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VII Das Sechs-Schritte-Programm in:

Jürgen Handke

Handbuch Hochschullehre Digital, page 221 - 234

Leitfaden für eine moderne und mediengerechte Lehre

3. Edition 2020, ISBN print: 978-3-8288-4495-7, ISBN online: 978-3-8288-7530-2, https://doi.org/10.5771/9783828875302-221

Tectum, Baden-Baden
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221 VII Das Sechs-Schritte-Programm Bis heute ist es trotz der immer geringer werdenden Hürden nur wenigen Lehrenden gelungen, ihre eigene Lehre, ganz zu schweigen von ihrem gesamten Fach, im Sinne einer vollständigen ‚Integration‘ (siehe Abschnitt III.2) zu digitalisieren. Auch wenn die benötigten Verfahren zur Digitalisierung, wie in den vorausgegangenen Kapiteln gezeigt, heute bekannt und die benötigten Werkzeuge mit überschaubarem Aufwand bedienbar sind, ist die Digitalisierung der Lehre nach wie vor ein sehr aufwändiger Prozess, der enorme zeitliche, personelle und finanzielle Ressourcen verschlingt. So besteht die in Abschnitt II.1 genannte Lehrveranstaltung „Semantik“ mit ihren heute vollständig digitalisierten 15 Lerneinheiten, aus mehr als 200 Din-A-4 Seiten Text, der sich über insgesamt mehr 1.000 Webseiten im HTML- bzw. PHP-Format verteilt, dazu mehr als 300 Grafiken, Animationen und Simulationen, sowie mehr als 50 Lehrvideos. Dazu kommen noch die diversen elektronischen Tests mit hunderten von Fragen sowie das digitale Übungsmaterial für die Inhaltsvertiefungsphase mit den dazugehörigen digitalen Musterlösungen. All diese Elemente sind Teil der Lernplattform „The Virtual Linguistics Campus“ und sind durch einen hohen Teameinsatz über mehrere Jahre hinweg entstanden. Die Digitalisierung allein einer Lehrveranstaltung ist somit ein gewaltiger Kraftakt.73 73 Die digitalen linguistischen Lehrveranstaltungen im Virtual Linguistics Campus Um trotz dieses möglicherweise abschreckenden Aufwandes die Digitalisierung der Lehre auch Neueinsteigern zu ermöglichen und die Lehre nicht nur digital anzureichern, sondern in ein integratives digitales Format zu überführen, werden in diesem Kapitel sechs klar umrissene Schritte definiert, mit der sich die klassische Hochschullehre sukzessive digitalisieren lässt. Abbildung VII.1 stellt diese sechs Schritte, die in der Folge im Detail spezifiziert werden, diagrammatisch vor.74 Abb. VII.1: Das Sechs-Schritte-Programm für die Digitalisierung der Lehre Mit diesen sechs Schritten wollen wir ausgehend von einer Standard- Lehrveranstaltung, z. B. einer Vorlesung, in der die Grundlagen eines Faches vermittelt werden, ausgewählte, inhaltlich eng umrissene, Elemente identifizieren, diese digitalisieren, bereitstellen und die Präsenzveranstaltung anschließend entsprechend anpassen. sind über einen Zeitraum von fast 20 Jahren entstanden, und werden von einem Team aus bis zu 10 Personen ständig gewartet und überarbeitet. 74 Das Sechs-Schritte-Programm wurde seit 2015 an vielen deutschsprachigen Institutionen im Rahmen ganztägiger Workshops, flankiert mit einer Einführung in die digitale Lehre und einer Session zur Videoproduktion durchgeführt und steht mittlerweile auch als Video bereit [V32]. Handbuch Hochschullehre Digital 201 Abbildung VII.1 stellt diese sechs Schritte, die in der Folge im Detail spezifiziert werden, diagrammatisch vor.74 Abb. VII.1: Das Sechs-Schritte-Programm für die Digitalisierung der Lehre Mit diesen sechs Schritten wollen wir ausgehend von einer Standard- Lehrveranstaltung, z.B. einer