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VI Digitale Elemente produzieren in:

Jürgen Handke

Handbuch Hochschullehre Digital, page 177 - 220

Leitfaden für eine moderne und mediengerechte Lehre

3. Edition 2020, ISBN print: 978-3-8288-4495-7, ISBN online: 978-3-8288-7530-2, https://doi.org/10.5771/9783828875302-177

Tectum, Baden-Baden
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177 VI Digitale Elemente produzieren Waren noch vor einigen Jahren umfangreiche Kenntnisse und Fertigkeiten erforderlich, die meist nur ein im Bereich Web-Entwicklung erfahrener Personenkreis besaß, ist es heute mit etwas Geschick fast Jedem möglich, mit nur wenigen Handgriffen und einer überschaubaren technischen Ausstattung selbst digitale Materialien zu erstellen. Es ist weder eine umfangreiche Hardware-Ausstattung zur Erzeugung von digitalen Lehr- und Lernmaterialien erforderlich, noch benötigt man Spezialkenntnisse als Web-Entwickler. Konkretisieren wir noch einmal die digitalen Elemente für die Lehre: Komplexe multimediale Lehrszenarien einmal außer Acht lassend benötigen wir • Lehrvideos als Träger für die Inhalte • Webseiten mit • gereihten Leitfragen als „Default“-Lernpfad • zusätzlichen Übungsmaterialien (Practicals) • E-Assessments für die Überprüfung des Gelernten • Literaturhinweisen zur Vertiefung der Inhalte • weiteren Materialien, z. B. den am Interaktiven Whiteboard entwickelten Content im PDF-Format oder diversen Musterlösungen etc. sowie zusätzliche Elemente zur Kommunikation und zur Vertiefung der Inhalte. Die für die Erstellung von Webseiten benötigten Kenntnisse zu vermitteln, ist nicht Ziel dieses Handbuches. Mit zahlreichen Tutorials und Lehrvideos, z. B. auch mit unserer eigenen Playlist „HTML and CSS Basics“ [V27], können die benötigten Fertigkeiten heute mühelos erworben werden. Ziel dieses Kapitels ist primär die Beschreibung der Grundlagen der Produktion von Lehrvideos einschließlich ihrer Einbindung in bestehende Webseiten, nicht aber die Beschreibung der Erstellung von Webseiten selbst. Grundlegende HTML-Kenntnisse werden daher vorausgesetzt. Befassen wir uns also mit der Produktion und Bereitstellung von Lehrvideos, dem zentralen Mittel für die Präsentation der Inhalte. VI.1 Lehrvideos produzieren Theoretisch reicht für die Produktion eines kurzen Videoclips mit ‚Lehrcharakter‘ ein Smartphone aus. Schon mit wenigen Handgriffen lassen sich kurze Videos erzeugen, die ohne besondere Vorkenntnisse auf öffentlichen Plattformen wie YouTube oder Facebook bereitgestellt werden können. Für die Lehre allerdings sind solche ‚Produktionen‘ aus verschiedenen Gründen eher ungeeignet. Videos mit Smartphone oder Tablet-PC? Mittlerweile lassen sich Videos bereits mit den modernen Smartphones oder Tablet-PCs im Office-Setting erzeugen. Da allerdings solche Videos in der Regel im „Freihand-Modus“ ohne Stativ oder Kamerabefestigung aufgenommen werden, sind sie als oft nicht ‚ruckelfreie‘ wissenschaftliche Videos nur in Ausnahmefällen brauchbar. 178 Digitale Elemente produzieren Da zudem der Ton, der bei solchen Videos in der Regel mit dem integrierten Mikrofon aufgenommen wird, qualitativ im Vergleich zu anderen Videos stark abfällt, sollten Lehrvideos nur dann mit dieser Technik erzeugt werden, wenn keine Alternativen möglich sind, z. B. bei spontanen Sprecheraufnahmen vor Ort, beim Sport etc. Doch wenn einfache ‚Smartphone-Produktionen‘ nicht ausreichen, müssen es denn in jedem Fall gleich ‚Hochglanzproduktionen‘ im Studio-Setting sein? „Do I need it perfect or by Tuesday?“63 hat Aaron Sams, einer der nordamerikanischen Hauptakteure des umgedrehten Unterrichts im Rahmen der ersten „Inverted Classroom“ Fachtagung in Marburg im Jahre 2012 zu bedenken gegeben. Diese zentrale Aussage, die mittlerweile auch auf den T-Shirts der Firma Techsmith präsentiert wird (Abbildung VI.I), soll zum Ausdruck bringen, dass es nicht die perfekte Videoproduktion ist, die es anzustreben gilt, sondern dass überhaupt erst einmal die ‚Hürde Videoproduktion‘ übersprungen werden muss. Abb. VI.1: Das zentrale Motto der Produktion von Lehrvideos [Q1] 63 Deutsch: Soll das Video perfekt oder bis spätestens Dienstag fertig sein? 179 Lehrvideos produzieren Dennoch gibt es Situationen, in denen man möglichst professionelle Videos erzeugen möchte. Tipp: Produzieren Sie Videos zu Zweit Während einer Fachtagung an der eigenen Universität konnte ich bekannte Sprachwissenschaftler dazu bewegen, zusammen mit mir in Interviewform ein Lehrvideo zu ihrem jeweiligen Spezialthema zu produzieren (siehe Abbildung VI.16.b). Dazu waren eine sorgfältige Vorplanung sowie eine professionelle Durchführung erforderlich. Die resultierenden Videos waren nicht für eine spezielle Lehrveranstaltung und für einen bestimmten Zeitpunkt geplant (‚not by Tuesday‘), sondern sie sollten möglichst gut gemacht sein. Als erstes Fazit sollte man daher beachten: Video ist kein Nebenprodukt, sondern bildet in vielen Szenarien der digitalisierten Lehre deren Rückgrat, und sollte daher sowohl aus inhaltlicher als auch aus technischer Sicht stets gut durchdacht werden. Video ist kein Nebenprodukt! Nehmen Sie die Gestaltung von Videos ernst. Sorgen Sie stets für einen guten Ton sowie für gute Beleuchtung. Denken Sie bereits vor der Videoproduktion über den Einsatz des Videos und über mögliche Verweise zu den übrigen Elementen Ihrer Lerneinheiten nach. VI.1.1 Hardwareanforderungen für die Videoproduktion Bereits mit einer einfachen technischen Ausstattung, z. B. mit einem standardmäßig ausgestatten Laptop mit integrierter Webcam und einem separaten Mikrofon, das notwendig ist, um bei Bedienung der Tastatur die entstehenden Geräusche nicht mit aufzunehmen, lassen sich die meisten Videoformate realisieren. 180 Digitale Elemente produzieren Gerät Neupreis ab € Computer (z. B. Laptop) 500,– Externes (z. B. USB ) Mikrofon 40,– Software, z. B. Camtasia Studio 250,– Abb. VI.2: Grundausstattung für die Produktion von Lehrvideos Da der dazu notwendige Betrag von weniger als 1.000 € problemlos von nahezu jedem Hochschullehrer aus seiner Mindestausstattung aufgebracht werden kann, sollte der Einstieg in die Videoproduktion ohne große Ausgaben möglich sein. Entscheidet man sich jedoch für spezielle Videoformate, z. B. im Studio-Setting, sind zusätzliche Geräte erforderlich. Diese sind exemplarisch in Abbildung VI.3 aufgeführt. Gerät Neupreis ab € Separate digitale Videokamera 500,– Interaktives Whiteboard 3.500,– Studiobeleuchtung 750,– Studiomikrofon 100,– Mobiles (Kabel)-Mikrophon 50,– Funkmikrofon 500,– 4-Kanal Audio-Mischpult 250,– Weiteres Zubehör (z. B. Stative, Kabel) 200,– Greenscreen 100,– Teleprompter (einfach) 500,– Teleprompter (integrierter Monitor) 1.500,– Abb. VI.3: Optionale Zusatzausstattung 181 Lehrvideos produzieren So lassen sich mit einer separaten digitalen Videokamera, je nach Investition schlicht bessere Bilder aufnehmen als mit einer Webcam, und an einem interaktiven Whiteboard lässt sich das Schreibgefühl der traditionellen Lehre an einer Tafel zumindest optisch und bezogen auf die „handwerkliche Leistung“ realisieren. Und mit kabellosen Funkmikrofonen ist man vor einer Tafel bzw. vor der Kamera einfach beweglicher. Will man noch professioneller arbeiten, sind ein Greenscreen oder auch ein Telepromptersystem unverzichtbare Komponenten der fortgeschrittenen Videoproduktion. So dient der Greenscreen zur flexiblen Gestaltung von Hintergründen. Dabei wird zunächst die Szene vor dem Greenscreen gefilmt, anschließend die grüne Farbe des Screens, die nicht Teil des Vordergrundes sein sollte, entfernt und die so bereinigte Kameraaufnahme in den Vordergrund eines selbst gewählten Hintergrundes gestellt (Abbildung VI.4). Abb. VI.4: Die Greenscreen-Technik [Q8] Mit einem Teleprompter-System, das allerdings zusätzlich mit einer passenden Kamera verbunden und auf ein spezielles Stativ montiert werden muss, kann der Blickkontakt mit dem Publikum bei gleichzeitigem Sprechen bzw. „Ablesen“ von Texten intensiviert werden. Mit einem solchen „Studio-Setting“ kann in E-Lectures, die ein Sprecher- Handbuch Hochschullehre Digital 166 Kameraaufnahme vor einem Greenscreen Die freigestellte Kameraaufnahme vor einem neuen Hintergrund A . I.4: Die Greenscreen-Technik [Q8] Mit einem Teleprompter-System, das allerdings zusätzlich mit einer passenden Kamera verbunden und auf ein spezielles Stativ montiert werden muss, kann der Blickkontakt mit dem Publikum bei gleichzeitigem Sprechen bzw. „Ablesen“ von Texten intensiviert werden. Mit einem solchen „Studio-Set ing“ kann in E-L ctures, die ein Sprecherbild erfordern, die Interaktion mit dem Publikum durch einen ständig bestehenden Blickkontakt besser umgesetzt werden. Allerdings sind die Anschaffungskosten für eine derartige Ausstattung, wie in Abbildung VI.5 gezeigt, nicht ganz unerheblich. Gerät Neupreis ab € Teleprompter (einfach) 500,- Teleprompter (mit Monitor) 1.500,- Videokamera für Teleprompter 3.000,- Stativ für Kamera und Teleprompter 700,- Tablet-PC 300,- Abb. VI.5: Optionale Zusatzausstattung für ein Teleprompter-System Abbildung VI.6 zeigt das Teleprompter-System TP-300, das in ausgewählten E-Lectures des Autoren zum Einsatz kommt. 