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12 Qualitätssicherung in:

Barbara Bowert

Das Krankenhaus "zwischen" Funktionssystemen und Organisation, page 787 - 814

Eine systemtheorietische Analyse über die Wirkung bzw. Nicht-Wirkung gesellschaftlicher Erwartungen auf die Strukturen von Krankenhäusern

1. Edition 2020, ISBN print: 978-3-8288-4439-1, ISBN online: 978-3-8288-7456-5, https://doi.org/10.5771/9783828874565-787

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Sozialwissenschaften, vol. 94

Tectum, Baden-Baden
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12 Qualitätssicherung 787 12 Qualitätssicherung Qualitätssichernde Maßnahmen gewährleisten, den Kriterien, die an eine Dissertationsschrift gestellt werden, gerecht zu werden und eine Gutachterposition zur eigenen Arbeit zu entwickeln. Ziel ist es, selbständig Gütekriterien bzw. einen Kriterienkatalog zu entwickeln, denen die eigene Arbeit genügt. Die Arbeit wird einer kritischen Reflektion durch den Verfasser unterzogen, um die Qualität und Validität der Forschungsergebnisse zu sichern. Bei der vorliegenden Arbeit handelt es sich um eine literaturzentrierte Arbeit, auch als Theorie- oder Literaturarbeit bezeichnet.3856 Inhalt ist demnach die Auseinandersetzung mit bereits vorhandenen, wissenschaftlichen Theorien.3857 „Forschendes Vorgehen in literaturzentrierten Arbeiten fokussiert die Theorien zum Thema […]. Dabei bilden diese nicht nur Grundlage für weitere Untersuchungen, sondern sind Analysegegenstand selbst. […] [Es geht] um ein Diskutieren unterschiedlicher Ansätze, um ein Vergleichen und Suchen nach Gemeinsamkeiten sowie Unterschieden, um ein Interpretieren und Anwenden in Form von Entwicklungs- und Konzeptarbeit […].“3858 Wie auch für empirische Arbeiten „[…] gilt zunächst das umfassende Recherchieren und Zusammenfassen bzw. Gegenüberstellen von Theoriegrundlagen.“3859 Im Anschluss ist die systematische und nachvollziehbare Gegenüberstellung und Diskussion dieser Theoriegrundlagen vorgesehen.3860 Die Analyse, kritische Darstellung und Beurteilung 3856 vgl. Greinstetter, Roswitha; Haberfellner, Christina; Hosse, Sven; Lang, Claudia; Neureiter, Herbert: Leitfaden zum wissenschaftlichen Arbeiten, S. 27 3857 vgl. Greinstetter, Roswitha; Haberfellner, Christina; Hosse, Sven; Lang, Claudia; Neureiter, Herbert: Leitfaden zum wissenschaftlichen Arbeiten, S. 6 3858 Greinstetter, Roswitha; Haberfellner, Christina; Hosse, Sven; Lang, Claudia; Neureiter, Herbert: Leitfaden zum wissenschaftlichen Arbeiten, S. 27 3859 Greinstetter, Roswitha; Haberfellner, Christina; Hosse, Sven; Lang, Claudia; Neureiter, Herbert: Leitfaden zum wissenschaftlichen Arbeiten, S. 6 3860 vgl. Greinstetter, Roswitha; Haberfellner, Christina; Hosse, Sven; Lang, Claudia; Neureiter, Herbert: Leitfaden zum wissenschaftlichen Arbeiten, S. 6 12 Qualitätssicherung 788 mündet in eine Zusammenfassung des gegenwärtigen Stands der Diskussion, eventuell ergänzt durch eigene Ansichten und Schlussfolgerungen.3861 „Auch in literaturzentrierten Arbeiten wird von Forschungsfragen ausgegangen. Die Theorien selbst und deren Anwendungsbeispiele sind in diesem Fall Analysegegenstand. Die Vorgehensweise entspricht gewissermaßen dem Vorgehen bei qualitativen Forschungsarbeiten (z. B. inhaltsanalytisch oder hermeneutisch) und erfolgt systematisch. Nach der Gegenüberstellung und Zusammenführung fokussierter Analyseaspekte wird logisch begründet und nachvollziehbar diskutiert und interpretiert, der eigene Standpunkt offengelegt und daraus schließend die Forschungsfrage beantwortet.“3862 „Um die Qualität des Weges zur wissenschaftlichen Erkenntnisgewinnung durch bestimmte Methoden feststellen zu können, sind generelle Kriterien nötig, die die verschiedenen Aspekte aller Methoden vor einem bestimmten wissenschaftstheoretischen Hintergrund erfassen und untereinander vergleichbar machen. Diese Kriterien dienen als Zielvorgaben und Prüfsteine einer beliebigen angewandten Forschungsmethode, an denen der Grad der Wissenschaftlichkeit dieser Methode gemessen werden kann.“3863 Zunächst werden die allgemeinen Kriterien, nach denen wissenschaftliche Arbeiten in der Regel beurteilt werden, auf die vorliegende Dissertation angewendet. Diese gelten unabhängig davon, ob es sich um empirische oder literaturzentriere Arbeiten handelt. Im Anschluss werden Kriterien entwickelt, die sich speziell auf literaturzentrierte Arbeiten beziehen. 3861 vgl. Greinstetter, Roswitha; Haberfellner, Christina; Hosse, Sven; Lang, Claudia; Neureiter, Herbert: Leitfaden zum wissenschaftlichen Arbeiten, S. 28 3862 vgl. Greinstetter, Roswitha; Haberfellner, Christina; Hosse, Sven; Lang, Claudia; Neureiter, Herbert: Leitfaden zum wissenschaftlichen Arbeiten, S. 28 3863 Lamnek, Siegfried: Qualitative Sozialforschung. Lehrbuch. Beltz Verlag Weinheim, Basel, 5. Auflage, 2010, S. 127 12 Qualitätssicherung 789 12.1 Allgemeine Kriterien Es gibt Kriterien, nach denen wissenschaftliche Arbeiten allgemein beurteilt werden. Zwar variieren diese in einem gewissen Maße je nach Verfasser, sind aber im Grunde recht ähnlich angelegt, unterscheiden sich aber in der Ausführlichkeit. Bei der vorliegenden Disseration finden folgende Kriterien Anwendung: Gliederung und Aufbau Inhaltliche Kriterien / Regeln wissenschaftlichen Arbeitens (Eindeutige Problemstellung und Abgrenzung/Zielsetzung, Eindeutige und vollständige Behandlung des Themas/Informationsumfang, Wissenschaftliches Anspruchsniveau (methodisch, folgerichtig, sachlich korrekt etc.), Gedankenführung und Strukturierung (roter Faden)/Argumentation, Literatur) Formale Aspekte (Optik, Formulierung, Sprachstil, Einhaltung der Sprachregeln) Eigenständigkeit3864 12.1.1 Gliederung und Aufbau „Eine Arbeit kann nie besser sein als ihre Gliederung und ihr Aufbau“3865. Somit bilden Aufbau und Gliederung die unabdingbare Voraussetzung und Grundlage für die logische Abfolge und Nachvollziehbarkeit der Arbeit und damit der Entfaltung der Thematik.3866 Da eine Dissertation in der Regel mehrere hundert Seiten umfasst und in viele Kapitel meist bis zur vierten Gliederungsebene unterteilt ist, ist das Inhaltsverzeichnis entsprechend umfangreich. Dies zeigt sich auch in der vorliegenden Arbeit. Ein Abschnitt zu Beginn informiert daher über den Aufbau der Arbeit. Eine Einleitung gibt Aufschluss 3864 vgl. Rossig, Wolfram E.; Prätsch, Joachim: Wissenschaftliches Arbeiten – Leitfaden für Haus- und Seminararbeiten, Diplom- und Magisterarbeiten, Dissertationen, S. 193–194 3865 Rossig, Wolfram E.; Prätsch, Joachim: Wissenschaftliches Arbeiten – Leitfaden für Haus- und Seminararbeiten, Diplom- und Magisterarbeiten, Dissertationen, S. 193 3866 vgl. Rossig, Wolfram E.; Prätsch, Joachim: Wissenschaftliches Arbeiten – Leitfaden für Haus- und Seminararbeiten, Diplom- und Magisterarbeiten, Dissertationen, S. 193 12 Qualitätssicherung 790 über die Thematik und im Schlusswort werden nochmals die Ergebnisse zusammengefasst. Auch werden das Forschungsinteresse bzw. die Arbeitshypothese sowie im weiteren Verlauf die Forschungsfrage übersichtlich in jeweils eigenen Kapiteln vorgestellt, die leicht über das Inhaltsverzeichnis auffindbar sind. Die Sinneinheiten sind durchgängig stimmig und die Formulierung der Überschriften gut nachvollziehbar. 