Content

2. Aufbau und Struktur in:

Marcel Dagenbach

"Ewiger Trost und gute Hoffnung", page 25 - 34

Die Eschatologie des zweiten vor dem Hintergrund des ersten Thessalonicherbriefs

1. Edition 2020, ISBN print: 978-3-8288-4461-2, ISBN online: 978-3-8288-7483-1, https://doi.org/10.5771/9783828874831-25

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Theologie, vol. 11

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
Aufbau und Struktur Aufbau und Struktur 2Thess Zunächst soll ein knapper Überblick über alle Blöcke des 2Thess erfolgen und dabei klar werden, wo eschatologische Fragen eine Rolle spielen. Folgende Tabelle zeigt eine mögliche Struktur auf:100 I. Briefeingang (1,1–12) A. Präskript 1,1f. B. Proömium 1,3–12 – Erste Danksagung: 1,3f. – Eschatologischer Zuspruch:1,5–10 – Briefliche Fürbitte:1011,11f. II. Briefkorpus (2,1–3,13) A. Einführung: 2,1f. – Parusie/Tag des Herrn B. Erster Hauptteil: 2,3–17 – Eschatologisches Hauptstück: 2,3–12 – Zweite Danksagung: 2,13f. – Wichtigkeit der Überlieferung des Paulus / briefliche Fürbitte: 2,15–17 C. Zweiter Hauptteil: 3,1–15 – Bitte um Gebet der Gemeinde: 3,1f. – Briefliche Fürbitte: 3,3–5 – Aufruf zum ordentlichen Lebenswandel: 3,6–13 – Wichtigkeit des Briefes: 3,14f. 2. 2.1 100 Vgl. Klauck, Briefliteratur, S. 54.293–296; Schreiber, Stefan, in: Ebner, Einleitung, S. 440 f.; Müller, Thessalonicher, S. 234 f. 101 Vgl. Wolter, Kolosser, S. 250f.: „Das Proömium des Phlm ist als an Gott gerichtete Danksagung formuliert (vgl. auch Röm 1,8ff.; 1Kor 1,4f.; Phil 1,3ff.; 1Thess 1,2ff.; nachgeahmt in Kol 1,3f.; 2Thess 1,3f.; 2Tim 1,3ff.). Hierbei handelt es sich mit Ausnahme von Röm 1,8 vgl. aber V 9f.) stets um einen Gebetsbericht. […] Dies unterscheidet die Danksagungen der paulinischen Briefe charakteristisch von dem in zahlreichen außerntl. Briefen aus hellenistisch-römischer Zeit direkt ausgesprochenen Dank an die Götter.“ 25 III. Briefschluss (3,17f.) – Friedenswunsch: 3,16 – Postskript: Eigenhändiger Gruß, Gnadenwunsch: 3,17f. Briefeingang Im Briefeingang (1,1–12) finden sich zwei typische Elemente des antiken Briefes – Präskript und Proömium. „Paulus bedient sich in allen seinen Briefen des sog. »orientalischen« Briefeingangsformulars, das aus zwei Sätzen besteht“102. Das Präskript (1,1f.) beinhaltet dieselben Absender wie 1Thess – Paulus, Silvanus und Timotheus – und richtet sich an die Gemeinde der Thessalonicher (superscriptio und adscriptio). Darauf folgt das Gattungselement der salutatio, das im Gegensatz zu 1Thess umfangreicher103 und mit den Formulierungen in anderen Paulinen identisch ist.104 „Gnade und Friede“ ersetzen das aus antiken Briefen bekannte profan-griechische χαίρειν.105 Im Verhältnis zum Gesamtumfang des Briefes ist das Proömium (1,3–12) recht ausführlich.106 Die erste Danksagung (1,3f.)107 mit dem Charakter einer captatio benevolentiae und die erste briefliche Fürbitte (1,11f.) rahmen den eschatologischen Zuspruch (1,5–10). Dieser soll der bedrängten Gemeinde Trost spenden und eine Perspektive geben. So werden schon wesentliche Inhalte des gesamten Briefes vorgegeben: Parusie und Gericht.108 Die Gemeinde leidet offensichtlich unter Verfolgungen und 102 Vgl. Wolter, Kolosser, S. 243. 103 1Thess 1,1: χάρις ὑμῖν καὶ εἰρήνη; 2Thess 1,2: χάρις ὑμῖν καὶ εἰρήνη ἀπὸ θεοῦ πατρὸς [ἡμῶν] καὶ κυρίου Ἰησοῦ Χριστοῦ. 104 Vgl. 1Kor 1,3; 2Kor 1,2; Röm 1,7; Phil 1,2; Phlm 1,3; Gal 1,3 – umstrittene Briefe nur Eph 1,2. 