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5 Entwicklung eines Standards für die Literaturrecherchein der Soziologie in:

Barbara Bowert

Das Krankenhaus "zwischen" Funktionssystemen und Organisation, page 25 - 50

Eine systemtheorietische Analyse über die Wirkung bzw. Nicht-Wirkung gesellschaftlicher Erwartungen auf die Strukturen von Krankenhäusern

1. Edition 2020, ISBN print: 978-3-8288-4439-1, ISBN online: 978-3-8288-7456-5, https://doi.org/10.5771/9783828874565-25

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Sozialwissenschaften, vol. 94

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
5 Entwicklung eines Standards für die Literaturrecherche in der Soziologie 25 5 Entwicklung eines Standards für die Literaturrecherche in der Soziologie „Wissenschaftliches Arbeiten [zeichnet sich] […] durch seine Systematik und intersubjektive Nachvollziehbarkeit [aus].“93 Daher sind „Literaturrecherchen […] zentraler Bestandteil des wissenschaftlichen Arbeitens. Die recherchierten Literaturangaben und -quellen bilden den Grundstein, auf dem die Darstellung des Forschungsstandes […] basiert“94 und informieren über den neuesten Forschungs- bzw. Erkenntnisstand in einem bestimmten Themenbereich. Ziel ist das Auffinden von relevanten Publikationen, die bereits zu diesem Themenbereich existieren, wobei auch die Qualitätskriterien der Vollständigkeit, Objektivität, Transparenz und somit die Reproduzierbarkeit der Recherche durch Dritte sichergestellt werden sollen. Ebenfalls werden so eine Verhaftung in einem Denkstil und die Unterwerfung lediglich eines Denkstilkollektivs vermieden. Ludwik Fleck hat sich in den 1930er Jahren des 20. Jahrhunderts intensiv mit diesem Phänomen beschäftigt, das im folgenden Kapitel kurz dargestellt wird. Zeitgemäß erfolgt die Suche mithilfe elektronischer Datenbanken. Um eine systematische Recherche zu gewährleisten, ist das Vorgehen bzw. die Suchstrategie von herausragender Bedeutung. „Die Suchergebnisse in Datenbanken sind entscheidend davon abhängig, wie exakt […] die themenbezogenen Suchbegriffe […] [eingegrenzt, formuliert und verknüpft wurden].“95 93 https://kobra.bibliothek.uni-kassel.de/bitstream/urn:nbn:de:hebis:34-2010081634029/ 3/TutorialSystematischeLiteraturrecherche.pdf (08.10.2017, 12:50 Uhr), S. 4 94 https://kobra.bibliothek.uni-kassel.de/bitstream/urn:nbn:de:hebis:34-2010081634029/ 3/TutorialSystematischeLiteraturrecherche.pdf (08.10.2017, 12:50 Uhr), S. 4 95 Rossig, Wolfram E.; Prätsch, Joachim: Wissenschaftliches Arbeiten – Leitfaden für Haus- und Seminararbeiten, Diplom- und Magisterarbeiten, Dissertationen. 7. Aufl. BerlinDruck, Achim, 2008, S. 64 5 Entwicklung eines Standards für die Literaturrecherche in der Soziologie 26 In den diversen Hinweisen zur Recherche soziologischer Literatur werden keine verallgemeinerbaren Strategien benannt mit der Begründung, dass „[…] das Vorgehen je nach Spezialisierungsgrad des Forschungsfeldes stark variieren kann: Bei breit diskutierten Themen gilt es, Schlüsseltexte aus der Masse herauszupicken; bei abseitigen Themen gilt es, überhaupt brauchbare Quellen zu finden.“96 Es gibt daher keinen Standard für eine systematische und qualitätsgesicherte Literaturrecherche wie in anderen Disziplinen. Um trotzdem den Anforderungen an eine wissenschaftliche Arbeit gerecht zu werden, wird im Folgenden ein Vorschlag erarbeitet, wie solch eine Literaturrecherche in der Soziologie standardisiert durchgeführt und dokumentiert werden kann, um auch für diesen Wissenschaftsbereich die Nachvollziehbarkeit und Transparenz der Vorgehensweise sicherzustellen. Dabei wird Bezug auf bereits vorhandene und bewährte Instrumente genommen. Im Kapitel „Methodenreichweitendiskussion“ wird die Fragestellung vor dem Hintergrund des Literaturreviews und der Methodik kritisch reflektiert. Die systematische Literaturrecherche umfasst die Suche in Datenbanken, im Online Public Access Catalogue (OPAC) der jeweiligen Landesbibliotheken sowie die Handrecherche und deren Beschreibung. 5.1 Denkstil und Denkstilkollektive nach Ludwik Fleck Ziele einer systematischen Literaturrecherche sind auch, eine Verhaftung in einem Denkstil und die Unterwerfung unter lediglich einen Denkstilkollektiv zu vermeiden. Für die zeitgemäße Betrachtung der Wissenschaftsentwicklung ist Ludwik Flecks Theorie von Denkstilen und Denkstilkollektiven von maßgeblicher Bedeutung. Seine „[…] radikale Pointe […] ist: Nicht nur was als eine Tatsache gilt, sondern 96 https://sozialstruktur.soziologie.uni-mainz.de/files/2014/05/Hinweise-Literaturrecher che. pdf (18.12.2017, 10:40 Uhr) 5 Entwicklung eines Standards für die Literaturrecherche in der Soziologie 27 was eine Tatsache ist, darüber entscheidet der jeweilige Denkstil lokaler Denkkollektive.“97 Ludwik „Fleck ist ein früher Vertreter eines epistemischen Kontextualismus: Was Wissen ist, wird durch den jeweiligen kulturellen und sozialen Kontext festgelegt, und überzeitliche oder kontexttranszendierende Wissensansprüche werden in ihrer Geltung bestritten. Wissen ist somit nicht wie in der philosophischen Tradition als wahre und gerechtfertigte Meinung definiert, sondern als ‚fixation of belief‘.“98 „[…] Wissenschaft [ist also] immer in kulturelle Praktiken eingesenkt und […] ihre Begriffe [sind unauflöslich] mit kulturspezifischen Beobachtungen und Metaphern verquickt […].“99 „Fleck […] verzichtet […] somit auf das Modell, Wissenschaftsgeschichte als Prozeß der Reinigung von außerwissenschaftlichen Faktoren darzustellen […] und fragt danach, […] wie dieses imaginäre Wissenschaftsideal auf die Forschungspraxis und Forschungsliteratur zurückwirkt.“100 „In seinen Augen gibt es nicht die Wissenschaft auf der einen und den sozialen Kontext auf der anderen [sic!] [Seite], folglich auch keine nachzuweisenden Dynamiken und Praktiken des Wissens, die sich über die Zirkulation von Ideen, die soziale Schulung des Sehens und kollektiven Handelns konstituieren.“101 „Zweifellos am folgenreichsten von Flecks Ideen ist seine ‚Lehre vom Denkstil‘ geworden.“102 Fleck definiert Denkstil als ein „[…] gerichtetes Wahrnehmen, mit entsprechendem gedanklichen und sachlichen Verarbeiten des Wahrgenommenen […].