Anhang in:

Thomas Arnold

Zwischen Fachlichkeit und Fremdbestimmung, page 229 - 296

Eine rekonstruktive Annäherung an Soziale Arbeit in Suchtberatungsstellen

1. Edition 2020, ISBN print: 978-3-8288-4453-7, ISBN online: 978-3-8288-7470-1, https://doi.org/10.5771/9783828874701-229

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Soziale Arbeit, vol. 5

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
229 Anhang 1. Interviewleitfaden 2. Interviewtranskription IP3 3. Interviewtranskription IP1 4. Interviewtranskription IP5 230 Anhang 1: Interviewleitfaden Die Unterkapitel gliedern die inhaltliche Erwartung an die Gesprächsinhalte. Die formulierten unterstrichenen Fragen dienen als gesprächsgenerierender Leitfaden, die ggf. durch gezieltes Nachfragen (z. B. mit Hilfe der nicht unterstrichenen Fragen) weiter präzisiert werden können. Gesprächseinstieg Wie kam es, dass Sie zur Suchthilfe gekommen sind? Was sind ihre Aufgaben hier? Welche anderen Aufgaben gibt es hier noch? Was sind Ihre Aufgaben hier? Gibt es noch andere Aufgaben? Wer nimmt die wahr? Tätigkeitsleitende Haltung insbes. gegenüber den Klienten Klienten Wie würden Sie ihre Klienten beschreiben? Was für Probleme haben die Klienten? Was leitet Sie in ihrer Arbeit? Was sind Herausforderungen? Gestaltung eines Arbeitsbündnisses Wie kommen die Klienten zu Ihnen Was tun Sie mit ihren Klienten? Was ist auf jeden Fall zu tun und was ist auf jeden Fall zu vermeiden? Wann und wie beenden Sie einen Kontakt? Anhang 231 Wissensbasis Was qualifiziert Sie für diese Arbeit? Was von dem, was Sie hier machen, haben Sie wo gelernt? Was brauchen Sie noch? Welches sind zentrale (Wissens-)Quellen für ihre Arbeit? Das Spezielle der Sozialen Arbeit in der ambulanten Suchthilfe Wenn Sie jemanden einstellen, was muss der auf Jeden Fall mitbringen und was würde sie erschweren? Was ist für Sie typisch sozialarbeiterisch? Was da von findet sich hier? Wie sehen Sie sich in ihrer fachlichen Rolle auf politischer und kooperativer Ebene? (Mehrebenenansatz der sozialen Arbeit)? Erfolg und Qualität Wie wird Erfolg definiert? Wie sehen Sie das, wie sehen andere das? Welche sozialarbeiterischen Handlungen tragen zu bei? Was ist für Sie Qualitätsvolle (Soziale) Arbeit? Wie kann diese ermöglicht werden? Was befähigt die Institution, dass diese Arbeit geleistet werden kann? Sehen das alle im Team so? Was unterscheidet soziale Arbeit von anderen professionellen Helfern im Feld der ambulanten Suchthilfe? Gesprächsende Was ist ihnen wichtig in ihrer Arbeit? Was möchten Sie noch sagen? Anhang 1: Interviewleitfaden 232 Anhang 2: Interviewtranskription IP3 Transkriptionsregeln in Anlehnung an Bohnsack, 2003 //mhm// Hörersignal (.) Pause,ca 1 Sek (.)(.)(.)(.) Pause ca 4 Sek ┘ Überlappendes Sprechen am Ende └ Überlappendes Sprechen am Anfang @(.)@ kurzes Auflachen S.I.: Wie Sind Sie zur Suchthilfe gekommen, wie kam das eigentlich? #00:00:40–6# IP3: Ja(.)das ist, das ist glaub ich gar nicht so einfach zu beantworten. Also ich hab mich für Sozialarbeit erst so über Umwege, weil ich auch nicht so genau wusste was ich machen sollte und bin dann quasi erst so zum Ende des Studiums so in die Suchthilfe geraten. Ich hab die Diplomarbeit über Straßenprostituierte in X geschrieben und das fand ich (.) äußerst spannend erst mal in dem Feld zu gucken, weil wir mit vielen Hilfsorganisationen da zusammengearbeitet haben. Interviews geführt haben, mit verschiedenem Klientel und darüber hab ich so – son bisschen Einblicke bekommen und hab mich dann direkt auch für das Anerkennungsjahr in der Suchthilfe entschieden und bin bis heute dabei geblieben.((lacht)) #00:01:32–9# S.I.: und waren Sie schon immer nur in dieser Einrichtung oder waren Sie auch in anderen Einrichtungen? IP3: Ne ich war auch in anderen Einrichtungen. Also ich hab eigentlich einmal so die Behandlungskette durch, wenn man das so sagen kann@(.)@ Also ich hab angefangen im Anerkennungsjahr inner Entgiftung – qualifizierte Entgiftung für Kinder und Jugendliche, bin dann inner Beratungsstelle gewesen, die eher aber auch nieder- Anhang 233 schwellige Arbeit angeboten hat mit som Treffpunktcafé ähm(.) hab dann(.)ähm(.) inner Fachklinik für Alkohol- und Medikamentenabhänge, hab da auch ne therapeutische Zusatzausbildung gemacht in der Zeit und bin jetzt seit gut drei Jahren hier in der Beratungsstelle. S.I.: //mhm// was sind jetzt hier ihre Aufgaben hier in der Beratungsstelle? #00:02:11–0# IP3: Vor allen Dingen Beratung. Also es geht darum, (.)ähm Erstgespräche zu führen Klienten, erstmal natürlich zu schauen im im Ersten, wo wo stehen sie, wo wo wo wollen sie auch hin, woher kommen sie denn, zu klären was notwendig, Vermittlung, also Vermittlung natürlich auch je nach dem wohin, also kommt auf die Problembereiche an: Entgiftung, in Therapien je nachdem wie die Problemfelder sind auch Schulden, Jugendamt manchmal auch in die Richtung. Wir haben aber auch sone Art dauerhafte Betreuung, das heißt Klienten, die schon sehr lange da sind oder vielleicht auch chronifizierter sind als andere, da ne langfristigere Begleitung anzubieten also bisschen differenzierter noch von Beratung sondern wirklich eher in die Begleitung vielleicht auch schon n Stück weit niedrigschwelliger zu gucken, nicht immer so den ähm abstinenzorientierten Fokus zu haben also manchmal wirklich da gehts wirklich auch wirklich auch um Schadensreduzierung. #00:03:27–2# S.I.: Ahja Gibts hier in der Beratungsstelle auch noch andere Aufgaben als das was Sie jetzt beschrieben haben? #00:03:33–2# IP3: Ja es gibt die ambulante Reha noch.(.) Also als ein ein wichtigen Bereich auch. Also zwei Mitarbeiter führen hier die ambulante Reha durch. Wir haben zwei Gruppen im Moment, eine in Y. eine in Z. Sonst sind wir(.) vorrangig für die Beratungsarbeit zuständig. #00:03:52–6# S.I.: Und wie unterscheidet sich die ambulante Reha von der Beratungsarbeit? Was würden Sie sagen sind die prägnantesten Unterscheidungsmerkmale? #00:03:57–7# Anhang 2: Interviewtranskription IP3 234 IP3: ähm(.)Also erstmal ist das Setting n‘ anderes, weil Beratung findet in der Regel im Einzelgespräch statt.ähm Ambulante Reha ist ausschließlich in der Gruppe mit begleitenden Einzelgesprächen aber natürlich der Fokus in der Gruppe ähm Ich sag mal ambulante Reha geht n Stück weit tiefer in den Gesprächen. Also da gehts wirklich nochmal um vielleicht auch so analytische Aspekte. Nochmal so zu gucken auch so biographische Zusammenhänge zu gucken, Übertragung, Gegenübertragung mit rein zu bringen. Son Stück weit vielleicht auch noch mal deutlicher in die Muster der Klienten zu gehen, auch in die Suchtmuster und in die Suchtsysteme des Klienten zu gehen. (.) Beratung ist eher wenn die Klienten zum ersten Mal kommen, auch sone Klärungs ja sone Klärungs- und Informationsvermittlung auch eher, wobei wir vielleicht, also ich würd schon fast sagen bisschen anders als auch andere Beratungsstellen arbeiten schon auch äh(..) mh (.) also ich sag mal so therapeutische Aspekte lassen sich ja eh nicht ausklammern, aber schon auch son anderen Blick haben, weil wir auch alle ne therapeutische Zusatzqualifikation noch haben. Also vielleicht da noch mal an der Stelle nochmal (.) nochmal anders gucken. #00:05:18–9# S.I.: Könn Sie das vielleicht an nem Beispiel nochmal deutlich machen, was Sie meinen mit „anders gucken“? #00:05:22–5# IP3: @(.)@ #00:05:24–2# S.I.: Also ich hab verstanden, es ist nicht so oberflächlich sag ich mal, es geht auch schon in die Tiefe, aber anders in die Tiefe als bei der ambulanten Reha, das hab ich so verstanden. #00:05:31–0# IP3: Also ich hab auch schon mal in ner anderen Beratungsstelle gearbeitet wo es wirklich rein um Kontakt – was wollen Sie und Vermittlung ging. Also so ne es ist natürlich auch immer sehr mitarbeiterspezifisch auch aber wir gucken schon sehr genau, was bieten wir auch an und prüfen auch genau, was in Frage kommt und wenn wir anderer Meinung sind als die Klienten dann gehen wir auch schon Anhang 235 mit in die Auseinandersetzung und die Diskussion, das ist für viele ja auch schon ne ne mit ne Hürde, weil das vielleicht auch schon (.) (.) auch schon(.)Dinge sind, die die ähm die ihnen schwer fallen. Es geht nicht einfach nur darum ne Entscheidung zu treffen, sondern son Stück auch weit zu gucken (.) auch wo (.) wie sind Sie denn zu dem Mensch geworden, der Sie nun auch heute sind(.)(.) vielleicht auch Stück weit auch nach Ressourcen zu gucken, aber genauso gut nach den nach den Schwierigkeiten zu gucken, wo können wir da ansetzen. Es geht nicht rein zu gucken ok – Problem und das greifen wir an.@(.)@ sag ich mal so Also Schulden und ähm und ist nun mal ne Folge des Konsums und dann schicken wir ihn mal in die Schuldnerberatungsstelle. Wir gucken, vielleicht n Stück weit dahinter. Ich weiß nicht #00:06:53–5# S.I.: Auch son Muster so ne Mustererkennung versuchen, warum passiert das immer mit den Schulden zum Beipiel (.)(.) #00:07:00–7# IP3: //mhm// Auch so, so das System nochmal mit anzugucken. Ich glaube das ist nochmal auch n Stück weit mit wichtig. Wir gucken sehr was sind auch so Ressourcen: im Umfeld, im sozialen Umfeld, in der Familie aähm oder anderweitig zu gucken, ok was können die für sich auch nutzen. Wir sind , wir legen sehr viel Wert auf Beziehungsarbeit #00:07:26–2# S.I.: //mhm// jaha ok. Wir waren ja gestartet mit der Frage so was ist der Unterschied zwischen ambulanter Reha und Beratung, da haben Sie gesagt, ambulante Reha geht tiefer, geht mehr in die Muster ähm meinen Sie das geht mehr intrapsychisch, auf die psychische Ebene während Beratung mehr das Umfeld, das Ganze bezieht, kann man das so sagen oder ist das noch was anderes? #00:07:52–6# IP3: Ja ich glaube Beratung ist ja erstmal so zu gucken, ok. wer sitzt da überhaupt vor mir? Was bringt der mit, also erstmal son Blick drauf zu verschaffen, um (.)(.)(.) ja ich glaube auch so die verschiedenen Aspekte und Lebensbereiche mit anzuschauen. Das hört sich Anhang 2: Interviewtranskription IP3 236 Anhang jetzt wirklich sehr theoretisch an, also wer sitzt da eigentlich vor mir, was bringt der mit und was fehlt vielleicht auch. #00:08:28–0# S.I.: So den ganzen Menschen mit all seinen Lebensbereichen anzuschauen, #00:08:32–6# IP3: Jaha soweit er bereit ist, das auch mit uns zu erleuchten. #00:08:38– 8# S.I.: Ja ok, das ist ja ne Frage des Prozessen und der Beziehung oft auch, oder? #00:08:39–7# IP3: Also ich glaube die Beratung unterscheidet sich son Stück auch, wir gucken, wir ertasten erstmal @(.)@ Ähm wobei es in der Reha schließt sich das nicht aus, aber in der Reha gehts dann einfach ‘n Schrittchen therapeutischer zu und intensiver zu in der Auseinandersetzung.(.)Vielleicht auch n Stück konfrontativer kann man vielleicht auch in dem Felde sagen. #00:09:08–4# S.I.: In der Reha gibts ja n klares Ziel: Abstinenzorientierung #00:09:12– 6# IP3: Ja – Reha ist natürlich auch noch mal, Reha ist ganz klar Abstinenz. Voraussetzung erst mal für die Reha und natürlich auch Ziel. #00:09:21–2# S.I.: Ah ja – ja (.)(.) Das es geht darum ein bestimmtes Verhalten zu stabilisieren in der Reha #00:09:27–2# IP3: Oder herbeizuführen, viele sind ja noch nicht stabil abstinent. #00:09:31–4# S.I.: Ja ok – aber zu stabilisieren, während in der Beratung ist erstmal alles möglich an Ambivalenz #00:09:41–5# IP3: Na ja, die bringen ja ihre Ambivalenz mit , die dürfen ja erstmal alle kommen, so wie sie sind, und die dürfen so sein, wie sie sind. Das ist ja in der Reha erstmal auch nicht anders. Aber ich finde das ganz schwierig zu erklären, was so die die ähm(.)(.)(.)(.)(.) Ich würd son Stück weit auch mal sagen, das ist so hier die Vorarbeit(.) (.) #00:10:24–8# 237 Anhang 2: Interviewtranskription IP3 S.I.: Jaha(.)(.)(.)sehen die Art und Weise der Hilfe, wie Hilfe passieren kann, hinzuführen, damit sie bereit sind IP3: Jaaa genau R.H.: Etwas lineareren Prozess, nen zielfokussierteren Prozess in Richtung Stabilisierung der Abhängigkeit, könnte man das so sagen? IP3: Ja, das kann man schon so sagen. Es geht natürlich auch zu gucken, also in der Beratung gucken wir erst mal was wollen die Menschen (.) und wollen sie denn überhaupt Abstinenz. Ist das denn überhaupt vorstellbar und das ist natürlich bis die ambulante Reha anfängt schon abgeklärt weil sonst zum Beispiel, ambulante Reha können wir sonst gar nicht durchführen. Also wenn die Motivation und der Abstinenzwille nicht gefestigt ist ähm dann bieten wir keine ambulante Reha an, dann bieten wir vielleicht andere Möglichkeiten an oder ne langfristige Betreuung um vielleicht dahin zu kommen, aber das ist schon die Bedingung dafür und das ist ja erstmal in der ersten Klärungsphase, wenn man an die Klienten denkt, die so es erste kommen. Wir haben ja viele Klienten, die immer wieder kommen aber so an die ersten kommen, dann gehts erstmal darum, zu prüfen, wo stehen die denn überhaupt, was bringen die mit, sind die überhaupt freiwillig hier, kommen die auch geschickt ähm was ist sone Eigenmotivation und wo soll denn die Reise hingehen. Manche wollen ja auch einfach nur ihr Gespräch hier absolvieren, damit sie die Terminbestätigung bekommen und sie dann wieder gehen können. Da gehts überhaupt nicht um ne Veränderung. #00:11:43–9# S.I.: //mhm// (.) und das dürfen die auch? #00:11:46–1# IP3: Ja((lacht)) Dann sind se ja schon hier. ((lacht)) Dann sind se schon hier. Also wir machen nicht sowas, dass wir sagen ok nur weil Sie ihre Terminbescheinigung brauchen bieten wir ihnen jetzt mal fünf Gespräche oder n halbes Jahr Gespräche an, wenn das Ihre Auflage ist sondern wir ähm gucken schon, was steckt denn auch dahinter. Ist da irgendein Wunsch auch sich überhaupt mit der Abhängig- 238 keit oder mit der Suchtproblematik überhaupt zu beschäftigen. Sonst beenden wir das auch. Dann sagen wir: Das ist nicht das passende Angebot für Sie. #00:12:20–8# S.I.: Also das gibts auch, dass Sie Kontakte beenden? #00:12:23–0# IP3: Ja, das gibts auch, das gibts auch((lacht)) #00:12:27–7# S.I.: wenn jemand gar keine Kooperation zeigt oder irgendwie gar nicht äh #00:12:34–1# IP3: nichts für sich erreichen will und auch bezüglich dem Thema und dem Leben was verändern will und also dann(.) dann(.) können wir nichts für diese Menschen tun. #00:12:40–6# S.I.: //mhm// ja ok ähm was würden Sie denn sagen, was Ihre Klienten haben die oder wenn Sie mal Ihre Klienten beschreiben würden, was haben die für Probleme(.) so was sind das für Menschen, kann man die einteilen in Typen vielleicht oder(.) vielleicht kann man sie auch nicht einteilen. (.)(.) #00:13:08–1# IP3: (.)(.)(.)(.)(.) Also es gibt mit Sicherheit ähm(.)(.) ich meine so von den Eigenschaften her, was bringen die so mit, geht da die Frage hin? #00:13:30–5# S.I.: //mhm// jaha, wenn Sie mal ihre Klienten beschreiben, würden, für jemanden, der das gar nicht kennt, was sind suchtkranke Menschen, sind die anders als Andere? #00:13:38–2# IP3: (.)(.) Also ich würd jetzt sagen, also wenn die mir jetzt auf der Straße begegnen würde ich die nicht unterscheiden können, wer ist suchtkrank und wer nicht, da gibts natürlich Besonderheiten wo man zum Beispiel deutlich erkennt ne aber so auf den ersten Blick gibts natürlich keine Erkennungsmerkmale, ausser der Bierflasche in der Hand, die sehr offensichtlich ist, dass jemandem ansieht, der suchtkrank ist. Wenn man natürlich in die Arbeit geht, kriegt man häufig, kriegt man häufig schon auch n also ist die Kontaktfähigkeit, ist häufig eingeschränkt also es fällt ihnen schwer erstmal überhaupt hier hin zu kommen, ein Erstgespräch wahrzunehmen, sich hier zu Anhang 239 öffnen, überhaupt ehrlich zu sein, sich dem(.) sich dem überhaupt zu stellen , sich der Problematik zu stellen ähm also vielleicht auch deutlich mehr Defizite, vielleicht als andere in der Wahrnehmungsfähigkeit. Also sich überhaupt, was fühle ich, was kann ich überhaupt fühlen und wie drücke ich das im Grunde aus.