Bernd Haunfelder, „Wir sind dankbar, dass wir dieses Werk vollbringen durften.“ – Saarbrücken und die Deutschlandhilfe der Schweiz und Irlands 1946 bis 1948 in:

Tony O'Herlihy, Jutta Ströter-Bender, Kulturamt Saarbrücken (ed.)

Das Danke-Buch aus Saarbrücken, 1946, page 17 - 34

Eine Erinnerung an den Hungerwinter

1. Edition 2020, ISBN print: 978-3-8288-4471-1, ISBN online: 978-3-8288-7501-2, https://doi.org/10.5771/9783828875012-17

Series: KONTEXT Kunst - Vermittlung - Kulturelle Bildung, vol. 24

Tectum, Baden-Baden
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17 Bernd Haunfelder „Wir sind dankbar, dass wir dieses Werk vollbringen durften.“ – Saarbrücken und die Deutschlandhilfe der Schweiz und Irlands 1946 bis 1948 Die ausländische Hilfe nach 1945 für das darniederliegende Deutschland ist mit dem Ableben der Kriegsgeneration nur noch ein Thema der Medien. Filmaufnahmen der Verteilung der Care-Pakete – von diesen gab es seit Oktober 1946 rund sechs Millionen – sind die einzigen Bilder, die noch in etwa die Gefühle von Freude und Dankbarkeit der leidenden Bevölkerung vermitteln. Die mitunter verklärte Hilfe aus den USA stellt aber nur einen Teil der weltweiten humanitären Unterstützung dar. Mag das Engagement zahlreicher anderer Länder und Organisationen in der Öffentlichkeit auch in Vergessenheit geraten sein, im Herzen der Kinder hatte die Hilfe zeitlebens einen Platz. Sie, die oft frühe Erinnerungen und Erfahrungen Zeit ihres Lebens mit sich trugen, seien es solche an den Luftkrieg, an Flucht und Vertreibung oder an die Trauer über den Verlust von Vater oder Mutter, entsannen sich noch sehr genau der ausländischen Wohltaten. Kinder sind besonders dankbar. Als Bundespräsident Roman Herzog im März 1997 Irland besuchte, dankte er der Bevölkerung für ihre überwältigende Hilfsbereitschaft nach dem II. Weltkrieg. Schon im Herbst 1945 hatten eigens gegründete Komitees mit wohlwollender Unterstützung von Parlament und Regierung Dutzende Tonnen Nahrungsmittel nach Deutschland geliefert. Hinter dem Schlagwort „Save German Children“ versammelten sich viele Iren und übten sich damit auch in Solidarität mit den deutschen Katholiken. Sie wussten dabei die großen Zeitungen an ihrer Seite. Dazu hatten Familien seit August 1946 etwa 550 deutsche Kinder aus dem nördlichen Rheinland und dem Ruhrgebiet, darunter viele Waisen, eingeladen. Die Mädchen und Jungen waren von der deutschen katholischen „Caritas“ ausgesucht worden. Ende September 1949 kehrten die letzten 72 nach zum Teil mehr- 18 Bernd Haunfelder jährigem Aufenthalt zurück. Einige Kinder, die ihre Eltern verloren hatten, ließen sich adoptieren und blieben in Irland. Dass auch Schweden eine solche Aktion gestartet hatte, ist hingegen vollkommen vergessen. 100.000 Familien hatten sich dort bereit erklärt, Kinder, auch aus Deutschland, zu Ferienaufenthalten einzuladen. Wie viele dorthin gelangten, ist aber unbekannt. Die allermeisten kamen aus Finnland und Norwegen. Immerhin 1.800 deutsche Kinder wurden zeitweise in den Niederlanden aufgenommen. Jahre später griff Bundespräsident Christian Wulff das Thema der ausländischen Hilfe wieder auf. Als ihn im Juli 2010 sein erster Staatsbesuch in die Schweiz führte, erinnerte er an das dortige überwältigende Engagement nach 1945. Der Einsatz für die Kinder zeige, so Wulff, dass das Land seine Neutralität gerade nicht dazu nutzte, sich herauszuhalten, sondern sich im Gegenteil entschieden habe, für Frieden und Humanität in der Welt einzutreten. Zwischen 1944 und 1948 waren rund 200.000 Kinder aus fast ganz Europa zu einem dreimonatigen Erholungsaufenthalt eingeladen worden, darunter 44.000 aus Deutschland. Außerdem hatte die Schweiz eine Reihe sozialer Zentren in Großstädten der damaligen britischen und französischen Zone aufgebaut und mit Hilfe eigener sowie ausländischer Nahrungsmittelspenden, darunter aus Irland, in zwei Jahren über zwei Millionen Kinder, auch in ländlichen Regionen, versorgt. Irland, die Schweiz und Schweden waren die ersten Staaten, die den hungernden deutschen Kindern zur Seite traten. Eine Grenzlandhilfe der Bodenseekantone hatte sogar schon kurz nach Kriegsende stattgefunden. Der finanzielle Aufwand der drei Länder war beachtlich, wenngleich nur das eidgenössische Engagement in seinem ganzen Ausmaß bekannt ist. Die Mitte Mai 1946 gegründete irische Spende verfügte ungefähr über drei Millionen Pfund Sterling, [2020: 190 Millionen Euro]. Hilfe sollten alle vom Krieg betroffenen Staaten Europas erhalten. Schweden beteiligte sich mit rund 500 Millionen Kronen [2020: 200 Millionen Euro]. 400 Millionen davon waren Spenden der Bevölkerung. In beiden Fällen dürfte der Endbetrag jedoch höher gewesen sein. Viele Schweizer hatten sich angesichts der Unversehrtheit ihres Landes – oftmals als eine glückliche Fügung verstanden – geradezu berufen gefühlt, mitzuhelfen, das Leid Europas zu mildern. Gemessen am Spendenaufkommen pro Kopf der Bevölkerung hatte das Nachbarland am meisten zur Linderung der Not beigetragen, den persönlichen Einsatz der Einwohner nicht eingerechnet, wie 1951 ein Beamter des Bundeskanzleramts errechnete. Konrad Adenauer wollte vor einem Besuch in Bern Näheres über das seinerzeitige Engagement wissen und sich dafür persönlich bedanken. Allgemein war aber kaum bekannt, dass selbst zwischen Basel, Genf und Lugano Zucker, Milch und Milchprodukte bis Anfang Februar 1948 rationiert waren. Dem Verursacher des europäischen Elends zu helfen, fand in der Schweiz aber zunächst keine Fürsprecher. Die Stimmung war betont antideutsch, ja sogar feindselig. Erst die nicht abreißenden Presseberichte über die unbeschreibliche Not leiteten einen allmählichen Stimmungsumschwung ein. Die Einsicht, dass Schuld nie beim ganzen Volk alleine liege, sondern nur wenige hauptschuldig, 19 „Wir sind dankbar, dass wir dieses Werk vollbringen durften.