12.1.2 Inhaltliche Kriterien / Regeln wissenschaftlichen Arbeitens Zentral für eine wissenschaftliche Arbeit sind die Einhaltung der entsprechenden Regelungen, auch der formalen, und der inhaltlichen Kriterien. 1. Eindeutige Problemstellung und Abgrenzung / Zielsetzung In einer wissenschaftlichen Arbeit – wie auch bei der vorliegenden Dissertation – wird eine konkrete Fragestellung zu einem bestimmten Thema genannt bzw. entwickelt. Die weitere Bearbeitung baut auf dem aktuellen Stand der Forschung auf. 2. Eindeutige und vollständige Behandlung des Themas / Informationsumfang Der Themenkomplex der vorliegenden wissenschaftlichen Arbeit wird umfassend dargestellt und begründet. Daraus geht hervor, weshalb das Thema und die Fragestellung relevant sind und bearbeitet wurden. Dabei erfolgt ebenfalls eine Bestimmung des theoretischen Hintergrunds. Im Anschluss erfolgt eine Darstellung der Ergebnisse und der Problembereiche sowie des Ausblicks mit Hinweisen und Impulsen, welche Fragestellungen sich ergeben haben und in Zukunft bearbeitet werden könnten. 3. Wissenschaftliches Anspruchsniveau Hinter dem wissenschaftlichen Anspruchsniveau verbergen sich die Darlegung der Vorgehensweise, die Begründung der Wahl der Me- 12 Qualitätssicherung 791 thoden und der Nachweis, ob die Wahl der Methoden als zielführend in Bezug auf die Fragestellung beurteilt werden. Erfolgen sollten eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema bzw. der Fragestellung und die Reflexion des Erkenntnisprozesses und des methodischen Vorgehens. So stellen sich die Fragen, ob die geeigneten Methoden für die Fragestellungen gewählt wurden, welche Einschränkungen sich ergeben haben und was nicht erreicht werden konnte.3867 Die angewandten Methoden wurden kritisch betrachtet und als für geeignet befunden (s. Kapitel 11 Methodenreichweitendiskussion). Die Zusammenfassung und das Schlusswort enthalten die Ergebnisse der Arbeit in gebündelter Form. 4. Gedankenführung und Strukturierung (roter Faden) / Argumentation Wissenschaftliche Arbeiten sollten strukturiert aufgebaut sein und ein so genannter roter Faden sollte erkennbar sein.3868 Aussagen und Ergebnisse sind nachvollziehbar darzustellen und ggf. zu belegen. Zusätzlich sind die Ergebnisse in Beziehung zur Literatur bzw. zum theoretischen Hintergrund zu setzen. Bereits durch den strukturierten Aufbau und die nachvollziehbare Gliederung wurde die Grundlage für den roten Faden geschaffen. Die Texte in den einzelnen Kapiteln sind logisch aufgebaut und es wird konsequent der Entwicklung und Beantwortung der Forschungsfrage nachgegangen. 5. Literatur Bei einer wissenschaftlichen Arbeit sollte dargestellt werden, welche Publikationen mit welcher Begründung einbezogen wurden. Zudem sollte zu erkennen sein, welche Fragestellungen bereits methodisch von anderen Autoren bearbeitet wurden und wie sichergestellt wird, 3867 vgl. Rossig, Wolfram E.; Prätsch, Joachim: Wissenschaftliches Arbeiten – Leitfaden für Haus- und Seminararbeiten, Diplom- und Magisterarbeiten, Dissertationen, S. 193 3868 vgl. Rossig, Wolfram E.; Prätsch, Joachim: Wissenschaftliches Arbeiten – Leitfaden für Haus- und Seminararbeiten, Diplom- und Magisterarbeiten, Dissertationen, S. 193 12 Qualitätssicherung 792 dass der derzeitige Forschungs- bzw. Wissensstand abgebildet wird und dass zwischenzeitlich nicht neuere Literatur zum Thema veröffentlicht wurde.3869 Durch das neu erarbeitete Verfahren der methodengeleiteten systematischen Literaturrecherche, welches kritisch reflektiert wurde (s. Kapitel 11.1), werden diese Anforderungen von der vorliegenden Arbeit erfüllt. Unbedingt sollten falsche Zitationsweisen oder fehlende Literaturverweise vermieden werden (s. auch Kapitel 12.5 Vermeidung von Plagiatsvorwürfen). Wichtig ist, dass ein Zitierstil gewählt wird, der durchgehend einheitlich Verwendung findet und dass alle zitierten Werke im Literaturverzeichnis aufzufinden sind. Die Arbeit wurde mehrmals von der Verfasserin selbst und von anderen Personen Korrektur gelesen, wobei auch die Zitationsweise und die Vollständigkeit des Literaturverzeichnisses geprüft wurden. 12.1.3 Formale Aspekte Grundsätzlich werden an wissenschaftliche Arbeiten Anforderungen gestellt, die auch formale Aspekte beinhalten. Unter den formalen Aspekten werden das Layout bzw. die Optik insgesamt, die gewählten Formulierung und der Sprachstil sowie die Einhaltung der Sprachregeln zusammengefasst.3870 Jede (Fach-)Hochschule hält Regeln vor, die das Layout betreffen. Schriftart, Schriftgröße, Zeilenabstand und Seitenränder sollten diesen Regelungen entsprechen und das Titelblatt entsprechend den Vorgaben gestaltet sein. 3869 vgl. Greinstetter, Roswitha; Haberfellner, Christina; Hosse, Sven; Lang, Claudia; Neureiter, Herbert: Leitfaden zum wissenschaftlichen Arbeiten, S. 16–20 3870 vgl. Rossig, Wolfram E.; Prätsch, Joachim: Wissenschaftliches Arbeiten – Leitfaden für Haus- und Seminararbeiten, Diplom- und Magisterarbeiten, Dissertationen, S. 193–194 12 Qualitätssicherung 793 Bei der vorliegenden Arbeit wurden die formalen Anforderungen zur Erstellung einer Dissertation der Pflegewissenschaftlichen Fakultät der Philosophisch-Theologischen Hochschule eingehalten. Beim Verfassen der Arbeit wurde Wert darauf gelegt, dass die gesamte Arbeit optisch ansprechend und übersichtlich gestaltet ist. Absätze strukturieren neben den Gliederungspunkten den Text und verbessern die Lesbarkeit. Die Gliederungspunkte werden durch die gewählte Formatierung und die Abstände zum Grundtext deutlich hervorgehoben. Ein umfangreiches Literaturverzeichnis ist vorhanden. Der sprachliche Stil einer wissenschaftlichen Abschlussarbeit sollte generell weitestgehend sachlich neutral sein. „Wissenschaftliche Texte sollen Sachthemen darstellen und kritisch diskutieren. […] Um diese Anforderungen zu erfüllen, ist in der Regel ein intensives Prüfen der gewählten Formulierungen und ein mehrfaches Feilen an Worten, Ausdrücken und Sätzen erforderlich.“3871 Dabei sollten die Satzfolgen eindeutig und unmissverständlich sein sowie treffend, klar und prägnant formuliert sein.3872 Auch sollte die Rechtschreibung und Interpunktion korrekt sein. Dies gilt als „Maßstab für Sorgfalt, Fleiß, Rücksichtnahme auf den Leser und im Zweifel für Organisationsvermögen […].