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Timo Steininger

John McDowells Bildungstheorie, page 233 - 246

Vernunft und Natur vor dem Hintergrund stoischer Perspektiven zum Naturbegriff

1. Edition 2020, ISBN print: 978-3-8288-4458-2, ISBN online: 978-3-8288-7478-7, https://doi.org/10.5771/9783828874787-233

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Philosophie, vol. 39

Tectum, Baden-Baden
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Fazit Ziel dieser Arbeit war es, im Zuge der Aufarbeitung des Verhältnisses aus Vernunft und Natur bei John McDowell den Naturbegriff unter Berücksichtigung der stoischen Philosophie so zu rekonstruieren, sodass davon ausgehend eine neue Perspektive auf second nature bei McDowell und damit auch ein allgemein erweitertes Verständnis des Naturbegriffs und des Bildungsverständnisses eröffnet werden kann. Die Ausgangslage basiert auf den Annahmen, dass Bildung eine subjektive, prozesshafte Formung im Raum der Gründe ist, die sich, bezogen auf die These McDowells, als zweite Natur bezeichnen lässt. Diese zweite Natur ist bei McDowell jedoch in seiner Konstruktion des Naturbegriffs aus erster und zweiter Natur nicht klar beschrieben worden, sodass nur unzureichend deutlich wird, was der Naturbegriff und damit zweite Natur letztendlich aussagen soll und in welchem Verhältnis der Bildungsbegriff dazu steht. Nach Auffassung des Problemhintergrundes der Arbeit geht es McDowell darum, die Geist-Welt-Unterscheidung aufzuheben, ohne dass ein eindimensionaler Naturbegriff übrigbleibt, der wesentliche menschliche Erfahrungen zu einem wissenschaftlich nicht oder nur verzerrt wahrnehmbaren Gegenstand werden lässt und aufgrund mangelnder Abgrenzung inhaltsleer ist. Die gezeigte Lösung ist, die Natur auf sich selbst zurückzuführen und damit in der Natur die Abgrenzung zu schaffen, die der Begriff der Natur zuvor vom Begriff Geist oder Kultur hatte. Es ist wichtig, in der Komplexität des Naturbegriffs die Lösung zu finden, ohne den Vernunftbegriff aufzugeben. Würden wir den Vernunftbegriff aufgeben, würde das menschliche Sein zur leeren Hülle, die, ohne jeglichen Einfluss der Spontanität, durch naturgesetzmäßige Determinationen bestimmt wäre und eben nicht mehr durch die Gründe selbst. Der Begriff, der bei McDowell diese Versöhnung aus Vernunft und Natur erreichen sollte, ist der Begriff der second nature (zweite Natur). Dieser ist strukturell auch bei anderen Philosophen, wie Aristoteles, Cicero oder Hegel nachzuverfolgen, worauf McDowell in seiner Arbeit 233 Bezug nahm. Dabei haben sich in der Bearbeitung neue Felder der Betrachtung eröffnet, besonders hinsichtlich der Einbindung der stoischen Perspektive auf das menschliche Sein unter Zuhilfenahme von deren vielschichtigem Naturverständnis. Von diesem ausgehend konnte der Naturbegriff bei McDowell unter einer ethischen und auf Aristoteles bezogenen, zugleich unter einer stoischen Perspektive betrachtet werden, die im engen Zusammenhang zueinanderstehen. Besonders der Rückgriff auf die antike Philosophie zeigt sich als große Hilfe, derer sich auch McDowell bediente. So war er einer der wenigen Philosophen, die gezielt auf die Schriften antiker Autoren, in seinem Fall Aristoteles, zurückgegriffen hat, um sich an aktuelle philosophische Probleme zu wagen. Und auch in der vorliegenden Arbeit hat sich gezeigt, dass die antike Philosophie, im Speziellen die Stoa, ein erweitertes Verständnis dessen zeigen kann, was man als Naturbegriff bezeichnen würde. Die Arbeit orientierte sich im Wesentlichen an den folgenden drei Fragestellungen, welche eine Gliederung in fünf Kapitel erlaubte. 1. Inwiefern unterscheidet sich John McDowells Verständnis von menschlicher Natur vom gegenwärtig vorherrschenden biologischen Naturalismus – insbesondere was den Zusammenhang von Vernunft und Natur angeht? 2. Inwiefern lässt sich dieses Verständnis aus erster und zweiter Natur durch einen Rückgriff auf die stoische Philosophie anreichern und präzisieren? 