wave ordnet David C. Rapoport einen Zeitraum von 1880 bis 1920 zu. Deren Auslöser war zu dieser Zeit die technische Entwicklung von Kommunikations- und Transportwegen, aber auch eine starke Indoktrinierung durch die Schriften anarchistischer Denker, wie Sergej Nechaev.338 Die antikoloniale Wave dauerte von 1920 bis 1960 und war eine Folge der Territorialpolitik der Siegermächte nach dem ersten und zweiten Weltkrieg. Der Widerstand der Viet Congs während des Vietnamkrieges löste die Hoffnung auf einen weltweiten Systemwandel und somit die neue linke Wave von 1960 bis 2000 aus. Die religiöse und letzte Wave, ausgelöst durch die each wave shaped its national elements differently … Occasionally an organization survives its original wave.“ Rapoport 2004, S. 47 f. Vgl. Kaschner 2008, S. 59. 336 Vgl. Rapoport 2004, S. 65. 337 Vgl. Rapoport 2004, S. 48. 338 Vgl. Nechaev, 2006. 93 Neuer Terrorismus als neue Lebensphase: Die Wave-Theorie Iranische Revolution und den Einmarsch der sowjetischen Truppen in Afghanistan, beginnt 1979 und geht laut David C. Rapoport voraussichtlich bis 2025.339 Die vier Waves von David C. Rapoport sind nicht umfassend und beschreiben inhaltlich nicht alle Arten von Terrorismus. Dies ist aber auch nicht Anspruch der Theorie. Die Wave-Theorie ist dazu gedacht, die jeweiligen Hauptströmungen des Terrorismus zu erfassen und zeitlich einzugrenzen. Alle Arten des Terrorismus, denen eine rechte Ideologie zu Grunde liegt, finden in David C. Rapoports Ausführungen daher zum Beispiel keinen Platz. Rechte terroristische Organisationen sind von ihrem Wesen her in einem Ausmaß xenophob und ausgrenzend, dass selbst die Zusammenarbeit mit anderen rechten terroristischen Organisationen auf internationaler Ebene nur selten vorkommt. Daher konnte sich nie ein international koordiniertes Netzwerk bilden, dass ein gemeinsames Ziel vertritt und dieses mit ähnlichen Strategien umsetzt. Dieser Ausschluss nationaler und lokaler terroristischer Organisationen in der Wave-Theorie wird unter anderem von Jeffrey Kaplan340 bemängelt. Gerade diese globale, quantitative Ausbreitung zur gleichen Zeit ist jedoch für David C. Rapoport eine entscheidende Bedingung, die eine Wave ausmacht: „A wave by definition is an international event.“341 Ein weltweites Phänomen kann nur koordiniert durch internationale Verbindungen und Kommunikation weltweit stattfinden. Dabei geht David C. Rapoport auch nicht von einem Internationalisierungsbegriff aus, wie er heute genutzt wird, um Netzwerke wie Al Qaeda zu beschreiben. Der Grad der Internationalisierung war in der Phase des anarchistischen Terrorismus mit dem Telegraphen, der Tageszeitung und der Eisenbahn von einer anderen Qualität als dies heute in Zeiten der Massenmedien und Flugzeuge der Fall ist.342 Die Wave-Theorie ist dennoch zur Beschreibung des Neuen Terrorismus geeignet, da es sich bei dem Phänomen laut Diskurs um ein internationales Phänomen handelt, das somit die Bedingungen für eine eigenständige Wave erfüllen kann. Die zeitliche Einordnung des Neuen Terrorismus in der Literatur fällt in die letzte religiöse Wave. David C. Rapoport erwähnt einige Eigenschaften, die auch von anderen Autoren als Eigenschaften des neuen Terrorismus angeführt werden, als bezeich- 339 Vgl. Rapoport 2004. 340 Vgl. Kaplan 2008. 341 Rapoport 2004, S. 52. 342 Andere Autoren haben dagegen ein weitaus engeres Verständnis von der Internationalität des Terrorismus. Bruce Hoffman datiert das erste Auftauchen des modernen internationalen Terrorismus auf den 22.07.1968. An diesem Tag wurde ein israelisches Verkehrsflugzeug auf dem Weg von Rom nach Tel Aviv durch die Popular Front for the Liberation of Palestine (PLFP) gekidnappt. Dieses Ereignis und die folgenden internationalen Ausbildungslager der PLO lassen Bruce Hoffman von der ersten „wirklichen“ internationalen terroristische Organisation sprechen. Vgl. Hoffman 2006, S. 110 f./133 f. 94 Neuer Terrorismus als Untersuchungsgegenstand nend für die religiöse Wave, wie zum Beispiel Selbstmordattentäter und den Einsatz von Massenvernichtungswaffen.343 Er bezieht sich jedoch fast ausschließlich auf islamische Organisationen und erwähnt an keiner Stelle den Begriff des Neuen Terrorismus. Des Weiteren führt er keine empirischen Beweise für das Einsetzen und die Entwicklung einer Wave an. Die Inhalte der einzelnen Waves sind daher nicht ausreichend, um die Hypothesen des Neuen Terrorismus zu stützen oder abzulehnen und werden im Folgenden nicht weiter berücksichtigt. Lediglich das Konstrukt zur Beschreibung einer Wave soll genutzt werden, um es mit empirischen Daten zu füllen und zu einem Urteil über Existenz und Ausgestaltung einer Wave zu kommen, die in der aktuellen Literatur als Neuer Terrorismus bezeichnet wird. Aus der Wave-Theorie leitet sich für die Untersuchung das Verständnis über das Verhältnis von Altem Terrorismus und Neuem Terrorismus ab, welches eben nicht nur als Abfolge von zwei Phasen verstanden wird. Der Neue Terrorismus ist über einen bestimmten Zeitraum dominant und hat somit eine Wave in der Geschichte des Terrorismus geprägt, während gleichzeitig der Alte Terrorismus weiterhin existiert, im Verhältnis jedoch quantitativ und qualitativ geringer als zuvor. 4.2 Konzeptspezifikation: Theoretischer Ansatz des Neuen Terrorismus Nach der ausführlichen Darstellung des Diskurses um den Neuen Terrorismus im zweiten Kapitel werden im Folgenden dessen extrahierte Inhalte zu den Haupteigenschaften des Neuen Terrorismus zusammengefasst und systematisiert. Mithilfe der zuvor dargestellten Wave-Theorie wird das Verhältnis von Altem und Neuem Terrorismus definiert und schließlich der theoretische Ansatz des Neuen Terrorismus formuliert. Aus diesem theoretischen Ansatz werden die Forschungshypothesen abgeleitet, die als Grundlage der späteren empirischen Untersuchung dienen. Auch werden an dieser Stelle Überlegungen zur Begründung der Forschungs hypothesen angestellt, die auf rationalen Abwägungen terroristischer Organisationen basieren. Hierzu werden die Eigenschaften, bzw. die einzelnen Untersuchungsbereiche näher betrachtet. 343 Vgl. Rapoport 2004, S. 67. 95 Konzeptspezifikation: Theoretischer Ansatz des Neuen Terrorismus 4.2.1 Die Eigenschaften des Neuen Terrorismus Unter Betrachtung der verschiedenen Sichtweisen der Medien, Wissenschaft und Politik, aber vor allem aufgrund der berechtigten Kritik einiger Autoren, stellt sich nach der Literaturaufarbeitung zum Thema Neuer Terrorismus weiterhin die Frage, ob es wirklich einen neuen Terrorismustypus gibt, der neue Eigenschaften besitzt, oder ob dieser nur das unberechtigte Produkt eines Diskurses mit persönlichem Nutzen für verschiedenste Interessensgruppen ist.344 Es gibt augenscheinlich einige Hinweise in der Literatur, die darauf hindeuten, dass es zumindest einen Trend seit Beginn der neunziger Jahre dahin gehend geben könnte, dass einige Eigenschaften teilweise häufiger als früher bei terroristischen Organisationen auftreten. Sowohl in Bezug auf terroristische Anschläge als auch terroristische Organisationen finden sich in der ausgewerteten Literatur eine Vielzahl von Begriffen, die zur Beschreibung der zwei idealtypischen Zustände „alt“ und „neu“ in Bezug auf terroristische Organisationen bzw. terroristische Anschläge verwendet werden. Die häufigsten Begriffe werden in Abbildung 2 getrennt nach den Bereichen „Alter Terrorismus“ und „Neuer Terrorismus“ aufgelistet. Trotz der unterschiedlichen Schwerpunkte, die die einzelnen Autoren in dem Diskurs um den Neuen Terrorismus setzten, lassen sich aus der Vielzahl der verwendeten Begriffe in der Literatur vier immer wiederkehrende, übergeordnete Eigenschaften terroristischen Verhaltens finden, die im Zusammenhang mit dem Begriff des Neuen Terrorismus auftauchen und denen die meisten der in Abbildung 2 dargestellten Schlagwörter zugeordnet werden können. Diese vier Eigenschaften stellen im Folgenden die Dimensionen des theoretischen Begriffs „Neuer Terrorismus“ dar: • Hohe Gewaltbereitschaft • Undifferenziertheit bei der Opferwahl • Netzwerkartigkeit • Religiosität Die vier Eigenschaften des Neuen Terrorismus werden im Folgenden in einen analytischen Rahmen eingebettet, der sich aus der Definition des Terrorismus ergibt. Für die quantitative Betrachtung des gesamten Terrorismus gilt, dass die in der Literatur beschriebenen Veränderungen drei der vier Bereiche der vorangegangenen Definition des Terrorismus betreffen: die Strategien, die Ideologie und die Struktur der Organisationen. Die Veränderung von Zielen der terroristischen Organisationen wird in der vorliegenden Literatur über den Neuen Terrorismus wenig bis gar 344 Vgl. Copeland 2001, S. 10 ff. 96 Neuer Terrorismus als Untersuchungsgegenstand nicht thematisiert und wird aus diesem Grund nicht weiter in die Untersuchung mit einbezogen. Bei den vier Eigenschaften des Neuen Terrorismus handelt es sich um Bedeutungsdimensionen des Begriffs, deren Ausprägungen im Laufe der Untersuchung als Forschungshypothesen formuliert werden und durch weitere Operationalisierungen messbar gemacht werden müssen. Abbildung 2: Gegenüberstellung von Eigenschaften alter Anschläge/Organisationen und neuer Anschläge/Organisationen aus der Literatur, eigenen Darstellung. 97 Konzeptspezifikation: Theoretischer Ansatz des Neuen Terrorismus Einige der Eigenschaften des Neuen Terrorismus setzen sich aus spezifischeren Untersuchungsbereichen zusammen, die im Diskurs thematisiert werden: Die meisten Autoren nennen die erhöhte Gewaltbereitschaft in Zusammenhang mit einem erhöhten Einsatz von Massenvernichtungswaffen oder Selbstmordattentätern, aber vor allem mit einer steigende Opferzahl insgesamt. Bei dem Einsatz von Massenvernichtungswaffen und Selbstmordattentätern handelt es sich um Mittel, die gewählt werden, um Strategien umzusetzen. Die undifferenzierte Opferwahl wird im Diskurs hauptsächlich in Form einer steigenden Zahl ziviler Opfer thematisiert. Sowohl die Anzahl der Opfer als auch die Auswahl der Opfer steht in Zusammenhang mit der Auswahl der Angriffsziele als Strategie der terroristischen Organisationen. Die Netzwerkartigkeit ist eine besondere Eigenschaft der externen und internen Struktur von terroristischen Organisationen und kann sich wie Strategien und Ziele im Verhältnis zum gesamten Terrorismus verändern, aber auch innerhalb einzelner Organisationen. Im Diskurs über den Neuen Terrorismus wird vor allem der zunehmende Grad der Inter- bzw. Transnationalisierung von Anschlägen als Beweis für eine netzwerkartige Ausbreitung thematisiert. Aber auch die schwindende Bindung innerhalb der Organisationen und die dafür steigende Zusammenarbeit und Vernetzung zwischen den einzelnen Organisationen spielt eine Rolle. Das vermehrte In-Erscheinung-Treten religiöser terroristischer Organisationen wird von fast allen Autoren betont. Die Religiosität einer terroristischen Organisation ist deren Ideologie und somit keine Eigenschaft, von der angenommen wird, dass sie sich im Laufe Abbildung 3: Zuordnung Dimensionen und Unterdimensionen des Neuen Terrorismus, eigene Darstellung. 98 Neuer Terrorismus als Untersuchungsgegenstand der Zeit verändert. Daher kann keine Veränderung der Religiosität innerhalb einer Organisation betrachtet werden, sondern nur die Anzahl und Aktivität Organisationen mit religiöser Ideologie anteilig am gesamten Terrorismus. (siehe Abbildung 3). Ausgehend von der Grundannahme des kollektiven Rationalismus als Verhaltensmodell terroristischer Organisationen, der ausgeführten Wave-Theorie als Phasenmodell des Terrorismus und den vorliegenden extrahierten Eigenschaften und Untersuchungsbereichen aus dem Diskurs über den Neuen Terrorismus, lässt sich ein theoretischer Ansatz des Neuen Terrorismus ableiten. Diese induktive Theoriebildung ergibt sich zu einem großen Teil aus den bereits vorhandenen Annahmen über einen Neuen Terrorismus, die in dieser Untersuchung im Abschnitt über den Diskurs des Neuen Terrorismus gesammelt wurden. Der kollektive Rationalismus und die Wave-Theorie bilden hierfür den Rahmen. Bei dem theoretischen Ansatz des Neuen Terrorismus wird davon ausgegangen, dass es einen Zeitabschnitt gibt, der Anfang der neunziger Jahre begonnen hat345, in dem sich folgende Eigenschaften bei terroristischen Organisationen vermehrt zeigen: die hohe Gewaltbereitschaft, eine Undifferenziertheit bei der Opferwahl, eine Netzwerkartige Struktur und eine erhöhtes Vorkommen religiöser Ideologien. Es wird davon ausgegangen, dass die Veränderungen seit Beginn der neunziger Jahre innerhalb terroristischer Organisationen, aber auch die Bildung neuer terroristischer Organisationen, rationale Reaktionen auf externe Auslöser sind. Zu diesen Auslösern gehören Ereignisse, wie die Iranische Revolution, der Zusammenbruch der Sowjet Union, der Jahrtausendwechsel, die wachsende Ungleichverteilung in der Bevölkerung, die Globalisierung und der technische Fortschritt bei Kommunikationsmitteln, Reisemöglichkeiten und Waffen. Diese externen Ereignisse beeinflussen jedoch nicht die Ideologie einer bereits bestehenden terroristischen Organisation, sondern führen höchstens zur vermehrten Bildung neuer terroristischer Organisationen mit religiöser Ideologie. Diese Eigenschaften bzw. die daraus resultierenden Aktivitäten terroristischer Organisationen zeigen eine quantitative Ausbreitung, indem sie zum einen an mehreren Orten auf der Welt gleichzeitig auftreten und nicht auf einen Ort oder eine Region beschränkt sind, und zum anderen in ihrer Gesamtzahl vermehrt auftreten. Wobei jedoch der Schwerpunkt im Diskurs nicht auf der geographischen Ausbreitung liegt, sondern auf der Entwicklung der Gesamtzahl. Die Predominant Energy als verbindendes Element im Diskurs um den Neuen Terrorismus scheint die Religion zu sein, die sich als Ideologie der terroristischen Organisationen manifestiert und sie dazu bringt spezifische Strategien, Ziele und Strukturen anzuwenden. So stellt sich für die Untersuchung neben der Frage nach der zeitlichen Ent- 345 Als genauen Zeitpunkt wird für diese Untersuchung das Jahr 1993 festgelegt, da in diesem Jahr zum ersten Mal der Begriff des Neuen Terrorismus in den Medien auftauchte. 99 Konzeptspezifikation: Theoretischer Ansatz des Neuen Terrorismus wicklung des Terrorismus auch die Frage nach dem Zusammenhang der Religion und der anderen Verhaltensweisen terroristischer Organisationen. Sowohl die religiöse Ideologie als „Predominant Energy“ als auch die restlichen Eigenschaften des Neuen Terrorismus sind nicht ausschließlich, sondern nur dominant für die Wave. Hieraus leitet sich für die Untersuchung auch das Verständnis über das Verhältnis von Altem Terrorismus und Neuem Terrorismus ab, welches eben nicht als Abfolge gesehen wird. Es gibt keinen Zeitpunkt, an dem der Alte Terrorismus geendet und der Neue Terrorismus begonnen hat. Der Neue Terrorismus ist über einen bestimmten Zeitraum dominant geworden und hat somit eine Wave in der Geschichte des Terrorismus geprägt, während gleichzeitig der Alte Terrorismus weiterhin existiert. Somit sind Argumentationen in Form von einzelnen qualitative Fallbeispielen, die sich häufig in der Literatur finden und das Forschungsparadigma bestätigen oder widerlegen sollen, nicht geeignet. Sollte sich der Neue Terrorismus als existent herausstellen, sind abweichende Fallbeispiele normal, solange sie quantitativ nicht überwiegen. Ebenso wie man den Autoren, die das Forschungsparadigma des Neuen Terrorismus in die Terrorismusforschung getragen haben, vorwerfen kann, dass sie hauptsächlich „event-driven“346 und auf Einzelfällen basierend für die Existenz eines Neuen Terrorismus argumentieren, gilt dies auch für die Kritiker. Die meisten Belege gegen die Existenz eines Neuen Terrorismus bestehen aus Einzelfällen: aus einzelne terroristische Organisationen oder einzelne Anschlägen, die alle diese neuen Eigenschaften erfüllen oder eben nicht.347 Die Antwort auf die Forschungsfrage, ob es wirklich einen Neuen Terrorismus gibt bzw. ob eine neue Wave in der Geschichte des Terrorismus angebrochen ist, hängt davon ab, ob die vier erwähnten Eigenschaften des Neuen Terrorismus seit Anfang der neunziger Jahre insgesamt signifikant häufiger auftreten als davor. Es geht dabei um die Betrachtung des Terrorismus insgesamt auf der Makroebene und weniger um die Betrachtung einzelner Organisationen oder die ausschließliche Bewertung einzelner Anschläge. Durch diese Betrachtung der Entwicklung des gesamten Terrorismus soll vermieden werden, dass die Argumentation für oder gegen die Existenz eines Neuen Terrorismus aus Verallgemeinerung von Einzelfällen besteht, wie dies in einem Großteil der vorliegenden Literatur der Fall ist. Von der Einzelfallargumentation soll methodisch durch die Anwendung einer quantitativen empirischen Untersuchung Abstand genommen werden. Die Existenz eines Neuen Terrorismus wird an der quantitativen empirischen Entwicklung der vier genannten Eigenschaf- 346 Vgl. Crenshaw 2000, S. 415. 347 Umgekehrt werden zum Beispiel die einzelnen Fälle von Attentaten mit Massenvernichtungswaffen nicht als Argument zugelassen, da diese zu den Eigenschaften des Neuen Terrorismus gehören könnten. U. a. bei: Duyvesteyn 2004, S. 447. 100 Neuer Terrorismus als Untersuchungsgegenstand ten bewertet. Die zeitliche Entwicklung dieser vier Eigenschaften wird auf der kleinsten Ebene, der Ebene der einzelnen Anschläge untersucht. Die Entwicklung einer terroristischen Organisation bzw. die Bewertung einer terroristischen Organisation als alt oder neu ergibt sich aus der gesamten Betrachtung all ihrer Anschläge. Ebenso ergibt sich die Bewertung des gesamten Terrorismus eines ausgewählten Zeitabschnitts als Alter Terrorismus oder Neuer Terrorismus aus der Betrachtung aller Anschläge innerhalb dieses Zeitraums. In der vorliegenden Untersuchung wird nicht davon ausgegangen, dass es nur idealtypische alte und neue terroristische Organisationen oder idealtypische alte oder neue terroristische Anschläge gibt, die sich eindeutig zuordnen lassen. Somit gibt es auch keinen Zeitraum, in dem nur ein idealtypischer Alter Terrorismus oder Neuer Terrorismus existiert. Vielmehr wird der Neue Terrorismus im Sinne David C. Rapoports als ein Paradigmenwechsel verstanden, als einen Zeitabschnitt in der Geschichte des Terrorismus, in dem einige Organisationen aktiver sind als andere bzw. gewisse Ideologien, Strategien, Ziele und Strukturen in terroristischen Organisationen aufgrund von äußeren Bedingungen in Bezug auf den gesamten Terrorismus häufiger vorkommen als andere.348 Es geht somit nicht (nur) um neue terroristische Organisationen und Anschläge, sondern vor allem um eine neue Lebensphase des Terrorismus, in der bestimmte Eigenschaften und Verhaltensweisen von vielen Organisationen anteilig mehr erfüllt werden als andere. Dies bedeutet, dass eine Organisation oder ein Anschlag nicht alle alten oder alle neuen Eigenschaften erfüllen muss. Es können auch graduelle Mischformen von terroristischen Organisationen oder Anschlägen existieren, die sowohl neue Eigenschaften als auch alte Verhaltensmuster aufweisen.349 Je mehr eine Organisation oder ein Anschlag von den aufgezählten Eigenschaften des Neuen Terrorismus aufweist, desto näher kommen sie dem Idealtyp des in der Wissenschaft, der Politik und den Medien beschriebenen Neuen Terrorismus. Dies gilt im Umkehrschluss auch für terroristische Organisationen und Anschläge, die keine dieser vier neuen Eigenschaften aufweisen und somit zum Idealtyp des Alten Terrorismus gehören.350 Bereits die einzelnen Anschläge lassen sich anhand der vier Eigenschaften nicht immer als idealtypisch alt oder neu einordnen, da nicht in allen Fällen alle vier Eigenschaften des Alten Terrorismus oder Neuen Terrorismus gleichzeitig zutreffen müs- 348 Siehe genauer hierzu: Rapoport 2004. Auch Kurtulus verweist in diesem Zusammenhang auf den Text von Rapoport. Vgl. Kurtulus 2011, S. 484. 349 Vgl. Crenshaw 2004, S. 11. 350 Die Bezeichnungen „alt“ und „neu“ werden nicht als zeitliche Abfolge begriffen. Terroristische Organisationen, die aufgrund ihrer Eigenschaften in der Diskussion als alte terroristische Organisationen bezeichnet werden, existieren weiterhin neben den neuen terroristischen Organisationen. 101 Konzeptspezifikation: Theoretischer Ansatz des Neuen Terrorismus sen. Es gibt durchaus einige Anschläge, die zwar eine hohe Gewaltbereitschaft und undifferenzierte Opferwahl aufweisen, jedoch zum Beispiel weder religiös motiviert noch international sind. Die Zuordnung zu alt und neu auf der Ebene der terroristischen Organisationen entsteht durch die Betrachtung der jeweiligen Eigenschaften aller Anschläge, die diese Organisation durchgeführt hat. Diese Summierung der Anschläge erschwert die Zuordnung zusätzlich.351 Eine terroristische Organisation mit einer hohen Ausprägung der „Gewaltbereitschaft“, einer niedrigen Ausprägung der „Netzwerkartigkeit“ und einer mittleren Ausprägung der „Undifferenzierten Opferwahl“ auf einer Skala als eindeutig alte oder neue terroristische Organisation einzustufen, ist in diesem Fall schwierig. Das Gleiche gilt für die Betrachtung des gesamten Terrorismus bzw. für einen ausgewählten Zeitabschnitt, in dem alle Anschläge betrachtet werden. Aufgrund der genannten Probleme, einen Anschlag oder eine Organisation eindeutig als „alt“ oder „neu“ zu bewerten, erscheint es sinnvoll, in der Untersuchung nur die Entwicklung der einzelnen Eigenschaften bzw. deren Untersuchungsbereich im Verlauf der Zeit zu betrachten und hieraus Rückschlüsse auf die Veränderungen im Verhalten terroristischer Organisationen zu ziehen. In Abbildung 4 werden die vier zu untersuchenden Eigenschaften des Terrorismus und ihre extremen Ausprägungen „alt“ und „neu“ nochmals als Dimensionen veranschaulicht. Die vier Eigenschaften des Neuen Terrorismus entsprechen hierbei den hohen Ausprägungen der vier Dimensionen. Umgekehrt entsprechen die niedrigen Ausprägungen der vier Dimensionen den vier Eigenschaften des Alten Terrorismus.352 351 Die Eigenschaft Religiosität kann in diesem Fall nur nominal als ja oder nein angegeben werden. 352 Die Religiosität wird durch den Anteil der aktiven terroristischen Organisationen mit religiöser Ideologie erfasst. Abbildung 4: Die vier Dimensionen des Neuen Terrorismus, eigene Darstellung. 102 Neuer Terrorismus als Untersuchungsgegenstand Bei der Betrachtung der Organisationsebene, muss beachtet werden, dass die Entstehung einer neuen Lebensphase des Terrorismus sich nicht nur aus Organisationen definiert, die sich neu formiert haben, sondern auch aus bereits existierenden Organisationen, die ihr Verhalten geändert haben. Da nach der Annahme des rationalen Verhaltens vorausgesetzt wird, dass Veränderungen in der Umwelt zu Veränderungen in den Verhaltensweisen der Organisationen führen, wird davon ausgegangen, dass einzelne Organisationen sich von einer alten zu einer neuen terroristischen Organisation oder umgekehrt entwickeln können. Diese Annahme gilt jedoch nicht für die Religiosität, da die Veränderung der Umweltbedingungen keinen Einfluss auf die Ideologie einer Organisation hat. Aus einer nationalistisch-separatistischen wird keine religiöse terroristische Organisation oder umgekehrt, jedoch können religiöse terroristische Organisationen unter anderem ihre Strategien oder auch ihre Struktur ändern. 4.2.2 Die Forschungshypothesen des Neuen Terrorismus Aus dem beschriebenen theoretischen Ansatz des Neuen Terrorismus und dessen Eigenschaften bzw. Untersuchungsbereichen werden in den folgenden Kapiteln Forschungshypothesen formuliert, durch deren Überprüfung die Existenz eines Neuen Terrorismus belegt bzw. widerlegt werden soll. Die hohen Ausprägungen der vier Dimensionen, die Eigenschaften des Neuen Terrorismus, werden in den Haupt- Forschungshypothesen H1, H2, H3 und H4 formuliert. Die zugehörigen Ausprägungen der Untersuchungsbereiche werden zu konkretisierten Forschungshypothesen formuliert, soweit mehrere Untersuchungsbereiche vorliegen. Die Eigenschaften „Undifferenzierte Opferwahl“ und „Religiosität“ können direkt durch die jeweils einzigen Untersuchungsbereiche operationalisiert werden, wodurch keine konkretisierten Forschungshypothesen benötigt werden. Jeder Untersuchungsbereich wird hinsichtlich seiner Begriffsbedeutung im Kontext des Terrorismus und der rationalen Erwägungen zu dessen Einsatz ausgeführt. Anschließend werden die Untersuchungsbereiche durch einen Anschlag aus dem Diskurs illustriert, bei dem der jeweilige Untersuchungsbereich im Zentrum stand.353 Ergänzend wird eine zusätzliche Forschungs hypothese H5 zur Religion als Predominant Energy des Neuen Terrorismus aufgestellt. 353 Die Anschläge wurden danach ausgewählt, ob sie im Diskurs um den Neuen Terrorismus für die jeweiligen Untersuchungsbereiche als Belege angeführt wurden. Sie enthalten auch teilweise andere Untersuchungsbereiche die den Ausprägungen des Neuen, aber auch denen des Alten Terrorismus, entsprechen. 103 Konzeptspezifikation: Theoretischer Ansatz des Neuen Terrorismus 4.2.2.1 Neue Strategie: Forschungshypothese H1 zur hohen Gewaltbereitschaft Aus dem Definitionsbereich der Strategien terroristischer Organisationen haben sich im Diskurs um den Neuen Terrorismus zwei Eigenschaften finden lassen, deren Entwicklung im Zeitabschnitt zwischen 1970 und 2014354 untersucht werden soll. Die erste Eigenschaft ist die „Hohe Gewaltbereitschaft“, die laut des theoretischen Ansatzes des Neuen Terrorismus seit 1993 signifikant angestiegen sein müsste. Daher lässt sich zu deren Ausprägung folgende Forschungshypothese formulieren: H1: Wenn terroristische Anschläge zwischen 1993 und 2014 sattfanden, dann gab es eine höhere Gewaltbereitschaft als bei Anschlägen zwischen 1970 und 1992. Der Begriff „Gewalt“ wird hierbei im Sinne der physischen Gewalt verstanden, die durch einen Täter ausgeführt wird und körperliche Versehrtheit beim Opfer zur Folge hat. Diese körperliche Versehrtheit kann sich als Verletzung einer Person ausdrücken oder auch im Tod einer Person. Eine verletzte oder getötete Person ist somit eine Einheit „Gewalt“ und die Opferzahl die Summe dieser Einheiten. Dieser Eigenschaft bzw. dieser Forschungshypothese kann somit eindeutig der Untersuchungsbereich „Opferzahlen“ zugeordnet werden. Die beiden Untersuchungseinheiten „Selbstmordattentate“ und „Massenvernichtungswaffen“ können ebenfalls der ersten Eigenschaft zugeordnet werden, da sie durch ihren Einsatz per Definition eine hohe Opferzahl zur Folge haben oder zumindest beabsichtigen und somit eine hohe Gewaltbereitschaft bedingen. Opferzahlen Für den Untersuchungsbereich „Opferzahlen“ wird für die Untersuchung folgende konkretisierte Forschungshypothese formuliert: H1a: Wenn terroristische Anschläge zwischen 1993 und 2014 stattfanden, dann gab es mehr Opfer als bei Anschlägen zwischen 1970 und 1992. Die Opferzahl als Untersuchungsbereich der Gewaltbereitschaft erscheint zunächst relativ eindeutig zu sein, dennoch müssen einige Abgrenzungen vorgenommen werden. Zum einen muss der Begriff „Opfer“ genauer betrachtet werden. Zu den Opfern eines terroristischen Anschlags können sowohl Tote als auch Verwundete zählen. Die meisten Autoren des Diskurses beziehen sich zwar auf die steigende Anzahl der Todesopfer, einige Autoren jedoch sprechen auch von Opfern im allgemeineren Sin- 354 Die Zeitspanne ergibt sich aus dem vorliegenden Datensatz, der Global Terrorism Database (GTD) 2015, die zur empirischen Auswertung für die Untersuchung genutzt wird. 104 Neuer Terrorismus als Untersuchungsgegenstand ne oder beziehen sich in Ihren Ausführungen auch auf Verwundete.355 Daher werden für die Untersuchung nicht nur die Anzahl der Toten eines Anschlags betrachtet, sondern auch die der Verwundeten bzw. die der Opfer insgesamt. Des Weiteren ist es möglich, dass bei Anschlägen auch verletzte oder getötete Täter unter den Opfern sind. Ob diese mit zu den Opferzahlen gezählt werden sollen, ist abhängig davon, ob der Begriff „Opfer“ im Sinne des Machtverhältnisses Täter-Opfer verstanden wird oder im Sinne von „durch den Anschlag zu Schaden gekommen“. Für die vorliegende Untersuchung wird die zweite Variante gewählt, bei der die Opferzahlen auch die Menge der verletzten oder getöteten Täter enthalten. Auch besteht die Möglichkeit, neben Personen mit körperlichen Schäden, Personen, die unter psychischen Folgen der Anschläge leiden, mit zu den Opfern zu zählen. Zu Opfern mit psychischen Folgen gehören sowohl überlebende, unverletzte Personen, die sich in der Nähe des Anschlagsortes aufhielten oder auch direkt der Bedrohung ausgesetzt waren, aber auch die Angehörigen und Freunde der Opfer. Im Fall des Angriffs auf die Besucher des Route 91 Harvest Music Festival in Las Vegas am 01. Oktober 2017 durch Stephen Paddock, der vom Mandalay Bay Hotel aus mit Maschinengewehren auf die Menschenmenge feuerte, war die Menge an potentiellen Opfern, aber unverletzten Personen besonders hoch. Zu den 58 getöteten und ca. 600 verletzten Personen, die getroffen wurden, bestand die Menge aus 22.000 Personen, von denen mindestens einige Hunderte wenn nicht Tausende, psychische Schäden durch den Anschlag davongetragen haben.356 Dieser Art von Opfern wird im Diskurs jedoch weniger Beachtung geschenkt. Auch liegen in Berichten und Datenbanken selten umfassende Informationen hierzu vor, da die tatsächlichen Zahlen schwer quantifizierbar sind. Sie werden daher auch in der vorliegenden Untersuchung nicht mit einbezogen. Der Faktor Zeit kann verantwortlich sein für unterschiedliche Opferzahlen in den unterschiedlichen Quellen des Diskurses. Mit voranschreitender Zeit kann sich die Zahl der Opfer eines Anschlags erhöhen, da es vor allem bei dem Einsatz von Massenvernichtungswaffen unterschiedlich lange Kontaminationszeiten gibt bzw. Spätfolgen bei den Opfern zu erwarten sind, wie dies zum Beispiel bei einer radioaktiven Verstrahlung die Folge ist. Ein extremes Beispiel ist hierbei die Zahl der Opfer bei den Atomangriffen auf Hiroshima und Nagasaki 1945. Im Jahr 1946 wurde die Zahl der Verletzten und Toten für Hiroshima jeweils auf 70.000 bis 80.000 Personen geschätzt und für Nagasaki auf jeweils 35.000 Personen.357 Im Jahr 2002 waren die Zahlen genauer bekannt: In Hiroshima starben in den ersten zwei Tagen 64.000 355 Vgl. u. a. Howard 2004, S. 75; Mockaitis 2008, S. 39; Neumann 2009 a; S. 25. 356 Vgl. Montero 2017. 357 Vgl. U. S. Government Printing Office 1946, S. 15 ff. 105 Konzeptspezifikation: Theoretischer Ansatz des Neuen Terrorismus Personen, in Nagasaki 39.000 Personen. In den folgenden 4 Monaten in Hiroshima nochmals 64.000 Personen und in Nagasaki 39.000 Personen.358 In der letzten Statistik der Stadt Hiroshima beträgt die Zahl der Todesopfer im Jahr 1998 insgesamt 273.212 Personen und für Nagasaki insgesamt 137.339 Personen.359 Zu der Veränderung durch die Spätfolgen des Angriffs kommt ein weiterer Faktor, der zu unterschiedlichen Opferzahlen in den Quellen führt: Bei großen Angriffen ist die Lage meist unübersichtlich. Häufig werden die Opferzahlen zunächst geschätzt und zu einem späteren Zeitpunkt nach oben oder unten korrigiert. Dies war unter anderem der Fall bei den Angriffen am 11. September 2001 auf die Türme des World Trade Centers in New York. In der Datenbank, die für die Untersuchung genutzt wird, wird die Zahl der getöteten Personen beim Angriff auf die beiden Türme mit 2.763 Personen angegeben.360 Die Quellen hierzu stammen aus den Jahren 2001 und 2004. Kurze Zeit nach den Anschlägen gab es jedoch Schätzungen, die zwischen 4.000 und 6.800 Toten und Vermissten lagen, diese Zahlen wurden mit der Zeit wieder nach unten korrigiert wurden.361 Insgesamt kann davon ausgegangen werden, dass mit fortschreitender Zeit durch die technische Entwicklung, aber auch durch die mediale Verbreitung die Angaben zu Opferzahlen in Quellen präziser werden. Letztendlich folgt eine hohe Opferzahl der rationalen Logik terroristischer Organisationen. Zum einen möchten die Organisationen die Aufmerksamkeit eines möglichst großen Publikums auf sich ziehen, um Ihre Botschaften verbreiten zu können.362 Dies schaffen sie nur durch ständige Präsenz in den Massenmedien. Die immer weiter steigende Zahl der Opfer garantiert ihnen dauerhaft diese Präsenz, da der Nachrichtenwert der einzelnen Anschläge erhalten Bleibt, nach dem Motto: „… more violent cannot be ignored.“363 Des Weiteren verursacht der Tod von Personen extrem hohe Kosten für Staaten und Regierungen. Je nach Art des politischen Systems und der Ziele der terroristischen Organisationen können hohe Opferzahlen als grundsätzlichste Form der Gewalt zu unterschiedlichen, durch die terroristischen Organisationen beabsichtigten Reaktionen seitens der Staaten führen.364 358 Vgl. Manns/Hall 2002, S. 5. 359 Vgl. Umweltinstitut München 2005. 360 Vgl. National Consortium for the Study of Terrorism and the Responses to Terrorism (START) 2015 a, 200109110004/200109110005. 361 Vgl. BBC 2001; Evers 2001. 362 Vgl. Perl 1997, S. 144: Richardson 2007, S. 113. 363 Perl 1997, S. 147; vgl. auch Münkler 2001, S. 11. 364 Vgl. Kydd/Walter 2006, S. 56 ff. 106 Neuer Terrorismus als Untersuchungsgegenstand 07.08.1998: Bombenanschläge auf U. S. Botschaften: Nairobi (Kenia) und Dar es Salaam (Tanzania) Am 07.08.1998 begingen Mitglieder von Al Qaeda zwei simultane (im Abstand von vier Minuten) Bombenanschläge auf US-amerikanische Botschaften in Afrika, bei denen eine hohe Anzahl an Menschen getötet und verwundet wurde. Der erste Anschlag fand in Nairobi, in Kenia statt, bei dem 224 Menschen starben und 4.000 verletzt wurden. In Dar el Salaam in Tanzania starben 11 Menschen und 85 wurden verletzt. Der wirtschaftliche Schaden der Anschläge für die USA betrug insgesamt ungefähr 1.921 Billionen US-Dollar. Beide Bomben befanden sich in Fahrzeugen, die jeweils vor die Botschaften gefahren wurden. Bei dem Fahrzeug vor der Botschaft in Dar es Salaam handelte es sich um einen Tankwagen, einen Nissan Atlas Truck, und in Kenia um einen Toyota Dyna Truck. Die Auswahl der beiden Botschaften als Ziele wurde getroffen, da es besonders einfach war mit Fahrzeugen nah an die Objekte heranzukommen, ohne aufgehalten zu werden.365 Zu dem Anschlag bekannten sich die Mitglieder Al Qaedas unter dem Namen Islamic Army for the Liberation of the Holy Places. Das Bekennerschreiben wurde bereits vor dem Anschlag zur weiteren Verbreitung nach Baku gesendet und von dort nach dem Anschlag über London an die Medien in Paris, Doha und Dubai gesandt.366 Osama bin Laden, der den Anschlag mitgeplant hatte, hatte erneut in Fatwas sowohl im Jahr 1996 und im Februar und Mai 1998 als auch in einer Pressekonferenz im Mai 1998 den Jihad gegen die USA und die US-amerikanische Armee, die er als Feinde des Islam bezeichnete, erklärt. Er hatte die Muslime dazu aufgerufen, überall auf der Welt Amerikaner zu töten, egal ob Militärpersonal oder Zivilisten, mit dem Ziel die Amerikaner und die „Juden“ aus der Golfregion, dem heiligen Ort, zu vertreiben.367 Die USA erhoben 1998 gegen 21 Mitglieder von Al Qaeda, einschließlich Osama bin Laden, Anklage, unter anderem für die beiden Anschläge in Kenia und Tansania.368 Bis heute wurden von den Verdächtigen Wadih el Hage, Mohamed Rashed Daoud al-'Owahli, Mohamed Sadeek Odeh, Mamdouh Mahmud Salim, Ahmed Khaflan Ghailani und Khalid al Fawwaz als letzter am 15.05.2015 zu 365 Vgl. United States District Court, S. D. New York, United States 1998, S. 33 ff; Kean/Hamilton 2004, S. 68; Bolz/Dudonis/Schulz 2005, S. 258; National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism (START) 2015a, 199808070002/19980807003. 366 Vgl. United States District Court, S. D. New York, United States 1998, S. 40 f./43; Kean/Hamilton 2004, S. 69 f. 367 Vgl. United States 1998, S. 70 ff; United States District Court 1998, S. 30 f./33; Kean/Hamilton 2004, S. 47 ff./69 f; United States 2004, S. 129. 368 Vgl. United States District Court 1998, S. 1 ff. 107 Konzeptspezifikation: Theoretischer Ansatz des Neuen Terrorismus Tode verurteilt. Adel Abdel Bari wurde am 06.02.2015 zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt.369 Selbstmordattentate Für den Untersuchungsbereich „Selbstmordattentäter“ wird für die Untersuchung folgende konkretisierte Forschungshypothese formuliert: H1b: Wenn terroristische Anschläge zwischen 1993 und 2014 stattfanden, dann wurden anteilig häufiger Selbstmordattentate durchgeführt als bei Anschlägen zwischen 1970 und 1992. Selbstmordattentate stellen eine besondere Form von terroristischen Anschlägen dar, bei denen die Täter nicht nur in Kauf nehmen selbst getötet zu werden, sondern ihren Tod sogar beabsichtigen. Die Attentäter sind sich darüber bewusst, dass der Anschlag nur erfolgreich ausgeführt werden kann, wenn sie selbst dabei sterben.370 Im Kontext der vorliegenden Untersuchung werden Selbstmordattentate als Mittel terroristischer Organisationen verstanden. Das Selbstmordattentat ist eine besondere Art Waffe, die sich aus der Kombination der tatsächlich eingesetzten technischen Waffen und dem Täter ergibt. Ein Selbstmordattentat kann grundsätzlich mit jeder Art von Waffe ausgeführt werden, jedoch steht besonders der Sprengstoff in Form eines Sprengstoffgürtels, einer Sprengstoffweste oder eines mit Sprengstoff beladenen Verkehrsmittels sinnbildlich für die Waffe des Selbstmordattentäters. Neben der eingesetzten physischen Waffe lassen sich Selbstmordattentate auch nach den Attentätern unterscheiden. Alter und Geschlecht spielen hierbei eine besondere Rolle. Eine als besonders grausam wahrgenommene Form der Selbstmordattentate ist der Einsatz von Frauen und Kindern, da sie in vielen Kulturen sinnbildlich für Schwäche und Unschuld stehen. Für die terroristischen Organisationen stellen sie jedoch die idealen Attentäter dar. Die mediale Aufmerksamkeit ist größer als bei männlichen, erwachsenen Attentätern. Kinder sind leichter zu beeinflussen als Erwachsene, und Frauen gelten als unterwürfiger der Organisation gegenüber und gleichzeitig als skrupelloser bei der Ausführung der Attentate als Männer. Auch ist es für beide leichter unauffällig und als Täter unerkannt durch Kontrollen zu kom- 369 Vgl. Federal Bureau of Investigation/United States Department of Justice 1998, S. 11; Federal Bureau of Investigation 2003; Hirschkorn 2004; Richey 2011; Mc Kinley 2015; Weiser 2015. 370 Vgl. Ganor 2000, S. 6 f; Dolnik 2006, S. 153; Horowitz 2008; Anderson/Sloan 2009, S. 646; Kushner 2011, S. 563. 108 Neuer Terrorismus als Untersuchungsgegenstand men, zum Beispiel in Form einer verkleideten schwangeren Frau mit einer als Babybauch getarnten Bombe.371 Bereits im zweiten Weltkrieg führten die Kamikaze-Flieger der Japanischen Armee Selbstmordattentate aus, indem sie die U. S. Marine mit Ihren Flugzeugen angriffen. Die Soldaten lenkten Ihre Flugzeuge direkt in die Schiffe und töteten auf diese Weise bis zum Ende des Krieges mehrere tausend U. S. Soldaten. Wie für Michael Horowitz steht die terroristische Organisation Hezbollah bei vielen Autoren für den Anfang der Selbstmordattentate im modernen Terrorismus: „Hezbollah was really thought of as an innovator, the first mover.”372 Die aus dem Libanon stammende schiitische Hezbollah führte seit Anfang der achtziger Jahre Selbstmordattentate durch. Im Jahr 1983 fuhr ein Attentäter der Hezbollah einen mit Sprengstoff beladenen Van in die U. S. Botschaft in Beirut und tötete 63 Personen. Michael Horowitz bezeichnet im Gegensatz zu den meisten Quellen jedoch einen Anschlag aus dem Jahr 1982 auf eine Israelische Militäranlage als das erste Selbstmordattentat der Hezbollah. Dieser Anschlag wird allerdings in anderen Quellen der PLO zugeordnet. Adam Dolnik bezeichnet einen noch früheren Anschlag auf die israelische Botschaft in Beirut im Jahr 1981 durch ein Mitglied der al Dawa als das erste Selbstmordattentat in der Geschichte des modernen Terrorismus.373 Die bis heute bekanntesten Selbstmordanschläge waren jedoch die Anschläge von Al Qaeda auf die Türme des World Trade Centers, das Pentagon und der versuchte Anschlag auf das Weiße Haus am 11.09.2001. In diesem Fall wurden als Waffen entführte Flugzeuge eingesetzt, die von den Terroristen in die Gebäude gelenkt wurden.374 Nicht nur religiöse terroristische Organisationen, sondern auch einige nationalistisch-separatistische Organisationen, wie die LTTE oder die Workers’ Party of Kurdistan (PKK), führten in der Vergangenheit Selbstmordattentate durch. Es gibt jedoch eine besondere Verbindung zwischen der Religion des Islams und Selbstmordattentaten: Das Märtyrertum375 und die Heilsversprechung des Paradieses sind Momente des islamischen Glaubens, die weit in dessen Geschichte zurückreichen und bis heute als Rechtfertigungen für Selbstmordattentate herhalten müssen. Die zwei bekanntesten Erzählungen sind die des Hasa-i Sabbah, dem „Alten vom Berg“ und von Hysayn ibn Ali und seiner Frau Fatima. Laut der Überlieferung lie- 371 Vgl. Schweitzer 2000; Gunaratna 2003, S. 223; Griset/Mahan 2003, S. 192f; Bloom 2005a, S. 55f; Dolnik 2006, S. 166. 372 Horowitz 2008. 373 Beide früheren Anschläge werden auch in der Global Terrorism Database aufgeführt. Vgl. Schweitzer 2000; Dolnik 2006, S. 153; Horowitz 2008; Kushner 2011, S. 563; National Consortium for the Study of Terrorism and the Responses to Terrorism (START) 2015a, 198112150003/198211110015. 374 Vgl. Anderson/Sloan 2009, S. 648 f; Kushner 2011, S. 565 f. 375 Entspricht dem arabischen Wort „shahid“ und bedeutet „Zeuge“. Vgl. Palazzi 2000, S. 55. 109 Konzeptspezifikation: Theoretischer Ansatz des Neuen Terrorismus fen Hysayn ibn Ali und seine Frau Fatima, die dem schiitischen Glauben angehörten, in der Nähe der Stadt Karbala sunnitischen Truppen entgegen. Obwohl Hysayn ibn Ali davon träumte, dass sie diese Begegnung nicht überleben würden, liefen er und seine Frau weiter in Richtung Ihrer vermeintlichen Mörder und wurden bei ihrer Ankunft wie erwartet getötet.376 Während Hysayn ibn Ali und seine Frau der Erzählung nach auf eine Versöhnung mit den Sunniten aus waren, als sie ihrem Tod entgegen liefen, spielt Gewalt in der Geschichte von Hasan-i Sabah dagegen eine entscheidende Rolle. Dieser führte die ismailitische Geheimsekte der Assassinen an, mit denen er sich im Nordiran auf der Festung Alamut verschanzt hatte. Deren Mitglieder glaubten, sie seien von Gott beauftragt worden, eine Botschaft zu verkünden. Sie waren überzeugt, ihre Taten würden sie zu Märtyrern machen und ihnen nach dem Tod den Weg ins Paradies eröffnen. Hasan-i Sabbah brachte die jungen Männer dazu dies zu glauben, indem er sie mit Drogen betäubt in den Garten seines Anwesens bringen ließ und Ihnen nach dem Aufwachen einredete, es handle sich um das Paradies. Danach ließ er sie auf dieselbe Weise wieder aus seinem Garten holen und verkündete Ihnen, dass ihre Rückkehr nur möglich sein, wenn sie seine Mordaufträge erfüllen würden, auch wenn sie sich bei der Ergreifung töten lassen würden.377 Grundsätzlich ist die Selbsttötung im Islam laut des Korans verboten. Der Tod im Kampf auf dem Schlachtfeld, das Märtyrertum, wird jedoch von den Rechtsgelehrten nicht als feiger Selbstmord ausgelegt, sondern als die mutige Erfüllung des Willen Gottes. Zudem wähle der Märtyrer seinen Tod nicht selbst, da dieser durch Gott vorbestimmt sei. Dem Märtyrer wird die Vergebung aller Sünden, die Einkehr ins Paradies und die Versorgung seiner Familie versprochen, die nach seinem Tod durch islamische Organisationen finanziell und spirituell unterstützt wird. Außerdem kann er sich für 70 Familienmitglieder ebenfalls einen zukünftigen Platz im Paradies wünschen.378 Mit dieser religiösen Sicht erscheint einen Selbstmordattentate für Attentäter als rationale Entscheidung, da es ihnen einen hohen Nutzen bringt. Das Moment des Märtyrertums beschränkt sich allerdings nicht alleine auf den islamischen Glauben, auch im christlichen Glauben werden Märtyrer, wie zum Beispiel Jesus Christus als einer beschrieben wurde, verehrt. Auch einige der japanischen Kamikaze-Flieger glaubten, dass sie ins Paradies kommen würden, wenn sie nach Ihrem Anschlag in einem Yasukuni-Schrein verehrt werden.379 Viele der Selbstmordattentate werden durch religiöse bzw. islamische terroristische Organisationen ausgeführt. Die persönlichen, religiösen Gründe der einzelnen 376 Vgl. Kushner 2011, S. 564. 377 Vgl. Lewis 1989, S. 22 f; Heine 2004, S. 46 ff. 378 Vgl. Lewis 1989, S. 30 ff; Hassan 2001; Hoffman 2006, S. 248; Kushner 2011, S. 564. 379 Vgl. Poland 2005, S. 209. 110 Neuer Terrorismus als Untersuchungsgegenstand Attentäter werden an dieser Stelle explizit erwähnt, da sie den terroristischen Organisationen von großem Nutzen sind. Zum einen vereinfacht der Glaube an das Märtyrertum und das Paradies die Rekrutierung von Anhängern, die bereit sind sich für die Ziele der Organisation zu opfern.380 Nasra Hassan berichtete von einem Interview mit einem Führer der Hamas, der von „… hordes of young men who beat on our doors, clamoring to be sent“, sprach.381 Zum anderen führt die Verehrung der Märtyrer zu einer höheren Akzeptanz der Taten und somit auch zu einer höheren Akzeptanz der Ziele und Opfer bei den Anhängern der terroristischen Organisation. Es gibt aber auch noch weitere rationale Gründe der Organisationen, Selbstmordattentate überhaupt durchzuführen. Ein Selbstmordattentat kann aus vielen Gründen Nutzen für terroristische Organisationen bringen. Bruce Hoffman fasst die rationale Logik und die Vorteile eines Selbstmordattentats wie folgt zusammen: „Der Selbstmordattentäter ist die denkbar effektivste smart bomb, eine menschliche Rakete, die unaufhaltsam und dabei flexibel hinsichtlich des Timings und der Zugangswege auf ihr Ziel zusteuert.“382 Bereits in der Vorbereitung eines Selbstmordattentats zeigen sich die Vorteile: Die Herstellung eines geeigneten Sprengsatzes ist relativ einfach und billig. Nasra Hassan beziffert die Kosten eines durchschnittlichen Selbstmordattentats auf 150 US-Dollar für die Herstellung der Bombe und zwischen 3.000 und 5.000 US-Dollar als Gabe der terroristischen Organisation für die Familie des Attentäters.383 Da der Attentäter vor Ort die Bombe zünden kann, entfällt der Einbau einer Zeitschaltuhr oder eines Fernzünders. Diese beiden Komponenten gehören mit zu den kompliziertesten Teilen einer Bombe. Auch der Transport und die Positionierung am Zielort sind effektiver. Der Attentäter kann sich unbemerkt dem Zielort nähern und noch rechtzeitig situativ Entscheidungen treffen, um Zeitpunkt und Ort der Detonation zu optimieren. Ändern sich die Umstände, kann er sich noch anpassen. Eine einmal deponierte Bombe mit Zeitschaltuhr dagegen wäre den Umständen ausgeliefert. Selbst der Tod des Attentäters bringt der Organisation einige Vorteile. Im Verhältnis zu dem angerichteten Schaden begrenzt sich der Verlust auf diese eine Person. Die schwierige Planung einer Flucht entfällt, ebenso wie die Gefahr der Ergreifung. Bei dieser könnte der Attentäter in Verhören Informationen preisgeben, die zum Schaden der terroristischen Organisation wären. Der größte Nutzen eines Selbstmordattentats ergibt sich für die terroristischen Organisationen jedoch aus den Folgen des Anschlags. Die optimierte Positionierung des Sprengsatzes führt zu einer hohen 380 Vgl. Atran 2006, S. 128; Kushner 2006, S. 365. 381 Hassan 2001. 382 Hoffman 2006, S. 13. 383 Vgl. Hassan 2001. 111 Konzeptspezifikation: Theoretischer Ansatz des Neuen Terrorismus Menge an Toten und Verletzten, was häufig zu einer ausführlichen Berichterstattung in den Medien führt.384 Neben der praktischen Ebene spielen vor allem taktische Überlegungen bei der Entscheidung Selbstmordattentate einzusetzen für die terroristischen Organisationen eine große Rolle. Die Berichterstattung in den Medien ist ein großer Vorteil für die terroristischen Organisationen, da sie Aufmerksamkeit für ihre Existenz und ihr Anliegen – auch weltweit – bringt. Dadurch wird die Botschaft des Anschlags gezielt an die unterschiedlichen Adressaten verteilt. Zum einen wird als beobachtendes Publikum der „interessierte Dritte“ angesprochen, der nicht direkt betroffen, von der Ferne aus das Geschehen beobachtet. Die Organisation versucht bei diesem Publikum eine Solidarisierung und Unterstützung zu erreichen, indem sie die Taten auf perfide Weise nutzt, um sich selbst als Opfer darzustellen. Die Ausführung eines Selbstmordattentats soll die Aussichtslosigkeit der Täter demonstrieren, die durch die aktuelle Situation oder das Verhalten anderer Akteure bedingt wird.385 Gleichzeitig wird der gegnerische Akteur, meist ein Staat oder eines seiner Organe, als eigentlicher grausamer Täter dargestellt, der Menschen dazu bringt sich selbst zu opfern. Dieser Eindruck beim Publikum kann sich zusätzlich noch durch die harte Gegenreaktion dieses Akteurs verstärken. Umso härter dessen Reaktion auf das Attentat, umso mehr können sich die Anhänger der Organisationen als Opfer präsentieren. Sind die Maßnahmen besonders strikt, was häufig bei autoritären Systemen der Fall ist, kann es auch zu Einschränkungen der Grund- und Freiheitsrechte der Bürger des betroffenen Gebiets kommen. Dieses Verhalten bestätigt bei den Bürgern weiter den Eindruck eines „grausamen“ Staates.386 Die Aufmerksamkeit, die in den Medien durch die Anschläge erreicht wird, hilft den terroristischen Organisationen auch, sich von anderen konkurrierenden terroristischen Organisationen abzusetzen.387 Für die eigenen Anhänger soll ein Selbstmordattentat Inspiration sein und ihre Motivation stärken, indem es Entschlossenheit und Stärke der terroristischen Organisation und ihrer Mitglieder demonstriert. Die Heroisierung des Attentäters kann bei der Rekrutierung neuer Anhänger und neuer Attentäter helfen. Gleichzeitig ist diese Demonstration von Entschlossenheit und Stärke geeignet, um den Gegner einzuschüchtern und zu zeigen, dass die Organisation und Ihre Anhänger bereit sind, bis zum Äußersten zu gehen und sogar den eigenen Tod in Kauf zu nehmen. Diese Demonstration von Stärke ist vor allem in 384 Vgl. Ganor 2000, S. 8 f; Pape 2003, S. 4 f; Dolnik 2006, S. 154; Poland 2005, S. 226; Martin 2006, S. 364; Hoffman 2006, S. 212 ff. 385 Vgl. Ganor 2000, S. 8; Bloom 2005 b, S. 113 f; Dolnik 2006, S. 156. 386 Vgl. Dolnik 2006, S. 156. 387 Vgl. Bloom 2005 b, S. 138. 112 Neuer Terrorismus als Untersuchungsgegenstand liberalen demokratischen Systemen erfolgreich. Durch die steigenden Kosten der Verluste und den Druck der Bevölkerung werden die Systeme gezwungen, auf die Forderungen der terroristischen Organisationen einzugehen.388 Bei den direkt betroffenen Personen im nahen Umfeld des Selbstmordattentats, verursacht der Anschlag neben den physischen Schäden auch psychologische Schäden. Die Normalität des Alltags wird zerstört, indem sich die Bevölkerung einer permanenten Bedrohung ausgesetzte sieht. Jede Person im Umfeld könnte ein potentieller Selbstmordattentäter sein. Diese Erkenntnis, dass der Staat seine Bürger nicht beschützen kann, führt zu Angst, Hilflosigkeit, Verletzlichkeit und dem Gefühl von Unsicherheit im Alltag.389 Die Ausführung eines Selbstmordattentats kann jedoch auch Kosten für die terroristische Organisationen bedeuteten, z. B. wenn es von der moderaten Unterstützerbasis nicht akzeptiert wird und diese wegbricht.390 Der Einsatz kann insgesamt jedoch als rationale Auswahl eines Mittels der terroristischen Organisationen zur Umsetzung ihrer Strategien verstanden werden. Mia Bloom beschreibt diese Entscheidung als Lernprozess terroristischer Organisationen: Haben andere Strategien und Mittel keine Erfolge für die Organisation gebracht, werden sie auch auf diese Art von Anschlägen zurückgreifen. Passt der Einsatz dieses Mittels nicht zur Logik der jeweiligen Ideologie der Organisationen, führt sie die Entscheidung darauf zurück, dass das Überleben der Organisation als politisches Ziel in diesem Moment wichtiger ist als die Ideologie selbst. Diese strikte Rationalität versuchen die Organisationen jedoch zu überspielen und sich selbst als irrational darzustellen. Dadurch verstärken sie den Eindruck, dass die Anschläge unvorhersehbar sind und nicht strategisch bekämpft werden können. Erkennen die Organisationen, dass der Einsatz von Selbstmordattentaten nicht zielführend ist und Ihnen Kosten verursacht, die den Nutzen übersteigen, werden sie Ihre Taktik anpassen und den Einsatz dieses Mittels einstellen.391 11.09.2001: Anschläge auf das World Trade Center in New York, das Pentagon in Arlington und das Capitol in Washington D. C. (U. S. A.) Am 11.09.2001 ereigneten sich in den USA vier simultan geplante Flugzeugentführungen, die drei unterschiedliche Angriffsziele als Destination hatten. Die erste Maschine war der American Airlines Flight 11 mit 76 Passagieren und 11 Crewmitgliedern, der um 07:59 Uhram Logan International Airport in Boston Massachusetts startet 388 Vgl. Pape 2003, S. 4; Bloom 2005 b, S. 114; Dolnik 2006, S. 156. 389 Vgl. Ganor 2000, S. 8 f; Hoffman 2003; Dolnik 2006, S. 156. 390 Vgl. Pape 2003, S. 3 f. 391 Vgl. Bloom 2005 b, S. 131/133. Siehe auch: Pape 2003, S. 8. 113 Konzeptspezifikation: Theoretischer Ansatz des Neuen Terrorismus um nach L. A., Kalifornien zu fliegen.392 Die Maschine wurde gegen 08:14 Uhr von fünf Attentätern, Mohamed Atta, Abdul Aziz al Omari, Satam al Suqami, Waleed al Shehri und Wail al Shehri übernommen und gegen 08:46 Uhr zwischen das 93 und 99 Stockwerk des Nordturms des World Trade Centers gelenkt. Eine weitere Maschine, der United Arlines Flight 175, der seit 08:14 Uhr ebenfalls vom Logan International Airport auf dem Weg nach L. A., Kalifornien war, wurde kurz darauf um ca. 08:47 Uhr von weiteren fünf Attentätern übernommen: Marwan al Shehhi, Fayez Ahmed Banihammad, Ahmed al Ghamdi, Hamza al Ghamdi und Mohan al Shehri. Die Maschine mit 56 Passagieren und neun Crewmitglieder an Board flog um 09:03 Uhr zwischen dem 77 und 85 Stockwerk in den Südturm des World Trade Centers. Dieser stürzte um 09:59 Uhr ein, gefolgt von dem Nordturm, der um 10:28 in sich zusammenbrach. Bei den beiden Anschlägen kamen zusammen insgesamt 2.763 Menschen ums Leben.393 Der American Airlines Flight 77, der um 08:20 Uhr auf dem Washington Dulles International Airport gestartet war, um nach Los Angeles zu fliegen, wurde gegen 08:51 Uhr von Hani Hanjour, Khalid al Mihdhar, Nawaf al Hazmi, Salem al Hazmi, Majed Moqed gekidnappt. Die Maschine wurde von den Attentätern gegen 09:37 Uhr in das Pentagon in Virginia, Arlington gelenkt. Bei dem Absturz kamen alle 53 Passagiere, sechs Crewmitglieder, aber auch 125 Personen, davon 70 Zivilisten und 55 Personen des Militärpersonals, die sich zu dieser Zeit im Pentagon aufhielten, ums Leben.394 Die vierte Maschine, der United Airlines Flight 93, startete als letzte um 08:42 vom International Airport in Newark, New Jersey, um nach San Francisco, Kalifornien zu fliegen. Sie wurde auch als letzte gegen 09:28 Uhr von vier Attentätern übernommen: Ziad Samir Jarrah, Saeed al Ghamdi, Ahmad Ibrahim A. al Haznawi, Ahmed al Nami. 392 Die Abflugzeiten der einzelnen Quellen weichen voneinander ab. Die unterschiedlichen Zeitangaben resultieren zum Teil aus der ungenauen Differenzierung zwischen dem Zeitpunkt des Abfahrens auf dem Gate und dem tatsächlichen Zeitpunkt des Abhebens der Maschine, bzw. der geplanten Abflugzeit ohne Verspätungen. Im vorliegenden Text werden die Zeiten des Abhebens der Maschine herangezogen. Vgl. United States Department of State 2002, S. 1 f; Federal Bureau of Investigation/United States Department of Justice 2004, S. 14 f; Kean/Hamilton 2004, S. 1 ff; National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism (START) 2015a, 200109110004/2 00109110005/200109110006/200109110007. 393 Vgl. United States Department of State 2002, S. 1 f; Federal Bureau of Investigation/United States Department of Justice 2004, S. 14 f; Kean/Hamilton 2004, S. 1 f./4 ff./285; Bolz/Dudonis/Schulz 2005, S. 328 ff; National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism (START) 2015 a, 200109110004/200109110005. 394 Vgl. United States Department of State 2002, S. 1 f; Federal Bureau of Investigation/United States Department of Justice 2004, S. 14 f; Kean/Hamilton 2004, S. 2 f./8 ff./314; National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism (START) 2015 a, 200109110006. 114 Neuer Terrorismus als Untersuchungsgegenstand Im Gegensatz zu den anderen drei Flügen, befanden sich an Bord der Maschine nur vier Attentäter. Diese hatten ursprünglich das Kapitol in Washington D. C. zum Ziel, konnten aber durch das Eingreifen der Passagiere davon abgehalten werden. Letztendlich stürzte die Maschine um 10:03 Uhr über einem verlassenen Feld in Stoony Creek Township, Pennsylvania, nahe der Stadt Shanksville ab. Bei dem Absturz starben neben den Attentätern auch 33 Passagiere und sieben Crewmitglieder.395 Für die Anschläge verantwortlich war Al Qaeda unter der Leitung von Osama bin Laden. Die Idee zu dieser Art von Anschlägen kam jedoch ursprünglich von Khalid Sheikh Mohammed, der bereits für den ersten Anschlag auf das World Trade Center 1993 verantwortlich war. Ihm entsprang sowohl die Idee mit mehreren Flugzeugenentführungen gleichzeitig Ziele in den USA anzugreifen, als auch New York als wirtschaftliches Zentrum der Macht als Ziel auszuwählen. Zwischen Ende 1998 und Anfang 1999 bekam Khalid Sheikh Mohammed von Osama bin Laden den Auftrag mit den Planungen zu den Anschlägen zu beginnen.396 Zu den Attentäter, die für die Anschläge von Osama bin Laden ausgewählt wurden, gehörten unter anderem auch drei in Deutschland lebende Männer, Ziad Samir Jarrah, Mohamed Atta und Marwan al Shehhi, die sogenannte „Hamburger Zelle“. Alle Attentäter wurden in einem langen Prozess auf die Anschläge vorbereitet: Trainingscamps zur mentalen und physischen Vorbereitung, Flugtraining, Englischstunden, die Beschaffung von Visa für die USA und optische Veränderungen, die sie unauffälliger machen sollten. Die Operation wurde vollständig durch Gelder von Al Qaeda und Khalid Sheikh Mohamed finanziert.397 Gewissheit über die Verantwortung für die Anschläge kamen von Al Qaeda bzw. Osama bin Laden selbst. Er und weitere Mitglieder von Al Qaeda bekannten sich in mehreren Videobotschaften zu den Anschlägen. Nach dem 11. September 2001 tauchten unter anderem bei dem Sender Al Jazeera immer wieder Videobotschaften auf. In einer vom Dezember 2001 spricht Osama bin Laden über die Planung der Anschläge, in einer späteren sind Osama bin Laden, Ayman al Zawahiri und zwei Attentäter des 11. September 2001 vor den nachträglich eingefügten brennenden Türmen des World Trade Centers zu sehen.398 395 Das United States Department of State verzeichnet für den Flug 45 verunglückte Passagiere, einschließlich der Crewmitglieder und Attentäter. Vgl. United States Department of State 2002, S. 1 f; Federal Bureau of Investigation/United States Department of Justice 2004, S. 14 f; Kean/Hamilton 2004, S. 4/10 ff; National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism (START) 2015 a, 200109110007. 396 Vgl. Kean/Hamilton 2004, S. 145/153 f. 397 Vgl. Kean/Hamilton 2004, S. 160 ff. 398 Vgl. Borger 2001; Spiegel online 2002; CNN online 2001; The Guardian 2002. 115 Konzeptspezifikation: Theoretischer Ansatz des Neuen Terrorismus Massenvernichtungswaffen Für den Untersuchungsbereich „Massenvernichtungswaffen“ wird für die Untersuchung folgende konkretisierte Forschungshypothese formuliert: H1c: Wenn terroristische Anschläge zwischen 1993 und 2014 stattfanden, dann wurden anteilig häufiger Massenvernichtungswaffen eingesetzt als bei Anschlägen zwischen 1970 und 1992. Unter Massenvernichtungswaffen werden bestimmte Arten von nicht-konventionellen Waffen verstanden, die in der Lage sind, große Mengen von Menschen zu töten und daher diesen Namen tragen.399 Diese sogenannten Massenvernichtungswaffen werden aus chemischen, biologischen, radioaktiven oder nuklearen Stoffen hergestellte. Diese Stoffe müssen zur ihrer Anwendung in einer Massenvernichtungswaffe in einer speziellen Form vorliegen, die man als Waffenfähigkeit bezeichnet. Die Waffenfähigkeit eines Stoffes ist abhängig von spezifischen Eigenschaften, wie zum Beispiel dessen Partikelgröße oder seinem Aggregatszustand. Sobald ein Stoff durch natürliche oder künstliche Prozesse eine Waffenfähigkeit erreicht hat, spricht man von einem Kampfstoff, der in seiner reinen Form oder mithilfe technischer Geräte bei einem Einsatz zu einer Waffe wird.400 Die ersten eingesetzten Massenvernichtungswaffen waren als biologische Waffen eingesetzte Stoffe, wie verweste Tierkadaver, Schimmel, Gifte aus Pflanzen und Tieren, Keime und Krankheitserreger. Sie wurden aber nicht von einzelnen Attentätern genutzt, die zum Ziel hatten eine Bevölkerung in Schrecken zu versetzen oder eine Botschaft zu verbreiten. Hauptsächlich wurden sie seit der Antike von Staaten zur Kriegsführung angewandt. Dabei war die Auslöschung des Kriegsgegners oder der verfeindeten Volksgruppe das vornehmliche Ziel.401 Auch der erste große Einsatz chemischer Kampfstoffe ereignete sich im Kontext eines Krieges zwischen Staaten. Im ersten Weltkrieg wurden von allen Parteien Angriffe auf den Gegner mit chemischen Gasen, hauptsächlich Chlorgas und Gelbkreuz (auch als Senfgas bekannt), unternommen und vergifteten im Laufe dieses Krieges fast eine Million Menschen. Im Verlauf der Rüstungsspirale zwischen den USA und Russland wurde die Entwicklung neuer chemischer Kampfstoffe weiter vorangetrieben. Einer der bekanntesten 399 Massenvernichtungswaffen werden auch häufig auch als CNBR-Waffen (Chemische, Biologische, Nukleare und Radioaktive Waffen) bezeichnet. 