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6. Fragestellung in:

Petra Schappert

Mit Dramagrammatik zu grammatikalischer Kompetenz, page 147 - 150

Eine empirische Untersuchung im Rahmen von Alphabetisierungskursen für Erwachsene

1. Edition 2020, ISBN print: 978-3-8288-4464-3, ISBN online: 978-3-8288-7488-6, https://doi.org/10.5771/9783828874886-147

Tectum, Baden-Baden
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147 6. Fragestellung 6.1 Vorüberlegungen Bisher wurde, wie bereits mehrfach erwähnt, das Potential der Dramagrammatik wissenschaftlich nur mit angehenden Akademikern oder mit Schülerinnen und Schülern als Zielgruppe untersucht. Eine empirische Studie, die die in Even 2003 aufgestellten Thesen in einem Unterricht mit erwachsenen Lernenden ohne akademischen Hintergrund einer Prüfung unterzieht, steht noch aus.95 Es stellt sich die Frage, ob die Methodik mit oder eben trotz Modifikationen, die eine Zielgruppe von Teilnehmenden ohne Bildungshintergrund und routinierte Kenntnisse von Schriftsprache nötig macht, funktioniert, oder ob sie zum Scheitern verurteilt ist, wenn die Lernenden nicht über das gewisse Maß an Sprachkompetenz verfügen, das sie benötigen, um Inhalte zu verhandeln, Lösungen zu besprechen oder Grammatikphänomene zu diskutieren. Kann man die Komplexität der Aufgaben und Übungen didaktisch und methodisch so reduzieren, dass niederschwellige Grammatikvermittlung mithilfe der Dramapädagogik dennoch möglich ist? Ein anderer Fragenkomplex ergibt sich aus der Gruppe der Teilnehmenden an sich. Lassen sich erwachsene lernungewohnte Teilnehmende, die nie in der Schule waren oder die, wenn vielleicht doch über einen kurzen Zeitraum ein Schulbesuch möglich war, dort ein rigides methodisches Unterrichten (eine Art Frontalunterricht, der aus Zuhören, Auswendiglernen und Reproduzieren besteht) erfahren haben, überhaupt auf (vermeintlich) lockere und spielerische Methoden ein? Verbinden diese Kursteilnehmenden Spielen mit Lernen oder fordern sie eine Ernsthaftigkeit ein, die in ihren Augen das Spielen nicht bietet und die ihrer 95 Zur Evaluation der Feriensprachcamps siehe Kapitel 5.3. 148 Schappert: Mit Dramagrammatik zu grammatikalischer Kompetenz Meinung nach auch ihrem Alter nicht angemessen ist? Dieses spielerische Lernen kann aber genau das Richtige sein für Menschen, die keine Erfahrung mit Sprachreflexion und Metasprache haben. Andererseits können dramapädagogische Methoden eine Überforderung darstellen, weil bei dieser Form von Unterricht das meiste über das Sprechen, Memorieren, Imitieren und Wiederholen abläuft. Diese Schwierigkeit stellt sich jedoch grundsätzlich bei (erwachsenen) Lernenden, die gerade erst alphabetisiert wurden und sich nicht wie andere Lernende schriftliche Notizen des Gelernten machen können bzw. auf diese zurückgreifen, wenn sie gelernte Inhalte wiederholen und üben wollen, und so ihren Lernfortschritt nicht fixieren können. Wenn diese Option folglich sowieso nicht besteht oder nur eingeschränkt genutzt werden kann, so könnte doch die Dramagrammatik eine Methode sein, die gerade durch diesen anderen Weg zu Lernerfolgen führt. Eng verbunden damit ist die Frage nach der Nachhaltigkeit der Methodik und die Frage, ob und inwieweit sich erworbenes Wissen und Können besser verankern lässt, wenn es spielerisch erarbeitet wurde, getreu dem Motto, dass man das besser behält, was man selbst erprobt und durchlebt hat, wie es die Dramagrammatik behauptet. Aus diesen Überlegungen kristallisierten sich folgende Forschungsfragen und daraus abgeleitete Hypothesen heraus, die in dieser Arbeit untersucht werden sollen. 6.2 Forschungsfrage 1 Ist die Grammatikvermittlung – am Beispiel des Plurals (zweigliedriges System der Pluralmarkierung und Markierung der Plurale vor allem durch Suffixe), der Konjugation des Präsens (ich, Sie, er/sie), der Possessivartikel im Nominativ (mein/e, dein/e, sein/e, ihr/e) und der Wortstellung (in Fragesätzen mit Fragewörtern und Aussagesätzen) – bei zu alphabetisierenden Erwachsenen unter Verwendung der Methoden der Dramagrammatik im Rahmen von vier Unterrichtseinheiten (UE) effektiver und nachhaltiger als bei zu alphabetisierenden Erwachsenen, denen im gleichen Zeitraum dieselben Grammatikthemen unter Verwendung der kommunikativen Methode vermittelt werden, und zwar gemessen an der Leistung bei einem schriftlichen Test und einem mündlichen 149 6. Fragestellung Rollenspiel direkt im Anschluss an die UE, eine Woche nach der UE und nach fünf Monaten (der Hälfte des Integrationskurses)? In Kurzform: Gibt es Hinweise darauf, dass die Behandlung von Grammatikthemen im Alphabetisierungsunterricht erfolgreich sein kann? Hypothese: Die Methode der Dramagrammatik zur Grammatikvermittlung, bezogen auf die Themen Plural (zweigliedriges System der Pluralmarkierung und Markierung der Plurale vor allem durch Suffixe), Konjugation des Präsens (ich, Sie, er/sie), Possessivartikel im Nominativ (mein/e, dein/e, sein/e, ihr/e) und der Wortstellung (in Fragesätzen mit Fragewörtern und Aussagesätzen) ist bei zu alphabetisierenden Erwachsenen in einem Alphabetisierungs-Integrationskurs effektiver und nachhaltiger als die kommunikative Methode zur Grammatikvermittlung. Zugespitzt formuliert lautet folglich die Hypothese: Die Behandlung von Grammatikthemen im Alphabetisierungsunterricht kann erfolgreich sein. 6.3 Forschungsfrage 2 Wie werden die in den jeweiligen Gruppen erfahrenen Methoden der Grammatikvermittlung (Dramagrammatik bzw. kommunikative Methode) von den Teilnehmenden (zu alphabetisierende Erwachsene in einem Alphabetisierungs-Integrationskurs) akzeptiert und wie werden sie empfunden bezogen auf Effektivität und Nachhaltigkeit, gemessen in einem mündlichen Interview, das sich an einem Leitfaden orientiert? Hypothese: Die Methode Dramagrammatik zur Grammatikvermittlung wird von den Teilnehmenden, zu alphabetisierenden Erwachsenen in einem Alphabetisierungs-Integrationskurs, als Methode akzeptiert und als effektiver und nachhaltiger empfunden als die kommunikative Methode bei einer Vergleichsgruppe.

