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Martin J. Gössl

Die Methode der Beobachtung in der Sozialen Arbeit, page I - XII

1. Edition 2020, ISBN print: 978-3-8288-4483-4, ISBN online: 978-3-8288-7516-6, https://doi.org/10.5771/9783828875166-I

Tectum, Baden-Baden
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Te ct um Te ct um M ar tin J. G ös sl D ie M et ho de d er B eo ba ch tu ng in d er S oz ia le n Ar be it Martin J. Gössl Die Methode der Beobachtung in der Sozialen Arbeit Martin J. Gössl Die Methode der Beobachtung in der Sozialen Arbeit Martin J. Gössl Die Methode der Beobachtung in der Sozialen Arbeit Tectum Verlag Martin J. Gössl Die Methode der Beobachtung in der Sozialen Arbeit © Tectum Verlag – ein Verlag in der Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 2020 ePDF: 978-3-8288-7516-6 (Dieser Titel ist zugleich als gedrucktes Werk unter der ISBN 978-3-8288-4483-4 im Tectum Verlag erschienen.) Umschlaggestaltung: Tectum Verlag, unter Verwendung einer Fotografie von Daniela Martelanz | www.danielamartelanz.at Alle Rechte vorbehalten Besuchen Sie uns im Internet www.tectum-verlag.de Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Angaben sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. Die Beobachtung offenbart das zwischenmenschliche Geflüster unausgesprochener Metaphern beidseitiger Existenzen. VII Vorwort Es ist meine persönliche Leidenschaft, Menschen in ihren komfortablen sowie fordernden Lebenssituationen unbemerkt zu beobachten – und damit bin ich nicht alleine. Der Alltag bietet ungemein viele Möglichkeiten, dieser Passion nachzugehen, wie beispielsweise in der Straßenbahn, am Strand oder in einer Bar: Die vergnügliche Beobachtung kann unterhalten und das Wesen einer Person und gleichsam einer Gesellschaft zu Tage fördern. Im selben Augenblick offenbart die kritische Beobachtung einer aktuellen Gesellschaft den Verlust einer Fähigkeit zur vergnüglichen Beobachtung des eigenen Umfeldes, gibt es doch genügend technische Innovationen, die einer der menschlichen Aufmerksamkeit erforderlichen Fokussierung abverlangen. Damit wird dem/der BeobachterIN im Alltag zunehmend eine Sonderrolle – etwas Schräges oder Bedürftiges – unterstellt, scheint doch die gelebte Normalität in postmodernen Gesellschaften die Bindung dieser Aufmerksamkeit zu erfordern: Mobiltelefone, Laptops, Kopfhörer und E-Reader machen es möglich. Die Beobachtung droht zu einer beschäftigungslosen Handlung degradiert, in die Belanglosigkeit gedrängt zu werden. Im sozialen Tun – unter anderen auch in der Sozialen Arbeit – ist hingegen die vergnügliche Beobachtung ein Format für die professionelle Sichtweise auf das eigene Umfeld und den Mitmenschen, um Zusammenhänge und Dynamiken zu erkennen und diese bestenfalls zu verstehen. Dabei gibt es immer wieder wissenschaftliche und populärwissenschaftliche Schlagzeilen, die ein breites Bewusstsein für diese zu beobachtenden Momente beschwören und die Professionalisierung von Beobachtungen als Potentiale für die eigene Persönlichkeits- und Karriereentwicklung anpreisen. Seminare, die uns Führungsqualitäten, Präsentationstechniken oder Gruppendynamiken verdeutlichen, zeigen, dass die Beobachtung der eigenen Personen und des Umfelds anscheinend einen Erfolgsfaktor mit sich bringen kann: Man müsse nur in der Lage sein zu erkennen, also den und die Menschen in seinen Kompetenzen und Insuffizienzen zu lesen – schon wäre so manches nicht mehr rätselhaft. Für jene, die eine leidenschaftliche als auch reflektierende Beobachtung als Hobby pflegen, sind viele dieser Formate ein leichtes zu verstehen, gleichsam aber auch die Klarheit im Raum stehend, dass Menschen und damit die Beobachtung komplexe Konstrukte sind. Im geisteswissenschaftlichen Kontext wurde der Methode der Beobachtung ein Seitenplatz im Kanon der Erhebungsmethoden zugewiesen. Die offenkundige Subjektivität der Beobachtung macht es unattraktiv, sich für eine Fragestellung dieser Herangehensweise zu widmen. Über Jahre durfte ich unzählige