400 Vgl. Carus 2001, S. 16; Dando/Nixdorff 2009, S. 11 f; The Centre for Excellence in Emergency Preparedness o. A., S. 1. 401 Vgl. Höfer 2002, S. 148; Bolz/Dudonis/Schulz 2005, S. 131; Dando/Nixdorff 2009, S. 1. 116 Neuer Terrorismus als Untersuchungsgegenstand großen Einsätze mit chemischen Kampfstoffen fand 1988 im zweiten Golfkrieg in Halabdja durch Saddam Hussein statt, bei dem mehrere tausend Kurden starben.402 Bereits zwischen 1942 und 1945 wurde in den USA die erste Atombombe entwickelt. Am 16.07.1945 wurde in der Wüste von Mexiko auf dem Testgelände „Trinity“ die erste Plutoniumbombe getestet. Zu einem ersten Einsatz einer nuklearen Waffe kam es am 06.08.1945 als die Uranbombe „Little Boy“ über Hiroshima abgeworfen wurde, durch die in den folgenden vier Monaten nach dem Angriff fast 140.000 Menschen starben. Drei Tage später wurde die Plutoniumbombe „Fat Man“ über Nagasaki abgeworfen, wobei ebenfalls ca. 80.000 Personen in diesem Zeitraum ums Leben kamen. Insgesamt fielen beiden Bomben inklusive der Strahlenopfer nach fünf Jahren ca. 340.000 Menschen zum Opfer.403 Aktuell existieren etwa 15.000 nukleare Waffen weltweit, von denen sich 93 % in Russland befinden. Circa 1.800 dieser nuklearen Waffen wären zum sofortigen Einsatz bereit.404 Um als terroristisches Mittel bestehen zu können, müssen Massenvernichtungswaffen zum einen Eigenschaften aufweisen, die den terroristischen Organisationen in besonderer Weise dabei helfen ihre Ziele zu erreichen und zum anderen zumindest theoretisch beschaffbar, herstellbar und erfolgreich als Waffen einsetzbar sein. Hinsichtlich der potentiellen Kosten dieser Waffen für die terroristischen Organisationen kann in Frage gestellt werden, ob diese überhaupt sowohl technisch in der Lage als auch moralisch und strategisch willens sind, Massenvernichtungswaffen einzusetzen. Insgesamt lässt sich hierzu festhalten, dass aus der Logik des rationalen Terrorismus heraus für den Einsatz von Massenvernichtungswaffen spricht, dass sie im besten Fall einen hohen Schaden im Sinne vieler Toter und Verletzter erzeugen können und somit ein hohes Bedrohungspotential besitzen. Zum anderen kann ein Angriff mit Massenvernichtungswaffen unbemerkt und überraschend erfolgen, was das Schreckenspotential dieser Waffen für die Opfer erhöht. Allerdings besteht hierbei auch die Gefahr, dass der Angriff praktisch als terroristischer Angriff unbemerkt bleibt. S.R. Klee, D. Jacob, H. Nattermann und B. Appel verweisen zum Beispiel auf „… unspezifische(n) klinische(s) Symptome, die schwer als biologischer Anschlag zu erkennen und diagnostizieren sind …“ hin.405 Die Diagnostik dürfte vor allem in Ländern mit schlechter technischer und medizinischer Infrastruktur schwer sein, wodurch die Symptome durch Angriffe mit biologischen, aber auch mit chemischen Massenvernichtungswaffen oft anderen Ursachen zugeordnet oder gar nicht entdeckt werden. Es besteht für die terroristischen Organi- 402 Vgl. Laqueur 1999, S. 56; Höfer 2008 S. 149 f. 403 Vgl. U. S. Government Printing Office 1946, S. 3 ff; Umweltinstitut München 2005; Schröter 2009. 404 Vgl. Kristensen/Norris 2017, S. 289. 405 Klee/Jacob/Nattermann/Appel 2003, S. 936. 117 Konzeptspezifikation: Theoretischer Ansatz des Neuen Terrorismus sationen auch die Gefahr, selbst Opfer dieser Waffen bei Herstellung und Verbreitung zu werden oder Bevölkerungsgruppen, die als Unterstützer gelten, zu Opfern zu machen. Ebenso kann die Grausamkeit und moralische Verwerflichkeit des Einsatzes Unterstützergruppe abschrecken. Auch hohe Kosten in Form logistischer und technischer Hürden bei der Beschaffung, Herstellung und Verbreitung dieser Waffen sprechen eher gegen einen Einsatz, da sie mitunter den Nutzen übersteigen können. Die Autoren des Diskurses um den Neuen Terrorismus sprechen von Anschlägen mit Massenvernichtungswaffen, ohne dabei eine spezielle Art herauszustellen. Es handelt sich jedoch um vier grundlegend verschiedene Kampfstoffe, die sehr unterschiedliche Eigenschaften aufweisen. Zum besseren Verständnis von Nutzen und Kosten der einzelnen Arten von Massenvernichtungswaffen werden im Folgenden die einzelnen Arten vorgestellt und Vorteile und Herausforderungen bei der Beschaffung, Herstellung, Verbreitung und Wirkung in zwei Exkurs ausgeführt. – Exkurs 1: Biologische und chemische Massenvernichtungswaffen – Biologische Kampfstoffe sind Erreger und Toxine, die in Abhängigkeit von Verfügbarkeit, Verbreitungsart, Morbidität und Mortalität und der Möglichkeit medizinischer Behandlung gemäß des Centers for Disease Control and Prevention in drei Kategorien unterteilt werden: A, B, C. Die Erreger der Kategorie A, zu der unter anderem Anthrax, Pest, Tularämie, Pocken, Ebola und das Botulinum-Toxin gehören, haben aufgrund ihrer Eigenschaften das höchste Potential als biologische Kampstoffe eingesetzt zu werden. Es wird davon ausgegangen, dass sie am wahrscheinlichsten zu terroristischen Zwecken eingesetzt werden, da sie am leichtesten verbreitet werden können und gleichzeitig eine hohe Mortalität aufweisen. Auch Erreger, die in Kategorie B eingeteilt werden, haben ein Potential als biologische Kampfstoffe eingesetzt zu werden. Diese Erreger und Toxine, wie zum Beispiel das Melioidose Bakterium oder Ricin, zeichnen sich ebenfalls durch eine leichte Verbreitung und hohe Morbidität aus, haben jedoch eine geringere Mortalität.406 Bioterroristisch relevante Erreger sind pathogene Erreger, d. h. sie sind natürlich vorkommende Mikroorganismen. Dazu zählen Bakterien, Viren, Pilze und Parasiten. Unter diesen pathogenen Erregern werden Bakterien am häufigsten als Kampfstoffe verwendet, da sie weniger empfindlich gegenüber Umwelteinflüssen sind als Viren. Toxine dagegen sind Gifte, die durch lebende Organismen produziert werden und befinden sich somit praktisch zwischen den biologischen und den chemischen Kampfstoffen. Toxine sind 406 Vgl. Klee et al. 2003, S. 936; Pauli/Ellerbrok 2003, S. 976 f; Mockaitis 2008, S. 85; Dando/Nixdorff 2009, S. 8 f. 118 Neuer Terrorismus als Untersuchungsgegenstand wesentlich giftiger als künstliche Chemikalien und auch weniger flüchtig. Sie werden jedoch seltener eingesetzt als die pathogenen Erreger, da sie im Gegensatz zu diesen nur in großen Mengen wirksam sind. Außerdem ist ihre Herstellung schwieriger, da sie sich im Gegensatz zu den pathogenen Erregern nicht selbst-replizieren und in kurzer Zeit nicht große Mengen hergestellt werden können.407 Chemische Kampstoffe dagegen sind künstlich hergestellte Stoffe, die als chemische Waffen eingesetzt werden können, dazu können auch „dual use“-Substanzen gezählt werden, die sich sowohl für industrielle als auch für militärische Zwecke nutzen lassen.408 Da die Grundzutaten alle aufgrund dieses industriellen Einsatzes leicht zu beschaffen sind, werden chemische Stoffe nicht in Gefahrenklassen aufgeteilt, sondern insgesamt als potentielle Kampfstoffe angesehen. Die Unterteilung der chemische Kampfstoffe in Gruppen erfolgt nach dem Organsystem, das zuerst von diesen angegriffen wird: Nervenkampstoffe, Blutkampfstoffe, Lungenkampstoffe und Hautkampfstoffe. Aber auch Reizkampfstoffe und Psychotoxische Kampstoffe (Halluzinogene) werden als chemischen Kampfstoffen bezeichnet. Sie können in festem, flüssigem oder gasförmigem Zustand auftreten und werden über die Haut, die Atmung oder Nahrung aufgenommen. Sie sind an Geruch, Farbe und Reaktion bei Kontamination voneinander unterscheidbar. Im Gegensatz zu biologischen Kampfstoffen aus pathogenen Erregern, zeigen sich die Symptome nach einer Kontamination mit chemischen Substanzen ähnlich schnell wie bei den Toxinen.409 Sowohl biologische als auch chemische Kampstoffe haben unterschiedliche Eigenschaften hinsichtlich Beschaffung, Herstellung, Verbreitung, Wirkung. Dabei sind es spezifische Eigenschaften wie Toxizität, Inkubationszeit, Infektiosität, Wirkungsdauer, Durchdringungsvermögen, Undetektierbarkeit oder die Kontrollierbarkeit von Faktoren wie Flüchtigkeit, Stabilität, Sesshaftigkeit und Ausbreitung, die über die Eignung eines Stoffes als terroristisches Mittel entscheiden.410 Die Beschaffung chemischer und biologischer Kampfstoffe stellt für terroristische Organisationen das kleinste Problem dar. Laut der CIA haben Länder wie Irak, Iran, Nord Korea, Libyen, Syrien und Sudan Vorräte an biologischen und chemischen Waffen, bzw. Stoffen, die zu deren Herstellung gebraucht werden oder arbeiten an der Entwicklung oder Beschaffung von diesen, obwohl die meisten dieser Länder in der 407 Vgl. Carus 2001, S. 12 f; Stern 2001, S. 21 ff; Bailey 2003; Russmann 2003, S. 989 f; Gurr/Cole 2005, S. 51 ff; The Centre for Excellence in Emergency Preparedness o. A., S. 2. 408 Vgl. Höfer 2002, S. 148; Central Intelligence Agency 2003. 409 Vgl. Central Intelligence Agency 1998; Höfer 2002, S. 153; Ochsenbein/Huber 2003; Bolz/Dudonis/ Schulz 2005, S. 138 ff; Gurr/Cole 2005, S. 49 ff; The Centre for Excellence in Emergency Preparedness o. A. S. 3 f. 410 Vgl. Höfer 2002, S. 149; The Centre for Excellence in Emergency Preparedness o. A., S. 2 f; Dando/Nixdorff 2009, S. 10. 119 Konzeptspezifikation: Theoretischer Ansatz des Neuen Terrorismus Chemical Weapons Convention (CWC) und/oder in der Biological Weapons Convention (BWC) Mitglied sind. Unterstützung in Form von Material und Expertenwissen suchen sie dabei unter anderem in Russland und China, die trotz Exportkontrollen und Sanktionen andere Länder in deren Programme unterstützen.411 Terroristische Organisationen könnten besonders in diesen instabilen Ländern Kampfstoffe stehlen oder sogar durch die Regierungen mit diesen versorgt werden. Ebenso können die Kampfstoffe auch aus wissenschaftlichen Einrichtungen westlicher Länder gestohlen oder auf dem Schwarzmarkt erstanden werden. Die Zutaten für chemische und biologische Kampfstoffe können aber auch auf legalem Weg erworben werden, da viele Ausgangsstoffe gleichzeitig einen zivilen Nutzen haben. Chemische Stoffe, die zur Kampfstoffherstellung benötigt werden, sind als Insektizide, Pflanzenschutzmittel, Reinigungsmittel oder Medikamente frei verkäuflich. Auch biologische Stoffe sind unter anderem als Impfstoffe oder Medikamente leicht erhältlich. Teilweise können sie zum Beispiel in den USA auch über Firmen bestellt werden, die pathogene Stoffe herstellen und vertreiben. Um Kontrollen bei der Bestellung eindeutiger Kombinationen oder übermäßiger Mengen zu entgehen, können terroristische Organisationen Scheinfirmen gründen, unter deren Deckmantel sie die gewünschten Stoffe bestellen können.412 Seth Carus weist daraufhin, dass fast ein Drittel aller biologischen Kampfstoffe, die von terroristischen Organisationen beschafft wurden, fertig aus natürlichen Quellen stammten oder aus diesen selbst hergestellt wurden. Sie entgehen somit sämtlichen staatlichen Kontrollmechanismen.413 Schwieriger als die Beschaffung ist die Herstellung chemischer und biologischer Kampfstoffe. Einige Stoffe können zwar fertig besorgt werden, sind aber in ihrer Anwendbarkeit noch nicht waffenfähig. Biologische Erreger müssen dazu erst in einer ausreichenden Menge gezüchtet werden. Dieser Vorgang gestaltet sich je nach Art des Pathogenes als unterschiedlich schwierig. Der Erfolg ist abhängig von der Qualität des Bakterienstamms, dem Alter der Kultur, den Wachstumsbedingungen und der Methode der Präparation und Aufbewahrung. Zur erfolgreichen Herstellung eines biologischen Kampfstoffes in ausreichenden Mengen bedarf es zwar keiner besonderen Technologie, aber Expertenwissen und Labore in Form und Größe industrieller Komplexe, die mit einem besonderen Inventar ausgestattet sein müssen.414 Besonders die Herstellung von Viren in größeren Mengen ist so komplex, dass 411 Vgl. Conference on Disarmament 1972; Organization for the Prohibition of Chemical Weapons 1992; Central Intelligence Agency 2003. 412 Vgl. Laqueur 1999, S. 59 f./67; Carus 2001, S. 14 f; Cameron 2002, S. 65; Gurr/Cole 2005, S. 49/60 f. 413 Von 8 erfolgreichen Beschaffungen von biologischen Kampfstoffen stammt einer aus Selbstherstellung aus einer natürlichen Quelle und zwei direkt aus einer natürlichen Quelle. Vgl. Carus 2001, S. 14 f. 414 Vgl. Laqueur 1999, S. 67; Nadine Gurr und Benjamin Cole weisen darauf hin, dass das Expertenwissen zur Herstellung biologischer Kampfstoffe öffentlich zugänglich ist. Gurr/Cole 2005, S. 53 ff. 120 Neuer Terrorismus als Untersuchungsgegenstand es bis jetzt nachweislich nicht einer einzigen terroristischen Organisation gelungen ist.415 Bei der Herstellung von Toxinen ergeben sich vor allem Herausforderungen hinsichtlich der Herstellung der ausreichenden Menge und der Beschaffung des natürlichen Produzenten, wobei jedoch inzwischen einige Toxine durch In-vitro-Synthese auch in größeren Mengen lohnend hergestellt werden können. Ebenso problematisch ist die Inaktivierungsrate von Toxinen bei längerer Lagerung bei Raumtemperatur.416 Neben der Herstellung in ausreichenden Mengen, ist die Produktion der korrekten Partikelgröße ein Faktor, der zwischen normaler Produktion und Waffenfähigkeit unterscheidet. Biologische Erreger sollten idealerweise eine Partikelgröße zwischen 1–5 Mikrometern haben, um später zum Beispiel bei Verbreitung über die Luft effektiv in die Atemwege eindringen zu können.417 Die Herstellung chemischer Kampfstoffe ist einfacher als die der biologischen Kampfstoffe, da sie direkt aus industriellen Produkten gewonnen werden können. Die Anleitungen zur Herstellung lassen sich zum Großteil im Internet finden. Zur Herstellung von Nervenkampfstoffen reichen grundsätzlich Kenntnisse der organischen Chemie eines Studenten und der Zugang zu einem gut ausgerüsteten Labor. Dennoch werden auch hier bei der Produktion von größeren Mengen erhebliche finanzielle, zeitliche und technische Ressourcen von den terroristischen Organisationen abverlangt.418 Es gibt jedoch auch Autoren, wie Jessica Stern, die die Herstellung von chemischen und biologisch Massenvernichtungswaffen insgesamt als extrem leicht einschätzen: „Because chemical and biological agents are relatively easy to produce, a single person with the right expertise could design an entire weapons program.“419 Sowohl für biologische als für chemische Kampfstoffe gilt, dass die Verbreitung die eigentliche Kunst ist und darüber entscheidet, ob der Kampfstoff das Opfer erreicht und bei ihm die gewünschte Wirkung hervorruft. Es gibt mehrere Verteilungswege, die sich unterschiedlich für die verschiedenen Stoffe eignen: Verteilung über die Luft in offenen Räumen, über die Luft in geschlossenen Räumen durch Belüftungssysteme, über das Wasser, über Lebensmittel, über Wirte oder eine direkte Übertragung. Bei der Übertragung durch die Luft muss aufgrund der Verflüchtigung eine sehr große Menge des Stoffes eingesetzt werden. Die Stoffe oder Erreger müssen in der richtigen Größe produziert, erhitzt und durch ein geeignetes mechanisches Verteilungsgerät versprüht werden. Dabei müssen die Wetterbedingungen wie Wind und Regen beachtet werden, um eine gleichbleibend hohe Konzentration zu gewähr- 415 Vgl. Laqueur 1999, S. 66. 416 Vgl. Russmann 2003, S. 991. 417 Vgl. Carus 2001, S. 17. 418 Vgl. Höfer 2002, S. 150; Gurr/Cole 2005, S. 50/54. 419 Stern 2001, S. 49. 121 Konzeptspezifikation: Theoretischer Ansatz des Neuen Terrorismus leisten und sicherzustellen, dass die Opferzielgruppe in kurzer Zeit erreicht wird. Neben diesen äußeren Bedingungen sind ebenfalls die spezifischen Eigenschaften der jeweiligen Stoffe zu beachten. Die meisten pathogenen Erreger, aber auch einige Chemikalien werden durch Umgebungstemperatur, Feuchtigkeit/Austrocknung, UV-Licht, Schadstoffe, Sauerstoff oder Erschütterung beeinflusst, bis hin zu einer völligen Zerstörung. Bei der Verteilung über das Wasser sind sowohl die Verdünnung als auch Filtersysteme im Wasserkreislauf zu beachten. Aber auch die konsumierte Menge und eventuelle Resistenzen der jeweiligen Person, lassen die Wahrscheinlichkeit einer Wirkung sinken. Bei den biologischen Kampfstoffen erschweren die Empfindlichkeiten gegenüber Licht, Chlor, Hitze und anderen Partikel, die im Wasser enthalten sind, die wirksame Verteilung. Die Verbreitung chemischer bzw. biologischer Kampfstoffe über Lebensmittel hängt vor allem an logistischen Herausforderungen. Um möglichst viele Menschen zu erreichen müssen die Lebensmittel in einer zentralen Stelle vor der Verteilung infiziert werden. Dies sollte möglichst nach der Produktion geschehen, um die Stoffe nicht Hitze oder anderen Einflüssen auszusetzen. Aus diesem Grund eignen sich Lebensmittel, die nach dem Öffnen der Verpackung direkt konsumiert werden, am besten. Bei einer Übertragung durch einen Wirt eignen sich zu einer großen und weitläufigen Verbreitung besonders gut Insekten, wobei jedoch deren unvorhergesehenes Verhalten bezüglich der Flugbahn zu beachten ist. Bei einer direkten Übertragung gibt es keine technischen Übertragungswege, die Zahl der Infizierten ist dabei aber wesentlich geringer als bei den anderen Übertragungsmethoden.420 Die tödlichste Wirkung haben die pathogenen Erreger, die über eine Infektion wirken, da sie sich selbst vermehren und durch Ansteckung weiterverbreiten werden können. Die Wirkung von Toxinen und chemischen Stoffen werden in Toxizität angegeben, wobei die Toxizität von natürlichen Toxinen um ein mehrfaches höher ist als die der meisten chemischen Substanzen, was unter anderem auf natürliche ungerichtete Mutationen zurückgeführt werden kann.421 Zu den toxischsten und somit gefährlichsten chemischen Kampfstoffen gehören VX, Soman und Sarin. Die letale Dosis liegt bei VX bei 15 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht, bei Soman bei 64 Mikrogramm und bei Sarin bei 100 Mikrogramm. Von dem natürlich produzierten Toxin Botulinumtoxin dagegen reicht bereits 0,001 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht aus, um einen Menschen zu töten. Das Botulinumtoxin als Toxin gehört mit dem Anthrax Bakterium und den Pocken als Viren zu den „dirty 420 Vgl. Laqueur 1999, S. 60; Carus 2001, S. 16 ff; Stern 2001, S. 51; Cameron 2002, S. 64 f; Russmann 2003, S. 991; Gurr/Cole 2005, S. 52 f./55/62 ff; Mockaitis 2008, S. 83 ff. 421 Russmann 2003, S. 989 ff; Gurr/Cole 2005, S. 52. 122 Neuer Terrorismus als Untersuchungsgegenstand dozen“ der biologischen Kampfstoffe.422 Während die Inkubationszeit pathogener Erreger bis zu mehrere Tage oder sogar Wochen betragen kann, wirken die meisten natürliche Toxine und chemischen Gifte innerhalb von Sekunden bis Stunden.423 – Exkurs 2: Nukleare und radiologische Massenvernichtungswaffen – Nukleare und radiologische Waffen gehören neben den biologischen und chemischen Kampfstoffen auch zu den potentiellen Massenvernichtungswaffen terroristischer Organisationen. Obwohl sie wesentlich seltener zum Einsatz kommen als chemische und biologische Kampstoffe, werden sie als hohes Bedrohungspotential von der Bevölkerung wahrgenommen. Brian Michael Jenkins sieht vor allem in diesem Bedrohungspotential dieser Waffen die Attraktivität für terroristische Organisationen „… almost any terrorist action associated with the words ‚atomic‘ or ‚nuclear‘ automatically generates fear in the mind of the public.“424 Nukleare und radioaktive Stoffe könnten in drei verschieden Szenarien als terroristische Mittel genutzt werden: der direkte Einsatz einer nukleare Waffen, wie zum Beispiel einer Rakete mit Atomsprengkopf, der Angriff auf eine Einrichtungen, die nukleare Vorrichtungen oder radioaktives Material beherbergen, wie zum Beispiel ein Atomkraftwerk oder die Anwendung einer mit radioaktivem Material verseuchten Waffe, einer sogenannten „dirty bomb“.425 Bei nuklearen Waffen handelt es sich um Waffen, die ihre Explosionsenergie mithilfe von Kernspaltung oder Kernfusion beziehen. Bei der Kernspaltung werden, ausgelöst durch eine konventionelle Explosion, Atomkerne mit Neutronen beschossen, die diese aufnehmen und sich dadurch zu einer überkritischen Masse erhöhen. Durch die erhöhte Masse wird der Atomkern instabil und zerfällt in Spaltprodukte mit kleineren Massezahlen. Der Zerfall löst eine Kettenreaktion aus, der weitere Kernspaltungen zur Folge hat. Der Kernfusion dagegen muss zunächst eine Kernspaltung vorausgehen, um die nötige Temperatur und den nötige Druck zu erzeugen, die die Fusion auslöst. Dadurch werden zwei leichte Atomkerne, wie zum Beispiel zwei Wasserstoffkerne bei der Wasserstoffbombe, entgegen ihrer abstoßenden elektrischen Kräfte dazu gebracht, miteinander zu verschmelzen. Zur Herstellung einer nuklearen Waffe werden vor allem Plutonium-239 und hoch angereichertes Uran-235 (HEU) 422 Vgl. Laqueur 1999, S. 63; Russmann 2003, S. 990 ff; Gurr/Cole 2005, S. 49. 423 Vgl. Ochsenbein 2003; Russmann 2003, S. 991; Ochsenbein 2007. 424 Jenkins 1975, S. 4. 425 Vgl. U. S. Congress, Office of Technology Assessment 1993, S. 173; Bolz/Dudonis/Schulz 2005, S. 151; Mockaitis 2008, S. 82 f. 123 Konzeptspezifikation: Theoretischer Ansatz des Neuen Terrorismus verwendet. Nukleare Waffen können in Form von Bomben, Geschossen, Raketensprengköpfen, Granaten oder Torpedogefechtsköpfen eingesetzt werden. Neben der wesentlich höheren Sprengkraft als bei konventionellen Bomben sind vor allem die Hitzewelle, die Druckwelle und die radioaktive Sofort- und Sekundärstrahlung für starke Schäden im Umkreis der Detonation verantwortlich.426 Radiologische Waffen dagegen nutzen konventionelle Sprengmaterialien in Kombination mit radioaktivem Material, das bei der Explosion in der Umwelt verteilt wird und diese kontaminiert. Eine Verteilung durch eine Dispersionsvorrichtung ohne einen Sprengsatz ist ebenso möglich. Die Kontamination entsteht durch radioaktive Strahlung, die beim Zerfall von radioaktiven Isotopen als Emission von Elementarteilchen und als elektromagnetische Strahlung freigesetzt wird. Dies geschieht als Nebeneffekt unter anderem auch bei der Zündung nuklearer Waffen und in Atomreaktoren. Die Bedrohung durch diese „dirty bombs“ liegt im Gegensatz zu den nuklearen Waffen nicht in der Detonationskraft, sondern in den kurz- und langfristigen Folgewirkungen der radioaktiven Strahlung. Neben der Aussendung von Alpha-Strahlung, Beta-Strahlung und Gamma-Strahlung, die auch in der Natur vorkommen, wird bei der künstlichen Kernumwandlung in einer Atomwaffe auch Neutronen-Strahlung frei. Häufig wird als radioaktives Material neben Uran-235 und Plutonium-239 auch Americium-241, Strontium-90, Cobalt-60 oder Caesium-137 verwendet.427 Die Beschaffung radioaktiver Stoffe ist wie bei chemischen Ausgangsstoffen relativ einfach, da sie unter anderem im medizinischen Bereich, wie zum Beispiel beim Röntgen, verwendet werden oder als Abfallprodukte von Atomkraftwerken anfallen. Um aus einer radiologischen Waffe eine Massenvernichtungswaffen zu machen, werden jedoch größere Mengen an radioaktivem Material benötigt, was wiederum eine Herausforderung für die Terroristen darstellt. Auch die Herstellung zu nutzbaren Kampfstoffen aus dem Ausgangsmaterial ist etwas schwieriger, da besonders Stoffe mit Gamma-Strahlung schwer unter Kontrolle zu halten sind und für die Terroristen eine Gefahr darstellen. Ebenso gestaltet sich die Anpassung der Partikelgrö- ße zur optimalen Verbreitung über die Luft als schwieriger. Die Verbreitung über die Luft, ist ähnlich wie bei biologischen Erregern, auch stark von Wetterbedingungen abhängig.428 Die Beschaffung und Herstellung nuklearer Massenvernichtungswaffen dagegen ist wesentlich schwieriger. Es gibt für Terroristen grundsätzlich die Möglichkeit, sich 426 Vgl. Stern 2001, S. 27 ff; Montgomery 2009, S. 38 f; Schröter 2009, S. 2 f. 427 Vgl. Stern 2001, S. 25; Geiger 2003, S. 1 ff; Montgomery 2009, S. 78; Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe 2017. 428 Vgl. Stern 2001, S. 55; Cameron 2002, S. 66; Geiger 2003, S. 6; Gurr/Cole 2005, S. 44 f; Dolnik 2008, S. 8. 124 Neuer Terrorismus als Untersuchungsgegenstand die fertigen nuklearen Massenvernichtungswaffen zu besorgen. Diese können aus alten Beständen gestohlen oder auf dem Schwarzmarkt erworben werden und stammen zu einem Großteil aus dem alten Arsenal der ehemaligen Sowjetunion. Auch werden Bestände fertiger Waffen durch politische Regime an terroristische Organisationen weitergegeben. Die Umwandlung von Ausgangsmaterial in waffenfähiges nukleares Material und somit die eigene Herstellung einer nuklearen Massenvernichtungswaffe ist die schwierigste Variante, da die Herstellung sehr lange dauert, sehr schwierig und sehr teuer ist und leicht nachverfolgt werden kann. Aber auch die Beschaffung von bereits waffenfähigem Material ist sehr schwierig bis unmöglich, da große Mengen benötigt werden, aber nur wenig einzelnes waffenfähiges Material auf dem Markt verfügbar ist. Zur Herstellung einer normalen „gun-type“-Waffe mit konventioneller Sprengladung werden 25 bis 60 Kilo hochangereichertes Uran benötigt. Zur Herstellung einer „implosion“-Waffe kann neben Uran auch Plutonium verwendet werden, von dem bereits 3–8 Kilogramm ausreichen. Der Bau dieser Waffe ist technisch jedoch wesentlich komplizierter. Die Menge des benötigten Materials ist abhängig vom Design der Waffe, dem Anreicherungsgrad und der Reinheit des nuklearen Materials und den sonstigen verwendeten Materialien.429 Radiologische Waffen können durch eine akute Strahlenexposition wirken, bei der der Magen-Darm-Trakt, die Lunge und das zentrale Nervensystem angegriffen werden, was unter Umständen vor allem bei Gamma-Strahlung und Neutronen-Strahlung, die beide leicht in den Körper eindringen können, sofort zum Tod führen kann. Beta-Strahlung führt hauptsächlich zu Verbrennungen der Haut, während Alpha- Strahlung eingeatmet oder verschluckt werden muss, um zu wirken. Die typischen Symptome einer akuten Verstrahlung sind Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Krämpfe, Fieber, Haarausfall, Appetitlosigkeit, Knochenmarkschwund, Magen- Darm-Erkrankungen, Infektionen und Blutungen an Haut, Organen und Schleimhäuten. Vor allem eine langfristige Belastung durch radioaktive Partikel, die durch die Luft oder die Nahrung aufgenommen werden, stellt eine Gefahr für die betroffene Bevölkerung dar, die sich in der Folge vor allem in einem erhöhten Krebsrisiko ausdrückt. Dennoch beschränkt sich die Wirkung einer radiologischen Waffe hauptsächlich auf die eigentliche Explosionswirkung und die hohen Kosten für die Evakuierung der Bevölkerung und die Reinigung der Umwelt, die aufgrund der langen Halbwertszeit der radioaktiven Stoffe unter Umständen für viele Jahre kontaminiert und unbewohnbar bleibt. Der direkte personelle Schaden ist insgesamt eher gering einzuschätzen, jedoch verursacht der Einsatz radiologischer Waffen einen 429 Vgl. U. S. Congress, Office of Technology Assessment 1993, S. 174; Stern 2001, S. 29; Cameron 2002, S. 66 f; Geiger 2003, S. 6; Bolz/Dudonis/Schulz 2005, S. 134/151; Gurr/Cole 2005, S. 44 ff; Mockaitis 2008, S. 82; Montgomery 2009, S. 46 ff. 125 Konzeptspezifikation: Theoretischer Ansatz des Neuen Terrorismus hohen psychologischen Schrecken bei den potentiellen Opfern.430 Gerhard Geiger behauptet daher sogar, aufgrund der geringen Letalität radiologischer Waffen, dass es sich bei radiologischen Bomben nicht um Massenvernichtungswaffen im eigentlichen Sinne handelt.431 Eine nukleare Waffe erzeugt ebenfalls eine radioaktive Verstrahlung, deren Radius je nach Stärke der Detonation noch wesentlich größer sein kann. Neben dem radioaktiven Fallout und der direkten radioaktiven Strahlung sind vor allem die Hitzewelle der Explosion und die Druckwelle für die größten Schäden verantwortlich. Die Hitzewelle, die unter anderem aus Infrarotstrahlung besteht und bis zu mehreren zehn Millionen Grad heiß sein kann, kann sowohl einen Feuerball am Ort der Explosion als auch einen Feuersturm produzieren, der heißes Gas und Schuttteile mit sich führt und den Boden in der Nähe des Explosionszentrums auf mehrere tausend Grad erhitzt. Die Druckwelle wird unter anderem von einer Schockwelle mit extremen Wind und Überdruck begleitet, die umliegende Gebäude zerstören. Als Folge der Kernspaltung werden hauptsächlich Gamma-Strahlung und Neutronen- Strahlung freigesetzt, die zu einer sofortigen ionisierenden Verstrahlung führen, da sie leicht in den Körper eindringen können.432 20.03.1995: Saringas-Anschlag auf U-Bahn, Tokio (Japan) Am 20.03.1995 verübte die Sekte Aum Shinrikyo morgens in der Rush Hour einen Anschlag auf die U-Bahn in Tokio, bei dem 13 Menschen getötet und 5.500 Menschen verletzt wurden. Die Sekte hatte sieben Liter Saringas in flüssiger Form produziert, das sie in 11 Päckchen verpackten und mit in die U-Bahn brachten. Fünf Mitglieder der Sekte deponierten die Päckchen unauffällig in mehreren Zügen, stachen acht davon mit Schirmspitzen an, damit sich das Sarin in der Luft verbreiten konnte und verließen die Züge. Die Päckchen wurden in fünf verschiedenen Zügen auf drei verschiedenen Linien deponiert, die sich alle an der Station „Kasumigaseki“ schneiden, die sich direkt unter dem Metropolitan Police Department von Tokyo und in der Nähe von Regierungsgebäuden und Behörden befindet. Dass es nicht mehr Verletzte gab, lag vor allem daran, dass das Saringas nur zu 35 % rein war, da bei der Herstellung nicht alle notwendigen Substanzen vorhanden waren und nicht zuletzt am guten Belüftungssystem der U-Bahn.433 430 Vgl. Laqueur 1999, S. 70; Stern 2001, S. 26; EL Baradei 2002; Bolz/Dudonis/Schulz 2005, S. 152; Schröter 2009, S. 17; Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe 2017. 431 Vgl. Geiger 2003, S. 3. 432 Vgl. U. S. Congress, Office of Technology Assessment 1993, S. 175; Montgomery 2009, S. 30. 433 Vgl. Bolz/Dudonis/Schulz 2005, S. 134 ff; Danzig et. al. 2011, S. 31 f; Fletscher 2012; National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism (START) 2014e; National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism (START) 2015 a, 199503200014. 126 Neuer Terrorismus als Untersuchungsgegenstand Die Polizei fand nach dem Anschlag hunderte Tonnen Material zur Herstellung von Saringas, Senfgas und anderen biologischen Waffen, aber auch selbstgebaute Modelle der AK-47 in den Räumen von Aum Shinrikyo. Die gefundene Menge an Chemikalien war ausreichend, um eine Menge an Saringas herzustellen, die den Tod von Millionen Menschen verursacht hätte. Bereits vor diesem Anschlag hatte die Sekte schon mit verschiedenen Chemikalien, wie Saringas, Tabun, Soman, VX und Senfgas, experimentiert. Da sie bei ihren Experimenten einige Unfälle verursachten, waren die Vorgänge den Behörden bekannt, die jedoch nicht einschritten, da bei den Vorfällen keine Gesetze gebrochen wurden.434 Der Anschlag auf die U-Bahn von Tokio war auch nur ein Anschlag aus einer Reihe von versuchten und durchgeführten Anschlägen mit chemischen Waffen, die Aum Shinrikyo verübte. Bereits 1994 gab es in Matsumoto einen Anschlag der Sekte mit 30 Litern Saringas, der acht Tote und mehrere hundert Verletzte zur Folge hatte.435 Erst 2012 wurde der letzte Attentäter für den Anschlag verhaftet. Insgesamt wurden 13 Mitglieder der Sekte, einschließlich Shoko Ashara, zum Tode verurteilt. Im Jahr 2018 wurde er zusammen mit sechs weiteren Verurteilten hingerichtet.436 Die Ideologie der Sekte ist eine Mischung aus religiösen Einflüssen des Buddhismus, Hinduismus, des Christentums und apokalyptischen Vorstellungen. Shoko Ashara predigte für die Welt den Ausbruch eines Dritten Weltkrieges, der als nukleare Apokalypse, als das „Armageddon“ zwischen Japan und den USA stattfinden würde, was er durch Ereignisse wie den Zusammenbruch der Sowjetunion und den Ausbruch des Golfkrieges bestätigt sah. Die Mitglieder glaubten daran, dass sie dieses Armageddon überleben würden, um dann die Macht über Japan und schlussendlich über die Welt zu bekommen. Direktes Ziel dieser Anschläge war es, polizeiliche Untersuchungen bezüglich der Aktivitäten von Shoko Ashara und dessen Sekte zu stoppen. Daher galt der Anschlag hauptsächlich der, über der U-Bahnstation gelegenen Polizeiwache, und sollte das Überleben der Sekte und somit die einzige „Wahrheit“ retten. Der Anschlag sollte sowohl die ermittelnde Polizeieinheit vernichten als auch das bevorstehende von Shoko Ashara prophezeite Armageddon heraufbeschwören.437 434 Vgl. Bolz/Dudonis/Schulz 2005, S. 136; National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism (START) 2014 e. 435 Vgl. Bolz/Dudonis/Schulz 2005, S. 135; Jones/Libicki 2008, S. 48; Danzig et. al. 2011, S. 18 f./29 f; National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism (START) 2015 a, 199406270007. 436 Vgl. Ito 2015; Spiegel online 2018. 437 Vgl. Griset/Mahan 2003, S. 232 ff; Juergensmeyer 2004, S. 145; Poland 2005, S. 125 f; Parachini/Furukawa 2007, S. 534 ff; Fletscher 2012; National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism (START) 2015 a, 199406270007. 127 Konzeptspezifikation: Theoretischer Ansatz des Neuen Terrorismus 4.2.2.2 Neue Strategie: Forschungshypothese H2 zur undifferenzierten Opferwahl Die zweite Eigenschaft aus dem Definitionsbereich der Strategien terroristischer Organisationen ist die „Undifferenzierte Opferwahl“, die laut des theoretischen Ansatzes des Neuen Terrorismus ebenfalls seit 1993 signifikant angestiegen sein müsste. Hierzu lässt sich folgende Forschungshypothese formulieren: H2: Wenn terroristische Anschläge zwischen 1993 und 2014 stattfanden, dann war die Opferwahl häufiger undifferenziert als bei Anschlägen zwischen 1970 und 1992. Bei einer undifferenzierten Opferwahl wird beabsichtigt oder zumindest in Kauf genommen, keine Auswahl bei den Opfern zu treffen bzw. keine Unterscheidung zu machen zwischen den Kategorien „Schuldige“ und „Unschuldige“ und „Beteiligte“ und „Unbeteiligte“. In diesem Sinne wird der Begriff „undifferenziert“ für die Untersuchung verstanden: zum einen „wahllos und ungerichtet“ und zum anderen „gezielt keine Unterscheidung machen zwischen Schuldigen und Unschuldigen“. Die zivilen Opfer entsprechen als Anteil aller Opfer diesen „Unschuldigen“ bzw. „Unbeteiligten“ und sind deshalb als Untersuchungseinheit für die zweite Eigenschaft „undifferenzierte Opferwahl“ geeignet. Zivile Opfer stellen einen speziellen Opfertyp dar, der bei einem Anschlag betroffen ist. Die Opfertypen eines Anschlags definieren sich durch ihre Zugehörigkeit zu einer Gruppe. Die in Kapitel 3.4.2.1. Neue Strategie: Forschungshypothese H1 zur hohen Gewaltbereitschaft beschriebenen Opferarten dagegen werden nach den körperlichen Folgen des Anschlags unterschieden. Die einzelnen Gruppen von Opfertypen sind weniger eindeutig definiert, wie dies z. B. bei der Unterteilung der Waffentypen der Fall ist. Zu den gängigsten nicht-zivilen Opfertypen gehören Personen aus den Bereichen Politik, Polizei und Militär. Es gibt jedoch auch Gruppen aus anderen Bereichen wie zum Beispiel der Wirtschaft, Presse, NGOs oder religiösen Einrichtungen, deren Mitglieder gezielt aufgrund der Gruppenzugehörigkeit ausgewählt und zu Opfern von terroristischen Anschlägen werden. Für die vorliegende Untersuchung werden diese Gruppen und deren Mitglieder jedoch zu den zivilen Opfern gezählt. Zum einen sind die meisten dieser Gruppen ein Teil der Zivilgesellschaft bzw. ein Teil der gesellschaftlichen, zivilen Infrastruktur. Vor allem aber orientiert sich die Aufteilung an der Unterscheidung zwischen „soft targets/victims“ und „hard targets/victims“. Ausschlaggebend ist hierbei, wie gut das Opfer bzw. der Opfertyp geschützt wird bzw. sich selbst schützen kann, und wie leicht der Zugriff auf diese für die terroristischen 128 Neuer Terrorismus als Untersuchungsgegenstand Organisationen ist.438 Zu den sogenannten nicht-zivilen „hard targets/victims“ zählen für die Untersuchung die besser geschützten und schwer zugänglichen Einrichtungen und Personen des Militärs, der Polizei, der Politik, anderer terroristischer Organisationen und Milizen. Auch die Differenzierung der einzelnen Gruppen lässt sich beliebig weit herunterbrechen. Zum Beispiel könnte bei der Gruppe „Militär“ noch weiter nach Land, Wasser und Luft unterschieden werden oder nach den jeweiligen betroffenen Einrichtungen, wie Checkpoints, Hauptquartiere oder Konvoys. Diese weitere Unterteilung hat jedoch für die vorliegende Untersuchung keinen zusätzlichen Nutzen zur Beantwortung der Fragestellung, da die Unterscheidung zwischen zivilen und nicht-zivilen Opfern im Mittelpunkt des Neuen Terrorismus steht. Bei den nicht-zivilen Gruppen handelt es sich ausschließlich um selbst gewählte gesellschaftliche Aufgaben und Positionen. Die Unterscheidung von Gruppen nach persönlichen Merkmalen, wie Religion, Nationalität, Geschlecht oder Alter werden in diesem Zusammenhang nicht als Opfertypen verstanden. Die Zuteilung der Opfer eines Anschlags zu einer Gruppe ist am eindeutigsten, wenn er gezielt eine Einrichtung oder homogene Gruppe trifft. Bei einem Anschlag auf einen Militärkonvoy sind die Verletzten eindeutig der Gruppe des Militärs bzw. des Militärpersonals zuzuordnen. Wird ein einzelner Soldat bei einem Anschlag verletzt, kann die Frage der Zuordnung dagegen von der Absicht und dem Kenntnisstand des Attentäters abhängen. Wollte dieser gezielt einen Soldaten töten, oder hat er nur eine beliebige Person getötet, die zufällig ein Soldat war? Am häufigsten ergibt sich diese Schwierigkeit bei der Unterscheidung zwischen zivilen Opfern und den restlichen Opfertypen. Einzelne Personen sind, je nach der jeweiligen Situation und dem Kontext, Zivilisten oder Teil einer nicht-zivilen Gruppe. Wird die Entscheidung von der Absicht und dem Kenntnisstand des Täters abhängig gemacht, muss dies jedoch bekannt sein. Bekennerschreiben oder Bekennervideos können hierbei ein Hinweis sein, die allgemeinen Ziele und die Ideologie der terroristischen Organisationen lassen zumindest eine Vermutung zu. In den wenigsten Fällen gibt es jedoch eindeutige Hinweise auf die konkreten Absichten bei Auswahl der Opfertypen durch die terroristischen Organisationen. So stellt sich die Frage, was das einzelne Opfer für einen Opfertyp repräsentieren soll.439 Wird die Absicht des Täters nicht berücksichtigt, so sind alle Opfer, die keiner der festgelegten nicht-zivilen gesellschaftlichen Gruppen entsprechen, zivile Opfer. Zivile Opfer geben einen Hinweis auf eine undifferenzierte Opferwahl, da sie meist entweder unbeabsichtigt bei Anschlägen zu Schaden kommen oder weil sie in keiner Verbindung zu den Zielen der terroristischen Organisation stehen und zufällig zum 438 Vgl. Nemeth 2010, S. 31; Martin 2016. 439 Vgl. LaFree/Dugan/Miller 2015, S. 105. 129 Konzeptspezifikation: Theoretischer Ansatz des Neuen Terrorismus Opfer wurden. Sie sind einfach zur falschen Zeit am falschen Ort.440 Dies Wahllosigkeit besteht vor allem aus dem Blickwinkel der Opfer. Die Anschläge sollen irrational und unvorhersehbar erscheinen, damit sich jeder als potentielles Opfer sieht und damit die potentiellen Opfer das Gefühl bekommen, dass die Anschläge nicht verhindert werden können.441 Zivile Opfer werden häufig auch als Symbol oder aus strategischen Gründen ausgewählt. Die einfachste rationale Erklärung für die Auswahl ziviler Opfer ist der geringe Aufwand. Zivilisten sind in der Regel in großen Mengen an den meisten Orten vorzufinden. Auch sind sie in den meisten Fällen schlechter bewacht und können sich schlechter verteidigen als zum Beispiel Politiker oder Militärpersonal. Der Angriff von Zivilisten ist somit mit einem geringen Ressourcenaufwand verbunden.442 Neben dem geringen Ressourcenaufwand ist die große mediale Aufmerksamkeit, die diese Art von Anschlägen erzeugt, ein Grund für terroristische Organisationen, zivile Opfer auszuwählen. Ein weiterer Vorteil ist die Erhöhung der Kosten des jeweiligen Staates, vor allem wenn es sich bei der Regierungsform um eine Demokratie handelt. Die Kosten für die Staaten können durch die Anschläge soweit erhöht werden, dass diese sich gezwungen sehen ihre Politik zu ändern. Dies erreichen die terroristischen Organisationen, indem sie durch die wahllosen Angriffe auf zivile Opfer eine derart hohe Panik und Angst vor zukünftigen Angriffen erzeugen, dass die Bevölkerung kein Interesse mehr daran hat, die Forderung der terroristischen Organisationen zu ignorieren. Sie erzeugen im demokratischen System Druck auf den Staat, und dieser sieht sich in der Folge gezwungen auf die Forderungen der terroristischen Organisationen einzugehen. Gleichzeitig existieren in einem demokratischen System besonders hohe Hürden in Bezug auf die Anwendung von Gewalt gegen terroristische Organisationen und die Beschaffung von Informationen über diese, als dies in autoritär regierten Staaten der Fall wäre. Die terroristischen Organisationen können daher bei dieser Art von extremen Angriffen mit weniger harten Gegenreaktionen rechnen als in autoritären Regimen.443 440 Vgl. Miller 1997, S. 262. 441 Vgl. Bloom 2005 b, S. 131. 442 Vgl. Nemeth 2010, S. 33; Martin 2016, S. 1. 443 Vgl. Pape 2003, S. 4/8; Goodwin 2006, S. 2038; Kydd/Walter 2006, S. 1; Libicki /Chalk/Sisson 2007, S. 9 f; Nemeth 2010, S. 33; Martin 2016, S. 1. 130 Neuer Terrorismus als Untersuchungsgegenstand 11.07.2006: Bombenanschläge auf Vorortzüge in Mumbai (Indien) Bei einer Serie von Bombenanschlägen auf sieben Vorortzüge in Mumbai kamen am 11.07.2006444 187 Personen ums Leben, und 817 Personen445 wurden verletzt. Inzwischen verstarb am 07.07.2015 eine weitere verletzte Person an den Folgen der Anschläge, nachdem sie mehrere Jahre im Koma gelegen hatte. Die Bomben explodierten innerhalb eines Zeitraums von wenigen Minuten ab 18:24 in den Haltestellen oder der Nähe der Haltestellen Khar Road, Bandra, Jogeshwari, Mahim, Borivli, Matunga, und Mira Road. Die Sprengsätze wurden in den Gepäckfächern über den Sitzen der ersten Klasse deponiert. Ein achter Sprengsatz, der nicht detonierte, wurde von der Polizei gefunden und sichergestellt.446 Nach dem Anschlag wurden 13 Personen durch den Maharashtra Anti Terrorist Squad (ATS) festgenommen und vor den Maharashtra Control of Organized Crime Act Court gebracht. Der pakistanische Geheimdienst ISI und die terroristische Organisation Lashkar-e-Taiba wurden von der indischen Regierung für den Anschlag verantwortlich gemacht, was jedoch durch die pakistanische Regierung bestritten wurde. Mhod Faisal Shaikh, einer der Haupttäter, war ein führender Kopf bei der terroristischen Organisation Lashkar-e-Taiba. Die restlichen Angeklagten waren vor allem Mitglieder der Student Islamic Movement of India. Nach sieben Jahren Gerichtsverhandlung wurden im September 2015 12 der Angeklagten für schuldig befunden, und ein Angeklagter wurde aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Die Hauptanklagepunkte lauteten unter anderem: Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation, Mitgliedschaft in einem kriminellen Syndikat, kriminelle Verschwörung, Mord und versuchter Mord. Von den 12 Verurteilten wurden acht zum Tode verurteilt und zu mit einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.447 Die erneute Auswahl von Zügen in wichtigen Metropolen als Anschlagsziele terroristischer Organisationen erscheint vor allem aus drei Gründen aus Sicht der Terroristen sinnvoll: Die Überwachung durch Behörden ist fast unmöglich, es ist eine sehr große Menge an Zivilisten als potentielle Opfer betroffen, und das finanziel- 444 Die Global Terrorism Database (GTD) als auch ein Artikel aus „The Hindu“ datieren die Anschläge fälschlicherweise auf den 12.07.2015. Vgl. Gaikwad 2015; National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism (START) 2015 a, 20060712001. 445 Die Anzahl der Toten und Verletzten unterscheidet sich je nach Quelle. Die Zahl der Toten variiert von 187 bis 203 und die Zahl der Verwundeten zwischen 800 und 863. Die höchsten Opferzahlen werden vom National Counter Terrorism Center mit 203 Toten und 863 Verwundeten angegeben. Vgl. National Counter Terrorism Center 2007, S. 83. 446 Vgl. National Counterterrorism Center 2007, S. 83; National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism (START) 2015a, 20060712001. 447 Vgl. Gaikwad 2015; The Christian Science Monitor 2015; Samervel 2015. 131 Konzeptspezifikation: Theoretischer Ansatz des Neuen Terrorismus le System des Landes wird durch die Anschläge schwer belastet.448 Im Gegensatz zu den Anschlägen in London, Madrid und anderen Bombenanschlägen in Indien, sind die Motive bei den Anschlägen in Mumbai nicht durch eindeutige Bekennerschreiben belegt. Es wird davon ausgegangen, dass die Anschläge durch die Lashkar-e-Taiba und die Student Islamic Movement of India449 verübt wurden, die sich schon seit längerem gegenseitig in ihren terroristischen Aktivitäten unterstützen. Die Ziele der Lashkar-e-Taiba lagen vor allem in dem Kampf für die Unabhängigkeit Kaschmirs und Jammus. Es ging ihnen dabei aber auch wie der Student Islamic Movement of India darum, durch die Unruhen einen Prozess anzustoßen, an dessen Ende die Einführung des Islam und der Scharia in ganz Indien stehen sollte. Als akuter Auslöser für die Anschläge können in diesem Zusammenhang auch die Verhandlungen über einen Friedensprozess zwischen Indien und Pakistan gesehen werden, welche den Zielen der beiden terroristischen Organisationen entgegenstanden.450 4.2.2.3 Neue Struktur: Forschungshypothese H3 zur Netzwerkartigkeit Aus dem Definitionsbereich der Struktur terroristischer Organisationen hat sich im Diskurs um den Neuen Terrorismus eine Eigenschaften finden lassen, deren Entwicklung im Zeitabschnitt zwischen 1970 und 2014 untersucht werden soll. Die Eigenschaft ist die „Netzwerkartigkeit“ terroristischer Organisationen, die laut des theoretischen Ansatzes des Neuen Terrorismus seit 1993 signifikant angestiegen sein müsste. Daher lässt sich hierzu folgende Forschungshypothese formulieren: H3: Wenn terroristische Anschläge zwischen 1993 und 2014 stattfanden, dann waren sie häufiger netzwerkartig als Anschläge zwischen 1970 und 1992. Der Forschungshypothese bzw. der Eigenschaft „Netzwerkartigkeit“ lassen sich die Untersuchungsbereiche „Internationalisierung“ und „Externe Zusammenarbeit“ zuordnen. Unter der Netzwerkartigkeit einer terroristischen Organisation wird zum einen die Ausbreitung Ihres Aktionsbereiches verstanden, den sie wie ein gro- ßes Netz über weite Strecken ausweitet, im Folgenden als „Internationalisierung“ 448 Vgl. Chakravarthi 2006. 449 In späteren Quellen werden die Indian Mujahideen für den Anschlag verantwortlich gemacht. Hierbei handelt es sich um eine radikale Abspaltung der Student Islamic Movement of India, deren Existenz jedoch erst nach den Anschlägen 2008 in Mumbai wahrgenommen wurde. 2009 bekannte sich Mohammed Sadiq Sheik, eine Führungsperson bei den Indian Mujahideen, nachträglich zu den Anschlägen. Vgl. Singh 2010, S. 4 ff; Joshi 2011. 450 Vgl. Chandran 2006; Routray 2006. 132 Neuer Terrorismus als Untersuchungsgegenstand beschrieben. Zum anderen wird die „Externe Zusammenarbeit“ als Vernetzung mit anderen terroristischen Organisationen als Teil der Netzwerkartigkeit beschrieben. Internationalisierung Für den Untersuchungsbereich „Internationalisierung“ wird für die Untersuchung folgende konkretisierte Forschungshypothese formuliert: H3a: Wenn terroristische Anschläge zwischen 1993 und 2014 stattfanden, dann waren sie häufiger international als Anschläge, die zwischen 1970 und 1992 stattfanden. Internationalisierung wird in der Untersuchung als Staatsgrenzen überschreitendes Handeln terroristischer Organisationen verstanden. Auch Handeln, das auf Staatsgrenzen überschreitende Konsequenzen abzielt, wird als ein solches verstanden. Die Unterscheidung des Aktionsbereichs in nationalen und internationalen bzw. transnationalen Terrorismus wird somit durch die de-jure-Landesgrenze eines Staates definiert. Eine weitere Zwischenstufe wäre der regionale Terrorismus, der sich auf Gebiete bezieht, die aus funktionalen oder historischen Bezugspunkten heraus entstanden sind.451 Regionen können innerhalb eines Staates existieren, aber auch ein Gebiet einnehmen, das sich über mehrere Staaten erstreckt. Diese weitere Unterscheidung wird für die vorliegende Untersuchung jedoch nicht verwendet, da diese Teilräume nicht allgemeingültig definiert werden können, wie bei Rainer Bovermann ausgeführt wird: „Ihre räumliche Abgrenzung hängt immer von der politisch-rechtlichen Stellung im jeweiligen politischen System und/oder von der Auswahl aus einer Vielzahl möglicher Abgrenzungskriterien ab.“452 Des Weiteren können sich Regionen im Gegensatz zu Staaten überschneiden. Ihre Aufteilung und Ausbreitung ver- ändert sich wesentlich häufiger als dies bei Staaten der Fall ist. Der ständige Wandel der regionalen Aufteilungen und die unklaren Grenzverläufe würden für die Untersuchung eine uneindeutige und unbeständige Eingrenzung der Aktionsbereiche darstellen und werden daher nicht als Untersuchungsraum einbezogen. Einige Autoren treffen eine weitere Unterscheidung zwischen internationalem und transnationalem Terrorismus. Die Unterscheidung liegt hierbei jedoch nicht ausschließlich im operativen Aktionsbereich, sondern auch im Wirkungsradius der Ziele. Internationaler Terrorismus hat innerstaatliche Ziele, während transnationaler Terrorismus internationale Ziele verfolgt und ein internationales Publikum anspricht. Auch zeichnet sich transnationaler Terrorismus durch den fehlenden lokalen Bezugspunkt der terroristischen Organisationen aus. Stattdessen findet das 451 Vgl. Bovermann 2000, S. 513. 452 Bovermann 2000, S. 513. 133 Konzeptspezifikation: Theoretischer Ansatz des Neuen Terrorismus gesamte Handeln terroristischer Organisationen in transnationalen sozialen Räumen statt. Auch die Ideologie und Mitgliedschaft sind nicht mehr gekoppelt an einen lokalen Bezugspunkt.453 Im Zusammenhang mit dem Aktionsradius terroristischer Organisationen wird der transnationale Terrorismus als qualitative Steigerung des internationalen Terrorismus verstanden. Er bildet den Endpunkt der Internationalisierung terroristischer Organisationen, die nicht mehr nur ihr Handeln, sondern auch ihre gesamte Ideologie und ihre Ziele internationalisieren. Da sich der Aktionsradius ausschließlich auf das tatsächliche Handeln terroristischer Organisationen konzentriert, wird die Internationalisierung der Ziele und Ideologien bei der Untersuchung ausgeklammert und der Transnationale Terrorismus nicht als eigener Untersuchungsraum mit einbezogen. Die Internationalisierung als Aktionsradius terroristischer Organisationen betrifft verschiedene Handlungsfelder. Sie kann sich auf die Rekrutierung von neuen Mitgliedern beziehen oder auf das Training und die Schulung von Mitgliedern, welche nicht im Heimatstaat der Organisationen stattfinden. Aber auch die Flucht- und Rückzugsräume können sich außerhalb des Heimatstaates befinden. Die Gewinnung von Ressourcen und finanziellen Mitteln im Ausland sind ebenfalls Hinweise auf internationales Agieren. Für die Untersuchung von Bedeutung ist jedoch vor allem die Internationalisierung der Anschläge. Ein internationaler Anschlag kann zum einen danach beurteilt werden, wo er stattfindet und zum anderen, wer das Opfer des Anschlags ist. Dies steht immer im Verhältnis zur ausführenden terroristischen Organisation. Wenn die terroristische Organisation den Anschlag außerhalb der Staatsgrenze ihres Heimatstaates ausführt, handelt es sich um einen internationalen Anschlag. Beachtet werden hierbei muss die Schwierigkeit bei der Festlegung des Heimatstaates der ausführenden terroristischen Organisationen. Die Anschläge transnationaler terroristischer Organisationen ohne festen Heimatstaat sind per se bereits international, egal aus welchem Staat das Opfer stammt oder in welchem Staat sie stattfinden.454 Als international gelten Anschläge auch, wenn der Herkunftsstaat des Opfers nicht dem Staat entspricht, in dem sich der Anschlag zugetragen hat. Somit werden auch einige Anschläge im Heimatland der terroristischen Organisation als international gewertet.455 453 Vgl. Schneckener 2006, S. 49 ff; Schneider/Hofer 2008, S. 35 f; Steinberg 2015. 454 Dies trifft bei der verwendeten Datenbank nur auf alle Anschläge einer Organisation zu: Al Qaeda. Allen anderen Organisationen wurden maximal bis zu drei unterschiedliche Heimatstaaten zugeordnet und werden nicht per se als „international“ gewertet. Einige Organisationen agieren nur zeitweise oder zu teilen transnational. Bei diesen wurde jeder Anschlag einzeln bewertet. Vgl. LaFree/Dugan/Miller 2015, S. 150. 455 Vgl. Martin 2006, S. 275. 134 Neuer Terrorismus als Untersuchungsgegenstand Einer der ersten – und wohl bekanntesten – internationalen terroristischen Anschläge des modernen Terrorismus wurde 1968 durch die Popular Front for the Liberation of Palestine (PLFP) verübt. Am 22.07.1968 entführten drei Mitglieder der terroristischen Organisation ein israelisches Verkehrsflugzeug. Dieser Anschlag erfüllte bereits beide Kriterien eines internationalen Anschlags: Zum einen fand der Anschlag außerhalb des Heimatlandes der terroristischen Organisation auf dem Weg der Maschine von Rom nach Tel Aviv statt, zum anderen handelte es sich bei der Maschine um ein israelisches El-Al-Verkehrsflugzeug, das israelische Passagiere an Bord hatte. Durch die internationale Komponente des Vorgehens gab es ein gro- ßes Medienecho, das nicht nur den israelischen Staat dazu zwang, mit den Terroristen zu verhandeln, sondern auch die Aufmerksamkeit der Weltbevölkerung auf die Forderung der PLFP lenkte. Der Anschlag hatte dazu geführt, dass die Situation der Palästinenser im Nahen Osten in das Bewusstsein der Bevölkerung gebracht wurde und auf die politische Agenda trat.456 Vier Jahre später folgte ein weiterer internationaler Anschlag einer palästinensischen terroristischen Organisation, der noch mehr die internationale Aufmerksamkeit auf sich zog. Am 05.09.1972 nahmen Mitglieder der terroristischen Organisation Black September elf Athleten der israelischen Mannschaft, die für die Olympischen Spiele nach München gekommen waren, im Olympischen Dorf in ihren Quartieren als Geiseln und töteten dort zwei dieser Geiseln. Bei einem anschließenden gescheiterten Befreiungsversuch am Fliegerhorst Fürstenfeldbruck wurden die restlichen neun Geiseln und fünf Geiselnehmer getötet. Zwar verlief dieser Anschlag im Gegensatz zur Flugzeugentführung 1968 nicht erfolgreich für die Terroristen, jedoch konnten die Attentäter durch die Übertragung und die hohen Zuschauerzahlen während der Spiele ein besonders großes internationales Publikum erreichen. Über 900 Millionen Menschen aus über 100 Ländern verfolgten die Geschehnisse. Des Weiteren war neben Israel nun auch ein zweiter Staat, die Bundesrepublik Deutschland, in den Anschlag verwickelt. Abgesehen davon, dass der Anschlag auf dem Boden der Bundesrepublik stattfand, forderten die Terroristen unter anderem die Freilassung von fünf gefangenen Terroristen der deutschen terroristischen Organisation RAF durch die Bundesrepublik.457 Gus Martin beschreibt die Internationalisierung des Terrorismus als rationale Entscheidung terroristischer Organisationen, die Ihnen hilft Ihre Ziel zu erreichen: „Thus, international terrorism is a functional operational decision that offers – from perspective of the terrorists – greater efficiency in promoting the goals of cause.“458 456 Vgl. Hoffman 2006, S. 110 ff. 457 Vgl. Kushner 2003, S. 247 ff; Bolz/Dudonis/Schulz 2005, S. 87 ff; Hoffman 2006, S. 115 ff; National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism 2015 a, 197209050002. 458 Martin 2006, S. 284. 135 Konzeptspezifikation: Theoretischer Ansatz des Neuen Terrorismus Internationale Anschläge haben einen höheren Nachrichtenwert und generieren in mehr Medien Aufmerksamkeit, als dies nationale Anschläge schaffen. Somit sind sie häufiger Teil der Berichterstattung und erreichen weltweit ein breiteres Publikum. Diese weltweite Aufmerksamkeit für die Forderungen der terroristischen Organisationen setzen die Staaten häufig unter Druck diesen nachzukommen. Eine spezifische Taktik, die sich im Rahmen der internationalen Aufmerksamkeit anbietet, ist die Provokation. Die terroristischen Organisationen provozieren durch ihre Anschläge harte Überreaktionen der beteiligten Staaten, die die Bevölkerung weltweite durch die anhaltende internationale Berichterstattung verfolgen kann. Die Darstellung der provozierten Staaten als grausamer Feind radikalisiert die eigene Bezugsgruppe weiter und führt zu neuen Unterstützern.459 Die Weltöffentlichkeit spielt beim internationalen Handeln der terroristischen Organisationen eine entscheidende Rolle: Sie kann zu einer Art von „sekundären, strategischen Bezugsgruppe“ werden, die sich mit der eigentlichen Bezugsgruppe solidarisiert und für die Ziele der terroristischen Organisation einsetzt, ohne den eigentlichen Anschlag zu befürworten.460 Ein weiterer Nutzen liegt in der erhöhten Angst der Bevölkerung, Opfer eines internationalen Anschlags zu werden, da das grenzüberschreitende Handeln von terroristischen Organisationen für Staaten und Behörden ein Sicherheitsproblem darstellt. Sowohl die Prävention von Anschlägen als auch deren Verfolgung wird durch rechtliche und logistische Einschränkungen erschwert. 12.10.2000: Bombenanschlag auf die USS Cole in Aden (Jemen) Der Anschlag auf die USS Cole, einen Zerstörer der US Navy, am 12.10.2000 ereignete sich im Hafen von Aden, Jemen, als sie auf dem Weg durch den Persischen Golf hielt, um zu tanken. Während des Tankvorgangs näherte sich ein ca. 12 Meter langes Boot mit zwei Personen, das mit RDX und TNT beladen war und detonierte direkt neben der USS Cole. Die Explosion riss ein 12 auf 12 Meter großes Loch in die Seite des Schiffs. Bei dem Anschlag wurden die zwei Attentäter und 17 Angehörige der US Navy getötet, weitere 38 Personen wurden verletzt. Der Schaden für die Reparatur des Schiffes betrug knapp 250 Millionen US-Dollar.461 Am 03.01.2000 gab es bereits einen Versuch ein Schiff der US Navy mit einem Bombenanschlag anzugreifen. Der Anschlag auf die USS Sullivans war jedoch erfolglos, da das Boot mit der Bombe 459 Vgl. Ranstorp 1997, S. 213 f; Martin 2006, S. 284 f. 460 Vgl. Malthaner 2005, S. 120 ff. 461 Die Zahl der Verletzten wird je nach Quelle zwischen 38 und 40 angegeben. Vgl. United States Department of State 2001; Federal Bureau of Investigation/United States Department of Justice 2004, S. 8; Kean/Hamilton 2004, S. 190; Bolz/Dudonis/Schulz 2005, S. 259; GlobalSecurity 2008; National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism (START) 2015a, 2000010120001. 136 Neuer Terrorismus als Untersuchungsgegenstand an Bord sank, bevor es explodieren konnte. Es konnte jedoch nachgewiesen werden, dass bei diesem Anschlag der gleiche Sprengstoff benutzt wurde, wie bei dem Anschlag auf die USS Cole.462 Beide Anschläge konnten der terroristischen Organisation Al Qaeda nachgewiesen werden. Verantwortlich für den Anschlag auf die USS Cole waren unter anderem für die Planung Osama Bin Laden als Kopf des Ganzen wie auch Tawfiq bin Attasch463 und Abd al-Rahmin al-Nashiri, die auch schon mit den Anschlägen auf die Botschaften in Kenia und Tansania 1998 in Verbindung gebracht wurden. Vor Ort waren Jamal al Badawi und Fahd al Quso für die Koordination verantwortlich, während Hassan al Khamri und Ibrahim al Thawar als Selbstmordattentäter das Boot fuhren.464 Auch der Anschlag auf die USS Cole kann ebenso wie die Anschläge auf die Botschaften in Nairobi und Dar es Salaam vor dem Hintergrund der bereits seit Anfang der 90er Jahre durch Al Qaeda ausgesprochene Fatwas gegen die USA und deren militärisches Personal gesehen werden. In diesem Fall wurde, wie angekündigt, US-amerikanisches Militärpersonal angegriffen, um dieses und seinen Einfluss von der arabischen Halbinsel zu vertreiben.465 Nach dem Anschlag kam ein Propaganda-Video in Umlauf, das unter anderem nachgestellte Szenen des Anschlags zeigte und durch Osama bin Laden beauftragt wurde. In dem Video taucht Osama bin Laden selbst auf und zitiert aus einem Gedicht: „And in Aden, they charged and destroyed a destroyer that fearsome people fear, one that evokes horror when it docks and when it sails.“466 Externe Zusammenarbeit Für den Untersuchungsbereich „Externe Zusammenarbeit“ wird für die Untersuchung folgende konkretisierte Forschungshypothese formuliert: H3b: Wenn terroristische Anschläge zwischen 1993 und 2014 stattfanden, dann gab es häufiger eine Zusammenarbeit zwischen terroristischen Organisationen als bei Anschlägen, die zwischen 1970 und 1992 stattfanden. Unter dem Begriff der „Zusammenarbeit“ sind im Zusammenhang mit dem Neuen Terrorismus Veränderungen in der intraorganisationalen Struktur gemeint, die mit 462 Vgl. Federal Bureau of Investigation/United States Department of Justice 2004, S. 8; National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism (START) 2015a, 2000010120001. 463 Häufig auch als Khallad bin Attash aufgeführt. Vgl. u. a. United States 2004. 464 Vgl. Gunaratna 2002, S. 49; Kean/Hamilton 2004, S. 190 ff. 465 Auszug aus der Fatwa „A Declaration of War by Osama bin Laden“ zitiert bei Gunaratna 2002, S. 44.Vgl. auch United States District Court 1998, S. 30 f./33; United States 1998, S. 70 ff; United States 2004, S. 129; Kean/Hamilton 2004, S. 45 ff./69 f; Poland 2005, S. 104. 466 Zitat entnommen aus: CBSNews 20.06.2001; Vgl. auch: Kean/Hamilton 2004, S. 191. 