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Roland Mierzwa

Strukturelle Gewalt überwinden, page I - VIII

Mit der Reich Gottes-Theologie auf dem Weg zu einer geschwisterlichen Gesellschaft

1. Edition 2020, ISBN print: 978-3-8288-4451-3, ISBN online: 978-3-8288-7472-5, https://doi.org/10.5771/9783828874725-I

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
Roland Mierzwa Strukturelle Gewalt überwinden Roland Mierzwa Strukturelle Gewalt überwinden Mit der Reich Gottes-Theologie auf dem Weg zu einer geschwisterlichen Gesellschaft Tectum Verlag Roland Mierzwa Strukturelle Gewalt überwinden. Mit der Reich Gottes-Theologie auf dem Weg zu einer geschwisterlichen Gesellschaft © Tectum – ein Verlag in der Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 2020 ePDF 978-3-8288-7472-5 (Dieser Titel ist zugleich als gedrucktes Werk unter der ISBN 978-3-8288-4451-3 im Tectum Verlag erschienen.) Umschlaggestaltung: Tectum Verlag, unter Verwendung des Bildes # 394199542 von Arthimedes | shutterstock.com Alle Rechte vorbehalten Besuchen Sie uns im Internet www.tectum-verlag.de Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Angaben sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. Vorwort Bei einem aktuellen Sammelband zur theologischen Ethik (vgl. Roth/ Held, 2018) fällt die in dieser Untersuchung vorgestellte und vollzogene Diskussion zur Reich-Gottes-Theologie (eigentlich) vollständig aus. Es ist lediglich bedeutsam, wenn Stephan Weyer-Menkhoff darauf hinweist, dass „unser Herz“ „verantwortlich für alles Förderliche auf dem Weg zu diesem Reich Gottes sowie für alles Zurückbleibende und Widersprechende“ (ders., 2018, 274) ist. Er macht deutlich, mit der Reich-Gottes- Theologie wird das Subjekt „verantwortlich für das Gelingen seiner Welt“ (ders.), ohne allerdings zu vergessen, darauf hinzuweisen, dass die Reich-Gottes-Botschaft nicht so daherkommen darf, das Subjekt jedoch zu aller Zeit und an allen Orten dabei zu überfordern. Die nachfolgenden Überlegungen verschränken die Vorstellungen vom Reich Gottes und die Aktivitäten im Horizont der Reich-Gottes- Theologie mit der höchst aktiven Zivilgesellschaft. Damit wird etwas Neues ausgesagt, denn Traugott Jähnichen bemerkt: „diese Akteure (spielen R.M.) in den Selbstverständigungsdebatten der evangelischen Kirche explizit kaum eine Rolle“ (ders., 2018, 65). An der Zivilgesellschaft wird extrem deutlich, dass „die Zugehörigkeit zur Kirche als Handlungsgemeinschaft“ auf sehr weiten Strecken „nicht mit der Zugehörigkeit zur Organisation deckungsgleich sein muss“ (vgl. Meireis, 2018, 141). Die Zivilgesellschaft, wo sie Kirche als Handlungsgemeinschaft ist, ist nicht, ganz entgegen der Einschätzung von Meireis, „ein sehr viel flüchtigeres und prekäres Phänomen als die Kirche als Organisation“ (ders.). Die Zivilgesellschaft ist Lebenszeichen des Reiches Gottes, vielleicht gerade deswegen, weil sie nicht Lebenszeichen der Organisation Kirche ist. Aber es auch – ganz im Sinne von L. Ragaz (vgl. Böhm, 1988, 156) – darauf hinzuweisen, dass es unter dem „Dach der organisierten Kirche“ „Kirchen“ gibt, wo man das Reich Gottes intensiver schmecken darf. Hier wird an einer im Horizont des Reich-Gottes-Gedankens V plausiblen Praxis deutlich, was Jesus ursprünglich gemeint hat. Menschenwürde und gute Lebenschancen werden konkret erfahrbar. Die „Unscheinbarkeit“ des Reiches Gottes (vgl. Welker in: Welker/ Wolter, 1999, 108) ist und kann nicht die „Spielwiese“/der „Handlungsspielraum“ von Narzissten sein, die ja auf Grandiosität, auf Bewunderung und Großartigkeit (vgl. Bauer, 2003) setzen. Die Reich Gottes- Botschaft Jesu konterkariert den „theologischen Narzissmus“, wo Jesus Christus zu einer exklusiven charismatischen Figur wurde, die als vollkommenes narzisstisches Idealbild fungierte (vgl. Bauer, 2003, 175). Auf das Reich Gottes hin in Treue zu dem Impuls des historischen Jesus zu handeln, das bedeutet „in der Unscheinbarkeit“ „punktuell zu wirken“ (vgl. Welker/Wolter, 1999, 108f.). Flensburg, November 2019 Vorwort VI Inhaltsverzeichnis Reich Gottes-Theologie (anhand von Personen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .1. 1 Jesus (Christus) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .1.1. 1 Sprachgebrauch. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .1.1.1. 2 Wie Jesus die „Basileia Gottes“ vor dem Hintergrund des jüdischen Verständnishorizontes verstand . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.1.2. 2 Das zukünftige und schon gegenwärtige Königreich Gottes in der Verkündigung Jesu. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.1.3. 