3. Wie lässt sich ein so angereichertes und präzisiertes Verständnis von menschlicher Natur für die Weiterentwicklung des Bildungsbegriffs bei McDowell produktiv machen? Die philosophische Grundproblematik der Begriffe Vernunft und Natur wurde in den vorgegangenen fünf Kapiteln ebenso aufgearbeitet wie die Bedeutung des Naturbegriffs für ein neues Verständnis dessen, was den Menschen bei McDowell ausmacht. Insbesondere durch Verwendung des hegelianischen Ansatzes der Dialektik konnten innerhalb verschiedener Schulen und Strömungen zentrale, überspannende Elemente der Philosophie aufgedeckt und systematisch in einen gemeinsamen Bezugsrahmen gebracht werden. Durch diese dualistischen Strukturen konnten vorerst undefinierte Inhalte verdeutlicht werden. Fazit 234 Die vorliegende Arbeit verfolgte das Ziel, ein auf McDowells Unterscheidung von erster und zweiter Natur aufbauendes Naturverständnis zu rekonstruieren, das auf dem Konzept eine grundlegende, in der Natur des Menschen veranlagte Vernunftfähigkeit beruht, die in einem sozialen Kontext aktualisiert wird. Die zentrale Rolle im Konzept McDowell spielt die zweite Natur. Grundlage des daraus abgeleiteten Bildungsbegriffs von McDowell ist die vernünftige Struktur des menschlichen Seins in seiner Natur bestehend aus erster und zweiter Natur. Dieses zeichnet sich durch die Fähigkeit des Menschen zu vernunftbegründetem Handeln aus. Da der Mensch bei McDowell als seiendes Wesen, als „Ich in der Welt“ und als „Ich mit einer Verpflichtung“ zu sich selbst agiert, spielt das Konzept eines „In-und-mit-der- Welt-Seins“ des Menschen im Ansatz von McDowell eine zentrale Rolle, ebenso wie das Offensein für die Welt und auch für den Raum der Gründe. Sich abkoppelnd von Kants Verständnis von Bildung, das ohne den Begriff der zweiten Natur auskommt, versuchte McDowell genau diese Verbindung mit dem Naturbegriff und damit eine Verbindung von Geist und Welt über die zweite Natur herzustellen (McDowell, 2012, S. 123). Für Aristoteles, auf den McDowell besonders Bezug nahm, war die zweite Natur eine Formung des Charakters, eine Art der praktischen Vernunft (McDowell, 2012, S. 109). Das Verständnis von einer Natur des Menschen und einem empirischen Naturbegriff bildet die Grundlage, auf welcher der Bildungsbegriff bei McDowell entworfen werden kann. Die Natur des Menschen als spezifisch menschliche Natur und als Teil der Welt zu verstehen, ist, basierend auf den Annahmen McDowells, für das Verständnis von Bildung oder eben second nature entscheidend, weil der Mensch dadurch als Teil eines natürlichen Ganzen in den Blick genommen wird. Ohne eine Abkehr vom reinen Szientismus jedoch wäre das Vorhaben, also die Klärung des Naturbegriffs auf Grundlage der ersten und zweiten Natur bei McDowell, nicht durchführbar gewesen, gerade weil naturalistische Perspektiven ein menschliches Sein, als rationales Sein und als Teil der natürlichen Welt, das zwar in der Natur und dennoch abseits der reinen Naturgesetzmäßigkeit besteht, verneinen. Daher nutzt die vorliegende Arbeit das stoische Verständnis aus individueller und allgemeiner Natur. Den McDowell’schen Naturbegriff, in dem eine animalische Fixierung der ersten Natur des Menschen, sowie eine als Bildung definierte Fazit 235 spezifisch menschliche zweite Natur, nebeneinander Bestand haben sollen, werden greifbar gemacht und vor allem mit der Vernunft, bestehend auf dem Verständnis von Logos, angereichert. Zugleich zeigt diese Arbeit auf, wie aus einer stoischen Perspektive diese beiden Naturzustände in eine Einheit gebracht werden können und dadurch ein konkreteres Verständnis davon entsteht, wie Geist der Welt gegenübertreten kann. Dem menschlichen Subjekt kommt eine aufgrund der Unterscheidung von erster und zweiter Natur doppelte Stellung in der Welt zu, die die vorliegende Arbeit anerkennt und für die Rekonstruktion des Bildungsbegriffs bei McDowell nutzt. So ermöglicht dieses Konstrukt die menschliche Natur als Vernunftfähigkeit abseits von empirischen Zwängen und deterministischer Vorhersagbarkeit zu positionieren, weil der Mensch Freiheit im Sinne der kantischen Spontanität besitzt, ohne dass dies zu einer Idealisierung des Menschen und zu reinem Platonismus führen würde. Diese Sichtweise ermöglicht, das Menschsein und damit auch die humanitas als Basis zwischenmenschlichen Zusammenlebens in der Natur selbst zu verorten (Kanitschneider & Wetz, 1998, S. 133). Der Ansatz, der in dieser Arbeit bezugnehmend auf McDowell verfolgt wird, orientiert sich an dem Gedanken der Einheit des Menschen in und mit der Natur und dem Gedanken der Einheit als Vielheit aus erster und zweiter