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Einführung in:

Hilmar Gumbrecht

Der Logos, page 1 - 8

Das universale göttliche Grundprinzip und der Mensch gewordene Gott

1. Edition 2020, ISBN print: 978-3-8288-4468-1, ISBN online: 978-3-8288-7494-7, https://doi.org/10.5771/9783828874947-1

Tectum, Baden-Baden
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Einführung Dieses Büchlein ist als eine Art Erzählung in allgemein verständlicher Sprache und Form konzipiert, wie ich hoffe. Kapitel 1 ist auf die Logos-Lehre des Heraklit von Ephesus (um 500 v. Chr.) ausgerichtet. Eine umfassende Sammlung der überlieferten Worte des Heraklit (und der anderen früh-griechischen Denker) gibt es erst seit dem 20. Jahrhundert (herausgegeben von Hermann Diels bzw. Walther Kranz), folglich konnte man sich vorher nicht so leicht einen zusammenhängenden Überblick über die Logos-Lehre des Heraklit verschaffen. Au- ßerdem wird hier der Weg des frühen griechischen Denkens von seinen Anfängen bis hin zu Heraklit dargestellt, denn dieser Weg ist zum Verständnis des Logos des Heraklit notwendig. Betonen möchte ich an dieser Stelle, dass meine Darstellung nicht auf Vollständigkeit ausgerichtet ist. Von den frühen griechischen Denkern vor Sokrates gehe ich nur auf sieben von mindestens 22 ein. Nur vier (Anaximander, Xenophanes, Parmenides und natürlich Heraklit) behandle ich etwas ausführlicher, die anderen nur schlaglichtartig (z. B. erwähne ich nirgends (außer hier) die Seelenwanderungslehre des Pythagoras und sein Auftreten als Wunderheiler). Alles ist mehr oder weniger auf die ursprüngliche Herkunft des (früh-altgriechischen) Logos ausgerichtet und auf seinen Eingang ins Johannesevangelium und damit in die christliche Bibel und auf die bisherige tatsächliche und mögliche künftige Wirkung in der christlichen Glaubenswelt. Im zweiten Kapitel wird der Logos am Anfang des Johannes-Evangeliums auf seine Anknüpfungspunkte hin untersucht, einerseits innerhalb der Bibel, andererseits aber auch im Zusammenhang mit Heraklit und den anderen frühgriechischen Denkern. Dabei werden einige Überraschungen auftauchen. Im dritten Kapitel geht es dann um den Weg des Logos bis zum dritten christlichen Jahrhundert, ab Kapitel 4 um den Logos heute. Möglichen Missverständnissen möchte ich bereits hier vorbeugen: Ich vertrete nicht die Ansicht, dass sich der Logos der Bibel auf Platon 1 oder auf irgendwelche Platoniker bezieht! Auch nicht allein auf Heraklit. Der Logos des Johannes-Evangeliums bezieht sich auf die alttestamentliche Weisheit zurück und nebenbei knüpft er auch noch an den Logos des Heraklit an, quasi um auch den damaligen nichtjüdischen gebildeten Leser bei seiner eigenen Philosophie bzw. natürlichen Theologie abzuholen und von dort mit hineinzunehmen in die biblische Theologie. Platonismus mit seiner Weltvernunft kam später, bei den „Kirchenvätern“, im großen Stil in die christliche Lehre hinein. Dies und auch alle anderen Rezeptionen eines Logos-Gedankens (Sophisten, Sokrates, Platon, Platoniker, Aristoteles, Gnostiker z. B. des 2. und 3. Jahrhunderts n. Chr., usw.1, über Goethe bis hin zu neuzeitlichen Philosophen und Theologen) lasse ich völlig außen vor, die Stoiker (und ihr Gesetz der Vernunft) und Philon von Alexandria streife ich nur kurz; deshalb beende ich mein 3. Kapitel mit bedeutenden christlichen Theologen des 2. und 3. Jahrhunderts, zu denen der Autor des Johannes-Evangeliums, von Heraklit ausgehend, die Brücke bildet. Aufgrund der genannten Absicht, eine allgemeinverständliche Erzählung und keine wissenschaftliche Abhandlung im strengen Sinn zu schreiben, verzichte ich auf das Zitieren eines jeden einzelnen Gedankens nach wissenschaftlichen Regeln. Selbstverständlich gibt es aber jeweils ausreichende Hinweise, wem ich wo wie weit folge. Ganz grundsätzlich habe ich bei den Altphilologen Wolfgang Schadewaldt und Werner Jaeger, sowie dem Philosophen Karl Popper vertiefte Einblicke in die Welt der griechischen Antike gefunden, bei Werner Jaeger auch in die Welt der christlichen Antike und der Kombination aus beidem. Die wertvollen