Vorlesung, in der die Grundlagen eines Faches vermittelt werden, ausgewählte inhaltlich eng umrissene, Elemente identifizieren, diese digitalisieren, bereitstellen und die Präsenzveranstaltung anschließend entsprechend anpassen. VII.1 Die Auswahl einer Lehrveranstaltung In einem ersten Schritt wählen wir eine Lehrveranstaltung für die Digitalisierung aus, die ein hohes inhaltliches Standardisierungspotenzial besitzt, curricular verankert ist, und regelmäßig, möglicherweise auch noch fächerübergreifend, angeboten wird. Durch die Digitalisierung einer derartigen Lehrveranstaltung, entstehen nicht nur enorme Einsparpotenziale durch die Wiederverwendbarkeit sondern auch hohe Qualitätsstandards, da in der Regel mehrer L hrpersonen an der Digitalisi rung der Inhalte beteiligt ind. Ausgehen von den Vorlesungsverzeichnissen vieler deutscher Hochschulen erden in Abbildung VII.2 eine Reihe derartiger Lehrveranstaltungen für die Digitalisierung vorgeschlagen. 74 Das Sechs-Schritte-Programm wurde seit 2015 an vielen deutschsprachigen Institutionen im Rahmen ganztägiger Workshops, flankiert mit einer Einführung in die digitale Lehre und einer Session zur Videoproduktion durchgeführt und steht mittlerweile auch als Video bereit [V32]. 222 Das Sechs-Schritte-Programm VII.1 Die Auswahl einer Lehrveranstaltung In einem ersten Schritt wählen wir eine Lehrveranstaltung für die Digitalisierung aus, die ein hohes inhaltliches Standardisierungspotenzial besitzt, curricular verankert ist, und regelmäßig, möglicherweise auch noch fächerübergreifend, angeboten wird. Durch die Digitalisierung einer derartigen Lehrveranstaltung, entstehen nicht nur enorme Einsparpotenziale durch die Wiederverwendbarkeit sondern auch hohe Qualitätsstandards, da in der Regel mehrere Lehrpersonen an der Digitalisierung der Inhalte beteiligt sind. Ausgehend von den Vorlesungsverzeichnissen vieler deutscher Hochschulen werden in Abbildung VII.2 eine Reihe derartiger Lehrveranstaltungen für die Digitalisierung vorgeschlagen. Fach Lehrveranstaltung Biologie Zellbiologie BWL Kosten- und Leistungsrechnung Chemie Grundlagen der organischen Chemie Geographie ** Geoinformatik Germanistik Grammatisches Grundwissen Geschichte Mittelalterliche Geschichte Humanmedizin ** Anatomie Informatik ** Programmiersprachen Jura Familienrecht Latein Lektüregrundkurs Linguistik Einführung in die Linguistik Mathematik Zahlentheorie 223 Die Auswahl einer Lehrveranstaltung Pädagogik Pädagogische Theorien Philosophie Geschichte der Philosophie Physik Mechanik Psychologie ** Statistik Theologie Das Alte Testament Abb. VII.2: Digitalisierbare Kurse (** = fächerübergreifend) Schritt 1 Persönlich – Die Wahl der Lehrveranstaltung In meinem Fach, der Sprachwissenschaft, die ja kein Schulfach ist, bieten sich speziell die Lehrveranstaltungen des Grundstudiums für eine Digitalisierung an. Grundlagenkurse, wie „Introduction to Linguistics“, „Phonetics“, „Phonology“ oder auch „Semantics“ bestimmen nicht nur bundesweit das universitäre Lehrangebot, sondern sie sind in hohem Maße standardisierbar. Im Rahmen des Sechs-Schritte-Programms erscheint mir die Lehrveranstaltung „Introduction to Linguistics“ als Ausgangspunkt für die Digitalisierung als Einstieg besonders gut geeignet, da sie mittlerweile auch in verschiedenen MOOC-Formaten angeboten wird und es bereits vielfältige Materialien im Internet zu diesen Themenbereichen gibt. Darüber hinaus lässt sich die Lehrveranstaltung bzw. Teile davon auch studiengangsübergreifend verwenden. VII.2 Die Auswahl einer Lehreinheit Da es uns nicht gelingen wird, in kurzer Zeit eine komplette Lehrveranstaltung vollständig zu digitalisieren, beginnen wir zweckmäßigerweise mit einer einzelnen Lerneinheit, von der wir wissen, dass deren Inhalte in hohem Maße standardisiert und möglicherweise auch kursübergreifend verwendbar sind. Sollte die gewählte Lerneinheit auch noch Multimediapotenzial besitzen, eignet sie sich bestens für die Digitalisierung. 