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Peter Gostmann

Die Idee des Lehrers, page I - X

Mehr als Pädagogik

1. Edition 2020, ISBN print: 978-3-8288-4438-4, ISBN online: 978-3-8288-7454-1, https://doi.org/10.5771/9783828874541-I

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
Peter Gostmann Die Idee des Lehrers Peter Gostmann Die Idee des Lehrers Mehr als Pädagogik Tectum Verlag Peter Gostmann Die Idee des Lehrers. Mehr als Pädagogik © Tectum – ein Verlag in der Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 2020 ePDF 978-3-8288-7454-1 (Dieser Titel ist zugleich als gedrucktes Werk unter der ISBN 978-3-8288-4438-4 im Tectum Verlag erschienen.) Alle Rechte vorbehalten Informationen zum Verlagsprogramm finden Sie unter www.tectum-verlag.de Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Angaben sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar. Inhaltsverzeichnis Vorwort. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . VII Warum die Frage einer „Idee des Lehrers“? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .1. 1 Verlassene Stufen der Reflexion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .2. 13 Georg Kerschensteiner oder Die republikanisch-demokratische Idee des Lehrers. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.1. 13 Wilhelm Dilthey oder Die nationale Idee des Lehrers. . . . . . . . . . . . . . . . .2.2. 19 Friedrich Schleiermacher oder Die universalistische Idee des Lehrers. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.3. 27 Francesco Petrarca oder Die humanistische Idee des Lehrers . . . . . . . . .2.4. 35 Die Idee des Lehrers . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .3. 43 Epilog: Einige unter vielen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .4. 57 Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 81 V Vorwort Dieses Buch ist ein Buch kleinen Formats. Das ist meinem Eindruck geschuldet, dass sein Gegenstand nicht unbedingt diese Art Gegenstand ist, mit der jemand sich in Form einer längeren Lesereise beschäftigen wird. Denn es beschäftigt sich mit Lehrern, also mit einer Gruppe von Menschen, mit der kaum jemand seiner denkbaren Leser nicht schon ausführlicher zu tun gehabt hat und zu der sich, wenn es nach meinen Wünschen ginge, Teile seiner Leserschaft selbst zählen. Mit anderen Worten: Ich gehe davon aus, dass ich mich an Leute wende, die selbst genug – vielleicht mehr als genug – wissen von dem, um das es gehen soll. Dazu kommt, dass ich bisher keinen hinreichenden Grund gefunden habe, mich als ausgesprochenen Experten in Fragen des Lehrerberufs zu sehen. Zwar habe ich für vierzehn Jahre (die inzwischen fast drei Jahrzehnte zurückliegen) größere Teile meines Lebens mit Menschen verbracht, die diesen Beruf ausüben – war aber sicher in dieser Zeit weit mehr mit mir (und mit diesem oder jener) beschäftigt als mit der Untersuchung, was diese Leute, die in 45-minütigen Zyklen den Takt meines Lebens setzen, da eigentlich tun. Ich erinnere mich zuerst an diffuse Affekte, die meine Lehrer bei mir ausgelöst haben; deren Spektrum reicht vom Ressentiment bis zur Verehrung, wobei das durchtragende Motiv das Gefühl bildet, ob ich nicht ein schlechtes Gewissen haben müsste. Diese Ausgangslage weist mich nicht unbedingt als Experten für Fragen des Lehrerberufs aus. Zu dem gleichen Ergebnis komme ich mit Blick auf die ungefähr 15 Jahre, die ich meinerseits als Lehrer praktiziere. VII Damit meine ich nicht, dass ich statt an einer Schule an einer Universität unterrichte; denn ich habe, abgesehen von ‚technischen‘ Aspekten wie den Altersstufen bzw. Sozialisationsphasen der Adressaten oder den geltenden Ordnungen der Besoldung bzw. Zertifizierung, bisher keine überzeugende Antwort auf die Frage gefunden, wie man sinnvoll zwischen Lehrern hier und Lehrern dort unterscheiden könnte. Auch spiele ich nicht auf die häufiger erörterte Eigentümlichkeit an, dass Lehrer an Universitäten anders als Lehrer an Schulen nicht zwangsläufig eine offizielle pädagogische Vorbereitung auf ihre Tätigkeit erhalten; denn die lange Geschichte von Berichten über grandiose Universitätslehrer ohne eine solche Vorbereitung und die ihr korrespondierende Geschichte von Berichten über katastrophale Schullehrer mit pädagogischer Ausbildung spricht dafür, dass diese Eigentümlichkeit keine so große Sache ist. Bemerkenswerter scheint mir, dass ich in diesen 15 Jahren den Eindruck nicht losgeworden bin, unter den Teilnehmer*innen jedes Seminars, das ich unterrichte, könnte wenigstens eine Person sein, die im Grunde deutlich mehr über dessen Gegenstand zu lehren wüsste, als ich es kann. Ich habe also gute Gründe anzunehmen, dass auch unter den Lesern eines Buchs, das ich über Lehrer schreibe, etliche sein werden, für die das Gleiche zutrifft – auch meine eigene Lehrerfahrung spricht demnach dafür, dass es anmaßend wäre, wollte ich allzu viel der Zeit der Leser dieses Buchs in Anspruch