wissenschaftlichen Erkenntnisse und Gedanken dieser Autoren möchte ich hiermit meinen Lesern allgemeinverständlich zugänglich machen. Für Kapitel 4 fand ich vieles bei Joseph Ratzinger, Rainer Riesner und Jürgen Spieß. Bei den Bibelzitaten versuche ich, wann immer möglich, die Neue Genfer Übersetzung (Neues Testament und Psalmen) von 2011 zu verwenden. An ganz exponierter Stelle zitiere ich die neue Zürcher Bibel von 2007, in der das griechische Wort „logos“ im Johannes-Evangelium, Kapitel 1, als „Logos“ wiedergegeben wird. Die Leser aus Deutschland mögen dabei bitte berück- 1 Sokrates, Platon, Augustinus u. a. erwähne ich nur am Rande, wo es weiterführend unvermeidlich scheint. Einführung 2 sichtigen, dass das „ß“ in der Schweiz nicht (mehr) verwendet wird (stattdessen steht dort „ss“). Auch Übersetzungen einzelner Abschnitte aus anderen gängigen Bibelübersetzungen und anderer Fachleute kommen (selten einmal) vor. Ich arbeite beruflich weder in der theologischen, noch in der philosophischen Wissenschaft. Als Laie habe ich gerne Heinrich Schliemann vor Augen, einen mecklenburgischen Pfarrersohn, der sich mit seiner Lieblingsliteratur aus seiner Kindheit im Rucksack (die Ilias des Homer) auf den Weg machte, und als archäologischer Laie letztendlich Troja ausgegraben hat, die Stadt, von der die wissenschaftliche Archäologie damals überzeugt war, dass sie nur Sage und Mythos sei und dass es eine Stadt namens Troja nie wirklich gegeben habe.2 Heraklit würde dazu sagen: Vielwisserei vermittelt keine Weisheit; […] Denn das Weise ist das Eine: den einsichtsvollen Willen zu verstehen, der alles durch alles hindurchsteuert.3 Der Weg des Logos geht m.E. von Heraklit (allenfalls noch über die Stoiker zur Zeit der Apostel und ihrer Mitarbeiter, und über Philon von Alexandria) hinein in die johanneischen Schriften der Bibel. Die Stoiker werden im Neuen Testament auch namentlich erwähnt: Apostelgeschichte, Kapitel 17, Vers 18: Dabei kam es auch zu Diskussionen mit epikureischen und stoischen Philosophen. Einige von ihnen spotteten: „Was will eigentlich dieser sonderbare Vogel mit seinen aufgepickten Weisheiten? Glaubt er, er könne uns etwas beibringen?“ Andere meinten: „Es scheint als wolle er Propaganda für irgendwelche fremden Götter machen!“ Zu diesem Schluss kamen sie, weil sie Paulus, als er das Evangelium verkündete, von Jesus und von der Auferstehung reden hörten. Die Überschrift von Kapitel 1 lautet: “Vom Mythos zum Logos“. Gemeint ist damit der Weg von den griechischen Göttersagen zu den gro- ßen griechischen Denkern und Welterklärern, wie z. B. Thales und Py- 2 Heinrich Schliemann. Auf den Spuren Homers. Herausgegeben von Wilfried Bölke. 2005, Augsburg. 3 Fragment B40/B41: Bruno Snell (Hrsg.): Heraklit. Fragmente. Griechisch und Deutsch 1983/2007, Seite 16–17. Einführung 3 thagoras im 6. Jahrhundert v. Chr., Parmenides und Heraklit um 500 v. Chr., und Sokrates und Platon im 5. und 4. Jahrhundert. Bei Heraklit und Parmenides kann man versuchen, die Bedeutung von „logos“ zu umschreiben: Der Logos die Rechenschaft(sablegung), die Rechtfertigung, der Grund das passende Verhältnis in Sprache, Denken und Sein die unsichtbare innere Struktur in Reden/Denken/Sein die sinnvolle Bezogenheit, Proportion, Porportionalität das Erkennen von Beziehungen, Relation, Relationalität der große Zusammenhang, die verborgene Weltordnung das schöpferische Urprinzip, das Welt“gesetz“ die Struktur des Weltprozesses, das objektive Weltsystem die Ordnung nach einem übergeordneten Plan das universale göttliche Grundprinzip/Urprinzip die sprechende Wirklichkeit, die kosmische Argumentation „Der Logos“ der Bibel (Johannesevangelium, Kapitel 1) knüpft daran an, umfasst aber mehr, bis hin zum Mensch gewordenen Gott (Jesus Christus): Der Logos der Christus, der Messias Jesus das Wort? (so meistens die Übersetzung) die verborgene göttliche Weltordnung das universale göttliche Grundprinzip (Bezugnahme auf Heraklit) der Sinn /die Absicht (der Welt/der Heilswillen hinter der Welt) die (göttliche Welt-) Vernunft (der Stoiker) (die Weisheit Gottes) die ewige Gotteskraft/die