(.)(.)(.) Sie sind alle so unterschiedlich, ich kann das schwer über einen Kamm scheren, natürlich gibt es ne gibt es ähm also Menschen, die zu uns kommen, sind noch nicht so tief in der Sucht drin, trinken noch nicht so lange noch nicht so exzessiv ähm die wirken sehr gesund. Andere Menschen, da ist wirklich ne deutliche Chronifizierung so im Suchtverlauf zu erkennen, die auch deutliche Störungsbilder mitbringen. Also sowohl suchtkrank sind und das find ich häuft sich immer mehr, das sowohl ich sag mal diese normalen Alkoholiker, die haben wir kaum noch, die Alkoholiker sind und nicht noch ne zusätzliche psychische, psychiatrische Erkrankung haben, die nicht schon weit fortgeschritten vielleicht auch körperlich beeinträchtigt sind, wo das Familiensystem mindestens am Bröckeln ist oder nicht mindestens am Bröckeln ist oder das natürlich so ne Problemmengelage, die die häufig mitbringen. Also vielfältig, also das sind häufig so vielfältige Probleme, die die mitbringen. Mit dem, dass sie natürlich die Schwierigkeit haben, sich überhaupt erstmal einzugestehen, das sie n Problem haben, weil die wenigsten kommen zu uns hin und sagen: OK Ich glaube ich bin suchtkrank und jetzt will ich mal was dagegen unternehmen und zwar noch mein Leben lang abstinent sein. Das ja am allerwenigsten der Fall. #00:16:24–0# S.I.: Und diese Selbstwirksamkeitserwartung, dieses „Ich schaff was“ könnte ich mir vorstellen, dass da vielleicht auch ähm ne Problembereich ist? Soziale Netze haben Sie gesagt sind schwierig, psychiatrische Erkrankungen können auch sein, sind häufig und so „ich trau mich nicht was zu sagen, mir einzugestehen..“, weil das heißt ja auch „ich gestehe mir meine Hilflosigkeit ein“, oder? #00:16:50–5# Anhang 2: Interviewtranskription IP3 240 IP3: Jaha genau, ja das ist nämlich besonders schwierig. Erst mal überhaupt an den Punkt zu kommen, dass ich Hilfe annehme und das ist, also die müssen schon ne deutliche Hürde übernehmen, um überhaupt erstmal hierhin zu kommen und die meisten haben ja auch schon einen langen Weg schon hinter sich bevor sie überhaupt hierher kommen. #00:17:11–9# S.I.: Was sind so Herausforderungen in ihrer Arbeit, was würden Sie sagen, ist an dieser Arbeit, die sie hier tun mit den Menschen, die sie gerade beschrieben haben,herausfordernd, gibt es da Herausforderungen? #00:17:25–4# IP3: Ich glaube, ich finde meinen ganzen Job herausfordernd ((lacht)) Ich finde es fängt schon damit an, dass so viele verschiedene Personen kommen. Also dann hab ich morgens um 09.00 Uhr n 16jährigen Jugendlichen, der dauerhaft Cannabis konsumiert aber eben nichts verändern will. Dann habe ich ne Stunde später, ich sag n 50 -jährigen, der wirklich schwerwiegend depressiv ist und ähm Alkohol als Selbstmedikation einsetzt. Dann hab ich jemanden geschickt von der Bewährungshilfe, der will auch nichts. Dann habe ich die ängstliche Person, mit der ich erstmal vorher erstmal telefoniere, ob sie es überhaupt schafft, heute zum Gespräch zu kommen. Also das ist schon, das ist schon sehr besonders und das glaube ich ist auch die Herausforderung ähm kein Tag ist wie der andere ähm (.) kein Gespräch verläuft wie das andere. Es ist nichts vorhersehbar. Also kein Tag, kein Gespräch ist irgendwie vorhersehbar, weil man gar nicht weiß, was bringen die Leute mit und was ist vielleicht auch passiert und ähm herausfordernd find ich, dass also wenn ich so auf so ne einzelne Person gucke, wie kann ich denn, äh wie kann ich den denn unterstützen, in dem was er auch kann und was er auch will also, den ein Stück weit an die Hand zu nehmen, zu begleiten oder auch einzuladen auch, auch jeden für sich einzuladen ist schon ne Herausforderung. #00:19:03–4# Anhang 241 S.I.: Wie schaffen Sie es denn mit dieser Herausforderung umzugehen, denn Sie machen das ja schon ne ganze Weile? Was leitet sie da, was ist da wichtig? Was braucht man da um mit diesen Herausforderungen umzugehen? #00:19:20–4# IP3: Ich glaube, man brauch erst mal ne ganze Menge Lust auf diese Arbeit @(.)@ Ich glaube sonst gehts überhaupt gar nicht. #00:19:34–5# S.I.: Lust an den Menschen? #00:19:39–2# IP3: Lust an den Menschen ja genau, überhaupt zu arbeiten, Lust sich mit schwierigen Bereichen mit schwierigen Menschen auch auseinanderzusetzen ähm(.) Ich glaube es ist ganz wichtig, dass man nicht nur die Probleme sieht, sondern den Menschen, was bringt der mit und was kann der auch, weil sonst, wenn man nur so defizitorientiert arbeitet, wird denk ich schwierig und auch für einen selber, weil man dann, ne, ich glaube auch die Erfolgsmessung(.) Ich werd ja ganz oft gefragt: „Ja und wie ist denn so die Rate oder so die@(.)@ der Erfolgsquotient?“ Dann frag ich immer: „ Ja worauf den bezogen?“ „Ja wie, dass sie’s packen“ Aber das ist ja gar nicht unbedingt unser Ansatz sofort ne lebenslange Abstinenz mit dem zu erarbeiten. Das steht ja, wenn überhaupt ganz am Ende des Weges. Sondern es geht ja erstmal, ne vielleicht ne Kurzfristige Abstinenz, vielleicht manchmal nur erst ne Reduzierung und das n’ Stück weit mit herauszufinden und zu gucken, ok. wo ist denn bei jedem Einzelnen der Erfolg. Ist es schon ein Erfolg, wenn die überhaupt hier herkommen, ist es schon ein Erfolg, wenn sie überhaupt ehrlich sind. Ich glaube, daran misst son bisschen der…Ich glaube es geht so um @(.)@ n Minimalerfolg #00:20:58–2# S.I.: Aber das heißt doch, wenn Sie das so sagen, Erfolgskriterien sind individuell anzulegen bei jedem einzelnen Klienten. Da gewinne ich jetzt so grade den Eindruck, dass es schon durchaus sehr erfolgreich ist, sein kann mit den Menschen zu arbeiten, wenn jeder bestimmte Dinge erreichen kann, oder, habe ich das falsch verstanden? #00:21:18–9# Anhang 2: Interviewtranskription IP3 242 IP3: Ja, ich glaube, jeder nimmt auf seine Art und Weise auch was mit. #00:21:26–8# S.I.: Jaha die Frage ist ja man kann in einem Beruf nur lange arbeiten, wenn man auch Erfolg hat, oder erfolgreich ist #00:21:51–4# IP3: Ja ich glaube, wenn man so sieht wie Einzelne auch so Fortschritte machen, so Fortschritte muss man immer gucken, was das ist und (.) (.)(.)(.) ich weiß jetzt nicht , ob man sagen kann, das erfüllt einen, das wäre jetzt n bisschen zu hoch gegriffen, aber (.)(.)(.)(.) #00:22:15–9# S.I.: aber das ist vielleicht Erfolg, jemanden dabei zu unterstützen, seinen Weg zu finden, kann man das so sagen, #00:22:19–2# IP3: Ja ich glaube, die Herausforderung ist einfach ganz speziell zu gucken, wie man mit jedem Einzelnen so den Weg findet und ob man ihn natürlich auch findet.(.)(.)(.) Wie man jeden auch so erreichen kann, einladen kann, ich glaube das ist auch noch mal so. #00:22:36–3# S.I.: Sie haben gesagt, was brauch man so um diese Herausforderungen zu bewältigen, ganz viel Lust auf Menschen, ähm ihnen helfen zu wollen, das ist sowas altruistisches, gibts noch andere Faktoren, die man braucht, die einen befähigen soetwas zu tun, ich frag einfach mal, welche Rolle spielt Wissen? #00:22:56–9# IP3: Ja ne ganz große Rolle, denk ich. Obwohl nicht die größte Rolle denk ich, ich denke so, natürlich muss man über die Krankheit Bescheid wissen, über Zusammenhänge, über Systeme, ähm medizinischer Art, sozialarbeiterischer Art. Also ich glaube das ist glaube ich schon wichtig. Ich weiß zum Beispiel, über manche Drogen da weiß ich die genaue Zusammensetzung nicht, und ich informier mich auch nicht drüber, aber ich merke, das muss ich auch nicht wissen. Es geht glaube ich eher um son Wissen, ähm ja vielleicht auch Information, son Wissen um Menschen. #00:23:45–8# S.I.: OK. können sie das son bisschen beschreiben? #00:23:46–6# IP3: Ja@(.)@ das ist jetzt echt schwer.((lacht)) #00:23:54–3# Anhang 243 S.I.: Nehmen Sie sich ruhig Zeit, das finde ich jetzt grad n ganz spannendes Thema. #00:23:55–6# IP3: //mhm// Also ich denke (.)(.)(.)(.)(.)(.)(.) Ich glaube, ähm das finde jetzt grad ganz schwierig. (.)(.)(.) Ich glaub das hat mit Lust und Interesse, sich mit Menschen zu beschäftigen zu tun. Das hat ähm (.) (.)(.)(.)(.)(.)(.)ich weiß nicht eher das Wissen um, wie baue ich Beziehungen auf, aber das kann man ja nicht theoretisch – ich glaube das ist auch son bisschen ne Typfrage, also. Kann ich das, bring ich das mit, kann ich Menschen einladen oder auch nicht, das ist eher das Wichtigste. Natürlich ist es manchmal wichtig auch das SGB II zu kennen, aber dann hilfts manchmal auch nur, wenn ich weiß, wo ich das nachlesen kann oder wo ich Menschen finde, die das brauchen. Ich glaube ein wichtiger, ganz wichtiger Aspekt ist ein Netzwerk zu haben, ähm auch hier innerhalb des Teams, auch hier ein relativ gut funktionierendes Team zu haben. Mir ist das besonders wichtig, mit ner wirklich wohlwollenden Atmosphäre. #00:25:18–9# S.I.: //mhm// #00:25:24–8# IP3: Das ist natürlich nicht immer der Fall, aber das erleichtert mir n Stück weit meine Arbeit, wenn ich weiß ok wenn ich mal nicht weiterkomme, kann ich mir Hilfe holen oder muss vielleicht auch mal was loswerden, also sone Psychohygiene auch für sich, son Rückhalt auch zu haben, das ist mir auch noch mal wichtig. #00:25:43–3# S.I.: Spielt das Team beim Wissen auch ne Rolle? #00:25:47–6# IP3: Ja also wenn man mal nicht weiterweiß, Gerade auch gestern noch Supervision also wenn man wirklich manchmal auch so auf der Stelle tritt oder so ne, meint nicht weiterzukommen mit dem Klienten oder zu merken ok, da passiert gerade irgendwas mit mir, da bin ich nicht so neutral, wie ichs sonst mal wäre, oder nicht so mit ner gesunden, neutralen Distanz, wie auch immer. Dann ist schon auch wichtig sich rückzuversichern. Und vielleicht auch nicht nur im eigenen Team sondern eben auch vielleicht auch n Arzt zu haben, den Anhang 2: Interviewtranskription IP3 244 man nachfragen kann, vielleicht auch mit psychiatrischem Wissen zu haben, um aber auch sowohl in der Entgiftung, wie Systeme laufen. #00:26:31–9# S.I.: Ich frag nochmal nach dem Wissen, gibt es, welche Rolle spielt theoretisches Wissen, psychiatrisches Wissen, medizinisches Wissen, psychologisches Wissen, soziologisches Wissen über Netzwerke z. B. welche Rolle spielt das? #00:26:50–6# IP3: Das ist schon die Grundlage. Also von allem etwas. Ich glaube nicht in der spezifischen, aber ähm also auch über die Krankheit der Menschen Bescheid zu wissen auch über Persönlichkeitsstrukturen, Stück weit Bescheid zu wissen, über ja vielleicht auch über Erkrankungen Bescheid zu wissen, wenn mir jemand sagt, er hat ständig Oberbauchbeschwerden, dann werde ich schon hellhörig werden, weil ich denke dass kann vielleicht an der Leber liegen und das ist eine Folgeerkrankung ihres Konsums oder wie auch immer. #00:27:30–7# S.I.: Das hat dann auch Folgen für die Beratung, wenn Sie sowas hören. #00:27:31–5# IP3: Weil ich dann auch Stück weit mitgucke, was ist notwendig. Ist vielleicht nicht auch mal ne Begleitung zum Arzt oder wenigstens ne Vermittlung zum Arzt notwendig, um das aufzugreifen. Es ist schon grundlegend. #00:27:48–9# S.I.: Wenn Sie sagen, dieses theoretische Wissen aus den verschiedenen Wissenschaftsbereichen ist ne Grundlage, ähm ist es wahrscheinlich die Kunst dies auch anzuwenden, auf den Klienten, weil Sie sagen, es ist ja keiner wie der andere, Man kann ja nicht sagen: Klient X kommt rein, den guck ich mir an, da spul ich mein Manual ab und das klappt ja nicht oder? #00:28:18–8# IP3: Das passiert natürlich immer so unbewusst. Wenn man ein bestimmtes Wissen hat, dann hat man das ja auch im Bauch @(.)@ oder im Kopf. Also dann läuft vielleicht die Spule nicht, aber dann ist man ja auch im Gespräch oder im Kontakt mit dem Klienten. Merk Anhang 245 ich schon, das mich manches leitet, nochmal genauer hinzufragen, weil ich vielleicht auch ne Theorie im Hinterkopf hab, das denk ich schon oder vielleicht auch ne psychiatrische Auffälligkeit als Folge des Konsums oder ne hirnorganische Störung, dass ich schon son Wissen im Kopf hab, das leitet mich natürlich, gewisse Fragen zu stellen und noch mal genauer hinzuhorchen. Oder n Wissen über Systeme oder n Wissen über was ist denn Sucht? (.)(.)(.) Sonst kann ich auch gar nicht diagnostizieren. z. B. für ne Vermittlung in die Reha muss ich auch ne Diagnostik haben, das wollen viele Menschen auch einfach wissen, bin ich abhängig oder was ist notwendig. #00:29:34–6# S.I.: Welche Rolle spielt denn Diagnostik in ihrer Arbeit und wie machen sie das z. B.?(.)(.)(.) In der Psychologie gibt es für jede Auffälligkeit ja ein Fragebogen sag ich mal. #00:29:54–4# IP3: Wir haben schon Testung, nicht so als Bedingung, sondern eher n Stück weit zu überprüfen. Das eigen Denken und Handeln zu überprüfen, die Wahrnehmung des Klienten und auch zu testen, das machen wir auch, es gibt einen Persönlichkeitsstrukturtest, es gibt einen Befindlichkeitstest, die können wir schon machen ansonsten läuft das, ich sag jetzt mal, Diagnostik so in meinem Kopf. Also manchmal ist es natürlich, wenn jemand ganz konkret kommt und fragt „Bin ich abhängig und woran…ne, ich will das wissen, oder mein Arzt will das wissen oder wie auch immer, dann kann durchaus sein, dass ich mit denen auch die Kriterien der Abhängigkeit durch und vor allen Dingen von Menschen, die mir felsenfest behaupten, sie haben überhaupt kein Problem und wo ich wirklich weiß ich nicht fünf von sechs Kriterien erfüllt sehe, dass ich schon frage, haben sie nicht mal Lust auf ne Diagnostik und gucken sie mal, wo Sie sich da wiederfinden, aber ich lade da eher ein innerhalb der Gespräche in der Beziehungsarbeit damit da draufzuschauen. Ich machs selten so Ankreuztest wie auch immer. #00:31:11–6# Anhang 2: Interviewtranskription IP3 246 S.I.: Sie sagen, so Diagnostik findet in meinem Kopf statt. Können Sie das noch mal ein bisschen erklären, vielleicht mal ein Beispiel, eine Geschichte dazu erzählen? #00:31:21–2# IP3: Naja ich hatte vor kurzem zwei Cannabisabhängige, die waren beide 15 Jahre alt und waren von ihren Eltern geschickt und die Eltern natürlich hoch hysterisch auch hierher und das geht auf gar keinen Fall, ist ein absolutes Tabu kommt uns nicht ins Haus, da muss was passieren, wahrscheinlich liegt ne Abhängigkeit vor etc. Die beiden Jungs sind aus dem Gespräch gekommen, die waren überraschend offen. Ich glaube die legten jeglichen, man kann ja nicht in die Köpfe reingucken, aber jeglichen Konsum offen und die auch sagten, dass ist alles nicht gefährlich was wir machen und wo ich dann schon mal so ne Testung hervorhole z. B. son Ampelsystemtest, was ist gefährlicher Konsum, um dann aber mit denen darüber ins Gespräch zu kommen, ob das mit deren Wahrnehmung und meiner übereinstimmt und was man dann auch für Konsequenzen vielleicht mit einleitet. Also das passiert schon, oder das, wenn ich z. B. in die Reha vermittle, dann mach ich schon nochmal son Persönlichkeitsstrukturtest, weil das bei uns auch so ne Bedingung. Oder auch von Menschen, wo ich ganz unsicher bin, was ist mit dem. Also wenn ich so kein wirkliches Bild von denen kriege, warum denen manche Dinge so schwer fallen und dann guck ich schon manchmal so in die Testung rein und denke ja ok. Hab ich da vielleicht n blinden Fleck. #00:33:09–7# S.I.: Das geht so in die psychologische Testung rein, gibt es auch sowas wie soziale Testungen, weil Netzwerk spielt auch ne Rolle? #00:33:32–2# IP3: vielleicht auch erst mal son Grundraster erstellen, son Überblick verschaffen, was bringen die auch Gutes mit? aber auch was bringen die an Schwierigkeiten mit, dazu gehört natürlich auch das Umfeld, wo sind die geboren, aus wem besteht alles die Familie, das ist natürlich auch son gewisses Raster, was man na klar, was man mit im Blick Anhang 247 hat , auch vom Konsumverhalten er, das ist ja auch in gewissem Rahmen eine Testung. #00:34:19–3# S.I.: Sie haben eben auch schon mal so angedeutet, was leitet Sie in ihrer Arbeit #00:35:15–5# IP3: Ja das immer schwierig zu beantworten, je länger man arbeitet, weil man glaube ich so vieles einfach so macht, aus dem Bauch raus. Was mich leitete ist son gewisser Optimismus, so ne gewisse Zuversicht, was mich leitet ist das gewisse Menschen, dass es für sie nicht einfach ist Hilfe anzunehmen und das manchmal Hilfe braucht, um sich klarer zu werden, was man braucht, (.)