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6 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus in:

Julia Klein

Neuer Terrorismus – Reale Bedrohung oder konstruiertes Forschungsparadigma?, page 223 - 292

Eine empirische Studie über Veränderungen im Verhalten terroristischer Organisationen

1. Edition 2020, ISBN print: 978-3-8288-4512-1, ISBN online: 978-3-8288-7551-7, https://doi.org/10.5771/9783828875517-223

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Sozialwissenschaften, vol. 95

Tectum, Baden-Baden
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223 6 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus 6.1 Deskriptive Auswertung 6.1.1 Erster Überblick: Entwicklung der weltweiten Anschlagszahlen Die Entwicklung der weltweiten Anschlagszahlen von 1970 bis 2014 zeigt insgesamt einen Anstieg der jährlichen Anschläge. Der niedrigste Wert findet sich im Jahr 1973 mit 460 Anschlägen und der höchste Wert im Jahr 2014 mit 16.618 Anschlägen. Bis einschließlich 1976 blieben die Anschläge unter der Marke von 1.000 Anschlägen. Ab 1977 wurde diese Schwelle erstmals mit 1.297 Anschlägen überschritten. In den folgenden Jahren bis einschließlich 1993635 gab es einen relativ kontinuierlichen Anstieg der Anschlagszahlen, wobei die Jahre 1984 mit 3.460 Anschlägen und 1989 mit 4.240 Anschlägen leichte Peaks auswiesen. Von 1994 bis 1997 stagnierten die Werte bzw. verzeichneten sogar einen leichten Rückgang. Ein deutlicher Einschnitt ist im Jahr 1998 sichtbar, bei dem die Anschlagzahlen von 3.054 im Jahr 1997 um 70 % auf 923 im Jahr 1998 zurückgingen. Dieser deutliche Rückgang der Anschlagszahlen in der Datenbank überschneidet sich zeitlich mit dem Wechsel des datensammelnden Instituts: bis 1997 wurde die Daten durch PGIS erhoben, die Daten ab 1998 wurden durch CETIS rückwirkend ab dem Jahr 2006 erhoben. Der Einbruch der Anschlagszahlen der Datenbank kann auf diesen Umstand zurückgeführt werden, wie auch Gary LaFree, Laura Dugan und Erin Miller 2015 in Putting Terrorism in Context vermuten: „In short, the GTD likely undercounts total attacks from 1998 through 2006, and this undercount is probably most serious for 1998 …“.636 635 Der Wert des Jahres 1993 wurde in der GTD mit 706 angeben. Hierbei handelt es sich jedoch nur um die Anzahl der rekonstruierten Fälle. Die tatsächliche Anzahl von 4.954 Anschlägen wurde der „Country-level Statistics 1993“ entnommen. Vgl. National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism (START) 2015 c, S. 3. 636 LaFree/Dungan/Miller 2015, S. 32. 224 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus Bis 2001 ließ sich wieder ein leichter Anstieg verzeichnen, dem jedoch ein Rückgang der Anschlagzahlen bis 2004 auf 1.156 Anschläge folgte. Ab dem Jahr 2005 stiegen die Anschlagszahlen jährlich mit einem kleineren Sprung auf das Jahr 2008 und einem größeren Sprung auf das Jahr 2012. Dieser Anstieg um 72 % von 2011 mit 4.909 Anschlägen auf das Jahr 2012 mit 8.421 Anschlägen war der größte Anstieg im gesamten Untersuchungszeitraum. Auch diese Sprünge in den Anschlagszahlen decken sich zeitlich mit weiteren Wechseln der datensammelnden Institute: im Jahr 2008 wurde CETIS durch ISVG abgelöst und dieses wiederum im Jahr 2011 durch START. Ab dem Jahr 2012 wurde bei START zum ersten Mal eine Programmierschnittstelle als automatisierter Prozess zur Identifizierung relevanter Quellen genutzt, was zu einer erheblichen Verbesserung der Datenlage führte.637 Auch in den Jahren 2013 und 2014 konnten mit 11.866 und 16.618 Anschlägen vergleichsweise hohe Werte verzeichnet werden (siehe Abbildung 28). Betrachtet man die zwei unterschiedlichen Untersuchungszeiträume 1970–1992 und 1993–2014, fanden 53.660 Anschläge (37,21 % der Anschläge) im Zeitraum I und 90.541 Anschläge (62,79 % der Anschläge) im Zeitraum II statt. Es lässt sich somit ein Anstieg der Anschläge um 68,73 % feststellen (siehe Abbildung 29). 637 Vgl. LaFree/Dungan/Miller 2015, S. 33; National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism 2015 c, S. 7. Abbildung 28: Jährliche Anzahl terroristischer Anschläge, 1970–2014 (n=144.201). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 225 Deskriptive Auswertung Da der Zeitraum I von 1970–1992 jedoch mit 23 Jahren um ein Jahr größer ist als der Zeitraum II von 1993–2014 mit 22 Jahren, stellt der Durchschnittswert der jährlichen Anschlagszahlen beider Zeiträume einen aussagekräftigeren Vergleichswert dar. Diese werden in Abbildung 30 dargestellt:638 638 Auch für die folgenden Auswertungen werden die Durchschnittswerte der jährlichen Werte für die beiden Zeiträume betrachtet. Abbildung 29: Vergleich Anzahl terroristischer Anschläge der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 (n=144.201). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. Abbildung 30: Vergleich durchschn. Anzahl terroristischer Anschläge pro Jahr der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 (n=144.201). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 226 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus Die Anschlagszahl stieg von durchschnittlich 2.333 Anschlägen pro Jahr im Zeitraum I um 76,40 % auf durchschnittlich 4.116 Anschläge pro Jahr im Zeitraum II. Für den gesamten Untersuchungszeitraum lag die durchschnittliche Anzahl der Anschläge pro Jahr bei 3.204 Anschlägen. 6.1.2 Hohe Gewaltbereitschaft 6.1.2.1 Opferzahlen Anschlagstypen Bei Anschlägen mit Opfern lässt sich nicht nur nach Anschlägen mit Toten oder nach Anschlägen mit Verwundeten differenzieren, sondern auch nach Anschlägen, die beide Opferarten hervorbringen. Diese Aufteilung führt zu folgenden drei Anschlagstypen bezogen auf die Opferarten: Anschläge nur mit Verwundeten, Anschläge sowohl mit Verwundeten als auch mit Toten und Anschläge nur mit Toten. Abbildung 31 gibt eine erste Übersicht über die Verteilung der Anschläge639: Von den 144.201 Anschlägen war bei 7.802 Anschlägen640 nicht bekannt, ob und welche Art von Opfern es gab, was einem Anteil von 5,41 % aller Anschläge entspricht. 639 Die Werte der Spalten „nur Verwundete“, „Verwundete und Tote“ und „nur Tote“ ergeben in Summe die Werte der Spalte „Mit Opfer“. 640 Der Wert 7.802 der Kategorie „unbekannt“ bezieht sich nur auf Anschläge, bei denen sowohl keine Angabe über Tote als auch keine Angabe zu Verwundeten in der Datenbank hinterlegt ist. Anschläge mit Angaben zu Toten und fehlenden Werte zu den Verwundeten wurden der Kategorie „nur Tote“ zugeordnet (4.617 Anschläge, 3,20 % aller Anschläge), und Anschläge mit Angaben zu Verwundeten und fehlenden Werte zu den Toten (315 Anschläge, 0,22 % aller Anschläge) wurden Abbildung 31: Übersicht Anschlagszahlen nach Anschlagstypen. Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 227 Deskriptive Auswertung Diese Unkenntnis konzentriert sich mit einem Anteil von 10,41 % (5.586 Anschläge) auf den Zeitraum I von 1970–1992, aber vor allem auf die Jahre bis 1986. In dieser Zeit waren bei durchschnittlich 13,65 % der Anschläge nichts über die Opfer bekannt. Ab 1987 verbesserte sich die Datenlage diesbezüglich auf durchschnittlich 1,72 % Anschläge ohne Angaben zu Opferzahlen pro Jahr bzw. auf einen durchschnittlichen Wert von 2,45 % (2.216 Anschläge) für den Zeitraum II von 1993–2014. Diese Anschläge wurden nicht mit in die Auswertungen einbezogen, daher ergibt sich für die Auswertung im Folgenden eine Erhebungsgrundgesamtheit von 136.399 Anschlägen. In Abbildung 32 wird die Zusammensetzung der Anschläge für den gesamten Untersuchungszeitraum 1970–2014 in prozentualen Anteilen dargestellt. Im gesamten Zeitraum waren bei 38,76 % aller Anschläge keine Opfer zu verzeichnen, 61,24 % der Anschläge hatten dagegen Opfer zu verzeichnen. Bei 14,62 % aller Anschläge waren unter den Opfern nur Verwundete, dies entspricht einem Anteil von 23,88 % an allen Anschlägen mit Opfern. 20,19 % aller Anschläge hatten sowohl Verwundete als auch Tote unter den Opfern, was 32,96 % aller Anschläge mit Opfern entspricht. 26,43 % aller Anschläge hatten nur Tote unter den Opfern, was 43,16 % der Anschläge mit Opfern entspricht. der Kategorie „nur Verwundete“ zugeordnet. Bei einem fehlenden Wert und einem Wert O (495 Anschläge, 0,34 % aller Anschläge) wurde der Anschlag der Kategorie „ohne Opfer“ zugeordnet. Abbildung 32: Anteil der Anschlagstypen an allen Anschlägen, 1970–2014 (n=136.399 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 228 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus Abbildung 33 zeigt die Anzahl der Anschläge mit Opfern pro Jahr für den gesamten Untersuchungszeitraum 1970–2014. Die niedrigste Anzahl von Anschlägen mit Opfern gab es im Jahr 1970 mit 110 Anschlägen und die höchste Anzahl von Anschlägen mit Opfern im Jahr 2014 mit 10.530 Anschlägen. Es gab jedoch keinen durchgehend konstanten Anstieg der Anschlagszahlen über den gesamten Zeitraum. Nach einem Zeitraum von 1970 bis 1978 mit geringen Anschlagszahlen zwischen 110 (1970) und 549 (1978) Anschlägen stieg die Anzahl der Anschläge zunächst bis 1993 auf 2.968 Anschläge an. Danach sanken die Anschlagszahlen für vier Jahre wieder auf ein niedrigeres Level zwischen 1.587 Anschlägen (1996) und 1.833 Anschlägen (1994). 1998 sank die Anzahl der Anschläge mit Opfern nochmals weiter ab auf 561 Anschläge, stieg dann bis 2001 wieder leicht auf 1.180 Anschläge an, um darauf wieder bis 2003 auf 781 Anschläge abzusinken. Erst seit dem Jahr 2004 stieg die Zahl der Anschläge dauerhaft bis zum Jahr 2014. Neben dem hohen Wert des Jahres 2014 zeichnete sich auch das Jahr 2013 mit 7.997 Anschlägen und das Jahr 2012 mit 5.965 Anschlägen durch auffallend hohe Werte aus. Die durchschnittliche Anzahl von Anschlägen mit Opfern pro Jahr für den gesamten Untersuchungszeitraum lag mit 1.856 Anschlägen bei 57,88 %. Die Entwicklung der Anschläge mit Opfern pro Jahr über den gesamten Untersuchungszeitraum ähnelt der Entwicklung der Gesamtzahl an Anschlagszahlen, wie sie in Abbildung 28 dargestellt wurde. Abbildung 33: Jährliche Anzahl von Anschlägen mit Opfern, 1970–2014 (n=136.399 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 229 Deskriptive Auswertung Der Anteil von Anschlägen mit Opfern pro Jahr an allen 136.399 Anschlägen, zu denen Informationen über die Opfer in der Datenbank vorliegen, wird in Abbildung 34 gezeigt. Im Jahr 1970 lag der Anteil der Anschläge mit Opfern bei 18,06 % am niedrigsten, im Jahr 2007 mit 79,46 % am höchsten. Insgesamt blieb der Anteil der Anschläge mit Opfern über den gesamten Zeitraum von 45 Jahren stabil mit einer leicht zunehmenden Tendenz. Eine auffällige Ausnahme bildet der Zeitraum 1970 bis 1977. Nach sehr niedrigen Werten in den beiden ersten Jahren 1970 (18,06 %) und 1971 (29,07 %) gab es einen starken Anstieg auf 76,54 % im Jahr 1973, der bis zum Jahr 1977 wieder auf 30,12 % abfiel. Bei näherer Betrachtung der Werte aus dem Jahr 1972 zeigt sich, dass 272 der 485 Anschläge in diesem Jahr auf den Konflikt in Nordirland zurückgingen, an dem die IRA, die Official Irish Republican Army (OIRA), die UFF, die Ulster Volunteer Force (UVF), aber auch einzelne Extremisten auf beiden Seiten beteiligt waren. Der hohe Anteil an Anschlägen mit Opfern ergibt sich aus der hohen Zahl von Anschlägen innerhalb des Nordirlandkonflikts, da der Anteil der Anschläge mit Opfern bei diesem Konflikt im Jahr 1972 bei 100 % lag. Dieser Effekt, der seinen Höhepunkt im Jahr 1972 hatte, schwächt sich langsam in den folgenden Jahren ab. Im Jahr 1977 gehen nur noch 131 von 1.172 Anschlägen auf diesen Konflikt zurück, zugleich waren bei knapp 30 % der Anschläge (39) in Nordirland keine Opfer mehr zu verzeichnen. Abbildung 34: Jährlicher Anteil von Anschlägen mit Opfern, 1970–2014 (n=136.399, ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 230 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus Differenzierter stellen sich die Werte bei dem Verhältnis der Zusammensetzung der Anschlagstypen und deren anteilige Entwicklung an allen Anschlägen mit Opfern dar. Der Anteil an Anschlägen mit Opfern, bei denen es nur Tote gab, ist insgesamt über die Zeit zurückgegangen. Der höchste Wert lag im Jahr 1972 mit 89,29 % und der niedrigste Wert im Jahr 1993 mit 30,73 %. Besonders in den Jahren 1971 bis 1976 war der Anteil der Anschläge mit Toten zwischen 73,70 % und 85,83 % überdurchschnittlich hoch. Danach sank der Wert langsam ab und lag seit 1998 pro Jahr konstant unter 40 %. Entgegengesetzt hierzu waren die Anteile der Anschläge mit nur Verwundeten bzw. mit Verwundeten und Toten an allen Anschlägen mit Opfern in den Jahren 1971 bis 1976 unterdurchschnittlich. Die Entwicklung dieser beiden Opfertypen lässt sich ebenfalls auf den Nordirlandkonflikt zurückführen, bei dem von 996 Anschlägen in diesem Zeitraum 993 Anschläge Todesopfer zu verzeichnen hatten und nur ein einziger Anschlag auch Verwundete. Nach 1976 stieg der Anteil der Anschläge mit Verwundeten und Toten bis 1997 insgesamt an. 1998 überschritt der Anteil zum ersten Mal die 40 %-Marke und hielt sich mit einem leichten Rückgang zwischen 2000–2001 und 2008–2011 dauerhaft über 40 %, mit dem höchsten Wert von 46,12 % im Jahr 2004. Der Anteil von Anschlägen mit nur Verwundeten hielt sich mit wenigen Ausnahmen zwischen 20–30 %, mit den höchsten Werten in den Jahren 1993 (32,61 %) und 2009 bis 2010 (31,43 %/31,63 %) (siehe Abbildung 35). Abbildung 35: Jährlicher Anteil von Anschlägen mit Opfern differenziert nach Anschlagstypen, 1970– 2014 (n=136.399, ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 231 Deskriptive Auswertung Opferzahl Die Auswertung der Anschläge nach Anschlagstypen gibt überwiegend einen Überblick über die Quantität der Gewaltbereitschaft, nämlich wie viele der Anschläge als gewalttätig eingestuft werden können. Die Auswertung über die Anzahl der Opfer bzw. über die Anzahl der zwei Opferarten „Tote“ und „Verwundete“ gibt dagegen einen qualitativen Einblick in die Entwicklung der Gewaltbereitschaft, da sie darstellt, welches Ausmaß an Gewalttätigkeit die einzelnen Anschläge annahmen. Abbildung 36 gibt einen ersten Überblick über die Verteilung der 716.568 Personen, die Opfer terroristischer Anschläge wurden. Die 716.568 Opfer können 136.399 Anschlägen aus der Datenbank zugeordnet werden. Über den gesamten Untersuchungszeitraum waren hiervon 56,27 % (403.216) Verwundete und 43,73 % Tote (313.352). Bei den restlichen 7.802 Anschläge, gab es weder Informationen zu den Verwundeten, noch zu den Toten. Bei 12.819 Anschlägen gab es keine Informationen zu Verwundeten aber zu Toten, bei 8.182 Anschlägen gab es keine Information zu den Toten, aber zu Verwundeten. Dies entspricht 8,89 % (Verwundete) und 5,67 % (Tote) aller Anschläge, wobei sich die eingeschränkte Datenlage besonders auf Zeitraum I 1970–1992 mit einem Anteil von 10,73 % (7.511 Verwundete) und 10,73 % (5.760 Tote) konzentriert. Im Zeitraum II 1993–2014 lagen die Werte nur noch bei 2,68 % (2.422 Verwundete) und 5,86 % (5.308 Tote). Es wurden alle Toten und Verwundeten in die Auswertung mit einbezogen, auch diejenigen, die aus Anschlägen hervorgingen, bei denen nur eine Opferart bekannt war. Diese Anschläge wurden wie bei der Auswertung zu den Anschlagstypen vollständig mit in die Auswertung einbezogen. Die Menge der Anschläge mit unbekannten Verwundeten und Toten hat bei der Auswertung der Opferzahlen einen größeren Einfluss als bei der Auswertung der Anschlagstypen. Bei der Auswertung der Anschlagstypen kann die Höhe des Ausfalls durch unbekannte Werte beziffert Abbildung 36: Übersicht Opferzahlen nach Opferarten. Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 232 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus werden, da die Ausprägung binär als 0 oder 1 angegeben ist. Hier beträgt der Anteil der Anschläge mit einer fehlenden Angabe 3,76 %. Dies ist bei der Auswertung der Opferanzahl nicht möglich, da die Ausprägung nominal skaliert ist, und die Höhe des tatsächlichen maximalen Wertes unbekannt ist. Es kann davon ausgegangen werde, dass fehlende Angaben vor allem bei niedrigeren Werten zustande kommen, da bei steigender Opferzahl von einer steigenden medialen Präsenz ausgegangen werden kann, die wiederum zu einer vereinfachten Informationsbeschaffung führt. Es gibt jedoch auch Fälle, bei denen die Anzahl von Verwundeten oder Toten trotz der Höhe und der medialen Präsenz nicht angegeben wurde. Dies ist zum Beispiel bei zwei von vier Anschlägen des 11. September 2001 der Fall. Bei den Anschlägen auf die Türme des World Trade Centers mit den Eventnummern 200109110004 und 200109110005 in der Datenbank gibt es bei der Variable Vnwound keine Angabe. Dies liegt daran, dass die tatsächliche Opferzahl des Anschlags bis heute nur geschätzt werden kann und daher die Quellen keine oder zu unterschiedliche Informationen hierzu liefern, um von einer gesicherten Information sprechen zu können. In diesem Fall würde sich die Anzahl der Verwundeten für das Jahr 2001 bei der Angabe der Verwundetenzahlen zu diesem Anschlag von 6.367 auf ca. 12.367641 fast verdoppeln. In Abbildung 37 wird die Entwicklung der jährlichen Opferzahlen gruppiert nach Toten und Verwundeten über den gesamten Zeitraum von 1970–2014 dargestellt. Der niedrigste Wert findet sich im Jahr 1971 mit 254 Opfern, davon 82 Verwundete und 172 Tote, der höchste Wert im Jahr 2014 mit 83.750 Toten, davon 40.685 Verwundete und 43.065 Tote. Bis einschließlich 1982 blieb die Zahl der Opfer unter der 10.000er-Marke, bis einschließlich 2005 unter der 20.000er Marke mit der Ausnahme des Jahres 1993, das mit 22.338 Opfern einen hohen Wert aufwies. Von 2005 bis 2011 schwankten die Werte zwischen 22.436 (2011) und 34.228 (2007) Opfern. Ein starker Anstieg erfolgte in den letzten drei Jahren der Datenbank um 81,57 % von 22.436 auf 40.736 Opfer im Jahr 2012, um 45,58 % auf 59.302 Opfer im Jahr 2013 und schließlich um 41,23 % auf 83.750 Opfer im Jahr 2014. Durchschnittlich gab es im gesamten Untersuchungszeitraum 15.924 Opfer bzw. 8.960 Verwundete und 6.963 Tote pro Jahr. Das Verhältnis von Toten und Verwundeten in absoluten Zahlen lässt sich über den gesamten Zeitverlauf in vier Phasen einteilen. Von 1970 bis 1979 überwog knapp der Anteil der Verwundeten. Eine Ausnahme bildeten hierbei die Jahre 1971 und 1972, in denen der Anteil der Toten knapp über zwei Drittel ausmachte. Von 1980 bis 1991 überwog der Anteil der Toten etwas deutlicher, auch hier mit einer Ausnahme im Jahr 1986, bei der nur 46,49 % der Opfer Tote waren. Von 1992 bis 2002 überwog dann wieder der Anteil der Verwundeten, vor allem ab 2003 waren nur noch ein 641 Einige Quellen sprechen von circa 6.000 Verwundeten. Vgl. Griset/Mahan 2003, xi. 233 Deskriptive Auswertung Drittel der Opfer Tote, was sich erst im Jahr 2014 änderte, als der Anteil der Toten mit 51,42 % knapp über die Hälfte der Opfer ausmachte (siehe Abbildung 37). Da jedoch die wachsende Anzahl von Verwundeten und Toten auch vor dem Hintergrund der wachsende Anzahl von Anschlägen betrachtet werden muss, wird in der folgenden Abbildung 38 die durchschnittliche Anzahl an Opfern pro Anschlag für jedes Jahr dargestellt. Hierzu wurde für jedes Jahr ein arithmetische Mittel gebildet: Anzahl der Anschläge/Anzahl der Opfer. Der niedrigste Wert lag im Jahr 1970 bei 0,59 Opfern pro Anschlag und der höchste Wert im Jahr 2004 bei 15,28 Opfern pro Anschlag. Die durchschnittliche Opferzahl stieg zunächst bis 1974 auf einen Wert von 2,48 Opfern pro Anschlag, um bis 1977 wieder auf einen Wert von 0,82 Opfern pro Anschlag zu fallen. Danach stiegen die Werte zunächst wieder bis 1983 auf einen Wert von 6,78 Opfern pro Anschlag an, um erneut bis 1989 auf einen Wert von 3,14 Opfern pro Anschlag zu fallen. Ab 1990 stiegen die Werte mit Schwankungen bis 2007 auf einen Wert von 10,78 Opfern pro Anschlag an. Hervorzuheben sind hierbei zwei auffällig hohe Werte in den Jahren 1998 und 2004 mit 14,76 und 15,28 Opfern pro Anschlag. Ab 2008 fiel die durchschnittliche Opferzahl auf 6 Opfer pro Anschlag und blieb bis 2014 zwischen 4,59 (2012) und 6,09 (2009) Opfer pro Anschlag. Über den gesamten Untersuchungszeitraum hinweg gab es durchschnittlich 5,25 Opfer pro Anschlag bzw. 2,30 Tote pro Anschlag und 3,07 Verwundete pro Anschlag.642 642 Aufgrund der unterschiedlichen Höhe von fehlenden Werten bei den einzelnen Anschlägen ent- Abbildung 37: Jährliche Opferzahl gruppiert nach Verwundeten, Toten und Opfern gesamt, 1970–2014 (n=136.399 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 234 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus In Abbildung 39 ist die durchschnittliche Anzahl der Opfer pro Anschlag für eine differenziertere Betrachtung nach Verwundeten und Toten gruppiert. Der niedrigste jährliche Wert für die durchschnittliche Anzahl von Verwundeten pro Anschlag lag im Jahr 1970 bei 0,32 und der höchste im Jahr 2004 bei 11,32. Der niedrigste Wert für die durchschnittliche Anzahl von Toten lag ebenfalls im Jahr 1970 bei 0,28, der höchste dagegen im Jahr 1998 bei 5,43. Die Entwicklung des Verhältnisses von Verwundeten und Toten entspricht dem bereits in Abbildung 37 beschrieben Verhältnis von Verwundeten und Toten. Es wird hier jedoch grafisch noch offensichtlicher, dass die hohen Werte an Opferanzahlen Mitte der achtziger Jahre durch die hohe durchschnittliche Anzahl an Toten bedingt wurde, mit dem höchsten Wert von 4,81 Toten pro Anschlag im Jahr 1983. Die hohen Werte 1998, 2004 und 2007 dagegen wurden durch die hohe durchschnittliche Anzahl an Verwundeten bedingt (1998: 10,47 Verwundete/2004: 11,32 Verwundete/2007: 7,31 Verwundete). Für das Jahr 1998 lässt sich die hohe Anzahl an Verwundeten und somit auch die hohe durchschnittliche Anzahl von Verwundeten pro Anschlag auf einen einzigen Anschlag zurückführen: Am 07.08.1998 wurden bei einem Bombenanschlag auf die Botschaft in Nairobi durch Al Qaeda 4.000 Personen verletzt.643 Dieser eine Anschlag machte 49,03 % der 8.158 Verwundeten in diesem Jahr aus und steigerte somit die durchschnittliche Anzahl von spricht die Summe der durchschnittlichen Werte von Toten und Verwundeten pro Anschlag nicht genau dem Wert der durchschnittlichen Opfer pro Anschlag. 643 Vgl. National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism 2015 a, 199808070002. Abbildung 38: Durchschnittliche jährliche Opferzahl pro Anschlag, 1970–2014 (n=136.399 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 235 Deskriptive Auswertung Verwundete pro Anschlag von 5,34 auf 10,47. Der Effekt verstärkt sich zusätzlich durch die für diesen Zeitraum verhältnismäßig geringe Anzahl von Anschlägen. Einen ähnlichen Effekt durch einzelne Anschläge ließ sich noch für das Jahr 1995 feststellen. Mit 5.500 Verwundeten gehen 39,45 % der 13.943 Verwundeten auf den Saringas-Anschlag in der U-Bahn in Tokio durch Aum Shinrikyo am 20.03.1995 zurück. Hierbei hatte der Anschlag die durchschnittliche Anzahl der Verwundeten pro Anschlag in dem Jahr von auf 2,94 auf 4,85 erhöht.644 Ein ähnlich hoher Effekt bei der Anzahl der Verwundeten wäre für das Jahr 2001 zu erwarten gewesen, wenn die Anzahl der Opfer für die beiden Anschläge auf die Türme des World Trade Centers in der Datenbank erfasst wären. Auch in den 70er Jahren hatten einzelne Anschläge mit vielen Opfern einen vermehrten Einfluss auf die durchschnittliche Opferanzahl pro Anschlag, was sich jedoch vermutlich durch die geringere Anzahl an erfassten Anschlägen ergibt. Die beiden erwähnten Anschläge aus den Jahren 1995 und 1998 waren zugleich mit 4.000 und 5.500 Verwundeten auch die Anschläge mit den beiden höchsten Zahlen an Verwundeten in der GTD. Die Anschläge mit den höchsten Zahlen an Toten waren der Anschlag des Islamic State of Iraq and the Levant (ISIL) am 12.06.2014, bei dem in Tikrit ca. 1.500 Soldaten hingerichtet wurden, und die beiden Anschläge Al Qaedas am 09.11.2001 auf die beiden Türme des World Trade Centers mit jeweils 644 Vgl. National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism 2015 a, 199503200014. Abbildung 39: Durchschnittliche jährliche Opferzahl pro Anschlag gruppiert nach Verwundeten und Toten, 1970–2014 (n=136.399 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 236 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus 1.382 Toten.645 Während die beiden Anschläge auf das World Trade Center zumindest jeweils 17,99 % der gesamten Verwundeten im Jahr 2001 ausmachten, war der Anschlag 2014 in Tikrit nur für 3,48 % der Verwundeten in diesem Jahr verantwortlich. 6.1.2.2 Selbstmordattentate Im gesamten Untersuchungszeitraum 1970–2014 gab es 3.867 Anschläge, die laut der Datenbank als Selbstmordattentate gelten, dies entspricht 2,68 % aller Anschläge der Datenbank (siehe Abbildung 40). Abbildung 41 zeigt die Entwicklung der jährlichen Anzahl an Selbstmordattentaten für den gesamten Zeitraum 1970–2014. Bis einschließlich 1980 wurde in der Datenbank kein Selbstmordattentat verzeichnet. Bis 1992 blieb die Anzahl im unteren einstelligen Bereich mit Ausnahme des Jahres 1985, in dem es 15 Selbstmordattentate gab. Alle 15 Selbstmordattentate fanden über das Jahr verteilt im Libanon während des Bürgerkriegs statt. Zwischen 1993 und 2003 blieben die Selbstmordattentate im zweistelligen Bereich. Die Werte stiegen im Verlauf dieser 10 Jahre von 11 Anschlägen 1994 bis zu 83 im Jahr 2003 mit leichten Schwankungen immer weiter an. Das Jahr 1993 sticht mit 84 Anschlägen heraus. Hierbei handelt es sich jedoch nicht um 645 Vgl. National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism 2015 a, 2001091100 04/200109110005/201406150063. Abbildung 40: Anteil der Selbstmordattentate an allen Anschlägen, 1970–2014 (n=144.201). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 237 Deskriptive Auswertung eine gesicherte Zahl aus der Datenbank, sondern eine Schätzung. Die ursprünglich angegebene Menge in Höhe von 12 Anschlägen wurde mit dem Faktor 7,02 multipliziert, um den Näherungswert für das Jahr 1993 zu erhalten. Im Jahr 2004 überschritt die Anzahl der Selbstmordattentate mit 112 zum ersten Mal die Schwelle von 100 Anschlägen und stieg danach weiter auf 203 Anschläge im Jahr 2005, fiel dann in 2006 wieder auf 173 Anschläge, um im Folgejahr wieder auf 359 anzusteigen. Bis 2010 fielen die Werte ein letztes Mal dann wieder bis auf 168 Anschläge. Seit 2011 stiegen die Werte kontinuierlich an bis auf den höchsten Wert von 733 Anschlägen im Jahr 2014. Die durchschnittliche Anzahl von Selbstmordattentaten pro Jahr für den gesamten Untersuchungszeitraum lag mit 86 Anschlägen bei 2,11 %. Die Entwicklung des prozentualen Anteils der Selbstmordattentate an allen Anschlägen zeigt jedoch, dass nicht die Jahre 2012 bis 2014 mit 4,41 % bis 5,24 % Anteil herausragende Werte darstellten, sondern der Zeitraum von 2002 bis 2007. Besonders die Jahre 2007 mit 11,15 %, 2005 mit 10,12 % und 2004 mit 9,69 % lagen mit den höchsten Werten weit über dem Durchschnitt des gesamten Untersuchungszeitraums in Höhe von 2,68 %. Bis 1992 lag der Anteil der Selbstmordattentate auf einem niedrigen Level von maximal 0,18 % im Jahr 1983. Zwischen 1993 und 2001 lagen die Werte auf einem mittleren Level zwischen 0,33 % (1994) und 2,81 % (2001). Nach den Ausnahmejahren 2002 bis 2007 pendelten sich die Werte auf einen Stand zwischen 3,56 % (2010) und 5,24 % (2013) ein (siehe Abbildung 42). Abbildung 41: Jährlich Anzahl von Selbstmordattentaten, 1970–2014 (n=144.201). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 238 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus 6.1.2.3 Massenvernichtungswaffen Insgesamt gab es 301 Anschläge bei denen einer der Waffentypen einer Massenvernichtungswaffe entsprach. Hierzu wurde für jedes Jahr die Summe der Waffentypen in Form der Ausprägungen 1–4 aus den vier Variablen gebildet. In keinem Jahr kam es vor, dass bei mehr als einer der vier Variablen einer der Waffentypen eine Massenvernichtungswaffe war. Bei 11.165 Anschlägen war keine Angabe zum Waffentyp in der Datenbank hinterlegt, womit sich die Grundgesamtheit bei dieser Auswertung auf 133.036 Anschläge beschränkt. Die 11.165 Anschläge, zu denen keine Informationen über den eingesetzten Waffentyp vorliegen, entsprechen 7,74 % der Anschläge der Datenbank. Der Anteil liegt mit 8,31 % (4.458 Anschläge) im Zeitraum I etwas höher als mit 7,41 % (6.707 Anschläge) im Zeitraum II (siehe Abbildung 43). Abbildung 42: Jährlicher Anteil von Selbstmordattentaten, 1970–2014 (n=144.201). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. Abbildung 43: Übersicht Anschläge mit Massenvernichtungswaffen nach Waffentypen. Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 239 Deskriptive Auswertung Abbildung 44 zeigt die Entwicklung der Anschläge mit Massenvernichtungswaffen pro Jahr. In acht Jahren des gesamten Zeitraums konnte kein Einsatz von Massenvernichtungswaffen nachgewiesen werden. Die höchste Anzahl von Einsätzen fand sich in den Jahren 2001 mit 26 Einsätzen, 2012 mit 21 Einsätzen und 2014 mit 20 Einsätzen. Bis 1997 blieben die Werte schwankend auf einem niedrigen Niveau von maximal 5 Anschlägen pro Jahr mit einzelnen leicht erhöhten Werten in den Jahren 1978 (11), 1984 (8), 1992 (9) und 1995 (13). Von 1998 bis 2003 waren zum ersten Mal in Folge mehrere Jahre hintereinander höhere Werte zu verzeichnet. In den Jahren 2004 bis 2006 gingen sie dagegen wieder auf maximal 5 Anschläge pro Jahr zurück, um sich von 2007 bis 2010 auf einem mittleren Niveau zu halten. Nach einem niedrigen Wert im Jahr 2011 von 3 Anschlägen waren die Werte in den letzten 3 Jahren des erfassten Zeitraums erneut auf ein vergleichsweise hohes Niveau mit 21, 17 und 20 Anschlägen wieder angestiegen. Durchschnittlich gab es im gesamten Untersuchungszeitraum 6,69 Anschläge mit Massenvernichtungswaffen pro Jahr, was einem durchschnittlichen Anteil von 0,33 % aller Anschläge pro Jahr entspricht. Bei der Betrachtung des Anteils der Anschläge mit Massenvernichtungswaffen an allen Anschlägen relativieren sich die mittleren und hohen Werte ab dem Jahr 2005 und bleiben insgesamt unter einem Anteil von 0,30 % aller Anschläge. In fast allen Jahren steigt der Anteil an Anschlägen, bei denen Massenvernichtungswaffen zum Einsatz kamen nicht über 1,00 %. Eine Ausnahme bildet hier der Zeitraum von 1998 Abbildung 44: Jährliche Anzahl von Anschlägen mit Massenvernichtungswaffen, 1970–2014 (n=133.036 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 240 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus bis 2003. Alle 6 Jahre weisen vergleichsweise hohe Werte auf, die Jahre 1998 mit 1,47 %, 2001 mit 1,47 % und 2003 mit 1,42 % die höchsten Werte. Auch die beiden Jahre 1973 mit 0,97 % und 1978 mit 0,83 % weisen vereinzelte hohe Werte auf, wobei das Jahr 1973 aufgrund der geringen Anschlagszahl mit insgesamt vier Anschlägen mit Massenvernichtungswaffen bereits diesen hohen Wert aufweist (siehe Abbildung 45). Aus den Abbildung 45 und Abbildung 46 ist zu erkennen, dass bei Anschlägen mit Massenvernichtungswaffen vier verschiedenen Waffentypen in Erscheinung treten: Biologische Waffen, chemische Waffen, radioaktive Waffen und nukleare Waffen. Von den 301 Anschlägen wurden 257 Anschläge mit chemischen Waffen verübt, dies entspricht einem Anteil von 85,38 % aller Anschläge mit Massenvernichtungswaffen. 32 Anschläge wurden mit biologischen Waffen ausgeführt, was 10,63 % aller Anschläge mit Massenvernichtungswaffen entspricht und 12 Anschläge mit radioaktiven Waffen, was 3,99 % entspricht. Bei keinem der 301 Anschläge kam eine nukleare Waffe zum Einsatz (siehe Abbildung 46). Betrachtet man in Abbildung 47 die Verteilung der Anschläge mit Massenvernichtungswaffen nach Waffentypen über den gesamten Untersuchungszeitraum, lässt sich feststellen, dass sich die Verteilung der biologischen und radioaktiven Massenvernichtungswaffen hauptsächlich auf zwei Jahre konzentrieren: zehn der zwölf Anschläge mit radioaktiven Waffen fielen auf das Jahr 2000 und die Hälfte der Anschläge mit biologischen Waffen auf das Jahr 2001. In beiden Jahren stand die Abbildung 45: Jährlicher Anteil von Anschlägen mit Massenvernichtungswaffen, 1970–2014 (n=133.036 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 241 Deskriptive Auswertung Anhäufung der Anschläge in einem Zusammenhang. Die 10 Anschläge mit radioaktivem Material 2000 konnten alle einer einzigen Person, Tsugio Uchinishi zugeordnet werden. Es handelte sich um Anschläge mit radioaktivem Monazit Pulver, die innerhalb weniger Tage stattfanden und Mitglieder der japanischen Regierung zum Ziel hatten.646 Die 16 Anschläge mit biologischen Waffen im Jahr 2001 waren Anschläge, bei denen Personen mit Anthrax angegriffen wurden. Sie konzentrieren sich auf die zwei Monate nach den Anschlägen am 11.09.2001 auf das World Trade Center, das Pentagon und das Weiße Haus. 12 der 16 Anschläge fanden in den USA statt. Im Gegensatz zu den Anschlägen in Japan kam es bei diesen Anschlägen zu mehreren Verwundeten und Toten.647 646 Vgl. The Japan Times 2000. 647 Vgl. United States Department of Justice 2010. Abbildung 46: Anteile von Anschlägen mit chemischen, biologischen und radioaktiven Waffen an allen Anschlägen mit Massenvernichtungswaffen, 1970–2014 (n=301). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 242 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus 6.1.3 Undifferenzierte Opferwahl: zivile Opfer Mit 2.893 Anschlägen lag der Anteil der unbekannten Anschläge mit 2,01 % im Vergleich zu den unbekannten Werten der anderen Auswertungen relativ niedrig. Wie bei der Auswertung zu den Waffentypen war der Anteil der unbekannten Anschläge im Zeitraum II höher als im Zeitraum I. Im Zeitraum I betrug der Anteil mit 322 Anschlägen 0,60 % aller Anschläge, im Zeitraum II mit 2.571 Anschlägen 2,84 % aller Anschläge (siehe Abbildung 48). Der hohe Wert des Zeitraums II war vor allem den Jahren 1995–1997 und 2012–2014 geschuldet, in denen der Anteil mit Werten zwischen 3,46 % (1995) und 5,75 % (1996) höher als in den übrigen Jahren lag. Abbildung 47: Jährliche Anzahl von Anschlägen mit Massenvernichtungswaffen differenziert nach Waffentypen, 1970–2014 (n=133.036 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. Abbildung 48: Übersicht Anschläge nach Anschlagszielen. Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 243 Deskriptive Auswertung Durch den Wegfall der 2.893 unbekannten Anschläge blieb für die Auswertung der Opfertypen in Form ziviler oder nicht-ziviler Opfer eine Grundgesamtheit von 141.308 Anschlägen übrig. Von diesen 141.308 Anschlägen verzeichneten für den gesamten Untersuchungszeitraum 1970–2014 53,17 % der Anschläge zivile Opfer, 46,51 % der Anschläge keine zivilen Opfer und 0,36 % sonstige Opfer648, wie in Abbildung 49 dargestellt. Die höchste Anzahl von Anschlägen mit zivilen Opfern gab es mit 7.107 Anschlägen im Jahr 2014, die niedrigste Anzahl gab es im Jahr 1971 mit 335 Anschlägen. Bis zum Jahr 1978 blieb die Anzahl der Anschläge mit zivilen Opfern unter 1.000. Zwischen 1979 und 1993 stieg die Anzahl weiter leicht schwankend bis auf 2.779 Anschläge im Jahr 1993 an. Diese Phase wurde gefolgt von einem leichten Rückgang der Anschlagszahlen in den nächsten vier Jahren zwischen 1994 und 1997. Im Jahr 1998 sank die Anzahl der Anschläge plötzlich von 1.801 auf 564, stieg dann wieder bis 2001 auf 1.137 an, um erneut bis 2004 auf 550 Anschläge abzusinken. Seit dem Jahr 2005 mit 876 Anschlägen stieg die Anzahl der Anschläge leicht schwankend bis 2014 an (siehe Abbildung 50). Durchschnittlich gab es 1.668 Anschläge mit zivilen Opfern pro Jahr für den gesamten Untersuchungszeitraum 1970–2014, was einem Durchschnitt von 55,27 % pro Jahr entspricht. 648 Für die Kategorie „sonstige“ liegt in der Datenbank keine Information vor, ob es sich um Anschläge mit zivilen Opfern oder ohne zivile Opfer handelt. Abbildung 49: Anteil von Anschlägen mit zivilen Opfern an allen Anschlägen, 1970–2014 (n=141.372, ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 244 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus Die Entwicklung der Anteile über den gesamten Untersuchungszeitraum 1970–2014 unterscheidet sich dagegen von der Entwicklung der absoluten Anzahl an Anschlägen mit zivilen Opfern. Über den gesamten Untersuchungszeitraum waren die Werte vergleichsweise stabil und unterlagen nur wenigen leichten Schwankungen. Der Anteil von Anschlägen mit zivilen Opfern an allen Anschlägen lag im Jahr 2009 mit einem Wert von 66,74 % an allen Anschlägen am höchsten. Der niedrigste Wert lag im Jahr 2012 mit 41,45 %. Zwischen 1970 und 1996 bewegen sich die Werte schwankende zischen 50 % und 60 % mit wenigen Ausnahmen. In den Jahren 1974 (64,15 %), 1975 (62,94 %) und 1977 (65,69 %) gab es geringe Abweichungen nach oben und im Jahr 1983 mit 48,82 % eine geringe Abweichung nach unten. Von 1997 bis 2002 bewegten sich die Werte in einem etwas höheren Niveau zwischen 56,82 % (2002) und 62,47 % (1997). Ab 2003 fielen die Werte dann für drei Jahre auf knapp unter 50 %, um dann bis 2009 auf den höchsten Wert von 66,74 % anzusteigen. Hervorzuheben sind die Jahre 2012 bis 2014, die mit 41,45 %, 42,15 %, 45,28 % die drei niedrigsten Anteile von Anschlägen mit zivilen Opfern für den gesamten Untersuchungszeitraum auswiesen (siehe Abbildung 51). Abbildung 50: Jährlich Anzahl von Anschlägen mit zivilen Opfern, 1970–2014 (n=141.372 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 245 Deskriptive Auswertung 6.1.4 Netzwerkartigkeit: Internationalisierung Logistisch-international Von den 144.201 Anschlägen der Datenbank war bei 78.270 Anschlägen nichts über die logistische Internationalität der Anschläge bekannt, was einem Anteil von 54,28 % entspricht. Wie bei der Auswertung zu den Waffentypen und zivilen Opfern war der Anteil der unbekannten Anschläge im Zeitraum II höher als im Zeitraum I. Mit 58.713 unbekannten Anschlägen war der Anteil von 64,85 % im Zeitraum II fast doppelt so hoch wie mit 36,45 % im Zeitraum I. Besonders in den Jahren 1995–1997 und ab dem Jahr 2006 lag der Anteil der unbekannten Anschläge bei über 60 %. Im Jahr 2013 lag der Anteil mit 75,51 % am höchsten. Über den Grund der hohen Werte an unbekannten Anschlägen lassen sich keine gesicherten Aussagen treffen, da diese sich aus den Nationalitäten der terroristischen Organisationen ergeben, diese jedoch nicht in der Datenbank als offene Variablen hinterlegt sind. Ein steigender Anteil an Einzeltätern, für die keine Nationalität definiert wurde, wäre eine mögliche Erklärung. Die 78.720 unbekannten Anschläge wurden nicht mit in die Auswertungen einbezogen, daher ergibt sich für die Auswertung im Folgenden eine Grundgesamtheit von 65.931 Anschlägen (siehe Abbildung 52). Abbildung 51: Jährlicher Anteil von Anschlägen mit zivilen Opfern, 1970–2014 (n=141.372, ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 246 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus Von den 65.931 Anschlägen, zu denen Informationen zur logistischen Internationalität vorlagen, gab es 5.518 Anschläge im gesamten Untersuchungszeitraum 1970– 2014, die in der Datenbank als logistisch-international ausgewiesen wurden. Dies entspricht 8,37 % der 65.931 Anschläge. Die restlichen nicht logistisch-internationalen 60.413 Anschläge entsprachen einem Anteil von 91,63 % (siehe Abbildung 53). Abbildung 54 zeigt die Entwicklung der Anzahl der logistisch-internationalen Anschläge pro Jahr. Im Jahr 2014 gab es mit 339 Anschlägen die meisten logistisch-interna- Abbildung 52: Übersicht Anschläge nach logistischer Internationalität. Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. Abbildung 53: Anteil von logistisch-internationalen Anschlägen an allen Anschlägen, 1970–2014 (n=65.931 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 247 Deskriptive Auswertung tionalen Anschläge, im Jahr 1971 mit 23 Anschlägen die wenigsten. Auch das Jahr 1979 sticht mit einem hohen Wert von 324 Anschlägen aus der Auswertung hervor. Mit 102 Anschlägen gingen fast ein Drittel der 324 Anschläge in diesem Jahr auf palästinensische terroristische Organisationen zurück, die in Israel aktiv waren. Die Entwicklung der Anschlagszahlen verlief über den gesamten Zeitraum wellenförmig. Zunächst gab es eine Phase des Anstiegs von 1970 mit 35 Anschlägen bis auf 236 Anschläge im Jahr 1983, gefolgt von einem Rückgang bis 1988 auf 86 Anschläge. Auf diese erste Welle folgte erneut ein Anstieg bis 1992 auf 257 Anschläge und dem anschließenden Rückgang auf 40 Anschläge im Jahr 1998. An diese zwei grö- ßeren Wellen schloss sich eine weitere kleine Welle an. Von 1998 bis 2001 stiegen die Anschläge wieder auf 128 an, um bis 2004 wieder auf 38 abzusinken. Seit 2005 stiegen die Werte wieder schwankend leicht an, mit einem großen Sprung von 113 Anschlägen im Jahr 2013 auf 339 Anschläge im Jahr 2014. Durchschnittlich gab es im gesamten Untersuchungszeitraum durchschnittlich 123 logistisch-internationale Anschläge pro Jahr, was einem durchschnittlichen Anteil von 10,18 % pro Jahr entspricht. Abbildung 55 zeigt die Entwicklung des Anteils von logistisch-internationalen Anschlägen an allen 65.931 Anschlägen über den gesamten Untersuchungszeitraum 1970– 2014. Der höchste anteilige Wert von logistisch-internationalen Anschlägen lag im Jahr 1974 bei 23,57 %. Der niedrigste Wert lag im Jahr 1988 bei 3,26 %. Die Entwicklung des Anteils unterscheidet sich stark von der Entwicklung der absoluten Anzahl Abbildung 54: Jährliche Anzahl von logistisch-internationalen Anschlägen, 1970–2014 (n=65.931 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 248 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus an logistisch-internationalen Anschlägen. Vor allem der Zeitraum 1970–1978 und das Jahr 2014 weisen abweichende Werte auf. Während bei den absoluten Zahlen die Werte der Jahre 1970–1978 zu den niedrigeren zählten, gehören hingegen bei den Anteilen die Werte dieses Zeitraums mit zu den höchsten. Bis 1983 bleiben die Werte auf einem hohen Niveau von über 10 %, mit einer Ausnahme im Jahre 1971 von 8,46 %. 1984 sank der Anteil der logistisch-internationalen Anschläge stark auf 4,67 % ab. Ab 1990 stabilisierten sich die Werte wieder etwas und schwankten bis 2009 auf einem mittleren Niveau zwischen 6,77 % (1991/2009) und 10,08 % (1999). Hierbei bildeten die Jahre 1995 mit 16,30 %, 2001 mit 13,81 % und 2002 mit 13,54 % Ausnahmen mit höheren Werten. Mit 99 Anschlägen gingen mehr als die Hälfte der 179 Anschläge im Jahr 1995 auf die in Deutschland aktive Kurdische Arbeiter Partei PKK zurück. Zwischen 2010 und 2013 kam es zu einem weiteren leichten Rückgang des Anteils an logistisch-internationalen Anschlägen bis auf 3,89 % im Jahr 2013. Das Jahr 2014 befindet sich mit 6,85 % Anteil im Vergleich zu den absoluten Zahlen eher im unteren Bereich. Ideologisch-international Da sich die unbekannten Werte aus der Nationalität der terroristischen Organisationen ergeben, sind die Werte der Auswertung zur ideologischen Internationalität nahezu identisch mit den in Abbildung 52 dargestellten Werten der unbekannten Anschläge der ideologischen Internationalität. Der Wert liegt bei 78.398 Anschlägen, Abbildung 55: Jährlicher Anteil von logistisch-internationalen Anschlägen, 1970–2014 (n=65.931 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 249 Deskriptive Auswertung mit 54,37 % nur um 0,09 Prozentpunkte höher als in der vorangegangenen Auswertung. Entsprechend ist auch die Verteilung der unbekannten Werte nahezu identisch. Auch hier wurden die 78.398 unbekannten Anschläge nicht mit in die Auswertungen einbezogen, daher ergibt sich für die Auswertung im Folgenden eine Grundgesamtheit von 65.803 Anschlägen (siehe Abbildung 56). Im Vergleich zu den Anschlägen mit logistischer Internationalität lag der Anteil der Anschläge mit ideologischer Internationalität an allen Anschlägen fast doppelt so hoch. Von den 65.803 Anschlägen waren 19,72 % ideologisch-internationale Anschläge, 80,28 % waren keine ideologisch-internationalen Anschläge (siehe Abbildung 57). Abbildung 56: Übersicht Anschläge nach ideologischer Internationalität. Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. Abbildung 57: Anteil von ideologisch-internationalen Anschläge an allen Anschlägen, 1970–2014 (n=65.803 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 250 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus In Abbildung 58 wird die Entwicklung der Anzahl der ideologisch-internationalen Anschläge pro Jahr dargestellt. Im Jahr 2014 gab es mit 1.107 Anschlägen die meisten logistisch-internationalen Anschläge, im Jahr 1972 mit 80 Anschlägen die wenigsten Anschläge. Die Anzahl der Anschläge stieg zunächst von 115 Anschlägen im Jahr 1970 auf 384 Anschläge im Jahr 1979 an. Danach schwankten die Werte zwischen 1980 und 1995 auf einem mittleren Level zwischen 289 Anschlägen (1982) und 446 Anschlägen (1993). Danach folgte ein Zeitraum zwischen 1996 und 2011, auf dem die Werte auf einem niedrigeren Level zwischen 139 Anschlägen (2007) und 282 Anschlägen (2008) schwankten. Eine Ausnahme bildete hierbei das Jahr 2000 mit 309 Anschlägen. In den Jahren 2012, 2013 und 2014 waren die Werte mit 686, 568 und 1.107 Anschlägen am höchsten. Durchschnittlich gab es im gesamten Untersuchungszeitraum 288 ideologisch-internationale Anschläge pro Jahr, was einem durchschnittlichen Anteil von 23,00 % pro Jahr entspricht. Abbildung 59 zeigt die Entwicklung des Anteils von ideologisch-internationalen Anschlägen an allen 65.803 Anschlägen über den gesamten Untersuchungszeitraum 1970–2014. Der höchste anteilige Wert von logistisch-internationalen Anschlägen lag im Jahr 1970 bei 46,56 %. Der niedrigste Wert lag im Jahr 2009 bei 12,04 %. Ähnlich wie bei der Entwicklung der Anteile logistisch-internationaler Anschläge waren die Werte zwischen 1970 und 1982 am höchsten, gefolgt von einem Zeitraum von 1983 bis 1992 mit niedrigen Werten. Danach stiegen die Werte bis Anfang der 2000er Jah- Abbildung 58: Jährliche Anzahl von ideologisch-internationalen Anschlägen, 1970–2014 (n=65.803 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 251 Deskriptive Auswertung re wieder an, um anschließend wieder abzusinken. Insgesamt waren die Werte mit durchschnittlich 19,72 % jährlichem Anteil für den gesamten Untersuchungszeitraum 1970–2014 jedoch wesentlich höher als bei den Anteilen der logistisch-internationalen Anschläge mit einem durchschnittlichen jährlichen Anteil von 8,37 %. Des Weiteren sind die Unterschiede der einzelnen Abschnitte weniger extrem ausgeprägt, was zu einer flacheren Verlaufskurve führt. Während in diesem Fall die Werte von 1993 bis 2005 zwischen 19,73 % (1993) und 34,58 % (1999) ähnlich hoch waren wie die Werte bis 1982 (zwischen 20,91 % im Jahr 1982 und 35,00 % im Jahr 1974), fällt bei den Anteilen der logistisch-internationalen Anschläge vor allem der erste Zeitabschnitt bis 1983 durch besonders hohe Werte auf. Auch ist der mittlere Abschnitt mit den niedrigen Werten mit 10 Jahren etwas länger, dafür sind im Verhältnis die Werte zwischen 12,18 % (1988) und 18,75 % (1986) etwas höher. Ein auffällig hoher Wert findet sich im Jahr 1970 mit einem Anteil von ideologisch-internationalen Anschlägen von 46,56 %, der jedoch nicht durch eine einzige terroristische Organisation oder einen speziellen Ort bedingt wurde. Gemischt-international Da die Anzahl der unbekannten Anschläge bei den gemischt-internationalen Anschlägen durch die fehlende Information über die Nationalität der Opfer zustande kommt und diese Information in der vorliegenden Variablen nicht benötigt wird, ist sie mit Abbildung 59: Jährlicher Anteil von ideologisch-internationalen Anschlägen, 1970–2014 (n=65.803 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 252 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus 478 unbekannten Anschlägen bzw. 0,33 % Anteil an allen Anschlägen von allen drei Variablen am geringsten. Somit bleiben 143.723 Anschlägen als Grundgesamtheit dieser Auswertung übrig (siehe Abbildung 60). Von den 143.723 Anschlägen, zu denen Informationen zur gemischten Internationalität vorlagen, gab es 18.477 Anschläge im gesamten Untersuchungszeitraum 1970– 2014, die in der Datenbank als gemischt-international ausgewiesen wurden. Dies entspricht 12,86 % der 143.723 Anschläge. Die restlichen nicht gemischt-internationalen 125.246 Anschläge entsprachen einem Anteil von 87,14 % (siehe Abbildung 61). Abbildung 60: Übersicht Anschläge nach gemischter Internationalität. Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. Abbildung 61: Anteil von gemischt-internationalen Anschläge an allen Anschlägen, 1970–2014 (n=143.723). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 253 Deskriptive Auswertung Abbildung 62 zeigt die Entwicklung der jährlichen Anzahl an gemischt-internationalen Anschlägen für den gesamten Untersuchungszeitraum 1970–2014. Die höchste Anzahl pro Jahr gab es im Jahr 2014 mit 1.023 Anschlägen, die niedrigste Anzahl pro Jahr gab es im Jahr 2002 mit 125 Anschlägen. Nach zwei niedrigen Werten in den Jahren 1970 und 1971 mit 152 und 176 Anschlägen, schwankten die Anschläge von 1972 bis 1990 zwischen 285 (1978) und 532 (1983) Anschlägen. Von 1991 bis 1994 waren die Anschläge auf einem auffallend hohen Niveau zwischen 635 (1993) und 820 Anschlägen (1992) und sanken danach schwankend bis auf 125 Anschläge im Jahr 2002 ab. Zwischen 2003 und 2011 stiegen die Werte wieder leicht an, blieben aber zwischen 189 (2009) und 278 (2011) Anschlägen. Eine Ausnahme hierbei bildete das Jahr 2008 mit 399 Anschlägen. In den letzten drei Jahren ab 2012 waren die Werte mit 870, 823 und 1.023 Anschlägen auf dem höchsten Niveau des gesamten Untersuchungszeitraums. Die durchschnittliche Anzahl an gemischt-internationalen Anschlägen pro Jahr lag mit 411 Anschlägen bei 20,37 %. Die Entwicklung der Anteile gemischt-internationaler Anschläge an allen Anschlägen pro Jahr im Untersuchungszeitraum 1970–2014 unterscheidet sich jedoch stark von der zahlenmäßigen Entwicklung der gemischt-internationalen Anschläge. Hier liegen die höchsten Anteile nicht in der Mitte oder am Ende des Untersuchungszeitraums, sondern zwischen 1970 und 1977 (siehe Abbildung 63). Besonders die Jahre 1972 bis 1976 fallen durch besonders hohe Werte zwischen 50,98 % (1975) und 77,94 % Abbildung 62: Jährliche Anzahl von gemischt-internationalen Anschlägen, 1970–2014 (n=143.723 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 254 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus (1972) auf. Knapp 50 % der Anschläge aus diesen fünf Jahren lassen sich jedoch dem Konflikt in Nordirland zuordnen. Mit dem Auslaufen des Nordirlandkonfliktes 1977 fielen die Werte auf nur noch 32,20 %. Ab dem Jahr 1978 waren sie schließlich mit 18,94 % auf einem niedrigen Niveau und blieben bis 2005 auch unter der 20 %-Marke. Drei kleinere Ausnahmen bildeten die Jahre 1994 mit 20,95 %, 1998 mit 22,45 % und 1999 mit 24,31 %. Ab dem Jahr 2006 fiel der Anteil dann dauerhaft unter 10 %, außer in 2012, wo er mit 10,33 % leicht darüber lag. Gesamt-international Die vierte Variable zur Internationalität setzt sich aus den drei einzelnen Variablen „logistisch-international“, „ideologisch-international“ und „gemischt-international“ zusammen. Von den 144.201 Anschlägen der Datenbank waren bei 70.300 Anschlägen keine Angaben über die gesamte Internationalität der Anschläge bekannt, was einem Anteil von 48,75 % entspricht. Der hohe Wert der Anschläge, zu denen keine Information zur Internationalität vorliegt, ergibt sich daraus, dass alle Anschläge, bei denen die Ausprägung einer der drei Variablen „nicht-international“ und bei mindestens einer weiteren Variablen „unbekannt“ ist, zu den unbekannten Anschlägen gezählt wurden, da diese theoretisch doch international sein könnten. Ähnlich wie bei den einzelnen Auswertungen zur logistischen Internationalität und ideologischen Internationalität gab es im Zeitraum II mit 59,57 % Anteil deutlich mehr unbekannte Anschläge als im Zeitraum I mit einem Anteil von 30,49 %. Vor allem ab dem Abbildung 63: Jährlicher Anteil von gemischt-internationalen Anschlägen, 1970–2014 (n=143.723 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 255 Deskriptive Auswertung Jahr 2006 war der Anteil der unbekannten Anschläge besonders hoch. Im Jahr 2013 lag der Anteil mit 71,40 % am höchsten. Die 70.300 unbekannten Anschläge wurden nicht mit in die Auswertungen einbezogen, daher ergibt sich für die Auswertung im Folgenden eine Grundgesamtheit von 73.901 Anschlägen (siehe Abbildung 64). Von den 73.901 Anschlägen, zu denen Informationen zur gesamten Internationalität vorlagen, gab es 26.737 Anschläge im gesamten Untersuchungszeitraum 1970–2014, die in der Datenbank als gesamt-international ausgewiesen wurden. Dies entspricht 36,18 % der 73.901 Anschläge. Die restlichen nicht gesamt-internationalen 47.164 Anschläge entsprachen einem Anteil von 63,82 % (siehe Abbildung 65). Abbildung 64: Übersicht Anschläge nach gesamter Internationalität. Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. Abbildung 65: Anteil der gesamt-internationalen Anschläge an allen Anschlägen, 1970–2014 (n=73.901 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 256 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus Abbildung 66 zeigt die Entwicklung der Anzahl der gesamt-internationalen Anschläge pro Jahr. Im Jahr 2014 gab es mit 1.708 Anschlägen die meisten gesamt-internationalen Anschläge, im Jahr 1970 mit 189 Anschlägen die wenigsten. Das Jahr 1979 sticht mit einem hohen Wert von 893 Anschlägen hervor, ebenso wie die Jahre 2012 mit 1.218 Anschlägen und 2013 mit 1.107 Anschlägen. Der hohe Wert aus dem Jahr 1979 geht bei der Auswertung der gesamt-internationalen Anschläge jedoch nicht mehr hauptsächlich auf palästinensische terroristische Organisationen zurück, sondern vor allem auf den Konflikt in Nordirland mit der IRA und den Konflikt in Spanien mit der ETA. Von 1970 bis 1983 gibt es insgesamt einen schwankenden Anstieg der gesamt-internationalen Anschläge bis auf 726 Anschläge im Jahr 1983. Bis 1990 gehen die Werte leicht wieder schwankend auf 667 Anschläge zurück. Nach vier Jahren von 1991–1994 mit höheren Werten fallen die Werte wieder und bleiben bis 2011 auf einem niedrigen Niveau zwischen 264 (2002) und 652 (1995) Anschlägen. Die Jahre 2012, 2013 und 2014 verzeichneten mit 1.218, 1.107 und 1.708 Anschlägen auffällig hohe Werte. Durchschnittlich gab es 594 logistisch-internationale Anschläge pro Jahr, was einem durchschnittlichen Anteil von 43,42 % pro Jahr entspricht. Abbildung 67 zeigt die Entwicklung des Anteils von gesamt-internationalen Anschlägen an allen 73.901 Anschlägen über den gesamten Untersuchungszeitraum 1970– 2014. Den höchsten anteiligen Wert von gesamt-internationalen Anschlägen gab es im Jahr 1972 mit 91,05 %. Der niedrigste Wert lag im Jahr 2009 bei 18,04 %. Die Ver- Abbildung 66: Jährliche Anzahl von gesamt-internationalen Anschlägen, 1970–2014 (n= 73.901 ohne n.a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 257 Deskriptive Auswertung teilung der Jahresdurchschnittswerte der gesamt-internationalen Anschläge ähnelt am meisten der Verteilung der Jahresdurchschnittswerte der ideologischen-internationalen Anschläge. Auch hier finden sich die höchsten Werte in den siebziger Jahren und in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre, allerdings liegt hier nicht das Jahr 1970 an der Spitze, sondern die Jahre 1972–1974. Nach diesen Jahren mit hohen Anteilen an gesamt-internationalen Anschlägen fallen die Werte bis auf 22,26 % im Jahr 1988 um dann wieder bis 1998 auf 54,53 % anzusteigen und erneut wieder bis 2009 auf 18,04 % abzufallen. Im Anschluss gibt es nur einen leichten Anstieg bis 2012 auf 35,18 %, der aber bis 2014 wieder auf 31,25 % leicht zurückgeht. 6.1.5 Religiosität: religiöse Ideologie Abbildung 68 gibt einen ersten Überblick über die Verteilung der Anschläge nach ihren jeweiligen Ideologien. Von den 144.201 Anschlägen konnten 60.930 Anschlägen Angaben über die jeweiligen Ideologien der ausführenden terroristischen Organisation zugeordnet werden. Zu 83.185 Anschlägen gibt es aufgrund der Auswahl von Tätern durch das Konzentrationsprinzip – bei dem nur terroristische Organisationen mit mehr als 10 Anschlägen ausgewählt wurden – keine Angabe zur Ideologie. Bei 86 Anschlägen waren die terroristischen Organisationen ausgewählt und bekannt, aber die Ideologie nicht zuordenbar. Insgesamt war der Anteil der unbekannten Anschläge im Zeitraum II höher als im Zeitraum I. Im Zeitraum I betrug Abbildung 67: Jährlicher Anteil von gesamt-internationalen Anschlägen, 1970–2014 (n=143.723 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 258 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus der Anteil mit 24.616 Anschlägen 29,56 % aller Anschläge, im Zeitraum II mit 58.655 Anschlägen 70,44 % aller Anschläge. Von den 60.930 Anschlägen hatten mit 25.000 Anschlägen bzw. 41,03 % die meisten Anschläge eine links-sozialrevolutionäre Ideologie. 17.320 Anschläge bzw. 28,43 % der Anschläge hatten eine religiöse Ideologie. Ähnlich hoch war mit 16.076 Anschlägen bzw. 26,38 % der Anteil von Anschlägen mit einer nationalistisch-separatistische Ideologie. Nur 2.070 Anschläge bzw. 3,40 % hatten eine rechts-konservative Ideologie und 462 Anschläge bzw. 0,76 % besaßen sonstige Ideologien (siehe Abbildung 69). Abbildung 68: Übersicht ideologische Anschläge nach Ideologien. Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. Abbildung 69: Anteil von Anschlägen nach Ideologien unterteilt an allen Anschlägen mit Ideologie, 1970–2014 (n= 60.930 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 259 Deskriptive Auswertung In Abbildung 70 wird die Entwicklung der jährlichen Anzahl von Anschlägen, unterteilt nach den einzelnen Ideologien, über den gesamten Untersuchungszeitraum 1970–2014 dargestellt. Die geringste Anzahl von Anschlägen einer Ideologie stellen die 462 Anschläge der sonstigen Ideologien dar. Zwischen 1970 und 1986 gab es bis auf das Jahr 1984 mit einem Anschlag keine Anschläge, ebenso nicht im Jahr 1994. Zwischen 1987 und 2013 schwankten die Werte zwischen zwei und 30 Anschlägen jährlich, mit zwei Ausnahmen: die höchste Anzahl von Anschlägen gab es im Jahr 1989 mit 99 Anschlägen und im Jahr 2014 mit 62 Anschlägen. Die Entwicklung der 2.072 Anschläge mit rechts-konservativen Ideologien gestaltete sich dagegen über den Untersuchungszeitraum etwas anders. Von 1970 bis 1972 gab es nur Anschlagszahlen im einstelligen Bereich, zwischen 1973 und 1982 befanden sich diese bereits im zweistelligen Bereich und stiegen danach im Jahr 1983 auf den höchsten Wert von 298 Anschlägen an. Bis 1987 blieben die Werte auf diesem hohen Niveau, um darauf bis 1995 wieder auf acht Anschläge abzusinken. Ab dem Jahr 1993 schwankten die Werte im unteren Bereich zwischen null und fünf Anschlägen pro Jahr, unterbrochen von einzelnen Jahren mit höheren Werten: 1996 und 1997 lagen die Werte bei 21 bzw. 22 Anschlägen, in den Jahren 2000 und 2001 bei 18 bzw. 39 Anschlägen, 2008 bei 18 Anschlägen und 2013 und 2014 bei 44 bzw. 24 Anschlägen. Die Entwicklung der Anzahl von Anschlägen mit national-separatistischer Ideologie unterscheidet sich von den Anschlägen mit rechts-konservativer Ideologie dadurch, dass ihre Hochzeit nicht Mitte der achtziger Jahre lag, sondern Ende der achtziger bis Anfang der neunziger Jahre. Zunächst begann die Entwicklung mit dem niedrigsten Werte von 51 Anschlägen im Jahr 1970 und dem zweitniedrigsten Wert von 110 Anschlägen im Jahr 1971. Danach stiegen die Werte bis auf einen auffällig hohen Wert von 660 Anschlägen im Jahr 1979 an und sanken danach leicht schwankend wieder bis 1986 auf 223 Anschläge ab. Ab 1987 stieg die Anzahl der Anschläge bis auf den höchsten Wert im Jahr 1993 von 1.291 Anschlägen erneut an.649 Bis 1998 sank der Wert dann wieder auf 135 Anschläge pro Jahr ab. Von da an schwankten die Werte auf einem unteren Niveau zwischen 112 (2004) und 382 (2008) Anschlägen. 2012 gab es einen leichten Sprung auf 495 Anschläge, gefolgt von einem leichten Rückgang 2013 auf 359 Anschläge und einem größeren Sprung im Jahr 2014 auf den höchsten Wert des gesamten Untersuchungszeitraums 19970–2014 mit 1.122 Anschlägen. Die Entwicklung der Kurve der Anschläge mit religiöser Ideologie dagegen zeigt einen eindeutigeren Verlauf. Der niedrigste Wert lag mit einem Anschlag pro Jahr im Jahr 1973 und der höchste Wert mit 4.786 Anschlägen im Jahr 2014. Von 1970 bis 649 Dieser Wert aus dem Jahr 1993 ist aufgrund der Anpassung des Ursprungswerts von 184 Anschlägen nicht gesichert, erscheint jedoch im Verlauf möglich, da die Anzahl der Anschläge bis zum Jahr 1992 bereits auf 871 Anschläge angestiegen war. 260 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus 1977 lag die Anzahl der Anschläge auf einem sehr niedrigen Wert bei maximal 20 Anschlägen pro Jahr. Von 1978 bis 1991 erhöhten sich die Werte leicht und schwankten zwischen 22 Anschlägen (1988) und 58 Anschlägen (1980) weiter auf niedrigem Niveau. Erst 1992 gab es einen Sprung auf 204 Anschläge pro Jahr, gefolgt von 568 Anschlägen im Jahr 1993.650 Danach gab es eine kurze Phase, in der die Anschläge bis ins Jahr 1997 nochmals auf 75 Anschläge absanken. Seit 1998 stieg die Anzahl der Anschläge pro Jahr mit religiöser Ideologie leicht, aber stetig schwankend bis auf 846 Anschläge im Jahr 2011. Ähnlich wie bei den Anschlägen mit einer nationalistisch-separatistischen Ideologie gab es einen Sprung im Jahr 2012 auf 2.389 Anschläge bzw. 2.461 Anschläge im Jahr 2013 und einem noch größeren Sprung auf 4.786 Anschläge im Jahr 2014. Die Anzahl der Anschläge mit links-sozialrevolutionärer Ideologie ist mit 25.000 Anschlägen im gesamten Untersuchungszeitraum 1970–2014 am höchsten. Den niedrigsten Wert gab es im Jahr 1972 mit 42 Anschlägen, den höchste Wert im Jahr 1991 mit 1.743 Anschlägen. Von 1970 bis 1991 stieg die Anzahl der Anschläge schwankend von 100 Anschlägen im ersten Jahr 1970 bis auf 1.743 im Jahr 1991 an. Danach ging die Anzahl der Anschläge bis 2007 wieder auf den zweitniedrigsten Wert von 46 Anschlägen im Jahr zurück. 2008 machte die Anzahl der Anschläge nochmal einen leichten Sprung auf 334 Anschläge, stieg bis 2010 auf 724 Anschläge an und ging erneut bis 2012 auf 251 Anschläge zurück. 2013 und 2014 stiegen die Werte wieder leicht auf 458 Anschläge, bzw. 659 Anschläge an. Durchschnittlich gab es im gesamten Untersuchungszeitraum 1970–2014 10 Anschläge mit sonstiger Ideologie pro Jahr, was einem durchschnittlichen Anteil von 0,86 % pro Jahr entspricht. Bei Anschlägen mit einer rechts-konservativen Ideologie waren es 46 Anschläge bzw. ein durchschnittlichen Anteil von 3,18 %. Bei Anschlägen mit einer nationalistisch-separatistischen Ideologie waren es 357 Anschläge bzw. ein durchschnittlicher Anteil von 33,29 %. Bei Anschlägen mit einer religiösen Ideologie waren es 385 Anschläge bzw. 21,79 % und bei Anschlägen mit einer links-sozialrevolutionären Ideologie 556 Anschläge bzw. 40,87 %. Aus Abbildung 71 wird ersichtlich, dass der jährliche Anteil von Anschlägen mit sonstiger Ideologie bis 1986 bei 0,00 % lag, mit Ausnahme des Jahres 1984 mit einem Wert von 0,05 %. Der höchste Anteil lag im Jahr 1999 mit 6,34 %. Zwischen 1987 und 1996 schwankten die Werte im niedrigen bis sehr niedrigen Bereich zwischen 0,48 % (1996) und 1,06 % (1993). Das Jahr 1989 bildete mit einem vergleichsweise hohen Wert von 4,10 % eine Ausnahme. Von 1997 bis 2003 stiegen die Werte wieder auf ein leicht höheres Level zwischen 1,78 % (2002) und 6,34 % (1999). Von 2004 an sanken 650 Dieser Wert aus dem Jahr 1993 ist aufgrund der Anpassung des Ursprungswerts von 184 Anschlägen nicht gesichert. 261 Deskriptive Auswertung die Werte bis 2009 wieder auf 0,13 % ab, mit einem anschließenden leichten Sprung auf 1,74 % im Jahr 2010. Bis einschließlich 2014 blieb der Anteil der Anschläge mit sonstiger Ideologie unter der 1,00 %-Marke. Für den gesamten Untersuchungszeitraum lag der durchschnittliche jährliche Anteil von Anschlägen mit sonstiger Ideologie bei 0,86 %. Der jährliche Anteil von Anschlägen mit rechts-konservativer Ideologie lag bis 1982 auf einem mittleren Level zwischen 0,34 % (1972) und 6,61 % (1974). Im Jahr 1983 gab es einen starken Anstieg auf 16,29 %, der sich bis 1987 auf 11,36 % abschwächte. Nach dieser fünfjährigen Phase mit den höchsten Werten des gesamten Untersuchungszeitraums sanken die Werte schwankend immer weiter ab. Eine letzte Ausnahme bildete das Jahr 2001 mit 5,60 % Anschlägen. Seit 2002 liegt die Zahl der Anschläge auf einem sehr niedrigen Niveau zwischen 0,00 % (2003, 2010 und 2011) und 1,32 % (2013). Ähnlich wie bei der Verlaufskurve der Anzahl von Anschlägen war auch der höchste Anteil an Anschlägen mit rechts-konservativer Ideologie in den achtziger Jahren zu verorten. Für den gesamten Untersuchungszeitraum lag der durchschnittliche jährliche Anteil von Anschlägen mit rechts-konservativer Ideologie bei 3,18 %. Im Vergleich zu den flachen Verlaufskurven der anteiligen Anschläge mit sonstiger oder rechts-konservativer Ideologie entwickelte sich der Anteil von Anschlägen mit nationalistisch-separatistischer Ideologie wellenförmig. Der niedrigste Wert lag im Jahr 2010 mit einem Anteil von 9,80 % an allen Anschlägen. Im Jahr 1970 lag der Anteil noch bei 31,29 %, stieg aber bis 1972 auf den höchsten Wert des gesamten Abbildung 70: Jährliche Anzahl von ideologischen Anschlägen unterteilt nach Ideologien, 1970–2014 (n=60.930 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 262 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus Untersuchungszeitraums von 82,09 %. Danach sanken die Werte bis zum Jahr 1985 auf 12,79 % ab, um bis 1996 wieder auf 48,26 % anzusteigen. 1997 sanken die Werte auf 38,76 %, schwankten dann zwischen 22,00 % (2003) und 42,99 % (2006), um 2007 wieder bei 38,29 % anzukommen. Danach gab es ein starkes Absinken der Werte bis auf 9,80 % im Jahr 2010. Zwischen 2011 und 2014 pendelten sich die Werte auf einem niedrigen Niveau zwischen 10,77 % (2013) und 16,86 % (2014) ein. Für den gesamten Untersuchungszeitraum lag der durchschnittliche jährliche Anteil von Anschlägen mit nationalistisch-separatistischer Ideologie bei 33,29 %. Die Entwicklung der Anteile von Anschlägen mit einer religiösen Ideologie war geprägt von vier unterschiedlichen Phasen, stellt insgesamt über den gesamten Untersuchungszeitraum aber einen Anstieg dar. Zunächst gab es einen Zeitraum von 1970 bis 1991, in dem die Werte auf einem sehr niedrigen Niveau zwischen dem insgesamt niedrigsten Wert im Jahr 1973 von 0,38 % und 6,12 % im Jahr 1980 lagen. Im Jahr 1992 schafften die Werte den Sprung über die 10 %-Marke und blieben bis 2001 auf einem mittleren Wert zwischen 10,06 % (1992) und 31,14 % (2000). Einen weiteren Sprung gab es im Jahr 2002, als die Werte auf 39,64 % anstiegen und bis 2011 auf einem hohen Niveau von bis zu 55,97 % (2007) pendelten. Einen letzten Sprung gab es im Jahr 2012 auf einen Wert von 75,60 %, der bis 2014 leicht auf 71,94 % zurückfiel. Für den gesamten Untersuchungszeitraum lag der durchschnittliche jährliche Anteil von Anschlägen mit religiöser Ideologie bei 21,79 %. Bei den Anteilen der Anschläge mit links-sozialrevolutionärer Ideologie lagen der höchste Wert im Jahr 1986 bei 74,77 % und der niedrigste Wert im Jahr 2007 bei 5,18 %. Nach einem hohen Wert im Jahr 1970 von 61,35 % kam es zunächst zu einem Einbruch auf 14,19 % im Jahr 1972. Danach erholten sich die Werte wieder und kamen bereits 1975 wieder auf 49,89 %. Zwischen 1975 und 1991 waren die Werte auf einem sehr hohen Niveau mit leicht steigender Tendenz zwischen 46,90 % (1976) und 74,77 % (1986). Im Jahr 1991 fiel der Anteil von 68,27 % auf 45,24 % im Jahr 1992 und noch weiter auf 28,47 % im Jahr 1993. Bis 2003 blieben die Werte schwankend auf einem mittleren Niveau zwischen 23,79 % (2003) und 45,24 % (1997). Danach fielen die Werte bis auf den niedrigsten Stand im Jahr 2007 mit 5,18 %. Nach einer kurzen Phase, in der sich die Werte bis 2010 auf 42,00 % stabilisierten, fielen sie erneut bis auf 9,91 % im Jahr 2014. Auffällig ist die entgegengesetzte Entwicklung zu den Anteilen der Anschläge mit nationalistisch-separatistischer Ideologie, vor allem im Jahr 1972 und in den achtziger Jahren. Aber auch in den zweitausender Jahren bilden die beiden Anteile eine konträre Entwicklung, die sich erst im Jahr 2012 etwas angleicht. Für den gesamten Untersuchungszeitraum lag der durchschnittliche jährliche Anteil von Anschlägen mit links-sozialrevolutionärer Ideologie bei 40,87 %. 263 Deskriptive Auswertung In Abbildung 72 wird das Verhältnis der Anteile der einzelnen Ideologien an allen Anschlägen mit Ideologien besonders sichtbar. In den siebziger Jahren dominierten vor allem die Anschläge mit nationalistisch-separatistischer und links-sozialrevolutionärer Ideologie. In den achtziger Jahren ging der Anteil der nationalistischseparatistischen Anschläge stark zurück, dafür wurde der Anteil von Anschlägen Abbildung 71: Jährlicher Anteil von ideologischen Anschlägen unterteilt nach Ideologien, 1970–2014. (n=60.930 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. Abbildung 72: Jährlicher kumulierter Anteil von ideologischen Anschlägen differenziert nach Ideologien, 1970–2014 (n=60.930, ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 264 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus mit rechts-konservativer Ideologie für wenige Jahre fast genauso groß. Anfang der Neunziger gab es einen Wendepunkt, an dem sich das Verhältnis zwischen nationalistisch-separatistischer Ideologie und links-sozialrevolutionärer Ideologie wieder umkehrte und die nationalistisch-separatistischen Anschläge wieder überwogen. Hinzu kamen damals Anschläge mit religiöser Ideologie. In den zweitausender Jahren verdrängten diese Anschläge mit religiöser Ideologie immer mehr den Anteil der Anschläge mit nationalistisch-separatistischer und links-sozialrevolutionärer Ideologie. Dieser Trend setzte sich bis 2014 weiter fort, sodass in den letzten Jahren des Untersuchungszeitraums drei Viertel der Anschläge mit Ideologien eine religi- öse Ideologie zugeschrieben wird. 6.1.6 Predominant Energy Auch für die Auswertungen zur Predominant Energy ist die Grundgesamtheit von 144.201 Anschlägen auf die Erhebungsgrundgesamtheit von 60.930 Anschlägen reduziert, für die Informationen über die Ideologie der ausführenden terroristischen Organisation vorlagen. In Abbildung 73 wird hierzu die Entwicklung der Anschlagszahlen der Grundgesamtheit mit allen Anschlägen und der Erhebungsgrundgesamtheit der ideologischen Anschläge miteinander verglichen. Auf der Primärachse wird die Entwicklung der gesamten 136.399 Anschläge pro Jahr dargestellt. Die 60.930 ideologischen Anschläge entsprechen 42,25 % der Grundgesamtheit aller Anschläge und werden Abbildung 73: Vergleich der jährlichen Anzahl von allen Anschlägen und Anschlägen mit Ideologie, 1970–2014 (n1=136.399 ohne n. a./n2=60.930 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 265 Forschungshypothesen des Neuen Terrorismus im Verhältnis auf der Sekundärachse abgebildet. Insgesamt entspricht die Entwicklung der jährlichen Anzahl von ideologischen Anschlägen der Entwicklung der jährliche Anzahl von allen Anschlägen. Zwischen 1971 und 1993 lag der jährliche Anteil der ausgewählten ideologischen Anschläge etwas über dem Gesamtanteil von 42,25 %, bis auf die Jahre 1980 und 1981, wo er etwas darunter lag. Ab dem Jahr 1994 lag der jährliche Anteil dagegen unter dem Gesamtanteil, außer im Jahr 2003, wo er etwas darüber lag. Die maximalen Abweichungen liegen bei 25,13 % über dem Gesamtanteil von 42,25 % bzw. bei 18,51 % unter Gesamtanteil von 42,25 %. Insgesamt lässt sich festhalten, dass die bewusste Auswahl der Anschläge über die Aktivität der terroristischen Organisationen nach dem Konzentrationsprinzip nicht zu einer großen Verschiebung in der Entwicklung der jährlichen Anschlagszahlen geführt hat. Die Erhebungsgrundgesamtheit der 60.930 Anschläge kann somit als repräsentative Stichprobe für die gesamte Datenbank gesehen werden und wird daher im Folgenden für die Vergleiche der Untersuchungszeiträume getrennt nach den einzelnen Ideologien herangezogen. 6.2 Forschungshypothesen des Neuen Terrorismus Nachdem die allgemeine Entwicklung der Anschlagszahlen und die Entwicklung der Eigenschaften der Anschläge über den gesammten Untersuchungszeitraum 1970–2014 in einer deskriptiven empirischen Auswertung dargestellt wurden, widmet sich das folgende Kapitel der konkreten Prüfung der Forschungshypothesen. Hierzu werden die Werte der Untersuchungsbereiche bzw. die Jahresdurchschnittswerte der Indikatoren der Datenbank zu Durchschnittswerten für die beiden Untersuchungszeiträume Zeitraum I „1970–1992“ und Zeitraum II „1993–2014“ zusammengefasst und miteinander verglichen.651 Hierdurch kann eine Aussage darüber getroffen werden, um wieviel Prozent sich der Wert des jeweiligen Untersuchungsbreichs im Zeitraum II im Vergleich zum Zeitraum I erhöht oder verringert hat bzw. ob die jeweilige Forschungshypothese gestützt oder abgelehnt werden muss. 6.2.1 Forschungshypothese H1 zur hohen Gewaltbereitschaft Zur Untersuchung der Gewaltbereitschaft wurde folgende Forschungshypothese in der Untersuchung formuliert: 651 Durch den Vergleich der Durchschnittswerte der beiden Untersuchungszeiträume (statt der absoluten Zahlen) wird die Vergleichbarkeit der unterschiedlich großen Zeiträume I „1970–1992“ II „1993–2014“ sichergestellt. 