schöpferische Urkraft in Person Außerdem kenne ich den Logos von Viktor Frankl. In seiner Logotherapie und Existenzanalyse geht es um Logos Sinn (Logotherapie = Heilung durch Sinnfindung) Den neuen „Nestle/Aland“ (den letzten Teil der christlichen Bibel: das „Neue Testament“, in der „Ursprache“: Altgriechisch), 28. Auflage, 2012/2015, gibt es mit altgriechischem Wörterbuch im Anhang. Dort Einführung 4 sind bei „logos“ lediglich die Bedeutungsfelder Reden, allenfalls noch Rechnen, vertreten. Was vollständig fehlt, ist alles, was mit Sinn oder Vernunft zu tun hat. Das Institut zur Erforschung des Neuen Testaments in Münster/Westfalen half mir in dieser Frage nicht wirklich weiter, dazu mehr in Kapitel 2. Die Anknüpfung an die altgriechischen Denker, die seit bereits um 500 v. Chr. von einem höheren Logos sprachen, schien komplett verloren gegangen zu sein: logos Sinn, Vernunft, Weisheit, universales göttliches Grundprinzip Selbst in allen anderen altgriechischen Wörterbüchern zum Neuen Testament, die ich greifen konnte, war dasselbe passiert. Logos war auf Wort/Reden/ Rechnen und ähnliches reduziert. Ohne jeglichen Sinn und Verstand/Vernunft. Das bedeutet aber doch konkret: Die Theologiestudierenden (und die interessierten Laien) können, um zu verstehen, was wirklich da steht, so lange und so perfekt Altgriechisch lernen, wie sie nur wollen. So lange sie auf die Wörterbücher, Lexika und „Wortkunden“ anderer Autoren angewiesen sind, um herauszufinden, was ein einzelnes Wort alles bedeuten kann – und in diesem Fall basieren diese Nachschlagewerke oft auf dem Kenntnisstand und der Weltanschauung längst vergangener Jahrhunderte – so lange werden sie möglicherweise gezielt daneben liegen. Die einzige Abhilfe wäre, Althistoriker und Altphilologen zu beauftragen, herauszufinden, was genau im letzten Teil der christlichen Bibel („Neues Testament“) gemeint ist. Denn diese überblicken viel eher die gesamte altgriechische Literatur und die damalige Welt, und wissen, wie welches Wort woanders, insbesondere auch au- ßerhalb der Bibel, verwendet wurde. Aber auch das ist keine Gewähr. Dazu Schadewaldt4: „Sie werden sich wundern, wenn ich immer wieder sage, daß die Übersetzungen falsch sind, bei einer so alten Wissenschaft und Kenntnis des Griechischen. Aber das alles ist eben noch nicht so alt, sondern seit drei- ßig Jahren sind wir neu dabei, die Grundbegriffe zu beachten und in ihrem Wesen zu fassen, wobei wir manches ganz neu lernen, durch viele Einzelarbeiten.“ 4 Wolfgang Schadewaldt: Anfänge der Philosophie bei den Griechen. Tübinger Vorlesungen 1950–1972, Band I, herausgegeben 1978, S. 385. Einführung 5 Hinzu kommt außerdem noch, dass bei den Zeitgenossen noch eher gewusst werden konnte, was alles mitschwingt bei einer Formulierung, und je später man dieses erforscht, desto größer und umfassender ist der Abstand zum Text. Erschwerend kommt auch noch hinzu, dass es offenbar eine infektiöse Tendenz gibt, die Bedeutung einer Vokabel davon abzuleiten, was sie an der Mehrzahl der anderen Vorkommen in der Bibel bedeutet; aktuelle Belege hierfür bringe ich in Kapitel 2. Auf diese Weise werden alle selteneren Bedeutungen systematisch ausgemerzt, so auch bei Logos: „Wort“ ohne „Sinn und Vernunft“. In der Theologie sah schon Justin der Märtyrer (ca. 100–165), dass der Logos im Evangelium Vorgänger bei den griechischen Philosophen hat, z. B. bei Heraklit. Darüber hinaus drängt sich auch noch der Verdacht auf, dass im Rahmen der Reformation die christliche Lehre gesäubert werden sollte, nicht nur von Platon und Aristoteles, sondern von aller griechischen Philosophie und grundsätzlich von allem Griechischen, das im Lauf von über 1.500 Jahren hineingekommen war, und nicht nur die christliche Lehre sollte gesäubert werden, sondern auch die Bibel, so dass letztendlich das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wurde, als man „Sinn, Verstand, Vernunft, Weisheit, usw.