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9. Überarbeitung des Qualifikationsprofils Schulsozialarbeit in:

Michael Schieder

Schulsozialarbeit mit Kompetenz, page 147 - 164

Qualifikationserfordernisse eines entstehenden Berufsbildes

1. Edition 2020, ISBN print: 978-3-8288-4479-7, ISBN online: 978-3-8288-7510-4, https://doi.org/10.5771/9783828875104-147

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Soziale Arbeit, vol. 6

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
Überarbeitung des Qualifikationsprofils Schulsozialarbeit Vorbereitung der Fokusgruppendiskussion Zur Überarbeitung des QP_SSA wurden insgesamt zwei Fokusgruppendiskussion durchgeführt. Wie bereits in Kapitel 8.1.1. beschrieben, wurde bei der Zusammensetzung der Expert*innen ein Gleichgewicht aus Theorie und Praxis angestrebt. Neben der Rekrutierung von Fachkräften aus der schulsozialarbeiterischen Praxis wurden darüber hinaus auch Leitungsfachkräfte aus dem Bereich der Kinder- und Jugendhilfe einbezogen, um einerseits das für Leitungspositionen vorgesehene MA-Level ausreichend abzudecken, sowie Aussagen darüber zu erhalten, welche Kompetenzerfordernisse seitens der Leitungskräfte hinsichtlich der Schulsozialarbeiter*innen erwartet werden. Darüber hinaus wurde die Gruppe um Wissenschaftler*innen der Sozialen Arbeit, der Allgemeinen Pädagogik und der Psychologie ergänzt, um dezidiert hochschulische Anforderungen beschreibbar machen zu können. Insgesamt waren an der ersten Fokusgruppendiskussion folgende Berufsgruppen vertreten: – zwei Hochschulvertreter – vier Fachkräfte aus der Schulsozialarbeit – drei Leitungskräfte aus dem Bereich der Kinder- und Jugendhilfe – drei Protokollantinnen Die Teilnehmer*innen der Fokusgruppendiskussion wurden zu Beginn des Workshops durch den Verfasser in die Thematik eingeführt und mit einem entsprechenden Arbeitsauftrag versehen. Im Rahmen der Diskussion sollte jeder Deskriptor des QP_SSA für jede Dimension auf seinen Inhalt und entsprechende Aktualität überprüft und möglicherweise überarbeitet werden. Darüber hinaus soll für das QP_SSA analog zum QR_SozArb die Promotionsebene (PhD) konstruiert werden, um die anhaltende Diskussion um das Promotionsrecht der Fachhochschulen ausreichend zu berücksichtigen. Des Weiteren wurden die Teilnehmer*innen dazu aufgefordert, jeden Deskriptor in eine aktivierende lernergebnisorientierte Beschreibung zu überführen. Die aktivierende Beschreibung von Deskriptoren hat den Vorteil, dass diese die spätere Ausformulierung und -differenzierung von Lernergebnissen, beispielsweise in Modulhandbüchern von Hochschulstudiengängen, erleichtern. Dazu kann entsprechend die Lernzieltaxonomie nach Bloom (1974) und Krathwohl et al. (1978) herangezogen werden. Die aktivierende Beschreibung der Deskriptoren des QP_SSA wird anhand eines Beispiels verdeutlicht: 9. 9.1. 147 QP_SSA (2009) QP_SSA (neu) B-BA-4: die Fähigkeit. die unterschiedlichen Rollenzuschreibungen und Zuständigkeiten (Kompetenzen) der unterschiedlichen Akteure im „Lern- und Arbeitsraum: Schule“ zu analysieren und zu bewerten. B-BA-4: BA-Absolvent*innen …analysieren und bewerten unterschiedliche Rollenzuschreibungen und Zuständigkeiten (Kompetenzen) der multiprofessionellen Akteure im Lern- und Arbeitsraum Schule. Aktivierende Beschreibung der Deskriptoren des QP_SSA, eigene Darstellung Im Anschluss an die Einführung in die Lernzieltaxonomie und die geplante Überarbeitung der Deskriptoren wurden die Teilnehmer*innnen insgesamt auf 3 Thementische verteilt, wobei an jedem Tisch zwei Dimensionsbereiche des Qualifikationsprofils behandelt und überarbeitet werden sollten. Die Einteilung der Teilnehmer*innen auf die jeweiligen Tische wurde vom Verfasser vorgenommen, da sichergestellt werden sollte, dass an jedem Tisch unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen. Die Dimensionen wurden wie folgt eingeteilt: A: Wissen und Verstehen B: Beschreibung, Analyse und Bewertung E: Organisation und Evaluation D: Recherche und Forschung C: Planung und Konzeption F: Allgemeine professionelle Fähigkeiten Einteilung der Gruppen zur Überarbeitung der Deskriptoren des QP_SSA, eigene Darstellung Für jeden Tisch war eine Protokollantin vorgesehen, die den Diskussionsverlauf sowie entsprechende Änderungs- und Überarbeitungsvorschläge für die Deskriptoren festhielt. Im Folgenden werden nun die wesentlichen Änderungen und Diskussionspunkte deskriptiv beschrieben werden. Es wird darauf verzichtet, jeden veränderten Deskriptor näher zu erläutern. Vielmehr sollen hierbei die Diskussionsstränge aus den einzelnen Dimensionen zum Tragen kommen. Ergebnisse der Fokusgruppendiskussion Im Folgenden werden nun die wesentlichen Diskussionsergebnisse der einzelnen Dimensionen des Qualifikationsprofils vorgestellt und in den Überarbeitungsprozess eingeordnet. Abbildung 54: Abbildung 55: 9.2. 