224 Das Sechs-Schritte-Programm Schritt 2 Persönlich – Die Wahl der Lerneinheit Linguistische Einführungskurse beginnen fast immer mit einer Überblickseinheit „Language and Linguistics“. Im Rahmen dieser, auch für andere Fächer interessanten und verwendbaren, Lerneinheit werden u. a. die Grundprinzipien von Sprache und Kommunikation geklärt, es werden spezielle Kommunikationsformen erläutert und die wesentlichen Teilgebiete der Linguistik vorgestellt. Diese Lerneinheit ist sehr allgemein gehalten, die Inhalte sind in höchstem Maße standardisiert und besitzen ein hohes multimediales Potenzial (Grafiken, Diagramme, Audio, Video). VII.3 Die Auswahl der Inhalte Doch auch eine Lerneinheit ist möglicherweise noch zu umfangreich, um als Ganzes in einem Arbeitsvorgang digitalisiert werden zu können. Die Lerneinheit „Language and Linguistics“ beinhaltet mehr als zehn A-4-Seiten Text, zahlreiche Lehrvideos, Grafiken und Animationen, dazu ein System aus Leitfragen und Übungsaufgaben. Für eine vollständige Digitalisierung einer Lerneinheit dieses Typs sind somit mehrere Wochen Arbeitszeit anzusetzen. Um schnell ein vorzeigbares und in den Lehrbetrieb integrierbares Digitalisierungsergebnis zu erzielen, sollten wir daher aus der Lerneinheit einen überschaubaren inhaltlichen Bestandteil zur Digitalisierung auswählen, der wiederum die Kriterien „Standardisierbarkeit“ und „Multimedialität“ erfüllt. Damit sich der dafür zu veranschlagende Arbeitsaufwand in Grenzen hält, sollte man einen Inhalt auswählen, der zur Vermittlung in einem klassischen Lehrformat in etwa 10 bis 15 Minuten Präsenzzeit in Anspruch nimmt.75 75 In der in Kapitel II vorgestellten Lerneinheit „Predicates“ (siehe Tabelle II.2) empfiehlt sich das Thema „Quantifiers“ als Einstieg. Es ist inhaltlich klar umris- 225 Die Auswahl der Inhalte Schritt 3 Persönlich – Die Wahl des Inhaltes In der Lerneinheit „Language and Linguistics“ ist das Teilthema „Animal Communication“, das erklärt, wie Tiere miteinander kommunizieren, ein idealer Kandidat für die Digitalisierung. Es nimmt im Hörsaal ca. 10 Minuten Präsenzzeit ein und kann dort nur mit Mühe über den Einsatz zusätzlicher Elemente wie Video, Audio oder Bildmaterial vermittelt werden. Nach diesen drei Schritten steht unser Digitalisierungsziel fest und lässt sich schematisch wie in Abbildung VII.3 gezeigt darstellen. Schritt 1 Schritt 2 Schritt 3 Kurs Introduction to Linguistics Lerneinheit Language & Linguistics Inhalt Animal Communication Abb. VII.3: Das Digitalisierungsziel VII.4 Die Digitalisierung der Inhalte Nach Festlegung des zu digitalisierten Inhalts bedarf es nun einer Auswahl bereits vorhandener und möglicherweise der Produktion neuer digitaler Elemente für die ausgewählten Inhalte. Doch welche Elemente sind dies? Was genau sollen wir digitalisieren? In Handke/Schäfer (2012:83ff) hatten wir begründet, dass außer Video und Multimedia die übrigen Elemente, die zur Vermittlung von Inhalten in Frage kommen, nur eine untergeordnete Rolle spielen. So werden wissenschaftliche Texte auf Grund ihrer Komplexität sen, nimmt ca. 10 Minuten Präsenzzeit ein, lässt sich multimedial gut aufbereiten, und man kann auf bereits vorhandenes Material im Internet zurückgreifen. 