“103 Daraus folgert er: „Er- 97 Fleck, Ludwik: Denkstile und Tatsachen. Gesammelte Schriften und Zeugnisse. Herausgegeben und kommentiert von Sylwia Werner und Claus Zittel unter Mitarbeit von Frank Stahnisch. Suhrkamp Verlag, Berlin, 2011, S. 10 98 Fleck, Ludwik: Denkstile und Tatsachen. Gesammelte Schriften und Zeugnisse, S. 11 99 Fleck, Ludwik: Denkstile und Tatsachen. Gesammelte Schriften und Zeugnisse, S. 17 100 Fleck, Ludwik: Denkstile und Tatsachen. Gesammelte Schriften und Zeugnisse, S. 16 101 Fleck, Ludwik: Denkstile und Tatsachen. Gesammelte Schriften und Zeugnisse, S. 17 102 Fleck, Ludwik: Denkstile und Tatsachen. Gesammelte Schriften und Zeugnisse, S. 18 103 Fleck, Ludwik: Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Tatsache. Einführung in die Lehre vom Denkstil und Denkkollektiv. Mit einer Einleitung herausgegeben von Lothar Schäfer und Thomas Schnelle, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main, 1980, S. 130 5 Entwicklung eines Standards für die Literaturrecherche in der Soziologie 28 kennen heißt also vorerst, bei gewissen Voraussetzungen die zwangsläufigen Ergebnisse feststellen.“104 Denkstile sind „[…] weder Methoden noch fixe Denkformen […], sondern Vorgänge: Zirkulationen von Ideen und sozialen Praktiken und die aus ihnen resultierende unbewußte stilgemäße Konditionierung von Wahrnehmung, Denken und Handeln der Forscher. Für Fleck ist daher das Denkkollektiv der eigentliche wissens- und stilgeschichtliche Protagonist […].“105 Er definiert „[…] ‚Denkstilkollektiv‘ als Gemeinschaft der Menschen, die im Gedankenaustausch oder in gedanklicher Wechselwirkung stehen […] [als] Träger geschichtlicher Entwicklung eines Denkgebietes, eines bestimmten Wissensbestandes oder Kulturstandes, also eines besonderen Denkstiles.“106 „Denkgemeinschaften erzeugen Meinungen, Anschauungen, Denkzusammenhänge und Vorstellungen auf eine Art, die der Bildung von Wörtern, Redewendungen und Sprachgebräuchen sehr ähnlich ist.“107 Diese „[…] Stimmung ist der Kitt des Kollektivs, sie erzeugt eine Bereitschaft zum gerichteten Wahrnehmen, Bewerten, Anwenden des Wahrgenommenen, ist Triebkraft denkstilgemäßen kollektiven Sehens und Handelns.“108 Der kollektive Denkstil „[…] bestimmt, ‚was nicht anders gedacht werden kann‘.“109 Dies nennt Fleck „passive Kopplungen“110 oder „passive Elemente“111, die im Kollektiv als Wissen oder Tatsachenbestand betrachtet werden.112 Aktive Elemente bedürfen der 104 Fleck, Ludwik: Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Tatsache, S. 56 105 Fleck, Ludwik: Denkstile und Tatsachen. Gesammelte Schriften und Zeugnisse, S. 19 106 Fleck, Ludwik: Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Tatsache, S. 54–55 107 Fleck, Ludwik: Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Tatsache, S. 278 108 Fleck, Ludwik: Denkstile und Tatsachen. Gesammelte Schriften und Zeugnisse, S. 19 109 Fleck, Ludwik: Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Tatsache, S. 130 110 Fleck, Ludwik: Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Tatsache, S. 124 111 Fleck, Ludwik: Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Tatsache, S. 125 112 vgl. Fleck, Ludwik: Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Tatsache, S. 124–125 5 Entwicklung eines Standards für die Literaturrecherche in der Soziologie 29 Diskussion im Denkstilkollektiv,113 allerdings beharrt „[…] ein einmal ausgebautes, geschlossenes Meinungssystem, das aus vielen Einzelheiten und Beziehungen besteht, […] beständig gegenüber allem Widersprechendem.“114 Daraufhin stellt sich die Frage, „[w]ie […] Denkstilveränderungen grundsätzlicher Art überhaupt zustande [kommen].“115 Andere wissenschaftliche und nichtwissenschaftliche Inhalte von Denkstilkollektiven nehmen dadurch Einfluss, dass die einzelnen Wissenschaftler diesen ebenfalls angehören.116 So fließen diese Denkstile „[…] in den Denkverkehr des Kollektivs ein. Aus dieser Informationsverarbeitung zwischen den Mitgliedern des Kollektivs ergeben sich die Veränderungstendenzen des Denkstils.“117 „Jeder interkollektive Gedankenverkehr [hat] eine Verschiebung oder Veränderung der Denkwerte zur Folge.“118 Mit der Einführung des Denkstil-Begriffs stellt Fleck die Vorstellung von der Existenz eines absoluten Wahrheitsbegriffes in der Wissenschaft in Frage, da er Wahrheit in Abhängigkeit zu dem hinter dem Erkenntnisprozess stehenden Denkstil betrachtet.119 5.2 PRISMA-Standard Um den Anforderungen einer systematischen Literaturrecherche zu genügen, erfolgt die Literaturrecherche in Anlehnung an den PRIS- MA-Standard. PRISMA steht als Abkürzung für Preferred Reporting 113 vgl. Fleck, Ludwik: Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Tatsache, S. 125 114 Fleck, Ludwik: Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Tatsache, S. 41 115 Fleck, Ludwik: Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Tatsache, S. XXXIX 116 vgl. Fleck, Ludwik: Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Tatsache, S. XXXIX 117 Fleck, Ludwik: Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Tatsache, S. XXXIX 118 Fleck, Ludwik: Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Tatsache, S. 143 119 Fleck, Ludwik: Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Tatsache, S. 125; vgl. Fleck, Ludwik: Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Tatsache, S. XXVI 5 Entwicklung eines Standards für die Literaturrecherche in der Soziologie 30 Items for Systematic Reviews and Meta-Analyses und stellt ein evidenzbasiertes Minimalset an Kriterien für systematische Reviews und Meta-Analysen zur Verfügung.120 „Das PRISMA Statement soll Autoren dabei unterstützen, das Berichten von systematischen Übersichten und Meta-Analysen zu verbessern.“121 Es werden detaillierte und umfassende Empfehlungen z. B. zur Erstellung von medizinischen Leitlinien122 und Reviews von evaluierenden randomisierten Studien123 angeboten, wobei der PRISMA-Standard, auch für Literaturrecherchen anderer Art geeignet ist.124 „PRISMA kann bei der kritischen Bewertung publizierter systematischer Übersichten ebenfalls hilfreich sein. Allerdings ist PRISMA kein Instrument zur Abschätzung der Qualität einer systematischen Übersicht.“125 Im PRISMA- Standard wurden „[…] Definitionen übernommen, die von der Cochrane Collaboration verwendet werden.