9. Überarbeitung des Qualifikationsprofils Schulsozialarbeit 148 A) Wissen und Verstehen / Verständnis Für diese Dimension wird zunächst eine Schwierigkeit in der Bandbreite einzelner Deskriptoren hinsichtlich der theoretischen Wissensbestände gesehen. So wird im ursprünglichen QP_SSA beispielsweise für den Bachelorbereich folgendes ausgewiesen: A-BA-2: systematische Kenntnisse wichtiger Theorien von Kindheit/Jugendalter, sozialer Problemlagen und von gesellschaftlicher Reproduktion, insbesondere Erziehung, Bildung, Sozialisation In der Folge plädieren die Expert*innen für eine entsprechende Ergänzung um den Begriff ‚einschlägig‘, was in der Kombination mit einer aktivierenden Beschreibung folgende Deskriptorveränderung zur Folge hat: A-BA-2 (neu): BA-Absolvent*innen wählen einschlägige Theorien von Kindheit / Jugendalter, Lebenswelten und Lebenslagen und von gesellschaftlicher Reproduktion, insbesondere Erziehung, Bildung, Sozialisation aus. Darüber hinaus weist das ursprüngliche Qualifikationsprofil Wissensbestände um die Arbeitsformen und Methoden der Schulpädagogik und der Jugendhilfe aus. Der Begriff Schulpädagogik stellt aus Expert*innensicht eine Einengung dar und sollte dementsprechend um den Begriff ‚Bildungswissenschaften‘ ergänzt werden, da damit sämtliche Bereiche abgedeckt werden können (Kiper, 2009). Weiterhin wird im Qualifikationsprofil Wissen und Verständnis der wissenschaftlichen Forschung zu Praxis der Schulpädagogik und Jugendhilfe ausgewiesen. Die Diskussion um den Praxisbegriff führt schließlich zu einer Umformulierung in Arbeitsformen und Methoden. A-MA-1: umfassendes Wissen und Verständnis der wissenschaftlichen Grundlagen ihrer Disziplin und der wissenschaftlichen Forschung zu Praxis, Arbeitsformen und Methoden der Schulpädagogik und der Jugendhilfe. A-MA-1 (neu): MA-Absolvent*innen beschreiben und präsentieren die wissenschaftlichen Grundlagen und Forschungsergebnisse zu Aufgaben, Arbeitsformen und Methoden der Bildungswissenschaften und der Jugendhilfe. In der ursprünglichen Version des Deskriptors wird deutlich, dass das umfassende Wissen und Verständnis der wissenschaftlichen Grundlagen noch auf die entsprechende Disziplin bezogen wird. Aufgrund der interdisziplinären Ausrichtung des Arbeitsfeldes sind jedoch sämtliche Bezugsdisziplinen und Bezugssysteme miteinzubeziehen. Darüber hinaus wird für den Bereich Wissen und Verstehen festgehalten, dass sowohl gesellschaftliche als auch technische Veränderungsprozesse stets im jeweiligen Kontext zu analysieren sind. Dabei werden insbesondere die Themen Inklusion, Lernund Lebensort Schule, Digitalisierung und Medien diskutiert. Dies führt zu einer Beschreibung der Berücksichtigung sozialer und technischer Transformationsprozesse im Kindes- und Jugendalter, der Schule und der Sozialen Arbeit. Der Überblick zu aktuellen Forschungs- und Entwicklungstrends wurde neben Lernen, Sozialraum und Konfliktbewältigung um die Begriffe Inklusion, Medienbildung und Integration ergänzt. Der Dimension Wissen und Verstehen liegt folgende überarbeitete Definition zugrunde: 9.2.1. 9.2. Ergebnisse der Fokusgruppendiskussion 149 A-0: Das Wissen und Verstehen der Absolvent*innen baut auf unterschiedlichen Hochschulzugangsberechtigungen (HZB) auf, verbunden mit praktischen, fachlichen Vorerfahrung unterschiedlicher Tiefe. Die praktischen Erfahrungen sowie wissenschaftlichen Befähigungen aus disziplinären Studiengängen und die daraus resultierenden spezifischen Voraussetzungen verdeutlichen die differenten Qualifikationsprofile. Der QR SchulSArb nimmt als disziplinären Studienrahmen – in dem er berücksichtigt wird – vorrangig Studiengänge der Sozialen Arbeit, der Pädagogik und des Lehramtes an. Spezifizierend und ergänzend verfügen Schulsozialarbeiter*innen über grundlegendes, sicheres Wissen und Verständnis des Kultur- und Bildungssystems der Gesellschaft, sowie der Funktionssysteme des Sozialstaates. Sie sind insbesondere vertraut mit den spezifischen Anforderungen und Bedingungen von Schule und Sozialer Arbeit. Entsprechend der Verortung des je eigenen Studienganges sind mindestens die relevanten Wissensbestände der korrespondierenden Wissenschaftsbereiche (Soziale Arbeit, Pädagogik, Erziehungswissenschaft) zu ergänzen. Weiterhin treten fundierte Kenntnisse ausgewählter Bereiche der Rechtswissenschaft, Psychologie, Politikwissenschaft und Soziologie hinzu. Ein breites Erziehungs-, Sozialisations- und Bildungsverständnis bildet die Ergänzung, um die Qualifikationsziele für professionelle Schulsozialarbeit erreichen und sichern zu können. Absolvent*innen können dann fachliches Wissen und Verstehen in einem spezifischen Studium und in jedem Fall gemäß den Anforderungen des Berufsfeldes Schulsozialarbeit nachweisen. Aufgrund der dargestellten Diskussionspunkte sowie der aktivierenden Beschreibung der jeweiligen Teilgebiete, weist der Bereich Wissen und Verstehen auf Bachelor-, Master- und PhD-Level nun folgende Deskriptoren auf: BA-Absolvent*innnen A-BA-1 …identifizieren und nennen die wissenschaftlichen Grundlagen für die professionelle Praxis, die Aufgaben, Arbeitsformen und Methoden der Bildungswissenschaften und der Jugendhilfe. A-BA-2 …wählen einschlägige Theorien von Kindheit / Jugendalter, Lebenswelten und Lebenslagen und von gesellschaftlicher Reproduktion, insbesondere Erziehung, Bildung, Sozialisation aus. A-BA-3 …beschreiben aktuell relevante Arbeitsformen, Modelle, Methoden, Verfahren und ethische Standards der Schulsozialarbeit und skizzieren deren historischen Kontext. A-BA-4 …benennen die normativen Rahmenbedingungen/-bestimmungen von Schule, Berufsausbildung und Jugendhilfe sowie relevanter Rechtsgebiete. A-BA-5 …benennen spezifische gesetzliche Rahmen und erklären finanzielle Förderungsmodelle von Schulsozialarbeit. A-BA-6 …beschreiben das Erziehungs-, Bildungs- und Sozialwesen in historischer und vergleichender Perspektive und kennen Einflussfaktoren auf den Bildungserfolg. 