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Deutsche Sprache und Literatur im Zeitalter der Aufklärung in:

Joachim-Friedrich Kapp

Die Gründung der Moderne, page 185 - 192

Die Welt im 18. Jahrhundert

1. Edition 2020, ISBN print: 978-3-8288-4484-1, ISBN online: 978-3-8288-7517-3, https://doi.org/10.5771/9783828875173-185

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Geschichtswissenschaft, vol. 46

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
Deutsche Sprache und Literatur im Zeitalter der Aufklärung Ein fiktives Gespräch zwischen Leibniz (1646–1716), Friedrich II. (1712– 1786), Goethe (1749–1832), Herder (1744–1803), Schiller (1759–1805). Zitate aus ihren Werken Nach Walter von der Vogelweide, Meister Eckart und Martin Luther, alle waren große Meister der deutschen Sprache, musste selbst diese nach den Verheerungen des dreißigjährigen Krieges als Kultursprache erst wiederbelebt werden. Thomasius war der erste, der 1687 in der Leipziger Universitätskirche, wo sonst nur das Lateinische als Sprache der Wissenschaft zugelassen war, eine Vorlesung in der Muttersprache hielt. Während im Frankreich des 18. Jahrhunderts die Revolution durch die Aufklärer Rousseau, Montesquieu, Voltaire, d’Holbach, Diderot und d’Alembert vorbereitet wurde, holte Deutschland, das sich für deren Art der kritischen anti-klerikalen und gesellschaftspolitischen Aufklärung nicht erwärmen konnte, ja diese sogar strikt ablehnte, die Entwicklung einer klassischen Zeit der Literatur in der eigenen Sprache nach. Frankreichs Philosophen der Aufklärung bereiteten den Aufstand vor und wandten sich wortmächtig gegen die Unterdrückung durch die feudale Obrigkeit und die katholische Kirche. „Das Hauptargument insbesondere gegen die katholische Kirche lautete, dass sie die Gläubigen mit Hilfe betrügerischer Drohungen geknechtet habe, um ihre eigene Herrschaft auf Angst und Aberglauben der Menge zu errichten. Diese Polemik gegen die geistige Tyrannei, die politische Macht und die materiellen Privilegien der Kirche stand im Zentrum der französischen Religionskritik, deren prominentester Vertreter Voltaire war.“ (Stollberg2, S. 100) In Deutschland dagegen gab es mehrere Länder, allen voran Preu- ßen, in denen der Herrscher selbst Teil der Bewegung der Aufklärung 185 war. Es gab dort in dem Jahrhundert nach dem Dreißigjährigen Krieg geringe Bereitschaft, sich gegen die Macht der Kirche oder einiger Despoten aufzulehnen, hier wollte man erkennen, „was die Welt im Innersten zusammenhält.“ Die deutsche Aufklärung forderte Mut zur Erkenntnis, Toleranz und Eigenverantwortung. Kant stellte das Individuum und seine Pflichten mit einem Imperativ in den Mittelpunkt. Eine Revolution wurde in Deutschland nicht vorbereitet, man war auf Innerlichkeit und hohe Werte bedacht: Rechtschaffenheit, persönliche Stärke, Ritterlichkeit und Freiheitsliebe. Schon Luther, jetzt auch Kant, schlossen einen Widerstand gegen die Staatsgewalt, wenn auch als Ergebnis der Freiheit des Denkens, aus. Im protestantischen England wurde die industrielle Revolution vorbereitet, über den globalen Handel wollte man die Welt beherrschen. Die Menschen- und Bürgerrechte waren in England längst erkämpft worden, der Absolutismus schon im 17. Jahrhundert beseitigt. Die Aufklärung im Sinne von Befreiung und Aufruf zur Selbständigkeit hatte in England schon früh stattgefunden. John Locke und später Adam Smith hatten die wissenschaftliche Systematik auf den Gebieten der Staatskunde und der Ökonomie beigetragen. Individuelle Leistung und Streben nach Erwerb und Gewinn wurden als eine Tugend angesehen. So hatte die Bewegung der Aufklärung in den drei Ländern einen jeweils ganz eigenen intellektuellen Schwerpunkt. „In England der freie Markt, in Frankreich die Menschen- und Bürgerrechte, in Deutschland die Literatur, das sind die neuen Kraftlinien, entlang deren sich die entstehende bürgerliche Gesellschaft organisiert.