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1 Zum Begriff der Intertextualität in:

Sebastian Brinks

Positionsbestimmungen im Streit, page 5 - 12

Autor- und Literaturreflexionen im mittelhochdeutschen "Wartburgkrieg" und in E.T.A. Hoffmanns "Der Kampf der Sänger"

1. Edition 2020, ISBN print: 978-3-8288-4446-9, ISBN online: 978-3-8288-7463-3, https://doi.org/10.5771/9783828874633-5

Series: Literatur und Medien, vol. 10

Tectum, Baden-Baden
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Zum Begriff der Intertextualität Vor der Arbeit an den Primärtexten, die beide auf ihre eigene Weise in Relation zu ex- und impliziten Prätexten zu setzen sind, scheint es sinnvoll, einige theoretische Überlegungen zur Intertextualität voranzustellen. Diese Arbeit möchte sich, wie in der Einleitung angekündigt, keinem einzelnen Zugriff verschreiben und sich so möglicherweise beschränken, sondern sich verschiedener Analysemethoden bedienen, die im Laufe der Arbeit eingeführt werden. Um dabei Wiederholungen zu vermeiden, ist den beiden Analyseteilen diese generelle Skizze vorangestellt, die natürlich nicht den Anspruch erheben kann, die vollständige Debatte abzubilden, die mit den Arbeiten Julia Kristevas eine kaum zu überschätzende Dynamik aufgenommen hat, wie Baßler festhält: „Kristevas kleiner Aufsatz hat [...] eine geisteswissenschaftliche Lawine losgetreten.“13 Insofern muss sich die vorliegende Arbeit damit begnügen, einzelne Schneebälle der Lawine aufzusammeln, um im Bild Baßlers zu bleiben. Weniger geht es dabei um ein Forschungsreferat, sondern darum, zu zeigen, inwiefern das Konzept der Intertextualität einen Mehrwert für die hier anzustellenden Untersuchungen darstellt. Der ‚weite‘ Intertextualitätsbegriff und das Archiv Die erste grundsätzliche Entscheidung, die im Umgang mit dem Intertextualitätsbegriff zu treffen ist, bezieht sich auf dessen Umfang. Auf der einen Seite der Skala ist dabei der Ansatz Julia Kristevas zu verorten: „[A]ny text is constructed as a mosaic of quotations; any text is the absorption and transformation of another.“14 Der Argumentation Barthes’ folgend, der seinerseits auf Kristevas Ansatz aufbaut, ergänzt 1 1.1 13 Baßler: Die kulturpoetische Funktion und das Archiv, S. 74. 14 Kristeva: World, Dialogue and Novel, S. 37. 5 Baßler, dass dabei nicht nur die literarische Sphäre zu berücksichtigen sei:15 „Jeder Text konstituiert sich als Teil eines ‚texte général‘ (Derrida), eines Universums aus anderen Texten, die alle miteinander vernetzt sind.“16 In Baßlers Konzept gewinnt vor diesem Hintergrund das Archiv an Bedeutung, das im Mittelpunkt seiner Habilitationsschrift steht. Darunter versteht er – anders als etwa Foucault – ein materiell vorliegendes Archiv, die Textualität wird ganz im Sinne Bachtins zur Grundlage seiner literaturwissenschaftlichen Arbeit. Natürlich sei das Archiv dabei auch Beschränkungen unterworfen, weil nicht alles überliefert werde, „[a]ber die Aussagen, die ich über diese Bedingungen machen kann, sind ebenfalls immer sekundäre Abstraktionen, gewonnen aufgrund von Texten und daher methodologisch dem Archiv nachgeordnet.“17 Das Archiv bleibt also notwendigerweise die Grundlage jeder Arbeit am Text. Im gleichen Kapitel fasst er dann den wesentlichen Anspruch an seine kontext- bzw. intertextorientierte Theorie zusammen: „Sie soll Texte in ihrer Kultur kontextualisieren.