(.)(.)was leitet mich(.)(.)(.) (.)(.) was ist das (.)(.)(.)(.) als ich mit dem Studieren angefangen habe, hätte ich noch gesagt, ich helfe gerne((lacht)) ich helfe gerne andern Menschen@(.)@ aber das isses nicht mehr. Die Arbeit besteht ja aus Hilfe, ber@(.)@ #00:36:20–6# S.I.: Es hat sich entwickelt meinen Sie? #00:36:20–6# IP3: Ich denke, das stand mal so ganz am Anfang, dass man so sagt, ich helfe gerne Menschen, ich steh denen gerne bei Seite, geb denen vielleicht son Stück weit Zuversicht, ber das ist nicht mehr so(.)(.)(.) (.)(.) #00:36:47–9# S.I.: Naiv? #00:36:47–9# IP3: Vielleicht nicht so naiv genau. (.)(.)(.) Was mich leitet(.)(.)(.)(.) ja vielleicht auch so eigene Ressourcen zur Verfügung zu stellen, vielleicht auch eigenes Wissen zur Verfügung zu stellen. Also mich leitet auch immer, ist auch immer Spaß, ja es ist ja kein Spaß mit den Menschen, die haben ja auch immer viele Probleme, vielleicht so ein befriedigendes Gefühl, aber das klingt mir so selbst(.)(.) so nach Selbstaufgabe, aber ich glaube, wenn der Job einen sog generell so zufrieden stellt. #00:37:51–0# S.I.: Ich glaube, man ja auch nur geben, was man hat #00:38:03–8# IP3: Ja genau #00:38:03–8# Anhang 2: Interviewtranskription IP3 248 S.I.: In einem letzten Gespräch sagte jemand, man kann nur helfen, wenn man selber mit sich im Reinen ist #00:38:03–8# IP3: Weis ich nicht ob das so ist – natürlich hat man mal schwierige Zeiten im Leben, ob man dann nicht gut helfen kann, weiß ich nicht also ich merke, dass trotzdem kommen die Klienten manchmal gerne #00:38:34–6# S.I.: Was ich sagen will, es kommt ja was zurück von den Klienten, das brauchs schon, um auch helfen zu können #00:38:42–4# IP3: Ja und ich glaube, das hat auch son bisschen was, das man merkt, dass sich auch Menschen dadurch verändern und auch n bisschen zuversichtlicher werden oder gesünder im optimalsten Falle oder vielleicht doch abstinent werden, also wenn man diese Entwicklungsschritte mit sieht, und merkt das bringt auch was, da kommt auch was zurück, ohne dem gehts auch gar nicht. Ich glaube sonst gerade, wenn so ne Häufung von chronifiziertem Klientel da ist, das ist schon anstrengend, zermürbend auch, wenn man so wenig Erfolg hat so viele Rückfälle hat #00:39:28–2# S.I.: //mhm// Was sind so zentrale Quellen für Ihre Arbeit? Woraus schöpfen sie für ihre Arbeit? #00:39:52–3# IP3: Für mich persönlich? #00:40:00–4# S.I.: Ja für Sie persönlich, was Wissen angeht, was Haltung angeht, was Können angeht? Wenn man diese klassischen Elemente, Wissen, Können Haltung mal benennt #00:40:15–9# IP3: Klar bezogen aufs Wissen ist es schon wichtig, hier über den Tellerrand rauszuschauen, Fortbildungen zu machen, bei mir schleicht sich immer son, ja in der Geschprächsführung auch so immer mein eigener Stil,also mein eigener Stil ist ja ok aber son (.)@(.)@ Ich weiß gar nicht, wie ich das nennen soll, aber immer sowas rein, was ähm (.)(.)(.) naja nicht genügend Distanz oder so, sowas rein, wo schon manchmal wichtig ist ok, ich sag jetzt mal Motivierende Gesprächs- Anhang 249 führung ne , was sind vielleicht nochmal die Grundsätze, was kann man da nochmal methodisch, #00:41:06–2# S.I.: so Konzepte, Methoden sind auch wichtig ab und zu mal anzugucken #00:41:12–0# IP3: Ja. Das man das nicht so ganz aus dem Auge verliert auch ich finde es neuere Sichtweisen, so passt das mit der Abstinenzorientierung, passt auf jeden Einzelnen, für welche Bereiche, für welche Klienten passt das also was ist auch das Spezielle auch mit Jugendlichen zu arbeiten, spezielle Erkrankungen, mit Alter und Sucht mit Sucht im Alter zu arbeiten, also das ist glaube ich schon ist auch nochmal wichtig, nochmal anders zu denken, noch auch n Austausch zu haben mit Kollegen, mit anderen Fachleuten #00:41:46–7# S.I.: und vielleicht auch die wissenschaftlichen Ergebnisse zu verfolgen, das sind ja auch immer Ergebnisse wissenschaftlicher Entwicklungen, kann man das so sagen #00:42:02–3# IP3: Ja, das kann man schon so sagen, n bisschen offen zu sein nicht nur was passiert hier in den eigenen vier Wänden, auch zu gucken, was machen andere, was bieten andere an ähm, was können wir auch in unserem kleinen Rahmen hier mit umsetzen, was kann ich vor allem für mich in der Arbeit umsetzen, wie kann ich auch weiterhin gute Arbeit leisten, wie kann ich gute Gespräche führen ähm Also auch im Sinne von Selbsterfahrung auch noch mal was zu machen. Eigene Supervision. Ich finde was für mich ganz wichtig ist privater Bereich ähm für mich ist gut, das mein Mann kein Sozialarbeiter ist((lacht)), nicht in der Suchthilfe tätig ist. Ich weiß nicht wies anders wär, aber ich glaube so beim Feierabend habe ich Feierabend und dann wird wenig über Arbeit gesprochen und das ist auch gut, da spreche ich vielleicht über mich, was so den Tag war, aber es geht nicht um Klienten im Detail. Ich glaube Kraftquellen sind nochmal ganz wichtig zu schöpfen #00:43:11–4# S.I.: so persönliche – Burnoutprophylaxe zum Beispiel? #00:43:11–4# Anhang 2: Interviewtranskription IP3 250 IP3: Ganz wichtig (.)(.)#00:43:13–9# S.I.: //mhm// ok jaha Ich würd das gerne jetzt so noch so einen Punkt ansprechen, vielleicht das so ein bisschen pointieren. Vieles von dem ist auch schon gefallen in unserem Gespräch, aber wenn ich Sie jetzt so frage, was ist für Sie typisch Sozialarbeiterisch, gibt es etwas wo Sie sagen, das ist , das machen Sozialarbeiter und andere Professionen, meinetwegen Medizin oder Psychologie, die ja auch in diesem Feld sehr stark äh, das machen die nicht, das machen die anders? #00:43:46–3# IP3: Also ich glaube, was wir nochmal anders machen, ist viel Casemanagement. Also viel zu gucken, Systeme nochmal mit einzuladen, mit an den Tisch zu bringen, nochmal zu gucken wenn Klienten von Institutionen geschickt werden, die auch mit einzuladen, um nicht drumherum, um das Anliegen zu arbeiten, ähm(.)(.)(.) Ich denke das ist nochmal son ganz gravierender Teil, ich würde fast sagen, vor allen Dingen bezogen auf die Medizin, ähm nicht so fokussiert zu gucken also Medizin, und Körper und Diagnostik, wenn ich an viele Mediziner denke. Also ich finde bei uns läuft mehr Beziehungsarbeit, also was bei den Medizinern vielleicht noch in der stationären Reha Maßnahme anders läuft aber Fokus ist vielmehr die Beziehungsarbeit, das machen die Psychologen z. B. die Therapeuten natürlich auch. #00:44:57–2# S.I.: Meinen Sie mit fokussiert segmentiert? Also das heißt einzelne Bereiche anzugucken ok, der hat ne psychiatrische Störung, Depression und dann kriegt er┘ #00:45:04–3# IP3: └Medikamente und┘ #00:45:10–1# S.I.: └und fünf Einheiten Gespräch, so linear oder ist das n Stück zu platt? #00:45:17–6# IP3: Ja ist natürlich n Stück weit zu platt, also so läuft es mittlerweile ja auch kaum. Vielleicht noch, wenn man an Hausärzte denkt, da ist ja schon das multidisziplinäre mal so, da können die Ärzte so linear Anhang 251 auch gar nicht mehr gucken. Aber das ist vielleicht noch ne Besonderheit der Sozialarbeit auch Ecken und Kanten mit anzugucken, mal drunter und drüber zu gucken also so #00:45:46–5# S.I.: das Ganze im Blick zu haben? #00:45:47–9# IP3: Vielleicht auch n Stück weit das Ganze im Blick zu haben, vielleicht ist das mit die Besonderheit, das Ganze im System zu haben, aber auch das Ganze an Fähigkeiten und Schwierigkeiten des Klienten, was bringt der mit. Ich denke, das ist auch z. B. wenn ich jetzt so an die Psychologen denke, wir machen wir sind im Grunde flexibler, aber flexibler so in Form von Hausbesuchen, Klienten da abzuholen, wo sie stehen, vielleicht auch im räumlichen Sinne. Vielleicht auch dreimal in der Woche ein Gespräch für 10 min anbieten. Ich glaube der Rahmen ist vielleicht bei uns, die Strukturen sind vielleicht auch Stück weit flexibler. #00:46:50–0# S.I.: auch methodisch flexibler? #00:46:55–3# IP3: Nein, das glaube ich nicht, aber vom Strukturellen her mit Sicherheit flexibler ich glaube hier so in unserem Rahmen, das ist so ne Besonderheit kann man also bietet schon, ja so Ausbrüche aus dem System, mal son anders denken einfach. #00:47:09–7# S.I.: ja ok. das heißt man kann sich als Sozialarbeiter schon auch Freiheiten nehmen, die sich Psychologen vielleicht nicht nehmen können? #00:47:17–2# IP3: Na ja bei uns die Psychologin arbeitet ja im ähnlichen Feld, ich glaube, das ist jetzt nicht, aber ich weiß nicht, wenn ich so im stationären… niedergelassenen Psychotherapeuten höre ich nie von Hausbesuchen. #00:47:34–2# S.I.: Wenn ihre Klienten auch beim Psychotherapeuten sind? #00:47:39–5# IP3: Vielleicht auch(.)(.)(.)(.)(.)(.)(.) ich weiß jetzt auch nicht so #00:47:54–9# Anhang 2: Interviewtranskription IP3 252 S.I.: Ok und was von dem typisch sozialarbeiterischen findet sich hier in Ihrer Einrichtung, woran merken Sie das hier in ihrer Einrichtung, dass Sie sozialarbeiterische Arbeit machen? #00:48:04–9# IP3: (.)(.)(.)(.) Naja es findet schon mal ne Begleitung statt zu Ämtern und Behörden. #00:48:32–4# S.I.: Begleitung meint was nochmal? #00:48:33–5# IP3: Wir gehen mit oder was #00:48:33–5# S.I.: Ja genau, ich frage, weil es ist ja manchmal auch unterschiedlich, was mit Begleitung gemeint ist. #00:48:41–0# IP3: Wie macht sich das bemerkbar. Ich denke,dass wir n ganz gutes Netzwerk hier haben sowohl hier innerhalb des Teams, als auch innerhalb des Verbandes, wenn man sich natürlich an manchen Stellen sich das auch besser wünschen würde aber ich glaube, das ist überall so. Ich glaube, wir sind schon auch gut so ähm zeitnah zu reagieren im Rahmen von Kooperationsverbund mit Entgiftung, mit Therapie, wenn das wirklich so notwendig ist. #00:49:21–5# S.I.: Auch son fachliches Netzwerk #00:49:27–0# IP3: Ja, wir laden viel ein, finde ich also nochmal mit an den Tisch von Hilfsinstitutionen, die uns vor allem mit vermitteln ähm was ist so typisch Sozialarbeit, ja (.)(.)(.) wahrscheinlich das, was ich alltäglich mache so.@(.)@ Was ist denn das((lacht)) Was man dann wahrscheinlich so selbstverständlich ist, das man einfach nicht mehr sagen kann. Ja ich finde, das typisch Sozialarbeit ist, schon den Menschen da abzuholen, wo sie stehen, also und so zu gucken, wie schaff ich es auch einen Draht zu denen zu finden. Also das ist nach wie vor, das typisch sozialarbeiterische. Natürlich gehts auch um Casemanagement, um Konfliktmanagement, um Diagnostik…..(.)(.)(.)(.)(.)(.) (.) Vielleicht hab ich jetzt irgendwie ne Verwirrung, was mache ich eigentlich tagtäglich? #00:50:27–2# Anhang 253 S.I.: Nein, das ist wunderbar. Eine Frage, Sie haben gerade das so beschrieben und die Frage, die mich noch beschäftigt ist, Sehen das alle im Team so oder ist das was sie persönlich so sehen? #00:50:49–1# IP3: Ich glaube, der Großteil sieht das schon genauso. Ich glaube vielleicht würde jeder Einzelne nochmal spezieller so bei sich gucken, was macht denn mich als Sozialarbeiter aus, was sind so Fähigkeiten, die man mitbringen muss, vielleicht eher nochmal in Richtung näher bei den Klienten sein, wie lade ich die ein, wie baue ich Beziehungen auf, also wie der Herr Z geht mehr, noch intensiver in die Beziehungsarbeit. Ich glaube wir gucken schon auch, wie können wir die Menschen erreichen, die sind uns nicht egal. Auch wenn jemand nur einmal kommt, man macht sich schon Gedanken, wenn jemand das zweite Mal nicht wieder kommt. Aso das ist glaube ich auch nochmal son ganz wichtiger Aspekt, so das dieses Menschliche da einfach mit reinkommt. #00:51:59–4# S.I.: Jeder Mensch ist wichtig┘ #00:51:59–4# IP3: └Jaa, also ich glaube wir sind weit…wir haben uns ein Stück weit distanziert von diesem Rettertum, also da sind wir nicht so schnell dabei. Wir gucken mit ner Distanz hin und sind auch nicht bereit jeden Menschen um jeden Preis zu helfen, also zu retten, sag ich mal so. Wenn wir da keinen Sinn drin sehen, oder wenn jemand nicht mitzieht oder wie auch immer. Wenn so unser Aufwand größer ist, als das was die Klienten vielleicht auch erarbeiten. Also da sind wir vielleicht auch n Stück weit anders als andere, aber┘ #00:52:41–6# S.I.: └als welche Anderen? #00:52:41–6# IP3: na ja, also ich glaube das@(.)@ #00:52:50–1# S.I.: andere Beratungsstellen oder?┘ #00:52:50–1# IP3: └ja andere Beratungsstellen oder andere Sozialarbeiter, die auch mit Suchtkranken arbeiten z. B. Bewährungshilfe etc. Ich glaube wir sind nicht so tolerant heißt vielleicht nicht so, wir sind nicht so systemverstärkend, das Suchtsystem verstärkend. Also das machen wir Anhang 2: Interviewtranskription IP3 254 schon ganz deutlich, wenn wir merken, das macht aus unserer Sicht wenig Sinn. #00:53:19–9# S.I.: Sie als Sozialarbeiterin der ambulanten Suchthilfe? Ich frag mich grad, was macht den Unterschied, die Stelle, die spezifische Art der Arbeit mit den Klienten oder die Profession? #00:53:37–1# IP3: Ich glaube, das ist die spezifische Art der Arbeit mit den Klienten. #00:53:39–0# S.I.: //mhm//Ah ja , die Erfahrung, auch┘ #00:53:40–1# IP3: └ Ja, ich glaube auch die langjährige Erfahrung der Kollegen, das trägt schon auch mit dabei. #00:53:54–5# S.I.: Komme ich schon fast zu meiner letzten Frage. Wenn Sie unser ganzes Gespräch vielleicht nochmal Revue passieren lassen und so zum Schluss noch mal sagen: Thema Soziale Arbeit in der ambulanten Suchthilfe. Gibts da Dinge die da ganz besonders wichtig sind? Dinge, die Sie vielleicht nochmal pointieren wollen, das ist besonders wichtig, das macht soziale Arbeit in der Suchthilfe aus? #00:54:23–5# IP3: Ja, ich finde Beziehungsarbeit ist das Wichtigste, also wirklich zu gucken, wie komme ich in Kontakt, aber wie kommt auch der Klient in Kontakt zu mir und wie, im Grunde auch wie kann mir jemand vertrauen also wie kann der Mensch, meine Hand, die ich ihm vielleicht auch reiche, n, Stück weit nehmen, das klingt sehr he pahtetisch so, aber das ist es auch. Ich finde ich muss nicht soviel Wissen haben, ich muss nicht soviel drumherum haben, sondern es geht vorranging darum, jemand einzuladen #00:55:02–4# S.I.: //mhm////mhm// #00:55:04–7# IP3: und ich glaube, wenn man das erreicht hat und erreicht hat, dass mir ein Mensch bereit ist mir ein Stück weit zu zu vertrauen, mit mir ein Stück weit des Weges zu gehen, mir zu folgen, das heißt nicht im Sinne von Ich zeig dir jetzt wie der Weg geht. Es geht ja schon nur im Austausch im Miteinander, was kann der Klient aber ich glaube Anhang 255 auch, das ist ein Stück weit das Wichtigste, sonst geht niemand einen anderen Weg. #00:55:32–6# S.I.: Also, das Wissen alleine reicht nicht, es braucht das ganze Paket┘ #00:55:37–4# IP3: └Ja finde ich schon #00:55:37–4# S.I. Es braucht natürlich auch das Wissen, der muss natürlich auch vertrauen können, dass Sie schon auch was wissen und ihn leiten können aber auf der anderen Seite, das reicht nicht nur das Wissen zu haben sondern es muss auch die Beziehung zum Klienten hergestellt werden.