“3873 Die Lektüre der von Niklas Luhmann verfassten Texte ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Auch die Autoren, die sich mit dieser Theorie beschäftigt haben, haben Texte auf einem hohen Niveau verfasst. Dies schlägt sich in der vorliegenden Dissertation nieder. Die Arbeit wurde mehrmals von der Verfasserin selbst und auch von anderen Personen Korrektur gelesen, um Rechtschreib-, Zeichensetzungs- und Grammatikfehler auf ein Minimum zu reduzieren. Dabei wurden auch die Formulierungen der Satzfolgen auf Verständlichkeit geprüft. 3871 Rossig, Wolfram E.; Prätsch, Joachim: Wissenschaftliches Arbeiten – Leitfaden für Haus- und Seminararbeiten, Diplom- und Magisterarbeiten, Dissertationen, S. 163 3872 vgl. Rossig, Wolfram E.; Prätsch, Joachim: Wissenschaftliches Arbeiten – Leitfaden für Haus- und Seminararbeiten, Diplom- und Magisterarbeiten, Dissertationen, S. 194 3873 Rossig, Wolfram E.; Prätsch, Joachim: Wissenschaftliches Arbeiten – Leitfaden für Haus- und Seminararbeiten, Diplom- und Magisterarbeiten, Dissertationen, S. 194 12 Qualitätssicherung 794 12.1.4 Eigenständigkeit „Auch Eigenständigkeit der Arbeit beeinflusst die Bewertung.“3874 Ziel einer wissenschaftlichen Arbeit ist es, sich mit dem jeweiligen Thema kritisch auseinanderzusetzen und einen eigenen Beitrag zu leisten. Dies zeigt sich z. B. darin, ob Forschungsanliegen und Methodik aufeinander abgestimmt sind (s. Kapitel 11 Methodenreichweitendiskussion). Es wird erkennbar, ob eine Reflexion des Erkenntnisprozesses und des methodischen Vorgehens erfolgt ist. Auch eine kritische Auseinandersetzung mit den verschiedenen Postionen in der Fachliteratur oder ggf. entdeckten Widersprüchlichkeiten zeigt eigenständiges Arbeiten.3875 Wenn eine wissenschaftliche Arbeit verfasst wird, stellt bereits die Methodenwahl eine besondere Herausforderung dar. Bei der vorliegenden Dissertation wurden vorhandene Instrumente auf den Fachbereich der Soziologie übertragen und adaptiert. Auch die Sammlung der verschiedenen Aussagen zu einzelnen Themengebieten und die kritische Auseinandersetzung sind als eigenständige Leistungen anzusehen. 12.1.5 Zusammenfassung Es konnte gezeigt werden, dass die vorliegende Dissertation den Ansprüchen der allgemeinen Kriterien, die an eine wissenschaftliche Arbeit gestellt werden, in allen Aspekten in vollem Umfang entspricht. 12.2 Spezielle Kriterien für Theoriearbeiten Nachdem die allgemeinen Kriterien angewendet und überprüft wurden, stellt sich die Frage, wie die Qualität einer Theoriearbeit bestimmt werden kann. 3874 Rossig, Wolfram E.; Prätsch, Joachim: Wissenschaftliches Arbeiten – Leitfaden für Haus- und Seminararbeiten, Diplom- und Magisterarbeiten, Dissertationen, S. 194 3875 vgl. Greinstetter, Roswitha; Haberfellner, Christina; Hosse, Sven; Lang, Claudia; Neureiter, Herbert: Leitfaden zum wissenschaftlichen Arbeiten, S. 5 12 Qualitätssicherung 795 12.2.1 Recherche nach Gütekriterien Eignen sich die Gütekriterien Objektivität, Reliabilität und Validität der quantitativen Forschung? Objektivität enthält die Vorgabe der Beobachterunabhängigkeit, d. h. dass verschiedene Experten bei einem wiederholten Forschungsprozess zu übereinstimmenden Ergebnissen gelangen. Das Ergebnis ist damit unabhängig vom Forscher.3876 Es geht darum, ob „[…] eine interindividuelle Zuverlässigkeit bzw. Nachprüfbarkeit gegeben ist.“3877 Unter Reliabilität wird die Zuverlässigkeit von Forschungsergebnissen verstanden, d. h. unter den gleichen Bedingungen müssen zu einem anderen Zeitpunkt die gleichen Ergebnisse erzeugt werden können.3878 Bei der „[…] Validität [geht es um] den Grad der Genauigkeit, mit dem eine bestimmte Methode dasjenige Merkmal erfasst, das sie zu erfassen beansprucht […].“3879 Da die Vorgehensweise bei einer literaturzentrierten Arbeit, wie bereits erwähnt, gewissermaßen dem Vorgehen von qualitativen Forschungsarbeiten entspricht, eignen sich die Gütekriterien der quantitativen Forschung nur bedingt bzw. „[…] sind nicht direkt auf qualitative Forschung transformierbar […].“3880 Allerdings ist „[d]ie Frage, wie qualitative Forschung bewertet werden soll, […] noch nicht zufriedenstellend beantwortet.“3881 Nach Steinke lassen sich „“[i]n Diskussionen über Qualitätskriterien qualitativer Forschung […] drei Po- 3876 vgl. Lamnek, Siegfried: Qualitative Sozialforschung, S. 154; vgl. Greinstetter, Roswitha; Haberfellner, Christina; Hosse, Sven; Lang, Claudia; Neureiter, Herbert: Leitfaden zum wissenschaftlichen Arbeiten, S. 4 3877 Lamnek, Siegfried: Qualitative Sozialforschung, S. 154 3878 vgl. Schnell, Rainer; Hill, Paul B.; Esser, Elke: Methoden der empirischen Sozialforschung. Oldenburg Wissenschaftsverlag, 10. überarbeitete Auflage, 2013, S. 141; vgl. Lamnek, Siegfried: Qualitative Sozialforschung, S. 149 3879 Lamnek, Siegfried: Qualitative Sozialforschung, S. 134; vgl. Schnell, Rainer; Hill, Paul B.; Esser, Elke: Methoden der empirischen Sozialforschung, S. 144 3880 Steinke, Ines: Kriterien qualitativer Forschung. Ansätze zur Bewertung qualitativempirischer Sozialforschung. Juventa Verlag Weinheim und München, 1999, S. 204 3881 Flick, Uwe: Qualitative Sozialforschung. Eine Einführung.. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg, 4. Auflage, 2011, S. 487; vgl. Lamnek, Siegfried: Qualitative Sozialforschung, S. 128; vgl. Steinke, Ines: Gütekriterien qualitativer Forschung. In: Flick, Uwe; von Kardoff, Ernst; Steinke, Ines (Hrsg.): Qualitative Forschung. Ein Handbuch. Rowohlt Taschenbuch Verlag, 9. Auflage, 2012, S. 319–331, S. 319 12 Qualitätssicherung 796 sitionen ausmachen“3882, die auch von Flick genannt werden: „[…] entweder die klassischen Kriterien wie Validität und Reliabilität auf qualitative Forschung anzuwenden bzw. sie zu diesem Zweck angemessen zu reformulieren. Oder neue, ‚methodenangemessene Gütekriterien‘ zu entwickeln, die der Besonderheit qualitativer Forschung dadurch gerecht werden, dass sie aus ihrem jeweiligen theoretischen Hintergrund entwickelt werden und der Besonderheit des Forschungsprozesses Rechnung tragen.“3883 „Vertreter einer dritten Position argumentieren generell gegen die Möglichkeit, Qualitätskriterien für qualitative Forschung zu formulieren“3884. Flick nennt zusätzlich noch eine vierte Variante, die sich damit beschäftigt, „[…] wie man sich […] überhaupt noch die Frage nach der Gültigkeit wissenschaftlicher Aussagen stellen kann“3885, wobei er diese Position als nicht zielführend einordnet.3886 Flick konstatiert, dass „[m]öglicherweise […] sich die ‚wirklichen‘ Qualitäten qualitativer Forschung nicht (ohne weiteres) in Kriterien fassen [lassen].“3887 Steinkes Meinung nach lässt sich „[e]ine abschließende Kriteriendiskussion […] nur unter der jeweiligen Berücksichtigung der jeweiligen Fragestellung, Methode, der Spezifik des Forschungsfeldes und des Untersuchungsgegenstandes führen.