105 Klauck, Briefliteratur, S. 43f.: „Begriffspaar Gnade und Friede, in dem die Verhei- ßung des großen Schalom mitaufklingt.“ 106 Vgl. Schreiber, Stefan, in: Ebner, Einleitung, S. 254.440; Klauck, Briefliteratur, S. 294. 107 Danksagung nach Klauck, Briefliteratur, S. 39 eher selten im antiken Brief. – Wolter, Kolosser, S. 250f. präzisiert: Es handelt sich streng genommen nicht um eine direkte Danksagung, sondern um einen „Gebetsbericht“ oder einen „Bericht von einer Danksagung“. 108 Auch im Proömium des 1Thess werden in 1,10 bereits eschatologische Themen vorbereitet, die dann im 4. und 5. Kapitel entfaltet werden. Auch Parusie und Gericht, wenn auch anders bezeichnet (Sohn aus Himmeln erwarten, kommender Zorn). 2. Aufbau und Struktur 26 Bedrängnissen, denen aber eine Zeit des „Aufatmens“ bei Gott folgen soll, zusammen mit „Paulus“, Silvanus und Timotheus. „[D]er kleine Zusatz ‚mit uns‘ [kann] in nachpaulinischer Zeit, in der einerseits das Apostolat des Paulus unumstritten, andererseits aber auch sein Todesschicksal – und damit sein eigenes Verhalten in Leiden und Bedrängnis bis zum Ende – bekannt ist, aufgrund der […] Vorbildfunktion […] wohl noch stärkere Wirkung entfalten, als dies in paulinischer Zeit selbst möglich gewesen wäre.“109 Den Verfolgern hingegen, die dem Evangelium nicht gehorchen und Gott nicht kennen, blüht Bedrängnis und Strafe, fern von Gott – „ewiges Verderben“ (1,9). Briefkorpus In der Einführung (2,1f.) wird das Hauptthema des Briefes in Form einer Bitte benannt (Ἐρωτῶμεν δὲ ὑμᾶς), klassischerweise im Korpus vorkommend:110 Parusie und Tag des Herrn, verbunden mit der wohl in der Gemeinde existierenden fälschlichen Annahme, dass beide kurz bevor stünden. Diese Annahme kann durch „Geist“, „Wort“ oder einen „Brief “ ὡς δι᾿ ἡμῶν entstanden sein (2,2). An die Bitte knüpft sich im Ersten Hauptteil eine eschatologische Belehrung an. Vor dem Kommen des Herrn müssen noch einige Dinge geschehen, unter anderem das Auftreten des Widersachers, das mit Lügen und wunderhaften Zeichen verbunden sein wird. Dieser widergöttliche Mensch der Gesetzlosigkeit wird aber noch von einem geheimnisvollen „Katechon“ aufgehalten. „Der Briefschreiber beruft sich auf eschatologisches Geheimwissen, das die Adressaten mit ihm teilen (V. 6a), und er erklärt im metakommunikativen V.5 die gegenwärtigen und künftigen Geschehnisse als Erfüllung von prophetischen Vorhersagen, die er bei seinem Gründungsaufenthalt in der Gemeinde getätigt hatte.“111 Der Gemeinde dient es als Trost und Ansporn, dass die böse Gestalt am Ende von ihrem Herrn Jesus getötet werden wird. Es wird aufgezeigt, dass diejenigen, die die Wahrheit nicht geliebt und nicht geglaubt haben, gerichtet werden. In der zweiten Danksagung 109 Nicklas, Thessalonicherbrief, S. 89f. 110 Vgl. Klauck, Briefliteratur, S. 39.46: Auch immer wieder mit ἐρωτάω, z.B. 2Joh 5 oder im ersten Apionbrief. 111 Ebd., S. 295; Vgl. auch Roh, Thessalonicherbrief, S. 32–37. 2.1 Aufbau und Struktur 2Thess 27 (2,13f.), die zu Beginn sprachlich stark an die erste angelehnt ist, wird die Erwählung der Gemeinde als „Erstlingsgabe“ aufgezeigt (2,13: ὅτι εἵλατο ὑμᾶς ὁ θεὸς ἀπαρχὴν εἰς σωτηρίαν). Sie soll gerettet werden und die Herrlichkeit Jesu Christi erlangen. Auffällig ist, dass auch 1Thess in 2,13–16 eine zweite Danksagung kennt. 