“18 Es folgt eine genauere Beschreibung seines Archivs: „Dazu ist es nötig, in einem ersten Schritt die verfügbaren Dokumente dieser Kultur nebeneinander auf den Tisch zu legen. Das, was dann auf diesem Tisch liegt, nennen wir Archiv.“19 Wichtig sei dabei, dass die Texte nicht hierarchisiert oder auf eine andere Weise geordnet seien, auch wenn dies per se eine utopische Vorstellung sei – der New Historicism habe aber gezeigt, dass bestehende Ordnungen im Zugriff auf den Text (und seine Kontexte) überwunden werden sollten und auch zu überwinden seien.20 Implizit ist in den Ausführungen deutlich geworden, dass dieser Ansatz jede Verbindung zu anderen Texten berücksichtigt, wobei der Autor eines Textes massiv an Bedeutung verliert, von einer Herrschaft über den eigenen Text kann keine Rede mehr sein.21 Im Anklang an Barthes’ Rede vom „Tod des Autors“22 spricht Baßler ebenfalls von der 15 Vgl. Baßler: Die kulturpoetische Funktion und das Archiv, S. 69 f. 16 Ebd., S. 74. 17 Ebd., S. 180. 18 Ebd., S. 182. 19 Ebd. 20 Vgl. ebd. 21 Vgl. Baßler: New Historicism und der Text der Kultur, S. 27 f. 22 Barthes: Der Tod des Autors, so auch der Titel des programmatischen Aufsatzes. 1 Zum Begriff der Intertextualität 6 „Geburt des Lesers“23, den er aber nicht als reale Person verstanden wissen will: „Die Instanz, die hier irreführenderweise als Leser bezeichnet wird, kann realiter nur die Gestalt einer Wissenschaft haben, die sich dem bezeichneten Objektbereich widmet.“24 Deutlich wird darin ein wesentliches Problem des ‚weiten‘ Intertextualitätsbegriffs: „Kein individueller Leser wäre überdies in der Lage, sämtliche Fäden zusammenzuhalten.“25 Es ist wohl auch diese Einschränkung, die selbst Baßler machen muss, die zur Formulierung eines ‚engen‘ Intertextualitätsbegriffs beigetragen hat. Der ‚enge‘ Intertextualitätsbegriff – Zitate und Palimpseste Es überrascht trotz der von Baßler zugebenen Schwierigkeiten beim Umgang mit dem ‚weiten‘ Begriff nicht, dass er ein ‚enges‘ Konzept durchweg ablehnt. In der Lektüre Bachtins hält er fest: „Kommunikation findet hier nicht zwischen Autor und Leser [sic!] sondern zwischen den großen Autor-Persönlichkeiten statt. Ein Roman rekurriert auf einen anderen. Die Texte selbst werden dabei als Äußerungen ihrer Autoren angesehen, die auf andere, vorausgegangene Äußerungen antworten.“26 Ein ähnliches Verständnis von Werk und Autor stellt er bei anderen Vertretern eines ‚engen‘ Intertextualitätsbegriffs fest, die „zu diesem Behufe mit einem intakten, aber obsoleten Begriff vom Text als ‚Werk‘27 [operieren]: Intertextuelle Beziehungen sind ihrer Auffassung nach stets bewußt eingesetzte Gestaltungsmittel eines Autors.“28 Vom (radikalen) Ansatz Kristevas bleibe so fast nichts übrig, moniert Baßler. Genette dagegen lehnt genau diesen universalen Begriff ab, der ihm zufolge ohnehin nicht praktikabel sei. Eine ähnliche Position be- 1.2 23 Baßler: Die kulturpoetische Funktion und das Archiv, S. 70. 24 Ebd., S. 71. 25 Ebd. 26 Ebd. 27 Beispielhaft hierfür ist die Äußerung Stierles: „Das Werk selbst ist das Zentrum eines Sinns, der über es hinausreicht. Es konstituiert ein Sinnfeld, dessen Mittelpunkt es zugleich ist.“ (Stierle, Karlheinz: Werk und Intertextualität. In: Ders./ Rainer Warning (Hg.): Das Gespräch, Poetik und Hermeneutik XI, München 1984, S. 139–150, hier S. 144). 28 Baßler: Die kulturpoetische Funktion und das Archiv, S. 75. 