7. Diskussion in:

Rike Jessen

Humor und Lebenszufriedenheit im Deutsch-Dänischen Kulturvergleich, page 49 - 58

1. Edition 2020, ISBN print: 978-3-8288-4454-4, ISBN online: 978-3-8288-7473-2, https://doi.org/10.5771/9783828874732-49

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Psychologie, vol. 31

Tectum, Baden-Baden
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Diskussion Im Rahmen dieser Studie wurden Humorstil und die Vorliebe für eine Humorart in einem deutsch-dänischen Kulturvergleich untersucht und überprüft, welcher Zusammenhang zur Lebenszufriedenheit besteht. Zu diesem Zweck haben deutsche und dänische Personen einen fünfteiligen Fragebogen ausgefüllt. Die Ergebnisse zeigten, dass sich die Humorstile und die Vorliebe für die untersuchten Humorarten von den deutschen und dänischen Teilnehmenden nicht unterscheiden. Jedoch lehnten Deutsche im Vergleich zu Dänen und Däninnen Witze und Cartoons mehr ab. Außerdem bewerteten Deutsche Witze als lustiger, während Dänen und Däninnen die Darstellungsform der Cartoons bevorzugten. Die Lebenszufriedenheit war entgegen der Erwartungen bei Deutschen höher als bei Dänen und Däninnen. Geschlechtsspezifische Unterschiede zeigten sich bei den Humorstilen wie auch bei den Humorvorlieben. Männer schrieben sich die negativen Humorstile mehr zu als Frauen und hatten eine größere Vorliebe für schwarzen Humor. Im Folgenden werden die Ergebnisse dieser Befragung im Einzelnen interpretiert und diskutiert. Stichprobenzusammensetzung Die Geschlechterverteilung der vorliegenden Arbeit war mit 190 Frauen (66,2%) zu 97 Männern (33,8%) nicht ausgewogen. Dies kann mit dem vorwiegend weiblichen Netzwerk der Autorin erklärt werden. Eine weitere mögliche Erklärung liegt darin, dass allgemein Frauen mehr an Webuntersuchungen teilnehmen als Männer und dies unabhängig von Befragungsthema und Befragungslänge (Laguilles, Williams, & Saunders, 2011). Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass ältere Menschen oft keinen Zugang zum Internet oder sozialen Netzwerken haben (Statistisches Bundesamt, 2018), zeigte die Altersstruktur der Teilnehmenden eine erfreulich hohe Streuung. Die Werte lagen 7. 7.1. 49 zwischen 18 (Mindestalter) und 67 Jahren, mit einem Durchschnittsalter von 33.9 Jahren (SD = 11.10). Allerdings zeigten sich Unterschiede zwischen der dänischen und der deutschen Subgruppe. So waren die teilnehmenden Dänen und Däninnen im Durchschnitt signifikant älter als die teilnehmenden Deutschen und hatten zudem einen durchschnittlich höheren Bildungsgrad (siehe Abschnitt 5.6.). Insgesamt hatten 64,7% der Teilnehmenden mindestens einen Bachelorabschluss gemacht. In den Ergebnissen dieser Studie, wie auch in früheren Studien (z.B. Pinquart & Sörensen, 2000; Willinger et al., 2017), wurde deutlich, dass der Bildungsgrad Einfluss auf unterschiedliche Faktoren wie die Lebenszufriedenheit, den Humorstil und den Humorvorliebe hat. Somit sind Beeinflussungen der Ergebnisse durch Bildungsdifferenzen nicht auszuschließen. Vorlieben für eine Humorart, Humorstile und Lebenszufriedenheit Ein zentrales Ziel der vorliegenden Arbeit war es, einen interkulturellen Vergleich von Humorstilen und -vorlieben zu ermöglichen, sowie Zusammenhänge zwischen Humor und Lebenszufriedenheit genauer zu untersuchen. Im Vorfeld wurde bezüglich der Vorliebe für eine Humorart davon ausgegangen, dass es insbesondere bei den schwarzen