“3888 Um trotz aller Widrigkeiten eigenständige Gütekriterien für die qualitative Forschung anbieten zu können, schlägt Steinke ein zweistufiges Verfahren vor. In Stufe eins ist ein Kriterienkatalog mit breit angelegten zentralen Kernkriterien vorgesehen,3889 „[…] an dem sich qualitative 3882 Steinke, Ines: Gütekriterien qualitativer Forschung, S. 319 3883 Flick, Uwe: Qualitative Sozialforschung. Eine Einführung, S. 489; vgl. Steinke, Ines: Gütekriterien qualitativer Forschung, S. 319–321 3884 Steinke, Ines: Gütekriterien qualitativer Forschung, S. 321 3885 Flick, Uwe: Qualitative Sozialforschung. Eine Einführung, S. 489; vgl. Lamnek, Siegfried: Qualitative Sozialforschung, S. 128; vgl. Steinke, Ines: Gütekriterien qualitativer Forschung, S. 319 3886 vgl. Flick, Uwe: Qualitative Sozialforschung. Eine Einführung, S. 489; vgl. Lamnek, Siegfried: Qualitative Sozialforschung, S. 128; vgl. Steinke, Ines: Gütekriterien qualitativer Forschung, S. 319 3887 Flick, Uwe: Qualitative Sozialforschung. Eine Einführung, S. 508 3888 Steinke, Ines: Gütekriterien qualitativer Forschung, S. 323; vgl. Steinke, Ines: Kriterien qualitativer Forschung. Ansätze zur Bewertung qualitativ-empirischer Sozialforschung, S. 204 3889 Steinke, Ines: Gütekriterien qualitativer Forschung, S. 323 12 Qualitätssicherung 797 Forschung orientieren kann.“3890 In Stufe zwei werden die Kriterien „[…] je nach Fragestellung, Gegenstand und verwendeter Methode – konkretisiert, modifiziert und gegebenenfalls durch weitere Kriterien ergänzt […].“3891 Die zentralen Gütekriterien sind nach Steinke:3892 Intersubjektive Nachvollziehbarkeit Es gibt drei Wege, um die Nachvollziehbarkeit zu sichern und zu prüfen, nämlich die Dokumentation des Forschungsprozesses, die Interpretation in Gruppen oder die Anwendung kodifizierter Verfahren, d. h. beispielsweise Regelgeleitetheit und Kodifizierung von Forschungstechniken.3893 Indikation des Forschungsprozesses Der gesamte Forschungsprozess inklusive der Erhebungs- und Auswertungsmethoden wird hinsichtlich seiner Angemessenheit beurteilt. Dabei wird geprüft, ob ein qualitatives Vorgehen der Fragestellung entspricht und ob die angewandten Methoden zur Erhebung und Auswertung angemessen sind.3894 Empirische Verankerung Die Theoriebildung erfolgt anhand des Datenmaterials und auf Basis einer systematischen Datenanalyse. Folgen und Prognosen werden ebenfalls am Datenmaterial verifiziert bzw. falsifiziert. Geeignet hierfür sind u. a. kodifizierte Methoden, hinreichende Textbelege oder die Analytische Induktion.3895 3890 Steinke, Ines: Gütekriterien qualitativer Forschung, S. 324 3891 Steinke, Ines: Gütekriterien qualitativer Forschung, S. 324; vgl. Steinke, Ines: Kriterien qualitativer Forschung. Ansätze zur Bewertung qualitativ-empirischer Sozialforschung, S. 204–205 3892 vgl. Steinke, Ines: Gütekriterien qualitativer Forschung, S. 324–331; vgl. Steinke, Ines: Kriterien qualitativer Forschung. Ansätze zur Bewertung qualitativ-empirischer Sozialforschung, S. 207–248 3893 vgl. Steinke, Ines: Gütekriterien qualitativer Forschung, S. 324–326; vgl. Steinke, Ines: Kriterien qualitativer Forschung. Ansätze zur Bewertung qualitativ-empirischer Sozialforschung, S. 207–215 3894 vgl. Steinke, Ines: Gütekriterien qualitativer Forschung, S. 326–328; vgl. Steinke, Ines: Kriterien qualitativer Forschung. Ansätze zur Bewertung qualitativ-empirischer Sozialforschung, S. 215–221 3895 vgl. Steinke, Ines: Gütekriterien qualitativer Forschung, S. 328–329; vgl. Steinke, Ines: Kriterien qualitativer Forschung. Ansätze zur Bewertung qualitativ-empirischer Sozialforschung, S. 221–227 12 Qualitätssicherung 798 Limitation Die entwickelte Theorie wird auf die Verallgemeinerbarkeit hin geprüft und die Grenzen des Geltungsbereichs herausgefunden.3896 „Es ist also zu klären, welche Bedingungen minimal erfüllt sein müssen, damit das in der Theorie beschriebene Phänomen auftritt.“3897 Kohärenz Die entwickelte Theorie wird dahingehend geprüft, inwieweit sie in sich konsistent und kohärent ist und ob Widersprüche und ungelöste Fragen dargestellt werden.3898 Relevanz Die entwickelte Theorie wird hinsichtlich ihres pragmatischen Nutzens hin beurteilt. Dabei können die Relevanz der Fragestellung und der Beitrag der entwickelten Theorie geprüft werden.3899 Reflektierte Subjektivität Der Forscher reflektiert seine Rolle und seine Position in der sozialen Welt im Forschungsprozess und welche Auswirkungen dies auf die Theoriebildung hat.3900 12.2.2 Anwendung der Gütekriterien Steinkes Vorschlag für zentrale Gütekriterien finden nun Anwendung auf die vorliegende Arbeit. 3896 vgl. Steinke, Ines: Gütekriterien qualitativer Forschung, S. 329–330; vgl. Steinke, Ines: Kriterien qualitativer Forschung. Ansätze zur Bewertung qualitativ-empirischer Sozialforschung, S. 227–231 3897 Steinke, Ines: Gütekriterien qualitativer Forschung, S. 329 3898 vgl. Steinke, Ines: Gütekriterien qualitativer Forschung, S. 330; vgl. Steinke, Ines: Kriterien qualitativer Forschung. Ansätze zur Bewertung qualitativ-empirischer Sozialforschung, S. 239–241 3899 vgl. Steinke, Ines: Gütekriterien qualitativer Forschung, S. 330; vgl. Steinke, Ines: Kriterien qualitativer Forschung. Ansätze zur Bewertung qualitativ-empirischer Sozialforschung, S. 241–248 3900 vgl. Steinke, Ines: Gütekriterien qualitativer Forschung, S. 330–331; vgl. Steinke, Ines: Kriterien qualitativer Forschung. Ansätze zur Bewertung qualitativ-empirischer Sozialforschung, S. 231–239 12 Qualitätssicherung 799 1. Intersubjektive Nachvollziehbarkeit Der Forschungsprozess wurde dokumentiert, sodass die Nachvollziehbarkeit gesichert ist und jederzeit überprüft werden kann. 2. Indikation des Forschungsprozesses Der gesamte Forschungsprozess wird als angemessen beurteilt. Die Wahl einer literaturzentrierten Arbeit entspricht der Fragestellung. Auch die angewandten Methoden werden als angemessen beurteilt (s. Kapitel 11 Methodenreichweitendiskussion). 3. Empirische Verankerung / Theoretische Verankerung Zunächst erfolgt eine Anpassung des Kriteriums an literaturzentrierte Arbeiten und es wird die theoretische Verankerung geprüft. Die Theoriebildung bzw. der Versuch erfolgte auf Basis einer systematischen Datenanalyse der vorhandenen Literatur. Die Literaturrecherche erfolgte systematisch und nachvollziehbar. 4. Limitation Aufgrund der vielen offenen Fragestellungen konnte keine Theoriebildung erfolgen, die verallgemeinerbar wäre und keine Grenzen des Geltungsbereichs beinhaltet hätte. Theoriebildung ist jedoch auch nicht Ziel jeder literaturzentrierten Arbeit.3901 5. Kohärenz Aufgrund der vielen offenen Fragestellungen konnte keine Theoriebildung erfolgen, sodass keine Prüfung der Konsistenz und Kohärenz durchgeführt werden konnte. Durch die intensive Auseinandersetzung konnten Widersprüche und ungelöste Fragen der Ursprungstheorie dargestellt werden. 