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Björn Eichmann, Tobias Erhardt (ed.)

Gesundheitswandern, page 37 - 54

Auswirkungen auf das physische und psychische Wohlbefinden

1. Edition 2020, ISBN print: 978-3-8288-4452-0, ISBN online: 978-3-8288-7471-8, https://doi.org/10.5771/9783828874718-37

Tectum, Baden-Baden
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Ergebnisse Die wissenschaftliche Literaturrecherche führt mehrere Studien zum Thema Wandern auf: Hepperger et al. zeigen 2016, dass die Rehabilitation nach Totalendoprothese des Kniegelenks mithilfe von Wandern erfolgreicher sein kann als ohne sportliche Tätigkeit. Die Probanden erlangen schneller ihre gewohnte Lebensqualität und Funktion des Bewegungsapparates wieder. Jenkins et al. konstatieren 2017, dass Wandern aufgrund der motorischen Anforderung auf das Gleichgewichtssystem ein gewisses Risiko für Diabeteserkrankte darstellen kann. Diese vermeintlichen Gefahren bieten aber zugleich die Chance diese Funktionen zu verbessern. Im Gegensatz zu anderen Arten der Aktivität, bietet das Wandern durch den regelmäßigen Szenenwechsel und die Nähe zur Natur Vorteile für Körper und Seele. Studienteilnehmer während einer Gesundheitswanderung 5 Abbildung 22: 37 Sturm et al. zeigen 2012, dass regelmäßiges Wandern bei Suizidgefährdeten hilft, um die Suizidgedanken, Depressionen und Hoffnungslosigkeit zu senken. Zugehörigkeitsgefühl und physische Ausdauer sind bei diesen Probanden gestiegen. Die durchgeführte Studie zum Gesundheitswandern zielt auf kein spezielles Krankheitsbild ab, sondern überprüft ob Gesundheitswandern im Breitensport eine Empfehlung sein kann. Probandencharakterisierung Die teilnehmenden Probanden (n=50) können unter verschiedenen Gesichtspunkten charakterisiert werden: 21 Teilnehmer waren männlich, 29 weiblich. Das durchschnittliche Alter lag, mit einer Standardabweichung von ± 11,8 Jahren, bei 59,7 Jahren. 94 % der Teilnehmer waren 40 Jahre oder älter und 64 % aller Wanderer waren 60 Jahre oder älter. Die durchschnittliche Größe der Probanden betrug 169,3 cm. Die kleinste Person maß 149 cm, die größte 186 cm. Die Berechnung des durchschnittlichen Körpergewichts ergab 77,8 Kilogramm. Die Studienteilnehmer wurden in vier Gruppen aufgeteilt: In zwei Gruppen mit je 10 Wanderungen und in zwei Gruppen mit je 5 Wanderungen. Zu den Gruppen mit zehn Wanderungen gehörten elf Männer und 20 Frauen, zu denen mit 5 Wanderungen zehn Männer und neun Frauen. Das Durchschnittsalter der 10er Gruppen wurde mit 57,2 Jahren (± 11,9 Jahre) ermittelt. Das Alter der 5er Gruppen lag durchschnittlich bei 63,7 Jahren (± 10,4 Jahre). Die Durchschnittsgrö- ße der 10er Gruppen betrug 169,1 cm ( ± 9 cm), bei den 5er Gruppen lag es bei 169,6 cm ( ± 7,8 cm). Das Durchschnittsgewicht der 10er Gruppe ergab 76,8 kg (± 16,7 kg), das der 5er Gruppen lag bei 79,5 kg (± 14,7 kg). Veränderung der Körperzusammensetzung Mit Hilfe der BIA (Bioelektrischen Impedanz Analyse) werden Veränderungen der Körperzusammensetzung aufgezeigt. Veränderungen des BMI, des prozentualen und absoluten Körperfettanteils, der ge- 5.1 5.2 5 Ergebnisse 38 samten Skelettmuskelmasse und des viszeralen Fettlevels werden hier hervorgehoben. Veränderungen des BMI Der Body Mass Index (BMI) wird berechnet, indem das Körpergewicht durch die Körpergröße im Quadrat geteilt wird. Er dient zur Einschätzung des Körperfettanteils. Limitationen des BMI bestehen darin, dass die Knochenstruktur, der Fettanteil sowie die Muskelmasse nicht berücksichtigt wird (vgl. Rothmann, 2008). 