5. Einführung in die wissenschaftliche Arbeit in:

Rike Jessen

Humor und Lebenszufriedenheit im Deutsch-Dänischen Kulturvergleich, page 27 - 30

1. Edition 2020, ISBN print: 978-3-8288-4454-4, ISBN online: 978-3-8288-7473-2, https://doi.org/10.5771/9783828874732-27

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Psychologie, vol. 31

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
Einführung in die wissenschaftliche Arbeit Untersuchungsinstrument Das Untersuchungsinstrument soll die unterschiedlichen Humorvorlieben, Humorstile und die Lebenszufriedenheit von Deutschen, Dänen und Däninnen erfassen. Zu diesem Zweck wurden die Daten in einem quantitativen Fragebogen online erhoben, der aus fünf Teilen besteht: 1) aus einem Einführungsteil mit Kurzanamnese zu soziodemografischen Merkmalen, um die Stichprobe zu beschreiben (Geschlecht, Alter, Staatsangehörigkeit, aktueller Wohnsitz, Sprachen die vorwiegend mit der Mutter bzw. dem Vater als Kind gesprochen wurden, längster Auslandsaufenthalt und der höchste Bildungsgrad); 2) einem empirischen Teil zur Erfassung der Vorliebe für Humorarten (schwarz vs. harmlos) und Humordarstellungen (Witze vs. Cartoons); 3) dem Humor Style Questionnaire (HSQ) von Martin et al. (2003) zur Erfassung der unterschiedlichen Humorstile; 4) der Satisfaction with Life Scale (SWLS) von Diener, Emnos, Larsen und Griffin (1985) zur Erfassung der Lebenszufriedenheit sowie 5) einem weiteren Teil mit Witzen und Cartoons zur Erfassung der Ablehnung gegenüber dem gezeigten Material. Im Folgenden werden die einzelnen Teile des Untersuchungsinstruments dargestellt. Der detaillierte Fragebogen ist im Anhang A aufgeführt. Vorliebe für Humorart und Humordarstellung Die Einschätzung der Vorliebe für Humorart und Humordarstellung erfolgt mit der Bewertung der Lustigkeit und der Ablehnung über zwei getrennte Skalen, da davon ausgegangen wird, dass ein Witz oder Cartoon sei er schwarz oder harmlos aus ethisch-moralischer Sicht zwar abgelehnt, aber zugleich auch als lustig empfunden werden kann (Ruch & Hehl, 1985). 5. 5.1. 5.2. 27 Bewertung der Lustigkeit Nach den demographischen Fragen wird eine Reihe von Cartoons und Witzen präsentiert, die einmal schwarzen Humor und einmal harmlosen Humor beinhaltet. Die Teilnehmenden sollen dann bewerten, ob sie eher schwarzen Humor oder harmlosen Humor und eher Witze oder Cartoons lustiger finden. Insgesamt gilt es sechs Cartoons und sechs Witze mit einer sechsstufigen Likert-Skala von 1 (gar nicht lustig) bis 6 (sehr lustig) zu bewerten, die jeweils zur Hälfte entweder schwarzem Humor oder harmlosem Humor zuzuordnen sind (siehe Anhang B). Es wurden verbale und nonverbale Items gewählt, um die Anforderungen an sprachlichen und kognitiven Fähigkeiten möglichst gering zu halten. Außerdem wurde berichtet, dass Frauen eine größere Begeisterung für Sprachwitze aufweisen, was mit mehr Aktivität im frontalen Kortex verbunden wurde (Azim et al., 2005), und somit auch geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Darstellungspräferenz vorzuliegen scheinen. Vor den 12 zu bewertenden Cartoons und Witzen gibt es einen neutralen Übungstrial in Form eines Cartoons (harmloser Humor). Die Cartoons sind ursprünglich zur Hälfte auf deutscher oder dänischer Sprache verfasst und wurden für die Untersuchung in die jeweils andere Sprache übersetzt, um eine Beeinflussung durch die Bekanntheit mit den Items zu minimieren. Die ausgewählten Witze existierten schon im Vorfeld in beiden Sprachen und wurden in unterschiedlichen Witzforen online verbreitet. Bei der Auswahl der Items wurde darauf Wert gelegt, dass sie einer bestimmten Vorliebe für eine Humorart (schwarz oder harmlos) zugeordnet werden können. Anstö- ßige, verletzende und diskriminierende Inhalte wurden dem schwarzen Humor zugeordnet. Die Auswahl der verfügbaren Witze und Cartoons wurde stark durch kulturelle und sprachliche Faktoren eingeschränkt. Wortspiele und -witze lassen sich nicht ohne weiteres in eine andere Sprache übersetzen (Beispiel: Welches Getränk trinken Firmenchefs? Leitungswasser; Dieser Witz würde im Dänischen nicht funktionieren, da der Begriff für Leitungswasser „postevand” kein Wort beinhaltet, dass mit Leitung oder Führung zu tun hat). Auch Humor, basierend auf kulturellen Besonderheiten, lässt sich durch einfaches Übersetzen schwer in eine andere Kultur transportieren (Beispiel: Wie viele Deutsche braucht man, um eine Glühbirne zu wechseln? – 5.2.1. 