2. Humor in:

Rike Jessen

Humor und Lebenszufriedenheit im Deutsch-Dänischen Kulturvergleich, page 3 - 18

1. Edition 2020, ISBN print: 978-3-8288-4454-4, ISBN online: 978-3-8288-7473-2, https://doi.org/10.5771/9783828874732-3

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Psychologie, vol. 31

Tectum, Baden-Baden
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Humor Vor 18 Jahren schrieben die Humorforscher*innen Willibald Ruch und Karen Zweyer (2001, S. 1): „Die Erforschung des Humors und assoziierte Phänomene erlebt erneut eine Blütezeit“. Zwar sei das Interesse am Verständnis des Humors so alt wie die Wissenschaft selbst, jedoch blieb das Thema lange Zeit „eher randständig“ (Ruch & Zweyer, 2001, S. 1). Seitdem hat sich im Bereich der Humorforschung viel getan und die Anzahl der Studien, die sich mit Humor befassen, steigt kontinuierlich. Doch so zahlreich die Arbeiten zu Humor sind, so zahlreich sind auch die verwendeten Humorkonzepte, die operationalen Definitionen und theoretischen Überlegungen. Humor stellt ein komplexes Phänomen dar, welches kognitive, affektive und physiologische Aspekte einbezieht (Martin, Puhlik-Doris, Larsen, Gray, & Weir, 2003; Ruch & Zweyer, 2001). Es gibt folglich keinen einheitlichen Gebrauch des Begriffs in der Forschung. Ursprünglich leitet der Begriff Humor sich aus dem Lateinischen ab. Das Wort umor bedeutete Flüssigkeit oder Feuchtigkeit. Der Begriff diente in der antiken Medizin als Fachbegriff und bezeichnete die vier Körpersäfte Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle, welche Teil der Säftelehre des Hippokrates waren (Klindt, 2017a). Später gesellten sich charakterologische Beobachtungen in Form von unterschiedlichen Temperamenten zu dem physiologischen Konzept. Humor bezeichnete dann labiles Verhalten im Allgemeinen und Stimmung im Speziellen (Klindt, 2017a). Ruch (2012) macht darauf aufmerksam, dass die Bedeutung des Humorbegriffs davon abhängig ist, in welchem Bezugssystem man sich bewegt. Heute seien noch zwei Nomenklaturen in Gebrauch. Zum einen sei in der Ästhetik das Komische eine Kategorie wie andere Qualitäten (z.B. das Tragische) auch. Sie würde in diesem Kontext als Gabe des Menschen verstanden und von anderen Arten des Komischen (z.B. Satire, Nonsens oder Witz) abgegrenzt werden. Humor ist in diesem System gutmütig (und nicht feindselig) konnotiert und steht im Gegensatz zum Witz, welcher „spitz, pointiert und aggressiv“ sein kann 2. 3 (Ruch, 2012, S. 10). Auch Freuds Verständnis von Humor als reifster Abwehrmechanismus (siehe auch Abschnitt 2.2.3.) könnte dieser Nomenklatur zugeordnet werden. Zum anderen wird Humor im angloamerikanischen Bezugssystem als „Sammelbegriff für alle Phänomene des Komischen (des Lächerlichen) [verstanden], inklusive der Fähigkeit nicht ernste inkongruente Kommunikationen wahrzunehmen, richtig zu interpretieren und zu genießen, aber auch zu erzeugen und vorzutragen“ (Ruch, 2012, S. 10f). Dieses Verständnis des Humorbegriffs ist mit dem Erleben von Lustigem verknüpft und kann auch feindselig sein. In dieser Arbeit wird der Humorbegriff, gemäß des angloamerikanischen Bezugssystems, als Überbegriff verstanden, bei dem die Valenz durch die Qualität (z.B. aggressiver Humor) festgelegt wird. Im Folgenden soll der Humorbegriff vom Begriff des Lachens abgegrenzt werden. Lachen als Humorreaktion Lachen und Weinen sind laut Plessner (1961) Alleinstellungsmerkmale des Menschen. Verhaltensbiologen haben zwar auch bei Primaten mimische Signale beobachtet, die als Lächeln angesehen werden könnten, doch spontanes herzhaftes Gelächter ist bisher bei keinem Tier beobachtet worden (Hager, 1986). Lachen ist folglich eine anthropologische Konstante, dessen Ausdrucksmuster durch historische, kulturelle, nationale oder regionale Unterschiede geprägt wird (Bachmaier, 2005). Häufig wird das Lachen in der Literatur als zwingendes Ergebnis von Humor verstanden und eine Unfähigkeit zu lachen mit einem Nichtvorhandensein von Humor gleichgesetzt (z.B. Müller, 2006). Die Sprachwissenschaftlerin Helga Kotthoff (2003) beschreibt Lachen zwar ebenfalls als „präferierte Reaktion auf Witziges und Komisches“ (S. 49), gleichzeitig betont sie jedoch, dass Lachen darüber hinaus als „Komischmacher“ fungiere. Eingestreut in beliebige Äußerungen, würde es die Botschaft vermitteln, dass „das Gesagte leichtgenommen werden darf “ (Kotthoff, 2003, S. 49). Gelotologen haben den physischen Akt des Lachens mit einer Befreiung in Zusammenhang gebracht, die Spannungen auflöst, Selbstheilungskräfte mobilisiert und den Energiefluss im Körper erleichtert (Berlyne, zit. nach Tissot, 2.1. 