Abschlussarbeiten begleiten und musste dabei feststellen, dass zwar Beobachtungen gerne angestellt werden, aber dabei die methodische Bearbeitung gerne ausgespart wurde. Dies passierte gerne mit dem Hinweis, dass die menschliche Wahrnehmung – also die eigene Beobachtung von Personen, Situationen und Organisationen – doch nicht wissenschaftlich sei. Meine provokante und für diese Publikation leitende Frage lautet daher: Kann ein Beobachten das nicht? Nach eifriger Überlegung wurde mir bewusst, dass der Methode der Beobachtung in der Sozialen Arbeit trotz immer wiederkehrender Anwendung die weitreichende und anwendungsorientierte Darstel- VIII Vorwort lung als methodisches Erhebungswerkzeug für die Wissenschafts- und Handlungsprofession Soziale Arbeit fehlt. Dem soll nun mit der folgenden Publikation Rechnung getragen werden, um der reichhaltigen Methode der Beobachtung für die Soziale Arbeit Argumente und Standards für die Umsetzung einzuhauchen. Dabei sind bewusst interdisziplinäre Bezüge hergestellt und grundlegende Erkenntnisse ‚alter‘ VordenkerINNEN in Verwendung gebracht worden, um den Bogen zu einer anwendungsorientierten Sozialarbeitswissenschaft zu spannen und Klarheit über das Werkzeug einer Beobachtung zu schaffen. Der Anspruch ist dabei, diese Methode in einen philosophischen, theoretischen, umsetzungs- und anwendungsorientierten sowie analytischen Kontext zu setzen, um Struktur und Klarheit zu bieten. Großen Dank für die Erstellung dieser Abhandlung schulde ich einerseits meinen Studierenden, denen ich durch ihre immerfort wirkende, wissenschaftliche Begeisterung meine eigene Motivation für ein professionelles Weiterdenken und Weiterforschen zu verdanken habe. Andererseits fördert und fordert mich mein persönliches Umfeld, welches durchaus meine fehlende Aufmerksamkeit während so mancher Beobachtung schon aufgefallen ist. Wertschätzender Dank gilt meiner profilierten Kollegin Gertraud Pantuček, die sich als etablierte Forscherin und Sozialarbeiterin der Rohfassung kritisch genähert hat. Nicht unerwähnt bleiben darf Vasilije Mijovic, da er den Erstellungsprozess mit dem richtigen Maß an Ruhe, Unterstützung, Ablenkung und Zuspruch begleitet hat. Den bedeutsamsten Dank schulde ich natürlich jenen Menschen, denen ich dies nur selten zum Ausdruck bringen kann: den vielen unbekannten Protagonistinnen und Protagonisten meiner Alltagswelt, die tagtäglich den Inhalt meiner vergnüglichen und professionellen Beobachtungen bilden. Ohne sie wäre mein Leben eine Tristesse. IX Vorwort Und so lebt am Ende die Hoffnung, dass es mit dieser Abhandlung der Methode der Beobachtung in der Sozialen Arbeit gelingen kann, klare und anwendbare Leitlinien für produktive Erkenntnisse der unverzichtbaren Sozialarbeitswissenschaften zu ermöglichen und doch auch die Leidenschaft zu befördern, den gezielten oder ungezielten Blick in das eigene Umfeld zu wagen. Denn: Die Beobachtung offenbart das zwischenmenschliche Geflüster unausgesprochener Metaphern beidseitiger Existenzen. X Vorwort XI Inhalt Vorwort VII Einleitung 1 1.1. Verortung 1 1.2. Kritische Aspekte 5 2. Philosophie der Beobachtung 9 2.1. Allgemeines 2.2. Angewandtes 14 3. Vor der Beobachtung 17 3.1. Die naive und die wissenschaftliche Beobachtung 20 3.2. Die Beobachtung als willentlicher und reflektierter Akt 23 4. In der Beobachtung 27 4.1. Beobachtungsarten 27 4.2. Gesprächsbeobachtung und Beobachtungswahrnehmung 34 4.3. Die Rolle des/der BeobachterIN 36 4.4. Kriterien der Beobachtung 39 4.5. Wiederholung und/oder Fokussierung 43 5. Mit der Beobachtung 47 6. Nach der Beobachtung 55 6.1. Inhaltsanalyse nach Mayring 56 6.2. Hermeneutische Beobachtungsanalyse (nach Gössl) 58 6.3. Praktische Beispiele 63 7. Die abgeschlossene Beobachtung 65 8. Die Beobachtung in der Praxis 69 8.1. Klarheit 70 8.2. Nachvollziehbarkeit 70 8.3. Dokumentation 71 8.4. Umgang mit Beobachtungsdaten 72 8.5. Standards der Sozialen Arbeit 75 9. Verweise 81 10. Anhänge 87 XII Inhalt

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