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4 Die Bewertung des Projekts für das Erlernen politischer Zusammenhänge in:

Christiane Lemke, Amalia Sdroulia

Theater und Politik als Weg zur Integration, page 57 - 66

Ein Erfahrungsbericht

1. Edition 2020, ISBN print: 978-3-8288-4447-6, ISBN online: 978-3-8288-7464-0, https://doi.org/10.5771/9783828874640-57

Tectum, Baden-Baden
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Die Bewertung des Projekts für das Erlernen politischer Zusammenhänge Während der Vorbereitung der Theateraufführung sollte in dem Projekt parallel ermittelt werden, welche Vorstellungen die Teilnehmenden über Politik und Gesellschaft haben und wie sich diese durch das Theaterspielen veränderten. Die Sicht der Beteiligten war wichtig, da wir nicht nur den Spracherwerb verbessern und die soziale Integration fördern wollten, sondern auch einen Raum für die Erweiterung von Kenntnissen und die Reflexion über politische Zusammenhänge bieten und so zur politischen Bildung beitragen wollten. Zur Analyse der Bedeutung des Theaterspielens für das Politiklernen wurden mit den Beteiligten Interviews durchgeführt, die anschließend transkribiert und ausgewertet wurden. Dabei wurden zwei Anliegen verfolgt: a) Zum einen stellt sich generell die Frage nach dem Theater als geeignete Lehrund Lernmethode in der politischen Bildung und damit als Integrationsmöglichkeit aus der Sicht der interviewten Migrant*innen, Geflüchteten und Studierenden. b) Zum anderen soll mit Blick auf die Selbsterlebnisse der interviewten Persönlichkeiten näher auf ihr Politikverstehen eingegangen werden, zum Beispiel bezüglich des Grundgesetzes und der Grundrechte, aber auch anderer gesellschaftlicher Fragen, um so zum Verständnis ihrer Integration sowie zu konkreten Integrationsstrategien beizutragen, die die Proband*innen in ihrem Alltag entwickeln müssen. Diese doppelseitige Perspektive der Untersuchung soll klären helfen, inwiefern theaterpädagogische Methoden für einen fördernden Politikunterricht und eine gelungene Integration von Migrant*innen und Geflüchteten geeignet sind und welche Hindernisse immer noch zu ihrem Ausschluss aus einer gleichberechtigten Teilhabe an allen Bereichen der deutschen Gesellschaft beitragen. 4 57 Die qualitative Methode der Datenerhebung Die Untersuchung widmet sich mit den skizzierten Fragestellungen dem Sinneseindruck der theaterpädagogischen Methoden in der politischen Bildung, dem Demokratieverständnis und auch der persönlichen Motivation zum politischen Handeln der Interviewten. Derartige Blickwinkel können nur gewonnen werden, wenn Migrant*innen, Geflüchtete und Deutsche als Betroffene über ihre Selbsterfahrung zu Wort kommen. Diese Fragen lassen sich somit nur im Rahmen eines qualitativen Forschungsansatzes beantworten, der es erlaubt, Prozesse zu rekonstruieren, die soziale Wirklichkeit in ihrer sinnhaften Strukturierung bezeichnen (Lamnek 1988, S. 41). Die Interviews geben wichtige Aufschlüsse über die Selbstwahrnehmung der Teilnehmenden; sie spiegeln insofern subjektive Ansichten und Empfindungen wieder. Dabei wird die Interview-Methode in den Sozialwissenschaften gern eingesetzt, wenn neue Informationen ermittelt werden sollen; dieser Umstand ist in unserem Projekt insofern gegeben, als es bislang kaum empirische Untersuchungen über die Selbsterfahrung von Migrant*innen und Geflüchteten gibt und die Einzelfälle sich auch deutlich voneinander unterscheiden. Die Interviews vermitteln eine Binnensicht der beteiligten Personen; sie sind allerdings nicht als repräsentatives, sondern eher exploratives Material zu betrachten (vgl. hierzu auch Panke 2018, S. 215f.). Die gewonnenen Einsichten können für die politische Bildung sowie für Nachfolgeuntersuchungen wertvolle Aufschlüsse über die Selbstwahrnehmung der Beteiligten vermitteln. Realisierung des Forschungsansatzes Zunächst erfolgte eine sekundäranalytische Auswertung relevanter empirischer Untersuchungen und theoretischer Ansätze zum Theater, zur politischen Bildung sowie zur gesellschaftlichen Integration. In einer zweiten Phase wurde ein Interviewleitfaden (siehe Anhang) ausgearbeitet. Als Interviewkandidat*innen wurden zwölf Migrant*innen und Geflüchtete befragt, die teilweise in ihren Herkunftsländern selbst eine akademische Ausbildung erworben hatten, sowie einige Studierende der Leibniz Universität Hannover. Alle Interviewten waren Teil- 4.1 4.1.1 4 Die Bewertung des Projekts für das Erlernen politischer