Witzen und Cartoons einen signifikanten Zusammenhang zwischen der Bewertung der Lustigkeit und der Ablehnung geben würde und Witze und Cartoons, die als lustig befunden, auch weniger abgelehnt werden (H1). Bei allen Teilnehmenden ließ sich dieser Zusammenhang erkennen. Zudem hat dieses Ergebnis die Einteilung der gewählten Items in schwarzen und harmlosen Humor untermauert. Entgegen der Hypothese 2 (H2) gab es in der Gesamtbewertung der Lustigkeit der gezeigten Witze und Cartoons keinen Unterschied zwischen den dänischen und deutschen Teilnehmenden. Eine potenzielle Erklärungsgrundlage für dieses Ergebnis könnte der hohe Bildungsgrad der teilnehmenden Dänen und Däninnen sein. Die dänischen Teilnehmenden, die mindestens einen Bachelorabschluss hatten (75.2%), bewerteten die schwarzen Cartoons und Witze als weniger lustig als die dänischen Teilnehmenden mit einem geringeren Bildungsgrad (24.8%). In Anbetracht der zuvor dargestellten Relevanz 7.2. 7. Diskussion 50 von Bildungsunterschieden hinsichtlich der Auswirkung auf Humorpräferenzentscheidungen und des Humorverständnisses (siehe Abschnitt 2.5.1.), sowie neue Studienergebnisse, die schwarzen Humor mit höherer Intelligenz und Bildung verbinden (Willinger et al., 2017), ist ein anhaltender Forschungsbedarf diesbezüglich vorhanden. Eine weitere Erklärungsgrundlage dafür, dass die dänischen Teilnehmenden wiedererwarten keine größere Vorliebe für schwarzen Humor hatten, könnte der Begriff des schwarzen Humors und die damit verbundene Begriffsverwirrung, bieten. Wie einleitend beschrieben, wird in Dänemark unter schwarzem Humor auch Nonsens-Humor verstanden, der durch Absurdität gekennzeichnet ist. In dieser Studie wurde schwarzer Humor jedoch nach dem deutschen bzw. englischen Verständnis definiert und untersucht. Die Auswahl der Witze und Cartoons wurde folglich nach dieser Definition getroffen und müsste um Items der Kategorie „Nonsens“ erweitert werden, um auch der dänischen Definition nach Levisen (2018) zu entsprechen. Weiterhin könnte die ungleiche Geschlechterverteilung eine Rolle für den Ausfall der Ergebnisse gespielt haben. Schaut man sich die Bewertungen der Lustigkeit und Ablehnung der einzelnen Witze und Cartoons an, fällt auf, dass dänische Männer in fünf von sechs Fällen die schwarzhumorigen Items als am lustigsten bewerteten und gleichzeitig auch am wenigsten ablehnten (siehe Anhang C). Dänische Männer hatten also die größte Vorliebe für schwarzen Humor, bildeten jedoch auch die Gruppe mit der geringsten Teilnehmendenzahl. Bezüglich der Ablehnung konnte entsprechend Hypothese 3 (H3) ein kultureller Unterschied aufgezeigt werden. Deutsche lehnten Witze und Cartoons eher ab als Dänen und Däninnen. Dies deckt sich mit der Annahme, dass der dänische Humor tabuloser ist als der deutsche. Der Unterschied zwischen den Ländern war jedoch entgegen der Erwartung bei harmlosem Humor größer, als bei schwarzem Humor. Ferner haben die Ergebnisse in einem weiteren Aspekt auf einen Effekt des kulturellen Hintergrunds auf die Vorlieben für eine Humorart verwiesen. In Bezug auf die Humordarstellung wurde ein Unterschied sichtbar: Die dänischen Teilnehmenden bewerteten Cartoons als lustiger, während Deutsche Witze als lustiger bewerteten. Auch wenn es hinsichtlich der Humorvorlieben also Unterschiede zwischen den Ländern gab, konnte die Hypothese 1 (H1), dass Dänen und Däninnen 7.2. Vorlieben für eine