┘ #00:55:54–9# IP3: └auf jeden Fall┘ #00:55:54–9# S.I.: └und die trägt und die ist das Wesentliche und die trägt mehr als ┘ #00:55:58–8# IP3: └Ja weil sonst verlier ich jemand. Sonst kommt jemand nicht wieder, dann ich auch gar nicht mit dem arbeiten, sag ich mal so(.)(.) (.) Vielleicht einige wenige, die dann wieder kommen würden. Wenn ich keine gute Atmosphäre schaffe, #00:56:16–6# S.I.: Würden Sie sagen Beziehungsarbeit ohne Wissen ist ausreichend? Ich frag mal so, weil manchmal wird den Sozialarbeitern ja auch vorgeworfen, „Ihr macht nur einen auf Beziehung und dann ähm wird schon alles gut“ #00:56:39–2# IP3: @(.)@ Ich glaube, das funktioniert nicht nein. Ne man muss schon Wissen haben und zwar wirklich auch umfängliches Wissen, ob es psychologisches Wissen ist, zwar nicht so im Detail.(.)(.) #00:57:02–6# S.I.: Um das Gesamtpaket beurteilen zu können und auch leitend sein zu können, was ist gut für den Klienten. #00:57:14–0# IP3: Ja genau. und ich glaube, man muss wirklich auch Lust haben. @ (.)@ Ich glaube sonst@(.)@ funktionierts nicht. Optimal ist natürlich auch ne günstige Atmosphäre so ohne Druck. Wir haben enormen Klientendruck. Wir müssen soundsoviele Kontakte in der Woche haben Anhang 2: Interviewtranskription IP3 256 und so und wenn man die nicht hat, dann kommt man schon wieder in Zugzwang, ne. Und das ist natürlich totaler Mist. #00:57:37–3# S.I.: Die ökonomischen Rahmenbedingungen┘ #00:57:37–3# IP3: └Super wär natürlich wirklich son freier Rahmen, natürlich hat man ne Nachweispflicht etc. Aber es geht doch vielmehr darum, was brauch jeder Einzelne, und nicht darum, muss ich jetzt 80 Klienten im Monat in ne Therapie vermitteln. Also das ist@(.)@ ja total vorbei, vorbei an den Menschen. #00:58:03–0# S.I.: Das geht an den Menschen vorbei, son Druck, weil es die Haltung kaputt macht? #00:58:09–2# IP3: Ja ich finde weil es auch einen auch selber kaputt macht. Ich meine, vielleicht kann sich der eine oder andere davon befreien, aber son Druck ähm. Also, wenn ich unter Druck stehe, also egal jetzt auf welcher Ebene, dann bin ich weniger frei im Denken, dann bin ich weniger frei auch mal abstruse Ideen zu entwickeln , auch mal andere Wege anzudenken. Also, dann bin ich einfach nicht mehr so frei im Denken, wenn ich unter Druck stehe. Dann kann ich noch nicht mal mehr mein ganzes Wissen abrufen, wenn ich nur noch die Scheuklappen aufhabe. #00:58:48–3# S.I.: Das heißt es brauch auch Kreativität im Umgang mit den Klienten? #00:58:52–4# IP3: Ja, das wär schon gut@(.)@ Auch Flexibilität, Kreativität wär schon gut, wenn man einfach mal sich von äußeren Rahmenbedingungen frei machen kann und auch so abstruse Lösungsideen andenkt. Weil ich glaube, das befreit einfach manchmal in den verhafteten Systemen zu bleiben. #00:59:17–5# S.I.: ich frag nochmal nach, weil Kreativität, abstruse Lösungsideen, steht ja so ziemlich im diametralen Gegensatz zu Manualisierung. #00:59:30–9# IP3: Ja, bin ich aber auch für ((lacht)) #00:59:32–1# S.I.: Weil??? #00:59:39–6# Anhang 257 IP3: Ne gewisse Manualisierung ist ja schon gut, um sicher zu gehen, aber in der Arbeit mit den Klienten. Die sind alle so unterschiedlich im Denken und die denken nicht so wie ich und die denken nicht so wie sie nicht wie auch vielleicht jemand anders und da schon son Stück weit kreativ zu sein im Andersdenken, sich vielleicht auch in die Klienten reinzuversetzen, was könnte denn damit gemeint sein, so ne Lust darauf zu entwickeln, was ist denn wohl damit gemeint, versteh ich das auch richtig? Weil ich glaube nur dann kann man wirklich auch so nah dabei sein und welcher Schritt könnte als nächstes denn auch folgen? #01:00:10–9# S.I.: Hat das denn was mit Komplexitätserfassung zu tun? Ich meine, die kommen ja hier an und haben ja sehr komplexe Dinge, jeder hat sein ein ganz spezielles Muster, warum er so ist, wie er ist, warum er so reagiert, warum die Dinge um ihn herum so sind wie sie sind? #01:00:32–5# IP3: Ja na klar, das ist natürlich auch sehr komplex, jeder Mensch ist natürlich komplex, was er so mitbringt und ich guck mir ja nicht nur die Sucht mit den Menschen an, sonder auch das, wer einfach vor mir sitzt sondern ich kann ja nicht nur die Sucht alleine rausnehmen. #01:00:48–7# S.I.: Und welche Rolle spielt Kreativität in Zusammenhang mit Komplexitätserfassung oder Mustererfassung? #01:00:57–3# IP3: Ja, ich finde je kreativer man im Denken ist, desto kreativer kann man natürlich auch Lösungsmöglichkeiten angehen, aber das benötigt natürlich einen Rahmen┘ #01:01:12–7# S.I.: └muss man die Rahmenbedingungen für haben #01:01:12–9# IP3: └Ja ja genau((lacht)) #01:01:18–5# S.I.: Ok ja vielen Dank. Gibt es was, was Ihnen noch wichtig ist, was Sie noch sagen möchten zum Schluss? #01:01:34–1# IP3: Ne mir fällt jetzt gerade nichts ein. #01:01:36–7# S.I.: Ok. ja nochmal vielen Dank Anhang 2: Interviewtranskription IP3 258 Anhang 3: Interviewtranskription IP1 (Das Aufnahmegerät war am Anfang nicht korrekt eingeschaltet, die Daten zur Frage, wie IP1 zur Suchthilfe kam wurden per Telefon handschriftlich nacherhoben. Die Aufnahme startet mit der zweiten Frage nach den jetzigen Aufgaben.) S.I.: Und was machst, was ist, was machst du jetzt im Moment hier. Was sind jetzt(.)deine (.)Aufgabenschwerpunkte? #00:02:37–8# IP1: Ich arbeite inner Beratung mit suchtkranken mit Ähm Ja mit suchtkranken, suchtgefährdeten //mhm// Menschen im legalen Suchtbereich, //mhmja// das heißt Alkohol, (holt Luft) Medikamente, Glücksspiel is so der Schwerpunkt //mhm//. Ähm und deren Angehörigen, // mhm// die eben auch zur Beratung kommen, könn sich informieren können oder auch längerfristige Beratungsprozesse kriegen //mhm// (.) Und von den Arbeitsinhalten her? #00:02:58–5# S.I.: Jaha #00:02:58–5# IP1: Ähm isses im Grunde das ganz breite Spektrum Ähm zwischen von jemand kommt hierhin und hat einfach nur ne äh möchte nur ne Information haben über (holt Luft) ähm jemand ist geschickt // mhm// und hat quasi ne Auflage vom Gericht, Arbeitgeber, Jobcenter, was auch immer bis hin zu jemand kommt freiwillig, weil er selben n‘ Gespür hat, irgendwas is bei mir nicht im Lot //mhm// bis hin zu Leuten, die einfach auch klar schon den Wunsch haben, ich möcht etwas verändern und //mhm// möchte hier Unterstützung. #00:03:27–2# S.I.: Jaha. (.) Aso das ganz breite Spektrum der der Klienten und wahrscheinlich auch des Sucht(.)verhaltens oder des des Suchtmittelabhängigseins //mhm// oder -werdens oder in der Phase sein. #00:03:40–0# IP1: Wobei der Schwerpunkt schon deutlich im Bereich Abhängigkeit liegt. Also es gibt durchaus Klienten mit missbräuchlichem Konsum, Anhang 259 //mhm// das ähm sind aber nicht die meisten. (.) Die meisten haben tatsächlich mehr oder weniger, also die Frage ist wie lang das dann schon so ist, ob das jetzt sich über zwei drei Jahre erstreckt oder ober über 20 30. Da gibts doch noch mal nen Unterschied //mhm// ähm aber die Meisten würde ich schon so nach den ICD 10 Kriterien in den Bereich Abhängigkeit einsortieren. #00:04:07–0# S.I.: Mhmja ok. und wenn de ähm deine Klienten, wie würdest du sie so beschreiben, wenn du sie jemandem mal beschreiben müsstest, der so davon so gar keine Ahnung hat. Wie würdest du die Klienten beschreiben. Was sind das für Menschen ? #00:04:19–5# IP1: (..) In Bezug auf Aussehen?┘ #00:04:21–7# S.I.: └Ja auf alles, wie du die Klienten so wahrnimmst, was sind das für Menschen? #00:04:27–5# IP1: (…)@(.)@ #00:04:29–0# S.I.: └Welche Probleme haben die? #00:04:28–7# IP1: Jaha #00:04:28–7# S.I.: Welche Probleme haben die, was steht im Vordergrund, gibt es Typen, gibt es Probleme, die immer wieder auftauchen? #00:04:40–2# IP1: mja (…) Also, (.) was ich hier deutlich gelernt habe, is dass so mit den allermeisten ihre Abhängigkeit nicht ansieht, //mhm// ähm und dass viele auch n Problem haben sich als Alkoholabhängig zu bezeichnen, weil sie sagen, ich zitter ja morgens noch nicht //mhm// und ich gehe auch noch arbeiten, also (.) ich glaube, das das Klischee des klassischen, ich sag das mal Alkoholabhängigen, äh der morgens schon den ersten Schluck aus der Kornflasche nimmt und ähm den Tag anner Maria oder so verbringt //mhm ja ja// das spiegelt sich hier nicht wieder. Die gibt es sicher //ja// aber ähm es gibt auch viele, die einfach erstmal noch (.) ja eher so, ich sag mal in die gesellschaftlichen Normen passen // ja// wie immer man die auch beschreiben mag. Das is natürlich nochmal breit gefächert. (.) ähm das was schon viele als Problem haben ist Arbeitslosigkeit. Es ist schon so, dass dann Anhang 3: Interviewtranskription IP1 260 der Job weg ist und zum Teil auch schon länger weg ist. ähm unterschiedlich ist, ob sie erst angefangen haben zu trinken und dann der Job weg war oder umgedreht bei manchen eskaliert es dann auch // mhm// wenn die Rahmenbedingungen wegfallen oder (.) (undeutlich) bedingt es sich gegenseitig ähm (.) und //jaha// die allermeisten sagen im Verlaufe meiner Abhängigkeitsentwicklung hab ich mich zunehmend zurückgezogen, das heißt das was immer schwierig ist, ist das soziale Netzwerk, manchmal lässt sich da ganz gut wieder dran anknüpfen, manchmal ist es sehr mühsam es aufzubauen (.) ähm manchmal scheiterts auch einfach daran etwas zu verändern weil man im Grunde nur noch Trinkbekanntschaften hat. //Ja// Weil das ähm das ist glaub ich son durchgängiges Problem der zunehmende Rückzug aus //ja// früheren sozialen Bezügen aus Familienbezügen ähm aus Sportvereinen usw. zu wirklich ja es dreht sich dann alles um den Alkohol , weil der wirklich Zeit braucht. #00:06:29–2# S.I.: Und und was macht ihr hier genau oder was machst du genau mit den Klienten? Also an an Interventionen, an Gesprächen #00:06:29–4# IP1: mhm (.) Also erst mal frag ich die Klienten was sie wollen. Was sie für n Auftrag an mich haben und dann müssen wir natürlich mal gucken, ob das mit dem übereinstimmt, also ob ich das auch leisten kann. Also son Auftrag von ähm ich brauch jetzt wieder Arbeit oder so @(.)@ muss man sich dann schon mal von differenzieren. (.). ähm also es ist halt immer das eine zu gucken, was ist denn eigentlich der Wunsch des Klienten und eigentlich können die auch immer was sagen, also egal ob die jetzt geschickt sind oder äh aus eigenem Antrieb gekommen sind. Ähm Von den Schwerpunkten her denk ich gehts manchmal einfach wirklich erstmal um Information und Aufklärung //ja// also tatsächlich erst mal deutlich zu machen das Verhalten, dass sie an den Tag legen ist durchaus als problematisch zu auch werten , dass wenn man zum Beispiel medizinische Maßstäbe ansetzt oder wenn man das abgleicht mit bestimmten Lebenszielen Anhang 261 und Vorstellungen, die die Menschen haben. Dann gehts immer um Motivations- oder Verhaltensänderungen //ja// weil man auch da sind die Aufträge unterschiedlich zwischen Konsum und Reduktion und Abstinenz ähm es geht um Vermittlung //mhm// in ähm Therapie, Selbsthilfegruppen in Motivationsgruppe zur Klinik, in die Suchtambulanz was auch immer. Ich glaub so dieser Teil von Motivation, Beratung wie kann Veränderung aussehen, Vermittlung in weiterführende Hilfen , das sind so die drei Schwerpunkte #00:08:00–9# S.I.: MhM o. k. und gibt auch Herausforderungen so in der Arbeit mit den Klienten, wo siehst du die Herausforderungen – gibt ja nicht nur einfache@(.) Menschen┘ #00:08:18–3# IP1: ((lacht)) (….) Herausforderungen (.) Was finde ich herausfordernd? Ich glaub herausfordernd iss für mich(.) ähm (…) Ja – manchmal glaub ich einfach zu akzeptieren, dass Leute so sind wie sie sind. Also dass sie (.) auch wenn ich denk: Gott (.) Du läufst auf den Abgrund zu, dass ichs aber nicht ändern kann. Also schlussendlich ähm Angebote zu machen, natürlich zu motivieren, aber auch festzustellen, an bestimmten Stellen geht das nicht. Also Leute, wo ich denke, da wär jetzt ne Therapie super. //mhm// ähm die auch schon aufm guten Weg sind, die dann aber entscheiden: Nö (.) probier ich jetzt erst mal alleine.//mhm// Oder Leute, die immer und immer weiter trinken ähm, da wo man über Jahre den Verfall sieht. Das auszuhalten „Gut du kannst aber trotzdem kommen oder Sie können kommen.“ ähm und wir machen nochmal Beratungsversuch oder wir fangen vielleicht auch nochmal ne Vermittlung an und gucken ob wir das diesmal bis zum Ende schaffen. //mhm// (.) Ja – ich glaube, das sind so die Herausforderungen. #00:09:15–5# S.I.: Das heißt ihr habt ja manchmal auch ganz schön lange Prozesse, ne? #00:09:16–6# IP1: Mhm (.) zum Teil ja. Also über einige Wochen, also es ist ja erst- MAL die Klärung, dann dauert die Vermittlung nochmal einige Gesprä- Anhang 3: Interviewtranskription IP1 262 che, ähm und wir machen immer auch das Angebot, dass wir die Klienten begleiten, also zwischen ähm Abschicken der Unterlagen zur Beantragung und Therapiebeginn vergehen ja immer auch ein paar Wochen, wo die kommen können (.) ähm und ich hab eine Klientin, die hab ich eine Klientin, die habe ich begleitet auf ihrem Weg sich zu entscheiden und tatsächlich abstinent zu werden. Die kam wirklich fast wöchentlich aber, die hat wirklich locker ein Jahr gebraucht, um da wirklich ne Verhaltensänderung hinzukriegen.//mhm// Also das ist unterschiedlich. Aber es gibt ganz lange Verläufe. #00:10:04–4# S.I.: Ok. Und, wenn Du so überlegen würdest, was muss man auf jeden Fall tun mit den Klienten oder was darf man auf keinen Fall tun mit den Klienten, fallen Dir dazu Sachen ein? #00:10:14–6# IP1: (.)(.) Ja das hat ja was mit meiner Haltung zu tun. Für mich ist erst mal wichtig: Akzeptanz des Menschen, der da kommt mit seinen Lebensentwürfen, so schräg, die für mich@(.)@ auch sein mögen oder manchmal auch, das ist ja auch verführerisch, wenn die so ganz nah an meinen Ideen sind. Da denke ich auch noch mal viel schneller: „Jau, so kanns doch gehen.“ und ne aber da wirklich auch erst mal gut zuzuhören, gut zu gucken, was ist denn da los, was kann sich verändern, was soll sich verändern, was will der Klient. ähm Natürlich auch immer abzugleichen ähm das ist für mich trotzdem auch immer abzugleichen, dass es für mich auch noch kongruent ist. Also ich würd jetzt nichts tun, was mir völlig zuwidergeht, also da würd ich schon auch mit dem Klienten zumindest ins Gespräch gehen. (.) (.) Was ich im Normalfall nicht tue, ist all das so in den Bereich harter Konfrontation geht. Das mach ich manchmal, wenn ich Leute lange kenne, aber dann ist auch ne andere Beziehung erst mal gewachsen. Also alles, was in den Bereich von Verurteilen, abwerten usw. geht, finde ich einfach keinen angemessenen Umgang mit Klienten. Also auf auf diesem alten Hintergrund von:“ Man muss die Leute konfrontieren, damit sie sich ändern also…┘ #00:11:39–8# Anhang 263 S.I.: └ Das war in der Sucht ja mal anders┘ #00:11:39–8# IP1: └Eben genau, deswegen beton ich das so, weil in anderen Anwendungsbereichen ist das ja selbstverständlich, dass man das nicht tut. Aber das Also ich finde meine Arbeit hier in weiten Teilen durchaus effektiv und es geht hier um ne @(.)