266 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus H1: Wenn terroristische Anschläge zwischen 1993 und 2014 sattfanden, dann gab es eine höhere Gewaltbereitschaft als bei Anschlägen zwischen 1970 und 1992. Zur Beantwortung dieser Forschungsfrage H1 werden die konkretisierten Forschungshypothesen H1a, H1b und H1c der Untersuchungsbereiche „Opferzahlen“, „Selbstmordattentate“ und „Massenvernichtungswaffen“ einer empirischen Auswertung unterzogen. 6.2.1.1 Opferzahlen Die erste konkretisierte Forschungshypothese H1a zur Eigenschaft “Hohe Gewaltbereitschaft“ lautete: H1a: Wenn terroristische Anschläge zwischen 1993 und 2014 stattfanden, dann gab es mehr Opfer als bei Anschlägen zwischen 1970 und 1992. Anschlagstypen Der erste Vergleich der beiden Untersuchungszeiträume 1970–1992 und 1993–2014 in Abbildung 74 zeigt einen Anstieg der Anschläge mit Opfern um 31,45 % von 50,88 % (24.459 Anschläge) im Zeitraum I auf 66,88 % (59.073 Anschläge) im Zeitraum II. Der Anteil von Anschlägen mit Opfern des gesamten Untersuchungszeitraums 1970–2014 lag bei 61,24 %. Abbildung 75 gibt Auskunft über die Anteile der einzelnen Anschlagstypen in den beiden Untersuchungszeiträumen. Die Anteile beziehen sich hier jedoch nicht auf alle 136.399 Anschläge wie in der Abbildung 74, sondern nur auf die 83.532 Anschläge, bei denen Opfer verzeichnet wurden. Der Anteil der Anschläge, bei denen es nur Verwundete gab, stieg um 19,07 % von 21,04 % im Zeitraum I auf 25,05 % im Zeitraum II, der Anteil der Anschläge mit Verwundeten und Toten stieg um 91,04 %, von 20,05 % auf 38,31 %, und der Anteil von Anschlägen, bei denen es nur Tote gab, sank um 37,80 %, von 58,91 % auf 36,64 %. Für den gesamten Untersuchungszeitraum lag der Anteil an Anschlägen mit nur Verwundeten bei 23,88 %, mit Verwundeten und Toten bei 32,96 % und mit nur Toten bei 43,16 %. 267 Forschungshypothesen des Neuen Terrorismus Opferzahl Bei dem Vergleich der beiden Untersuchungszeiträume 1970–1992 und 1993–2014 werden in Abbildung 76 die durchschnittlichen jährlichen Opferzahlen unterteilt nach Verwundeten und Toten dargestellt. Die durchschnittliche jährliche Anzahl Abbildung 74: Vergleich Anteil von Anschlägen mit Opfern der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 (n=136.399 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. Abbildung 75: Vergleich Anteil von Anschlägen mit Opfern unterteilt nach Anschlagstypen der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 (n=83.532 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 268 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus der Opfer insgesamt ist von 7.696 Opfern im Zeitraum I um 218,66 % auf 24.525 Opfer im Zeitraum II angestiegen. Die durchschnittliche jährliche Anzahl der Verwundeten ist von 3.407 Opfern um 333,36 % auf 14.766 Opfer im Zeitraum II angestiegen. Nicht ganz so stark ist der durchschnittliche jährliche Anstieg der Toten um 127,53 %, von 4.289 Opfern im Zeitraum I auf 9.759 Opfer im Zeitraum II. Die durchschnittliche jährliche Opferzahl für den gesamten Zeitraum lag bei 15.924 Opfern, die durchschnittliche jährliche Anzahl der Verwundeten pro Jahr bei 8.960 und die durchschnittliche jährliche Anzahl der Toten bei 6.963. Beachtet man den Effekt der jährlich steigenden Anschlagszahlen, relativieren sich die Steigerungen etwas: Bei der Betrachtung der durchschnittlichen Opferzahl pro Anschlag liegt die Steigerung der Opferzahl insgesamt nur noch bei 65,90 %, von 3,68 im Zeitraum I auf 6,11 im Zeitraum II. Auch die Steigerung bei den Verwundeten liegt mit 124,44 % von 1,70 im Zeitraum I auf 3,81 im Zeitraum II, niedriger als bei der Betrachtung der durchschnittlichen jährlichen Opferanzahl. Vor allem auf die Steigerung der Anzahl der Toten wirkt sich die Beachtung der Anschlagszahlen durch die Bildung eines arithmetischen Mittels aus: Die durchschnittliche Opferzahl pro Anschlag steigt nur noch um 18,31 %, von 2,06 im Zeitraum I auf 2,44 im Zeitraum II (siehe Abbildung 77). Die durchschnittliche Opferzahl pro Anschlag lag für den gesamten Untersuchungszeitraum bei 5,25 Opfern, die durchschnittliche Anzahl pro Anschlag bei den Verwundeten bei 3,07 und bei den Toten bei 2,30. Abbildung 76: Vergleich durchschn. Opferzahl pro Jahr unterteilt nach Opferarten der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 (n=136.399 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 269 Forschungshypothesen des Neuen Terrorismus Beim Vergleich der beiden Untersuchungszeiträume konnte mit einem 31 % höheren Anteil von Anschlägen mit Opfern und einer 66 % höheren durchschnittlichen jährlichen Opferanzahl pro Anschlag insgesamt deutlich höhere Opferzahlen für den Zeitraum II festgestellt werden. 6.2.1.2 Selbstmordattentate Die zweite konkretisierte Forschungshypothese H1b zur Eigenschaft „Hohe Gewaltbereitschaft“ lautete: H1b: Wenn terroristische Anschläge zwischen 1993 und 2014 stattfanden, dann wurden anteilig häufiger Selbstmordattentate durchgeführt als bei Anschlägen zwischen 1970 und 1992. Der Vergleich der beiden Untersuchungszeiträume 1970–1992 und 1993–2014 in Abbildung 78 zeigt einen Anstieg des Anteils der Selbstmordattentate an allen Anschlägen um 5872,20 %, von 0,07 % (38 Anschläge) im Zeitraum I auf 4,23 % (3.829 Anschläge) im Zeitraum II. Der durchschnittliche Anteil für den gesamten Untersuchungszeitraum an Selbstmordattentaten lag bei 2,68 % (siehe Abbildung 78). Abbildung 77: Vergleich durchschn. jährliche Opferzahl pro Anschlag unterteilt nach Opferarten der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 (n=136.399 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. Die konkretisierte Hypothese H1a zu den Opferzahlen kann durch die empirische Untersuchung gestützt werden. 270 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus Beim Vergleich der beiden Untersuchungszeiträume konnte mit einem 5872 % höheren Anteil von Selbstmordattentaten an allen Anschlägen ein deutlich höherer Anteil von Selbstmordattentaten für den Zeitraum II festgestellt werden. 6.2.1.3 Massenvernichtungswaffen Die dritte konkretisierte Forschungshypothese H1c zur Eigenschaft „Hohe Gewaltbereitschaft“ lautete: H1c: Wenn terroristische Anschläge zwischen 1993 und 2014 stattfanden, dann wurden anteilig häufiger Massenvernichtungswaffen eingesetzt als bei Anschlägen zwischen 1970 und 1992. In Abbildung 79 werden die beiden Untersuchungszeiträume 1970–1992 und 1993– 2014 bezüglich ihres Anteils von Anschlägen mit Massenvernichtungswaffen an allen Abbildung 78: Vergleich Anteil von Selbstmordattentaten der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 (n=144.201). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. Die konkretisierte Forschungshypothese H1b zu den Selbstmordattentaten kann durch die empirische Untersuchung gestützt werden. 271 Forschungshypothesen des Neuen Terrorismus Anschlägen miteinander verglichen. Der Anteil von Anschlägen, bei denen Massenvernichtungswaffen eingesetzt wurden, hat sich um 62,13 %, von 0,16 % im Zeitraum I auf 0,26 % im Zeitraum II, erhöht. Der Anteil für den gesamten Untersuchungszeitraum von Anschlägen, bei denen Massenvernichtungswaffen eingesetzt wurden, lag bei 0,23 %. Beim Vergleich der beiden Untersuchungszeiträume konnte mit einem 62 % höheren Anteil von eingesetzten Massenvernichtungswaffen an allen Anschlägen ein deutlich höherer Anteil von Massenvernichtungswaffen für den Zeitraum II festgestellt werden. Abbildung 79: Vergleich Anteil von Anschlägen mit Massenvernichtungswaffen der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 (n=133.036 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. Die konkretisierte Forschungshypothese H1c zu den Massenvernichtungswaffen kann durch die empirische Untersuchung gestützt werden. 272 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus 6.2.2 Forschungshypothese H2 zur undifferenzierten Opferwahl Zur Untersuchung der undifferenzierten Opferwahl wurde folgende Forschungshypothese in der Untersuchung formuliert: H2: Wenn terroristische Anschläge zwischen 1993 und 2014 stattfanden, dann war die Opferwahl häufiger undifferenziert als bei Anschlägen zwischen 1970 und 1992. Der Vergleich der beiden Untersuchungszeiträume 1970–1992 und 1993–2014 zeigt in Abbildung 80, dass der Anteil der Anschläge mit zivilen Opfern an allen Opfern um 5,98 %, von 55,19 % im Zeitraum I auf 51,89 % im Zeitraum II, zurückging. Der Anteil von Anschlägen mit zivilen Opfern lag für den gesamten Untersuchungszeitraum bei 53,13 %. Abbildung 80: Vergleich Anteil von Anschlägen mit zivilen Opfern der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 (n=141.372 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 273 Forschungshypothesen des Neuen Terrorismus Beim Vergleich der beiden Untersuchungszeiträume konnte mit einem 6 % geringeren Anteil von Anschlägen mit zivilen Opfern an allen Anschlägen ein deutlich geringerer Anteil von zivilen Opfern für den Zeitraum II festgestellt werden. 6.2.3 Forschungshypothese H3 zur Netzwerkartigkeit Zur Untersuchung der Netzwerkartigkeit wurde folgende Forschungshypothese in der Untersuchung formuliert: H3: Wenn terroristische Anschläge zwischen 1993 und 2014 stattfanden, dann waren sie häufiger netzwerkartig als Anschläge zwischen 1970 und 1992. Zur Beantwortung dieser Forschungsfrage H3 wird die konkretisierte Forschungshypothese H3a zum Untersuchungsbereich „Internationalität“ einer empirischen Auswertung unterzogen. 6.2.3.1 Internationalisierung Die konkretisierte Forschungshypothese H3a zur Eigenschaft “Netzwerkartigkeit“ lautete: H3a: Wenn terroristische Anschläge zwischen 1993 und 2014 stattfanden, dann waren sie häufiger international, als Anschläge die zwischen 1970 und 1992 stattfanden. In Abbildung 81 werden die beiden Untersuchungszeiträume 1970–1992 und 1993–2014 bezüglich ihres Anteils von internationalen652 Anschlägen an allen Anschlägen miteinander verglichen. Der Anteil von internationalen Anschlägen hat sich um 3,75 %, von 36,86 % im Zeitraum I auf 35,48 % im Zeitraum II, verringert. Der Anteil von internationalen Anschlägen lag für den gesamten Untersuchungszeitraum bei 36,18 %. 652 Hierzu werden die Zahlen der „gesamt-internationalen“ Anschläge ausgewertet, die im Folgenden als „internationale“ Anschläge bezeichnet werden. Die Forschungshypothese H2 zur undifferenzierten Opferwahl muss aufgrund der empirischen Untersuchung abgelehnt werden. 274 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus Beim Vergleich der beiden Untersuchungszeiträume konnte mit einem 4 % geringeren Anteil von internationalen Anschlägen an allen Anschlägen ein deutlich geringerer Anteil von internationalen Anschlägen für den Zeitraum II festgestellt werden. 6.2.4 Forschungshypothese H4 zur Religiosität Zur Untersuchung der Religiosität wurde folgende Forschungshypothese in der Untersuchung formuliert: H4: Wenn terroristische Anschläge zwischen 1993 und 2014 stattfanden, dann war die Ideologie der terroristischen Organisation, die den Anschlag ausführte, häufiger religiös als bei Anschlägen zwischen 1970 und 1992. Abbildung 81: Vergleich Anteil von internationalen Anschlägen der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 (n=73.901 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. Die konkretisierte Forschungshypothese H3a zur Internationalität der Anschläge muss aufgrund der empirischen Untersuchung abgelehnt werden. 275 Forschungshypothesen des Neuen Terrorismus In Abbildung 82 werden die beiden Untersuchungszeiträume 1970–1992 und 1993– 2014 bezüglich ihres Anteils von Anschlägen mit unterschiedlichen Ideologien – unterteilt nach den jeweiligen Ideologien – an allen Anschlägen mit Ideologien miteinander verglichen. Der Anteil von Anschlägen mit links-sozialrevolutionärer Ideologie an allen Anschlägen mit Ideologien hat sich um 66,13 %, von 62,74 % im Zeitraum I auf 21,25 % im Zeitraum II, verringert. Der Anteil von links-sozialrevolutionären Anschlägen lag für den gesamten Untersuchungszeitraum bei 41,03 %. Der stärkste Unterschied bei Betrachtung der beiden Untersuchungszeiträume 1970– 1992 und 1993–2014 lässt sich bei Anschlägen mit religiöser Ideologie beobachten: Der Anteil von Anschlägen ist hierbei um 1780,95 %, von 2,75 % im Zeitraum I auf 51,81 % im Zeitraum II, gestiegen. Der Anteil von religiösen Anschlägen lag für den gesamten Untersuchungszeitraum bei 28,43 %. Nur ein geringer Unterschied zwischen den zwei Untersuchungszeiträumen gab es bei den Anschlägen mit nationalistisch-separatistischer Ideologie. Der Anteil hat sich um 8,87 %, von 27,67 % im ersten Untersuchungszeitraum auf 25,21 % im zweiten Untersuchungszeitraum, verringert. Der Anteil nationalistisch-separatistischer Anschläge lag für den gesamten Untersuchungszeitraum bei 26,38 %. Sowohl bei den Anschlägen mit rechts-konservativer Ideologie als auch bei den Anschlägen mit sonstiger Ideologie waren die Anteile an allen Anschlägen mit Ideologie in beiden Untersuchungszeiträumen auf einem sehr niedrigen Niveau, die Veränderungen waren jedoch trotzdem hoch: Der Anteil der Anschläge mit rechts-konservativer Ideologie verringerte sich um 88,90 %, Abbildung 82: Vergleich Anteil von ideologischen Anschlägen unterteilt nach Ideologien der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 (n=60.930 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 276 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus von 6,36 % im Zeitraum I auf 0,71 % im Zeitraum II. Der Anteil von Anschlägen mit sonstiger Ideologie dagegen erhöhte sich um 113,86 %, von 0,48 % im Zeitraum I auf 1,02 % im Zeitraum II. Der Anteil rechts-konservativer Anschläge lag für den gesamten Untersuchungszeitraum bei 3,40 %. Der Anteil der sonstigen Anschläge lag für den gesamten Untersuchungszeitraum sogar nur bei 0,76 %. Beim Vergleich der beiden Untersuchungszeiträume konnte mit 1781 % mehr religiösen Anschlägen an allen ideologischen Anschlägen der größte Zuwachs bei den religiösen Anschlägen für den Zeitraum II festgestellt werden. Ebenso war der Anteil von religiösen Anschlägen an allen ideologischen Anschlägen mit 51,81 % im Zeitraum II von allen Ideologien am höchsten. 