182 Digitale Elemente produzieren bild erfordern, die Interaktion mit dem Publikum durch einen ständig bestehenden Blickkontakt besser umgesetzt werden. Allerdings sind die Anschaffungskosten für eine derartige Ausstattung, wie in Abbildung VI.5 gezeigt, nicht ganz unerheblich. Gerät Neupreis ab € Teleprompter (einfach) 500,– Teleprompter (mit Monitor) 1.500,– Videokamera für Teleprompter 3.000,– Stativ für Kamera und Teleprompter 700,– Tablet-PC 300,– Abb. VI.5: Optionale Zusatzausstattung für ein Teleprompter-System Abbildung VI.6 zeigt das Teleprompter-System TP-300, das in ausgewählten E-Lectures des Autoren zum Einsatz kommt. Abb. VI.6: Das Teleprompter-System TP-300 mit Kamera und Stativ [Q5] 183 Lehrvideos produzieren PowerPoint als „Teleprompter“ Nicht jeder verfügt über einen Teleprompter. Daher hier mein Alternativ-Vorschlag: Nutzen Sie PowerPoint! Stellen Sie Ihren Laptop direkt vor bzw. unter die Kamera und setzen oder stellen Sie sich so, dass Sie vom Laptop ablesen können aber im Kamerabild bleiben. Nun teilen Sie Ihren Text in kleine Blöcke, z. B. einen Satz pro Block. Verteilen sie die Blöcke auf viele Folien und lesen Sie bei laufender Kamera den Text Folie für Folie vor. Den Ton nehmen Sie gleichzeitig mit Ihrem Laptop und Audacity oder mit Ihrem Handy auf. Video Quelle: [V34] VI.1.2 Software für die Videoproduktion Die einfachste Form eines Lehrvideos ist eine Kameraaufnahme im Office-Setting und die direkte Nutzung der aufgenommenen Datei ohne spezielle Nachbearbeitung. Eine spezielle Software wird dafür nicht benötigt. Will man derartige Aufnahmen im HD-Modus vornehmen (High Definition = 720 Bildzeilen) oder gar in höheren Auflösungen produzieren, müssen die z. T. proprietären Camcorder-Dateiformate, z. B. das MXV-Format von Magix, ggf. über ein geeignetes Konverter-Programm in ein spezielles internetfähiges Format, z. B. das MP4-Format, umgewandelt werden. Leider sind die dafür im Internet kostenlos angebotenen Konverter-Programme nicht immer zuverlässig, sodass die Anschaffung einer kommerziellen Software empfohlen wird. Software Beispiel Neupreis ab € Video- Konverter AVS-Konverter; Any Video Converter, etc. 45,– Abb. VI.7: Software-Mindestausstattung 184 Digitale Elemente produzieren Für die Nachbearbeitung von Kameraaufnahmen sowie für die Erzeugung und Bearbeitung von Screencasts werden weitere Programme benötigt. Dass sich auch dabei die Anschaffungskosten in Grenzen halten, zeigt die Auflistung in Abbildung VI.8. Software Beispiel Neupreis ab € Screencast-Software (einfach) Snagit 45,– Screencast-Software (professionell) Camtasia Studio 175,– Videoschnitt-Software* Adobe Premiere 29,– Software für die Aufnahme und Bearbeitung von Audiodaten Audacity 0,– *z. T. im Lieferumfang der Kamera enthalten bzw. als Abo Abb. VI.8: Software zur Videobearbeitung Der Umgang mit den gelisteten Programmen ist recht einfach. Mit sehr guten Lehrvideos bietet z. B. die Firma Techsmith einen Rundum- Service zu ihren Programmen [INT5], und Lehrvideos zur frei verfügbaren Audiobearbeitungssoftware Audacity können ebenfalls im Internet gefunden werden, z. B. [V4]. VI.2 Lehrvideos – Produktion und Aufwand In den folgenden Abschnitten sollen nun die Typen von Lehrvideos, die in Kapitel V für die Hochschullehre als geeignet identifiziert wurden, ihre speziellen Anforderungen und der bei der Produktion entstehende Aufwand im Einzelnen diskutiert werden. Wie erwähnt, handelt es sich bei diesen Formaten primär um im Office-Setting erstellte Macro- und Micro-Lectures, bei denen in geeigneten Fällen 185 Lehrvideos – Produktion und Aufwand der Sprecher Teil des Videos ist. In Abbildung VI.9 sind diese mit ihren Eckdaten erneut aufgeführt. Form Setting Spieldauer Macro-/E-Lecture Office oder Studio bis zu 20 Minuten Micro-Lecture Office <= sechs Minuten Abb. VI.9: Geeignete Formate für Lehrvideos In Abschnitt V.2 hatten wir ausgeführt, dass Videos, die im Classroom-Setting vor Publikum bzw. Videos, die mit aufwändiger Studiotechnik im Studio-Setting erzeugt werden, für die Lehre nur eine unterordnete Rolle spielen. Daher können wir uns im Folgenden auf die Produktion von Videos im Office-Setting beschränken. Die Abkehr von den im Classroom-Setting erzeugten Lehrvideos hin zu kürzeren E-Lectures oder Micro-Teaching-Videos kann in den großen Video-Portalen, z. B. in dem seit 2008 bestehenden Lehrvideoportal der Yale University, das mittlerweile mehr als 1.500 Lehrvideos anbietet, dokumentiert werden [INT15]. Wurden noch bis 2013 nahezu ausschließlich LDLs in den YouTube-Kanal „YaleCourses“ geladen, sind es seitdem fast nur noch E-Lectures oder Micro-Lectures, mithin Lehrvideos, die zunächst im Office-Setting, seit geraumer Zeit aber hauptsächlich im Studio-Setting erzeugt wurden und nur noch selten die 20-Minuten Grenze überschreiten. VI.2.1 Macro-Lectures im Classroom-Setting (E-Lectures) Die am weitesten verbreitete Variante derartiger Lehrvideos ist die E- Lecture, eine vorab geplante Videoaufzeichnung ohne Publikum zu einem bestimmten Themenbereich. Sie bildet in vielen digitalisierten Lehrszenarien das Rückgrat der ‚neuen‘ Hochschullehre. Abbildung VI.10 zeigt einen Ausschnitt aus der E-Lecture „Predicate Lo- 186 Digitale Elemente produzieren gic I“, die wir in Abschnitt IV.2 als eine von zwei Basiskomponenten der gleichnamigen Lerneinheit empfohlen hatten. Abb. VI.10: Die E-Lecture „Predicate Logic I” [V16] Hauptkomponente einer E-Lecture ist der Screencast, d. h. das Festhalten aller während der Produktion der E-Lecture stattfindenden Bildschirmereignisse. Im einfachsten Fall sind dies die ‚Folien‘ einer Bildschirmpräsentation, alternativ kann es sich dabei auch um den Schreibvorgang per Stift auf einem Tablet-PC oder, wie in Abbildung VI.10 dargestellt, um die Eingaben auf einem interaktiven Whiteboard handeln. Je nach Aufwand kommt man bei der Produktion einer E-Lecture mit der Grundausstattung aus und benötigt lediglich einen Desktop- PC oder einen Laptop sowie ein externes Mikrofon. Die Bildschirmpräsentation kann dann z. B. über PowerPoint erfolgen. Entscheidet man sich für die Hinzunahme des eigenen Bildes, genügt im einfachsten Fall die Webcam des Präsentations-PCs, in komplexeren Fällen bedient man sich externer Kameras. 187 Lehrvideos – Produktion und Aufwand Abbildung VI.11 stellt eine E-Lecture mit einem Sprecherbild per Webcam dar, während in Abbildung VI.10 das Sprecherbild mit einer separaten Kamera aufgezeichnet wurde. Abb. VI.11: Die E-Lecture „Multimedia on the Web“ mit Webcambild [V22] Während mit einer Webcam nur das unmittelbar am Computer stattfindende Geschehen erfasst werden kann, erlaubt eine stationäre Kamera einen größeren Bewegungsradius. Damit liegt der Vorteil der Nutzung einer externen Kamera auf der Hand: Man ist beweglicher, kann mehr zeigen, z. B. eine zweite Person, und das Video erhält mehr Dynamik. Demgegenüber steht der höhere Produktionsaufwand bei der Nutzung einer externen Kamera: Zum einen müssen nun die entsprechenden Räumlichkeiten geschaffen werden, zum anderen müssen im Nachbearbeitungsprozess Kamerabild, Ton und Screencast synchronisiert werden. In beiden Fällen ist eine sorgfältige Planung Voraussetzung für das Gelingen des Lehrvideos. Sowohl die Bildschirmpräsentation mit ih- Handbuch Hochschullehre Digital 171 Entscheidet man sich für die Hinzunahme des eigenen Bildes, genügt im einfachsten Fall die Webcam des Präsentations-PCs, in komplexeren Fällen bedient man sich externer Kameras. Abbildung VI.11 stellt eine E-Lecture mit einem Sprecherbild per Webcam dar, während in Abbildung VI.10 das Sprecherbild mit einer separaten Kamera aufgezeichnet ur . VI.11: Die E-Lecture „Multimedia on the eb“ m t Webcambild [V22] Während mit einer Webcam nur das unmittelbar am Computer stattfindende Geschehen erfasst werden kann, erlaubt eine stationäre Kam ra ein n größer n Be egungsr dius. Damit li gt der Vorteil der Nutzung einer externen Kamera auf der Hand: Man ist beweglicher, kann mehr zeigen, z.B. eine zweite Person, und das Video erhält mehr Dynamik. Demgegenüber steht der höhere Produktionsaufwand bei der Nutzung einer externen Kamera: Zum einen müssen nun die entsprechenden Räumlichkeiten geschaffen werden, zum anderen müssen im Nachbearbeitungsprozess Kamerabild, Ton und Screencast synchronisiert werden. 188 Digitale Elemente produzieren ren verschiedenen Aktionen ist vorab sauber zu planen, als auch der dazu zu sprechende Text. Auch unter Beibehaltung des Mottos „Do I need it perfect …“ sollte es Ziel sein, eine Präsentation möglichst fehlerfrei aufzunehmen. Da dies im Normalfall nur wenigen von uns gelingt, empfiehlt sich für eine E-Lecture die Anfertigung eines Skripts, das nicht nur den zu sprechenden Text enthält, sondern zusätzlich mit Markierungen für bestimmte Aktionen versehen ist.64 Ob der Text dabei aus Stichpunkten oder vollständigen Sätzen besteht, hängt von eigenen Vorlieben ab. In jedem Fall sollte das Skript während der Aufnahme außerhalb des Sichtbereichs der Kamera (falls eine verwendet wird) so platziert werden, dass es jederzeit eingesehen werden kann. Als Ablageort empfiehlt sich ein Notenständer unterhalb der Kamera oder ein Beleuchtungsständer, an dem das Skript befestigt werden kann, auch der Tisch, an dem man während der Produktion der Aufnahme sitzt, eignet sich zur Skriptablage. Abbildung VI.12 zeigt den zum in Abbildung VI.10 dargestellten Lehrvideo „Predicate Logic I“ gehörenden Ausschnitt des zu Grunde liegenden Skripts. Abb. VI.12: Ausschnitt aus dem Skript für die E-Lecture „Predicates I“ 64 Eine hilfreiche Anleitung für das Erstellen eines Skriptes befindet sich in Spencer (2012:160). Handbuch Hochschullehre Digital 172 In beiden Fällen ist eine sorgfältige Planung Voraussetzung für das Gelingen des Lehrvideos. Sowohl die Bildschirmpräsentation mit ihren verschiedenen Aktionen ist vorab sauber zu planen, als auch der dazu zu sprechende Text. Auch unter Beibehaltung des Mottos „Do I need it perfect …“ sollte es Ziel sein, ein Präsentation mö lichst fe lerfrei aufzunehmen. Da dies im Normalfall nur wenigen von uns gelingt, empfiehlt sich für eine E-Lecture die Anfertigung eines Skripts, das nicht nur den zu sprechenden Text enthält, sondern zusätzlich mit Markierungen für bestimmte Aktionen versehen ist.64 Ob der Text dabei aus Stichpunkten oder vollständigen Sätzen besteht, hängt von eigenen Vorlieben ab. In jedem Fall sollte das Skript während der Aufnahme außerhalb des Sichtbereichs der Kamera (falls eine verwendet wird) so platziert werden, dass es jederzeit eingesehen werden kann. Als Ablageort empfiehlt sich ein Notenständer unterhalb der Kamera oder ein B leuchtungsständer, an dem das Skript befestigt werden kann, auch der Tisch, an dem man während der Produktion der Aufnahme sitzt, eignet sich zur Skriptablage. Abbildung VI.12 zeigt den zum in Abbildung I.1 r t llt Lehrvideo „Predicate Logic I“ gehörenden Ausschnitt des zu Grunde liegenden Skripts. *Click* The Machinery The machinery that describes the internal structure of propositions is referred to as Predicate logic (~ 'predicate calculus' or 'first-order logic'). It shifts the focus from the logical relations that hold *emph* between sentences to those that hold *emph* within a sentence. The idea: each proposition can be defined as a *1* predication. Predications consist of a *move* predicate (capitalized) and *undl* a set of arguments (small letters !!) and are to be read as follows: *writ* P(x) = "x is a P" *Click* An Example … 64 Eine hilfreiche Anleitung für das Erstellen eines Skriptes befindet sich in Spencer (2012:160). 