@ Konfrontation, das kann ich schon so sagen. #00:11:55–7# S.I.: Wenn ich jetzt mal in den Bereich wechsle, es ist ja ne sehr komplexe Arbeit, ne sehr schwierige Arbeit sehr nah am Klienten, man muss begleiten auch über einen langen Zeitraum. Was ähm, was qualifiziert dich jetzt für diese Arbeit, wo nimmst du das her, was du mit den Klienten tust. Dein Wissen, deine Haltung, was qualifiziert dich dafür? #00:12:23–2# IP1: Ähm, also das was so an der Oberfläche ist, sind so zwei Sachen, also zum einen meine Ausbildung als systemische Familienberaterin, also drei Sachen sind es, ähm also dass ich mit einem bestimmten Beratungsansatz auseinandergesetzt habe, intensiv. Das andere ist, dass ich ja im Bereich der Prävention schon ganz viel gemacht hab im Bereich Schulung von motivierender Kurzintervention und das ist was, was hier, finde ich einen ganz hohen Stellenwert hat. Ähm das dritte ist einfach Fachwissen, über Wirkung von Suchtmitteln, das habe ich aus dem Bereich der Prävention mitgebracht. Da hab ich mir damals allerdings mühsam anlesen müssen. Da hab ich mich schon sehr gezielt eingearbeitet. Ähm (.) was mich sicher qualifiziert, finde ich, dass ich immer wider gucke, nach Fortbildungen, Weiterbildungen, mach ich jetzt im Moment nichts größeres, aber ich gucke schon dass ich jedes Jahr mindestens zwei, drei kleinere Sachen mache oder eine größere übers Jahr gestreut, das ich mich selbst immer wieder überprüfe, an nem Thema bleibe. Eigentlich ähm ich glaube auch es gibt so ne Grundlage aus dem Studium, die is. Also dass ich einfach so lange in der Bildungsarbeit gearbeitet habe ist viel für den Beratungsbereich auch einfach nicht mehr so präsent, aber ich ähm weiß Anhang 3: Interviewtranskription IP1 264 schon mit Grundbegriffen wie Roger und Empathie usw. oder ich hab zumindest auch ne Idee, was ist tiefenpsychologischer Beratungsansatz, was ist verhaltenstherapeutischer Beratungsansatz, ähm das sind auch einfach so Sachen, die aus dem Studium sich rübergerettet haben. Ja aber, die einfach früher in meinem Berufsleben nicht so aktuell waren, wie sies jetzt wieder sind. #00:14:11–2# S.I.: Aber das konntest du dann reaktualisieren sag ich mal? #00:14:16– 6# IP1: Das geht. Zumindest die Überschriften. Ich hab ne Idee was steckt dahinter. Dann gucke ich auch schon mal ein bisschen ähm, was brauche ich aktuell. Im Moment ist zum Beispiel das Thema Glücksspiel aktuell. Dann gibts, sag ich jetzt mal so, die groben Überschriften Glücksspieler sind meistens Narzissten also guck ich wie funktioniert Narzissmus, was sind das für Menschen, was brauchen die an Unterstützung, damit sie sich verändern können, bzw. ne Veränderungsbereitschaft entwickeln. Das ist dann aber oft eher auf was anders bezogen. Oder ich hab jetzt einen Klienten, der hat ne Psychose, dass er Stimmen hört. Also guck ich jetzt: was heißt das? Aber dann guck ich so klientenbezogen. #00:14:55–6# S.I.: Aber es schon theoretisches Wissen, was dann ab und zu von Nöten ist, was so Quellen auch sind. #00:15:03–9# IP1: Es gibt einfach Sicherheit. Ja, also der Klient erzählt mir seine Sicht der Dinge und das ist ja auch gut und dann hör ich aufmerksam zu, was versteht er von seiner Krankheit. Aber für mich ist ja trotzdem auch wichtig zu wissen, was gibts vielleicht noch an Aspekten ähm die ich erst mal theoretisch wissen muss und die ich dann im Gespräch mit ihm aufm Schirm habe und noch mal überprüfe, ähm wie erleb ich das, wie erleb ich ihn, wie agiere ich anders. #00:15:28–1# S.I.: Ja, ähm Da kann ich auf jeden Fall schon mal Einiges von mitnehmen, was du grad gesagt hast. Ich würd ganz gern nochmal auf einen anderen Schwenk machen in Richtung Soziale Arbeit so spe- Anhang 265 ziell. Wenn ihr einen Sozialarbeiter einstellt, was muss der auf jeden Fall mitbringen und was darf er auf keinen Fall haben? #00:15:55–4# IP1: (.)(.)(.)(.)(.)Mh Ich könnt jetzt erstmal nur die Klassiker sagen. Ich glaube, es gibt jetzt erstmal kein Kriterium hier zu sagen, ähm also wenn jemand sagt:“Ich interessier mich für das Thema“ Also, das muss natürlich sein. Aber das erwarte ich von jeder Einstellung, es muss schon ne Offenheit sein mit nem speziellen Klientel zu arbeiten, dass ähm nicht immer schön aussieht und das nicht immer gut riecht. Das unterscheidet uns glaube ich z. B. auch nochmal vom Jugendamt. Also ich weiß, dass die – kleiner Schlenk – Also ich hab in B. Sprechstunde und auf dem Flur ist auch der ASD, die Außenstelle. Und ich hatte einen Klienten, der roch wie viele andere nämlich sehr ungewaschen, nach Urin und nach Alkohol. Und dann kam die Kollegin und sagte@(.)@: „Sie haben aber schon nochmal ein spezielleres Klientel als wir.“ Das hat mich sehr irritiert, das hätte ich nicht gedacht, für mich ist das normal aber ähm so das heißt es muss schon ne Bereitschaft da sein mit Leuten, die ne die eben auch in dieser Kategorie unterwegs sind zu arbeiten. Also wenn ich da große Berührungs- ängste habe, dann ist das sicher falsch. Ja, was man einfach gucken muss, aber das finde ich nochmal speziell für hier, was ist der eigene Background? Also jemand, der selber ne Suchterkrankung hat ähm ist hier vielleicht nicht gut aufgehoben. ähm oder auch jemand, also ne , was sind so die eigenen Zugänge? Ich glaub, da muss man einfach gucken. #00:17:33–8# S.I.: Und wenn wir jetzt nochmal Sozialarbeiterisch gucken. Was ist für dich eigentlich typisch sozialarbeiterisch? Gibts da irgendwas, wo du sagen würdest, das ist für mich typisch sozialarbeiterisch, das unterscheidet uns als Profession vielleicht von anderen, von Ärzten oder von Psychologen z. B. Ich meine ihr arbeitet ja auch mit anderen Professionen zusammen. Gibt es da etwas wo du sagen würdest, das machen nur wir als Profession Sozialarbeit oder nicht? #00:18:05–2# Anhang 3: Interviewtranskription IP1 266 IP1: (.) Also im Vergleich zu Ärzten glaube ich sind wir oft vorsichtiger in unsern Einschätzungen. Ärzte diagnostizieren eher so, zumindest, die meisten, die so hausarztmäßig drauf sind und ich erlebs zum Teil auch bei den andern. Ähm die wissen einfach viel schneller, so isses und so muss es gehen. Von daher erleb ich uns hier in der Beratungsstelle als Sozialarbeiterin eher vorsichtig und eher offen und eher so ja lass mal gucken und ausprobieren. Im Vergleich zu Psychologen (.)(.)ja es ist vielleicht auch n bisschen ne Frage des Auftrages, den wir so haben. #00:18:50–6# S.I.: Was meinst du damit? #00:18:50–6# IP1: Ja ich glaube, dass wir eher Menschen auf den Weg schicken, im Sinne von Also zum Beispiel der Frage, das ist immer hier bei mir Thema. Passt der Mensch in eine ambulante Therapie oder passt er in eine stationäre Therapie und gibts da Ausschlusskriterien und da gibts auch immer wieder unterschiedliche Einschätzungen, für welche Menschen das passt oder nicht. Das hängt mit Auftrag, das hängt vielleicht auch nochmal mit Persönlichkeiten zusammen. #00:19:17–0# S.I.: Das hab ich noch nicht ganz verstanden, was du damit meinst. #00:19:19–8# IP1: mhmh. Also wir Menschen in der Beratungsstelle, ticken da schon nochmal ein bisschen anders, einfach weil wir Menschen sind, die diese Aufgaben ausfüllen. Das erleb ich in der Therapie aber genauso, dass das was für die eine Therapeutin noch ok ist, nach dem Motto, da gibts ein paar Sachen, die sind wackelig oder ok, der ist depressiv, das passt vielleicht so toll, aber ich arbeite mal weiter mit dem, dass das für ne andere Therapeutin ein Ausschlusskriterium sein kann. Das meine ich auch so damit, wie verstehe ich meinen Auftrag, wie hoch ist der Anspruch. #00:19:55–2# S.I.: Das ist dann nicht typisch psychologisch, dass ist dann eher von Mensch zu Mensch auch unterschiedlich #00:19 #00:20:03–8# Anhang 267 IP1: Was uns sozialarbeiterisch so richtig typisch unterscheidet, könnte ich jetzt nicht so, also ich erleb die Unterscheidung eher zu den Ärzten, die so den (???) diagnostizieren und weiß es ist so oder so, wobei ich das (.)von Psychologen(.) auch eher mal mitbekomme. #00:20:18–9# S.I.: Also das diagnostische Verfahren ist ein anderes meinst du? Also die haben quasi ihre ICD 10 im Kopf oder ihre DSM IV #00:20:32–6# IP1: Also nicht nur das. Also auch Becks Depressionsinventar oder solche Geschichten, ne. Also es gibt Leute in der Therapie wird das ganz regelmäßig abgeprüft, da wird ja diagnostiziert: Ist dieser Mensch depressiv oder nicht? und dann zieh ich da meine Schlüsse raus. (.) Ich überleg jetzt gerade, ob das im Umkehrschluss heißt, dass wir Sozialarbeiter mehr aus unserem Gefühl arbeiten. (.) ähm also ich hab schon ne Einschätzung, hat ein Klient ne Depression oder depressive Verstimmung, ich würd das aber nie mit dem diagnostizieren. Das ist auch nicht mein Auftrag. Aber das hat natürlich auch noch mal Konsequenzen für die Arbeit. #00:21:05–0# S.I.: Aber irgendwie kommst du ja zu Einschätzungen, du hast es gerade gesagt, ist das schon sowas wie Fallverstehen äh jetzt ohne Manual, sag ich mal ohne DSM IV ohne ICD 10. Schon son Bild von einem Fall oder im weitesten Sinne? #00:21:22–6# IP1: Ja, ähm , ja klar, das sicher. Das ich erstmal versuche, den Menschen zu verstehen und das ich auch einschätze, aber mehr aufgrund meiner Erfahrung, meines Erfahrungswissens, denn aufgrund eines ähm Inventars oder sowas. Ist das ein Mensch, der weiterführende Hilfen braucht oder nicht? Und das ist vielleicht auch nochmal das, was Soziale Arbeit ähm zumindest hier in der Beratungsstelle ausmacht. Das ist ganz viel, dass das so ne Übergangsgeschichte ist. Die Leute kommen bei uns an und ähm , das klingt jetzt so poetisch, aber im Grunde öffnen wir Türen, ne Und die Klienten entscheiden, durch welche Tür gehe ich. Manchmal sind das auch zwei oder drei, durch die sie dann gehen aber ähm im Grunde sind wir immer die, Anhang 3: Interviewtranskription IP1 268 die sagen so, „gucken Sie doch mal in die Richtung, gehen Sie nochmal zum Arzt und lassen Sie abchecken, ob Sie ne Depression haben oder nicht, gehen Sie in eine Selbsthilfegruppe, oder was weiß ich immer als Empfehlung, nicht als (.) ne (.)Ansage. Dass wir im Grunde so ne Durchgangsstation sind mit allen Vor- und Nachteilen, die das hat. #00:22:30–6# S.I.: Wo die Leute auch dann wiederkommen? #00:22:33–7# IP1: Ja #00:22:54–0# S.I.: Das hört sich für mich auch son bisschen nach Casemanagement an. Ihr schickt die Leute da und da hin, aber ihr habt den gesamten Fall im Blick und guckt, was die brauchen an verschiedenen Stellen in ihrem Entwicklungsprozess oder? #00:22:54–0# IP1: Ja, wobei ich das gehört habe, dazu gehören auch immer so Helferkonferenzen und so was #00:22:59–8# S.I.: Ich will das jetzt gar nicht an dieser Methodik festmachen #00:22:59–8# IP1: Ja gut, also vom Prinzip her, ist es schon so, das wir natürlich gucken, dass ich zumindest gucke, das mag an meiner systemischen Geschichte liegen: Wer ist denn da noch in dieser Familie, mit wem ist es nötig, sich an einen Tisch zu setzen. ähm oder wo ist es nötig, dass noch Leute mit ins Boot geholt werden. Und dann ist es halt so, dass die Leute zum Teil in die Entgiftung gehen und hinterher wieder zu uns zurückkommen oder parallel in die Selbsthilfegruppe gehen, aber weiter bei uns bleiben. Oder, dass ich sie auch abgebe. Also in dem Moment, wo sie in die Therapie gehen sind sie ja erst mal weg aus dem Beratungssetting. #00:23:40–4# S.I.: Könnten aber noch mal wiederkommen, wenn sie zur Nachsorge kommen, oder passiert das eher nicht? #00:23:42–9# IP1: Nachsorge macht auch die ambulante Reha, machen wir nicht. Die kommen dann eher nochmal wieder, weil sie zwischendurch nochmal die Belastungsfahrt haben und sich dann vorstellen müssen und Anhang 269 manche kommen hinterher auch noch manchmal, weil sie zwei oder drei Gespräche wollen oder weil sie die Therapie abgebrochen haben und nicht wissen, wie es weitergeht. ähm Und manche kommen dann nach zwei, drei Jahren nochmal, weil sie feststellen: war schon mal n guter Anfang, aber hat noch nicht gereicht. #00:24:09–5# S.I.: Ok. Du hast eben gesagt, manchmal begleitet ihr auch Lebensverläufe. #00:24:17–4# IP1: Jaha, #00:24:20–3# S.I.: Und wenn du so überlegen würdest: was ist für dich Qualität in der sozialen Arbeit, was bedeutet für dich Qualität, woran machst du Qualität fest? #00:24:31–6# IP1: (.) mhm (hustet) Ich glaube, ich mache Qualität daran fest, dass ich irgendeine handlungsleitende Theorie habe, das ich irgendeine, dass ich das, was ich tue auch begründen kann und zwar nicht nur deshalb, weil ich denke, finde ich super, sondern weil ich weiß, es gibt irgendein Buch, das auch sagt, das haben wir schon mal erprobt und das ist auch ähm sinnvoll. Also das ist so eins. Also Qualität heißt für mich auch, dass es z. B. regelmäßige Teamgespräche gibt, dass es einen regelmäßigen Austausch gibt. Natürlich auch über Strukturen, aber natürlich auch über Klientenfälle. Qualität heißt, dass es Supervision gibt. ähm #00:25:28–5# S.I.: Warum ist z. B. Supervision wichtig? #00:25:30–1# IP1: Damit ich mich in meiner Arbeit reflektieren kann? Und dann würde ich in Fällen, wo ich das Gefühl habe, ich hab grad keine Idee, da auch neue Anregungen kriegen. Also ne reine Fallsupervision. (.)(.)(.) Also Qualität heißt für mich auch, ich zünde ne Kerze an. Also das sind für mich ganz viele Aspekte, die Qualität ausmachen. #00:25:59–4# S.I.: Und welche Rolle spielt Institution bei Qualität? Oder was befähigt diese Institution diese Arbeit zu leisten, welche Rahmenbedingungen(.)(.)Supervision hast du eben gesagt Anhang 3: Interviewtranskription IP1 270 IP1: Ach so, wenn du das darein packst. Ja Supervision, oder das Teamgespräche, dass Austausch oder das Fortbildung ermöglicht werden. Das ist natürlich immer ne institutionelle Frage. ähm (.) Für mich (.) hängt schon auch nochmal zusammen, ähm also dass Caritas auch erstmal ein christliches Menschenbild, also das ein bestimmtes Menschenbild mit bestimmten Prägungen auch so da ist. Und ich glaube schon, aber das ist nicht jeden Tag Thema, aber dass es schon so ne bestimmte Atmosphäre gibt, die immer mal wieder aufblitzt oder bestimmte Themen einfach auch wichtig sind. #00:27:01–9# S.I.: Und was ist mit Qualitätsmanagementfragen, ihr habt doch bestimmt auch sowas wie Qualitätsmanagement, die die Qualität der Arbeit sichert. #00:27:15–5# IP1: Das hängt auch ganz eng mit der Institution zusammen. Also, dass es ein QM-Handbuch gibt, dass für alle Mitarbeiter zugänglich ist, das für alle Einrichtungen gilt wo einfach zunehmend Abläufe geregelt werden. Und das wirkt sich für uns z. B. ganz konkret daran aus, dass es regelmäßige Zielplanungen gibt. Also dass wir als Suchtkrankenhilfe ne Zielplanung machen für jedes Jahr, die auch (.) am Ende des Jahres überprüft wird. Das es aber auch für jeden Unterbereich z. B. bei uns hier in der BST auch so ist, das wir drei Ziele festgeschrieben haben für 2013 und das zum Ende des Jahres geguckt wird, sind wir dem näher gekommen oder nicht. Das müssen jetzt nicht jedes Jahr neue Ziele sein und nicht jedes Jahr drei neue Arbeitsschwerpunkte aber schon einfach so ne Idee von „Wir entwickeln uns weiter.