6.2.5 Forschungshypothese H5 zur Predominant Energy Zur Untersuchung der Predominant Energy wurde folgende Forschungshypothese in der Untersuchung formuliert: H5: Bei Anschlägen mit einem religiösen ideologischen Hintergrund sind die übrigen Eigenschaften des Neuen Terrorismus jeweils extremer ausgeprägt als bei Anschlägen ohne religiösen Hintergrund. Zur Beantwortung dieser Forschungshypothese H5 wird im Folgenden der Vergleich der beiden Untersuchungszeiträume Zeitraum I „1970–1992“ und und Zeitraum II „1993–2014“ für die Untersuchungsbereiche bzw. die Indikatoren der anderen Variablen (Opferzahlen, Selbstmordattentate, Massenvernichtungswaffen, zivile Opfer und Internationalität) getrennt nach den jeweiligen Ideologien der Anschläge betrachtet. Hierzu wird untersucht, wie hoch der Anteil der anderen Variablen (z. B. der Anteil von Selbstmordattentaten) an den jeweiligen Ideologien (z. B. alle Anschläge mit einer religiösen Ideologie) für die beiden Untersuchungszeiträume ist. Zunächst werden jedoch immer die Entwicklung der beiden Untersuchungszeiträume aller Anschläge und der ideologischen Anschläge miteinander verglichen, um eine spätere Aussage über die Repräsentativität der Stichprobe treffen zu können. Die Forschungshypothese H4 zur Religiosität der Anschläge kann durch die empirische Untersuchung gestützt werden. 277 Forschungshypothesen des Neuen Terrorismus Opferzahlen Bei allen 136.399 Anschlägen653 stieg der Anteil von Anschlägen mit Opfern um 28,20 %, von 50,88 % im Zeitraum I auf 66,88 % im Zeitraum II. Im Vergleich dazu stieg bei den 56.552654 ideologischen Anschlägen der Anteil von Anschlägen mit Opfern um 31,45 %, von 52,39 % im Zeitraum I auf 67,17 % im Zeitraum II. Insgesamt gab es im gesamten Untersuchungszeitraum 1970–2014 bei 34.162 ideologischen Anschlägen bzw. 60,41 % der ideologischen Anschläge Opfer. Der Anteil lag im Vergleich dazu bei der Auswertung mit allen Anschlägen bei 83.532 Anschlägen bzw. bei ähnlichen 61,24 % (siehe Abbildung 83). Innerhalb der einzelnen Ideologien gab es bezüglich des Anteils von Anschlägen mit Opfern folgende Veränderung von Zeitraum I zu Zeitraum II: Der Anteil bei den Anschlägen mit religiöser Ideologie stieg am meisten um 32,72 % von 63,97 % im Zeitraum I auf 84,90 % im Zeitraum II. Bei den Anschlägen mit sonstiger Ideologie stieg der Anteil dagegen nur um 9,18 %, von 23,19 % auf 25,32 %, bei Anschlägen mit einer rechts-konservativen Ideologie um 8,13 %, von 66,89 % auf 72,32 %, und bei Anschlägen mit einer links-sozialrevolutionären Ideologie um 6,21 %, von 653 Bei 7.802 Anschlägen gab es keine Angaben über Opfer. 654 Bei 4.378 Anschlägen gab es keine Angaben über Opfer. Abbildung 83: Vergleich Anteil von ideologischen Anschläge mit Opfern und allen Anschlägen mit Opfern der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 (n1=56.552 ohne n. a.; n2=136.399 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 278 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus 47,93 % auf 50,90 %. Bei den Anschlägen mit nationalistisch-separatistischer Ideologie sank der Anteil dagegen um 2,39 %, von 59,00 % im Zeitraum I auf 57,59 % im Zeitraum II. Somit lag der Anteil von Anschlägen mit Opfern im ersten Untersuchungszeitraum bei den Anschlägen mit rechts-konservativer Ideologie mit 66,89 % am höchsten, im zweiten Untersuchungszeitraum lag dagegen mit 84,90 % der Anteil von Anschlägen mit Opfern bei Anschlägen mit religiöser Ideologie am höchsten. Für den gesamten Untersuchungszeitraum 1970–2014 lag der Anteil von Anschlägen mit Opfern bei den religiösen Anschlägen mit 83,92 % am höchsten, gefolgt von 67,65 % bei rechts-konservativen Anschlägen, 58,29 % bei nationalistisch-separatistischen Anschlägen, 48,80 % bei links-sozialrevolutionären Anschlägen und 24,67 % bei sonstigen Anschlägen (siehe Abbildung 84). Während sich die Anteile der Anschläge mit Opfern bei allen Anschlägen und den ideologischen Anschlägen ähneln, gibt es bei der durchschnittlichen Opferzahl Abweichungen. In Abbildung 85 ist zu sehen, dass bei allen 136.399 Anschlägen die durchschnittliche Opferzahl pro Anschlag um 65,90 %, von 3,68 Anschlägen im Zeitraum I auf 6,11 im Zeitraum II, gestiegen ist. Im Vergleich dazu stieg bei den 56.552 ideologischen Anschlägen die durchschnittliche Opferzahl pro Anschlag sogar um 101,98 %, von 3,86 Anschlägen im Zeitraum I auf 7,80 Anschläge im Zeitraum II. Insgesamt gab es im gesamten Untersuchungszeitraum 1970–2014 339.245 Opfer Abbildung 84: Vergleich Anteil von ideologischen Anschlägen mit Opfern unterteilt nach Ideologien der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 (n=56.552 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 279 Forschungshypothesen des Neuen Terrorismus bei den ideologischen Anschlägen bzw. durchschnittlich 6,00 Opfer pro Anschlag. Die durchschnittliche Opferzahl für den gesamten Untersuchungszeitraum lag im Vergleich dazu bei allen Anschlägen nur bei 5,25 Opfern bzw. bei insgesamt 716.568 Opfern pro Anschlag. Innerhalb der einzelnen Ideologien gab es bezüglich der durchschnittlichen Anzahl von Opfern pro Anschlag folgende Veränderung von Zeitraum I zu Zeitraum II: Die durchschnittliche Anzahl von Opfern pro Anschlag stieg bei den Anschlägen mit religiöser Ideologie mit 67,99 %, von 6,36 Opfern im Zeitraum I auf 10,68 Opfer im Zeitraum II, am meisten an. Der Anstieg bei den Anschlägen mit nationalistischseparatistischer Ideologie lag nur knapp dahinter mit 66,74 %, von 3,62 Opfern pro Anschlag auf 6,03 Opfer pro Anschlag. Bei den Anschlägen mit einer links-sozialrevolutionären Ideologie stieg der Anteil dagegen nur um 4,24 %, von durchschnittlich 3,24 Opfern pro Anschlag auf 3,37 Opfer pro Anschlag. Sowohl bei den Anschlägen mit einer rechts-konservativen Ideologie als auch bei den Anschlägen mit sonstiger Ideologie gab es einen Rückgang der durchschnittlichen Anzahl von Opfern pro Anschlag. Bei den Anschlägen mit sonstiger Ideologie sank die Anzahl der Opfer pro Anschlag um 21,79 %, von 4,30 Opfern auf 3,36 Opfer. Bei den Anschlägen mit rechts-konservativer Ideologie sank sie sogar noch stärker von 11,07 Opfern um Abbildung 85: Vergleich Anteil durchschn. Anzahl Opfer pro Anschlag von ideologischen Anschlägen und allen Anschlägen der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 (n1=56.552 ohne n. a.; n2=136.399 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 280 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus 46,75 % auf 5,89 Opfer. Ähnlich wie bei dem Anteil der Anschläge mit Opfern lag auch bei der durchschnittlichen Anzahl von Opfern pro Anschlag der Anteil bei den Anschlägen mit rechts-konservativer Ideologie im Zeitraum I mit 11,07 Anschlägen am höchsten. Dagegen lag die durchschnittliche Anzahl von Opfern pro Anschlag im Zeitraum II bei den Anschlägen mit religiöser Ideologie mit 10,68 Opfern pro Anschlag am höchsten. Für den gesamten Untersuchungszeitraum 1970–2014 lag die durchschnittliche Anzahl von Opfern pro Anschlag bei den religiösen Anschlägen mit 10,47 Opfern am höchsten, gefolgt von 10,37 Opfern bei rechts-konservativen Anschlägen, 4,48 Opfern bei nationalistisch-separatistischen Anschlägen, 3,65 Opfern bei sonstigen Anschlägen und 3,28 Opfern bei links-sozialrevolutionären Anschlägen (siehe Abbildung 86). Selbstmordattentate Bei allen 144.201 Anschlägen stieg der Anteil von Selbstmordattentaten um 5872,20 %, von 0,07 % im Zeitraum I auf 4,23 % im Zeitraum II. Im Vergleich dazu stieg bei den 60.930 ideologischen Anschlägen der Anteil von Selbstmordattentaten sogar um 9957,08 %, von 0,06 % im Zeitraum I auf 5,89 % im Zeitraum II. Insgesamt handelte es sich im gesamten Zeitraum 1970–2014 bei 1.894 ideologischen Anschlägen bzw. bei 3,11 % der ideologischen Anschläge um Selbstmordattentate. Im Vergleich dazu Abbildung 86: Vergleich durchschn. Anzahl Opfer pro Anschlag von ideologischen Anschlägen unterteilt nach Ideologien der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 (n=56.552 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 281 Forschungshypothesen des Neuen Terrorismus lag der Anteil der Selbstmordattentate bei der Auswertung mit allen Anschlägen mit 3.867 Anschlägen bei 2,68 % (siehe Abbildung 87). Abbildung 88 zeigt die Veränderungen des Anteils von Selbstmordattentaten von Zeitraum I zu Zeitraum II, getrennt nach den jeweiligen Ideologien der Anschläge. Der Anteil von Selbstmordattentate erhöhte sich bei Anschlägen mit religiöser Ideologie um 907,87 %, von 1,00 % im Zeitraum I auf 10,08 % im Zeitraum II. Am stärksten erhöhte sich jedoch der Anteil von Selbstmordattentaten bei den Anschlägen mit nationalistisch-separatistischer Ideologie. Hier stieg der Anteil um 3198,36 %, von 0,07 % im Zeitraum I auf 2,46 % im Zeitraum II. Auch bei den Anschlägen mit linkssozialrevolutionärer Ideologie erhöhte sich der Anteil der Selbstmordattentate stark um 706,68 %, von 0,02 % im Zeitraum I auf 0,13 % im Zeitraum II. Bei den Anschlägen mit sonstiger Ideologie lag der Anteil der Selbstmordattentate im Zeitraum I bei 0,00 % und stieg im Zeitraum II auf 1,54 % an. Bei den Anschlägen mit rechts-konservativer Ideologie gab es weder im Zeitraum I noch im Zeitraum II Selbstmordattentate. Den höchsten Anteil an Selbstmordattentaten hatten sowohl im Zeitraum I als auch im Zeitraum II die Anschläge mit religiöser Ideologie. Für den gesamten Untersuchungszeitraum 1970–2014 lag der Anteil von Selbstmordattentaten bei den religiösen Anschlägen mit 9,66 % am höchsten, gefolgt von 1,27 % bei nationalis- Abbildung 87: Vergleich Anteil von ideologischen Selbstmordattentaten und allen Selbstmordattentaten der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 (n1=60.930; n2=144.201). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 282 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus tisch-separatistischen Anschlägen, 1,08 % bei sonstigen Anschlägen, 0,05 % bei linkssozialrevolutionären Anschlägen und 0,00 % bei rechts-konservativen Anschlägen. Massenvernichtungswaffen Bei allen 133.036 Anschlägen655 stieg der Anteil von Anschlägen mit Massenvernichtungswaffen um 62,13 %, von 0,16 % im Zeitraum I auf 0,26 % im Zeitraum II. Im Vergleich dazu stieg bei den 55.377656 ideologischen Anschlägen der Anteil von Anschlägen mit Massenvernichtungswaffen um 303,65 %, von 0,04 % im Zeitraum I auf 0,18 % im Zeitraum II. Insgesamt gab es im gesamten Untersuchungszeitraum 1970–2014 bei 63 ideologischen Anschlägen bzw. 0,11 % der ideologischen Anschläge einen Einsatz von Massenvernichtungswaffen. Der Anteil lag im Vergleich dazu bei der Auswertung mit allen Anschlägen bei 301 Anschlägen bzw. bei 0,23 % (siehe Abbildung 89). 655 Bei 11.165 Anschlägen gab es keine Angaben über den Einsatz von Massenvernichtungswaffen. 656 Bei 5.553 Anschlägen gab es keine Angaben über den Einsatz von Massenvernichtungswaffen. Abbildung 88: Vergleich Anteil von Selbstmordattentaten an ideologischen Anschlägen unterteilt nach Ideologien der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 (n=60.930 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 283 Forschungshypothesen des Neuen Terrorismus Abbildung 89: Vergleich Anteil von ideologischen Anschlägen mit Massenvernichtungswaffen und allen Anschlägen mit Massenvernichtungswaffen der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014, (n1=55.377 ohne n. a.; n2=133.036 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. Abbildung 90: Vergleich Anteil von ideologischen Anschlägen mit Massenvernichtungswaffen unterteilt nach Ideologien der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 (n=55.377 ohne n. a.), Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 284 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus Abbildung 90 zeigt die Veränderungen des Anteils von Anschlägen mit Massenvernichtungswaffen von Zeitraum I zu Zeitraum II unterteilt nach der jeweiligen Ideologie der Anschläge. Der Anteil von Anschlägen mit Massenvernichtungswaffen verringerte sich bei den Anschlägen mit religiöser Ideologie um 14,90 %, von 0,29 % im Zeitraum I auf 0,24 % im Zeitraum II. Auch der Anteil von Anschlägen mit Massenvernichtungswaffen bei den Anschlägen mit sonstiger Ideologie verringerte sich um einen ähnlichen Wert. Hier gab es einen Rückgang des Anteils um 13,55 %, von 0,75 % im Zeitraum I auf 0,65 % im Zeitraum II. Den größten Rückgang gab es jedoch bei den Anschlägen mit rechts-konservativer Ideologie. Hier ging der Anteil von 0,11 % um 100 % auf 0,00 % zurück. Einen leichten Anstieg gab es dagegen bei den Anschlägen mit nationalistisch-separatistischer Ideologie um 4,32 %, von 0,039 % im Zeitraum I auf 0,041 % im Zeitraum II.657 Den höchsten Anstieg des Anteils von Anschlägen mit Massenvernichtungswaffen gab es bei den Anschlägen mit links-sozialrevolutionärer Ideologie, bei denen der Anteil um 618,65 %, von 0,02 % im Zeitraum I auf 0,17 % im Zeitraum II anstieg. Den höchsten Anteil an Anschlägen mit Massenvernichtungswaffen gab es jedoch sowohl im Zeitraum I als auch im Zeitraum II bei den Anschlägen mit sonstiger Ideologie mit 0,75 % bzw. mit 0,65 %. Für den gesamten Untersuchungszeitraum 1970–2014 lag der Anteil von Anschlägen mit Massenvernichtungswaffen bei den sonstigen Anschlägen mit 0,68 % am höchsten, gefolgt von 0,25 % bei religiösen Anschlägen, 0,10 % bei rechts-konservativen Anschlägen, 0,06 % bei links-sozialrevolutionären Anschlägen und 0,04 % bei nationalistischseparatistischen Anschlägen. Zivile Opfer Bei allen 141.308658 Anschlägen sank der Anteil von Anschlägen mit zivilen Opfern um 5,98 %, von 55,19 % im Zeitraum I auf 51,89 % im Zeitraum II. Auch bei den 60.168659 ideologischen Anschlägen sank der Anteil von Anschlägen mit zivilen Opfern um 7,31 %, von 53,12 % im Zeitraum I auf 49,23 % im Zeitraum II. Insgesamt gab es im gesamten Untersuchungszeitraum 1970–2014 bei 30.743 ideologischen Anschlägen bzw. 51,10 % der ideologischen Anschläge zivile Opfer. Der Anteil lag im Vergleich dazu bei der Auswertung mit allen Anschlägen bei 75.081 Anschlägen bzw. bei 53,13 % (siehe Abbildung 91). 657 Die Steigerung ist in der Abbildung 75 nicht erkennbar, da die Werte gerundet nur bis zur zweiten Nachkommastelle angegeben werden. 658 Bei 2.893 Anschlägen gab es keine Angaben über zivile Opfer. 659 Bei 762 Anschlägen gab es keine Angaben über zivile Opfer. 