“126 Bei diesem Vorgehen werden „[…] systematisch und mit spezifischen Methoden relevante Forschungsergebnisse identifiziert, ausgewählt und kritisch beurteilt. Daten der eingeschlossenen Studien werden gesammelt und analysiert. Statistische Verfahren (Meta-Analyse) können benutzt werden, um die Ergebnisse der eingeschlossenen Studien zu analysieren und zusammenzufassen.“127 120 vgl. http://www.prisma-statement.org/ (11.12.2017, 13:00 Uhr) 121 Ziegler, Andreas: Bevorzugte Report Items für systematische Übersichten und Meta- Analysen: Das PRISMA Statement. Gefunden unter: http://www.prismastatement.org/documents/PRISMA%20German%20Statement.pdf (08.10.2017, 14:30 Uhr), S. 6 122 vgl. http://www.cochrane.de/sites/cochrane.de/files/public/uploads/20130517_ Manual_Literaturrecherche_Final-1.pdf (11.12.2017, 12:45 Uhr) 123 vgl. http://www.prisma-statement.org/ (11.12.2017, 13:00 Uhr) 124 vgl. http://www.prisma-statement.org/ (11.12.2017, 13:00 Uhr) 125 Ziegler, Andreas: Bevorzugte Report Items für systematische Übersichten und Meta- Analysen: Das PRISMA Statement, S. 6–7 126 Ziegler, Andreas: Bevorzugte Report Items für systematische Übersichten und Meta- Analysen: Das PRISMA Statement, S. 4 127 Ziegler, Andreas: Bevorzugte Report Items für systematische Übersichten und Meta- Analysen: Das PRISMA Statement, S. 4 5 Entwicklung eines Standards für die Literaturrecherche in der Soziologie 31 „Das PRISMA Statement besteht aus einer 27 Item Checkliste […] und einem Flussdiagramm, das in vier Phasen aufgeteilt ist […].“128 Das Flussdiagramm beschreibt das systematische Vorgehen in den Phasen 1. Identifikation (Funde durch Datenbanksuche und andere Quellen), 2. Vorauswahl (Entfernung der Duplikate und Vorauswahl), 3. Eignung (Beurteilung des Volltextes mit Begründung) und 4. Eingeschlossen (qualitative und quantitative Zusammenfassung).129 Die Checkliste dient zur Darstellung der Betrachtung einer systematischen Übersicht oder einer Meta-Analyse, wobei sich die Items teils auf die Darstellung und Inhalte beziehen, aber auch Methoden wie z. B. die Suchstrategie und die Beschreibung des Auswahlprozesses einzelner Studien gefordert werden. Die Checkliste ist in folgende Abschnitte gegliedert: Titel (Identifikation des Berichts) Zusammenfassung (strukturiert) Einleitung (Hintergrund und Ziele) Methoden (Beschreibung der Suchstrategien, des Auswahlprozesses etc.) Ergebnisse (Anzahl der einbezogenen Ergebnisse, Ergebnisse der einzelnen Studien, Ergebnissynthese etc.) Diskussion (kritische Betrachtung und Schussfolgerungen, Interpretation der Ergebnisse) Finanzielle Unterstützung130 Zunächst werden die Duplikationen von Studien und Berichten identifiziert. Im Anschluss wird die Vorauswahl (Relevanz für das jeweilige 128 Ziegler, Andreas: Bevorzugte Report Items für systematische Übersichten und Meta- Analysen: Das PRISMA Statement, S. 6 129 vgl. Ziegler, Andreas: Bevorzugte Report Items für systematische Übersichten und Meta-Analysen: Das PRISMA Statement, S. 23 130 vgl. Ziegler, Andreas: Bevorzugte Report Items für systematische Übersichten und Meta-Analysen: Das PRISMA Statement, S. 18–21 5 Entwicklung eines Standards für die Literaturrecherche in der Soziologie 32 Thema) anhand von zu bestimmenden und zu begründenden Auswahlkriterien getroffen. Die identifizierten Treffer werden nach folgendem Muster dargestellt. Nr. Referenz Thema Jahr Einbezogen Begründung N um m er A ut or : N am e, V or na m e Ti te l b zw . T he m a de r P ub lik at io n Er sc he in un gs ja hr Ja /N ei n K ur ze B eg rü nd un g zu m E in - b zw . A us sc hl us s e in er Pu bl ik at io n Da der PRISMA-Standard ursprünglich z. B. zur Erstellung von medizinischen Leitlinien131 und Reviews von evaluierenden randomisierten Studien132 erstellt wurde, ist es nicht verwunderlich, dass sich die Checkliste zur Beschreibung einer systematischen Übersicht oder Meta-Analyse und der darin verwendeten Literatur nicht vollständig auf eine theoretische bzw. literaturzentrierte Arbeit133 übertragen lässt. Daher erfolgt im folgenden Kapitel eine Überprüfung und entsprechende Anpassung des PRISMA-Standards an theoriegeleitete Arbeiten. 131 vgl. http://www.cochrane.de/sites/cochrane.de/files/public/uploads/20130517_Manu al_Literaturrecherche_Final-1.pdf (11.12.2017, 12:45 Uhr) 132 vgl. http://www.prisma-statement.org/ (11.12.2017, 13:00 Uhr) 133 vgl. Greinstetter, Roswitha; Haberfellner, Christina; Hosse, Sven; Lang, Claudia; Neureiter, Herbert: Leitfaden zum wissenschaftlichen Arbeiten. Pädagogische Hochschule Salzburg, 2015 (Gefunden unter: http://www.phsalzburg.at/fileadmin/PH_Da teien/Dateien_Forschung/Bachelorarbeiten/SkriptumNEU_Februar2015_gesamt.pdf, 18.08.2017, 10:30 Uhr), S. 6 5 Entwicklung eines Standards für die Literaturrecherche in der Soziologie 33 5.3 Anpassung des PRISMA-Standards an wissenschaftliche Theoriearbeiten Im Folgenden wird nun überprüft, inwieweit sich der PRISMA- Standard auf theoretische bzw. literaturzentrierte Arbeiten anwenden lässt und ggf. entsprechend angepasst. Das Flussdiagramm des PRISMA-Standards beschreibt das systematische Vorgehen in vier Phasen. Für theoriegeleitete Arbeiten wird die Phase 2 der Vorauswahl modifiziert. Wie vom PRISMA-Standard vorgegeben werden nach der Entfernung der Duplikationen und vor dem Volltextstudium die verbleibenden Publikationen zunächst anhand von zuvor festgelegten Auswahlkriterien bzw. Ein- und Ausschlusskriterien auf deren Eignung überprüft. Bei einer theoriegeleiteten Arbeit und der entsprechenden Literaturrecherche empfiehlt es sich, diese Vorauswahl z. B. anhand des Titels, der Beschreibung innerhalb der Datenbank, des Abstracts, der Einleitung oder des Klappentextes vorzunehmen. Häufig wird bei neuerer Literatur zusätzlich im Internet die Einleitung oder einzelne Kapitel des Buches zur Verfügung gestellt (z. B. Google Books oder Amazon). Abstracts von Zeitschriftenaufsätzen können häufig über Google Scholar bzw. Google direkt eingesehen werden. Für die in Phase 3 geforderte Beurteilung des Volltextes auf Eignung mit Begründung wird im folgenden Kapitel eine Methode entwickelt. Die Gegenüberstellung der 27 Items der Checkliste des PRISMA- Standards134 mit dem im Rahmen dieser Arbeit entwickelten Standard (Adaption) zur Beurteilung bzw. Entwicklung von theoriegeleiteten Arbeiten verdeutlicht die notwendigen weiteren Anpassungen. 