“ #00:28:07–4# S.I.: Und ähm sehen, würden alle Kollegen, das was du über Qualität und so auch unterschreiben oder gibts da individuelle Unterschiede. Siehst nur du als V. das so oder andere Kollegen sehen das anders? #00:28:24–1# IP1: (.)(.)Ich weiß nicht ganz genau. Ich glaube, dass ich da nochmal ne besondere Verantwortung spüre und das mit anderen Augen sehe, Anhang 271 weil ich stellvertretende Leiterin der Suchtkrankenhilfe bin und das ich da natürlich ähm mehr die Verbindung zur Institution als die Kollegen, die hier in der Beratung sind. Das ist so ein Teil. Ich glaube auch, dass es Kollegen gibt, die finden so ne Zielplanung bescheuert und nervig und überflüssig. ähm und andere finden das ok, weil es einfach Arbeit nochmal konkretisiert und fassbar und ein Stück messbar auch macht. Worin wir uns allerdings einig sind ist, das neue Schwerpunkte wichtig sind und das Weiterentwicklung wichtig ist. Die Frage ist dann son bisschen, wie formt mans aus. #00:29:03–6# S.I.: Also ich meine das jetzt gar nicht so in Bezug auf Zielplanung oder Qualtitätsmanagement sondern in Bezug auf Qualität der Arbeit, da hattest du auch eben son paar Punkte genannt, die dir auch wichtig sind. Würdest du denken, dass man sich da mit den Kollegen im Prinzip schon einig ist oder gibt es da große Unterschiede unter den Kollegen, wenn man die jetzt auch mal fragen würde, was ist qualitätsvolle soziale Arbeit in der Suchthilfe. Denkst du, dass es da Unterschiede gibt oder denkst du, das ihr da im Grunde auf einem Level seid? #00:29:38–9# IP1: Also was jetzt diesen ersten Aspekt angeht. Ich habe Theorien, nach denen ich arbeite da sind wir uns schon einig. (.) Das ist so mein Gefühl, das habe ich nie abgefragt aber so ist es schon. Was unterschiedlich bewertet wird, das ist z. B. ist es wichtig regelmäßig Fortbildungen mitzumachen. Es gibt Leute, die das schon lange nicht mehr mitgemacht haben. ähm gibt auch Leute, die nicht zur Supervision kommen, weil sie andere Schwerpunkte setzen und so in den Bereichen gibt es sicher Unterschiede. #00:30:11–9# S.I.: Aber so ne Theorieleitung ist schon, in Bezug auf die Klienten, wie Klienten gesehen werden, wie mit Klienten umgegangen wird? #00:30:22–8# Anhang 3: Interviewtranskription IP1 272 IP1: ähm – sind wir uns? – Es ist ja schon so, das. also für hier für die BST kann ichs definitiv sagen, dass wir nicht konfrontativ arbeiten, sondern mit eher viel Empathie und ähm #00:30:39–6# S.I.: Es ist schon sowas wie ne allgemeine Haltung hier im Haus in diesem Haus hier. #00:30:43–9# IP1: Ja #00:30:45–8# S.I.: Ja ok. Ich komm jetzt schon fast zum Ende, ich bin schon einmal durch mit meinem Leitfaden. Ähm Wenn du jetzt nochmal so auf unser Gespräch zurückblickst, was wir so besprochen haben so an Themen und so, gibts da Dinge, das wär noch wichtig zum Thema zu sagen? Wo ich jetzt z B. nicht so direkt nach gefragt habe, wenn du so an Soziale Arbeit in der Ambulanten Suchthilfe denkst, gibts da irgendwas , so n Statement oder irgendeinen Aspekt, den wir noch nicht besprochen haben? #00:31:37–7# IP1: (.)(.) Also, das war ja schon son ziemlicher Rundumschlag, ich hab jetzt nicht das Gefühl, da sind noch große Lücken ähm. Ich merke so grade in meinem Erzählen, hab ich hauptsächlich immer die Klienten, im Sinne die Betroffenen im Blick und das würd mir jetzt grad nochmal so einfallen, ähm das und das finde ich ist auch nochmal ein Qualitätsmerkmal, dass wir auch Angehörigenarbeit, ganz wichtig auch anbieten und dass wir das auch deutlich sagen, damit auch an die Öffentlichkeit gehen. Das ist so der eine Teil. Der andere Teil ist und auch das ist immer auch ein Qualitätsmerkmal, das wir auch bestimmte Gruppenangebote vorhalten, dass wir dem Klienten z. B. über die Motivationsgruppe die Möglichkeit geben auch noch mal mit anderen mit ihrer Erkrankung auseinanderzusetzen. Das heißt ein Stück mehr zu verstehen, das betrifft nicht nur mich oder bei der Therapievorbereitung einfach mal auszuprobieren. Viele sind sehr ängstlich, was Gruppenkontakte angeht und kann man mal einfach unverbindlich mal gucken, wie n das, wenn man da plötzlich mit fünf Leuten sitzt oder da gibts auch Ehrenamtliche, die ihre Anhang 273 Therapieerfahrungen vorstellen. Also dass da einfach auch noch mal so Peermäßig Beratung und Information möglich sind. Oder in der Angehörigengruppe Austausch auch möglich ist, wirklich festzustellen, andere Leute sind in der gleichen Situation, das ist ne große Entlastung. Also das ist nochmal sowas, dass dieses Spektrum auch recht breit ist. Das wir nicht nur diese Face-to-Face Beratung mit Betroffenen machen, sondern auch nach dem Umfeld gucken. #00:33:14–1# S.I.: Ja super, Danke erstmal. (Gerät wird ausgeschaltet) Anhang 3: Interviewtranskription IP1 274 Anhang 4: Interviewtranskription IP5 Aufnahmegerät wurde schon beim „Vorab-Schmalltalk“ eingeschaltet, da E. sich direkt nach der Begrüßung schon zum Thema äußerte, ohne den gesprächsgenerierenden Impuls abzuwarten (Anmerkung S.I.) IP5: Die haben ihre Entgiftung gemacht und da die Suchtkrankenarbeit war noch noch nicht differenziert. Es gab große Stationen, es gab noch oft Zwangseinweisungen zur damaligen Zeit. Ich kann mich noch dran erinnern, dass eine Station völlig abgeschlossen war und äh der Garten mit einem Zaun umgeben war, dass da niemand wegkonnte und auch große Gemeinschaftsräume und auch Bettensäle. Ich noch erlebt habe und äh die Klinik hat auch erst Ende der 70er Anfang der 80er Jahre als dann der Herr D. kam, #00:08:05–0# S.I.: Der Herr D. hat was verändert, #00:00:00–0# IP5: der was verändert hat also, wo dann auch der Fokus mehr auf die differenzierte Suchtkrankenarbeit gelegt wurde und ähm sich D. auch persönlich darum kümmerte, also da das hat viel bewirkt. #00:00:00–0# S.I.: Ja, ich würd ganz gerne, wenn es Ihnen Recht ist in unser Gespräch einfach auch mal fließend einsteigen und äh da anknüpfen und ähm Sie vielleicht als erstes bitten, dass Sie vielleicht kurz erzählen, wie Sie eigentlich zur Suchtkrankenhilfe gekommen sind. #00:01:26–0# IP5: Ich habe auch in A. an der X FH Sozialarbeit studiert und habe vorher eine Ausbildung gemacht im kaufmännischen Bereich, Versicherungskaufmann gelernt, dann ähm kam die Zivildienst und habe auch noch ne kurze Zeit in dem Beruf gearbeitet und bin dann umgestiegen und habe Sozialarbeit studiert. Habe erst die Fachoberschule gemacht und ähm dann eben die Fachhochschule, ein Praktikum gemacht, in einer Wohngemeinschaft für junge Erwachsene und das Anhang 275 war das Vorpraktikum, dann weil ich eben ne kaufmännische Ausbildung hatte bin ich dann mit der Sozialarbeit angefangen. #00:02:17–0# S.I.: Wann haben Sie Sozialarbeit studiert? #00:02:21–0# IP5: 1979–1985 #00:02:24–0# S.I.: Dann waren Sie ja auch einer der ersten dann? 1973 ist die Fachhochschule gegründet worden. #00:02:30–0# IP5: Ja also war in den 70er Jahren in der zweiten Hälfte der 70er Jahre aber in A. ja und habe dann auch meine Praktika gemacht einmal im K. und als zweites dann ergab sich das durch die Frau G., dass ich dann hier zur Suchtkrankenhilfe kam 1984 und das war der Einstieg in die Arbeit Suchtkrankenhilfe #00:03:04–0# S.I.: Also dann waren im 2. Praktikum direkt auch hier in der Stelle gewesen.? #00:03:06–0# IP5: Genau, ja Die Stellen waren noch, sind drei oder viermal umgezogen in der Zeit aber ähm das war der Kollege B., der die Stelle leitete seinerzeit und ähm er war auch mein Praxisanleiter und da hab ich eben Interesse bekommen für die Arbeit. Er hatte auch sehr interessante Gedanken und machte auch eine interessante Arbeit und das war so der Einstieg. #00:03:44–0# S.I.: Können Sie sagen, was Sie so interessiert hat, interessante Gedanken haben Sie gesagt, was ist das, was war das?┘ #00:00:00–0# IP5: └erst mal als Person, fand ich Ihn sehr beeindruckend und auch die Art und Weise seiner Arbeit und wie er mit den Suchtkranken umging, also ich hatte ja beschrieben, dass damals mehr so aufsuchende Arbeit gemacht wurde, auch damals die Selbsthilfegruppen aufgebaut, der Kreuzbund ähm der so in der Gründung war. Also das waren Dinge, die ich eben in diesen drei Monaten erlebt habe, ähm die mich beeindruck haben und das auch dazu geführt hat, dass ich dann ähm die Suchtkrankenarbeit gekommen bin und es ergab sich Anfang der 80er Jahre, dass eine Stelle, erst mal ne Praktikantenstel- Anhang 4: Interviewtranskription IP5 276 le frei wurde und eben anschließend eine, äh hauptamtliche Stelle hier. #00:04:37–0# S.I.: Und was hat er anders gemacht mit den Suchtkranken oder was war das faszinierende? #00:04:41–0# IP5: Dass er ähm sehr so belesen war und auch ähm um diese Dinge, da eigene Meinungen zu hatte und mich einfach die Auseinandersetzung mit den Gedanken und der Arbeit, beeindruckt hat. Und dass war dann eben der Weg die Arbeit. #00:05:05–0# S.I.: Jaha, ok. und das sich vielleicht unterschieden hat ,von dem, sie hatten ja auch eben über die Psychiatrie gesprochen, die Sie noch erlebt haben mit den Bettensälen usw. sich das auch da unterschieden hat? #00:05:16–0# IP5: Dass sich auch da unterschieden hat und da auch ja Auseinandersetzung, Gespräche stattfanden, wie die Arbeit dort geschieht und was man anders machen könnte. nun ja und dann kam natürlich auch die Zeit Beginn, 1982 als Herr D. kam und der dann vieles umänderte, dann gabs die AG Sucht, wo das dann thematisiert wurde und ähm äh die Vorstellungen, W-Klinik veränderte sich langsam. Da wurde eben auch äh eine Behandlungsstation eingerichtet, das war das S-Haus. Es war notwendig, da dadurch eine Konkurrenz entstand und es ging auch darum, wie und wo arbeiten die Gruppen, mit wem arbeiten sie zusammen ja und wodurch bekommen wird dann auch Zugang dann auch zu Suchtkranken, das spielt eine gro- ße Rolle. #00:06:35–0# S.I.: Das waren, wenn ich Sie richtig verstanden habe, die ersten Ansätze von Vernetzung, Zusammenarbeit von außerklinischen Stellen und der Klinik? #00:06:43–0# IP5: Aber auch natürlich spielten dann dann gewisse Konkurrenzgedanken auch mit eine Rolle, so zu gucken, woher bekommen wir denn unsere Klienten und was macht die W-Klinik, was machen wir damit? #00:07:04–0# Anhang 277 S.I.: Sich auch abzugrenzen, von dem was sie da machten. #00:07:06– 0# IP5: Ja, abzugrenzen und zu gucken, dann auch zu gucken, was wohin vermitteln wir, damals war es ja noch sehr stark, wenn jemand ähm abhängig war in eine Klinik zu vermitteln, also stationäre Therapie zu machen. Da gab es ja die ambulante Therapie noch gar nicht oder zumindest in dieser Form oder nur vielleicht in eigenen Vorstellungen, wo wir dann schon, ähm (.)(.) auch Gruppen gemacht haben oder wir auch Wochenendseminare gemacht haben. Wir sind dann z. B nach B. gefahren haben da von Freitag bis Sonntag ähm mit einer Gruppe die Zeit ähm verbracht und eben auch Gruppen gemacht und spezielle Dinge, wo wir glaubten, das könnte helfen, also teilweise auch mit Familien, wo die Kinder dabei waren. Das war so, erste Versuche, da was andere Therapie betraf. #00:08:18–0# S.I.: War das son bisschen experimentell oder gabs damals auch schon Literatur oder wissenschaftliche Ergebnisse dazu? #00:08:24–0# IP5: Das war ähm für mich eher experimentell. (.)(.) Das war(.) nicht darauf bezogen, dass ich da vorher was zu gelesen hatte, das muss man so machen, sondern das war einfach ne Idee mit den Kollegen, das einfach (.) zu versuchen, also wir hatten die Vorstellung, das müsste gehen und äh(.) hat auch funktioniert in dem Sinne. #00:08:49–0# S.I.: Ah ja , son bisschen,ähm eigentlich son bisschen forschend auch selber tätig gewesen. Wir probieren was aus im Sinne eines Experiments, weiterentwickelt, evaluiert wahrscheinlich┘, #00:09:03–0# IP5: └Jaa, dass ging dann los mit Frühsport, Jogging angeboten, ähm oder dann dass jemand aus dem Team dann mit Gips gearbeitet hat also so, Werktherapie oder malen ähm äh oder das war Herbst, dann haben wir dann so mit Blättern gearbeitet, das war so eine Sequenz. Und(.) ähm dann aber auch dann Gruppe, normale Gruppenarbeit mit den Leuten gemacht, was man heute vielleicht so im therapeu- Anhang 4: Interviewtranskription IP5 278 tischen Bereich so als ambulante Therapie macht, also so Vorläufer dessen. #00:09:48–0# S.I.: Also durchaus auch Gruppensettings gehabt? #00:09:48–0# IP5: Ja #00:08:048–0# S.I.: Und wie kamen Sie darauf, dass das helfen könnte? Irgendwoher, mussten Sie ja diese Ideen haben? #00:09:55–0# IP5: (.)(.) Ja, ähm für Leute, die trocken sind, die alkoholfrei leben, äh in der Lage sind, in der Lage sind, dass länger zu tun, einfach die Idee, dass wenn Gruppentherapie hilft in anderen Bereichen, in Kliniken, dann müsste das ambulant helfen. #00:10:19–0# S.I.: Ah ja, ok. Für Menschen, also die schon ein bisschen weiter sind, die nicht mehr so akut abhängig sind, die also schon son bisschen (.) Abstinenz zu stabilisieren? Ja und was machen Sie heute hier was sind heute hier ihre Aufgaben? #00:10:36–0# IP5: Heute ist erstmal die Beratung für überwiegend Alkoholabhängige, das heißt die Leute, die zu mir kommen, wo dann erstmal drei, vier Gespräche stattfinden, um erstmal zu klären, was ist die Situation, besteht ne Abhängigkeit oder nicht und was ähm ist ähm sinnvoll zu tun? Ist eine ambulante Therapie oder eine stationäre Therapie oder ist keines von beiden notwendig, d. h. einfach ne Selbsthilfegruppebesuch etc. Das gilt es zu klären und da hab ich dann vier, fünf Gespräche, wo ich dann ersteinmal ähm gucke, was ist die soziale Situation, was ist die Problemlage, gibt es da(.), was ist das Suchtmittel, ja, besteht da eher ein (.)(.)gefährlicher Gebrauch, oder besteht da ne Abhängigkeit schon, muss da äh eine Therapie gemacht werden oder nicht? #00:11:47–0# RH: Also, das hört sich son bisschen nach Diagnostik an. Sie machen son Clearing, Diagnostik. Gibts da bestimmte Schemata, nach denen Sie vorgehen, bestimmte Instrumente, die sie da benutzen? #00:12:00– 0# Anhang 279 IP5: Also ich habe da, so an für mich einen Leitfaden, wo es darum geht, dass die Situationsklärung, was ist die Situation, wie lebt jemand sozial, gibts da Beruf, äh gibt es eine Familie oder lebt der allein ähm. Dann was ist das Suchtmittel und wenn, gibt es mehre Suchtmittel und wenn wie wird das konsumiert? Ist das schon ein gefährdender, missbräuchlicher Konsum oder ist das eine Abhängigkeit und als nächstes so das Thema, Herkunftsfamilie, wie ist die Konstellation, wie ist jemand aufgewachsen, gab es da schon äh Abhängigkeiten z. B. oder nicht und wie ist der die Berufsentwicklung, wie ist der Berufsverlauf, gibts da Arbeit oder nicht und wie ist die Partnersituation, gibt es da ne eigene Familie oder gibt es Freundschaften, Beziehung ect oder auch nicht, oder wie gesagt, lebt jemand allein? Das ist so erstmal die erste Sequenz, wo ich das zu klären versuche und dann mir ein Bild darüber mache, äh erstmal besteht da ne Abhängigkeit oder besteht keine und was ist zu tun? Ist es notwendig, ähm eine Therapie zu machen oder nicht, reicht eine Selbsthilfegruppe, so das ist dann Sequenz, wenn ich zu der Auffassung komme, es muss eine Therapie gemacht werden, dann werde ich das sagen und werde auch vorstellen wie, ob ambulant oder stationär, ähm und dann erstmal behilflich sein, bei der Antragsstellung und den Sozialbericht schreiben, so das übliche formale, was notwendig ist. #00:14:10–0# RH: Und dieses Instrument, was Sie benutzen, Sie haben mir gesagt: „da habe ich mir son Leitfaden“, das haben Sie selbst entwickelt, dieses Instrument oder gibts da irgendwelche ┘ #00:14:18–0# IP5: └nun dies ist aufgrund eben meiner Erfahrung, meiner beruflichen Erfahrung äh (.) da hab ich mir da zurechtgelegt und weil ich denke, dass ähm ist das was ich nach den Jahren herausgefunden habe, ist notwendig (.)