137 Konzeptspezifikation: Theoretischer Ansatz des Neuen Terrorismus Veränderungen in der interorganisationalen Struktur terroristischer Organisationen zusammenhängen. Während die Struktur innerhalb der Organisationen an Stabilität verliert und die interne Zusammenarbeit geringer wird, steigt der Grad der externen Zusammenarbeit zwischen den teilweise weit voneinander entfernten Organisationen. Zur internen Zusammenarbeit innerhalb einer klassischen hierarchischen Organisation zählen durch Führungspersonen koordinierte Aktionen, über die die Mitglieder der Organisation informiert sind. Somit setzt sich Zusammenarbeit innerhalb einer Organisation aus den Bereichen Aktion, Führung und Kommunikation zusammen. Wie bereits in Kapitel 3.1.2. Alter und Neuer Terrorismus in der Literatur nach dem 11. September 2001, beschrieben, sehen die Autoren die neuen terroristischen Organisationen als große, diffuse und amorphe Gebilde. Sie bestehen nur noch aus autonomen, lose miteinander verbundenen Zellen, ohne eine hierarchische, teilweise sogar ganz ohne eine klar erkennbare Organisations- und Mitgliederstruktur.467 Diese Diffusität innerhalb der terroristischen Organisationen führt dazu, dass die Kommunikation und koordiniertes Handeln innerhalb der Organisationen abnehmen. Terroristische Anschläge werden hauptsächlich von kleinen Kreisen der Mitglieder, den sogenannten Zellen, autonom durchgeführt. Diese Zellen einer terroristischen Organisation können sich in großer geographischer Entfernung voneinander befinden. In einigen Fällen verschwimmen die Grenzen zwischen einer dezentralisierten Organisation mit Zellen und einem Netzwerk aus Organisationen.468 Besonders bei dieser Art von Netzwerken besteht eine häufige Zusammenarbeit zwischen den einzelnen gebildeten Organisationen und weiteren Partnerorganisationen. Für die vorliegende Untersuchung wird daher ein Netzwerk, bzw. die Netzwerkartigkeit terroristischer Organisationen als die Verbindung der einzelnen Einheiten verstanden, die durch deren Zusammenarbeit entsteht und erhalten wird. Zur externen Zusammenarbeit zwischen den Organisationen zählt jedoch nicht nur die Zusammenarbeit mit anderen terroristischen Organisationen oder Zellen, sondern auch mit legalen Ablegern oder anderen Arten von kriminellen Organisationen. Von einer vermehrten Zusammenarbeit mit Staaten wird dagegen jedoch nicht ausgegangen. Die Zusammenarbeit reicht von finanzieller und logistischer Unterstützung, über gemeinsame Ausbildungscamps, bis hin zu gemeinsam geplanten und ausgeführten Anschlägen. Des Weiteren kommt es auch zu Konstellationen, bei denen die Mitglieder oder ganze Zellen einzelner terroristischer Organisationen zeitweise oder dauerhaft Ihre Mitgliedschaft zwischen den Organisationen wechseln oder Organisationen miteinander verschmelzen und sich wieder lösen. 467 Vgl. Hoffman 1999 a, S. 9 f./2000, S. 38/2006, S. 405 ff; Simon/Benjamin 2000, S. 69; Giddens 2004, S. 7; Kraushaar 2006, S. 18. 468 Vgl. Mayntz 2004, S. 10. 138 Neuer Terrorismus als Untersuchungsgegenstand Ähnlich wie bei den bereits ausgeführten Untersuchungsbereichen gibt es auch für die Ausbildung von kleineren Einheiten in den Organisationen und die verstärkte externe Zusammenarbeit rationale Handlungshintergründe bei den terroristischen Organisationen. Die Verlagerung und Dezentralisierung von Entscheidungen in gro- ßen Organisationen auf kleine unabhängige Einheiten und somit die Bildung handlungsautonomer Zellen ist vorteilhaft für die Geheimhaltung von geplanten Aktionen und verringert die Gefahr des Entdecktwerdens der gesamten Organisation. Außerdem geht die Entscheidungsfindung schneller und mit weniger Konflikten vonstatten. Sie dient somit dem Überleben der gesamten Organisation bzw. des gesamten Netzwerks.469 Die autonomen Zellen sind jedoch aufgrund der Abkopplung von der Kernorganisation bei Anschlägen mit weniger Ressourcen ausgestattet, als dies bei der gesamten Organisation der Fall wäre. Die Kooperation mit anderen terroristischen Organisationen bzw. deren Zellen können diese Ressourcenknappheit verringern. Ein weiterer Faktor für die Zusammenarbeit von terroristischen Organisationen ist der technische Fortschritt der Kommunikationsmedien und Transportmittel. Die Kosten der Kommunikation und Interaktion zwischen weit entfernen Organisationen und Zellen sind mit der Zeit rapide gesunken. Vor allem die Ausbreitung des Internets ermöglicht eine globale Logistik zwischen den einzelnen Organisationen.470 Im Folgenden wird anhand eines Exkurses zur terroristischen Organisation bzw. des terroristischen Netzwerks Al Qaeda versucht, den komplexen Zusammenhang eines Netzwerks, dessen globale Ausbreitung und die Verlagerung der Zusammenarbeit auf die externen Strukturen zu veranschaulichen: – Exkurs 3: Al Qaeda – Der Begriff „Al Qaeda“ wird sowohl für ein Netzwerk aus Organisationen verwendet als auch nur für die Kernorganisation. Diese wurde 1984 von Osama bin Laden und Sheikh Abdullah Azzam zunächst unter dem Namen Maktab al Khidamat (MAK) gegründet und hatte, unter anderem mit der Hilfe des CIA, die Bekämpfung (Jihad) der Sowjets in Afghanistan zum Ziel. 1988 wurde die sunnitische Organisation in Al Qaeda (the base) umbenannt und der Jihad mit einem Teil der damals ausgebildeten Mujaheddin nach dem Abzug der Sowjets gegen neue Feinde fortgeführt.471 Die Organisation begann als hierarchisch strukturiertes Gebilde, das jedoch nach 469 Vgl. Zawodny 1981, S. 25; Crenshaw 1985, S. 467; Anderson/Loan 2009, S. 95 f. 470 Vgl. Howard 2004, S. 80 f. 471 Vgl. Anderson/Sloan 2009, S. 557 f; Schanzer 2011 S. 28 f; National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism (START) 2014 f; Stanford University 2019 b. 139 Konzeptspezifikation: Theoretischer Ansatz des Neuen Terrorismus und nach zu einer Franchise-Struktur mit autonomen Zellen ausgebaut wurde. Die Kernorganisation, die von Osama bin Laden selbst und nach dessen Tod von Ayman al-Zawahiri geleitet wurde, umfasste in Spitzenzeiten nur maximal 1.000 bis 1.500 Anhänger. Zählt man jedoch die engverbündete Organisationen, Zellen und Partnerorganisationen dazu, kommt man auf ein Netzwerk von bis zu 100.000 Personen, die in über 55 Ländern aktiv sind.472 Die verbündeten Organisationen reichen von kleinen Zellen bis zu großen Organisationen, deren Verbindung zu Al Qaeda variieren von losen Kooperationen bis hin zur vollständigen Assimilation einschließlich der Namensadaption. Zu den engsten und aktivsten direkten Ablegern des Al Qaeda Netzwerkes gehören, neben der Kernorganisation Al Qaeda, Al Qaeda in the Arabian Peninsula (AQAP), Al Qaeda in the Land of the Islamic Maghreb (AQLIM) und Al Qaeda in Iraq (AQI), die sich später zu terroristischer Organisation Daesh (Islamischer Staat) entwickelte. Die Zusammenarbeit und die Überschneidungen sind bei diesen Organisationen zu manchen Zeitpunkten so eng, dass häufig von außen keine Unterscheidung gemacht werden kann. In einigen Fällen steht daher die Bezeichnung Al Qaeda nicht nur für die Kernorganisation, sondern auch für diese Organisationen als Teil des Al Qaeda Netzwerks. Die Komplexität des Netzwerks und die Unterschiedlichkeit in den Beziehungen zwischen den Knotenpunkten dieses Netzwerks, den einzelnen terroristischen Organisationen und Zellen, zeigt sich bereits bei den drei engsten Ablegern: deren Beziehungen differieren von ideologischer Verbundenheit, über rein strategische Allianzen bis hin zur Feindschaft. AQAP ist eine Verschmelzung der 2000 gegründeten Al Qaeda in Yemen (AQY) und 2004 gegründeten Al Qaeda in Saudi Arabia, die 2009 unter der Führung des 2015 getöteten al-Wuhayshi’s (Abu Basir) stattfand.473 Genau wie die Kernorganisation Al Qaeda sind auch viele Mitglieder von AQAP ehemalige Mujaheddin Kämpfer gewesen, die in den Jemen zurückkehrten. Sowohl deren Basis als auch die meisten Anschlagsziele sind zwar lokal auf den Süden und Südosten des Jemen begrenzt, häufig werden jedoch westliche Ziele ausgewählt. Einer der wenigen größeren, aber erfolglosen Anschläge außerhalb des Jemen war der des „Unterhosen Bombers“, Umar Farouk, in Detroit Michigan. Die Organisation wird, mit steigender Tendenz, auf 1.000 Personen geschätzt und zählt gleichzeitig zu den aktivsten und engsten des Netzwerks. AQAP besitzt zwar eine hierarchische Kommandostruktur, ist jedoch dezentralisiert in einzelne Zelle aufgeteilt.474 472 Vgl. Schanzer 2011 S. 28; Asal/Rethemeyer 2015 a; Stanford University 2019 b. 473 Zu seinem Nachfolger wurde Qassim al-Raimi ernannt. Vgl. Council on Foreign Relations 2015. 474 Vgl. National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism (START) 2014 g; Asal/Rethemeyer 2015 b; Stanford University 2019 c/d. 140 Neuer Terrorismus als Untersuchungsgegenstand AQLIM hat seine Basis in Algerien und ist um das Jahr 2006 aus der 1998 gegründeten Organisation Salafist Group for the Preaching and Combat (GSCP) hervorgegangen und wurde Anfang 2007 in Al Qaeda in the Land of the Islamic Maghreb (AQLIM) umbenannt. Der Grund der Verschmelzung mit Al Qaeda war jedoch weniger ideologischer, als mehr operativer und strategischer Art. Die Anschläge der Organisation konzentrieren sich hauptsächlich auf Länder der Maghreb-Staaten und die Subsahara Region, wie Algerien, Tunesien, Mali, Mauretanien, Libyen und den Niger. Die Größe der Organisation wurde zeitweise auf maximal 1.000 Mitglieder geschätzt, die in halbautonomen, teilweise rivalisierenden Zellen agieren.475 Jama’at al-Tawhid wa’al-Jihad wurde 2003 nach der Invasion der U. S. Amerikaner im Irak als terroristische Organisation aktiv. Im Jahr 2004 wurde die Organisation unter der Führung von Abu Musab Zarqawi in Al Qaeda in the Land of the Two Rivers bzw. Al Qaeda in Iraq (AQI) umbenannt und somit die Zugehörigkeit zu Al Qaeda Netzwerk ausgedrückt, nachdem Osama bin Laden bereits längere Zeit die Angliederung von Abu Musab Zarqawis Organisation durch finanzielle Anreize vorangetrieben hatte. Jedoch bestanden zwischen Osama bin Laden und Abu Musab Zarqawi bereits vor der Vereinigung der beiden Organisationen Differenzen über Opferwahl und Strategien. Während Osama Bin Laden hauptsächlich die USA und den Westen als Feind und Ziel seiner Angriffe verstand, griff Abu Musab Zarqawi auch Schiiten, irakische Zivilisten und sogar sunnitische Führer an. Nachdem Abu Musab Zarqawi 2006 durch einen US-Luftangriff getötet worden war, wurde AQI durch dessen Nachfolger Abu Ayub al-Masri inoffiziell in The Islamic State in Iraq (ISI) umbenannt. 2013 erhielt die Organisation offiziell den Name The Islamic State in Iraq and Syria (ISIS) bzw. The Islamic State in Iraq and the Levant (ISIL) und wurde nach bestehenden Differenzen mit der Kernorganisation Anfang 2014 aus dem Al Qaeda Netzwerk verbannt. In diesem Jahr benannte sich die Organisation ein weiteres Mal um in The Islamic State (IS)476, rief das Kalifat im Irak und Syrien mit Abu Bakr al-Baghdadi als Kalifen aus und handelt seit dem nicht nur losgelöst von Al Qaeda, sondern ist mit der Organisation verfeindet. Seither befinden sich Al Qaeda und Daesh in einem Wettstreit um Land und Mitglieder, bei dem sie sich gegenseitig bekämpfen und gleichzeitig versuchen sich mit Anschlägen zu übertrumpfen.477 475 Vgl. Anderson/Sloan 2009, S. 609 ff; Salhi 2011 S. 35 f; National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism (START) 2014 h; Asal/Rethemeyer 2015 c; Stanford University 2019e. 476 In der vorliegenden Untersuchung wird die terroristische Organisation The Islamic State mit ihrem arabischen Akronym „Daesh“ bezeichnet. 477 Vgl. Anderson/Sloan 2009, S. 565 ff; National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism (START) 2014 i; Laub 2016; Watts 2016, S. 1 f; Stanford University 2019 f. 141 Konzeptspezifikation: Theoretischer Ansatz des Neuen Terrorismus Neben diesen drei wichtigsten verbündeten Organisationen der Kernorganisation Al Qaeda gibt es noch eine ganze Reihe weitere, weniger aktive Organisationen, die dem Netzwerk angehören und den Al Qaeda im Namen tragen:478 • Al Qaeda in the Indian Subcontinent (Pakistan) • Al Qaeda Kurdisch Battalions (Irak) • Al Qaeda Organization for Jihad in Sweden (Schweden) • Al Qaeda in Lebanon (Libanon) • Al-Qaeda Brigade (Lybien) • Islambouli Brigade of Al Qaeda (Russland) • Jadid Al Qaeda Bangladesh (Bangladesh) • Al Qaeda Network for Southwestern Khulna Division (Bangladesh) • Secret Organization of Al Qaeda in Europe (Großbritannien) Zu den weiteren Organisationen, die direkt der Kernorganisation unterstellt sind, gehören Al-Shabaab und die Al-Nusrah Front. Neben den direkt unterstellten Organisationen gibt es weitere Organisationen aus verschiedenen Ländern, die mit Al Qaeda kooperieren. Vor allem al-Gama’a al-Islamiyya galt als Verbündeter von Al Qaeda und erhielt auch mutmaßlich Unterstützung durch die Organisation und Osama Bin Laden selbst. Einige Mitglieder von al-Gama’a al-Islamiyya unterzeichneten 1998 nicht nur die Fatwa Osama Bin Ladens gegen die USA, sondern waren teilweise auch selbst Mitglieder bei Al Qaeda.479 Neben al-Gama’a al-Islamiyya kooperieren unter anderem folgende terroristische Organisationen mit Al Qaeda:480 • Abu Sayyaf Group (Philippinen) • Ansar al-Sharia (Libyen) • Boko Haram (Nigeria) • Moro Islamic Liberation Front (Philippinen) • Revolutionary Armed Forces of Colombia (Kolumbien) • Tehrik-e Taliban Pakistan (Pakistan) • Haqqani Network (Afghanistan) • Lashkar-e-Islam (Pakistan) 478 Vgl. National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism (START) 2014 f; Asal/Rethemeyer 2015 ; Stanford University 2019 b. 479 Vgl. United States District Court, S. D. New York, United States 1996; United States Department of State 2004, S. 194f; National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism (START) 2014 j. 480 Vgl. National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism (START) 2014 f; Asal/Rethemeyer 2015 a; Stanford University 2019 b. 142 Neuer Terrorismus als Untersuchungsgegenstand 11.03.2004: Bombenanschläge auf Züge in Madrid (Spanien) Am 11.03.2004 wurden bei Bombenanschlägen auf Züge in Madrid 191 Menschen getötet und 1:800 Personen verletzt. 10 Bomben in vier verschiedenen Zügen detonierten am Morgen des 11. März 2004 zwischen 07:39 Uhr und 07:42 Uhr. Drei der Züge waren von Acala de Henarez in Richtung Stadtzentrum Madrid unterwegs, der vierte Zug kam aus Guadalajara. Drei der Bomben explodierten um 07:39 im ersten Zug in der Haltestelle „Atocha“ und vier weitere einige hundert Meter vor derselben Station in einem zweiten Zug, der aufgrund einer Verspätung noch nicht im Bahnhof eingefahren war. Um 07:41 explodierten die achte und neunte Bombe in einem dritten Zug, der gerade durch die Haltestelle „El Pozo“ fuhr. Die letzte Bombe explodierte um 07:42 in einem vierten Zug, als dieser gerade durch die Haltestelle „Santa Eugenia“ fuhr. Die Sprengsätze bestanden jeweils aus mindestens 10 Kilo Sprengstoff auf Nitroglycerinbasis, die durch Handys ferngezündet wurden und in Reisetaschen in den Zügen deponiert waren. In den Stationen Altrocha und El Pozo wurden drei weitere Sprengsätze entdeckt, von denen zwei kontrolliert zur Detonation gebracht wurden und keine weiteren Opfer forderten. Der dritte Sprengsatz konnte unbeschädigt geborgen werden.481 Für die Anschläge verantwortlich war eine Gruppierung namens Abu Hafs al-Masri Brigades, bestehend aus mehrere Personen, die sich aus dem Umfeld verschiedener terroristischer Organisationen zusammentaten, darunter Mitglieder einer spanischen Al Qaeda Zelle, Mitglieder der Moroccan Islamic Combatant Group, der Algerian Armed Islamic Group und der Egyptian Islamic Jihad. Beteiligt waren jedoch auch Personen ohne terroristischen Hintergrund, die aus dem kriminellen Milieu stammten. Als Kopf der Operation gelten vor allem Serhane ben Abdelmajid Fakhet, Mitglieder der Maroccan Islamic Combatant Group, Jamal Ahmidan und Amer Azizi, Mitglied der spanischen Al Qaeda Zelle „Abu Dahah Cell“. Letzterer hatte zum Zeitpunkt der Anschläge eine wichtige Stellung innerhalb des Al Qaeda Netzwerks und wurde 2005 von einer US-amerikanischen Drohne getötet.482 Den Attentätern, die hauptsächlich ursprünglich aus Marokko kamen, konnte eine islamistische Ideologie als Hintergrund der Anschläge zugeordnet werden. In einem Video bekennt sich Al Qaeda wenige Tage später zu den Anschlägen und nennt die Kooperation Spaniens mit der Bush-Regierung und dem damit verbundenen Einmarsch in den Irak und in Afghanistan als Grund für die Anschläge. Fernando Reinares spricht in 481 Vgl. BBC News 2004a; Bolz/Dudonis/Schulz 2005, S. 259 f; National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism (START) 2015 a, 200403110001, 200403110003, 200403110004, 200403110007. 482 Vgl. Williams 2008, S. 20 f; Reinares 2009; Reinares 2012. 143 Konzeptspezifikation: Theoretischer Ansatz des Neuen Terrorismus einem Artikel aus dem Jahr 2009 sogar von einem direkten zeitlichen Zusammenhang zwischen der Radikalisierung einiger Attentäter und dem Einmarsch in den Irak.483 Sieben der Attentäter sprengten sich wenige Wochen nach dem Anschlag, am 03.04.2004, bei einer Polizei Razzia selbst in die Luft, nachdem sie zu Verdächtigen eines weiteren vorbereiteten Anschlags wurden, darunter auch Serhane ben Abdelmajid Fakhet und Jamal Ahmidan. 2007 wurden in einem Gerichtsverfahren 21 der 28 Verdächtigen schuldig gesprochen, für die Anschläge verantwortlich zu sein. Die acht Hauptverdächtigen wurden zu jeweils 38.976 Jahren verurteilt.484 4.2.2.4 Neue Ideologie: Forschungshypothese H4 zur Religiosität Die letzte Eigenschaft, deren Entwicklung im Zeitabschnitt zwischen 1970 und 2014 untersucht werden soll, stammt aus dem Definitionsbereich der Ideologie. Die „Religiosität“ bzw. der Anteil aktiver terroristischer Organisationen mit religiöser Ideologie müsste laut des theoretischen Ansatzes des Neuen Terrorismus seit 1993 signifikant angestiegen sein. Daher lässt sich hierzu folgende Forschungshypothese formulieren: H4: Wenn terroristische Anschläge zwischen 1993 und 2014 stattfanden, dann war die Ideologie der terroristischen Organisation, die den Anschlag ausführte, häufiger religiös als bei Anschlägen zwischen 1970 und 1992. Die religiöse Ideologie ist neben der links-sozialrevolutionären, der rechts-konservativen und der nationalistisch-separatistischen eine der vier Ideologien, die den terroristischen Organisationen zugeordnet werden können. Die Religiosität bzw. die religiöse Ideologie einer terroristischen Organisation wird als deren fundamentalistische Auslegung und Aneignung einer Religion verstanden. Die extreme Interpretation der jeweiligen Religion zeigt sich insbesondere in einer Einteilung der Welt in Gut und Böse, in einem reaktionär apokalyptisch-messianischen Weltbild, in einer Entmenschlichung des Feindes und in ihrem universellen Geltungsanspruch.485 Bei der inhaltlichen Ausgestaltung kommen grundsätzlich sämtliche Religionen und sektiererische Zusammenschlüsse in Frage, unabhängig von deren Bekanntheitsgrad oder Verbreitung. Zu den bekanntesten zählen wohl jedoch die drei großen monotheistischen Weltreligionen, bei denen sich terroristische Organisationen ideologisch bedienen: Das Christentum, der Islam und das Judentum. Neben den Aussagen der 483 Vgl. BBC News 2004 b; Hamilos 2007; Reinares 2009, S. 18. 484 Vgl. BBC News 2005 a; Hamilos 2007; Hamilos/Tran 2007; Bundeszentrale für politische Bildung 2014. 485 Vgl. Juergensmeyer 2000, S. 161; Hildebrandt 2007, S. 5 f. 144 Neuer Terrorismus als Untersuchungsgegenstand religiösen Amts- und Funktionsträger, liefern vor allem die heiligen Schriften der jeweiligen Religionen Informationen über deren Ausgestaltung. Im Folgenden werden die Grundzüge und zentralen Botschaften der drei monotheistischen Weltreligionen stellvertretend für alle Religionen kurz skizziert: Das Christentum ist mit ca. zwei Milliarden Anhängern die größte religiöse Gemeinschaft der Welt und lässt sich in die Hauptströmungen der Katholiken, die etwa die Hälfte der Gläubigen darstellen, Protestanten, Orthodoxen und Anglikanern unterteilen. Etwa die Hälfte der Christen lebt in Europa und Lateinamerika, aber auch in Afrika, Asien und in Nordamerika finden sich jeweils mehrere hundert Millionen Anhänger der Religion.486 Diese entwickelte sich im ersten Jahrhundert n. Chr. aus der Religion des Judentums. Neben der Übernahme des Alten Testaments aus dem Judentum entstand ca. 50 n. Chr. bis zur Mitte des zweiten Jahrhunderts das Neue Testament. Beide Schriften bilden nach späterer kanonischer Festlegung zusammen als zweiteilige Bibel die Heilige Schrift des Christentums.487 Im Zentrum des christlichen Glaubens steht die Figur des Jesus von Nazareth, der im Jahre Null der christlichen Zeitrechnung als Sohn Gottes von Maria in Nazareth (oder Betlehem) geboren wurde. Die Geschichte seines Wirkens zu Lebzeiten, seiner Kreuzigung durch Pontius Pilatus bei Golgota und seiner Wiederauferstehung als Jesus Christus, wie am Anfang des Neuen Testaments in den vier Evangelien beschrieben, begründen den christlichen Glauben.488 Neben den Inhalten der Bibel hatten auch spätere Aussagen kirchlicher Vertreter Einfluss auf die Interpretation der christlichen Ideologie. Vor allem die im Katholizismus durch Bischofssynoden verbreiteten Dogmen sind hierfür ein Beispiel. Hierzu gehörten unter anderem die drei großen altkirchlichen Glaubensbekenntnisse: das Trinitätsdogma, das christologische Dogma und das athanasische Glaubensbekenntnis, aber auch weitere Dogmen, wie zum Beispiel zur unbefleckten Empfängnis Marias oder zur Unfehlbarkeit des päpstlichen Lehramts. Die Dogmen haben in den einzelnen Strömungen unterschiedlichen Einfluss. So sind sie im römischen-katholischen489 und orthodoxen Christentum von größerer Bedeutung als im protestantischen oder anglikanischen. Alle Strömungen einen jedoch drei grundlegende Glaubensinhalte: der Glaube an Gott als Schöpfer von Himmel und Erde, der Glaube an Satan als gefallener Engel und die Erlösung und Vergebung der Sünden im Tod und der Auferstehung Jesus Christus.490 Zu den 486 Vgl. Nowak 2008, S. 121 f. 487 Vgl. Die Bibel 1980. 488 Vgl. Nowak 2008, S. 16 f. 489 In der alt-katholischen Kirche werden dagegen nicht alle Dogmen angenommen, u. a. nicht die Annahme der Unfehlbarkeit des Papstes oder der unbefleckten Empfängnis Marias. 490 Vgl. Nowak 2008, S. 66 ff. 145 Konzeptspezifikation: Theoretischer Ansatz des Neuen Terrorismus bekanntesten terroristischen Organisationen mit einer christlichen Ideologie gehören unter anderem die Army of God und die Christian Identity in den U. S. A. oder die Lords Resistance Army in Uganda. Mit circa 1,2 Milliarden Muslimen ist der Islam die zweitgrößte religiöse Gemeinschaft. Zweidrittel der Muslime leben in Asien, vor allem in Indonesien, Pakistan, Bangladesch und Indien. Auch auf dem afrikanischen Kontinent finden sich noch über 300 Millionen Anhänger. In Europa sind es nur noch knapp über 30 Millionen und in Nordamerika knapp über vier Millionen. Lateinamerika und Ozeanien haben den geringsten Anteil an Muslimen.491 Der Islam entstand als Religion ca. 610 n. Chr. mit der Berufung Mohammeds zum Propheten. Auch der islamische Glaube bezieht sich auf das Alte Testament (die fünf Bücher Mose und die Psalmen), das Neue Testament und die Figur Jesu, der allerdings nicht als Gottessohn dargestellt wird, sondern nur als „einfacher“ Prophet neben den anderen Propheten. Mohammed ist der letzte und wichtigste Prophet in der Reihe, der als letzter die Offenbarung Gottes erhalten hat. Diese Offenbarung in Form von Gottes Wort ist im Koran niedergeschrieben, der als letzter Offenbarungstext die wichtigste Heilige Schrift und somit die Glaubensgrundlage der islamischen Religion darstellt. Der Inhalt des Korans wurde Mohammed durch den Erzengel Gabriel auf dem Berg Hirâ als Wort Gottes verkündet. Aufgeschrieben wurde er aber erst einige Jahre nach Mohammeds Tod durch einen seiner Nachfolger.492 Der Islam teilt sich heute in die zwei Hauptströmungen der Sunniten und der Schiiten, die sich aus dem Streit um die rechtmä- ßigen Nachfolge Mohammeds als Kalifen ergaben.493 Der Anteil der Sunniten liegt geschätzt bei 85–90 %, der Anteil der Schiiten liegt zwischen 8–15 %. Neben dem Iran, in dem die schiitische Lehre Staatsreligion ist, gibt es nur im Irak und Syrien schiitische Mehrheiten. Beide Strömungen unterteilen sich in weitere einzelne Rechtsschulen und Sekten.494 Neben dem Koran liefert die Sunna als Gewohnheits- und Handlungsweisung Mohammeds und seiner Gefährten den Muslimen Verhaltenund Rechtsvorschriften für den Alltag. Bei den Sunniten stehen hierbei vor allem die überlieferten Sprüche des Propheten Mohammeds, die sogenannten Hadîthe, im Mittelpunkt. Die Schiiten grenzen für sich die Hadîthe jedoch auf die vier Bücher mit den Aussprüchen der 12 Imame ein. Die Fatwâs, die Rechtsgutachten, die von religiösen Experten, den ulamâs, gegeben werden, legen etwa seit Anfang des acht- 491 Vgl. Nowak 2008, S. 121 f. 492 Vgl. Busse 2005, S. 24 ff; Halm 2008, S. 10 ff./95; 493 Während die schiitischen Muslime nur einen Verwandten Mohameds als dessen rechtmäßigen Nachfolger und religiösen Führer ansehen, muss dieser laut der sunnitischen Lehre nur dem Stamm Mohameds angehören und öffentlich bestätigt werden. Vgl. Halm 2008, S. 46; Schirrmacher 2016, S. 2. 494 Vgl. Schirrmacher 2016, S. 2 f/6. 146 Neuer Terrorismus als Untersuchungsgegenstand zehnten Jahrhunderts die Inhalte des Koran und der Sunna für die Gläubigen aus. Diese gelten jedoch nur bei den Schiiten als verpflichtende Handlungsanweisung.495 Der grundlegende Glaubensinhalt des Islam ist die Erkenntnis, dass es keinen Gott außer Gott (Allâh) gibt und dass dieser allmächtig und allwissend ist. Neben dem Glauben an die Propheten, Engel und die Offenbarungsschriften stehen der Glaube an die göttliche Vorherbestimmung und das Jüngsten Gericht im Mittelpunkt des islamischen Glaubens.496 Zu den islamistischen terroristischen Organisationen zählen unter anderem die Taliban in Afghanistan, Al-Shabaab in Somalia oder die Moro Islamic Liberation Front auf den Philippinen. Das Judentum ist die kleinste Religion der drei großen monotheistischen Weltreligionen, aber gleichzeitig die älteste der abrahamitischen Religionen, die sich auf das Alte Testament berufen. Die jüdische Religion entstand bereits 2000 v. Chr., hat aber weltweit nur 14 Millionen Anhänger, die sich aktuell hauptsächlich auf Israel und die U. S. A. verteilen, gefolgt von Frankreich und Russland mit jeweils knapp einer halben Million Gläubigen.497 Die Gemeinschaft der Juden unterteilt sich hauptsächlich in orthodoxe, reformierte und konservative.498 Im Gegensatz zum Christentum und den Islam werden Anhänger nicht missioniert, es besteht allerdings die Möglichkeit zum jüdischen Glauben zu konvertieren. Generell ist man jedoch von Geburt an Teil der jüdischen Glaubensgemeinschaft, wenn man von einer jüdischen Frau geboren wird.499 Als Heilige Schrift des Judentums gilt die hebräische Bibel, der Tanach, welcher in abgewandelter Reihenfolge dem Alten Testament im Christentum und im Islam entspricht. In der ursprünglichen, jüdischen Form besteht der Tanach aus der Thora, den 5 Büchern Mose, die die Gebote und Verbote enthalten, den Büchern der Propheten (Newiim) und den Schriften (Ketuwim). Die ersten Teile der Thora wurden bereits ca. 950 v. Chr. niedergeschrieben. Neben dem Tanach stellt der Talmud eine der wichtigsten Schriften des Judentums dar. Er besteht aus einer großen Sammlung von außerbiblischen mündlichen Überlieferungen an Geboten (mündliche Thora), die Mose von Gott erhalten hat, und deren Analysen und Kommentare durch jüdische Gelehrte. Der Talmud entstand bis ins achte Jahrhundert n. Chr. hinein und bietet in 12 Bänden eine große Auswahl an Themen in Form von praktischen Handlungsanweisungen und Anwendungen, wie zum Beispiel zum Ehe- und Familienrecht, Opferriten, Speisegesetzen oder Festtagen.500 Im Zentrum des jüdi- 495 Vgl. Palazzi 2000, S. 56; Busse 2005, S. 26; Halm 2005, S. 38 ff./74 f; Schirmacher 2016, S. 11. 496 Vgl. Der Koran 2011, Sure 4:136. 497 Vgl. Nowak 2008, S. 121; Ortag 2009, S. 12 f. 498 Vgl. Stemberger 2008, S. 66 f. 499 Vgl. Stemberger 2008, S. 11 ff; Ortag 2009, S. 17. 500 Vgl. Stemberger 2008, S. 61 f; Ortag 2009, S. 36 ff. 147 Konzeptspezifikation: Theoretischer Ansatz des Neuen Terrorismus schen Glaubens steht Gott, der Moses die Zehn Gebote auf dem Berg Sinai für das jüdische Volk mitgegeben hat und dieses somit zum auserwählten Volk machte. Dieser einzige Gott, der allwissend ist, alles erschaffen hat, das Gute belohnt, das Böse bestraft und Gnade für den Gläubigen bei aufrichtiger Reue zeigt, ist die Hauptperson des jüdischen Glaubens. Ebenso zentrale Glaubensinhalte sind der Glaube an ein Leben nach dem Tod, die Bedeutung der Nächsten- und Feindesliebe, die Hoffnung auf das Erscheinen eines Messias und die Erwartung des gelobten versprochenen Lands.501 Zu den jüdischen terroristischen Organisationen zählen die Kach in Jerusalem und im Westjordanland, die Jewish Defense League und die Jewish Armed Resistance, die beide in den U. S. A. aktiv waren. Neben der Aneignung bekannter bestehender Religionen greifen einige terroristische Organisationen auch auf Mischformen religiöser Inhalte, Abspaltungen bekannter Religionen oder wenig bekannte religiöse Inhalte zurück. Diese Ideologien werden im Allgemeinen als sektirisch oder kultisch bezeichnet, gehören jedoch eigentlich zu den religiösen Ideologien, da die Abgrenzung zwischen einer Religion und einer Sekte einzig eine Frage des kulturellen Standpunktes und des aktuellen Wertesystems einer Gesellschaft ist. Das Verhältnis der religiösen Minderheit zur Gesellschaft, der zeitliche und der geschichtliche Kontext entscheiden darüber, ob eine Sekte als „echte“ Religion anerkannt wird oder nicht.502 Während die im Staat anerkannten Kirchen als Institutionen eher dazu neigen „religiöse Sonder-Gemeinschaften“ nicht als Religionen anzuerkennen, können deren Inhalte für Außenstehende genau so wahr oder unwahr erscheinen wie die der anerkannten Religionen.503 Für die Untersuchung werden auch diese als Sekten oder Kulte bezeichneten terroristischen Organisationen aus den genannten Gründen zu den religiösen Organisationen gezählt. In der vorliegenden Literatur über terroristische Organisationen werden einigen der Organisationen mit sektirischen bzw. kultischen Ideologien erwähnt, wie zum Beispiel die Aum Shinrikyo in Japan oder die Lord’s Resistance Army (LRA), die in Uganda und dem Südsudan aktiv ist. Die LRA ist eine Nachfolgeorganisation der The Holy Spirit Mobile Force und kämpft seit Anfang der neunziger Jahre für die Absetzung des Präsidenten und die Errichtung eines Gottesstaates in Uganda, der unter anderem auf den Zehn Geboten basieren soll. Die Ideologie ist eine Mischung aus Elementen der christlichen und islamischen Religion, Hexerei und einzelnen Riten. Den Mitgliedern ist es zum 501 Vgl. Skolnik/Berenbaum 2007, S. 532; Ortag 2009, S. 22 ff. 502 Deutscher Bundestag 1996, S. 19. 503 An dieser Stelle soll nur auf das Problem der unklaren Abgrenzung zwischen Religion und Sekte hingewiesen werden, ohne dieses jedoch abschließend aufzulösen, da dies den Rahmen der Untersuchung überschreiten würde. 148 Neuer Terrorismus als Untersuchungsgegenstand Beispiel verboten, weißes Hühnchen zu essen oder Fahrrad zu fahren. Ähnlich wie bei seiner Vorgängerin geht es dem Anführer der LRA Jospeh Kony auch darum, die Acholi von Hexerei und Zauberei zu säubern.504 Aum Shinrikyo dagegen wurde, anders als die LRA, sogar vom japanischen Staat offiziell als religiöse Gemeinschaft von 1989 bis 1995 anerkannt. Die zeitweise über 50.000 Mitglieder glaubten an eine Mischung aus endzeitlich-apokalyptischem Gedankengut der Johannesoffenbarung, Elementen des Hinduismus und Buddhismus und den Prophezeiungen des Nostradamus. Der Anführer Shoko Ashara prophezeite seinen Anhängern einen bevorstehenden Weltkrieg, in dem sich Japan gegen die U. S. A. und seine anderen Feinde verteidigen müsse. Zuerst behauptete er, dass einzig die Mitglieder der Organisation in der Lage wären dies zu verhindern. Später prophezeite er, dass einzig die auserwählten Mitglieder das Armageddon nach dem Weltkrieg überleben würden, um anschließend im tausendjährigen Reich den Messias zu empfangen, der ihnen das Paradies auf die Erde bringt.505 Im Gegensatz zu den übrigen Eigenschaften handelt es sich bei der Religiosität als Ideologie einer terroristischen Organisation nicht um direkt beobachtbare Eigenschaften der Organisation oder deren Anschläge, wie zum Beispiel die Anzahl der Opfer eines Anschlags. Um die Ideologie einer Organisation zu erfassen, müssen vor allem die mündlichen Aussagen der Mitglieder oder deren schriftliche Darlegungen als Hinweise auf deren Ideologie herangezogen werden. Hierzu dienen vor allem die Aussagen der Gründer oder führenden Personen der terroristischen Organisationen. In Pamphleten, Handbüchern, Verlautbarungen, Homepages oder in Interviews lassen sich häufig Aussagen über die Ideologie finden. Vor allem wenn die Organisation möchte, dass Ihre Ideologie bekannt ist, formulieren sie diese in der Öffentlichkeit direkt und unmissverständlich. Ist dies nicht der Fall, können bei fehlenden konkreten Aussagen auch die Anwendung gewisser Praktiken, das Verhalten der Mitglieder, die Art der Opfergruppe, die Formulierung des Feindbilds oder der Zeitpunkt der Handlungen Aufschluss über die Ideologie geben. Dass es sich um einer religiöse Ideologie handelt, lässt sich häufig daran erkennen, dass die Mitglieder einer Organisation sich auf heilige Schriften oder religiöse Gestalten, wie zum Beispiel Jesus, Mohammed oder Shiva beziehen. Die Herstellung einer Theokratie, eines religiösen Gottesreiches oder Gottesstaates, als wichtigstes Ziel der terroristischen Organisationen ist häufig ebenfalls ein starker Hinweis auf eine religiöse Ideologie. 504 Vgl. Hammerschmidt 2006; Martin 2006, S. 196 f; Anderson/Loan 2009, S. 399. 505 Siehe hierzu auch: 20.03.1995: Saringas-Anschlag auf U-Bahn, Tokio (Japan) in Kapitel 3.4.2.1 Neue Strategie: Forschungshypothese H1 zur hohen Gewaltbereitschaft. Vgl. Griset/Mahan 2003, S. 233; Juergensmeyer 2004, S. 154; Poland 2005, S. 125; Hoffman 2006, S. 196 ff; Parachini/Furukawa 2007, S. 534; Anderson/Loan 2009, S. 58; Fletscher 2012. 149 Konzeptspezifikation: Theoretischer Ansatz des Neuen Terrorismus Als Ideologie einer Organisation ist die Religiosität eine konstante Eigenschaft, die nicht durch Veränderungen in der Umwelt ausgelöst oder beendet wird, wie bereits in Kapitel 2.4.5. Ideologie erläutert wurde. Begründen lässt sich dies mit der Verankerung in verfestigte moralische und normative Werte und der Annahme der Unfehlbarkeit einer Ideologie. Weder verändern sich die Ideologien der terroristischen Organisationen noch lassen sich Abstufungen oder unterschiedliche Intensitäten erfassen. Daher stellt sich im Gegensatz zu den anderen Eigenschaften auch nicht die Frage, welche rationalen Erwägungen eine Organisation dazu bringen, eine religiöser Ideologie zu entwickeln, sondern nur welche rationalen Gründe zur Bildung und Erhaltung einer solchen Organisation führen bzw. auf der Mikroebene, welche Gründe einzelne Personen dazu veranlassen, sich diesen Organisationen anzuschließen. In Kapitel 2.1.2. Alter und Neuer Terrorismus in der Literatur nach dem 11. September 2001 wurde bereits die Vermutung einiger Autoren zu Gründen der Entwicklung religiöser terroristischer Organisationen bzw. zur Mitgliedschaft in diesen Organisationen präsentiert: Die Folgen der Globalisierung und Säkularisierung der Gesellschaft sollen zu Unsicherheiten und zu einem empfundenen Bedeutungsverlust vor allem bei sozial schlechter gestellten Personen führen.506 Diese erhoffen sich durch die Mitgliedschaft bei den religiösen terroristischen Organisationen die Rückeroberung von Macht, Kontrolle und Sinnhaftigkeit Ihrer Existenz. Mark Juergensmeyer beschreibt diesen Ausweg, den die religiöse Ideologie anbietet, als den übergeordneten „kosmischen Kampf zwischen Gut und Böse“: „In such a climate, religion gives a profundity and ideological clarity to often real experiences of economic destitution, social oppression, political corruption, and a desperate need to rise above the limitations of modern life. The image of cosmic struggle has given these bitter experiences meaning, and the involvement in a grand conflict has been for some participants exhilarating and even empowering.“507 Auch der Zeitpunkt des Jahrtausendwechsels hatte einen weitreichenden Einfluss auf den Zulauf von Anhängern zu religiösen terroristischen Organisationen. Der Übergang vom einen ins nächste Jahrtausend stellte für viele Gläubige den Zeitpunkt dar, an dem die Apokalypse – im Neuen Testament auch als Armageddon bezeichnet – hätte eintreten können.508 Einzelne Führungspersonen oder die Gründer der Organisationen werden jedoch auch von einfachen, nichtreligiösen rationalen Beweggründen geleitet. Die religiöse Ideologie dient Ihnen dazu, Mitglieder fest und für eine lange Zeit an die terroristische Organisation zu binden, um die Orga- 506 Vgl. Ramakrishna/Tan 2002, S. 3 f; Hoffman 1998–1999a, S. 13 f./2006, S. 145; Neumann 2009 b, S. 4. 507 Juergensmeyer 2000, S. 163. 508 Vgl. Laqueur 1996. 150 Neuer Terrorismus als Untersuchungsgegenstand nisation möglichst lange zu erhalten. Neben der Gemeinschaftsbildungsfunktion liefert sie ausreichend unverhandelbare Rechtfertigungen zur Anwendung von Gewalt, die der Erreichung der Ziele dienen soll. Diese Ziele sind häufig jedoch zeitlich so weit entfernt oder nicht umsetzbar, dass die Organisation auf eine unendliche Dauer angelegt ist und dies von den Mitgliedern auch so akzeptiert wird. 07.07.2005: Bombenanschläge auf öffentliche Verkehrsmittel in London (Großbritannien) Am 07.07.2005 um 08:50 Uhr sprengten sich drei Selbstmordattentäter in drei verschiedenen Zügen in London in die Luft. Der erste Attentäter, Shehzad Tanweer, zündet seine Bombe, die er in einem Rucksack mitgebracht hatte, in der Circle Line Nummer 30 zwischen Liverpool Street Station und Aldgate Station. Bei der Explosion wurden acht Personen einschließlich des Täters getötet und 171 Personen verletzt. Ebenfalls in der Circle Line Nummer 331, in der Nähe der Edgware Road Station zündet der zweite Attentäter, Mohammad Sidique Khan, eine weitere Rucksackbombe, die ihn und sechs weitere Personen tötete und 163 Personen verletzte. Die dritte Bombe detonierte in der Picadilly Line Nummer 216 zwischen King’s Cross Station und Russell Square. Auch bei diesem Attentäter, Jermaine Lindsay, handelte es sich um einen Selbstmordattentäter, der eine Rucksackbombe verwendete. Bei dieser Explosion gab es die meisten Opfer. Einschließlich des Täters starben 27 Personen und 340 wurden verletzt. Die vierte und letzte Bombe explodierte erst einige Zeit später in dem Bus Nummer 30 am Tavistock Square. Neben dem Attentäter, Hasib Hussain, starben 14 Personen und 110 wurden verletzt.509 Die Bomben, die am 12.07.2005 nach dem Anschlag entdeckt wurden, waren von den Tätern in einer Wohnung in London selbst hergestellt worden. Jede der Bomben befand sich in einem Rucksack, wog etwas weniger als 10 Kilogramm und war aus Materialien wie Peroxid hergestellt, die relativ günstig und einfach zu beschaffen sind.510 Einige Stunden nach dem Anschlag tauchte ein Bekennerschreiben der Secret Organisation of Al Qaeda in Europe im Internet auf, das vor der militärischen Einmischung in Ländern wie dem Irak und Afghanistan warnten. Eine Verbindung der Organisation zu dem Anschlag ließ sich jedoch nicht zweifelsfrei nachweisen. Ein weiteres Bekennervideo dagegen, das am 01.09.2005 bei dem TV-Sender Al Jazeera gesendet wurde, gilt als authentisch. In diesem Video begründet einer der Attentäter, Siddeque Khan, den Angriff auf die britische Bevölkerung mit deren Unterstüt- 509 Vgl. Murphy 2006, S. 2/11; House of Commons 2006, S. 2 ff. 510 Vgl. Murphy 2006, S. 11; House of Commons 2006, S. 22 ff; National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism (START) 2015 a, 20050707001/20050707002/200507070003/200 507070004. 151 Konzeptspezifikation: Theoretischer Ansatz des Neuen Terrorismus zung demokratischer Staaten, die wiederum die muslimische Bevölkerung auf der Welt angreifen. Er sah sich und seine muslimischen Brüder in einem heiligen Krieg gegen diese demokratischen Staaten, der für ihn erst dann enden würde, wenn die weltweite Verfolgung der Muslime enden würde. Er stellte den Islam in den Mittelpunkt seiner Ansprache und bezeichnete die führenden Köpfe von Al Qaeda, Osama bin Laden, Ayman al Zawahiri und Abu Musab Zarqawi als Märtyrer und Helden. In einem weiteren Video vom 19.09.2005 übernahm Ayman al Zawahiri die Verantwortung für die Anschläge.511 Zwei Wochen nach dem Anschlag, am 21.07.2015, gab es einen erneuten Anschlagsversuch. Wieder versuchten Attentäter mit Rucksackbomben U-Bahnhaltestellen und einen Bus in London zu Zielen eines terroristischen Anschlags zu machen. Dieses Mal jedoch explodierten nur die Zünder der Bomben, wobei keine Personen zu Schaden kamen. Die vier Attentäter, Muktar Ibrahim, Yassin Omar, Ramzi Mohammed und Hussain Osman konnten wenige Tage später von der Polizei festgenommen werden und wurden 2007 zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Ein fünfter Attentäter, Mafo Kwaku Asiedu, der eine ähnliche Bombe wenig später im Little Wormwood Scrubs Park in West London deponiert hatte, konnte ebenfalls gefasst werden. In einem späteren Verfahren wurden 11 weitere Personen, die der Mittäterschaft angeklagt wurden, zu mehrjährigen Freiheitsstrafen verurteilt. Zu diesem Anschlag bekannte sich die terroristische Organisation Abu Hafs al-Masri Brigades, die sich bereits zu den Bombenanschlägen 2004 in Madrid bekannt hatte.512 4.2.2.5 Forschungshypothese H5 zur Predominant Energy Die religiöse Ideologie als Eigenschaft des neuen Terrorismus steht bei fast allen untersuchten Veröffentlichungen im Mittelpunkt oder findet zumindest bei allen Autoren Erwähnung. Auch die Tatsache, dass die im Zusammenhang mit dem Neuen Terrorismus am häufigsten erwähnte terroristische Organisation Al Qaeda eine religiöse Ideologie besitzt und die meisten, medial verbreiteten Anschläge von terroristischen Organisationen mit einer religiösen Ideologie verübt wurden, weist auf deren zentrale Bedeutung im Kontext des Neuen Terrorismus hin. Im Zusammenhang mit dem vermehrten Auftreten der übrigen Eigenschaften wird die religiöse Ideologie von den Autoren als Auslöser bzw. Verstärker beschrieben oder zumindest ein genereller Zusammenhang mit ihr unterstellt. Daher wird für die Untersu- 511 Vgl. BBC News 2005 b; Murphy 2005, S. 12; House of Commons 2006, S. 8. 512 Vgl. BBC News 2007; Whittaker 2007, S. 253 f; BBC News 2008; National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism (START) 2015a, 20050721002, 200507210006, 200507210007, 200507210008. 152 Neuer Terrorismus als Untersuchungsgegenstand chung folgende zusätzliche Forschungshypothese formuliert, die untersuchen soll, ob es zwischen der Ideologie und den übrigen Eigenschaften des Neuen Terrorismus einen Zusammenhang gibt: H5: Bei Anschlägen mit einem religiösen ideologischen Hintergrund sind die übrigen Eigenschaften des Neuen Terrorismus jeweils extremer ausgeprägt als bei Anschlägen ohne religiösen Hintergrund. Erhöhte Gewaltbereitschaft und undifferenzierte Opferwahl Wie bereits in Kapitel 2.1.2. Alter und Neuer Terrorismus in der Literatur nach dem 11. September 2001 dargelegt wurde, lässt sich ein Zusammenhang mit einer erhöhten Gewaltbereitschaft dadurch vermuten, dass die Gewalt ein sakrales Element in religiösen terroristischen Organisationen darstellt. Dies ergibt sich aus der Logik einer fundamentalistischen Religion und deren apokalyptischen Zielen: Ein anderes Wertesystem mit anderen Mechanismen der Legitimation, moralischen Vorstellungen und Weltansichten legitimierte Gewalt gegen die „Anderen“: Die Welt wird in Gut und Böse geteilt, damit gibt es keine Unschuldigen mehr, nur Anhänger und Feinde. Es existiert aber auch kein politisches Kalkül mehr. Verhandlungen sind nicht mehr ein Schritt zum Ziel, da die Ziele nicht mehr verhandelbar, sondern absolut sind, wie zum Beispiel die Errichtung eines Gottesreiches oder die Verkündigung der (einzigen) göttlichen Wahrheit. Ein häufiges Ziel ist die Vernichtung des Feindes, um einem auserwählten Kreis von Anhängern die Erlösung in einer neuen Welt zu bringen.513 Bruce Hoffman formuliert in diesem Zusammenhang ganz klar die Erwartung, dass religiöse terroristische Organisationen daher unter anderem mit höherer Wahrscheinlichkeit dazu bereit sind, Massenvernichtungswaffen einzusetzen als Organisationen mit säkularen Ideologien.514 Bereits im Jahr 1993 schreibt er in seinem Werk The Holy Terror: „The volatile combination of religion and terrorism has been cited as one of the main reasons for terrorism’s increased lethality.“515 Neben der höheren Bereitschaft zum Gewalteinsatz ergibt sich aus der Einteilung der Welt in Gut und Böse auch die Annahme, dass religiöse terroristische Organisationen eher dazu bereit sind, undifferenziert zu töten, da es keine „Unschuldigen“ gibt, die es zu schützen gilt. Im Folgenden werden drei wichtige Motive näher beleuchtet, die die religiöse Ideologie mit der erhöhten Gewaltbereitschaft und der undifferenzierten Opferwahl 513 Vgl. Hoffman 1993, S. 2 f./1998–1999 a, S. 15/1998–1999 b, S. 21/1999 a, S. 19 f/2006, S. 148; Crenshaw 2000, S. 411; Simon 2003, S. 1; Jenkins 2008, S. 187; Mockaitis 2008, S. 41. 514 Vgl. Hoffman 1998–1999 a, S. 12. 515 Hoffman 1993, S. 12. 153 Konzeptspezifikation: Theoretischer Ansatz des Neuen Terrorismus in Verbindung bringen: der „kosmische Krieg“, die „apokalyptisch-messianistische Geschichtsdeutung“ und das „Märtyrertum“. Die drei ausgewählten Motive finden sich in fast allen Religionen wieder und werden beispielhaft an einigen Ereignissen und Auszügen der heiligen Schriften und Texten erläutert: Schon seit vielen Jahrhunderten sind Kriege, die als „kosmische Kriege“ oder „heilige Kriege“ bezeichnet werden, Teil der Auslebung religiöser Ideologien. Etwa die Kreuzzüge im Christentum oder der Dschihad im Islam sind die gängigsten Beispiele für die Anwendung von systematischer Gewalt im Kontext eines Krieges unter religiöser Rechtfertigung. Die Verknüpfung von Krieg und Religion findet sich in vielen heiligen Schriften und Symbolen wieder. Nicht nur die Rhetorik und Symbolik der überlieferten heiligen Schriften weisen auf unzählige gewalttätige Auseinandersetzungen und Kriege hin. Ganze Schlachten und die Ausrottung von Völkern und Ungläubigen im Namen der Religion stehen im Mittelpunkt der Erzählungen.516 So findet sich im Evangelium des Matthäus eine Stelle, in der Jesus vom Schwert als Symbol für Kampf und Gewalt spricht: „Denkt nicht, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert.“517 Der Krieg gegen die Ungläubigen wird auch im 5. Buch Moses thematisiert. Dort verkündet Moses Gottes Plan im Umgang mit den heidnischen Völkern: „Wenn der Herr, dein Gott, dich in das Land geführt hat, in das du jetzt hineinziehst, um es in Besitz zu nehmen, wenn er dir viele Völker aus dem Weg räumt – Hetiter, Girgaschiter und Amoriter, Kanaaniter und Perisiter, Hiwiter und Jebusiter, sieben Völker, die zahlreicher und mächtiger sind als du –, wenn der Herr, dein Gott, sie dir ausliefert und du sie schlägst, dann sollst du sie der Vernichtung weihen.“518 An dieser Stelle in der Bibel wird nicht nur Gewalt gegen Ungläubige (die anderen Völker) durch Gott dargestellt, sondern der Gläubige auch dazu aufgefordert selbst Gewalt auszuüben. An den genannten Textstellen wird ersichtlich, dass nicht zuletzt die Aufteilung der Welt in Gut und Böse – in Gläubige und Ungläubige – als Folge der religiösen Identitätsbildung für die heiligen Kriege verantwortlich ist.519 Besonders der Dschihâd im Islam wird im öffentlichen Diskurs häufig mit dem Begriff heiliger Krieg übersetzt. Tatsächlich wird er von einigen islamistischen terroristischen Organisationen als Rechtfertigung für den Kampf gegen Ungläubige gebraucht. Der Begriff ist jedoch nicht eindeutig und nicht ausschließlich mit einem heiligen Krieg gleichzusetzen. Der Dschihâd kann auch mit „Anstrengung“ oder „Einsatz“ übersetzt werden und in seiner harmlosen Form als Verbreitung des 516 Vgl. Juergensmeyer 2004, S. 215 ff. 517 Die Bibel 1980, Matthäus 10, 34. 518 Die Bibel 1980, 5. Mose, 7, 1–2. 519 Vgl. Juergensmeyer 2004; S. 203; Hildebrandt 2007, S. 4–5; Vollmer 2010, S. 107 f. 154 Neuer Terrorismus als Untersuchungsgegenstand Islam durch Worte und Taten, aber ohne Gewalt, verstanden werden.520 Dennoch geht die ursprüngliche Bedeutung des Begriffes auf eine kriegerische Auseinandersetzung bei der Übersiedlung Mohammeds von Mekka nach Medina zurück.521 Im Koran findet sich zur Auslegung des Dschihâd folgende Stelle, die ihn durchaus als kriegerische und gewaltsame Handlung beschreibt: „Wenn die heiligen Monate abgelaufen sind, dann tötet die Polytheisten, wo immer ihr sie findet, greift sie, belagert sie und lauert ihnen auf jedem Weg auf. Wenn sie umkehren, das Gebet verrichten und die Abgaben entrichten, dann lasst sie ihres Weges ziehen.“522 Eine besondere Bedeutung in Bezug auf die Gewalt kommt dem Dschihâd auch dadurch zu, dass nach islamischem Recht die Tötung des Feindes ausschließlich während des Dschihâd erlaubt ist.523 In der ursprünglichen Form bezieht sich die gewalttätige Form des „kleinen“ Dschihâd vor allem auf die Verteidigung der muslimischen Gemeinschaft und auf die Verbreitung des Islams. Die Angriffe sind jedoch grundsätzlich nur auf Nichtmuslime und nicht auf Zivilisten erlaubt.524 Unter Bezugnahme auf die eigenen Legenden in Kombination mit der Vorstellung, den ultimativen Krieg gegen das Böse zu führen mit übernatürlicher Unterstützung, verschwinden nicht nur die wenigen Konventionen und der Regeln, die in „normalen“ Kriegen und Schlachten herrschen, sondern auch die Angst und Zweifel den Krieg nicht gewinnen zu können. Auf die Frage: „Wenn du überlegst: Diese Völker sind größer als ich – wie sollte ich sie vertreiben können?“525 antwortet Moses in der Bibel: „…, dann sollst du vor ihnen keine Furcht haben. Du sollst an das denken, was der Herr, dein Gott, mit dem Pharao und mit ganz Ägypten gemacht hat: an die schweren Prüfungen, die du mit eigenen Augen gesehen hast, an die Zeichen und Wunder, an die starke Hand und den hoch erhobenen Arm, mit denen der Herr, dein Gott, dich herausgeführt hat. So wird es der Herr, dein Gott, mit allen Völkern machen, vor denen du Furcht hast.“526 Zu dem Bild des heiligen Krieges gesellt sich häufig auch die Vorstellung einer apokalyptisch-messianistischen Geschichtsdeutung in den Religionen, die bei der 520 Vgl. Palazzi 2000, S. 54; Heine 2004, S. 20; Halm 2008, S. 87. 521 Vgl. Heine 2004, S. 18. 522 Der Koran 2011, Sure 9:5. 523 Ansonsten erlaubt das islamische Recht die Tötung von Menschen nur als Strafe von besonders schweren Verbrechen. Vgl. Heine 2004, S. 43. 524 Vgl. Palazzi 2000, S. 54; Heine 2004, S. 18/27; Halm 2008, S. 87 f. Heine verweist darauf, dass einige Rechtsgelehrte der Ansicht sind, dass es sich bei der Verbreitung des Islam in früherer Zeit um die Verbreitung als politisches und rechtliches System und nicht als religiöse Ideologie handelte. Vgl. Heine 2004, S. 19. 525 Die Bibel 1980, 5. Mose, 7, 17. 526 Die Bibel 1980, 5. Mose, 7, 18–19. 155 Konzeptspezifikation: Theoretischer Ansatz des Neuen Terrorismus Entgrenzung der Gewalt und der Opferwahl eine entscheidende Rolle spielt. Diese setzt laut Mathias Hildebrandt „… eine ungeahnte Gewaltbereitschaft frei, die nicht vor der Opferung des fremden und des eigenen Lebens zurückschreckt.“527 Die apokalyptisch-messianistische Geschichtsdeutung geht davon aus, dass der Messias (der jeweiligen Religion) auf die Erde zurückkehren wird, um dort mit den Gläubigen ein Gottesreich zu errichten und über die Welt zu herrschen. Dies geschieht durch eine endzeitliche Konfrontation in Form des letzten kosmischen Krieges zwischen Gut und Böse, zwischen den Gläubigen und den Ungläubigen. Die Heraufbeschwörung dieser Apokalypse geht entweder mit der Annahme einher, dass die Gläubigen aktiv auf diesen Moment hinarbeiten müssen, indem sie besonders hart für Ihren Glauben kämpfen müssen oder dass die Apokalypse vorherbestimmt ist und auf jeden Fall eintreten wird. In diesem Fall müssen sich die Gläubigen auf diesen Tag vorbereiten.528 Aufgrund dieser Endzeit-Erwartung sehen sich die Anhänger der terroristischen Organisationen in einer Ausnahmesituation, in der ihnen alles erlaubt scheint. Auch die letzten Hemmungen und Befürchtungen vor dem eigenen Tod fallen mit der Erwartung der Erlösung durch einen Messias. Im Christentum wird die Rückkehr des Messias in Form von Jesus Christus mit dem Glauben an ein Tausendjähriges Gottesreich verbunden, wie es in der Offenbarung des Johannes beschrieben wird. Dieses soll nach der Vorstellung der prämillennialistischen Christen nach der Rückkehr Christi eintreten. Postmillennialistische Christen dagegen, erwarten die Ankunft Christi erst nachdem Tausendjährigen Gottesreich.529 Die Einleitung des Tausendjährigen Reiches in dessen Folge das Paradies wieder auf die Erde zurückkommen soll, ist verbunden mit der ersten Auferstehung nach dem Trübsal durch die sieben Plagen, bei der die Gläubigen zu Jesus in den Himmel eingehen und dem Tod (der Nicht-Auferstehung) aller Ungläubigen: „Ich sah die Seelen aller, die enthauptet worden waren, weil sie an dem Zeugnis Jesu und am Wort Gottes festgehalten hatten. Sie hatten das Tier und sein Standbild nicht angebetet und sie hatten das Kennzeichen nicht auf ihrer Stirn und auf ihrer Hand anbringen lassen. Sie gelangten zum Leben und zur Herrschaft mit Christus für tausend Jahre. Die übrigen Toten kamen nicht zum Leben, bis die tausend Jahre vollendet waren. Das ist die erste Auferstehung“530 Nachdem das Tausendjährige Reich wieder auf die Erde zurückgekehrt ist, sollen die Ungläubigen während der zweiten Auferstehung auch auf die Erde zurückkehren, um Satan erneut zu verfallen und im 527 Hildebrandt 2007, S. 6. 528 Vgl. Rapoport 1988, S. 197. 529 Vgl. Die Bibel 1980, Offenbarung des Johannes 20, 1–10; Stern 2003, S. 17; Juergensmeyer 2004, S. 52; Anderson/Loan 2009, S. 429 ff. 530 Die Bibel 1980, Offenbarung des Johannes 20, 4–5. 156 Neuer Terrorismus als Untersuchungsgegenstand Anschluss inklusive Satan von Gott endgültig vernichtet zu werden: „Und sie stiegen herauf auf die Ebene der Erde und umringten das Heerlager der Heiligen und die geliebte Stadt. Und es fiel Feuer vom Himmel und verzehrte sie. Und der Teufel, der sie verführte, wurde geworfen in den Pfuhl von Feuer und Schwefel und sie werden gequält werden Tag und Nacht, von Ewigkeit zu Ewigkeit.“531 Der Tod der Ungläubigen wird somit mit der unumgänglichen Entstehung des Tausendjährigen Reichs und dem ultimativen Ziel christlicher Fundamentalisten, der Rückkehr des Paradieses auf Erden, nach der Vernichtung des Bösen, gerechtfertigt. Auch in der Geschichte des Judentums findet sich die messianistisch-apokalyptische Endzeit-Erwartung als zentrales Motiv. Bereits der Jüdische Krieg gegen die Herrscher des römischen Reichs, angestachelt durch die Zeloten ca. 70 n. Chr., geht laut Flavius Josephus auf eine fehlgedeutete Aussage des Propheten Daniel in der Bibel zurück.532 Die damalige Interpretation über die Ankunft eines Messias nennt er als Hauptursache für den Aufstand des Jüdischen Volkes gegen die römische Besatzungsmacht in Israel: „Was aber die Juden am meisten für den Krieg begeisterte, das war ein doppelsinniger Prophetenspruch, der sich ebenfalls in den heiligen Schriften vorfindet und besagt, dass um jene Zeit aus dem Lande der Juden ein Herrscher der Welt hervorgehen werde.“533 Ähnlich wie im Christentum wird an mehreren Stellen der jüdischen Literatur von einer endzeitlichen Konfrontation zwischen den „Gerechten“ und den „Sündern“ gesprochen. Im äthiopischen Henoch-Buch, einem altjüdischen Schrifttum, welches noch aus der Zeit vor der Johannesoffenbarung und dem Buch Daniel stammt, wird in der Zehnwochenapokalypse diese Konfrontation dargestellt: „Danach hebt eine andere Woche an, die achte, die der Gerechtigkeit, und ein Schwert wird ihr verliehen, damit ein gerechtes Gericht an den Bedrückten vollzogen werde, und die Sünder werden den Händen der Gerechten überliefert.“534 Nicht zuletzt besteht im schiitischen Islam der Glaube an einen Imam als Messias, der als Nachfolger Mohammeds über Jahrhunderte verborgen auf der Erde lebte und zur Endzeit wieder erscheinen soll. Sein Erscheinen sollen apokalyptische Ereignisse wie Erdbeben und Heuschreckenplagen ankündigen. Auch in dieser Vorstellung soll die Errichtung eines Paradieses auf Erden damit einhergehen, dass zunächst alle 531 Die Bibel 1980, Offenbarung des Johannes 20, 9. 532 Martin Hengel zweifelt den Propheten Daniel als den Ursprung des erwähnten Prophetenspruchs an und verweist auf eine Stelle im 4. Buch Moses, die er für die wahrscheinlicher Quelle hält: „Es wird ein Stern aus Jakob aufgehen und ein Zepter aus Israel aufkommen und wird zerschmettern die Schläfen der Moabiter und den Scheitel aller Söhne Sets.“, Vgl. Die Bibel 1980, 4. Moses 24, 17; Hengel 1976, S. 245 f. 533 Josephus 1901, S. 465. 534 Flemming/Rademacher 1901, 91, 12. 157 Konzeptspezifikation: Theoretischer Ansatz des Neuen Terrorismus Ungläubigen getötet werden müssen, die sich der Weltherrschaft dieses auserwählten Imams, des Mahdî, und den Regeln der Scharia widersetzen.535 Das letzte Motiv, das Märtyrertum, bezieht sich auf die einzelne Person im Kontext des religiösen Lebens und Handelns. Der Märtyrer leidet für seinen Glauben und begeht somit den sakralen Moment der Gewalt in Form seines eigenen Opfers.536 Er opfert sich selbst, weil er die Notwendigkeit sieht, für seinen Glauben zu leiden und im äußersten Fall zu sterben. Neben der Bedeutung der rituellen Opfergabe, erleichtert ihm der Glaube an die Vergebung nach dem Tod seine Rolle als Märtyrer. In vielen Religionen spielt die Angst vor dem jüngsten Gericht eine zentrale Rolle für die Gläubigen. Durch den Märtyrertod wird ihnen versprochen, diese leidvolle Erfahrung zu umgehen und direkt den Weg ins ewige Paradies zu finden. Im Islam zum Beispiel lädt nicht nur der ausbleibende „Schrecken des Grabes“ dazu ein, Märtyrer zu werden. Auch das Versprechen der 72 Jungfrauen im Paradies, das Fürsprechen für 70 Verwandte und die Unterstützung der Hinterbliebenen durch die Gemeinde und islamistische Organisationen schaffen große Anreize.537 Im Koran werden die Vorteile des Märtyrertums klar beschrieben: „Und denen, die auf dem Wege Gottes getötet werden, wird er ihre Werke nicht fehlgehen lassen. Er wird sie recht leiten, alles für sie in Ordnung bringen und sie ins Paradies eingehen lassen, das er ihnen zu erkennen gegeben hat.“538 Wobei jedoch im Islam die gezielte Selbsttötung eigentlich nicht erlaubt ist und daher auch nicht der Wunsch als Märtyrer zu sterben. Dieser Konflikt lässt sich für die meisten Attentäter dadurch umgehen, dass sie zwar als Märtyrer in einer Selbstmordmission sterben, aber zuvor offiziell nicht zu Allah dafür beteten. Auch die Auslegung einiger Rechtsgelehrter, in der bestätigt wird, dass es sich bei den Attentaten um den Willen Allahs handle, reicht vielen Terroristen als Rechtfertigung aus.539 Bereits vor der Entstehung des Islam und des Christentums wurde in den ersten beiden Makkabäerbüchern das Motiv des Märtyrertums beschrieben.540 Die bei- 535 Vgl. Halm 2005, S. 48; Schirrmacher 2016, S. 4. 536 Vgl. Vollmer 2009, S. 55; Siehe Näheres zur Sakralisierung von Gewalt und der Bedeutung des Opfers u. a. bei Vollmer 2009. 537 Vgl. Heine 2004, S. 30 ff. 538 Der Koran 2011, Sure 47:4–6. 539 Vgl. Palazzi 2000, S. 55; Heine 2004, S. 35 f; Frayman 2006. 540 Die vier Makkabäerbücher entstanden in den zwei Jahrhunderten v. Chr., bzw. das vierte vermutlich im ersten Jahrhundert n. Chr. Bei den Büchern handelt es sich um Texte, die nicht zum hebräischen Kanon des Alten Testaments gehörten, sondern nur in der griechischen Übersetzung enthalten sind. Im katholischen Christentum gehören die ersten zwei Bücher jedoch seit einem Konzil 1546 zu den deuterkanonischen Schriften. Das dritte und vierte Buch werden als Apokryphen angesehen. Im protestantischen Christentum zählt keines der vier Bücher zu den heiligen Schriften. Vgl. Von Dobbeler 2006. 158 Neuer Terrorismus als Untersuchungsgegenstand den Bücher erzählen die Geschichte vom Leidens des jüdischen Volkes und seinem Kampf gegen die Seleukiden im zweiten Jahrhundert v. Chr.541 Im zweiten Makkabäerbuch wird in Kapitel sechs das Martyrium des Eleazar erzählt. Nachdem Überfall des heidnischen Königs Antiochus auf die Stadt Jerusalem weigerte sich der Priester Elazar Schweinefleisch zu essen, bzw. so zu tun als würde er Schweinefleisch essen, und wurde dafür auf Befehl des Königs zu Tode geprügelt: „So starb er; durch seinen Tod hinterließ er nicht nur der Jugend, sondern den meisten aus dem Volk ein Beispiel für edle Gesinnung und ein Denkmal der Tugend.“542 Thomas Hoffmann weist auf die Vorbildfunktion und Öffentlichkeitswirkung eines Märtyrers hin, die in der Erzählung des Eleazar und später besonders im Christentum und im Islam eine große Rolle spielen.543 In Kapitel sieben wird in einer ähnlichen Erzählung die Folterung und der Tod einer Mutter und Ihrer sieben Söhne beschrieben, die sich ebenfalls weigerten auf Geheiß des Königs Schweinefleisch zu essen. Bei dieser Erzählung steht das Motiv des Auferstehungsglaubens im Vordergrund, der Märtyrer dazu in die Lage versetzt, ihren Tod ohne Furcht hinzunehmen.544 Jeder der getöteten Söhne war sich sicher, dass er durch seinen Märtyrertod zu ewigem Leben auferstehen würde: „Als er in den letzten Zügen lag, sagte er: Du Unmensch! Du nimmst uns dieses Leben; aber der König der Welt wird uns zu einem neuen ewigen Leben auferwecken, weil wir für seine Gesetze gestorben sind.