5. Einführung in die wissenschaftliche Arbeit 28 Einen. Deutsche sind effizient und haben keinen Humor; Dieser Witz ließe sich nicht einfach auf Dänen und Däninnen übertragen, da er sich an den Stereotypen der Deutschen bedient). Aus diesem Grund sind nonverbale Cartoons sowie Cartoons und Witze ausgewählt worden, die potenziell für beide Kulturen gleich gut zu verstehen sind. Die Witze können dem deutschen Fragebogen im Anhang A entnommen werden. Die durchschnittliche Bewertung der einzelnen Cartoons und Witze kann der Tabelle im Anhang C entnommen werden. Bewertung der Ablehnung Am Ende des Fragebogens werden dieselben Witze und Cartoons (inkl. Übungstrial) in identischer Reihenfolge wie bei der Lustigkeitsbewertung noch einmal präsentiert. In diesem Teil des Fragebogens soll erfasst werden, wie hoch die Ablehnung der Teilnehmenden gegenüber der gezeigten Witze und Cartoons ist. Hierzu sollen die Cartoons und Witze ebenfalls auf einer sechststufigen Likert-Skala von 1 (keine Ablehnung) bis 6 (starke Ablehnung) bewertet werden. Die durchschnittliche Ablehnungsbewertung kann der zweiten Tabelle im Anhang C entnommen werden. Um einen Reihenfolgeneffekt zu vermeiden, wurden der deutsche und der dänische Fragebogen in 2 Versionen verbreitet (somit ist die totale Anzahl der Fragebögen vier). Die Cartoons und Witze werden in der jeweils zweiten Version in umgekehrter Reihenfolge präsentiert. Humorstile Der Humor Style Questionnaire (HSQ) wurde von Martin et al. (2003) entwickelt und dient der Erfassung von vier unterschiedlichen Humorstilen: Sozialer Humorstil und Selbstaufwertender Humorstil (positive bzw. adaptive Humorstile) sowie Feindlicher Humorstil und Selbstabwertender Humorstil (negative bzw. maladaptive Humorstile). Mit Genehmigung von Dr. Sonja Heintz (Universität Zürich) wird in der vorliegenden Arbeit die deutsche Version von Ruch und Heintz (2016) verwendet. Die verwendete dänische Version wurde von zwei 5.2.2. 5.3. 5.3. Humorstile 29 unabhängigen Muttersprachler*innen übersetzt und rückübersetzt und abschließend von der Autorin Korrektur gelesen. Der Fragebogen beinhaltet 32 Items, die jeweils auf einer siebenstufigen Likert-Skala von 1 (stimme absolut nicht zu) bis 7 (stimme absolut zu) beantwortet werden. Die 32 Items werden in vier Skalen zusammengefasst, wobei jede Skala aus acht Items besteht. Alle Items sind in englischer Sprache in der ursprünglichen Studie von Martin et al. (2003) zu finden und im angehängten Fragebogen in deutscher Sprache (siehe Anhang A). Lebenszufriedenheit Die Satisfaction with Life Scale (SWLS) wurde von Diener et al. (1985) zur Erfassung der Lebenszufriedenheit entwickelt. In der vorliegenden Arbeit werden eine deutsche und eine dänische Version verwendet, die Edward Diener, der Autor der originalen Version, auf seiner Website zur Verfügung gestellt hat (“SWLS,” o.D.). Die SWLS beinhaltet 5 Items (siehe Anhang A), die jeweils auf einer siebenstufigen Likert-Skala von 1 (starke Ablehnung) bis 7 (starke Zustimmung) beantwortet werden. Die Originalversion der SWLS weist eine gute Validität und Reliabilität auf (Pavot & Diener, 2009). 5.4. 5. Einführung in die wissenschaftliche Arbeit 30

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Zusammenfassung

Däninnen und Dänen zählen seit vielen Jahren zu den glücklichsten Menschen der Welt. Hierfür wird häufig das dänische „hygge“-Phänomen als Erklärung herangezogen. Doch nicht nur dieses besondere Lebensgefühl, sondern auch der Humor in Dänemark ist einzigartig und über die eigenen Grenzen hinaus bekannt. Die Forschung zeigt: Positiver, freundlicher Humor hängt mit einer hohen Lebenszufriedenheit zusammen. Der dänische Humor wird jedoch typisch als tabulos, absurd und aggressiv beschrieben. Wie passt das zusammen?

Hierzu gibt es viele Annahmen, Theorien und Erklärungen. In diesem Buch wird der Zusammenhang zwischen unterschiedlichen Humorarten und -stilen und der Lebenszufriedenheit eingehend untersucht. Es wird außerdem erstmals analysiert, wie sich der dänische vom deutschen Humor unterscheidet und welche mögliche Rolle das Geschlecht hierbei spielt.