189 Lehrvideos – Produktion und Aufwand Das Skript enthält eine Mischung aus ausformulierten Sätzen und Stichpunkten sowie eine Reihe von hervorgehobenen, selbst definierten Instruktionen, die den Sprecher/Präsentierenden während der Videoaufzeichnung an Aktionen erinnern sollen, die auf der interaktiven Tafel vorzunehmen sind (z. B. *1* = „Button #1 anklicken“, *emph* = „emphasize“, *writ* = „anschreiben“, *move* = „Gegenstand über den Bildschirm ziehen“ etc.). Das Skript ist die Versicherung! Das freie, fast fehlerfreie Sprechen vor einer laufenden Kamera ist nur wenigen Mitgliedern unserer Zunft gegeben. Nehmen Sie sich daher die Zeit für die Erstellung eines akribisch ausgearbeiteten Skripts und formulieren Sie die ‚schwierigen‘ Passagen sorgfältig aus. Dadurch vermeiden Sie Pausen, Versprecher oder auch inhaltliche Fehler. Sollten Sie dennoch während der Videoproduktion einen Fehler gemacht haben und diesen bemerken, verharren Sie in der Ausgangsposition möglichst ohne Wackler, wiederholen Sie den Satz oder die Passage und schneiden den Fehler später bei der Nachbearbeitung der Produktion heraus. Neben dem zugegebenermaßen hohen Aufwand für die Erstellung des Skripts für eine E-Lecture muss natürlich auch noch die Präsentation selbst erstellt werden. Und hier gilt das gleiche Prinzip wie bei klassischen Präsentationen: Textlastige Folien, das Ablesen von Folien oder unsinnige Animationen sind unbedingt zu vermeiden (vgl. Handke, 2014a:147). Eine vernünftige Kombination von vorgefertigten und während der Präsentation durch Anschrieb zu ergänzenden Elementen erzeugt eine höhere Dynamik und simuliert eine ‚virtuelle‘ Interaktion mit dem späteren Betrachter des fertigen Lehrvideos.65 65 Das bei öffentlichen Lehrmaterialien zusätzlich entstehende Urheberrechtsproblem wird in Kapitel VIII erneut aufgegriffen. 190 Digitale Elemente produzieren Die für eine E-Lecture erforderliche technische Mindestausstattung und die benötigten Komponenten zur Durchführung der Aufnahme sind in Abbildung VI.13 zusammengefasst. Technik Hardware Digitale Videokamera mit integriertem Mikrofon; Laptop/PC Software Screencast-Software (professionell); Video-Konverter Komponenten Skript gut ausgearbeitetes Skript Präsentation durchgeplante Präsentation Abb. VI.13: Technik und Bestandteile einer E-Lecture Am Ende des Produktionsprozesses steht eine Videodatei im MP4- Format, die veröffentlicht werden kann, z. B. im eigenen YouTube- Kanal (siehe Abschnitt VI.4). Wie bereits erwähnt ist der Aufwand für die Produktion einer E- Lecture recht hoch. Für eine 15-minütige E-Lecture entsteht je nach Verfügbarkeit der für das Skript und die Präsentation benötigten Komponenten (Texte, Bilder, Animationen, etc.) ein Aufwand, der sich von einigen Stunden bis zu mehreren Tagen erstrecken kann. Für die in Abbildung VI.10 dargestellte E-Lecture „Predicate Logic I“, bei der die Inhalte über das ActivBoard präsentiert und während der Aufnahme bearbeitet bzw. dynamisch ergänzt wurden und zusätzlich die Aufnahme einmal geprobt wurde, entstand der in Abbildung VI.14 dargestellte Aufwand. 191 Lehrvideos – Produktion und Aufwand Aktivität Aufwand (Std.) Erstellung der Präsentation 4 Erstellung des Skripts 2 Aufnahmeprobe ¼ Aufnahme ¼ Nachbearbeitung 1 Upload und Einbindung ½ Gesamtaufwand 8 Abb. VI.14: Aufwand bei der Erstellung der E-Lecture „Predicate Logic I“ Dabei stellen die Produktion der Aufnahme, deren Nachbearbeitung und die benötigte Zeit zum Hochladen und zur Einbindung des Videos in eine Webseite noch den geringsten Aufwand dar. Der größere Aufwand bei einer E-Lecture entsteht durch das Skript und die Präsentation. Während man bei der Skripterstellung möglicherweise auf bereits vorhandene eigene Texte zurückgreifen kann, muss bei der Präsentation genau darauf geachtet werden, dass es zu keinerlei Copyright-Verletzung kommt. In der Präsentation verwendete Bilder müssen entweder zur nicht-kommerziellen Wiederverwendbarkeit gekennzeichnet sein, oder man muss sie selbst erstellen.66 Auch wenn der Aufwand so gering wie möglich gehalten werden soll, muss auf größtmögliche wissenschaftliche Präzision geachtet werden: Wird das fertige Lehrvideo auf öffentlichen Plattformen bereitgestellt, werden die darin präsentierten Inhalte transparent und stellen sich einer globalen Begutachtung – und die soll vermutlich positiv ausfallen. Doch lohnt sich dieser Aufwand überhaupt? 66 Zur lizenzfreien Nutzung von Bildern siehe Abbildung IV.2, S. 90 bzw. https:// www.bildersuche.org/kostenlose-bilder-lizenzfreie-fotos.php. 192 Digitale Elemente produzieren Zur Beantwortung dieser Frage müssen zwei Parameter im Zusammenhang mit E-Lectures betrachtet werden: • die ‚Verfallszeit‘, • der ‚Entlastungsfaktor‘. Genau wie die Inhalte einer klassischen Lerneinheit müssen auch Lehrvideos regelmäßig aktualisiert werden. Kleimann (2008:50) setzt z. B. als sog. ‚Halbwertszeit‘ für eine Vorlesungsaufzeichnung, also für eine LDL, einen Zeitraum von drei Jahren an, d. h. jeweils nach sechs Semestern sollte eine bereits bestehende LDL neu aufgezeichnet werden. Schaut man sich auf den mittlerweile an vielen Hochschulen existierenden Portalen für Vorlesungsaufzeichnungen um, findet man allerdings Videos vor, die diesen Zeitraum seit vielen Jahren überschritten haben. Darüber hinaus ist der Turnus für die Aktualisierung von Lehrvideos inhalts- und fachspezifisch. Während ein Lehrvideo zu einem in sich geschlossenen und inhaltlich verstetigten Thema wie „Prädikatenlogik“ viele Jahre überdauern kann, sind Videos zu aktuellen wissenschaftlichen Entwicklungen, egal in welchem Format, in sehr kurzen Abständen an die neuesten Forschungsergebnisse anzupassen. Aufgrund der eigenen Erfahrungen mit den für das Gebiet der Sprachwissenschaft erzeugten Lehrvideos erscheint eine durchschnittliche Verfallszeit von drei Jahren realistisch, d. h. spätestens alle drei Jahre sollten vorhandene Lehrvideos, die sich auf jüngere Forschungsergebnisse beziehen, aktualisiert werden. Bezüglich des ‚Entlastungsfaktors‘, also dem Verhältnis zwischen der Videodauer und der Zeit, die man benötigt, um die gleichen Inhalte im Rahmen einer Lehrveranstaltung vor Publikum vorzutragen, können ebenfalls nur Schätzwerte angenommen werden. Allgemein erscheint ein Faktor von zwei bis drei realistisch: Für die Vermittlung der Inhalte, die in den beiden jeweils ca. 15-minütigen Videos zur Prädikatenlogik (siehe Abbildung IV.12, S. 100) vorgetragen wer- 193 Lehrvideos – Produktion und Aufwand den, wurde im klassischen Szenario mit mindestens 60 Minuten die doppelte Zeit benötigt. Doch dieser Faktor kann erheblich variieren. So kann das Video an Kompaktheit noch hinzugewinnen, wenn z. B. das Schreibtempo auf einem Tablet-PC bei der Videobearbeitung erhöht und mit den typischen Effekten von „Video Scribes“ gearbeitet wird (siehe Abschnitt VI.2.3), oder wenn auf Schreibaktionen verzichtet wird und an Stellen, wo es möglich und sinnvoll erscheint, eine eher ergebnisorientierte Präsentation nach dem Prinzip „Einblenden statt Anschreiben“ aufgezeichnet wird. Auf der anderen Seite kann auch die für die in klassischen Lehr-/ Lernszenarien vorab kalkulierte Dauer einer Präsentation variieren. Schließt man nämlich auch die verschiedenen Störfaktoren, die eine Präsenzpräsentation beeinflussen können, mit ein, z. B. technische Probleme, Zwischenfragen, etc., kann es passieren, dass die vorab geplante Zeit für die Präsentation gar nicht ausreicht. Der ‚Entlastungsfaktor‘ kann also erheblich variieren, und durch die zusätzlichen Variablen wie Kompaktheitsgrad der E-Lecture und Störfaktoren in der Präsenzphase wird ein eher höherer ‚Entlastungsfaktor‘ als der bisher angenommene Faktor zwei wahrscheinlich. In jedem Fall können wir mit den beiden Schätzwerten „Verfallszeit“ und „Entlastungsfaktor“ eine Kalkulation des Aufwandes versuchen. Ausgehend von einer durchschnittlichen, in jedem Fall fachspezifischen Verfallszeit eines Lehrvideos von ca. drei Jahren und einem Entlastungsfaktor von zwei entsteht angesichts des in Abbildung VI.14 aufgeführten Entwicklungsaufwandes von acht Stunden zunächst einmal ein deutlicher Mehraufwand bei der Überführung einer klassischen Lerneinheit in eine E-Lecture. Wird diese Lerneinheit allerdings mehrfach verwendet, z. B. in zwei aufeinanderfolgenden Jahren jeweils zwei Mal pro Jahr, ist der kalkulierte