2Thess 2,15–17 unterstreicht die Wichtigkeit der paulinischen Überlieferung und beinhaltet einen gebethaften Zuspruch, der auch an den von Jesus Christus geschenkten „ewigen Trost“ und die „gute Hoffnung“ erinnert. Der zweite Hauptteil (3,1–15) beginnt mit einer Bitte um Fürbitte für die Verfasser und beinhaltet zudem eine Fürbitte für die Adressaten. Die Gemeinde soll für die Verfasser beten und die Verfasser sprechen einen gebethaften Wunsch für die Gemeinde aus: Unter anderem sollen die Herzen zum „geduldigen Warten auf Christus“ gelenkt werden (3,5). Ein Aufruf zum ordentlichen Lebenswandel nach dem Vorbild des Paulus findet sich anschließend in 3,6–13. 2Thess 3,14f. beschreibt darauf die Wichtigkeit des Briefes und unterstützt so die zuvor getätigten Aussagen. Briefschluss Der Briefschluss beginnt mit einem Friedenswunsch (3,16), darauf folgt das Postskript mit eigenhändigem Schlussgruß samt Namen (Eschatokoll). In auffälliger Weise wird die Authentizität des Briefes bezeugt und ein Gnadenwunsch als Schlusspunkt gesetzt. 2. Aufbau und Struktur 28 Aufbau und Struktur 1Thess I. Briefeingang (1,1–10) A. Präskript 1,1 B. Proömium 1,2–10 – Erste Danksagung: 1,2–5 – Reaktion der Gemeinde auf Verkündigung, Bedrängnis (1,6–9) – Eschatologischer Ausblick (1,10) II. Briefkorpus (2,1–5,11) A. Einführung: 2,1–12 – Eschatologischer Ausblick (2,12) B. Erster Hauptteil: 2,13–3,13 – Verfolgungen durch Heiden und Juden, Zorn über die Juden (2,13–16) – Besuchswunsch, Parusie (2,17–20) – Entsendung des Timotheus. Bedrängnisse (3,1–5) – Rückkehr des Timotheus, Not und Bedrängnis (3,6–10) – Briefliche Fürbitte, Parusie (3,11–13) C. Zweiter Hauptteil: 4,1–5,11 – Lebenswandel im Sinne Gottes – (4,1–12) – Eschatologischer Trost (4,13–18) – Wachsamkeit wegen des Tages des Herrn (5,1–11) – Mahnungen und Achtung der Vorstehenden (5,12–22) III. Briefschluss (5,23–28) – Eschatologischer Segenswunsch (Parusie), Zuspruch (5,23f.) – Postskript: Bitte um Fürbitte, Grußauftrag, Verlesungsbitte, Gnadenwunsch (5,25–28) Briefeingang Der Briefeingang (1,1–10) beinhaltet in klassischer Weise das Präskript und Proömium. Das Präskript (1,1) ist das kürzeste im Corpus Paulinum und „signalisiert [so] auch, daß […] die Probleme in Thessalonich einfacher strukturiert waren und noch nicht die Komplexität späterer Streitfälle erreichten.“112 Das Proömium (1,2–10), das als captatio benevolentiae gestaltet ist, zeigt sich als Danksagung und nimmt schon wichtige Themen vorweg: Die Parusie des Herrn Jesus (1,10), vor al- 2.2 112 Klauck, Briefliteratur, S. 269. 2.2 Aufbau und Struktur 1Thess 29 lem in den eschatologischen Texten der Kapitel 4 und 5 thematisiert, und eine Rückschau auf die Verkündigung des Evangeliums und seine Auswirkung auf die Gemeinde (1,5.7). Genau wie in 2Thess ist die erste Danksagung recht umfangreich gestaltet. „In ihrer Ausführlichkeit unterscheidet sie sich von der Konvention brieflicher Danksagungen in der Antike, die nicht zum festen Standardrepertoire des Briefanfangs zählen, sondern konkreten Briefsituationen geschuldet sind“113. Das Ende der ersten Danksagung ist nicht unumstritten, so ist ein Abschluss auch in 3,13 denkbar.114 Zwar benutzt Paulus in 2,13 und 3,9 nochmals Dankesworte, dennoch ist die Danksagung mit 1,10 als beendet anzusehen. Dafür „spricht das Vorliegen eines formelhaften Abschlusses in 1,10 […], die Aufnahme der Thematik des «Eingangs» ([…]1,9; 2,1) der Missionare in Thessaloniki als eigener Abschnitt in 2,1–12 und die sinnvolle Gewichtung der Briefteile, wonach 2,1–12 einen zentralen Abschnitt im ersten Themenblock des Briefcorpus darstellt. Der Dank in 2,13 und 3,9 entspricht dann der jeweiligen Sachaussage.