134 vgl. http://www.prisma-statement.org/documents/PRISMA%20German%20checklist. pdf (10.05.2018, 10:00 Uhr) 5 Entwicklung eines Standards für die Literaturrecherche in der Soziologie 34 Publikationsabschnitt # Zusammenfassung TITEL PR IS M A Titel 1 Identifikation als Bericht einer systematischen Übersicht, Meta-Analyse oder beidem A da pt io n Titel 1 Identifikation als Publikation mit einer systematischen Recherche und Analyse zur jeweiligen Thematik ZUSAMMENFASSUNG PR IS M A Strukturierte Zusammenfassung 2 Strukturierte Zusammenfassung mit den Stichworten (sofern geeignet): Hintergrund; Ziele; Datenquellen; Auswahlkriterien der Studien, Teilnehmer und Interventionen; Bewertung der Studie und Methoden der Synthese; Ergebnisse; Einschränkungen; Schlussfolgerungen und Implikation der wichtigsten Ergebnisse; Registrierungsnummer der systematischen Übersicht A da pt io n Strukturierte Zusammenfassung 2 Strukturierte Zusammenfassung mit den Stichworten (sofern geeignet): Hintergrund, Ziele, Methoden und Inhalte, Ergebnisse und Schlussfolgerungen EINLEITUNG PR IS M A Hintergrund und Rationale 3 Wissenschaftlicher Hintergrund und Begründung der Studie A da pt io n Hintergrund und Rationale 3 Wissenschaftlicher Hintergrund und Begründung der Publikation PR IS M A Ziele 4 Präzise Angabe der Fragestellungen mit Bezug auf Teilnehmer, Interventionen, Vergleiche, Zielkriterien und Studiendesign 5 Entwicklung eines Standards für die Literaturrecherche in der Soziologie 35 Publikationsabschnitt # Zusammenfassung A da pt io n Ziele 4 Präzise Angabe der Fragestellungen mit Angabe der angewandten Methoden und Ziele METHODEN PR IS M A Protokoll der Registrierung 5 Existiert ein Studienprotokoll für die Übersichtsarbeit? Wenn ja, wo kann es gefunden bzw. wie kann es bezogen werden (z. B. Webseite); wenn verfügbar: Informationen zur Registrierung einschließlich Angabe der Registrierungsnummer A da pt io n - - nicht relevant Item bezieht sich speziell auf Studien, u. a. auf die Auswahl von Studienteilnehmern, die Datenerfassung und deren Auswertung, wesentliche andere Informationen sind bereits in den Abschnitten Zusammenfassung und Einleitung enthalten PR IS M A Auswahlkriterien 6 Merkmale der Studien (z. B. PICOS, Dauer der Nachbeobachtung) und der Berichte (z. B. Zeitraum der Studien, Sprache, Publikationsstatus), die als Auswahlkriterien verwendet wurden, mit Begründung A da pt io n Auswahlkriterien 5 Festlegung der Ein- und Ausschlusskriterien für Publikationen in die Informationsgewinnung (z. B. Eingrenzung des Suchzeitraums, Sprache, Publikationsstatus), die als Auswahlkriterien verwendet wurden, mit Begründung PR IS M A Informationsquellen 7 Beschreibung aller Informationsquellen (z. B. Datenbanken mit Zeitpunkten der Berichterstattung, Kontakt mit Autoren von Studien, um zusätzliche Studien zu identifizieren), die bei der Suche verwendet wurden einschließlich des letzten Suchdatums A da pt io n Informationsquellen 6 Beschreibung aller Informationsquellen (z. B. Datenbanken mit Zeitpunkt der Berichterstattung, Kontakt mit Personen zum Erhalt von Hinweisen auf weitere Publikationen, Handrecherchen), die bei der Suche verwendet wurden einschließlich des letzten Suchdatums 5 Entwicklung eines Standards für die Literaturrecherche in der Soziologie 36 Publikationsabschnitt # Zusammenfassung PR IS M A Suche 8 Beschreibung der vollständigen elektronischen Suchstrategie für mindestens eine Datenbank einschließlich gewählter Limitierungen, so dass die Suche repliziert werden könnte A da pt io n Suche 7 Beschreibung der vollständigen elektronischen Suchstrategie für mindestens eine Datenbank einschließlich gewählter Limitierungen, so dass die Suche repliziert werden könnte PR IS M A Auswahl der Studien 9 Beschreibung des Auswahlprozesses von Studien (das heißt Vorauswahl, Eignung, Einschluss in die systematische Übersicht und, falls zutreffend, in die Meta-Analyse) A da pt io n Auswahl der Publikationen 8 Beschreibung des Auswahlprozesses von Publikationen (das heißt Vorauswahl, Eignung und Ein- bzw. Ausschluss), bei literaturbasierten Arbeiten anhand des Inhalts/der Beschreibung der Publikation und der Bewertung der Vertrauenswürdigkeit in Anlehnung an den CERQual-Ansatz PR IS M A Prozess der Datengewinnung 10 Beschreibung der Methode der Datenextraktion aus Berichten (z. B. Erhebungsbogen, unabhängig, doppelt) und alle Prozesse, um Daten von Untersuchern zu erhalten und zu bestätigen A da pt io n Prozess der Informationsgewinnung 9 Beschreibung der Methode der Informationsgewinnung aus den Publikationen, was bei literaturbasierten Arbeiten die strukturierte Sammlung von Aussagen und Zitaten bedeutet inkl. einer korrekten und durchgängigen Zitation PR IS M A Datendetails 11 Aufzählung und Definition aller Variablen, nach denen gesucht wurde (z. B. PICOS, Finanzierungsquellen) sowie Annahmen und durchgeführte Vereinfachungen A da pt io n - - nicht relevant Item bezieht sich speziell auf Studien und die konkrete Formulierung von Fragestellungen bezogen auf Studienteilnehmer, Interventionen und was erreicht werden soll 5 Entwicklung eines Standards für die Literaturrecherche in der Soziologie 37 Publikationsabschnitt # Zusammenfassung PR IS M A Risiko der Verzerrung in den einzelnen Studien 12 Methoden zur Beurteilung des Risikos von Verzerrungen der einzelnen Studien (einschließlich der Angabe, ob dieses auf der Studienebene oder für das Zielkriterium durchgeführt wurde) und wie diese Information bei der Datensynthese berücksichtigt wurde A da pt io n - - nicht relevant Item bezieht sich speziell auf Studien und die Faktoren, die zu verzerrten Studienergebnissen führen können, die Bewertung der Vertrauenswürdigkeit der einzelnen Publikationen erfolgt bereits bei der Auswahl der Publikationen PR IS M A Effektschätzer 13 Wichtigste Effektschätzer (z. B. relatives Risiko, Mittelwertsdifferenz) A da pt io n - - nicht relevant Item bezieht sich speziell auf Studien und die Berechnung/Schätzung von z. B. Therapieeffekten PR IS M A Synthese der Ergebnisse 14 Beschreibung der Methoden zum Umgang mit den Daten und der Kombination der Ergebnisse der Studien; falls diese berechnet wurden, einschließlich Maßzahlen zur Homogenität der Ergebnisse (z. B. I2) für jede Meta- Analyse A da pt io