1.2 Der ‚enge‘ Intertextualitätsbegriff – Zitate und Palimpseste 7 zieht Stierle: „So ist die Intertextualität eine unendlich vielfältige Bestimmtheit und Bezogenheit. Ihre Erfassung ist eine unendliche Aufgabe, die zwar theoretisch postulierbar, faktisch aber nicht einlösbar ist.“29 Dabei macht er auch auf den fast willkürlichen Charakter aufmerksam, den das Aufzeigen ausgesuchter intertextueller Relationen aufweise.30 Daher versucht er, sich (wie auch Genette31) auf solche Bezugnahmen zu konzentrieren, die der Text explizit mache. Es verwundert angesichts seiner Positionen in der Narratologie nicht, dass Genette dem Autoren auch mit Blick auf mögliche Intertextualitätsbeziehungen ‚seines‘ Textes zu anderen Texten eine wichtige Stellung einräumt.32 In Palimpseste formuliert er ein eigenes Modell, das wenig überraschend zunächst terminologische Schwierigkeiten aufwirft: Statt von Intertextualität zu sprechen, benennt er seine Oberkategorie als „Transtextualität“33, die sich in insgesamt fünf Subtypen aufteilen lasse: „Intertextualität“34 bezeichnet dabei die direkte Bezugnahme – etwa durch Zitate, Plagiate oder auch Allusionen. „Paratext“35 nennt er den eigentlichen Text umgebenden Text, etwa Klappentexte oder dergleichen. „Metatextualität“36 meint die reflektierende Beschäftigung mit einem Text, so wie sie etwa im Kommentar betrieben wird. „Architextualität“37 nennt er schließlich die „Gattungszugehörigkeit“38 eines Textes, der so einem Archetext nahekommen wolle. Im Zentrum der Palimpseste steht aber ein Konzept, das Genette als „Hypertextualität“39 bezeichnet. Darunter versteht er „die Beziehung zwischen einem Text B (den ich als Hypertext bezeichne) und einem Text A (den ich, wie zu erwarten, als Hypotext bezeichne), wobei Text B Text A auf eine Art und Weise überlagert, die nicht die des Kom- 29 Stierle: Werk und Intertextualität, S. 139. 30 Vgl. ebd., S. 141. 31 Vgl. Genette: Palimpseste, S. 20. 32 Ebd. 33 Ebd., S. 9. 34 Ebd., S. 10. 35 Ebd., S. 11. 36 Ebd., S. 13. 37 Ebd. 38 Ebd., S. 14. 39 Ebd. 1 Zum Begriff der Intertextualität 8 mentars ist.“40 Dabei werde Text A zur Bedingung von B, was aber keine explizite Thematisierung voraussetze. Unterschieden werden dabei „einfache oder direkte Transformation“41 und komplexere Verfahren, die eher als Nachahmung zu beschreiben sind und nach Genette voraussetzen, dass der Hypotext „zumindest teilweise beherrscht werde.“42 In der Folge behandelt er ausführlich die humoristischen Aneignungen eines Hypotextes, beispielsweise in Form einer Parodie, bevor er sich der „ernste[n] Transformation oder Transposition“43 widmet. Er entwickelt hier wiederum einen Katalog von Subtypen, die grundsätzlich in formale und inhaltliche Transpositionen aufzuteilen seien, wobei natürlich auch formale Änderungen inhaltliche Modifikationen nach sich zögen.44 Dies betreffe insbesondere die Verfahren von Kürzungen und Amplifikationen, ebenso die Übersetzung. Dabei könne es, so Genette, gerade bei älteren Texten zu Bedeutungsverschiebungen und -verlusten kommen, die kaum einzufangen seien.45 Für Hoffmanns Bearbeitung des Wartburgkriegs scheinen solche Probleme zumindest vorstellbar. Im weiteren Verlauf dieser Arbeit wird das Verfahren der „Transmotivation“46 eine größere Rolle spielen. Darunter versteht Genette die Änderung einer Motivation in einem Text. Besonders häufig sei dies bei der Transposition antiker oder mittelalterlicher Texte zu beobachten. Meist werde eine Motivation hinzugefügt als „Instrument der Psychologisierung, die für die moderne Transposition überaus charakteristisch ist.