Humorart, Humorstile und Lebenszufriedenheit 51 eine größere Vorliebe für schwarzen Humor haben, nicht zweifelsfrei bestätigt werden. Während in dieser Untersuchung die Unterschiede zwischen den Kulturen bezüglich der Vorliebe für eine Humorart eher gering waren, zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Konform zu den Hypothesen H4 und H5 bewerteten Männer schwarze Cartoons und Witze lustiger als Frauen und Frauen lehnten die gezeigten Cartoons und Witze mehr ab. Schwarzer Humor ist oft sexistisch und richtet sich gegen Frauen. Auch in der vorliegenden Studie war dies bei zwei Witzen der Fall (Item 5 und 9 im Fragebogen). Hierbei wird der Mann also auf eine höhere Stufe gestellt und die Frau dadurch herabgesetzt. Das diese Witze folglich von Männern als lustiger bewertet wird, deckt sich mit den Überlegenheitstheorien (siehe Abschnitt 2.2.1), bei denen Humor nichts weiter ist als das Gefühl der Überlegenheit, das empfunden wird, wenn über etwas Unterlegenes gelacht wird. Die Tatsache, dass zwei von sechs Witzen sexistisch waren, kann auch als Erklärung dafür dienen, dass in dieser Studie die Männer, und nicht wie vorher angenommen die Frauen, die Witze als lustiger bewerteten als die Cartoons (H6). Entgegen der Erwartungen unterschied sich der Humorstil der Dänen und Däninnen nicht signifikant von dem Humorstil der Deutschen (H7). Es wurde vermutet, dass es einen Zusammenhang zwischen Humorstil und -vorliebe geben würde. Zum einen wurde angenommen, dass Dänen und Däninnen, wenn sie schwarzen Humor präferieren, auch eher die negativen Humorstile nutzen würden. Zum anderen wurde angenommen, dass Dänen und Däninnen, wenn sie lebenszufriedener sind, eher die positiven Humorstile nutzen würden. Es konnte jedoch weder eine Vorliebe für schwarzen Humor noch eine höhere Lebenszufriedenheit bei den dänischen Teilnehmenden bestätigt werden, womit die Annahmen hinter Hypothese 7 nicht zutrafen. Bei der Nutzung von Humorstilen wurde hypothesenkonform ein geschlechtsspezifischer Unterschied gefunden. Männer gaben im Allgemeinen eine höhere Nutzung der Humorstile an (H8), insbesondere der negativen Humorstile (H9). Dieses Ergebnis wurde bereits in mehreren Studien beschrieben (z.B. Martin et al., 2003). Ferner ging auch Freud (2009) im Rahmen seiner Befreiungstheorie davon aus, dass Männer sexuelle und aggressive Witze bevorzugen, da sie so verdräng- 7. Diskussion 52 te Wünsche und Konflikte ausdrücken können. Die Humorforscherin Barbara Wild behauptet außerdem, dass die Witzigkeit des Mannes nicht nur seine sexuelle, sondern auch seine menschliche und intellektuelle Potenz zeigen würde (taz, 2013). Wie in Zusammenhang mit Hypothese 7 erwähnt, wurde angenommen, dass die Lebenszufriedenheit der Dänen und Däninnen höher sei, als die der Deutschen, und dies laut Studienlage mit der bevorzugten Nutzung von positiven Humorstilen zusammenhängen würde. Dies konnte jedoch nicht bestätigt werden. Während alle Teilnehmenden im Durchschnitt tendenziell mit ihrem Leben zufrieden waren (Pavot & Diener, 2009), war die Lebenszufriedenheit der teilnehmenden Deutschen signifikant höher als die der Dänen und Däninnen (H10). Dieses Ergebnis ist überraschend, da die Studienlage Dänemark im Glücksranking stets vor Deutschland sieht (z.B. Helliwell et al., 2019). Ferner ist der Bildungsgrad der teilnehmenden Dänen höher als der der Deutschen und in vielen Studien wird