n Synthese der Informationen 10 Beschreibung der Methoden zum Umgang mit den Informationen und der Kombination der Ergebnisse der Publikationen, in literaturbasierten Arbeiten mittels Zusammenführung der strukturiert gesammelten Aussagen und Zitate PR IS M A Risiko der Verzerrung über Studien hinweg 15 Beschreibung der Beurteilung des Risikos von Verzerrungen, die die kumulative Evidenz beeinflussen könnten (z. B. Publikationsverzerrung, selektives Berichten innerhalb von Studien) 5 Entwicklung eines Standards für die Literaturrecherche in der Soziologie 38 Publikationsabschnitt # Zusammenfassung A da pt io n - - nicht relevant Bewertung der Vertrauenswürdigkeit der einzelnen Publikationen in Anlehnung an den CERQual-Ansatz erfolgt bereits bei der Auswahl der Publikationen PR IS M A Zusätzliche Analysen 16 Methoden für zusätzliche Analysen (z. B. Sensitivitätsanalysen, Subgruppenanalysen, Meta-Regression) mit Beschreibung, welche vorab spezifiziert waren A da pt io n - - nicht relevant Item bezieht sich speziell auf Studien und Methoden für Analysen ERGEBNISSE PR IS M A Auswahl der Studien 17 Anzahl der Studien, die in die Vorauswahl aufgenommen, auf Eignung geprüft und in die Übersicht eingeschlossen wurden, mit Begründung für Ausschluss in jeder Stufe, idealerweise unter Verwendung eines Flussdiagramms A da pt io n Auswahl der Publikationen 11 Anzahl der Publikationen, die identifiziert und vorausgewählt wurden, Prüfung der Eignung und Ein- bzw. Ausschluss mithilfe der Bewertung der Vertrauenswürdigkeit mit Begründung PR IS M A Studienmerkmale 18 Für jede Studie Darstellung der Merkmale, nach denen Daten extrahiert wurden (z. B. Fallzahl, PICOS, Nachbeobachtungszeitraum), Literaturstelle der Studie A da pt io n - - nicht relevant Item bezieht sich speziell auf Studien und die Formulierung der konkreten Studienbedingungen PR IS M A Risiko der Verzerrung innerhalb der Studien 19 Daten zum Risiko von Verzerrungen innerhalb jeder Studie und, falls verfügbar, eine Beurteilung der Güte der Zielkriterien (siehe Item 12) 5 Entwicklung eines Standards für die Literaturrecherche in der Soziologie 39 Publikationsabschnitt # Zusammenfassung A da pt io n - - nicht relevant Item bezieht sich speziell auf Studien und die Faktoren, die zu verzerrten Studienergebnissen führen können, die Bewertung der Vertrauenswürdigkeit der einzelnen Publikationen erfolgt bereits bei der Auswahl der Publikationen PR IS M A Ergebnisse der einzelnen Studien 20 Für jede Studie Darstellung aller Endpunkte (Wirksamkeit und Nebenwirkungen): (a) einfache zusammenfassende Daten für jede Interventionsgruppe, (b) Effektschätzer und Konfidenzintervalle, idealerweise mit Forest Plot A da pt io n Beschreibungen/Inhalte der einzelnen Publikationen 12 Für jede Publikation Darstellung der Inhalte anhand der Beschreibung innerhalb der Datenbank, des Abstract, der Einleitung oder des Klappentextes (häufig auch Einsicht über das Internet) PR IS M A Ergebnissynthese 21 Darstellung der Meta-Analyse, einschließlich Konfidenzintervalle und Heterogenitätsmaße A da pt io n Ergebnissynthese 13 Darstellung der Ergebnisse der Recherchen und deren Synthese, jeweils enthalten in den entsprechenden Kapiteln PR IS M A Risiko von Verzerrungen über Studien hinweg 22 Darstellung der Ergebnisse zur Beurteilung des Risikos von Verzerrungen über alle Studien hinweg (siehe Item 15) A da pt io n - - nicht relevant Item bezieht sich speziell auf Studien und die Faktoren, die zu verzerrten Ergebnissen über alle Studien hinweg führen können PR IS M A Zusätzliche Analysen 23 Präsentation der Ergebnisse der zusätzlichen Analysen, falls durchgeführt (z. B. Sensitivitäts- oder Subgruppenanalysen, Meta- Regression (siehe Item 16)) A da pt io n - - nicht relevant Item bezieht sich speziell auf Studien und die Ergebnisse zusätzlicher Analysen 5 Entwicklung eines Standards für die Literaturrecherche in der Soziologie 40 Publikationsabschnitt # Zusammenfassung DISKUSSION PR IS M A Zusammenfassung der Evidenz 24 Zusammenfassung der Hauptergebnisse einschließlich der Stärke der Evidenz für jedes Hauptzielkriterium; Relevanz für Zielgruppen (z. B. Gesundheitsdienstleister, Anwender, politische Entscheidungsträger) A da pt io n Zusammenfassung der Hauptergebnisse 14 Zusammenfassung der Hauptergebnisse und deren Relevanz PR IS M A Einschränkungen 25 Diskutiere Einschränkungen der Studie auf Studienebene und auf Ebene der Zielkriterien (z. B. Risiko von Verzerrungen) sowie auf Ebene der Übersicht (z. B. unvollständiges Auffinden der identifizierten Forschung, Verzerrung des Berichts) A da pt io n Einschränkungen 15 Diskussion der Einschränkungen der Ergebnisse, in den Kapiteln Qualitätssicherung und Methodenreichweitendiskussion sowie im Schlusswort enthalten PR IS M A Schlussfolgerungen 26 Interpretation der Ergebnisse unter Berücksichtigung des Stands der Forschung und Schlussfolgerungen für weitere Forschung A da pt io n Schlussfolgerungen 16 Interpretation der Ergebnisse unter Berücksichtigung des Stands der Forschung und Schlussfolgerungen für weitere Forschung, jeweils in den einzelnen Kapiteln und im Schlusswort enthalten FINANZIELLE UNTERSTÜTZUNG PR IS M A Finanzielle Unterstützung 27 Quellen der finanziellen Unterstützung sowie andere Unterstützung (z. B. zur Verfügung stellen von Daten); Funktion der Geldgeber für die systematische Übersicht A da pt io n - - nicht relevant Theoriegeleitete Arbeiten werden in der Regel nicht finanziell unterstützt Von den 27 Items der Checkliste des PRISMA-Standards können 16 auf theoriegeleitete Arbeiten übertragen werden. Elf Items beziehen 5 Entwicklung eines Standards für die Literaturrecherche in der Soziologie 41 sich speziell auf Studien und wurden somit als nicht relevant beurteilt. In den Abschnitten Titel, Zusammenfassung, Einleitung und Diskussion können alle Items übertragen werden. Die als nicht relevant bewerteten Items sind demnach in den Abschnitten Methoden, Ergebnisse und Finanzielle Unterstützung zu finden. Sechs dieser Items sind im Abschnitt Methoden, vier Items im Abschnitt Ergebnisse und ein Item im Abschnitt Finanzielle Unterstützung enthalten. Da der Abschnitt Finanzielle Unterstützung nur aus einem Item besteht, entfällt dieser Abschnitt. Sowohl im Flussdiagramm als auch in der Checkliste in den beiden Abschnitten Methoden und Ergebnisse ist jeweils ein Item enthalten, das sich auf die Auswahl von Publikationen bezieht. Bei der Auswahl von Publikationen wird gefordert, dass der Auswahlprozess von Publikationen beschrieben wird, das heißt die Vorauswahl, die Eignung und der Ein- bzw. Ausschluss. Für die Eignung von Studien und im speziellen Fall von Publikationen werden vom PRISMA-Standard keine Methoden vorgegeben. Daher werden im folgenden Kapitel Kriterien zur Beurteilung von vorausgewählter Literatur auf deren Eignung entwickelt. Diese Kriterien eignen sich ebenfalls für die Items der Checkliste, die sich auf die Beschreibung des Risikos von „Verzerrungen“ in den Publikationen beziehen und somit, da bereits regelhaft berücksichtigt, als nicht relevant beurteilt wurden. 