9. Überarbeitung des Qualifikationsprofils Schulsozialarbeit 150 A-BA-7 …diskutieren unterschiedliche Konzepte und Konzeptionen von Bildung und skizzieren das Zusammenwirken von formaler, non-formaler und informeller Bildung. A-BA-8 …definieren die Arbeit mit Einzelnen und Familien, in und mit Gruppen sowie die Gemeinwesenarbeit. A-BA-9 …beschreiben exemplarisch aktuelle Forschungs- und Entwicklungsfragen der Schulsozialarbeit im Kontext von Jugendhilfe und Schule. A-BA-10 …erkennen den umfassenden multidisziplinaren Kontext der Schulsozialarbeit. MA-Absolvent*innen A-MA-1 …beschreiben und präsentieren die wissenschaftlichen Grundlagen und Forschungsergebnisse zu Aufgaben, Arbeitsformen und Methoden von Jugendhilfe und Schule. A-MA-2 …untersuchen und identifizieren die Grundlagen angewandter / anwendungsorientierter Sozialforschung im Bereich Aktions- und Praxisforschung. A-MA-3 …etablieren und verantworten Grundsätze zu Gesamtleitung (Führung, Planung, Organisation, Steuerung), Qualitätsentwicklung und Bewirtschaftung von Ressourcen in Schule und Sozialraum. A-MA-4 …beschreiben und benennen Theorien und Methoden der Schulsozialarbeit sowie Forschungsbefunde im nationalen sowie internationalen Rahmen entsprechend der aktuellen fachwissenschaftlichen Diskussionen. A-MA-5 …referieren und diskutieren wissenschaftliche Forschungsergebnisse zu sozialen und technischen Transformationsprozessen im Kindes- und Jugendalter, in der Schule und in der Sozialen Arbeit im nationalen und internationalen Rahmen. A-MA-6 …referieren zur aktuellen nationalen und internationalen Forschung und Entwicklung in einem selbst gewählten Spezialgebiet (z.B. Diversity, Lernen, Sozialraum, Konfliktbewältigung, Medienbildung, Inklusion, Migration) 9.2. Ergebnisse der Fokusgruppendiskussion 151 PhD-Absolvent*innen A-PhD-1 …zeigen ein umfassendes, systematisches Wissen und Verständnis der interdisziplinären und disziplinären wissenschaftlichen Grundlagen der Schulsozialarbeit und können mit eigenen Beiträgen zu deren Analyse, Reflexion und Erweiterung beitragen. A-PhD-2 …zeigen ein systematisches Verständnis zur aktuellen nationalen und internationalen Forschung im Kontext von Jugendhilfe und können eigene Forschungsthemen identifizieren und bearbeiten. A-PhD-3 …zeigen ein systematisches Verständnis ihres (inter-)disziplinären Forschungsgebietes der Schulsozialarbeit, der Fertigkeiten, Arbeitsformen und Methoden, die in der Forschung in diesem Gebiet angewandt werden. B) Beschreibung, Analyse und Bewertung in der Schulsozialarbeit Die Untersuchung der Dimension Beschreibung, Analyse und Bewertung hat zunächst gezeigt, dass innerhalb der Deskriptoren ein Schwerpunkt hinsichtlich der Identifikation und Analyse von Problemstellungen in der Praxis der Schulsozialarbeit vorzufinden war. Zur Neutralisierung des Begriffs Problemstellungen wurde dieser Aspekt um die Identifikation von Aufgaben und Arbeitsansätzen erweitert. Des Weiteren wurde festgehalten, dass Befunde und Analysen im Arbeitsfeld stets unter Berücksichtigung der aktuellen wissenschaftlichen Diskussion zu formulieren sind. Zur Durchführung schulsozialarbeiterischer Aufgaben sind neben der Berücksichtigung und Hinzuziehung anderer Fachdisziplinen und Professionen auch die politischen Rahmenbedingungen zu beachten. Darüber hinaus sind bei der Identifikation von Beratungs- und Hilfebedarfen stets die institutionellen und sozialräumlichen Gegebenheiten zu beachten. Die dargestellten Veränderungen und Ergänzungen für die Dimension Beschreibung, Analyse und Bewertung in der Schulsozialarbeit führen schließlich zu folgender überarbeiteter Definition: B-0: Absolvent*innen sind in der Lage, die Anforderungen an Professionalität im Berufsund Arbeitsfeld Schulsozialarbeit analytisch zu untersuchen. Dies beinhaltet u.a. die Lebenswelten und Lebenslagen von jungen Menschen, ihre Rolle, Potenziale und Perspektiven als Schüler*innen, die Beschreibungen des spezifischen Handlungsfeldes im Spannungsverhältnis von Schule und Jugendhilfe. Unter Berücksichtigung der Interessenslagen und fachlichen Blickwinkel anderer beteiligter Professionen ordnen sie definierten Zielen Aufgaben und Angebote zu. Analyse und Bewertung schließen die Identifikation der Aufgabe und die Abklärung der problemlösenden Maßnahmen ein. Absolvent*innen erkennen die Zusammenhänge zwischen fachlichen Ansätzen der Schulsozialarbeit, den politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen sowie den aktuellen sozial- und bildungspolitischen Entwicklungen. 9.2.2. 9. Überarbeitung des Qualifikationsprofils Schulsozialarbeit 152 Darüber hinaus liegen der Dimension nun folgende Deskriptoren auf BA-, MA- und PhD-Level zugrunde: BA-Absolvent*innen B-BA-1 …ermitteln und fördern die Ressourcen und Potenziale von Schüler*innen. B-BA-2 …identifizieren und formulieren Problemstellungen, Aufgaben und Arbeitsansätze mit bewährten Strategien, Arbeitsformen und Methoden der Schulsozialarbeit. B-BA-3 …analysieren und reflektieren Beratungs- und Hilfebedarfe von Einzelnen, Familien oder Gruppen unter Einbezug von Rahmenbedingungen der Schularten und Sozialräume. B-BA-4 …analysieren und bewerten unterschiedliche Rollenzuschreibungen und Zuständigkeiten der multiprofessionellen Akteure im Lern- und Arbeitsraum Schule. B-BA-5 …wählen begründet wissenschaftliche Methoden und Instrumente aus und setzen diese