Natur. Seine zweite Natur befähigt den Menschen, die Bildung, die er durch und in der Gemeinschaft erlangt, selbst fortzuführen, wobei er Fähigkeiten z.B. das Erkennen von Gründen nutzt, die grundlegend immer schon vorhanden sind. Dieser bei McDowell schon ausartikulierte Gedanke wurde in der vorliegenden Arbeit weitergeführt und um die an Kant und Aristoteles angelehnte Theorie zum moralischen Verständnis des Menschen zu erweitern versucht. Der Begriff der Moral lässt es zu, die zweite Natur des Menschen auch in Teilen als moralische Dimension zu verstehen. Somit vertritt die Arbeit Positionen eines moralischen Relativismus und kann dennoch an der universalistischen Sichtweise der Tugendhaftigkeit in der Tradition der Stoa teilhaben, nicht weil allen Wesen per se die gleiche Stellung in der Gesamtheit der Natur angedeiht, sondern weil die Fähigkeit zum Vernunftgebrauch und damit auch die Fähigkeit zur tugendhaften Handlung grundsätzlich in jedem menschlichen Wesen Fazit 236 angelegt und vorhanden ist. Die Ausprägung des sittlichen Charakters und damit das tugendhafte Handeln entscheiden sich in der Anwendung der zweiten Natur im Zuge des Erkennens von Gründen über die Einführung in eine Gemeinschaft und damit der Bildung selbst. Es wird davon ausgegangen, dass die Vernunft oder die Fähigkeit zu vernünftig begründetem Handeln und Denken etwas spezifisch Menschliches ist, was das Wesen Mensch und dessen Natur – und damit ist die zweite Natur gemeint –, auszeichnet. Im auf moralisches Handeln hinauslaufenden Erziehungs- und Bildungsprozess kantischer Prägung, würde der Gemeinschaft als Werte- und Normenstruktur eine hohe Bedeutung beigemessen werden, der sie nur unter Berücksichtigung einer natürlichen Fähigkeit zur Vernunft in jedem Einzelnen gerecht werden kann. Vor dem Hintergrund eines so verstandenen natürlichen, dabei aber auch sozialen Natur- und Vernunftverständnisses, gewinnen soziale Faktoren an Bedeutung. So tritt der von Nida- Rümelin beschriebene Begriff der Verantwortung besonders prominent hervor, wobei in dieser Arbeit nicht das im Verantwortungsbegriff implizierte subjektiv-reflexive Verhältnis, sondern ein sozial-interaktionistisches Verständnis im Zentrum steht. Diese Sichtweise betreffend der Übernahme von Verantwortung durch Autonomie tritt auch, wie gezeigt, bei Brandom und der Pittsburgh School zutage, welche bei McDowell immer wieder als Anknüpfpunkt gelten. Eine Gesellschaft muss damit Träger eines vernünftigen Weltverständnisses sein, innerhalb dessen das Subjekt in eine Ich-Welt-Interaktion eintritt, in der es sich schließlich selbst zu vernünftigen Urteilen und vernunftgeleitetem Handeln wie auch zur fortgesetzten Selbstbildung befähigt. Die Verantwortung der Gesellschaft liegt darin, den Menschen ein geeignetes begriffliches Rüstzeug zu geben. Die Interaktion des Ichs mit und in seiner Welt findet nicht zuletzt im Medium der Sprache statt, weshalb es für einen Bildungsprozess im Sinne der zweiten Natur umso wichtiger ist, die Begriffe mit ihrem intentionalen Gehalt in einen Interpretationskontext zu bringen, in dem sich der Begriff und dessen Verständnis erfassen lassen. Folgende Grundannahmen galten bei der Herausarbeitung des Naturverständnisses: I. Begriffe schaffen Gedanken und Gedanken schaffen Handeln. Alles, was ein kantisches Subjekt im strengeren Sinne tut, ist Begriffe Fazit 237 anzuwenden, entweder im Urteilen oder im Handeln (Brandom, 2015, S. 24). II. Die zweite Natur, respektive Bildung, fungiert als Richter, der im Tribunal über die begrifflichen Rechtfertigungen des handelnden Subjekts richtet, um zu einem Urteil mit Geltungscharakter zu gelangen. Damit steht die Welt einem Tribunal an Erfahrungen gegenüber aus dem das Weltverständnis des Individuums generiert wird. Was nicht bedeutet, dass das Individuum alle Erfahrungen nur für sich selbst gemacht hat, denn er ist immer auch Teil der Gemeinschaft, sowie seine Erfahrungen auch immer die der Gemeinschaft implizieren. III. Eine Reduzierung des Menschen auf ein rein natürliches Wesen, das Naturgesetzmäßigkeiten folgt und nur von der Einwirkung von empirischen Sinnesdaten gesteuert ist, erlaubt keine Erkundung der vernünftigen oder moralischen Dimension menschlichen Lebens. Daher ist eine Negierung der Vernunft keine Aufwertung der naturalisierten