“47 In eine ähnliche Richtungen gehen Veränderungen des Hypotextes, die er als „Umwertung“48 beschreibt: Eine „Operation axiologischer Art, die dem Wert gilt, der explizit oder implizit einer Reihe von Handlungen zugeschrieben wird.“49 40 Genette: Palimpseste, S. 15. 41 Ebd. 42 Ebd., S. 16. 43 Ebd., S. 287. 44 Vgl. ebd., S. 315. 45 Vgl. ebd., S. 292. 46 Ebd., S. 439. 47 Ebd., S. 443. 48 Ebd., S. 464. 49 Ebd. 1.2 Der ‚enge‘ Intertextualitätsbegriff – Zitate und Palimpseste 9 Bei all diesen Spielarten von Transtextualität oder „intertextuality from the viewpoint of structural poetics“50, wie Allen den Begriff in die etablierte Terminologie einzusortieren versucht, sei aber der gewählte Schwerpunkt zu beachten: „Genette’s concern is with intended and self-conscious relations between texts.“51 Genettes Begriff ist damit ebenjenem Verständnis von Intertextualität zuzurechnen, das beispielsweise Baßler teils heftig kritisiert, trotzdem bieten seine Ansätze „a fruitful area of study“52, wie Allen betont. Intertextuelle Ansätze in dieser Arbeit Eine intertextuell orientierte Untersuchung, gleich welchem Verständnis des Begriffs sie sich nun verschreibt, steht immer vor dem Problem einer kaum handhabbaren Zahl von möglichen Verweisen und Relationen, oder anders formuliert, vor der Herausforderung, den „texte général pragmatisierbar [zu machen]“53, um alle Bezüge zwischen Texten aufdecken zu können.54 Zima konkretisiert, dass für eine ‚weite‘ Intertextualität potentiell Bezüge zu sämtlichen Texten und Diskursen (sowohl literarisch als auch nicht-literarisch) vorstellbar seien. Er schlägt deshalb die Unterscheidung zwischen „externer“ (Bezüge zu nicht-literarischen Texten) und „interner Intertextualität“55 (zu literarischen Texten) vor, die zumindest in Ansätzen eine bessere Übersichtlichkeit verspricht, ohne der grundsätzlichen Offenheit des Konzepts entgegenzuwirken. In der wissenschaftlichen Praxis des New Historicism sei es eine Lösung, „die Lupe auf den historischen Hintergrund“56 zu legen, was allerdings ebenfalls eine Auswahl voraussetze – schon 1.3 50 Allen: Intertextuality, S. 98. 51 Ebd., S. 108. 52 Ebd., S. 110. 53 Baßler: New Historicism und der Text der Kultur, S. 24. 54 Er schlägt (wie in anderen Aufsätzen bzw. Monographien auch) das Konzept des „Hypertext[s]“ (ebd., S. 29) vor, das „idealerweise alle Texte eines Archivs gleichzeitig präsent machen [könne]“ (ebd.). 55 Zima: Formen und Funktionen der Intertextualität in Moderne und Postmoderne, S. 42. 56 Baßler: New Historicism und der Text der Kultur, S. 24. 1 Zum Begriff der Intertextualität 10 aus pragmatischen Gründen, so Baßler.57 Auch die Frage, ob allein intentionale Bezüge berücksichtigt werden sollten, gilt es dabei stets zu bedenken. Diese Arbeit wird sich dabei allerdings eher auf die Überlegungen im Anschluss an Kristeva oder Barthes stützen, die Intentionalität nicht als Kategorie in der Untersuchung intertextueller Bezüge erachten, weil das eine nicht mehr zu haltende Autonomie des Autors und seines Werks voraussetze.58 Trotzdem ist auch der ‚breite‘ Intertextualitätsbegriff im Sinne Baßlers und anderer – darauf sei noch einmal hingewiesen – auf die Beschränkung in der Darstellung der Analyse (und auch in