“ (Witte, S. 64) Hier nun das Gespräch. Friedrich: „Sie wundern sich, meine Herren, dass ich nicht in Ihren Beifall über die Fortschritte einstimme, die nach Ihrer Meinung die deutsche Literatur täglich macht. Ich liebe unser gemeinsames Vaterland ebenso sehr wie Sie, und darum hüte ich mich wohl, es zu loben, bevor es Lob verdient. Das hieße ja einen Wettläufer mitten im Laufe als Sieger ausrufen. Ich warte, bis er sein Ziel erreicht hat. Dann wird mein Beifall ebenso aufrichtig wie wahr sein. Zurzeit finde ich eine Deutsche Sprache und Literatur im Zeitalter der Aufklärung 186 halbbarbarische Sprache, die in ebenso viele Mundarten zerfällt, als Deutschland Provinzen hat. Jeder Kreis bildet sich ein, seine Redeweise sei die beste. Es gibt noch keine von der Nation anerkannte Sammlung einer Auswahl von Wörtern und Ausdrücken, die die Reinheit der Sprache feststellt. Was man in Schwaben schreibt, wird in Hamburg nicht verstanden, und der österreichische Stil erscheint den Sachsen dunkel. Aus diesem äußeren Grunde ist ein Schriftsteller auch bei der schönsten Begabung außerstande, diese rohe Sprache in vorzüglicher Weise zu handhaben.“ Leibniz: „Reichtum ist das Erste und Nötigste bei einer Sprache und besteht darin, dass kein Mangel, vielmehr ein Überfluss erscheine an bequemen und nachdrücklichen Worten, so zu allen Vorfälligkeiten dienlich, damit man alles kräftig und eigentlich vorstellen und gleichsam mit lebenden Farben abmalen könne.“ (Bloch, S. 59) Friedrich: „Ich werfe der deutschen Sprache vor, dass sie weitschweifig, spröde und unmelodisch ist und dass es ihr an der Fülle bildlicher Ausdrücke gebricht, die so notwendig sind, um gebildeten Sprachen neue Wendungen und Anmut zu geben. In Deutschland wurden die Fortschritte in Kunst und Wissenschaft gehemmt durch die Kriege, die von Karl V. bis zum Spanischen Erbfolgekrieg aufeinanderfolgten. Das Volk war elend, die Fürsten arm. Man musste erst daran denken, das Land wiederanzubauen, um sich den unentbehrlichsten Lebensunterhalt zu sichern. Diese Aufgabe nahm die Nation fast ganz in Anspruch und hinderte sie, sich aus der Barbarei, die ihr noch anhaftete, vollständig zu erheben. Dazu kommt, dass die Künste in Deutschland keinen Mittelpunkt hatten, wie es Rom und Florenz in Italien, Paris in Frankreich und London in England waren. Nur zwei Männer ragten durch ihr Genie hervor und machten der Nation Ehre: Sie, der große Leibniz, und der gelehrte Thomasius. Die meisten deutschen Gelehrten waren Handwerker, die französischen Künstler. Das war der Grund, warum die französischen Werke so allgemein Verbreitung fanden, warum ihre Sprache die lateinische verdrängte und warum jetzt jeder, der französisch versteht, durch ganz Europa ohne Dolmetscher reisen kann. Der allgemeine Gebrauch der fremden Sprache tat der Muttersprache noch mehr Abbruch. Sie blieb nur im Munde des gemeinen Deutsche Sprache und Literatur im Zeitalter der Aufklärung 187 Volkes und konnte den feinen Ton nicht erlangen, den jede Sprache nur in guter Gesellschaft gewinnt.“ Herder: „An Liebe und Achtung gegen seine besten Schriftsteller (wenige ausgenommen) steht Deutschland seinen kultivierten Nachbarn, Franzosen, Engländern, Italienern, nicht vor, sondern nach; der größere Teil des Publikums kennt sie nicht und trägt wenigstens sie nicht eben in Herz und Seele. An den Schriftstellern liegt es schwerlich; sie taten was sie konnten; manche vielleicht zu viel. Am Charakter und an der Verfassung der Nation liegt es; an der Unkultur und der Unkultivierbarkeit (wenn mir zur Bezeichnis eines Barbarismus ein barbarisches Wort erlaubt ist), am falschen Geschmack und der genetischen Rohheit mancher Stände und Lebensarten. Bei weitem ist unsere Sprache noch nicht so gebildet, jedem Vortrage, jeder Art des Wissenswürdigen so zugebildet, als die Sprachen unserer Nachbarn.“ Goethe: „Die literarische Epoche, in der ich geboren bin, entwickelte sich aus der vorhergehenden durch Widerspruch. Deutschland, so lange von den auswärtigen Völkern überschwemmt, von anderen Nationen durchdrungen, in gelehrten und diplomatischen Verhandlungen an fremde Sprachen gewiesen, konnte seine eigene unmöglich ausbilden. Es drangen sich ihr zu so manchen neuen Begriffen auch unzählige fremde Worte nötiger- und unnötigerweise mit auf, und auch für schon bekannte Gegenstände war man veranlasst, sich ausländischer Ausdrücke und Wendungen zu bedienen. Der Deutsche, seit beinahe zwei Jahrhunderten in einem unglücklichen, tumultuarischen Zustand verwildert, begab sich bei den Franzosen in die Schule, um lebensartig zu werden, und bei den Römern, um sich würdig auszudrücken. Dies sollte aber auch in der Muttersprache geschehen, denn die Anwendung der fremden Idiome und Halbverdeutschungen machte den Sprachstil lächerlich.