Perspektive auf den Menschen. Der Mensch ist im Naturalismus von seiner ureigenen Verantwortung pour-soi befreit. Doch wird der Mensch auch im Zeitalter des Naturalismus und szientistischer Zweifel an seiner freien Vernunftausübung nicht von künstlerischem Verstehen, von Moral, Humanität und kultureller Aktivität ablassen oder davon gelöst. Kunst und Kultur galten als typisch menschliche Eigenheiten, diese Sichtweise der modernen Anthropologie festigte sich auch durch den Fund von Schmuck bei Neandertalern und ihre offenkundig ausgiebige Beschäftigung mit Kunst und Köperschmuck. Aber moralisch geprägtes Handeln auf Basis weitreichender, vernünftiger, gedanklicher Rechtfertigungsprozesse und damit auf Basis von Werturteilen ist eine Fähigkeit, mit der sich der Mensch vollumfänglich von tierischen Wesen unterscheidet. Hierbei geht es nicht darum, dass Tiere keine Form der Trauer, Empathie oder dergleichen hätten, aber an Normen und Werte gebundenes vernunftbasiertes Denken und Handeln, das kultur- und gesellschaftsabhängige Unterscheidungsmerkmale aufweist, ist eine einzigartige Eigenschaft vernünftiger menschlicher Wesen, die in einer natürlich strukturierten Welt leben und die sie als diese natürlich strukturierte Welt wahrnehmen können. Wir unterscheiden uns nicht vom Tier in der Wesensart, sondern in der Qualität der Fähigkeiten. Die Diversität Fazit 238 der Fähigkeiten und die spezifischen Ausprägungsformen machen den Menschen zu dem, was er ist. Erste und zweite Natur sind folglich eine Natur. Stoisch in der Perspektive auf den Naturbegriff bei McDowell ist die Einführung des Logos. Diesen anzuwenden gibt uns die Chance, den Menschen im Kosmos als Teil dessen zu sehen, was er ist: Ein Wesen in der Struktur des Kosmos, der Allnatur oder eben der Welt und dennoch der Fähigkeit zur geistigen Freiheit im Sinne kantischer Spontanität. Der Mensch ist in der stoischen Philosophie immer an die Natur gebunden und eingebunden, die aus individueller und allgemeiner Natur besteht und die einen individuellen und einen allgemeinen Logos innehat. Das bedeutet, der Mensch und seine individuelle Natur, bestehend aus der McDowell’schen Einheit aus erster und zweiter Natur, können aufgrund ihrer Vernunftfähigkeit und damit des individuellen Logos im Sinne der Willensfreiheit handeln. Der individuelle Logos soll den Menschen vernünftiges Handeln, und damit meint die Stoa ein naturgemäßes Handeln im Sinne ihrer Oikeiosis-Lehre, ermöglichen. Diese ist angelehnt an die allgemeine Natur und den Logos, der als ordnendes Vernunftprinzip die Welt durchzieht. Diese Ordnung durch das Vernunftprinzip ist die Harmonie der Welt im Sinne der stoischen Philosophie. Der Mensch erkennt durch seine Fähigkeit zur Vernunft die allgemeine natürliche Ordnung der Welt und kann damit in seinem Leben zum Glück gelangen, solange er der natürlichen und damit vernünftigen Ordnung folgt. Zu den systematisch-analytisch rekonstruierten Begriffen vorangegangener philosophischer Richtungen gehört auch der der Gewohnheit, der vor allem in der McDowell’schen Theorie dahingehend zum Tragen kommt, dass er im Rückgriff auf Aristoteles von McDowell nutzbar gemacht wurde. Gewohnheit als zweite Natur zu sehen würde in weiten Teilen den Inhalten von McDowells Bildungsbegriff entsprechen, wobei McDowell nicht den für Gewohnheit zunächst scheinbar angemessener erscheinenden education-Begriff nutzt, obwohl er, aus der Tradition der griechischen Philosophie kommend, nahegelegen hätte. Aufschluss über die Motive hinter McDowells Begriffswahl gibt eine Betrachtung Hegels, auf den McDowell ebenfalls Bezug nahm. Fazit 239 So zeigt sich, dass der Naturbegriff in seiner Vielschichtigkeit immer – und auch bei Hegel – Anhaltspunkt einer philosophischen Denkstruktur war, welche den Menschen nicht abseits des natürlichen Seins sieht, ihn jedoch auch nicht in Gänze in der natürlichen Welt verortet: „Die natürlichen Qualitäten und Veränderungen des Alters, des Schlafens und Wachens sind unmittelbar natürlich; die Gewohnheit ist die zu einem Natürlichseienden, Mechanischen gemachte Bestimmtheit des Gefühls, auch der Intelligenz, des Willens usf., insofern sie zum Selbstgefühl gehören. Die Gewohnheit ist mit Recht eine zweite Natur genannt worden, – Natur, denn sie ist ein unmittelbares Sein der Seele, – eine zweite, denn sie ist eine von der Seele gesetzte Unmittelbarkeit, eine Ein- und Durchbildung der Leiblichkeit, die den Gefühlsbestimmungen als solchen und den Vorstellungs- [und] Willensbestimmtheiten als verleiblichten (§ 401) zukommt. Der Mensch ist in der Gewohnheit in der Weise von Naturexistenz und darum in ihr unfrei, aber insofern frei, als die Naturbestimmtheit der Empfindung durch die Gewohnheit zu seinem bloßen Sein herabgesetzt, er nicht mehr in Differenz und damit nicht mehr in Interessen, Beschäftigung und in Abhängigkeit gegen dieselben ist.