Produktionsaufwand bereits zur Hälfte kompensiert worden. Zusätzlich entfällt während des Nutzungszeitraums eines Lehrvideos 194 Digitale Elemente produzieren die erneute Vorbereitung auf die Inhaltspräsentation im Unterricht, wenngleich man auch als Videoproduzent nach einiger Zeit einen Blick in die eigenen Videos werfen muss, um sich an das Präsentierte zu erinnern. Produktionsaufwand und Entlastung halten sich bei dieser Berechnung also die Waage. Wird das Video nach einigen Jahren überarbeitet, geht es schneller. Skripterstellung und das Anfertigen der Präsentation sind nun zügiger erledigt. Man greift auf Bewährtes zurück und ändert oder ergänzt weitere Passagen. Aufwand und Nutzen dürften sich nun die Waage halten. Der größte Mehrwert allerdings entsteht in der Präsenzphase. „Free your Lecture“ hieß das Motto einer E-Learning-Fachtagung an der TU Darmstadt im Jahr 2011, als man schon damals erkannte, welches Potenzial die Herauslösung von Inhalten aus der Präsenzphase in sich birgt. Dieser Mehrwert, der durch eine neue, nicht mehr primär der Inhaltsvermittlung gewidmeten Präsenzphase gekennzeichnet ist, bildet neben einer der Alltagswirklichkeit entgegenkommenden Präsentationsform von Inhalten das Hauptargument für die Bereitstellung von Inhalten per E-Lecture. Und eines sollte man auch nicht vergessen: Wird eine einmal erstellte E-Lecture von dritter Seite genutzt, verringert sich dort der Aufwand beträchtlich. Viele der im linguistischen YouTube-Kanal „The Virtual Linguistics Campus“ angebotenen E-Lectures haben mittlerweile Eingang in die Lehre von anderen Hochschulen gefunden und dort vermutlich zu einer Entlastung des Lehrpersonals geführt. Von dieser Entlastung spürt man außer einer gelegentlichen Anerkennung durch die Fremdnutzer als Videoproduzent zwar nichts, allerdings entstehen so bisweilen neue Kooperationen mit anderen Videoproduzenten, durch die sich möglicherweise der eigene Aufwand verringern lässt. 195 Lehrvideos – Produktion und Aufwand VI.2.2 E-Lecture Varianten Die einfachste Form einer E-Lecture ist eine schlichte PowerPoint- Präsentation, eine E-Lecture-Variante, die allerdings in manchen Fächern, z. B. in der Mathematik, eher nicht in Frage kommt (Loviscach, 2012:32). Übertragen auf andere Fächer heißt das, dass man überall dort, wo der Tafel- bzw. Bildschirminhalt während der Präsentation in Echtzeit dynamisch entsteht, von statischen Präsentationen Abstand nehmen und alternative Video-Formate produzieren sollte (siehe Abschnitt VI.2.3). Werden dennoch reine Präsentationen benötigt, sollten diese bei Videoproduktionen stets so gestaltet werden, dass dabei in Echtzeit ein Bildschirminhalt entsteht und das Publikum bei diesem Entwicklungsprozess möglichst intensiv mit eingebunden wird. Das erreicht man durch die Kombination von digitalem Tafelanschrieb und Sprecherbild. Die Dynamik des Tafelanschriebs kann dabei optimal über ein Interaktives Whiteboard, alternativ aber auch über einen Tablet-PC mit Stifteingabe realisiert werden. Durch die zusätzliche Integration des Sprecherbildes kann auch in eher statischen Phasen der Präsentation durch Gestik und Mimik für eine erhöhte Dynamik gesorgt werden (vgl. Schwan, 2014: 12:00 bis 12:41). Das allerdings erhöht den Produktionsaufwand. Videos, die ohne Sprecherbild auskommen, erleichtern die Produktion, zumindest, was den zu sprechenden Text anbetrifft, erheblich: Der Text kann dann nämlich vorab geschrieben und entweder während der Videoproduktion abgelesen oder unabhängig vom Video aufgenommen und als separate Tonspur später hinzugefügt werden. Dadurch lassen sich Versprecher vermeiden, und Lehrenden, die Schwierigkeiten mit der freien Textproduktion in Aufnahmesituationen haben, kann zumindest eine Hürde bei der Erzeugung von Videos genommen werden: Sie müssen nicht mehr vor eine Kamera treten.67 67 Im Lehrvideo [V35] werden die verschiedenen Optionen der Inhaltsgestaltung im Detail vorgestellt. 196 Digitale Elemente produzieren Abb. VI.15: Sprecherbilder im Office-Setting Entscheidet man sich für die Hinzunahme des Sprecherbildes entstehen folgende Möglichkeiten. Der Lehrende erscheint a) im Vollbildmodus vor einem festen Hintergrund b) im Vollbildmodus vor einem austauschbaren Hintergrund Handbuch Hochschullehre Digital 179 Videos, die ohne Sprecherbild auskommen, erleichtern die Produktion, zumindest, was den zu sprechenden Text anbetrifft, erheblich: Der Text kann dann nämlich vorab geschrieben und entweder während der Videoproduktion abgelesen oder unabhängig vom Video aufgenommen und als separate Tonspur später hinzugefügt werden. Dadurch lassen sich Versprecher vermeiden, und Lehrenden, die Schwierigkeiten mit der freien Textproduktion in Aufnahmesituationen haben, kann zumindest eine Hürde bei der Erzeugung von Videos genommen werden: Sie müssen nicht mehr vor eine Kamera treten.67 Entscheidet man sich für die Hinzunahme des Sprecherbildes entstehen folgende Möglichkeiten. Der Lehrende erscheint a) im Vollbildmodus vor einem festen Hintergrund b) im Vollbildmodus vor einem austauschbaren Hintergrund c) im Bild-im-Bild Modus vor einem festen Hintergrund d) im Bild-im-Bild Modus vor einem austauschbaren Hintergrund Abbildung VI.15 zeigt die genannten Varianten, wobei die Varianten b) und d) den Einsatz der „Greenscreen-Technik“ erfordern. Bei diesem Verfahren wird das Video vor einem grünen Hintergrund aufgenommen, der später durch eine reale Filmaufnahme (beispielsweise durch einen Landschaftsfilm) oder eine Grafik ersetzt wird.68 Beispiel Sprecher a) Vollbildmodus vor einem festen Hintergrund Quelle: V19 67 Im Lehrvideo [V35] werden die verschiedenen Optionen der Inhaltsgestaltung im Detail vorgestellt. 68 Die Anschaffungskosten für einen ca. 10 qm großen Greenscreen mit höhenverstellbarem Stativset sind mit weniger als 100,- € überschaubar. Handbuch Hochschullehre Digital 180 b) Vollbildmodus vor einem austauschbaren Hintergrund (Greenscreen-Technik erforderlich) Quelle: V20 c) Bild-im-Bild vor einem festen Hintergrund Quelle: V21 d) Bild-im-Bild vor einem austauschbaren Hintergrund (Greenscreen-Technik erforderlich) Quelle: V20 Abb. VI.15: Sprecherbilder im Office-Setting Doch es gibt noch weitere Möglichkeiten der Sprechereinbindung. Den bisher vorgestellten V deotype liegt di Idee zu Grunde, da s jeweils ein Einzelner die Inhaltsvermittlung vornimmt – genauso wie das im klassischen Unterricht der Fall ist. Durch die Hinzunahme weiterer Personen können Inhalte über Frage-Antwort-Szenarien oder Zwiegespräche vermittelt werden (siehe auch Abschnitt V.2.4). Das Video wird dadurch l bhafter und kann, als zusätzlicher Effekt, ‚entpersonalisiert‘ werden. Dadurch wird möglicherweise die Nutzung des Videos durch Dritte erleichtert. Wird ein Video mit mehreren Sprechern aufgenommen, gibt es verschiedene Möglichkeiten (siehe Abbildung VI.16): 197 Lehrvideos – Produktion und Aufwand c) im Bild-im-Bild Modus vor einem festen Hintergrund d) im Bild-im-Bild Modus vor einem austauschbaren Hintergrund Abbildung VI.15 zeigt die genannten Varianten, wobei die Varianten b) und d) den Einsatz der „Greenscreen-Technik“ erfordern. Bei diesem Verfahren wird das Video vor einem grünen Hintergrund aufgenommen, der später durch eine reale Filmaufnahme (beispielsweise durch einen Landschaftsfilm) oder eine Grafik ersetzt wird.68 Doch es gibt noch weitere Möglichkeiten der Sprechereinbindung. Den bisher vorgestellten Videotypen liegt die Idee zu Grunde, dass jeweils ein Einzelner die Inhaltsvermittlung vornimmt – genauso wie das im klassischen Unterricht der Fall ist. Durch die Hinzunahme weiterer Personen können Inhalte über Frage-Antwort-Szenarien oder Zwiegespräche vermittelt werden (siehe auch Abschnitt V.2.4). Das Video wird dadurch lebhafter und kann, als zusätzlicher Effekt, ‚entpersonalisiert‘ werden. Dadurch wird möglicherweise die Nutzung des Videos durch Dritte erleichtert. Wird ein Video mit mehreren Sprechern aufgenommen, gibt es verschiedene Möglichkeiten (siehe Abbildung VI.16): a. Die Sprecher sind gleichranging und vermitteln den Inhalt über ein wechselseitiges Frage-Antwort-Geschehen. b. Die Sprecher haben unterschiedliche Ränge: Ein Sprecher fragt, der andere antwortet. 68 Die Anschaffungskosten für einen ca. 10 qm großen Greenscreen mit höhenverstellbarem Stativset sind mit weniger als 100,– € überschaubar. 