6. Relevanz Aufgrund der vielen offenen Fragestellungen konnte keine Theoriebildung erfolgen. Daher kann der pragmatische Nutzen nicht beurteilt 3901 vgl. Greinstetter, Roswitha; Haberfellner, Christina; Hosse, Sven; Lang, Claudia; Neureiter, Herbert: Leitfaden zum wissenschaftlichen Arbeiten, S. 6 12 Qualitätssicherung 800 werden. Grundsätzlich ist auch nicht davon auszugehen, dass eine Theoriearbeit über einen pragmatischen Nutzen verfügt. 7. Reflektierte Subjektivität Dieses Kriterium entfällt, da der Forscher bei einer Theoriearbeit keine Rolle bzw. Position in der sozialen Welt im Forschungsprozess einnimmt und somit deren Auswirkungen auf die Theoriebildung nicht bestimmt werden muss. 12.2.3 Zusammenfassung Ziel war es, neben den allgemeinen Kriterien zur Prüfung einer wissenschaftlichen Arbeit spezielle Kriterien für literaturzentrierte Arbeiten zu finden, um die Qualität der Arbeit zu bestimmen. Da die Vorgehensweise bei einer literaturzentrierten Arbeit gewissermaßen dem Vorgehen von qualitativen Forschungsarbeiten entspricht, ist es naheliegend, auf die entsprechenden Gütekriterien zurückzugreifen. Allerdings ist „[d]ie Frage, wie qualitative Forschung bewertet werden soll, […] noch nicht zufriedenstellend beantwortet.“3902 Daher wurde Steinkes Vorschlag der zentralen Gütekriterien herangezogen. Sechs der sieben zentralen Gütekriterien können auf eine Theoriearbeit angewendet werden, ein Gütekriterium wurde zuvor entsprechend angepasst. Allerdings geht Steinke davon aus, dass das Ziel qualitativer Forschung Theoriebildung ist.3903 Dies kann, muss aber nicht das Ziel literaturzentrierter Arbeiten sein.3904 Könnte jedoch die Forschungsfrage der vorliegenden Arbeit konkret beantwortet werden, wäre Theoriebildung erfolgt bzw. die Systemtheorie von Niklas Luh- 3902 Flick, Uwe: Qualitative Sozialforschung. Eine Einführung.. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg, 4. Auflage, 2011, S. 487; vgl. Lamnek, Siegfried: Qualitative Sozialforschung, S. 128; vgl. Steinke, Ines: Gütekriterien qualitativer Forschung, S. 319 3903 vgl. Steinke, Ines: Gütekriterien qualitativer Forschung, S. 328–331; vgl. Steinke, Ines: Kriterien qualitativer Forschung. Ansätze zur Bewertung qualitativ-empirischer Sozialforschung, S. 221–227, 231–239 3904 vgl. Greinstetter, Roswitha; Haberfellner, Christina; Hosse, Sven; Lang, Claudia; Neureiter, Herbert: Leitfaden zum wissenschaftlichen Arbeiten, S. 6 12 Qualitätssicherung 801 mann wäre ergänzt worden. Immerhin konnten durch die intensive Auseinandersetzung Widersprüche und ungelöste Fragen der Ursprungstheorie dargestellt werden. Es fällt auf, das zwei von Steinkes zentralen Gütekriterien mit zwei Kriterien des CERQual-Ansatzes übereinstimmen. Dies gilt somit auch auf die Übertragung dieses Ansatzes auf eine systematische Literaturrecherche in der Soziologie. Es handelt sich um die Kriterien Kohärenz und Relevanz. Allerdings unterscheiden sich die Kriterien inhaltlich. Bei Steinke bedeutet Relevanz, dass die entwickelte Theorie hinsichtlich ihres pragmatischen Nutzens hin beurteilt wird, wobei die Bedeutung der Fragestellung und der Beitrag der entwickelten Theorie geprüft werden können.3905 Beim adaptierten CERQual-Ansatz ist mit Relevanz hingegen das Ausmaß gemeint, in dem die Erkenntnisse bzw. Ergebnisse einer Publikation auf den in der Forschungsfrage angegebenen Kontext (Perspektive und Phänomen des Interesses) anwendbar sind.3906 Dies kann in der Soziologie anhand des theoretischen Hintergrunds und der Nähe der Publikation zur Forschungsfrage bzw. zum Gegenstand bewertet werden (s. Kapitel 5.4). Kohärenz bedeutet bei Steinke, dass die entwickelte Theorie dahingehend geprüft wird, inwieweit sie in sich konsistent ist und ob Widersprüche und ungelöste Fragen dargestellt werden.3907 Der adaptierte CERQual-Ansatz definiert Kohärenz als das Ausmaß, in dem die Erkenntnisse bzw. Ergebnisse einer Publikation durch theoretische Hin- 3905 vgl. Steinke, Ines: Gütekriterien qualitativer Forschung, S. 330; vgl. Steinke, Ines: Kriterien qualitativer Forschung. Ansätze zur Bewertung qualitativ-empirischer Sozialforschung, S. 241–248 3906 vgl. Lewin, Simon; Glenton; Claire; Munthe-Kaas, Heather; Carlsen, Benedicte; Colvin, Christopher J.; Gülmezoglu, Metin; Noyes, Jane; Booth, Andrew; Garside, Ruth; Rashidian, Arash: Guidelines and Guidance. Using Qualitative Evidence in Decision Making for Health and Social Interventions: An Approach to Assess Confidence in Findings from Qualitative Evidence Syntheses (GRADE-CERQual), S. 6 3907 vgl. Steinke, Ines: Gütekriterien qualitativer Forschung, S. 330; vgl. Steinke, Ines: Kriterien qualitativer Forschung. Ansätze zur Bewertung qualitativ-empirischer Sozialforschung, S. 239–241 12 Qualitätssicherung 802 tergründe fundiert sind und eine überzeugende Erklärung für die gefundenen Theorien oder Konzepte liefern.3908 Dies kann anhand des Inhaltsverzeichnisses und der Stringenz, des inhaltlichen Aufbaus der Argumentation, bei Aufsätzen zusätzlich anhand des Abstracts oder der Zusammenfassung und der Diskussion bewertet werden (s. Kapitel 5.4). Insgesamt sind die zentralen Gütekriterien von Steinke sicherlich dabei hilfreich, sich mit der Qualität einer wissenschaftlichen Theoriearbeit auseinanderzusetzen, wobei letztlich die wesentlichen Aspekte wie Methoden, stringente Vorgehensweisen und Nachvollziehbarkeit bereits mit den allgemeinen Kriterien abgedeckt werden. 12.3 Anwendung des adaptieren CERQual-Ansatzes Um trotz aller Widrigkeiten eigenständige Gütekriterien für die qualitative Forschung anbieten zu können, schlägt Steinke ein zweistufiges Verfahren vor. In Stufe eins ist ein Kriterienkatalog mit breit angelegten zentralen Kernkriterien vorgesehen,3909 „[…] an dem sich qualitative Forschung orientieren kann.“3910 In Stufe zwei werden die Kriterien „[…] untersuchungsspezifisch – d. h. je nach Fragestellung, Gegenstand und verwendeter Methode – konkretisiert, modifiziert und gegebenenfalls durch weitere Kriterien ergänzt […].