Zusammenhänge 58 nehmende im Theater-Projekt. Die 13. Person als Mitspielerin auf der Bühne war zugleich eine der Projektleiterinnen. Nach der Durchführung der Interviews wurden in einer dritten Arbeitsphase die Interviewtexte transkribiert. Anschließend erfolgte die qualitative Auswertung der nach Themenbereichen geordneten Interviewauszüge entsprechend den Regeln der inhaltlich strukturierenden qualitativen Inhaltsanalyse. Bei der inhaltlich strukturierenden qualitativen Inhaltsanalyse wird durch Kategorien und Subkategorien eine inhaltliche Strukturierung der Daten geschaffen. Dabei werden vielfach Themen und Subthemen als Auswertungskategorien gebraucht. Das aufmerksame Lesen des Textes und das Markieren von zentral erscheinenden Textpassagen leiten die inhaltlich strukturierende qualitative Analyse ein (vgl. Kuckartz 2018, S. 97–121). Das gesamte Projekt von der Vorbereitung über die Durchführung bis zur Auswertung der Interviews fand im Zeitraum von August 2018 bis Februar 2020 statt. Die Durchführung der qualitativen Interviews Im Zentrum der empirischen Datenerhebung dieser Studie stehen offene problemzentrierte Interviews. Problemzentrierte Interviews werden durch einen Leitfaden gestützt. Sie sind durch sehr offen formulierte Fragen gekennzeichnet, damit die Strukturierung und die thematischen Vorgaben nicht zu eng werden. Befragte beantworten nicht systematisch bestimmte Fragen, sondern der Leitfaden stützt den Gesprächsverlauf und die Interviewten nutzen Vorwissen über die Problemformulierung und die Leitung des Interviews (vgl. Witzel/Reiter 2012, S. 24ff.). Im Rahmen des Projektes sind Vorwissen und Selbsterfahrungen von Migrant*innen, Geflüchteten und deutschen Studierenden wertvoll, um zu rekonstruieren, wie politische Bildung durch Theater angeeignet wird und welche Strategie die Interviewten in ihrem Fremdsein sowohl im Unterricht als auch in ihrem politischen und sozialen Leben für die Integration entwickeln. Da die Interviewten bei den einzelnen Themen, Problemen und Fragen nicht von Stereotypisierungen und Befangenheiten beeinflusst 4.1.2 4.1 Die qualitative Methode der Datenerhebung 59 werden sollten, war die Abfolge, in der einzelne Themen angesprochen wurden, nicht so zentral. Vielmehr ging es darum, einen Horizont von gleichen Themen zu spannen, um eine strukturierte Auswertung zu ermöglichen. Ein Leitfaden wurde den Interviews zugrunde gelegt, damit alle Befragten die gleichen Kernpunkte beantworten konnten. Der Leitfaden wurde jedoch nicht als festes Verlaufsmodell gesehen. Das Interview bestand aus einem Fragebogen mit elf teilstandardisierten, aber sehr offen formulierten Fragen über die Bedeutung von und die Erwartungen an Integration, die eigene politische Sozialisation, Ansichten zur Meinungs- und Religionsfreiheit, Beurteilungen von Politik und Grundgesetz, Verbindung von politischem Verhalten und sozialer Herkunft und familiärer Situation sowie zur Verknüpfung zwischen Politik und Theaterspielen. Die Fragen sprachen die Interviewten als Betroffene an, etwa in der Art: Inwiefern hilft Ihnen Theater Politik zu verstehen und zu beschreiben? Welche Bedeutung hat Integration für Sie? Sind Ihre Erwartungen von Integration erfüllt? Was verstehen Sie unter Politik? Die Interviews wurden auf Tonband aufgenommen und später transkribiert. Die Interviewtexte bilden den Ausgangspunkt für die Erforschung der Selbsterfahrung und Selbstdarstellung. Die Untersuchungsgruppe Eine Gruppe von zwölf Migrant*innen und Geflüchteten sowie mehrere Studierende aus der Leibniz Universität Hannover bildeten die Untersuchungsgruppe. Alle Befragten nahmen an dem oben beschriebenen Theaterprojekt „Politik theatralisch unterrichten“ teil, das in mehrere Theateraufführungen des Stückes „Die Insel“ mündete. Das Projekt wurde außerhalb der Universität durchgeführt, weil es kein Teil eines geregelten Lehrprogramms war; aber es bestanden wichtige Bezüge zur universitären Theorie und Praxis, vor allem durch die wissenschaftliche Begleitung. Die Interviews wurden ebenfalls in Räumen au- ßerhalb der Universität geführt. Drei Interviewte waren deutsche Studierende an der Leibniz Universität Hannover. Auf der Seite der Migrant*innen und Geflüchteten haben fünf in ihren Herkunftsländern selbst ein akademisches Studium abgeschlossen und vier eine berufliche Ausbildung erworben. Die 4.1.3 4 Die Bewertung des Projekts für das Erlernen politischer Zusammenhänge 60 Proband*innen waren bei der Interviewdurchführung zwischen 