226 Das Sechs-Schritte-Programm oft nicht hinreichend durchdrungen, isolierte Grafiken bedürfen der Kommentierung, und auch Audio allein ist nur bedingt mehrwertfähig, da der visuelle Kanal fehlt (Kerres, 2013:87). Weitere Elemente der Lehre, wie z. B. Vorlesungsskripte, Folien oder Tafelanschriebe sind ebenfalls nur bedingt für die Inhaltsvermittlung geeignet, da sie im Idealfall ja lediglich Stichpunkte enthalten sollen (Winteler, 2009:52/53). Stichpunkte allein allerdings sind ohne weitere Zusätze für eine Inhaltsvermittlung allenfalls unterstützend, können aber die klassische Form der Inhaltsvermittlung nicht ersetzen. Somit bleiben Video-Materialien und multimediale Elemente (bei denen Video-Text-Kombinationen oft den Kern bilden) für die Digitalisierung der zentralen Komponenten der Lehre übrig. Alle übrigen Elemente (Grafiken, Animationen, Simulationen und auch die Integration von „Social-Media-Umgebungen“) sind wichtige und nützliche Additive, im Zentrum allerdings stehen die Vermittlung und die digitale Umsetzung der Inhalte vor dem Hintergrund eines signifikanten inhaltlichen Mehrwertes im Vergleich zu klassischen Medien. Und diesen Mehrwert können nur multimediale Lerninhalte sowie – mit Abstrichen – Video-Materialien bieten. „So lässt sich ein didaktisch anspruchsvolles Lehr- und Lernszenario erst mit technisch anspruchsvoll aufbereiteten multimedialen, adaptiven und hypermedialen (Selbst-)Lernumgebungen und -systemen ‹…› sehr gut realisieren.“ (Mayrberger, 2013:201). Betrachtet man jedoch den Entwicklungsaufwand, bleibt letztendlich nur Video übrig. Bereits 2007 konstatierte Harald Kleimann, dass die Entwicklung multimedialer Szenarien „nicht nur viel Zeit und Geld, sondern auch erhebliches technisches und didaktisches Know-How [kostet]“ (Kleimann, 2007:152), eine Aussage, die aus eigener Erfahrung nur bestätigt werden kann: Multimediale Lehr- und Lernumgebungen, wie z. B. unser Virtual Linguistics Campus, sind zeit- und res- 227 Die Digitalisierung der Inhalte sourcen-aufwändige Entwicklungen, die nur durch großen Personaleinsatz unter Zurückstellung anderer Aktivitäten gelingen konnten. Somit scheidet bei ‚normalen‘ Konstellationen, d. h. ohne zusätzliche personelle oder finanzielle Ressourcen, auch Multimedia als Realisierungsmöglichkeit unserer Digitalisierungsbemühungen aus. Was bleibt, sind Video-Materialien. Doch auch hier ist Vorsicht geboten, und es kommt unsere dritte These: „Learning is not just Video“ ins Spiel (siehe S. 12). Diese zentrale These geht auf unsere nordamerikanischen Partner im Rahmen der ersten „Inverted Classroom“ Konferenz in Marburg 2012 zurück und sollte bei der Produktion digitaler Lehr- und Lernmaterialien stets im Vordergrund stehen. Offenbar kannten viele MOOC-Entwickler76, die der Meinung waren, mit einigen wenigen Videos ganze Online-Kurse erstellen zu können, diesen Leitsatz nicht. So ist es nicht verwunderlich, dass sie nach einer kurzen Phase der Euphorie zugeben mussten: „Wir ‹die MOOC-Entwickler› waren zwar auf den Titelseiten der Presse, mussten aber gleichzeitig zur Kenntnis nehmen, dass wir nicht wie gewünscht ausbilden. Wir haben ein ‚ziemlich lausiges Produkt‘. (Thrun, November 2013).77 Schritt 4 Persönlich – zwei Lehrvideos, ein Begleittext Für den Inhalt „Animal Communication“ habe ich mich für einen erläuternden Text mit zwei kurzen Lehrvideos entschieden (siehe Abbildung. VII.4). 