“545 Das Märtyrertum an sich wäre solange unproblematisch, wie der Gläubige nur sich selbst opfern würde. Der – in den Religionen ohnehin zentrale – Gedanke der Opfergabe lässt sich jedoch auch auf Dritte übertragen. Der Tod anderer Menschen wird ebenso zur Opfergabe wie der eigene Tod. Auch Unschuldige, die gemeinsam mit dem Märtyrer durch seine Taten den Tod finden, sind in seinen Augen nicht mehr umsonst gestorben, sondern durch Ihr Opfer auch zu Märtyrern geworden. So empfindet er Ihr Leiden und ihren Tod nicht nur als hinnehmbar, sondern sogar als für sie erfreulich und „verkehrt das Töten ins Positive“.546 Diese zu Beginn erwähnte Sakralisierung der Gewalt, das „Heiligmachen“ durch Opfern des eigenen Lebens und des Lebens anderer, in Kombination mit der herabgesetzten Angstschwelle vor dem eigenen Tod könnte erklären, warum einige Terroristen zu Mitteln wie Selbstmordattentaten greifen. 541 Vgl. Von Dobbeler 2006, S. 2. 542 Die Bibel 1980, 2 Makk 6, 30. 543 Vgl. Hoffman 2018, S. 33. 544 Vgl. Hoffman 2018, S. 33 f. 545 Die Bibel 1980, 2 Makk 7, 9. 546 Vgl. Juergensmeyer 2004, S. 230. 159 Konzeptspezifikation: Theoretischer Ansatz des Neuen Terrorismus Bei den aufgeführten Textstellen handelt es sich nur um einige wenige beispielhafte Auszüge aus heiligen Schriften, in denen Gewalt verherrlicht wird. Auch wenn argumentiert werden kann, dass die Auslegungen der religiösen Vorgaben entscheidend für das Ausmaß der Gewalt und die Auswahl der Opfer sind, finden sich zumindest die interpretationsfähigen Grundlagen in der Geschichte und den Schriften der unterschiedlichen Religionen. So gibt es zum Beispiel im Islam zwar klare Vorschriften für die Behandlung von Kriegsgefangenen und für die Vermeidung von Grausamkeiten im Dschihad. Dennoch wird versucht, Gewalttaten durch Schriften oder Koraninterpretationen (Fatwas) der Rechtsgelehrten zu rechtfertigen. In der al-Farida a-ghâ’iba (Die vernachlässigte Glaubensschrift), einer Verlautbarung der Al-Gama’a al-Islamiyya, wird unter anderem auf die Umsetzung des Dschihad eingegangen. In der Verlautbarung werden ältere Schriften und Stellen des Korans so uminterpretiert, dass der Angriff von Feinden ohne Vorwarnung, die Tötung von Gläubigen und selbst der Angriff auf Kindern und Unschuldige gerechtfertigt werden.547 Netzwerkartigkeit Auch die religiöse Ideologie und die Netzwerkartig der terroristischen Organisationen werden von den Autoren immer wieder in einen Zusammenhang gebracht. Dieser wird jedoch seltener formuliert als der Zusammenhang zwischen der religiösen Ideologie und der erhöhten Gewaltbereitschaft. Vor allem den islamistischen Organisationen wird in der Literatur eine hohe Netzwerkartigkeit unterstellt. Steven Simon und Daniel Benjamin sprechen von sogenannten „non-group groups“548 und meinen damit die vollkommene Lösung der festen Organisationsstruktur (jihadistischer) terroristischer Organisationen zu einem Netzwerk aus einzelnen autonomen Zellen, die in vielen Ländern aktiv sind.549 Die Sicherung des Zusammenhalts, der bei lokalen hierarchischen Organisationen durch die Kontrolle und den direkten Einfluss der Führungspersonen und den direkten Kontakt mit den anderen Mitglieder gewährleistet wird, entfällt bei den autonomen Zellen eines Netzwerks. Dieser notwendige Zusammenhalt, der auch über die teilweise weiten Entfernungen der einzelnen Zellen zueinander erschwert wird, kann durch die Ideologie einer terroristischen Organisation erhalten bleiben. Ulrich Schneckener beschreibt die Funktion der Ideologien in diesem Zusammenhang sowohl als Handlungsanleitung für das einzelne Mitglied einer terroristischen Zelle als auch als verbindendes Element für alle Mitglieder des Netzwerks, da sie „… Symbole, Rituale und Wertvorstellungen bereithalten, die von 547 Vgl. Heine 2004, S. 29/119 ff. 548 Vgl. Simon/Benjamin 2000, S. 69. 549 Vgl. Simon/Benjamin 2000, S. 69 f. 160 Neuer Terrorismus als Untersuchungsgegenstand allen anerkannt und geteilt werden.“550 Hierfür eignen sich jedoch nicht alle Ideologien gleichermaßen. Die Ideologie müssen sich als „… anschlußfähig an breitere, gesellschaftspolitische Strömungen erweisen und eine soziokulturelle Verankerung aufweisen, die über Generationen gewachsen ist …“551 und „… nationale, kulturelle, sprachliche oder geographische Unterschiede überbrücken können.“552 Dies trifft auf die religiöse Ideologie zu, da die religiösen terroristischen Organisationen etwas anbieten können, was eben diese gesellschaftlichen und geographischen Differenzen überbrückt: den gemeinsamen Glauben.553 Rechts-konservative und nationalistisch-separatistische Ideologien dagegen haben zwar eine soziale Bindungsfunktion für ihre eigenen Mitglieder, aber weniger soziale Bindungsfunktionen, die über die Grenzen eines gewissen Territoriums oder einer speziellen Gruppe hinausgehen. Sie sind lokal auf das eigene Territorium beschränkt und exklusiv in dem Sinne, dass Personen, die bestimmte strenge Kriterien (z. B. Nationalität, Sprache oder Rasse) nicht erfüllen, nicht in die Gemeinschaft integriert werden können und sollen. Eine externe Vernetzung mit anderen Organisationen und eine internationale Ausbreitung sind somit eher unwahrscheinlich, da sich wenige Schnittpunkte zur Kooperation bieten. Hinzu kommt eine geringere Verbindlichkeit und Genauigkeit bei den ideologischen Inhalten. Während die verschiedenen religiösen Ideologien häufig institutionalisierte Handlungsanweisungen in den heiligen Schriften bieten und von Vertretern formuliert werden, die von der Gemeinschaft als unfehlbare Autoritäten anerkannt sind, ist dies bei den beiden erwähnten Ideologien eher selten. Bei der rechts-konservativen Ideologie mangelt es vor allem an der Konsistenz der ideologischen Inhalte, bei nationalistisch-separatistischen Ideologien dagegen eher an konkreten Handlungsanweisungen in Form von über längere Zeit institutionalisierten Ritualen. Links-sozialrevolutionäre Ideologien haben ähnlich wie die religiösen Ideen anerkannte Autoritäten und leitenden Schriften. Auch neigen sie zu einem inklusiveren und globaleren Charakter, haben sich jedoch über einen kürzeren Zeitraum institutionalisiert. Während sich die Lehren der großen Weltreligionen teilweise über Jahrtausende entwickeln konnten, sind es bei den links-sozialrevolutionären Ideologien nur wenige Jahrhunderte. Dies gilt sowohl für die Verankerung in anerkannten Ritualen als auch für die geographische Ausbreitung. Dennoch haben Ideologien wie der Kommunismus und Sozialismus einen einenden Charakter, da sie in Ihrer Idealvorstellung soziale Gleichheit für alle Menschen anstreben. 550 Schneckener 2006, S. 60. 551 Schneckener 2006, S. 61. 552 Schneckener 2006, S. 60. 553 Vgl. Crenshaw 2000, S. 411; Wilkinson 2003. 161 Zusammenfassung Kapitel 4 Religiöse Ideologien sind auch schon deshalb prädestiniert international zu sein, weil die Religionen an sich es bereits sind. Zumindest die großen Weltreligionen konzentrieren sich nicht auf ein Gebiet, sondern verteilen sich über mehrere Kontinente hinweg über die gesamte Erde. Auf jedem Kontinent lassen sich hunderttausende bis mehrere Millionen Anhänger der Religionen finden.554 Über viele Jahrhunderte hinweg haben vor allem das Christentum und der Islam versucht, die Eroberungsfeldzügen ihre Gebiete durch die Inbesitznahme von Land und der dortigen Ansiedlung als auch durch erzwungene Konvertierung der Bevölkerung in den besetzten Gebieten auszuweiten. Das Judentum dagegen hatte zwar eine geringere Bestrebung, sich außerhalb des Glaubenszentrums Israel auszubreiten, dennoch finden sich vor allem in Europa, Asien und Nordamerika mehrere Millionen Anhänger dieser Religion. 4.3 Zusammenfassung Kapitel 4: Neuer Terrorismus als Untersuchungsgegenstand Mit der Wave-Theorie von David C. Rapoport wurde ein Modell vorgestellt, das die Inhalte dieses Diskurses strukturiert und das Verhältnis zwischen Altem Terrorismus und Neuem Terrorismus klärt: der Neue Terrorismus wird im Sinne einer Wave als Ablauf von terroristischen Aktivitäten innerhalb einer gewissen Zeitspanne verstanden. In dieser Zeitspanne sind einige terroristische Organisationen aktiver als andere bzw. kommen gewisse Ideologien, Strategien, Ziele und Strukturen in Organisationen aufgrund von äußeren Bedingungen häufiger vor als andere. Neben einer Predominant Energy als verbindendes Element einer Wave zeichnen sich die Waves auch dadurch aus, dass sie gleichzeitig existieren können und nicht zwingend als Abfolge verstanden werden müssen.555 Abschließend wurde in diesem Kapitel aus dem Diskurs und der Wave-Theorie unter der Annahme des kollektiven Rationalismus ein theoretischer Ansatz des Neuen Terrorismus formuliert. Dieser besagte, dass es einen Zeitabschnitt gibt, der Anfang der neunziger Jahre begonnen hat, der durch externe Ereignisse ausgelöst wurde und in dem sich folgende Eigenschaften bei terroristischen Organisationen vermehrt zeigen: die hohe Gewaltbereitschaft, eine Undifferenziertheit bei der Opferwahl, eine netzwerkartige Struktur und ein erhöhtes Vorkommen religiöser Ideologien. Die Predominant Energy als verbindendes Element im Diskurs um den Neuen Terrorismus scheint die Religion zu sein, die sich als Ideologie der terroristischen Organisationen manifestiert und sie dazu bringt spezifische Strategien, Ziele 554 Vgl. Nowak 2008, S. 122, Tab.3. 555 Vgl. Rapoport 2004. 162 Neuer Terrorismus als Untersuchungsgegenstand und Strukturen anzuwenden. Des Weiteren wird von einer gleichzeitigen Existenz des Alten Terrorismus und des Neuen Terrorismus in dieser Zeitspanne ausgegangen. Aus diesem theoretischen Ansatz des Neuen Terrorismus wurden folgenden Forschungshypothesen abgeleitet, die im Laufe der Untersuchung überprüft werden: H1: Wenn terroristische Anschläge zwischen 1993 und 2014 sattfanden, dann gab es eine höhere Gewaltbereitschaft als bei Anschlägen zwischen 1970 und 1992. H2: Wenn terroristische Anschläge zwischen 1993 und 2014 stattfanden, dann war die Opferwahl häufiger undifferenziert als bei Anschlägen zwischen 1970 und 1992. H3: Wenn terroristische Anschläge zwischen 1993 und 2014 stattfanden, dann waren sie häufiger netzwerkartig als Anschläge zwischen 1970 und 1992. H4: Wenn terroristische Anschläge zwischen 1993 und 2014 stattfanden, dann war die Ideologie der terroristischen Organisation, die den Anschlag ausführte, häufiger religiös als bei Anschlägen zwischen 1970 und 1992. Außerdem ergab sich die Vermutung, dass die Religion die „Predominant Energy“ des Neuen Terrorismus darstellt, woraus zusätzlich folgende Forschungshypothese formuliert wurde: H5: Bei Anschlägen mit einem religiösen ideologischen Hintergrund sind die übrigen Eigenschaften des Neuen Terrorismus jeweils extremer ausgeprägt als bei Anschlägen ohne religiösen Hintergrund. 163 5 Methodische Vorgehensweise der empirischen Untersuchung 5.1 Forschungsdesign und Methodik Bei der vorliegenden Dissertation handelt es sich um eine Untersuchung aus dem Bereich der Politikwissenschaft, die einen empirisch-analytischen Ansatz in Form einer quantitativen Untersuchung zur Gewinnung des Erkenntnisinteresses nutzt. Hierbei soll die Realität in Form der politischen Wirklichkeit erfasst, beschrieben und prognostiziert werden, um diese Informationen zur Lösung politischer Probleme zu nutzen. Konkret auf das Thema der Arbeit bezogen, sollen quantitative Daten zu Anschlägen terroristischer Organisationen in einer Vergleichsanalyse ausgewertet werden. Hierzu wird der Datensatz mit rund 142.000 erfassten Anschlägen der Global Terrorism Database (GTD) des National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism (START) ausgewertet.556 Die Untersuchung ist in dem Sinne empirisch, dass sie auf beobachtete Erfahrungen des Verhaltens terroristischer Organisationen zurückgreift, die in Form eines Datensatzes vorliegen. Analytisch ist die Untersuchung, da sie in ihrer Argumentation den formalen Regeln der Logik folgt. Dabei wird darauf geachtet, den drei Forderungen des Rationalitätspostulats nach Ulrich Druwe Rechnung zu tragen: „… sprachliche Präzision und Kontrolle, die Forderung nach Intersubjektivität und rationale Begründung …“557 Genaue Definitionen und Beschreibung der verwendeten theoretischen Begriffe, wie zum Beispiel „Terrorismus“ oder „Ideologie“, sind sowohl in Kapitel 3.4. Bereiche des terroristischen Verhaltens in Form einer semantischen Analyse als auch in Kapitel 4.4. Konzeptspezifikation: Theoretischer Ansatz des Neuen Terrorismus ausgearbeitet worden. Nachvollziehbare Methoden und die ausführliche und transparente Beschreibung der benutzen Datensätze, ihrer Herkunft, Modifikation und Auswertungen werden im Kapitel 5.2. Global Terrorism Databse (GTD): 556 Vgl. National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism (START) 2015. 557 Druwe 1991, S. 18 f. 164 Methodische Vorgehensweise der empirischen Untersuchung Datenherkunft, Kapitel 5.3. Terrorist Organizations Profiles (TOPs): Datenherkunft und Kapitel 5.4. Global Terrorism Databse (GTD): Datenaufbereitung sichergestellt. Es soll jedoch an dieser Stelle bereits auf Schwächen des Forschungsdesigns und der Untersuchungsform bezüglich der Gütekriterien der Wissenschaftlichkeit hingewiesen werden. Da es sich bei der Untersuchung hauptsächlich um eine Sekundäranalyse bereits vorhandener Daten handelt, die nur durch eine eigene zusätzliche Primärerhebung ergänzt wird, ist die Durchführungsobjektivität bei der Erhebung der bereits vorhandenen Daten nur zu einem Teil nachprüfbar. Eine umfassende Kontrollierbarkeit und Transparenz der erhobenen Daten in der Datenbank beschränkt sich auf den Zeitraum nach 1997, da erst ab diesem Zeitpunkt die benutzten Quellen in der Datenbank mit angegeben werden. Allein die Objektivität bzw. die Intersubjektivität bei der eigenen Erhebung einer fehlenden Variablen, kann durch die Begriffsdefinitionen und die Bereitstellung aller Quellen sichergestellt werden. Da es sich bei der Datenerhebung nicht um eine Befragung von Personen oder Organisationen handelt, sondern die Daten durch Forscher aus Texten über einen langen Zeitraum extrahiert wurden, lassen sich vor allem Ungenauigkeiten bei der Konstanz der Messinstrumente als auch bei der Konstanz der Forscher vermuten. Auf diese Punkte wird im Kapitel 5.2. Global Terrorism Database (GTD): Datenherkunft näher eingegangen, indem die Entwicklung der technischen Datenerhebungsmethoden und der forschenden Institute genau dargelegt wird.558 Die Auswahl der terroristischen Anschläge, die in der Datenbank aufgeführt sind, ist nicht durch eine Stichprobenziehung oder einen bewussten Auswahlvorgangs entstanden, sondern stellt annähernd eine Vollerhebung dar. Dass es sich jedoch statistisch nicht um eine Vollerhebung handeln kann, liegt an zwei Faktoren. Zum einen besteht eine Differenz zwischen der Grundgesamtheit und der Erhebungsgrundgesamtheit aller terroristischer Anschläge, da nicht alle Anschläge als terroristische Anschläge erkennbar sind oder in keiner Form irgendwo festgehalten wurden und somit nicht nachträglich erfasst werden können. Daraus ergibt sich auch das zweite Problem bei der Feststellung einer Vollerhebung: Die Größe der Grundgesamtheit aller terroristischen Anschläge bleibt unbekannt. Selbst bei der gewissenhaftesten Erhebung und dem Bemühen alle Anschläge zu erfassen, können sich die Forscher nicht sicher sein, ob sie alle Anschläge erfasst haben oder wie groß die Menge der nicht erfassten Anschläge ist. Ein Anhaltspunkt darauf, dass nicht alle Anschläge erfasst wurden, könnte der sprunghafte Anstieg von erfassten Anschlagszahlen zu Zeitpunkten der erstmaligen Nutzung wichtiger technologischer Entwicklungen im Bereich der Medien, wie dem Internet in den 90er Jahren oder dem data-mining 558 Vgl. Friedrichs 1990, S. 353 ff; Dreier 1997, S. 50 ff/414 f; Raithel 2008, S. 45 ff; Paier 2010, S. 43 ff. 165 Forschungsdesign und Methodik und machine-learning im aktuellen Jahrzehnt sein. Dennoch bietet die GTD559 aktuell die größte und qualitativ beste Datenlage zu terroristischen Anschlägen, die dem Anspruch auf eine Vollerhebung am nächsten kommt, was deren Nutzung trotz der erwähnten Probleme für die vorliegende Untersuchung rechtfertigt. Im Folgenden wird zunächst die Herkunft der Daten der GTD erläutert. Ebenso die Datenherkunft der Terrorist Organization Profiles (TOPs) 560, da sie den Großteil der Datengrundlage für die Erhebung einer fehlenden Variablen darstellt und wie die GTD für die Auswertung modifiziert werden musste. Im Anschluss erfolgt die Datenaufbereitung in Form einer Datenbereinigung, die die Verwendbarkeit und Aussagekraft der Daten verbessern soll. Hierbei handelt es sich zunächst um eine Überprüfung der Konsistenz, Plausibilität und Vollständigkeit der vorhandenen Daten. Dieser schließt sich eine Beschreibung der Bereinigung von nicht brauchbaren Daten aus den Datenbanken und der Zusammenlegung von Variablen an, die zu einer Verdichtung der Daten führen sollen. Die Entfernung betrifft sowohl nicht benötigte Variablen, nicht auswertbare Variablen als auch numerischer Doppelvariablen, aber auch ganze Untersuchungseinheiten in der GTD, die nicht der Definition des Konstruktes „terroristischer Anschlag“ entsprechen, wie es in der vorliegenden Untersuchung festgelegt wurde. In der vorliegenden Untersuchung soll auch die Ideologie der terroristischen Organisationen als Variable zur Überprüfung der Forschungshypothesen H4 und H5 herangezogen werden. Diese liegt nicht in der GTD vor und wird daher im Laufe der Untersuchung selbst erhoben und in die Datenbank eingefügt. Hierzu werden die vier Kategorien „links-sozialrevolutionär“, „rechts-konservativ“, „nationalistisch-separatistisch“ und „religiös“ als Merkmalsausprägungen übernommen, wie sie bereits im theoretischen Teil in Kapitel 3.4.4. Ideologie vorgestellt wurden. Als Grundlage für die Datenerhebung dienen vor allem die TOPs561, die Untersuchung von Seth G. Jones und Martin C. Libicki, die auf der RAND Database of Worldwide Terrorism Incidents (RDWT) basiert562, die Mapping Militant Organizations (MMO)563 und die Big, Allied and Dangerous (BAAD)564. Als weitere Quellen werden Fachliteratur in Form von Büchern und Zeitschriftenaufsätzen, Pressemeldungen, Berichte von Behörden, Organisationen und Regierungen und Primärquellen, wie Homepages oder Flugblätter, hinzugezogen. Die genutzten Quellen werden in Kapitel 5.4.4. Ein- 559 Im Folgenden werden zur Vereinfachung des Leseflusses nach einmaliger Nennung die Abkürzungen der Datenbanken und Institutionen verwendet, soweit vorhanden. 560 Vgl. National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism (START) 2014. 561 Vgl. National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism (START) 2014. 562 Vgl. Jones/Libicki 2008; RAND Corporation 2009. 563 Vgl. Stanford University 2019. 564 Vgl. Asal/Rethemeyer 2015. 166 Methodische Vorgehensweise der empirischen Untersuchung fügung der Variablen „Ideologie“ aufgeführt. Da die Ausprägungen dieser Variablen aus praktischen Gründen nicht für alle terroristischen Organisationen erhoben werden konnten, sondern nur für Organisationen, die nach einem Konzentrationsprinzip ausgewählt wurden, entfällt bei der Untersuchung dieser Forschungshypothesen ein Teil der Anschläge aus der Auswertung. Somit handelt es sich bei diesem Teil der Untersuchung nicht mehr um die Auswertung einer Vollerhebung. Nach der Datenaufbereitung werden die Forschungshypothesen und die darin enthaltenen Variablen anhand der zur Verfügung stehenden Daten weiter operationalisiert, bis ausschließlich manifeste Variablen zur Beschreibung des Untersuchungsgegenstandes vorliegen. Der Vergleich der Zeiträume dieser manifesten Variablen wird mittels Häufigkeits- und Mittelwertanalysen bestimmt. Da zur Überprüfung der Forschungshypothesen auf eine Sekundäranalyse von Daten zurückgegriffen wird, muss sich die „…Operationalisierungsstrategie für die theoretischen Variablen der sekundäranalytischen Untersuchung auf das vorhandene Datenmaterial beschränken“.565 Die Operationalisierung konzentriert sich daher auf die Reduktion der Variablen aus der Datenbank zu geeigneten manifesten Variablen. Hierfür müssen unter anderem Indikatoren für Begriffe wie „Zivile Opfer“ in der Datenbank gefunden werden. Dies führt auch zu einer Einschränkung bei der Datenauswertung, da die Auswahl der statistischen Modelle durch die gegebenen Skalenniveaus der Merkmalsausprägungen begrenzt ist. Ein weiteres Problem der sekundäranalytischen Untersuchung ergibt sich aus dem Umstand, dass nicht für alle Variablen Indikatoren in der Datenbank vorliegen. Fehlende Indikatoren, die nicht ergänzt werden können, führen im schlechtesten Fall dazu, dass Forschungshypothesen nicht überprüft werden können. Dies ist auch in der vorliegenden Untersuchung der Fall. Da sich für die Variable „Zusammenarbeit“ in der vorliegenden Datenbank keine geeigneten Variablen finden lassen und die Erhebung von passenden Indikatoren im Rahmen der vorliegenden Untersuchung nicht zu leisten ist, beschränkt sich die weitere Operationalisierung der Eigenschaft „Netzwerkartigkeit“ auf die Variable „Internationalisierung“ und deren Indikatoren in der Datenbank. 565 Kromrey 1986, S. 323. 167 Global Terrorism Database (GTD): Datenherkunft 5.2 Global Terrorism Database (GTD): Datenherkunft Aufgrund der quantitativen Ausrichtung der vorliegenden Untersuchung ist eine eigene Erhebung der Daten zur Beantwortung der Fragestellungen nicht möglich, da ein ausreichend großer Datensatz den Umfang der Arbeit überschreiten würde. Daher wird auf vorhandene Datenbestände zurückgegriffen. Hierzu bietet sich die GTD566 von START an. Die Datenbank bietet mit 142.714 erfassten Anschlägen die aktuell größte Datenbasis mit Informationen zu terroristischen Anschlägen. Neben der Quantität der Daten, sprechen vor allem die Transparenz bei der Datenerhebung und die Zugänglichkeit zu den Daten für die GTD. Durch ein ausführliches Codebook und die Angabe der Quellen in der Datenbank (ab dem Jahr 1997) lässt sich die Datenherkunft und Codierung zum Großteil einfach nachvollziehen. Durch die Möglichkeit der Datenexportation in Excel lassen sich die Daten mit Statistikprogrammen selbst auswerten. Dies macht eine eigene Bearbeitung der Daten überhaupt erst möglich. Auch der Beginn des Zeitraum der erfassten Daten im Jahr 1970 geht weit genug zurück, um die aufgestellten Forschungshypothesen untersuchen zu können. Der Untersuchungszeitraum der vorliegenden Arbeit beschränkt sich auf die Jahre 1970 bis 2014, da die Auswertung der Datenbank und die Erhebung der fehlenden Variablen, die auf den Daten der GTD 2014 basieren, bereits abgeschlossen waren, bevor im Sommer 2016 die Daten für das Jahr 2015 durch START ergänzt wurden. Bei der Sichtung möglicher geeigneter Datenbanken zu terroristischen Anschlägen kamen neben der GTD zunächst auch die RDWTI567 der RAND Corporation, die International Terrorism: Attributes of Terrorist Events (ITERATE)568 von Edward F. Mickolous und die Datenbank Terrorism Research & Analysis Consortiums (TRAC)569 der Beacham Group in Frage. Keine dieser Datenbanken war jedoch besser geeignet für die vorliegende Untersuchung als die GTD. Die Datenbank TRAC schied bereits zu Anfang der Sichtung aus, da sie zum einen nicht kostenfrei zur Nutzung steht, aber vor allem weil „… the quality of the texts is very uneven and quite often not up to scholarly standards“570, wie Alex P. Schmid richtig anmerkt. Bei der RDWTI dagegen handelt es sich zwar um eine kostenfreie und öffentlich zugängliche Datenbank, die den wissenschaftlichen Standards entspricht. Die Anzahl der Anschläge ist jedoch mit knapp 40.000 wesentlich geringer als die der GTD. Auch ist der Zeitraum von 1968 bis 2009 etwas eingeschränkter, da die Datenbank nicht mehr aktualisiert 566 Vgl. National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism (START) 2015. 567 Vgl. RAND Corporation 2009. 568 Vgl. Mickolous et al. 2007. 569 Vgl. Beacham Group 2019. 570 Schmid 2012, S. 172. 168 Methodische Vorgehensweise der empirischen Untersuchung wird. Vor allem aber enthält die RDWTI bis zum Jahre 1997 nur Informationen zu internationalen Anschlägen.571 Zur Beantwortung der Fragestellung ist jedoch eine Untersuchung von nationalen und internationalen Anschlägen notwendig. Auch ist der Umfang der exportierbaren Variablen im Vergleich zur GTD eingeschränkt: es gibt nur acht verschieden Variablen zu jedem Anschlag. Wichtige Informationen, die zur Untersuchung der Forschungshypothesen benötigt werden, wie zum Beispiel Informationen zur Art der Opfer oder Selbstmordattentaten, sind in der exportierbaren Version der Datenbank nicht enthalten.572 Die ITERATE enthält zwar Daten zu Anschlägen der Jahre 1968 bis 2016 mit ausreichend Variablen, die in Excel-Format erworben werden können, jedoch sind diese auch kostenpflichtig.573 Die Datenbank entspricht insgesamt auch den wissenschaftlichen Standards, aber es wurden jedoch ebenfalls nur Informationen zu internationalen bzw. transnationalen Anschlägen erhoben.574 Bei keiner der drei erwähnten Datenbanken lässt sich eine ähnlich ausgebaute Quellentransparenz finden, wie bei der GTD.575 Aus diesem und den zuvor genannten Gründen, wurde die GTD von START als geeignete Datenbank identifiziert und ausgewählt. National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism (START) START ist ein Forschungs- und Bildungszentrum, das sich mit den Gründen und Auswirkungen des Terrorismus beschäftigt. START wurde 2005 an der Universität von Maryland gegründet, an dem es auch seinen Sitz hat. Es ist eines der Centers of Excellence (COE), die in einem Netzwerk organisiert sind, vom Department of Homeland Security Science and Technology Directorate unterstützt werden und auch von diesem Mittel erhalten. Dieses COE Netzwerk ist ein Netzwerk aus universitär geleiteten Forschungseinrichtungen zum Thema Heimatschutz.576 Prof. Dr. Gary LaFree, der an der Universität von Maryland Professor für Kriminologie und Strafjustiz ist, war seit Gründung von START bis 2018 Direktor (Im Juli 2018 wurde er von William Braniff abgelöst). START möchte nach eigener Aussage mit seiner Forschung politischen Entscheidern und Analysten aus dem Bereich Heimatschutz Daten und Forschungsberichte zum Thema Terrorismus zur Verfügung stellen, die besonders hohen wissenschaftlichen Standards entsprechen.577 Trotz der Finanzierung durch staatliche, militärische und wirtschaftliche Institutionen wird betont, dass 571 Vgl. Schmid 2011 S. 311; Sheehan 2012, S. 29; RAND Corporation 2015 c. 572 Vgl. RAND Corporation 2009. 573 Vgl. Vinyard 2019. 574 Vgl. Schmid 2012, S. 305, Sheehan 2012, S. 25. 575 Vgl. Sheehan 2012, S. 35. 576 Vgl. United States Department of Homeland Security o. A./2015. 577 Vgl. National Consortium for the Study of Terrorism and Responses of Terrorism 2019 a. 169 Global Terrorism Database (GTD): Datenherkunft die wissenschaftlichen Erkenntnisse den Positionen der Forscher und nicht denen der finanzierenden Behörden oder Institutionen entsprechen. Neben der Hauptfinanzierung durch das Department of Homeland Security Science and Technology Directorate, gehören auch weitere Ministerien, bzw. deren Programme oder Abteilungen zu den Geldgebern, aber auch wissenschaftliche Einrichtungen, wie zum Beispiel das Office of Naval Research, die National Science Foundation, oder das National Institute of Health oder staatliche Behörden, wie die U. S. Federal Emergency Management Agency.578 START präsentiert sich der Öffentlichkeit über seine Homepage www.start.umd. edu. Dort sind alle vorhanden Datenbanken, Berichte und die meisten eingestellten Publikationen öffentlich zugänglich. Zu den Bereichen, in denen wissenschaftliche Forschungsprojekte betrieben werden, gehören „Terrorismus und Extremismus“, „Terrorismus- und Extremismusbekämpfung“, „Radikalisierung und De-Radikalisierung“, „Risikokommunikation“ und „unkonventionelle Waffen“. Die Forschungsergebnisse werden in Form von Daten oder Berichten auf der Seite bereitgestellt. Aktuell werden, neben der GTD, auf der Internetseite 22 verschiedene Datenbanken und Tools zur Veranschaulichung von Daten zur Verfügung gestellt. Einige davon sind direkt von START, wie die GTD, andere werden dort nur von START zur Verfügung gestellt oder entstanden in Kooperation mit anderen Institutionen. Neben den Datenbanken ist eine Reihe von Publikationen verfügbar. Diese setzen sich zusammen aus Veröffentlichungen von START Mitarbeitern, aber auch fremder Autoren in Form von Fact Sheet, Reports, Papers, Journal Artikeln, Büchern, Konferenzpapieren, Präsentationen und ähnlichem. Ein weiterer Schwerpunkt von START ist die Bildung und Fortbildung in Kooperation mit der Universität von Maryland. Es werden unterschiedliche Online Kurse, ganze Online Studiengänge, Praktika, internationale Austausche, Awards und Forschungsprogramme angeboten.579 Global Terrorism Database (GTD) Die GTD ist eine öffentlich zugängliche Datenbank, die von START bereitgestellt wird. Die Datenbank wird jährlich aktualisiert und enthielt mit Stand Juni 2015 Daten zu genau 142.714 nationalen und internationalen terroristischen Anschlägen, und ist somit die umfassendste Datenbank, die unklassifizierte Daten zu terroristischen Anschlägen enthält.580 Der erste Anschlag ist auf den 01.01.1970 datiert, der letz- 578 Vgl. National Consortium for the Study of Terrorism and Responses of Terrorism 2019 b. 579 Vgl. National Consortium for the Study of Terrorism and Responses of Terrorism 2019. 580 Vgl. LaFree/Dugan/Miller 2015, S. 2; National Consortium for the Study of Terrorism and Responses of Terrorism 2015 a. 170 Methodische Vorgehensweise der empirischen Untersuchung te Anschlag auf den 31.12.2014.581 Zu jedem erfassten Anschlag gibt es in der Datenbank 133 erfasste Merkmale (ohne Zahlencode), von denen 29 doppelt sowohl als Textform als auch als Zahl codiert vorliegen. Von den übrigen 104 Merkmalen besitzen 91 die Form von statistisch auswertbaren Variablen. Die Ausprägungen der statistisch auswertbaren Variablen liegen hauptsächlich in nominaler und metrischer Form vor. Die Merkmale werden im Global Terrorism Database Codebook in acht Hauptkategorien unterteilt: Allgemeine Merkmale zum Anschlag, Merkmale zum Ort des Anschlags, Merkmale zur Art des Anschlags, Merkmale zu den benutzten Waffen, Merkmale zu den Zielen und Opfern, Merkmale zu den Tätern, Merkmale zu Opferzahlen und zusätzliche Anmerkungen und Quellenangaben.582 Die erste Spalte der Datenbank besteht aus einem Zahlencode, der jeweils einem Anschlag zugeordnet ist. Der Zahlencode besteht aus der Jahreszahl (Beispiel: 2014), dem Monat (Beispiel: 12), dem Tag (Beispiel: 31) und einer fortlaufenden, dreistelligen Nummer (Beispiel 003): 20141231001. Bei wenigen Ausnahmen stimmt das tatsächliche Datum nicht mit dem Datum im Zahlencode überein, da die Information zum Anschlagsdatum nachträglich korrigiert wurde, der Zahlencode aus Gründen der Konsistenz jedoch beibehalten wurde. Zusammenhängende Anschläge, wie zum Beispiel die Anschläge des 11. September 2001 auf die Türme des World Trade Centers, das Pentagon, das Weiße Haus werden als einzelne Anschläge aufgeführt. Der Zusammenhang wird jedoch in einem eigenen Merkmal als „multiple incidents“ ausgewiesen. Die Eigenschaften zusammenhängender Anschläge werden für jeden einzelnen „multiple incident“ separat ausgewiesen, soweit dies möglich war. Wo dies nicht möglich war, wurden Eigenschaften übernommen, bzw. numerische Variablen, wie die Anzahl getöteter Personen und gleichmäßig auf die einzelnen Anschläge aufgeteilt. Für die Anschläge auf das Pentagon und den versuchten Anschlag auf das Weiße Haus in Washington zum Beispiel, wurden exakte Opferzahlen ausgewiesen. Für die beiden Anschläge auf die Türme des World Trade Centers konnten die Opferzahlen nicht genau zugeordnet werden. Die gesamt Summe der beiden Anschläge wurden daher halbiert und auf beiden Anschläge aufgeteilt. Dies kann unter Umständen zur Folge haben, dass Werte wie Personenanzahlen, die in der Realität nur in ganzen Zahlen vorkommen, in der Datenbank mit Nachkommastellen ausgewiesen werden.583 581 Die aktuellste Version mit einem Stand vom Juni 2018 enthält bereits über 180.000 Anschläge. Vgl. National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism (START) 2018. 582 Vgl. National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism (START) 2015 b/2015 c, S. 2. 583 Aufteilung der Werte gilt für alle Variablen, die sich auf die Anzahl von getöteten und verwundeten Personen beziehen. Für die Auswertung wurden die ungeraden Werte auf ganze Zahlen gerun- 171 Global Terrorism Database (GTD): Datenherkunft Die Daten wurden von unterschiedlichen Institutionen zusammengetragen, die in vier zeitlich verschiedenen Abschnitten nacheinander die Daten gesammelt haben. Die Daten zu den Anschlägen von 1970 bis 1997 wurden vom Pinkerton Global Intelligence Service (PGIS) undigitalisiert erhoben. Die Daten zu Anschlägen ab 1998 bis März 2008 wurden von START und dem Center for Terrorism and Intelligent Studies (CETIS) ab 2006 nachträglich zusammengetragen. Ab April 2008 bis Oktober 2011 übernahmen START und das Institute for the Study of Violent Groups (ISVG) der New Haven University in Connecticut die Datensammlung, bevor sie im November 2011 vollständig an START überging. Bereits 2001 haben Forscher an der Universität von Maryland mit der Bearbeitung der durch PGIS gesammelten Daten begonnen. Die Daten, bestehend aus über 50 Kartons mit beschrifteten Karteikarten, wurden von 2001 bis 2005 digitalisiert, ergänzt und korrigiert, was vom National Institute of Justice finanziert wurde. Im Jahr 2006 wurde die Datensammlung für den Zeitraum ab 1998 von START und CETIS nachträglich bis zum März 2008 fortgeführt, nachdem START eine Finanzierung zur Fortführung der Datenbank durch die Human Factors-Behavioral Science Division of the U. S. Department of Homeland Security bekommen hatte. Nach dieser nachträglichen Datensammlung für den Zeitraum 1998 bis 2008 wurden die zwei Datensätze, die GTD1 (1970–1997) und GTD2 (1998– 2007), miteinander verbunden. Bei der Zusammenführung wurden sowohl unterschiedlichen Definitionen von Terrorismus als auch eine unterschiedliche Anzahl von Variablen angeglichen.584 Die ursprüngliche Definition von Terrorismus der PGIS Datenbank lautete: „The threatened or actual use of illegal force and violence by a non-state actor to attain a political, economic, religious, or social goal through fear, coercion, or intimidation.“585 Diese Definition wurde inhaltlich beibehalten, aber methodisch durch eine neue Definition ersetzt, die aus drei einzelnen Merkmalen besteht, von denen mindestens zwei zutreffen müssen, damit der Anschlag als terroristischer Anschlag gezählt wird: det. Vgl. National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism (START) 2015 c, S. 9 f/47. 584 Vgl. LaFree 2010; Schmid 2011, S. 296 f; LaFree/Dugan/Miller 2015, S. 8/18; National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism (START) 2015 b/2015 c, S. 4/2015 d. 585 National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism (START) 2015 b, S. 2. 172 Methodische Vorgehensweise der empirischen Untersuchung „Criterion 1: The act must be aimed at attaining a political, economic, religious or social goal. In terms of economic goals, the exclusive pursuit of profit does not satisfy this criterion. It must involve the pursuit of more profound, systemic economic change. Criterion 2: There must be evidence of an intention to coerce, intimidate, or convey some other message to a larger audience (or audiences) than the immediate victims. It is the act taken as a totally that is considered, irrespective if every individual involved in carrying out the act was aware of this intention. As long as any of the planners or decision-makers behind the attack intended to coerce, intimidate or publicize, the intentionality criterion is met. Criterion 3: The action must be outside the context of legitimation warfare activities. That is, the act must be outside the parameters permitted by international humanitarian law (particularly the prohibition against deliberately targeting civilians or non-combatants).“586 Diese drei Merkmale einer Definition wurden auch auf die GTD1 angewendet und nachträglich eingefügt. Alle Anschläge, die nicht mindestens zwei der drei Merkmale erfüllten, wurden entfernt, wie zum Beispiel auch diejenigen, die Organisationen zugeordnet waren, die in der GTD1 als „student protesters“ oder „rebels“ geführt wurden. Bei der aktuellen Datenbank von 2015 erfüllen 86,77 % aller Anschläge alle drei Merkmal der Definition von Terrorismus. Ein weiterer Unterschied zwischen den zwei Datenbanken lag in der Anzahl der Merkmale. Die GTD1 bestand aus 44 Merkmalen und die GTD2 aus 87 Merkmalen. Bei der Zusammenführung konnten nicht alle Merkmale und Ausprägungen nachträglich für die Anschläge der GTD1 erhoben werden.587 Diese Merkmale sind in dem Codebook mit dem Hinweis versehen: „Note: This field is presently only systematically available with incidents occurring after 1997.”588 In der vorliegenden Datenbank von 2015 gilt dies für folgende Variablen, bzw. Ausprägungen von Merkmalen: 589 586 National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism (START) 2015 c, S. 9. 587 Vgl. Schmid 2011, S. 296 f; LaFree/Dugan/Miller 2015, S. 19; National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism (START) 2015 b. 588 National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism (START) 2015 c, S. 5. 589 Vgl. National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism (START) 2015 a. 173 Global Terrorism Database (GTD): Datenherkunft • „Doubt Terrorism Proper“ • „Alternative Designation“ • „Part of Multiple Incident“ • „Related Incidents“ • Die Ausprägung „Individual“ bei der Variablen „Perpetrator Group Name“ • „Number of Perpetrator Captured“ • „Claim of Responsibility“ • „Motive“ • „Additional Notes“ Nachdem die GTD1 und GTD2 zur GTD zusammengeführt worden waren, wurden die Daten ab 2008 von START und dem ISVG wieder in Echtzeit erhoben. Diese Daten wurden von START in die Datenbank integriert. Die Datenerhebung wurde ebenfalls durch die Finanzierung des U. S. Department of Homeland Security möglich gemacht. Auch die Erhebung der Daten ab November 2011 durch START erfolgt weiterhin in Echtzeit. Ein Update der Datenbank erfolgt jährlich jeweils um das vergangene Jahr. Neben der aktuellen Datensammlung werden die bereits vorhandenen Daten durch START permanent überprüft, ergänzt und korrigiert, mit dem Ziel einer Datenerhebung, die auf den Kriterien der Transparenz und Universalität beruht,590 damit: „definitions and methodology are as consistent as possible across all phases of data collection.“591 Zu den Hauptquellen gehören öffentlich zugängliche, nicht eingestufte Berichte, Zeitungsartikel, Datenbanken, Nachrichtenarchive, aber auch sekundäre Quellen wie Bücher und Journals sowohl in physischer als auch in elektronischer Form. Neben START, PGIS, CETIS und ISVG gibt es noch einige Institutionen und Personen, deren Datenbanken und Archive genutzt wurden. Dazu gehören vor allem das Conflict Archive on the Internet for Northern Ireland (CAIN), Alex P. Schmid, Christopher Hewitt und Yonah Alexander. Eine ausführliche Auflistung hierzu findet sich im Codebook auf Seite 59. Die ständige Weiterentwicklung der Methodologie, neue technische Möglichkeiten und das Internet als ständig wachsende Quelle für schnell zugängliche Informationen haben das Recherchieren der Anschläge im Laufe der Zeit verändert. Während sich PGIS bis in die neunziger Jahre vor allem auf Quellen von Nachrichtenagenturen, Regierungsberichten, Zeitungen und Informationen aus anderen PGIS Büros weltweit beschränkte, konnte ab Mitte der neunziger Jahre das Internet zu Hilfe genommen werden. In der Zeit der Datensammlung 590 Vgl. LaFree 2010; National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism (START) 2015c, S. 4 f. 591 National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism (START) 2015c, S. 4. 174 Methodische Vorgehensweise der empirischen Untersuchung von CETIS konnten erstmals Online-Datenbanken wie Lexis-Nexis und Opensource.gov genutzt werden.592 Seit START 2012 vollständig die Datensammlung und Codierung übernommen hat, gab es einige methodologische Veränderungen, die zu weiteren quantitativen und qualitativen Verbesserungen bei der Anschlagerfassung geführt haben. Die Suche nach Informationen zu Anschlägen findet seit diesem Zeitpunkt täglich in 7.000 Nachrichtenartikeln statt, die aus 1,3 Millionen Artikeln aus knapp 55.000 verschiedenen Quelle als Artikel zum oder über das Thema Terrorismus herausgefiltert wurden. Die geschieht mit einem „Metabase Application Programming Interface (API)“, welches die Artikel, die aus über 80 Sprachen in das Englische übersetzt werden, über das Open Source Center bezieht. Durch die Anwendung von data-mining und machine-learning werden die identifizierten Artikel auf Duplikate überprüft und auf ihre Wahrscheinlichkeit, Informationen über einen konkreten Anschlag zu enthalten. Durch diese Vorsortierung bleiben den Analysten von START pro Tag ca. 550 Artikel zur Durchsicht. Diese übrig gebliebenen Artikel werden von den Analysten nach ihrer Zuverlässigkeit, ihrer Unabhängigkeit und ihrem Überlieferungszusammenhang bewertet und verarbeitet. Des Weiteren sind die Codierungsteams nicht mehr nach geographischen Regionen, sondern nach Variablen aufgeteilt, und zur Verarbeitung der Artikel wird ein von START entwickeltes „Data Management System (DMS)“ angewandt, das sowohl Quellenverwaltung, Evaluation, Zuordnung als auch Codierung in einem Programm bietet.593 Seit 2013 bezieht das U. S. Department of State die Daten des jährlichen durch den Kongress beauftragten Berichts Country Reports on Terrorism, der Trends des globalen Terrorismus zusammenfasst in Form eines Annex of Statistical Information von START. Zuvor wurden die Daten seit 2006 vom National Counterterrorism Center erhoben, aufbereitet und zur Verfügung gestellt. Dieses hatte jedoch im April 2012 die öffentlich zugängliche Datensammlung in Form des Worldwide Incidents Tracking System (WITS) aus finanziellen Gründen eingestellt. Die jährlich erhobenen Daten der GTD werden zu diesem Zweck von START für das U. S. Department of State deskriptiv aufbereitet. Um den Anforderungen des Berichtes zu entsprechen, wurden im Jahr 2012 einige Anpassungen an der GTD vorgenommen.594 Neben der methodologischen Optimierung, die zu einem Anstieg der Gesamtanzahl an terro- 592 Vgl. LaFree 2010; Schmid 2011, S. 297; LaFree/Dugan/Miller 2015, S. 15/19; National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism (START) 2015 b/c, S. 59. 593 Vgl. Jensen 2013; LaFree/Dugan/Miller 2015, S. 21; National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism (START) 2015c, S. 6 f./d. 594 Vgl. Kimery 2012; Lee/Baldor 2013; National Consortium for the Study of Terrorism and Responses of Terrorism 2015 d. 175 Global Terrorism Database (GTD): Datenherkunft ristischen Anschlägen geführt hat, gab es auch eine Reihe an inhaltlichen Veränderungen der Variablen im Jahr 2012 und zu späteren Zeitpunkten: Folgende Variablen wurden ergänzt: • „Target/Victim Subtype“ • „International-Logistical“, „International-Ideological“, „International-Miscellaneous“, „International-any of the above“ • „Latitude“, „Longitude“ and „Specifity“ Folgende Variablen wurden entfernt: • „Situation of Multi-party Conflict“ • “Claim of Responsibility Confirmed“ Folgende Variablen wurden verändert: • Umbenennung der Variablen „Target/Victim Entity“ in „Target/Victim Type“ • Unterteilung der Variablen „Perpetrator Group Suspected/Unconfirmed“ in „First Perpetrator Group Suspected/Unconfirmed“, „Second Perpetrator Group Suspected/Unconfirmed“ und „Third Perpetrator Group Suspected/Unconfirmed“ Folgende Ausprägungen einzelner Variablen wurden verändert: • Die Ausprägungen „Knife“ und „Sharp Object Other Than Knife“ wurde in eine Kategorie „Knives and Other Sharp Objects“ zusammengeführt (Variable: „Weapon Subtype“) • Hinzugefügt wurde die Ausprägung „Unarmed Assault“ (Variable: „Attack Type“) • Hinzugefügt wurde die Ausprägung „Violent Political Parties“ (Variable: „Target/Victim Type“) • Entfernt wurde die Ausprägung: „Agriculture“ (Varibale: „Target/Victim Type“) Folgende geographischen Aktualisierungen an Variablen und Ausprägungen wurden vorgenommen: • Die Ausprägung „Russia and the Newly Independent States (NIS)“ (Variable: „Region“) wurde aufgelöst und in die Länder Zentral Asiens und Europas übernommen. • Die Ausprägungen „Northern Ireland“ und „Great Britain“ wurden in die Ausprägung „United Kingdom“ zusammengeführt (Variable: „Country“) • Die Ausprägungen „Corsica“ und „France“ wurden in die Ausprägung „France“zusammengeführt (Variable: „Country“) 176 Methodische Vorgehensweise der empirischen Untersuchung • Die Ausprägungen „Puerto Rico“ und „United States“ wurden in die Ausprägung „United States“ zusammengeführt (Variable:“Country“) • Die Ausprägungen „Congo (Kinshasa)“ wurde in die Ausprägungen „Democratic Republic of the Kongo“ und „Zaire“ umgewandelt (Variable „Country“ und „Nationality of Target/Victim“) • Die Ausprägungen „Congo (Brazzaville)“ wurde in die Ausprägungen „Republic of the Kongo“ und „People’s Republic of the Congo“ umgewandelt (Variable „Country“ und „Nationality of Target/Victim“). Die aufgezählten Veränderungen wurden auch rückwirkend für den gesamten Zeitraum der Anschläge seit 1970 angepasst595 und führen daher nicht zu einem inhaltlichen Bruch innerhalb der Datenbank. Die einzige neue Veränderung, die erst ab dem Jahr 2013 gilt, ist die Hinzufügung der Ausprägung „State Actor“ bei der Variablen „Doubt Terrorism Proper“.596 Auch nach 2015 wurden weitere Änderungen an der Datenbank vorgenommen. Da diese jedoch nicht mehr den Auswertungszeitraum der Untersuchung betreffen, werden sie an dieser Stelle nicht weiter aufgeführt. Abschließend soll jedoch noch einmal darauf hingewiesen werden, dass die Konsistenz und Vollständigkeit der vorliegenden Daten der GTD mehreren Brüchen unterliegen, die sich aus der Geschichte der Datenerhebung ergeben, und die bei der Interpretation der Ergebnisse beachtet werden müssen. Bis 1997 wurden die Daten nicht digital, sondern handschriftlich erhoben und nachträglich digitalisiert, was möglicherweise zu einem Datenverlust geführt hat, der sich auf Quantität und Qualität der Daten ausgewirkt hat. Am offensichtlichsten zeigt sich dies am Datensatz des Jahres 1993, der bei einem Umzug der PGIS verloren ging und nachträglich rekonstruiert werden musste. Es konnten jedoch nur 15 % der damalig erhobenen Anschläge rekonstruiert werden, was eine Datenverzerrung der GTD im Jahr 1993 zur Folge hat. Die Anzahl der tatsächlich erhobenen Anschläge aus dem Jahr 1993 in Höhe von 4.954 Anschlägen konnte mithilfe eines noch existierenden Dokuments „Country-level statistics for 1993“ belegt werden. Dieses Dokument enthält die Anzahl der Anschläge, Verwundeten und Getöteten für das Jahr 1993 nach Ländern getrennt. Ein weiterer Einschnitt entstand bei der Zusammenführung der GDT1 und GDT2 im Jahr 2008. Für die GDT1 konnten bei der Zusammenführung, aber auch bei der späteren Ergänzung weiterer Variablen nicht alle Variablen nachträglich erhoben werden. Diese Variablen sind jedoch gekennzeichnet und für die Auswertung der vorliegenden Untersuchung nicht weiter von Bedeutung. Die schwerwiegendsten Auswirkungen auf die Konsistenz der Daten und somit auf deren Aussagekraft hat der Fortschritt 595 Dies gilt auch für die separate Datenbank mit den Anschlägen aus dem Jahr 1993. 596 Vgl. National Consortium for the Study of Terrorism and Responses of Terrorism 2015 c, S. 5f. 177 Terrorist Organization Profiles (TOPs): Datenherkunft der technischen und methodischen Entwicklung bei der Erhebung der Daten. Die erstmalige Nutzung des Internets in den neunziger Jahren, die Online-Datenbanken in den zweitausender Jahren und jüngst die Anwendung von data-mining und machine-learning haben dazu geführt, dass Daten zu Anschlägen schneller und effizienter gefunden werden können. Sie haben jedoch auch dazu geführt, dass seit Ihrer Anwendung insgesamt mehr Anschläge gefunden wurden konnten. Ein (sprunghafter) Anstieg terroristischer Anschläge im Laufe der Zeit muss demnach auch vor dem Hintergrund technischer und methodischer Entwicklungen bei der Datensammlung interpretiert werden. Da sich die Auswertung der Daten zur Beantwortung der Fragestellung jedoch hauptsächlich auf anteilige bzw. durchschnittliche Werte bezieht, relativieren sich die sprunghaften Anstiege bei den Anschlagszahlen und haben nur einen geringen Einfluss auf die Interpretation der Ergebnisse. 5.3 Terrorist Organization Profiles (TOPs): Datenherkunft Die TOPs597 wurden bis 2015 von START in Form einer Online-Datenbank der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt und enthielt Profile zu 856 terroristischen Organisationen, die zwischen 1968 und 2008 aktiv waren. 2015 wurde die Datenbank von START vom Netz genommen, während zeitgleich die neuste Version der BAAD online gestellt wurde.598 Diese Datenbank enthält ebenfalls Profile terroristischer Organisationen, jedoch weitaus weniger als die TOPs. Sämtliche Verlinkungen der TOPs werden seitdem auf die BAAD umgeleitet, ohne dass jedoch die Inhalte der TOPs in die BAAD übernommen wurden. Zu Beginn der vorliegenden Untersuchung war TOPs noch online und alle Profile wurden lokal gesichert, sodass sie für weitere Untersuchungen zur Verfügung standen. Die Profile ließen sich einzeln als pdf-Dateien öffnen und lagen nicht, wie die Daten der GDT, in Excel oder SPSS-Format vor. Benutzer konnten bei der Suche nach der jeweiligen terroristischen Organisation nach Land, Ideologie oder über einen Suchbegriff über die Hauptseite filtern. Die einzelnen gesicherten Profile enthalten Angaben zum Namen der Organisation, wie Aliasnamen, Abkürzungen und den Originalnamen. Des Weiteren lassen sich der Datenbank Informationen zur Operationsbasis, zum Gründungsdatum, zur Aktivität, der Größe, der Ideologie und den finanziellen Ressourcen entnehmen. Die Zuordnung einer terroristischen Organisation zu einer 597 Vgl. National Consortium for the Study of Terrorism and Responses of Terrorism 2014. 598 Vgl. Asal/Rethemeyer 2015. 178 Methodische Vorgehensweise der empirischen Untersuchung Ideologie erfolgte nach einem festgelegten Schema, das aus 10 verschiedenen Ideologien mit folgenden Definitionen besteht:599 Anarchist: Anarchist terrorist oppose all forms of government authority and advocate a society based free association of individuals. Anarchists are often allied with Leftist groups. Anti-Globalization: Anti-globalization terrorists oppose the integration of the world into a single free market. They believe global capitalism negatively impacts bot individuals and indigenous cultures. Anti-globalization attacks often focus on multinational corporate and trade targets. Communist/Socialist: Communist/socialist terrorists commit acts of terrorism to pressure their government to redistribute wealth or to change ownership of industrial means of production. They often attack in opposition to such government policies as the privatization of state industry and resources or the reduction of entitlement programs such as pensions or welfare. Environmental/Animal Rights: Environmental/Animal Rights terrorists commit acts of terrorism to influence their government’s environmental policy or to stop private sector actions that are perceived to be harmful to a region’s ecology and wildlife or animals in general. Leftist: Leftist terrorists include all groups that are on the liberal end of the political spectrum without being explicitly anarchist, anti-globalization, communist or socialist. Leftists often see themselves as a progressive, egalitarian vanguard demanding social justice through violence. Nationalist/Separatist: Nationalist terrorists commit acts of terrorism to defend what they believe to be the interests of their national group or in reaction to colonialism. Nationalist terrorist groups often seek autonomy or statehood on behalf of a minority ethnic or religious population that resides within a larger state, in which case the terrorists are separatists as well as nationalists. 599 Eine weitere Kategorie “Anti-Abortion” wird in der Methodologie der TKB-Datenbank beschrieben, aber nicht für die TOPs-Profile angewendet. Vgl. Memorial Institute for the Prevention on Terrorism 2007 a. 179 Terrorist Organization Profiles (TOPs): Datenherkunft Racist: Racist terrorists include all groups that select targets based on their ethnicity. Religious: Religious terrorists commit acts of terrorism in order to comply with a religious mandate or to force others to follow that mandate. These groups tend to be less interested in achieving policy change and less amenable to political concessions or negotiations. Right-Wing Conservative: Right-wing conservative terrorists seek to preserve the established order and maintain traditions. Right-wing conservative terrorists support the current government. Right-Wing Reactionary: Reactionary terrorists are right-wing individuals that seek to overthrow the current political order to return to a past way of life. The Republic of Texas, for example, wishes to return to the days before Texas was annexed by the United States.600 Ausführliche Informationen in Textform sind vorhanden zur Gründungsphilosophie und zu den Zielen der terroristischen Organisation. Zusätzlich werden terroristische Organisationen aufgezählt, die in irgendeiner Art Verbindung zu der jeweiligen Organisation stehen. Als Art der Verbindung werden dabei unter anderem Verbündete, Unterstützer, Splittergruppe und Gegner aufgeführt. Abschließend ist noch festgehalten, ob die betreffende terroristische Organisation bis zum jeweiligen Zeitpunkt der Erhebung in den USA, Großbritannien, Kanada, Australien, Russland oder in Europa auf einer der Terrorismuslisten geführt wurde. Ursprünglich war die TOPs ein Teil der inzwischen eingestellten Terrorism Knowledge Base (TKB), die von Oklahoma City National Memorial Institute for the Prevention of Terrorism (MIPT) zwischen 2004 und 2008 betrieben wurde. 2008 wurde die Datenbank aus dem Netz genommen, nachdem die Finanzierung und Verwaltung der Datenbank vom Department of Justice an das Department of Homeland Security überging. Brian K. Houghton stellt in einem Artikel die Vermutung an, dass die Einstellung der Seite mit ihrer Unrentabilität zu tun hatte und aus einer Fokusverschiebung in dieser Zeit weg vom Terrorismus hin zu zwischenstaatlichen Konflikten und Naturkatastrophen resultierte.601 Die TKB bestand aus öffentlich zugänglichen Daten zu nationalen und internationalen Anschlägen, Organisationsprofilen und Profilen einzelner Führungspersonen der terroristischen Organisationen aus 600 Vgl. Memorial Institute for the Prevention on Terrorism 2007a. 601 Vgl. Houghton 2008. 180 Methodische Vorgehensweise der empirischen Untersuchung einem Zeitraum von 1968 bis 2008. Die Herkunft dieser Daten setzt sich aus der RAND Terrorism Chronology mit Daten von 1968 bis 1997, der RAND-MIPT Terrorism Incident Database mit Daten ab 1998, der American Terrorism Study: Terrorism Indictment Database der Universität von Arkansas/Oklahoma und den Daten der DeticaDFI International zusammen. Sämtliche Daten wurden durch die RAND Corporation vor der Veröffentlichung überprüft und verantwortet.602 Die Profile der terroristischen Organisationen wurden durch die DecticaDFI (inzwischen BEA Systems) aufbereitet und in der TKB zur Verfügung gestellt. Auf Grundlage der Daten der RAND Corporation und der American Terrorism Study: Terrorism Indictment Database wurden die Profile mithilfe von Terrorismusspezialisten und regionalen Experten zusammengestellt. Neben den Daten der RAND Corporation und der American Terrorism Study: Terrorism Indictment Database wurden dazu auch Zeitungsartikel, relevante Journale und Reporte, Datenbanken, wissenschaftliche Untersuchungen und die Veröffentlichungen der U. S. Regierung herangezogen.603 Memorial Institute for the Prevention of Terrorism (MIPT) Das MIPT wurde als Reaktion auf die Anschläge des Oklahoma City Bombers 1995 als gemeinnützige Organisation gegründet und durch das Department of Homeland Security finanziell getragen, mit dem Ziel die USA vor terroristischen Anschlägen zu schützen. Bis zu seiner Schließung hat das MIPT, neben der Bereitstellung von Daten über Terrorismus, mit dem Programm „InCOP“ über 20.000 Polizeibeamte in den USA ausgebildet, um terroristische Bedrohungen zu erkennen und richtig zu dokumentieren. Das letzte Management und der Vorstand des MIPT waren in ihrer Zusammensetzung breit gefächert: Neben Vertretern des FBI, der CIA, der Homeland Security, des Militärs, der Polizei und der Privatwirtschaft, gehörten ein ehemaliger Gouverneur, eine Reporterin, ein Universitätspräsident und ein Anwalt dazu.604 MIPT ermöglichte es, durch eine Finanzierung die bereits vorhandenen Daten der RAND Corporation zu erweitern und sie in einer Datenbank, der TKB, der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Die eigentliche Erhebung der Daten unterlag jedoch weiterhin der RAND Corporation.605 Im August 2014 wurde die Institution aufgrund von Finanzierungsschwierigkeit geschlossen, nachdem die Finanzierung durch das Department of Homeland Security eingestellt worden war und keine neuen ausreichenden Finanzierungsquellen gefunden werden konnten.606 602 Vgl. Deaton et al. 2005; Memorial Institute for the Prevention on Terrorism 2007 b/c; Schmid 2011, S. 307. 603 Vgl. Memorial Institute for the Prevention on Terrorism 2007 a. 604 Vgl. Memorial Institute for the Prevention on Terrorism 2007 d/e/f. 605 Vgl. Houghton 2008; Schmid 2011, S. 311. 606 Vgl. Brewer 2014. 181 Terrorist Organization Profiles (TOPs): Datenherkunft RAND Corporation Die RAND Corporation ist eine gemeinnützige, unabhängige Institution, die seit 1948 in den USA Forschung betreibt und Daten aufbereitet zur Verfügung stellt. Sie wurde bereits 1945 von der US Army Air Force als Project RAND gegründet und gehörte bis 1948 zur Douglas Aircraft Company.607 Ein vornehmliches Ziel der RAND Corporation ist es nach eigenen Angaben, durch die Bereitstellung dieser Daten politische Strategien und Entscheidungsfindungen zu verbessern. Militärische, staatliche und zivile Akteure wie Universitäten, Behörden, Firmen, Stiftungen oder Privatpersonen, gehören jedoch auch zu ihren Adressaten. Die Forschungsbereiche beschränken sich nicht nur auf Terrorismus und öffentlicher Sicherheit, sondern umfassen unter anderem auch Bildung, Erziehung, Gesundheit, Umwelt, Recht, Infrastruktur und Bevölkerungsentwicklung. Neben der Sammlung und Aufbereitung von Daten bietet die RAND Corporation Seminare, Workshops, eine Graduiertenschule und eine Onlinedokumentensammlung. Die RAND Corporation bezeichnet sich selbst als politisch und kommerziell unabhängig, transparent und objektiv. Etwa 50 % der Einnahmen kommen aus Aufträgen von Regierungsbehörden, circa 26,5 % aus Aufträgen von militärischen Einrichtungen und 23,5 % aus zivilen Einrichtungen der Industrie, Behörden oder anderen Einrichtungen.608 Zu den wichtigsten ehemaligen und aktiven Mitgliedern und Mitarbeitern der RAND Corporation aus dem Bereich Terrorismusforschung zählt vor allem der Autor Bruce Hoffman, der von 2001 bis 2004 Direktor des RAND Büros in Washington D. C. war und gleichzeitig Vizepräsident für außerbetriebliche Angelegenheiten. Im Jahr 2004 war er geschäftsführender Direktor im Center for Middle East Public Policy. Brian Michael Jenkins ist aktuell noch Senior Adviser des Präsidenten der RAND Corporation nachdem er von 1972–1998 Vorsitzender des Political Science Department bei der RAND Corporation war.609 Auch Magnus Ranstorp, Paul Wilkinson und Alex P. Schmid hatten unter anderem über das Center for the Study of Terrorism und Political Violence und die University of St. Andrews Verbindungen zur RAND Corporation.610 607 Vgl. Burnett/Whyte 2005, S. 8. 608 Vgl. RAND Corporation 2015 a/d. 609 Die Zusammensetzung der Einnahmen entspricht einem Stand von 2015. Vgl. Georgetown University 2015; Jenkins 2015; RAND Corporation 2015 d; Council on Foreign Relations 2019. 610 Vgl. Burnett/Whyte 2005, S. 9. 182 Methodische Vorgehensweise der empirischen Untersuchung 5.4 Global Terrorism Database (GTD): Datenaufbereitung Bevor mit der Auswertung der Anschläge der GTD begonnen werden konnte, mussten einige Veränderungen an der Datenbank vorgenommen werden. Zunächst mussten die in einer externen Datenbank ausgelagerten Daten des Jahres 1993 in die Hauptdatenbank integriert werden. Im Anschluss musste die Datenbank aufgrund Ihrer Größe von über 63 MB durch Verdichtung und Reduktion der Variablen verkleinert werden, um eine Verarbeitung in Stata Release 13 zu ermöglichen. Neben diesen strukturellen Anpassungen wurden auch inhaltliche Veränderungen vorgenommen. Ein Abgleich der Terrorismusdefinition der vorliegenden Untersuchung mit der Terrorismusdefinition der GTD führte zu einer Eliminierung von Anschlägen, die nicht der Definition der Untersuchung entsprachen. Die weitreichendste Veränderung an der GTD war jedoch die Einfügung einer für die Untersuchung notwendigen Variablen „Ideologie“. Im Anschluss wurde noch eine Anpassung des ausgegebenen Datensatzes vorgenommen, der die Datenverluste des Jahres 1993 statistisch ausgleichen sollte. Die genauen Veränderungen und vor allem die Erhebung und Einfügung der Variablen „Ideologie“ und Ihrer Merkmalsausprägungen in die GTD werden in den folgenden Kapiteln detailliert beschrieben, um eine maximale Transparenz zu gewährleisten. 