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10 Fazit in:

David Funk

Jugend und Europa, page 81 - 82

Auswirkungen internationaler Begegnungen auf die Identifikation Jugendlicher mit Europa

1. Edition 2020, ISBN print: 978-3-8288-4466-7, ISBN online: 978-3-8288-7489-3, https://doi.org/10.5771/9783828874893-81

Tectum, Baden-Baden
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81 10 Fazit Die vorliegende Arbeit verfolgte das Ziel, zu klären, ob die Teilnahme an europäischen Jugendbegegnungen zur Stärkung eines Zugehörigkeitsgefühls respektive der Identifikation mit Europa beiträgt. Es konnte aus der Theorie hergeleitet und für die gezogene Stichprobe empirisch bestätigt werden, dass europäische Jugendbegegnungen einen positiven Effekt auf die Identifikation mit Europa haben. Dieser Zusammenhang gilt sowohl für die affektive und die kognitive Dimension wie auch in Bezug auf die politische Dimension von Europa. Zwar wird es durch die Größe der untersuchten Stichprobe notwendig sein, die Untersuchung mit einer größeren Gruppe von Teilnehmern interkultureller europäischer Jugendbegegnungen zu wiederholen; die theoretische Betrachtung und der empirische Befund lässt aber gleichwohl annehmen, dass eine Nachfolgeuntersuchung ähnliche Ergebnisse liefern wird. Weiterhin bestätigte sich die theoretische Annahme, dass nationale und europäische Identität nicht im Widerstreit miteinander stehen. Für die Teilnehmer der Erhebung trat sogar eine positive Korrelation hervor. Auch dieser Befund muss durch die fehlende Signifikanz des gleichzeitig geprüften direkten Zusammenhangs zwischen europäischen Jugendbegegnungen und Identifikation mit dem Heimatland in einer größer angelegten Untersuchung validiert werden. Ein weiterer zentraler Befund der Untersuchung liegt im Zusammenhang zwischen der Teilnahme an Jugendbegegnungen und Einstellungen zu Andersartigkeit beziehungsweise Toleranz. Erstens konnte gezeigt werden, dass die Teilnahme an einer Jugendbegegnung einen direkten positiven Effekt auf die Toleranz der Jugendlichen hat, zweitens besteht ein signifikanter Zusammenhang zwischen der Häufigkeit der Teilnahme an Jugendbegegnungen und einer toleranten Haltung. 82 Nicht bestätigt werden konnte indes die theoriebasierte Annahme, dass Teilnehmer, die nicht freiwillig an der Jugendbegegnung teilnehmen, einen größeren Effekt in Bezug auf die Identifikation mit Europa aufweisen. Weiterhin konnte festgestellt werden, dass die Unterschiede in der Persönlichkeitsstruktur von Teilnehmern von europäischen Jugendbegegnungen und solchen, die an anderen Projekten teilnehmen, lediglich in der Dimension Offenheit für neue Erfahrungen zu verorten sind. Ein für die Praxis wichtiger Befund dieser Arbeit liegt darin, dass die Intensität des intergruppalen Kontakts, die über das Lernen über eine fremde Kultur und Sprache sowie das Finden von Freunden operationalisiert wurde, eine Auswirkung auf die Stärke der Auswirkung hat. Obgleich die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit teilweise noch durch weitere Untersuchungen abgesichert werden müssen, bieten sie einen Ausgangspunkt für die Modifizierung der verwendeten Untersuchungsinstrumente und die weitere Beschäftigung mit den Effekten von europäischen Jugendbegegnungen. Insgesamt lässt die vorliegende Arbeit den Schluss zu, dass durch europäische Begegnungen die Identifikation mit Europa gefördert werden kann, die, wie eingangs erläutert, zentral für die Legitimation und die Stabilität der Europäischen Union ist.

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Abstract

In the study Jugend und Europa, a model of the effects of intergroup contacts in international youth exchanges is developed on the basis of theorems derived from Allport’s contact hypothesis. The effects of international youth work programmes in which European topics are approached from different angles are compared in the study. Exchanges in the context of school and non-formal settings as well as youth camps approaching intercultural topics without exchange were considered. The factors and conditions that are relevant for the development of a European identity and an active European Citizenship are portrayed. Furthermore, the impacts on the formation of tolerance and personality through international youth exchanges is investigated. Repeatedly conducting surveys over time allowed to identify both short- and long-term impacts.

Zusammenfassung

Die Studie Jugend und Europa entwickelt auf Basis der von Allports Kontakthypothese abgeleiteten Theoreme ein Modell zur Wirkung von Intergruppenkontakt in internationalen Jugendbegegnungen. Sie vergleicht Wirkungen von Angeboten der internationalen Jugendarbeit, die sich europäischen Themen von verschiedenen Seiten nähern: Einbezogen wurden sowohl Jugendbegegnungen im non-formalen und im schulischen Kontext sowie Maßnahmen, die sich interkulturellen Fragestellungen ohne Begegnung nähern. Es wird gezeigt, welche Bedingungen und Faktoren auf die Genese einer Europäischen Identität und der Herausbildung einer aktiven Europäischen Bürgerschaft wirken. Gleichzeitig wird die Herausbildung von Toleranz und die Entwicklung der Persönlichkeit durch internationale Jugendbegegnungen untersucht. Durch mehrere Befragungszeitpunkte konnten sowohl kurzfristige als auch langfristige Wirkungen ermittelt werden.