2. Humor 4 2009). Jedoch betont der Philosoph Aaron, dass diese Befreiung nicht immer mit Humor zu tun hat: „We laugh for a variety of reasons – hearing a funny joke, inhaling laughter gas, being tickled – not all of which result from what we think of humor“ (o.D.). Auch der Philosoph und Pädagoge John Dewey ist der Meinung, dass zwischen Humor und Lachen unterschieden werden muss: „The laugh is by no means to be viewed from the standpoint of humor; its connection with humor is secondary. It marks the ending […] of a period of suspense, or expectation, and an ending which is sharp and sudden“ (Dewey, zit. nach Valsiner & van der Veer, 2000, S. 205). Zusammengefasst hängen die Reaktion des Lachens und Humor häufig zusammen, wie auch in den nachfolgend dargestellten Humortheorien deutlich wird. Gleichzeitig sind Lachen und Humor eigenständige Phänomene und durchaus unabhängig voneinander zu betrachten, da Lachen ohne Humor auftreten kann und Humor nicht unbedingt Lachen verursacht. Ein Beispiel von einer Humorart, die häufig eher Irritation als Erheiterung auslöst, ist schwarzer Humor (siehe Abschnitt 2.3.). In dieser Arbeit wird Lachen deshalb als Humorreaktion verstanden und nicht mit dem Begriff des Humors gleichgesetzt. Humortheorien Es gibt etliche Humortheorien, die um die Beschreibung der Funktion von Humor bemüht sind. Übergeordnet lässt sich zwischen drei Denkansätzen unterscheiden: die Überlegenheits-, die Inkongruenz- und die Befreiungstheorien (Klindt, 2017b). Da die Einzeltheorien, die sich unter jeden von diesen drei Denkansätzen subsumieren, äußert heterogen sind, wird im Folgenden von allen drei Theoriekomplexen im Plural gesprochen. Überlegenheitstheorien Ansätze der Überlegenheitstheorien markieren die älteste theoretische Tradition und reichen zurück bis zu Platon, der von einem engen Zusammenhang zwischen dem „Fehlerhaften“ und dem „Lächerlichen“ 2.2. 2.2.1. 2.2. Humortheorien 5 bzw. „Lachen Erregendem“ ausgeht (Klindt, 2017b). Platon bezeichnet die Komödie als etwas Verwerfliches und steht dem Lachen skeptisch gegenüber, weil es in seinen Augen oft durch eine hämische Boshaftigkeit gegenüber anderen Menschen gekennzeichnet ist (Klindt, 2017b). Der Mensch würde sich durch das Lachen auf eine höhere Stufe stellen und dadurch das lächerliche Gegenüber herabsetzen. Auch Aristoteles verstand die Komödie als nachahmende Darstellung niedriger Charaktere und erkannte das schädliche Potential des Lachens. Er war der Auffassung, dass das Lachen die für das gute Leben erforderliche Ausgeglichenheit bedrohen würde (Klindt, 2017b.). Generell gehen die Überlegenheitstheorien von der These aus, dass Humor und Lachen dadurch entstünden, dass „wir Menschen uns über Schwächen anderer – und dabei insbesondere unserer Feinde – freuen“ (Knop, 2007, S. 46). Die Unterlegenheit einer anderen Person und die daraus resultierende eigene Überlegenheit führen zum Vergnügen. Laut Thomas Hobbes (2017) basieren die Überlegenheitstheorien darauf, dass sich Menschen in einem ständigen Machtkampf miteinander befinden. So wird das Scheitern des Anderen zum eigenen Erfolg, was wiederrum als lustig wahrgenommen wird. Obwohl die Überlegenheitstheorien auf zentrale soziale Funktionen des Lachens aufmerksam machen, decken sie bei weitem nicht alle Fälle des Lachens ab, da nicht jedes Lachen als Auslachen fungiert (es kann z.B. auch miteinander gelacht werden). Des Weiteren entstehen komische Situationen und Humor auch in anderen Konstellationen als denen einer Herauf- oder Herabsetzung (Klindt, 2017b). Inkongruenztheorien Nach Gruner (1997) sind die Inkongruenztheorien die am stärksten akzeptierten Humortheorien. Erste Ideen zu Inkongruenztheorien lassen sich ebenfalls schon bei Platon, Aristoteles und Horaz finden. Die Ausgestaltung und breite Durchsetzung des Modells erfolgt allerdings erst im 18. Jahrhundert (Klindt, 2017b). Die Philosophen Kant und Schopenhauer haben Komik auf das Vorliegen einer Inkongruenz zwischen einer Erwartung einerseits, die im Zusammenhang mit einem Konzept gehegt wird, und dem empirischen Fall andererseits, auf den 2.2.2. 