4. In der Beobachtung in:

Martin J. Gössl

Die Methode der Beobachtung in der Sozialen Arbeit, page 27 - 46

1. Edition 2020, ISBN print: 978-3-8288-4483-4, ISBN online: 978-3-8288-7516-6, https://doi.org/10.5771/9783828875166-27

Tectum, Baden-Baden
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27 4. In der Beobachtung 4.1. Beobachtungsarten In der methodischen Umsetzung der Wahrnehmung kann zwischen systematischen und unsystematischen, offenen und verdeckten, teilnehmenden und nicht-teilnehmenden, sowie standardisierten und nicht-standardisierten Beobachtungen unterschieden. Diese beschreibenden Unterteilungen können im Erhebungsprozess permanent oder partiell angewandt werden, ebenso eine Modifikation im Rahmen der Forschungserhebung erfahren.26 Die Umsetzungsmethode sollte dem Forschungsvorhaben und den eigenen Möglichkeiten entsprechen und im Besonderen über einen vorbereitenden und aufbereitenden Charakter verfügen. Da sowohl die naive als auch die wissenschaftliche Beobachtung über einen willentlichen Akt bestimmt werden, ist gerade die Klarheit über einen Umsetzungsplan grundlegend. 26 Vgl. Scheffer, Thomas, Das Beobachten als sozialwissenschaftliche Methode – Von den Grenzen der Beobachtbarkeit und ihrer methodischen Bearbeitung; in: Schaeffer, Müller-Mundt (Hg.), Qualitative Gesundheits- und Pflegeforschung (Bern 2002), S. 353; ebenso: Halbmayer, Ernst, Salat, Jana, Qualitative Methoden der Kultur- und Sozialanthropologie; in: https://www.univie.ac.at/ksa/elearning/cp/ qualitative/qualitative-titel.html (9/2019); Die systematische (strukturierte) Beobachtung: Der systematischen (strukturierten) Beobachtung liegt ein System zugrunde, welches vorab nach festgelegten Kriterien des Forschungsinteresses definiert wird. Dies können beliebige Referenzpunkte der Beobachtung sein, die aufgrund eines systematischen Schemas entsprechende Dokumentation erfahren. Es werden also Richtlinien der Beobachtung erstellt, welche für alle BeobachterINNEN zu gelten haben. Diese Richtlinien können Stichworte oder Fragestellungen, Ortsangaben, soziale Dynamiken etc. umfassen und dabei über grobbis feinteilige Parameter verfügen. Die Struktur muss jedenfalls den Fähigkeiten der Beobachterin beziehungsweise des Beobachters entsprechen und eine realistische Abwägung im Vorfeld erfahren. Der Vorteil dieser Beobachtungsart liegt in der methodischen Transparenz und damit in der Klarheit für den/die BeobachterIN betreffend Ausführung sowie Interpretation von Beobachtungsdaten in der Auswertung. Folglich ergibt sich aus dieser systematischen Struktur eine Nachvollziehbarkeit, weswegen erhobene Daten gerade hinsichtlich einer Vergleichbarkeit besondere Reliabilität genießen. So können beispielsweise die Kontaktaufnahmen von Jugendlichen in einem Jugendzentrum für eine bestimmte Zeit und in einem eingegrenzten Raum der systematischen (strukturierten) Beobachtung unterworfen werfen. Es ist dabei ausschlaggebend, den Rahmen einer Forschungsfrage einer Struktur zuzuführen und so beispielsweise Zeitrahmen, Ort und Arten des Kontakts (Augenkontakt, verbale Kommunikation, Berührung etc.) sowie Bezugspunkte der zu Beobachtenden (Alter, Geschlecht, Ethnie etc.) – also Relevanzsysteme – zu definieren. Die Details dieser Struktur können sich in jegliche unbegrenzt aufgliedern, wobei diese der Beobachtungsfähigkeit des Subjekts entsprechend sollten. Eine Einzelperson kann anhand überschaubarer Parameter somit nur eine beschränkte Anzahl von Personen in einem definierten Zeitrahmen und in einer räumlichen Beschränkung 28 In der Beobachtung realistisch beobachten und dokumentieren. Eine Gruppe von BeobachterINNEN kann hingegen die Grenzen von Raum, Zeit, Personen und Parametern der Beobachtung entsprechend erweitern. Die unsystematische (unstrukturierte) Beobachtung: Bei der unsystematischen (unstrukturierten) Beobachtungsweise werden keine Richtlinien bezüglich der Beobachtung formuliert. Es handelt sich um ein offenes Verfahren, welches sehr wohl entsprechende Vorgaben der Durchführung aufweisen kann. Diese Form der Beobachtung lässt entsprechende Freiheiten für die Beobachtung an sich und hat somit den Vorteil, den Situationen angepasst angewandt werden zu können. Die damit gewonnene Freiheit ermöglicht eine breite Wahrnehmung vorhandener Systeme und gibt Flexibilität in den Situationen. Es kann ohne das Korsett einer Richtlinie beobachtet und aufgezeichnet werden. Die erhobenen Daten weisen jedoch entsprechende Schwierigkeiten in einer vergleichenden