“115 Briefkorpus Die Einführung (2,1–12) weist den Charakter einer brieflichen Selbstempfehlung auf, die die Glaubwürdigkeit des Paulus und seiner Gefährten unterstreicht. Sie endet mit einem eschatologisch zu verstehenden Satz (V.12), vergleichbar dem Ende des Proömiums (1,10). Es schließt sich die zweite Danksagung als Beginn des ersten Hauptteils an (2,13–16). Die Dankesworte knüpfen sprachlich an das Proömium an. Die Danksagung beschreibt die treue Aufnahme des Evangeliums durch die Thessalonicher, die trotz Verfolgungen durch heidnische Mitbürger standhaft bleiben, was sie mit ihren durch Juden verfolgten Glaubensgenossen in Judäa verbindet. „Der Abschnitt endet in einer […] (erklärungsbedürftigen) scharfen Judenpolemik (2,15f.).“116 2,17–20 beschreiben den Besuchswunsch der Verfasser, der wiederum in eine eschatologische Aussage (V.19) mündet. 3,1–10 lassen von 113 Schreiber, 1Thessalonicher, S. 60. 114 So z.B. Müller, Thessalonicher, S. 44f. 115 Schreiber, 1Thessalonicher, S. 61. 116 Ebd., S. 62. 2. Aufbau und Struktur 30 der Entsendung und Rückkehr des Timotheus wissen, der die durch Bedrängnisse angefochtene Gemeinde besucht hat. Abgeschlossen wird der erste Hauptteil durch eine briefliche Fürbitte (3,11–13), die erneut das Kommen des Herrn „mit seinen Heiligen“ in den Raum stellt. „Die unterschwellige eschatologische Thematik und deren Zuspitzung auf die Parusie hin im ersten Hauptteil erfahren so eine Bündelung und Konzentrierung, die auf eine Einlösung im zweiten Hauptteil gespannt sein läßt.“117 Die Thematisierung der Parusie leitet zudem zum zweiten Hauptteil über, der „das christliche Leben vor uns angesichts der Parusie in den Blick nimmt.“118 Der zweite Hauptteil beginnt mit einer ausführlichen Darstellung des von Paulus für die Gemeinde vorgesehenen Lebenswandels im Sinne Gottes (4,1–12). Die Wortwahl in 4,1 zeigt einen neuen Abschnitt an, der zudem als briefliche Bitte gestaltet ist. In 4,13–18 folgt auf die Unterweisung im rechtschaffenen christlichen Leben ein Abschnitt, den man als „Eschatologischen Trost“ bezeichnen kann (4,13–18). Der neue Abschnitt wird zudem durch die Anrede ἀδελφοί eingeführt. In den tröstenden Versen wird das Schicksal der verstorbenen Gemeindemitglieder aufgezeigt, die bei der Parusie mit den noch lebenden Brüdern und Schwestern, zu denen wohl auch Paulus selbst zählen soll, zusammengeführt werden. Mit den Worten Περὶ δὲ … ἀδελφοί (5,1) schließt sich eine erneute eschatologische Thematik an (5,1–11), die zur Wachsamkeit wegen des nahenden Tags des Herrns (5,2) aufruft. Im Abschluss des Briefkorpus (5,12–22) findet sich ein ganzes Bündel von Mahnungen, die verschiedene Themen ansprechen. So wird u.a. zur Achtung vor den der Gemeinde Vorstehenden aufgerufen (5,12f.). Der zweite Hauptteil des Briefes, der stark von Mahnungen durchzogen ist, findet im paränetischen Abschluss des Korpus ein passendes Ende. Briefschluss Der Briefschluss beginnt mit einem auf die Parusie bezogenen Segenswunsch und einem darauffolgenden Zuspruch der Treue Gottes 117 Klauck, Briefliteratur, S. 277. 118 Schreiber, 1Thessalonicher, S. 63. 