2. Humor 6 das Konzept bzw. der allgemeine Begriff konkret bezogen wird, zurückgeführt (Morreall, 1989; Dörner, 2017). Der Psychologe Alfred Wellek (1970) sieht dabei auch schon im ganz primitiven Unverhältnis zwischen Dick und Dünn oder Groß und Klein ein komisches Unverhältnis. Aber auch im sehr Dicken oder sehr Hageren alleine, sieht er Potenzial zu komischem Unverhältnis. Viele Komiker-Duos, wie Bud Spencer und Terence Hill oder Loriot und Evelyn Hamann, spielen schon in ihrer Grundbesetzung mit solchen Gegensatzpaaren. Dass Humor diese beschriebenen Missverhältnisse häufig enthält, ist unbestritten. Dennoch gibt es zwei Hauptkritikpunkte an den Inkongruenztheorien: Zum einen stellt das Vorliegen einer Inkongruenz allein keine hinreichende Bedingung für Humor dar (z.B. sind Erstaunen und Gleichgültigkeit weitere mögliche Reaktionen), und zum anderen enthält nicht jede Form von Humor ein Moment der Inkongruenz (z.B. tritt bei geplanten Streichen im Idealfall das erwartete Ereignis ein). Der inkongruenztheoretisch geschulte Blick kann somit viele Konstellationen von Humor erklären, deckt aber nicht alle ab. Befreiungstheorien Der dritte zu betrachtende Theorienkomplex wird unter dem Begriff der Befreiungs- oder Entspannungstheorien zusammengefasst. Diese Theorien stammen aus dem 18. Jahrhundert und werden hauptsächlich von Psychologen und Philosophen vertreten, die von der psychoanalytischen Tradition inspiriert sind (Klindt, 2017b). Plausibilisiert wird diese Sichtweise vor allem durch die körperlichen Konvulsionen und dem Entspannungseffekt, der sich bei vielen Menschen nach einer Humorreaktion einstellt (McGhee, 1972). Ursprünglich stammt dieser theoretische Ansatz aus dem Essay An Essay on Freedom of Wit and Humor von Lord Shaftesbury (1709). Besser bekannt ist jedoch die Version von Sigmund Freud, der dieses Thema in seiner Arbeit Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten (1905) diskutiert. Charakteristisch für die Befreiungstheorien ist die kathartische Freisetzung von Energie, welche Spannungen, Ängste oder Frustrationen abbaut. Humor spielt demzufolge eine wichtige Rolle für die Stressbewältigung. Wenn aus irgendeinem Grund gelacht wird, ist dies ein Zeichen dafür, 2.2.3. 2.2. Humortheorien 7 dass Energie freigesetzt wurde, die für etwas Anderes bestimmt war. Energie ist bei Freud (2009) primär als triebgenerierte sexuelle Energie zu verstehen, die in bestimmten gesellschaftlichen Konstellationen nicht frei ausgelebt werden kann, sondern der Sublimation bedarf und so in gesellschaftlich definierten Ventilen abfließen kann. Ein solches Ventil kann ein sexuell dimensionierter Witz sein, der im lauten Lachen die libidinöse Energie abführt. Die Abführung der Energie und gleichzeitige Befreiung von Hemmungen führt dann wiederum zur inneren Entspannung (Dörner, 2017). Brock (2004) betont, dass das Komische dem Rezipienten/der Rezipientin nicht nur die Möglichkeit gibt, aggressive und sexuelle Triebe auszuleben, sondern auch seine/ ihre eigenen Schwächen, Probleme und Ängste, und nennt damit einen weiteren Aspekt der Befreiungstheorien. Demnach müssten gehemmte und ängstliche Menschen Witze am meisten genießen und dies durchs Lachen ausdrücken. Die Befreiungstheorien bieten jedoch keine Möglichkeit, humorvolles Lachen von nicht humorvollem Lachen zu unterscheiden (Dörner, 2017). In den vorherigen Abschnitten wurden die vorherrschenden Theorieansätze zur Erklärung von Humor dargestellt. Diese beinhalten Faktoren wie die Überlegenheit gegenüber dem Belachten, die willkürliche Verbindung zweier sonst getrennter Ideen und Vorstellungen sowie das Ausleben unbewusster sexueller und feindseliger Impulse. Dabei wurde deutlich, dass weder die Überlegenheits-, die Inkongruenznoch die Befreiungstheorien alleinstehen können, sondern vielmehr jeder Theorienkomplex verschiedene Aspekte von Humor erklärt. So neigen Überlegenheitstheorien dazu, sich auf Gefühle zu konzentrieren, die notwendig sind, um Humor zu schaffen bzw. um etwas lustig zu finden. Dahingegen fokussieren Befreiungstheorien darauf, die Funktion von Humor zu erklären. Demnach schließen sich die Theorien nicht aus, sondern wirken zusammen, verstärken sich oder schwächen sich ab (Klindt, 2017b). Ferner berücksichtigt keine der Theorien, dass Humor von verschiedenen kontextuellen Bedingungen abhängt. Schließlich wurde, ausgehend von der Beobachtung, dass u.a. verschiedene