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Abstract

How do you teach grammar successfully and sustainable? Petra Schappert presents drama grammar as a method to teach basic grammar skills in literacy courses in German as a foreign language and tests it in an empirical research setting in the areas of effectiveness, sustainability and acceptance. The method is contrasted with the communicative method and sees itself as the further development of it. The study took place in a literacy language course of German as a foreign language for adults. The description and interpretation of the collected data is complemented with detailed lesson plans and information about drafting lessons using this method. Petra Schappert has many years of experience in teaching and in teacher training.

Zusammenfassung

Wie vermittelt man Grammatikkenntnisse erfolgreich und nachhaltig? Petra Schappert stellt die Dramagrammatik als Methode zur niederschwelligen Grammatikvermittlung in Alphabetisierungskursen in Deutsch als Fremdsprache vor und erprobt sie in einer empirischen Untersuchung auf Effektivität, Nachhaltigkeit und Akzeptanz. Kontrastiert wird die Methodik mit der kommunikativen Methode, als deren Fortentwicklung sie sich auch versteht. Die Untersuchung fand in einem Integrationskurs für Erwachsene mit Alphabetisierung statt. Flankiert wird die Darstellung und Auswertung der Untersuchung mit detaillierten Schilderungen der Unterrichtsstunden, die die Methodik konkret erlebbar machen, und mit wichtigen Hinweisen zur Unterrichtsgestaltung in einem dramapädagogischen Kontext. Petra Schappert verfügt über eine langjährige Unterrichtserfahrung im Bereich Fremdsprachen und ist in der Lehrerausbildung tätig.