“ viele mitschuldig, viele aber ganz schuldlos seien, wie in Stellungnahmen verschiedener Hilfswerke zu lesen war, setzte sich allmählich durch. „Die Kinder können nichts dafür“, war danach vielfach zu hören. So empfand auch die Lehrerin Elise Ryser, Mitglied der Schweizer Equipe 1946/47 in der fast restlos zerstörten Stadt Saarbrücken. Sie bemühte Johann Wolfgang Goethes Ansicht von der Achtbarkeit des einzelnen Deutschen und der Miserabilität des gesamten Volkes. Ryser veröffentlichte ihre berührenden Eindrücke über das Leid der Einwohner in der Schweizerischen Lehrerinnen-Zeitung und forderte ihre Landsleute auf, der Not entgegenzutreten. Die Idee eines offiziellen Nachkriegshilfswerks der Schweiz entstand bereits 1943. Das vom Krieg verschont gebliebene Land wirkte seitdem sichtlich bemüht, den europäischen Völkern in ihrer Not beizustehen. Der Anschluss an eine alliierte Organisation wie die „United Nations Relief and Rehabilitation Administration“ (UNRRA) hätte allerdings dem Neutralitätsprinzip widersprochen. Natürlich spielten im Engagement Berns auch politische Beweggründe eine Rolle. Durch ein eigenständiges Hilfswerk erhoffte sich die Regierung, verlorenen politischen Kredit wieder zurückzugewinnen und damit die seit Jahren herrschende Isolation zu überwinden. Ferner ging es darum, im Land selbst wie nach außen hin Verständnis für die Haltung während des Kriegs zu wecken. Die beiden Parlamentskammern votierten Ende 1944 einstimmig für die Schaffung der „Schweizer Spende an die Kriegsgeschädigten“ in Europa. Sie wurde mit 152 Millionen Franken [2020: 550 Millionen Euro] aus Bundesmitteln ausgestattet. Kantone und Gemeinden steuerten zudem weitere neun Millionen [2020: 33 Millionen Euro] bei. Daneben gaben die Schweizer – quer durch alle Bevölkerungsschichten – reichlich. Auf diese Weise kamen noch einmal 40 Millionen Franken [2020: 146 Millionen Euro] zusammen. Die unter dem Patronat des Bundesrats und der Regierung stehende „Schweizer Spende“ sollte – einem Dachverband gleichend – sämtliche Aktionen koordinieren. Dabei legte man großen Wert darauf, dass es sich um eine Anstrengung der gesamten Bevölkerung handelte. Gemessen am Geldwert des Jahres 2020 verfügte das Hilfswerk insgesamt über rund 730 Millionen Euro. Erste Aktionen fanden bereits 1944 in Frankreich, Holland und Belgien statt. Anfang 1946 rückte dann Deutschland in den Blick. Die dramatischen Meldungen über die dortige Not hatten die Schweiz Ende 1945 bewogen, besonders hart betroffene Städte und Regionen zu unterstützen. Hilfe sollte aber nur Säuglingen, Kindern, schwangeren Frauen, jungen Müttern und Kranken, also politisch Unverdächtigen, gewährt werden. Darauf hatte man in Bern aus Gründen der Neutralitätswahrung großen Wert gelegt. Für den sogenannten „Hungerplan“ wurden sofort 8,9 Millionen Franken [2020: 33 Millionen Euro] bereitgestellt. Ohne die Zustimmung der Alliierten war aber konzentrierte Hilfe nicht möglich. Gespräche hierüber mit Briten und Franzosen führten schnell zum Erfolg. Amerikaner und Russen zeigten sich reservierter und ließen nur unter Auflagen einige wenige Aktionen in ihren Einflusssphären zu. Am großzügigsten verhielt sich Frankreich, das der Schweiz 20 Bernd Haunfelder ohnehin für zahlreiche humanitäre Aktionen zugunsten französischer Kriegsgefangener während des Kriegs dankbar war. Daneben spielten die großen Versorgungsprobleme Frankreichs selbst eine Rolle. Bei der Auswahl der Städte und Regionen halfen den Schweizern britische und französische Stellen, aber auch die beiden Kirchen. Geographisch wurden Baden mit Ausnahme seines zur amerikanischen Zone gehörenden nördlichen Teils, Württemberg-Hohenzollern, die vormals bayerische Pfalz, Teile von Rheinhessen, das Saargebiet, die frühere Rheinprovinz, dazu das westfälische Ruhrgebiet, Kiel und Berlin einbezogen. Gezielte und langfristige Hilfsaktionen in der französischen Zone gab es in Freiburg/Br., Koblenz, Mainz, Saarbrücken sowie in Trier. Die Verantwortung lag in den Händen sogenannter Aktionsträger, die ihre Arbeit im Auftrag der „Schweizer Spende“ versahen. Für Freiburg und Mainz war beispielsweise der „Schweizerische Caritasverband“ zuständig, für Saarbrücken die „Schweizerische Vereinigung für Internationalen Zivildienst“. Außerdem organisierte die eidgenössische Dachorganisation in vielen weiteren Städten Südwestdeutschlands Kinderspeisungen sowie in zehn weiteren Städten des Saargebiets. In Freiburg, Koblenz, Mainz, Saarbrücken und Trier gab es zugleich soziale Zentren, von den Deutschen allgemein „Schweizer Dörfer“ genannt. Sie bestanden aus mehreren Baracken. Neben der Zubereitung der täglichen Mahlzeiten waren dort provisorische Werkstätten, etwa für die Reparatur von Schuhen oder das Nähen von Textilien, eingerichtet worden. Damit hatte man in anderen Ländern gute Erfahrungen gemacht. Um den Nachschub in Deutschland effektiv zu organisieren, waren im Herbst 1946 anstelle der direkten Belieferung aus der Schweiz große Versorgungslager in Freiburg, in Neustadt/ Weinstraße, in Koblenz und in Duisburg eingerichtet worden. Verantwortlich für die Aktion in Deutschland war der Berner Kaufmann Hugo René Ernst, der von Oktober 1946 bis August 1948 als Delegierter der „Schweizer Spende“ von Koblenz aus die Hilfsmaßnahmen koordinierte. Seinen Namen haben die insgesamt zwei Millionen Kinder, die von seinem Land versorgt wurden, nie gehört. Ihm verdanken sie unter anderem die Verteilung von 52 Tonnen Schokolade. Dass die Schweiz eine solche Menge nicht so einfach beschaffen konnte, lag nahe. Sie kaufte in anderen Ländern hinzu. Das galt besonders für Lebensmittel, wobei die USA, aber auch Dänemark und die Niederlande eine Rolle spielten. Zu Weihnachten und Ostern wurden die Kinder mit einer Tafel Vollmilchschokolade beschenkt. Die meisten kannten diesen süßen Genuss bloß vom Hörensagen. Einige Aktionen richteten sich an die gesamte Bevölkerung. Am 3. Advent 1946 ließ die „Schweizer Spende“ 52 Tonnen Äpfel über den Detailhandel in Saarbrücken verteilen. Pro Person gab es ein Pfund. Die Schweiz und Schweden waren aber die einzigen Länder, die permanent mit eigenem Personal, fast ausnahmslos mit Freiwilligen, der Not zu Leibe rückten. Es waren also sichtbar Helfende. Einige Aktionsträger hatten ihren Mitarbeitern nahegelegt, auch als Erkennungszeichen gegenüber alliiertem Militär, die schlichte dunkle Uniform der „Schweizer Spende“ zu tragen. Das ver- 21 „Wir sind dankbar, dass wir dieses Werk vollbringen durften.