5.4 Beurteilung vorausgewählter Literatur auf Eignung Im Folgenden werden, wie bereits im vorigen Kapitel angekündigt, Kriterien zur Beurteilung von vorausgewählter Literatur auf deren Eignung entwickelt. Für Theoriearbeiten gibt es keine einheitlichen Vorgaben zur inhaltlichen Beurteilung von Literatur für den Ein- und Ausschluss bzw. ob diese für die weitere Bearbeitung eines Themas relevant ist. Trotzdem muss die vorausgewählte Literatur gesichtet und abschließend ent- 5 Entwicklung eines Standards für die Literaturrecherche in der Soziologie 42 schieden werden, ob diese für die eigene Arbeit taugt bzw. ein- oder ausgeschlossen wird. Mögliche Kriterien könnten sein: Publikationsdatum Qualifikation des Autors Quelle oder Verlag Herausgeber bei Sammelwerken Inhaltsverzeichnis Ausgewählte Inhalte im Internet (z. B. Google Books oder Amazon) oder in Datenbanken (bereits überwiegend bei der Vorauswahl berücksichtigt) Literaturverzeichnis Nähe der Publikation zur Forschungsfrage bzw. zum Gegenstand Präsentation der Inhalte (Sprache, Objektivität der Darstellung, Genauigkeit, Ausführlichkeit) Theoretischer Hintergrund Stringenz Aufsätze in Zeitschriften oder Sammelwerken weisen häufig ähnliche Gliederungen auf, da diese andernfalls von Verlagen bzw. Redakteuren abgelehnt und somit nicht veröffentlicht werden, am Häufigsten wegen Mängeln im methodischen Teil.135 Eine Gliederung könnte demnach enthalten: Abstract: Darstellung des Inhaltes in sehr kurzer, prägnanter Form Einleitung: Kurzbericht des Forschungsstandes und Formulierung von Hypothesen Materialien und Methoden: Darstellung der Informationsquellen, Werkzeuge und Methoden zur Bearbeitung der Fragestellung sowie Rechtfertigung der Methode Resultate: Darstellung der Ergebnisse der Bemühungen 135 vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Wissenschaftliche_Publikation (11.12.2017, 12:45 Uhr) 5 Entwicklung eines Standards für die Literaturrecherche in der Soziologie 43 Diskussion: Interpretation der Ergebnisse und deren Bedeutung für das Forschungsgebiet Zusammenfassung: Ähnlich wie das Abstract, jedoch eher zukunftsorientiert in Bezug auf weitergehende Fragestellungen. Danksagung: Dankworte an Geldgeber, Unterstützer und Kritiker sowie Mit- und Zuarbeiter Interessenkonflikte: Angabe der Interessenkonflikte, die sich durch die Finanzierung ergeben und eine Rolle spielen könnten Literaturliste: Auflistung der zitierten Publikationen136 „Diese Struktur ist aber nicht starr.“137 „Für den Leser jedoch sind zwei Teile am Wichtigsten: Der Abstract, da er angibt, ob der Rest der Studie lesenswert ist, und die Diskussion, da er die Ergebnisse schildert und einordnet.“138 Das Publikationsdatum lässt nicht unbedingt Rückschlüsse auf die Aktualität zu, da häufig mehrere Auflagen produziert werden, aber auch ältere Arbeiten relevant sind bzw. sein könnten. Jedoch lässt das erste Publikationsdatum den Bezug auf eine der verschiedenen Phasen von Niklas Luhmanns Theorie zu. Die Qualifikation des Autors gibt Hinweise darauf, ob dieser im relevanten Fachgebiet qualifiziert und anerkannt ist, ob er über eine wissenschaftliche Ausbildung (akademischer Titel) verfügt oder in einer wissenschaftlichen Institution tätig ist. Ein weiterer Anhaltspunkt könnte sein, ob er bzw. seine Werke in anderen Ausarbeitungen zitiert werden. Die Quelle oder der Verlag und deren Vertrauenswürdigkeit können Informationen zur Qualität einer Publikation liefern. Für Sammelwerke gilt dies analog für den Herausgeber. Bei Büchern lässt das Inhaltsverzeichnis erkennen, ob gewisse Kapitel Relevantes zu dem Thema bereitstellen, denn häufig ist es ausreichend, die wirklich geeigneten Kapitel herauszufiltern. Häufig wird bei neuerer Literatur zusätzlich im Internet die Einleitung 136 vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Wissenschaftliche_Publikation (11.12.2017, 12:45 Uhr) 137 https://de.wikipedia.org/wiki/Wissenschaftliche_Publikation (11.12.2017, 12:45 Uhr) 138 https://de.wikipedia.org/wiki/Wissenschaftliche_Publikation (11.12.2017, 12:45 Uhr) 5 Entwicklung eines Standards für die Literaturrecherche in der Soziologie 44 oder einzelne Kapitel des Buches zur Verfügung gestellt (z. B. Google Books oder Amazon). Das Literaturverzeichnis vermittelt einen Überblick, welche Autoren und deren Werke in die Ausarbeitung einbezogen wurden. Auch lässt der Umfang, die Aktualität und die Nennung einschlägiger Autoren zum Thema auf die Qualität der Publikation schließen. Der theoretische Hintergrund als auch die Nähe der Publikation zur Forschungsfrage bzw. zum Gegenstand sind wesentliche Kriterien für die Auswahl einer Literaturquelle. Die Präsentation der Inhalte kann ebenfalls zur Beurteilung herangezogen werden. Hierzu zählen die Sprache oder die Objektivität der Darstellung sowie die Genauigkeit und Ausführlichkeit. Die Stringenz gibt einen Hinweis auf die Schlüssigkeit der Publikation und deren Beweis- bzw. Überzeugungskraft. Von einer Unterarbeitsgruppe der GRADE-Arbeitsgruppe (Grading Recommendations Assessment, Development and Evaluation139) wurde das CERQual (Confidence in the Evidence from Review of Qualitative Research = Vertrauen in die Evidenz aus Reviews qualitativer Studien140) Tool entwickelt.141 GRADE bietet „[…] einen allgemeinen, sinnvollen und transparenten Prozess zur Bewertung der Qualität der Evidenz und der Stärke der Empfehlung“142 von Effekten und Interventionen im Gesundheitswesen.143 GRADE ist jedoch für Reviews