ein positiver Zusammenhang zwischen Bildungsgrad und Lebenszufriedenheit berichtet (z.B. Pinquart & Sörensen, 2000). Da es in Deutschland regionale Unterschiede in der Lebenszufriedenheit gibt, könnte die genaue Herkunft der Teilnehmenden erklären, weshalb diese zufriedener sind als angenommen. Laut dem deutschen Glücksatlas belegen die Schleswig- Holsteiner in punkto Glück und Zufriedenheit seit Jahren den ersten Platz (Schlinkert & Raffelhüschen, 2018). Auch wenn der genaue Wohnort oder Geburtsort der Teilnehmenden nicht erhoben wurde, so ist es sehr wahrscheinlich, dass der Großteil der Teilnehmenden aus dieser Region stammt, da die Autorin hier das größte Netzwerk besitzt. Wenn diese Annahme stimmt, sind die gefundenen Unterschiede in der Lebenszufriedenheit (H7) und in der Humorablehnung (H5) zwischen den Ländern umso erstaunlicher, da die Schleswig-Holsteiner und Dänen und Däninnen u.a. eine geografische Nähe und eine ähnliche Kultur teilen. Bis 1864 gehörte ein Großteil des heutigen Schleswig-Holsteins zu Dänemark und auch heute sind die Beziehungen der Nachbarstaaten eng und intensiv (Andersen, 2000). Und trotzdem, so scheint es auf Basis der Ergebnisse dieser Studie, sorgt die Ländergrenze und mit ihr eine andere Sprache, Geschichte und Identität für die aufgezeigten Unterschiede in der Lebenszufriedenheit und im Humor. 7.2. Vorlieben für eine Humorart, Humorstile und Lebenszufriedenheit 53 Der angenommene positive Zusammenhang zwischen Lebenszufriedenheit und den beiden positiven Humorstilen konnte bestätigt werden (H11). Dies stimmt mit der Studienlage überein (Martin, 2009). Zufriedenere Menschen nutzten demnach eher den Sozialen Humorstil und den Selbstaufwertenden Humorstil. Im Widerspruch zu den Ergebnissen in einer Studie von Martin et al. (2003) wurde kein negativer Zusammenhang zwischen dem Feindlichem Humorstil und der Lebenszufriedenheit gefunden. Zwischen dem Selbstabwertendem Humorstil und der Lebenszufriedenheit konnte jedoch ein marginal negativer Zusammenhang bestätigt werden. Weiterhin wurde angenommen, dass ein positiver Zusammenhang zwischen der Nutzung der positiven Humorstile und der Lustigkeitsbewertung des harmlosen Humors bestehen würde (H12). Die Ergebnisse zeigten einen solchen Zusammenhang zwischen dem Selbstaufwertenden Humorstil und den harmlosen Witzen und Cartoons. Zwischen dem Sozialen Humorstil und der Lustigkeitsbewertung der harmlosen Witze und Cartoons wurde jedoch kein Zusammenhang gefunden. Da der Soziale Humorstil mit positiven Emotionen verbunden wird (Martin et al., 2003), könnte die situationsabhängige Stimmung in der die Teilnehmenden waren, als sie die Witze und Cartoons im Rahmen der Umfrage bewertet haben, eine Erklärung für den fehlenden Zusammenhang sein. Vor der Studie wurde außerdem angenommen, dass zwischen der Lustigkeitsbewertung des schwarzen Humors und der Nutzung der negativen Humorstile ein positiver Zusammenhang bestehen würde (H13). Dieser Zusammenhang wurde für sowohl den Feindlichen wie auch für den Selbstabwertenden Humorstil gefunden: je mehr die Teilnehmenden die negativen Humorstile nutzten, desto lustiger fanden sie den schwarzen Humor. Dies bekräftigt die Ergebnisse von Stanley et al. (2014), die einen positiven Zusammenhang zwischen dem Nutzen von negativen Humorstilen und der Wertschätzung von unpassendem, aggressiven Humor gefunden haben. Ferner besteht hypothesenkonform ein negativer Zusammenhang zwischen dem Feindlichen Humorstil und der Ablehnungsbewertung (H14). Die Teilnehmenden, die sich den Feindlichen Humorstil zugeschrieben haben, lehnten schwarzhumorige Witze und Cartoons also auch weniger ab. Dieser Zusammenhang gilt jedoch nicht für den zweiten negativen Humorstil, dem Selbstabwertenden Humorstil. 