“ schaffte vor allem den Schweizern aufgrund der gemeinsamen Sprache von Anfang an eine Vertrauensstellung in der Bevölkerung und wirkte sich besonders dort aus, wo die Eidgenossen als einzige Helfer im Einsatz waren. Mit dem Namen ihres Landes verbanden viele Deutsche ohnehin seit jeher eine Kultur weit gefasster Humanität, von der Albert Schweitzer einst behauptete, sie sei die Grundlage des Rechts. Sprachprobleme waren der wichtigste Grund, weshalb Irland nicht mit eigenen Landsleuten präsent war, sondern ausschließlich andere ausländische Hilfswerke oder deutsche Organisationen unterstützte. Zurückhaltung des neutralen Landes, dessen Verhältnis vor allem zu England seit Jahrzehnten angespannt war, dürfte eine weitere Rolle gespielt haben. Die Hilfe Irlands für einige besonders schwer gezeichnete deutsche Städte hatte bereits im Herbst 1945 eingesetzt. Im Dezember lieferte das dortige Rote Kreuz beispielsweise zehn Tonnen Butter nach Freiburg. Im Januar kam dann die nächste Sendung dorthin, wieder Butter, aber auch Speck. Wenig später wurde Trier bedacht. Irische Lebensmittel wurden zudem in anderen deutschen Regionen, etwa im späteren Nordrhein-Westfalen, verteilt, daneben in Österreich und hier vor allem in Wien. Fast immer war Speck dabei. Auch fanden große Mengen an Kondensmilch, Zucker und Hülsenfrüchte sowie Dosenfleisch den Weg nach Deutschland. Dazu kamen später Wolldecken und Matratzen. Noch im November 1948 verteilte Irland zwei Millionen Pfund Dosenfleisch. Es war üblich, dass sich die Helfernationen untereinander absprachen und ihre Zusammenarbeit koordinierten, so auch in Saarbrücken. Anderenorts arbeiteten Schweizer etwa mit schwedischen und britischen Organisationen, dazu mit Quäkern und der Heilsarmee, so in Köln, zusammen. Lieferungen von dieser Seite waren über das Hilfswerk der Evangelischen Kirche in Deutschland zu den Betroffenen gelangt. Namentlich hatten die in einigen schwedischen Städten gegründeten Komitees zugunsten der deutschen Kinderhilfe diesen Verteilerweg gewählt. Das Land war vor allem durch seine umfangreichen Kleiderspenden zu einem Begriff geworden. Unterstützung kam im Übrigen aus allen Weltregionen, aus Australien, Chile, Südafrika oder Kanada. Dass die Deutschlandhilfe Irlands vorwiegend katholische Regionen erreichte, war aber nicht allein auf die dortige konfessionelle Prägung zurückzuführen, sondern hatte etwas mit organisatorischen Abläufen zu tun. Die Lieferungen wurden vielfach durch katholische Einrichtungen, darunter vor allem die „Caritas“, verteilt. Diese verfügte noch über intakte Strukturen und kümmerte sich zudem um die Spenden des Vatikans und Spaniens. Die amerikanischen Mennoniten, die seit 1947 Schulspeisungen durchführten und zum Teil eigenes Personal mitbrachten, lie- ßen ihre Lebensmittel etwa über evangelische Hilfswerke ausgeben, ebenso die schweizerische Schwesterorganisation und schwedische Institutionen. Auf das Deutsche Rote Kreuz konnten Iren, Schweden, Schweizer und Amerikaner nicht zählen. Die Alliierten hatten es als Dachverband aufgelöst. Die traditionell neutrale Eidgenossenschaft wollte hingegen das Heft selbst in der Hand behalten und entsandte deshalb eine Vielzahl freiwilliger Helfer. Dafür gab es Gründe. 22 Bernd Haunfelder Zum einen wollte man verhindern, dass die Lebensmittellieferungen in falsche Hände gerieten. Die Siegermächte, allen voran England und die USA, sahen sich die Aktivitäten Berns deshalb ganz genau an, weil sie während des Kriegs wiederholt an der engen Zusammenarbeit der Schweiz mit dem „Dritten Reich“ Anstoß genommen hatten. Zum anderen wollten die Hilfswerke gegenüber der eigenen Bevölkerung darlegen, was mit den gespendeten Millionenbeträgen genau geschah. Die kritische Presse beobachtete das Wirken ihrer Landsleute im Ausland sehr genau. Das hatte dazu geführt, dass die Abgabe von Lebensmitteln, Textilien oder Schuhen minutiös aufgelistet wurde. Die Schweizer Freiwilligen, die Deutschland oftmals schon aus früherer Zeit kannten, kamen jetzt in ein zerstörtes und zudem moralisch diskreditiertes Land, wahrlich keine leichte Aufgabe. Sicherlich reisten viele nicht ohne Vorbehalte dorthin, zumal das „Dritte Reich“ die Eidgenossenschaft ja über viele Jahre hinweg massiv bedroht hatte. Dennoch führten sie ihre nicht großzügig vergütete Arbeit selbstlos und vorurteilsfrei durch und entwickelten angesichts der Not und des Elends Verständnis. Viele Deutsche sahen in ihnen Botschafter der Menschlichkeit und verbanden mit ihrer Anwesenheit, abgesehen von der materiellen Hilfe, Gefühle von Zuversicht und Hoffnung. Die menschliche Dimension der „Schweizer Spende“ war in der Tat beachtlich. Ein Mädchen, dessen Vater im Krieg geblieben und das mit seiner Mutter 1945 aus Pommern geflohen war, hat das Engagement des Nachbarlandes einmal sehr treffend zusammengefasst. „In meinen und meiner Geschwister Erinnerungen an diese Zeit des Schreckens und der Angst sind ,Die Schweizer‘ für uns jene Menschen gewesen, die uns liebevoll halfen, in ein gesichertes Leben zurückzufinden, vor allem aber wieder den Glauben an das Gute im Menschen zu entwickeln. Unser Dank ist unvergessen.“ Ähnlich sahen dies Offizielle des Saargebiets. „[…] Erwähnt werden muss auch“, so brachte es der Bürgermeister der Stadt Völklingen, Anton Tinnes, in seinem Dankesschreiben an die „Schweizer Spende“ 1948 zum Ausdruck, „dass auch in den Erwachsenen das Gefühl einer gewissen Sicherheit, das Gefühl des Nichtverlassenseins und der Hoffnung wach wurde.“ Die Reaktionen der Deutschen beschämten aber nicht selten die Freiwilligen. „Dass da jemand gewesen ist, der uns die Hand reichte in unserer Not und Erniedrigung, das bedeutete uns ebenso viel“, hätten sie in Saarbrücken zu hören bekommen. Den meisten Deutschen seien dabei die Tränen heruntergelaufen, berichtete etwa die bereits erwähnte Elise Ryser über die große Freude saarländischer Lehrerinnen, die ein Lebensmittelpaket aus der Schweiz erhalten hatten. Die engagierte Verbandspädagogin, mit 46 Jahren die älteste der Equipe, hatte es geschafft, dafür über 60 Paten in der Schweiz zu gewinnen. „Ich selbst hoffe, dass die Beziehungen zu Saarbrücken bei Euch recht lebendig werden“, ließ sie die Leser der Lehrerinnen-Zeitung wissen. „Sie sollten ja ein Brücklein bilden, auf dem wir zu Deutschland hinüberfinden. Wir müssen vergessen und verzeihen und uns nicht in pharisäischer Selbstgerechtigkeit distanzieren, wie dies in Helvetien mancherorts der Brauch ist.