der Analyse selbst) angewiesen, um praktikabel zu bleiben.59 Genau dieser Spagat soll in der vorliegenden Arbeit angestrebt werden. Natürlich ist es nicht möglich, in dem vorgegebenen Rahmen intertextuelle Bezüge erschöpfend zu beleuchten. Es ist immer eine Auswahl aus der potentiell unendlichen Menge von Anknüpfungspunkten nötig, die auch dem Schwerpunkt der Arbeit geschuldet ist. Im Fokus stehen daher zunächst die Autorfiguren, die in den Texten auftreten. Vor allem sind das Wolfram, Klingsor und Heinrich von Ofterdingen.60 In beiden Primärtexten lassen sich die Figuren insbesondere durch Relationen zu bestehenden Figuren und Texten sowie deren Umakzentuierungen erklären. Gleiches gilt für die Kunst- bzw. Literaturpositionen, die beide Texte vermitteln und reflektieren. Sie sind als Antworten auf andere (literarische) Texte zu lesen, gewissermaßen als Diskussionsbeitrag. Auch wenn der Nachvollzug intertextueller Bezüge in beiden Teilen der Arbeit wichtig sein wird, ist festzuhalten, dass diese Lesart sich für den Kampf der Sänger als noch relevanter erweist – und dort auch detaillierter erfolgt. Denn für die Erzählung Hoffmanns lässt sich die 57 Diese Beschränkung in der wissenschaftlichen Praxis sieht Baßler nicht im Widerspruch zum Hypertext, der trotzdem geeignet sei, auf die potentiell unendlichen Verweise aufmerksam zu machen – die sprachliche Umsetzung hingegen verlange die Beschränkung (vgl. ebd., S. 32). 58 Vgl. Baßler: New Historicism und der Text der Kultur, S. 27 f. 59 Auf diesen nicht zu überwindenden Widerspruch weist auch Aczel hin (vgl. Aczel: Intertextualität, S. 350). 60 An dieser Stelle ist es wenig sinnvoll, den Analysen vorwegzugreifen, deshalb hier nur der kurze Hinweis darauf, dass insbesondere in diesem und den folgenden Aspekten intertextuelle Relationen in besonderem Maße zu berücksichtigen sind. 1.3 Intertextuelle Ansätze in dieser Arbeit 11 Bedeutung einer These Blühdorns in besonderem Maße zeigen: „Textverstehen ist auf das engste mit Intertextualität verbunden und hat nicht nur bei manchen, sondern bei allen Texten Intertextualität zur notwendigen Voraussetzung.“61 Dass sich diese These gerade mit Blick auf den Kampf der Sänger halten lässt, will die Textanalyse an verschiedenen Aspekten aufzeigen. 61 Blühdorn: Textverstehen und Intertextualität, S. 295. 1 Zum Begriff der Intertextualität 12

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Zusammenfassung

Der Kampf der Sänger ist eine der Erzählungen E.T.A. Hoffmanns, die in der Forschung bislang vor allem negativ aufgenommen worden ist. Dass sich der Text, der den berühmten Dichterwettstreit auf der Wartburg zum Thema macht, auch ganz anders lesen lässt, zeigt diese Arbeit. Vor dem Hintergrund des mittelhochdeutschen Wartburgkriegs werden sowohl die Figuren als auch die Handlungskonzeption einer genauen Analyse unterzogen – mit dem bemerkenswerten Ergebnis, dass sich viele der auf den ersten Blick als Schwächen zu bezeichnenden Eigenheiten des Hoffmann’schen Textes nachvollziehbar auf den mittelalterlichen Prätext zurückführen lassen können. Im Mittelpunkt der Arbeit stehen detaillierte Textanalysen, die sich verschiedener Methoden bedienen, ohne eine strikte Trennung zwischen ‚Älterer‘ und ‚Neuerer‘ Literaturwissenschaft zu verfolgen. Die Arbeit plädiert so dafür, auch mediävistische Überlegungen in die Neuere Literaturwissenschaft zu integrieren.