“ Friedrich: „Der Geschmack am französischen Theater kam mit der französischen Mode nach Deutschland. Europa war entzückt von dem Stempel der Größe, den Ludwig XIV. all seinem Tun aufprägte, von den feinen Sitten, die an seinem Hofe herrschten, von den großen Männern, die ihn zierten, und suchte das bewunderte Frankreich Deutsche Sprache und Literatur im Zeitalter der Aufklärung 188 nachzuahmen. Ganz Deutschland reiste nach Paris. Ein junger Mann von Stand, der sich nicht eine Zeitlang am Hofe von Versailles aufgehalten hatte, galt als Einfaltspinsel. Französischer Geschmack beherrschte die Küche, unsere Einrichtung, unsere Kleidung und alle die Kleinigkeiten, auf die sich der Einfluss der Mode erstreckt.“ Herder: „Wie ganzen Nationen eine Sprache eigen ist, so sind ihnen auch gewisse Lieblingsgänge der Phantasie, Wendungen und Objekte der Gedanken, kurz ein Genius eigen, der sich, unbeschadet jeder einzelnen Verschiedenheit, in den beliebtesten Werken ihres Geistes und Herzens ausdrückt. Sie in diesem angenehmen Irrgarten zu belauschen, den Geist zu fesseln und redend zu machen, den man gewöhnlich Nationalcharakter nennt und der sich gewiss nicht weniger in Schriften als in Gebräuchen und Handlungen der Nation äußert; dies ist eine hohe und feine Philosophie. In den Werken der Dichtkunst, d. i. der Einbildungskraft und der Empfindungen wird sie am sicherten geübt, weil in diesen die ganze Seele der Nation sich am freiesten zeigt. Wodurch soll sich unser Geschmack, unsre Schreibart bilden? Wodurch unsre Sprache bestimmen und regeln, als durch die besten Schriftsteller unsrer Nation? Ja, wodurch sollen wir Patriotismus und Liebe zu unserm Vaterlande erlangen, als durch die Sprache, durch die vortrefflichsten Gedanken und Empfindungen, die in ihr ausgedrückt, die wie ein Schatz in sie gelegt sind?“ Schiller: „Zwar ist es auch bei Voltaire einzig nur die Wahrheit und Simplizität der Natur, wodurch er uns zuweilen poetisch rührt, es sei nun, dass er sie in einem naiven Charakter wirklich erreiche, wie mehrmals in seinem „Ingen“, oder dass er sie, wie in seinem „Candide“ u. a., suche und räche. Wo keines von beidem der Fall ist, da kann er uns zwar als witziger Kopf belustigen, aber gewiss nicht als Dichter bewegen. Seinem Spott liegt überall zu wenig Ernst zum Grunde, und dieses macht seinen Dichterberuf mit Recht verdächtig. Wir begegnen immer nur seinem Verstande, nicht seinem Gefühl. Es zeigt sich kein Ideal unter jener luftigen Hülle und kaum etwas absolut Festes in jener ewigen Bewegung. Seine wunderbare Mannigfaltigkeit in äußeren Formen, weit entfernt, für die innere Fülle seines Geistes etwas zu beweisen, legt vielmehr ein bedenkliches Zeugnis dagegen ab, denn unge- Deutsche Sprache und Literatur im Zeitalter der Aufklärung 189 achtet aller jener Formen hat er auch nicht eine gefunden, worin er ein Herz hätte abdrücken können. Beinahe muss man also fürchten, es war in diesem reichen Geist nur die Armut des Herzens, die seinen Beruf zur Satire bestimmte. Wäre es anders, so hätte er doch irgend auf seinem Weg aus diesem engen Geleise treten müssen. Ich vermisse das Gefühl, das Ideal, das eine Sprache prägen und das diese poetisch ausdrücken muss.“ Friedrich: „Man muss damit anfangen, die Sprache zu vervollkommnen. Sie muss gehobelt und gefeilt, muss von geschickten Händen geformt werden. Klarheit ist die erste Regel für alle, die reden und schreiben wollen, da sie ihre Gedanken veranschaulichen, ihre Ideen durch Worte ausdrücken müssen. Viele unserer Schriftsteller gefallen sich in weitschweifigem Stil, sie sind weitläufig, wo sie reich sein sollten.“ Goethe: „Der erste wahre und höhere eigentliche Lebensgehalt kam durch Eure Majestät und die Taten des Siebenjährigen Krieges in die deutsche Poesie. Jede Nationaldichtung muss schal sein oder schal werden, die nicht auf dem Menschlich-Ersten beruht, auf den Ereignissen der Völker und ihrer Hirten, wenn beide für einen Mann stehen. Die Abneigung Eurer Majestät gegen das Deutsche war für die Bildung des Literaturwesens ein Glück. Man tat alles, um sich von dem König bemerkbar zu machen, nicht etwa, um von ihm geachtet, sondern nur beachtet zu werden. Ein Werk, der wahrsten Ausgeburt des Siebenjährigen Krieges, von vollkommenem norddeutschen Nationalgehalt, muss ich hier vor allem ehrenvoll erwähnen: es ist die erste aus dem bedeutenden Leben gegriffene Theaterproduktion, von spezifisch temporärem Gehalt, die deswegen