Content

Vorwort: Brave New Pulp Fiction in:

Robert Boehm

Jenseits des Postmodernen, page 1 - 2

Die Geburt der Metatragödie

1. Edition 2020, ISBN print: 978-3-8288-4457-5, ISBN online: 978-3-8288-7476-3, https://doi.org/10.5771/9783828874763-1

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Medienwissenschaften, vol. 38

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
1 Vorwort: Brave New Pulp Fiction Deutsche Wahlplakate zeigen Angela Merkel nebst der vagen Andeutung, sie habe wohl nicht vor, die Bundesrepublik in einen menschenfeindlichen Schreckensstaat zu verwandeln1. Vor dem Referendum zum Brexit fordert der britische Politiker Michael Gove die Bürger auf, sich doch nicht ausgerechnet von Experten beraten zu lassen2. Kurzum: das ungewollte und doch hässliche Kind der Postmoderne reckt sein Haupt und hört (nicht) auf den Namen postfaktisch. Zugleich stellen Gentechnik, Digitalisierung und die exponentielle Evolution künstlicher Intelligenz grundstürzend infrage, was es bedeutet, Mensch zu sein. Videospiele etablieren sich zunehmend als Medium, TV-Serien werden immer cineastischer und Streamingdienste tragen den Keim des morschen Kinos in heimische Stuben. Ein neues Genre führt all das zusammen. Die Welt kippt zunehmend ins Surreale und folgerichtig kehren surrealistische Erzählformen auf Leinwand und Bildschirme zurück. Zweige, deren Wurzeln von der Weimarer Republik über die dunkelsten Momente Hollywoods bis hin zum schrägen Trip der Midnight-Movies reichen, tragen frische Früchte. Analog dazu erzählen Kulturkritiker von Žižek und Harari bis hin zu Jordan Peterson kritische Geschichten über eine Kultur, die zunehmend von bloßen Geschichten dominiert wird. In deren narrativen Medien knospen Ansätze eines neu heraufdämmernden Utopismus, der mehr mit Quentin Tarantino zu tun hat als mit METROPOLIS3 und dem Ende der Geschichte(n). Ob etwas erzählt werden soll wird immer irrelevanter. Zur Frage wird Wie. 1 Vgl. cdu.de (2018). https://www.cdu.de/artikel/plakate-zur-bundestagswahl, zuletzt geprüft am 14.02.2020 2 Vgl. Jackson/Ormerod 2017 3 METROPOLIS. R.: Fritz Lang. GER 1927

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Ein neues Genre wagt Utopismus jenseits postmoderner Skepsis. Angesichts der Dekonstruktion sinnstiftender Narrative wird Narrativierung selbst zum Ideal. Besonders die zunehmende Digitalisierung des Alltags eröffnet Möglichkeiten, das eigene Leben als Geschichte aufzubereiten, sowie zum effizienten Einsatz personalisierter Propaganda. Das in diesem Buch definierte Genre setzt sich kritisch mit der Thematik auseinander – und lotet zugleich aus, inwiefern es für das Individuum sinnstiftend wirken kann, sich aktiv selbst zu manipulieren. Die dabei zum Ausdruck kommenden Perspektiven spiegeln sich im Denken populärer Kulturkritiker wie Slavoj Žižek, Jordan Peterson und Yuval Noah Harari. Untersucht werden Erzählungen in unterschiedlichen Medien: darunter Spielfilme wie Donnie Darko, Star Wars: The Last Jedi sowie Annihilation und Videospiele wie BioShock oder Life is Strange. Der Schwerpunkt liegt auf der Analyse der TV-Serien Dark, American Gods und Westworld.