nehmen, d.h. für es ein größeres Format wählen. Stattdessen habe ich ein Buch zu schreiben versucht, dessen Umfang ermöglicht, es nebenher oder zwischendurch zu lesen. Zugleich habe ich mich bemüht, dem qualifizierten Vorwissen seiner Leser gerecht zu werden, d.h. beim Schreiben Adressaten vor Augen gehabt, die beim Lesen gründlich zu denken beanspruchen. Dazu bedurfte es keiner großen Imaginationsfähigkeit: Ein Teil meiner universitären Lehrerfahrungen umfasst Seminare im Rahmen der Lehramtsstudiengänge Vorwort VIII der Goethe Universität Frankfurt; die Lust deren Teilnehmender am gründlichen Denken hat es mir leicht gemacht, sie als künftige Kollegen zu verstehen – weswegen es mir ebenfalls nicht schwer fallen sollte, auch die Leser dieses Buchs wie Kollegen zu adressieren. Das Buch will also eine Art Loyalitätsadresse sein; es soll nicht belehren, sondern ein paar Gedanken zur Diskussion stellen, die sich mir ergeben, wenn ich auf Grundlage dessen, was ich so gelernt habe, mich frage, was ich mich während meiner eigenen Schulzeit nicht gefragt habe: was Lehrer denn nun eigentlich tun. Wegen dem, was ich so gelernt habe, d.h. auf Grundlage bestimmter (hier nicht näher zu bestimmender) Konzepte und Methoden, mit deren Hilfe ich meinen Beruf, die Soziologie, praktiziere, kann ich die Frage, was Lehrer denn nun eigentlich tun, am Besten in Hinsicht der Idee des Lehrers beantworten. Ich bin mir bewusst, dass die Leser dieses Buchs nicht schon deswegen, weil es für mich selbst naheliegend ist, ihrerseits Sinn darin finden werden, sich mit Lehrern in Hinsicht der Idee des Lehrers zu beschäftigen. Im ersten Kapitel versuche ich sie deswegen zu überzeugen, dass dieser Zugang, auch wenn er ihnen nicht als Notwendigkeit erscheinen mag, trotzdem eine interessante Möglichkeit für sie bietet, einen neuen Blick auf den Lehrerberuf zu gewinnen. Wenn ich von einem neuen Blick spreche, ist damit nicht gemeint, dass ich am laufenden Meter Neuheiten äußern wollte. Im Gegenteil möchte ich zeigen, dass einige ältere Texte, wenn wir sie von Neuem lesen, uns helfen können, an der Welt, in der wir agieren, das eine oder andere zu entdecken, das wir sonst übersehen würden. Zuerst erläutere ich Verlauf und Ergebnisse meiner Suche nach der Idee des Lehrers in Schriften vierer Autoren des 14. bis 20. Jahrhunderts (Francesco Petrarca, Friedrich Schleiermacher, Wilhelm Dilthey, Georg Kerschensteiner) und stelle die Voraussetzungen zur Diskussion, Vorwort IX die deren Ideen des Lehrers zugrunde liegen. Danach komme ich auf einen Autor des vierten vorchristlichen Jahrhunderts zu sprechen (Platon), bei dem sich nach meinem Lektüreeindruck eine Idee des Lehrers finden lässt, die nicht in vergleichbarer Weise voraussetzungsreich ist; deswegen, so meine Überlegung, müsste es für Leser, die einen neuen Blick auf den Lehrerberuf gewinnen möchten, besonders fruchtbar sein, in Auseinandersetzung mit dieser Idee des Lehrers weiterzudenken. Um die Leser ein Stück weit bei solchem Weiterdenken zu begleiten, beende ich das Buch mit einem Epilog, der eine Brücke vom vierten vorchristlichen Jahrhundert in unsere Zeit schlagen soll. Um zu verdeutlichen, dass wir, wenn wir heute die Idee des Lehrers fruchtbar zu machen versuchen, unter offenem Horizont agieren, wähle ich für den Epilog einen anderen Duktus der Darstellung, als in den vorangegangenen Kapiteln. Wie jeder aufmerksame Leser leicht bemerken wird, treten im Epilog an die Stelle der einen Autorstimme, die zuvor (und auch in diesem Vorwort) spricht, mehrere Erzählstimmen – keine von ihnen ist vollständig mit der Stimme des Autors identisch und keine vollständig von ihr verschieden. Dieses auktoriale Experiment ist als Einladung an die Leser zur Irritation gedacht und folgt der Beobachtung, dass Irritationen nicht der schlechteste Grund des Weiterdenkens sind. Ohne die besagten Seminare im Rahmen der Frankfurter Lehramtsstudiengänge gäbe es dieses Buch nicht – ich danke deren Teilnehmenden für die anregenden Diskussionen, die mich zu seiner Niederschrift ermutigt haben. Frankfurt am Main, im Januar 2020 Vorwort X

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Zusammenfassung

Was ist die Idee des Lehrers? Den Hintergrund für diese Frage bildet die Beobachtung, dass Lehrer heute allzu häufig auf eine bloße Funktion oder Rolle reduziert werden. Dagegen geht Peter Gostmann davon aus, dass es gerade angesichts der Herausforderungen der Gegenwart Lehrern bedarf, die eine selbstbewusste und aufgeklärte Perspektive auf ihren Beruf haben. Der Autor lädt die Leser ein, der Frage nach der Idee des Lehrers in Form eines Gedankenexperiments nachzugehen. Auf dem Weg dieses Gedankenexperiments begegnen sie historischen Autoren wie Adorno, Kerschensteiner, Dilthey, Schleiermacher und Petrarca, um dann mit Platon die transhistorische Bedeutung der Idee des Lehrers zu entdecken und schließlich Anregungen zum Weiterdenken zu finden.