76 MOOC = Massive Open Online Course (dt. nicht zugangsbeschränkter Online-Kurs ohne Begrenzung der Teilnehmerzahl), siehe Schulmeister (2013). 77 Originalzitat: “We ‹the MOOC producers› were on the front pages of newspapers and magazines, and at the same time, I was realizing, we don’t educate people as others wished, or as I wished. We have a lousy product.” (Sebastian Thrun, November 2013, in Chafkin: 2013). 228 Das Sechs-Schritte-Programm Die ausgewählten Elemente gilt es nun zu digitalisieren. Dazu gibt es, wie mehrfach erwähnt, zwei Möglichkeiten: 1. Man bedient sich – so weit wie möglich – offener Bildungsmaterialien. 2. Man produziert die benötigten digitalen Materialien selbst. Die Möglichkeiten des Auffindens und der Nachnutzung vorhandener Materialien wurde in Abschnitt IV.1 ausführlich beschrieben, die Verfahren der Produktion eigener Materialien, insbesondere von Lehrvideos, wurden in Abschnitt VI.2 behandelt. VII.5 Die Bereitstellung der digitalisierten Elemente Am Ende des Digitalisierungsprozesses des Themas „Animal Communication“ steht eine Webseite, die den digitalen Text mit den Lehrvideos als integrale Bestandteile bereitstellt. Abb. VII.4 stellt diese Webseite als Teil des Virtual Linguistics Campus dar, die so allen registrierten Benutzern der Lernplattform Zugang zu diesem Inhalt ermöglicht. Schritt 5 Persönlich – Bereitstellung im VLC Seit 2001 bildet der mittlerweile preisgekrönte „Virtual Linguistics Campus“ (VLC) das Rückgrat unserer digitalen Lehre. Folgerichtig ist die Webseite „Animal Communication“ Teil einer komplexeren Lerneinheit, die als Modul Teil verschiedener Kurse (Linguistics 101, Lingustics & Phonetics etc.) ist. 229 Die Bereitstellung der digitalisierten Elemente Abb. VII.4: Animal Communication ‚digital’ Alternativ kann man die Inhalte natürlich auch ohne Nutzung eines Lern-Management-Systems bereitstellen, z. B. als PDF-Dokument, über webbasierte Software-Pakete, z. B. Google Docs, oder in webbasierten Filehosting-Dienst, wie z. B. SlideShare. In jedem Fall sollte ein Gesamtprodukt entstehen, dass vom Lerner in ‚einem Guss‘ verarbeitet werden kann. Die Webseite für das Teilthema „Quantifiers“ im Rahmen der in Kapitel II behandelten Lerneinheit „Predicates“ in Abbildung VII.5, die der Vollständigkeit halber ebenfalls gezeigt wird, verweist auf ein Handbuch Hochschullehre Digital 208 Abb. VII.4: Animal Communication ‚digital’ Alternativ kann man die Inhalte natürlich auch ohne Nutzung eines Lern-Management-Systems bereitstellen, z.B. als PDF-Dokument, über webbasierte Software-Pak te, z.B. Google ocs, oder in webbasierten Filehosting-Diensent, wie z.B. SlideShare. In jedem Fall sollte ein Gesamtprodukt entstehen, dass vom Lerner in ‚einem Guss‘ verarbeitet werden kann. Die Webseite für das Teilthema „Quantifiers“ im Rahmen der in Kapitel II behandelten Lerneinheit „Predicates“ in Abbildung VII.5, die der Vollständigkeit halber ebenfalls gezeigt wird, verweist auf ein Lehrvideo, beinhaltet einen begleitenden Text und bietet 230 Das Sechs-Schritte-Programm Lehrvideo, beinhaltet einen begleitenden Text und bietet verschiedene Grafiken über die auf der Webseite vorhandenen Hyperlinks zur zusätzlichen Information an. Abbildung VII.5 zeigt die Webseite zum Thema „Quantifiers“ als Screenshot. Abb. VII.5: Quantifiers ‚digital’ Das Video (siehe Abbildung IV.5 (S. 94)) selbst ist mit 17 