auch eine nie zu berechnende Wirkung tat: Minna von Barnhelm. Lessing, der im Gegensatz zu Klopstock und Gleim die persönliche Würde gern wegwarf, weil er sich zutraute, sie jeden Augenblick wieder ergreifen und aufnehmen zu können, gefiel sich in einem zerstreuten Wirtshaus- und Weltleben, da er gegen sein mächtig arbeitendes Inneres stets ein gewaltiges Gegengewicht brauchte, und so hatte er sich auch in das Gefolge des Generals Tauentzien begeben. Man erkennt leicht, wie genanntes Stück zwischen Krieg und Frieden, Hass und Neigung erzeugt ist. Diese Produktion war es, die den Blick in eine höhere, bedeutendere Welt aus der literarischen und Deutsche Sprache und Literatur im Zeitalter der Aufklärung 190 bürgerlichen, in welcher sich die Dichtkunst bisher bewegt hatte, glücklich eröffnete.“ Schiller: „Lassen Sie uns erneut nach Frankreich blicken, wo es jetzt so anders aussieht als im 17. Jahrhundert. Rousseaus Dichtungen haben unwidersprechlich poetischen Gehalt, da sie ein Ideal behandeln; nur weiß er denselben nicht auf poetische Weise zu gebrauchen. Sein ernster Charakter lässt ihn zwar nie zur Frivolität herabsinken, aber erlaubt ihm auch nicht, sich bis zum poetischen Spiel zu erheben. Bald durch Leidenschaft, bald durch Abstraktion angespannt, bringt er es selten oder nie zu der ästhetischen Freiheit, welche der Dichter seinem Stoff gegenüber behaupten, seinem Leser mitteilen muss. Entweder ist es seine kranke Empfindlichkeit, die über ihn herrscht und seine Gefühle bis zum Peinlichen treibt; oder es ist seine Denkkraft, die seiner Imagination Fesseln anlegt und durch die Strenge des Begriffs die Anmut des Gemäldes vernichtet.“ Friedrich: „Die schönen Tage, die Italiener, Franzosen und Engländer vor uns genossen haben, beginnen jetzt merklich abzunehmen. Das Publikum ist gesättigt von den bereits erschienenen Meisterwerken. Die Kenntnisse werden seit ihrer größeren Verbreitung weniger geachtet. Kurz, diese Völker glauben sich im Besitze des Ruhmes, den ihre Schriftsteller ihnen erworben haben, und schlafen auf ihren Lorbeeren ein.“ Goethe: „Wie hohl und leer war uns in dieser tristen atheistischen Halbnacht zumute, in welcher die Erde mit allen ihren Gebilden, der Himmel mit allen seinen Gestirnen verschwand. So waren wir denn an der Grenze von Frankreich alles französischen Wesens auf einmal bar und ledig. Ihre Lebensweise fanden wir zu bestimmt und zu vornehm, ihre Dichtung kalt, ihre Kritik vernichtend, ihre Philosophie abstrus und unzugänglich, so dass wir auf dem Punkte standen, uns der rohen Natur wenigstens versuchsweise hinzugeben, wenn uns nicht ein anderer Einfluss schon seit langer Zeit zu höheren, freieren und ebenso wahren als dichterischen Weltansichten und Geistesgenüssen vorbereitet und uns erst heimlich und mäßig, dann aber immer offenbarer und gewaltiger beherrscht hätte.“ Deutsche Sprache und Literatur im Zeitalter der Aufklärung 191 Schiller: „Es ist wunderbar zu sehen, wie sich in Ihrem „Werther“ alles glücklich zusammendrängt: schwärmerische unglückliche Liebe, Empfindsamkeit für die Natur, Religionsgefühle, philosophischer Kontemplationsgeist, endlich, um nicht zu vergessen, die düstre, gestaltlose, schwermütige Welt. Rechnet man dazu, wie wenig empfehlend, ja feindlich die Wirklichkeit dagegengestellt ist, und wie von außen her alles sich vereinigt, den Gequälten in seine Idealwelt zurückzudrängen, so sieht man keine Möglichkeit, wie ein solcher Charakter aus einem solchen Kreis sich hätte retten können.“ Friedrich: „Es erscheint aber auch, erlauben Sie mir diese Kritik, ein „Götz von Berlichingen“ auf der Bühne, eine scheußliche Nachahmung der schlechten englischen Stücke, und das Publikum klatscht Beifall und verlangt mit Begeisterung die Wiederholung dieser abgeschmackten Plattheiten. Ich weiß, über Geschmack lässt sich nicht streiten. Und doch, bei aller Kritik: Wir werden unsre Klassiker haben. Jeder wird sie lesen, um von ihnen zu lernen. Unsre Nachbarn werden Deutsch lernen. Die Höfe werden mit Vergnügen Deutsch sprechen, und es kann geschehen, dass unsre geschliffene und vervollkommnete Sprache sich dank unsren guten Schriftstellern von einem Ende Europas zum andren verbreitet. Die schönen Tage unsrer Literatur sind noch nicht gekommen, aber sie nahen. Ich kündige sie Ihnen an, sie stehen dicht bevor.“ Deutsche Sprache und Literatur im Zeitalter der Aufklärung 192