198 Digitale Elemente produzieren Abb. VI.16: E-Lectures mit mehreren Sprechern Aus Sicht des eigenen Faches, der Linguistik, wird die Hinzunahme des Sprecherbildes in E-Lectures empfohlen. Durch seine Gestik und Mimik kann der Sprecher die statischen Phasen einer Präsentation beleben. Darüber hinaus sollte eines nicht vergessen werden: Lehrende, die auch in traditionellen Lehrformaten als Lehrer zu überzeugen vermögen, können dies in Lehrvideos auch. Mit ihrer Vortragstechnik und ihrer Ausstrahlung können sie entscheidend zum Erfolg einer E-Lecture beitragen. Das in Abbildung VI.16.b dargestellte Interview-Lehrvideo im Vollbildmodus, das nach kurzer Zeit bereits viele Tausend Klicks verbuchen konnte und ausschließlich exzellente Beurteilungen erhalten hat, ist ein sehr gutes Beispiel dafür. Eine abschließende Klärung pro oder kontra Sprecherbild ist an dieser Stelle allerdings nicht möglich. Erst durch die detaillierte Untersuchung des Nutzerverhaltens beim Schauen von Lehrvideos, z. B. durch die Erforschung von Augenbewegungen über Eye-Tracking- Verfahren in Verbindung mit der Messung von Behaltensleistungen, kann hier mehr Klarheit geschaffen werden. Handbuch Hochschullehre Digital 181 a. Die Sprecher sind gleichranging und vermitteln den Inhalt über ein wechselseitiges Frage-Antwort-Geschehen. b. Die Sprecher haben unterschiedliche Ränge: Ein Sprecher fragt, der andere antwortet. Beispiel Sprecher a) Vollbildmodus mit zwei gleichrangingen Sprecherinnen Quelle: V17 b) Vollbildmodus mit Greenscreen- Technik und zwei unterschiedlichen Sprechern (Frage-Antwort-Variante) Quelle: V18 Abb. VI.16: E-Lectures mit mehreren Sprechern s icht es ei e e ac es, er i istik, ird die inzunahme s pr r il s i - t res pfohlen. Durch seine Gestik und Mimik kann der Sprecher die statischen Phasen einer Präsentation beleben. Darüber hinaus sollte eines nicht vergessen werden: Lehrende, die auch in traditionellen Lehrformaten als Lehrer zu überzeug n vermögen, kön n dies in Lehrvideos auc . Mit ihrer Vortragstechnik und ihrer Ausstrahlung können sie entscheidend zum Erfolg einer E-Lecture beitragen. Das in Abbildung VI.16.b dargestellte Interview-Lehrvideo im Vollbildmodus, das nach kurzer Zeit bereits viele Tausend Klicks verbuchen konnte und ausschließlich exz llente Beurteilungen erhalten hat, ist ein sehr gutes Beispiel dafür. Ein abschließende Klä ung pro oder kontra Sprecherbild ist an dieser Stelle allerdings nicht möglich. Erst durch die detaillierte Untersuchung des Nutzerverhaltens beim Schauen von Lehrvideos, z.B. durch die Erforschung von Augenbewegungen über Eye- 199 Lehrvideos – Produktion und Aufwand VI.2.3 Micro-Lectures Von einem erheblich geringeren Aufwand als bei E-Lectures kann man bei den bis zu maximal sechs Minuten langen Micro-Lectures ausgehen. Allein schon durch ihre Kürze verringert sich der Produktionsaufwand: Es ist ein erheblich einfacheres Skript notwendig (wenn denn überhaupt eines angefertigt und benötigt wird), und auch der Präsentationsanteil umfasst bisweilen nur wenige Bildschirminhalte. Da desweiteren in den meisten Micro-Lectures aufgrund ihrer hohen Dichte auch nur selten das Bild des Dozenten benötigt wird, reicht in der Regel ein einfacher Screencast aus. So lässt sich mit Micro-Lectures unter anderem ein fachspezifisches Videoglossar realisieren. Das heißt, man kann inhaltlich relevante Definitionen per Video bereitstellen, außerdem können Aufgaben mit zusätzlichen Erläuterungen per Video gestellt werden, oder man kann dynamische, handschriftliche Erklärungen per Video produzieren. Der Vielfalt sind bis auf die Spieldauer von Micro-Lectures keine Grenzen gesetzt. Abbildung VI.17 stellt einige Beispiele dieser kurzen Lehrvideos dar. Bei all den in Abbildung VI.17 gezeigten Micro-Lectures hält sich der Produktionsaufwand in Grenzen. Wie in Abbildung VI.18 gezeigt, sind sowohl Personal- als auch Hard- und Softwareeinsatz überschaubar. Technik Hardware Laptop/PC, externes Mikrofon Software Screencast-Software (professionell); Audiobearbeitungsprogramm Komponenten Skript kurzes Skript Präsentation kurze Präsentation oder Erklärung per Stifteingabe Abb. VI.18: Technik und Bestandteile einer Micro-Lecture 200 Digitale Elemente produzieren Da mittlerweile auch die benötigte Software problemlos zu bedienen ist, bedarf es auch keiner gesonderten Einarbeitung in die jeweiligen Produktionstools. Jeder Hochschullehrer sollte schon nach kurzer Einarbeitungszeit in der Lage sein, die benötigten Micro-Lectures für sein Fach ohne zusätzlichen Personalaufwand zu erstellen. Handbuch Hochschullehre Digital 182 Tracking-Verfahren in Verbindung mit der Messung von Behaltensleistungen, kann hier mehr Klarheit geschaffen werden. VI.2.3 Micro-Lectures Von einem erheblich geringeren Aufwand als bei E-Lectures kann man bei den bis zu maximal sechs Minuten langen Micro-Lectures ausgehen. Allein schon durch ihre Kürze verringert sich der Produktionsaufwand: Es ist ein erheblich einfacheres Skript notwendig (wenn denn überhaupt eines angefertigt und benötigt wird), und auch der Präsentationsanteil umfasst bisweilen nur wenige Bildschirminhalte. Da desweiteren in den meisten Micro-Lectures aufgrund ihrer hohen Dichte auch nur selten das Bild des Dozenten benötigt wird, reicht in der Regel ein einfacher Screencast aus. So lässt sich mit Micro- Lectures unter anderem ein fachspezifisches Videoglossar realisieren. Das heißt, man kann inhaltlich relevante Definitionen per Video bereitstellen, außerdem können Aufgaben mit zusätzlichen Erläuterungen per Video gestellt werden, oder man kann dynamische, handschriftliche Erklärungen per Video produzieren. Der Vielfalt sind bis auf die Spieldauer von Micro-Lectures keine Grenzen gesetzt. Abbildung VI.17 stellt einige Beispiele dieser kurzen Lehrvideos dar. Beispiel Sprecher a. Format Kameraaufnahme Requisiten Stift, Papier und ausgewählte Gegenstände Einsatzart Musterlösung Länge Kennung 1:09 minimal_distance Software keine Handbuch Hochschullehre Digital 183 b. Format Kameraaufnahme Requisiten Stift, Papier Einsatzart kurze Aufgabenstellung Länge Kennung 1:35 pde_phonology Software Keine c. Format Screencast Technik digitale Grafik, Tablet-PC mit Stifteingabe Einsatzart kurze Erklärung eines Diagramms Länge Kennung 0:43 hearing Software Einfaches Malprogramm Einfache Screencast-Software d. Format Screencast Technik Tablet-PC mit Stifteingabe Einsatzart Dynamische Diagrammentwicklung Länge Kennung 0:45 regeneration Software Einfaches Malprogramm Screencast-Software Abb. VI.17: Micro-Lectures – eine Auswahl, Quelle jeweils: V0 Bei all den in Abbildung VI.17 gezeigten Micro-Lectures hält sich der Produktionsaufwand in Grenzen. Wie in Abbildung VI.18 gezeigt, sind sowohl Personal- als auch Hard- und Softwareeinsatz überschaubar. Technik Hardware Laptop/PC, externes Mikrofon Software Screencast-Software (professionell); Audiobearbeitungsprogramm Komponent n Skript kurzes Skript Präsentation kurze Präsentation oder Erklärung per Stifteingabe Abb. VI.18: Technik und Bestandteile einer Micro-Lecture Da mittlerweile auch die benötigte Software problemlos zu bedienen ist, bedarf es auch keiner gesonderten Einarbeitung in die jeweiligen bb. VI.17: Micro-Lectures – eine Auswahl, Quelle j w ils: V0 201 Lehrvideos – Produktion und Aufwand Der Mehrwert von Micro-Lectures ist nicht zu unterschätzen. So können z. B. Musterlösungen oder Aufgabenstellungen per Kameraaufnahme (Abbildung VI.17.a. und b.) wesentlich plastischer übermittelt werden, als dies über klassische, rein textuelle Formate möglich wäre. Videobasierte Erklärungen von Diagrammen (VI.17.c.) sind aussagekräftiger als statische Grafiken mit festen Beschriftungen, und mit Video Scribes, wie in Beispiel VI.17.d. gezeigt, sind besonders kompakte Erklärungen möglich, insbesondere dann, wenn man die Schreibgeschwindigkeit im Nachhinein erhöht und mit der Sprechgeschwindigkeit nachträglich synchronisiert. Durch diese Technik lassen sich besonders kompakte Micro-Lectures erzeugen. Video Scribes In einem Video Scribe (bisweilen in Anlehnung an die Videos in der Khan-Academy auch Khan-Style-Video“ genannt [INT13]), wird ein handschriftlicher Screencast aufgenommen und während des Schreibvorganges oder nachträglich ein zusätzlicher Kommentar gesprochen. Eine Micro-Lecture als Video Scribe mit nachträglich gesprochenem Text wird wie folgt erzeugt: Schritt 1: Erzeugen des „Scribes“ Zunächst wird auf einem Tablet-PC mit Stifteingabe oder an einem interaktiven Whiteboard der gewünschte Text, die Berechnung, das Diagramm etc. im Normaltempo erzeugt und während der Eingabe ohne Ton als Screencast abgegriffen. Mit Programmen wie Camtasia Studio lässt sich dabei zusätzlich eine vorab fotografierte und später freigestellte Hand als Cursor einbinden. 202 Digitale Elemente produzieren Schritt 2: Sprechen des Textes Danach wird der vorab geplante Text gesprochen und per Audiobearbeitungsprogramm aufgenommen. Da bei Video Scribes ein Sprecherbild nicht notwendig, bisweilen sogar eher hinderlich ist, kann der Text, ohne vor eine Kamera treten zu müssen, vollständig abgelesen, nicht allerdings ‚herunter geleiert‘ werden. Schritt 3: Synchronisierung von Screencast und Audio Anschließend wird die Audiodatei mit dem gesprochenen Text in den Screencast importiert. Durch Aufspalten des Screencasts in Einzelstücke und Veränderung der Abspielgeschwindigkeit der einzelnen Blöcke können dann Audio- und Videospur synchronisiert werden. Und da in der Regel die Audiodatei viel kürzer als der Screencast ist (die Sprechgeschwindigkeit ist fast immer höher als die Schreibgeschwindigkeit), bekommt das fertige Produkt eine sehr hohe Dynamik. Dabei sollte allerdings stets die inhaltliche Komplexität im Auge behalten werden: Eine zu hohe Abspielgeschwindigkeit kann mitunter den gewünschten Lerneffekt sogar negativ beeinflussen. Der Produktionsaufwand für eine Micro-Lecture als Video Scribe ist nur unwesentlich höher als für eine „live“ erzeugte Variante. Das Ergebnis allerdings rechtfertigt in jedem Fall den Aufwand. Bei allen Micro-Lecture-Varianten entsteht, wie bereits erwähnt, je nach Produktionsart ein nicht unerheblicher Mehrwert, der sich am deutlichsten auf die Präsenzphase auswirkt. Für ein nicht einmal einminütiges als Video Scribe produziertes Erklärvideo, wie in Abbildung VI.17.d. gezeigt, würden im klassischen Unterricht bis zu zehn Minuten anzusetzen sein: ca. fünf Minuten für den aus Grafik und Text bestehenden Tafelanschrieb und ca. fünf Minuten für Erläuterungen und Rückfragen, mithin also ein Entlastungsfaktor von ca. zehn. Verknüpft mit den jeweiligen Lerneinheiten oder auch als separate Linklisten für die Kursteilnehmer entsteht durch die Hinzunahme 203 Lehrvideos – Produktion und Aufwand von Micro-Lectures durch deren Kompaktheit nicht nur ein großer inhaltlicher Mehrwert sondern auch ein beträchtlicher Freiraum in der Präsenzphase. VI.2.4 Zusammenfassung – Produktion von Lehrvideos Durch die Kombination von E-Lectures und verschiedenen Micro- Lecture-Varianten lässt sich mit einem überschaubaren Kostenaufwand in kurzer