Interpretation auf, da je nach Beobachtungssetting andere Auffälligkeiten beobachtet und dokumentiert wurden. Die unsystematische (unstrukturierte) Beobachtung kann damit als eine naive Form bezeichnet werden, wobei sich die Situationen ergeben oder geplant werden können. Eine sich ergebende Situation erweist sich im Moment als eine ergiebige Möglichkeit, situative Momente wahrzunehmen. Dies kann im Rahmen einer bereits stattfindenden Erhebung (wie beispielsweise qualitatives Interview etc.) passieren oder aufgrund einer sich ergebenden Folgesituation (wie beispielsweise einer spontanen Einladung etc.). So können beispielsweise einmalige Veranstaltungen der unsystematischen (unstrukturierten) Beobachtung unterzogen werden, da eventuell eine weitreichende Vorbereitung unmöglich gemacht wird. Vor Ort muss mit entsprechender Kompetenz den vorhandenen Beobachtungsmöglichkeit entsprochen werden. Die Einmaligkeit der Situation 29 Beobachtungsarten macht systematische Parameter sinnlos, da keine Vergleiche gebildet werden sollen. Ebenso ist das Erhebungsvorhaben dem Ziel gewidmet, den situativen Charakter der Veranstaltung widerzuspiegeln und eben keine analytisch-numerischen Determinanten zu benennen. Eine besondere Dokumentation umfasst das gedankliche Situationsprotokoll, welches der Situation folgend – also danach – erstellt wird. Die erlebte Situation wird in einem vorhandenen Bewusstsein aufgesucht, aber ihr wird eben in gleichsam unsystematischer (unstrukturierter) Weise begegnet und im Anschluss wird gedanklich rekonstruierend protokolliert. Die teilnehmende Beobachtung: Der methodische Zugang der teilnehmenden Beobachtung zeichnet sich durch die persönliche (An-)Teilnahme des/der Forschers/Forscherin aus, welcheR an den Momenten und Situationen der zu Beobachtenden aktiv oder passiv teilnimmt. „Dabei ist die Annahme leitend, dass durch die Teilnahme an face-to-face-Interaktionen bzw. die unmittelbare Erfahrung von Situationen Aspekte des Handelns und Denkens beobachtbar werden, die in Gesprächen und Dokumenten – gleich welcher Art – über diese Interaktionen bzw. Situationen nicht zugänglich wären. [… So] kann man von teilnehmender Beobachtung als einer eigenständigen Methodologie der qualitativen Sozialforschung sprechen.“27 Daraus ergeben sich zwei Möglichkeiten: Die teilnehmende Rolle kann aktiv – also teilnehmend, aber nicht maßgeblich einflussnehmend am Geschehen – oder passiv – als Bestandteil des Geschehens – wahrgenommen werden. Man selbst ist dabei als Person und eventuell auch in der Rolle als ForscherIN erkennbar. Meine situative Präsenz bei Personen, in Situationen und Organisationen wird erlebbar und eventuell gleichsam lesbar. Dies bedeutet unweigerlich eine Einflussnahme auf 27 Lüders, Christian, Teilnehmende Beobachtung; in: Bohnsack, Marotzki, Meuser (Hg.), Hauptbegriffe Qualitativer Sozialforschung (Opladen 2001), S. 151; 30 In der Beobachtung den Erhebungsmoment, wodurch sich zumeist unmessbare Veränderungen auf Personen, in Situationen und für Organisationen ergeben. Bei der teilnehmenden Beobachtung handelt sich also um eine involvierte beziehungsweise im Forschungsgeschehen partizipierende, wahrnehmende Beobachtung, welche den/die ForscherIN ebenso erfasst wie die Personen, Situationen und Organisationen, die einer Beobachtung unterzogen werden. So ist beispielsweise die aktive Teilnahme an einer Parade für den Zweck der Beobachtung (ohne sich mit den Menschen vor Ort in Gespräche zu vertiefen) ein teilnehmender Prozess am sozialen Geschehen und damit – mehr oder minder – einflussnehmend. Der/Die BeobachterIN wird als ProtagonistIN und/oder als ForscherIN wahrgenommen und in dieser Wahrnehmung von Dritten ein teilnehmendes Element der sozialen Dynamik. Dies kann auf mehreren Ebenen das Umfeld irritieren, wenn entsprechende Handlungen der Gruppe – das Schwingen einer Fahne oder die aktivistische Teilnahme an Sprechchören – nicht mitgemacht werden. Ebenso kann das Erstellen einer Dokumentation befremdlich wirken und Menschen ein Gefühl der Kontrolle vermitteln. Wird weitreichend aktiv teilgenommen um die Beobachtung zu verschleiern, so besteht die Gefahr, zu viel Aufmerksamkeit auf eine situative Assimilation zu verwenden, wodurch entsprechende Ressourcen für eine Erhebung fehlen können. Die nicht-teilnehmende Beobachtung: Die nicht-teilnehmende Beobachtung lässt eine Beobachtung für die zu Beobachtenden nicht erkennen. Diese Form der Beobachtung befindet sich auf einer übergeordneten oder im Hintergrund befindlichen Ebene. Es können Personen, Situationen und Organisationen wahrgenommen werden, wobei der/die BeobachterIN nicht offenkundig als Teil der vorhandenen Dynamik in Erscheinung tritt und Anteil 31 Beobachtungsarten am Geschehen nimmt. Hierbei bleibt der Mensch als beobachtendes Subjekt für Dritte verborgen. Die Vorzüge der nicht-teilnehmenden Beobachtung spiegeln sich in der Kritik der teilnehmenden Beobachtung wider: „[…] in allen Phasen mit dem Problem der begrenzten Perspektive im [teilnehmenden] Beobachten konfrontiert, da nicht alle Aspekte einer Situation gleichzeitig erfasst (und notiert) werden können.