ein. B-BA-6 …beobachten und dokumentieren systematisch die Entwicklungen im Arbeitsfeld. MA-Absolvent*innen B-MA-1 …identifizieren, analysieren und bewerten neue Problemstellungen, Aufgaben und Arbeitsansätze unter Einbezug wissenschaftlicher Methoden. B-MA-2 …formulieren in ihrem Spezialgebiet Befunde, Diagnosen und weiterführende Analysen unter Berücksichtigung einschlägiger wissenschaftlichen Diskussionen. . B-MA-3 …analysieren systemisch die internen und externen, sich gegenseitig beeinflussenden Faktoren / Situationen im Kontext von Schulsozialarbeit. B-MA-4 (Neu) …binden andere Fachdisziplinen, Professionen und Politiken in die eigene Arbeit verantwortlich ein. PhD-Absolvent*innen B-PhD-1 …entwickeln Fragestellungen, die bisher nicht bearbeitet wurden. B-PhD-2 … beherrschen die wissenschaftliche kritische Analyse, Entwicklung und Synthese neuer und komplexer Ideen der Schulsozialarbeit. 9.2. Ergebnisse der Fokusgruppendiskussion 153 B-PhD-3 …analysieren wissenschaftlich komplexe Strukturen und Prozesse, identifizieren Probleme und leiten daraus konkretisierte Ziele für wissenschaftliches Vorgehen ab, zeigen Lösungswege auf und bewerten diese. C) Planung und Konzeption von Schulsozialarbeit Innerhalb der Dimension Planung und Konzeption wurde zunächst festgehalten, dass bei der Beschreibung der Deskriptoren neben der Begrifflichkeit Konzept stets Konzeption zu ergänzen ist. Konzepte in der Sozialen Arbeit beschreiben zunächst ein Handlungsmodell, in welchem Methoden, Techniken Ziele und Inhalte miteinander verbunden in Beziehung gesetzt werden. Spiegel (2013, S. 67f.) unterscheidet dabei vier Kategorien von Konzepten: Konzepten: Abbildung 56: Konzeptkategorien in der Sozialen Arbeit, eigene Darstellung in Anlehnung an Spiegel (2013, S. 67f.) •basieren auf Analyse gesellschaftlicher und sozialer Situationen •Beispiele: interkulturelle Verständigung, rechtsradikale Tendenzen zielorientiert •fokussieren Gruppen von Menschen mit besonderem Merkmal •Beispiele: Menschen mit Behinderung, Jugendliche ohne Ausbildung zielgruppenorientiert •soziale Infrastruktur als Rahmenbedingung für die Lebensgestaltung und -bewältigung der Menschen •Beispiele: Familiengruppenkonferenz sozialraumorientiert •Fokus auf methodische Strategien in der Sozialarbeitspraxis •Beispiele: klientenzentrierte Beratungskonzepte, Case-Management, Mediation methodenorientiert Konzeptk tegorie in der Sozialen Arbeit, eigene Darstellu g in Anlehnung an Spiegel (2013, S. 67f.) Konzeptionen hingegen integrieren die fachlichen Konzepte und ergänzen sie um normative und institutionelle Rahmenbedingungen. Sie dienen als Instrumente für die Steuerung der internen und externen Systembeziehungen. Der Umfang einer Konzeption ist jeweils abhängig von der jeweiligen Funktionsebene, auf welche sie ausgerichtet ist (Michel-Schwartze, 2009). So ist auch für die Entwicklung von Konzeptionen für die Schulsozialarbeit stets der jeweilige institutionelle, bezogen auf die jeweilige Schulform, und sozialräumliche Kontext zu berücksichtigen (Deinet, 2017; Enggruber, 2014b). 9.2.3. Abbildung 56: 9. Überarbeitung des Qualifikationsprofils Schulsozialarbeit 154 Der Dimension Planung und Konzeption in der Schulsozialarbeit liegt nun folgende überarbeitete Definition zugrunde: C-0: Absolvent*innen sind in der Lage, in Übereinstimmung mit ihrem professionellen Wissen und Verstehen, Schulsozialarbeit als spezifisches professionelles Geschehen im Kontext der Systeme Schule und Jugendhilfe zu identifizieren und zu konzipieren. Für die Auswahl und Gestaltung der Ziele, Aufgaben, Strukturen, Prozesse und Hilfesysteme berücksichtigen sie die spezifischen Bedingungen der Jugendhilfe, der Schule und ihres Sozialraums. Dazu gehört die Abwägung möglicher Lösungsstrategien, Methoden und deren kritische Auswahl. Die Planungen und Konzeptionen weisen über den engeren Aufgaben- und Zuständigkeitsbereich der Schulsozialarbeit hinaus. Sie berücksichtigen die individuellen, kulturellen, sozialen und finanziellen Bedarfslagen, Rahmenbedingungen, Folgen und die Nachhaltigkeit der Schulsozialarbeit zielführend. Für die unterschiedlichen Level-Beschreibungen konnten darüber hinaus folgende Deskriptoren gebildet werden: BA-Absolvent*innen C-BA-1 …planen und entwickeln Konzepte und Konzeptionen zur Umsetzung Schulsozialarbeit unter spezifischen und definierten Anforderungen (z.B. Sozial- und Jugendhilfe-, sowie kommunaler und überregionaler Entwicklungsplanung) und berücksichtigen die spezifischen Bedürfnisse, Interessen und Wünsche der potentiellen Nutzer. C-BA-2 …benennen und beschreiben rechtliche und ökonomische Rahmenbedingungen zur Planung und Organisation, sowie zur Konzeption und Steuerung von Schulsozialarbeit. C-BA-3 …identifizieren die relevanten Akteure und berücksichtigen deren unterschiedlichen Interessenlagen in der Konzeption durch intensive Netzwerkarbeit. C-BA-4 …gestalten und realisieren Vereinbarungen in kollegialen Kontexten adressatenorientiert und in Umsetzung der eigenen Fachlichkeit in Kooperation mit Partnern des Sozialraumes. C-BA-5 …planen und gestalten die interne und externe Kommunikation konzeptionell. C-BA-6 …entwickeln präventive Strategien für den Sozial- und Lebensraum Schule. C-BA-7 …entwickeln fallbezogene und fallübergreifende Beratung und Hilfe und konzipieren entsprechende Förderpläne. 