“ vom biblischen Logos entfernte, offenbar mit einer Wirkung bis heute. Ein Bezug zu Heraklit war nicht so leicht möglich, da Diels und Kranz die Worte der frühen griechischen Denker erst im 20. Jahrhundert systematisch sammelten und herausgaben. Diese frühen griechischen Denker legten die alten Göttersagen zur Seite und fanden sich nicht mehr damit ab, dass die Welt von einem Heer zwielichtiger Mächte regiert sein soll: Zeus, Hera, Poseidon, Aphrodite, und all die anderen. Sie fingen an, selber zu beobachten und unabhängig von den Mythen über Gott und die Welt nachzudenken, um herauszufinden, wer oder was hinter der wahrnehmbaren Welt steht. Dass da nichts ist, nur Zufall und Willkür, das konnte nicht sein. Es musste eine andere, nur mit dem Denken/mit der Vernunft erfassbare unsichtbare Welt hinter der sichtbaren Welt liegen. Gott – oder das Göttliche – ist für Heraklit jemand oder etwas, das die ganze Welt umfasst. Er meinte es müsse eine Art universales göttliches Grundprinzip geben, das allem zugrunde liegt und die ganze Welt Einführung 6 schafft, lenkt und ihrer Bestimmung zuführt. Aber die meisten Menschen erkennen diesen Logos nicht. Parmenides hat eine Art Gottes-Begegnung. Durch göttliche Gnade meint er, mit dem Logos in Verbindung gekommen zu sein. Der Logos ist für ihn eine Art Rechenschaftsablegung bzw. Rechtfertigung für das, was er erkannt hat: „Sein ist“ und „Nichts ist nicht“, mit anderen Worten: „das Sein existiert“ und „das Nichts existiert nicht“. Wie er zu diesen Grundsätzen kommt und wie kühn er logische Folgerungen daraus ableitet, wird in Kapitel 1.5 genauer dargestellt. In der Bibel wird der Logos in etwa so eingeführt (Zürcher Bibel 2007): Am Anfang war der Logos, und der Logos war bei Gott, und Gott war der Logos. Der Mangel an sprachlichem und historischem Horizont theologisch tätiger (bzw. theologisch interessierter) Zeitgenossen lässt sich auch noch ausweiten auf den Mangel an literarischem Horizont. C. S. Lewis5 schreibt über das Werk von Theologen, die sich mit der Kritik des Neuen Testaments befassen: „Einer, der seine Jugend und seine Mannesjahre mit dem gründlichen Studium der Texte des Neuen Testamentes und den Studien anderer darüber verbracht hat, und seine literarische Erfahrung mit diesen Texten nicht mit der Erfahrung vergleichen kann, wie sie nur aus einer weiten und tiefen, lebendigen Beschäftigung mit Literatur im allgemeinen hervorgeht, läuft mit ziemlicher Sicherheit Gefahr, die nächstliegenden Dinge an diesen Texten zu übersehen.“ C. S. Lewis stellt sich in diesem Vortrag vor Theologiestudierenden mit dem Titel „Was der Laie blökt“ selber als theologischer Laie vor, es zeigt sich aber Schritt für Schritt, dass es eher umgekehrt ist: Er ist eher der Fachmann und die Theolog(iestudierend)en seine Schüler. Wenn ein Theologe ihm sage, eine Stelle im Evangelium sei Legende oder Dichtung, so wolle er zuerst einmal wissen, wie viele Legenden und Dichtungen dieser Theologe gelesen hat, wie geübt sein Gaumen im 5 C. S. Lewis: Was der Laie blökt. Christliche Diagnosen. 2. Auflage. Einsiedeln 1977, Seiten 14–16. Einführung 7 Unterscheiden ihres Geschmackes ist, und nicht, wie viele Jahre er über diesem Evangelium verbracht hat. Er führt viele Beispiele an: Eine gewisse Schule betrachte das Johannes-Evangelium als «geistliche Novelle», als «eine Dichtung und nicht als Geschichtsschreibung». Dazu Originalton C. S. Lewis: „Lesen Sie die Dialoge: jenen mit der Samariterin am Brunnen oder das Gespräch, das der Heilung des Blindgeborenen folgt. Oder betrachten Sie die Bilder: Jesus, wie er tändelnd (wenn ich so sagen darf) mit dem Finger in den Sand schreibt; das unvergeßliche „Es war aber Nacht“ (13,30). Ich habe mein Leben lang Gedichte, Epen, Visions-Literatur, Legenden, Mythen gelesen. Ich weiß, wie sie aussehen. Ich weiß, daß keines von ihnen dem gleicht.“ Entweder ist das (nach damaligen Maßstäben) eine Berichterstattung, oder es hat ein namenloser Schriftsteller im 1. oder 2. Jahrhundert ohne bekannte Vorgänger oder Nachfolger, plötzlich die ganze moderne, romanhafte, realistische Erzähltechnik vorweggenommen. Der Leser, der das nicht sieht, dem fehlt einfach das komplette Spektrum antiker Literatur. Doch wir wollen mit der Geschichte des Logos von vorne beginnen. Einführung 8