qualitativer Studien ungeeignet. Eine neue und transparente Herangehensweise bietet CERQual, um zu beurteilen, wie vertrauenswürdig die einzelnen qualitativen Studien, die in ein Review einbezogenen wurden, sind.144 139 http://www.cochrane.de/de/grade-faqs (11.12.2017, 12:50 Uhr) 140 http://www.cochrane.de/de/%C3%BCber-grade (11.12.2017, 09:00 Uhr) 141 vgl. http://www.cochrane.de/de/cerqual-zur-bewertung-qualitativer-studien (11.12.2017, 09:00 Uhr) 142 http://www.cochrane.de/de/willkommen-GRADE (11.12.2017, 12:45 Uhr) 143 http://www.cochrane.de/de/%C3%BCber-grade (11.12.2017, 12:50 Uhr) 144 vgl. Lewin, Simon; Glenton; Claire; Munthe-Kaas, Heather; Carlsen, Benedicte; Colvin, Christopher J.; Gülmezoglu, Metin; Noyes, Jane; Booth, Andrew; Garside, Ruth; Rashidian, Arash: Guidelines and Guidance. Using Qualitative Evidence in Decision Making for Health and Social Interventions: An Approach to Assess Confidence in Findings from Qualitative Evidence Syntheses (GRADE-CERQual). In: PLOS Medicine DOI:10.1371/ journal.pmed. 1001895 October 27, 2015, S. 2 5 Entwicklung eines Standards für die Literaturrecherche in der Soziologie 45 Der CERQual-Ansatz ermöglicht, die einbezogenen Forschungsarbeiten eines Reviews qualitativer Studien konsistent und transparent zu bewerten und darzustellen, um so alle Bedenken hinsichtlich der Ergebnisse ausräumen zu können.145 Der CERQual-Ansatz basiert auf vier Kriterien, die zum Vertrauen in die einbezogenen Forschungsarbeiten eines Reviews qualitativer Studien beitragen: 1. Methodische Einschränkungen (Ausmaß der Probleme im Design oder bei der Durchführung der Primärstudien, die zu den Ergebnissen des Reviews beigetragen haben) 2. Relevanz (Ausmaß, in dem die Evidenz aus den Primärstudien, auf die sich die Ergebnisse des Reviews stützen, auf den in der Überprüfungsfrage angegebenen Kontext (Perspektive oder Population, Phänomen von Interesse, Festlegung) anwendbar ist) 3. Kohärenz der Erkenntnisfindung (Ausmaß, in dem die Ergebnisse des Reviews durch die Daten der beitragenden Primärstudien fundiert sind und eine überzeugende Erklärung für die in diesen Daten gefundenen Theorien oder Konzepte liefern) 4. Angemessenheit der unterstützenden Daten (Allgemeine Bestimmung des Umfangs und der Quantität von Daten, auf die sich die Review-Ergebnisse stützen)146 Die Einschätzung der Vertrauenswürdigkeit in die Evidenz beschreibt das Ausmaß, in der eine Studie eine angemessene Repräsentation des interessierenden Phänomens darstellt. Diese Einschätzung basiert auf den getroffenen Bewertungen für jede der vier CERQual-Kriterien.147 145 vgl. Lewin, Simon; Glenton; Claire; Munthe-Kaas, Heather; Carlsen, Benedicte; Colvin, Christopher J.; Gülmezoglu, Metin; Noyes, Jane; Booth, Andrew; Garside, Ruth; Rashidian, Arash: Guidelines and Guidance. Using Qualitative Evidence in Decision Making for Health and Social Interventions: An Approach to Assess Confidence in Findings from Qualitative Evidence Syntheses (GRADE-CERQual), S. 4 146 vgl. Lewin, Simon; Glenton; Claire; Munthe-Kaas, Heather; Carlsen, Benedicte; Colvin, Christopher J.; Gülmezoglu, Metin; Noyes, Jane; Booth, Andrew; Garside, Ruth; Rashidian, Arash: Guidelines and Guidance. Using Qualitative Evidence in Decision Making for Health and Social Interventions: An Approach to Assess Confidence in Findings from Qualitative Evidence Syntheses (GRADE-CERQual), S. 6 147 vgl. Lewin, Simon; Glenton; Claire; Munthe-Kaas, Heather; Carlsen, Benedicte; Colvin, Christopher J.; Gülmezoglu, Metin; Noyes, Jane; Booth, Andrew; Garside, Ruth; Rashidian, Arash: Guidelines and Guidance. Using Qualitative Evidence in 5 Entwicklung eines Standards für die Literaturrecherche in der Soziologie 46 Die CERQual-Kriterien werden zunächst einzeln bewertet und im Anschluss für die finale Bewertung iterativ betrachtet, da die Komponenten interagieren und eine doppelte Herabstufung vermieden werden sollte.148 Zur Einschätzung des Vertrauens werden vier Stufen vorgeschlagen: hoch (sehr wahrscheinlich, dass die Studie das Phänomen angemessen darstellt und von Interesse ist) mittel bzw. moderat (wahrscheinlich, dass die Studie das Phänomen angemessen darstellt und von Interesse ist) gering (möglich, dass die Studie das Phänomen angemessen darstellt und von Interesse ist) sehr gering (nicht klar, ob die Studie das Phänomen angemessen darstellt und von Interesse ist) 149 Diese Kriterien werden auf Funde einer systematischen Literaturrecherche in der Soziologie übertragen, um die Vertrauenswürdigkeit bzw. Brauchbarkeit der zunächst einbezogenen Treffer beurteilen zu können. 1. Methodische Einschränkungen (Ausmaß der Probleme im Design der einzelnen Publikationen): Zu bewerten anhand des (ersten) Publikationsdatums, der Qualifikation des Autors, der Quelle oder dem Verlag, des Herausgebers bei Sammelwerken und der Präsentation der Inhalte (Sprache, Objektivität der Darstellung, Genauigkeit, Ausführlichkeit). Decision Making for Health and Social Interventions: An Approach to Assess Confidence in Findings from Qualitative Evidence Syntheses (GRADE-CERQual), S. 9 148 vgl. Lewin, Simon; Glenton; Claire; Munthe-Kaas, Heather; Carlsen, Benedicte; Colvin, Christopher J.; Gülmezoglu, Metin; Noyes, Jane; Booth, Andrew; Garside, Ruth; Rashidian, Arash: Guidelines and Guidance. Using Qualitative Evidence in Decision Making for Health and Social Interventions: An Approach to Assess Confidence in Findings from Qualitative Evidence Syntheses (GRADE-CERQual), S. 10 149 vgl. Lewin, Simon; Glenton; Claire; Munthe-Kaas, Heather; Carlsen, Benedicte; Colvin, Christopher J.; Gülmezoglu, Metin; Noyes, Jane; Booth, Andrew; Garside, Ruth; Rashidian, Arash: Guidelines and Guidance. Using Qualitative Evidence in Decision Making for Health and Social Interventions: An Approach to Assess Confidence in Findings from Qualitative Evidence Syntheses (GRADE-CERQual), S. 10–11 5 Entwicklung eines Standards für die Literaturrecherche in der Soziologie 47 2. Relevanz (Ausmaß, in dem die Erkenntnisse bzw. Ergebnisse einer Publikation auf den in der Forschungsfrage angegebenen Kontext (Perspektive und Phänomen des Interesses) anwendbar sind): Zu bewerten anhand des theoretischen Hintergrunds und der Nähe der Publikation zur Forschungsfrage bzw. zum Gegenstand. 