4. Fragestellungen und Hypothesen in:

Rike Jessen

Humor und Lebenszufriedenheit im Deutsch-Dänischen Kulturvergleich, page 23 - 26

1. Edition 2020, ISBN print: 978-3-8288-4454-4, ISBN online: 978-3-8288-7473-2, https://doi.org/10.5771/9783828874732-23

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Psychologie, vol. 31

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
Fragestellungen und Hypothesen Auf Basis der qualitativen Eigen- und Fremdbeschreibungen der kulturellen Besonderheiten des deutschen und dänischen Humors kann nur angenommen werden, dass es Unterschiede zwischen den Ländern gibt. So scheint der Humorstil der Dänen und Däninnen aggressiver zu sein als der der Deutschen. Dies wurde bisher jedoch nicht empirisch überprüft. Ebenfalls gibt es bisher keine aussagekräftige Studie, welche die Vorlieben der Dänen und Däninnen für bestimmte Humorarten empirisch untersucht. Die Humorstile der Deutschen wurden von Ruch und Heintz (2016) untersucht, mit dem Ergebnis, dass positive Humorstile bevorzugt genutzt werden und es einen geschlechtsspezifischen Unterschied in der Nutzung der negativen Humorstile gibt. Jedoch liegen auch für Deutsche nur wenige wissenschaftliche Erkenntnisse zu ihren Vorlieben für unterschiedliche Humorarten vor. Eine Studie von Ruch et al. (2018) zeigt, dass zwischen Humorstil und Vorliebe für eine Humorart ein Zusammenhang besteht. Ferner gibt es, wie zuvor erwähnt, einen Zusammenhang zwischen Humor und Lebenszufriedenheit. Die vorliegende Arbeit wird diese Verbindungen genauer untersuchen und dabei mögliche kulturelle und geschlechtsspezifische Unterschiede aufdecken. Aus der Theorie leiten sich folgende drei Fragestellungen ab: (a) Welche Humorstile nutzen Deutsche bzw. Dänen und Däninnen und wie hängt die Nutzung dieser Humorstile mit der Lebenszufriedenheit und ihren Vorlieben für eine Humorart zusammen? (b) Inwiefern unterscheiden sich Deutsche und Dänen und Däninnen in ihren Vorlieben für eine Humorart, der Nutzung der Humorstile und ihrer Lebenszufriedenheit? (c) Inwiefern unterscheiden sich Frauen und Männer in der Nutzung der Humorstile und in ihren Humorvorlieben? Zuerst wird untersucht, ob sich die deutschen und dänischen Teilnehmenden in ihrer Vorliebe für schwarzen Humor oder harmlosen 4. 23 Humor (Humorart) sowie der Vorliebe für Witze oder Cartoons (Humordarstellung) unterscheiden. Dies geschieht anhand von Lustigkeitsund Ablehnungsbewertungen von Witzen und Cartoons, die einmal schwarzen Humor beinhalten und einmal harmlosen Humor. Dabei wird ferner der Einfluss des Geschlechts untersucht. Anschließend wird untersucht, ob sich die dänischen und deutschen Teilnehmenden hinsichtlich ihrer Nutzung von Humorstilen (negativ vs. positiv; andere vs. selbst) unterscheiden. Dies geschieht anhand der Bewertung einer Reihe von Aussagen, die jeweils einem Humorstil zugeordnet sind. Wieder wird dabei der Einfluss des Geschlechts untersucht. Nachfolgend werden die Unterschiede zwischen den Ländern in Hinblick auf die Lebenszufriedenheit betrachtet und es wird untersucht, inwiefern die Lebenszufriedenheit mit der Vorliebe für bestimmte Humorarten und der Nutzung von Humorstilen zusammenhängt. Basierend auf den Fragestellungen werden folgende Hypothesen aufgestellt: Vorliebe für eine Humorart H1. Es besteht ein Zusammenhang zwischen der Bewertung der Lustigkeit von Witzen und Cartoons und der Ablehnung dieser Witze und Cartoons (a) H2. Dänen und Däninnen bewerten schwarzen Humor lustiger als Deutsche (b) H3. Deutsche lehnen Cartoons und Witze eher ab als Dänen und Däninnen (b) H4. Männer bewerten schwarzen Humor lustiger als Frauen (c) H5. Frauen lehnen humoristische Cartoons und Witze eher ab als Männer (c) H6. Frauen bewerten Witze lustiger als Männer (c) Humorstile H7. Die Nutzung der Humorstile der Dänen und Däninnen unterscheidet sich von der Nutzung der Humorstile der Deutschen (b) H8. Männer schreiben sich die Humorstile mehr zu als Frauen (c) H9. Männer schreiben sich die negativen Humorstile mehr zu als Frauen (c) 4. Fragestellungen und Hypothesen 24 Lebenszufriedenheit H10. Dänen und Däninnen haben eine höhere subjektive Lebenszufriedenheit als Deutsche (b) Zusammenhang zwischen Lebenszufriedenheit und Humorstilen H11. Je höher die subjektive Lebenszufriedenheit desto höher die Nutzung der positiven Humorstile (a) Zusammenhang zwischen Vorliebe für Humorart und Humorstilen H12 Je höher die Lustigkeitsbewertung des harmlosen Humors desto höher die Nutzung der positiven Humorstile (a) H13. Je höher die Lustigkeitsbewertung des schwarzen Humors desto höher die Nutzung der negativen Humorstile (a) H14. Je höher die Ablehnung von schwarzem Humor desto niedriger die Nutzung der negativen Humorstile (a) 4. Fragestellungen und Hypothesen 25

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Zusammenfassung

Däninnen und Dänen zählen seit vielen Jahren zu den glücklichsten Menschen der Welt. Hierfür wird häufig das dänische „hygge“-Phänomen als Erklärung herangezogen. Doch nicht nur dieses besondere Lebensgefühl, sondern auch der Humor in Dänemark ist einzigartig und über die eigenen Grenzen hinaus bekannt. Die Forschung zeigt: Positiver, freundlicher Humor hängt mit einer hohen Lebenszufriedenheit zusammen. Der dänische Humor wird jedoch typisch als tabulos, absurd und aggressiv beschrieben. Wie passt das zusammen?

Hierzu gibt es viele Annahmen, Theorien und Erklärungen. In diesem Buch wird der Zusammenhang zwischen unterschiedlichen Humorarten und -stilen und der Lebenszufriedenheit eingehend untersucht. Es wird außerdem erstmals analysiert, wie sich der dänische vom deutschen Humor unterscheidet und welche mögliche Rolle das Geschlecht hierbei spielt.