Einsichten, Geschmäcker und Stimmungslagen den Humor beeinflussen, in den vergangenen Jahrzenten von der ursprünglichen objektseitigen Fokussierung von humorvollen Situationen abgerückt und die subjektseitig orientierten Ansätze in den Mittelpunkt der 2. Humor 8 Betrachtungen gerückt (Klindt, 2017b). Mit dieser Entwicklung geht eine Verlagerung des Interesses einher: weg von der definitorischen Frage, was Humor ist, hin zu den empirischen Fragen, wann, wie und warum Humor wahrgenommen wird. Vorliebe für Humorart Menschen haben unterschiedliche Humorvorlieben. Hierbei lässt sich zwischen der Präferenz für verschiedene Humorarten (z.B. aggressiv, nonsens, ironisch) unterscheiden. Eine Humorart, die hinsichtlich der Lustigkeit sehr unterschiedlich bewertet wird, ist der sogenannte schwarze Humor. Schwarzer Humor, wie er heute im Deutschen verstanden wird, ist unversöhnlicher und brutaler als neutraler harmloser Humor. Schwarzer Humor schreckt vor Grenzüberschreitungen und Tabuverletzungen nicht zurück und stellt unangenehme, heikle und tragische Themen in den Vordergrund. Schwarzer Humor löst nicht selten ein Gefühl der Unbehaglichkeit aus. Es wird über Inhalte gelacht, die normalerweise eher gegenteilige Gefühle produzieren sollten und das bewirkt dann Befremdung, Verwirrung und eine widersprüchliche emotionale Mischlage, in der man sich hin- und hergerissen fühlt (Ailluad & Piolat, 2012; Willinger et al., 2017). Die Geschichte des schwarzen Humors beginnt im französischen Diskurs und geht auf den Surrealisten André Breton (zit. nach Bloom & Hobby, 2010) zurück, der in seiner Anthologie de l’humour noir erstmals in einer längeren wissenschaftlichen Arbeit versucht hat, schwarzen Humor zu definieren. L’humour noir ist demnach eine Humorart, die „Grausamkeit, Bitterkeit und manchmal Verzweiflung“ beinhaltet und die genutzt wird um die „Absurdität der Welt“ zu unterstreichen (Bloom & Hobby, 2010, S. 81). Vermutlich verbreitete sich l’humour noir durch Lehnübersetzungen in verschiedenen europäischen Sprachen mit verschiedenen Arten von Anpassungen und Entwicklungen. L’humour noir wurde auch ins amerikanische Englisch übertragen, wo er als schwarzer Humor (eng. black humor/dark humor) in den 1960er Jahren an Bedeutung gewann (Levisen, 2018). Im Englischen wurde das übergeordnete gutartige Humorschema mit Themen kombiniert, 2.3. 2.3. Vorliebe für Humorart 9 die alles andere als gutartig sind. Beispiele sind ernsthafte Off-Limit- Themen wie Tod und Behinderungen (Beal & Mullan, 2013). Laut einer neuen ethnographischen Studie von Levisen (2018), unterscheidet sich die heutige dänische Konzeptualisierung des schwarzen Humors von dem französischen l’humour noir, dem englischen black humor und dem deutschen schwarzen Humor. Mit sort humor beschreibt Levisen (2018) eine kollaborative heitere Praxis des Unsinns. Schwarzer Humor ist demnach im Dänischen anders als im Deutschen durch eine düstere (eng. murky) Konnotation charakterisiert, die bewusst keinen Sinn ergeben soll. Dieser sogenannte Nonsens-Humor wird in der übrigen Literatur weitestgehend als eine eigene Humorart angesehen. So unterscheiden Ruch und Hehl (1985) beispielsweise zwischen Inkongruenz-Lösungs-Witzen, Nonsens- und Sexwitzen. Ausgehend von der starken Prägung Dänemarks durch die englische Sprache und Kultur, ist letztlich davon auszugehen, dass mit dem Begriff des schwarzen Humors sowohl der Nonsens-Humor wie auch der tabuverletzende und grenzüberschreitende Humor gemeint ist. Wieso wird schwarzer Humor von vielen Menschen als lustig empfunden? Nach Freud streben Menschen nach einer Katharsis ihrer Gefühle sowie einem „ersparten Gefühlsaufwand“ (siehe Abschnitt 2.2.3.). Gemäß der Inkongruenztheorien führen Brüche mit sozialen Konventionen zu Erheiterung. Schwarzer Humor unterscheidet sich von harmlosem Humor in der Art der Inkongruenz und folglich in welchem Ausmaß die Überraschungskomponente sowie die Situation als humorig verstanden wird. Die Überlegenheitstheorien sehen außerdem im Herabsetzen anderer etwas Komisches. Warum einige Menschen schwarzen Humor lustig finden, andere aber nicht, lässt sich zudem anhand unterschiedlicher soziodemografischer Faktoren erklären. Die Mehrzahl der Studien deutet darauf hin, dass Männer (Ailluad & Piolat, 2012; Herzog & Karafa, 1998) und jüngere Personen (Stanley, Lohani, & Isaacowitz, 2014) eine größere Vorliebe für