58 % der Probanden reduzierten ihren BMI, 2 % hatten keine Ver- änderung, während bei 40 % der Probanden ein gestiegener BMI gemessen wurde. Im Mittel ist der BMI der Probanden um 0,16 (± 0,5) gesunken. Die maximale Reduktion des BMI lag bei 1,3, der maximale Anstieg bei 0,7 (p-Werte = n.s.). Veränderung des BMI Abbildung 23 zeigt die Unterschiede zwischen den Wandergruppen mit fünf Wanderungen und denen mit zehn. Die 10er Gruppen hatten anfangs einen Mittelwert von 26,7 (± 4,5), der sich auf 26,5 (± 4,4) reduzierte. Die 5er Gruppen hatten zu Beginn einen Mittelwert von 27,7 (± 5,2). Dieser senkte sich nach der Intervention auf 27,6 (± 5,2) ab. Eine Reduzierung des BMI wird häufig mit einem gesünderen Lebensstil in Verbindung gebracht. 5.2.1 Abbildung 23: 5.2 Veränderung der Körperzusammensetzung 39 Veränderungen des Körperfettanteils Das Körperfett dient vor allem als Energiespeicher und zur Wärmeisolation, kann jedoch auch Hormone und Vitamine bilden (Giebel, 2016). In Abbildung 24 ist ersichtlich, wie sich dieser Anteil der Probanden prozentual veränderte. 80% aller Gesundheitswanderer haben anteilig Körperfett verloren, 18% (n = 9) der Probanden nahmen an Fettgewebe zu. Bei 2 % (n = 1) der Testpersonen konnte keine Veränderung des Körperfettanteils festgestellt werden. Veränderung des prozentualen Körperfettanteils Bei den Veränderungen des prozentualen Körperfettanteils lag der Mittelwert bei -1,6% (± 2 %). Die maximale Reduktion wurde bei einem Probanden mit 5,9 % erfasst. Der größte Zuwachs an Körperfettgewebe lag bei 2,3 %. Die 10er Gruppe reduzierte ihren durchschnittlichen Körperfettanteil um -1,3% ( ± 2,1 %), und die 5er Gruppe verlor 2% ( ± 1,6 %; p<0,0001) an Körperfettgewebe. 5.2.2 Abbildung 24: 5 Ergebnisse 40 Veränderung des absoluten Körperfettanteils Abbildung 25 zeigt die Veränderungen des absoluten Körperfetts. 86 % der Probanden (n = 43) konnten Fettmasse verlieren und bei 14 % (n = 7) konnte eine Zunahme berechnet werden. Die Veränderung des Anteils liegt im Mittelwert bei -1,32 kg (± 1,5kg). Beide Gruppen veränderten sich unterschiedlich. Die 10er Gruppen konnten das Körperfett durchschnittlich um 1,3 kg (± 2,1 kg) senken, während die 5er Gruppen eine Reduktion von 1,6 kg (± 1,1 kg; p < 0,00001) aufzuweisen hatten. Diese Reduktion des Körperfettanteils kann sich positiv auf Beschwerden am Bewegungsapparat auswirken. Veränderungen des viszeralen Körperfettgewebes und des Bauchumfangs Viszerales Fettgewebe ist in der Bauchhöhle eingelagert. Es umgibt die inneren Organe, dient dem mechanischen Schutz der Verdauungsorgane sowie als Energiereserve bei Nahrungsmangel. Aufgrund der hormonellen Aktivität des viszeralen Fettgewebes erhöht sich bei Volumenzunahme das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes Mellitus Typ 2 (Anzelini, 2019). Das viszerale Fettgewebe ist insgesamt bei 44% aller Probanden gesunken. Bei 50 % (n = 25) der Studienteilnehmer blieb das viszerale Fettgewebe unverändert und bei 6 % (n = 3) war eine leichte Steigerung festzustellen. Folglich darf festgehalten werden, dass eine durch- Abbildung 25: 5.2.3 5.2 Veränderung der Körperzusammensetzung 41 schnittliche Reduzierung des viszeralen Fettgewebes von -0,4 cm signifikant ist (p<0,0001). Veränderung des viszeralen Körperfettgewebes Die Berechnungen zeigen eine starke positive Korrelation zwischen der Veränderung des viszeralen Fetts und des gesamten Körperfetts (Korrelationskoeffizient >0,7, p-Werte <0,00001). Die Probanden, deren viszerales Fettlevel am stärksten gesunken ist, haben den größten Verlust an Körperfett. Eine starke negative Korrelation besteht zwischen dem viszeralen Fettgewebe und der Skelettmuskulatur (Korrelationskoeffizient <-0,5, p-Werte <0,0001). Dadurch ist erkennbar, dass