7. Diskussion 54 Ein weiterer Blick auf die Ergebnisse zeigt einige Besonderheiten der selbstbezogenen Humorstile. Beim Selbstaufwertenden Humorstil wurden nicht nur die erwarteten positiv signifikanten Zusammenhänge der Lustigkeitsbewertung mit den harmlosen Witzen und Cartoons gefunden, sondern auch mit den schwarzen Witzen und Cartoons. Au- ßerdem zeigte sich, anders als beim Sozialen Humor, nur bei den schwarzen Witzen ein negativer Zusammenhang mit der Ablehnungsbewertung. Eine Erklärungsgrundlage für diese Ergebnisse können Studienergebnisse zu Persönlichkeitsfaktoren liefern, die den Selbstaufwertenden Humorstil mit einem höheren Grad an Optimismus und Selbstbewusstsein verbunden haben, als andere Humorstile (Ford, Lappi, O’Connor, & Banos, 2017; Martin et al., 2003). Diese Persönlichkeitsfaktoren hängen laut Kuiper und Martin (1998) mit einem generell ausgeprägteren Sinn für Humor zusammen, was die höhere Lustigkeitsbewertung unabhängig der Humorart erklären könnte. Au- ßerdem wird der Selbstaufwertende Humorstil auch als Coping Humor verstanden, welcher hilft, mit stressigen Situationen besser umzugehen (Ford et al., 2017). Da schwarzer Humor, wie einleitend beschrieben, eine emotionale Mischlage erzeugen und Unbehaglichkeit auslösen kann, kann die Konfrontation mit schwarzhumorigem Material durchaus als stressige Situation bezeichnet werden. Der Selbstaufwertende Humorstil würde in einer solchen Situation als Copingstrategie verwendet werden können und somit eine Erheiterung durch schwarze Witze und Cartoons ermöglichen. Beim Selbstabwertenden Humorstil wurde bei der Ablehnungsbewertung gar kein Zusammenhang festgestellt. Dahingegen ist bei der Lustigkeitsbewertung überraschenderweise auch ein positiver Zusammenhang mit den harmlosen Cartoons gefunden worden. Also ist auch hier die Lustigkeitsbewertung nicht von der Humorart abhängig. Zusammenfassend gibt es also nicht nur Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den positiven und negativen Humorstilen, sondern auch zwischen den selbstbezogenen Humorstilen. Diese wurden in der bisherigen Forschung kaum thematisiert (z. B. Martin et al., 2003). 7.2. Vorlieben für eine Humorart, Humorstile und Lebenszufriedenheit 55 Limitationen und Forschungsausblick In zukünftiger Forschung sollten die Ergebnisse dieser Studie eingehender untersucht werden. So wäre es bezüglich der Untersuchung der Vorlieben für eine Humorart von Vorteil, schwarzen Humor durch qualitative Untersuchungen in Deutschland und Dänemark genauer zu definieren und folglich für beide Kulturen passende Witze und Cartoons zur Bewertung vorzulegen. Hierbei sollten sexistische Inhalte entweder gemieden oder auf Kosten sowohl von Frauen als auch von Männern gehen, um den Einfluss des Geschlechts besser nachvollziehen zu können. Zudem wäre eine ausgeglichenere Geschlechterverteilung sowie ein breiteres Bildungsspektrum der Stichprobe für den Vergleich wünschenswert. Außerdem wäre es mit Blick auf die Lebenszufriedenheit sinnvoll, die genaue Herkunft und den aktuellen Wohnort zu erheben, um