“ (Hegel, 2014, S. 283 ff). Hierbei scheint es so, als sei Gewohnheit gleichbedeutend mit zweiter Natur, was jedoch nicht der Fall ist, denn Hegel geht es um die Bewältigung der Leiblichkeit durch die Aneignung von persönlich gefestigten Strukturen im Individuum. Ebenso greift Hegel in Verbindung mit der zweiten Natur den Freiheitsbegriff auf, was zeigt, dass dem Menschen ohne Freiheit und damit ohne die geistige Fähigkeit zu dem, was Kant Spontanität nennt, eine vernünftige zweite Natur verwehrt werden würde. Ein vernünftig handelnder Mensch ist dennoch den Zwängen unterworfen, die das Tribunal der Erfahrungen, um es mit den Worten von McDowell zu fassen, ihm vorgibt. Absolute Freiheit ist insoweit nicht vorhanden, insbesondere nicht, da der Mensch keine Freiheit des Handelns haben kann, bis er die Aneignung der Vernunft abgeschlossen hat und seine Fähigkeit zur Spontanität nutzen kann. Ebenso würde die stoische Perspektive einem absoluten Freiheitsbegriff entgegenstehen, da für sie die allgemeine Natur und der Weltlogos leitende Funktionen für den Menschen einnehmen und daher deterministische Strukturen aufweisen. Des Weiteren, und das würde auch die stoische Perspektive eines milden Determinismus bestätigen, ist der Mensch gewissen natürlichen Strukturen unterworfen, wie dem Werden und Vergehen. Die Freiheit des Menschen besteht darin, gut Fazit 240 oder schlecht handeln zu können und es auch zu wissen, zu reflektieren und sich perspektivisch danach zu richten im Sinne seiner individuellen Natur und dem individuellen Logos. Der Begriff der Freiheit spielt beim McDowell’schen Menschenbild, ungeachtet seiner hinreichenden Fokussierung der kantischen Spontanität, eine untergeordnete Rolle, wichtiger ist dahingegen der Begriff der Verantwortung innerhalb der sozialen Interaktion, durch die der Mensch den Raum der Gründe (McDowell) fassen kann. Durch diesen Raum der Gründe kann er die Inhalte und den intentionalen Gehalt von Begriffen verstehen und in einen Kontext einordnen. Stoisch ist an dieser Perspektive auf das Naturverständnis vor allem, dass davon auszugehen ist, dass eine individuelle und eine allgemeine Natur existiert, eine Vorstellung demnach, dass Menschen über eine Fähigkeit zur Vernunft an sich verfügen müssen, um Mensch in einer kosmischen Gesamtheit zu sein. Die Stoiker lehren uns die Affekte zu beherrschen, also die Vernunftwelt über die Gefühlswelt dominieren zu lassen. Aber Affektivität ist ebenso eine Form der Weltwahrnehmung des Subjekts und damit eine Form davon, wie die Welt sich dem Einzelnen abseits der empirischen Wahrnehmung erschließt. Die rationalen Weltsichten müssen die affektiven Strukturen einer Weltsicht abbauen. Dennoch kann das Einwirken per se auf den Menschen über affektive Strukturen der Weltwahrnehmung stattfinden. Der Logos spielt dabei die Rolle einer Weltvernunft, einer Ordnungsstruktur, die den Kosmos als Ganzen und damit auch die Natur an sich durchzieht und gleichzeitig den Menschen als vernunftbegabtes Wesen schafft. Somit orientiert sich die individuelle Natur, in deren Bereich unter anderem auch die Beherrschung der Affekte fällt, ebenfalls an der allgemeinen Natur, die von einem Logos, einer kosmischen Ordnung, durchzogen ist. Damit ist der Mensch immer ein Teil der Natur in seiner Allheit und Vielheit, ebenso wie das bei McDowell in erster und zweiter Natur der Fall ist. Voraussetzung dafür ist die Wahrnehmung von Menschen über die Sinnesorgane im Zentralorgan (hegemonikon). Diese Bilder der Seele (phantasiai) werden dann vom hegemonikon überprüft – vorausgesetzt, ein Mensch ist gesund, nüchtern, wach und leidenschaftslos und damit fähig, sich vernünftig einer Entscheidung zu stellen (Weinkauf, 2001, S. 73). Fazit 241 Mit