die Zunahme an Skelettmuskulatur mit der Abnahme des viszeralen Fetts in einer Wechselbeziehung stehen kann. Als abdominelle Adipositas wird die übermäßige Ansammlung von Fett im Bauchraum bezeichnet. Adipositas im Allgemeinen und vor allem die abdominelle Adipositas begünstigt dabei das Auftreten von kardiovaskulären Erkrankungen und ist ein unabhängiger Risikofaktor für die Gesamtmortalität (Kivimäki et al., 2017). Die Erfassung des Bauchumfangs, welche eine einfache und kostengünstige Methode zur Feststellung des abdominellen Risikos ist (Fang, Berg, Cheng & Shen, 2018), wurde auch bei dieser Studie angewandt. Die Referenzwerte hängen dabei von der Ethnie und dem Geschlecht der Person ab. Für Europäer gelten dabei Werte über 88cm bei Frauen und über 102cm bei Männern als ein deutlicher Risikofaktor (WHO, 2011). Abbildung 26: 5 Ergebnisse 42 Veränderung des Bauchumfangs In der dargestellten Graphik zum Bauchumfang ist ersichtlich, dass alle vier Gruppen ihren Bauchumfang im Durchschnitt reduzieren konnten. Im Mittel ist der Bauchumfang aller Probanden um 1,9 cm (± 7,96 cm; p = 0,051) gesunken. Die Reduktion des viszeralen Fettgewebes verringert das Risiko an Typ II Diabetes, Schlaganfall oder Herzinfarkt zu erkranken. Veränderungen der Muskelmasse Die Skelettmuskulatur erfüllt im menschlichen Körper essentielle Aufgaben. Dazu gehören exemplarisch die aktive Bewegung, die aufrechte Körperhaltung sowie die Produktion von Wärme (Huch, 2015). 72 % der Probanden konnten Muskelmasse aufbauen. Bei 2 % (n = 1) blieb die Muskelmasse unverändert und bei 26 % wurde eine, wenn auch zum Teil sehr geringe, Abnahme der Muskelmasse festgestellt. Im Mittelwert ergibt sich eine Zunahme der Muskelmasse von 0,84 kg (± 1,6 kg; p-Wert <0,001). Abbildung 27: 5.2.4 5.2 Veränderung der Körperzusammensetzung 43 Veränderung der Muskelmasse Auch hier konnten in den Gruppen mit 5 Wanderungen größere Ver- änderungen gemessen werden, da diese Gesundheitswanderer durchschnittlich 1,4 kg (± 1,4 kg) an Muskelmasse zunahmen. Bei den Gruppen mit 10 Wanderungen wurde eine Erhöhung der Skeletmuskulatur um 0,5 kg (± 1,6 kg) gemessen. Darüber hinaus bestehen Korrelationen zwischen den Veränderungen des absoluten Körperfettgewebes sowie der Skelettmuskulatur. Der BMI korreliert mittelstark positiv mit dem Körperfett (Korrelationskoeffizient >0,37) und etwas stärker mit der Skelettmuskulatur (Korrelationskoeffizient >0,51). Die stärkste negative Korrelation befindet sich zwischen den Veränderungen der Skelettmuskulatur und des Körperfetts (Korrelationskoeffizient <-0,58), denn 94,4 % aller Probanden, die an Muskelmasse aufgebaut haben, bauten ebenfalls Körperfett ab (p <0,02). Die Erhöhung der Muskelmasse belegt einen aktiven Lebensstil und wirkt dem im Alter einhergehenden Kraftverlust sowie dem Abbau an Muskelgewebe entgegen. Veränderungen des subjektiven Wohlempfindens Der Fragebogen zum allgemeinen habituellen Wohlbefinden FAHW (Wydra, 2014) umfasst 42 spezifische Fragen. Die Fragen beziehen sich auf das Wohl- und Missbefinden der Personen. Sie unterteilen sich in drei Bereiche, den körperlichen, psychischen und sozialen. Abbildung 28: 5.3 5 Ergebnisse 44 Strukturmodell des allgemeinen Wohlbefindens (aus Wydra, 2014) Aspekte des Wohlbefindens Aspekte des Missbefindens Körperlicher Bereich Zufriedenheit mit dem momentanen Körperzustand Körperliche Gebrechen und Schmerzen Psychischer Bereich Ruhe, Ausgeglichenheit und Vitalität Unsicherheit, Stress und Anspannung Sozialer Bereich Freunde haben, intaktes Familienleben, Eingebundensein in die soziale Gemeinschaft Einsamkeit und soziale Isolation, Enttäuschung über Mitmenschen