“28 Diese Kritik des Sozialforschers Uwe Flick offenbart die Vorzüge der nicht-teilnehmenden Beobachtung: Die Möglichkeit der Erfassung ist durch die nicht-teilnehmende Beobachtung größer, da die Beobachtung außerhalb der sozialen Dynamik und damit in den eigenen – vorbereiteten – Strukturen erfolgen kann. Hierbei kann die bereits zuvor erwähnte Parade aus nicht-teilnehmender Perspektive entsprechendes Potential für eine analysierende Beobachtung einräumen, um die Zusammensetzung der Kundgebung, die Anzahl der Personen, genannte Themen in den Reden oder Inhalte der Sprechchöre aufzuzeichnen. Diese Form der Beobachtung kann von einer erhöhten Perspektive – von einem Wohnungsfenster aus – vollzogen werden, ohne Anteil am Geschehen zu nehmen oder auffällig zu wirken. Die offene und die verdeckte Beobachtung: Die Form der offenen und verdeckten Beobachtung ergibt sich situationsbedingt. In manchen Kontexten der teilnehmenden Beobachtung ist die Rolle des/der BeobachterIN unauffällig und kann daher auch verdeckt erfolgen. In anderen Kontexten ist die verdeckte teilnehmende Beobachtung unmöglich, weswegen der offene Zugang zwangsläufig notwendig ist. Die zutreffende Kategorisierung betreffend der offenen oder verdeckten Beobachtung muss auf die erhebenden Personen, 28 Flick, Uwe, Qualitative Forschung, Theorie, Methoden, Anwendung in Psychologie und Sozialwissenschaften (Hamburg 1996), S. 159; 32 In der Beobachtung Situationen und Organisationen referenzieren, also klarstellen, ob der/ die BeobachterIN wahrgenommen wird oder eben nicht. So können beispielsweise teilnehmende, verdeckte Beobachtungen in einem Opernhaus möglich sein, da der Kunstgenuss von Einzelpersonen unauffällig ist und die Rolle als BeobachterIN nicht auffallen muss. Dies gilt gleichermaßen für die nicht-teilnehmende, verdeckte Beobachtung von Straßenzügen oder Plätzen aus einer erhöhten Perspektive. Die Beobachtung von Straßenzügen oder von Plätzen auf ebenerdiger Ebene und in Sichtweite kann sich von einer verdeckten und nicht-teilnehmenden Beobachtung zu einer offenen, teilnehmenden Beobachtung wandeln, sobald die Beobachtung offensichtlich passiert und kurz- bis mittelfristig auch von den zu Beobachtenden als Beobachtungssituation erkennbar wird. Die direkte und die indirekte Beobachtung: Dem hinzufügend gilt es die direkte oder indirekte Beobachtung zu kategorisieren, also jene Formen der Beobachtung, die eine direkte Teilnahme des/der BeobachterIN oder eben eine indirekte Teilnahme umfassen. Die indirekte Teilnahme des/der BeobachterIN geschieht dabei über technische Medien beziehungsweise Konstruktionen (z. B. Videokameras, Audioübertragung, Spiegelwand etc.). Die standardisierte und die nicht-standardisierte Beobachtung: In der methodischen Beobachtung eines standardisierten beziehungsweise eines nicht-standardisierten Verfahrens werden – strenger als in der systematischen und nicht-systematischen Beobachtungen – die Beobachtungsschemata kategorial festgelegt. Hierbei sind klare Faktoren zu beobachten und zu dokumentieren, wie beispielsweise Personenanzahl, Geschlechterverhältnisse, religiöse Symbole etc. In dieser Verfahrensweise sind standardisierte Protokolle vorgesehen, welche klare Beobachtungsanforderungen nennen und eine vergleichbare 33 Beobachtungsarten Dokumentation ermöglichen. Die Standardisierung muss den Rahmen der Beobachtungsinterpretation möglichst gering wählen und die Beobachtungsfaktoren weitreichend klar benennen, sodass sich ein Standard definieren lässt. Dies kann beispielsweise in der standardisierten Beobachtung eines Schulhofes in der Pause bedeuten, Kinder und ihre Bekleidung zu dokumentieren, wie etwas das Tragen beziehungsweise nicht Vorhandensein von Mützen, Handschuhen und Winterjacken. Die Klassifikationen der Beobachtungen dienen einer methodischen Abgrenzung und können in den Umsetzungsformen konzeptuell ineinandergreifen. Gleichsam können sich Verfahrensweisen im Laufe der Erhebung verändern, wenn beispielsweise die verdeckte Beobachtung sich durch situative Zufälle zu einer offenen wandelt. Ebenso sind die Klassifikationen der Beobachtung sowohl für die naive als auch für die wissenschaftliche Beobachtung zutreffend und zu berücksichtigen. 