“ 23 „Wir sind dankbar, dass wir dieses Werk vollbringen durften.“ Dass die Helfer mitunter selbst an den grauenvollen Lebensumständen der Deutschen litten, wie aus Saarbrücken berichtet wurde, kam aber nur selten zur Sprache. Anfang Juni 1946 schrieb Ryser an die Redaktion der Lehrerinnen-Zeitung, „[…] dass wir so viele dauernd hungrige Menschen sehen, dass sich mir die ganze Furchtbarkeit des Problems wie ein Alpdruck auf die Seele legt.“ Das Saargebiet leide als Grenzland viel mehr als andere Gebiete von Deutschland, denn hier kämen nun noch die politischen Machinationen [Machenschaften] dazu, führte sie weiter aus. Man könne oft an der Menschheit verzweifeln. Die Saarländer seien angenehme Menschen, von preußischem Geist spüre man gottlob nichts. Jetzt seien sie in eine große Lethargie hineingeraten, denn nur noch eines beherrsche sie: „Gebt uns wieder zu essen!“ Hier bewahrheite sich das Wort Mahatma Gandhis, fügte sie hinzu. Einem Volke, das hungere, müsse Gott zuerst in Gestalt des Brotes erscheinen. Das Bild der wandernden, schleppenden Schlange stehenden Menschenhaufen mit dem gequälten Gesichtsausdruck – gemeint war die verzweifelte Suche nach Nahrung –, habe sie oft bis tief in den Schlaf hinein verfolgt, bekannte Elise Ryser an anderer Stelle. Dass Schweizer Hilfswerken das Schicksal Deutschlands nach Kriegsende nicht gleichgültig war, beweisen die frühen Inspektionsreisen offizieller Vertreter. Bereits vom 8. bis zum 15. September 1945 war Ralph Hegnauer, Generalsekretär der Schweizerischen Vereinigung für Internationalen Zivildienst, im Saargebiet und ließ sich von französischen Offiziellen und der Stadtverwaltung über die verzweifelte Lage Saarbrückens informieren. Angesichts des beängstigenden Zustands der Kleinkinder schlug er seiner Organisation vor, dort zunächst einen Kindergarten aufzubauen. Hegnauers Bericht dürfte anderen humanitären Einrichtungen seines Landes bekannt gewesen sein. Es kam alles ganz anders. Keine vier Monate später, vermutlich aufgrund der während seines Aufenthalts gewonnenen Erkenntnisse, übernahm der Zivildienst die Ernährung der Schulkinder Saarbrückens. Die dortige Sozialaktion sollte die bedeutendste der Organisation in der Nachkriegszeit werden. Anfang Februar 1946 verschaffte sich Hans- Rudolf Gautschi, Zentralsekretär der Kinderhilfe des Schweizerischen Roten Kreuzes, ein Bild von der Lage in der französischen Zone und besuchte dabei auch Saarbrücken. Er wollte sich über den Gesundheitszustand solcher Kinder informieren, denen es trotz der angelaufenen Schülerspeisung nicht besser ging. Betroffene, die das zehnte Lebensjahr noch nicht vollendet hatten und als besorgniserregend unterernährt galten, sollten rasch für einen dreimonatigen Erholungsaufenthalt in der Schweiz ausgewählt werden. Im ersten deutschen „Kinderzug“ in Richtung Basel Mitte April 1946 saßen dann 150 Mädchen und Jungen aus Saarbrücken. Die anderen kamen aus Trier und Ludwigshafen. „In Saarbrücken, ehemals einer Stadt mit 120.000 Einwohnern, leben heute 45.000 Menschen. Wo sie unterkommen, ist rätselhaft, 80 Prozent der Stadt ist zerstört“, hielt Gautschi nach seinem Besuch erschüttert fest. Hier wohne das Volk im Keller, hätte ihm Christel Koller, die dies im Danke-Buch der Cecilien-Mittelschule beklagt, antworten können. Die kriegsevakuierte Bevölkerung 24 Bernd Haunfelder war in ein unbeschreibliches Chaos zurückgekehrt. Die Lage besserte sich im Sommer 1946 keinen Deut. Ein halbes Jahr nach Gautschis Besuch bereiste ein Schweizer Journalist – H. Sch. mit Kürzel – das Elsass und kam anschließend nach Saarbrücken. „Die Stadt ist heute eine Stätte des Grauens und der Not“, schrieb er am 25. September 1946 in einem längeren Bericht in der Basler „National-Zeitung“. „Drei Stadtteile sind völlig vernichtet. Achtzig Prozent der Gebäude sind zerstört. Die 90.000 Einwohner [inzwischen waren viele Bewohner aus der Evakuierung zurückgekehrt, Anm. d. Vf.] müssen sich die verbliebenen zwanzig Prozent des Wohnraumes teilen. Ein Wohnzimmer zu besitzen, ist verboten. Oft drängen sich bis zu vierzehn Personen in einem kleinen Wohnraum. Tausende und Abertausende hausen in Kellern und Löchern. Die Ernährung ist mehr als mangelhaft. Vor den Geschäften stehen die Leute Schlange. Schuhe und Stoffe gibt es überhaupt keine. […] Ein Blick in die Ruinenstadt ist erschütternd und niemals geben die Bilder den Eindruck wieder, den die Verwüstungen durch die Bombardemente auf den Beschauer machten.“ Seine letzte Bemerkung, dass der Wiederaufbau der Stadt fünfzig Jahre beanspruchen werde, dürfte das Ausmaß des Schreckens am sinnfälligsten verdeutlichen. Die Not war unbeschreiblich und vor allem die Ernährungslage wurde von deutscher wie von französischer Seite als dramatisch bezeichnet. Am meisten litten alte Menschen und Kinder. Von Letzteren wiesen 1946 im nahen Trier gerade einmal noch 20 Prozent einen normalen Gesundheitszustand vor. Im Winter 1946/47, der zu den härtesten seit vielen Jahrzehnten gehörte, verschlimmerte sich die Lage zusehends. Anfang Februar 1947 wurde bekannt, dass die tägliche Ration in der französischen Zone um 35 Prozent auf 1.350 Kalorien herabgesetzt wurde. Tatsächlich lag sie jedoch mit 950 Kalorien weitaus niedriger, wie im September eingeräumt wurde. Im Juni 1947 bemaß man sie auf 520 Kalorien. Viele lebten tagelang nur von Kartoffelschalensuppe und Brot. Die Sterblichkeitsrate unter Kindern stieg stark an. Vermutlich über die Schweizer Stellen dürften die Meldungen aus Saarbrücken nach Irland gelangt sein. Danach hat sich der im Danke-Buch erwähnte irische Abgesandte auf den Weg dorthin gemacht, um sich ein Bild zu verschaffen. Von seiner Anwesenheit und nachfolgenden Erschütterung bei der Schilderung der Zustände vor Offiziellen seines Heimatlandes berichtete Christel Koller im Danke-Buch. Ihre Lehrerin hatte es vermutlich der Klasse erzählt. Woher aber wusste sie das? Der Ire muss also wohl noch einmal nach Saarbrücken gekommen sein und war wahrscheinlich Ende 1947 der Empfänger des Bandes. Er ist der große Unbekannte dieser Geschichte. Die Kinder dürften ihn, so sie ihn gesehen hätten, bestimmt erwähnt oder wenigstens gezeichnet haben. Er taucht aber nirgends auf. Zu Hause, so liest es sich bei Christel Koller weiter, hat der Abgesandte dann für die dauerhafte Hilfe erfolgreich geworben. „Wir konnten es gar nicht begreifen“, so Koller am Ende ihres Beitrags, „dass es einen Staat geben sollte, der sich unser annahm.