schwarzen und unpassenden Humor haben, als Frauen und ältere Personen. Analog wurde ein negativer linearer Zusammenhang zwischen der Grausamkeit eines Witzes und der Lustigkeitsbewertung bei Frauen, aber nicht bei Männern, festgestellt (Herzog, Harris, Kropscott, & Fuller, 2006). Darüber hinaus werden Unterschiede in der Vorliebe für eine gewisse 2. Humor 10 Humorart durch Unterschiede in der Bildung erklärt (Karou-ei, Doosti, Deshiri, & Heidari, 2009; Masten, 1986). Im Volksmund wird die Vorliebe für schwarzen Humor mit einem niedrigen Bildungsgrad bzw. einer niedrigeren Intelligenz verknüpft. Diese Annahme wird allerdings durch neuere Studien wiederlegt (Willinger et al., 2017). Empirische Untersuchungen, die die dänische Vorliebe für schwarzen Humor im Vergleich zu neutralem Humor mit der Vorliebe in anderen Ländern vergleichen, gibt es bisher keine. Humorstile Menschen haben jedoch nicht nur Vorlieben für unterschiedliche Humorarten, sondern unterscheiden sich auch hinsichtlich ihrer präferiert genutzten Humorstile. Humorstile beschreiben die Art und Weise, wie Menschen Humor nutzen. So kann Humor hilfreich und positiv sein, aber auch verletzend, schädigend und negativ (Martin, Puhlik- Doris, Larsen, Gray und Weir, 2003). Martin et al. (2003) unterscheiden zwischen vier verschiedenen Humorstilen: zwei positiven bzw. adaptiven (sozial und selbstaufbauend) und zwei negativen bzw. maladaptiven (feindlich und selbstabwertend) (siehe Tabelle 1). Sozialer Humor beschreibt die Tendenz, Witziges zu sagen, um andere zu amüsieren, Beziehungen zu erleichtern und zwischenmenschliche Spannungen zu reduzieren. Dieser Stil steht in erster Linie im Zusammenhang mit positiven Stimmungen und Emotionen (Martin et al., 2003). Selbstaufwertender Humor meint eine generelle humorvolle Sichtweise des Lebens und die Fähigkeit, selbst bei Stress eine humorvolle Perspektive zu behalten. Er fungiert als Bewältigungsstrategie und wird als förderlichster Humorstil für das psychische Wohlbefinden beschrieben (Cann & Collette, 2014). Feindlicher Humor wird benutzt, um andere zu kritisieren, herabzusetzen oder zu manipulieren, mit Sarkasmus, Spott, Hohn, Ironie und Entwertung. Er verhält sich gegenteilig zum selbstaufwertenden Humorstil und ist nicht förderlich für die Bewältigung einer Stresssituation (Chen & Martin, 2007). Selbstabwertender Humor bezeichnet das Verhalten, sich mit witzigen Bemerkungen über eigene Schwächen beliebt machen zu wollen. Martin et al. (2003) vermuten, dass dadurch negative Gefühle und Probleme verdeckt werden. 2.4. 2.4. Humorstile 11 Modalitäten der Humorstile Humorstilart Stilausrichtung Positiv Negativ Andere Sozialer Humorstil Feindlicher Humorstil Selbst Selbstaufwertender Humorstil Selbstabwertender Humorstil Die Forschung hat gezeigt, dass die Art von Humorstil, die man verwendet, Einfluss darauf hat, wie man sich selbst und wie andere einen wahrnehmen. Die Verwendung der beiden positiven Humorstile ist verbunden mit einer positiveren Selbst- und Fremdwahrnehmung und tritt besonders in engen Beziehungen auf (Kuiper & Leite, 2010). Darüber hinaus geht die Verwendung positiver Humorstile mit einer höheren Lebenszufriedenheit einher (Karou-ei et al., 2009) und wird mit Heiterkeit, Selbstwert und Offenheit für Erfahrungen in Verbindung gebracht (Kuiper & Leite, 2010; Liu, 2012). Im Gegensatz dazu haben Menschen, die eher negative Humorstile nutzen, u.a. Probleme mit Depressionen, Ängstlichkeit, Aggressionen und ein niedrigeres Selbstbewusstsein (Kuiper, Grimshaw, Leite, & Kirsh, 2004). Die Forschung weist ferner auf den Einfluss von Alter und Geschlecht hin: Männer nutzen eher den aggressiven und selbstabwertenden Humorstil und jüngere Menschen eher den aggressiven Humorstil (Martin et al., 2003). Im nächsten Abschnitt werden deshalb diese und andere soziodemografischen Faktoren genauer betrachtet. Einflussfaktoren auf Humor Die Wichtigkeit eines gemeinsamen Sinns für Humor wird am besten durch seine Abwesenheit deutlich. Es ist fast unmöglich, eine Beziehung zu jemandem aufzubauen, der einen nie zum Lachen bringt, der nie über die eigenen Witze lacht oder die falschen Witze erzählt. Um den richtigen Witz zur richtigen Zeit zu machen, bedarf es erheblicher kultureller Kenntnisse. Jemand der nicht lacht, wenn andere es tun, oder lacht, wenn alle anderen still sind, lässt erkennen, dass er sich den vorherrschenden sozialen Regeln und Gewohnheiten nicht bewusst ist. Tabelle 1 2.5. 