Uwe Conradt, Grußwort in:

Tony O'Herlihy, Jutta Ströter-Bender, Kulturamt Saarbrücken (ed.)

Das Danke-Buch aus Saarbrücken, 1946, page 1 - 2

Eine Erinnerung an den Hungerwinter

1. Edition 2020, ISBN print: 978-3-8288-4471-1, ISBN online: 978-3-8288-7501-2, https://doi.org/10.5771/9783828875012-1

Series: KONTEXT Kunst - Vermittlung - Kulturelle Bildung, vol. 24

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
1 Grußwort Zwischen Kartonplatten mit Schnur gebunden wurde im Jahr 1946 ein kleines Danke-Buch von Schülerinnen der damaligen Saarbrücker Mädchenmittelschule „Cecilienschule“ gestaltet. Als Ausdruck des Dankes für Nahrungshilfen wurde es nach Irland geschickt, von wo es nach 65 Jahren im Jahr 2012 durch die Nachforschungen seines irischen Finders Tony O’Herlihy wieder nach Saarbrücken zurückfand. Das „Saarbrücker Danke-Buch“ wurde als Reproduktion in das Stadtarchiv aufgenommen und ist Teil des Gedächtnisses unserer Stadt geworden. Ein Stück Stadtgeschichte wird in den Zeichnungen und Texten lebendig. Mit schwarzem Stift gemalte Trümmerhäuser und zerbombte Straßenzüge berühren tief, aber die Cecilienschülerinnen des Nachkriegsjahres 1946 haben den Krieg überlebt. Die Nahrungshilfen in ihren Schulen ermöglichten Mahlzeiten mit lebensnotwendigen Speisen. Hiervon berichten Buchseiten voller farbenfroher Zeichnungen, die dampfende Suppentöpfe im Klassenzimmer zeigen und Schiffe, die Säcke voller Fett, Mehl, Kakao und Speck nach Saarbrücken transportiert haben und nun am Saarufer ausgeladen werden. Das „Saarbrücker Danke-Buch“ ist ein historisch bedeutsamer Fund, es zeigt, wie Kinder und junge Menschen Zeitzeugenschaft ablegen. Ihr Blick auf die kriegsgeprägte Lebenswelt ist unverstellt und emotional authentisch. Das Danke-Buch als Dokument ergänzt das Wissen um die Saarbrücker Nachkriegszeit, indem es Einblick gibt in die internationale humanitäre Hilfe durch Schulspeisungen der Schweiz und Irlands. Mein besonderer Dank gilt den Zeitzeuginnen – den früheren Cecilienschülerinnen und Gestalterinnen des „Saarbrücker Danke- Buchs“ – für ihre langjährige Unterstützung der Forschungen zu ihrem Buch. Die Landeshauptstadt Saarbrücken begrüßt die aktuellen Bemühungen für die Aufnahme des „Saarbrücker Danke-Buchs“ in das UNESCO Weltdokumentenerbe. Uwe Conradt, Bürgermeister der Stadt Saarbrücken LHS Abb. 1: Der Danke-Brunnen der Bundesrepublik Deutschland im Stadtpark von Dublin. Die Anlage Die drei Nornen / Three Fates befindet sich in der südwestlichen Ecke des St Stephen’s Green. 1956 wurden die Skulpturen durch den Bildhauer Josef Wackerle gestaltet. 1997 erfolgte die Anbringung einer Bronzetafel am Brunnenrand. Teilinschrift: „Aus Dankbarkeit für die Hilfe, die das irische Volk deutschen Kindern nach dem Zweiten Weltkrieg gewährte.“ Roman Herzog, Präsident der Bundesrepublik Deutschland. Foto: Jutta Ströter-Bender.

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Abstract

In the winter of 1946, pupils from Cecilienschule, a girls’ school in Saarbrücken, Germany, created a little Danke-Buch, a ‘thank you’ book with drawings, letters and poems for representatives of the Irish food aid, because this humanitarian deed saved numerous children’s lives. In 2013, due to the initiative of today’s owner of the Danke-Buch, the rediscovery of this important cultural heritage began. In 2019, the book was included into a catalogue of outstanding drawings by children and adolescents from Europe, and the intention is to have the book nominated for the Memory of the World Register. This volume shows the Danke-Buch and addresses aspects of the post-war years. With contributions by Tony O’Herlihy, Christine Reinhardt, Kunibert Bering, Jutta Ströter-Bender, Bernd Haunfelder, Birgit Kollet, Viviane Bierhenke, Juliane Kurz, Iris Kolhoff-Kahl, Sabine Weichel-Kickert, Neslian Pisginoglu

Zusammenfassung

Im Winter 1946 gestalteten Schülerinnen der Cecilienschule in Saarbrücken ein Danke-Buch mit Zeichnungen, Briefen und Gedichten für Repräsentanten der irischen Lebensmittelhilfe, denn die humanitäre Aktion Irlands sicherte vielen Kindern das Überleben. Aufgrund der Initiative des heutigen Besitzers des Buches begann 2013 eine länderübergreifende Wiederentdeckung des bedeutenden kulturellen Erbes. Im Jahr 2019 wurde das Buch wegen seiner universellen und zeitlich übergreifenden Botschaft in einen Katalog außergewöhnlicher Kinder- und Jugendzeichnungen aus Europa aufgenommen – mit der Intention einer Nominierung für das UNESCO Weltdokumentenerbe. Der Band zeigt das Danke-Buch und befasst sich mit Aspekten der damaligen Zeit voller Umbrüche. Mit Beiträgen von Tony O’Herlihy, Christine Reinhardt, Kunibert Bering, Jutta Ströter-Bender, Bernd Haunfelder, Birgit Kollet, Viviane Bierhenke, Juliane Kurz, Iris Kolhoff-Kahl, Sabine Weichel-Kickert, Neslian Pisginoglu