Zeit ein Pool von Lehrvideos erstellen, der nicht nur große inhaltliche Mehrwerte garantiert, sondern mittel- und langfristig zu einer großen Entlastung der Präsenzphase führen kann, da die so gewonnene Zeit nun für weiterführende inhaltliche Aktivitäten zur Verfügung steht. Nutzen Sie das Know-How Ihrer Studenten! Beziehen Sie Ihre Studenten bei der Videoproduktion mit ein. Diese können nicht nur vorhandene Videos empfehlen, sondern auch kleine Videos produzieren und Texte schreiben. Und mit klaren Vorgaben zu Videolänge, Corporate Design und allgemeinen Gestaltungsprinzipien kann es gelingen, studentische Videos, die nach klaren Prinzipien strukturiert sind, Teil des eigenen öffentlichen Lehrvideo-Sortiments zu machen. Hier ist ein Beispiel: https://youtu.be/ir9JEYrql3I Und noch ein Tipp: Machen Sie die studentische Videoproduktion zu einer Prüfungs- oder Studienleistung in einer regulären Lehrveranstaltung! Handbuch Hochschullehre Digital 186 Durch die Kombination von E-Lectures und verschiedenen Micro- Lecture-Varianten lässt sich mit einem überschaubaren Kostenaufwand in kurzer Zeit ein Pool von Lehrvideos erstellen, der nicht nur große inhaltliche Mehrwerte garantiert, sondern mittel- und langfristig zu einer großen Entlastung der Präsenzphase führen kann, da die so gewonnene Zeit nun für weiterführende inhaltliche Aktivitäten zur Verfügung steht. Um den im Zeitalter der Digitalisierung aufgewachsenen Studenten einen möglichst flexiblen Zugang zu den digitalen Lehrmaterialien zu gewährleisten, ist allerdings noch eine entscheidende Frage zu lösen, der wir uns im folgenden Abschnitt nun ausführlich widmen wollen: „Wohin mit den Videos?“ VI.3 Wohin mit den Videos? Am Ende des Produktionsprozesses steht in der Regel eine Videodatei im MP4-Format, ein Container-Format, in dem multimediale Inhalte in Form von mehreren Audio- und Videospuren Nutzen Sie das Know-Ho I rer Stude ten! Beziehen Sie Ihre Studenten bei der Videoproduktion mit ein. Diese können nicht nur vorhandene Videos empfehlen, sondern auch kleine Videos produzieren und Texte schreiben. Und mit klaren Vorgaben zu Videolänge, Corporate Design und allgemeinen Gestaltungsprinzipien kann es gelingen, studentische Videos, die nach klaren Prinzipien strukturiert sind, Teil des eigenen öffentlichen Lehrvideo-Sortiments zu machen. Hier ist ein Beispiel: https://youtu.be/ir9JEYrql3I Und noch ein Tipp: Machen Sie die studentische Videoproduktion zu einer Prüfungs- r Studienleistung in in r regulären Lehrveranstaltung! 204 Digitale Elemente produzieren Um den im Zeitalter der Digitalisierung aufgewachsenen Studenten einen möglichst flexiblen Zugang zu den digitalen Lehrmaterialien zu gewährleisten, ist allerdings noch eine entscheidende Frage zu lösen, der wir uns im folgenden Abschnitt nun ausführlich widmen wollen: „Wohin mit den Videos?“ VI.3 Wohin mit den Videos? Am Ende des Produktionsprozesses steht in der Regel eine Videodatei im MP4-Format, ein Container-Format, in dem multimediale Inhalte in Form von mehreren Audio- und Videospuren sowie Untertitel, 2D- und 3D-Grafiken abgespeichert werden. Derartige Dateien bzw. Inhalte lassen sich mit Hilfe geeigneter Software lokal abspielen oder über ein Netzwerk gleichzeitig übertragen und wiedergeben, im Fachjargon „streamen“ (dt. „strömen“) genannt. Es gibt mehrere Möglichkeiten, eine Videodatei bereitzustellen. So verfügen mittlerweile viele Hochschulen über spezielle hochschuleigene Videoportale, in denen Lehrende ihre Videos ablegen können. Auch wenn die in den hochschuleigenen Portalen enthaltenen Lehrvideos – zumindest wenn sie ohne Zugangsbeschränkungen abgerufen werden können – die Transparenz der Hochschullehre erhöhen und damit auch eine erweiterte Qualitätssicherung gemäß den in Abschnitt III.3.1 diskutierten Prinzipien zulassen, hat diese Art der Videobereitstellung doch einige Nachteile: Außer der Ablagemöglichkeit für Lehrvideos gibt es im Vergleich zu öffentlichen Videoportalen wie z. B. YouTube nur wenige Zusatzoptionen. Bereits 2012 hat Jörn Loviscach, einer der bekanntesten deutschen ‚YouTube-Professoren‘, zahlreiche Alleinstellungsmerkmale von You- Tube aufgelistet und sich klar für YouTube als Plattform für Lehrvideos ausgesprochen, vorausgesetzt, man strebt eine maximale Trans- 205 Wohin mit den Videos? parenz an und die „Videos sind für die ganze Welt gedacht“ (Loviscach, 2012:31). Die wichtigsten Vorteile von YouTube sind: • die öffentlichen Bewertungsmöglichkeiten, • die Kommentarfunktionen, • die Untertitelfunktion, • die Nachbearbeitungsoptionen (Anmerkungen, Untertitel, etc.), • die umfangreichen Videostatistiken, • Möglichkeiten des „Seeding“ (dt. Aussäen, Verbreiten) und „Branding“ (dt. Markenbildung), sowie Optionen zur Einbindung von Infokarten und Abspannelementen • die einfache und flexible Art der Videobereitstellung. Zusätzlich gibt es noch die Möglichkeit mit Videos auf YouTube als „YouTube-Partner“ ‚Geld zu verdienen‘. Dabei wird ein Video mit Werbung verknüpft, und ein Anteil des Umsatzes aus den mit dem Video verknüpften Anzeigen, der generiert wird, wenn Nutzer sich das Video ansehen, an den Kanalinhaber ausgeschüttet. Doch auch ohne Monetarisierung liegen die Vorzüge von YouTube im Gegensatz zu den vielfach durch Passwörter geschützten hochschuleigenen Videoportalen auf der Hand, wobei die Tatsache, dass YouTube als Teil von Google auch Teil der größten Suchmaschine ist und somit für eine optimale Bekanntheit von Videos sorgen kann, mit ins Gewicht fällt. Um diese Verbreitung zu optimieren, im Fachjargon „Video-Seeding“ (dt. „das Video aussäen“) genannt, stehen auf You- Tube zahlreiche benutzerfreundliche Optionen bereit. Bereits beim Hochladen eines Videos kann man dem Video sogenannte „Tags“ (dt. hier „Schlüsselwörter“) beifügen, mit denen die eigenen Videos besser gefunden werden können. Zusätzlich besteht die Option, dem Video ein eigenes Vorschaubild hinzuzufügen und mit einem Kommentar nicht nur den Inhalt des Videos zu erläutern, sondern auch Internetverweise auf eigene Webseiten in ein Video einzubauen. 206 Digitale Elemente produzieren Monetarisierung von Lehrvideos? Im Rahmen der YouTube-Partnervereinbarung gibt es keine Garantien in Bezug auf die Höhe oder den Erhalt von Zahlungen, sodass nach den Aussagen vieler Bloginhaber der Betrag je nach Videomachart und Werbung zwischen 20 US Cent und drei US Dollar pro 1.000 Videoaufrufen schwanken kann. Ausgehend von einem in zahlreichen Kommentaren genannten Mittelwert von 50 US Cent pro 1.000 Klicks als Berechnungsgrundlage hätte das mit fast 300.000 Klicks erfolgreichste Lehrvideo im Kanal des Autoren nach ca. zwei Jahren gerade einmal 150 US Dollar eingebracht. Und auch der seit 2008 existierende große You- Tube-Lehrvideokanal der Yale University mit mehr als 55 Millionen Videoaufrufen käme bei dieser Berechnung gerade einmal auf ca. 28.000 US Dollar an Werbeeinnahmen. Doch nicht nur die Geringfügigkeit der möglichen Einnahmen (Nur selten überschreiten wissenschaftliche Lehrvideos die Millionen- Klick-Grenze), sondern auch die wissenschaftliche Seriosität, sprechen gegen eine Monetarisierung wissenschaftlicher Lehrvideos. Denn vermutlich verringert eine einem wissenschaftlichen Lehrvideo vorgeschaltete Anzeige die oft ohnehin geringe „Attention Time“ noch zusätzlich. Am interessantesten sind sicherlich die über den „Video-Manager“ verfügbaren Bearbeitungsmöglichkeiten, die nicht nur Video- und Audiooptionen umfassen, sondern auch die bereits erwähnten Möglichkeiten, Anmerkungen und Untertitel einzubauen. Mit den Anmerkungen lassen sich nicht nur Fehler korrigieren (indem man entsprechende Kommentare einbaut), sondern auch Verlinkungen zu anderen Videos herstellen oder eigenständige Webseiten aufrufen, und die Untertitel können für eine große Verbreitung von Videos sorgen. 207 Wohin mit den Videos? Darüber hinaus verfügt YouTube noch über eine Reihe von Parametern, mit denen der Abspielvorgang von Videos beim Einbetten in andere Webseiten beeinflusst werden kann. Von diesen Optionen, von denen einige möglicherweise entscheidend für die Fremdnutzung von Lehrvideos sein können, wird im folgenden Abschnitt die Rede sein. VI.4 Videos auf eigenen Webseiten Die Ausführungen in diesem Abschnitt wenden sich an diejenigen Leser dieses Handbuches, die ihre Webseiten entweder „von Hand“ erstellen, d. h. sie nutzen weder ein Content-Management System à la Moodle, ILIAS, Stud.IP etc., noch setzen sie Webseiten-Generatoren wie z. B. Wordpress ein. Zielgruppe sind somit all diejenigen, die aktiv in den HTML-Code ihrer Webseiten eingreifen können und wollen. Das erfordert zwar gewisse Kenntnisse im Umgang mit HTML, der Auszeichnungssprache zur Strukturierung und Gestaltung von Webseiten, erlaubt auf der anderen Seite aber die flexible Integration eigener gestalterischer Ideen. Voraussetzung für das Verständnis der folgenden Abschnitte sind daher Grundkenntnisse im Umgang mit HTML5, der aktuellen Version von HTML. 208 Digitale Elemente produzieren VI.4.1 Videoaufruf per Hyperlink Der einfachste Weg, eine Webseite aufzurufen, verzweigt per Hyperlink auf eine andere Webseite und wird über den „Anchor“-Tag (dt. Anker-Element) realisiert:69 1: 4: [anklickbares Element] 5: Dabei wird über das Attribut href (Hyper Reference) die Web-Adresse des zu ladenden Dokuments definiert (2), mit dem optionalen Attribut target wird das Zielfenster bestimmt (3), und zwischen den Anchor- Tags steht das anklickbare Element, meistens ein Text (4). Ein typisches Beispiel für einen solch einfachen Hyperlink ist ein Verweis auf eine andere Webseite, z. B. auf das zu einer Lerneinheit gehörende „Practical“. Im HTML-Format lässt sich dieser Aufruf wie folgt realisieren: 1:

