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2 Problemstellung und Hintergrund in:

Björn Eichmann, Tobias Erhardt (Ed.)

Gesundheitswandern, page 5 - 6

Auswirkungen auf das physische und psychische Wohlbefinden

1. Edition 2020, ISBN print: 978-3-8288-4452-0, ISBN online: 978-3-8288-7471-8, https://doi.org/10.5771/9783828874718-5

Tectum, Baden-Baden
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Problemstellung und Hintergrund „Insufficient physical activity is a leading risk factor for non-communicable diseases, and has a negative effect on mental health and quality of life“ (Guthold, 2018). Für viele Menschen in Deutschland gibt es bei den alltäglichen Wegen im Alltag ungenutztes Bewegungspotenzial (TK-Bewegungsstudie, 2016). „Das Bewegungsverhalten in der Bevölkerung hängt zum einen vom bewegungsbezogenen Wissen sowie den entsprechenden Fähigkeiten und der Motivation der einzelnen Menschen ab. Zum anderen sind die Gelegenheiten für Bewegung bedeutsam, die den Menschen in ihren verschiedenen Lebenswelten – z.B. in der Schule, im Betrieb oder im häuslichen Umfeld – geboten werden“ (Rütten & Pfeiffer, 2016). Dabei sollen auch die individuellen und strukturellen Rahmenbedingungen berücksichtigt werden. Brämer (2007) verweist auf unterschiedliche ethnologische Studien, die aufzeigen, dass die Menschen noch bis vor wenigen Jahrhunderten täglich wesentlich mehr Bewegung hatten als heute. Als Jäger und Sammler mussten sie zur Nahrungssuche durchschnittlich 20–40 km am Tag laufen. In den letzten Jahrzehnten bewegten sich die Bürger der Bundesrepublik Deutschland im Durchschnitt nur noch etwa 850 m täglich zu Fuß und legten etwa dieselbe Distanz mit dem Fahrrad zurück (Brämer, 2007). Lagerstrom (1983) vermutete bereits vor einigen Jahrzehnten den Bewegungsmangel als Ursache für etwa ein Drittel aller Zivilisationskrankheiten. Heute bewegen sich in Deutschland 29% der Menschen gut eine Stunde und länger per Rad oder zu Fuß, 32% eine halbe Stunde bis eine Stunde und 34% bis zu 30 Minuten. 75% der Westdeutschen und 86% der Ostdeutschen gehen jeden Tag an die frische Luft. In den neuen Bundesländern nutzen die Menschen mehr die Treppe anstatt den Aufzug. Die bewegungsfreudigsten Menschen leben in Nordrhein- Westfalen, die inaktivsten in Rheinland-Pfalz, in Hessen und im Saarland (TK-Bewegungsstudie, 2016). 2 5 Guthold et al. zeigen mit ihrer aktuellen Studie aus dem Jahr 2018, dass Bewegungsmangel in Ländern mit höherem Einkommen wesentlich häufiger vorkommt. Die Inaktivität variiert von Land zu Land zwischen 10% der Bevölkerung und über 50%. Am stärksten von Bewegungsmangel betroffen sind die Regionen Südamerika, Nordafrika und der Mittlere Osten. Die meiste Bewegung haben Bewohner ostasiatischer und osteuropäischer Gegenden. Dies lässt vermuten, dass eine höhere Infrastruktur des Landes eine geringere Aktivität der Einwohner zur Folge hat (Guthold, 2018). Kann mit Hilfe des Gesundheitswanderns dem Bewegungsmangel entgegengewirkt werden? Hottenrott, Müller und Schulze veröffentlichten 2015 ihre Pilotstudie Stärkung physischer und psychosozialer Gesundheitsressourcen durch Gesundheitswandern. Hierbei konnte durch die Einbindung anthropometrischer Parameter, einer Messung der Körperzusammensetzung, dem Einsatz von subjektiven Fragebögen und bewegungsspezifischen Assessments aufgezeigt werden, dass sich die Vitalität sowie das Wohlbefinden der Probanden verbesserten. Da dies die erste Studie zu diesem Thema war, möchte die aktuelle SRH Gesundheitswanderstudie die vorhandene Datenlage erweitern und neu evaluieren. Darüber hinaus werden bei dieser randomisierten Feldstudie noch weitere gesundheitliche Auswirkungen des Gesundheitswanderns untersucht. 2 Problemstellung und Hintergrund 6

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Abstract

Which specific effects can hiking for health reasons have on body and soul?

This question is at the center of the SRH Study of 2019, which included 59 participants during a period of 2 months. The result: hiking for health reasons is effective! It improves wellbeing, regulates blood pressure, builds up muscles and reduces body fat. Moreover, it motivates the participants to indulge in a more active lifestyle.

Björn Eichmann and Tobias Erhardt give their readers a glimpse into the current science and praxis of health hiking.

Zusammenfassung

Welche spezifischen Wirkungen hat Gesundheitswandern auf Körper und Seele?

Mit dieser Frage befasst sich die SRH Studie 2019, in die 59 Teilnehmer über einen Zeitraum von zwei Monaten eingebunden wurden. Das Ergebnis: Gesundheitswandern wirkt! Es steigert das Wohlempfinden, reguliert den Blutdruck, baut die Muskulatur auf und reduziert das Körperfett. Darüber hinaus motiviert es die Teilnehmer zu einem aktiveren Lebensstil.

Björn Eichmann und Tobias Erhardt ermöglichen den Leserinnen und Lesern einen Einblick in die aktuelle Wissenschaft und Praxis des Gesundheitswanderns.