9.2. Ergebnisse der Fokusgruppendiskussion 155 MA-Absolvent*innen C-MA-1 …benennen, reflektieren und entwickeln die Anforderungen an Steuerung, Führung und Leitung komplexer Prozesse innerhalb von Planungen und Konzeptionen von Schulsozialarbeit. C-MA-2 …diskutieren und reflektieren Ansätze relevanter Disziplinen (z.B. Soziale Arbeit, Erziehungswissenschaft, Psychologie) und deren Möglichkeiten zur Problembearbeitung und Entwicklung problemlösender Maßnahmen. C-MA-3 …initiieren interprofessionelle / interdisziplinäre Forschungs- und Entwicklungsprozesse und integrieren diese systemisch in Konzeptionen. C-MA-4 …entwickeln auf der Basis des aktuellen wissenschaftlichen Diskurses innovative Problemlösungsstrategien und –maßnahmen für neue Herausforderungen.. PhD-Absolvent*innen C-PhD-1 …konzipieren wesentliche Forschungsvorhaben und Entwicklungsprojekte in der Schulsozialarbeit mit wissenschaftlicher Integrität selbstständig unter Berücksichtigung gesellschaftlicher, politischer und ethischer Perspektiven und streben dabei wissenschaftliche Innovation an. C-PhD-2 … erstellen eine tragfähige Kostenplanung von Forschungs- und Entwicklungsprojekten und beteiligen sich an der Akquise entsprechender Mittel. . D) Recherche und Forschung in der Schulsozialarbeit Die ursprüngliche Definition der Dimension Recherche und Forschung in der Schulsozialarbeit verwies auf die Anwendung geeigneter Methoden zur Entwicklung und Bearbeitung von Forschungsfragen. Unter geeigneten Methoden können dabei sowohl quantitative als auch qualitative Forschungszugänge in Frage kommen und sind entsprechend zu berücksichtigen. Darüber hinaus wurde diskutiert, was unter Methoden fachlicher Informationsbeschaffung subsumiert werden kann. Aus schulsozialarbeiterischer Perspektive können folgenden Methoden zugrundegelegt werden: – Sozialraumanalyse (Deinet, 2009; Deinet & Nelke, 2015; Spatscheck & Wolf-Ostermann, 2016; Spatschek, 2009) – Biografiearbeit (Wiemann & Lattschar, 2019) – Genogrammarbeit (Kühling & Richter, 2009) In einem weiteren Deskriptor wurde die Fähigkeit von BA-Absolvent*innen beschrieben, Testverfahren anzuwenden sowie Ergebnisse von Tests und Schulleistungsmessungen als auch medizinische Diagnosen im Rahmen des eigenen Hilfeplanverfah- 9.2.4. 9. Überarbeitung des Qualifikationsprofils Schulsozialarbeit 156 rens zu berücksichtigen. Aus Sicht der Expert*innen kann die Anwendung und Durchführung von Testverfahren nicht als Aufgabenbereich der Schulsozialarbeit gesehen werden. Darüber hinaus wird die Integration von Testergebnissen und Schulleistungsmessungen in die Dimension Wissen und Verstehen verortet. Der Dimension Recherche und Forschung in der Schulsozialarbeit liegt folgender Definition zugrunde: D-0: Absolvent*innen sind in der Lage, die Bedingungen für Schulsozialarbeit wissenschaftlich zu eruieren, zu analysieren und – gemeinsam mit anderen – zu reflektieren. In Übereinstimmung mit ihrem professionellen Wissen und Verstehen sind sie in der Lage, unter Anwendung qualitativer und quantitativer Methoden Forschungsfragen zu entwickeln und zu bearbeiten sowie andere praxisorientierte Methoden fachlicher Informationsbeschaffung anzuwenden. Dazu dienen auch die Beschaffung und Auswahl spezifischer Informationen und Daten z.B. als Literaturauswertung, als Praxisforschung mit quantitativen und/oder qualitativen Methoden, als Interpretation empirischer Daten oder als Recherche mit elektronischen Medien. Sie tragen Sorge, dass bei der Erhebung, Interpretation und Verbreitung von Forschungsbefunden wissenschaftliche, fachliche und ethische Standards berücksichtigt werden. Für die Level BA, MA und PhD konnten folgende Deskriptoren gebildet werden: BA-Absolvent*innen D-BA-1 …benennen und beschreiben fachliche Kompendien, Datenbanken und Fachforen und nutzen klassische und moderne Rechercheverfahren. D-BA-2 …erfassen, interpretieren und integrieren Sachinformationen, wissenschaftliche Literatur und Datenbestände. D-BA-3 …identifizieren aktuelle Forschungsperspektiven und -ansätze der Schulsozialarbeit. D-BA-4 …erfassen, interpretieren und dokumentieren wissenschaftliche Befunde mit Methoden der qualitativen und quantitativen Sozialforschung. D-BA-5 …betreiben angeleitete Praxisforschung. MA-Absolvent*innen D-MA-1 …gewinnen relevante Informationen und Daten aus der Sozial- und Jugendhilfeplanung, der Schulentwicklungsplanung sowie der integrierten Sozialraumplanung und verwenden diese für Forschungs- und Entwicklungsaufgaben im Kontext von Schulsozialarbeit. D-MA-2 …entwickeln Forschungsfragen und methodische Designs für Schulsozialarbeit und betreiben eigenständig Praxisforschung. 9.2. Ergebnisse der Fokusgruppendiskussion 157 D-MA-3 …analysieren, bewerten und diskutieren eigene und fremde Forschungsergebnisse kritisch. D-MA-4 …nutzen den aktuellen Forschungsstand zur Entwicklung innovativer Arbeitsformen, Methoden und Strategien für die Schulsozialarbeit. D-MA-5 …reflektieren die komplexen Voraussetzungen und Auswirkungen von Schulsozialarbeit und wirken an der Weiterentwicklung von Schulsozialarbeit in wissenschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Handlungsfeldern mit. D-MA-6 …analysieren und bewerten die gesellschaftliche, insbesondere sozial- und bildungspolitische Relevanz von Forschung und beteiligen sich aktiv am öffentlichen Diskurs. PhD-Absolvent*innen PhD-1 …tragen mit eigenständiger wissenschaftlicher Arbeit zur Erweiterung des Forschungsstands im Feld