5.4.1 Zusammenführung der Datenbanken Die Excel-Version der GTD „globalterrirismdb_0615“ mit einem Stand von Juni 2015 hat eine Größe von 62,6 MB und besteht aus 134 Spalten (Variablen) und 141.967 Zeilen (Anschlägen) inklusive der Kopfzeile. Für die Untersuchung musste die Datenbank angepasst werden, da die Anschläge des Jahres 1993 nachträglich erfasst und in einer extra Datei zur Verfügung gestellt wurden. Die Datenbank mit den Anschlägen aus dem Jahr 1993 besteht aus 748 Zeilen. Nach der Zusammenführung der beiden Datenbanken enthielt die neue Version insgesamt 142.714 Anschläge. Da die „gtd1993_0615dist“ jedoch nur aus 123 Spalten besteht, fehlten die folgenden Variablen, die als leere Spalten zunächst ergänzt werden mussten, um die beiden Datenbanken zusammenführen zu können: • targsubtype1 (Target/Victim Subtype) • targsubtype1_txt (Target/Victim Subtype) • targsubtype2 (Target/Victim Subtype) • targsubtype2_txt (Target/Victim Subtype) 183 Global Terrorism Database (GTD): Datenaufbereitung • targsubtype3 (Target/Victim Subtype) • targsubtype3_txt (Target/Victim Subtype) • INT_LOG (International – Logistical) • INT_IDEO (International – Ideological) • INT_MISC (International – Miscellaneous) • INT_ANY (International – Any of the Above) • related (Related Incidents) Des Weiteren mussten einige Anpassungen bei den Merkmalen der Datenbank mit den Anschlägen aus dem Jahr 1993 in den Variablen „Country“ und „Region“ vorgenommen werden: Die Ausprägungen „Northern Ireland“ und „Great Britan“ der Variablen „Country“ wurden zu einer einzigen Ausprägung „United Kingdom“ zusammengeführt, wie sie in der Hauptdatenbank vorliegt. Die Unterscheidung nach „Great Britain“ und „Northern Ireland“ wurde hierzu als Ausprägung in die Variable „Province/Administrative Region/State“ übernommen, wobei „Great Britain“ als „England“ geführt wird und entsprechen angepasst wurde. Die Ausprägung „Corsica“ der Variable „Country“ wurde auf „France“ geändert. Die Ausprägung „Russia and the Newly Independent States (NIS)” der Variable „Region“ musste aufgelöst werden. Die Länder wurden stattdessen den Regionen „Western Europe“ und „Central Asia“ zugeteilt. Im gleichen Zug wurde die Codierung der Ausprägung „Australasia & Oceania“ von 13 auf 12 angepasst. Änderungen bezüglich der Ausprägungen „Congo (Kinshasa)„ und „Congo (Brazzaville)“ mussten nicht vorgenommen werden, da weder Anschläge noch Opferherkunft im Jahr 1993 in der Datenbank erfasst wurden. Ein weiterer Unterschied in den Datenbanken bestand in der Codierung der Ausprägungen der Textvariablen, für die keine Informationen vorlagen. In der Hauptdatenbank waren diese Felder leer, in der Datenbank mit den Anschlägen aus dem Jahr 1993 jedoch mit einem Punkt versehen. Da es sich jedoch um Textvariablen handelte, die, wie im Folgenden beschrieben, entfernt wurden, bestand hier kein Handlungsbedarf. 5.4.2 Verdichtung und Reduktion der Variablen Nach der Zusammenführung der beiden Datenbanken überschritt die Größe der neuen Datenbank mit ca. 63 MB die maximale Größe von 50 MB, die die genutzte Version von Stata Release 13 verarbeiten kann. Um dieses Problem zu lösen wurden zunächst alle Variablen entfernt, die zusätzlich zur den als Zahlen codierten Variablen auch als Text codierte Variablen vorlagen, da diese einen großen Anteil am Daten- 184 Methodische Vorgehensweise der empirischen Untersuchung volumen darstellen und die als Zahlen codierten Variablen zur Auswertung als ausreichend bewertet wurden. Folgende Variablen wurden in diesem Schritt entfernt: • alternative_txt (Alternative Designation) • attacktype1_txt (Attack Type) • attacktype2_txt (Attack Type) • attacktype3_txt (Attack Type) • targtype1_txt (Target/Victim Type) • targsubtype1_txt (Target/Victim Subtype) • natlty1_txt (Nationality of Target/Victim) • targtype2_txt (Target/Victim Type) • targsubtype2_txt (Target/Victim Subtype) • natlty2_txt (Nationality of Target/Victim) • targtype3_txt (Target/Victim Type) • targsubtype3_txt (Target/Victim Subtype) • natlty3_txt (Nationality of Target/Victim) • claimmode_txt (Mode for Claim of Responibility) • claimmode2_txt (Mode for Claim of Responibility) • claimmode3_txt (Mode for Claim of Responibility) • weaptype1_txt (Weapon Type) • weapsubtype1_txt (Weapon Sub-Type) • weaptype2_txt (Weapon Type) • weapsubtype2_txt (Weapon Sub-Type) • weaptype3_txt (Weapon Type) • weapsubtype3_txt (Weapon Sub-Type) • weaptype4_txt (Weapon Type) • weapsubtype4_txt (Weapon Sub-Type) • propextent_txt Extent of (Property Damage) • hostkidoutcome_txt (Kidnapping/Hostage Outcome) Ebenfalls entfernt wurden weitere Variablen, die ausschließlich in uncodierter Textform vorlagen und somit keine quantitativ auswertbaren Merkmale aufwiesen: • location (Location Description) • summary (Incident Summary) • motive (Motive) • weapdetail (Weapon Details) • propcomment (Property Damage Comments) 185 Global Terrorism Database (GTD): Datenaufbereitung • divert (Country that Kidnappers/Hijackers Diverted to) • kidhijcountry (Country of Kidnapping/Hijacking Resolution) • ransomnote (Ransom Notes) • addnotes (Additional Notes) • scite 1 (Source Citation) • scite 2 (Source Citation) • scite 3 (Source Citation) Des Weiteren wurden Variablen entfernt, die nichts zur Beantwortung der Fragestellungen bzw. zur Bestätigung oder Widerlegung der Hypothesen beitragen konnten: • approxdate (Approximate Date) • extended (Extended Incident) • resolution (Date of Extended Incident Resolution) • vicinity (Vicinity) • nperpcap (Number of Perpetrators Captured) • claimmode 1 (Mode for Claim of Responsibility) • claimmode 2 (Mode for Claim of Responsibility) • claimmode 3 (Mode for Claim of Responsibility) • compclaim (Competing Claims of Responsibiliy) • nhostkid (Total Number of Hostage/Kidnapping Victims) • nhostkidus (Total Number of Hostage/Kidnapping Victims) • nhours (Hours of Kidnapping/Hostage Incident) • ndays (Days of Kidnapping/Hostage Incident) • ransom (Ransom Demanded) • ransomus (Ransom Demanded from U. S. Source(s) ) • ransomamtus (Ransom Amount Demanded from U. S. Sources ) • ransomamt (Total Ransom Amaount Demanded) • ransompaid (Total Ransom Amount Paid) • hostkidoutcome (Kidnapping/Hostage Outcome) • nrelease (Number/Released/Escaped/Rescued) Nach Zusammenführung und Bereinigung der Datenbank bleiben am Ende folgende 74 Variablen übrig: • eventid (GTD ID) • iyear (Year) • imonth (Month) 186 Methodische Vorgehensweise der empirischen Untersuchung • iday (Day) • country (Country) • region (Region) • provstate (Province/Administrative Region/State) • city (City) • latitude (Latitude) • longitude (Longitude) • specificity (Geocoding Specifity) • crit1 (Inclusion Criteria: Criterion 1: Political, economic, religious, or social goal) • crit2 (Inclusion Criteria: Criterion 2: Intention to Coerce, Intimidate of publicize to larger Audience(s)) • crit3 (Inclusion Criteria: Criterion 3: Outside international humanitarian law) • doubter (Doubt Terrorism Proper) • alternative (Alternative Designation) • multiple (Part of Multiple Incident) • related (Related Incidents) • success (Successful Attack) • property (Property Damage) • propextent (Extent of Property Damage) • propvalue (Value of Property Damage (in USD) ) • suicide (Suicide Attack) • ishostkid (Hostages of Kidnapping Victims) • attacktype1 (Attack Typ) • attacktype2 (Second Attack Typ) • attacktype3 (Third Attack Typ) • weaptype1 (Weapon Type) • weapsubtype1 (Weapon Sub-Type) • weaptype2 (Second Weapon Type) • weapsubtype2 (Second Weapon Sub-Type) • weaptype3 (Third Weapon Type) • weapsubtype3 (Third Weapon Sub-Type) • weaptype4 (Fourth Weapon Type) • weapsubtype4 (Fourth Weapon Sub-Type) • targtype1 (Target/Victim Type) • targsubtype1 (Target/Victim Subtype) • corp1 (Name of Entity) • target1 (Specific Target/Victim) • natlty1 (Nationality of Target/Victim) 187 Global Terrorism Database (GTD): Datenaufbereitung • targtype2 (Second Target/Victim Type) • targsubtype2 (Second Target/Victim Subtype) • corp2 (Name of Second Entity) • target2 (Second Specific Target/Victim) • natlty2 (Nationality of Second Target/Victim) • targtype3 (Third Target/Victim Type) • targsubtype3 (Third Target/Victim Subtype) • corp3 (Name of Third Entity) • target3 (Third Specific Target/Victim) • natlty3 (Nationality of Third Target/Victim) • nkill (Total Numbers of Fatalities) • nkillus (Number of US Fatalities) • nkillter (Number of Perpetrator Fatalities) • nwound (Total Number of Injured) • nwoundus (Number of U. S. Injured) • nwoundte (Number of Perpetrators Injured) • gname (Perpetrator Group Name) • gsubname (Perpetrator Sub-Group Name) • gname2 (Second Perpetrator Group Name) • gsubname2 (Second Perpetrator Sub-Group Name) • gname3 (Third Perpetrator Group Name) • gsubname3 (Third Perpetrator Sub-Group Name) • guncertain1 (First Perpetrator Group Suspected/Unconfirmed) • guncertain2 (Second Perpetrator Group Suspected/Unconfirmed) • guncertain3 (Third Perpetrator Group Suspected/Unconfirmed) • nperps (Number of Perpetrators) • claimed (Claim of Responsibility) • claim2 (Second Group Claim of Responsibility) • claim3 (Third Group Claim of Responsibility) • INT_LOG (International-Logistical) • INT_IDEO (International-Ideological) • INT_MISC (International-Miscellaneous) • INT_ANY (International-Any of the above) • dbsource (Data Collection) • Related (Related Incidents) 188 Methodische Vorgehensweise der empirischen Untersuchung 5.4.3 Reduktion der Anschlagszahlen durch Definitionsanpassung Den in der Datenbank vorliegenden Anschlägen liegt eine Definition von Terrorismus zu Grunde, die sich in großen Teilen mit der Definition in der vorliegenden Untersuchung deckt. Neben den Grundvoraussetzungen, „The Incident must entail some level of violence or immediate threat of violence“ und „The perpetrators of the incident must be sub-national actors“611, gibt es drei weitere Definitionskriterien, die in der Datenbank herangezogen werden, um einen Anschlag als terroristischen Anschlag einzustufen: Das Vorhandensein eines politischen, ökonomischen, religi- ösen oder sozialen Ziels, die Absicht der Einschüchterung und Aussendung einer Botschaft und der Kontext eines Nicht-Kriegszustandes. Die drei Kriterien werden in der folgenden Abbildung der Terrorismusdefinition der vorliegenden Untersuchung gegenübergestellt (siehe Abbildung 5): 611 National Consortium for the Study of Terrorism and Responses of Terrorism 2015 c, S. 8. Abbildung 5: Vergleich Definition „Terrorismus“ eigene Untersuchung vs. Definition GTD, eigene Darstellung. 189 Global Terrorism Database (GTD): Datenaufbereitung Anschläge, die nicht mindestens zwei dieser Definitionskriterien erfüllten, wurden bereits durch START aus der GTD entfernt. In der vorliegenden Version der Datenbank entsprechen weiterhin noch 18.871 Anschläge entweder nicht dem ersten Definitionskriterium (1.735 Anschläge), nicht dem zweiten Definitionskriterium (1.026 Anschläge) oder nicht dem dritten Definitionskriterium (16.110 Anschläge). Da der Anschlag den Merkmalsträger der Untersuchung darstellt, musste für jeden Anschlag einzeln entschieden werden, ob er sich für die Untersuchung als terroristischer Anschlag qualifiziert oder nicht. Das häufigste Definitionskriterium, das bei den Anschlägen der GTD fehlt betrifft den Kontext, in dem die Anschläge stattfinden müssen (Criterion 3). Hierbei darf es sich nicht um Anschläge handeln, die im Kontext eines Krieges stattfinden: „… outside the context of legitimate warfare activities.“ Es handelt sich hierbei jedoch nicht um ein Definitionskriterium, das sich in der Definition des Terrorismus der vorliegenden Untersuchung wiederfindet. Daher wurden diese 16.110 Anschläge vollständig bei der Untersuchung mitberücksichtigt. Da sowohl das Definitionskriterium der Zielerreichung (Criterion 1) als auch das Definitionskriterium der Einschüchterung und Verbreitung einer Botschaft (Criterion 2) sich auch in der Terrorismusdefinition der vorliegenden Untersuchung wiederfindet, wird nur bei Anschlägen, die gleichzeitig diese beiden Kriterien erfüllen, davon ausgegangen, dass es sich um terroristische Anschläge im Sinne der vorliegenden Untersuchung handelt. Aus diesem Grund wurden die 2.766 Anschläge, die nicht einem der beiden Definitionskriterien entsprechen, in der Auswertung ausgeschlossen. Nach Entfernung dieser Anschläge blieben von den 142.714 noch 139.953 Anschläge übrig, die in der Datenauswertung verarbeitet wurden. Neben den drei Kriterien der Definition des Terrorismus, die in der GTD als Variable vorliegen, gibt es eine weitere Variable, die einen Hinweis darauf gibt, ob es sich um einen terroristischen Anschlag handelt oder nicht. Diese Variable heißt „doubtterr“ (Doubt Terrorism Proper) und gibt an, ob es sich bei den Anschlägen definitiv um einen nach der Definition terroristischen Anschlag handelt oder ob Zweifel daran besteht. Da bei allen Anschlägen zumindest mit hoher Wahrscheinlichkeit von einem terroristischen Anschlag ausgegangen werden kann und die Variable erst für Anschläge ab 1997 erhoben wurde, wurden aufgrund dieser Variablen keine weiteren Anschläge aus der Untersuchung ausgeschlossen. 5.4.4 Einfügung der Variablen „Ideologie“ Zur Untersuchung der Religiosität als Dimension des Neuen Terrorismus und um der Forschungshypothese der Religion als Predominant Energy nachgehen zu kön- 190 Methodische Vorgehensweise der empirischen Untersuchung nen, fehlt in der GTD eine Variable, die die Ideologie der terroristischen Organisationen wiedergibt. Diese wurde daher selbst erhoben und als neue Variable in die Datenbank eingefügt. Ihre Ausprägungen wurden bereits in Kapitel 2.4.5. Ideologie festgelegt: „links-sozialrevolutionär“, „rechts-konservativ“, „nationalistisch-separatistisch“ und „religiös“. Die Ideologie stellt sich laut Definition der Untersuchung als eine Eigenschaft dar, die nicht den einzelnen Anschlägen zugeordnet wird, sondern der jeweiligen terroristischen Organisation, die diese Anschläge begeht. Die Erhebung der Variablen erfolgte somit für die Organisation, kann aber auf alle, ihr in der Datenbank zugewiesenen, Anschläge übertragen werden. Hierzu musste zunächst entschieden werden, ob die Variable für alle terroristischen Organisationen erhoben werden sollte oder nur für eine Auswahl, und nach welchem Prinzip diese Auswahl stattfinden sollte. Auf dieses Vorgehen und auf die Quellenauswahl und Probleme bei der Zuweisung der Ideologien zu den terroristischen Organisationen wird im Folgenden genauer eingegangen. 5.4.4.1 Stichprobenziehung nach dem Konzentrationsprinzip Da im Fall der Ideologie bei der Erhebung nicht die Anschläge als Merkmalsträger betrachtet werden, sondern die terroristischen Organisationen, musste nicht 142.714612 mal die Ausprägungen für die neue Variable „Ideologie“ erhoben werden, sondern nur für die Anzahl der in der Datenbank existierenden terroristischen Organisationen bzw. Personen. In der GTD werden unter der Variablen „gname“ 3.208 verschiedene Täter geführt, wobei jedoch nicht nur Organisationen, sondern auch Bezeichnungen wie „unknown“, „individual“, „others“ oder Tätergruppen613 wie „rebels“ mit eingerechnet sind, die keine spezifischen Organisationen meinen. Bei dem Datensatz handelt es sich, wie bereits beschrieben, eigentlich um eine Erhebungsgrundgesamtheit aller terroristischen Anschläge von 1970 bis 2014. Dementsprechend handelt es sich auch bei den in dem Datensatz vorliegenden terroristischen Organisationen um eine Erhebungsgrundgesamtheit aller terroristischen Organisationen, die von 1970 bis 2014 aktiv waren. Zusätzlich kommen hierzu noch die Einzeltäter, Unbekannten und Angehörigen von Gruppen, die keiner genau definierten Organisation zugeordnet werden können. Da sich eine Ideologie nur bei gefes- 612 Zur Grundlage der Berechnung wurden alle Anschläge gewählt, inklusive der Anschläge, die nicht allen Definitionskriterien entsprechen. Die Entfernung der Anschläge mit fehlenden Definitionskriterien wurde erst nach der Reduktion durch das Konzentrationsprinzip vorgenommen, um die Verhältnismäßigkeit zu erhalten. 613 In Abb. 6, S. 207 unter „sonstige“ zusammengefasst. 191 Global Terrorism Database (GTD): Datenaufbereitung tigten Organisationen feststellen lässt, sollte die Stichprobe auch nur aus der Erhebungsgrundgesamtheit der „echten“ terroristischen Organisationen gezogen werden. Für zusammengefasste Personengruppen, wie zum Beispiel „others“ oder „protestors“ existiert keine gemeinsame Ideologie. Es handelt sich hierbei lediglich um eine Zusammenfassung unterschiedlicher Einzelpersonen und Gruppen, die nicht näher zugeordnet werden konnten und in den meisten Fällen in keinen Zusammenhang zueinander stehen. Für Einzeltäter wäre eine Erhebung der Ideologien grundsätzlich möglich gewesen. Da diese in der Datenbank jedoch nur mit „individual“ und nicht mit dem jeweiligen Namen vermerkt waren, schieden diese ebenfalls für die Erhebung aus. Zur Entfernung dieser „Nicht-Organisationen“ aus der Datenbank wurden unterschiedliche Strategien verwendet. Zunächst wurde die Variable „gname“ nach Stichworten abgesucht. Hierzu zählten unter anderem Begriffe aus Gruppen, wie Volksstämme (z. B. Tuareg), Nationen (z. B. Syrians), Berufe (z. B. farmers) oder politischen Einstellungen (z. B. marxists). Des Weiteren wurde nach Schlagworten in Form von Gruppenbezeichnungen gesucht, die Hinweise darauf geben, dass es sich nicht um Organisationen im Sinne der vorliegenden Definition handelt. Hierzu zählen unter anderem Bezeichnungen wie „guerilla“, „separatists“, „rioters“, „protestors“, „militia“, „radicals“, „gunmen“, „rebels“ und „activists“, bzw. Kombinationen aus beiden Bereichen, wie: „Kurdish guerilla“. Dass es sich bei den aussortierten Begriffen tatsächlich um keine zusammengehörigen Organisationen im Sinne der Definition handelt, wurde anhand einiger Hinweise aus der GTD zusätzlich kontrolliert. Zunächst konnte davon ausgegangen werden, dass alle Täterbezeichnungen, die eine Namensabkürzung in Klammern nach dem Namen tragen, Organisation im Sinne der Definition sind. Ebenso eindeutig waren selbstgewählte Bezeichnungen, wie „party“, „front“, „forces“ „group“, „command“, „resistance“ oder „army“ etc. Außerdem belegen sowohl geographische als auch zeitliche Ausbreitung der Anschläge einer jeweiligen Täterbezeichnung, ob es sich um eine Organisation handelt oder um Anschläge unterschiedlichster Täter, die unter einer Gruppenbezeichnung geführt werden. Auch geben die Variablen „summary“, „doubtterr“ und „subname“ inhaltliche Hinweise, ob es sich um eine Organisation handelt oder nicht. Nach Prüfung all dieser Kriterien konnten 577 Nicht-Organisationen in der Datenbank identifiziert werden, womit 2.628 terroristische Organisationen übrig blieben. Auch nach der Entfernung dieser Nicht-Organisationen war die Anzahl der Merkmalsträger mit über 2.600 terroristischen Organisationen weiterhin zu groß, um die fehlende Variable in einem der Untersuchung entsprechenden Zeitraum erheben zu können. Daher musste eine weitere Reduktion vorgenommen werden. Aus der Erhebungsgrundgesamtheit bzw. dem Stichprobenrahmen dieser 2.628 terroristischen 192 Methodische Vorgehensweise der empirischen Untersuchung Organisationen wurde eine bewusste Stichprobenauswahl nach dem Konzentrationsprinzip gezogen. Dies erschien für die vorliegende Untersuchung gerechtfertigt, weil sich diese bewusste Auswahl von Stichproben zur Überprüfung von Vergleichshypothesen eignet und zum anderen, weil „… der ausgeschlossene Anteil von Organisationen nur einen unbeträchtlichen Beitrag zum Gesamtergebnis der Untersuchung leistet.“614 Als Auswahlkriterium bot sich die Anschlagshäufigkeit bei terroristischen Organisationen an, da diese die Aktivität einer Organisation widerspiegelt, und die Anschläge bei der Fragestellung und der Überprüfung der Hypothesen im Mittelpunkt stehen. Ein Anschlag stellt als kleinster Merkmalsträger ein einzelnes Ereignis der 142.714 Ereignisse dar, die in ihrer Entwicklung Auskunft über den Terrorismus im Allgemeinen und die terroristischen Organisationen im Speziellen geben und ist somit bedeutend für die Beantwortung der Fragestellung. Umso mehr Anschläge bei der Untersuchung der terroristischen Organisationen repräsentiert werden, umso grö- ßer ist der Beitrag zum Gesamtergebnis. Für die Untersuchung wurde eine Grenze von mehr als 10 Anschlägen festgesetzt, die durch 364 verschiedene terroristische Organisationen verübt wurden. Die Eingrenzung terroristischer Organisationen auf eine Anschlagshäufigkeit von mehr als 10 Anschlägen bildet zwar nur 13,85 % aller terroristischer Organisationen der Erhebungsgrundgesamtheit ab, diese sind jedoch für 93,29 % der Anschläge aus diesem Stichprobenrahmen verantwortlich bzw. für 41,58 % aller Anschläge der Datenbank, was genau 59.339 Anschlägen entspricht. Die Grenze von mehr als 10 Anschlägen orientiert sich an einer Kosten-Nutzen-Abwägung zwischen Machbarkeit im Zeitrahmen der Untersuchung und Bedeutsamkeit für die Untersuchung, wie folgendes Beispiel illustriert: Eine Erhöhung der repräsentierten Anschläge um ca. 3 %-Punkte von 93,29 % auf 96,30 % (61.251 Anschläge), würde eine Erhöhung der zu erfassenden Variablen um 76 % von 364 auf 644 terroristische Organisationen bedeuten und stünde bereits nicht mehr in einem vertretbaren Kosten-Nutzen-Verhältnis (siehe Abbildung 6). Nach der Auswahl der terroristischen Organisationen durch das Konzentrationsprinzip zur Erhebung der fehlenden Variablen „Ideologie“ ergaben sich auf der Organisationsebene vor allem beim ersten Definitionskriterium vergleichsweise geringere Ausfälle. Das Fehlen des ersten Definitionskriteriums betraf 69 Anschläge von 36 Organisationen der Erhebungsgrundgesamtheit, die zusammen für 20.191 Anschläge verantwortlich waren. Das Fehlen des zweiten Definitionskriteriums betraf 516 Anschläge von 96 Organisationen, die zusammen für 42.019 Anschläge verantwortlich waren. Bei einigen terroristischen Organisationen fanden sich sowohl 614 Dreier 1997, S. 436. 193 Global Terrorism Database (GTD): Datenaufbereitung Ab bi ld un g 6: Ü be rs ic ht A nz ah l T ät er u nd A ns ch lä ge , 1 97 0– 20 14 . Q ue lle : G TD 2 01 4. 194 Methodische Vorgehensweise der empirischen Untersuchung Anschläge, die das erste Definitionskriterium nicht erfüllten, als auch Anschläge, die das zweite Definitionskriterium nicht erfüllten. Alle diese Anschläge, die einem der beiden Definitionskriterien nicht entsprachen, wurden für diesen Teil der Untersuchung ebenfalls entfernt, da auch hier weiterhin der Anschlag den Merkmalsträger der Untersuchung darstellt. Hierbei verringerte sich die Zahl der Anschläge für die Auswertung von 59.339 auf 58.754. Bei drei terroristischen Organisationen lagen nach Abzug der Anschläge, die nicht beiden Definitionskriterien entsprechen, nur noch 10 Anschläge vor, bei drei weiteren Organisationen nur noch acht Anschläge. Diese sechs terroristischen Organisationen wurden dennoch in die Untersuchung mit aufgenommen, da sie die Schwelle von mehr als 10 Anschlägen grundsätzlich überschritten hatten und dies als Bedingung galt, unabhängig davon, um welche Art von Anschläge es sich handelte. Die Anschläge an sich waren jedoch zu entfernen, da sie einzeln betrachtet die gestellten Bedingungen nicht erfüllen konnten. Die Aryan Republican Army, bei der keiner der 16 Anschläge beiden Definitionskriterien entsprachen, wurde als einzige in die Untersuchung nicht weiter einbezogen. Bei dieser Organisation stellt sich grundsätzlich die Frage, ob es sich um eine terroristische Organisation handelt. Insgesamt verringerte sich die Zahl der untersuchten terroristischen Organisationen somit von 364 auf 363 Organisationen. 5.4.4.2 Erhebung der Variablen „Ideologie“ Für die 363 terroristischen Organisationen, die nach dem Konzentrationsverfahren übrig blieben, konnte bei 166 Organisationen die Ausprägungen für die Variable „Ideologie“ eindeutig aus der vorgestellten TOPs bzw. ergänzend aus der Untersuchung von Seth G. Jones und Martin C. Libicki erhoben und in die Datenbank eingefügt werden. Für 197 terroristische Organisationen mussten andere Quellen zur Erhebung der Variablen Ideologie und ihrer vier Ausprägungen herangezogen werden. Insgesamt wurden über 500 verschiedene Dokumente genutzt, um die Ideologie der terroristischen Organisationen festzustellen. Ziel war es dabei, für jede terroristische Organisation drei Quellen bzw. bei fehlender Eindeutigkeit oder widersprüchlichen Angaben mehr als drei Quellen zu finden, die eine Auskunft über die Ideologie der jeweiligen Organisation geben. Die Festlegung der Anzahl auf drei Quellen beruht auf der Abwägung zwischen Aufwand und Aussagekraft. Da bei dem Vergleich von zwei Quellen eine Pattsituation entstehen könnte, stellen drei Quellen die minimalste Anzahl eines ergebnisreichen Vergleichs dar. Eine Festlegung auf eine Ideologie ist für die meisten terroristischen Organisationen gelungen. Bei sieben Organisationen konnten jedoch nur zwei unterschiedli- 195 Global Terrorism Database (GTD): Datenaufbereitung che Quellen, bzw. Quellen von unterschiedlichen Autoren gefunden werden und bei drei Organisation nur eine Quelle. Zu weiteren fünf Organisationen konnten keine Informationen über die Ideologie gefunden werden. Hierbei handelt es sich um drei terroristische Organisationen, die Ende der achtziger Jahre im Libanon aktiv waren, um eine Organisation aus Griechenland, die Ende der achtziger Jahre bis Ende der neunziger Jahre aktiv war und eine Organisation aus Italien, die ausschließlich 1980 aktiv war. Bei allen handelt es sich um weniger aktive terroristische Organisationen, die zwischen 11 und 24 Anschläge verübt hatten. Insgesamt gestaltete sich die Quellensuche umso schwieriger, je weniger Anschläge die jeweiligen Organisationen verübt hatten. Terrorist Organization Profiles (TOPs) Die TOPs eignet sich als Hauptquelle zur Ergänzung der fehlenden Variablen „Ideologie“ in der GTD, da sie mit 856 Profilen eine der größten Datenbanken mit Informationen zu terroristischen Organisationen ist, die auch die Ideologien der Organisationen ausweist. Des Weiteren deckt Sie mit einem Zeitraum von 1968 bis 2008 annähernd den Zeitraum der GTD ab und umfasst somit einen großen Teil der in der GTD aufgeführten terroristischen Organisationen. Die Ideologien der TOPs liegen jedoch in differenzierterer Weise vor, als dies bei der vorliegenden Untersuchung der Fall ist. Den vier vorgestellten Ideologien aus dem Kapitel 2.4.5. Ideologie stehen zehn Kategorien von Ideologien gegenüber, die für die Untersuchung in die vier ausgearbeiteten Kategorien zusammengefasst werden mussten. Dazu wurden die Kategorien „Anarchists“, „Communist/Socialist“, „Leftist“ und „Anti-Globalization“ aufgrund der vorliegenden Definitionen der TOPs in die Kategorie „links-sozialrevolutionär“ zusammengeführt. Die Kategorien „racist“, „right-wing conservative“ und „right-wing reactionary“ wurden in die Kategorie „rechts-konservativ“ zusammengeführt. Die Kategorien „nationalist/separatist“ und „religious“ entsprechen den vorliegenden Kategorien „nationalistisch-separatistisch“ und „religiös“ und mussten nicht angepasst werden. Bei neun terroristischen Profilen war ausschließlich die Kategorie „environmental/animal rights“ angegeben. Diese werden im Folgenden als terroristische Organisationen mit der Ideologie „sonstige“ behandelt und nicht den anderen Kategorien zugeteilt. Sie werden gesondert betrachtet. Nicht allen terroristischen Profilen wird jedoch in der TOPs eine eindeutige Ideologie zugeordnet. Einigen terroristischen Organisationen werden mehrere Ideologien bzw. keine Ideologie oder andere („other“) Ideologien zugeordnet. Aufgrund der mehrfachen Zuordnung und den verbleibenden terroristischen Organisationen ohne zugeordnete Ideologie wurde ergänzend die Untersuchung von Seth G. Jones und Martin C. Libicki herangezogen, die für Ihr Buch „How Terrorism Ends“ eben- 196 Methodische Vorgehensweise der empirischen Untersuchung falls auf die Daten der TKB zurückgriffen hatten.615 Hierzu fassten sie bereits die Ideologien von 648 Profilen terroristischer Organisationen in die vier Kategorien „left-wing, „right-wing“, „nationalist“ und „religous“ zusammen, die den vier Ideologien der vorliegenden Untersuchung entsprechen. Nach dem Vergleich der beiden Datensätze konnte den meisten terroristischen Organisationen der TOPs eindeutige Ideologien zugeordnet werden. Nach der Zusammenführung der Variablen und der Überprüfung durch die Datenbank von Seth G. Jones und Martin C. Libicki konnte für 286 terroristische Organisationen die Ideologie „links-sozialrevolutionär“, für 57 die Ideologie „rechts-konservativ“, für 272 die Ideologie „nationalistisch-separatistisch“, für 158 die Ideologie „religiös“ und für zwei die Ideologie „sonstige“ festgelegt werden. 81 Organisationen konnten nicht eindeutig einer Ideologie zugeordnet werden. Von den 775 terroristischen Organisationen mit eindeutig bestimmbaren Ideologien der TOPs fanden sich 166 unter den 363 ausgewählten Organisationen der GTD. Die Ideologien dieser 166 Organisationen wurden so für die weitere Untersuchung übernommen. Die Ideologien der restlichen 197 terroristischen Organisationen musste durch weitere Quellen erhoben werden. Weitere Quellen Zu den genutzten weiteren Quellen zählen fast 300 unterschiedliche Internetquellen unter anderem in Form von Datenbanken, Zeitungsartikeln, Berichten, Essays und Homepages. Des Weiteren liegen Textstellen und Kapitel aus 72 Büchern, 34 Zeitschriftenaufsätzen, 4 Zeitungsartikeln (Printmedien), einer Gerichtsentscheidung, einem Archivgut und einem Filmdokument vor.616 Es wurden nur Quellen ausgewählt, die Hinweise auf die Ideologie der jeweiligen terroristischen Organisation geben. Im Folgenden werden die genutzten Quellen und Institutionen detailliert aufgeführt, um eine maximale Transparenz der Datenerhebung zu gewährleisten. Bei der Auswahl der Quellen wurde darauf geachtet, dass es sich um seriöse Quellen handelt, die wissenschaftlichen bzw. journalistischen Standards entsprechen. Jedoch kann, vor allem bei den Primärquellen, eine ideologische Ausrichtung bzw. subjektive Sichtweise auf die terroristischen Organisationen nicht ausgeschlossen werden. Viele der genannten Institutionen, wie zu Beispiel die Rosa Luxemburg Stiftung oder die Heritage Foundation, haben klare ideologische Ausrichtungen, die bei einer Bewertung beachtet werden müssen. Als Quellen dienten unter anderem die im Folgenden aufgelisteten Datenbanken, Standardwerke, Primärquellen terroristischer Organisationen und Zeitungen, Nachrichtenportale sowie Zeitschriften (siehe Abbildung 7 und 615 Vgl. Jones/Libicki 2008; RAND Corporation 2009. 616 In deutscher, englische und spanischer Sprache. 197 Global Terrorism Database (GTD): Datenaufbereitung Abbildung 8). Auch eine Auflistung aller Institutionen, über die Informationen bezogen wurden oder die die aufgeführten Quellen zur Verfügung stellen, schließt sich dem an (siehe Abbildung 9). Datenbanken • Big Allied and Dangerous Dataset Version2 (Asal, Victor H.; Rethemeyer, Karl R.) • Counter Terrorism Guide (National Counterterrorism Center) • Mapping Militant Organizations (Stanford University) • Minorities at Risk Dataset (Center for International Development and Conflict Management) • South Asia Terrorism Portal (Institute for Conflict Management) • Terrorism Profiles (Mackenzie Institute) Standardwerke • „Dictionary of Terrorism“ (John Richard Thackrah) • „Encyclopedia of Terrorism“ (Cindy C.Combs; Martin W. Slann) • „Handbook of Terrorism in the Asia-Pacific“ (Rohan Gunaratna; Stefanie Kam) • „Historical Dictionary of Terrorism“ (Sean Anderson; Stephen Sloan) • „International Encyclopedia of Terrorism“ (Martha Crenshaw; John Pimlott) • „Political Terrorism. A New Guide to Actors, Authors, Concepts, Data Bases, Theories, & Literature.“ (Alex P. Schmid; A.J. Jongmann) • „Terrorism. From One Millennium to the Next“ (Arthur E. Gerringer) • „Terrorism in the 20th Century“ (Jay Robert Nash) • „The Sage Encyclopedia of Terrorism“ (Gus Martin; Harvey W. Kushner) Primärquellen terroristischer Organisationen • Homepage der Karen National Union • Homepage der Baloch Republican Army • Homepage der Bangladesh Awami League • Election Manifesto of Bangladesh Awami League 2008 (Awami League) • Open Letter to BARC (Central Command New World Liberation Front) • We Must Stand Up and Fight! (Lucio Cabanas Unit People’ Force New World Liberation Front) • Party Program of the JVP (Janatha Vimukthi Peramuna) • Communique Number One of the „Secret Anticommunist Army“ (E.S.A.) (Secret Anticommunist Army (E.S.A.)) • Zimbabwe. History of a Struggle. (Zimbabwe African Peoples Union (ZAPU); Southern Rhodesia (Zimbabwe) 198 Methodische Vorgehensweise der empirischen Untersuchung • African National Congress NGC 2015. Discussion Document (African National Congress) • 1994 National Election Manifesto (African National Congress) Abbildung 7: Auflistung verwendeter Zeitungen und Nachrichtenportale, eigene Darstellung. Abbildung 8: Auflistung verwendeter Zeitschriften, eigene Darstellung. 199 Global Terrorism Database (GTD): Datenaufbereitung Abbildung 9: Auflistung verwendeter Institutionen, eigene Darstellung. 200 Methodische Vorgehensweise der empirischen Untersuchung 5.4.4.3 Ergebnisse der Erhebung Während der Erhebung der Ideologien stellte sich heraus, dass es bei einem geringen Teil der terroristischen Organisationen in der Literatur Uneinigkeiten über die jeweilige Ideologie gibt. Unterschiedliche Betrachtungsweisen und eigene politische Einstelllungen der jeweiligen Autoren können die Bewertungen voneinander abweichen lassen. Der African National Congress (ANC) zum Beispiel hat in TOPs keine eindeutig zugewiesene Ideologie und wird bei Seth G. Jones und Martin C. Libicki als nationalistisch-separatistisch geführt, die Heritage Foundation hingegen bezeichnet den ANC eindeutig als links-sozialrevolutionär.617 Dies kann unter anderem an der rechts-konservativen Ausrichtung dieser Think Tank liegen, die dazu führen kann, links-ideologische Anteile anderer Organisationen überzubewerten und absichtlich negativ herauszustellen. Aufgrund dieser unterschiedlichen Sichtweisen war es notwendig, weitere Quellen heranzuziehen. In diesem Fall wurde zum Beispiel auf Primärquellen des ANC zurückgegriffen, um die Ideologie zu bestimmen. Die GTD führt den ANC bis 1996 als terroristische Organisation bzw. bis zu diesem Zeitpunkt wurden terroristische Anschläge zu diesem verzeichnet. 2008 wurde die Organisation auch von der Terrorliste der USA entfernt und existiert seitdem weiterhin als „normale“ Partei.618 Da sich laut der vorliegenden Definition der Untersuchung die Ideologie einer Organisation nicht verändert, konnten auch Dokumente zur Organisation nach 1996 zur Bestimmung der Ideologie herangezogen werden. Aufgrund von Vernetzung mit linken Verbündeten und anderen linken Organisationen wie zum Beispiel die Zugehörigkeit des ANC zur Socialist International und aufgrund inhaltlicher Ausrichtungen, wie dem Eintreten für einen sozialen Wandel, dem Kampf gegen die Rassendiskriminierung und für benachteiligte Gruppen und der Betonung der sozialen Gleichheit und der Arbeiterrechte, lässt sich der ANC durchaus als Organisation mit links-liberaler bzw. links-sozialrevolutionärer Ideologie einstufen.619 Dieses Beispiel soll darauf hinweisen, dass die erhobenen Ideologien einiger terroristischer Organisationen in anderen Datenbanken oder Quellen möglicherweise anders eingeschätzt werden. Einige terroristische Organisationen vereinen durchaus mehrere ideologische Strömungen in sich. Die Entscheidung, welche dieser Strömungen die Kernideologie darstellt, kann vom Standpunkt des jeweiligen Autors abhängen, aber auch an der Auswahl der Quellen liegen. Die Inkatha Freedom Party, die Awami League und die Khalistan Commando Force werden alle in der vorliegenden Untersuchung als terroristische Organisationen mit nationalistisch-separatistischer Ideolo- 617 Vgl. Gulick 1982. 618 Vgl. House of Representatives 110th Congress 2d Session 2008. 619 Vgl. African National Congress 1994/2009/2015; Socialist International 2017. 201 Global Terrorism Database (GTD): Datenaufbereitung gie geführt. Diese könnten jedoch auch mit rechts-konservativen, links-sozialrevolutionären und religiösen ideologischen Auffassungen beschrieben werden. Häufig gibt das Ziel der terroristischen Organisation oder der Kontext des Konfliktes, in dem sie sich bewegt, einen Hinweis auf die Ideologie. Es kann aber auch zu Abweichungen kommen, die bei einer oberflächlichen Betrachtung nicht sofort eindeutig sind. So agierte die Armed Forces of the Chechen Republic of Ichkeria im Kontext eines separatistischen Konflikts, hat aber eine religiöse Ideologie. Die Revolutionary Front for an Independent East Timor verfolgt mit dem Wunsch nach der Unabhängigkeit East Timors ein separatistisches Ziel, besitzt aber eine links-sozialrevolutionäre Ideologie, um ein weiteres Beispiel zu nennen. Bei einigen terroristischen Organisationen konnte keine der vier Merkmalsausprägungen der Variablen Ideologie zugewiesen werden, da sich diese inhaltlich und ideologisch ausschließlich auf die Verfolgung spezifischer Ziele fokussiert haben. Hierzu zählen vor allem Organisationen, die für die Rechte von Tieren und Umwelt kämpfen. Unter den 363 terroristischen Organisationen fanden sich folgende vier Organisationen, denen aus diesem Grund die Ideologie „sonstige“ zugeordnet wurde: Die Animal Liberation Front (ALF), Earth Liberation Front (ELF), The Justice Department und The Extraditables. Diese Art von Terrorismus wird in der Literatur auch „Special Interest Terrorism“620, „Single Issue Terrorism“621 oder in diesem Fall spezifischer „Ecoterrorism“622 und „Narcoterrorism“623 genannt. Während sich die Ökoterroristen für die Rechte von Umwelt und Tieren einsetzen, geht es Narcoterroristen wie den The Extraditables vor allem darum, Politik und Polizei zu beeinflussen, sich aus den Geschäften der Drogenkartelle herauszuhalten, damit diese ungestört ihren Geschäften nachgehen können. Dies kann als politisches Ziel dieser Organisationen gewertet werden, hinter dem jedoch keine erkennbare Ideologie steht, sondern eher wirtschaftliches Interesse.624 Die Einstellung von Ökoterroristen kann zwar prinzipiell als ideologisch verstanden werden, allerdings stellt sie ein ideologisches Verständnis eines Themenbereichs dar und keine insgesamt ideologische Weltsicht. Die meisten Ökoterroristen können – wenn überhaupt – eher den links-sozialrevolutionären Ideologien zugeordnet werden. Häufig werden auch terroristische Organisationen, die sich gegen Abtreibung einsetzen, als Single Issue Terroristen bezeichnet. Diese haben meist jedoch eine fes- 620 Vgl. Lewis 2004. 621 Vgl. Smith 1998. 622 Vgl. Laqueur 2001, S. 255 ff; Long 2004; Buell 2009. 623 Vgl. Anderson/Loan 2009. 624 Dennoch wird die Organisation in der GTD als terroristische Organisation geführt, da deren Anschläge laut GTD allen Definitionskriterien der Untersuchung entsprechen. 202 Methodische Vorgehensweise der empirischen Untersuchung te, dominante Ideologie, die entweder religiös oder rechts-konservativ geprägt ist und sich auf die gesamte Weltsicht bezieht, wie zum Beispiel bei der Army of God, deren Ideologie in der vorliegenden Untersuchung als religiös bezeichnet wird.625 Ein weiteres Problem bei der Zuweisung der Ideologien ergab sich auch bei Organisationen, die eher einen ad-hoc Zusammenschluss verschiedenster Rebellengruppen bzw. Stämme im Kontext eines Konfliktes darstellen. Hierzu zählen die Free Syrian Army in Syrien, die Haftar Militia (auch Libyen National Army) in Libyen und die Military Council of the Tribal Revolutionaries (MCTR) im Irak. Bei diesen Organisationen lassen sich keine eindeutigen Ideologien feststellen, bzw. es treffen sogar unterschiedlich ideologisch ausgerichtete Gruppen in diesem Zweckverbund aufeinander. Auffallend ist hierbei, dass es sich bei den drei Organisationen jeweils um Zusammenschlüsse von Rebellen und Stämmen handelt, die in neuen, aktuell noch andauernden Konflikten bzw. Kriegen auftreten. Zwei weitere terroristische Organisationen, denen keine eindeutige Ideologie zugewiesen werden konnte, sind die Institutional Revolutionary Party (PRI) aus Mexiko und die United Front for Democracy Against Dictatorship (UDD) aus Thailand. Die UDD, die sogenannten Rothemden, die in Thailand gegen die Gelbhemden in der politischen Auseinandersetzung stehen, sind ein „… comprise of strange political bedfellows – an amalgam of pro-Thaksin, pro-democracy, anti-amart or even anti-monarchy factions.“626 Ähnlich wie die PRI kann sie eher dem politischen Zentrum als den extremen Rändern der links-sozialrevolutionären und rechts-konservativen Kräfte zugeordnet werden. Sie ist weder religiös noch nationalistisch und scheint eher „… ideologically fixated on achivieng electoral democracy.“627 Auch diesen fünf terroristischen Organisationen wurde als Ideologie die Kategorie „sonstige“ zugeteilt. Als Ergebnis der Erhebung der Variablen „Ideologie“ konnten 130 terroristische Organisationen einer nationalistisch-separatistischen Ideologie zugeordnet werden, 115 einer links-sozialrevolutionären Ideologie, 78 einer religiösen Ideologie und 26 einer rechts-konservativen Ideologie. Bei fünf der 363 terroristischen Organisationen konnte keine Ideologie und bei neun keine dem Schema entsprechende Ideologie ausgemacht werden (siehe Abbildung 10).628 625 Vgl. Smith 1998. 626 Chachavalpongpun 2013, S. 1–2. 627 Taylor 2012, S. 132. 628 Die Liste mit den 363 terroristischen Organisationen, der Anzahl ihrer Anschläge und den zugeordneten Ideologien befindet sich in Anhang 1. 203 Global Terrorism Database (GTD): Datenaufbereitung Die neun terroristischen Organisationen mit einer sonstigen Ideologie verübten 439 der 58.754 Anschläge und somit knapp 0,75 % der Anschläge der Erhebungsgrundgesamtheit der terroristischen Organisationen. Diese werden unter der Merkmalsausprägung „sonstige“ der Variablen „Ideologie“ in die Datenbank mit aufgenommen. Die fünf terroristischen Organisationen, zu denen keine Hinweise auf die Ideologie gefunden werden konnten, stellen mit 87 Anschlägen rund 0,15 % der Erhebungsgrundgesamtheit dar und werden unter dem Merkmal „unbekannt“ verzeichnet, was für nominalskalierte Variablen möglich ist. Sie wurden zwar in die Datenbank mit aufgenommen, tauchen aber nicht weiter in den folgenden Auswertungen auf, womit sich die Erhebungsgrundgesamtheit weiter auf 58.667 Anschläge verringert. Abbildung 10: Übersicht Anzahl terroristischer Organisationen nach Ideologien, eigene Darstellung. Abbildung 11: Anteile terroristischer Organisationen nach Ideologien 1970–2014, eigene Darstellung (n=358). 204 Methodische Vorgehensweise der empirischen Untersuchung Abbildung 11 stellt den Anteil der einzelnen Ideologien an den 358 terroristischen Organisationen dar, ohne die fünf terroristischen Organisationen, zu denen keine Ideologie bestimmt werden konnte („unbekannt“). Es ergibt sich folgendes Verhältnis der fünf Merkmalsausprägungen der Variablen „Ideologie“: 36,31 % der terroristischen Organisationen haben eine nationalistisch-separatistische Ideologie, 32,12 % eine links-sozialrevolutionäre Ideologie, 21,79 % eine religiöse Ideologie, 7,26 % eine rechts-konservative Ideologie und 2,51 % der terroristischen Organisationen wurden den sonstigen Ideologien zugeordnet. 5.5 Ausgleich Datenverlust Anschläge 1993 Wie bereits erwähnt wurde, sind die Daten zu Anschlägen des Jahres 1993 bei einem Umzug der PGIS verloren gegangen. Es konnten nachträglich nur 748 Anschläge, knapp 15 % der ursprünglichen Daten, wieder rekonstruiert werden. Es liegt jedoch eine Auswertung in Form der Country-level Statistics 1993 vor, aus der hervorgeht, dass ursprünglich 4.954 Anschläge im Jahr 1993 in der Datenbank enthalten waren.629 Ebenso liegen genaue Werte zur Anzahl getöteter und verwundeter Personen vor. Aufgrund dieser Hinweise wurde die Datengrundlage der vorliegenden Untersuchung für das Jahr 1993 angepasst. Um eine Verzerrung der Ergebnisse möglichst auszugleichen, wurden diese Werte übernommen und die restlichen Werte des Jahres 1993 mit den Faktor 7,017 multipliziert, der sich aus dem Verhältnis von 4.954 ursprünglichen und den 706 noch vorliegenden Anschlägen ergibt.630 Für die Variablen „int_log“, „int_ideo“ und „int_misc“ lagen für das Jahr 1993 keine Werte in der Datenbank vor, die angepasst werden konnten. Für diese Variablen wurden die Werte durch den Gesamtdurchschnitt aller Variablen ersetzt. Insgesamt erhöhte sich die Zahl der Anschläge für die Untersuchung von den auf 139.953 reduzierten Anschlägen um die fehlenden 4.248 Anschläge wieder auf 144.201 Anschläge, die als endgültiger Wert für die Auswertung verwendet wurden. Bei dieser letzten Anpassung handelt es sich jedoch nicht um eine Anpassung der Daten in der GTD selbst, sondern nur um eine Anpassung der bereits mit STATA in Jahreskohorten zusammengefassten Anschlagszahlen. Die Anpassung fand somit nach der Einfügung der Variablen „Ideologie“ statt. Entsprechend erhöht sich durch diese Anpassung die Anzahl der Anschläge der Organisationen, die durch das Kon- 629 Vgl. National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism (START) 2015c, S. 60 ff. 630 Hierbei bereits sind bereits 42 Anschläge abgezogen, die nicht dem ersten und zweiten Definitionskriterium entsprachen. 205 Operationalisierung zentrationsprinzip ausgewählt wurden, um 2.262 Anschläge von 58.754 auf 61.016 (mit „unbekannte“) bzw. von 58.667 auf 60.930 Anschläge (ohne „unbekannte“).631 Der Anteil der jeweiligen Ideologie erhöht sich wie bei den anderen Werten entsprechend im gleichen Verhältnis (siehe Abbildung 12). 5.6 Operationalisierung Im Folgenden werden den Variablen der am Ende des theoretischen Teils formulierten Hypothesen manifeste Indikatoren aus der Datenbank zugewiesen. Dies geschieht anhand der Auswertung der 144.201 Anschläge und der zugehörigen Variablen der GTD. Hierbei wurden die Anschläge in jährliche Darstellungsintervalle zusammengefasst bzw. in die zwei Untersuchungszeiträume 1970–1992 (Zeitraum I: Alter Terrorismus) und 1993–2014 (Zeitraum II: Neuer Terrorismus). Da es sich bei allen Forschungshypothesen um Vergleichshypothesen handelt, bei denen der jeweilige Zeitraum die unabhängige Variable darstellt, werden in den folgenden Kapiteln nur jeweils die Indikatoren für die abhängigen Variablen erläutert. Für jede dieser Hypothesen gilt dieselbe unabhängige Variable „Zeitraum“ mit den Ausprägungen „Zeitraum I“ und „Zeitraum II“, die sich aus dem Indikator Viyear ableiten lassen. Viyear ist eine metrische Variable mit 45 Ausprägungen in Form der Jahreszahlen von 1970 bis 631 Die Anzahl von 60.930 Anschlägen statt 60.929 ist bei der Gesamtberechnung rundungsbedingt entstanden und wird so für die Auswertung übernommen. Abbildung 12: Statistischer Ausgleich der Anschlagszahlen aus dem Jahr 1993 nach Ideologien, eigene Darstellung. 206 Methodische Vorgehensweise der empirischen Untersuchung 2014. Die Ausprägung „unbekannt“ ist nicht vorhanden. „Zeitraum I“ besteht aus den Ausprägungen 1970 bis 1992 der Variablen Viyear und „Zeitraum II“ besteht aus den Ausprägungen 1993 bis 2014 der Variablen Viyear. Da es sich um zwei Untersuchungszeiträume mit unterschiedlicher Größe handelt (Zeitraum 1 = 22 Jahre; Zeitraum 2 = 23 Jahre), werden in der folgenden Auswertung die Durchschnittswerte der jährlichen Werte eines Zeitraums als Vergleichswerte herangezogen. 5.6.1 H1: Hohe Gewaltbereitschaft Folgende Hypothese zu einer erhöhten Gewaltbereitschaft im Zeitraum II von 1993– 2014 wurde in der Untersuchung aufgestellt: H1: Wenn terroristische Anschläge zwischen 1993 und 2014 sattfanden, dann gab es eine höhere Gewaltbereitschaft als bei Anschlägen zwischen 1970 und 1992. Wie bereits im Kapitel 4.4. Konzeptspezifikation: Theoretischer Ansatz des Neuen Terrorismus erläutert wurde, besteht die Dimension „Gewaltbereitschaft“ aus den Unterdimensionen „Opferzahlen“, „Massenvernichtungswaffen“ und „Selbstmordattentat“, wozu getrennt folgende drei konkretisierte Hypothesen zur Hypothese H1 formuliert wurden: H1a: Wenn terroristische Anschläge zwischen 1993 und 2014 stattfanden, dann gab es mehr Opfer als bei Anschlägen zwischen 1970 und 1992. H1b: Wenn terroristische Anschläge zwischen 1993 und 2014 stattfanden, dann wurden anteilig häufiger Selbstmordattentate durchgeführt als bei Anschlägen zwischen 1970 und 1992. H1c: Wenn terroristische Anschläge zwischen 1993 und 2014 stattfanden, dann wurden anteilig häufiger Massenvernichtungswaffen eingesetzt als bei Anschlägen zwischen 1970 und 1992. Zu diesen drei konkretisierten Hypothesen werden im Folgenden den latenten Variablen Indikatoren aus der vorliegenden Datenbank zugewiesen, mit denen die Unterdimensionen direkt erhoben werden können. Bei allen drei Hypothesen zur Dimension „Gewaltbereitschaft“ handelt es sich um Zwei-Variablen-Modelle, bei denen der Zeitraum die unabhängige Variable darstellt. 207 Operationalisierung H1a: Opferzahlen: Opferart und Anschlagstypen Unter der Opferzahl wird zunächst die Menge aller verletzten oder getöteten Personen verstanden, die durch die direkten oder indirekten Auswirkungen eines Anschlags bedingt werden. Die Unterscheidung, ob ein Opfer verwundet oder getötet wurde, wird in der Untersuchung als Opferart bezeichnet. Zur Überprüfung der Hypothese H1a werden der latenten Variablen „Opferzahlen“ aus der Datenbank zwei manifeste Variablen als Indikatoren zugewiesen (siehe Abbildung 13). Der Indikator in Form der Variablen Vnkill gibt die Anzahl der getöteten Personen pro Anschlag wieder. Hierbei werden sowohl die getötete Personen auf Seiten der Opfer als auch auf Seiten der Täter summiert. Es handelt sich um eine numerische Variable, die Werte von 0 (keine Opfer) bis 1.500 oder unbekannt aufweist. Der Indikator in Form der Variablen Vwound gibt die Anzahl der verwundeten Personen pro Anschlag wieder. Hierbei werden sowohl die verwundeten Personen auf Seiten der Opfer als auch auf Seiten der Täter summiert. Es handelt sich um eine numerische Variable, die Werte von 0 (keine Opfer) bis 5.500 oder unbekannt aufweist. Für beide Variablen gibt es zwei ergänzende Variablen, die die Anzahl der Täter (Vkillter und Vnwoundter) und die Anzahl der US-Bürger (Vnkillus und Vnwoundus) unter den Opfern ausweisen. Beide Werte sind in den ausgewählten Indikatoren enthalten. Sie werden nicht separat für die Untersuchung dargestellt, da sie keinen weiteren Nutzen zur Beantwortung der Fragestellungen aufweisen. Es lässt sich aus den beiden Variablen Vnkill und Vwound in der Summe eine neue Variable Vtarg bilden, die in der folgenden Auswertung ebenfalls genutzt wird, um die Gesamtsumme der Opfer darzustellen (siehe Abbildung 14). Abbildung 13: Indikatoren für Unterdimension „Opferzahlen“, eigene Darstellung. 208 Methodische Vorgehensweise der empirischen Untersuchung Die drei Variablen Vnkill, Vnwound und Vntarg geben durch ihre Ausprägungen nicht nur an, wie viele Personen jeweils einem Anschlag zum Opfer fielen, sondern auch bei welchen Anschlägen überhaupt Opfer zu verzeichnen waren. Hieraus ergeben sich unterschiedliche Anschlagstypen, die für die Untersuchung ausgewertet werden: Anschläge ohne Opfer oder Anschläge mit Opfern. Die letztere Kategorie kann weiter unterschieden werden in Anschläge nur mit Toten, in Anschläge nur mit Verwundeten und in Anschläge mit Toten und Verwundeten. Hierzu werden die Ausprägungen der drei Variablen jeweils zusammengefasst zu den Ausprägungen 0 = Ohne (Anschlag ohne Opfer, Wert = 0) 1 = Mit (Anschlag mit Opfer, Wert = >0) und –9 = Unbekannt (keine Information über Opfer). H1b: Selbstmordattentate Zur Überprüfung der Hypothese H1b wird der latenten Variablen „Selbstmordattentat“ aus der Datenbank folgende manifeste Variable als Indikator zugewiesen (siehe Abbildung 15). Der Indikator Vsuicide gibt in der Datenbank an, ob es sich bei einem Anschlag um ein Selbstmordattentat handelt oder nicht. Die Variable ist nominal skaliert und hat die Ausprägungen O = kein Selbstmordattentat und 1 = Selbstmordattentat. Eine Variante für die Ausprägung „Unbekannt“ ist bei dieser Variablen nicht vorhanden, daher Abbildung 14: Indikator für Unterdimension „Opferzahlen“, eigene Darstellung. Abbildung 15: Indikator für Unterdimension „Selbstmordattentat“, eigene Darstellung. 209 Operationalisierung entspricht die Grundgesamtheit bei dieser Auswertung der definierten Grundgesamtheit von 144.201 Anschlägen. H1c: Massenvernichtungswaffen Zur Überprüfung der Hypothese H1c werden der latenten Variablen „Massenvernichtungswaffen“ aus der Datenbank vier manifeste Variablen als Indikatoren zugewiesen (siehe Abbildung 16). Die Indikatoren in Form der Variablen Vweapon1, Vweapon2, Vweapon3, Vweapon4 geben den Waffentyp wieder, der bei einem Anschlag benutzt wurde. In der Datenbank sind vier Variablen für den Waffentyp vorgesehen, damit bei einem Anschlag, bei dem verschiedene Waffentypen benutzt wurden, mehrere Waffen angegeben werden können. Ein Waffentyp gilt bei einem Anschlag als angewandt, sobald er sich als Ausprägungen bei mindestens einer der vier Variablen finden lässt. Bei allen vier Variablen sind die Ausprägungen identisch. Es handelt sich um nominal skalierte Variablen mit jeweils den folgenden 13 verschiedenen Ausprägungen (siehe Abbildung 17). Abbildung 16: Indikatoren für Unterdimension „Massenvernichtungswaffen“, eigene Darstellung. 210 Methodische Vorgehensweise der empirischen Untersuchung Die Ausprägungen der Variablen werden für die Untersuchung in sechs Ausprägungen zusammengefasst, da nur die Unterscheidung zwischen Massenvernichtungswaffen und anderen Waffen und die Art der Massenvernichtungswaffen für die Auswertung genutzt wird. Die Ausprägungen 1–4 entsprechen laut Definition der vorliegenden Untersuchung dem Waffentyp Massenvernichtungswaffen, die restlichen Ausprägungen werden unter Ausprägung 5 = Sonstige zusammengefasst. Ausprägung 13 = Unknown wird als 6 = Unbekannt beibehalten (siehe Abbildung 18). Abbildung 17: Ausprägungen der Variablen Vweapontype der GTD 2014, eigene Darstellung. Abbildung 18: Zusammengefasste Ausprägungen der Variablen Vweapontype der GTD 2014, eigene Darstellung. 211 Operationalisierung 5.6.2 H2: Undifferenzierte Opferwahl Folgende Hypothese zu einer erhöhten undifferenzierten Opferwahl im Zeitraum II von 1993–2014 wurde in der Untersuchung aufgestellt: H2: Wenn terroristische Anschläge zwischen 1993 und 2014 stattfanden, dann war die Opferwahl häufiger undifferenziert als bei Anschlägen zwischen 1970 und 1992. Wie bereits in Kapitel 3.4. Konzeptspezifikation: Theoretischer Ansatz des Neuen Terrorismus erläutert wurde, wird die Dimension „Undifferenzierte Opferwahl“ durch die Unterdimension „Zivile Opfer“ dargestellt, die in der Datenbank direkt weiter operationalisiert wird. Wie auch bei den konkretisierten Hypothesen zur „Gewaltbereitschaft“, handelt es sich bei dieser Hypothese um ein Zwei-Variablen-Modell, bei dem der Zeitraum die unabhängige Variable darstellt. Zur Überprüfung der Hypothese H2 werden der latenten Variablen „Zivile Opfer“ aus der Datenbank drei manifeste Variablen als Indikatoren zugewiesen (siehe Abbildung 19). Die Indikatoren in Form der Variablen Vtargtype1, Vtargtyp2 und Vtargtyp3 geben den Opfertyp632 wieder, der bei einem Anschlag zum Ziel wurde. In der Datenbank sind drei Variablen für den Opfertyp vorgesehen, damit bei einem Anschlag, bei dem verschiedene Opfertypen betroffen waren, mehrere hiervon angegeben werden können. Ein Opfertyp gilt bei einem Anschlag als betroffen, sobald er sich als Ausprägung bei mindestens einer der drei Variablen finden lässt. Bei allen drei Variablen sind die 632 Im Gegensatz zum „Opfertyp“ in diesem Kapitel wurde in Kapitel 5.1.2.1. Opferzahlen die Entwicklung der „Opferarten“ untersucht, hierbei handelte es sich um die Unterscheidung zwischen Toten und Verletzten. Abbildung 19: Indikatoren für Unterdimension „Zivile Opfer“, eigene Darstellung. 212 Methodische Vorgehensweise der empirischen Untersuchung Ausprägungen identisch. Es handelt sich um nominal skalierte Variablen mit jeweils den folgenden 22 verschiedenen Ausprägungen (siehe Abbildung 20). Die Ausprägungen der Variablen werden für die Untersuchung in vier Ausprägungen zusammengefasst, da nur die Unterscheidung zwischen zivilen Opfern und anderen Opfertypen und für die Auswertung genutzt wird. Hierzu muss zunächst zwischen zivilen und nicht-zivilen Opfertypen unterschieden werden, wie in Kapitel 3.4.2.2. Abbildung 20: Ausprägungen der Variablen Vtargtype der GTD 2014, eigene Darstellung. 213 Operationalisierung Neue Strategie: Forschungshypothese H2 zur undifferenzierten Opferwahl näher ausgeführt wurde (siehe Abbildung 21 und Abbildung 22). Abbildung 21: Ausprägungen der Variablen Vtargtype der GTD 2014 für nicht zivile Opfer, eigene Darstellung. Abbildung 22: Ausprägungen der Variablen Vtargtype der GTD 2014 für zivile Opfer, eigene Darstellung. 214 Methodische Vorgehensweise der empirischen Untersuchung Die Ausprägung 13 = Other wird beibehalten und als 3 = Sonstige neu nummeriert. Die Ausprägung 20 = Unknown wird ebenfalls beibehalten und als 4 = Unbekannt neu nummeriert (siehe Abbildung 23). 5.6.3 H3: Netzwerkartigkeit Folgende Hypothese zu einer erhöhten Netzwerkartigkeit im Zeitraum II von 1993– 2014 wurde in der Untersuchung aufgestellt: H3: Wenn terroristischen Anschläge zwischen 1993 und 2014 stattfanden, dann waren sie häufiger netzwerkartig, als Anschläge zwischen 1970 und 1992. Wie bereits in Kapitel 3.4. Konzeptspezifikation: Theoretischer Ansatz des Neuen Terrorismus erläutert wurde, besteht die Dimension „Netzwerkartigkeit“ aus den Unterdimensionen „Internationalisierung“ und „Zusammenarbeit“. Zur Auswertung der letzteren Unterdimension liegen in der Datenbank keine brauchbaren Variablen vor, weshalb hierzu keine Auswertung vorgenommen werden kann. Aus der ersten Unterdimension „Internationalisierung“ lässt sich jedoch folgende konkretisierte Hypothese formulieren: H3a: Wenn terroristische Anschläge zwischen 1993 und 2014 stattfanden, dann waren sie häufiger international, als Anschläge die, zwischen 1970 und 1992 stattfanden. Abbildung 23: Zusammengefasste Ausprägungen der Variablen Vtargtype der GTD 2014, eigene Darstellung. 215 Operationalisierung H3a: Internationalisierung Wie auch bei den konkretisierten Hypothesen zur hohen Gewaltbereitschaft und zur undifferenzierten Opferwahl handelt es sich bei dieser Hypothese um ein Zwei-Variablen-Modell, bei dem die Zeit die unabhängige Variable darstellt. Zur Überprüfung der Hypothesen H3a werden der latenten Variablen „Internationalisierung“ aus der Datenbank drei manifeste Variablen als Indikatoren zugewiesen (siehe Abbildung 24). Anders als bei den Indikatoren zu den Unterdimensionen „Massenvernichtungswaffen“ und „Zivile Opfer“ handelt es sich nicht um die gleiche manifeste Variable, die in verschiedenen Ebenen den gleichen Sachverhalt erfasst (wie zum Beispiel die Angabe dreier unterschiedlicher Waffentypen), sondern um drei unterschiedliche Beschreibungen der Internationalität von Anschlägen, wie im Folgenden erläutert wird. Die Variable Vint_log beschreibt die „Logistische Internationalität“ eines Anschlags: das Verhältnis der Nationalität der terroristischen Organisation zum Ort des Anschlags. Ein Anschlag wird als logistisch-international definiert, wenn die Nationalität der terroristischen Organisation und der Ort des Anschlags nicht übereinstimmen. Bei den Tätern handelt es sich ausschließlich um Organisationen, die Nationalität von einzelnen Tätern wurde nicht erfasst bzw. berücksichtigt. Die Nationalität jeden Mitglieds der terroristischen Organisation muss vom Ort des Anschlags abweichen, damit der Anschlag als logistisch-international gilt. Sowohl der Ort des Anschlags als auch der Ort der Staatsangehörigkeit sind als das Territorium innerhalb einer nationalen Grenze definiert. Geographisch und/oder politisch separierte Territorien, die jedoch rechtlich zu einzelnen Ländern gehören, wie z. B. Puerto Rico oder der Gaza Streifen, gelten als eigene Orte.633. Die Variable Vint_ideo beschreibt die „Ideologische Internationalität“ eines Anschlags: das Verhältnis der Nationalität der terroristischen Organisation und der Nationali- 633 Vgl. National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism 2015 c, S. 55 f. Abbildung 24: Indikatoren für Unterdimension „Internationalisierung“, eigene Darstellung. 