4.2. Gesprächsbeobachtung und Beobachtungswahrnehmung Für die Soziale Arbeit ergeben sich des Weiteren zwei Vertiefungen, nämlich jene der Gesprächsbeobachtung und der Beobachtungswahrnehmung (z. B. Beobachtungsgespräch). Die Gesprächsbeobachtung beschreibt eine hinzuzufügende Dimension einer bereits stattfindenden Forschungssituation. Oftmals ergeben sich im Laufe von Erhebungen dokumentationswürdige Situationen, welche im Rahmen von Gesprächsbeobachtungen eine Dokumentation erfahren sollten. Hierbei geschieht die Beobachtung additiv, während eine andere Methode zur Anwendung gelangt. So lassen sich beispiels- 34 In der Beobachtung weise im Zuge einer qualitativen Erhebung situative Stimmungslagen, welche verbal nicht zum Ausdruck kommen, anhand einer Gesprächsbeobachtung verschriftlichen. Gerade Aufnahmegeräte mit einer präzisen Zeitangabe ermöglichen die Zuordnung notierter Beobachtungen zu einer entsprechenden Audio-Sequenz. Die Beobachtungswahrnehmung (z. B. Beobachtungsgespräch) umfasst in einem breiten, methodologischen Verständnis von Beobachtung audio-visuelle, sensorische und olfaktorische Wahrnehmungen. Diese Form der Beobachtung kann jegliche Eindrücke einer Person, Situation oder Organisation umfassen, genauso aber räumliche Dimensionen wie Enge beschreiben und damit einige – für manche Bereiche – elementare Hinweise liefern. Die Beobachtungswahrnehmung dient zur Felderschließung und kann dabei Hinweise auf Elementares beziehungsweise Spezifisches betreffend Personen, Situationen oder Organisationen liefern. Hierzu zählen beispielsweise Beschreibungen von Lebensumständen, Besonderheiten von Personengruppen, räumliche Widrigkeiten oder soziale Besonderheiten etc. Während die Gesprächsbeobachtung während einer Erhebung erstellt wird, stellt die Beobachtungswahrnehmung (Beobachtungsgespräch) ein prä und post-momentanes Format dar, welches für Detailerhebungen genutzt werden kann. Das Beobachtungsgespräch stellt eine weitgefächerte Möglichkeit sowie ein Spezifikum der Beobachtungswahrnehmung dar und kann dazu dienen, vor beziehungsweise nach Erhebungssituationen in Form von protokollarischen Notizen spezifische Fragestellungen zu klären, die für eine Rahmensetzung der Person, Situation oder Organisation notwendig erscheinen. Hierbei können durch Notizen das Gesagte der zu beobachtenden Personen notiert wie auch entsprechende Reaktionen protokolliert werden. Ein Beobachtungsgespräch wird demnach im Vorfeld oder in der Nachbe- 35 Gesprächsbeobachtung und Beobachtungswahrnehmung arbeitung einer Erhebung zur Anwendung gebracht. Im Vorfeld können dabei notwendige Informationen eingeholt werden, um folgend eine entsprechende Vorbereitung für eine tiefergehende Erhebung zu bewerkstelligen. In der nachfolgenden Bearbeitung dient das Beobachtungsgespräch für die Abklärung offener oder gar strittiger Fragen, die im Verlauf einer Auswertung aufgefallen sind. Hierbei können die Antworten – oder die Verweigerung von Antworten – und gleichsam sichtbare Reaktionen der beobachteten Personen aufschlussreich sein. 4.3. Die Rolle des/der BeobachterIN Der/Die BeobachterIN in der Sozialen Arbeit agiert in seinem/ihrem wissenschaftlichen Handeln in den gegebenen Lebenswelten des Alltags oder in den spezifischen Dimensionen von Individuen. Es handelt sich dabei um die Wahrnehmungswelt der zu Beobachtenden, die jederzeit als natürlich und selbstverständlich wahrgenommen werden soll. Sie existiert mit all ihren Gliederungen und Regeln, Normen und Verständnissen und beinhaltet Orte, Personen, aber auch Praktiken, die dem Individuum selbst bekannt oder fremd, bequem oder unbequem erscheinen mögen. „Die Lebenswelt, in ihrer Totalität als Naturund Sozialwelt verstanden, ist sowohl der Schauplatz als auch das Zielgebiet meines und unseres wechselseitigen Handeln. […] Wir handeln und wirken folglich nicht nur innerhalb der Lebenswelt, sondern auch auf sie zu. Unsere leiblichen Begegnungen greifen in die Lebenswelt ein und verändern ihre Gegenstände und deren wechselseitige Beziehungen.