Mithilfe des FAHW konnte bei der Gesundheitswanderstudie gezeigt werden, wie sich das subjektive Befinden der Probanden nach der Intervention verändert hat. Abbildung 29 stellt einen Vergleich zwischen den T0- und T1-Werten des FAHW dar. Zu sehen sind der Gesamtwert des allgemeinen habituellen Wohlbefindens sowie die körperlichen, psychischen und sozialen Werte. Im Mittelwert befanden sich sowohl bei T0, als auch T1 alle Gruppen bei einem durchschnittlichen Wohlbefinden. Veränderung des Wohlempfindens 70 % der Probanden hatten nach der Intervention ein höheres gesamtes Wohlbefinden, 4 % (n = 2) empfanden keine Veränderung Tabelle 1: Abbildung 29: 5.3 Veränderungen des subjektiven Wohlempfindens 45 und 26 % (n = 13) eine Verschlechterung. Der durchschnittliche Anstieg bezüglich des Wohlempfindens von 4,4 (± 12,4) bedeutet, dass sich alle Probanden durchschnittlich 9% wohler fühlten. In der Auswertung des FAHW-Fragebogens (vgl. Abb. 29) wird deutlich, dass sich die 5er Gruppe um 15% (+6,4; ±9) und die 10er Gruppe um 6% (+3,2; ±14) wohler fühlten. Über alle Gruppen hinweg wird deutlich, dass sich die drei Bereiche des FAHW-Fragebogens, nämlich das körperliche Wohlempfinden (Ø +2,6), das psychische Wohlempfinden (Ø +1,4) sowie das soziale Wohlempfinden (Ø +0,5) verbesserten. Tabelle 2 zeigt, dass vor allem die Personen mit einem zu Beginn der Studie „unterdurchschnittlichen“ und „stark unterdurchschnittlichen“ Wohlempfinden eine Verbesserung durch das Gesundheitswandern verspürten. Die Personen, die bereits zu Studienstart ein „überdurchschnittliches“ oder sogar ein „stark überdurchschnittliches“ Wohlempfinden angaben, konnten dies nicht noch weiter steigern. Prozentuale Verteilung der FAHW-Werte im Vergleich von t0 und t1 Bewertung T0 T1 stark unterdurchschnittlich 12 % (n = 6) 8 % (n = 4) unterdurchschnittlich 20 % (n = 10) 14 % (n = 7) durchschnittlich 36 % (n = 18) 46 % (n = 23) überdurchschnittlich 28 % (n = 14) 28 % (n = 14) stark überdurchschnittlich 4 % (n = 2) 4 % (n = 2) Veränderungen des Puls und des Blutdrucks Als Puls bezeichnet man die Druckwelle, die durch den Blutauswurf des Herzens während der Systole ausgelöst wird und kurzfristig eine Ausdehnung der Gefäße bewirkt. Der normale Ruhepuls bei Erwachsenen liegt zwischen 60 und 80 Schlägen pro Minute. Erhöhte Werte werden mit kardiovaskulären Risikofaktoren wie Übergewicht, Diabetes mellitus Typ II und Arteriosklerose assoziiert (Böhm, Reil, Deedwania, Kim & Borer, 2015). Tabelle 2: 5.4 5 Ergebnisse 46 Der gemessene Puls bei der Voruntersuchung ergab einen durchschnittlichen Wert von 73,2 bpm (± 9,65 bpm). Insgesamt hat der Großteil mit 73,5% aller Probanden einen normalen Ruhepuls. Lediglich bei 26,5% aller Testpersonen lagen die Werte höher. Bei der Abschlussmessung nach den Wanderungen lag der durchschnittliche Wert bei 73,5 bpm und somit auf einem vergleichbaren, wenn auch minimal höheren (+0,4%) Level als zu Beginn der Studie. Es kann somit festgehalten werden, dass die Beanspruchung des Herz- Kreislaufsystems während der Studienphase nicht ausgereicht hat um die Pulsfrequenz positiv zu verbessern. Hier wäre ein längerer Zeitraum der Studie oder eine höhere Trainingsdichte notwendig gewesen um diese Veränderung feststellen zu können. Der Blutdruck gibt den Druck auf die Gefäßwände des kardiovaskulären Systems an. Im Jahre 1999 veröffentlichte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Zusammenarbeit mit der International Society of Hypertension Referenzwerte zur Klassifikation des Blutdrucks und zur Definition der Bluthochdruck-Grade (Hypertonie Grad I, II und III): Klassifikation des Blutdrucks und Definition