216 Methodische Vorgehensweise der empirischen Untersuchung tät des Opfers. Ein Anschlag wird als ideologisch-international definiert, wenn die Nationalität des Täters und die Nationalität des Opfers nicht übereinstimmen. Bei den Tätern handelt es sich ausschließlich um Organisationen, die Nationalität von einzelnen Tätern wurde nicht erfasst bzw. berücksichtigt. Anders als bei der logistischen Internationalität muss nur die Nationalität eines Mitglieds der terroristischen Organisation von der Nationalität des Opfers abweichen, damit der Anschlag als ideologisch-international gilt. Beide Orte der Staatsangehörigkeit sind als das Territorium innerhalb einer nationalen Grenze definiert. Anders als bei der logistischen Internationalität gelten geographisch und/oder politisch separierte Territorien, die jedoch rechtlich zu einzelnen Ländern gehören, wie z. B. Puerto Rico oder der Gaza Streifen, nicht als eigene Orte.634 Die Variable Vint_misc beschreibt die „Gemischte Internationalität“ eines Anschlags: das Verhältnis der Nationalität des Opfers zum Ort des Anschlags. Anders als bei der ideologischen Internationalität und bei der logistischen Internationalität enthält diese Variable im Hintergrund keine Information über die Nationalität der terroristischen Organisation. Ein Anschlag wird als gemischt-international definiert, wenn die Nationalität des Opfers und der Ort des Anschlags nicht übereinstimmen. Hieraus ergibt sich, dass die Nationalität der terroristischen Organisation entweder nicht mit dem Ort des Anschlags (logistische international) oder nicht mit der Nationalität des Opfers (ideologisch international) übereinstimmen. Es ist jedoch nicht bekannt, welche der beiden Varianten zutrifft. Sowohl der Ort des Anschlags als auch der Ort der Staatsangehörigkeit sind als das Territorium innerhalb einer nationalen Grenze definiert. Geographisch und/oder politisch separierte Territorien, die jedoch rechtlich zu einzelnen Ländern gehören, wie z. B. Puerto Rico oder der Gaza Streifen, gelten als eigene Orte. Bei allen drei Variablen handelt es sich um dichotome Variablen, die identische nominal skalierte Ausprägungen aufweisen: 0 = Nicht international und 1 = International. Bei einer fehlenden Angabe der jeweiligen zwei Merkmal, aus denen sich die Variablen zusammensetzen, wurde die Ausprägung mit –9 = Unbekannt codiert. Neben den drei einzelnen Variablen Vint_log und Vint_ideo und Vint_misc gibt es in der Datenbank noch eine Variable Vint_any, die die drei Variablen zusammenfasst und einen Anschlag als insgesamt international oder nicht international ausweist. Die Variable wird im Folgenden „gesamt-international“ genannt (siehe Abbildung 25). 634 Vgl. National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism 2015 c, S. 56 f. 217 Operationalisierung Auch bei dieser Variablen handelt es sich um eine dichotome Variable, die nominal skalierte Ausprägungen aufweisen: 0 = Nicht international und 1 = International. In diesem Fall gilt ein Anschlag als international, wenn die Ausprägung bei einer der drei Variablen Vint_log oder Vint_ideo oder Vint_misc = 1 ist, auch wenn eine der anderen Variablen als –9 codiert ist. Als nicht international gilt ein Anschlag, wenn bei allen der drei Variablen Vint_log und Vint_ideo und Vint_misc die Ausprägung = 0 ist. Sobald jedoch eine der Variablen die Ausprägung –9 aufweist, kann Vint-any nicht mehr die Ausprägung = 0 annehmen und wurde ebenfalls als –9 = unbekannt codiert. Fehlen bei allen drei Variablen Vint_log und Vint_ideo und Vint_misc Angaben über die zwei Merkmale, aus denen sich die Variablen zusammensetzen, wurde die Ausprägung auch mit –9 = Unbekannt codiert. Die Variable Vint_any stellt die gesamte Betrachtung der Internationalität von Anschlägen dar, die sich aus den unterschiedlichen inhaltlichen Feststellungen von Internationalität durch die drei einzelnen Variablen ergibt. Daher werden zwar in der deskriptiven Auswertung auch die drei einzelnen Variablen betrachtet, zur Auswertung der Forschungshypothese zur Internationalität wird jedoch nur noch die Variable „gesamt-international“ herangezogen. H3b: Zusammenarbeit Es liegen keine verwendbaren Indikatoren in der Datenbank vor. Abbildung 25: Indikator für Unterdimension Internationalisierung“, eigene Darstellung. 218 Methodische Vorgehensweise der empirischen Untersuchung 5.6.4 H4: Religiosität Folgende Hypothese zum Anstieg der Religiosität im Zeitraum II von 1993–2014 wurde in der Untersuchung aufgestellt: H4: Wenn terroristische Anschläge zwischen 1993 und 2014 stattfanden, dann war die Ideologie der terroristischen Organisation, die den Anschlag ausführte, häufiger religiös als bei Anschlägen zwischen 1970 und 1992. Wie bereits im Kapitel 3.4. Konzeptspezifikation: Theoretischer Ansatz des Neuen Terrorismus erläutert wurde, besteht die Dimension „Religiosität“ nicht aus mehreren Unterdimensionen, sondern wird direkt durch die Unterdimension „Religiöse Ideologie“ dargestellt und im Folgenden operationalisiert. Wie auch bei den übrigen Hypothesen handelt es sich bei dieser Hypothese um ein Zwei-Variablen-Modell, bei dem der Zeitraum die unabhängige Variable darstellt. Zur Überprüfung der Hypothese H4 wird der latenten Variablen „Religiöse Ideologie“ aus der Datenbank folgende manifeste Variable als Indikator zugewiesen (siehe Abbildung 26): Die manifeste Variable Videology wurde als Indikator für die Untersuchung selbst erhoben und nachträglich in die Datenbank eingefügt. Die „Religiöse Ideologie“, bzw. „Religiös“ ist eine der möglichen Ausprägungen dieser Variablen. Insgesamt hat sie folgende nominale Ausprägungen (siehe Abbildung 27): Abbildung 26: Indikatoren für Unterdimension „Religiöse Ideologie“, eigene Darstellung. Abbildung 27: Ausprägungen der Variablen Videology der GTD 2014, eigene Darstellung. 219 Operationalisierung Anders als bei den Variablen Vweapontype und Vtargtyp werden die Ausprägungen der Variablen Videology nicht weiter zusammengefasst, da die Religiosität als Ideologie der ausführenden terroristischen Organisationen in Form der vermuteten Predominant Energy einen besonderen Stellenwert im theoretischen Ansatz des Neuen Terrorismus hat. Um die Entwicklung der Religiosität in den beiden Zeiträumen besser bewerten zu können, werden die Entwicklungen der anderen Ideologien als Vergleichswerte ebenfalls ausgewertet. 5.6.5 H5: Predominant Energy Durch die Erhebung der Variablen Videology und deren vorliegenden fünf Ausprägungen lässt sich untersuchen, ob die Religiosität, d. h. die Religion als Ideologie der ausführenden terroristischen Organisationen in Form einer Predominant Energy, einen Einfluss auf die Ausprägungen der anderen Variablen hat, wie dies in Hypothese H5 vermutet wurde: H5: Bei Anschlägen mit einem religiösen ideologischen Hintergrund sind die übrigen Eigenschaften des Neuen Terrorismus jeweils extremer ausgeprägt als bei Anschlägen ohne religiösen Hintergrund. Einen Hinweis darauf lässt sich finden, indem der Vergleich der beiden Untersuchungszeiträume 1970–1992 und 1993–2014 für die Indikatoren der anderen Variablen getrennt nach den jeweiligen Ideologien der Anschläge betrachtet wird. Hierzu werden nicht alle Anschläge ausgewertet, sondern nur die Anschläge, für die bei der Variablen Videology eine Ausprägung vorliegt. Bei den restlichen Anschlägen ist die Ideologie unbekannt und sie können daher nicht für die Auswertung herangezogen werden. Die Erhebungsgrundgesamtheit verringert sich somit auf eine Auswahlgesamtheit aller ideologischen Anschläge. Opferzahlen Es wird die Anzahl der Anschläge der Zeiträume I und II getrennt nach den fünf Ideologien miteinander verglichen, für die gilt: Vntarg = 1. Selbstmordattenate Es wird die Anzahl der Anschläge der Zeiträume I und II getrennt nach den fünf Ideologien miteinander verglichen, für die gilt: Vsuicide = 1. 220 Methodische Vorgehensweise der empirischen Untersuchung Massenvernichtungswaffen Es wird die Anzahl der Anschläge der Zeiträume I und II getrennt nach den fünf Ideologien miteinander verglichen, für die gilt: Vweapontype = 1. (Vweapontype -> Vweapontype1 = 1 oder Vweapontype2 = 1 oder Vweapontype3 = 1 oder Vweapontype4 = 1). Zivile Opfer Es wird die Anzahl der Anschläge der Zeiträume I und II getrennt nach den fünf Ideologien miteinander verglichen, für die gilt: Vtargtype = 1. (Vtargtype -> Vtargtype1 = 1 oder Vtargtype2 = 1 oder Vtargtype3 = 1). Internationalität Es wird die Anzahl der Anschläge der Zeiträume I und II getrennt nach den fünf Ideologien miteinander verglichen, für die gilt: Vint_any = 1. 5.7 Zusammenfassung Kapitel 4: Methodische Vorgehensweise der empirischen Untersuchung Bei der vorliegenden Dissertation handelt es sich um eine Untersuchung aus dem Bereich der Politikwissenschaft mit einem empirisch-analytischen Ansatz in Form einer quantitativen Untersuchung. Hierzu werden quantitative Daten zu Anschlägen terroristischer Organisationen in einer Vergleichsanalyse ausgewertet. Genutzt wird ein Datensatz mit rund 142.000 erfassten Anschlägen des Zeitraum 1970–2014: die Global Terrorism Database (GTD) 2014 des National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism (START). Die ursprünglichen 141.967 Anschläge der GDT 2014 wurden durch die Integration der ausgelagerten restlichen Daten aus dem Jahr 1993 und einer Anpassung der Terrorismusdefinition auf 139.953 Anschläge reduziert, die zur Auswertung übrig blieben. Ebenfalls reduziert wurde die Anzahl der Variablen der Datenbank von 134 auf 74 benötigte Variablen. Als neue Spalte wurde die Variable „Ideologie“ in die Datenbank eingefügt. Deren fünf Ausprägungen „links-sozialrevolutionär“, „rechts-konservativ“, „nationalistisch-separatistisch“, „religiös“ (und „sonstige“) wurden für die Untersuchung selbst erhoben. Hierzu wurden zunächst die 3.208 verschiedenen Täterbezeichnungen der Datenbank durch das Entfernen unechter Organisationen und die Anwendung einer Stichprobenziehung nach dem Konzentrationsprinzip auf 364 „echte“ Organisationen reduziert, die für 59.339 bzw. 41,58 % aller Anschläge der Datenbank verantwortlich waren. Nach dem Abgleich der Terrorismusdefinition blieben 363 Organisationen bzw. 58.754 Anschläge für die Erhebung übrig. Die Erhebung der Variablen „Ideo- 221 Zusammenfassung Kapitel 4 logie“ und ihrer Ausprägungen für die 363 Organisationen konnte für 166 Organisationen aus der Terrorist Organizations Profile (TOPs) Datenbank erfolgen. Für die restlichen 197 Organisationen wurden jeweils drei Quellen aus insgesamt über 500 verschiedenen Dokumenten genutzt. Als Ergebnis der Erhebung konnte 130 terroristischen Organisationen eine nationalistisch-separatistische Ideologie zugeordnet werden, 115 eine links-sozialrevolutionäre Ideologie, 78 eine religiöse Ideologie und 26 eine rechts-konservative Ideologie. Bei neun Organisationen konnte keine dem Schema entsprechende Ideologie identifiziert werden, diesen wurde die Ausprägung „sonstige“ zugeteilt. Fünf Organisationen konnte überhaupt keine Ideologie zugeordnet werden, diese wurden nicht weiter für die Auswertung verwendet. Somit blieben schließlich 58.667 Anschläge bzw. 358 Organisationen für die Auswertung übrig, von denen 36,31 % eine nationalistisch-separatistische Ideologie, 32,12 % eine links-sozialrevolutionäre Ideologie, 21,79 % eine religiöse Ideologie, 7,26 % eine rechts-konservative Ideologie und 2,51 % eine sonstige Ideologie aufwiesen. Eine letzte Anpassung der bereits in STATA in Jahreskohorten zusammengefassten Anschlagszahlen führte zu einer Erhöhung von 139.953 auf 144.201 Anschläge bzw. von 58.754 auf 60.930 ideologische Anschläge. Diese Anpassung wurde aufgrund der unvollständigen Daten des Jahres 1993 vollzogen, um eine Verzerrung der Ergebnisse zu vermeiden. Hierzu wurden die restlichen Werte des Jahres 1993 mit dem Faktor 7,017 multipliziert, der sich aus dem Verhältnis von 4.954 ursprünglichen und den 706 noch vorliegenden Anschlägen ergab. Für die Variablen „int_ log“, „int_ideo“ und „int_misc“ bzw. „int_any“ wurden die Werte durch den Gesamtdurchschnitt aller Variablen ersetzt. In der Operationalisierung konnten, neben der selbst eingefügten Variablen „Videology“ als Indikator für den Untersuchungsbereich Religiöse Ideologie, die Indikatoren „Vnkill“, „Vnwound“ für den Untersuchungsbereich Opferzahlen, der Indikator „Vsuicide“ für den Untersuchungsbereich Selbstmordattentate, die Indikatoren „Vweapontype1“, „Vweapontype2“, „Vweapontype3“ und „Vweapontype4“ für den Untersuchungsbereich Massenvernichtungswaffen, die Indikatoren „Vtargtype1“, „Vtargtype2“ und „Vtargtype3“ für den Untersuchungsbereich Zivile Opfer und die Indikatoren „Vint_ideo“, „Vint_log“, „Vint_misc“ bzw. „Vint_ any“ für den Untersuchungsbereich Internationalität identifiziert werden. 223 6 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus 6.1 Deskriptive Auswertung 6.1.1 Erster Überblick: Entwicklung der weltweiten Anschlagszahlen Die Entwicklung der weltweiten Anschlagszahlen von 1970 bis 2014 zeigt insgesamt einen Anstieg der jährlichen Anschläge. Der niedrigste Wert findet sich im Jahr 1973 mit 460 Anschlägen und der höchste Wert im Jahr 2014 mit 16.618 Anschlägen. Bis einschließlich 1976 blieben die Anschläge unter der Marke von 1.000 Anschlägen. Ab 1977 wurde diese Schwelle erstmals mit 1.297 Anschlägen überschritten. In den folgenden Jahren bis einschließlich 1993635 gab es einen relativ kontinuierlichen Anstieg der Anschlagszahlen, wobei die Jahre 1984 mit 3.460 Anschlägen und 1989 mit 4.240 Anschlägen leichte Peaks auswiesen. Von 1994 bis 1997 stagnierten die Werte bzw. verzeichneten sogar einen leichten Rückgang. Ein deutlicher Einschnitt ist im Jahr 1998 sichtbar, bei dem die Anschlagzahlen von 3.054 im Jahr 1997 um 70 % auf 923 im Jahr 1998 zurückgingen. Dieser deutliche Rückgang der Anschlagszahlen in der Datenbank überschneidet sich zeitlich mit dem Wechsel des datensammelnden Instituts: bis 1997 wurde die Daten durch PGIS erhoben, die Daten ab 1998 wurden durch CETIS rückwirkend ab dem Jahr 2006 erhoben. Der Einbruch der Anschlagszahlen der Datenbank kann auf diesen Umstand zurückgeführt werden, wie auch Gary LaFree, Laura Dugan und Erin Miller 2015 in Putting Terrorism in Context vermuten: „In short, the GTD likely undercounts total attacks from 1998 through 2006, and this undercount is probably most serious for 1998 …“.636 635 Der Wert des Jahres 1993 wurde in der GTD mit 706 angeben. Hierbei handelt es sich jedoch nur um die Anzahl der rekonstruierten Fälle. Die tatsächliche Anzahl von 4.954 Anschlägen wurde der „Country-level Statistics 1993“ entnommen. Vgl. National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism (START) 2015 c, S. 3. 636 LaFree/Dungan/Miller 2015, S. 32. 224 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus Bis 2001 ließ sich wieder ein leichter Anstieg verzeichnen, dem jedoch ein Rückgang der Anschlagzahlen bis 2004 auf 1.156 Anschläge folgte. Ab dem Jahr 2005 stiegen die Anschlagszahlen jährlich mit einem kleineren Sprung auf das Jahr 2008 und einem größeren Sprung auf das Jahr 2012. Dieser Anstieg um 72 % von 2011 mit 4.909 Anschlägen auf das Jahr 2012 mit 8.421 Anschlägen war der größte Anstieg im gesamten Untersuchungszeitraum. Auch diese Sprünge in den Anschlagszahlen decken sich zeitlich mit weiteren Wechseln der datensammelnden Institute: im Jahr 2008 wurde CETIS durch ISVG abgelöst und dieses wiederum im Jahr 2011 durch START. Ab dem Jahr 2012 wurde bei START zum ersten Mal eine Programmierschnittstelle als automatisierter Prozess zur Identifizierung relevanter Quellen genutzt, was zu einer erheblichen Verbesserung der Datenlage führte.637 Auch in den Jahren 2013 und 2014 konnten mit 11.866 und 16.618 Anschlägen vergleichsweise hohe Werte verzeichnet werden (siehe Abbildung 28). Betrachtet man die zwei unterschiedlichen Untersuchungszeiträume 1970–1992 und 1993–2014, fanden 53.660 Anschläge (37,21 % der Anschläge) im Zeitraum I und 90.541 Anschläge (62,79 % der Anschläge) im Zeitraum II statt. Es lässt sich somit ein Anstieg der Anschläge um 68,73 % feststellen (siehe Abbildung 29). 637 Vgl. LaFree/Dungan/Miller 2015, S. 33; National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism 2015 c, S. 7. Abbildung 28: Jährliche Anzahl terroristischer Anschläge, 1970–2014 (n=144.201). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 225 Deskriptive Auswertung Da der Zeitraum I von 1970–1992 jedoch mit 23 Jahren um ein Jahr größer ist als der Zeitraum II von 1993–2014 mit 22 Jahren, stellt der Durchschnittswert der jährlichen Anschlagszahlen beider Zeiträume einen aussagekräftigeren Vergleichswert dar. Diese werden in Abbildung 30 dargestellt:638 638 Auch für die folgenden Auswertungen werden die Durchschnittswerte der jährlichen Werte für die beiden Zeiträume betrachtet. Abbildung 29: Vergleich Anzahl terroristischer Anschläge der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 (n=144.201). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. Abbildung 30: Vergleich durchschn. Anzahl terroristischer Anschläge pro Jahr der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 (n=144.201). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 226 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus Die Anschlagszahl stieg von durchschnittlich 2.333 Anschlägen pro Jahr im Zeitraum I um 76,40 % auf durchschnittlich 4.116 Anschläge pro Jahr im Zeitraum II. Für den gesamten Untersuchungszeitraum lag die durchschnittliche Anzahl der Anschläge pro Jahr bei 3.204 Anschlägen. 6.1.2 Hohe Gewaltbereitschaft 6.1.2.1 Opferzahlen Anschlagstypen Bei Anschlägen mit Opfern lässt sich nicht nur nach Anschlägen mit Toten oder nach Anschlägen mit Verwundeten differenzieren, sondern auch nach Anschlägen, die beide Opferarten hervorbringen. Diese Aufteilung führt zu folgenden drei Anschlagstypen bezogen auf die Opferarten: Anschläge nur mit Verwundeten, Anschläge sowohl mit Verwundeten als auch mit Toten und Anschläge nur mit Toten. Abbildung 31 gibt eine erste Übersicht über die Verteilung der Anschläge639: Von den 144.201 Anschlägen war bei 7.802 Anschlägen640 nicht bekannt, ob und welche Art von Opfern es gab, was einem Anteil von 5,41 % aller Anschläge entspricht. 639 Die Werte der Spalten „nur Verwundete“, „Verwundete und Tote“ und „nur Tote“ ergeben in Summe die Werte der Spalte „Mit Opfer“. 640 Der Wert 7.802 der Kategorie „unbekannt“ bezieht sich nur auf Anschläge, bei denen sowohl keine Angabe über Tote als auch keine Angabe zu Verwundeten in der Datenbank hinterlegt ist. Anschläge mit Angaben zu Toten und fehlenden Werte zu den Verwundeten wurden der Kategorie „nur Tote“ zugeordnet (4.617 Anschläge, 3,20 % aller Anschläge), und Anschläge mit Angaben zu Verwundeten und fehlenden Werte zu den Toten (315 Anschläge, 0,22 % aller Anschläge) wurden Abbildung 31: Übersicht Anschlagszahlen nach Anschlagstypen. Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 227 Deskriptive Auswertung Diese Unkenntnis konzentriert sich mit einem Anteil von 10,41 % (5.586 Anschläge) auf den Zeitraum I von 1970–1992, aber vor allem auf die Jahre bis 1986. In dieser Zeit waren bei durchschnittlich 13,65 % der Anschläge nichts über die Opfer bekannt. Ab 1987 verbesserte sich die Datenlage diesbezüglich auf durchschnittlich 1,72 % Anschläge ohne Angaben zu Opferzahlen pro Jahr bzw. auf einen durchschnittlichen Wert von 2,45 % (2.216 Anschläge) für den Zeitraum II von 1993–2014. Diese Anschläge wurden nicht mit in die Auswertungen einbezogen, daher ergibt sich für die Auswertung im Folgenden eine Erhebungsgrundgesamtheit von 136.399 Anschlägen. In Abbildung 32 wird die Zusammensetzung der Anschläge für den gesamten Untersuchungszeitraum 1970–2014 in prozentualen Anteilen dargestellt. Im gesamten Zeitraum waren bei 38,76 % aller Anschläge keine Opfer zu verzeichnen, 61,24 % der Anschläge hatten dagegen Opfer zu verzeichnen. Bei 14,62 % aller Anschläge waren unter den Opfern nur Verwundete, dies entspricht einem Anteil von 23,88 % an allen Anschlägen mit Opfern. 20,19 % aller Anschläge hatten sowohl Verwundete als auch Tote unter den Opfern, was 32,96 % aller Anschläge mit Opfern entspricht. 26,43 % aller Anschläge hatten nur Tote unter den Opfern, was 43,16 % der Anschläge mit Opfern entspricht. der Kategorie „nur Verwundete“ zugeordnet. Bei einem fehlenden Wert und einem Wert O (495 Anschläge, 0,34 % aller Anschläge) wurde der Anschlag der Kategorie „ohne Opfer“ zugeordnet. Abbildung 32: Anteil der Anschlagstypen an allen Anschlägen, 1970–2014 (n=136.399 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 228 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus Abbildung 33 zeigt die Anzahl der Anschläge mit Opfern pro Jahr für den gesamten Untersuchungszeitraum 1970–2014. Die niedrigste Anzahl von Anschlägen mit Opfern gab es im Jahr 1970 mit 110 Anschlägen und die höchste Anzahl von Anschlägen mit Opfern im Jahr 2014 mit 10.530 Anschlägen. Es gab jedoch keinen durchgehend konstanten Anstieg der Anschlagszahlen über den gesamten Zeitraum. Nach einem Zeitraum von 1970 bis 1978 mit geringen Anschlagszahlen zwischen 110 (1970) und 549 (1978) Anschlägen stieg die Anzahl der Anschläge zunächst bis 1993 auf 2.968 Anschläge an. Danach sanken die Anschlagszahlen für vier Jahre wieder auf ein niedrigeres Level zwischen 1.587 Anschlägen (1996) und 1.833 Anschlägen (1994). 1998 sank die Anzahl der Anschläge mit Opfern nochmals weiter ab auf 561 Anschläge, stieg dann bis 2001 wieder leicht auf 1.180 Anschläge an, um darauf wieder bis 2003 auf 781 Anschläge abzusinken. Erst seit dem Jahr 2004 stieg die Zahl der Anschläge dauerhaft bis zum Jahr 2014. Neben dem hohen Wert des Jahres 2014 zeichnete sich auch das Jahr 2013 mit 7.997 Anschlägen und das Jahr 2012 mit 5.965 Anschlägen durch auffallend hohe Werte aus. Die durchschnittliche Anzahl von Anschlägen mit Opfern pro Jahr für den gesamten Untersuchungszeitraum lag mit 1.856 Anschlägen bei 57,88 %. Die Entwicklung der Anschläge mit Opfern pro Jahr über den gesamten Untersuchungszeitraum ähnelt der Entwicklung der Gesamtzahl an Anschlagszahlen, wie sie in Abbildung 28 dargestellt wurde. Abbildung 33: Jährliche Anzahl von Anschlägen mit Opfern, 1970–2014 (n=136.399 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 229 Deskriptive Auswertung Der Anteil von Anschlägen mit Opfern pro Jahr an allen 136.399 Anschlägen, zu denen Informationen über die Opfer in der Datenbank vorliegen, wird in Abbildung 34 gezeigt. Im Jahr 1970 lag der Anteil der Anschläge mit Opfern bei 18,06 % am niedrigsten, im Jahr 2007 mit 79,46 % am höchsten. Insgesamt blieb der Anteil der Anschläge mit Opfern über den gesamten Zeitraum von 45 Jahren stabil mit einer leicht zunehmenden Tendenz. Eine auffällige Ausnahme bildet der Zeitraum 1970 bis 1977. Nach sehr niedrigen Werten in den beiden ersten Jahren 1970 (18,06 %) und 1971 (29,07 %) gab es einen starken Anstieg auf 76,54 % im Jahr 1973, der bis zum Jahr 1977 wieder auf 30,12 % abfiel. Bei näherer Betrachtung der Werte aus dem Jahr 1972 zeigt sich, dass 272 der 485 Anschläge in diesem Jahr auf den Konflikt in Nordirland zurückgingen, an dem die IRA, die Official Irish Republican Army (OIRA), die UFF, die Ulster Volunteer Force (UVF), aber auch einzelne Extremisten auf beiden Seiten beteiligt waren. Der hohe Anteil an Anschlägen mit Opfern ergibt sich aus der hohen Zahl von Anschlägen innerhalb des Nordirlandkonflikts, da der Anteil der Anschläge mit Opfern bei diesem Konflikt im Jahr 1972 bei 100 % lag. Dieser Effekt, der seinen Höhepunkt im Jahr 1972 hatte, schwächt sich langsam in den folgenden Jahren ab. Im Jahr 1977 gehen nur noch 131 von 1.172 Anschlägen auf diesen Konflikt zurück, zugleich waren bei knapp 30 % der Anschläge (39) in Nordirland keine Opfer mehr zu verzeichnen. Abbildung 34: Jährlicher Anteil von Anschlägen mit Opfern, 1970–2014 (n=136.399, ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 230 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus Differenzierter stellen sich die Werte bei dem Verhältnis der Zusammensetzung der Anschlagstypen und deren anteilige Entwicklung an allen Anschlägen mit Opfern dar. Der Anteil an Anschlägen mit Opfern, bei denen es nur Tote gab, ist insgesamt über die Zeit zurückgegangen. Der höchste Wert lag im Jahr 1972 mit 89,29 % und der niedrigste Wert im Jahr 1993 mit 30,73 %. Besonders in den Jahren 1971 bis 1976 war der Anteil der Anschläge mit Toten zwischen 73,70 % und 85,83 % überdurchschnittlich hoch. Danach sank der Wert langsam ab und lag seit 1998 pro Jahr konstant unter 40 %. Entgegengesetzt hierzu waren die Anteile der Anschläge mit nur Verwundeten bzw. mit Verwundeten und Toten an allen Anschlägen mit Opfern in den Jahren 1971 bis 1976 unterdurchschnittlich. Die Entwicklung dieser beiden Opfertypen lässt sich ebenfalls auf den Nordirlandkonflikt zurückführen, bei dem von 996 Anschlägen in diesem Zeitraum 993 Anschläge Todesopfer zu verzeichnen hatten und nur ein einziger Anschlag auch Verwundete. Nach 1976 stieg der Anteil der Anschläge mit Verwundeten und Toten bis 1997 insgesamt an. 1998 überschritt der Anteil zum ersten Mal die 40 %-Marke und hielt sich mit einem leichten Rückgang zwischen 2000–2001 und 2008–2011 dauerhaft über 40 %, mit dem höchsten Wert von 46,12 % im Jahr 2004. Der Anteil von Anschlägen mit nur Verwundeten hielt sich mit wenigen Ausnahmen zwischen 20–30 %, mit den höchsten Werten in den Jahren 1993 (32,61 %) und 2009 bis 2010 (31,43 %/31,63 %) (siehe Abbildung 35). Abbildung 35: Jährlicher Anteil von Anschlägen mit Opfern differenziert nach Anschlagstypen, 1970– 2014 (n=136.399, ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 231 Deskriptive Auswertung Opferzahl Die Auswertung der Anschläge nach Anschlagstypen gibt überwiegend einen Überblick über die Quantität der Gewaltbereitschaft, nämlich wie viele der Anschläge als gewalttätig eingestuft werden können. Die Auswertung über die Anzahl der Opfer bzw. über die Anzahl der zwei Opferarten „Tote“ und „Verwundete“ gibt dagegen einen qualitativen Einblick in die Entwicklung der Gewaltbereitschaft, da sie darstellt, welches Ausmaß an Gewalttätigkeit die einzelnen Anschläge annahmen. Abbildung 36 gibt einen ersten Überblick über die Verteilung der 716.568 Personen, die Opfer terroristischer Anschläge wurden. Die 716.568 Opfer können 136.399 Anschlägen aus der Datenbank zugeordnet werden. Über den gesamten Untersuchungszeitraum waren hiervon 56,27 % (403.216) Verwundete und 43,73 % Tote (313.352). Bei den restlichen 7.802 Anschläge, gab es weder Informationen zu den Verwundeten, noch zu den Toten. Bei 12.819 Anschlägen gab es keine Informationen zu Verwundeten aber zu Toten, bei 8.182 Anschlägen gab es keine Information zu den Toten, aber zu Verwundeten. Dies entspricht 8,89 % (Verwundete) und 5,67 % (Tote) aller Anschläge, wobei sich die eingeschränkte Datenlage besonders auf Zeitraum I 1970–1992 mit einem Anteil von 10,73 % (7.511 Verwundete) und 10,73 % (5.760 Tote) konzentriert. Im Zeitraum II 1993–2014 lagen die Werte nur noch bei 2,68 % (2.422 Verwundete) und 5,86 % (5.308 Tote). Es wurden alle Toten und Verwundeten in die Auswertung mit einbezogen, auch diejenigen, die aus Anschlägen hervorgingen, bei denen nur eine Opferart bekannt war. Diese Anschläge wurden wie bei der Auswertung zu den Anschlagstypen vollständig mit in die Auswertung einbezogen. Die Menge der Anschläge mit unbekannten Verwundeten und Toten hat bei der Auswertung der Opferzahlen einen größeren Einfluss als bei der Auswertung der Anschlagstypen. Bei der Auswertung der Anschlagstypen kann die Höhe des Ausfalls durch unbekannte Werte beziffert Abbildung 36: Übersicht Opferzahlen nach Opferarten. Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 232 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus werden, da die Ausprägung binär als 0 oder 1 angegeben ist. Hier beträgt der Anteil der Anschläge mit einer fehlenden Angabe 3,76 %. Dies ist bei der Auswertung der Opferanzahl nicht möglich, da die Ausprägung nominal skaliert ist, und die Höhe des tatsächlichen maximalen Wertes unbekannt ist. Es kann davon ausgegangen werde, dass fehlende Angaben vor allem bei niedrigeren Werten zustande kommen, da bei steigender Opferzahl von einer steigenden medialen Präsenz ausgegangen werden kann, die wiederum zu einer vereinfachten Informationsbeschaffung führt. Es gibt jedoch auch Fälle, bei denen die Anzahl von Verwundeten oder Toten trotz der Höhe und der medialen Präsenz nicht angegeben wurde. Dies ist zum Beispiel bei zwei von vier Anschlägen des 11. September 2001 der Fall. Bei den Anschlägen auf die Türme des World Trade Centers mit den Eventnummern 200109110004 und 200109110005 in der Datenbank gibt es bei der Variable Vnwound keine Angabe. Dies liegt daran, dass die tatsächliche Opferzahl des Anschlags bis heute nur geschätzt werden kann und daher die Quellen keine oder zu unterschiedliche Informationen hierzu liefern, um von einer gesicherten Information sprechen zu können. In diesem Fall würde sich die Anzahl der Verwundeten für das Jahr 2001 bei der Angabe der Verwundetenzahlen zu diesem Anschlag von 6.367 auf ca. 12.367641 fast verdoppeln. In Abbildung 37 wird die Entwicklung der jährlichen Opferzahlen gruppiert nach Toten und Verwundeten über den gesamten Zeitraum von 1970–2014 dargestellt. Der niedrigste Wert findet sich im Jahr 1971 mit 254 Opfern, davon 82 Verwundete und 172 Tote, der höchste Wert im Jahr 2014 mit 83.750 Toten, davon 40.685 Verwundete und 43.065 Tote. Bis einschließlich 1982 blieb die Zahl der Opfer unter der 10.000er-Marke, bis einschließlich 2005 unter der 20.000er Marke mit der Ausnahme des Jahres 1993, das mit 22.338 Opfern einen hohen Wert aufwies. Von 2005 bis 2011 schwankten die Werte zwischen 22.436 (2011) und 34.228 (2007) Opfern. Ein starker Anstieg erfolgte in den letzten drei Jahren der Datenbank um 81,57 % von 22.436 auf 40.736 Opfer im Jahr 2012, um 45,58 % auf 59.302 Opfer im Jahr 2013 und schließlich um 41,23 % auf 83.750 Opfer im Jahr 2014. Durchschnittlich gab es im gesamten Untersuchungszeitraum 15.924 Opfer bzw. 8.960 Verwundete und 6.963 Tote pro Jahr. Das Verhältnis von Toten und Verwundeten in absoluten Zahlen lässt sich über den gesamten Zeitverlauf in vier Phasen einteilen. Von 1970 bis 1979 überwog knapp der Anteil der Verwundeten. Eine Ausnahme bildeten hierbei die Jahre 1971 und 1972, in denen der Anteil der Toten knapp über zwei Drittel ausmachte. Von 1980 bis 1991 überwog der Anteil der Toten etwas deutlicher, auch hier mit einer Ausnahme im Jahr 1986, bei der nur 46,49 % der Opfer Tote waren. Von 1992 bis 2002 überwog dann wieder der Anteil der Verwundeten, vor allem ab 2003 waren nur noch ein 641 Einige Quellen sprechen von circa 6.000 Verwundeten. Vgl. Griset/Mahan 2003, xi. 233 Deskriptive Auswertung Drittel der Opfer Tote, was sich erst im Jahr 2014 änderte, als der Anteil der Toten mit 51,42 % knapp über die Hälfte der Opfer ausmachte (siehe Abbildung 37). Da jedoch die wachsende Anzahl von Verwundeten und Toten auch vor dem Hintergrund der wachsende Anzahl von Anschlägen betrachtet werden muss, wird in der folgenden Abbildung 38 die durchschnittliche Anzahl an Opfern pro Anschlag für jedes Jahr dargestellt. Hierzu wurde für jedes Jahr ein arithmetische Mittel gebildet: Anzahl der Anschläge/Anzahl der Opfer. Der niedrigste Wert lag im Jahr 1970 bei 0,59 Opfern pro Anschlag und der höchste Wert im Jahr 2004 bei 15,28 Opfern pro Anschlag. Die durchschnittliche Opferzahl stieg zunächst bis 1974 auf einen Wert von 2,48 Opfern pro Anschlag, um bis 1977 wieder auf einen Wert von 0,82 Opfern pro Anschlag zu fallen. Danach stiegen die Werte zunächst wieder bis 1983 auf einen Wert von 6,78 Opfern pro Anschlag an, um erneut bis 1989 auf einen Wert von 3,14 Opfern pro Anschlag zu fallen. Ab 1990 stiegen die Werte mit Schwankungen bis 2007 auf einen Wert von 10,78 Opfern pro Anschlag an. Hervorzuheben sind hierbei zwei auffällig hohe Werte in den Jahren 1998 und 2004 mit 14,76 und 15,28 Opfern pro Anschlag. Ab 2008 fiel die durchschnittliche Opferzahl auf 6 Opfer pro Anschlag und blieb bis 2014 zwischen 4,59 (2012) und 6,09 (2009) Opfer pro Anschlag. Über den gesamten Untersuchungszeitraum hinweg gab es durchschnittlich 5,25 Opfer pro Anschlag bzw. 2,30 Tote pro Anschlag und 3,07 Verwundete pro Anschlag.642 642 Aufgrund der unterschiedlichen Höhe von fehlenden Werten bei den einzelnen Anschlägen ent- Abbildung 37: Jährliche Opferzahl gruppiert nach Verwundeten, Toten und Opfern gesamt, 1970–2014 (n=136.399 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 234 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus In Abbildung 39 ist die durchschnittliche Anzahl der Opfer pro Anschlag für eine differenziertere Betrachtung nach Verwundeten und Toten gruppiert. Der niedrigste jährliche Wert für die durchschnittliche Anzahl von Verwundeten pro Anschlag lag im Jahr 1970 bei 0,32 und der höchste im Jahr 2004 bei 11,32. Der niedrigste Wert für die durchschnittliche Anzahl von Toten lag ebenfalls im Jahr 1970 bei 0,28, der höchste dagegen im Jahr 1998 bei 5,43. Die Entwicklung des Verhältnisses von Verwundeten und Toten entspricht dem bereits in Abbildung 37 beschrieben Verhältnis von Verwundeten und Toten. Es wird hier jedoch grafisch noch offensichtlicher, dass die hohen Werte an Opferanzahlen Mitte der achtziger Jahre durch die hohe durchschnittliche Anzahl an Toten bedingt wurde, mit dem höchsten Wert von 4,81 Toten pro Anschlag im Jahr 1983. Die hohen Werte 1998, 2004 und 2007 dagegen wurden durch die hohe durchschnittliche Anzahl an Verwundeten bedingt (1998: 10,47 Verwundete/2004: 11,32 Verwundete/2007: 7,31 Verwundete). Für das Jahr 1998 lässt sich die hohe Anzahl an Verwundeten und somit auch die hohe durchschnittliche Anzahl von Verwundeten pro Anschlag auf einen einzigen Anschlag zurückführen: Am 07.08.1998 wurden bei einem Bombenanschlag auf die Botschaft in Nairobi durch Al Qaeda 4.000 Personen verletzt.643 Dieser eine Anschlag machte 49,03 % der 8.158 Verwundeten in diesem Jahr aus und steigerte somit die durchschnittliche Anzahl von spricht die Summe der durchschnittlichen Werte von Toten und Verwundeten pro Anschlag nicht genau dem Wert der durchschnittlichen Opfer pro Anschlag. 643 Vgl. National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism 2015 a, 199808070002. Abbildung 38: Durchschnittliche jährliche Opferzahl pro Anschlag, 1970–2014 (n=136.399 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 235 Deskriptive Auswertung Verwundete pro Anschlag von 5,34 auf 10,47. Der Effekt verstärkt sich zusätzlich durch die für diesen Zeitraum verhältnismäßig geringe Anzahl von Anschlägen. Einen ähnlichen Effekt durch einzelne Anschläge ließ sich noch für das Jahr 1995 feststellen. Mit 5.500 Verwundeten gehen 39,45 % der 13.943 Verwundeten auf den Saringas-Anschlag in der U-Bahn in Tokio durch Aum Shinrikyo am 20.03.1995 zurück. Hierbei hatte der Anschlag die durchschnittliche Anzahl der Verwundeten pro Anschlag in dem Jahr von auf 2,94 auf 4,85 erhöht.644 Ein ähnlich hoher Effekt bei der Anzahl der Verwundeten wäre für das Jahr 2001 zu erwarten gewesen, wenn die Anzahl der Opfer für die beiden Anschläge auf die Türme des World Trade Centers in der Datenbank erfasst wären. Auch in den 70er Jahren hatten einzelne Anschläge mit vielen Opfern einen vermehrten Einfluss auf die durchschnittliche Opferanzahl pro Anschlag, was sich jedoch vermutlich durch die geringere Anzahl an erfassten Anschlägen ergibt. Die beiden erwähnten Anschläge aus den Jahren 1995 und 1998 waren zugleich mit 4.000 und 5.500 Verwundeten auch die Anschläge mit den beiden höchsten Zahlen an Verwundeten in der GTD. Die Anschläge mit den höchsten Zahlen an Toten waren der Anschlag des Islamic State of Iraq and the Levant (ISIL) am 12.06.2014, bei dem in Tikrit ca. 1.500 Soldaten hingerichtet wurden, und die beiden Anschläge Al Qaedas am 09.11.2001 auf die beiden Türme des World Trade Centers mit jeweils 644 Vgl. National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism 2015 a, 199503200014. Abbildung 39: Durchschnittliche jährliche Opferzahl pro Anschlag gruppiert nach Verwundeten und Toten, 1970–2014 (n=136.399 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 236 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus 1.382 Toten.645 Während die beiden Anschläge auf das World Trade Center zumindest jeweils 17,99 % der gesamten Verwundeten im Jahr 2001 ausmachten, war der Anschlag 2014 in Tikrit nur für 3,48 % der Verwundeten in diesem Jahr verantwortlich. 6.1.2.2 Selbstmordattentate Im gesamten Untersuchungszeitraum 1970–2014 gab es 3.867 Anschläge, die laut der Datenbank als Selbstmordattentate gelten, dies entspricht 2,68 % aller Anschläge der Datenbank (siehe Abbildung 40). Abbildung 41 zeigt die Entwicklung der jährlichen Anzahl an Selbstmordattentaten für den gesamten Zeitraum 1970–2014. Bis einschließlich 1980 wurde in der Datenbank kein Selbstmordattentat verzeichnet. Bis 1992 blieb die Anzahl im unteren einstelligen Bereich mit Ausnahme des Jahres 1985, in dem es 15 Selbstmordattentate gab. Alle 15 Selbstmordattentate fanden über das Jahr verteilt im Libanon während des Bürgerkriegs statt. Zwischen 1993 und 2003 blieben die Selbstmordattentate im zweistelligen Bereich. Die Werte stiegen im Verlauf dieser 10 Jahre von 11 Anschlägen 1994 bis zu 83 im Jahr 2003 mit leichten Schwankungen immer weiter an. Das Jahr 1993 sticht mit 84 Anschlägen heraus. Hierbei handelt es sich jedoch nicht um 645 Vgl. National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism 2015 a, 2001091100 04/200109110005/201406150063. Abbildung 40: Anteil der Selbstmordattentate an allen Anschlägen, 1970–2014 (n=144.201). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 237 Deskriptive Auswertung eine gesicherte Zahl aus der Datenbank, sondern eine Schätzung. Die ursprünglich angegebene Menge in Höhe von 12 Anschlägen wurde mit dem Faktor 7,02 multipliziert, um den Näherungswert für das Jahr 1993 zu erhalten. Im Jahr 2004 überschritt die Anzahl der Selbstmordattentate mit 112 zum ersten Mal die Schwelle von 100 Anschlägen und stieg danach weiter auf 203 Anschläge im Jahr 2005, fiel dann in 2006 wieder auf 173 Anschläge, um im Folgejahr wieder auf 359 anzusteigen. Bis 2010 fielen die Werte ein letztes Mal dann wieder bis auf 168 Anschläge. Seit 2011 stiegen die Werte kontinuierlich an bis auf den höchsten Wert von 733 Anschlägen im Jahr 2014. Die durchschnittliche Anzahl von Selbstmordattentaten pro Jahr für den gesamten Untersuchungszeitraum lag mit 86 Anschlägen bei 2,11 %. Die Entwicklung des prozentualen Anteils der Selbstmordattentate an allen Anschlägen zeigt jedoch, dass nicht die Jahre 2012 bis 2014 mit 4,41 % bis 5,24 % Anteil herausragende Werte darstellten, sondern der Zeitraum von 2002 bis 2007. Besonders die Jahre 2007 mit 11,15 %, 2005 mit 10,12 % und 2004 mit 9,69 % lagen mit den höchsten Werten weit über dem Durchschnitt des gesamten Untersuchungszeitraums in Höhe von 2,68 %. Bis 1992 lag der Anteil der Selbstmordattentate auf einem niedrigen Level von maximal 0,18 % im Jahr 1983. Zwischen 1993 und 2001 lagen die Werte auf einem mittleren Level zwischen 0,33 % (1994) und 2,81 % (2001). Nach den Ausnahmejahren 2002 bis 2007 pendelten sich die Werte auf einen Stand zwischen 3,56 % (2010) und 5,24 % (2013) ein (siehe Abbildung 42). Abbildung 41: Jährlich Anzahl von Selbstmordattentaten, 1970–2014 (n=144.201). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 238 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus 6.1.2.3 Massenvernichtungswaffen Insgesamt gab es 301 Anschläge bei denen einer der Waffentypen einer Massenvernichtungswaffe entsprach. Hierzu wurde für jedes Jahr die Summe der Waffentypen in Form der Ausprägungen 1–4 aus den vier Variablen gebildet. In keinem Jahr kam es vor, dass bei mehr als einer der vier Variablen einer der Waffentypen eine Massenvernichtungswaffe war. Bei 11.165 Anschlägen war keine Angabe zum Waffentyp in der Datenbank hinterlegt, womit sich die Grundgesamtheit bei dieser Auswertung auf 133.036 Anschläge beschränkt. Die 11.165 Anschläge, zu denen keine Informationen über den eingesetzten Waffentyp vorliegen, entsprechen 7,74 % der Anschläge der Datenbank. Der Anteil liegt mit 8,31 % (4.458 Anschläge) im Zeitraum I etwas höher als mit 7,41 % (6.707 Anschläge) im Zeitraum II (siehe Abbildung 43). Abbildung 42: Jährlicher Anteil von Selbstmordattentaten, 1970–2014 (n=144.201). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. Abbildung 43: Übersicht Anschläge mit Massenvernichtungswaffen nach Waffentypen. Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 239 Deskriptive Auswertung Abbildung 44 zeigt die Entwicklung der Anschläge mit Massenvernichtungswaffen pro Jahr. In acht Jahren des gesamten Zeitraums konnte kein Einsatz von Massenvernichtungswaffen nachgewiesen werden. Die höchste Anzahl von Einsätzen fand sich in den Jahren 2001 mit 26 Einsätzen, 2012 mit 21 Einsätzen und 2014 mit 20 Einsätzen. Bis 1997 blieben die Werte schwankend auf einem niedrigen Niveau von maximal 5 Anschlägen pro Jahr mit einzelnen leicht erhöhten Werten in den Jahren 1978 (11), 1984 (8), 1992 (9) und 1995 (13). Von 1998 bis 2003 waren zum ersten Mal in Folge mehrere Jahre hintereinander höhere Werte zu verzeichnet. In den Jahren 2004 bis 2006 gingen sie dagegen wieder auf maximal 5 Anschläge pro Jahr zurück, um sich von 2007 bis 2010 auf einem mittleren Niveau zu halten. Nach einem niedrigen Wert im Jahr 2011 von 3 Anschlägen waren die Werte in den letzten 3 Jahren des erfassten Zeitraums erneut auf ein vergleichsweise hohes Niveau mit 21, 17 und 20 Anschlägen wieder angestiegen. Durchschnittlich gab es im gesamten Untersuchungszeitraum 6,69 Anschläge mit Massenvernichtungswaffen pro Jahr, was einem durchschnittlichen Anteil von 0,33 % aller Anschläge pro Jahr entspricht. Bei der Betrachtung des Anteils der Anschläge mit Massenvernichtungswaffen an allen Anschlägen relativieren sich die mittleren und hohen Werte ab dem Jahr 2005 und bleiben insgesamt unter einem Anteil von 0,30 % aller Anschläge. In fast allen Jahren steigt der Anteil an Anschlägen, bei denen Massenvernichtungswaffen zum Einsatz kamen nicht über 1,00 %. Eine Ausnahme bildet hier der Zeitraum von 1998 Abbildung 44: Jährliche Anzahl von Anschlägen mit Massenvernichtungswaffen, 1970–2014 (n=133.036 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 240 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus bis 2003. Alle 6 Jahre weisen vergleichsweise hohe Werte auf, die Jahre 1998 mit 1,47 %, 2001 mit 1,47 % und 2003 mit 1,42 % die höchsten Werte. Auch die beiden Jahre 1973 mit 0,97 % und 1978 mit 0,83 % weisen vereinzelte hohe Werte auf, wobei das Jahr 1973 aufgrund der geringen Anschlagszahl mit insgesamt vier Anschlägen mit Massenvernichtungswaffen bereits diesen hohen Wert aufweist (siehe Abbildung 45). Aus den Abbildung 45 und Abbildung 46 ist zu erkennen, dass bei Anschlägen mit Massenvernichtungswaffen vier verschiedenen Waffentypen in Erscheinung treten: Biologische Waffen, chemische Waffen, radioaktive Waffen und nukleare Waffen. Von den 301 Anschlägen wurden 257 Anschläge mit chemischen Waffen verübt, dies entspricht einem Anteil von 85,38 % aller Anschläge mit Massenvernichtungswaffen. 32 Anschläge wurden mit biologischen Waffen ausgeführt, was 10,63 % aller Anschläge mit Massenvernichtungswaffen entspricht und 12 Anschläge mit radioaktiven Waffen, was 3,99 % entspricht. Bei keinem der 301 Anschläge kam eine nukleare Waffe zum Einsatz (siehe Abbildung 46). Betrachtet man in Abbildung 47 die Verteilung der Anschläge mit Massenvernichtungswaffen nach Waffentypen über den gesamten Untersuchungszeitraum, lässt sich feststellen, dass sich die Verteilung der biologischen und radioaktiven Massenvernichtungswaffen hauptsächlich auf zwei Jahre konzentrieren: zehn der zwölf Anschläge mit radioaktiven Waffen fielen auf das Jahr 2000 und die Hälfte der Anschläge mit biologischen Waffen auf das Jahr 2001. In beiden Jahren stand die Abbildung 45: Jährlicher Anteil von Anschlägen mit Massenvernichtungswaffen, 1970–2014 (n=133.036 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 241 Deskriptive Auswertung Anhäufung der Anschläge in einem Zusammenhang. Die 10 Anschläge mit radioaktivem Material 2000 konnten alle einer einzigen Person, Tsugio Uchinishi zugeordnet werden. Es handelte sich um Anschläge mit radioaktivem Monazit Pulver, die innerhalb weniger Tage stattfanden und Mitglieder der japanischen Regierung zum Ziel hatten.646 Die 16 Anschläge mit biologischen Waffen im Jahr 2001 waren Anschläge, bei denen Personen mit Anthrax angegriffen wurden. Sie konzentrieren sich auf die zwei Monate nach den Anschlägen am 11.09.2001 auf das World Trade Center, das Pentagon und das Weiße Haus. 12 der 16 Anschläge fanden in den USA statt. Im Gegensatz zu den Anschlägen in Japan kam es bei diesen Anschlägen zu mehreren Verwundeten und Toten.647 646 Vgl. The Japan Times 2000. 647 Vgl. United States Department of Justice 2010. Abbildung 46: Anteile von Anschlägen mit chemischen, biologischen und radioaktiven Waffen an allen Anschlägen mit Massenvernichtungswaffen, 1970–2014 (n=301). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 242 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus 6.1.3 Undifferenzierte Opferwahl: zivile Opfer Mit 2.893 Anschlägen lag der Anteil der unbekannten Anschläge mit 2,01 % im Vergleich zu den unbekannten Werten der anderen Auswertungen relativ niedrig. Wie bei der Auswertung zu den Waffentypen war der Anteil der unbekannten Anschläge im Zeitraum II höher als im Zeitraum I. Im Zeitraum I betrug der Anteil mit 322 Anschlägen 0,60 % aller Anschläge, im Zeitraum II mit 2.571 Anschlägen 2,84 % aller Anschläge (siehe Abbildung 48). Der hohe Wert des Zeitraums II war vor allem den Jahren 1995–1997 und 2012–2014 geschuldet, in denen der Anteil mit Werten zwischen 3,46 % (1995) und 5,75 % (1996) höher als in den übrigen Jahren lag. Abbildung 47: Jährliche Anzahl von Anschlägen mit Massenvernichtungswaffen differenziert nach Waffentypen, 1970–2014 (n=133.036 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. Abbildung 48: Übersicht Anschläge nach Anschlagszielen. Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 243 Deskriptive Auswertung Durch den Wegfall der 2.893 unbekannten Anschläge blieb für die Auswertung der Opfertypen in Form ziviler oder nicht-ziviler Opfer eine Grundgesamtheit von 141.308 Anschlägen übrig. Von diesen 141.308 Anschlägen verzeichneten für den gesamten Untersuchungszeitraum 1970–2014 53,17 % der Anschläge zivile Opfer, 46,51 % der Anschläge keine zivilen Opfer und 0,36 % sonstige Opfer648, wie in Abbildung 49 dargestellt. Die höchste Anzahl von Anschlägen mit zivilen Opfern gab es mit 7.107 Anschlägen im Jahr 2014, die niedrigste Anzahl gab es im Jahr 1971 mit 335 Anschlägen. Bis zum Jahr 1978 blieb die Anzahl der Anschläge mit zivilen Opfern unter 1.000. Zwischen 1979 und 1993 stieg die Anzahl weiter leicht schwankend bis auf 2.779 Anschläge im Jahr 1993 an. Diese Phase wurde gefolgt von einem leichten Rückgang der Anschlagszahlen in den nächsten vier Jahren zwischen 1994 und 1997. Im Jahr 1998 sank die Anzahl der Anschläge plötzlich von 1.801 auf 564, stieg dann wieder bis 2001 auf 1.137 an, um erneut bis 2004 auf 550 Anschläge abzusinken. Seit dem Jahr 2005 mit 876 Anschlägen stieg die Anzahl der Anschläge leicht schwankend bis 2014 an (siehe Abbildung 50). Durchschnittlich gab es 1.668 Anschläge mit zivilen Opfern pro Jahr für den gesamten Untersuchungszeitraum 1970–2014, was einem Durchschnitt von 55,27 % pro Jahr entspricht. 648 Für die Kategorie „sonstige“ liegt in der Datenbank keine Information vor, ob es sich um Anschläge mit zivilen Opfern oder ohne zivile Opfer handelt. Abbildung 49: Anteil von Anschlägen mit zivilen Opfern an allen Anschlägen, 1970–2014 (n=141.372, ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 244 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus Die Entwicklung der Anteile über den gesamten Untersuchungszeitraum 1970–2014 unterscheidet sich dagegen von der Entwicklung der absoluten Anzahl an Anschlägen mit zivilen Opfern. Über den gesamten Untersuchungszeitraum waren die Werte vergleichsweise stabil und unterlagen nur wenigen leichten Schwankungen. Der Anteil von Anschlägen mit zivilen Opfern an allen Anschlägen lag im Jahr 2009 mit einem Wert von 66,74 % an allen Anschlägen am höchsten. Der niedrigste Wert lag im Jahr 2012 mit 41,45 %. Zwischen 1970 und 1996 bewegen sich die Werte schwankende zischen 50 % und 60 % mit wenigen Ausnahmen. In den Jahren 1974 (64,15 %), 1975 (62,94 %) und 1977 (65,69 %) gab es geringe Abweichungen nach oben und im Jahr 1983 mit 48,82 % eine geringe Abweichung nach unten. Von 1997 bis 2002 bewegten sich die Werte in einem etwas höheren Niveau zwischen 56,82 % (2002) und 62,47 % (1997). Ab 2003 fielen die Werte dann für drei Jahre auf knapp unter 50 %, um dann bis 2009 auf den höchsten Wert von 66,74 % anzusteigen. Hervorzuheben sind die Jahre 2012 bis 2014, die mit 41,45 %, 42,15 %, 45,28 % die drei niedrigsten Anteile von Anschlägen mit zivilen Opfern für den gesamten Untersuchungszeitraum auswiesen (siehe Abbildung 51). Abbildung 50: Jährlich Anzahl von Anschlägen mit zivilen Opfern, 1970–2014 (n=141.372 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 245 Deskriptive Auswertung 6.1.4 Netzwerkartigkeit: Internationalisierung Logistisch-international Von den 144.201 Anschlägen der Datenbank war bei 78.270 Anschlägen nichts über die logistische Internationalität der Anschläge bekannt, was einem Anteil von 54,28 % entspricht. Wie bei der Auswertung zu den Waffentypen und zivilen Opfern war der Anteil der unbekannten Anschläge im Zeitraum II höher als im Zeitraum I. Mit 58.713 unbekannten Anschlägen war der Anteil von 64,85 % im Zeitraum II fast doppelt so hoch wie mit 36,45 % im Zeitraum I. Besonders in den Jahren 1995–1997 und ab dem Jahr 2006 lag der Anteil der unbekannten Anschläge bei über 60 %. Im Jahr 2013 lag der Anteil mit 75,51 % am höchsten. Über den Grund der hohen Werte an unbekannten Anschlägen lassen sich keine gesicherten Aussagen treffen, da diese sich aus den Nationalitäten der terroristischen Organisationen ergeben, diese jedoch nicht in der Datenbank als offene Variablen hinterlegt sind. Ein steigender Anteil an Einzeltätern, für die keine Nationalität definiert wurde, wäre eine mögliche Erklärung. Die 78.720 unbekannten Anschläge wurden nicht mit in die Auswertungen einbezogen, daher ergibt sich für die Auswertung im Folgenden eine Grundgesamtheit von 65.931 Anschlägen (siehe Abbildung 52). Abbildung 51: Jährlicher Anteil von Anschlägen mit zivilen Opfern, 1970–2014 (n=141.372, ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 246 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus Von den 65.931 Anschlägen, zu denen Informationen zur logistischen Internationalität vorlagen, gab es 5.518 Anschläge im gesamten Untersuchungszeitraum 1970– 2014, die in der Datenbank als logistisch-international ausgewiesen wurden. Dies entspricht 8,37 % der 65.931 Anschläge. Die restlichen nicht logistisch-internationalen 60.413 Anschläge entsprachen einem Anteil von 91,63 % (siehe Abbildung 53). Abbildung 54 zeigt die Entwicklung der Anzahl der logistisch-internationalen Anschläge pro Jahr. Im Jahr 2014 gab es mit 339 Anschlägen die meisten logistisch-interna- Abbildung 52: Übersicht Anschläge nach logistischer Internationalität. Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. Abbildung 53: Anteil von logistisch-internationalen Anschlägen an allen Anschlägen, 1970–2014 (n=65.931 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 247 Deskriptive Auswertung tionalen Anschläge, im Jahr 1971 mit 23 Anschlägen die wenigsten. Auch das Jahr 1979 sticht mit einem hohen Wert von 324 Anschlägen aus der Auswertung hervor. Mit 102 Anschlägen gingen fast ein Drittel der 324 Anschläge in diesem Jahr auf palästinensische terroristische Organisationen zurück, die in Israel aktiv waren. Die Entwicklung der Anschlagszahlen verlief über den gesamten Zeitraum wellenförmig. Zunächst gab es eine Phase des Anstiegs von 1970 mit 35 Anschlägen bis auf 236 Anschläge im Jahr 1983, gefolgt von einem Rückgang bis 1988 auf 86 Anschläge. Auf diese erste Welle folgte erneut ein Anstieg bis 1992 auf 257 Anschläge und dem anschließenden Rückgang auf 40 Anschläge im Jahr 1998. An diese zwei grö- ßeren Wellen schloss sich eine weitere kleine Welle an. Von 1998 bis 2001 stiegen die Anschläge wieder auf 128 an, um bis 2004 wieder auf 38 abzusinken. Seit 2005 stiegen die Werte wieder schwankend leicht an, mit einem großen Sprung von 113 Anschlägen im Jahr 2013 auf 339 Anschläge im Jahr 2014. Durchschnittlich gab es im gesamten Untersuchungszeitraum durchschnittlich 123 logistisch-internationale Anschläge pro Jahr, was einem durchschnittlichen Anteil von 10,18 % pro Jahr entspricht. Abbildung 55 zeigt die Entwicklung des Anteils von logistisch-internationalen Anschlägen an allen 65.931 Anschlägen über den gesamten Untersuchungszeitraum 1970– 2014. Der höchste anteilige Wert von logistisch-internationalen Anschlägen lag im Jahr 1974 bei 23,57 %. Der niedrigste Wert lag im Jahr 1988 bei 3,26 %. Die Entwicklung des Anteils unterscheidet sich stark von der Entwicklung der absoluten Anzahl Abbildung 54: Jährliche Anzahl von logistisch-internationalen Anschlägen, 1970–2014 (n=65.931 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 248 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus an logistisch-internationalen Anschlägen. Vor allem der Zeitraum 1970–1978 und das Jahr 2014 weisen abweichende Werte auf. Während bei den absoluten Zahlen die Werte der Jahre 1970–1978 zu den niedrigeren zählten, gehören hingegen bei den Anteilen die Werte dieses Zeitraums mit zu den höchsten. Bis 1983 bleiben die Werte auf einem hohen Niveau von über 10 %, mit einer Ausnahme im Jahre 1971 von 8,46 %. 1984 sank der Anteil der logistisch-internationalen Anschläge stark auf 4,67 % ab. Ab 1990 stabilisierten sich die Werte wieder etwas und schwankten bis 2009 auf einem mittleren Niveau zwischen 6,77 % (1991/2009) und 10,08 % (1999). Hierbei bildeten die Jahre 1995 mit 16,30 %, 2001 mit 13,81 % und 2002 mit 13,54 % Ausnahmen mit höheren Werten. Mit 99 Anschlägen gingen mehr als die Hälfte der 179 Anschläge im Jahr 1995 auf die in Deutschland aktive Kurdische Arbeiter Partei PKK zurück. Zwischen 2010 und 2013 kam es zu einem weiteren leichten Rückgang des Anteils an logistisch-internationalen Anschlägen bis auf 3,89 % im Jahr 2013. Das Jahr 2014 befindet sich mit 6,85 % Anteil im Vergleich zu den absoluten Zahlen eher im unteren Bereich. Ideologisch-international Da sich die unbekannten Werte aus der Nationalität der terroristischen Organisationen ergeben, sind die Werte der Auswertung zur ideologischen Internationalität nahezu identisch mit den in Abbildung 52 dargestellten Werten der unbekannten Anschläge der ideologischen Internationalität. Der Wert liegt bei 78.398 Anschlägen, Abbildung 55: Jährlicher Anteil von logistisch-internationalen Anschlägen, 1970–2014 (n=65.931 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 249 Deskriptive Auswertung mit 54,37 % nur um 0,09 Prozentpunkte höher als in der vorangegangenen Auswertung. Entsprechend ist auch die Verteilung der unbekannten Werte nahezu identisch. Auch hier wurden die 78.398 unbekannten Anschläge nicht mit in die Auswertungen einbezogen, daher ergibt sich für die Auswertung im Folgenden eine Grundgesamtheit von 65.803 Anschlägen (siehe Abbildung 56). Im Vergleich zu den Anschlägen mit logistischer Internationalität lag der Anteil der Anschläge mit ideologischer Internationalität an allen Anschlägen fast doppelt so hoch. Von den 65.803 Anschlägen waren 19,72 % ideologisch-internationale Anschläge, 80,28 % waren keine ideologisch-internationalen Anschläge (siehe Abbildung 57). Abbildung 56: Übersicht Anschläge nach ideologischer Internationalität. Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. Abbildung 57: Anteil von ideologisch-internationalen Anschläge an allen Anschlägen, 1970–2014 (n=65.803 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 250 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus In Abbildung 58 wird die Entwicklung der Anzahl der ideologisch-internationalen Anschläge pro Jahr dargestellt. Im Jahr 2014 gab es mit 1.107 Anschlägen die meisten logistisch-internationalen Anschläge, im Jahr 1972 mit 80 Anschlägen die wenigsten Anschläge. Die Anzahl der Anschläge stieg zunächst von 115 Anschlägen im Jahr 1970 auf 384 Anschläge im Jahr 1979 an. Danach schwankten die Werte zwischen 1980 und 1995 auf einem mittleren Level zwischen 289 Anschlägen (1982) und 446 Anschlägen (1993). Danach folgte ein Zeitraum zwischen 1996 und 2011, auf dem die Werte auf einem niedrigeren Level zwischen 139 Anschlägen (2007) und 282 Anschlägen (2008) schwankten. Eine Ausnahme bildete hierbei das Jahr 2000 mit 309 Anschlägen. In den Jahren 2012, 2013 und 2014 waren die Werte mit 686, 568 und 1.107 Anschlägen am höchsten. Durchschnittlich gab es im gesamten Untersuchungszeitraum 288 ideologisch-internationale Anschläge pro Jahr, was einem durchschnittlichen Anteil von 23,00 % pro Jahr entspricht. Abbildung 59 zeigt die Entwicklung des Anteils von ideologisch-internationalen Anschlägen an allen 65.803 Anschlägen über den gesamten Untersuchungszeitraum 1970–2014. Der höchste anteilige Wert von logistisch-internationalen Anschlägen lag im Jahr 1970 bei 46,56 %. Der niedrigste Wert lag im Jahr 2009 bei 12,04 %. Ähnlich wie bei der Entwicklung der Anteile logistisch-internationaler Anschläge waren die Werte zwischen 1970 und 1982 am höchsten, gefolgt von einem Zeitraum von 1983 bis 1992 mit niedrigen Werten. Danach stiegen die Werte bis Anfang der 2000er Jah- Abbildung 58: Jährliche Anzahl von ideologisch-internationalen Anschlägen, 1970–2014 (n=65.803 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 251 Deskriptive Auswertung re wieder an, um anschließend wieder abzusinken. Insgesamt waren die Werte mit durchschnittlich 19,72 % jährlichem Anteil für den gesamten Untersuchungszeitraum 1970–2014 jedoch wesentlich höher als bei den Anteilen der logistisch-internationalen Anschläge mit einem durchschnittlichen jährlichen Anteil von 8,37 %. Des Weiteren sind die Unterschiede der einzelnen Abschnitte weniger extrem ausgeprägt, was zu einer flacheren Verlaufskurve führt. Während in diesem Fall die Werte von 1993 bis 2005 zwischen 19,73 % (1993) und 34,58 % (1999) ähnlich hoch waren wie die Werte bis 1982 (zwischen 20,91 % im Jahr 1982 und 35,00 % im Jahr 1974), fällt bei den Anteilen der logistisch-internationalen Anschläge vor allem der erste Zeitabschnitt bis 1983 durch besonders hohe Werte auf. Auch ist der mittlere Abschnitt mit den niedrigen Werten mit 10 Jahren etwas länger, dafür sind im Verhältnis die Werte zwischen 12,18 % (1988) und 18,75 % (1986) etwas höher. Ein auffällig hoher Wert findet sich im Jahr 1970 mit einem Anteil von ideologisch-internationalen Anschlägen von 46,56 %, der jedoch nicht durch eine einzige terroristische Organisation oder einen speziellen Ort bedingt wurde. Gemischt-international Da die Anzahl der unbekannten Anschläge bei den gemischt-internationalen Anschlägen durch die fehlende Information über die Nationalität der Opfer zustande kommt und diese Information in der vorliegenden Variablen nicht benötigt wird, ist sie mit Abbildung 59: Jährlicher Anteil von ideologisch-internationalen Anschlägen, 1970–2014 (n=65.803 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 252 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus 478 unbekannten Anschlägen bzw. 0,33 % Anteil an allen Anschlägen von allen drei Variablen am geringsten. Somit bleiben 143.723 Anschlägen als Grundgesamtheit dieser Auswertung übrig (siehe Abbildung 60). Von den 143.723 Anschlägen, zu denen Informationen zur gemischten Internationalität vorlagen, gab es 18.477 Anschläge im gesamten Untersuchungszeitraum 1970– 2014, die in der Datenbank als gemischt-international ausgewiesen wurden. Dies entspricht 12,86 % der 143.723 Anschläge. Die restlichen nicht gemischt-internationalen 125.246 Anschläge entsprachen einem Anteil von 87,14 % (siehe Abbildung 61). Abbildung 60: Übersicht Anschläge nach gemischter Internationalität. Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. Abbildung 61: Anteil von gemischt-internationalen Anschläge an allen Anschlägen, 1970–2014 (n=143.723). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 253 Deskriptive Auswertung Abbildung 62 zeigt die Entwicklung der jährlichen Anzahl an gemischt-internationalen Anschlägen für den gesamten Untersuchungszeitraum 1970–2014. Die höchste Anzahl pro Jahr gab es im Jahr 2014 mit 1.023 Anschlägen, die niedrigste Anzahl pro Jahr gab es im Jahr 2002 mit 125 Anschlägen. Nach zwei niedrigen Werten in den Jahren 1970 und 1971 mit 152 und 176 Anschlägen, schwankten die Anschläge von 1972 bis 1990 zwischen 285 (1978) und 532 (1983) Anschlägen. Von 1991 bis 1994 waren die Anschläge auf einem auffallend hohen Niveau zwischen 635 (1993) und 820 Anschlägen (1992) und sanken danach schwankend bis auf 125 Anschläge im Jahr 2002 ab. Zwischen 2003 und 2011 stiegen die Werte wieder leicht an, blieben aber zwischen 189 (2009) und 278 (2011) Anschlägen. Eine Ausnahme hierbei bildete das Jahr 2008 mit 399 Anschlägen. In den letzten drei Jahren ab 2012 waren die Werte mit 870, 823 und 1.023 Anschlägen auf dem höchsten Niveau des gesamten Untersuchungszeitraums. Die durchschnittliche Anzahl an gemischt-internationalen Anschlägen pro Jahr lag mit 411 Anschlägen bei 20,37 %. Die Entwicklung der Anteile gemischt-internationaler Anschläge an allen Anschlägen pro Jahr im Untersuchungszeitraum 1970–2014 unterscheidet sich jedoch stark von der zahlenmäßigen Entwicklung der gemischt-internationalen Anschläge. Hier liegen die höchsten Anteile nicht in der Mitte oder am Ende des Untersuchungszeitraums, sondern zwischen 1970 und 1977 (siehe Abbildung 63). Besonders die Jahre 1972 bis 1976 fallen durch besonders hohe Werte zwischen 50,98 % (1975) und 77,94 % Abbildung 62: Jährliche Anzahl von gemischt-internationalen Anschlägen, 1970–2014 (n=143.723 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 254 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus (1972) auf. Knapp 50 % der Anschläge aus diesen fünf Jahren lassen sich jedoch dem Konflikt in Nordirland zuordnen. Mit dem Auslaufen des Nordirlandkonfliktes 1977 fielen die Werte auf nur noch 32,20 %. Ab dem Jahr 1978 waren sie schließlich mit 18,94 % auf einem niedrigen Niveau und blieben bis 2005 auch unter der 20 %-Marke. Drei kleinere Ausnahmen bildeten die Jahre 1994 mit 20,95 %, 1998 mit 22,45 % und 1999 mit 24,31 %. Ab dem Jahr 2006 fiel der Anteil dann dauerhaft unter 10 %, außer in 2012, wo er mit 10,33 % leicht darüber lag. Gesamt-international Die vierte Variable zur Internationalität setzt sich aus den drei einzelnen Variablen „logistisch-international“, „ideologisch-international“ und „gemischt-international“ zusammen. Von den 144.201 Anschlägen der Datenbank waren bei 70.300 Anschlägen keine Angaben über die gesamte Internationalität der Anschläge bekannt, was einem Anteil von 48,75 % entspricht. Der hohe Wert der Anschläge, zu denen keine Information zur Internationalität vorliegt, ergibt sich daraus, dass alle Anschläge, bei denen die Ausprägung einer der drei Variablen „nicht-international“ und bei mindestens einer weiteren Variablen „unbekannt“ ist, zu den unbekannten Anschlägen gezählt wurden, da diese theoretisch doch international sein könnten. Ähnlich wie bei den einzelnen Auswertungen zur logistischen Internationalität und ideologischen Internationalität gab es im Zeitraum II mit 59,57 % Anteil deutlich mehr unbekannte Anschläge als im Zeitraum I mit einem Anteil von 30,49 %. Vor allem ab dem Abbildung 63: Jährlicher Anteil von gemischt-internationalen Anschlägen, 1970–2014 (n=143.723 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 255 Deskriptive Auswertung Jahr 2006 war der Anteil der unbekannten Anschläge besonders hoch. Im Jahr 2013 lag der Anteil mit 71,40 % am höchsten. Die 70.300 unbekannten Anschläge wurden nicht mit in die Auswertungen einbezogen, daher ergibt sich für die Auswertung im Folgenden eine Grundgesamtheit von 73.901 Anschlägen (siehe Abbildung 64). Von den 73.901 Anschlägen, zu denen Informationen zur gesamten Internationalität vorlagen, gab es 26.737 Anschläge im gesamten Untersuchungszeitraum 1970–2014, die in der Datenbank als gesamt-international ausgewiesen wurden. Dies entspricht 36,18 % der 73.901 Anschläge. Die restlichen nicht gesamt-internationalen 47.164 Anschläge entsprachen einem Anteil von 63,82 % (siehe Abbildung 65). Abbildung 64: Übersicht Anschläge nach gesamter Internationalität. Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. Abbildung 65: Anteil der gesamt-internationalen Anschläge an allen Anschlägen, 1970–2014 (n=73.901 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 256 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus Abbildung 66 zeigt die Entwicklung der Anzahl der gesamt-internationalen Anschläge pro Jahr. Im Jahr 2014 gab es mit 1.708 Anschlägen die meisten gesamt-internationalen Anschläge, im Jahr 1970 mit 189 Anschlägen die wenigsten. Das Jahr 1979 sticht mit einem hohen Wert von 893 Anschlägen hervor, ebenso wie die Jahre 2012 mit 1.218 Anschlägen und 2013 mit 1.107 Anschlägen. Der hohe Wert aus dem Jahr 1979 geht bei der Auswertung der gesamt-internationalen Anschläge jedoch nicht mehr hauptsächlich auf palästinensische terroristische Organisationen zurück, sondern vor allem auf den Konflikt in Nordirland mit der IRA und den Konflikt in Spanien mit der ETA. Von 1970 bis 1983 gibt es insgesamt einen schwankenden Anstieg der gesamt-internationalen Anschläge bis auf 726 Anschläge im Jahr 1983. Bis 1990 gehen die Werte leicht wieder schwankend auf 667 Anschläge zurück. Nach vier Jahren von 1991–1994 mit höheren Werten fallen die Werte wieder und bleiben bis 2011 auf einem niedrigen Niveau zwischen 264 (2002) und 652 (1995) Anschlägen. Die Jahre 2012, 2013 und 2014 verzeichneten mit 1.218, 1.107 und 1.708 Anschlägen auffällig hohe Werte. Durchschnittlich gab es 594 logistisch-internationale Anschläge pro Jahr, was einem durchschnittlichen Anteil von 43,42 % pro Jahr entspricht. Abbildung 67 zeigt die Entwicklung des Anteils von gesamt-internationalen Anschlägen an allen 73.901 Anschlägen über den gesamten Untersuchungszeitraum 1970– 2014. Den höchsten anteiligen Wert von gesamt-internationalen Anschlägen gab es im Jahr 1972 mit 91,05 %. Der niedrigste Wert lag im Jahr 2009 bei 18,04 %. Die Ver- Abbildung 66: Jährliche Anzahl von gesamt-internationalen Anschlägen, 1970–2014 (n= 73.901 ohne n.a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 257 Deskriptive Auswertung teilung der Jahresdurchschnittswerte der gesamt-internationalen Anschläge ähnelt am meisten der Verteilung der Jahresdurchschnittswerte der ideologischen-internationalen Anschläge. Auch hier finden sich die höchsten Werte in den siebziger Jahren und in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre, allerdings liegt hier nicht das Jahr 1970 an der Spitze, sondern die Jahre 1972–1974. Nach diesen Jahren mit hohen Anteilen an gesamt-internationalen Anschlägen fallen die Werte bis auf 22,26 % im Jahr 1988 um dann wieder bis 1998 auf 54,53 % anzusteigen und erneut wieder bis 2009 auf 18,04 % abzufallen. Im Anschluss gibt es nur einen leichten Anstieg bis 2012 auf 35,18 %, der aber bis 2014 wieder auf 31,25 % leicht zurückgeht. 6.1.5 Religiosität: religiöse Ideologie Abbildung 68 gibt einen ersten Überblick über die Verteilung der Anschläge nach ihren jeweiligen Ideologien. Von den 144.201 Anschlägen konnten 60.930 Anschlägen Angaben über die jeweiligen Ideologien der ausführenden terroristischen Organisation zugeordnet werden. Zu 83.185 Anschlägen gibt es aufgrund der Auswahl von Tätern durch das Konzentrationsprinzip – bei dem nur terroristische Organisationen mit mehr als 10 Anschlägen ausgewählt wurden – keine Angabe zur Ideologie. Bei 86 Anschlägen waren die terroristischen Organisationen ausgewählt und bekannt, aber die Ideologie nicht zuordenbar. Insgesamt war der Anteil der unbekannten Anschläge im Zeitraum II höher als im Zeitraum I. Im Zeitraum I betrug Abbildung 67: Jährlicher Anteil von gesamt-internationalen Anschlägen, 1970–2014 (n=143.723 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 258 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus der Anteil mit 24.616 Anschlägen 29,56 % aller Anschläge, im Zeitraum II mit 58.655 Anschlägen 70,44 % aller Anschläge. Von den 60.930 Anschlägen hatten mit 25.000 Anschlägen bzw. 41,03 % die meisten Anschläge eine links-sozialrevolutionäre Ideologie. 17.320 Anschläge bzw. 28,43 % der Anschläge hatten eine religiöse Ideologie. Ähnlich hoch war mit 16.076 Anschlägen bzw. 26,38 % der Anteil von Anschlägen mit einer nationalistisch-separatistische Ideologie. Nur 2.070 Anschläge bzw. 3,40 % hatten eine rechts-konservative Ideologie und 462 Anschläge bzw. 0,76 % besaßen sonstige Ideologien (siehe Abbildung 69). Abbildung 68: Übersicht ideologische Anschläge nach Ideologien. Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. Abbildung 69: Anteil von Anschlägen nach Ideologien unterteilt an allen Anschlägen mit Ideologie, 1970–2014 (n= 60.930 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 259 Deskriptive Auswertung In Abbildung 70 wird die Entwicklung der jährlichen Anzahl von Anschlägen, unterteilt nach den einzelnen Ideologien, über den gesamten Untersuchungszeitraum 1970–2014 dargestellt. Die geringste Anzahl von Anschlägen einer Ideologie stellen die 462 Anschläge der sonstigen Ideologien dar. Zwischen 1970 und 1986 gab es bis auf das Jahr 1984 mit einem Anschlag keine Anschläge, ebenso nicht im Jahr 1994. Zwischen 1987 und 2013 schwankten die Werte zwischen zwei und 30 Anschlägen jährlich, mit zwei Ausnahmen: die höchste Anzahl von Anschlägen gab es im Jahr 1989 mit 99 Anschlägen und im Jahr 2014 mit 62 Anschlägen. Die Entwicklung der 2.072 Anschläge mit rechts-konservativen Ideologien gestaltete sich dagegen über den Untersuchungszeitraum etwas anders. Von 1970 bis 1972 gab es nur Anschlagszahlen im einstelligen Bereich, zwischen 1973 und 1982 befanden sich diese bereits im zweistelligen Bereich und stiegen danach im Jahr 1983 auf den höchsten Wert von 298 Anschlägen an. Bis 1987 blieben die Werte auf diesem hohen Niveau, um darauf bis 1995 wieder auf acht Anschläge abzusinken. Ab dem Jahr 1993 schwankten die Werte im unteren Bereich zwischen null und fünf Anschlägen pro Jahr, unterbrochen von einzelnen Jahren mit höheren Werten: 1996 und 1997 lagen die Werte bei 21 bzw. 22 Anschlägen, in den Jahren 2000 und 2001 bei 18 bzw. 39 Anschlägen, 2008 bei 18 Anschlägen und 2013 und 2014 bei 44 bzw. 24 Anschlägen. Die Entwicklung der Anzahl von Anschlägen mit national-separatistischer Ideologie unterscheidet sich von den Anschlägen mit rechts-konservativer Ideologie dadurch, dass ihre Hochzeit nicht Mitte der achtziger Jahre lag, sondern Ende der achtziger bis Anfang der neunziger Jahre. Zunächst begann die Entwicklung mit dem niedrigsten Werte von 51 Anschlägen im Jahr 1970 und dem zweitniedrigsten Wert von 110 Anschlägen im Jahr 1971. Danach stiegen die Werte bis auf einen auffällig hohen Wert von 660 Anschlägen im Jahr 1979 an und sanken danach leicht schwankend wieder bis 1986 auf 223 Anschläge ab. Ab 1987 stieg die Anzahl der Anschläge bis auf den höchsten Wert im Jahr 1993 von 1.291 Anschlägen erneut an.649 Bis 1998 sank der Wert dann wieder auf 135 Anschläge pro Jahr ab. Von da an schwankten die Werte auf einem unteren Niveau zwischen 112 (2004) und 382 (2008) Anschlägen. 2012 gab es einen leichten Sprung auf 495 Anschläge, gefolgt von einem leichten Rückgang 2013 auf 359 Anschläge und einem größeren Sprung im Jahr 2014 auf den höchsten Wert des gesamten Untersuchungszeitraums 19970–2014 mit 1.122 Anschlägen. Die Entwicklung der Kurve der Anschläge mit religiöser Ideologie dagegen zeigt einen eindeutigeren Verlauf. Der niedrigste Wert lag mit einem Anschlag pro Jahr im Jahr 1973 und der höchste Wert mit 4.786 Anschlägen im Jahr 2014. Von 1970 bis 649 Dieser Wert aus dem Jahr 1993 ist aufgrund der Anpassung des Ursprungswerts von 184 Anschlägen nicht gesichert, erscheint jedoch im Verlauf möglich, da die Anzahl der Anschläge bis zum Jahr 1992 bereits auf 871 Anschläge angestiegen war. 260 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus 1977 lag die Anzahl der Anschläge auf einem sehr niedrigen Wert bei maximal 20 Anschlägen pro Jahr. Von 1978 bis 1991 erhöhten sich die Werte leicht und schwankten zwischen 22 Anschlägen (1988) und 58 Anschlägen (1980) weiter auf niedrigem Niveau. Erst 1992 gab es einen Sprung auf 204 Anschläge pro Jahr, gefolgt von 568 Anschlägen im Jahr 1993.650 Danach gab es eine kurze Phase, in der die Anschläge bis ins Jahr 1997 nochmals auf 75 Anschläge absanken. Seit 1998 stieg die Anzahl der Anschläge pro Jahr mit religiöser Ideologie leicht, aber stetig schwankend bis auf 846 Anschläge im Jahr 2011. Ähnlich wie bei den Anschlägen mit einer nationalistisch-separatistischen Ideologie gab es einen Sprung im Jahr 2012 auf 2.389 Anschläge bzw. 2.461 Anschläge im Jahr 2013 und einem noch größeren Sprung auf 4.786 Anschläge im Jahr 2014. Die Anzahl der Anschläge mit links-sozialrevolutionärer Ideologie ist mit 25.000 Anschlägen im gesamten Untersuchungszeitraum 1970–2014 am höchsten. Den niedrigsten Wert gab es im Jahr 1972 mit 42 Anschlägen, den höchste Wert im Jahr 1991 mit 1.743 Anschlägen. Von 1970 bis 1991 stieg die Anzahl der Anschläge schwankend von 100 Anschlägen im ersten Jahr 1970 bis auf 1.743 im Jahr 1991 an. Danach ging die Anzahl der Anschläge bis 2007 wieder auf den zweitniedrigsten Wert von 46 Anschlägen im Jahr zurück. 2008 machte die Anzahl der Anschläge nochmal einen leichten Sprung auf 334 Anschläge, stieg bis 2010 auf 724 Anschläge an und ging erneut bis 2012 auf 251 Anschläge zurück. 2013 und 2014 stiegen die Werte wieder leicht auf 458 Anschläge, bzw. 659 Anschläge an. Durchschnittlich gab es im gesamten Untersuchungszeitraum 1970–2014 10 Anschläge mit sonstiger Ideologie pro Jahr, was einem durchschnittlichen Anteil von 0,86 % pro Jahr entspricht. Bei Anschlägen mit einer rechts-konservativen Ideologie waren es 46 Anschläge bzw. ein durchschnittlichen Anteil von 3,18 %. Bei Anschlägen mit einer nationalistisch-separatistischen Ideologie waren es 357 Anschläge bzw. ein durchschnittlicher Anteil von 33,29 %. Bei Anschlägen mit einer religiösen Ideologie waren es 385 Anschläge bzw. 21,79 % und bei Anschlägen mit einer links-sozialrevolutionären Ideologie 556 Anschläge bzw. 40,87 %. Aus Abbildung 71 wird ersichtlich, dass der jährliche Anteil von Anschlägen mit sonstiger Ideologie bis 1986 bei 0,00 % lag, mit Ausnahme des Jahres 1984 mit einem Wert von 0,05 %. Der höchste Anteil lag im Jahr 1999 mit 6,34 %. Zwischen 1987 und 1996 schwankten die Werte im niedrigen bis sehr niedrigen Bereich zwischen 0,48 % (1996) und 1,06 % (1993). Das Jahr 1989 bildete mit einem vergleichsweise hohen Wert von 4,10 % eine Ausnahme. Von 1997 bis 2003 stiegen die Werte wieder auf ein leicht höheres Level zwischen 1,78 % (2002) und 6,34 % (1999). Von 2004 an sanken 650 Dieser Wert aus dem Jahr 1993 ist aufgrund der Anpassung des Ursprungswerts von 184 Anschlägen nicht gesichert. 261 Deskriptive Auswertung die Werte bis 2009 wieder auf 0,13 % ab, mit einem anschließenden leichten Sprung auf 1,74 % im Jahr 2010. Bis einschließlich 2014 blieb der Anteil der Anschläge mit sonstiger Ideologie unter der 1,00 %-Marke. Für den gesamten Untersuchungszeitraum lag der durchschnittliche jährliche Anteil von Anschlägen mit sonstiger Ideologie bei 0,86 %. Der jährliche Anteil von Anschlägen mit rechts-konservativer Ideologie lag bis 1982 auf einem mittleren Level zwischen 0,34 % (1972) und 6,61 % (1974). Im Jahr 1983 gab es einen starken Anstieg auf 16,29 %, der sich bis 1987 auf 11,36 % abschwächte. Nach dieser fünfjährigen Phase mit den höchsten Werten des gesamten Untersuchungszeitraums sanken die Werte schwankend immer weiter ab. Eine letzte Ausnahme bildete das Jahr 2001 mit 5,60 % Anschlägen. Seit 2002 liegt die Zahl der Anschläge auf einem sehr niedrigen Niveau zwischen 0,00 % (2003, 2010 und 2011) und 1,32 % (2013). Ähnlich wie bei der Verlaufskurve der Anzahl von Anschlägen war auch der höchste Anteil an Anschlägen mit rechts-konservativer Ideologie in den achtziger Jahren zu verorten. Für den gesamten Untersuchungszeitraum lag der durchschnittliche jährliche Anteil von Anschlägen mit rechts-konservativer Ideologie bei 3,18 %. Im Vergleich zu den flachen Verlaufskurven der anteiligen Anschläge mit sonstiger oder rechts-konservativer Ideologie entwickelte sich der Anteil von Anschlägen mit nationalistisch-separatistischer Ideologie wellenförmig. Der niedrigste Wert lag im Jahr 2010 mit einem Anteil von 9,80 % an allen Anschlägen. Im Jahr 1970 lag der Anteil noch bei 31,29 %, stieg aber bis 1972 auf den höchsten Wert des gesamten Abbildung 70: Jährliche Anzahl von ideologischen Anschlägen unterteilt nach Ideologien, 1970–2014 (n=60.930 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 262 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus Untersuchungszeitraums von 82,09 %. Danach sanken die Werte bis zum Jahr 1985 auf 12,79 % ab, um bis 1996 wieder auf 48,26 % anzusteigen. 1997 sanken die Werte auf 38,76 %, schwankten dann zwischen 22,00 % (2003) und 42,99 % (2006), um 2007 wieder bei 38,29 % anzukommen. Danach gab es ein starkes Absinken der Werte bis auf 9,80 % im Jahr 2010. Zwischen 2011 und 2014 pendelten sich die Werte auf einem niedrigen Niveau zwischen 10,77 % (2013) und 16,86 % (2014) ein. Für den gesamten Untersuchungszeitraum lag der durchschnittliche jährliche Anteil von Anschlägen mit nationalistisch-separatistischer Ideologie bei 33,29 %. Die Entwicklung der Anteile von Anschlägen mit einer religiösen Ideologie war geprägt von vier unterschiedlichen Phasen, stellt insgesamt über den gesamten Untersuchungszeitraum aber einen Anstieg dar. Zunächst gab es einen Zeitraum von 1970 bis 1991, in dem die Werte auf einem sehr niedrigen Niveau zwischen dem insgesamt niedrigsten Wert im Jahr 1973 von 0,38 % und 6,12 % im Jahr 1980 lagen. Im Jahr 1992 schafften die Werte den Sprung über die 10 %-Marke und blieben bis 2001 auf einem mittleren Wert zwischen 10,06 % (1992) und 31,14 % (2000). Einen weiteren Sprung gab es im Jahr 2002, als die Werte auf 39,64 % anstiegen und bis 2011 auf einem hohen Niveau von bis zu 55,97 % (2007) pendelten. Einen letzten Sprung gab es im Jahr 2012 auf einen Wert von 75,60 %, der bis 2014 leicht auf 71,94 % zurückfiel. Für den gesamten Untersuchungszeitraum lag der durchschnittliche jährliche Anteil von Anschlägen mit religiöser Ideologie bei 21,79 %. Bei den Anteilen der Anschläge mit links-sozialrevolutionärer Ideologie lagen der höchste Wert im Jahr 1986 bei 74,77 % und der niedrigste Wert im Jahr 2007 bei 5,18 %. Nach einem hohen Wert im Jahr 1970 von 61,35 % kam es zunächst zu einem Einbruch auf 14,19 % im Jahr 1972. Danach erholten sich die Werte wieder und kamen bereits 1975 wieder auf 49,89 %. Zwischen 1975 und 1991 waren die Werte auf einem sehr hohen Niveau mit leicht steigender Tendenz zwischen 46,90 % (1976) und 74,77 % (1986). Im Jahr 1991 fiel der Anteil von 68,27 % auf 45,24 % im Jahr 1992 und noch weiter auf 28,47 % im Jahr 1993. Bis 2003 blieben die Werte schwankend auf einem mittleren Niveau zwischen 23,79 % (2003) und 45,24 % (1997). Danach fielen die Werte bis auf den niedrigsten Stand im Jahr 2007 mit 5,18 %. Nach einer kurzen Phase, in der sich die Werte bis 2010 auf 42,00 % stabilisierten, fielen sie erneut bis auf 9,91 % im Jahr 2014. Auffällig ist die entgegengesetzte Entwicklung zu den Anteilen der Anschläge mit nationalistisch-separatistischer Ideologie, vor allem im Jahr 1972 und in den achtziger Jahren. Aber auch in den zweitausender Jahren bilden die beiden Anteile eine konträre Entwicklung, die sich erst im Jahr 2012 etwas angleicht. Für den gesamten Untersuchungszeitraum lag der durchschnittliche jährliche Anteil von Anschlägen mit links-sozialrevolutionärer Ideologie bei 40,87 %. 263 Deskriptive Auswertung In Abbildung 72 wird das Verhältnis der Anteile der einzelnen Ideologien an allen Anschlägen mit Ideologien besonders sichtbar. In den siebziger Jahren dominierten vor allem die Anschläge mit nationalistisch-separatistischer und links-sozialrevolutionärer Ideologie. In den achtziger Jahren ging der Anteil der nationalistischseparatistischen Anschläge stark zurück, dafür wurde der Anteil von Anschlägen Abbildung 71: Jährlicher Anteil von ideologischen Anschlägen unterteilt nach Ideologien, 1970–2014. (n=60.930 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. Abbildung 72: Jährlicher kumulierter Anteil von ideologischen Anschlägen differenziert nach Ideologien, 1970–2014 (n=60.930, ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 264 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus mit rechts-konservativer Ideologie für wenige Jahre fast genauso groß. Anfang der Neunziger gab es einen Wendepunkt, an dem sich das Verhältnis zwischen nationalistisch-separatistischer Ideologie und links-sozialrevolutionärer Ideologie wieder umkehrte und die nationalistisch-separatistischen Anschläge wieder überwogen. Hinzu kamen damals Anschläge mit religiöser Ideologie. In den zweitausender Jahren verdrängten diese Anschläge mit religiöser Ideologie immer mehr den Anteil der Anschläge mit nationalistisch-separatistischer und links-sozialrevolutionärer Ideologie. Dieser Trend setzte sich bis 2014 weiter fort, sodass in den letzten Jahren des Untersuchungszeitraums drei Viertel der Anschläge mit Ideologien eine religi- öse Ideologie zugeschrieben wird. 6.1.6 Predominant Energy Auch für die Auswertungen zur Predominant Energy ist die Grundgesamtheit von 144.201 Anschlägen auf die Erhebungsgrundgesamtheit von 60.930 Anschlägen reduziert, für die Informationen über die Ideologie der ausführenden terroristischen Organisation vorlagen. In Abbildung 73 wird hierzu die Entwicklung der Anschlagszahlen der Grundgesamtheit mit allen Anschlägen und der Erhebungsgrundgesamtheit der ideologischen Anschläge miteinander verglichen. Auf der Primärachse wird die Entwicklung der gesamten 136.399 Anschläge pro Jahr dargestellt. Die 60.930 ideologischen Anschläge entsprechen 42,25 % der Grundgesamtheit aller Anschläge und werden Abbildung 73: Vergleich der jährlichen Anzahl von allen Anschlägen und Anschlägen mit Ideologie, 1970–2014 (n1=136.399 ohne n. a./n2=60.930 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 265 Forschungshypothesen des Neuen Terrorismus im Verhältnis auf der Sekundärachse abgebildet. Insgesamt entspricht die Entwicklung der jährlichen Anzahl von ideologischen Anschlägen der Entwicklung der jährliche Anzahl von allen Anschlägen. Zwischen 1971 und 1993 lag der jährliche Anteil der ausgewählten ideologischen Anschläge etwas über dem Gesamtanteil von 42,25 %, bis auf die Jahre 1980 und 1981, wo er etwas darunter lag. Ab dem Jahr 1994 lag der jährliche Anteil dagegen unter dem Gesamtanteil, außer im Jahr 2003, wo er etwas darüber lag. Die maximalen Abweichungen liegen bei 25,13 % über dem Gesamtanteil von 42,25 % bzw. bei 18,51 % unter Gesamtanteil von 42,25 %. Insgesamt lässt sich festhalten, dass die bewusste Auswahl der Anschläge über die Aktivität der terroristischen Organisationen nach dem Konzentrationsprinzip nicht zu einer großen Verschiebung in der Entwicklung der jährlichen Anschlagszahlen geführt hat. Die Erhebungsgrundgesamtheit der 60.930 Anschläge kann somit als repräsentative Stichprobe für die gesamte Datenbank gesehen werden und wird daher im Folgenden für die Vergleiche der Untersuchungszeiträume getrennt nach den einzelnen Ideologien herangezogen. 6.2 Forschungshypothesen des Neuen Terrorismus Nachdem die allgemeine Entwicklung der Anschlagszahlen und die Entwicklung der Eigenschaften der Anschläge über den gesammten Untersuchungszeitraum 1970–2014 in einer deskriptiven empirischen Auswertung dargestellt wurden, widmet sich das folgende Kapitel der konkreten Prüfung der Forschungshypothesen. Hierzu werden die Werte der Untersuchungsbereiche bzw. die Jahresdurchschnittswerte der Indikatoren der Datenbank zu Durchschnittswerten für die beiden Untersuchungszeiträume Zeitraum I „1970–1992“ und Zeitraum II „1993–2014“ zusammengefasst und miteinander verglichen.651 Hierdurch kann eine Aussage darüber getroffen werden, um wieviel Prozent sich der Wert des jeweiligen Untersuchungsbreichs im Zeitraum II im Vergleich zum Zeitraum I erhöht oder verringert hat bzw. ob die jeweilige Forschungshypothese gestützt oder abgelehnt werden muss. 6.2.1 Forschungshypothese H1 zur hohen Gewaltbereitschaft Zur Untersuchung der Gewaltbereitschaft wurde folgende Forschungshypothese in der Untersuchung formuliert: 651 Durch den Vergleich der Durchschnittswerte der beiden Untersuchungszeiträume (statt der absoluten Zahlen) wird die Vergleichbarkeit der unterschiedlich großen Zeiträume I „1970–1992“ II „1993–2014“ sichergestellt. 266 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus H1: Wenn terroristische Anschläge zwischen 1993 und 2014 sattfanden, dann gab es eine höhere Gewaltbereitschaft als bei Anschlägen zwischen 1970 und 1992. Zur Beantwortung dieser Forschungsfrage H1 werden die konkretisierten Forschungshypothesen H1a, H1b und H1c der Untersuchungsbereiche „Opferzahlen“, „Selbstmordattentate“ und „Massenvernichtungswaffen“ einer empirischen Auswertung unterzogen. 6.2.1.1 Opferzahlen Die erste konkretisierte Forschungshypothese H1a zur Eigenschaft “Hohe Gewaltbereitschaft“ lautete: H1a: Wenn terroristische Anschläge zwischen 1993 und 2014 stattfanden, dann gab es mehr Opfer als bei Anschlägen zwischen 1970 und 1992. Anschlagstypen Der erste Vergleich der beiden Untersuchungszeiträume 1970–1992 und 1993–2014 in Abbildung 74 zeigt einen Anstieg der Anschläge mit Opfern um 31,45 % von 50,88 % (24.459 Anschläge) im Zeitraum I auf 66,88 % (59.073 Anschläge) im Zeitraum II. Der Anteil von Anschlägen mit Opfern des gesamten Untersuchungszeitraums 1970–2014 lag bei 61,24 %. Abbildung 75 gibt Auskunft über die Anteile der einzelnen Anschlagstypen in den beiden Untersuchungszeiträumen. Die Anteile beziehen sich hier jedoch nicht auf alle 136.399 Anschläge wie in der Abbildung 74, sondern nur auf die 83.532 Anschläge, bei denen Opfer verzeichnet wurden. Der Anteil der Anschläge, bei denen es nur Verwundete gab, stieg um 19,07 % von 21,04 % im Zeitraum I auf 25,05 % im Zeitraum II, der Anteil der Anschläge mit Verwundeten und Toten stieg um 91,04 %, von 20,05 % auf 38,31 %, und der Anteil von Anschlägen, bei denen es nur Tote gab, sank um 37,80 %, von 58,91 % auf 36,64 %. Für den gesamten Untersuchungszeitraum lag der Anteil an Anschlägen mit nur Verwundeten bei 23,88 %, mit Verwundeten und Toten bei 32,96 % und mit nur Toten bei 43,16 %. 267 Forschungshypothesen des Neuen Terrorismus Opferzahl Bei dem Vergleich der beiden Untersuchungszeiträume 1970–1992 und 1993–2014 werden in Abbildung 76 die durchschnittlichen jährlichen Opferzahlen unterteilt nach Verwundeten und Toten dargestellt. Die durchschnittliche jährliche Anzahl Abbildung 74: Vergleich Anteil von Anschlägen mit Opfern der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 (n=136.399 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. Abbildung 75: Vergleich Anteil von Anschlägen mit Opfern unterteilt nach Anschlagstypen der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 (n=83.532 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 268 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus der Opfer insgesamt ist von 7.696 Opfern im Zeitraum I um 218,66 % auf 24.525 Opfer im Zeitraum II angestiegen. Die durchschnittliche jährliche Anzahl der Verwundeten ist von 3.407 Opfern um 333,36 % auf 14.766 Opfer im Zeitraum II angestiegen. Nicht ganz so stark ist der durchschnittliche jährliche Anstieg der Toten um 127,53 %, von 4.289 Opfern im Zeitraum I auf 9.759 Opfer im Zeitraum II. Die durchschnittliche jährliche Opferzahl für den gesamten Zeitraum lag bei 15.924 Opfern, die durchschnittliche jährliche Anzahl der Verwundeten pro Jahr bei 8.960 und die durchschnittliche jährliche Anzahl der Toten bei 6.963. Beachtet man den Effekt der jährlich steigenden Anschlagszahlen, relativieren sich die Steigerungen etwas: Bei der Betrachtung der durchschnittlichen Opferzahl pro Anschlag liegt die Steigerung der Opferzahl insgesamt nur noch bei 65,90 %, von 3,68 im Zeitraum I auf 6,11 im Zeitraum II. Auch die Steigerung bei den Verwundeten liegt mit 124,44 % von 1,70 im Zeitraum I auf 3,81 im Zeitraum II, niedriger als bei der Betrachtung der durchschnittlichen jährlichen Opferanzahl. Vor allem auf die Steigerung der Anzahl der Toten wirkt sich die Beachtung der Anschlagszahlen durch die Bildung eines arithmetischen Mittels aus: Die durchschnittliche Opferzahl pro Anschlag steigt nur noch um 18,31 %, von 2,06 im Zeitraum I auf 2,44 im Zeitraum II (siehe Abbildung 77). Die durchschnittliche Opferzahl pro Anschlag lag für den gesamten Untersuchungszeitraum bei 5,25 Opfern, die durchschnittliche Anzahl pro Anschlag bei den Verwundeten bei 3,07 und bei den Toten bei 2,30. Abbildung 76: Vergleich durchschn. Opferzahl pro Jahr unterteilt nach Opferarten der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 (n=136.399 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 269 Forschungshypothesen des Neuen Terrorismus Beim Vergleich der beiden Untersuchungszeiträume konnte mit einem 31 % höheren Anteil von Anschlägen mit Opfern und einer 66 % höheren durchschnittlichen jährlichen Opferanzahl pro Anschlag insgesamt deutlich höhere Opferzahlen für den Zeitraum II festgestellt werden. 6.2.1.2 Selbstmordattentate Die zweite konkretisierte Forschungshypothese H1b zur Eigenschaft „Hohe Gewaltbereitschaft“ lautete: H1b: Wenn terroristische Anschläge zwischen 1993 und 2014 stattfanden, dann wurden anteilig häufiger Selbstmordattentate durchgeführt als bei Anschlägen zwischen 1970 und 1992. Der Vergleich der beiden Untersuchungszeiträume 1970–1992 und 1993–2014 in Abbildung 78 zeigt einen Anstieg des Anteils der Selbstmordattentate an allen Anschlägen um 5872,20 %, von 0,07 % (38 Anschläge) im Zeitraum I auf 4,23 % (3.829 Anschläge) im Zeitraum II. Der durchschnittliche Anteil für den gesamten Untersuchungszeitraum an Selbstmordattentaten lag bei 2,68 % (siehe Abbildung 78). Abbildung 77: Vergleich durchschn. jährliche Opferzahl pro Anschlag unterteilt nach Opferarten der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 (n=136.399 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. Die konkretisierte Hypothese H1a zu den Opferzahlen kann durch die empirische Untersuchung gestützt werden. 270 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus Beim Vergleich der beiden Untersuchungszeiträume konnte mit einem 5872 % höheren Anteil von Selbstmordattentaten an allen Anschlägen ein deutlich höherer Anteil von Selbstmordattentaten für den Zeitraum II festgestellt werden. 6.2.1.3 Massenvernichtungswaffen Die dritte konkretisierte Forschungshypothese H1c zur Eigenschaft „Hohe Gewaltbereitschaft“ lautete: H1c: Wenn terroristische Anschläge zwischen 1993 und 2014 stattfanden, dann wurden anteilig häufiger Massenvernichtungswaffen eingesetzt als bei Anschlägen zwischen 1970 und 1992. In Abbildung 79 werden die beiden Untersuchungszeiträume 1970–1992 und 1993– 2014 bezüglich ihres Anteils von Anschlägen mit Massenvernichtungswaffen an allen Abbildung 78: Vergleich Anteil von Selbstmordattentaten der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 (n=144.201). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. Die konkretisierte Forschungshypothese H1b zu den Selbstmordattentaten kann durch die empirische Untersuchung gestützt werden. 271 Forschungshypothesen des Neuen Terrorismus Anschlägen miteinander verglichen. Der Anteil von Anschlägen, bei denen Massenvernichtungswaffen eingesetzt wurden, hat sich um 62,13 %, von 0,16 % im Zeitraum I auf 0,26 % im Zeitraum II, erhöht. Der Anteil für den gesamten Untersuchungszeitraum von Anschlägen, bei denen Massenvernichtungswaffen eingesetzt wurden, lag bei 0,23 %. Beim Vergleich der beiden Untersuchungszeiträume konnte mit einem 62 % höheren Anteil von eingesetzten Massenvernichtungswaffen an allen Anschlägen ein deutlich höherer Anteil von Massenvernichtungswaffen für den Zeitraum II festgestellt werden. Abbildung 79: Vergleich Anteil von Anschlägen mit Massenvernichtungswaffen der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 (n=133.036 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. Die konkretisierte Forschungshypothese H1c zu den Massenvernichtungswaffen kann durch die empirische Untersuchung gestützt werden. 272 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus 6.2.2 Forschungshypothese H2 zur undifferenzierten Opferwahl Zur Untersuchung der undifferenzierten Opferwahl wurde folgende Forschungshypothese in der Untersuchung formuliert: H2: Wenn terroristische Anschläge zwischen 1993 und 2014 stattfanden, dann war die Opferwahl häufiger undifferenziert als bei Anschlägen zwischen 1970 und 1992. Der Vergleich der beiden Untersuchungszeiträume 1970–1992 und 1993–2014 zeigt in Abbildung 80, dass der Anteil der Anschläge mit zivilen Opfern an allen Opfern um 5,98 %, von 55,19 % im Zeitraum I auf 51,89 % im Zeitraum II, zurückging. Der Anteil von Anschlägen mit zivilen Opfern lag für den gesamten Untersuchungszeitraum bei 53,13 %. Abbildung 80: Vergleich Anteil von Anschlägen mit zivilen Opfern der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 (n=141.372 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 273 Forschungshypothesen des Neuen Terrorismus Beim Vergleich der beiden Untersuchungszeiträume konnte mit einem 6 % geringeren Anteil von Anschlägen mit zivilen Opfern an allen Anschlägen ein deutlich geringerer Anteil von zivilen Opfern für den Zeitraum II festgestellt werden. 6.2.3 Forschungshypothese H3 zur Netzwerkartigkeit Zur Untersuchung der Netzwerkartigkeit wurde folgende Forschungshypothese in der Untersuchung formuliert: H3: Wenn terroristische Anschläge zwischen 1993 und 2014 stattfanden, dann waren sie häufiger netzwerkartig als Anschläge zwischen 1970 und 1992. Zur Beantwortung dieser Forschungsfrage H3 wird die konkretisierte Forschungshypothese H3a zum Untersuchungsbereich „Internationalität“ einer empirischen Auswertung unterzogen. 6.2.3.1 Internationalisierung Die konkretisierte Forschungshypothese H3a zur Eigenschaft “Netzwerkartigkeit“ lautete: H3a: Wenn terroristische Anschläge zwischen 1993 und 2014 stattfanden, dann waren sie häufiger international, als Anschläge die zwischen 1970 und 1992 stattfanden. In Abbildung 81 werden die beiden Untersuchungszeiträume 1970–1992 und 1993–2014 bezüglich ihres Anteils von internationalen652 Anschlägen an allen Anschlägen miteinander verglichen. Der Anteil von internationalen Anschlägen hat sich um 3,75 %, von 36,86 % im Zeitraum I auf 35,48 % im Zeitraum II, verringert. Der Anteil von internationalen Anschlägen lag für den gesamten Untersuchungszeitraum bei 36,18 %. 652 Hierzu werden die Zahlen der „gesamt-internationalen“ Anschläge ausgewertet, die im Folgenden als „internationale“ Anschläge bezeichnet werden. Die Forschungshypothese H2 zur undifferenzierten Opferwahl muss aufgrund der empirischen Untersuchung abgelehnt werden. 274 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus Beim Vergleich der beiden Untersuchungszeiträume konnte mit einem 4 % geringeren Anteil von internationalen Anschlägen an allen Anschlägen ein deutlich geringerer Anteil von internationalen Anschlägen für den Zeitraum II festgestellt werden. 6.2.4 Forschungshypothese H4 zur Religiosität Zur Untersuchung der Religiosität wurde folgende Forschungshypothese in der Untersuchung formuliert: H4: Wenn terroristische Anschläge zwischen 1993 und 2014 stattfanden, dann war die Ideologie der terroristischen Organisation, die den Anschlag ausführte, häufiger religiös als bei Anschlägen zwischen 1970 und 1992. Abbildung 81: Vergleich Anteil von internationalen Anschlägen der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 (n=73.901 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. Die konkretisierte Forschungshypothese H3a zur Internationalität der Anschläge muss aufgrund der empirischen Untersuchung abgelehnt werden. 275 Forschungshypothesen des Neuen Terrorismus In Abbildung 82 werden die beiden Untersuchungszeiträume 1970–1992 und 1993– 2014 bezüglich ihres Anteils von Anschlägen mit unterschiedlichen Ideologien – unterteilt nach den jeweiligen Ideologien – an allen Anschlägen mit Ideologien miteinander verglichen. Der Anteil von Anschlägen mit links-sozialrevolutionärer Ideologie an allen Anschlägen mit Ideologien hat sich um 66,13 %, von 62,74 % im Zeitraum I auf 21,25 % im Zeitraum II, verringert. Der Anteil von links-sozialrevolutionären Anschlägen lag für den gesamten Untersuchungszeitraum bei 41,03 %. Der stärkste Unterschied bei Betrachtung der beiden Untersuchungszeiträume 1970– 1992 und 1993–2014 lässt sich bei Anschlägen mit religiöser Ideologie beobachten: Der Anteil von Anschlägen ist hierbei um 1780,95 %, von 2,75 % im Zeitraum I auf 51,81 % im Zeitraum II, gestiegen. Der Anteil von religiösen Anschlägen lag für den gesamten Untersuchungszeitraum bei 28,43 %. Nur ein geringer Unterschied zwischen den zwei Untersuchungszeiträumen gab es bei den Anschlägen mit nationalistisch-separatistischer Ideologie. Der Anteil hat sich um 8,87 %, von 27,67 % im ersten Untersuchungszeitraum auf 25,21 % im zweiten Untersuchungszeitraum, verringert. Der Anteil nationalistisch-separatistischer Anschläge lag für den gesamten Untersuchungszeitraum bei 26,38 %. Sowohl bei den Anschlägen mit rechts-konservativer Ideologie als auch bei den Anschlägen mit sonstiger Ideologie waren die Anteile an allen Anschlägen mit Ideologie in beiden Untersuchungszeiträumen auf einem sehr niedrigen Niveau, die Veränderungen waren jedoch trotzdem hoch: Der Anteil der Anschläge mit rechts-konservativer Ideologie verringerte sich um 88,90 %, Abbildung 82: Vergleich Anteil von ideologischen Anschlägen unterteilt nach Ideologien der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 (n=60.930 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 276 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus von 6,36 % im Zeitraum I auf 0,71 % im Zeitraum II. Der Anteil von Anschlägen mit sonstiger Ideologie dagegen erhöhte sich um 113,86 %, von 0,48 % im Zeitraum I auf 1,02 % im Zeitraum II. Der Anteil rechts-konservativer Anschläge lag für den gesamten Untersuchungszeitraum bei 3,40 %. Der Anteil der sonstigen Anschläge lag für den gesamten Untersuchungszeitraum sogar nur bei 0,76 %. Beim Vergleich der beiden Untersuchungszeiträume konnte mit 1781 % mehr religiösen Anschlägen an allen ideologischen Anschlägen der größte Zuwachs bei den religiösen Anschlägen für den Zeitraum II festgestellt werden. Ebenso war der Anteil von religiösen Anschlägen an allen ideologischen Anschlägen mit 51,81 % im Zeitraum II von allen Ideologien am höchsten. 6.2.5 Forschungshypothese H5 zur Predominant Energy Zur Untersuchung der Predominant Energy wurde folgende Forschungshypothese in der Untersuchung formuliert: H5: Bei Anschlägen mit einem religiösen ideologischen Hintergrund sind die übrigen Eigenschaften des Neuen Terrorismus jeweils extremer ausgeprägt als bei Anschlägen ohne religiösen Hintergrund. Zur Beantwortung dieser Forschungshypothese H5 wird im Folgenden der Vergleich der beiden Untersuchungszeiträume Zeitraum I „1970–1992“ und und Zeitraum II „1993–2014“ für die Untersuchungsbereiche bzw. die Indikatoren der anderen Variablen (Opferzahlen, Selbstmordattentate, Massenvernichtungswaffen, zivile Opfer und Internationalität) getrennt nach den jeweiligen Ideologien der Anschläge betrachtet. Hierzu wird untersucht, wie hoch der Anteil der anderen Variablen (z. B. der Anteil von Selbstmordattentaten) an den jeweiligen Ideologien (z. B. alle Anschläge mit einer religiösen Ideologie) für die beiden Untersuchungszeiträume ist. Zunächst werden jedoch immer die Entwicklung der beiden Untersuchungszeiträume aller Anschläge und der ideologischen Anschläge miteinander verglichen, um eine spätere Aussage über die Repräsentativität der Stichprobe treffen zu können. Die Forschungshypothese H4 zur Religiosität der Anschläge kann durch die empirische Untersuchung gestützt werden. 277 Forschungshypothesen des Neuen Terrorismus Opferzahlen Bei allen 136.399 Anschlägen653 stieg der Anteil von Anschlägen mit Opfern um 28,20 %, von 50,88 % im Zeitraum I auf 66,88 % im Zeitraum II. Im Vergleich dazu stieg bei den 56.552654 ideologischen Anschlägen der Anteil von Anschlägen mit Opfern um 31,45 %, von 52,39 % im Zeitraum I auf 67,17 % im Zeitraum II. Insgesamt gab es im gesamten Untersuchungszeitraum 1970–2014 bei 34.162 ideologischen Anschlägen bzw. 60,41 % der ideologischen Anschläge Opfer. Der Anteil lag im Vergleich dazu bei der Auswertung mit allen Anschlägen bei 83.532 Anschlägen bzw. bei ähnlichen 61,24 % (siehe Abbildung 83). Innerhalb der einzelnen Ideologien gab es bezüglich des Anteils von Anschlägen mit Opfern folgende Veränderung von Zeitraum I zu Zeitraum II: Der Anteil bei den Anschlägen mit religiöser Ideologie stieg am meisten um 32,72 % von 63,97 % im Zeitraum I auf 84,90 % im Zeitraum II. Bei den Anschlägen mit sonstiger Ideologie stieg der Anteil dagegen nur um 9,18 %, von 23,19 % auf 25,32 %, bei Anschlägen mit einer rechts-konservativen Ideologie um 8,13 %, von 66,89 % auf 72,32 %, und bei Anschlägen mit einer links-sozialrevolutionären Ideologie um 6,21 %, von 653 Bei 7.802 Anschlägen gab es keine Angaben über Opfer. 654 Bei 4.378 Anschlägen gab es keine Angaben über Opfer. Abbildung 83: Vergleich Anteil von ideologischen Anschläge mit Opfern und allen Anschlägen mit Opfern der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 (n1=56.552 ohne n. a.; n2=136.399 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 278 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus 47,93 % auf 50,90 %. Bei den Anschlägen mit nationalistisch-separatistischer Ideologie sank der Anteil dagegen um 2,39 %, von 59,00 % im Zeitraum I auf 57,59 % im Zeitraum II. Somit lag der Anteil von Anschlägen mit Opfern im ersten Untersuchungszeitraum bei den Anschlägen mit rechts-konservativer Ideologie mit 66,89 % am höchsten, im zweiten Untersuchungszeitraum lag dagegen mit 84,90 % der Anteil von Anschlägen mit Opfern bei Anschlägen mit religiöser Ideologie am höchsten. Für den gesamten Untersuchungszeitraum 1970–2014 lag der Anteil von Anschlägen mit Opfern bei den religiösen Anschlägen mit 83,92 % am höchsten, gefolgt von 67,65 % bei rechts-konservativen Anschlägen, 58,29 % bei nationalistisch-separatistischen Anschlägen, 48,80 % bei links-sozialrevolutionären Anschlägen und 24,67 % bei sonstigen Anschlägen (siehe Abbildung 84). Während sich die Anteile der Anschläge mit Opfern bei allen Anschlägen und den ideologischen Anschlägen ähneln, gibt es bei der durchschnittlichen Opferzahl Abweichungen. In Abbildung 85 ist zu sehen, dass bei allen 136.399 Anschlägen die durchschnittliche Opferzahl pro Anschlag um 65,90 %, von 3,68 Anschlägen im Zeitraum I auf 6,11 im Zeitraum II, gestiegen ist. Im Vergleich dazu stieg bei den 56.552 ideologischen Anschlägen die durchschnittliche Opferzahl pro Anschlag sogar um 101,98 %, von 3,86 Anschlägen im Zeitraum I auf 7,80 Anschläge im Zeitraum II. Insgesamt gab es im gesamten Untersuchungszeitraum 1970–2014 339.245 Opfer Abbildung 84: Vergleich Anteil von ideologischen Anschlägen mit Opfern unterteilt nach Ideologien der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 (n=56.552 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 279 Forschungshypothesen des Neuen Terrorismus bei den ideologischen Anschlägen bzw. durchschnittlich 6,00 Opfer pro Anschlag. Die durchschnittliche Opferzahl für den gesamten Untersuchungszeitraum lag im Vergleich dazu bei allen Anschlägen nur bei 5,25 Opfern bzw. bei insgesamt 716.568 Opfern pro Anschlag. Innerhalb der einzelnen Ideologien gab es bezüglich der durchschnittlichen Anzahl von Opfern pro Anschlag folgende Veränderung von Zeitraum I zu Zeitraum II: Die durchschnittliche Anzahl von Opfern pro Anschlag stieg bei den Anschlägen mit religiöser Ideologie mit 67,99 %, von 6,36 Opfern im Zeitraum I auf 10,68 Opfer im Zeitraum II, am meisten an. Der Anstieg bei den Anschlägen mit nationalistischseparatistischer Ideologie lag nur knapp dahinter mit 66,74 %, von 3,62 Opfern pro Anschlag auf 6,03 Opfer pro Anschlag. Bei den Anschlägen mit einer links-sozialrevolutionären Ideologie stieg der Anteil dagegen nur um 4,24 %, von durchschnittlich 3,24 Opfern pro Anschlag auf 3,37 Opfer pro Anschlag. Sowohl bei den Anschlägen mit einer rechts-konservativen Ideologie als auch bei den Anschlägen mit sonstiger Ideologie gab es einen Rückgang der durchschnittlichen Anzahl von Opfern pro Anschlag. Bei den Anschlägen mit sonstiger Ideologie sank die Anzahl der Opfer pro Anschlag um 21,79 %, von 4,30 Opfern auf 3,36 Opfer. Bei den Anschlägen mit rechts-konservativer Ideologie sank sie sogar noch stärker von 11,07 Opfern um Abbildung 85: Vergleich Anteil durchschn. Anzahl Opfer pro Anschlag von ideologischen Anschlägen und allen Anschlägen der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 (n1=56.552 ohne n. a.; n2=136.399 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 280 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus 46,75 % auf 5,89 Opfer. Ähnlich wie bei dem Anteil der Anschläge mit Opfern lag auch bei der durchschnittlichen Anzahl von Opfern pro Anschlag der Anteil bei den Anschlägen mit rechts-konservativer Ideologie im Zeitraum I mit 11,07 Anschlägen am höchsten. Dagegen lag die durchschnittliche Anzahl von Opfern pro Anschlag im Zeitraum II bei den Anschlägen mit religiöser Ideologie mit 10,68 Opfern pro Anschlag am höchsten. Für den gesamten Untersuchungszeitraum 1970–2014 lag die durchschnittliche Anzahl von Opfern pro Anschlag bei den religiösen Anschlägen mit 10,47 Opfern am höchsten, gefolgt von 10,37 Opfern bei rechts-konservativen Anschlägen, 4,48 Opfern bei nationalistisch-separatistischen Anschlägen, 3,65 Opfern bei sonstigen Anschlägen und 3,28 Opfern bei links-sozialrevolutionären Anschlägen (siehe Abbildung 86). Selbstmordattentate Bei allen 144.201 Anschlägen stieg der Anteil von Selbstmordattentaten um 5872,20 %, von 0,07 % im Zeitraum I auf 4,23 % im Zeitraum II. Im Vergleich dazu stieg bei den 60.930 ideologischen Anschlägen der Anteil von Selbstmordattentaten sogar um 9957,08 %, von 0,06 % im Zeitraum I auf 5,89 % im Zeitraum II. Insgesamt handelte es sich im gesamten Zeitraum 1970–2014 bei 1.894 ideologischen Anschlägen bzw. bei 3,11 % der ideologischen Anschläge um Selbstmordattentate. Im Vergleich dazu Abbildung 86: Vergleich durchschn. Anzahl Opfer pro Anschlag von ideologischen Anschlägen unterteilt nach Ideologien der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 (n=56.552 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 281 Forschungshypothesen des Neuen Terrorismus lag der Anteil der Selbstmordattentate bei der Auswertung mit allen Anschlägen mit 3.867 Anschlägen bei 2,68 % (siehe Abbildung 87). Abbildung 88 zeigt die Veränderungen des Anteils von Selbstmordattentaten von Zeitraum I zu Zeitraum II, getrennt nach den jeweiligen Ideologien der Anschläge. Der Anteil von Selbstmordattentate erhöhte sich bei Anschlägen mit religiöser Ideologie um 907,87 %, von 1,00 % im Zeitraum I auf 10,08 % im Zeitraum II. Am stärksten erhöhte sich jedoch der Anteil von Selbstmordattentaten bei den Anschlägen mit nationalistisch-separatistischer Ideologie. Hier stieg der Anteil um 3198,36 %, von 0,07 % im Zeitraum I auf 2,46 % im Zeitraum II. Auch bei den Anschlägen mit linkssozialrevolutionärer Ideologie erhöhte sich der Anteil der Selbstmordattentate stark um 706,68 %, von 0,02 % im Zeitraum I auf 0,13 % im Zeitraum II. Bei den Anschlägen mit sonstiger Ideologie lag der Anteil der Selbstmordattentate im Zeitraum I bei 0,00 % und stieg im Zeitraum II auf 1,54 % an. Bei den Anschlägen mit rechts-konservativer Ideologie gab es weder im Zeitraum I noch im Zeitraum II Selbstmordattentate. Den höchsten Anteil an Selbstmordattentaten hatten sowohl im Zeitraum I als auch im Zeitraum II die Anschläge mit religiöser Ideologie. Für den gesamten Untersuchungszeitraum 1970–2014 lag der Anteil von Selbstmordattentaten bei den religiösen Anschlägen mit 9,66 % am höchsten, gefolgt von 1,27 % bei nationalis- Abbildung 87: Vergleich Anteil von ideologischen Selbstmordattentaten und allen Selbstmordattentaten der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 (n1=60.930; n2=144.201). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 282 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus tisch-separatistischen Anschlägen, 1,08 % bei sonstigen Anschlägen, 0,05 % bei linkssozialrevolutionären Anschlägen und 0,00 % bei rechts-konservativen Anschlägen. Massenvernichtungswaffen Bei allen 133.036 Anschlägen655 stieg der Anteil von Anschlägen mit Massenvernichtungswaffen um 62,13 %, von 0,16 % im Zeitraum I auf 0,26 % im Zeitraum II. Im Vergleich dazu stieg bei den 55.377656 ideologischen Anschlägen der Anteil von Anschlägen mit Massenvernichtungswaffen um 303,65 %, von 0,04 % im Zeitraum I auf 0,18 % im Zeitraum II. Insgesamt gab es im gesamten Untersuchungszeitraum 1970–2014 bei 63 ideologischen Anschlägen bzw. 0,11 % der ideologischen Anschläge einen Einsatz von Massenvernichtungswaffen. Der Anteil lag im Vergleich dazu bei der Auswertung mit allen Anschlägen bei 301 Anschlägen bzw. bei 0,23 % (siehe Abbildung 89). 655 Bei 11.165 Anschlägen gab es keine Angaben über den Einsatz von Massenvernichtungswaffen. 656 Bei 5.553 Anschlägen gab es keine Angaben über den Einsatz von Massenvernichtungswaffen. Abbildung 88: Vergleich Anteil von Selbstmordattentaten an ideologischen Anschlägen unterteilt nach Ideologien der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 (n=60.930 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 283 Forschungshypothesen des Neuen Terrorismus Abbildung 89: Vergleich Anteil von ideologischen Anschlägen mit Massenvernichtungswaffen und allen Anschlägen mit Massenvernichtungswaffen der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014, (n1=55.377 ohne n. a.; n2=133.036 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. Abbildung 90: Vergleich Anteil von ideologischen Anschlägen mit Massenvernichtungswaffen unterteilt nach Ideologien der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 (n=55.377 ohne n. a.), Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 284 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus Abbildung 90 zeigt die Veränderungen des Anteils von Anschlägen mit Massenvernichtungswaffen von Zeitraum I zu Zeitraum II unterteilt nach der jeweiligen Ideologie der Anschläge. Der Anteil von Anschlägen mit Massenvernichtungswaffen verringerte sich bei den Anschlägen mit religiöser Ideologie um 14,90 %, von 0,29 % im Zeitraum I auf 0,24 % im Zeitraum II. Auch der Anteil von Anschlägen mit Massenvernichtungswaffen bei den Anschlägen mit sonstiger Ideologie verringerte sich um einen ähnlichen Wert. Hier gab es einen Rückgang des Anteils um 13,55 %, von 0,75 % im Zeitraum I auf 0,65 % im Zeitraum II. Den größten Rückgang gab es jedoch bei den Anschlägen mit rechts-konservativer Ideologie. Hier ging der Anteil von 0,11 % um 100 % auf 0,00 % zurück. Einen leichten Anstieg gab es dagegen bei den Anschlägen mit nationalistisch-separatistischer Ideologie um 4,32 %, von 0,039 % im Zeitraum I auf 0,041 % im Zeitraum II.657 Den höchsten Anstieg des Anteils von Anschlägen mit Massenvernichtungswaffen gab es bei den Anschlägen mit links-sozialrevolutionärer Ideologie, bei denen der Anteil um 618,65 %, von 0,02 % im Zeitraum I auf 0,17 % im Zeitraum II anstieg. Den höchsten Anteil an Anschlägen mit Massenvernichtungswaffen gab es jedoch sowohl im Zeitraum I als auch im Zeitraum II bei den Anschlägen mit sonstiger Ideologie mit 0,75 % bzw. mit 0,65 %. Für den gesamten Untersuchungszeitraum 1970–2014 lag der Anteil von Anschlägen mit Massenvernichtungswaffen bei den sonstigen Anschlägen mit 0,68 % am höchsten, gefolgt von 0,25 % bei religiösen Anschlägen, 0,10 % bei rechts-konservativen Anschlägen, 0,06 % bei links-sozialrevolutionären Anschlägen und 0,04 % bei nationalistischseparatistischen Anschlägen. Zivile Opfer Bei allen 141.308658 Anschlägen sank der Anteil von Anschlägen mit zivilen Opfern um 5,98 %, von 55,19 % im Zeitraum I auf 51,89 % im Zeitraum II. Auch bei den 60.168659 ideologischen Anschlägen sank der Anteil von Anschlägen mit zivilen Opfern um 7,31 %, von 53,12 % im Zeitraum I auf 49,23 % im Zeitraum II. Insgesamt gab es im gesamten Untersuchungszeitraum 1970–2014 bei 30.743 ideologischen Anschlägen bzw. 51,10 % der ideologischen Anschläge zivile Opfer. Der Anteil lag im Vergleich dazu bei der Auswertung mit allen Anschlägen bei 75.081 Anschlägen bzw. bei 53,13 % (siehe Abbildung 91). 657 Die Steigerung ist in der Abbildung 75 nicht erkennbar, da die Werte gerundet nur bis zur zweiten Nachkommastelle angegeben werden. 658 Bei 2.893 Anschlägen gab es keine Angaben über zivile Opfer. 659 Bei 762 Anschlägen gab es keine Angaben über zivile Opfer. 285 Forschungshypothesen des Neuen Terrorismus Die Veränderungen des Anteils von Anschlägen mit zivilen Opfern von Zeitraum I zu Zeitraum II werden getrennt für die jeweiligen Ideologie der Anschläge in Abbildung 92 dargestellt. Der Anteil von Anschlägen mit zivilen Opfern verringerte sich bei den Anschlägen mit religiöser Ideologie um 11,98 %, von 50,00 % im Zeitraum I auf 44,01 % im Zeitraum II. Nur bei den Anschlägen mit sonstiger Ideologie gab es einen noch größeren Rückgang. Hier sank der Anteil um 44,61 %, von 80,55 % im Zeitraum I auf 44,62 % im zweiten Zeitraum II. Ebenfalls rückläufig war der Anteil bei den Anschlägen mit links-sozialrevolutionärer Ideologie. Dieser ging um 4,55 %, von 55,35 % auf 52,83 %, zurück. Bei den Anschlägen mit nationalistisch-separatistischer Ideologie stieg dagegen der Anteil der Anschläge mit zivilen Opfern um 7,87 %, von 51,21 % im Zeitraum I auf 55,24 % im Zeitraum II. Den größten Anstieg von Anschlägen mit zivilen Opfern gab es jedoch bei den Anschlägen mit rechtskonservativer Ideologie. Hier stieg der Anteil um 89,68 % von 39,72 % im Zeitraum I auf 75,34 % im Zeitraum II. Somit lag der Anteil von Anschlägen mit zivilen Opfern im Zeitraum I bei den Anschlägen mit sonstiger Ideologie mit 80,55 % am höchsten, im Zeitraum II dagegen lag er mit 75,34 % bei Anschlägen mit rechts-konservativer Ideologie am höchsten. Für den gesamten Untersuchungszeitraum 1970–2014 lag der Anteil von Anschlägen mit zivilen Opfern bei den sonstigen Anschlägen mit 70,37 % am höchsten, gefolgt von 54,68 % bei links-sozialrevolutionären Anschlä- Abbildung 91: Vergleich Anteil von ideologischen Anschlägen mit zivilen Opfern und allen Anschlägen mit zivilen Opfern der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014, (n1=60.168 ohne n. a.; n2=141.371 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 286 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus gen, 53,21 % bei nationalistisch-separatistischen Anschlägen, 44,29 % bei religiösen Anschlägen und 43,56 % bei rechts-konservativen Anschlägen. Internationalisierung Bei allen 73.901660 Anschlägen sank der Anteil von internationalen Anschlägen um 3,75 %, von 36,86 % im Zeitraum I auf 35,48 % im Zeitraum II. In ähnlicher Höhe sank bei den 57.144661 ideologischen Anschlägen der Anteil von internationalen Anschlägen um 5,89 %, von 28,14 % im Zeitraum I auf 26,48 % im Zeitraum II. Insgesamt waren im gesamten Untersuchungszeitraum 1970–2014 15.612 der ideologischen Anschläge bzw. 27,32 % internationale Anschläge. Der Anteil lag im Vergleich dazu bei der Auswertung aller Anschläge bei 26.737 Anschlägen bzw. bei 36,18 % (siehe Abbildung 93). Innerhalb der einzelnen Ideologien gab es bezüglich des Anteils der internationalen Anschläge folgende Veränderung von Zeitraum I zu Zeitraum II: Der Anteil von internationalen Anschlägen an Anschlägen mit religiöser Ideologie sank um 40,32 %, von 48,81 % im Zeitraum I auf 29,13 % im Zeitraum II. Noch etwas stärker ging der Anteil bei den Anschlägen mit nationalistisch-separatistischer Ideologie zurück. Hier sank der Anteil um 49,35 %, von 73,38 % im Zeitraum I auf 37,17 % im 660 Bei 70.300 Anschlägen gab es keine Angaben zur Internationalität der Anschläge. 661 Bei 3.786 Anschlägen gab es keine Angaben zur logistischen Internationalität der Anschläge. Abbildung 92: Vergleich Anteil von ideologischen Anschlägen mit zivilen Opfern unterteilt nach Ideologien der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 (n=60.168 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 287 Forschungshypothesen des Neuen Terrorismus Zeitraum II. Ebenfalls gesunken war der Anteil bei Anschlägen mit links-sozialrevolutionärer Ideologie. Die Verringerung betrug hier 9,60 %, von 9,04 % im Zeitraum I auf 8,17 % im Zeitraum II. Der Anteil der internationalen Anschläge an Anschlägen mit rechts-konservativer Ideologie stieg dagegen um 53,75 %, von 9,80 % im Zeitraum I auf 15,07 % im Zeitraum II. Vor allem der Anteil von internationalen Anschlägen an Anschlägen mit sonstiger Ideologie stieg deutlich an. Hier gab es eine Steigerung um 145,76 %, von 28,26 % im Zeitraum I auf 69,45 % im Zeitraum II. Somit lag der Anteil von internationalen Anschlägen im Zeitraum I bei den Anschlägen mit nationalistisch-separatistischer Ideologie mit 73,38 % und im Zeitraum II bei den Anschlägen mit sonstiger Ideologie mit 69,45 % am höchsten. Für den gesamten Untersuchungszeitraum 1970–2014 lag der Anteil von internationalen Anschlägen bei den nationalistisch-separatistischen Anschlägen mit 56,81 % am höchsten, gefolgt von 55,69 % bei sonstigen Anschlägen, 30,16 % bei religiösen Anschlägen, 10,39 % bei rechts-konservativen Anschlägen und 8,81 % bei links-sozialrevolutionären Anschlägen (siehe Abbildung 94). Abbildung 93: Vergleich Anteil von internationalen ideologischen Anschlägen und allen internationalen Anschlägen der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014, (n1=57.053 ohne n. a.; n2=73.901 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 288 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus Im gesamten Untersuchungszeitraum 1970–2014 konnte mit 83,29 % der höchste Anteil von Anschlägen mit Opfern an allen Anschlägen bei Anschlägen mit religi- öser Ideologie festgestellt werden. Ebenso fand sich dort die höchste Steigerung um 32 % auf den höchsten Wert von 84,90 % im Zeitraum II. Ähnlich Werte gab es bei der durchschnittlichen Anzahl von Opfern pro Anschlag: der höchste durchschnittliche Wert für den gesamten Untersuchungszeitraum fand sich mit 10,47 Anschlägen bei den Anschlägen mit religiöser Ideologie und die höchste Steigerung um 68 % auf den höchsten Wert im Zeitraum II von 10,68 Anschlägen ebenfalls. Auch gab es mit 9,66 % den höchsten Anteil von Selbstmordattentaten an allen Anschlägen bei den Anschlägen mit einer religiösen Ideologie. Dort gab es auch die höchste Steigerung um 908 % auf den höchsten Wert im Zeitraum II von 10,08 %. Diese hohen Anteile von Anschlägen bzw. Steigerungen der Anteile konnten bei Anschlägen mit Massenvernichtungswaffen, bei Anschlägen mit zivilen Opfern und bei internationalen Anschlägen nicht festgestellt werden. Abbildung 94: Vergleich Anteil von internationalen ideologischen Anschlägen unterteilt nach Ideologien der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 (n=57.053 ohne n. a.) Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. Die Forschungshypothese H5 zur Predominant Energy muss aufgrund der empirischen Untersuchung abgelehnt werden. 289 Zusammenfassung Kapitel 5 6.3 Zusammenfassung Kapitel 5: Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus Deskriptive Untersuchung In einem ersten Überblick über die weltweiten Anschlagszahlen662 ließ sich ein kontinuierlicher Anstieg der Anschlagszahlen bis 1993 feststellen. Nach einem Rückgang der Anschlagszahlen bis ins Jahr 2004 gab es einen erneuten und noch stärkeren Anstieg bis ins Jahr 2014. Es gab einen Anstieg der durchschnittlichen Anzahl terroristischer Anschläge pro Jahr um 76 % von 2.333 Anschlägen im Zeitraum I auf 4.116 Anschläge im Zeitraum II. Im gesamten Untersuchungszeitraum gab es 83.532 Anschläge mit Opfern663, was einem Anteil von 61,24 % an allen Anschlägen entspricht. Die durchschnittliche Anzahl von Anschlägen mit Opfern pro Jahr für den gesamten Untersuchungszeitraum lag mit 1.856 Anschlägen bei 57,88 %. Die größten Anteile gab es in den Jahren 1972 und 2004 bis 2007. Bei den 83.532 Anschlägen waren insgesamt 716.568 Opfer zu verzeichnen, von denen 56,27 % Verwundete und 43,73 % Tote waren. Über den gesamten Untersuchungszeitraum hinweg gab es durchschnittlich 5,25 Opfer pro Anschlag bzw. 2,30 Tote pro Anschlag und 3,07 Verwundete pro Anschlag. Die meisten Opfer pro Anschlag gab es in den Jahren 1998, 2004 und 2007. Im gesamten Untersuchungszeitraum gab es mit 3.867 Anschlägen einen Anteil von 2,68 % Selbstmordattentate664 an allen Anschlägen, was einem durchschnittlichen Anteil von 2,11 % pro Jahr entspricht. Die größten Anteile ließen sich in den Jahren 2002 bis 2007 finden. Dagegen lag der Anteil von Anschlägen mit Massenvernichtungswaffen665 im gesamten Untersuchungszeitraum mit 301 Anschlägen nur bei 0,23 % bzw. einem durchschnittlichen Anteil von 0,33 % pro Jahr. Die größten Anteile lie- ßen sich in den Jahren 1998 bis 2003 finden. 257 der Anschläge konnten chemischen Waffen zugeordnet werden, 32 biologischen Waffen und 12 radioaktiven Waffen. Im gesamten Untersuchungszeitraum gab es kein Anschlag mit nuklearen Waffen. Mit 75.081 Anschlägen gab es einen Anteil von 53,13 % Anschlägen mit zivilen Opfern666 an allen Anschlägen im gesamten Untersuchungszeitraum, was einem durchschnittlichen Anteil von 55,27 % pro Jahr entspricht. Die Anteile der Anschläge mit zivilen Opfern waren fast über den gesamten Untersuchungszeitraum gleichmäßig verteilt. Im gesamten Untersuchungszeitraum gab es mit 26.737 Anschlägen einen Anteil von 662 n = 144.201 Anschläge. 663 n = 136.399 Anschläge. 664 n = 144.201 Anschläge. 665 n = 133.036 Anschläge. 666 n = 141.372 Anschläge. 290 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus 36,18 % internationale Anschläge667, was einem durchschnittlichen Anteil von 43,42 % pro Jahr entspricht. Die größten Anteile ließen sich in den Jahren 1972–1977 finden. Von den ideologischen Anschlägen668 hatten mit 25.000 Anschlägen bzw. 41,03 % die meisten Anschläge eine links-sozialrevolutionäre Ideologie. 