“29 Dabei fußen die Handlungsspielräume der Individuen auf den eige- 29 Schütz, Alfred, Luckmann, Thomas, Strukturen der Lebenswelt, 2., überarb. Aufl. (Konstanz, München 2017), S. 32; 36 In der Beobachtung nen und vermittelten Erfahrungen und erlangen dadurch eine lebensweltliche Auslegung und Zuordenbarkeit.30 Dieses Verständnis einer Lebenswelt gilt sowohl für den/die BeobachterIN als auch für die zu beobachtenden Individuen. Das Erkennen einer sozialen Logik stellt in der Methode der Beobachtung eine der zentralen Herausforderungen und die bedeutendste Wichtigkeit dar, denn in diesem Erkennen liegen die Antworten für das individuelle und kollektive Handeln. Diese Logik offenbart sich zwar permanent in den Beobachtungen, doch lassen diese nicht zwangsläufig eine unmittelbar nachvollziehbare Struktur erkennen. „Für jedermann ist auch die Sozialwelt als ein Ordnungssystem mit bestimmten Verhaltenskonstanten erlebbar, wiewohl seine Auffassungsperspektiven, seine subjektiven Auslegungen der gesellschaftlichen Ordnung von seinem Standort abhängen, der ihm teils auferlegt, teils aus der biografischen Kette seiner Entscheidungen bestimmt ist – aber wiederum in einer Weise, die mir prinzipiell ‚verstehbar‘ ist.“31 Zudem sind Handlungen gleichsam von dauerhaften und mittel- bis kurzfristigen Auslegungen beeinflusst, die im stattfindenden Moment eine sinnvolle Handlungsweise darstellen können, aber unter anderen Umständen und zu anderen Zeitpunkten diese Logik wieder verlieren. Auch dies trifft für beide – BeobachterIN und die zu Beobachtenden – zu. Die eigene Motivation, eine Forschungshandlung zu setzen, ist ebenso dem vorhandenen Ordnungssystem zuzuschreiben wie die Motivation gesetzter Handlungsweisen von Personen, in Situationen und bei Organisationen. 30 Vgl. Schütz, Alfred, Luckmann, Thomas, Strukturen der Lebenswelt, 2., überarb. Aufl. (Konstanz, München 2017), S. 29ff.; 31 Schütz, Alfred, Luckmann, Thomas, Strukturen der Lebenswelt, 2., überarb. Aufl. (Konstanz, München 2017), S. 47; 37 Die Rolle des/der BeobachterIN Für die BeobachterIN gilt hinzufügend, dass die getätigte Beobachtung erneut aus dem eigenen Verständnis heraus vollzogen wird und damit die gewonnenen Daten nach eigenen Kriterien gewürdigt werden. Die unerlässlich intersubjektive Haltung kann nur dann gewonnen werden, wenn die Beobachtung und die Interpretation den Regeln einer Transparenz und Nachvollziehbarkeit folgen. Der Soziologe Erving Goffman benennt die substantiellen und zeremoniellen Regeln als zu beachtende Notwendigkeit einer Beachtung: „A substantive rule is one which guides conducts in regard to matters felt to have significance in their own right, apart from what the infraction or maintenance of the rule expresses about the selves of the persons involved.“32 Solche substantiellen Regeln, welche ihre Bedeutung in sich tragen, sind beispielsweise Gesetze. „A ceremonial rule is one which guides conduct in matters felt to have secondary or even no significance in their own right, having their primary importance – officially anyway – as a conventionalized means of communication by which the individual expresses his character or conveys his appreciation of the other participants in the situation.“33 Diese zeremoniellen Regeln sind von sozialer Bedeutung für eine solide Vertrauensbildung und haben zwei Facetten: Goffman unterscheidet zwischen ‚deferences‘, also Symbole des Respekts und der Achtung (beispielsweise entsprechende Rituale wie eine Begrüßung), und 32 Goffman, Erving, The Nature of Deference and Demeanor; in: American Anthropologist, New Series, Vol. 58, Nr. 3 (1956), S. 476, https://www.jstor.org/stable/665279; 33 Goffman, Erving, The Nature of Deference and Demeanor; in: American Anthropologist, New Series, Vol. 58, Nr. 3 (1956), S. 476, https://www.jstor.org/stable/665279; 38 In der Beobachtung ‚demeanor‘, also sozialen Qualitäten, die vom Gegenüber als angemessen gelesen werden können und somit eine vertrauenswürdige Erscheinung vermitteln (wie beispielsweise Etikette oder Bekleidung).34 Sowohl die Beachtung von Transparenz und Nachvollziehbarkeit als WissenschaftlerIN als auch die Befolgung substantieller und zeremonieller Regeln als BeobachterIN sind in den forschenden Handlungen unerlässlich. Sie sind neben der milieuspezifischen Etikette vor allem Garant für einen respektvollen Forschungsprozess. Die Rolle des/der BeobachterIN ist zumeist auch von der Gnade der zu Beobachtenden abhängig. Ganz gewiss jedoch liegt in der Rolle des/der BeobachterIN entsprechende Verantwortung für die Beschaffung der situativen Momente sowohl in der wissenschaftlichen als auch in der naiven Beobachtung. 