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References

Abstract

Logos = Word? This traditional translation at the beginning of the Gospel of John falls short. In 500 BC, early Greek thinker Heraclitus defined Logos as the universal basic principle that creates and guides everything. It marks the ancient Greek path "From Myth to Logos" and thus the first enlightenment in Europe.

John the Evangelist took up this idea and thus invited his philosophically educated Greek contemporaries to read his gospel. This in turn is an indicator of the fundamental interweaving of the New Testament with Greek culture. Conceived as ultimate meaning and supreme reason, the Logos term broadens our horizon even today and helps us rediscover the Bible.

Zusammenfassung

Logos = Wort? Diese traditionelle Übersetzung am Beginn des Johannes-Evangeliums greift zu kurz. Bei dem frühen griechischen Denker Heraklit, 500 v. Chr., ist Logos das universale Grundprinzip, das alles schafft und alles leitet. Er markiert den Weg „Vom Mythos zum Logos“ bei den alten Griechen und damit der ersten Aufklärung in Europa.

Der Johannes-Evangelist nahm diese Vorstellung auf und lud damit seine philosophisch gebildeten griechischen Zeitgenossen zum Lesen seines Evangeliums ein. Dies wiederum ist ein Indikator für die grundsätzliche Verwobenheit des Neuen Testaments mit der griechischen Kultur. Verstanden als letzter Sinn und höchste Vernunft weitet der Logos-Begriff auch heute den Horizont und hilft, die Bibel neu zu entdecken.