23 und 48 Jahre alt. Die Interviewanalyse soll anonym bleiben. Die Interviewten werden demzufolge mit Pseudonymen genannt. Die Berücksichtigung dieses forschungsethischen Axioms lässt die inhaltlichen Aussagen und Wertungen der Befragten unberührt. Die Gesprächssituation Alle Befragten zeigten für rund eineinhalb Stunden lebhaftes Interesse am Interviewprozess und an den skizzierten Fragen. Die Gesprächsatmosphäre war gelockert und von gegenseitiger Achtung geprägt. Während einige Interviewte eher distanziert antworteten, offenbarten andere auch sehr persönliche Details. Manche Gespräche liefen hervorragend und bei anderen war es schwieriger, Aussagen für die qualitative Inhaltsanalyse zu gewinnen. In einer Leitfadenkonstruktion (siehe Anhang Postskript) wurde notiert, wer die Interviewten waren, welche Pseudonyme sie hatten, wann das Interview stattfand und wie lange es dauerte. Weiter wurde vermerkt, ob der Gesprächsverlauf irgendwelche besonderen Merkmale aufwies (z.B. Haltung des Interviewten bzw. Nähe oder Distanz, Erzählbereitschaft, Erzählstil bzw. Mimik, Gestik, Auffälligkeiten der Räumlichkeiten, Vorkommnisse, projektrelevante Informationen vor und nach dem Interview) sowie welche Stellung die interviewende zur interviewten Person einnahm. Die Interviews fanden in der Zeit zwischen Januar und März 2019 in den Wohnungen der Interviewten statt, weil es uns wichtig war, den Alltag und Lebensstil der Proband*innen in ihrer Umgebung kennenzulernen. Die Interviews dauerten zwischen 40 und 70 Minuten und verliefen konzentriert, wenn auch manchmal unterbrochen durch den Wunsch nach Ausschalten des Tonbandgerätes, zum Beispiel bei der Suche nach den zutreffenden Ausdrücken. Das unterschiedliche Sprachniveau bildete eine Schwierigkeit bei den Interviews, die jedoch durch das Wiederholen von Fragen und die Erläuterung von Begriffen überwunden werden konnte. 4.1.4 4.1 Die qualitative Methode der Datenerhebung 61 Auswertung der erhobenen Daten Bei der Auswertung der rund 219 transkribierten Seiten ging es darum, die erhobenen Daten greifbar und analysierbar zu machen, ohne die Erzählungen der Interviewten vorschnell zu reduzieren. Alle methodischen Schritte wurden gemäß der Forschungsfrage konzipiert. Die Datenauswertung erfolgte in drei Arbeitsschritten: Anfertigung von Kurzfassungen, thematische Kategorisierung des Materials, Auswertung. Folgende Arbeitsschritte wurden vollzogen: a) Um alle zwölf Persönlichkeiten zu vergegenwärtigen, wurden von allen transkribierten Texten Kurzfassungen über soziodemografische Daten der Befragten (Familienstand, Ausbildung, Beruf etc.) angefertigt, da diese Angaben mit den Notizen über den Gesprächsverlauf sehr hilfreich waren. Die transkribierten Interviews wurden mit Hilfe von ausdifferenzierten Kategorien thematisch und inhaltlich gegliedert. Hierzu schreibt Kuckartz: „Durch Vergleichen und Kontrastieren von interessierenden Gruppen – häufig nach sozio-demographischen Merkmalen differenziert – gewinnt die kategorienbasierte Auswertung und Darstellung an Differenziertheit, Komplexität und Erklärungskraft“ (Kuckartz 2018, S. 97f.). Als vorläufige inhaltliche Strukturierung des Interviewmaterials haben wir Interviewauszüge bestimmten thematischen Kategorien zugeordnet: 1. Kategorie: Politisches Verhalten/politische Sozialisation Zu diesem Gesichtspunkt gehören persönliche Motive und Vorstellungen über das politische Engagement, Aussagen über politisches Interesse sowie persönliche Erlebnisse im politischen Alltagsleben. 2. Kategorie: Einflussnahme Hierzu gehören Bewertungen über äußere Einflussfaktoren (z.B. Familie, Partner, Freunde, Beruf etc.) sowie das Alltagsverhalten der Interviewten im Umgang damit. 3. Kategorie: Grundgesetz Mit dieser Kategorie wollten wir exemplarisch politische Kenntnisse und Auffassungen ermitteln. Die Fokussierung auf das Grundgesetz ermöglichte dabei eine ausschnitthafte Erfassung 4.2 4 Die Bewertung des Projekts für das Erlernen politischer Zusammenhänge 62 dieser Dimensionen. Diese Kategorie umfasst nicht nur Äußerungen über den Artikel 1 (Unantastbarkeit der Menschenwürde) und den Artikel 3 (Gleichheit vor dem Gesetz, Gleichberechtigung der Geschlechter, Verbot von Diskriminierung, Bevorzugung aufgrund bestimmter Eigenschaften) des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland, sondern auch Einschätzungen der Befragten über Förderungsmöglichkeiten (Sprachförderung, politische Förderung, ethnische Akzeptanz, Meinungs- und Religionsfreiheit, Geschlechtergleichstellung etc.), Gleichberechtigung oder Benachteiligung sowie über die politische Stimmung gegenüber Migrant*innen, Geflüchteten und Deutschen. 