Minuten und 12 Sekunden für ein Teilthema, für das in der klassischen Präsenzlehre ganze 10 Minuten reserviert sind, viel zu lang. Daher wird mit einer entsprechenden Zugriffsmethode nur der für das Thema wesentliche Bereich (3:53 bis 6:06) abgespielt (siehe hierzu Abschnitt VI.4.1). Handbuch Hochschullehre Digital 209 verschiedene Grafiken über die auf der Webseite vorhandenen Hyperlinks zur zusätzlichen Information an. Abbildung VII.3 zeigt die Webseite zum Thema „Quantifiers“ als Screenshot. Abb. VII.5: Quantifiers ‚digital’ Das Video (siehe Abbildung IV.3) selbst ist mit 17 Minuten und 12 Sekunden für ein Teilthema, für das in der klassischen Präsenzlehre ganze 10 Minuten reserviert sind, viel zu lang. Daher wird mit einer entsprechenden Zugriffsmethode nur der für das Thema wesentliche Bereich (3:53 bis 6:06) abgespielt (siehe hierzu Abschnitt VI.4.1). VII.6 Die Nutzung der digitalisierten Elemente Durch die erfolgte Digitalisierung der gewünschten Inhalte müssen diese nicht mehr in der Präsenzphase eingeführt werden. Doch was geschieht nun in der frei gewordenen Zeit? Wir erinnern uns: 10 Minuten war in etwa die Zeit, die benötigt wurde, um in klassischen 231 e Bereitstellung der digitalisierten Elemente VII.6 Die Nutzung der digitalisierten Elemente Durch die erfolgte Digitalisierung der gewünschten Inhalte müssen diese nicht mehr in der Präsenzphase eingeführt werden. Doch was geschieht nun in der frei gewordenen Zeit? Wir erinnern uns: 10 Minuten war in etwa die Zeit, die benötigt wurde, um in klassischen Lehrarrangements den Inhalt „Animal Communication“ ein- bzw. aufzuarbeiten. Und genau diese Zeit haben wir nun für die Inhaltsvertiefung gewonnen. Ausgehend von einer Durchdringung der Inhalte vor der Präsenzphase können wir nun direkt mit Fragen zum Thema „Animal Communication“ starten, oder wir können Beispiele analysieren (z. B. den im oberen Video in Abbildung VII.4 enthaltenen Bienentanz) usw. Ähnliches gilt für das nun digitalisierte Thema „Quantifiers“ im Rahmen der Lernheit „Predicates“. Die in der Präsenzphase freigewordenen 10 Minuten können nun dazu verwendet werden, die Übungsaufgaben des ehemals klassischen „Handouts“ (siehe Abbildung II.4) unter Zuhilfenahme digitaler Endgeräte oder mit Unterstützung des Lernbegleiters zu lösen. Schritt 6 Persönlich – Nutzung Anstelle einer frontalen PowerPoint-basierten Präsentation des Themas „Animal Communication“ besteht nun Zeit für eine direkte Problematisierung des Themas durch vor bzw. in der Präsenzphase bereitgestellte Fragen. Diese werden im Beisein des Lernbegleiters individuell bearbeitet und gelöst. In jedem Fall können wir die gewonnenen 10 Minuten nun neu nutzen: Wir können unsere Studierenden gezielt beraten, sie unterstützen, sie mit maßgeschneiderten Aufgaben versorgen, kurz: wir können die Präsenzphase nun individualisieren – mehr als jemals zuvor. 232 Das Sechs-Schritte-Programm Bereits bei einem solchen ‚teilinvertierten‘ Szenario sind die Mehrwerte unverkennbar. Und noch eines: Wird der Kurs erneut oder in einem anderen Studiengang angeboten, entfällt der Digitalisierungsaufwand, da die Inhalte nun permanent bereitstehen und – je nach Aktualität – weitere Digitalisierungsmaßnahmen nicht nötig sind.78 VII.7 Ausblick Das Sechs-Schritte-Programm hat auf der einen Seite gezeigt, wie einfach es heute sein kann, die Lehre sukzessive zu digitalisieren, auf der anderen Seite allerdings auch die nach wie vor bestehende Komplexität. Denn auch ein kleinteiliger