Schulsozialarbeit bei. PhD-2 …integrieren, adaptieren und erweitern wissenschaftliche Methoden für die Forschung im Feld der Schulsozialarbeit. PhD-3 …gestalten Forschungsvorhaben zur Weiterentwicklung der Schulsozialarbeit und implementieren die Ergebnisse in die Praxis. PhD-4 … gewährleisten die Qualitätssicherung ihrer Forschungs- und Entwicklungsarbeit. PhD-5 ... beteiligen sich an (inter-)disziplinären, (inter-)nationalen Forschungs- und Entwicklungsvorhaben und gestalten diese verantwortungsvoll mit. PhD-6 …steuern verantwortlich die personellen und sächlichen Ressourcen von Forschungs- und Entwicklungsprojekten in der Schulsozialarbeit unter Berücksichtigung wissenschaftlicher Standards und wirtschaftlicher Randbedingungen. PhD-7 …leiten andere Personen im Rahmen von Forschungsund Entwicklungsarbeiten an und begleiten deren weitere wissenschaftliche Qualifikation. PhD-8 … beteiligen sich durch Teilnahme an Kongressen und mit Fachpublikationen am nationalen und internationalen wissenschaftlichen Diskurs und stellen sich dabei der Begutachtung durch Fachwissenschaftler*innen. 9. Überarbeitung des Qualifikationsprofils Schulsozialarbeit 158 E) Organisation, Durchführung und Evaluation in der Schulsozialarbeit In der Überarbeitung der Dimension Organisation, Durchführung und Evaluation in der Schulsozialarbeit erfolgt zunächst eine Diskussion über die Begriffstrias Instrumente, Methoden und Techniken. Der Schulsozialarbeit liegen wie dem Großteil sozialarbeiterischer Arbeitsfelder Schwierigkeiten in der Erfolgsprognose bei der Anwendung methodischer Handlungspraktiken zugrunde (Speck, 2014). Aufgrund dieser begrenzten Vorhersehbarkeit ist es nicht möglich, pädagogische Prozesse in ihrer Gesamtheit zu kontrollieren und deren Wirkungen klar zu prognostizieren (Herrmann, F., 2006). Luhmann (2006, S. 8f.) bezeichnet dies als strukturelles Technologiedefizit: „Es gibt im Erziehungssystem keine Technologie, die es ermöglichen könnte, Kommunikation gegen die Strukturen des Interaktionssystems zu differenzieren und weitgehend unabhängig von ihnen laufen zu lassen.“ Diesbezüglich gibt auch Speck (2014, S. 87) zu bedenken, „[…] dass SchulsozialarbeiterInnen ihre Aktivitäten und Maßnahmen wirkungsorientiert planen und reflektieren müssen, aber gleichzeitig in Kauf nehmen müssen, dass diese nicht vollständig standardisierbar sind und sie Konflikte, Ungewissheiten und Misserfolge im Leistungsprozess und bei der Erreichung der angestrebten Wirkungen aushalten müssen.“ Unter Berücksichtigung dieser Diskussionsstränge wurde die Begriffstrias auf die Methoden der Schulsozialarbeit reduziert. Innerhalb dieser Expert*innengruppe wurde zudem betont, dass für die Dimension Organisation, Durchführung und Evaluation in der Schulsozialarbeit aktuelle Debatten wie Partizipation (Haude et al., 2018, S. 126ff.), Teilhabe (Hollenstein & Nieslony, 2012a, S. 79) und Geschlechtergerechtigkeit (Fischer, V. et al., 2016; Nguyen, 2014) nicht ausreichend berücksichtigt werden. Im Zuge der Überarbeitung des QP_SSA wurden diese Debatten in die Dimension Allgemeine professionelle Fähigkeiten und Fertigkeiten integriert. Organisation und Evaluation weist im überarbeiteten Qualifikationsprofil folgende Definition aus: E-0: Absolvent*innen sind befähigt, auf der Grundlage ihres Wissens und Könnens soziale Probleme und Problemlagen zu identifizieren, soziale Disparitäten sozialräumlich zu verorten und problemlösende Maßnahmen zu entwickeln und fortzuschreiben. Dazu verfügen sie über Kenntnisse und Fertigkeiten der Recherche, Forschung, Didaktik und Methodik sowie der Evaluation. Sie sind befähigt, insbesondere die finanziellen, zeitlichen, räumlichen und personellen Ressourcen im Arbeitsfeld Schulsozialarbeit realistisch zu bewerten und verantwortlich zu steuern. Sie sind in der Lage, die individuellen wie gruppenspezifischen kulturellen, sozialen, personellen und finanziellen Bedarfslagen sowie, die spezifischen Schulprofile und Rahmenbedingungen des Sozialraumes kritisch zu reflektieren. Sie besitzen wissensbasierte Erkenntnisse und reflektierte Erfahrungen in der Planung, Organisation, Gestaltung, Durchführung und Evaluation von Schulsozialarbeit in unterschiedlichen Schulformen, Kooperationsverhältnissen, Trägerschaften und Sozialräumen. Darüber hinaus können entsprechende Deskriptoren zugrundegelegt werden. 9.2.5. 9.2. Ergebnisse der Fokusgruppendiskussion 159 BA-Absolvent*innen E-BA-1 …bringen die Ressourcen im Berufs- und Arbeitsfeld Schulsozialarbeit in fachlich angemessenem Rahmen und unter Einsatz geeigneter Methoden ein. E-BA-2 …identifizieren soziale Probleme und Problemlagen und leiten daraus entsprechende und geeignete problemlösende Maßnahmen ab. E-BA-3 …verfügen über reflektierte Praxiserfahrung einer mindestens 100-tägigen Tätigkeit in der Planung, Organisation, Durchführung und/oder Evaluation von praktischer Schulsozialarbeit. E-BA-4 …wenden Methoden der sozialpädagogischen Diagnostik in der Schulsozialarbeit an. E-BA-5 …identifizieren und beeinflussen individuelle, gruppenbezogene, kulturelle, soziale, fachliche, sozialwirtschaftliche, sozialräumliche und politische Bedürfnisse, Interessen und Erfordernisse der Schulsozialarbeit. E-BA-6. …entwickeln, gestalten und evaluieren Schulsozialarbeit mit unterschiedlichen Methoden unter Berücksichtigung der jeweiligen vor Ort auffindbaren spezifischen Verhältnisse. E-BA-7 …kommunizieren mit den relevanten Akteuren und der jeweiligen Öffentlichkeit und vertreten ihre Aufgaben auf fachpolitischen Ebenen. E-BA-8 …bearbeiten, bewältigen und dokumentieren Problemstellungen und Krisensituationen trotz gedanklicher und gegenständlicher Unsicherheit zielführend im Team und unter Einbindung externer Hilfestellung. MA-Absolvent*innen E-MA-1 …integrieren Wissensbestände unterschiedlicher Fachdisziplinen in die Schulsozialarbeit und gestalten und steuern aktiv die komplexen Strukturen und Arbeitsprozesse im Berufs- und Arbeitsfeld Schulsozialarbeit. E-MA-2 …erproben und überprüfen Methoden der Sozialen Arbeit und der Allgemeinen Pädagogik und überprüfen diese auf ihre Wirksamkeit und Reichweite. E-MA-3 …entwickeln zur Einrichtung, Betreuung und Weiterentwicklung umfassende Qualitätsmanagementsysteme für Schulsozialarbeit auf Grundlage wissenschaftlicher Methodik. 9. Überarbeitung des Qualifikationsprofils Schulsozialarbeit 160 E-MA-4 …planen und gestalten die Kommunikation mit den Akteuren des Arbeitsfeldes und der Öffentlichkeit und wirken an der kommunalen Entwicklungsplanung mit. E-MA-5 …wirken an der Schulentwicklung mit und beteiligen sich an der Gestaltung des Schullebens, der Personalführung und der federführenden Gesamtleitung des Arbeitsfeldes Schulsozialarbeit. PhD-Absolvent*innen E-PhD-1 … ergänzen Organisation, Durchführung und Evaluation des Arbeitsfelds Schulsozialarbeit durch explizite wissenschaftliche Prozesse. F) Allgemeine professionelle Fähigkeiten und Fertigkeiten für die Schulsozialarbeit Wie bereits in Kapitel 8.1.1. dargestellt, wird im überarbeiteten QP_SSA die Dimension mit Allgemeinen professionellen Fähigkeiten und Fertigkeiten für die Schulsozialarbeit beschrieben. Die ursprüngliche Begrifflichkeit Eigenschaften fällt nach Ansicht der Expert*innen stärker in die Dimension Haltungen und professionelles Selbstverständnis und wurde entsprechend dort verortet. Die vorliegende Dimension umfasst in besonderer Weise Kompetenzen im Bereich der Kommunikation und Kooperation. Mit dieser Fokussierung ist das Qualifikationsprofil auch anschlussfähig an aktuelle wissenschaftliche Diskurse (Just, 2017; Maykus, 2011, 2017; Vogel, 2010). Die Etablierung des Arbeits- und Berufsfeldes im System Schule hängt wesentlich von den Kooperationsstrukturen mit der Schulleitung und den Lehrkräften ab. Im Zentrum einer erfolgreichen Kooperation steht dabei nicht die Erlangung von Gleichwertigkeit, sondern vielmehr die Wahrung von Selbstständigkeit. Selbstständigkeit ergibt sich dabei wesentlich aus einer uneingeschränkten Fachlichkeit, welche jedem professionellen Handeln zugrunde liegt (Stüwe et al., 2015). Die Wahrung uneingeschränkter Fachlichkeit erfordert insbesondere beim Aufbau von Kooperationsstrukturen entsprechende kommunikative Fähigkeiten seitens der schulsozialarbeiterischen Fachkraft, um eigene fachliche Positionen und professionsbezogene Handlungsstrategien vor dem Kollegium vertreten zu können (vgl. Speck, 2006, S. 315). Allgemeine professionelle Fähigkeiten und Fertigkeiten können wie folgt definiert werden: F-0: Absolvent*innen verfügen über weitere, nicht fachspezifische Fähigkeiten, die für die erfolgreiche, professionelle Schulsozialarbeit als Vorbedingung gelten müssen. Sie verfügen über Kompetenzen, die durch das Formulieren und Untermauern von Argumenten und das Entwickeln problemlösender Maßnahmen demonstriert werden. Sie gehen mit Belastungssituationen, stabil, ausgleichend und konstruktiv um. 9.2.6. 9.2. Ergebnisse der Fokusgruppendiskussion 161 Seitens der Expert*innen konnten folgende Deskriptoren auf Bachelor-, Master- und PhD-Niveau generiert werden: BA-Absolvent*innen F-BA-1 …agieren selbstständig, alleinverantwortlich, in Gruppen und Teams. F-BA-2 …kommunizieren und interagieren mit allen fachlichen und sonstigen Akteur*innen des Arbeitsfeldes Schulsozialarbeit unter Nutzung unterschiedlicher Medien. F-BA-3 …agieren verantwortungsbewusst bezogen auf die Auswirkungen ihres beruflichen Handelns für sich und andere. F-BA-4 ...erkennen und berücksichtigen die Bedürfnisse, Interessen und Wünsche von Menschen und Institutionen im Kontext der Schulsozialarbeit unter (berufs-)ethischen Aspekten. F-BA-5 …reflektieren kontinuierlich die Entwicklung der eigenen Person auch unter fachlicher Begleitung. F-BA-6 …verfolgen ihre ständige Weiterbildung. Dabei stellen sie sich den gesellschaftlichen Herausforderungen (z.B. Gender- und Machtverhältnisse, kulturelle Diversität, gesellschaftliche Verteilungsmechanismen). F-BA-7 (neu) …wirken kreativ und verantwortlich im Projekt- und Personalmanagement und in der Leitung mit. MA-Absolvent*innen F-MA-1 …vertiefen ihre Kenntnisse und Fähigkeiten aus dem BA. F-MA-2 …führen und leiten effektiv Gruppen und Teams in Forschung und Praxis an, welche aus unterschiedlichen Disziplinen mit unterschiedlichen Ausbildungsniveaus besetzt sind. F-MA-3 …führen und leiten (allein-)verantwortlich Personen und Projekte an. F-MA-4 …kommunizieren in nationalen und internationalen Kontexten mit den entsprechenden sprachlichen und interkulturellen Kenntnissen. F-MA-5 …erkennen, reflektieren und bewerten empirisch gegebene Disparitäten (z.B. sozialräumliche, soziale, kulturelle, politische) von Bildungs- und Teilhabechancen. 