dieser Arbeit sollte somit dargestellt werden, dass der Mensch ein Wesen ist, das in und mit der Welt und dennoch einzigartig in der Natur ist und über die spezifische Fähigkeit zur Vernunft verfügt, die sich in Aneignungsprozessen zeigt, welche durch und in der Gemeinschaft stattfinden. Dabei zeigen sich Inhalte, besonders die stoische Idee der allgemeinen Natur und des darin enthaltenen Logos, die den Naturbegriff bei McDowell und sein Verständnis von Geist und Welt deutlich erweitern. Welt ist bei McDowell ein Begriff, der sowohl beinhaltet, dass sie dem Menschen als ein Gegenüber begegnet, als auch, dass der Mensch in ihr und Teil derselben ist. Damit tritt eine empirische Welt an den Menschen heran, welcher sich wiederum eine Welt durch Erfahrungen zugänglich macht. Die naturgesetzmäßige Welt wird auch bei den Stoikern nicht zurückgewiesen; sie ist die Welt, die eine Natur zeigt, die immer schon da ist und auf den Menschen einwirken kann. Sie weist eine in sich verbundene Harmonie mit sich selbst auf, weil die Natur ebenso ist wie sie ist. Zugleich ist der Mensch in der Welt und kann, das zeigt sich auch in der Stoa, die Welt, deren Teil er ist, wahrnehmen. Dazu benötigt er die individuelle Natur und den individuellen Logos, also die Vernunftfähigkeit. Diese individuelle Natur in der Stoa als typisch menschliche Natur zu sehen bietet sich an. Sie ist die Natur, die im Sinne McDowells aus erster und zweiter Natur eine Einheit bildet. Die allgemeine Natur ist eine Natur, die auf den Menschen empirisch einwirkt und in der er zugleich selbst ist. Das ist die McDowell’sche Vorstellung einer Welt, die dem Geist gegenübertritt. Diese Welt ist in der Stoa von einer inneren Ordnung, einer Harmonie durchzogen. Ein dahin gehend angereichertes Verständnis von Welt und damit auch vom Naturbegriff ermöglicht es uns, den Menschen als ein Wesen im Werden und Vergehen der natürlichen Ordnung zu verstehen, das durch die Fähigkeit zur Vernunft Freiheit in Spontanität besitzt und dennoch an das natürliche Sein gebunden ist. Der Mensch erliegt durch diese Perspektive nicht dem Trugschluss der Selbstüberhöhung und Arroganz. Der Logos ermöglicht ihm, die Welt und ihre Ordnung zu verstehen, wenn er dazu seine Vernunft gebraucht. Damit ist die Vernunft untrennbar mit der Welt verbunden, weil der individuelle Logos mit dem allgemeinen Logos im Verstehen des Menschen verbunden ist, zeigt sich die Welt im Verstehen des Menschen. Fazit 242 Eine besondere Rolle hierfür spielt das soziale Miteinander, wie es auch schon in der Stoa hervorgehoben wird. Der Gemeinschaft kommt die Verantwortung dafür zu, den Einzelnen in ihre Werte und Normen, in das Verständnis von Welt einzuführen und ihn über die Sprache teilhaben zu lassen. Dass Menschen sich von Tieren qualitativ unterscheiden, kann an dieser Stelle zwar angemerkt werden, bedürfte dann aber einer weiteren Klärung wie die Definition der Qualität, die als Unterscheidungsmerkmal dienen sollte. Menschen sind keine rein animalischen Wesen per se, sie sind Wesen, die animalische Züge und damit animalische Grundnaturen haben, die jedoch mit der Fähigkeit ausgestattet sind, vernünftig zu handeln. Dabei erhellt besonders die Stoa den Umstand, dass das vernünftige Handeln auch das naturgemä- ße Handeln des Menschen im Sinne der individuellen und allgemeinen Natur ist. Deutlich zeigt sich, dass der Mensch in der Vielheit seiner Natur doch als eine Einheit begriffen werden kann, die sich, in der Stoa, aus vielen Naturzuständen zusammensetzt. Die Stoa sieht die Verbindung aus Vernunft und Natur schon von Beginn an im Menschen selbst und führt damit den Menschen in die Natur zurück, trotz oder grade wegen seiner Fähigkeit zum Logos. Das Handeln des Menschen ist dann vernünftig, wenn es natürlich ist und wenn es der Natur nicht zuwiderläuft. Diese Perspektive ist bei McDowell in der Verbindung aus erster und zweiter Natur zu finden; indem er jedoch eine Trennung vornimmt, gibt er Kritikern die Möglichkeit, den Gedanken der Einheit in der Vielheit zu negieren. Es zeigt sich, dass der Mensch seine Freiheit erst durch seine Fähigkeit, vernünftig zu handeln, erlangt. Ungebunden von den Naturgesetzmäßigkeiten und den Zwängen der Natur, nimmt er eine Position ein, die es ihm erlaubt, sich selbst als Selbst zu betrachten und