17.320 Anschläge bzw. 28,43 % der Anschläge hatten eine religiöse Ideologie. Ähnlich hoch war mit 16.076 Anschlägen bzw. 26,38 % der Anteil von Anschlägen mit einer nationalistisch-separatistische Ideologie. Nur 2.070 Anschläge bzw. 3,40 % hatten eine rechtskonservative Ideologie, und 462 Anschläge bzw. 0,76 % besaßen sonstige Ideologien. Dies entspricht für den gesamten Untersuchungszeitraum einem durchschnittlichen Anteil von 40,87 % pro Jahr für Anschläge mit links-sozialrevolutionärer Ideologie, 21,79 % für Anschläge mit religiöser Ideologie, 33,29 % für Anschläge mit nationalistisch-separatistischer Ideologie, 3,18 % für Anschläge mit rechts-konservative Ideologie und 0,86 % für Anschläge mit sonstiger Ideologie. Forschungshypothesen Im zweiten Teil dieses empirischen Kapitels wurden die aus dem theoretischen Ansatz des Neuen Terrorismus formulierten Eigenschaften, bzw. Untersuchungsbereiche und die dazugehörigen Forschungshypothesen untersucht. Hierfür konnten folgende Ergebnisse festgehalten werden (siehe Abbildung 95): • Forschungshypothese 1 Mit einem 31 % höheren Anteil von Opfern an allen Anschlägen im Zeitraum II und einer 66 % höheren durchschnittlichen jährlichen Opferanzahl pro Anschlag im Zeitraum II konnte die konkretisierte Forschungshypothese H1a gestützt werden. Mit einem 5872 % höheren Anteil von Selbstmordattentaten an allen Anschlägen im Zeitraum II konnte die konkretisierte Forschungshypothese H1b ebenfalls gestützt werden. Auch die konkretisierte Forschungshypothese H1c konnte mit einem 62 % höheren Anteil von Anschlägen mit eingesetzten Massenvernichtungswaffen an allen Anschlägen im Zeitraum II gestützt werden. Da alle drei konkretisierten Forschungshypothesen H1a-H1c gestützt werden konnten, konnte auch die übergeordnete Forschungshypothese H1 gestützt werden. • Forschungshypothese 2 Mit einem 6 % geringeren Anteil von Anschlägen mit zivilen Opfern an allen Anschlägen im Zeitraum II musste die Forschungshypothese H2 abgelehnt werden. 667 n = 73.901 Anschläge. 668 n = 60.930 Anschläge. 291 Zusammenfassung Kapitel 5 • Forschungshypothese 3 Mit einem 4 % geringeren Anteil von internationalen Anschlägen an allen Anschlägen im Zeitraum II musste die konkretisierte Forschungshypothese H3a abgelehnt werden. Somit musste auch die übergeordnete Forschungshypothese H3 abgelehnt werden. • Forschungshypothese 4: Mit dem größten Unterschied aller Ideologien von 1781 % höherem Anteil von religi- ösen Anschlägen an allen ideologischen Anschlägen im Zeitraum II konnte die Forschungshypothese H4 gestützt werden. Forschungshypothese 5: Im gesamten Untersuchungszeitraum 1970–2014 konnte mit 83,29 % der höchste Anteil von Anschlägen mit Opfern an allen Anschlägen bei Anschlägen mit religi- öser Ideologie festgestellt werden. Ebenso fand sich dort die höchste Steigerung um 32 % auf den höchsten Wert von 84,90 % im Zeitraum II. Ähnlich Werte gab es bei der durchschnittlichen Anzahl von Opfern pro Anschlag: der höchste durchschnittliche Wert für den gesamten Untersuchungszeitraum fand sich mit 10,47 Anschlägen bei den Anschlägen mit religiöser Ideologie und die höchste Steigerung um 68 % auf den höchsten Wert im Zeitraum II von 10,68 Anschlägen ebenfalls. Auch gab es mit 9,66 % den höchsten Anteil von Selbstmordattentaten an allen Anschlägen bei den Anschlägen mit einer religiösen Ideologie. Dort gab es auch die höchste Steigerung um 908 % auf den höchsten Wert im Zeitraum II von 10,08 %. Bei Anschlägen mit Massenvernichtungswaffen, mit zivilen Opfern und bei internationalen Anschlägen lagen weder die höchsten Werte für den gesamten Untersuchungszeitraum noch für den Zeitraum II bei den Anschlägen mit religiöser Ideologie. Da somit bei drei der Abbildung 95: Übersicht der gestützten und abgelehnten Forschungshypothesen H1-H4, eigene Darstellung. 292 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus fünf Indikatoren keine Steigerung festgestellt werden konnte, musste auch die Forschungshypothese H5 abgelehnt werden (siehe Abbildung 96). Abbildung 96: Zusammenhang religiöse Anschläge und übrige Eigenschaften, eigene Darstellung. 293 7 Ergebnisse und Fazit zur empirischen Wirklichkeit (k)eines Neuen Terrorismus Am 26.02.1993 um 12:18 Uhr explodierte eine ca. 600 kg schwere Autobombe im Nordturm des World Trade Centers in New York im Stadtteil Mannhatten und riss dabei über mehrere Stockwerke einen über 130 mal 150 Fuß großen Krater in das Gebäude. Bei dem Anschlag wurden über 1.000 Personen verletzt und sechs Personen getötet.669 Acht Jahre später kam es zu einem zweiten Angriff auf dasselbe Gebäude: zwei Flugzeuge flogen am 11. September 2001 in die beiden Türme des World Trade Centers und töten 2.763 Menschen. Gleichzeitig traf ein weiteres Flugzeug das Pentagon und ein viertes konnte durch das Eingreifen der Passagiere über einem verlassenen Feld in Pennsylvania zum Absturz gebracht werden, anstatt wie von den Entführern geplant in das Kapitol in Washington D. C. zu stürzen.670 Seit diesem ersten Anschlag auf das World Trade Center im Jahr 1993 etablierte sich in der Wissenschaft, den Medien und der Politik ein Forschungsparadigma des „Neuen Terrorismus“. Bis heute stehen vor allem die Anschläge des 11. September 2001 wie kein anderer terroristischer Anschlag als Beispiel für die Existenz dieses Neuen Terrorismus. Dieses Forschungsparadigma eines Neuen Terrorismus bildete den Ausgangspunkt für die vorliegende Untersuchung. Im Diskurs dieses Forschungsparadigmas wurden spezifische Veränderungen im Terrorismus bzw. im Verhalten terroristischer Organisationen angenommen, die Anfang der neunziger Jahre eingesetzt haben sollen und durch die Akteure des Diskurses als relevante Bedrohung für die Sicherheit der Bevölkerung bewertet wurden. 669 Vgl. Lacayo et al. 1993; Bolz/Dudonis/Schulz 2005, S. 256; Martin 2006, S. 19f.; Federal Bureau of Investigation 2008b; Lutterroth 2013; National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism (START) 2015a, 199302260001. 670 Vgl. United States Department of State 2002, S. 1 f; Federal Bureau of Investigation/United States Department of Justice 2004, S. 14f; Kean/Hamilton 2004, S. 1 f./4 ff./285; Bolz/Dudonis/Schulz 2005, S. 328ff; National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism (START) 2015 a, 200109110004/200109110005/20019110006/200109110007. 294 Ergebnisse und Fazit zur empirischen Wirklichkeit (k)eines Neuen Terrorismus Die Inhalte des Diskurses, die in der vorliegenden Untersuchung zu einem theoretischen Ansatz des Neuen Terrorismus zusammengetragen wurden, beschrieben den Neuen Terrorismus als einen Zeitabschnitt671 in der Geschichte des Terrorismus, der Anfang der neunziger Jahre begonnen haben sollte, und in dem sich folgende Eigenschaften bei terroristischen Organisationen vermehrt zeigen sollen: die hohe Bereitschaft des Gewalteinsatzes, eine Undifferenziertheit bei der Opferwahl, ein erhöhtes Vorkommen religiöser Ideologien und eine netzwerkartige Struktur der Organisationen. Die religiöse Ideologie der terroristischen Organisationen wurde hierbei als treibende Kraft ins Zentrum gestellt. Des Weiteren gingen die Akteure davon aus, dass die Veränderungen innerhalb terroristischer Organisationen, aber auch die Bildung neuer terroristischer Organisationen, Reaktionen auf externe Auslöser seien. Zu diesen Auslösern zählten die Akteure unter anderem Ereignisse wie die Iranische Revolution, den Zusammenbruch der Sowjet-Union, den Jahrtausendwechsel, die wachsende Ungleichverteilung in der Bevölkerung, die Globalisierung und die fortschreitende Technologisierung.672 Diesem Forschungsparadigma wurde in der Untersuchung die Behauptung entgegengesetzt, dass es seit Beginn der neunziger Jahre eben keine wesentlichen Veränderungen im Verhalten von terroristischen Organisationen gegeben hat, die zu einer erhöhten Bedrohungslage und somit zu einem Handlungsdruck im Bereich der Terrorismusbekämpfung geführt haben. Aus dieser Gegenbehauptung ist die übergeordnete Forschungsfrage der Untersuchung entstanden, die nach der tatsächlichen Existenz eines Neuen Terrorismus fragte. Im Hinblick auf die gefundenen theoretischen und empirischen Ergebnisse kann zusammenfassend gesagt werden, dass es keinen Neuen Terrorismus gibt, wie er im Forschungsparadigma durch die Akteure dargestellt wurde. Die Forschungsfrage „Gibt oder gab es einen ‚Neuen Terrorismus‘?“ muss somit mit „Nein“ beantwortet werden. Die empirischen Befunde konnten zeigen, dass die meisten Eigenschaften, die als die Eigenschaften des Neuen Terrorismus beschrieben wurden, weder seit Anfang der neunziger Jahre vermehrt auftraten noch als „neu“bewertet werden konnten. Auch konnte die zentrale Rolle der religiösen Ideologie terroristischer Organisationen als treibende Kraft nicht nachgewiesen werden. Gezeigt werden konnte jedoch, dass es zumindest im Zeitraum von 1993 bis 2014 eine höhere Gewaltbereitschaft in Form von hohen Opferzahlen und vermehrten Selbstmordat- 671 Der Neue Terrorismus wurde in der vorliegenden Arbeit im Sinne David C. Rapoport als „Wave“ verstanden. Einen Zeitabschnitt in der Geschichte des Terrorismus versteht David C. Rapoport als den Ablauf von terroristischen Aktivitäten innerhalb einer gewissen Zeitspanne. Vgl. Rapoport 2004. 672 Vgl. u. a. zu möglichen Gründen des Neuen Terrorismus: Hoffman 1998–1999 a, S. 12 ff/2006, S. 144; Roy/Hoffman/Paz/Simon/Benjamin 2000a, S. 161; Cronin 2003, S. 51ff; Heine 2004, S. 128 f; Morgan 2004, S. 39 ff. 295 Theoretische Ergebnisse: Der Diskurs und seine Akteure tentaten unter den terroristischen Organisationen gab und dass mehr religiöse terroristische Organisationen aktiv waren, bei denen sich diese Gewaltbereitschaft auch häufiger zeigte. Hierbei als „neu“ ließen sich jedoch ausschließlich der Einsatz von Selbstmordattentaten und die Aktivität der religiösen terroristischen Organisationen beschreiben (siehe Kapitel 5.2.). Ziel der Arbeit war es, die theoretischen Inhalte des Forschungsparadigmas des Neuen Terrorismus mit der empirischen Wirklichkeit abzugleichen. Durch die Formulierung eines theoretischen Ansatzes des Neuen Terrorismus, die umfassende quantitative Auswertung der Daten der Global Terrorism Database (GTD) und die Erhebung der Variablen „Ideologie“ konnten die tatsächlichen Veränderungen im Verhalten der terroristischen Organisationen untersucht werden, wodurch der Anspruch der Arbeit erfüllt wurde. Zur Erfüllung dieses Anspruchs lag die Herausforderung bei der Formulierung des theoretischen Ansatzes darin, das im Diskurs unklare Verhältnis zwischen „Altem Terrorismus“ und „Neuem Terrorismus“ auf eine messbare Definition zu bringen. Dies konnte durch die Auswahl der Wave-Theorie nach David C. Rapoport673 als übergeordnetes Konzept zum Verständnis des Neuen Terrorismus geleistet werden. Der Neue Terrorismus wurde als eine Lebensphase des Terrorismus beschrieben, die über einen bestimmten Zeitraum dominant war und somit eine Wave in der Geschichte des Terrorismus geprägt hat, während gleichzeitig der Alte Terrorismus weiterhin existiert, im Verhältnis jedoch quantitativ und qualitativ geringer als zuvor. Durch die Anwendung der Wave-Theorie konnte bei der Untersuchung der Eigenschaften der Schwerpunkt auf die Entwicklung der Gesamtzahl der Eigenschaften festgelegt werden (siehe Kapitel 3.3. bis 3.4.1.). 7.1 Theoretische Ergebnisse: Der Diskurs und seine Akteure Die Ergebnisse des theoretischen Teils der Untersuchung zur Leitfrage nach den Akteuren des Diskurses wiesen auf einen Autorenkreis, bei dem mehrere Autoren Verbindungen zu politischen, militärischen und strategischen Institutionen unterhielten. Hierbei handelte es sich nicht nur um Verbindungen zur RAND Corporation sondern auch um Verbindungen zu US-amerikanischen Regierungen und deren Sicherheitsbehörden (siehe Kapitel 2.3.2.). Dies betraf alle drei US-amerikanischen Regierungen des gesamten Untersuchungszeitraums, also sowohl die zwei demokratischen Regierungen unter den Präsidenten Bill Clinton und Barack Obama als auch die republikanische Regierung unter Georg W. Bush. Die Verbindung der aner- 673 Vgl. Rapoport 2004. 296 Ergebnisse und Fazit zur empirischen Wirklichkeit (k)eines Neuen Terrorismus kannten Terrorismusexperten Bruce Hoffman, Brian Michael Jenkins und Paul Wilkinson zur RAND Corporation wurden bereits durch die Kritiker des Diskurses ins Zentrum der Kritik gestellt. Des Weiteren konnten jedoch auch die Autoren Steven Simon, Daniel Benjamin und Paul L. Bremer als Treiber des Diskurses mit wichtigen Positionen in der US-amerikanischen Politik identifiziert werden. Paul L. Bremer war nicht nur Vorsitzenden der National Commission on Terrorism, sondern führte auch im Jahr 2003 als oberster Verwalter die Übergangsverwaltung (Coalition Provisional Authority – CPA) im Irak an.674 Der Journalist Daniel Benjamin war in den neunziger Jahren unter Präsident Bill Clinton als Nationaler Sicherheitsberater und anschließend als Direktor für transnationale Bedrohungen im Sicherheitsrat der USA tätig. Anschließend war er von 2009 bis 2012 unter der Außenministerin Hillary Clinton Sonderbotschafter und Coordinator for Counterterrorism im U. S. Department of State.675 Auch Steven Simon war viele Jahre im U. S. Department of State tätig und bereits in den neunziger Jahren Direktor für globale Angelegenheiten. Anschließend wurde er Senior Director für transnationale Bedrohungen im Sicherheitsrat der USA. 2011 kam er als Direktor für die Bereiche Mittlerer Osten und Nordafrika erneut in den Sicherheitsrat der USA zurück. Neben seinen Tätigkeiten für die US-Regierungen war er als Experte für den Bereich Mittlerer Osten, genau wie Bruce Hoffman, Brian Michael Jenkins und Paul Wilkinson, auch für die RAND Corporation tätig.676 Zur Beantwortung der zweiten Leitfrage des theoretischen Teils der Untersuchung nach den im Diskurs genannten Eigenschaften des Neuen Terrorismus, die als inhaltliche Grundlage zur Konstruktion eines theoretischen Ansatzes des Neuen Terrorismus und schließlich zur Formulierung der Forschungshypothesen führten, ließen sich vier Haupteigenschaften finden (siehe Kapitel 4.2.1): • Hohe Gewaltbereitschaft • Undifferenzierte Opferwahl • Netzwerkartigkeit • Religiosität Diese vier Haupteigenschaften wurden aus der Vielzahl der in der Literatur verwendeten Begriffe zur Beschreibung des Neuen Terrorismus als die vier zentralen und immer wiederkehrenden Eigenschaften terroristischen Verhaltens identifiziert. 674 Vgl. Dobins/Jones/Runkle/Mohandas 2009, S. 14 f; United States Department of State 2019. 675 Vgl. Brookings 2015; The John Sloan Dickey Center for International Understanding 2019. 676 Vgl. Council on Foreign Relations 2009; Middle East Insitute 2014; Massari 2017. 297 Theoretische Ergebnisse: Der Diskurs und seine Akteure Gleichzeitig konnten diesen vier übergeordneten Eigenschaften spezifische Untersuchungsbereiche zugeordnet werden: • Die hohe Gewaltbereitschaft wurde häufig in Zusammenhang mit einem erhöhten Einsatz von Selbstmordattentaten und Massenvernichtungswaffen, aber vor allem mit einer steigenden Opferzahl im Diskurs erwähnt.677 • Die undifferenzierte Opferwahl wurde im Diskurs hauptsächlich in Form einer steigenden Zahl ziviler Opfer thematisiert.678 • Die Netzwerkartigkeit terroristischer Organisationen wurde im Diskurs vor allem in Bezug auf den zunehmenden Grad der Inter- bzw. Transnationalisierung von Anschlägen thematisiert. Aber auch die schwindende Bindung innerhalb der Organisationen und die dafür ansteigende Zusammenarbeit und Vernetzung zwischen den einzelnen Organisationen fand häufig Erwähnung.679 • Die Religiosität der terroristischen Organisationen unterteilte sich im Diskurs nicht in weitere Untersuchungsbereiche, sondern wurde als vermehrtes In- Erscheinung-Treten religiöser terroristischer Organisationen von fast allen Autoren beschrieben.680 Darüber hinaus wurden weitere Eigenschaften im Diskurs identifiziert, die jedoch nur vereinzelt von wenigen Autoren oder nur über einen kurzen Zeitraum hinweg Erwähnung fanden. Zu diesen Eigenschaften zählen die Staatsannäherung681, die 677 Vgl. u. a. zu Selbstmordattentaten: Laqueur 1996, S. 2; Hoffman 1998–1999 a, S. 15/2000, S. 38/2006, S. 405; Juergensmeyer 2000, S. 158; Simon/Benjamin 2000, S. 65 f.; Bremer 2001, S. 23; Giddens 2004, S. 7; Jenkins 2006, S. 118; Kraushaar 2006, S. 15; zu Massenvernichtungswaffen: Simon/Benjamin 2000, S. 71 f; Roy/Hoffman/Paz/Simon/Benjamin 2000 d, S. 172 f; Bremer 2001, S. 24; Cameron 2002, S. 67; Hoffman 2002, S. 45; Wilkinson 2003, S. 2; Behr/Märker 2004, S. 2; Bolz/Dudonis/Schulz 2005, S. 133; Neumann 2009 b, S. 4; zu steigenden Opferzahlen: Bremer 2001, S. 24; Hoffman 2002, S. 31; Howard 2004, S. 75; Wilkinson 2003; Jenkins 2006, S. 118/2008, S. 184 f; Kraushaar 2006, S. 14; Mockaitis 2008, S. 39 f; Neumann 2009 b, S. 5. 678 Vgl. u. a. Hoffman 2000, S. 38/2002, S. 31/2006, S. 405; Juergensmeyer 2000, S. 158; Simon/Benjamin 2000, S. 65 f; Bremer 2001, S. 23 f; Wilkinson 2003; Giddens 2004, S. 7; Howard 2004, S. 75; Jenkins 2006, S. 118/2008, S. 184 f; Kraushaar 2006, S. 14 f; Mockaitis 2008, S. 39 f; Neumann 2009 b, S. 5. 679 Vgl. u. a. zu Internationalisierung: Wilkinson 2003, S. 1; Behr/Märker 2004, S. 1 f; Giddens 2004, S. 6; Kraushaar 2006, S. 18; Jenkins 2006, S. 124 f; Neumann 2009 a, S. 20/2009 b, S. 3; zu Zusammenarbeit: Hoffman 1999 a, S. 9 f./2000, S. 38/2006, S. 405 ff; Simon/Benjamin 2000, S. 69; Giddens 2004, S. 7; Kraushaar 2006, S. 18. 680 Vgl. u. a. Hoffman 1998–1999 a, S. 12/15/1999 a, S. 20; Crenshaw 2000, S. 411; Simon/Benjamin 2000, S. 66; Roy/Hoffman/Paz Simon/Benjamin 2000d, S. 171; Benjamin/Simon 2000; Bremer 2001, S. 25; Hoffman 2006, S. 409 f; Jenkins 2008, S. 187 f; Mockaitis 2008, S. 41; Neumann 2009 a, S. 28/2009 b, S. 5. 681 Vgl. Hoffman 1999 a, S. 8; Simon/Benjamin 2000, S. 61; Wilkinson 2003, S. 1 f; Jenkins 2006, S. 121 f. 298 Ergebnisse und Fazit zur empirischen Wirklichkeit (k)eines Neuen Terrorismus Entprofessionalisierung in Form eines sogenannten Amateur-Terroristen682, der Lone-Terrorist683, die Privatisierung in Form eines sogenannten Privat-Terroristen684 oder die Konzentration auf spezifische Themenfelder, wie Narco-Terrorismus oder Öko-Terrorismus, die unter dem Begriff Single-Issue-Terrorismus685 zusammengefasst wurden. Keine dieser Eigenschaften wurde als konsistente Eigenschaft des Diskurses bewertet und daher auch nicht weiter in die Untersuchung miteinbezogen. Eine weitere Erkenntnis dieses theoretischen Teils der Untersuchung war die Bedeutung der Eigenschaft „Religiosität“ als Predominant Energy des Neuen Terrorismus. Die Religiosität wurde für die Untersuchung im Diskurs als die Predominant Energy des Neuen Terrorismus identifiziert, da sie am häufigsten von den Autoren als Eigenschaft des Neuen Terrorismus genannt und explizit mit den anderen Eigenschaften in Verbindung gebracht wurde. Außerdem wurde das Sakrale einer Religion explizit als die zentrale Bedrohung des Terrorismus formuliert.686 Nicht zuletzt die Auswahl der im Diskurs erwähnten Anschläge, die zu einem Großteil von terroristischen Organisationen mit religiöser Ideologie verübt wurden, wies zugleich auf die Bedeutung und die zentrale Stellung der Religion für das Forschungsparadigma hin. Die dritte Leitfrage nach den Ursachen des Neuen Terrorismus wurde von den Autoren des Diskurses im Vergleich zur Ausgestaltung der Eigenschaften eher zweitrangig thematisiert. Als mögliche Auslöser für den Neuen Terrorismus nannten die Autoren hauptsächlich Ereignisse, wie die Iranische Revolution, den Zusammenbruch der Sowjet Union und des kommunistischen Systems, den Jahrtausendwechsel, aber auch die wachsende Ungleichverteilung in der Bevölkerung, die Globalisierung und den technischen Fortschritt bei Kommunikationsmitteln, Reisemöglichkeiten und Waffen.687 Da die terroristische Organisation in der Untersuchung als rational handelnder Akteur verstanden wurde, wurde ein Auslösen von Verhaltensänderungen durch externe Ereignisse als grundsätzlich denkbar angenommen. Wäre die Forschungsfrage nach der Existenz eines Neuen Terrorismus abschließend eindeutig mit „Ja“ zu beantworten gewesen, hätte sich daher an dieser Stelle ein zentraler Ansatzpunkt für die weiteren Forschungen ergeben. Die Frage nach dem genauen Zusammenhang der externen Ereignisse und der Verhaltensänderungen, aber auch 682 Vgl. Hoffman 1999 a, S. 20 f./2006, S. 405. 683 Vgl. Laqueur 1996, S. 6 f. 684 Vgl. Hirschmann 2000, S. 302 ff. 685 Vgl. Hirschmann 2000, S. 302 ff. 686 Vgl. u. a. Hoffman 1998–1999 a, S. 12/15/1999 a, S. 20/2006, S. 409 f; Crenshaw 2000, S. 411; Benjamin/Simon 2000; Simon/Benjamin 2000, S. 66; Roy/Hoffman/Paz/Simon/Benjamin 2000 d, S. 171; Bremer 2001, S. 25; Jenkins 2008, S. 187 f; Mockaitis 2008, S. 41; Neumann 2009 a, S. 28/2009 b, S. 5. 687 Vgl. u. a. Hoffman 1998–1999 a, S. 12 ff./2006, S. 144; Roy/Hoffman/Paz/Simon/Benjamin 2000 a, S. 161; Cronin 2003, S. 51 ff; Heine 2004, S. 128 f; Morgan 2004, S. 39 ff. 299 Empirische Ergebnisse: Veränderungen im Verhalten terroristischer Organisationen die daraus resultierende Identifikation der beeinflussenden Faktoren kann dennoch auch für einzelne Verhaltensänderungen außerhalb des Konzeptes eines Neuen Terrorismus erkenntnisbringend sein (siehe Kapitel 2.3.2). 7.2 Empirische Ergebnisse: Veränderungen im Verhalten terroristischer Organisationen Bei der Betrachtung der empirisch nachweisbaren Verhaltensänderungen terroristischer Organisationen wurden zunächst vier verschiedene Forschungshypothesen aufgestellt, die untersuchen sollten, ob die Eigenschaften des Neuen Terrorismus aus dem Diskurs im Zeitraum II „1993–2014“ – dem Zeitraum des Neuen Terrorismus – signifikant häufiger als im Zeitraum I „1970–2014“ auftraten. Diese vier Forschungshypothesen wurden ergänzt durch eine weitere Forschungshypothese zur Predominant Energy des Neuen Terrorismus, die in Form der religiösen Ideologie terroristischer Organisationen vorliegen sollte. Alle Ergebnisse der empirischen Untersuchung mussten vor dem Hintergrund der allgemeinen Steigerung der Anschlagszahlen betrachtet werden: im Zeitraum II lag die Anzahl der Anschläge um 68,73 % höher als im Zeitraum I. Dieser Umstand und die unterschiedlich großen Stichproben der jeweiligen ideologischen Anschläge führten bei der Auswertung dazu, dass die Überprüfung der Forschungshypothesen und somit die Beantwortung der Forschungsfragen nur aus den Vergleichen der jeweiligen Anteile der Eigenschaften an allen Anschlägen und nicht aus den absoluten Zahlen abgeleitet werden konnten. Insgesamt ließ sich zunächst feststellen, dass drei der fünf Forschungshypothesen abgelehnt werden mussten. Sowohl die Forschungshypothese zur Netzwerkartigkeit als auch zur undifferenzierten Opferwahl, aber auch zur Predominant Energy konnten durch die empirische Untersuchung nicht gestützt bzw. nicht in vollem Umfang gestützt werden. Nur die beiden Forschungshypothesen zur hohen Gewaltbereitschaft und zur Religiosität der terroristischen Organisationen konnten soweit gestützt werden. Eine Übersicht der gestützten und abgelehnten Forschungshypothesen dieser Untersuchung sind in Abbildung 97 noch einmal zusammengefasst dargestellt: 300 Ergebnisse und Fazit zur empirischen Wirklichkeit (k)eines Neuen Terrorismus F1: Welche Veränderung im Verhalten terroristischer Organisationen hat es seit 1993 gegeben, bezogen auf die Eigenschaften, die im wissenschaftlichen Diskurs als die Eigenschaften des Neuen Terrorismus beschrieben werden? Die erste Fragestellung nach den Veränderungen des Verhaltens terroristischer Organisationen in Bezug auf Eigenschaften des Diskurses lässt sich auf Grundlage dieser Ergebnisse der Forschungshypothesen nicht einheitlich beantworten. Es kam nachweislich im Zeitraum II zu einem höheren Anteil von Selbstmordattentaten, Einsätzen von Massenvernichtungswaffen und zu höheren Opferzahlen bzw. auch zu einem höheren Anteil von Anschlägen mit Opfern und somit zu einer höheren Gewaltbereitschaft bei Anschlägen terroristischer Organisationen. Auch eine erhöhte Aktivität von terroristischen Organisationen mit religiöser Ideologie konnte im Zeitraum II festgestellt werden. Ein höherer Anteil von zivilen Opfern und von internationalen Anschlägen ließ sich für den Zeitraum II dagegen nicht feststellen. Die Untersuchungsergebnisse zur Predominant Energy wiesen auf unterschiedliche Zusammenhänge zwischen der religiösen Ideologie der Anschläge und den restlichen Untersuchungsbereichen hin. Betrachtet man ausschließlich die Anschläge mit religiöser Ideologie, kann eine ähnliche Entwicklung der restlichen Eigenschaften des Neuen Terrorismus festgestellt werden wie bei der Betrachtung aller Anschläge. Während die durchschnittliche Anzahl von Opfern pro Anschlag bzw. der Anteil von Anschlägen mit Opfern und der Anteil von Selbstmordattentaten bei religiösen Anschlägen im Zeitraum II höher war als im Zeitraum I, war sowohl der Anteil von Anschlägen mit Massenvernichtungswaffen als auch der Anteil von Anschlägen mit zivilen Opfern und der Anteil von internationalen Anschlägen im Zeitraum II geringer. Diese Ergebnisse lassen die Vermutung zu, dass im Zeitraum II höchstens ein Zusammenhang zwischen der erhöhten Gewaltbereitschaft und der Zunahme von Abbildung 97: Übersicht gestützte und abgelehnte Forschungshypothesen der Untersuchung, eigene Darstellung. 301 Empirische Ergebnisse: Veränderungen im Verhalten terroristischer Organisationen Anschlägen mit religiöser Ideologie besteht, wobei dies jedoch nicht auf den Einsatz von Massenvernichtungswaffen zutrifft (siehe Abbildung 98). Auch die konkreten Ergebnisse bei der Untersuchung der Forschungshypothese H5, bei der ein Zusammenhang zwischen der Religiosität und den extremen Ausprägungen der übrigen Untersuchungsbereichen vermutet wurde, unterstützen diese Schlussfolgerung. Außer bei der durchschnittlichen Opferanzahl pro Anschlag bzw. dem Anteil von Anschlägen mit Opfern und dem Anteil von Selbstmordattentaten war der Anteil der restlichen Untersuchungsbereiche bei den Anschlägen mit einer religiösen Ideologie weder über den gesamten Untersuchungszeitraum noch im Zeitraum II am höchsten. Die Ideologien mit den höchsten Anteilen der jeweiligen Untersuchungsbereiche werden zur Übersicht in Abbildung 99 zusammengefasst: Abbildung 98: Höherer Wert der Untersuchungsbereiche im Zeitraum II bei religiösen Anschlägen, eigenen Darstellung. Abbildung 99: Höchste Werte der Untersuchungsbereiche nach Ideologien, eigenen Darstellung. 302 Ergebnisse und Fazit zur empirischen Wirklichkeit (k)eines Neuen Terrorismus Allein die Ergebnisse zur Ablehnung oder Stützung der Forschungshypothesen geben jedoch noch keine vollumfängliche Antwort auf die übergeordnete Fragestellung nach der Existenz des Forschungsparadigmas „Neuer Terrorismus“. Dies betrifft vor allem die Ergebnisse der gestützten Forschungshypothesen. Bei Eigenschaften bzw. Untersuchungsbereichen, die im Zeitraum II häufiger auftraten als im Zeitraum I, können die Stärke des Anstiegs und die absoluten Fallzahlen deren Konzeptrelevanz relativieren. Daher wurde in der zweiten Fragestellung danach gefragt, wie stark diese Veränderungen der gefundenen Eigenschaften überhaupt sind. F2: Wie stark sind diese Veränderungen? Die Steigerung des Anteils von terroristischen Organisationen mit religiöser Ideologie war mit 1781 % und einer absoluten Fallzahl von 17.320 Anschlägen am eindeutigsten. Die Steigerung der durchschnittlichen Opferzahl pro Anschlag und des Anteils von Anschlägen mit Opfern waren mit 66 % bzw. 31 % ebenso eindeutig wie deren absolute Fallzahlen für den gesamten Untersuchungszeitraum mit 716.568 Opfern bzw. 83.532 Anschlägen mit Opfern. Auch die Steigerung der Selbstmordattentate um 5872 % und die Gesamtzahl von 3.867 Anschlägen für den gesamten Untersuchungszeitraum ließen keinen Zweifel an der Konzeptrelevanz aufkommen. Anders stellte sich dies jedoch bei den Anschlägen mit Massenvernichtungswaffen dar. Bei diesen konnte zwar eine Steigerung um 62 % festgestellt werden, die absolute Fallzahl lag jedoch bei nur 301 Anschlägen für den gesamten Untersuchungszeitraum, von denen 80 Anschläge in den Zeitraum I und 221 in den Zeitraum II fielen. Aufgrund dieser sehr geringen Fallzahl muss zumindest angezweifelt werden, ob Anschläge mit Massenvernichtungswaffen überhaupt als relevante terroristische Bedrohung angesehen werden sollten. Die dadurch verursachten 12.210 Opfer sprechen zwar dafür, diese Art von Anschlägen zumindest nicht aus dem Bewusstsein zu verlieren, dennoch werden die vorliegenden Ergebnisse als nicht ausreichend beurteilt, um den Einsatz von Massenvernichtungswaffen als Teil des formulierten Forschungsparadigmas des Neuen Terrorismus zu stützen.688 Auch wenn die Existenz der Predominant Energy in Form der religiösen Ideologie der Organisationen durch die Ergebnisse der Forschungshypothese H5 nicht bestätigt werden konnte, sollen die Erkenntnisse der Untersuchung zur Steigerungen der Werte der Untersuchungsbereiche der religiösen Anschläge an dieser Stelle kurz skiz- 688 Wobei sich aus den Daten der vorliegenden Datenbank nicht eindeutig klären lässt, wieviel der 11.457 Getöteten und 753 Verwundeten tatsächlich Opfer von Massenvernichtungswaffen wurden oder durch andere Mittel, die auch bei diesen Anschlägen eingesetzt wurden, zu Schaden kamen. Die tatsächliche Anzahl der Opfer von Massenvernichtungswaffen kann daher geringer ausfallen. 303 Empirische Ergebnisse: Veränderungen im Verhalten terroristischer Organisationen ziert werden. Besonders der Vergleich mit den Anschlägen der anderen Ideologien kann als Ansatz für die weitere Forschung und bei der Abwägung der Handlungskonsequenzen dienen. Dies betrifft vor allem den Vergleich der religiösen Anschläge und der nationalistisch-separatistischen Anschläge. Zwar lagen die Durchschnittswerte des gesamten Untersuchungszeitraums und des Zeitraums II bei den religiösen Anschlägen für die durchschnittlichen Opferzahlen pro Anschlag, den Anteil der Anschläge mit Opfern und dem Anteil der Selbstmordattentate deutlich höher als bei den Anschlägen mit nationalistisch-separatistischer Ideologie, die Steigerungsraten relativieren diese Ergebnisse jedoch. Zumindest die Steigerung des Anteils von Anschlägen mit Opfern lag mit 32 % bei religiösen Anschlägen deutlich höher als bei allen restlichen Ideologien. Auch der Anstieg der durchschnittlichen Opferzahl pro Anschlag war mit 68 % zwar am höchsten, wurde jedoch dicht gefolgt vom Anstieg der Anschläge mit nationalistisch-separatistischer Ideologie, der bei 67 % lag. Die Steigerung um 908 % des Anteils von Selbstmordattentaten bei religiösen Anschlägen wurde von der Steigerung bei nationalistisch-separatistischen Anschlägen in Höhe von 3198 % sogar weit übertroffen. Insgesamt stützt die Betrachtung dieser Ergebnisse zu den Steigerungsraten das Ergebnis der Forschungshypothese H5, die die religiöse Ideologie der terroristischen Organisationen als Predominant Energy des Neuen Terrorismus ablehnt. Weder konnten bei den religiösen Anschlägen für alle Untersuchungsbereiche die extremsten Ausprägungen nachgewiesen werden noch heben sich die Steigerungsraten – außer beim Anteil der Anschläge mit Opfern – von den Steigerungsraten der anderen ideologischen Anschläge ab. F3: Wie neu sind die Eigenschaften? Die Fragestellung nach dem Neuigkeitswert des Neuen Terrorismus und somit nach dem Neuigkeitswert seiner Eigenschaften und Untersuchungsbereiche steht auch im Mittelpunkt der Kritik am Diskurs und ist aufgrund der ungenauen Definition des Begriffs „neu“ nicht ganz einfach zu beantworten. Insgesamt lässt sich auf Grund der Ergebnisse der Jahresdurchschnittswerte für den gesamten Untersuchungszeitraum feststellen, dass alle Eigenschaften bzw. Untersuchungsbereiche des Neuen Terrorismus nicht in dem Sinne als neu bezeichnet werden können, dass es sie im Zeitraum I „1970–1992“ nicht auch schon gegeben hätte. Der Vergleich von Zeitraum I und Zeitraum II bei den Anteilen der einzelnen Untersuchungsbereiche lässt jedoch die Behauptung zu, dass bei Selbstmordattentaten und bei Anschlägen mit religiöser Ideologie von „neuen“ Phänomenen gesprochen werden kann. Der durchschnittliche Anteil von Selbstmordattentaten lag für den Zeitraum I bei nur 0,07 % und der 304 Ergebnisse und Fazit zur empirischen Wirklichkeit (k)eines Neuen Terrorismus Anteil von Anschlägen mit religiöser Ideologie an allen Ideologischen Anschlägen nur bei 2,75 %. Beide Werte sind so gering und die Steigerungen zum Zeitraum II mit 5872 % bzw. 1781 % so hoch, dass es an dieser Stelle gerechtfertigt erscheint, den Begriff „neu“ zu verwenden. Bei den durchschnittlichen Opferzahlen pro Anschlag und den Anteilen von Anschlägen mit Opfern führen die Ergebnisse der Untersuchung zu einer anderen Bewertung. Neben den hohen Anteilen des gesamten Untersuchungszeitraums und des Zeitraums II sowie den positiven Steigerungsraten sind auch die Anteile im Zeitraum I mit 3,68 Opfern bzw. 20,05 % nicht unerheblich und somit nicht als „neu“ zu bewerten. Die Betrachtung aller empirischer Ergebnisse unter Berücksichtigung der drei Forschungsfragen führt zu dem Schluss, dass dem „Neuen Terrorismus“, wie er in der vorliegenden Untersuchung aus dem Diskurs extrahiert wurde, am Ende der empirischen Auswertung nur zwei Eigenschaften bleiben: Selbstmordattentate und Anschläge mit religiöse Ideologie. Neben dieser zentralen Erkenntnis der Untersuchung werfen die Ergebnisse des empirischen Teils jedoch auch einige neue Betrachtungspunkte in Bezug auf die Entwicklungen der einzelnen Eigenschaften auf. Der Einsatz von Massenvernichtungswaffen erscheint im Diskurs um den Neuen Terrorismus und in der Wahrnehmung als Bedrohung stark überbewertet zu werden. Zwar steigt der Anteil der Anschläge, bleibt aber dennoch bis heute auf einem extrem geringen Niveau. Zu einer falschen Einschätzung kommen die Autoren auch bei der Bewertung der Anschläge mit zivilen Opfern und der internationalen Anschläge. Während der Anteil von Anschlägen mit zivilen Opfern über den gesamten Untersuchungszeitraum mehr oder weniger konstant war, waren die Werte besonders in den letzten Jahren des Untersuchungszeitraums leicht rückläufig. Bei den internationalen Anschlägen setzt sich der Trend des Rückgangs sogar bereits seit Beginn der zweitausender Jahre mit leichten Schwankungen relativ konstant fort. Ein weiterer beachtenswerter Aspekt, der sich aber aus den Untersuchungsergebnissen zu den unterschiedlichen Ideologien ergab, bezieht sich auf die Steigerungen der durchschnittlichen Opferanzahl pro Anschlag und des Anteils von Selbstmordattentaten bei nationalistisch-separatistischen Organisationen, der in dieser Weise im Konzept des Neuen Terrorismus nicht erwartet wurde. 305 Ausblick: Ansätze für die Forschung und aktuelle Entwicklungen 7.3 Ausblick: Ansätze für die Forschung und aktuelle Entwicklungen Vor allem die unerwarteten Erkenntnisse der Untersuchung über den Zusammenhang zwischen nationalistisch-separatistischen Anschlägen und einer erhöhten Gewaltbereitschaft lässt Raum für zukünftige Forschungsansätze. Welche Gründe gibt es für eine erhöhte Gewaltbereitschaft in Form hoher Opferzahlen sowie dem vermehrten Einsatz von Selbstmordattentaten bei Anschlägen mit nationalistisch-separatistischer Ideologie? Des Weiteren müsste auch untersucht werden, inwieweit tatsächlich ein statistischer Zusammenhang zwischen diesen beiden Untersuchungsbereichen und nationalistisch-separatistischen Anschlägen besteht. Die vorliegende Untersuchung gibt nur eine Antwort auf die Frage, bei welchen Arten von ideologischen Anschlägen die übrigen Untersuchungsbereiche extrem ausgeprägt waren, und wie sich diese Ausprägungen im Laufe der Zeit veränderten, jedoch nicht darüber wie signifikant diese Zusammenhänge sind. Auch der Zusammenhang zwischen religi- ösen Anschlägen und der erhöhten Gewaltbereitschaft bietet einen Ansatzpunkt zur genaueren Untersuchung des statistischen Zusammenhangs. Durch die Erhebung der Ideologien für die vorliegenden Untersuchung auf der Basis der Global Terrorism Database (GTD) ist eine Auswertung dieser und weiterer Fragestellungen zu den Ideologien der terroristischen Organisationen und Ihrer Anschläge zum ersten Mal in repräsentativer Größe möglich. Neben der Beantwortung der übergeordneten Fragestellung nach der Existenz des Neuen Terrorismus bzw. nach der Rechtfertigung des Forschungsparadigmas liegt hierin ein weiterer Beitrag der Untersuchung zur aktuellen und zukünftigen Forschung. Ein weiterer Ansatz für eine anschließende Forschung liegt auch im Bereich des Konzepts der Netzwerkartigkeit. Der formulierte zweite Untersuchungsbereich der Zusammenarbeit von terroristischen Organisationen konnte auf Grundlage der vorliegenden Daten und des Rahmens dieser Untersuchung nicht in die empirische Auswertung miteinbezogen werden. Die Netzwerkartigkeit wurde deshalb allein auf Grundlage der empirischen Ergebnisse des Untersuchungsbereichs Internationalität beurteilt. In einer erneuten Überprüfung der Forschungshypothese zur Netzwerkartigkeit terroristischer Organisationen und deren Anschläge auf Grundlage weiterer empirischer Daten zur Zusammenarbeit terroristischer Organisationen liegt sicherlich noch Potential zur Differenzierung der Ergebnisse. Während sich die aktuellere Forschung – auch unter Verwendung des Begriffs „Neuer Terrorismus“ – inzwischen hauptsächlich auf islamistische bzw. jihadisti- 306 Ergebnisse und Fazit zur empirischen Wirklichkeit (k)eines Neuen Terrorismus sche terroristische Organisationen und deren Anschläge fokussiert,689 muss aus den vorliegenden Ergebnissen die Forderung formuliert werden, zukünftig auch die Entwicklung nationalistisch-separatistischer terroristischer Organisationen und deren Anschläge wieder stärker in den Fokus der Studien zu rücken. Da ein Großteil der empirischen Forschung zu terroristischen Organisationen in den USA stattfindet, kann angenommen werden, dass dies auch einen Einfluss auf die geringe Beachtung dieser Art von terroristischen Organisationen hat. Nur 323 der in der Untersuchung gefundenen 16.076 nationalistisch-separatistischen Anschläge fanden in den USA statt, die letzten im Jahr 1998. Dieses Verschwinden der nationalistisch-separatistischen Organisationen belegt auch eine Studie, die bei der Betrachtung der Entwicklung des Terrorismus in den USA die Ideologien der Anschläge mit in die Auswertung einbezieht.690 Besonders für die Forschung im europäischen Raum sollte dieser Ansatz jedoch weiter verfolgt werden, da sich knapp die Hälfte der 16.076 Anschläge durch Organisationen mit nationalistisch-separatistischer Ideologie auf dem europäischen Kontinent zugetragen hat. Da sich die Untersuchung auf einen Zeitraum von 1970 bis 2014 beschränkte, soll an dieser Stelle neben dem Forschungsausblick noch ein kurzer Ausblick auf die aktuelleren vorliegenden Daten der Jahre 2015 bis 2018 gegeben werden.691 Die in der Einleitung dieser Untersuchung formulierten Beobachtungen bezüglich einiger seit dem Jahr 2015 medienwirksamer Anschläge, die dem Begriff des Neuen Terrorismus wieder in die mediale Berichterstattung verhalfen, erwecken zunächst den Eindruck einer erneut wachsenden Bedrohungslage durch terroristische Organisationen. Bezogen auf die tatsächlichen Anschlagszahlen und Opferzahlen terroristischer Anschläge ist jedoch das Gegenteil der Fall: seit dem Jahr 2015 hat die Zahl der Todesopfer terroristischer Anschläge jährlich abgenommen. Während die Zahl der Todesopfer 2014 noch um 80 % zum Vorjahreswert anstieg – was aufgrund der ebenfalls steigenden Anschlagszahlen anteilig tatsächlich jedoch nur einen geringen Anstieg bedeutete – gab es laut des Global Terrorism Index von 2014 bis 2018 einen Rückgang der 689 Vgl. z. B. Goertz 2018. 690 Die Studie basiert auf den Daten des Terrorism and Extremist Violence in the United States (TEVUS) Projekts, das, neben anderen Charakteristiken, die Ideologie zu extremistischer Gewalt in den USA – darunter die terroristischen Anschläge der Global Terrorism Database – zusammengetragen hat. Vgl. Miller 2017. 691 Die im Folgenden verwendeten Informationen über terroristische Anschläge der Jahre 2015–2018 des Global Terrorism Index des Insitute of Economics and Peace entstammten der Global Terrorism Database. Die Anzahl der ausgewerteten Anschläge in diesem Bericht ist insgesamt geringer als dies in der ursprünglichen Datenbank und in der vorliegenden Untersuchung der Fall ist. Die Steigerungsraten lassen dennoch einen annähernden Vergleich mit den Ergebnissen der vorliegenden Untersuchung zu. 307 Ausblick: Ansätze für die Forschung und aktuelle Entwicklungen Todesopfer um insgesamt knapp 53 %.692 Während die Zahl der Todesopfer in 2015 um 10 %693, in 2016 um 13 %694 und in 2017 sogar um 27 %695 zurückging, war es in 2018 immerhin noch ein Rückgang um weitere 15 %696. Ein oberflächlicher Blick697 in die Rohdaten der aktuellsten Version der Global Terrorism Database (GTD) bestätigt diesen Trend: insgesamt sind die jährlichen Opferzahlen (getötete und verwundete Personen) von 2014 bis zum Jahr 2018 um ca. 50 % zurückgegangen. Bei einem gleichzeitigen Rückgang der weltweiten jährlichen Anschlagszahlen um ca. 43 % bedeutet dies immerhin noch einen deutlichen Rückgang von durchschnittlich 5,36 Opfern pro Anschlag im Jahr 2014 auf durchschnittlich ca. 4,50 Opfer pro Anschlag im Jahr 2018. Dies ist der niedrigste Wert seit dem Jahr 1994 mit 4,03 Opfern pro Anschlag. Die Selbstmordattentate als einer der zwei bestätigten Untersuchungsbereiche dagegen scheinen ihren Trend zunächst halten: der Anteil von Selbstmordattentaten an allen Anschlägen stieg von 4,41 % im Jahr 2014 kontinuierlich bis auf ca. 7,75 % im Jahr 2017 an. Der hohe Anteil von 7,75 % Selbstmordattentaten im Jahr 2017 wird bei genauerer Betrachtung aller Jahresdurchschnittswerte noch bedeutsamer, wenn davon ausgegangen werden kann, dass die einzigen höheren Anteile in den Jahren nach dem 11. September 2001 (2002–2007) zum Teil auf Nachahmungseffekte („Werther-Effekt“) zurückzuführen sind.698 Dies kann jedoch nur eine Vermutung bleiben. Im Jahr 2018 lag der Anteil der Selbstmordattentate dann jedoch wieder nur bei 3,83 %.699 Dieser Einbruch ist in 2018 zu einem großen Teil auf einen Rückgang der Selbtsmordattenate im Irak zurück zuführen. In den Jahren von 2014 bis 2017 fanden über ein Drittel aller Selbstmordattentate im Irak statt, 2016 waren es sogar 46 % aller Selbstmordattentate. Mit dem Rückgang der terroristischen Anschläge und Opferzahlen im Irak in 2018 ging auch die Anzahl der Selbstmordattentate zurück. Die Entwicklung dieser Anschlagzahlen im Irak wiederum ist vor allem auf die zeitweise erfolgreiche Zurückdrängung des Daesh (Islamischer Staat) zurückzuführen. 692 Vgl. Insitute or Economics and Peace 2019, S. 12. 693 Vgl. Insitute or Economics and Peace 2016, S. 14. 694 Vgl. Insitute or Economics and Peace 2017, S. 14. 695 Vgl. Insitute or Economics and Peace 2018, S. 12. 696 Vgl. Insitute or Economics and Peace 2019, S. 12. 697 Die folgenden Daten der Global Terrorism Database 2019 werden ohne eine Datenbereinigung angegeben. Daher kann es bei einer genaueren Auswertung zu leichten Abweichungen kommen. Vgl. National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism (START) 2019. 698 In der Medienwirkungsforschung wird bei dem Werther-Effekt von einem Zusammenhang zwischen den in den Medien gezeigten Selbstmorden und der anschließenden Steigerung der Selbstmordraten ausgegangen. Sie hierzu: Ziegler/Hegerl 2002. 699 Aufgrund der nur oberflächlichen Betrachtung der Zahlen der aktuellsten Version der Datenbank sind leichte Abweichungen möglich. Vgl National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism 2018. 308 Ergebnisse und Fazit zur empirischen Wirklichkeit (k)eines Neuen Terrorismus Die Bewertung dieser Entwicklungen der letzten vier Jahre in Bezug auf das Forschungsparadigma des Neuen Terrorismus kann aufgrund der kurzen Zeitspanne und vieler externer Faktoren nur unter Vorbehalt formuliert werden. Der Rückgang der Anschlagszahlen ist mit 43 % zwar sehr hoch, fällt bei der Betrachtung der absoluten Zahlen mit 9.607 Anschlägen im Jahr 2018 jedoch immer noch nur knapp unter den zweithöchsten Wert des gesamten Zeitraums des Jahres 2013 mit 11.866 Anschlägen. Der Rückgang der durchschnittlichen Opferanzahl pro Anschlag dagegen ist im Vergleich zu den Vorjahren bedeutender. Es handelt sich hierbei um den niedrigsten Wert seit dem Jahr 1994, was die Annahme einer höheren Gewaltbereitschaft als Eigenschaft des Neuen Terrorismus auf längere Frist weiter abschwächt, sollte sich dieser Trend fortsetzen. Die steigende Anzahl der Selbstmordattentate unterstützt sowohl die gefunden Ergebnisse der Untersuchung als auch die Annahmen aus dem Diskurses um den Neuen Terrorismus. Bei näherer Betrachtung der regionalen Verteilung der Anschläge zeigt sich jedoch, dass speziell die Entwicklung der Selbstmordattentate von wenigen Ländern abhängig ist und sich bisher zumindest nicht zu einem weltweiten Trend entwickelt hat. 7.4 Fazit: Politische Relevanz und Handlungsempfehlungen Die eingangs formulierte Vermutung konnte abschließend bestätigt werden. Diese besagte, dass es seit Beginn der neunziger Jahre keine wesentlichen Veränderungen im Verhalten von terroristischen Organisationen gegeben hat, die zu einer erhöhten Bedrohungslage und somit zu einem Handlungsdruck im Bereich der Terrorismusbekämpfung geführt haben, wie es das Forschungsparadigma des Neuen Terrorismus darlegt. Allerdings steht weiterhin der Vorwurf der Erwünschtheit des Forschungsparadigmas zur Rechtfertigung politischer Entscheidungen im Raum. Insgesamt stärken auch die im theoretischen Teil der Untersuchung nachgewiesenen Verbindungen mehrere Akteure des Diskurses zu politischen, militärischen und strategischen Institutionen diesen Vorwurf. Nachweisen lässt sich dies im Rahmen der vorliegenden Untersuchung nicht, dennoch soll am Beispiel des im Jahr 2000 veröffentlichten Berichts „Countering The Changing Threat of International Terrorism“ der sechs Monate zuvor eingesetzten National Commission on Terrorism ein möglicher Zusammenhang kurz aufgezeigt werden. Die National Commission on Terrorism wurde 1999 durch den US-Kongress eingesetzt „… to review and assess the laws, regulations, policies, directives, and practices relating to combating international terrorism directed against the United States and recommend changes to improve U. S. coun- 309 Fazit: Politische Relevanz und Handlungsempfehlungen terterrorism performances.“700 Der Bericht formulierte exakt die Eigenschaften aus dem Diskurs über den Neuen Terrorismus als akute Bedrohung für die USA, darunter auch die drohende Gefahr eines Angriffs durch terroristische Organisationen mit Massenvernichtungswaffen. Diese sollten die Waffen aus der Hand einiger den Terrorismus unterstützender Staaten erhalten können, darunter auch aus der Hand des Irak.701 Außerdem kam der Bericht zu folgenden richtungsweisenden Schluss: „The terrorist threat is also changing in ways that make it more dangerous and difficult to counter.“702 Zu den Handlungsempfehlungen des Berichts gehörte unter anderem ein härteres Vorgehen gegen Staaten, die terroristische Organisationen in irgendeiner Form unterstützen.703 Während der Erstellung und bei der Veröffentlichung dieses Berichts war Paul L. Bremer, einer der Autoren des Diskurses um den Neuen Terrorismus, Vorsitzender der Kommission. Im Jahr 2003 wurde er nach der Besetzung des Irak durch die USA und dem Sturz Saddam Husseins für ein Jahr der dortige oberste Verwalter der eingesetzten Coalition Provisional Authority (CAP).704 Es kann davon ausgegangen werden, dass Akteure wie Paul L. Bremer nicht (nur) in Eigeninteresse handelten, sondern auch im direkten Interesse der US-amerikanischen Regierung und deren Behörden. Das Beispiel von Paul L. Bremer scheint einen häufig formulierten Verdacht gegen die USA zu bestätigen: die lange vorbereitete plastische Verbalisierung einer terroristischen Bedrohung von noch nie da gewesenem Ausmaß als „New Terrorism“ und die damit zusammenhängende Ausrufung des „War on Terrorism“705 war eine beabsichtigte Strategie. Der Fahrtwind der Ereignisse des 11. September 2001 sollte der damaligen US-Regierung einen Handlungsspielraum im Inn- und Ausland eröffnen, der unter normalen Umständen rechtlich und moralische von den US-Amerikanern und der Weltbevölkerung niemals akzeptiert worden wäre. Die erwähnte Besetzung des Iraks 2003 beispielsweise fand ohne ein UN-Mandat statt und wurde durch die USA mit der Verbindung der irakischen Regierung zur terroristischen Organisation Al Qaeda und dem Besitz von Massenvernichtungswaffen begründet (die jedoch nie gefunden wurden). Beides waren zentrale Motive im Forschungsparadigma des Neuen Terrorismus. Die USA hatten bereits seit Anfang der neunziger Jahre unter Präsident Bill Clinton ein großes Interesse daran, das Regime von Saddam Hussein zu beenden und konnten nach dem 11. September 2001 nun dank der im Oktober 2002 verabschie- 700 National Commission on Terrorism 2000, S. 45. 701 Vgl. National Commission on Terrorism 2000, S. 5. 702 National Commission on Terrorism 2000, S. 1. 703 Hierzu zählten auch der Afghanisten und der Irak. Vgl. National Commission on Terrorism 2000, S. 18 ff. 704 Vgl. Dobins/Jones/Runkle/Mohandas 2009, S. xiii. 705 Vgl. Bush 2001. 310 Ergebnisse und Fazit zur empirischen Wirklichkeit (k)eines Neuen Terrorismus deten Resolution des Kongresses706 endlich ihren Plan in die Tat umsetzen.707 Dieses Interesse bestand vor allem in der Errichtung eines neuen Präsenzstandortes im Nahen Osten und darin die asymmetrischen Machtverhältnisse in der Nato zugunsten der USA zu stärken und somit die Position der USA als Weltmacht auszubauen. Ein ähnliches Interesse kann den USA auch bei der Besetzung Afghanistans unterstellt werden. Beide Länder waren auch im Kontext der Rohstoffsicherung für die USA von Bedeutung: Afghanistan zur Durchleitung von Erdöl und Erdgas und der Irak wegen seiner reichen Erdölvorkommen.708 Ein weiteres Ziel der US-amerikanischen Regierung lässt sich im innenpolitischen Bereich vermuten. Beide Anschläge auf das World Trade Center hatten einen kurzzeitigen Anstieg des Vertrauens in die Handlungskompetenz des (jeweiligen) US-Präsidenten und seiner Regierung zur Folge. Dies führte zu einer Stärkung der Position des US-Präsidenten und der Exekutive und zu einer gleichzeitigen Schwächung bzw. Lähmung des Kongresses. Die Zeitspanne, in der ein solcher Vertrauensvorschuss währt, ist jedoch sehr kurz.709 Daher kann angenommen werden, dass die dauerhafte Konstruktion eines Feindbildes zur Aufrechterhaltung der Bedrohungslage dienen sollte, um den Machtgewinn zu erhalten. Gleichzeitig musste der Anspruch nach einer starken und handlungsfähigen Regierung erfüllt werden, was sowohl unter US-Präsident Bill Clinton als auch unter US-Präsident Georg W. Bush in Form des „Anti-Terrorism and Effective Death Penalty Act“710 im Jahr 1996 und des „USA Patriot Act“711 im Jahr 2001 umgesetzt wurde und schließlich in der Gründung des Department of Homeland Security712 2002 mündete. Gleichzeitig führten diese neuen Gesetze durch etliche Einschränkung bürgerlicher Freiheitsrechte, aber vor allem durch die Verlagerung einiger Entscheidungskompetenz auf die Exekutive, zu einem weiteren Machtausbau des US-Präsidenten und seiner Regierung.713 Ob beabsichtigt, bewusst oder nur als Reaktion auf das Forschungsparadigma wurden in der Vergangenheit viele Entscheidungen unter der Annahme der Existenz eines Neuen Terrorismus getroffen. Selbst wenn der Diskurs um den Neuen Terrorismus bereits beendet ist, haben die damals formulierten Annahmen bis heute eine Wirkung auf die politische Realität. Ein Großteil der im Diskurs formulierten Bedrohungen durch den Terrorismus ist für viele politische Akteure weiterhin State 706 Vgl. United States 107th Congress 2002 a. 707 Vgl. Denison 2003, S. 18 f; Czempiel 2004, S. 17; Wilzewski 2004, S. 26 f; Fürtig 2011, S. 3. 708 Vgl. Czempiel 2004, S. 17 ff. 709 Vgl. Braml 2004, S. 8 f. 710 Vgl. United States 104th Congress 1996. 711 Vgl. United States 107th Congress 2001. 712 Vgl. United States 107th Congress 2002 b. 713 Vgl. Braml 2004, S. 12. 311 Fazit: Politische Relevanz und Handlungsempfehlungen of the Art und die Basis bei der Entscheidungsfindung im Bereich der Terrorismusbekämpfung. Eine permanente Überprüfung solcher Forschungsparadigmen, wie sie in der vorliegenden Untersuchung durchgeführt wurde, ist daher notwendig, um den Blick der politischen Entscheider wieder auf die empirische Wirklichkeit zu richten und ihnen die Möglichkeit zu geben, ihre Handlungsoptionen neu zu bewerten. In Hinblick auf die gefundenen Ergebnisse zum Diskurs über einen Neuen Terrorismus und die skizzierten aktuellsten Entwicklungen im Verhalten terroristischer Organisationen stellt sich abschließend die Frage, welche Erkenntnisse politische Entscheider hieraus für sich ziehen können. Zunächst kann die bereits von Martha Crenshaw im Jahr 2000 an die wissenschaftliche Gemeinde formulierte Warnung, einzelne Anschläge nicht als Abbild des gesamten Terrorismus zu verstehen, allgemein auch für politischen Entscheider wiederholt werden.714 Das Forschungsparadigma des Neuen Terrorismus wurde – mit all seinen politischen Konsequenzen – um einige wenige Anschläge herum konstruiert, ohne die Gesamtentwicklung der Anschläge im Blick zu behalten. Der Eindruck der Internationalisierung des Terrorismus und der steigenden Anzahl ziviler Opfer, den diese wenigen Anschläge vermittelten, konnte durch die empirische Untersuchung nicht belegt werden. Als zweites sollten terroristischen Organisationen als Kosten-Nutzen-Entscheider verstanden werden. Es konnte in der Untersuchung gezeigt werden, dass die hohen Kosten beim Einsatz von Massenvernichtungswaffen auch tatsächlich nur eine sehr geringe Anwendung zur Folge hatten. Drittens muss zukünftig der Einsatz von Selbstmordattentätern weiterhin als wachsende Bedrohung ernst genommen werden, die vor allem mit regionalen Schwerpunkten immer wieder auftreten könnte. Dies gilt jedoch nicht nur für den Einsatz durch religiöse Organisationen, sondern auch speziell für nationalistisch-separatistische Organisationen. Mit Blick auf die aktuell schwelenden Konflikte, bei denen sich die Frage nach der Autonomie einzelner Gebiete stellt, wie dem Brexit in Großbritannien und dem damit möglicherweise aufkeimenden Nordirlandkonflikt, der Unabhängigkeitserklärung Kataloniens oder der Ukraine-Krise mit den separatistischen Volksrepubliken Donezk und Lugansk, muss Europa auch zukünftig als potentieller Konfliktherd zur Bildung und Aktivierung nationalistisch-separatistischer Organisationen gesehen werden. Daher sollte die potentielle Gefahr und Gewaltbereitschaft, die von diesen nationalistisch-separatistischen Organisationen ausgeht besonders im europäischen Raum wieder stärker in den Fokus der Sicherheitsbehörden rücken. Zukünftige wissenschaftliche Projekte im Bereich der Terrorismusforschung müssen ebenfalls an dieser Thematik anknüpfen und sich neben der Fokussierung auf 714 Vgl. Crenshaw 2000, S. 415. 312 Ergebnisse und Fazit zur empirischen Wirklichkeit (k)eines Neuen Terrorismus religiöse terroristische Organisationen perspektivisch mit dem Thema auseinander setzen. Der Titel eines zukünftigen Forschungsprojekts sollte daher lauten: „Terroristische Bedrohungen im Kontext europäischer Konfliktherde: die erhöhte Gewaltbereitschaft des nationalistischen-separatistischen Terrorismus.“ 313 Postscriptum Die Grundlage meiner Untersuchung bildete die Global Terrorism Database des National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism. Dieses Forschungs- und Bildungszentrum, das sich mit den Gründen und Auswirkungen des Terrorismus beschäftigt, hat seinen Sitz an der University of Maryland und wird von dem Kriminologen Prof. Dr. Gary LaFree geleitet. Die Global Terrorism Database bietet eine außergewöhnlich große Anzahl an erfassten terroristischen Anschlägen und Informationen zu diesen Anschlägen. In der aktuellsten Version vom September 2019 sind bereits über 190.000 terroristische Anschläge in der Datenbank enthalten. Zur Untersuchung meiner Fragestellung nach der Existenz des „Neuen Terrorism“ habe ich 142.714 Anschläge der Datenbank aus einem Zeitraum von 1970 bis 2014 untersucht. Die Auswertung und die zusätzliche eigene Erhebung der Ideologien der terroristischen Organisationen, die auf den Daten der Global Terrorism Database 2014 basieren, waren bereits abgeschlossen, bevor im Sommer 2016 die Daten für das Jahr 2015 durch das National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism veröffentlicht wurden. Da eine erneute Erhebung und Auswertung der Daten nicht mit der regelmäßigen Aktualisierung der Datenbank hätte Schritt halten können, beschränkt sich die Untersuchung auf diesem Zeitraum. Meine eigene Erhebung der Variablen „Ideologie“, die die ideologische Ausrichtung der terroristischen Organisationen wiedergibt, war ein notwendiger Arbeitsschritt zur Beantwortung der Fragestellung. Über zwei Jahre hinweg habe ich Daten zu 364 ausgewählten terroristischen Organisationen der Datenbank zusammengetragen und ausgewertet. Einige der Online-Quellen sind in der Zwischenzeit leider nicht mehr abrufbar. Alle Dokumente aus den über 400 verschiedenen Quellen, darunter auch die Profile der inzwischen eingestellten Terrorist Organizational Profils Datenbank, wurden jedoch lokal abgespeichert und gesichert. Im Mai 2018 beendete das U. S. Department of State nach sechs Jahren die Zusammenarbeit mit dem National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism, wodurch die Weiterführung der Global Terorrism Database zwischen- 314 Postscriptum zeitlich in Frage stand. Bis dahin hatte das Institut mit den Daten der Global Terrorism Database den jährlichen Country Reports on Terorrism für die Behörde erstellt. Der Auftrag ging 2018 an ein anderes Unternehmen, das einen geringfügig niedrigeren Preis für die Datenerhebung verlangte. Nicht zuletzt das Auswärtige Amt der Bundesrepublik Deutschland hat im Oktober 2018 mit einer kurzfristigen Finanzierung von knapp 770.0000 US-Dollar die Fortführung der Datenbank gesichert. Inzwischen sind viele weitere Geldgeber hinzugekommen, womit die Fortführung der Datenbank bis auf weiteres gesichert ist. Seit Fertigstellung dieser Dissertation im April 2019 hat sich die Wahrnehmung der terroristischen Bedrohungslage in Deutschland verändert. Neun Jahre nach der Aufdeckung der Anschläge des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) haben sich drei terroristische Anschläge ereignet, die den Fokus der Öffentlichkeit und Ermittlungsbehörden von dem bis dahin omnipräsenten islamistischen Terrorismus ablenkten: Im Juni 2019 wurde der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke auf seiner Terrasse erschossen. Wenige Monate darauf im Oktober 2019 am Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag, versuchte ein schwerbewaffneter Mann eine Synagoge in Halle zu stürmen. Er wollte die in der Synagoge zum Gebet versammelten Gläubigen hinrichten, was ihm jedoch zum Glück nicht gelang. Auf seinem Weg erschoss er wahllos zwei Passanten. Der jüngste Anschlag im Februar 2020, bei dem elf Menschen mit Migrationshintergrund in zwei Shisha-Bars erschossen wurden, ereignete sich in Hanau. Alle drei Anschläge wurden von Attentätern mit einer rechten Ideologie verübt. Auch wenn es sich hierbei um „nur“ drei terroristische Anschläge der über 190.000 Anschläge der letzten Jahrzehnte handelt, haben diese durch Rassismus und Fremdenfeindlichkeit motivierten Taten die Bundesrepublik Deutschland dauerhaft verändert. Ob diese Anschläge auch den Fokus der Ermittlungsbehörden langfristig verändern werden, wird sich jedoch erst noch zeigen. April 2020 Julia Klein 315 Literaturverzeichnis Print-Quellen Abrahams, Max (2008): What Terrorists Really Want. Terrorist Motives and Counterterrorism Strategy. In: International Security 32 (4), S. 78–105. Anderson, Sean/Sloan, Stephen (2009): Historical Dictionary of Terrorism. [3rd ed.]. Maryland/ Toronto/Plymouth. Lanham, Md. Scarecrow Press. 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Abstract

Using a qualitative study, in which she evaluates 142,000 terrorist attacks, the author of this book, Julia Klein, investigates the existence of the research paradigm ‘new terrorism’. She delves into the media, political and academic discourse on this subject and identifies changes in behaviour among terrorist organisations. Her evaluation of the volume of data on terrorist attacks verifies whether a new form of terrorism has existed since the beginning of the 1990s. This also reveals the influence of certain individuals on the debate, and the author is able to demonstrate that, above all, the importance of religion in providing terrorists with an ideological incentive to perpetrate their attacks has been overestimated.

Zusammenfassung

Mittels einer quantitativen Studie, in der die Autorin 142.000 terroristische Anschläge auswertet, untersucht Julia Klein die Existenz des Forschungsparadigmas „Neuer Terrorismus“. Die Autorin arbeitet den medialen, politischen und wissenschaftlichen Diskurs auf und fokussiert Verhaltensänderungen terroristischer Organisationen. Die Auswertung der umfangreichen Datenmenge terroristischer Anschläge verifiziert, ob seit Anfang der 90er-Jahre tatsächlich ein „Neuer Terrorismus“ existiert. Dabei kristallisiert sich der Einfluss einzelner Akteure auf den Diskurs heraus und es zeigt sich, dass vor allem die Bedeutung der Religion als ideologischer Treiber überschätzt wird.

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