“3911 Zu überlegen ist, ob die Kriterien des CERQual-Ansatzes, die auf Funde einer systematischen Literaturrecherche in der Soziologie übertragen wurden, um die Vertrauenswürdigkeit bzw. Brauchbarkeit der 3908 vgl. Lewin, Simon; Glenton; Claire; Munthe-Kaas, Heather; Carlsen, Benedicte; Colvin, Christopher J.; Gülmezoglu, Metin; Noyes, Jane; Booth, Andrew; Garside, Ruth; Rashidian, Arash: Guidelines and Guidance. Using Qualitative Evidence in Decision Making for Health and Social Interventions: An Approach to Assess Confidence in Findings from Qualitative Evidence Syntheses (GRADE-CERQual), S. 6 3909 Steinke, Ines: Gütekriterien qualitativer Forschung, S. 323 3910 Steinke, Ines: Gütekriterien qualitativer Forschung, S. 324 3911 Steinke, Ines: Gütekriterien qualitativer Forschung, S. 324; vgl. Steinke, Ines: Kriterien qualitativer Forschung. Ansätze zur Bewertung qualitativ-empirischer Sozialforschung, S. 204–205 12 Qualitätssicherung 803 zunächst einbezogenen Treffer beurteilen zu können (s. Kapitel 5.4), auch auf die vorliegende Arbeit angewendet werden könnten, um deren Qualität zu bestimmen. Dies entspräche Stufe zwei von Steinke. Bei den methodischen Einschränkungen könnte die Präsentation der Inhalte (Sprache, Objektivität der Darstellung, Genauigkeit, Ausführlichkeit) geprüft werden, was allerdings bereits mit den allgemeinen Kriterien abgedeckt ist. Für die vorliegende Dissertation wird das Ausmaß der Probleme im Design der einzelnen Publikationen als sehr gering eingeschätzt. Die Relevanz beschreibt das Ausmaß, in dem die Erkenntnisse bzw. Ergebnisse einer Publikation auf den in der Forschungsfrage angegebenen Kontext (Perspektive und Phänomen des Interesses) anwendbar sind. Dies wird anhand des theoretischen Hintergrunds und der Nähe der Publikation zur Forschungsfrage bzw. zum Gegenstand bewertet. Dieses Kriterium kann mit dieser Definition leider keine Anwendung finden. Die Kohärenz, wird hoch eingeschätzt. Sie ist definiert als das Ausmaß, in dem die Erkenntnisse bzw. Ergebnisse einer Publikation durch theoretische Hintergründe fundiert sind und eine überzeugende Erklärung für die gefundenen Theorien oder Konzepte liefern. Dies wird anhand des Inhaltsverzeichnisses und der Stringenz, des inhaltlichen Aufbaus der Argumentation, bei Aufsätzen zusätzlich anhand des Abstracts oder der Zusammenfassung und der Diskussion bewertet. Die Angemessenheit der Daten, also die allgemeine Bestimmung des Umfangs und der Quantität von Daten, auf die sich die Erkenntnisse bzw. Ergebnisse stützen, wird ebenfalls hoch bewertet. Dies wird anhand des Literaturverzeichnisses bewertet. Gestützt wird dies durch die durchgeführten systematischen Literaturrecherchen. Somit wird die Vertrauenswürdigkeit der vorliegenden Dissertation als hoch bewertet, da die methodischen Einschränkungen sehr gering 12 Qualitätssicherung 804 und die Kohärenz als auch die Angemessenheit der Daten als hoch eingeschätzt werden. 12.4 Anwendung der adaptierten PRISMA-Checkliste Die Checkliste des PRISMA-Standards wurde überprüft und angepasst, um theoriegeleitete Arbeiten entsprechend entwickeln und auch beurteilen zu können. Die adaptierte Checkliste findet nun auf die vorliegende Arbeit Anwendung, denn „PRISMA kann bei der kritischen Bewertung publizierter systematischer Übersichten ebenfalls hilfreich sein. Allerdings ist PRISMA kein Instrument zur Abschätzung der Qualität einer systematischen Übersicht.“3912 Publikationsabschnitt # Zusammenfassung TITEL A da pt io n Titel 1 Identifikation als Publikation mit einer systematischen Recherche und Analyse zur jeweiligen Thematik W o zu fi nd en ? Titel 1 Teil I Zusammenfassung bzw. Abstract Kapitel 2 (Forschungsinteresse bzw. Arbeitshypothese) Kapitel 4 (Aufbau der Arbeit) Kapitel 5 (Entwicklung eines Standards für die Literaturrecherche in der Soziologie) Kapitel 6,7,8 und 10 (Methodendarlegung der systematischen Literaturrecherche) Teil II Titel (Systematisches Literaturreview) 3912 Ziegler, Andreas: Bevorzugte Report Items für systematische Übersichten und Meta- Analysen: Das PRISMA Statement, S. 6–7 12 Qualitätssicherung 805 Publikationsabschnitt # Zusammenfassung ZUSAMMENFASSUNG A da pt io n Strukturierte Zusammenfassung 2 Strukturierte Zusammenfassung mit den Stichworten (sofern geeignet): Hintergrund, Ziele, Methoden und Inhalte, Ergebnisse und Schlussfolgerungen W o zu fi nd en ? Strukturierte Zusammenfassung 2 Teil I Zusammenfassung bzw. Abstract Teil II Zusammenfassung bzw. Abstract EINLEITUNG A da pt io n Hintergrund und Rationale 3 Wissenschaftlicher Hintergrund und Begründung der Publikation W o zu fi nd en ? Hintergrund und Rationale 3 Teil I Kapitel 1 (Einleitung) Kapitel 2 (Forschungsinteresse und Arbeitshypothese) Kapitel 3 (Theoretischer Hintergrund) Teil II Zusammenfassung bzw. Abstract A da pt io n Ziele 4 Präzise Angabe der Fragestellungen mit Angabe der angewandten Methoden und Ziele W o zu fi nd en ? Ziele 4 Teil I Kapitel 4 (Forschungsinteresse und Arbeitshypothese) Kapitel 5 (Allgemeines zur Literaturrecherche) Kapitel 6.1.1 (Methode der rationalen Rekonstruktion) Kapitel 9 (Forschungsfrage) Kapitel 10.1 (Methode der funktionalen Analyse) Teil II Kapitel 3 (Entwicklung eines Standards für die Literaturrecherche in der Soziologie) 12 Qualitätssicherung 806 Publikationsabschnitt # Zusammenfassung METHODEN A da pt io n Auswahlkriterien 5 Festlegung der Ein- und Ausschlusskriterien für Publikationen in die Informationsgewinnung (z. B. Eingrenzung des Suchzeitraums, Sprache, Publikationsstatus), die als Auswahlkriterien verwendet wurden, mit Begründung W o zu fi nd en ? Auswahlkriterien 5 Teil I Kapitel 6.2.3, 7.1.3, 8.1.3 und 10.2.3 (Methodendarlegung der systematischen Literaturrecherche – Ein- und Ausschlusskriterien) Teil II Kapitel 4.3, 5.3, 6.3 und 7.3 (Methodendarlegung der systematischen Literaturrecherche – Ein- und Ausschlusskriterien) A da pt io n Informationsquellen 6 Beschreibung aller Informationsquellen (z. B. Datenbanken mit Zeitpunkt der Berichterstattung, Kontakt mit Personen zum Erhalt von Hinweisen auf weitere Publikationen, Handrecherchen), die bei der Suche verwendet wurden einschließlich des letzten Suchdatums W o zu fi nd en ? Informationsquellen 6 Teil I Kapitel 6.2, 7.1, 8.1, 10.1 (Methodendarlegung der systematischen Literaturrecherche) Teil II Kapitel 4, 5, 6 und 7 (Methodendarlegung der systematischen Literaturrecherche) A da pt io n Suche 7 Beschreibung der vollständigen elektronischen Suchstrategie für mindestens eine Datenbank einschließlich gewählter Limitierungen, so dass die Suche repliziert werden könnte 12 Qualitätssicherung 807 Publikationsabschnitt # Zusammenfassung W o zu fi nd en ? Suche 7 Teil I Kapitel 6.2, 7.1, 8.1, 10.1 (Methodendarlegung der systematischen Literaturrecherche) Teil II Kapitel 4, 5, 6 und 7 (Methodendarlegung der systematischen Literaturrecherche) A da pt io n Auswahl der Publikationen 8 Beschreibung des Auswahlprozesses von Publikationen (das heißt Vorauswahl, Eignung und Ein- bzw. Ausschluss), bei literaturbasierten Arbeiten anhand des Inhalts/der Beschreibung der Publikation und der Bewertung der Vertrauenswürdigkeit in Anlehnung an den CERQual-Ansatz W o zu fi nd en ? Auswahl der Publikationen 8 Teil I Kapitel 5 (Entwicklung eines Standards für die Literaturrecherche in der Soziologie) Teil II Kapitel 3 (Entwicklung eines Standards für die Literaturrecherche in der Soziologie) A da pt io n Prozess der Informationsgewinnung 9 Beschreibung der Methode der Informationsgewinnung aus den Publikationen, was bei literaturbasierten Arbeiten die strukturierte Sammlung von Aussagen und Zitaten bedeutet inkl. einer korrekten und durchgängigen Zitation W o zu fi nd en ? Prozess der Informationsgewinnung 9 Teil I bei literaturbasierten Arbeiten bedeutet dies die strukturierte