Practical: 2: 5: Predicates 6: 7:

Mit einem Klick auf den Hyperlink „Predicates“ (5) wird so die Datei predicates_practical.html (3) in einem neuen Browserfenster (4) aufgerufen. In Abbildung IV.10 stellt sich das wie folgt dar: 69 Die Zahlen vor jeder Zeile sind nicht Teil des HTML-Codes, sondern sie dienen im Rahmen dieser Anleitung zur Referenzierung bei der Erklärung des Codes, der normalerweise in einer Zeile steht. 209 Videos auf eigenen Webseiten Practical: Predicates Nach diesem Prinzip können auch die anderen Dateien mit den begleitenden Lehr- und Lernmaterialien, die in Abbildung VI.10 aufgeführt sind, per Hyperlink aufgerufen werden. Auf dem gleichen Weg lässt sich auf eine Videodatei verweisen, z. B. die mit der Lerneinheit „Predicates“ verknüpfte Video-Datei „Predicate Logic I“: 1:

Video Link I: 2: 5: Predicate Logic I 6: 7:

In der Web-Browser-Ansicht (vgl. Abbildung IV.13, S. 103) stellt sich dieser Aufruf folgendermaßen dar: Video Link 1: Predicate Logic I Da das Video “Predicate Logic I” über die Hyperlink-URL http://youtu. be/…70 in Zeile (3) direkt aus dem YouTube-Kanal abgerufen wird, muss man sich nicht um die jeweiligen Abspieloptionen kümmern. Das Video startet standardmäßig automatisch am Anfang, und die für den Abspielvorgang benötigten Kontrollelemente werden mitgeladen. 70 Alternative: https://www.youtube.com/watch?v= IhodKMPwShc. 210 Digitale Elemente produzieren Die Erlangung der ‚Deutungshoheit‘ in Lehrvideos In einer klassischen Lehrveranstaltung stellten sich Lehrende die Materialien für ihre Lerneinheiten in Eigenverantwortung zusammen und behielten die vollständige Kontrolle über die Inhalte. Oft bezogen sie sich dabei auf Lehrwerke, die sie nicht selbst geschrieben hatten. Sie nahmen in ihrer Lehre Bezüge auf spezielle Kapitel oder referenzierten auch einzelne Seiten. Mit anderen Worten, sie hatten stets die volle Deutungshoheit. Und genau das funktioniert auch bei Lehrvideos, indem wir auf ausgewählte Abschnitte zugreifen und so auch in diesem digitalen Medium die Kontrolle über die Inhalte behalten. Soll das Video ab einer bestimmten Stelle abgespielt werden, lässt sich das sekundengenau durch folgenden Zusatz zur URL bewerkstelligen (fettgedruckt): 1: https://youtu.be/[video]?t=0h0m0s 2: https://youtu.be/IhodKMPwShc?t=11s 3: https://youtu.be/IhodKMPwShc?t=2m13s Durch den mittels Fragezeichen mit der URL verbundenen Parameter t=0h0m0s in Zeile (1) lässt sich die Abspielposition auf die Stunde (h), die Minute (m) und die Sekunde (s) festlegen.71 So wird das Video „Predicate Logic I“ mit der YouTube-Kennung IhodKMPwShc mit dem Zusatz t=11s ab Sekunde 11 abgespielt (2), der Zusatz t=2m13s bewirkt einen Videostart ab Minute 2:13 (3). Ein weiterer nützlicher Parameter ist der Zusatz rel=0, durch den am Ende des Abspielvorganges verhindert wird, dass weitere Videos abgespielt werden [INT15]. Mit diesem Zusatz, dem wie allen weite- 71 Alternative: https://www.youtube.com/watch?v=IhodKMPwShc&t=0h0m0s. 211 Videos auf eigenen Webseiten ren Zusätzen das &-Zeichen vorangestellt wird, sieht unser Hyperlink jetzt z. B. wie folgt aus: https://youtu.be/IhodKMPwShc?t=11s&rel=0 Weitere Möglichkeiten, die insbesondere für den Abruf von Lehrvideos notwendig wären, bietet der direkte Hyperlink nicht. Will man z. B. nicht nur den Videostart, sondern auch das Videoende zeitlich definieren, muss anstelle einer einfachen Verlinkung eine Einbettung des Videos in eine Webseite erfolgen. VI.4.2 Einfache Videoeinbettung Die einfachste Form der Videoeinbettung nutzt den video-Tag, der seit der Version fünf Bestandteil von HTML ist. Allerdings lassen sich mit diesem Tag keine YouTube-Videos einbetten, sondern nur Videos im MP4- oder OGG-Format. Die unterschiedlichen Formate waren bis vor Kurzem noch notwendig, um die Einbettung von Videos in verschiedene Browser zu ermöglichen. Mittlerweile können die aktuellen Versionen aller wichtigen Web-Browser das MP4-Format verarbeiten. In seiner einfachsten Variante hat der video-Tag folgende Struktur: 1: Mit diesem „Code-Schnipsel“ wird das erste erkannte Video zwar aufgerufen und angezeigt, allerdings fehlen zusätzliche Parameter, die den Abspielvorgang oder die Darstellung spezifizieren. 212 Digitale Elemente produzieren Mit dem Aufruf: 1: wird das Video regeneration.mp4 (7) mit der Breite 640 Pixel (2) und der Höhe 360 Pixel (3) so aufgerufen, dass der Abspielvorgang sofort beginnt (4) und zusätzlich die Leiste mit den Kontrollelementen „Play/Pause“, „Volume Control“ und dem Fortschrittsanzeiger beim Rollover über das Video sichtbar wird (5). Abbildung VI.19 zeigt das Ergebnis dieses Aufrufs. Abb. VI.19: MP4-Video mit Kontrollelementen Wird das Attribut controls nicht gesetzt, zeigen die Browser die Kontrollelemente nicht an, und man kann durch die Hinzunahme einfacher JavaScript-Routinen eine eigene Steuerung bauen. 213 Videos auf eigenen Webseiten Dazu werden auf der Webseite, auf der das Video erscheint, in einer einfachen Variante zunächst die Kontrollelemente als anklickbare „Buttons“ mit den entsprechenden Beschriftungen und mit der mit dem onClick-Event-Handler verknüpften JavaScript-Funktion definiert: Im Browser sieht das wie folgt aus: Abbildung VI.20: Einfache Kontrollelemente als Buttons Das Video wird über den video-Tag in die Webseite eingebunden, allerdings ohne die Parameter autoplay und controls. Wichtig ist die Hinzunahme des fettgedruckten Parameters id mit einem selbstdefinierten, aber eindeutigen Wert, z. B. „test“. Dieser dient zur Referenzierung der Buttons mit den entsprechenden Java- Script-Routinen: 1: Dabei wird in Zeile (1) der Bereich für JavaScript innerhalb einer HTML-Datei, z. B. als Inline-Code, eingeleitet. Mit drei einfachen 214 Digitale Elemente produzieren Funktionen (Zeilen 2 bis 4), die über die mit den Buttons assoziierten Event-Handler aufgerufen werden, können die jeweiligen Aktionen „Play“, „Pause“ und „Rewind“ veranlasst werden. Mit etwas Geschick lassen sich auf diese Weise eigene Kontrollelemente und damit ein Videoplayer mit einem eigenen Corporate- Design erstellen. Die Startzeit des Videos, und damit eine zumindest teilweise Kontrolle über den Inhalt, lässt sich über die Variable currentTime innerhalb des script-Tags in Sekunden definieren: 1: Nun startet das Video nach Betätigen des Play-Buttons in Sekunde 6. VI.4.3 „Inline“-Frames Eine weit verbreitete Möglichkeit des Videoaufrufs wird mit Hilfe des „inline-Frame“ realisiert, einer Technik, mit der ein Bereich innerhalb einer Webseite geschaffen wird, in den eine andere Webseite geladen werden kann. Der dazu benötigte iframe-Tag hat folgenden Aufbau: 1: Mit dem obligatorischen Parameter src (engl. source, dt. Quelle) wird die im inline-Frame anzuzeigende Webseite aufgerufen (2). Die üb- 215 Videos auf eigenen Webseiten rigen Parameter sind optional und definieren die gewünschte Breite (3) und Höhe (4) der Webseite, zusätzlich einen optionalen Rahmen (5), sowie die Möglichkeit, die Webseite auch im Vollbildmodus darzustellen (6). Anstelle einer Webseite kann auch eine Videodatei im src-Attribut angegeben werden. Die in Abbildung VI.10 gezeigte Videodatei lässt sich auf diese Weise mit folgendem iframe-Tag und den entsprechenden Parametern in eine Webseite einbinden: 1: Will man anstelle einer MP4-Datei ein YouTube-Video in eine Webseite einbetten, erhält man den benötigten iframe-Code mit einigen wenigen Mausklicks auf die mit dem Video in YouTube verknüpften Optionen „Teilen“ und „Einbetten“.72 Abbildung VI.21 stellt diese Möglichkeit des Code-Abrufs für das in die Webseite eingebettete Video „GEN102 – Communication“ dar. Abb. VI.21: Abruf des iframe-Tags zum Einbetten von YouTube-Videos. 72 Voraussetzung ist, dass der Autor bzw. Kanalinhaber das Teilen und Einbetten zulässt. 216 Digitale Elemente produzieren Durch einfaches ‚Copy-und-Paste‘ lässt sich der benötige iframe- Quellcode für das Video „GEN102 – Communication“ so herunterladen (in der Folge etwas übersichtlicher dargestellt): 1: Dabei wird das YouTube-Video in Zeile (2) nun nicht mehr einfach „verlinkt“, sondern über den Zusatz /embed/ „eingebettet“. Dadurch entstehen weitere Möglichkeiten, so z. B. das sekundengenaue Abspielen eines Videos von einer bestimmten Stelle, die präzise Definition des Zeitpunktes, an dem ein Video stoppen soll, oder das Ausblenden verschiedener Elemente. Auf der Webseite „Animal Communication“, die in unserem „Sechs- Schritte-Programm“ im Folgekapitel das Ziel unserer Digitalisierungsbemühungen ist, benötigen wir vom Video „GEN102 – Communication“ nur den Ausschnitt von 1:02 bis 3:15. Dieser lässt sich durch die Hinzunahme zweier Attribut-Wert-Paare, die im src-Parameter in Zeile (2) an die URL angehängt werden, genau spezifizieren. src=“https://www.youtube.com/embed/YrH5gnxe-wc?start=62&end=215“> Dabei ist es wichtig, dass das erste Attribut-Wert-Paar mit einem Fragezeichen eingeleitet wird und allen weiteren Paaren das &-Zeichen vorangestellt wird. Die mit den Attributen start und end verknüpften Zahlenwerte werden als Sekunden definiert. Mit dem Aufruf ?start=62&end=215 wird das Video „GEN102 – Communication“ somit ab Minute 1:02 217 Videos auf eigenen Webseiten (62 Sekunden) gestartet und bei Minute 3:15 (215 Sekunden) automatisch gestoppt. Mit weiteren Parametern, die ebenfalls immer durch das &-Zeichen eingeleitet werden, lassen sich zusätzliche Effekte erzielen [INT17]. So lässt sich mit dem Attribut „color“ die Farbe des Fortschrittbalkens verändern (Werte white/red), und mit fs=0 lässt sich das Symbol zur Umschaltung in den Vollbildmodus ausblenden. In der Regel allerdings reicht der von YouTube über die „Teilen“ > „Einbetten“ Option angebotene Quellcode aus. VI.5 Zusammenfassung Die Ausführungen in diesem Kapitel sollten dazu beigetragen haben, die für viele Kollegen zu hohen Hürden, die einen Einstieg in die Digitalisierung der Lehre erschweren, zumindest etwas abzubauen. Es wurde gezeigt, dass weder die Anschaffungskosten für die Hard- und Software, die für die Produktion von Lehrvideos benötigt wird, noch deren Produktion selbst unüberwindbare Hindernisse sind. Und auch der Aufnahmeort sollte kein Problem mehr darstellen: Lehrvideos im Classroom-Setting werden ohnehin nur in Ausnahmefällen benötigt, und auch die Studioproduktion von Lehrvideos ist nur in ausgewählten und sehr speziellen Fällen angesagt (siehe Abschnitt III.3.2). Für die Produktion der propagierten Micro-Lectures dagegen reicht der eigene Schreibtisch aus, und auch für E-Lecture-Produktionen muss nicht gleich das eigene Büro umgebaut werden, wie auf S. 219 im kurzen Erfahrungsbericht erläutert wurde: Ein selten genutzter, kleiner Raum reicht hier aus. 218 Digitale Elemente produzieren Tipp zum Office-Setting Richten Sie einen kleinen, gut ausgeleuchteten Unterrichtsraum in Ihrem Fachgebiet so ein, dass dort ohne große Vorbereitung E- Lectures produziert werden können. Sie benötigen eine Kamera mit Stativ, einen Greenscreen, eine Ablage für Ihr Skript (z. B. einen Notenständer) und einen fest installierten Computer. So hat jeder interessierte Kollege nach vorheriger Terminabsprache die Möglichkeit, ohne große Vorbereitung eine E-Lecture aufzunehmen. Die Nachbearbeitung kann dann an einem anderen Ort erfolgen. Sollte kein Unterrichtsraum zur Verfügung stehen, bieten sich Büroräume an, die nur selten, z. B. nur halbtags, genutzt werden und den festen Aufbau der genannten Geräte zulassen. Der oft gehörte Satz „Lehrvideos kommen für mich nicht in Frage“ sollte somit der Vergangenheit angehören, wobei eines allerdings auch klar sein sollte: Nicht jeder Hochschuldozent muss zukünftig Lehrvideos produzieren, schließlich hat auch nicht jeder von uns wissenschaftliche Lehrbücher verfasst. Aber es besteht ja die Möglichkeit der Nutzung frei verfügbarer digitaler Lehrmaterialien von dritter Seite – und dass diese mit sehr einfachen Verfahren in eigene Webseiten eingebunden werden können, sollte ebenfalls in diesem Kapitel klar geworden sein. Somit sollten der Nutzung von Videos in der Lehre – ob eigene oder Lehrvideos von dritter Seite – sowie weiterführender digitaler Lehr- und Lernelemente keine allzu großen Hindernisse mehr im Wege stehen. 219 Zusammenfassung