2. Humor 12 Was als „guter Humor“ gilt, unterscheidet sich von Moment zu Moment, von Person zu Person und von Gruppe zu Gruppe. Humor und Lachen lassen „sowohl Universalien der menschlichen Existenz als auch starke Kulturbindung“ (Koestler, 1966, S. 80) vermuten. Inzwischen ist bekannt, dass es beim Humor individuelle Unterschiede und Unterschiede zwischen den Geschlechtern, den Bildungsschichten, den Altersgruppen und zwischen verschiedenen Kulturen und Ländern gibt (z.B. Ailluad & Piolat, 2012; Martin et al., 2003). Humor und insbesondere das Humorverständnis ändern sich mit dem Alter. Neben der individuell kognitiven Entfaltung begründet McGhee (1983) dies in den getätigten Erfahrungen einer Person. Altersbezogene Unterschiede begründen sich demnach mit den alltäglichen Umständen oder Erfahrungen, die von Menschen gleichen Alters geteilt werden. So befähigt die fortschreitende kognitive Entwicklung einem Kind neue Formen von Humor zu verstehen. Ungefähr ab dem vierten Lebensjahr hat das Humorverständnis des Kindes eine Basis für Inkongruenzbeziehungen entwickelt und ab dem siebten Lebensjahr ist es für Mehrdeutigkeiten empfänglich. Ironie, Sarkasmus oder schwarzer Humor werden erst ab der Pubertät als solche erkannt und begriffen (Schreiner, 2003). Unter dem Einfluss der zahlreichen gewonnen Erfahrungen im fortschreitenden Alter steigen die Erwartungen an eine humorvolle Darbietung. Menschen generieren in ihrer Entwicklung individuelle humorspezifische Neigungen, wie Vorlieben für bestimmte Humorarten, und entwickeln differenzierte Reaktionsmuster. Mit zunehmendem Alter nimmt die kognitive Fähigkeit und das damit einhergehende Humorverständnis ab, jedoch nimmt die Wertschätzung von Humor zu, d.h. Witze und Cartoons werden als lustiger wahrgenommen und gleichzeitig weniger abgelehnt (McGhee, 1983). Um Inkongruenzen aufzulösen und Witze zu verstehen sind gewisse kognitive Fähigkeiten, eine Bereitschaft für geistigen Aufwand sowie individuelle Schulbildung erforderlich. So zeigen sich Zusammenhänge zwischen schwarzem Humor, welcher ein Verständnis für Inkongruenzen voraussetzt, und höhere Intelligenz (Willinger et al., 2017). Darüber hinaus fanden Howrigan und MacDonald (2008) eine Korrelation zwischen der Produktion von Humor und Intelligenz bei Collegestudierenden. Zudem fand Masten (1986) positive Zusammen- 2.5. Einflussfaktoren auf Humor 13 hänge zwischen der Fähigkeit Humor zu verstehen, wertzuschätzen und zu produzieren, und dem Intelligenzquotienten bzw. dem akademischen Erfolg von Schulkindern. Der größte Einflussfaktor individueller Unterschiede im Humor ist jedoch das Geschlecht. Im Gegensatz zu Männern, die häufiger Witze erzählen und vertrauter mit diesen sind, präsentieren Frauen den Humor weniger, wissen diesen aber mehr zu schätzen. Diese Ungleichheiten können auf unterschiedliche Entwicklungs- und Sozialisationsbedingungen sowie Rollenzuschreibungen, kulturelle Erwartungen oder Identifizierungstendenzen zurückgeführt werden (Stocking & Zillmann, 1996). Beruhend auf diesen gesellschaftlich anerzogenen Motiven driften die Vorlieben für diverse Humorarten und Humorstile auseinander. Männer präferieren aggressiven, herabsetzenden und sexuellen Humor, während Frauen neutralen, harmlosen und unsinnigen Humor bevorzugen (Weinberger & Gulas, 1992). Weiterhin haben Studien neurologische Unterschiede gefunden, welche die höhere Wertschätzung von Sprachwitzen bei Frauen erklären können (Azim, Mobbs, Jo, Menon, & Reiss, 2005). Die Bedeutung von Kultur: Deutscher und dänischer Humor Wegweisende Studien in der Philosophie, Linguistik und Psychologie halten Humor für ein universelles Phänomen, das die gleichen Mechanismen und Merkmale in allen Sprachen und Kulturen aufweist (z. B. Suls, 1972; Raskin, 1985). Grundsätzlich ist Humor daher ein kultur- übergreifendes Phänomen, dennoch unterschieden sich Länder in seinem spezifischen Gebrauch (z.B. Kuipers, 2006). Soziokulturelle Unterschiede, ungleiche Erfahrungen und Moralvorstellungen sowie kulturbedingte, gesellschaftliche Besonderheiten üben Einfluss auf die Humorpräferenz und -reaktion aus (Sinkeviciute & Dynel, 2017; Weinberger & Gulas, 1992). Sowohl bei den Vorlieben für verschiedene Humorarten, der Verwendung von Humor als auch der Wertschätzung gibt es folglich kulturelle Unterschiede (Kuipers, 2006). Kultur ist ein sehr häufig gebrauchter Begriff, im Alltag wie auch in der Wissenschaft. Es gibt viele Definitionen von Kultur – soziologische, anthropologische, psychologische, ethnologische – und dement- 2.6. 