Sammlung von Aussagen und Zitaten inkl. einer korrekten und durchgängigen Zitation A da pt io n Synthese der Informationen 10 Beschreibung der Methoden zum Umgang mit den Informationen und der Kombination der Ergebnisse der Publikationen, in literaturbasierten Arbeiten mittels Zusammenführung der strukturiert gesammelten Aussagen und Zitate 12 Qualitätssicherung 808 Publikationsabschnitt # Zusammenfassung W o zu fi nd en ? Synthese der Informationen 10 Teil I Kapitel 6.1 (Methode der rationalen Rekonstruktion) in literaturbasierten Arbeiten bedeutet dies eine Zusammenführung der strukturiert gesammelten Aussagen und Zitate ERGEBNISSE A da pt io n Auswahl der Publikationen 11 Anzahl der Publikationen, die identifiziert und vorausgewählt wurden, Prüfung der Eignung und Ein- bzw. Ausschluss mithilfe der Bewertung der Vertrauenswürdigkeit mit Begründung W o zu fi nd en ? Auswahl der Publikationen 11 Teil I Kapitel 6.2.5, 7.1.5, 8.1.5 und 10.2.5 (Ergebnisse der systematischen Literaturrecherche) inkl. Verweise auf Teil II Teil II Kapitel 4.5, 5.5, 6.5 und 7.5 (Ergebnisse der systematischen Literaturrecherche) A da pt io n Beschreibungen/Inhalte der einzelnen Publikationen 12 Für jede Publikation Darstellung der Inhalte anhand der Beschreibung innerhalb der Datenbank, des Abstract, der Einleitung oder des Klappentextes (häufig auch Einsicht über das Internet) W o zu fi nd en ? Beschreibungen/Inhalte der einzelnen Publikationen 12 Teil I Verweise auf Teil II Teil II Kapitel 4.1.5.3, 4.2.5.3, 4.3.5.3, 4.4.5.3, 5.1.5.3, 5.2.5.3, 5.3.5.3, 5.4.5.3, 5.5.5.3, 6.1.5.3, 6.2.5.3, 6.3.5.3, 6.4.5.3, 6.5.5.3, 7.1.5.3, 7.2.5.3, 7.3.5.3, 7.4.5.3 und 7.5.5.3 (Inhaltliche Darlegung der Rechercheergebnisse) A da pt io n Ergebnissynthese 13 Darstellung der Ergebnisse der Recherchen und deren Synthese, jeweils enthalten in den entsprechenden Kapiteln 12 Qualitätssicherung 809 Publikationsabschnitt # Zusammenfassung W o zu fi nd en ? Ergebnissynthese 13 Teil I jeweils in den Kapiteln 6, 7, 8 und 10 enthalten DISKUSSION A da pt io n Zusammenfassung der Hauptergebnisse 14 Zusammenfassung der Hauptergebnisse und deren Relevanz W o zu fi nd en ? Zusammenfassung der Hauptergebnisse 14 Teil I Zusammenfassung und Abstract Kapitel 13 (Schlusswort) A da pt io n Einschränkungen 15 Diskussion der Einschränkungen der Ergebnisse, in den Kapiteln Qualitätssicherung und Methodenreichweitendiskussion sowie im Schlusswort enthalten W o zu fi nd en ? Einschränkungen 15 Teil I Kapitel 11 (Methodenreichweitendiskussion) Kapitel 12 (Qualitätssicherung) Kapitel 13 (Schlusswort) A da pt io n Schlussfolgerungen 16 Interpretation der Ergebnisse unter Berücksichtigung des Stands der Forschung und Schlussfolgerungen für weitere Forschung, jeweils in den einzelnen Kapiteln und im Schlusswort enthalten W o zu fi nd en ? Schlussfolgerungen 16 Teil I jeweils in den Kapiteln 6, 7, 8 und 10 enthalten Kapitel 13 (Schlusswort) Alle Kriterien bzw. Forderungen der adaptierten Checkliste des PRISMA-Standards konnten bei der vorliegenden Arbeit nachgewiesen werden. Das heißt, dass alle Aspekte berücksichtigt wurden. Das 12 Qualitätssicherung 810 Vorgehen wird transparent dargestellt, ist stringent und somit nachvollziehbar ist. Durch die systematischen Literaturrecherchen konnte ebenfalls der Bereich der Methoden abgedeckt werden. 12.5 Vermeidung von Plagiatsvorwürfen Sollten in einer Dissertation Plagiatsstellen entdeckt werden, kann das entweder das Ergebnis negativ beeinflussen, zur Aberkennung der Arbeit oder gar zur Aberkennung des Titels führen – selbst Jahre nach dem erfolgreichen Abschluss.3913 Heutzutage werden eingereichte Dissertationstexte systematisch auf Plagiate mithilfe von Plagiatssoftware überprüft. Daher sollten bereits beim Verfassen einer Dissertation unbedingt falsche Zitationsweisen oder fehlende Literaturverweise vermieden werden. Hierfür stehen den Verfassern ebenso spezielle Softwareangebote zur Verfügung (so genannte Plagiatchecks oder Plagiatscans), die eine entsprechende Arbeit Satz für Satz auf potenzielle Plagiatsstellen überprüfen. Die gefundenen potenziellen Plagiatsstellen werden angezeigt und es wird auf die jeweiligen Fundstellen (Quellen) verwiesen. Die versehentlich vergessenen, fehlenden Quellenangaben können nachgetragen und der Schutz vor Plagiatsvorwürfen signifikant verbessert werden. Allerdings kann diesen Software-Angeboten nicht ohne Weiteres vertraut werden. Regelmäßig werden diese Plagiatserkennungsprogramme-Angebote auf ihre Verlässlichkeit geprüft, z. B. von Debora Weber-Wulff, Professorin an der HTW Berlin.3914 Lediglich „[d]rei Systeme schnitten mit [der Note] befriedigend ab: Urkund, Turnitin und Copyscape.“3915 Benannt wurden diese auch als „Teilweise nützliche Systeme“3916. Bessere Beurteilungen wurden nicht vergeben.3917 Als 3913 vgl. Rossig, Wolfram E.; Prätsch, Joachim: Wissenschaftliches Arbeiten – Leitfaden für Haus- und Seminararbeiten, Diplom- und Magisterarbeiten, Dissertationen, S. 194 3914 http://www.zeit.de/studium/2013-10/plagiat-software-test (03.09.2017, 19:00 Uhr) 3915 vgl. http://www.zeit.de/studium/2013-10/plagiat-software-test (03.09.2017, 19:00 Uhr) 3916 http://plagiat.htw-berlin.de/software/2013-2/ (03.09.2017, 19:25 Uhr) 3917 http://www.zeit.de/studium/2013-10/plagiat-software-test (03.09.2017, 19:00 Uhr) 12 Qualitätssicherung 811 „[b]egrenzt nützliche Systeme [wurden benannt]: Ephorus, PlagAware, Strike Plagiarism, PlagScan, Compilation, Plagiarism Detect, Docoloc, Duplichecker“3918. Die meisten „[…] Programme, die Plagiate in wissenschaftlichen Arbeiten aufspüren sollen, [geben] bloß Hinweise auf verdächtige Textstellen […].“3919 „Sogenannte Plagiatserkennungssoftware findet keine Plagiate, sondern nur identische Textstellen. Die endgültige Entscheidung darüber, ob ein Text ein Plagiat ist oder nicht, muss von der zuständigen Lehrkraft getroffen werden. Die Software sollte nur ein Hilfsmittel, aber kein Prüfstein sein. Blindes Vertrauen in automatisch generierte Plagiatsberichte ist unverantwortlich.“3920 Da keine Empfehlung für eine bestimmte Software für soziologische Arbeiten gefunden werden konnte und an Hochschulen und Universitäten häufig PlagScan zum Einsatz kommt, fiel die Entscheidung auf diese webbasierte Anwendung. PlagScan wird zum Auffinden von Plagiaten genutzt und überprüft somit die Authentizität von Texten. Vom Betreiber selbst wird dieses Angebot als „[…] die beste Möglichkeit, die Originalität von geschriebenen Inhalten zu ermitteln“3921 beschrieben. Unter anderem wird ein so genannter Plagiat Level in Prozent ermittelt, der angibt, welcher Anteil des Textes in anderen Veröffentlichungen gefunden wurde. Bezogen wird sich hierbei auf einen großen Index von Onlinequellen und anderen digitalen Inhalten.3922 „[D]ie Berechnung geht immer von der Menge an übereinstimmenden Wörtern im analysierten Dokument aus. […] Direkte Zitate werden standardmäßig […] [im] Plagiat Level herausgerechnet.