4.4. Kriterien der Beobachtung In der kritischen Reflexion einer verantwortungsvollen und substantiellen Beobachtung ergeben sich mehrere unverzichtbare Notwendigkeiten, die es in der Haltung als WissenschaftlerIN und BeobachterIN zu beachten gilt: Wertfreiheit Der/Die BeobachterIN ist der Wertfreiheit verpflichtet und damit in der Verantwortung zur Wahrung einer intersubjektiven Position. Eigene Moralvorstellungen, aber auch ethische Grundsätze benötigen ein aktives Erkennen, um den Forschungsprozess nicht zu beeinflussen oder gar zu gefährden. Gleichsam sind Beobachtungen in Form neutraler 34 Vgl. Goffman, Ervin, The Nature of Deference and Demeanor, in: American Anthropologist, New Series, Vol. 58, Nr. 3 (1956), S. 477ff., https://www.jstor.org/ stable/665279; 39 Kriterien der Beobachtung Wahrnehmungen umzusetzen, also Interventionen (wie beispielsweise sozialarbeiterische Interventionen) im Beobachtungsprozess zu vermeiden, dennoch die eigenen Handlungen einer professionellen Empathie zu unterwerfen. Professionelle Empathie bedeutet dabei, als Person für Dritte authentisch und kongruent erlebbar zu sein und dennoch die Privatsphäre dem eigenen Maßstab entsprechend zu schützen. Dies gilt nicht nur im Erhebungsprozess, sondern gleichsam im Umgang mit Erhebungsergebnissen und deren Interpretation sowie Präsentation. Verantwortung Der/Die BeobachterIN trägt die Verantwortung im und für den Forschungsprozess. Dies gilt sowohl für die Auslegung der Beobachtungsrolle – ebenso für die eigene Positionierung im Feld – als auch für die Dokumentation der Beobachtung. Diese Verantwortlichkeit umfasst praktische Fragen der Umsetzung, wie aktive Teilnahme (z. B. Alkoholkonsum, körperliche Nähe etc.) oder Grenzen des Beobachtbaren (z. B. kann in Kontakt getreten werden oder ist die Ablenkung zu groß, ab welchem Punkt muss abgebrochen werden etc.). Die Verantwortung betrifft die eigene Person wie auch situative Momente, die eine Handlungsaufforderung beinhalten. Keinesfalls darf die Neugier auf Erkenntnisse zur Gefährdung der eigenen oder von fremden Personen führen noch dürfen persönliche Grenzen der Integrität überschritten werden. Diese Verantwortung ist insofern schwerwiegend, da Beobachtungen im Rahmen sozialer Interaktionen durchgeführt werden und damit immer unvorhergesehene Aspekte auftreten können. Der/Die BeobachterIN hat in der reflektierten Position nicht nur erhöhte Aufmerksamkeit, sondern eventuell auch eine geschärfte Wahrnehmung für Gefahren. Respekt Der/Die BeobachterIN hat auf respektvolle Handlungen zu achten. Das Eindringen in eine Lebenswelt – die Annäherung an Personen, Situ- 40 In der Beobachtung ationen und Organisationen – trägt stets eine Intimität in sich. Dies bedeutet auch, dass unangenehme Momente im Raum stehen können, die in der respektvollen Verantwortung des/der BeobachterIN liegen. So gilt es abzuschätzen, welche Handlungen, Aussagen und Aktionen möglich oder eben unvereinbar und unmöglich erscheinen. Der Maßstab von Respekt muss dabei zweidimensional zur Anwendung gelangen: einerseits Respekt als BeobachterIN anhand ethischer Grundsätze einer Profession der Sozialen Arbeit und andererseits Respekt im Maßstab der vorherrschenden Kultur. Dies umfasst sowohl den Einstieg, die Durchführung als auch den Ausstieg aus einer Forschungshandlung. Gleichsam ist in der Bearbeitung, Interpretation und Dissemination eine respektvolle Vorgehens- und Ausdrucksweise maßgeblich. Die Beobachtung kann den Anschein bei dem/der BeobachterIN wecken, als gleich unter Gleichen zu gelten. Alleine die Tatsache, im sozialen Gefüge des Feldes über eine andere Motivation zu verfügen – also einem Erhebungswunsch nachzukommen –, differenziert die Rolle als BeobachterIN a priori. Datenschutz/Verschwiegenheit Der/Die BeobachterIN muss sich dem Datenschutz und der Verschwiegenheit verpflichten. Personen, Situationen und Organisationen können die Momente der Beobachtung – auch wenn selbst nicht als solches wahrgenommen – als unangenehm, unangemessen oder anstößig empfinden oder klassifizieren. Diese Momente dürfen niemals in der Bearbeitung, Speicherung und Verarbeitung Rückschlüsse auf Personen, Situationen und Organisationen ermöglichen. Die Bearbeitung, Speicherung und Verarbeitung muss auf einer Ebene erfolgen, auf der die Rechte der Individuen – als Einzelpersonen oder Gruppe – gewahrt bleiben. Dies kann Situationen und auch Organisationen umfassen, wenn diese Momente Rückschlüsse auf Individuen – als Personen oder zu identifizierende Gruppe – ermöglichen. 