die Bedeutung möglicher regionaler Unterschiede in die Auswertung einbeziehen zu können. Bezugnehmend auf die neueren Humortheorien wäre es von Vorteil, auch die Stimmungs- und Situationsabhängigkeit von Humor zu berücksichtigen. Dies könnte ebenfalls durch eine Selbstangabe geschehen oder durch die Kombination mit einer psychophysiologischen Überwachung. Weiterhin hat diese Studie individuelle Faktoren wie Selbstbewusstsein, Aggressivität, Kreativität und Extraversion nicht berücksichtigt, welche Einfluss auf den Humor und die Lebenszufriedenheit haben könnten (z.B. Ford et al., 2016; Martin et al., 2003; von Collani & Herzberg, 2003). Eine Erweiterung des Untersuchungsdesigns in Form von einer Integration von Persönlichkeitsfaktoren wäre diesbezüglich denkbar und äußerst vielversprechend. Zusammenfassung Das Hauptaugenmerk der vorliegenden Studie lag darauf herauszufinden, welche Humorstile Deutsche bzw. Dänen und Däninnen nutzen und wie diese Nutzung mit ihrer Lebenszufriedenheit und ihren Humorvorlieben zusammenhängen. Außerdem wurde diesbezüglich die Frage nach kulturellen und geschlechtsspezifischen Unterschieden gestellt. Die Ergebnisse der empirischen Untersuchung haben gezeigt, dass 7.3. 7.4. 7. Diskussion 56 sowohl Dänen und Däninnen als auch Deutsche sich positive Humorstile mehr zuschreiben als negative. Hierbei wurde kein kulturspezifischer Unterschied gefunden, jedoch ein deutlicher Unterschied zwischen den Geschlechtern. Männer gaben an, generell mehr Humorstile zu nutzen, insbesondere aber die negativen. Auch bei den Humorvorlieben wurde ein solcher Geschlechterunterschied deutlich, da die Männer die schwarzhumorigen Witze und Cartoons lustiger bewerten und weniger ablehnten. In der Ablehnungsbewertung wurde auch ein Unterschied zwischen den Kulturen deutlich: Deutsche lehnten die gezeigten Witze und Cartoons generell mehr ab als Dänen und Däninnen. Zwischen Humorstilen und Humorvorlieben wurden Zusammenhänge gefunden, ebenso zwischen Humorstilen und Lebenszufriedenheit. Weiterhin wurde ein Unterschied zwischen den Kulturen bezüglich der Lebenszufriedenheit festgestellt, mit einer höheren Zufriedenheit bei den Deutschen. Wenngleich die Ergebnisse nur teilweise die formulierten Hypothesen bestätigen konnten, so lassen sie dennoch den Rückschluss zu, dass es einen kulturellen Einfluss auf Humor und Lebenszufriedenheit gibt, welcher in zukünftiger Forschung weiter nachgegangen werden sollte. 7.4. Zusammenfassung 57

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Zusammenfassung

Däninnen und Dänen zählen seit vielen Jahren zu den glücklichsten Menschen der Welt. Hierfür wird häufig das dänische „hygge“-Phänomen als Erklärung herangezogen. Doch nicht nur dieses besondere Lebensgefühl, sondern auch der Humor in Dänemark ist einzigartig und über die eigenen Grenzen hinaus bekannt. Die Forschung zeigt: Positiver, freundlicher Humor hängt mit einer hohen Lebenszufriedenheit zusammen. Der dänische Humor wird jedoch typisch als tabulos, absurd und aggressiv beschrieben. Wie passt das zusammen?

Hierzu gibt es viele Annahmen, Theorien und Erklärungen. In diesem Buch wird der Zusammenhang zwischen unterschiedlichen Humorarten und -stilen und der Lebenszufriedenheit eingehend untersucht. Es wird außerdem erstmals analysiert, wie sich der dänische vom deutschen Humor unterscheidet und welche mögliche Rolle das Geschlecht hierbei spielt.