285 Forschungshypothesen des Neuen Terrorismus Die Veränderungen des Anteils von Anschlägen mit zivilen Opfern von Zeitraum I zu Zeitraum II werden getrennt für die jeweiligen Ideologie der Anschläge in Abbildung 92 dargestellt. Der Anteil von Anschlägen mit zivilen Opfern verringerte sich bei den Anschlägen mit religiöser Ideologie um 11,98 %, von 50,00 % im Zeitraum I auf 44,01 % im Zeitraum II. Nur bei den Anschlägen mit sonstiger Ideologie gab es einen noch größeren Rückgang. Hier sank der Anteil um 44,61 %, von 80,55 % im Zeitraum I auf 44,62 % im zweiten Zeitraum II. Ebenfalls rückläufig war der Anteil bei den Anschlägen mit links-sozialrevolutionärer Ideologie. Dieser ging um 4,55 %, von 55,35 % auf 52,83 %, zurück. Bei den Anschlägen mit nationalistisch-separatistischer Ideologie stieg dagegen der Anteil der Anschläge mit zivilen Opfern um 7,87 %, von 51,21 % im Zeitraum I auf 55,24 % im Zeitraum II. Den größten Anstieg von Anschlägen mit zivilen Opfern gab es jedoch bei den Anschlägen mit rechtskonservativer Ideologie. Hier stieg der Anteil um 89,68 % von 39,72 % im Zeitraum I auf 75,34 % im Zeitraum II. Somit lag der Anteil von Anschlägen mit zivilen Opfern im Zeitraum I bei den Anschlägen mit sonstiger Ideologie mit 80,55 % am höchsten, im Zeitraum II dagegen lag er mit 75,34 % bei Anschlägen mit rechts-konservativer Ideologie am höchsten. Für den gesamten Untersuchungszeitraum 1970–2014 lag der Anteil von Anschlägen mit zivilen Opfern bei den sonstigen Anschlägen mit 70,37 % am höchsten, gefolgt von 54,68 % bei links-sozialrevolutionären Anschlä- Abbildung 91: Vergleich Anteil von ideologischen Anschlägen mit zivilen Opfern und allen Anschlägen mit zivilen Opfern der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014, (n1=60.168 ohne n. a.; n2=141.371 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 286 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus gen, 53,21 % bei nationalistisch-separatistischen Anschlägen, 44,29 % bei religiösen Anschlägen und 43,56 % bei rechts-konservativen Anschlägen. Internationalisierung Bei allen 73.901660 Anschlägen sank der Anteil von internationalen Anschlägen um 3,75 %, von 36,86 % im Zeitraum I auf 35,48 % im Zeitraum II. In ähnlicher Höhe sank bei den 57.144661 ideologischen Anschlägen der Anteil von internationalen Anschlägen um 5,89 %, von 28,14 % im Zeitraum I auf 26,48 % im Zeitraum II. Insgesamt waren im gesamten Untersuchungszeitraum 1970–2014 15.612 der ideologischen Anschläge bzw. 27,32 % internationale Anschläge. Der Anteil lag im Vergleich dazu bei der Auswertung aller Anschläge bei 26.737 Anschlägen bzw. bei 36,18 % (siehe Abbildung 93). Innerhalb der einzelnen Ideologien gab es bezüglich des Anteils der internationalen Anschläge folgende Veränderung von Zeitraum I zu Zeitraum II: Der Anteil von internationalen Anschlägen an Anschlägen mit religiöser Ideologie sank um 40,32 %, von 48,81 % im Zeitraum I auf 29,13 % im Zeitraum II. Noch etwas stärker ging der Anteil bei den Anschlägen mit nationalistisch-separatistischer Ideologie zurück. Hier sank der Anteil um 49,35 %, von 73,38 % im Zeitraum I auf 37,17 % im 660 Bei 70.300 Anschlägen gab es keine Angaben zur Internationalität der Anschläge. 661 Bei 3.786 Anschlägen gab es keine Angaben zur logistischen Internationalität der Anschläge. Abbildung 92: Vergleich Anteil von ideologischen Anschlägen mit zivilen Opfern unterteilt nach Ideologien der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 (n=60.168 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 287 Forschungshypothesen des Neuen Terrorismus Zeitraum II. Ebenfalls gesunken war der Anteil bei Anschlägen mit links-sozialrevolutionärer Ideologie. Die Verringerung betrug hier 9,60 %, von 9,04 % im Zeitraum I auf 8,17 % im Zeitraum II. Der Anteil der internationalen Anschläge an Anschlägen mit rechts-konservativer Ideologie stieg dagegen um 53,75 %, von 9,80 % im Zeitraum I auf 15,07 % im Zeitraum II. Vor allem der Anteil von internationalen Anschlägen an Anschlägen mit sonstiger Ideologie stieg deutlich an. Hier gab es eine Steigerung um 145,76 %, von 28,26 % im Zeitraum I auf 69,45 % im Zeitraum II. Somit lag der Anteil von internationalen Anschlägen im Zeitraum I bei den Anschlägen mit nationalistisch-separatistischer Ideologie mit 73,38 % und im Zeitraum II bei den Anschlägen mit sonstiger Ideologie mit 69,45 % am höchsten. Für den gesamten Untersuchungszeitraum 1970–2014 lag der Anteil von internationalen Anschlägen bei den nationalistisch-separatistischen Anschlägen mit 56,81 % am höchsten, gefolgt von 55,69 % bei sonstigen Anschlägen, 30,16 % bei religiösen Anschlägen, 10,39 % bei rechts-konservativen Anschlägen und 8,81 % bei links-sozialrevolutionären Anschlägen (siehe Abbildung 94). Abbildung 93: Vergleich Anteil von internationalen ideologischen Anschlägen und allen internationalen Anschlägen der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014, (n1=57.053 ohne n. a.; n2=73.901 ohne n. a.). Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. 288 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus Im gesamten Untersuchungszeitraum 1970–2014 konnte mit 83,29 % der höchste Anteil von Anschlägen mit Opfern an allen Anschlägen bei Anschlägen mit religi- öser Ideologie festgestellt werden. Ebenso fand sich dort die höchste Steigerung um 32 % auf den höchsten Wert von 84,90 % im Zeitraum II. Ähnlich Werte gab es bei der durchschnittlichen Anzahl von Opfern pro Anschlag: der höchste durchschnittliche Wert für den gesamten Untersuchungszeitraum fand sich mit 10,47 Anschlägen bei den Anschlägen mit religiöser Ideologie und die höchste Steigerung um 68 % auf den höchsten Wert im Zeitraum II von 10,68 Anschlägen ebenfalls. Auch gab es mit 9,66 % den höchsten Anteil von Selbstmordattentaten an allen Anschlägen bei den Anschlägen mit einer religiösen Ideologie. Dort gab es auch die höchste Steigerung um 908 % auf den höchsten Wert im Zeitraum II von 10,08 %. Diese hohen Anteile von Anschlägen bzw. Steigerungen der Anteile konnten bei Anschlägen mit Massenvernichtungswaffen, bei Anschlägen mit zivilen Opfern und bei internationalen Anschlägen nicht festgestellt werden. Abbildung 94: Vergleich Anteil von internationalen ideologischen Anschlägen unterteilt nach Ideologien der Zeiträume 1970–1992 und 1993–2014 (n=57.053 ohne n. a.) Quelle: Eigene Darstellung nach GTD 2014. Die Forschungshypothese H5 zur Predominant Energy muss aufgrund der empirischen Untersuchung abgelehnt werden. 289 Zusammenfassung Kapitel 5 6.3 Zusammenfassung Kapitel 5: Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus Deskriptive Untersuchung In einem ersten Überblick über die weltweiten Anschlagszahlen662 ließ sich ein kontinuierlicher Anstieg der Anschlagszahlen bis 1993 feststellen. Nach einem Rückgang der Anschlagszahlen bis ins Jahr 2004 gab es einen erneuten und noch stärkeren Anstieg bis ins Jahr 2014. Es gab einen Anstieg der durchschnittlichen Anzahl terroristischer Anschläge pro Jahr um 76 % von 2.333 Anschlägen im Zeitraum I auf 4.116 Anschläge im Zeitraum II. Im gesamten Untersuchungszeitraum gab es 83.532 Anschläge mit Opfern663, was einem Anteil von 61,24 % an allen Anschlägen entspricht. Die durchschnittliche Anzahl von Anschlägen mit Opfern pro Jahr für den gesamten Untersuchungszeitraum lag mit 1.856 Anschlägen bei 57,88 %. Die größten Anteile gab es in den Jahren 1972 und 2004 bis 2007. Bei den 83.532 Anschlägen waren insgesamt 716.568 Opfer zu verzeichnen, von denen 56,27 % Verwundete und 43,73 % Tote waren. Über den gesamten Untersuchungszeitraum hinweg gab es durchschnittlich 5,25 Opfer pro Anschlag bzw. 2,30 Tote pro Anschlag und 3,07 Verwundete pro Anschlag. Die meisten Opfer pro Anschlag gab es in den Jahren 1998, 2004 und 2007. Im gesamten Untersuchungszeitraum gab es mit 3.867 Anschlägen einen Anteil von 2,68 % Selbstmordattentate664 an allen Anschlägen, was einem durchschnittlichen Anteil von 2,11 % pro Jahr entspricht. Die größten Anteile ließen sich in den Jahren 2002 bis 2007 finden. Dagegen lag der Anteil von Anschlägen mit Massenvernichtungswaffen665 im gesamten Untersuchungszeitraum mit 301 Anschlägen nur bei 0,23 % bzw. einem durchschnittlichen Anteil von 0,33 % pro Jahr. Die größten Anteile lie- ßen sich in den Jahren 1998 bis 2003 finden. 257 der Anschläge konnten chemischen Waffen zugeordnet werden, 32 biologischen Waffen und 12 radioaktiven Waffen. Im gesamten Untersuchungszeitraum gab es kein Anschlag mit nuklearen Waffen. Mit 75.081 Anschlägen gab es einen Anteil von 53,13 % Anschlägen mit zivilen Opfern666 an allen Anschlägen im gesamten Untersuchungszeitraum, was einem durchschnittlichen Anteil von 55,27 % pro Jahr entspricht. Die Anteile der Anschläge mit zivilen Opfern waren fast über den gesamten Untersuchungszeitraum gleichmäßig verteilt. Im gesamten Untersuchungszeitraum gab es mit 26.737 Anschlägen einen Anteil von 662 n = 144.201 Anschläge. 663 n = 136.399 Anschläge. 664 n = 144.201 Anschläge. 665 n = 133.036 Anschläge. 666 n = 141.372 Anschläge. 290 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus 36,18 % internationale Anschläge667, was einem durchschnittlichen Anteil von 43,42 % pro Jahr entspricht. Die größten Anteile ließen sich in den Jahren 1972–1977 finden. Von den ideologischen Anschlägen668 hatten mit 25.000 Anschlägen bzw. 41,03 % die meisten Anschläge eine links-sozialrevolutionäre Ideologie. 17.320 Anschläge bzw. 28,43 % der Anschläge hatten eine religiöse Ideologie. Ähnlich hoch war mit 16.076 Anschlägen bzw. 26,38 % der Anteil von Anschlägen mit einer nationalistisch-separatistische Ideologie. Nur 2.070 Anschläge bzw. 3,40 % hatten eine rechtskonservative Ideologie, und 462 Anschläge bzw. 0,76 % besaßen sonstige Ideologien. Dies entspricht für den gesamten Untersuchungszeitraum einem durchschnittlichen Anteil von 40,87 % pro Jahr für Anschläge mit links-sozialrevolutionärer Ideologie, 21,79 % für Anschläge mit religiöser Ideologie, 33,29 % für Anschläge mit nationalistisch-separatistischer Ideologie, 3,18 % für Anschläge mit rechts-konservative Ideologie und 0,86 % für Anschläge mit sonstiger Ideologie. Forschungshypothesen Im zweiten Teil dieses empirischen Kapitels wurden die aus dem theoretischen Ansatz des Neuen Terrorismus formulierten Eigenschaften, bzw. Untersuchungsbereiche und die dazugehörigen Forschungshypothesen untersucht. Hierfür konnten folgende Ergebnisse festgehalten werden (siehe Abbildung 95): • Forschungshypothese 1 Mit einem 31 % höheren Anteil von Opfern an allen Anschlägen im Zeitraum II und einer 66 % höheren durchschnittlichen jährlichen Opferanzahl pro Anschlag im Zeitraum II konnte die konkretisierte Forschungshypothese H1a gestützt werden. Mit einem 5872 % höheren Anteil von Selbstmordattentaten an allen Anschlägen im Zeitraum II konnte die konkretisierte Forschungshypothese H1b ebenfalls gestützt werden. Auch die konkretisierte Forschungshypothese H1c konnte mit einem 62 % höheren Anteil von Anschlägen mit eingesetzten Massenvernichtungswaffen an allen Anschlägen im Zeitraum II gestützt werden. Da alle drei konkretisierten Forschungshypothesen H1a-H1c gestützt werden konnten, konnte auch die übergeordnete Forschungshypothese H1 gestützt werden. • Forschungshypothese 2 Mit einem 6 % geringeren Anteil von Anschlägen mit zivilen Opfern an allen Anschlägen im Zeitraum II musste die Forschungshypothese H2 abgelehnt werden. 667 n = 73.901 Anschläge. 668 n = 60.930 Anschläge. 291 Zusammenfassung Kapitel 5 • Forschungshypothese 3 Mit einem 4 % geringeren Anteil von internationalen Anschlägen an allen Anschlägen im Zeitraum II musste die konkretisierte Forschungshypothese H3a abgelehnt werden. Somit musste auch die übergeordnete Forschungshypothese H3 abgelehnt werden. • Forschungshypothese 4: Mit dem größten Unterschied aller Ideologien von 1781 % höherem Anteil von religi- ösen Anschlägen an allen ideologischen Anschlägen im Zeitraum II konnte die Forschungshypothese H4 gestützt werden. Forschungshypothese 5: Im gesamten Untersuchungszeitraum 1970–2014 konnte mit 83,29 % der höchste Anteil von Anschlägen mit Opfern an allen Anschlägen bei Anschlägen mit religi- öser Ideologie festgestellt werden. Ebenso fand sich dort die höchste Steigerung um 32 % auf den höchsten Wert von 84,90 % im Zeitraum II. Ähnlich Werte gab es bei der durchschnittlichen Anzahl von Opfern pro Anschlag: der höchste durchschnittliche Wert für den gesamten Untersuchungszeitraum fand sich mit 10,47 Anschlägen bei den Anschlägen mit religiöser Ideologie und die höchste Steigerung um 68 % auf den höchsten Wert im Zeitraum II von 10,68 Anschlägen ebenfalls. Auch gab es mit 9,66 % den höchsten Anteil von Selbstmordattentaten an allen Anschlägen bei den Anschlägen mit einer religiösen Ideologie. Dort gab es auch die höchste Steigerung um 908 % auf den höchsten Wert im Zeitraum II von 10,08 %. Bei Anschlägen mit Massenvernichtungswaffen, mit zivilen Opfern und bei internationalen Anschlägen lagen weder die höchsten Werte für den gesamten Untersuchungszeitraum noch für den Zeitraum II bei den Anschlägen mit religiöser Ideologie. Da somit bei drei der Abbildung 95: Übersicht der gestützten und abgelehnten Forschungshypothesen H1-H4, eigene Darstellung. 292 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Neuen Terrorismus fünf Indikatoren keine Steigerung festgestellt werden konnte, musste auch die Forschungshypothese H5 abgelehnt werden (siehe Abbildung 96). Abbildung 96: Zusammenhang religiöse Anschläge und übrige Eigenschaften, eigene Darstellung.

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References

Abstract

Using a qualitative study, in which she evaluates 142,000 terrorist attacks, the author of this book, Julia Klein, investigates the existence of the research paradigm ‘new terrorism’. She delves into the media, political and academic discourse on this subject and identifies changes in behaviour among terrorist organisations. Her evaluation of the volume of data on terrorist attacks verifies whether a new form of terrorism has existed since the beginning of the 1990s. This also reveals the influence of certain individuals on the debate, and the author is able to demonstrate that, above all, the importance of religion in providing terrorists with an ideological incentive to perpetrate their attacks has been overestimated.

Zusammenfassung

Mittels einer quantitativen Studie, in der die Autorin 142.000 terroristische Anschläge auswertet, untersucht Julia Klein die Existenz des Forschungsparadigmas „Neuer Terrorismus“. Die Autorin arbeitet den medialen, politischen und wissenschaftlichen Diskurs auf und fokussiert Verhaltensänderungen terroristischer Organisationen. Die Auswertung der umfangreichen Datenmenge terroristischer Anschläge verifiziert, ob seit Anfang der 90er-Jahre tatsächlich ein „Neuer Terrorismus“ existiert. Dabei kristallisiert sich der Einfluss einzelner Akteure auf den Diskurs heraus und es zeigt sich, dass vor allem die Bedeutung der Religion als ideologischer Treiber überschätzt wird.