2.2 Aufbau und Struktur 1Thess 31 (5,23f.). Das abschließende Postskript weist eine Bitte um Fürbitte, einen Grußauftrag, eine Verlesungsbitte und einen Gnadenwunsch auf (5,25–28). Strukturvergleich der Briefe Die folgende Tabelle soll die Strukturen des 1. und 2. Briefes an die Thessalonicher vergleichen und eschatologische Punkte benennen, um für die folgenden Arbeitsschritte, insbesondere die „Eschatologische Profilierung anhand der strukturparallelen Texte“, einen Überblick zu schaffen: 2Thess 1Thess Briefeingang (1,1–12) Präskript (1,1f.) superscriptio, adscriptio, salutatio Briefeingang (1,1–10) Präskript (1,1) superscriptio, adscriptio, salutatio Proömium (1,3–12) – Erste Danksagung, Geduld in Verfolgungen und Bedrängnissen (1,3f.) Proömium (1,2–10) – Erste Danksagung, Geduld in Hoffnung auf Christus (1,2–5) – Reaktion der Gemeinde auf Verkündigung, Bedrängnis (1,6–9) – 1,5–10: Eschatologischer Zuspruch (u.a. auch Bedrängnis – V.6f.) – 1,11f.: Briefliche Fürbitte, Berufung, Vollendung – Eschatologischer Ausblick: auferweckten Sohn aus Himmeln erwarten, Rettung aus kommenden Zorn (1,10) Briefkorpus (2,1–3,13) Einführung (2,1f.) Eschatologische Einleitung: Parusie/Sichversammeln beim Herrn, Mahnung vor Glauben an gegenwärtigen Tag des Herrn Briefkorpus (2,1–5,11) Einführung (2,1–12) Mit eschatologischem Ausblick (V.12: Berufung in Reich und Herrlichkeit) 2.3 2. Aufbau und Struktur 32 Erster Hauptteil (2,3–17) – Eschatologisches Hauptstück (2,3–12) Zweite Danksagung: – Erwählung und Berufung (2,13f.) – Wichtigkeit der Überlieferung des Paulus (2,15) Erster Hauptteil (2,13–3,13) Zweite Danksagung: – Verfolgungen durch Heiden und Juden, Zorn über die Juden (2,13–16) – Besuchswunsch, Parusie (2,17–20) – Entsendung des Timotheus. Bedrängnisse (3,1–5) – Rückkehr des Timotheus, Not und Bedrängnis (3,6–10) – Briefliche Fürbitte, ewiger Trost, gute Hoffnung (2,16f.) – Briefliche Fürbitte, Parusie (3,11–13) C. Zweiter Hauptteil (3,1–15) – Bitte um Fürbitte, briefliche Fürbitte (3,1–5) – Aufruf zum ordentlichen Lebenswandel (3,6–13) – Wichtigkeit des Briefes (3,14f.) Zweiter Hauptteil (4,1–5,11) – Lebenswandel im Sinne Gottes (4,1–12) – Eschatologischer Trost (4,13–18) – Wachsamkeit wegen des nahenden Tag des Herrns (5,1–11) – Mahnungen, Achtung der Vorstehenden (5,12–22) Briefschluss (3,17f.) – Friedenswunsch (3,16) Briefschluss (5,23–28) – Eschatologischer Segenswunsch (Parusie), Zuspruch (5,23f.) – Postskript: Eigenhändiger Gruß, Gnadenwunsch (3,17f.) – Postskript: Bitte um Fürbitte, Grußauftrag, Verlesungsbitte, Gnadenwunsch (5,25–28) Der Strukturvergleich zeigt einen weitgehend ähnlichen Aufbau. Im Proömium erfolgt in beiden Briefen die erste Danksagung mit darin beinhalteten eschatologischen Ausführungen. 2Thess verwendet hier im Gegensatz zu 1Thess eine briefliche Fürbitte, die wiederum eschatologisch geprägt ist. Die Einführung zu Beginn des Briefkorpus ist in 2Thess wesentlich kürzer als in 1Thess. Beide Einführungen erwähnen allerdings im etwa selben Umfang einen eschatologischen Ausblick. Im ersten Haupttteil zeigt sich ein offensichtlicher struktureller Unterschied. Vor der in beiden Briefen verankerten zweiten Danksagung vermittelt der zweite Brief an die Thessalonicher in einem größeren Block einen Blick auf die kommenden Dinge (2,3–12: Eschatologisches Hauptstück). Beide Schreiben rücken in den brieflichen Fürbitten, die jeweils der zweiten Danksagung folgen, wiederum eschatologi- 2.3 Strukturvergleich der Briefe 33 sche Gedanken in den Mittelpunkt. Im zweiten Hauptteil ist es der erste Brief an die Gemeinde in Thessaloniki, der über zwei Kapitel umfangreich eschatologisch argumentiert. Hier weist der 2Thess mit einem Kapitel einen kleineren Umfang auf und die kommenden Dinge nehmen einen deutlich kleineren Raum ein. Die Briefschlüsse schließlich halten sich bezüglich der Eschatologie zurück. 2. Aufbau und Struktur 34