dadurch im System der Natur und damit der Welt zu positionieren. Die zweite Natur als Begriff, der bei McDowell eine zentrale Rolle spielt, ist wohl als das zu sehen, was tatsächlich den Bildungsbegriff ausmacht. Die Adaption von kulturellen Werten und Normen unter Einbeziehung und Entwicklung der Vernunft befähigt den Menschen, sich in der Gesellschaft und in der Welt zurechtzufinden, diese wahrzunehmen und nach eigenem Ermessen zu handeln. Bildung schließt somit ein Abwägen von Gründen ein, die als Rechtfertigung des vernünftigen Handelns herangezogen werden. Gewöhnung ist dahin gehend nur das Fazit 243 Aneignen von Begründungszusammenhängen aus der Gesellschaft (z. B. Erfahrungen), die zwar als Gründe für Handeln standhalten können, es aber im Wesentlichen nicht sind. Sie müssten erst im Raum der Gründe vor dem Tribunal, der Vernunft, bestehen. Dafür zuständig ist die Vernunft oder eben, in der aristotelischen Vorstellung, die φρόνησις (phronesis). Gewöhnung kann im Kontext dieser Arbeit als Einführung in die Normen und Werte der Gesellschaft verstanden werden, somit in die Fertigkeit, gesellschaftliches Handeln zu kennen und grundsätzlich anwenden zu können, jedoch nicht als Pendant zur Vernunft. Die kritische Hinterfragung der gegebenen Gründe ist wesentlich dafür, aus ihnen Schlussfolgerungen für vernünftiges menschliches Handeln zu ziehen. Dies wird durch die zweite Natur erreicht, wobei sie durch Erziehung und Sozialisation unterstützt wird. Sie ist als eigenständiges Moment, als das vernünftige, kritische und moralische Sein des Menschen zu verstehen. Vernunft ist dabei die Fähigkeit, aus den gegebenen Gründen Schlussfolgerungen für das Handeln zu ziehen, somit in ihrem Sinne abzuwägen. Wenn also eine Lebensform als Ganzes und einheitliches Sein strukturiert ist, sich selbst erkannt hat und sich und die Welt wahrnehmen kann, hat es die Fähigkeit, das von Gründen strukturierte Sein zu erkennen und zu hinterfragen. Die animalische Natur zu überwinden für das höhere Ziel, das Erreichen der sittlichen Einsicht durch die Vernunft liegen dabei im Fokus der stoischen Sicht auf individuelle und allgemeine Natur, die sich bei McDowell in der zweiten Natur zeigen. Betreffend der Vernunft findet sich in der Stoa ihre Bestimmung als das, was dem Menschen von Natur aus und damit in seinem Wesen gegeben ist, nämlich die Fähigkeit des Logos. Ein pluralistisches Verständnis von Natur im Sinne stoischer Philosophie ist dabei unerlässlich, weil sie die Möglichkeit einer Einheit in Vielheit eröffnet, die den Menschen trotzdem im Sinne McDowells in erster und zweiter Natur zeigt. Dieser optimistische Ansatz im Verständnis des Menschen bei McDowell, nämlich, dass jeder Mensch grundsätzlich eine zweite Natur hat und damit vernünftig handeln kann, obwohl er mit einem Bein im Reich der Tiere steht, zeigte sich in der Stoa in Form der Verschränkung von individueller und allgemeiner Natur. Die zweite Natur und damit second nature bei McDowell ist, aus der stoischen Sichtweise betrachtet, eine Struktur aus Physis und Logos. Damit verknüpfen Fazit 244 sich Natur und Vernunftprinzip in der Einheit der menschlichen Natur durch das Verstehen der natürlichen Ordnung. Die Vernunft wird dadurch in der spezifischen zweiten Natur des Menschen ein Teil seiner natürlichen Seinsstruktur. Das Sich-Bewegen im Raum der Gründe durch die zweite Natur des Menschen wird zu der individuellen Natur im stoischen Sinne und zugleich zur allgemeinen Natur, weil es die Einheit der Natur selbst ist – deren innerer Logik ist eine Logos- und Vernunftstruktur –, der man folgt. Die Stoa sieht den Menschen immer im Kontext der Gemeinschaft, die individuelle Natur des Menschen ebenso auch im Kontext der allgemeinen Natur, der Ordnung des Kosmos. Dadurch bezieht das stoische Weltbild den Menschen in eine Gemeinschaft ein, in eine Rolle, in der ein Mensch seinen Platz ausfüllen muss. McDowell würde solch eine Theorie nicht stützen, selbst trotz einiger Bezugspunkte hinsichtlich eines gemeinschaftlichen Sprachgebrauchs würde er immer im kantischen Sinne für Freiheit und Autonomie plädieren und damit auch für Non-Determinismus. Seneca jedoch drückt seine Sicht auf den Menschen und dessen Verbindung von individueller und allgemeiner Natur in einer Form des Akzeptierens von gegebenen Strukturen im Werden und Vergehen des Menschen aus. „Ducunt volentem fata, nolentem trahunt.