Arbeitsplan wie das Sechs-Schritte-Programm macht die Aufgabe nicht einfacher: Die 10 Minuten Präsenzzeit, die wir exemplarisch digitalisiert haben, bilden nicht einmal 1 % der gesamten Inhaltsvermittlungszeit des ausgewählten Kurses, ganz abgesehen von den zusätzlich zu digitalisierenden Elementen. Aber immerhin, ein Anfang ist gemacht und bei entsprechender Fortsetzung entstehen immer mehr digitale Elemente, zunächst einzelne inhaltliche Blöcke, dann ganze Lerneinheiten und schließlich der gesamte Kurs. Durch die zunehmende Digitalisierung entsteht die Möglichkeit, den klassischen Kurs sukzessive zu ‚invertieren‘ und so zunehmend Freiräume für die individuelle Beratung der Studierenden im Rahmen einer neugestalteten Phase der Inhaltsvertiefung zu gewinnen (siehe Abschnitt III.2). 78 Der digitale Inhalt „Animal Communication“ ist seit ca. zehn Jahren in nahezu unveränderter Form Bestandteil aller linguistischen Einführungskurse. 233 Ausblick Ein Digitalisierungsrezept Nehmen Sie Ihre Kurse für das SS 2020 und arrangieren Sie sich mit Ihren Fachkollegen (These 3: Die Last auf viele Schultern verteilen). Für jede Lehrveranstaltung erzeugen Sie bis zum Semesterbeginn die ersten drei Lerneinheiten. Nach Semesterbeginn erzeugen Sie ab Semesterwoche zwei im Wochenrhytmus immer eine weitere Lerneinheit. Sie sind Ihren Studenten also immer um zwei Wochen voraus. Das reicht, um ausgiebig zu testen, auftretende Fehler zu beheben und zwei Wochen vor Semesterende mit der Digitalisierung des Kurses in seiner Grundstruktur fertig zu sein. Voraussetzung: These 5: Ein neues Mindset. Trotz aller Tipps und Hinweise – die Hoffnung auf eine zügige Digitalisierung der Lehre kann auch dieses Handbuch nur mühsam nähren: Die Aufgabe bleibt weiterhin sehr komplex und ist nur mit entsprechender personeller Unterstützung, und vor allem mit einem entsprechenden Mindset der Kollaboration und Kooperation zu lösen. 234 Das Sechs-Schritte-Programm

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References

Abstract

For years, the digitalisation of higher education scenarios has been an important topic at universities, but has not yet been properly implemented. Driven by the challenges of the Corona crisis, ideas for implementation are suddenly urgently needed.

With this guide, Prof. Dr. Jürgen Handke shows ways in which the digitalisation of higher education can be managed. Starting from general problems of traditional higher education, he shows with several examples how to overcome the problems of traditional teaching with innovative digitisation concepts and to use them in such a way that significant added value is created through the interaction of well-accepted analogue concepts with digital content delivery formats.

Zusammenfassung

Schon seit Jahren ist die Digitalisierung der Lehre ein wichtiges Thema an den Hochschulen, hatte sich in der Anwendung aber noch nicht richtig durchgesetzt. Getrieben durch die Herausforderungen der Corona-Krise sind Ideen zur Umsetzung plötzlich dringend notwendig.

Mit dieser Anleitung zeigt Prof. Dr. Jürgen Handke Wege auf, wie der Einstieg in die Digitalisierung gelingen kann. Ausgehend von Problemen der Hochschullehre diskutiert er die Möglichkeiten anhand von konkreten Beispielen. Es gilt, mit klugen Digitalisierungskonzepten die Probleme der klassischen Lehre zu überwinden, sodass schließlich im Zusammenspiel von bewährten analogen Konzepten und digitalen Inhaltsvermittlungsformaten signifikante Mehrwerte entstehen.