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References

Abstract

For years, the digitalisation of higher education scenarios has been an important topic at universities, but has not yet been properly implemented. Driven by the challenges of the Corona crisis, ideas for implementation are suddenly urgently needed.

With this guide, Prof. Dr. Jürgen Handke shows ways in which the digitalisation of higher education can be managed. Starting from general problems of traditional higher education, he shows with several examples how to overcome the problems of traditional teaching with innovative digitisation concepts and to use them in such a way that significant added value is created through the interaction of well-accepted analogue concepts with digital content delivery formats.

Zusammenfassung

Schon seit Jahren ist die Digitalisierung der Lehre ein wichtiges Thema an den Hochschulen, hatte sich in der Anwendung aber noch nicht richtig durchgesetzt. Getrieben durch die Herausforderungen der Corona-Krise sind Ideen zur Umsetzung plötzlich dringend notwendig.

Mit dieser Anleitung zeigt Prof. Dr. Jürgen Handke Wege auf, wie der Einstieg in die Digitalisierung gelingen kann. Ausgehend von Problemen der Hochschullehre diskutiert er die Möglichkeiten anhand von konkreten Beispielen. Es gilt, mit klugen Digitalisierungskonzepten die Probleme der klassischen Lehre zu überwinden, sodass schließlich im Zusammenspiel von bewährten analogen Konzepten und digitalen Inhaltsvermittlungsformaten signifikante Mehrwerte entstehen.