“ (Seneca, 2009, S. 436).28 Einer Zurückweisung der geistigen Sphäre des menschlichen Seins durch die Naturwissenschaften und die Reduktion des Menschen auf ein rein durch Naturgesetzmäßigkeiten bestimmtes Wesen, kann nach der vorliegenden Aufarbeitung widersprochen werden. Zum Verständnis der menschlichen Natur braucht man die individuelle Natur mit allen Facetten der Überwindung der Affekte, der grundlegenden Fähigkeit zur Vernunft und des Verständnisses für einen ordnenden Logos, um dem vernunftgemäßen Gebrauch seiner Fähigkeiten des Verstandes im Sinne seiner natürlichen Struktur folgen zu können. Der Mensch ist damit in seiner Vielschichtigkeit eine Einheit in der Natur, durchzogen von einer rationalen Fähigkeit, wie sie sich in Urteilen über die Welt, deren Teil er ist, zeigt. Diese, durch die stoische Sichtweise aus individueller und allgemeiner Natur, angereicherte Perspek- 28 „Es führt mich das Schicksal, wenn ich es bejahe; wenn ich mich sträube, schleppt es mich fort.“ (Seneca, 2009, S. 437). Fazit 245 tive auf den Naturbegriff bei McDowell ermöglicht es, den Menschen in seiner Verankerung in der Natur immer auch in den Naturgesetzmäßigkeiten empirischer Wissenschaften zu belassen und zugleich die Vernunft, den stoischen Logos und das Verständnis eines Logos in der Welt, im Sinne der Stoa, anzuerkennen. Dadurch ist die Welt vernünftig und zugleich ist der Mensch vernünftig entsprechend seinen Erkenntnissen über die Welt. Diese doppelte Stellung des Menschen zeigte sich auch bei McDowells erster und zweiter Natur. Der Betrachtungsrahmen mit einer Hinwendung und Anerkennung einer allgemeinen Natur, den diese Arbeit eröffnet hat, kann als Perspektive dienen, welche für den Naturbegriff und second nature bei McDowell herangezogen werden kann, um das Verständnis dessen nachhaltiger zu erhellen. Außerdem ermöglicht die Arbeit dadurch, dass sie sich mit der Stoa befasst hat, einen weitreichenden Weltbegriff im Sinne der allgemeinen Natur der stoischen Philosophie, der es ermöglicht das Geistund Weltverhältnis nicht dualistisch, sondern als Einheit in Vielheit zu begreifen, gestützt auf den stoischen Logos. Von einem Bildungsbegriff kann im Zuge der Arbeit vor allem in der Struktur der second nature gesprochen werden, durch welche dem Menschen der Zugang zur Welt ermöglicht wird. Bildung ist damit nicht weniger als Teil der Welt sein und ein Verständnis davon zu haben, was die Natur der Dinge sind. Fazit 246

Chapter Preview

References

Abstract

In this educational philosophical work, the concept of McDowell's education is re-examined from the concept of reason and nature, taking into account the Stoa. Enriched with stoic ideas about the concept of nature, the book reveals new perspectives and yet does not shy away from the examination of the great philosophical frameworks contained in McDowell's theories. Representatives of naturalism are sketched as well as different theories about first and second nature. Moral philosophical parts that show the ethical understanding of the second nature in McDowell, referring to authors such as Kant, Hegel and Aristotle, round off the overall concept. Through the text-analytical reworking of Cicero, Seneca and Marc Aurel, a bridge is then built to McDowell's undefined concept of nature in order to enrich it with the stoic logo.

Zusammenfassung

In dieser bildungsphilosophischen Arbeit wird vom Vernunft- und Naturbegriff ausgehend der Bildungsbegriff McDowells unter Berücksichtigung der Stoa neu beleuchtet. Angereichert mit stoischen Ideen zum Naturbegriff zeigt das Buch neue Perspektiven auf und scheut dabei dennoch nicht die Aufarbeitung der großen philosophischen Bezugsrahmen, die in McDowells Theorien enthalten sind. Vertreter des Naturalismus werden ebenso skizziert, wie verschiedene Thesen zu erster und zweiter Natur. Moralphilosophische Anteile, die unter Bezug auf Autoren wie Kant, Hegel und Aristoteles das ethische Verständnis der zweiten Natur bei McDowell zeigen, runden das Gesamtkonzept ab. Durch die textanalytische Aufarbeitung von Cicero, Seneca und Marc Aurel gelingt im Anschluss daran ein Brückenschlag zu McDowells undefiniertem Naturbegriff, um diesen mit dem stoischen Logos anzureichern.