der Hypertonie- Grade (nach Williams et al., 2018) Kategorie Systolisch (mmHg) Diastolisch (mmHg) optimal < 120 und < 80 normal 120–129 und/ oder 80–84 hochnormal 130–139 und/ oder 85–89 Hypertonie Grad I 140–159 und/ oder 90–99 Hypertonie Grad II 160–179 und/ oder 100–109 Hypertonie Grad III ≥ 180 und ≥ 110 Während den Gesundheitswanderungen kam es zu Veränderungen des Blutdrucks: Bei Studienstart wurden 35% aller Probanden in der Kategorie „normal“ eingestuft. Zudem konnten 47% aller Teilnehmer der Kategorie „Grad I“ zugeordnet werden. Hier gab es deutliche Verbesserungen bei der Kontrollmessung, denn nach Abschluss der Studie konnten 53% aller Probanden der Kategorie „normal“ zugeordnet werden und nur 27% wiesen eine Hypertonie „Grad I“ auf. Tabelle 3: 5.4 Veränderungen des Puls und des Blutdrucks 47 Veränderung des Blutdrucks durch die Gesundheitswanderungen Veränderungen der koordinativen Leistungsfähigkeit Die motorische Grundeigenschaft der Koordination ist für das alltägliche Leben, das Zusammenspiel von sensorischen und motorischen Leistungen und das Steuern von Bewegung besonders relevant. Dabei reagiert der Übende auf immer wiederkehrende Komplexkonstellationen (Weineck, 2000). Da jede Bewegung eine bestimmte Ökonomie und Qualität hat, gilt sie als Fundament aller Leistungen des sensomotorischen Systems (Bertram & Laube, 2008). Schnabel et al. (2008) definieren die koordinativen Fähigkeiten als motorische Fähigkeiten, welche durch Prozesse der Bewegungsregulation bedingt sind. In der vorliegenden Studie wurde ein Teil der koordinativen Fähigkeiten mittels des Einbeinstandes getestet. Die Probanden positionierten sich zuerst 60 Sekunden auf dem linken-, im Anschluss 60 Sekunden auf dem rechten Bein. Die Auswertung ergab, dass beiden Gruppen mit dem linken Bein als Standbein etwas mehr Fehler unterliefen. Zum Start der Studie lag diese Quote bei durchschnittlich 1,6 Bodenberührungen, mit dem rechten Bein als Standbein ergab die Auswertung hingegen 1,1 Fehler. Abbildung 30: 5.5 5 Ergebnisse 48 Veränderung der Koordinationsfähigkeit Die Auswertung nach den Gesundheitswanderungen ergab mit dem linken Bein als Standbein nur noch durchschnittlich 1,4 und rechts 0,8 Fehler. Insgesamt wurden zum Studienstart 1,35 Fehler festgehalten. Zum Studienende wurden nur noch 1,1 Bodenberührungen notiert. Dies entspricht einer Verbesserung der koordinativen Leistungsfähigkeit von 18,5%. Aktivität der Studienteilnehmer 3 Monate nach Studienende Die Gesundheitswanderungen fanden zwischen dem in Abbildung 32 angegebenen Zeitraum t0 bis t1 statt. Drei Monate nach Studienende (Follow up), zum Messzeitpunkt t2, zeigt sich im Vergleich zum Zeitpunkt t1 ein um 8% gesunkenes Aktivitätslevel. Während der Gesundheitswanderungen haben sich die Teilnehmer aktiver gefühlt. Sie beantworteten die entsprechende Frage danach mit durchschnittlich 3,9 Punkten (von maximal 5,0) und fühlten sich um 18% aktiver. Abbildung 31: 5.6 5.6 Aktivität der Studienteilnehmer 3 Monate nach Studienende 49 Aktivitätslevel der Studienteilnehmer Auch drei Monate nach Studienende zeigt sich ein höherer Aktivitätslevel als zu Beginn der Studie. Denn zum Messzeitpunkt t2 waren, im Vergleich zum Messzeitpunkt t0, die Probanden noch 9% körperlich aktiver in ihrem Alltag. Bei der Follow-up-Befragung wurde auch erfragt, wie häufig die Studienteilnehmer noch wandern. Von 36 Teilnehmern gaben 31 Personen (86%) an, zweimal oder mehr pro Monat zu wandern (vgl. Abb. 33). Abbildung 32: 5 Ergebnisse 50 Aktivität der Wanderer – 3 Monate nach Studienende (Teil I) Da die geführten Wanderungen nicht mehr stattfanden, war es das Ziel dieser Befragung