3. Kohärenz der Erkenntnisfindung (Ausmaß, in dem die Erkenntnisse bzw. Ergebnisse einer Publikation durch theoretische Hintergründe fundiert sind und eine überzeugende Erklärung für die gefundenen Theorien oder Konzepte liefern): Zu bewerten anhand des Inhaltsverzeichnisses und der Stringenz, des inhaltlichen Aufbaus der Argumentation, bei Aufsätzen zusätzlich anhand des Abstracts oder der Zusammenfassung und der Diskussion. 4. Angemessenheit der Quellen (Allgemeine Bestimmung des Umfangs und der Quantität von Daten, auf die sich die Erkenntnisse bzw. Ergebnisse stützen): Zu bewerten anhand des Literaturverzeichnisses. 5 Entwicklung eines Standards für die Literaturrecherche in der Soziologie 48 Die Ergebnisse der abschließenden Prüfung auf die so genannten Vertrauenswürdigkeiten werden in einer gesonderten Tabelle nach folgendem Muster dargestellt: N r. R ef er en z T he m a M et ho di sc he E in sc hr än ku ng en R el ev an z K oh är en z A ng em es se nh ei t de r Q ue lle n B ew er tu ng d er V er tr au en sw ür di gk ei t in sg es am t E rk lä ru ng N um m er A ut or : N am e, V or na m e Ti te l b zw . T he m a de r P ub lik at io n A us m aß d er P ro bl em e im D es ig n de r e in ze ln en Pu bl ik at io ne n A us m aß , i n de m d ie E rk en nt ni ss e bz w . E rg eb ni ss e ei ne r P ub lik at io n au f d en in d er F or sc hu ng sf ra ge a ng eg eb en en K on te xt a nw en db ar si nd A us m aß , i n de m d ie E rk en nt ni ss e bz w . E rg eb ni ss e ei ne r P ub lik at io n du rc h th eo re tis ch e H in te rg rü nd e fu nd ie rt si nd u nd e in e üb er ze ug en de Er kl är un g fü r d ie g ef un de ne n Th eo rie n od er K on ze pt e lie fe rn A llg em ei ne B es tim m un g de s U m fa ng s u nd d er Q ua nt itä t v on D at en , a uf d ie si ch d ie E rk en nt ni ss e bz w . E rg eb ni ss e st üt ze n B ew er tu ng : ho ch , m it t el , g er in g od er se hr g er in g Zu sa m m en fa ss en de B eg rü nd un g de r B ew er tu ng 5 Entwicklung eines Standards für die Literaturrecherche in der Soziologie 49 Lediglich zur besseren Lesbarkeit werden die Inhalte der Tabelle nochmals vorgestellt, wobei die Anordnung der Spalten und Zeilen getauscht wurde. Überschrift der Spalte Erklärung der Inhalte Nr. Nummer Referenz Autor: Name, Vorname Thema Titel bzw. Thema der Publikation Methodische Einschränkungen Ausmaß der Probleme im Design der einzelnen Publikationen Relevanz Ausmaß, in dem die Erkenntnisse bzw. Ergebnisse einer Publikation auf den in der Forschungsfrage angegebenen Kontext anwendbar sind Kohärenz Ausmaß, in dem die Erkenntnisse bzw. Ergebnisse einer Publikation durch theoretische Hintergründe fundiert sind und eine überzeugende Erklärung für die gefundenen Theorien oder Konzepte liefern Angemessenheit der Quellen Allgemeine Bestimmung des Umfangs und der Quantität von Daten, auf die sich die Erkenntnisse bzw. Ergebnisse stützen Bewertung der Vertrauenswürdigkeit insgesamt Bewertung: hoch, mittel, gering oder sehr gering Erklärung Zusammenfassende Begründung der Bewertung 5.5 Handrecherche Die Handrecherche dient der Vervollständigung bzw. Ergänzung des mit geeigneten Datenbanken beschriebenen Suchvorgehens. Bei der Handrecherche handelt es sich um die Durchsicht von Fachjournalen, die Prüfung der Referenzlisten relevanter Publikationen oder auch die Nutzung des Internets, um relevante Veröffentlichungen zu finden. 5 Entwicklung eines Standards für die Literaturrecherche in der Soziologie 50 Wenn Literaturangaben von Quellen weiterverfolgt werden, sofern diese bei der systematischen Literaturrecherche nicht gefunden, aber als relevant erachtet werden, wird dies auch als „Methode der konzentrischen Kreise“150 benannt, auch als Schneeball- oder Lawinensystem bekannt. Da entsprechende Fachzeitschriften lediglich bis einschließlich 2015 in den Datenbanken zu finden sind,151 wurde zusätzlich eine Online- Handrecherche in der „Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie“, „Zeitschrift für Soziologie“, den Fachzeitschriften „Soziale Welt“ und „Soziologische Revue“ sowie dem „Berliner Journal für Soziologie“ durchgeführt. 150 Rossig, Wolfram E.; Prätsch, Joachim: Wissenschaftliches Arbeiten – Leitfaden für Haus- und Seminararbeiten, Diplom- und Magisterarbeiten, Dissertationen, S. 64 151 vgl. http://sowiport.gesis.org/Database (23.11.2017, 11:00 Uhr)

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References

Abstract

At first, there is a systematic examination of Niklas Luhmann's sociological systems theory in order to comprehend the essential fundamental terms in all their facets. Building on this, the hospital is inspected more closely within a modern, functionally differentiated society, and it is analysed whether and how structures in such organisations arise as a result of society's requirements. It is based on the fact that the healthcare system has a firm place in the health policy and public discourse, but follows different rules than other areas of social life. Health is an undisputed good – possibly even the highest good in society – and is therefore outside of all ideological controversy. Numerous and highly different influences affect the institutions in which medical treatment takes place, such as from business, law, politics and science.

Zusammenfassung

Zunächst erfolgt eine systematische Auseinandersetzung mit der soziologischen Systemtheorie von Niklas Luhmann, um die wesentlichen Grundbegriffe in all ihren Facetten zu erfassen. Darauf aufbauend wird das Krankenhaus innerhalb einer modernen, funktional differenzierten Gesellschaft genauer betrachtet, und es wird analysiert, ob und wie Strukturen in derartigen Organisationen in Folge von Anforderungen der Gesellschaft entstehen. Zugrunde gelegt wird, dass das Gesundheitswesen einen festen Platz im gesundheitspolitischen und öffentlichen Diskurs einnimmt, jedoch anderen Regeln folgt als andere Bereiche des gesellschaftlichen Lebens. Denn Gesundheit ist ein unumstrittenes Gut – möglicherweise sogar das höchste Gut in der Gesellschaft – und steht somit außerhalb aller ideologischen Kontroversen. Dabei wirken viele, hochgradig unterschiedliche Einflüsse auf die Institutionen ein, in denen Krankenbehandlung stattfindet, wie z. B. aus Wirtschaft, Recht, Politik und Wissenschaft.