Chapter Preview

References

Abstract

The 18th century marked the beginning of an age of innovation that continues to this day. At first glance, conflicts between old and the emergence of new powers as well as the beginning of a completely new, industrialized economy seem to be defining for this era. But preceding these, there were fundamental upheavals in art, culture, science and philosophy. It was this new way of thinking and feeling that enabled the emergence of modernity in the first place.

“Die Gründung der Moderne” therefore not only offers a comprehensive overview of an underestimated century, its events and effects on all the powers of an already interconnected world. Rather, Joachim-Friedrich Kapp brings an entire epoch and its outstanding minds to new life.

Zusammenfassung

Das 18. Jahrhundert markiert den Beginn eines bis heute andauernden Zeitalters der Innovation. Vordergründig scheinen Konflikte alter und das Entstehen neuer Mächte sowie das Aufkeimen einer neuen, industrialisierten Ökonomie prägend für diese Epoche zu sein. Dahinter aber stehen fundamentale Umwälzungen in Kunst, Kultur, Naturwissenschaft und Philosophie. Diese neue Art zu denken und zu fühlen ist es, die die Entstehung der Moderne überhaupt erst ermöglicht.

„Die Gründung der Moderne“ bietet daher nicht nur einen umfassenden Überblick über ein unterschätztes Jahrhundert, seine Ereignisse und Auswirkungen auf alle Mächte einer bereits vernetzten Welt. Vielmehr wird hier eine ganze Epoche samt ihrer herausragenden Köpfe zu neuem Leben erweckt.