Chapter Preview

References

Abstract

This volume examines the structurally parallel texts of 1 and 2 Thessalonians from an eschatological perspective. This helps a better understanding of the literary relationship of the two letters and to prove 1 Thessalonians as a pre-text of 2 Thessalonians. A dense structure of connections between corresponding sections becomes visible and enables new approaches to the intention of the author of 2 Thessalonians.

Among the motifs whose contemporary and religio-historical background is examined, the Eleusinian Mysteries are particularly mentioned. Not least from the connotations of "anti-god" and "adversary", Dagenbach concludes a composition between 66 and 70 AD – uncommonly early for a pseudepigraph.

Zusammenfassung

Der vorliegende Band untersucht die strukturparallelen Texte der beiden Thessalonicherbriefe unter eschatologischen Aspekten. Dies hilft, das literarische Verhältnis der beiden Schreiben besser zu verstehen und den 1Thess als Prätext des 2Thess zu erweisen. Ein dichtes Gefüge von Verbindungen zwischen den korrespondierenden Abschnitten wird sichtbar und ermöglicht neue Zugänge zur Intention des Verfassers des 2Thess.

Unter den Motiven, deren zeit- und religionsgeschichtlicher Hintergrund untersucht wird, finden die Eleusinischen Mysterien besondere Erwähnung. Nicht zuletzt aus den Konnotationen von „Anti-Gott“ und „Widersacher“ schließt Dagenbach für den 2Thess auf die für ein Pseudepigraph frühe Abfassungszeit zwischen 66 und 70 n. Chr.