“ Die Lehrerin muss über die Hilfsaktionen aber noch mehr erzählt haben. In der Zeichnung Edith Lehmanns werden Namen weiterer Großstädte 25 „Wir sind dankbar, dass wir dieses Werk vollbringen durften.“ – so Essen, Köln, Ludwigshafen und Mannheim – aufgeführt, in denen es gleichfalls organisierte Schülerspeisungen gab. Dies wurde vielleicht in der wegen Papiermangels nur dreimal wöchentlich erscheinenden „Saarbrücker Zeitung“ veröffentlicht, dürfte aber kaum weiter bekannt gewesen sein. Die Einwohner hatten mit sich selbst zu tun. Obwohl von der Schweiz im Danke-Buch nur am Rande die Rede ist, haben andere Saarbrücker Kinder die Hilfe des Nachbarlandes in Bildern festgehalten, wie Elise Ryser im Januar 1947 (unrichtigerweise als Januar 1946 datiert) in ihrem „Aus Saarbrücken“ betitelten Bericht schrieb. Eine Schulleiterin namens Courrier [Céline Courrier * 1903, technische Lehrerin, nach 1945 kommissarische Leiterin verschiedener Schulen Saarbrückens, Anm. d. Vf.] habe ihr eine gut gelungene Mappe mit Zeichnungen über die Speisung übergeben. Beigefügt waren Kinderbriefe. Ein Mitarbeiter des Zivildienstes habe das Konvolut in die Schweiz mitgenommen. Es befindet sich im Archiv des Zivildienstes in La Chaux-de-Fonds. Die Briefe aus der zweiten Dezemberhälfte 1946 stammen unter anderem vom Mädchen-Realgymnasium und der Jägersfreudeschule. Mit der Systematik des „Danke-Buchs“ kann sich das Konvolut aber nicht messen. Gern hätte man in diesem Zusammenhang noch gewusst, warum die gebürtige Saarbrückerin und Dolmetscherin ihrer Vaterstadt von 1945 bis 1947, Doris Seck, die einige Darstellungen zur dortigen Nachkriegszeit publizierte, auf die Schulspeisung zwar eingeht, aber die Spende aus Irland nur beiläufig erwähnt. Das entsprechende Kapitel in dem Band „Nachkriegsjahre an der Saar“ heißt allgemein „Schweizer Spende“. Der bereits erwähnte Generalsekretär des Zivildienstes Ralph Hegnauer schreibt im Schlussbericht über Saarbrücken, dass die Kosten für die eingesetzten Nahrungsmittel zum weitaus größten Teil die „Schweizer Spende“ beglich. Im „Zehn-Städte-Programm für Hilfe an Deutschland“ übernahm, wie erwähnt, die „Schweizerische Vereinigung für Internationalen Zivildienst“ die Verantwortung für die Schulspeisung in Saarbrücken. Sie war dort vom 27. Dezember 1945 bis zum 30. April 1948 im Einsatz. Im Mittelpunkt der Hilfsaktion standen vier frühere eidgenössische Militärbaracken, die auf dem Theaterplatz aufgebaut wurden. Mit der Eisenbahn hatte die Schweiz mehr als 100 davon nach Deutschland transportieren lassen. Mit deren Ankunft in Saarbrücken begannen aber schon die ersten Probleme, es fehlte zunächst an geeignetem Werkzeug zum Aufbau. In den berührenden Zeichnungen des Danke-Buchs sind die Baracken – von außen wie von innen – wiederholt abgebildet. Den Schülerinnen entging zudem nicht, dass in den Unterkünften ein Arzt praktizierte. Ende Dezember 1945 hatten sich die ersten Helfer von Zürich aus, wo der Zivildienst beheimatet war, auf den Weg nach Saarbrücken gemacht, um unter der Leitung des Basler Kaufmanns Bernhard Klausener die Aktion vorzubereiten. Ihn begleiteten der Kinderarzt Max-Henri Béguin aus Le Locle im Kanton Neuenburg sowie die Arztgehilfin Hanni Badertscher aus Stansstad im Kanton Nidwalden. Sie sollte die mit der Speisung verbundene Krankenhilfe aufbauen und war während der gesamten Zeit anwesend. Von August 1947 bis April 1948 26 Bernd Haunfelder war sie Leiterin ihrer Organisation in Saarbrücken. Auch die Namen der später hinzugekommenen Helfer sind bekannt. Das ist überaus selten. 22 junge Frauen und Männer, die meisten um 1920 herum geboren, hatte der Zivildienst für den Dienst in Saarbrücken ausgesucht, zumeist Lehrer oder Handwerker von Beruf; einige Frauen waren Kindergärtnerinnen. Es waren alle sämtlich Freiwillige. Max-Henri Béguin wurde später als Philanthrop weithin bekannt. Der bekennende Quäker und Pazifist starb im Jahr 2000 im Alter von 92 Jahren. Durchschnittlich waren in den zweieinhalb Jahren jeweils acht Personen im Einsatz. Alle zusammen brachten es auf genau 4.585 Diensttage, wie im Rechenschaftsbericht nachzulesen ist. Die Helfer erhielten keinen Lohn, sondern lediglich ein geringfügiges Taschengeld. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit stand die Schulspeisung. Diese wurde aber nicht einheitlich verteilt. Zunächst untersuchte Béguin mithilfe deutscher Ärzte die rund 9.000 Schüler der Stadt und unterteilte sie in Kategorien. „A“ bedeutete normal ernährt, „B“ wenig unterernährt, „C“ unterernährt sowie „D“ stark unterernährt. Die meisten Kinder fielen in die Gruppen „B“ und „C“. Einige der als stark unterernährt Eingestuften dürften zu dem erwähnten dreimonatigen Erholungsaufenthalt in die Schweiz gefahren sein. Es gab aber auch Kinder, die aufgrund ihres Gesundheitszustands keine Schulspeisung erhielten. Christel Isengard, Friedel Liebig und Else Buchholz etwa schrieben davon. Christel Isengard hoffte jedoch, doch noch einmal dazuzugehören. Trotzdem bedankten sie sich im Namen aller Saarbrücker Kinder für die Speisung. Alle Mädchen und Jungen zu versorgen, hätte die Mittel überfordert, führte Elise Ryser aus. Die letzte Entscheidung über die Einteilung der Schüler war allein Sache der Schweizer Mediziner. Auf Béguin folgte im April 1946 der Basler Arzt Markus Jucker. Deutsche Amtsärzte durften zwar assistieren, hatten aber keine Befugnisse. Jedes Kind erhielt danach eine Berechtigungskarte mit dem Nachweis seiner Kategorisierung. Brigitte Stein hat, wie sie in ihren Zeilen festhielt, die Untersuchung durch einen Schweizer Arzt kurz erwähnt. Sie wurde in die Gruppe „D“ eingereiht und erhielt damit täglich eine Mahlzeit. Darauf war sie ganz stolz und fügte freudig hinzu, dass sie binnen kurzem wieder zugenommen habe. Sie bedankte sich ausdrücklich im Namen ihrer Mutter. Der Vater scheint im Krieg geblieben zu sein. Für die meisten Schüler – Elise Ryser spricht einmal von 75 Prozent – sei 1947 die Schulspeisung über Wochen hinweg die einzige richtige Mahlzeit des Tages gewesen. Alle Kinder wurden nach einigen Monaten nochmals untersucht und, falls erforderlich, neu eingeteilt. Die Schweizer wollten dadurch herausfinden, welche Wirkung die Speisung erzielt hatte. Die Kinder der Kategorie „C“ erhielten im Übrigen wöchentlich vier Mahlzeiten, jene aus der Gruppe „B“ zwei und die unter „A“ eingestuften Kinder in der fraglichen Zeit nur ein Gericht. Während des 25-monatigen Einsatzes des Zivildienstes wurden insgesamt 280.000 kg Lebensmittel in Form von mehr als drei Millionen zubereiteten Mahlzeiten ausgegeben. Durchschnittlich erhielten täglich 4.600 Kinder in 13 Schulen ein Essen, zumeist Suppen oder Zwiebackmus – eine Mischung aus Zwieback, Zucker und 27 „Wir sind dankbar, dass wir dieses Werk vollbringen durften.