(.) für mich ideale so zu tun #00:14:40–0# S.I.: um den Menschen zu helfen #00:14:40–0# IP5: Um den Menschen und erstmal zu erfassen, zu begreifen, zu verstehen und ähm dann eben auch Hilfe anzubieten. #00:14:52–0# Anhang 4: Interviewtranskription IP5 280 S.I.: und wie, wenn die Klienten hierhin kommen, wissen sie schon immer, was sie wollen und sind immer schon klar, indem was sie wollen oder wie ist das? #00:15:01–0# IP5: M, nein nicht. Die kommen dann vielleicht und sagen mehr oder weniger, ich habe ein Problem oder ähm (.)(.)oder wie gestern jemand, der hier war gesagt hat, ähm ich habe schon mal ne Therapie vor neun Jahren gemacht, bin aber wieder rückfällig geworden. Da stellte sich dann raus, dass er die Therapie gemacht hatte, weil seinerzeit ähm seine Frau es wollte, weil die Ehe auch auf dem Spiel stand und auch die finanzielle und berufliche Existenz aber ganz wenig Eigenmotivation da war und er auch wieder rückfällig geworden war ähm (.) (.) wo er nicht zu Hause war, d. h. wo er außerhalb gearbeitet hat, wo er, wo ihn keiner kontrolliert hat. ja? auf Außenmontage sozusagen und da er Zeit hatte, zu trinken, heimlich und erst als er wieder nach Hause kam, dann die Frau irgendwann, er hat das auch sehr lange verheimlicht, die Flasche gefunden hat und da war das Thema wieder da. Ganz unterschiedlich und es war ihm gar nicht bewusst, dass er ähm so viel Fremdmotivation hat, dass er ganz wenig Eigenmotivation, geringe Eigenmotivation, wenn überhaupt hat. Dann jetzt zu gucken, auch eben wo er sagt, ich will was machen oder ich muss was machen, wie ist das denn verteilt? Warum will ich das denn machen oder was gibt mir auch der Alkohol? #00:16:48–0# S.I.: Und da haben Sie dann mit ihm gearbeitet, an dieser Frage? #00:16:51–0# IP5: An dem Punkt, da sind wir ja beim ersten Gespräch, wo es dann weitergeht, jetzt, wo ich ihn ja auch noch näher kennenlernen muss, einfach um zu sagen, was ist sinnvoll an eventuell ambulanter Therapie. #00:17:13–0# S.I.: Erwarten die Klienten von Ihnen, dass Sie ihnen sagen, was sie tun sollen oder haben die selber eigene Vorstellungen, wie die Dinge laufen sollen? Wie erleben Sie das? #00:17:20–0# Anhang 281 IP5: Das ist unterschiedlich, manche, die schon mal ne Therapie gemacht haben, die sagen dann: „Ich möchte ne Therapie machen oder wieder stationär dort in die Klinik ähm schon aber (.)(.)die keine gemacht haben, die kennen das vielleicht vom Hörensagen und ähm haben da keine konkreten Vorstellungen. #00:17:44–0# S.I.: und die würden dann eher erwarten, dass Sie ihnen sagen, was jetzt zu tun ist? #00:17:50–0# IP5: Ja, und dadurch, dass ähm hier vor Ort ja die B-Klinik ist und auch die W-Klinik ist, wissen viele schon, dass es so was gibt. Das ist ja auch nicht in jedem Ort und jeder Stadt, dass da vor Ort auch Fachkliniken sind. #00:18:08–0# S.I.: Und wenn jemand sagt, ich will das gar nicht? #00:18:12–0# IP5: Ja, ok, das ähm kann ich akzeptieren und dann werd ich, sage ich meine Einschätzung und äh beende das dann, sage: „Sie können gerne wiederkommen, wenn Sie Hilfe brauchen oder wenn Sie ein Gespräch möchten, klar. Ähm dann (.)(.)wird das so beendet. #00:18:36–0# S.I.: Ja, ok ja und wie lange dauern so Prozesse, die Sie haben? #00:18:45–0# IP5: Ja, die dauern unterschiedlich lang, also ich hätte gestern, hab ich jemand abgeschlossen, der seit 2006 äh erstmalig hier war bzw. ich ihn über das Krankenhaus kennengelernt habe. Ich mache auch Sprechstunde im V-Hospital. Da auf der Station ist er dann mir vermittelt worden, d. h. ich bekommen dann von der Station von dem Arzt, von dem Stationsarzt ne Mitteilung, dass da jemand behandelt wird, meist auch noch wegen anderer (.)(.)(.) Gebrechen und anderer Leiden und ähm wo dann aber Sucht eine Rolle mitspielt. Und dieser Mensch war wegen einer Magenproblematik da behandelt worden und hatte dann aber auch immer schon ein Alkoholproblem, ähm wo da seinerzeit der Chef das kritisiert hat, ihm Druck gemacht hat und dann die Frau, aber er selbst nicht, wenig Probleme damit hatte und auch dann äh, phasenweise abstinent gelebt hat und äh auch heim- Anhang 4: Interviewtranskription IP5 282 lich dann getrunken hat. Das hat auch dann die Frau gemerkt, aber als der Führerschein entzogen wurde, dann ist er selbst auf die Idee gekommen, dass da doch etwas äh mehr ist und da hat er dann eine stationäre Therapie gemacht und äh seit dem ist er abstinent und hat dann auch gestern so ganz stolz berichtet, dass er jetzt 426 Tage abstinent ist und ähm ja so dass dann dass er selbst jetzt will und das eingesehen hat und vorher dann der Chef und die Frau es wollte aber er selbst nur ganz gering. #00:20:41–0# S.I.: Und welche Rolle haben Sie jetzt in diesem Prozess gespielt? #00:20:43–0# IP5: Ja, äh so als Gesprächspartner, Berater, ähm wo anfangs öfter die äh Gespräche waren, anfangs, kann ich mich erinnern, dass wir da auch schon wöchentlich äh ne Sitzung hatten, aber zuletzt, dann vierwöchentlich und jetzt ganz zuletzt alle drei Monate vielleicht und ähm jetzt war noch ein Thema Rauchen, äh, aber da sagt er habe ich noch nicht den Kick. Da höre ich noch nicht auf. Ich hatte ihm auch angeboten, auch einen Raucherentwöhnungskurs zu machen, aber das wollte er nicht, da war er noch nicht zu motiviert und äh insofern habe ich das dann abgeschlossen, aber das war auch äh sein Denken d. h. seine Vorstellung, dass das, dass er auch das beendet hätte oder beenden wollte. Insofern war das stimmig, so dass wir das gemeinsam dann abschließen konnten. #00:21:49–0# S.I.: Und der hat ja sehr lange gedauert der Prozessbogen. Wenn Sie sagen 2006, äh sind das äh 7 Jahre. Was haben Sie da konkret mit ihm gemacht?(.)(.)(.) War der immer jede Woche regelmäßig┘ #00:22:07–0# IP5: └Nein, nein, das war dann auch phasenweise, je nach dem wie dann auch ein Druck war, d. h. sein Seniorchef, der hat ihn sehr malträtiert. Also der wollte damals schon, dass er ne Therapie machte usw. und hat ihn da verwarnt und äh da gab es ja ne ganz schlecht Atmosphäre. Er war Werkstattleiter, also hatte schon ne Verantwortungspo- Anhang 283 sition in der Firma und ähm, da hatte er sehr mit zu kämpfen gehabt und sehr Schwierigkeiten gehabt und es hat lange Zeit gedauert, bis er da ein einigermaßen Verhältnis entwickeln konnte und auch der Chef ihm nicht mehr son Druck gemacht hat, ja und das war oft dann Thema in den Gesprächen, anfangs. Dann kam die Frau dazu ja , die dann auch Druck machte, die dann auch, wenn er getrunken hatte, so dass waren Themen, die er dann hier eingebracht hat. #00:23:13–0# S.I.: D. h. Sie haben Ihn in seiner Ambivalenz beraten und begleitet eigentlich das Stück, ja #00:23:19–0# IP5: Weil er auch zur damaligen Zeit auch äh (.) letztlich nicht bereit war, so eine Therapie zu machen und ähm wie oft er dann auch getrunken hat, das vermag ich auch gar nicht zu sagen. Zumindest in den Gesprächen war er nüchtern, war er abstinent. Ähm ich denk mal, dass er ähm äh heimlich dann getrunken hat, aber ähm dass er das auch dann verheimlicht hat, nicht offen gemacht hat, das kann durchaus schon sein. Aber wenn er hier war, war er alkoholfrei. #00:23:57–0# S.I.: Und in welchen, wenn Sie jetzt diesen ganzen Prozessbogen mal angucken, von Anfang bis jetzt in welchen Bereichen, dieses im Leben dieses Klienten hat sich was verändert in der Zeit? Vielleicht auch durch Ihre Unterstützung? #00:24:12–0# IP5: Also ich glaube, dass er ähm mittlerweile, dass er mehr zu sich selbst gefunden hat, er zufriedener geworden ist. Früher hat er sich aufgeregt, über was war es? über den Chef, über äh über Kollegen oder Mitarbeiter und sagt heute: „Ne, da guck ich gar nicht mehr hin. Für mich ist das erledigt und ich guck jetzt, was ich machen kann und nicht machen kann.“ Also, dass er mehr zu sich selbst gefunden hat, auf sich selbst fokussiert ist, zufriedener geworden ist. #00:24:49–0# S.I.: Und ist er noch verheiratet? mit der selben Frau? #00:24:50–0# IP5: Er ist verheiratet, Immer noch mit derselben Frau und ähm die ist teilweise auch berufstätig, als Verkäuferin und ich habe sie auch schon öfter hier gehabt, oder so, insbesondere in der Zeit, in der es Anhang 4: Interviewtranskription IP5 284 dann zu Rückfällen gekommen ist. Äh aber mein Eindruck ist, dass die auch den äh Lebensweg weiter miteinander gehen. #00:25:20–0# S.I.: Hat sich in der Paardynamik auch was verändert, hier durch die Gespräche auch? #00:25:22–0# IP5: Ja, mh. Also sie war dann zeitweise sehr misstrauisch, auch ihm gegenüber. Da hat sich dann mit der Zeit langsam wieder Vertrauen gebildet, dass sie nicht mehr so guckt, hat er jetzt nun getrunken oder nicht getrunken, sondern dass das nicht mehr so ne große Rolle spielt. #00:25:49–0# S.I.: Also meine Frage, die ich mir grad stelle, ist hat sich nur der Mann verändert, oder hat sich auch son Umfeld verändert, dadurch, dass er hier auch in der Beratung war bei Ihnen? #00:25:57–0# IP5: Ähm also, er geht regelmäßig zur Selbsthilfegruppe, das ist auch ein Punkt, wo er dann Gesprächsmöglichkeiten und auch Kontaktmöglichkeiten hat. Ähm, das hat sich schon verändert. #00:26:16–0# S.I.: Was, ist dieser Klient, dieser Fall, den Sie gerade beschrieben haben, ist der typisch für ihre Arbeit?(.)(.)(.)oder würden Sie sagen, es gibt andere Fälle, die typischer sind? #00:26:32–0# IP5: Typisch, was vielleicht..Es gibt ja mehrere Klienten, die ja längere Zeit so in dieser Beratungs äh phase, Behandlungsphase, Betreuungsphase sind. Das ist schon in sofern typisch, also das es da auch lange Zeiten gibt, wo es manchmal auch dann unterbrochen ist, also da wo kein Kontakt stattfindet. Aber wenn man das mal so in Gänze sieht, dass das oft über ähm mehrere Jahre stattgefunden hat. #00:27:11–0# S.I.: Und Sie haben dann ja auch ne Therapie gemacht, tatsächlich, ne? #00:27:15–0# IP5: Ja man hat dann ne stationäre Therapie in einer Fachklinik gemacht. #00:27:20–0# S.I.: und wie würden Sie das Verhältnis sehen, von dem Erfolg, den der Klient jetzt hatte, welchen Teil hat der Beratungsprozess beigetragen und welchen Teil die Therapie, die ja viel kürzer ist, beigetra- Anhang 285 gen, oder würden Sie sagen, dass ist ja ungefähr gleich oder das tut sich nichts mit einander? #00:27:37–0# IP5: Die Therapie in der Klinik ist schon sehr intensiv und hat auch 14 Wochen gedauert also dass das auch ein großen Teil natürlich dazu beigetragen hat, dass er so zu sich selbst gekommen ist, selbstzufriedener geworden ist, ist schon ein erheblicher Teil. Ich kann das jetzt nicht benennen, was es ist, aber es ist schon ein großer Teil. #00:28:05–0# S.I.: Aber er war ja viel länger hier in der Beratung? #00:28:05–0# IP5: Er war viel länger hier, ja. Ähm das (.)(.)(.) ich denk mal, das es vielleicht auch 40 % dazu beigetragen hat, dass er(.) #00:28:19–0# S.I.: Also ich frag deswegen, weil es wird ja der Sozialarbeit häufig vorgeworfen: da werden die Klienten so lange gehalten und eigentlich könnte man es doch viel effizienter in so ner Therapie machen. Wenn die nur direkt in die Therapie, dann müsste man nicht soviel Geld und Ressourcen aufwenden, um die über lange Jahre zu begleiten. Da wird der sozialen Arbeit ja häufig Ineffektivität vorgeworfen. Wie würden Sie das sehen? Stimmt das oder ist das ? #00:28:51–0# IP5: Ich glaube, dass das Suchtmittel ein Symptom ist für etwas und dass das auch schon sehr früh angelegt wird, weshalb jemand Suchtmittel nimmt. Und insofern braucht auch so ein Prozess Zeit und der Mensch braucht Wachstum, um zu sich zu finden, ja um stimmig zu werden und das finde ich braucht einfach Zeit. Und insofern sehe ich den Vorwurf nicht, kann ich da nicht zustimmen. #00:29:35–0# S.I.: Also sie haben ja gesagt, die Zeit wo er hier war, die war ja auch unterbrochen, aber es war ja wichtig immer wieder anzukommen, um auch bereit zu sein, für die Veränderungsmaßnahmen, die ja in der Klinik sehr intensiv erfolgt sind, weil es gibt ja häufig auch viele Abbrüche. #00:29:52–0# IP5: Es gibt da auch ne Entwicklung. In früheren Zeiten, gab es äh Therapie die waren sechs Monate. Als ich 1980 anfing, waren die Therapien oft sechs Monate. Da war dann Arbeitstherapie, da war Anhang 4: Interviewtranskription IP5 286 dann sehr lange (das Telefon schellt und IP5 geht dran, das Gespräch wird unterbrochen und das Aufnahmegerät ausgestellt. Nach dem Telefonat spricht er weiter.) Das auch die Therapien nicht so speziell waren. Also diese 6 Monatstherapien, ich kann mich daran erinnern, dass das Haus B., da war viel Arbeitstherapie, da war der Morgen bestückt mit Arbeitstherapie, da gab es vielleicht ein oder zwei in der Woche ne Gruppe, ja also da war, da legte man auf andere Dinge Wert, das war sehr religiös orientiert, ja und diese Therapie hat sich ja auch verändert. (Das Telefon schellt erneut und IP5 geht dran, das Gespräch wird erneut unterbrochen und das Aufnahmegerät ausgestellt.) #00:30:53–0# S.I.: Wir waren bei den Therapien, die sich verändert haben. Die sind ja viel effektiver geworden. #00:30:58–0# IP5: und auch ähm so kurzfristiger geworden, das heute vielmehr, acht Woche, sechs Wochen Therapien genehmigt werden. Dafür manchmal ähm mehrere, ja weil das das dann auch mehr Sinn macht, dann kann man experimentieren dazwischen, ja durchaus rückfällig werden, aber dann nochmal ne ne neue Therapie ansetzen mit neuen Erkenntnissen und Erfahrungen. #00:31:23–0# S.I.: Das heißt äh die Zeit zwischen den Therapien und auch nach der Therapie ist ne wichtige Zeit #00:31:30–0# IP5: Ja, ich denke auch durchaus, dass ein Rückfall sehr heilsam und wichtig sein kann, einfach neue Erfahrungen und Erkenntnisse zu machen. #00:31:38–0# S.I.: Welche Rolle spielt ihre Arbeit in dieser Zeit z. B. nach Therapie oder im Übergang zur Therapie? #00:31:46–0# IP5: Ja, also, dass ich da auch Gespräche anbiete, vielleicht einmal wöchentlich, in der Zeit vor der Therapie, in der Zeit nach dem Entzug zum Beispiel ähm in Vorbereitung auf die stationäre Therapie oder auch nach einer Therapie, die ambulante Nachsorge. #00:32:07–0# Anhang 287 S.I.: Und warum ist das wichtig für die Klienten, was denken Sie? #00:32:14–0# IP5: Die Dinge, die vielleicht so nicht bewusst sind oder klar sind zu reflektieren, anzusprechen, aufmerksam zu machen, zu stabilisieren, was in der Therapie erarbeitet worden ist. #00:32:42–0# S.I.: Ja, was ähm leitet sie in ihrer Arbeit, was sind zentrale Werte in Ihrer Arbeit? Was denken Sie ist wichtig für diese Arbeit? #00:32:56–0# IP5: (.)(.) Ja, ich glaube, das Verständnis für Menschen da ein Wert ist, ein Empfinden von Gerechtigkeit und sicherlich auch ähm christliche Orientierung, also dass das für mich wichtig ist, weil das auch ein Wert ist, mit dem ich aufgewachsen bin. #00:33:32–0# S.I.: Christliche Orientierung meint was genau? #00:33:35–0# IP5: Den nächsten so zu behandeln, wie ich auch gerne behandelt werden möchte. So das ähm das ist glaube ich so ne Orientierung, son Wert, der für mich wichtig ist, an erster Stelle. #00:33:50–0# S.I.: Den Menschen also wirklich als Subjekt zu sehen, als autonomes Wesen, dessen Integrität zu schützen ist, so was vielleicht? #00:34:02–0# IP5: Ja, das kann man auch vielleicht sagen, das was in der Kirche , in der christlichen Lehre als Nächstenliebe bezeichnet wird, wo ähm man den anderen so behandeln sollte, wie man auch selbst behandelt werden will. #00:34:24–0# S.I.: Was sind so Herausforderungen in Ihrer Arbeit? Was erleben Sie als herausfordernd? #00:34:27–0# IP5: (.)