4. Kategorie: Integration Unter diesem Aspekt verfolgten wir die Fragen, welche Bedeutung für die Proband*innen im beruflichen und familiären Bereich Integration hat und ob ihre Erwartungen von Integration erfüllt sind. 5. Kategorie: Stereotypen Unter dieser Kategorie ordneten wir Textpassagen ein, in denen Verallgemeinerungen über Migrant*innen, Geflüchtete und Deutsche in ihrem alltäglichen Leben zu finden sind. 6. Kategorie: Theaterspiel und Politik In diese Kategorie fallen alle einschätzenden Positionen der Befragten bezüglich der eigenen Interessen und Kompetenzen fürs Theaterspielen sowie des Theaterspiels als geeignete Lehr- und Lernmethode und damit als Integrationsmöglichkeit aus der Sicht der Teilnehmer*innen. 7. Kategorie: Selbstbild In diese Kategorien werden alle beurteilenden Vorstellungen, die die Proband*innen von sich selbst haben bzw. sich von sich selbst machen, eingeordnet. Das Selbstbild beruht auf Selbstwahrnehmungen und ist daher subjektiv geprägt. 8. Kategorie: Konflikte Diese Kategorie umfasst erlebte innerliche wie äußere schwierige Lebenssituationen. Die geäußerten Widersprüche zwischen Erwartetem und Erreichtem verweisen auf innere Konflikte sowie auf persönliche Entwicklungsmomente. Die thematische Kategorisierung des Materials war ein wichtiges Hilfsmittel, einerseits mögliche Widersprüche in den geschilder- 4.2 Auswertung der erhobenen Daten 63 ten Darstellungen zu entdecken, andererseits Unterschiede und Ähnlichkeiten der interviewten Persönlichkeiten herauszuarbeiten. Das Datenmaterial hat uns außerdem sehr geholfen, relevante Textpassagen zu identifizieren und wiederzufinden. b) Die Auswertung des Datenmaterials sollte die Basis schaffen, um einerseits das Theater als geeignete Lehr- und Lernmethode in der politischen Bildung aus der Sicht der interviewten Migrant*innen, Geflüchteten und deutschen Studierenden zu beschreiben und andererseits die zwölf Einzelfälle in ihrem Politikverständnis und Integrationsbemühen zu porträtieren. Der erste Teil der Auswertung verfolgt das Ziel, das Theater als Unterrichtsmethode zu bewerten, durch das die Migrant*innen, Geflüchteten und deutschen Studierenden sich politisch bilden und integrieren. Dabei wird im Einzelnen gefragt: Inwiefern hilft Ihnen Theater Politik zu verstehen und zu beschreiben? Können Sie es in einem konkreten Beispiel erläutern? Was bedeutet das Theaterspielen für Sie? In diesem Teil ist wichtig, was die Befragten sagen, und nicht, wie sie etwas sagen, in welchem Zusammenhang und mit welcher Wichtigkeit. Entscheidend ist, welche Aspekte die Migrant*innen, Geflüchteten und deutschen Studierenden hinsichtlich des Theaters als Lehr- und Lernmethode in der politischen Bildung thematisieren. Im Zentrum des zweitens Teils der Auswertung steht eine fallbezogene Analyse. Mit Blick auf die Selbsterfahrungen der zwölf Migrant*innen, Geflüchteten und deutschen Studierenden mit Politik, Grundgesetz und Integration soll das Spezifische des jeweiligen Falls erklärt werden. Die Analyse der Einzelfälle ermöglicht, sozialisationsbedingte und sozialstrukturelle Einflussfaktoren zu klären und zu analysieren, die für das politische Handeln und Integrationsverstehen der Interviewten von Bedeutung sind. Damit wird beansprucht, unter die Oberfläche zu schauen und nach latenten Handlungen und Intentionen der Interviewten zu suchen. Aus den zwei Fragestellungen, inwiefern Theater eine geeignete Lehr- und Lernmethode in der politischen Bildung ist und wie die Proband*innen selbst Politik, Grundgesetz und Integration erleben und wahrnehmen, wurde reflektiert, welche Integrati- 4 Die Bewertung des Projekts für das Erlernen politischer Zusammenhänge 64 onsstrategien die Interviewten sowohl im Unterricht als auch im Alltag entwickeln, um mit ihrem Leben in Deutschland zurechtzukommen, insbesondere mit Blick auf deren Fremdsein. Bei der Suche nach den latenten Sinnstrukturen bei den Äußerungen der Interviewten haben wir uns ganz auf die zwölf verschiedenen Einzelfälle eingelassen und uns genau auf das von den Proband*innen Gesagte fokussiert. Wir haben alle zwölf Personen beim Wort genommen und zudem dabei ausdrücklich darauf geachtet, wie etwas gesagt wurde, und uns jedes Mal gefragt, warum dies so und nicht anders gesagt wurde. 4.2 Auswertung der erhobenen Daten 65