41 Kriterien der Beobachtung Die Verschwiegenheit des/der BeobachterIN bedeutet im Besonderen, Beobachtungen von Personen, Situationen und Organisationen nur auf entrückter Ebene in der privaten als auch der professionellen Erzählung darzustellen, wenn keine explizite Einwilligung zur Verwendung personenbezogener Daten vorliegt. Dies bedeutet ebenfalls, dass selbst die Kenntnis über eine Person als sensibel zu betrachten ist und eventuell von einer Begrüßung im Alltag Abstand genommen werden muss. Themen wie Sexualität, Sucht, Abhängigkeit oder auch Krankheit etc. können eine äußerst intime Sphäre betreffen und einen entsprechenden Wunsch nach Anonymität mit sich bringen. Nachvollziehbarkeit und Wahrheitstreue Der/Die BeobachterIN ist in der Verantwortung, die erhobenen Daten nachvollziehbar und wahrheitsgemäß zu dokumentieren. Dies bedeutet, Personen, Situationen und Organisationen der Wahrnehmung entsprechend darzustellen. Der Abbruch von Situationen oder das Fehlen von Details darf nicht dazu führen, Interpretationen vorzunehmen oder Annahmen über nicht vorhandene Momente zu kreieren. Situative Stimmungslagen des/der BeobachterIN sind als solche kenntlich zu machen und können sich selbstverständlich in Beobachtungen wiederfinden. Die Nachvollziehbarkeit der Beobachtung kann sich dabei im Spannungsfeld zwischen Datenschutz beziehungsweise Verschwiegenheit und Transparenz befinden. Hierbei können Kodierungen helfen, valide Dokumentationen zu erstellen, jedoch die Wahrheitstreue und Nachvollziehbarkeit sicher anonymisiert beziehungsweise abstrahiert darzulegen. Transparenz Der/Die BeobachterIN hat in seinen/ihren wissenschaftlichen Handlungen den Notwendigkeiten einer größtmöglichen Transparenz zu 42 In der Beobachtung folgen. Dies umfasst sowohl die Darstellung der eigenen Verortung, den Zugang zur Methode als auch im Besonderen die ordnungsgemä- ße Dokumentation von Beobachtungen. Es gilt dabei gleichsam, eigene und fremde Leistungen im Prozess zu benennen beziehungsweise diese in der Verarbeitung kenntlich zu machen. Erhebungs- und Beobachtungsabbrüche, welche in der Tat zu einem situativen Ende oder im Rahmen einer Amtshandlung zu einer situativen Veränderung führen, sind ebenso als solche darzulegen. Diese sechs Kriterien der Beobachtung sind jeglicher Form der Beobachtung zugrunde liegend und Bestandteil eines professionellen Rahmens. Es sind Kriterien, die nicht nur wissenschaftliche Standards, sondern im Besonderen ethische Dimensionen einer Profession der Sozialen Arbeit widerspiegeln. Hinzufügend geben diese Kriterien dem/ der BeobachterIN notwendige Klarheit darüber, ob die Beobachtung als Methodenwahl verlässliche Ergebnisse liefern kann – also ad personam eine Umsetzung denkbar erscheint – oder ob nicht die Wahl einer anderen Erhebungsart oder auch die Kombination verschiedener Methoden sinnvoller wäre. 4.5. Wiederholung und/oder Fokussierung Für die Validität von Datenmaterial ist es essentiell in der Beobachtung, die Prozessfestlegung, also das Verfahren der Datengewinnung, zu formulieren. Hierbei sind zwei Zugänge in der Umsetzung möglich, nämlich die Wiederholung von Beobachtungen oder deren Fokussierung. Durch die Wiederholung von Beobachtungen können Prozesse und Variationen erkennbar werden und somit Muster offenkundig zu Tage treten. Es sind dabei periodisch wiederkehrende (wiederholende) Beobachtungsmomente, die einem Erhebungsprozess unterworfen werden. 43 Wiederholung und/oder Fokussierung „Es ist die Fähigkeit reflexiver Beobachtung, Positionen entlang ablaufender Wissensprozesse und praktischer Zusammenhänge zu variieren, die Vorteile gegenüber standardisierten, festen Beobachtungsposten (von Menschen oder Apparaten) bereithält. Es lässt sich per Spurensuche aufschlüsseln, wie Situationen zusammenhängen, oder allgemeiner: was woran anschließt, was worauf aufbaut und was wie zueinander in Beziehung steht. Die Beobachtung verlässt hier die reine Situationsanalyse und verkoppelt sie mit der Analyse von Prozessen und Verfahren, die durch mehr oder weniger methodisch aufgereihte Begegnungen und Verrichtungen entfaltet werden.