(.)(.)(.)(.)(.)Immer wieder neu, dass es so viele Facetten von Problemlagen gibt, Menschen gibt, ähm das sich immer wieder neu darauf einzustellen und manchmal unglaubliche äh Konstellationen es gibt, die ich vorher gar nicht bedacht habe, auf die man sich gar nicht vorbereiten kann. #00:35:04–0# S.I.: Was hilft da, diese Herausforderungen zu bewältigen, mit denen Sie ja quasi täglich konfrontiert sind? #00:35:10–0# Anhang 4: Interviewtranskription IP5 288 IP5: Also äh für mich (.)(.) da selbst in Balance zu sein, das heißt ich gehe gerne in die Natur, also ich mache täglich einen Gang in der Mittagszeit, gehe ich, wenn ich Zeit habe, in den X-Park und Sport und diese Dinge, also das heißt mache mir Gedanken zu den Dingen, die mir auffallen #00:35:43–0# S.I.: Gedanken machen, das heißt nochmal darüber nachdenken, sie für sich zu reflektieren vielleicht auch? #00:35:47–0# IP5: Ja, oder zu Beispiel äh aktuell die Grenzen des Wachstums, alle reden von Wachstum, Wachstum, wo ich gedacht habe, das kann ja nicht normal sein, irgendwo muss es doch auch ein Leben geben, wo man sich mit beschränken kann und begrenzen kann, was ein angenehmes Leben ist. So diesem einfach nachzuspüren, was gibt es da zu lesen zu z. B. oder was meinen andere dazu. #00:36:15–0# S.I.: Das heißt durchaus auch Literatur, so Wissenschaftsliteratur zu lesen #00:36:20–0# IP5: Wissenschaft nicht aber zum Beispiel Zeitung oder sowas dann oder zu dem Thema mal zu gucken, was es da gibt z. B. #00:36:30–0# S.I.: Welche Rolle spielt Wissen oder theoretisches Wissen? #00:36:34– 0# IP5: Wissen spielt eine ganz große Rolle neben äh Erkenntnis äh neben der Befindlichkeit, also den Gefühlen, das spielt ne große Rolle, Wissen(.)(.) #00:36:50–0# S.I.: //mhm// Das heißt Sie beschäftigen sich auch regelmäßig mit Wissensliteratur ähm mit den neuen Erkenntnissen, die es im Feld auch der Suchthilfe gibt, da werden ständig neue Dinge, ja auch publiziert und Erkenntnisse, Trauma z. B. war eines der letzten Themen gewesen oder äh ┘ #00:37:14–0# IP5: └ Also, wenn ich darauf stoße, befasse ich mich auch damit, aber ich will jetzt nicht sagen, dass ich da äh so groß forsche oder auf die neuesten Erkenntnisse abziele, aber es gibt ja oft auch im Kollegenkreis, dann oft Gespräche bei den Teamsitzungen, da einfach äh ange- Anhang 289 regt zu werden mit Gedanken. Da gibts ja auch dann Methodenteam also wo dann jemand was vorstellt, alle zwei Monate. #00:37:46–0# S.I.: Es gibt ja unterschiedliche Quellen, sich das Wissen anzueignen, man muss ja nicht alles lesen. Man kann ja auch durch die Kollegen angeregt werden, ja Und haben Sie das Gefühl, dass sich dadurch ihre Arbeit weiterentwickelt – entwickelt hat auch? #00:37:57–0# IP5: Ich ähm glaube ja, dass sich die Arbeit weiterentwickelt, oder dass ich mich entwickle – weiterentwickle. Ansonsten wäre Stillstand. Ich glaube, dass ich dass der Lebensreifungsprozess schon Entwicklung ist. #00:38:14–0# S.I.: Was qualifiziert Sie für diese Arbeit, was braucht man um diese Arbeit zu machen? #00:38:24–0# IP5: Ich glaube, man braucht ne gewisse äh(.)(.)personale, ne Persönlichkeit ähm. Man braucht Wissen, man braucht Erfahrung in der Handhabung dieser Dinge. Auch Erfahrung in der Arbeit, dass ist sehr wichtig. #00:38:46–0# S.I.: Erfahrung heißt, man muss die Dinge auch tun, man kann die Dinge auch tun, man kann sie sich nicht aneignen theoretisch, man muss sie auch tun.┘ #00:38:50:00–0# IP5: └Tun, ja. Durch das Tun einfach ähm(.)(.)(.)ähm diese Erfahrungen wachsen durch das Tun, Kliniken besuchen, Gespräche mit äh vor Ort, auch die Erfahrung früher, auch die aufsuchende Arbeit mehr gemacht zu haben, aber jetzt mehr, isses ja mehr ne Komm- Strukur. Das sind eben auch Erfahrungen, die ich gemacht habe, dass sich das so entwickelt hat, also das heißt, die Erfahrung mit den Menschen und die Erkenntnisse, wie jemand zu Sucht kommt und was notwendig ist, dann zu tun. #00:39:36–0# S.I.: Ok. ja, dass heißt es hat sich auch sag ich mal implizites Wissen angehäuft.┘ #00:39:40–0# IP5: └Ja, genau┘ #00:39:41–0# Anhang 4: Interviewtranskription IP5 290 S.I.: └ Durch die eigene Erfahrung, die man gemacht hat, durch die Reflexion, immer wieder Reflexion des Ganzen, Inputs von außen, durch Kollegen, Austausch auch mit andern Fachdisziplinen auch. #00:39:53–0# IP5: Ja auch ähm Tagungen oder ich habe ne Fortbildung, Sozialtherapie-Fortbildung gemacht bei der GVS in Kassel. Das hat natürlich auch dazu beigetragen. #00:40:16–0# S.I.: Ja, ok. Wenn Sie jetzt mal so abwägen müssten, so ich sag mal implizites Wissen, Erfahrungswissen, Wissen durch Tun und Anregung durch theoretisches Wissen, was würden Sie sagen, ist da wichtiger oder kann man das nicht sagen? #00:40:29–0# IP5: Ich glaube, das hat alles seinen Stellenwert, wenn eines nicht da sein würde, würde es auch fehlen. #00:40:40–0# S.I.: Das heißt es braucht beides? #00:40:41–0# IP5: Ja es braucht beides. #00:40:42–0# S.I.: Jetzt guck ich nochmal auf meinen Zettel. (.)(.) Wenn wir jetzt mal zu dem Thema, kommen, was mich so hauptsächlich interessiert, ähm (.)(.)Was würden Sie sagen, gibt es so etwas typisch sozialarbeiterisches im Umgang mit ambulanten Suchtkranken im Unterschied vielleicht zu anderen Professionen, mit denen Sie ja auch eng zusammen arbeiten, Medizinern und Psychologen, gibt es da etwas was Sozialarbeiter anders machen? #00:41:13–0# IP5: Ich glaube, dass Sozialarbeiter, ähm insofern was anders machen, weil Sie also Ich kann mich daran erinnern, in den Anfangszeiten, wo ich die Leute auch begleitet habe zur Therapie oder zur äh Klinik gebracht habe also zum Entzug gebracht habe, lange mit denen im Auto unterwegs war, zu Gesprächen kam, ähm Sie auch in der Klinik aufgesucht habe zu Gesprächen. Ich glaube, dass das anders ist, als bei Medizinern und auch bei Psychologen. #00:42:00–0# Anhang 291 S.I.: Aber Sie haben ja gesagt, dass Sie das heute nicht mehr tun. Würden Sie denn heute sagen, sie arbeiten nicht mehr sozialarbeiterisch? #00:42:05–0# IP5: Vielleicht – das will ich jetzt nicht so äh so äh so hart sagen, aber ich glaube, dass es da auch mehr so äh vielleicht auch ne Annäherung gibt, wie Psychologen arbeiten. Durch die therapeutische Arbeit, in Anführungszeichen, dass das ähnlicher geworden ist. #00:42:35–0# S.I.: Was würden Sie sagen, was ist die Annäherung an die Psychologen? #00:42:40–0# IP5: Das mehr ne Komm-Struktur ist, äh indem ich äh nicht mehr also so mehr zur Klinik bringe, zum Beispiel. #00:42:55–0# S.I.: Und in Bezug auf die Klienten, ist das hilfreicher, hilft das den Klienten auch mehr? #00:43:00–0# IP5: (.)(.)(.)(.) Also ich glaube, dass die Arbeit effektiv ist. Das die Klienten auch profitieren. Ob sie von dem anderen mehr profitiert hätten, Vielleicht hätten Sie da jemand, der sie zur Therapie bringt, wärs etwas bequemer, bräuchten Sie nicht mit dem Zug zu fahren oder würden dann vielleicht eher hinfahren, weil sie dann gebracht werden, das mag durchaus sein, aber das seh ich nicht so als wesentlich. #00:43:44–0# S.I.: Also der Akt, jemand zur Therapie zu bringen, ist nicht das Entscheidende. #00:43:46–0# IP5: Wobei durchaus auch da ähm man da viel gute interessante Gespräche führen kann und die Menschen kennenlernen kann, ja . Ich hab da auch eine Frau im Auge, die ich hingebracht habe, die nach kurzer Zeit wieder abgebrochen hat, wo aber insgesamt so aufgrund ihrer psychischen oder psychiatrischen Erkrankung, da äh ein bergab zu sehen ist, kein Erfolg äh zu sehen ist, wo sie gesundet. #00:44:30–0# S.I.: Gibt es heute Unterschiede zwischen dem was sie heute tun, gibt es da etwas besonderes, typisch sozialarbeiterisches gegenüber ande- Anhang 4: Interviewtranskription IP5 292 ren Kollegen aus der Medizin oder psychologischen Therapie, was die anders machen? #00:44:55–0# IP5: Ich denk mal so, das kann ich jetzt nicht vergleichen. Also weil meine Art erst mal drei, vier Gespräche zu führen, um jemand kennenzulernen, ob das typisch ist, weiß ich nicht. Da ich da Zeit habe, das zu tun, finde ich ist das erstmal die richtige Art und Weise daran zu gehen. #00:45:32–0# S.I.: Sie würden schon sagen, dieses Kennenlernen, den ganzen Menschen zu betrachten, ist das Wesentliche? #00:45:36–0# IP5: Auch seine Geschichte, seine Herkunft, seine Entwicklung, um dann ein Bild zu machen, wie ist es dazu gekommen und was könnte ihm möglicherweise helfen, was braucht er, um nicht mehr das Suchtmittel zu brauchen. #00:45:54–0# S.I.: Das ist wesentlich für die Klienten #00:45:54–0# IP5: ja #00:00:00–0# S.I.: Da hätten Sie so ne Phantasie, dass das bei den anderen Ärzten oder Psychologen nicht so sein könnte? Weil sie sagen, Sie wüssten nicht so genau, ob das wäre#00:46:02–0# IP5: Ich weiß nicht, ob die sich so die Zeit nehmen oder auch die Zeit haben, das vermag ich nicht zu sagen. #00:46:14–0# S.I.: Das könnte auch an den Rahmenbedingungen liegen.? #00:46:18– 0# IP5: Könnte auch an den Rahmenbedingungen liegen. #00:46:18–0# S.I.: (.)(.)(.) ok. //mhm// ok Was sind für Sie so Erfolgskriterien, wann würden Sie sagen, hat ihre Arbeit Erfolg oder wann ist es eine qualitätsvolle soziale Arbeit? Was macht die Qualität von sozialer Arbeit aus? #00:46:41–0# IP5: Ein Erfolg ist, äußerlich erst mal, wenn jemand in der Lage ist, längerfristig abstinent zu leben. Auch natürlich wenn jemand sagt das hat mir geholfen oder diese ja Ideen, oder das hab ich noch gar nicht bedacht. Wie gestern, wo wir das abgeschlossen haben, das sagt so, Anhang 293 in der ersten Zeit waren mir die Gespräche ganz wichtig, ja so also im Nachhinein späte zwar späte Bestätigung, aber doch zu hören, es war wichtig hier her zu kommen, zu den Gesprächen. #00:47:26–0# S.I.: Ja ok, und was ist Qualität, wann würden Sie sagen, das ist ne gute Sozialarbeit, da wird ne gute Sozialarbeit gemacht? #00:47:35–0# IP5: (.)(.)(.) Wenn äh, zum Beispiel, wenn der Klient der Meinung ist, das es ihm hilft und wenn er in der Lage ist längerfristig zum Beispiel, wenn er abhängig ist, alkoholfrei zu leben #00:47:59–0# S.I.: Gut, ja dann komme ich schon fast zum Ende unseres Gesprächs, wenn Sie unser Gespräch nochmal so Revue passieren lassen, was würden Sie sagen, was ist wichtig zu dem Thema zu wissen oder zu sagen: Soziale Arbeit in der ambulanten Suchtkrankenhilfe? #00:48:22–0# IP5: Ich glaube Soziale Arbeit seinen Stellenwert hat und es gibt ja auch viele Sozialpädagogen, Sozialarbeiter, die in dem Bereich arbeiten, die vielleicht auch eine Zusatzausbildung gemacht haben und die doch in der therapeutischen Arbeit sehr vertreten sind. #00:48:52–0# S.I.: und das ist wichtig. #00:48:53–0# IP5 Ja #00:48:54–0# S.I.: und warum ist das wichtig, können doch auch Psychologen machen? #00:49:00–0# IP5: Können Sie machen, ich glaube nur, dass das wäre jetzt ein Argument, wo ich dann argumentieren würde aus Kostenträgerschaft, dass die Sozialarbeiter zumindest günstiger vom Preis her sind, als Psychologen und Ärzte. #00:49:33–0# S.I.: Aber wenn man es bezahlen könnte, wäre es egal? #00:49:33–0# IP5: Ich glaube, dass das Sozialarbeit auf jeden Fall einen Stellenwert hat und wo dann auch noch die sozialen Aspekte, die Netzwerkaspekte berücksichtigt werden können, Arbeit, Familie usw. Also, dass das glaube ich die Sozialarbeiter mehr im Auge haben. #00:49:54–0# S.I.: Von Ihrer Ausbildung her oder warum haben Sozialarbeiter das mehr im Auge? #00:50:04–0# Anhang 4: Interviewtranskription IP5 294 IP5: Weil das einfach mehr das Soziale und diese Dinge mehr der Fokus eigentlich ist. #00:50:12–0# S.I.: ja, ok und das ist wichtig für die Klienten? #00:50:21–0# IP5: Ich denke ja #00:50:21–0# S.I.: Ich meine, Sie haben das am Anfang ja auch betont, dass, das der Fokus ist, den Sie ja auch legen, um einen Menschen kennenzulernen, haben Sie ja genau das gesagt, dass Sie das genau auch angucken, weil Sies für wesentlich halten. Können Sie nochmal sagen, warum Sie das für wesentlich halten, im Verhältnis zum Beispiel zu ner intrapsychischen Klärung oder warum das auf jeden Fall mit dazugehört? #00:50:46–0# IP5: Ich denke, die Dynamik in der Herkunftsfamilie schon eine wesentliche ist. Wie da die Konstellationen sind, wer da die Macht hat und ob da ausreichend gute ähm gute Ressourcen zur Verfügung gestellt wurden, ob eine ausreichend gute Mutter da war oder ein ausreichend guter Vater da war oder ähm nicht. #00:51:08–0# S.I.: und die sozialen Aspekte, haben Sie ja auch eben genannt, Arbeit, Wohnen, Geld, die sind auch wichtig. #00:51:15–0# IP5: Die sind auch wichtig klar, Beruf #00:51:21–0# S.I.: Warum ist der Beruf so wichtig? #00:51:21–0# IP5: Erfolgserlebnisse, ähm einerseits aber kann auch negative Folgen haben durch Stress, Anstrengung, Überlastung etc, dass das auch n wesentlicher Faktor ist, der auf möglicherweise Suchterkrankung Einfluss hat #00:51:41–0# S.I.: Weil dann der Suchtmittelkonsum dann als Medikation eingesetzt wird, um dem Stress entgegenzuwirken. #00:51:48–0# IP5: Wobei ich auch gestern noch mit jemand gesprochen habe, der sozusagen der aufgrund seiner Beruftätigkeit und Stress, unter Stress gestanden hat und dann langsam abgedriftet ist, in Alkoholismus und den Alkohol benutzt hat als Beruhigungsmittel, als Stressbekämpfungsmittel, als Entspannungsmittel. #00:51:10–0# Anhang 295 S.I.: Ja, einen ganz herzlichen Dank, dann wär ich durch mit meinem Interview. Ich bedanke mich ganz herzlich und mach mal das Gerät aus. (Das Gerät wird ausgeschaltet.) Anhang 4: Interviewtranskription IP5

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Abstract

In Germany, between 1.5 and 2 million people are considered alcohol dependent. The annual economic cost of this dependency is estimated at 40 billion Euros. The system of alcohol support services, meanwhile contains many different options. Alcohol advice centres play an important role in linking different assistance services within the rehabilitation process. Given this, what is the specific job of social workers within the framework of alcohol counselling? This analysis identifies the subjective perspective of social workers from the institutional background.

Zusammenfassung

In Deutschland haben zwischen 1,5 und 2 Millionen Menschen eine Abhängigkeit von Alkohol entwickelt, und zwischen 1,4 und 1,9 Millionen Menschen weisen einen sogenannten missbräuchlichen Konsum von alkoholischen Getränken auf. Die damit verbundenen jährlichen volkswirtschaftlichen Kosten werden auf 40 Milliarden Euro beziffert.

Das Hilfesystem für die Rehabilitation von der Krankheit „Sucht“ ist inzwischen sehr ausdifferenziert. Suchtberatungsstellen nehmen zwischen den Teilsystemen eines Rehabilitationsprozesses eine wichtige Brückenfunktion ein. Ihre gesellschaftliche Bedeutung ist unbestritten, ihre Verbreitung, ihre Reichweite und ihre Ressourcenausstattung sind hingegen relativ unbestimmt.

Welche Aufgaben nehmen Fachkräfte der Sozialen Arbeit in diesem Rahmen und im Kontext des Aufgabenspektrums von Suchtberatungsstellen wahr? Gegenstand der vorliegenden Analyse sind die subjektiven Repräsentationen von Fachkräften im Spiegel der Gegebenheiten dieses Handlungsfeldes.