“ Kondensmilch –, wie die Mädchen wiederholt berichteten. An die ihnen unbekannte sehr süße Kost mussten sie sich aber erst einmal gewöhnen. Der Speisenplan mit besonders nahrhaften und kalorienreichen Mahlzeiten orientierte sich an den Vorgaben der „Schweizer Spende“, war also an allen Standorten nahezu gleich. Beliebteste Gabe war überall Kakao. Ohne die große Unterstützung der Behörden und vor allem die der Lehrer wäre das reibungslose Funktionieren der umfangreichen und langandauernden Kinderspeisung aber nicht möglich gewesen, hieß es unisono aus Kreisen der Helfer. Angesichts des gro- ßen Mangels an ausreichendem Schulraum war ja noch nicht einmal an einen normalen Unterrichtsablauf zu denken. Jede Klasse hatte zu Anfang täglich nur etwa zwei Stunden Unterricht. Danach wurde sie durch eine andere abgelöst. Schichtunterricht und die Zusammenfassung mehrerer Jahrgänge waren an der Tagesordnung, weit über 50 Schüler in einer Klasse keine Seltenheit. Die im Danke-Buch vertretenen Kinder entstammten den Jahrgängen 1933 bis 1935. Die wenigen politisch unbelasteten Lehrer mussten oftmals zwei Klassen leiten. Äußere Probleme kamen hinzu. An Regentagen fehlten wegen des Schuhmangels bis zu einem Drittel der Schüler. An die allgemeine Schulpflicht zu erinnern, half wenig. Die Abwesenden erhielten folglich auch kein Essen. Das erste, was ausländische Hilfsorganisationen im Herbst 1945 nach Deutschland geschickt hatten, waren Schuhe. In Saarbrücken spielte zu Beginn der Schulspeisung 1946 eine 27 Tonnen schwere Zuckerspende aus Irland eine große Rolle, dazu kamen 10 Tonnen Speck, wie der erwähnte Redakteur der Basler „National-Zeitung“ berichtete. Welche Organisation sich im Einzelnen hinter der „Irischen Spende“ verbarg, erwähnte der Journalist aber nicht. Möglicherweise waren es Quäker. Darauf deutet der unter den Kindern verwendete Name „Quäker“ als Synonym für die Schulspeisung hin, wie sich Christine „Christel“ Reinhardt, geborene Silbernagel, in einem Gespräch am 28. Oktober 2019 erinnerte. „Komm, es gibt ,Quäker‘“, hätten die Kinder gerufen, berichtete auch Elise Ryser. Sie konnte sich darauf allerdings keinen Reim machen und glaubte, dass der Begriff auf die Saarbrücker Quäkerspeisung nach dem I. Weltkrieg zurückgehe. Ryser, die von Januar 1946 bis Mitte Juli 1947 in Saarbrücken weilte, dürfte über die nichtschweizerischen Hilfslieferungen allerdings bestens Bescheid gewusst haben. Christine Reinhardt glaubte sich aber zu erinnern, dass die Lebensmittelspenden, wie ihre Eltern erzählten, von den Quäkern stammten. Ryser und die anderen Schweizer Helfer hätten vergeblich versucht, die Namensgebung aus der Welt zu schaffen, habe doch ihrer Ansicht nach kein Kind gewusst, was die Quäker seien. „So verteilten wir eben weiter ,Quäker‘“. Übrigens lieferte die „Schweizer Spende“ Nahrungsmittel an zehn weitere Städte des Saargebiets und versorgte dort insgesamt 11.800 Kinder. Aus der Schweiz war der Zivildienst mit zwei Tonnen Suppenmehl, 16 Tonnen Kondens- und Trockenmilch, einer Tonne Knäckebrot, sieben Tonnen Zwieback, größtenteils aus Armeebeständen, einer Tonne Sardinen sowie Hülsenfrüchten beliefert worden. Speck, Käse und Bohnensuppen, ferner 28 Bernd Haunfelder Zwieback sowie Hirsebrei standen auf dem Speisenplan, wie Hanna Scherer berichtet. Oft gab es dazu noch Zuckerplätzchen. Über die unterschiedliche Herkunft der Spenden waren die Schülerinnen nicht informiert. Ihre Dankesbekundungen richteten sich in erster Linie an die irischen Wohltäter bzw. zumeist an die dortige Bevölkerung. Die Schweiz spielte nur eine Nebenrolle. Wie beide Helfernationen zusammenfanden, wurde gleichfalls nicht thematisiert, obwohl die Kunstlehrerin, wie Hildegard Meißner schrieb, ihnen gesagt hatte, dass das Essen auch aus dem Nachbarland stammte. Christine Reinhardt sei das Schweizer Engagement in Sachen Schulspeisung dagegen vollkommen unbekannt gewesen, wie sie am 28. Oktober 2019 sagte. Sie hatte nur etwas von den Iren gehört. Wohl aber seien ihr die Schweizer Baracken auf dem Theaterplatz ein Begriff gewesen. Dort habe sie Wolle erhalten. Ende September 1946 hatte der Zivildienst bereits 75 Tonnen Nahrung verarbeitet. Weitere Lebensmittel hatte er von der 1940 gegründeten „Commission Mixte“ des Internationalen Roten Kreuzes in Genf erhalten, darunter Spenden des Australischen Roten Kreuzes sowie der deutschen Kolonie in Südafrika. Dabei muss es sich unter anderem um Schokolade gehandelt haben. Gegen Ende unterstützte zudem die Militärregierung die Hilfsaktion. Daneben gab es immer wieder kleinere Zuwendungen anderer Wohlfahrtsorganisationen. Die Schulspeisung sah sich von Anfang an vor logistische Probleme gestellt. Die Anlieferung der Lebensmittel aus der Schweiz hatte, auch wegen der ständigen Bitten bei den Behörden um Benzinscheine, die Hilfsaktion zu einer unsicheren Angelegenheit werden lassen. Dies änderte sich erst nach der Einrichtung von Zentrallagern in der britischen und französischen Zone. Danach kamen die Nahrungsmittel aus dem nahen Neustadt/Weinstraße. Wie die Iren ihre Transporte von den Seehäfen bis in die deutschen Notgebiete regelten, ist nicht bekannt. Viel Zeit nahmen darüber hinaus Absprachen mit der Stadt und der Militärregierung in Anspruch. Dazu gesellten sich ständig wechselnde Organisationsabläufe in den Schulen. Von einem reibungslosen Gang, so erinnerte sich der Schweizer Lehrer Fridolin Trüb, konnte nicht die Rede sein. Trüb war von Oktober 1946 bis April 1947 Leiter der Aktion. Die Angehörigen des Zivildienstes waren überdies weitgehend auf sich alleine gestellt. Da die Postzustellung in Deutschland unzuverlässig war, hatten sie im nahen französischen Forbach ein Postlager für Auslandsbriefe und -pakete eingerichtet. Über diese Adresse erreichten auch Bücherspenden Einwohner der Stadt. Das Essen wurde in aller Frühe in zwei gro- ßen, von der Stadt bereitgestellten Militärkesseln gekocht. Sie fassten jeweils etwa 1.000 Liter. Um die Zubereitung und die nachfolgende Verteilung kümmerten sich deutsche Freiwillige, insgesamt etwa zehn. Ein Lastwagen brachte ab 8.00 Uhr das in Thermoskübeln zu je 40 Litern abgefüllte Essen in die einzelnen Schulen, wie auf einer Zeichnung zu sehen ist. Es handelte sich dabei aber nicht um ein Frühstück, sondern um eine sich den ganzen Vormittag hinziehende Verpflegung, für die extra eigene Pausen eingerichtet wurden. Die Speisung fand unter der Leitung und Aufsicht der Lehrerinnen und 29 „Wir sind dankbar, dass wir dieses Werk vollbringen durften.