“35 Diese wiederholenden Beobachtungen geben somit primär Aufschluss über Prozesse und Verfahren, sie können Dynamiken aufzeichnen und als Material einer Analyse dienen. Der/Die BeobachterIN muss für wiederholende Beobachtungen in der Lage sein, entsprechende Strukturen für die Wiederholung zu etablieren, oder eine situative Planbarkeit voraussetzen können. Die Kriterien der Beobachtung sind dabei essentielle Faktoren einer Wiederholung, also unverzichtbar. Mit der Fokussierung wird eine zweite mögliche Schwerpunktsetzung gewählt, um methodisch nachvollziehbar zu erheben. Hierbei nennt Scheffer vier Schwerpunkte, nämlich jene der thematischen, zeitlichen, räumlichen oder personalen Fokussierung. Wie die Bezeichnungen bereits offenbaren, haben thematische Fokussierungen eine Themenstellung als Beobachtungsschwerpunkt. Dies können spezielle Abläufe oder Handlungsweisen sein, die einer Beobachtung unterworfen werden (z. B. das Thema menschliche Annäherungen in einer Bar). Die zeitliche Fokussierung bezieht sich auf temporäre Abläufe 35 Scheffer, Thomas, Das Beobachten als sozialwissenschaftliche Methode – Von den Grenzen der Beobachtbarkeit und ihrer methodischen Bearbeitung; in: Schaeffer, Müller-Mundt (Hg.), Qualitative Gesundheits- und Pflegeforschung (Bern 2002), S. 359; 44 In der Beobachtung beziehungsweise Sequenzen, die einer Analyse unterzogen werden (wie beispielsweise die Eröffnungssequenz einer Lehrveranstaltung). Die räumliche Fokussierung umfasst geografische und raumgebende Beobachtungen, die sowohl geschlossene als auch offene Formate beinhalten können (wie beispielsweise die Beobachtung eines speziellen Punktes einer Parkanlage). Die personale Fokussierung richtet die Aufmerksamkeit auf Protagonistinnen und Protagonisten, deren Handlungsweisen aufgrund der Beobachtung sichtbar und nachvollziehbar werden (z. B. die Beobachtung von Patientinnen und Patienten im Krankenhauskontext).36 Der Fokus auf ein Thema hat zur Folge, dass Klarheit in der Themenwahl für den/die BeobachterIN bestehen muss. Der zeitliche Fokus bedeutet, dass die sequentielle Dynamik bekannt sein muss oder es Zeitmomente zu erwarten gibt, die eine Beobachtung bedingen. Die räumliche Fokussierung fordert den/die BeobachterIN, Grenzen des Beobachtungsraumes zu ziehen, und schließlich fordert die personale Fokussierung den/die BeobachterIN in der zwischenmenschlichen Dynamik der Situation. Wiederholung wie auch Fokussierung schaffen Klarheit über den Rahmen der Beobachtung – also in der Planung des Beobachtungsaufwandes – und können dabei durchaus ineinandergreifen. Einer Gefahr der zerfließenden Beobachtung – also dem Fehlen entsprechender Schwerpunkte – kann genau mit dieser Bestimmung und Schaffung eines wiederholenden oder fokussierenden Beobachtungsprozesses entgegengewirkt werden. 36 Vgl. Scheffer, Thomas, Das Beobachten als sozialwissenschaftliche Methode – Von den Grenzen der Beobachtbarkeit und ihrer methodischen Bearbeitung; in: Schaeffer, Müller-Mundt (Hg.), Qualitative Gesundheits- und Pflegeforschung (Bern 2002), S. 359f.; 45 Wiederholung und/oder Fokussierung

Chapter Preview

References

Abstract

This book takes up the observation method as a survey instrument of interdisciplinary branches of science in order to adapt it for social work. It is dedicated to both self-criticism regarding the dangers of observational attributions and the potential for applied and practical social work. The framework ranges from the forthcoming observation to be carried out to the completed observation. It includes preparatory and reflective reflections, descriptions of types of observation and the evaluation of the results.

The appendix contains many practical examples, which offer much of the theory mentioned in the previous section in a vividly illustrative way, thereby providing patterns of action that enable a practical implementation of the observation method. This makes the publication ideal for students and practitioners in social work, while at the same time lecturers can offer comprehensible written research instructions.

Zusammenfassung

Dieses Buch greift die Beobachtungsmethode als Erhebungsinstrument interdisziplinärer Wissenschaftszweige auf, um diese für die Soziale Arbeit zu adaptieren. Dabei widmet es sich sowohl einer Selbstkritik im Hinblick auf die Gefahren von beobachtenden Zuschreibungen als auch den Potentialen für eine angewandte und praktische Sozialarbeit. Der Rahmen wird von der bevorstehenden, durchzuführenden, bis hin zur abgeschlossenen Beobachtung gespannt. Hierbei kommen sowohl vorbereitend-reflexive Überlegungen zum Tragen, als auch Beschreibungen von Beobachtungsarten und die Auswertung der Ergebnisse.

Im Anhang befinden sich einige Beispiele, die eine praktische Umsetzung der Beobachtungsmethode ermöglichen.