2. Humor 14 sprechend groß ist die Bedeutungsvielfalt des Kulturbegriffs1. Anstatt von einem Kulturbegriff auszugehen, wird deshalb heute vermehrt von vielen Kulturbegriffen ausgegangen. Die vorliegende Arbeit nutzt einen anthropologischen Kulturbegriff, der im weitesten Sinne Kultur als das versteht, das vom Menschen geschaffen und beeinflusst wurde und im Gegensatz zum natürlich gewachsenen steht (Harris, 1989). Er umfasst somit sowohl soziale Geflechte wie auch die Produktion von technischen Hilfsmitteln und bezieht sich auf die Gesamtheit der menschlichen Umgebung. Der Mensch wird gleichzeitig als kultureller Schöpfer und als Geschöpf der Kultur gesehen und der Austausch zwischen Kulturen wird unter dem Aspekt dieser Wechselwirkung betrachtet (Harris, 1989). Margaret Mead (1970) weist in ihren Untersuchungen auf, dass Kultur sowohl soziale Praktiken als auch die Befindlichkeit der Menschen beeinflusst. Das heißt, dass Menschen sich nicht nur aufgrund ihrer Gene unterscheiden, sondern auch aufgrund ihrer Kultur. In interkulturellen Vergleichen wird Kultur meist als theoretische Variable genutzt. So werden Kultur A und Kultur B in Bezug auf ein spezifisches Charakteristikum zueinander in Beziehung gesetzt, welches in beiden Kulturen in einem unterschiedlichen Grad ausgeprägt ist. Die Charakteristika beschreiben Dimensionen, in denen sich Kulturen ähneln oder unterscheiden (Gudykunst & Lee, 2002). In dieser Studie werden deutsche und dänische Personen hinsichtlich ihres Humors und ihrer Lebenszufriedenheit verglichen. Hierbei werden also die Herkunftsländer als unterschiedliche Kulturen verstanden. Wie genau bestimmt wurde, wer zu welcher dieser beiden Kulturen gehört, wird in Abschnitt 5.6. genauer beschrieben. Bisher gibt es nur wenige Studien, die sich explizit mit deutschem oder dänischem Humor beschäftigt haben. Im Folgenden Abschnitt werden einige bekannte Besonderheiten des deutschen und dänischen Humors behandelt. Deutschland ist für viele Dinge bekannt: für seine Sprache, seine Dichter*innen und Denker*innen oder seine Natur, für seinen Humor hingegen weniger. Im Ausland hält sich das Vorurteil, dass Deutsche keinen Humor hätten. Es heißt, Deutsche seien immer ernst bei der Sache, stets konzentriert und effizient. Gemessen an der Vielzahl an Humoristen, Kabarettisten und Comedians, die heutzutage landesweit 1 Für einen Überblick der verschiedenen Kulturbegriffe: Hansen (2011) 2.6. Die Bedeutung von Kultur: Deutscher und dänischer Humor 15 große Hallen füllen und regelmäßig im Fernsehen zu sehen sind, scheint dieses Vorurteil überholt. Doch was genau macht deutschen Humor aus? Aus einer Umfrage mit 1016 Teilnehmenden aus Deutschland zwischen 18 und 69 Jahren geht hervor, dass Komiker wie Heinz Erhardt, Otto Waalkes und Loriot den deutschen Humor treffen und als besonders lustig bewertet werden, während Helge Schneider, Jan Böhmermann und Mario Barth im Vergleich als am unlustigsten bewertet werden (Splendid Research, 2018). Kulturforscher Rainer Stollmann hebt bei Erhardt seinen Sprachwitz und seine „verblüffend harmlosen Inhalte“ hervor, Loriot betitelt er als den „höflichste[n] Komiker der Welt“ und Otto als einen „antiautoritären Parodisten“ (Stollman, zit. nach Employland, 2017). Der Satiriker Jan Böhmermann macht eher durch sexistische und rassistische Anspielungen sowie radikale Äußerungen auf sich aufmerksam. Mario Barth bedient Klischees, insbesondere Geschlechterklischees und „produziert Pointen am Fließband“ (Stollman, zit. nach Employland, 2017). Insgesamt deuten die Ergebnisse der Umfrage von Splendid Research und Stollmanns Beschreibungen daraufhin, dass die Mehrheit der Deutschen harmlosen, alltäglichen Humor bevorzugen. Gleichzeitig deutet die Vielzahl und Vielfalt der Humoristen, Kabarettisten und Comedians aber auch daraufhin, dass es in Deutschland auch andere Vorlieben für Humor gibt. Politische Satire hat in Deutschland ebenso Tradition wie Karneval mit all seinen humoristischen Elementen (z.B. Kleinen von Köngslow & Keel, 2012). Der dänische Humor wird dahingegen in der Regel als tabulos, sarkastisch, (selbst-) ironisch und schwarz