3 Das Königreich als gesellschaftlicher Gegenentwurf zur erfahrenen irdischen Herrschaft. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.1.4. 6 Bilder und Metaphern des Gerichts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .1.1.5. 7 Sind theologische Ergänzungen notwendig? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .1.1.6. 8 Leonhard Ragaz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .1.2. 9 Paul Tillich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .1.3. 15 Martin Luther King Jr. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .1.4. 19 Dorothee Sölle. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .1.5. 27 Grundsätzliches zum Reich Gottes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .1.5.1. 28 Die Politik des Reiches Gottes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .1.5.2. 31 Die Theologie des Reiches Gottes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .1.5.3. 35 Matthias-W. Engelke . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .1.6. 37 Epilog: Mit dem Mystiker Sebastian Franck auf dem Weg zum Reich Gottes . . . .1.7. 39 Strukturelle Gewalt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .2. 47 Der Ansatz von Johann Galtung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .2.1. 47 Der Beitrag der „imperialen Lebensweise“ zur strukturellen Gewalt . . . . . . . . . . . .2.2. 60 Der Beitrag des Globalismus zur strukturellen Gewalt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .2.3. 65 Der Beitrag des Konstantinismus zur strukturellen Gewalt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .2.4. 71 VII Mit dem Reich Gottes-Gedanken gegen die strukturelle Gewalt . . . . . . . . . . . . .3. 75 Zivilgesellschaft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .3.1. 77 Religionsloses Christentum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .3.2. 79 Basisgemeinschaften/Basisgemeinden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .3.2.1. 82 „Kirchen“. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .3.2.2. 91 Vernetzte Alternativbewegungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .3.3. 104 Strategien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .3.4. 108 Dem Neoliberalismus/Kapitalismus die Geschäftsgrundlage entziehen (Gemeinwohl-Ökonomie-Bewegung bzw. Solidarische-Ökonomie- Bewegung) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.4.1. 108 Dienende Solidarität . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .3.4.2. 117 Kultur des „Weniger“/„Armutsfrömmigkeit“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .3.4.3. 120 Kultur der Gewaltlosigkeit in Gemeinden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .3.4.4. 125 Kultur der Inklusion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .3.4.5. 126 Gerechtes Recht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .3.4.6. 127 Der konziliare Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.4.7. 129 Eine neue Gesellschaft (als innergeschichtlicher Ausdruck des Reiches Gottes) jenseits von Staaten und Kirche(n) und kapitalistischen Unternehmen und der bürgerlichen Gesellschaft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.5. 130 Impulse im Horizont des Reich-Gottes-Gedankens zu Diskussionen zur Stadt im Wandel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.5.1. 131 Impulse im Horizont des Reich-Gottes-Gedankens zur Weiterentwicklung von christlichen Gemeinschaften/Gemeinden. . . . . . 3.5.2. 134 Literaturverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .4. 139 Danksagung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .5. 153 Inhaltsverzeichnis VIII

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Zusammenfassung

Eine Rückbesinnung auf die Wurzeln der Reich Gottes-Verkündigung führt uns nicht nur weg vom kirchlich organisierten Christentum und einem extrem „konfessionalistisch“ gedachten Christentum, sondern öffnet zugleich unseren Blick für „anonyme“ und „religionslose“ Christen sowie „erleuchtete Heiden“ (S. Franck). Diese sind in der Lage, zum Beispiel wenn sie sich in der Zivilgesellschaft engagieren und organisieren, strukturelle Gewalt zu überwinden und abzubauen. Mit dem Reich Gottes-Gedanken finden Menschen zu einer „dienenden Solidarität“ und zu einer „Kultur des Weniger“, wodurch ein Gegengewicht gegenüber der „imperialen Lebensweise“ aufgebaut wird. Der Anbruch des Reiches Gottes ist zu entdecken etwa in der Werkstattkirche, in der Sozialkirche, in der ev.-luth. Diakoniegemeinschaft zu Flensburg, aber auch in der Zivilgesellschaft, wo diese für ein gerechtes Recht eintritt.