9. Überarbeitung des Qualifikationsprofils Schulsozialarbeit 162 PhD-Absolvent*innen F-PhD-1 …nehmen am internationalen akademischen Diskurs in der Profession und Disziplin Sozialer Arbeit. F-PhD-2 …können Erkenntnisse eigener Forschung oder von Dritten vor akademischem Publikum vortragen sowie an Laien vermitteln. F-PhD-3 … reflektieren und diskutieren die Folgen ihres akademischen und professionellen Wirkens für die Schulsozialarbeit, für Einzelne, für Gruppen, das Gemeinwesen und die Gesellschaft kritisch. F-PhD-4 …treiben den gesellschaftlichen, wissenschaftlichen und/ oder kulturellen Fortschritt einer Wissensgesellschaft im Forschungs-, Entwicklungsund Arbeitsfeld der Schulsozialarbeit voran. F-PhD-5 wissen sich dem Ethos wissenschaftlichen Arbeitens in unabhängiger Planung, Umsetzung, Bewertung und Anwendung von wissenschaftlicher Forschung und Erkenntnis verpflichtet. G) Haltungen und professionelles Selbstverständnis Die ursprüngliche Dimension Persönlichkeitsmerkmale wurde im Rahmen der Fokusgruppendiskussion umgeschrieben in Haltungen und professionelles Selbstverständnis. Diese Dimension erfährt, nicht wie in den Bereichen gehandhabt, keine weitere Ausdifferenzierung in unterschiedliche Deskriptoren, sondern versucht durch eine Definitionsbeschreibung die wesentlichen Haltungsaspekte einer professionellen Schulsozialarbeit zu skizzieren. Dazu zählt im Wesentlichen eine Haltung, welche die unterschiedlichen Lebenswelten der Schüler*innen berücksichtigt (Baier, 2011a). Darüber hinaus ist ein ganzheitlicher Blick auf das Schulsystem einzunehmen. Dies bedeutet insbesondere die Einsicht, dass sich die Institution Schule zunehmend zu einem multiprofessionellen Handlungsfeld entwickelt, in welchem die unterschiedlichen professionsspezifischen Blickwinkel entsprechend zu berücksichtigen sind. So gilt es für die Schulsozialarbeit auf Basis eines selbstkritischen und reflektierenden Professionsverständnisses, eine empathische Haltung, welche dennoch von einer notwendigen professionellen Distanz gekennzeichnet ist, gegenüber den Schüler*innen einzunehmen (vgl. Hollenstein & Nieslony, 2017b, S. 68). Der Dimension liegt folgende Definition zugrunde: G-0:Sie sind den Lebenswelten und Lebenslagen von jungen Menschen besonders zugewandt. Ihre Aufmerksamkeit gilt dabei der gesamten Schulgemeinschaft. Sie bringen sich als Person auf der Basis eines reflektierten Welt- und Menschenbildes ein. Ihre Berufsrolle üben sie selbstkritisch, reflektiert und mit der notwendigen professionellen Distanz aus. 9.2.7. 9.2. Ergebnisse der Fokusgruppendiskussion 163 Sie verfügen über eine stabile, belastungsfähige und ausgeglichene Persönlichkeit mit ausgeprägter Empathie für Kinder und Jugendliche und deren sozialer Problemstellungen. Ihre selbstkritische und reflektierte Haltung ermöglicht ihnen die Ausübung einer professionellen, distanzierten Berufsrolle unter Einbeziehung der eigenen Persönlichkeitsmerkmale auf der Basis eines reflektierten Welt- und Menschenbildes. Sie sind in der Lage, ihre Fachlichkeit mit Autonomie umzusetzen und an der Gestaltung des demokratischen Gemeinwesens – auch anwaltschaftlich für die Jugendlichen – aktiv mitzuwirken. Sie definieren selbständig Grenzen und Möglichkeiten ihres Handelns. Hierzu zählt auch die Sensibilisierung für die eigenen Erfahrungen mit Schule und deren mögliche Auswirkungen für die professionelle Tätigkeit im Berufs- und Arbeitsfeld Schulsozialarbeit. Das Kategoriensystem für die Auswertung der Literaturanalyse, der Stellenanzeigenanalyse wie auch der Auswertung der Expert*inneninterviews setzt sich aus den überarbeiteten Dimensionen des QP_SSA zusammen. Zur Überprüfung notwendiger Modifikationen und Ergänzungen im QP_SSA wurden im Rahmen einer quantitativen Befragung mittels standardisiertem Fragebogen Fachkräfte der Schulsozialarbeit befragt. Die Auswertung diese Untersuchung ist Bestandteil des folgenden Kapitels. 9. Überarbeitung des Qualifikationsprofils Schulsozialarbeit 164

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References

Abstract

The field of school social work has become increasingly important in recent years. With the knowledge and consideration of the diverse life worlds of children and young people, the legal foundations and the knowledge of challenges in various transition processes, school social workers must have a comprehensive competence profile.

On the basis of the empirical construction of a competence model for school social work oriented to the Qualifications Framework for German Higher Education, the present book can contribute to the professionalisation of the field of work and at the same time underline the need of specific study programmes at the level of the universities.

Zusammenfassung

Das Arbeitsfeld Schulsozialarbeit hat in den vergangenen Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Mit der Kenntnis und Berücksichtigung der vielfältigen Lebenswelten der Kinder und Jugendlichen, der rechtlichen Grundlagen und dem Wissen um Herausforderungen in unterschiedlichen Transitionsprozessen müssen Schulsozialarbeitende ein umfangreiches Kompetenzprofil aufweisen.

Anhand der empirischen Konstruktion eines am Qualifikationsrahmen für Deutsche Hochschulabschlüsse orientierten Kompetenzmodells für die Schulsozialarbeit kann mit dem vorliegenden Buch ein Beitrag zur Professionalisierung des Arbeitsfeldes geleistet und zugleich die Notwendigkeit von spezifischen Studienangeboten auf Ebene der Hochschulen unterstrichen werden.