beschrieben. Gibt man „danish humor“ bei Google ein, werden lauter Einträge mit Überschriften, die Begriffe wie irony, sarcasm, dry und tricky enthalten, angezeigt. Auch der einleitend erwähnte Humorskandal rund um die 2005 veröffentlichten Mohammed-Karikaturen, der zu diplomatischen Krisen, Ausschreitungen, wirtschaftlichen Boykotten, Übergriffen auf Botschaften und zum Verlust von Menschenleben führte (Davies et al., 2008), ist auf die Eigenart des dänischen Humors zurückzuführen. Lita Lundquist (2014) hat in einer qualitativen Studie 26 Studierende aus 13 unterschiedlichen 2. Humor 16 Ländern2 darum gebeten, dänischen Humor zu beschreiben. Fast die Hälfte der Teilnehmenden beschrieb den dänischen Humor als ironisch und sarkastisch, jedoch nutzten viele diese Beschreibung auch für ihren eigenen Humor. Die zweithäufigste Beschreibung des dänischen Humors war „direkt“ zusammen mit verwandten Begriffen wie „schonungslos“ und „prompt“. Niemand der Teilnehmenden nutzte diese Begriffe, um seinen eigenen nationalen Humor zu beschreiben. Weiterhin wurde der dänische Humor als „grenzenlos“ und „unangemessen“ beschrieben. Insbesondere asiatische und osteuropäische Teilnehmende empfanden den dänischen Humor als „aggressiv“, „überlegen“ und „offensiv“. Lediglich drei Teilnehmende beschrieben den dänischen Humor mit positiven Begriffen wie „lustig“ und „witzig“ und die einzige Gruppe, die den dänischen Humor als „nicht offensiv“ und „subtil“ beschrieb, waren die Dänen und Däninnen selbst. Dass Humor, wie er unter Dänen und Däninnen akzeptiert ist, oft von anderen Nationalitäten als direkt, geradeheraus und hart aufgefasst wird, wird auch in quantitativen Studien zum Thema „Gelotophobie“ bestätigt (z.B. Führ, Proyer, & Ruch, 2009). Gelotophobie beschreibt die Angst davor, ausgelacht zu werden. Diese scheint jedoch im Alltag der Dänen und Däninnen keine Rolle zu spielen. So fanden Führ et al. (2009), dass weniger als 2% der dänischen Teilnehmenden gelotophobisch waren, verglichen mit beispielsweise 11% der deutschen Teilnehmenden, 13% der spanischen Teilnehmenden und 33% der Teilnehmenden aus dem mittleren Osten. Auch wenn diese Studie nicht repräsentativ für die jeweiligen Länder ist, so zeigen diese Ergebnisse beim Humor einen tendenziellen Unterschied zwischen Dänen und Däninnen und Menschen anderer Nationalität. Führ et al. (2009) erklärt diese Ergebnisse mit sozialen Faktoren wie Individualismus, Machtdistanz und Hierarchieunterschieden in einem Land. Diese Faktoren können durch den historisch-soziologischen Ansatz erklärt werden, wonach eine nationale Kultur das Ergebnis eines bestimmten Prozesses der Zivilisation ist: Deutschland kann als traditionelle Gesellschaft bezeichnet werden, mit einer starken und starren Hierarchie, während Dänemark durch historische Prozesse zu einer pragmatischen, egalitären und konsensorientieren Gesellschaft geformt 2 Dänemark, Singapur, Spanien, USA, Australien, Bulgarien, Kanada, China, Deutschland, Großbritannien, Lettland, Serbien und Schweden 2.6. Die Bedeutung von Kultur: Deutscher und dänischer Humor 17 wurde, in der ihre Mentalität ein Klima schafft, in dem Ironie und Selbstironie gedeiht (Lundquist, 2014). Im Folgenden wird abschließend auf die Lebenszufriedenheit eingegangen, da diese mit den Humorpräferenzen in Zusammenhang gebracht wurde (z.B. Karou-ei et al., 2009) und Unterschiede zwischen den beiden Ländern bekannt sind (Helliwell et al., 2019). 2. Humor 18

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Zusammenfassung

Däninnen und Dänen zählen seit vielen Jahren zu den glücklichsten Menschen der Welt. Hierfür wird häufig das dänische „hygge“-Phänomen als Erklärung herangezogen. Doch nicht nur dieses besondere Lebensgefühl, sondern auch der Humor in Dänemark ist einzigartig und über die eigenen Grenzen hinaus bekannt. Die Forschung zeigt: Positiver, freundlicher Humor hängt mit einer hohen Lebenszufriedenheit zusammen. Der dänische Humor wird jedoch typisch als tabulos, absurd und aggressiv beschrieben. Wie passt das zusammen?

Hierzu gibt es viele Annahmen, Theorien und Erklärungen. In diesem Buch wird der Zusammenhang zwischen unterschiedlichen Humorarten und -stilen und der Lebenszufriedenheit eingehend untersucht. Es wird außerdem erstmals analysiert, wie sich der dänische vom deutschen Humor unterscheidet und welche mögliche Rolle das Geschlecht hierbei spielt.