“3923 Zusätzlich werden im Dokument die Funde hervorgehoben, ebenso in der zur Verfügung gestellten Quelle. Die potenziell 3918 http://plagiat.htw-berlin.de/software/2013-2/ (03.09.2017, 19:25 Uhr) 3919 http://www.spiegel.de/lebenundlernen/uni/programme-im-test-software-zur-suchevon-plagiaten-taugt-nichts-a-926158.html (03.09.2017, 19:10 Uhr) 3920 http://plagiat.htw-berlin.de/software/2013-2/ (03.09.2017, 19:25 Uhr) 3921 https://www.plagscan.com/de/ (08.09.2018, 10:50 Uhr) 3922 vgl. https://www.plagscan.com/de/plagiats-praeventions-pool-ppp (08.09.2018, 16:50 Uhr) 3923 Mail von PlagScan vom 04.09.2018 12 Qualitätssicherung 812 verdächtigen Textstellen werden unterschiedlich farblich dargestellt. Rot weist auf eine genaue Übereinstimmung mit einer anderen Quelle hin, blau gekennzeichnet sind Übereinstimmungen, die möglicherweise umgeschrieben wurden und grün zeigt Übereinstimmungen, die als Zitat anerkannt wurden.3924 Die Anteile der unterschiedlich hervorgehobenen Textstellen können nicht ermittelt werden. Durch den erheblichen Umfang der Arbeit musste diese in mehrere Teile zerlegt und dem Analysewerkzeug zur Verfügung gestellt werden. Die Einstellungen im System erlauben es, auch Übereinstimmungen mit den eigenen Dokumenten zu verfolgen. Daher zeigen sich bereits viele exakte Übereinstimmung (rot) und mögliche Umschreibung (blau) in der Zusammenfassung, im Inhalts- und Literaturverzeichnis sowie in den Literaturhinweisen (Fußnoten) mit Verweis auf die jeweils acht anderen hochgeladenen Teile der Arbeit. Dies ist nicht verwunderlich, da sich z. B. die Überschriften des Inhaltsverzeichnisses in den einzelnen Teilen der Arbeit wiederfinden und die Passage der Methodendarlegung der systematischen Literaturrecherche in mehreren Abschnitten zu finden und sehr ähnlich gestaltet ist. Auch wird in den einzelnen Teilen selbstverständlich wieder auf Literatur zurückgegriffen, die bereits in einem anderen Teil zitiert wurde. Bei der vorliegenden Dissertation handelt es sich um eine literaturzentrierte Arbeit, bei der sehr häufig auf ältere und/oder nicht im Internet auffindbare Veröffentlichungen zurückgegriffen wurde. So ist es nicht verwunderlich, dass viele direkte Zitate nicht korrekt erkannt wurden oder auch auf andere Quellen als die Ursprungsliteratur verwiesen wurde. So ist auch das Phänomen zu erklären, dass mögliche Textänderungen oder exakte Übernahmen von Wortfolgen sehr häufig in markierte Zitate oder mögliche Textänderungen eingebettet sind. Zum Teil werden korrekte Zitate nicht erkannt und daher rot markiert, obwohl auf die gleiche Quelle wie in der Arbeit verwiesen wird. 3924 https://www.plagscan.com/de/der-plagiatbericht (08.09.2018, 16:55 Uhr) 12 Qualitätssicherung 813 Das Programm bietet keinen Fortschrittsbericht, d. h. wenn die markierten Textstellen bearbeitet bzw. als Zitat gekennzeichnet werden, wird das Plagiat Level sofort angepasst und die Textstelle entsprechend ummarkiert bzw. anders gekennzeichnet. Jedoch ist im Anschluss nicht nachvollziehbar, wie viele Textstellen bearbeitet und als unbedenklich eingestuft wurden. Auch sind keine Filterfunktionen für die verschiedenartigen Textmarkierungen (rot, blau, grün) möglich. Zudem ist die Summe der Treffer in den einzelnen Quellen nicht mit der Zahl identisch, die für das gesamte Dokument angegeben wird. Möglicherweise finden hier die Textstellen, die als Zitat anerkannt wurden, keine Berücksichtigung. In den neun Teilen, deren Umfang jeweils 100 Seiten beträgt (bis auf Teil neun mit 57 Seiten), werden Plagiat Level zwischen 7,3 % und 28,0 % (Ø 15,9 %) ausgewiesen, wobei hier ebenfalls die Übereinstimmungen mit den eigenen Dokumenten enthalten sind. Ab einem Plagiat Level von 1,0 % wird eine konkrete Überprüfung der Funde empfohlen. Insgesamt wurden 6358 zu prüfende Textstellen gefunden (zwischen 644 und 894 jeweils in den ersten acht Teilen, im letzten und kürzeren Abschnitt 477 Textstellen). Nach kritischer Durchsicht aller gekennzeichneten Übereinstimmungen sind lediglich 69 Textstellen dahingehend zu prüfen, ob es sich um exakte Übereinstimmungen oder mögliche Umschreibungen handelt. Nahezu alle dieser Textstellen sind bereits als indirektes Zitat gekennzeichnet, sodass es sich nicht um Plagiate, sondern ggf. um Zitationsfehler handeln könnte. Bei Durchsicht der entsprechenden Textstellen wurden 14 Korrekturen vorgenommen. Da die Software sich nur als begrenzt brauchbar für diese literaturzentrierte soziologische Arbeit zeigte, wurde bei der Korrekturlesung neben dem Auffinden von Rechtschreib- und Grammatikfehlern auch ein Augenmerk auf nicht gekennzeichnete Textstellen und indirekte Zitate gerichtet. Diese wurden je nach Befund mit entsprechenden Quellenangaben versehen, als direktes Zitat gekennzeichnet oder im ursprünglichen Zustand belassen.

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References

Abstract

At first, there is a systematic examination of Niklas Luhmann's sociological systems theory in order to comprehend the essential fundamental terms in all their facets. Building on this, the hospital is inspected more closely within a modern, functionally differentiated society, and it is analysed whether and how structures in such organisations arise as a result of society's requirements. It is based on the fact that the healthcare system has a firm place in the health policy and public discourse, but follows different rules than other areas of social life. Health is an undisputed good – possibly even the highest good in society – and is therefore outside of all ideological controversy. Numerous and highly different influences affect the institutions in which medical treatment takes place, such as from business, law, politics and science.

Zusammenfassung

Zunächst erfolgt eine systematische Auseinandersetzung mit der soziologischen Systemtheorie von Niklas Luhmann, um die wesentlichen Grundbegriffe in all ihren Facetten zu erfassen. Darauf aufbauend wird das Krankenhaus innerhalb einer modernen, funktional differenzierten Gesellschaft genauer betrachtet, und es wird analysiert, ob und wie Strukturen in derartigen Organisationen in Folge von Anforderungen der Gesellschaft entstehen. Zugrunde gelegt wird, dass das Gesundheitswesen einen festen Platz im gesundheitspolitischen und öffentlichen Diskurs einnimmt, jedoch anderen Regeln folgt als andere Bereiche des gesellschaftlichen Lebens. Denn Gesundheit ist ein unumstrittenes Gut – möglicherweise sogar das höchste Gut in der Gesellschaft – und steht somit außerhalb aller ideologischen Kontroversen. Dabei wirken viele, hochgradig unterschiedliche Einflüsse auf die Institutionen ein, in denen Krankenbehandlung stattfindet, wie z. B. aus Wirtschaft, Recht, Politik und Wissenschaft.