“ Lehrer statt. Es seien schmale, bleiche Gesichtchen, die um viel Leid wüssten, schrieb Elise Ryser und erwähnt ein rührendes Beispiel. „Ein kleines Kerlchen geht an mir vorüber zur Türe hinaus. ,Magst du die Suppe nicht fertig essen? Schmeckt sie nicht gut?‘, ,O doch, aber ich möchte meinem kleinen Schwesterchen davon [etwas] heimbringen‘“, habe er gesagt. Die Ausgabe war Sache der Schulhausmeister. Jedes Kind musste sein eigenes Geschirr, ein sogenanntes Kesselchen, mitbringen, wie auf den Bildern des Danke-Buchs oft zu sehen ist. Die abgegebene Menge betrug zwischen 0,3 und 0,4 Liter aus einer Schöpfkelle. Aber nichts geriet zur Routine, wie Elise Ryser berichtete. Mitunter streikten beide Lastwagen – der eine brachte das Essen, der andere holte die Thermoskübel wieder ab – und einmal sei es sogar unmöglich gewesen, einen Ersatzwagen zu beschaffen. Abends um sechs Uhr konnte man dann endlich mit einem Privatwagen die Suppe noch in die Schulhäuser fahren, wo die Kinder der Nachmittagsschicht wartend mit Kesselchen stundenlang in den Treppenhäusern herumstanden. „Wir sind nun ganz in das Leben der Stadt eingefügt“, hielt Bernhard Klausener, der von Januar bis April 1946 die Aktion leitete, bald fest. „So viele Menschen haben mit uns Kontakt bekommen und wir mit ihnen: Lehrer, Fürsorgerinnen, Arbeiter, Angestellte, Beamte – Deutsche und Franzosen. Alle diese verschiedenen Menschen wissen, dass wir nicht als Wohltäter gekommen sind. Sie sehen hinter all der Arbeit unser Bestreben, ihnen beizustehen, ihnen zu helfen, ihnen Vertrauen zu schenken und nicht zuletzt sehen sie, dass wir den Glauben an das Gute haben, und werden dadurch auch selbst wieder zum Glauben gebracht. Das sind immer die schönsten Momente für uns, wenn wir abends um unseren Tisch diese Menschen um uns haben, mit ihnen sprechen können. Wenn sie, manchmal um sich aus einer tieferen inneren Not zu befreien, sich aussprechen, und wenn sie wieder mit uns singen. Ja, dieses Singen. Wie dankbar sind doch viele für dieses Singen in der Gemeinschaft anderer Menschen. Wie verbindend wirkt es doch, und wie gut tut es manchen!“ Neben der Schulspeisung hatten die Schweizer noch weitere Aufgaben übernommen, so die Einrichtung einer Näh- und Flickstube sowie einer Schusterei. Zahlreiche Saarbrücker Familien konnten dort Textilien und Schuhe flicken. 2.000 Paar Schuhe wurden repariert und 1.300 Paar neue ausgegeben. 24 Frauen und Mädchen verarbeiteten rund fünf Tonnen Kleiderstoffe, fast sechs Tonnen Wäschestoffe sowie drei Tonnen Wolle. Insgesamt wurden etwa 25 Tonnen Kleider, Wäsche, Seife, Möbel und Bücher verteilt. Im Oktober 1946 hatte die „Schweizer Spende“ zur weiteren Verarbeitung 440 Meter Knabenkleiderstoff nach Saarbrücken geliefert. Ferner gab es drei Mütterberatungsstellen. Eine davon ist auf dem Bild Adelheid Rüdts zu sehen. In Hilfsaktionen waren ja auch Säuglinge einbezogen worden, wie Elise Ryser berichtete. Dank der Abgabe von Kindermehl und Zwieback sei die Kindersterblichkeit sehr zurückgegangen, hob Ryser hervor. Daneben gab es noch einen Kindergarten mit einer ganztägigen Betreuung durch eine Schweizer Helferin. In dieser Weise waren alle Hilfsstationen in den „Schweizer Dörfern“ in Deutschland organisiert. 30 Bernd Haunfelder Von weiterer Bedeutung für die Saarbrücker Schüler dürfte aber die Einrichtung dreier Duschanlagen in noch halbwegs intakten Schulen gewesen sein, in denen dank einer Spende von 1.000 Stück Seife und ebenso vielen Handtüchern aus der Schweiz alle Schulkinder zwei Jahre lang warme Duschen nehmen konnten. Auf der Zeichnung Edith Lehmanns ist übrigens ein Handtuch abgebildet. Bei den Untersuchungen hatten deutsche Schulärzte festgestellt, dass etwa 15 Prozent der Kinder mit Krätze behaftet waren. Niemand in der Stadt war zu Jahresbeginn 1946 in der Lage, ihnen wirksam zu helfen. Daher wurde in einer halben Baracke zusätzlich eine ärztliche Station eingerichtet. Täglich kamen zwischen 30 und 55 Betroffene zur Behandlung. Dank aus der Schweiz gelieferter Medikamente und Kraftnährmittel konnten über 2.000 geheilt werden. Den Gesamtaufwand für die Aktion in Saarbrücken bezifferte der Zivildienst in einem Rechenschaftsbericht auf über eine halbe Million Franken [2020: 1,8 Millionen Euro]. Schätzungen zuvor gingen von 700.000 bis 800.000 Franken aus. Über den Einsatz aller Schweizer Hilfswerke wurde, wie erwähnt, genau Buch geführt. Insgesamt erhielten zwischen Februar 1946 und Juni 1948 während verschiedener Zeiträume genau 2.054.385 Kinder 47.250.855 Zusatzmahlzeiten im Gesamtgewicht von 4.207 Tonnen. Das entspricht etwa der Kapazität von 250 Güterwaggons. Dazu kam noch eine 78-tägige Versorgung von etwas mehr als 400.000 Kindern in der sowjetischen Besatzungszone. Die beiden deutschen Westzonen, Berlin und vereinzelt die amerikanische und sowjetische Zone sollten als einzige europäische Regionen aufgrund der großen Notlage kontinuierliche Hilfe bis zur Auflösung der „Schweizer Spende“ 1948 und mit rund 34,7 Millionen Franken [2020: 127 Millionen Euro] den größten Teil des gesamten Budgets erhalten. Darin sind auch die Tonnen an Textilien, Schuhen, Bau- und Ausrüstungsmaterial sowie Medikamente enthalten. In verschiedenen Regionen Deutschlands hatte das „Hilfswerk der Evangelischen Kirchen der Schweiz“ sogar Notkirchen errichtet. Im Jahre 1948 neigte sich