herauszufinden, mit wem die Probanden danach wanderten. Dabei wird deutlich, dass nur sechs Personen auch alleine auf Wandertour gehen. Der soziale Aspekt scheint beim Wandern stark verankert. Dabei zeigt sich, dass sehr gerne mit Freunden, dem Partner und der Familie gewandert wird. Auch das Wandern in Wandergruppen oder in einem Wanderverein scheint attraktiv zu sein und spricht zugleich auch für das vorhandene Angebot von Vereinen oder Sportgruppen. Abbildung 33: 5.6 Aktivität der Studienteilnehmer 3 Monate nach Studienende 51 Aktivität der Wanderer – 3 Monate nach Studienende (Teil II) Monitoring der Wanderstudie Bei der durchgeführten Wanderstudie wurden die Teilnehmer der 10 Wanderungen mit einem Bewegungssensor ausgestattet. Der Sensor (Polar, Vantage M) erfasste mit 24 Stunden Tragedauer die gesamte Aktivität des Tages. Die Akzeptanz, ihn in Form einer Uhr am Handgelenk zu tragen, war hoch. Er wurde regelmäßig an 28,7 Tagen pro Monat getragen, an 1,3 Tagen nicht. Die nachfolgende Abbildung 35 zeigt ein 24-Stundenprotokoll. Auf der X-Achse wird die Zeit, auf der Y-Achse die Aktivität abgebildet. Je höher der Ausschlag auf der Y-Achse, desto höher war auch die Aktivität. Somit sind die Ruhephasen und Aktivitäten deutlich zu erkennen. Abbildung 34: 5.7 5 Ergebnisse 52 24-Stundenprotokoll (eines Bewegungssensors) Bei der Auswertung des Sensors können die tägliche Schrittanzahl, die zurückgelegten Kilometer oder der Kalorienverbrauch ausgelesen werden. Besonders interessant ist die Einstellung des Aktivitätswertes. Die Bewegungen im Alltag lassen sich in fünf Kategorien abbilden (vgl. Abbildung 36): 1. liegend 2. sitzend 3. stehend 4. in Bewegung 5. kontinuierliche Bewegung oder intensive Bewegung Überblick der Aktivitäten eines Probanden (mittels Bewegungssensor) Abbildung 35: Abbildung 36: 5.7 Monitoring der Wanderstudie 53 Durch den integrierten GPS-Sensor ist das Auslesen der unterschiedlichen Wandertouren möglich. Exemplarisch die folgende Auswertung der Gesundheitswanderung vom 3.7.2019: Im Zeitraum von 1:24 h wurden 3,49 km gelaufen. Bei dieser Wanderung verbrauchte der Proband 354 kcal und hatte eine durchschnittliche Herzfrequenz von 83 Schlägen pro Minute. Maximal beanspruchte sich der Proband mit 128 Pulsschlägen pro Minute. Die GPS-Auswertung ermöglicht die Rekonstruktion des exakten Verlaufs der Gesundheitswanderung. Datenansicht einer GesundheitswanderungAbbildung 37: 5 Ergebnisse 54

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References

Abstract

Which specific effects can hiking for health reasons have on body and soul?

This question is at the center of the SRH Study of 2019, which included 59 participants during a period of 2 months. The result: hiking for health reasons is effective! It improves wellbeing, regulates blood pressure, builds up muscles and reduces body fat. Moreover, it motivates the participants to indulge in a more active lifestyle.

Björn Eichmann and Tobias Erhardt give their readers a glimpse into the current science and praxis of health hiking.

Zusammenfassung

Welche spezifischen Wirkungen hat Gesundheitswandern auf Körper und Seele?

Mit dieser Frage befasst sich die SRH Studie 2019, in die 59 Teilnehmer über einen Zeitraum von zwei Monaten eingebunden wurden. Das Ergebnis: Gesundheitswandern wirkt! Es steigert das Wohlempfinden, reguliert den Blutdruck, baut die Muskulatur auf und reduziert das Körperfett. Darüber hinaus motiviert es die Teilnehmer zu einem aktiveren Lebensstil.

Björn Eichmann und Tobias Erhardt ermöglichen den Leserinnen und Lesern einen Einblick in die aktuelle Wissenschaft und Praxis des Gesundheitswanderns.