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References

Abstract

Since the creation of the theater, the theater stage has been closely connected to the political. Can theater play also pave the way for integration? In this book, amateur actors from different language and cultural backgrounds develop a play based on their own experiences with flight, alienation and starting new. The authors present suggestions for the instructional processing of self-written texts, exercises for testing different forms of expressions of the body as well as practical tips for the stage performance. Interviews with participating migrants, refugees and German students about their experiences with theater and integration in their daily lives complete the text.

Zusammenfassung

Seit der Erschaffung des Theaters ist die Theaterbühne mit dem Politischen eng verbunden. Kann Theaterspiel auch den Weg zur Integration ebnen? In diesem Buch entwickeln LaienschauspielerInnen aus unterschiedlichen Sprach- und Kulturkreisen gemeinsam ein Theaterstück, das auf ihren Erfahrungen mit Flucht, Fremdsein und Neuanfang beruht. Die Autorinnen präsentieren Vorschläge zur unterrichtlichen Bearbeitung von selbstverfassten Texten, Übungen zur Erprobung unterschiedlicher Ausdrucksformen des Körpers sowie Tipps zur Bühnenaufführung. Interviews mit teilnehmenden MigrantInnen, Geflüchteten und deutschen Studierenden über ihre Erfahrungen mit Theater und Integration im Alltag runden den Text ab.