die Tätigkeit der „Schweizer Spende“ dem Ende zu; die Mittel waren aufgebraucht. Die langsame Besserung der Verhältnisse in Deutschland ließ die Entscheidung sinnvoll erscheinen. Nach dem wirtschaftlichen Anschluss des Saargebiets an Frankreich hatte sich die Lage auf niedrigem Niveau langsam stabilisiert. Ende April verließen die Schweizer Helfer Saarbrücken. Örtliche Wohlfahrtsorganisationen in Zusammenarbeit mit der Stadt führten die Sozialstation mit eigenen Mitteln weiter. In anderen Teilen Deutschlands kümmerte sich die Schweiz aber weiterhin um Bedrängte, vor allem um das Heer der Flüchtlinge und deren Kinder. „Die deutschen und französischen Behörden haben großes Verständnis gezeigt und die Arbeit nach Möglichkeit erleichtert“, heißt es im Schlussbericht des Zivildienstes. „Es haben insgesamt elf schweizerische Schwestern und elf Freunde an diesem Hilfswerk kürzere oder längere Zeit mitgearbeitet. Sie wurden tatkräftig unterstützt von mehreren freiwilligen Helfern aus Saarbrücken und von treuen Mitarbeitern, welche ständig oder periodisch von den ansässigen Hilfsorganisationen zur Verfügung gestellt 31 „Wir sind dankbar, dass wir dieses Werk vollbringen durften.“ wurden. Ihnen gebührt besonderer Dank. Wir sind dankbar, dass wir dieses Werk vollbringen durften.“ An Zweiflern, die sagten, dass die Hilfe der vermeintlich kleinen Schweiz nichts bewirken könne, hat es vor allem im eigenen Land nicht gemangelt. Für das dennoch nicht verzagende Engagement des Nachbarlandes stehen die zeitlosen Worte des eidgenössischen Diplomaten Philippe Zutter. 1951 bemerkte er nach einer Inspektionsreise durch die übervollen deutschen Flüchtlingslager, in denen vor allem die Kinder litten, dass die schweizerische Hilfe tatsächlich nur ein Tropfen im Ozean sei, um sogleich hinzuzufügen, dass dieses Argument jedoch von Trägheit und Egoismus zeuge. „Denn auch, wenn wir nicht allen helfen können, kann es nicht bedeuten, niemandem zu helfen.“ Diese Einsicht war den helfenden Schweizern nach beiden Weltkriegen zu Eigen. Und die Deutschen? Die Nächstenliebe wurde vielen Kindern zur Richtschnur für das eigene Leben. Abb. 1: Die ehemaligen Schweizer Militärbaracken auf dem Saarbrücker Theaterplatz, etwa Frühjahr 1946. Dort wurde die tägliche Schulspeisung für die rund 4.600 Kinder der Stadt zubereitet. 32 Bernd Haunfelder 33 „Wir sind dankbar, dass wir dieses Werk vollbringen durften.“ Abb. 2 (links oben): Zwei etwa 1.000 Liter fassende Kochkessel, die aus Militärbeständen stammten, hatte die Stadt dem Schweizer Zivildienst für die Schulspeisung zur Verfügung gestellt. In der Küche waren auch deutsche Freiwillige angestellt. Abb. 3 (links unten): Ansicht des Schweizer Barackenquartiers auf einem Linolschnitt von Fridolin Trüb. Er wirkte von Januar 1946 bis April 1947 in Saarbrücken und war von Oktober 1946 an Leiter der Equipe des Schweizer Zivildienstes. Abb. 4: Sieben der insgesamt 22 vom Januar 1946 bis April 1948 tätigen Mitglieder des Schweizer Zivildienstes in Saarbrücken, von links die Lehrerin Vreni Pagels, der Lehrer Eberhard Schmid, der Lehrer Eugen Lyrer, die Lehrerin Violetta Béguin, die Lehrerin Elise Ryser, der Arzt Max-Henri Béguin, die Diätleiterin Andreé Chenaux (vermutlich) sowie Fridolin Trüb. Max-Henri Béguin war der Arzt, der die Saarbrücker Kinder Anfang 1946 untersuchte, um den Grad ihrer Unterernährung festzustellen. Ryser, die berührende Berichte aus Saarbrücken schrieb, hatte ihre Landsleute oftmals aufgerufen, für die notleidende Bevölkerung der Stadt zu spenden. Die Aufnahme stammt wahrscheinlich vom Frühjahr 1946. 34 Bernd Haunfelder Bildnachweis Abb.1: Baracken auf dem Theaterplatz, Archives of SCI Gruppe Saar 1945–1955, bearbeitet von Bertram Schröder, CH-2303 La Chaux-de-Fonds, Archivnummer 11409. Abb. 2: Küchenpersonal, Archives of SCI Gruppe Saar 1945–1955, bearbeitet von Bertram Schröder, CH-2303 La Chaux-de-Fonds, Archivnummer 11409. Abb. 3: Linolschnitt von Fridolin Trüb, SCI International Archives, CH-2303 La Chaux-de-Fonds, Archivnummer 11261.3. Abb. 4: Gruppenbild der Schweizer Equipe, SCI International Archives, CH-2303 La Chaux-de-Fonds, Archivnummer 11262.1. Ich danke Herrn Heinz Gabathuler, SC International Archives Coordinator, La Chaux-de-Fonds, für die freundliche Bereitstellung der Abbildungen.

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References

Abstract

In the winter of 1946, pupils from Cecilienschule, a girls’ school in Saarbrücken, Germany, created a little Danke-Buch, a ‘thank you’ book with drawings, letters and poems for representatives of the Irish food aid, because this humanitarian deed saved numerous children’s lives. In 2013, due to the initiative of today’s owner of the Danke-Buch, the rediscovery of this important cultural heritage began. In 2019, the book was included into a catalogue of outstanding drawings by children and adolescents from Europe, and the intention is to have the book nominated for the Memory of the World Register. This volume shows the Danke-Buch and addresses aspects of the post-war years. With contributions by Tony O’Herlihy, Christine Reinhardt, Kunibert Bering, Jutta Ströter-Bender, Bernd Haunfelder, Birgit Kollet, Viviane Bierhenke, Juliane Kurz, Iris Kolhoff-Kahl, Sabine Weichel-Kickert, Neslian Pisginoglu

Zusammenfassung

Im Winter 1946 gestalteten Schülerinnen der Cecilienschule in Saarbrücken ein Danke-Buch mit Zeichnungen, Briefen und Gedichten für Repräsentanten der irischen Lebensmittelhilfe, denn die humanitäre Aktion Irlands sicherte vielen Kindern das Überleben. Aufgrund der Initiative des heutigen Besitzers des Buches begann 2013 eine länderübergreifende Wiederentdeckung des bedeutenden kulturellen Erbes. Im Jahr 2019 wurde das Buch wegen seiner universellen und zeitlich übergreifenden Botschaft in einen Katalog außergewöhnlicher Kinder- und Jugendzeichnungen aus Europa aufgenommen – mit der Intention einer Nominierung für das UNESCO Weltdokumentenerbe. Der Band zeigt das Danke-Buch und befasst sich mit Aspekten der damaligen Zeit voller Umbrüche. Mit Beiträgen von Tony O’Herlihy, Christine Reinhardt, Kunibert Bering, Jutta Ströter-Bender, Bernd Haunfelder, Birgit Kollet, Viviane Bierhenke, Juliane Kurz, Iris Kolhoff-Kahl, Sabine Weichel-Kickert, Neslian Pisginoglu