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Katja Specht

"Wahre Freundschaft", page I - XIV

Beziehungskulturen der Freundschaft - eine sozialpsychologische Untersuchung

1. Edition 2020, ISBN print: 978-3-8288-4435-3, ISBN online: 978-3-8288-7449-7, https://doi.org/10.5771/9783828874497-I

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Psychologie, vol. 32

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag Reihe Psychologie Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag Reihe Psychologie Band 32 Katja Specht „Wahre Freundschaft“ Beziehungskulturen der Freundschaft – eine sozialpsychologische Untersuchung Tectum Verlag Katja Specht „Wahre Freundschaft“. Beziehungskulturen der Freundschaft – eine sozialpsychologische Untersuchung Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag Reihe: Psychologie; Bd. 32 Zugl. Diss. Universität Bremen 2019 © Tectum – ein Verlag in der Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 2020 ePDF 978-3-8288-7449-7 (Dieser Titel ist zugleich als gedrucktes Werk unter der ISBN 978-3-8288-4435-3 im Tectum Verlag erschienen.) ISSN 1861-7735 Umschlaggestaltung: Tectum Verlag, unter Verwendung des Bildes # 400017166 von CYC | www.shutterstock.com Alle Rechte vorbehalten Besuchen Sie uns im Internet www.tectum-verlag.de Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Angaben sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. „Ich bin. Aber ich habe mich nicht. Darum werden wir erst.“ Ernst Bloch Die in dem Kapitel „Auswertung der Interviews, Gruppendiskussionen und einer Befragung in einem sozialen Netzwerk“ eingefügten Unter- überschriften bestehen aus Kernsätzen, die ich in der empirischen Auswertung meiner Untersuchung entwickelt habe. Kernsätze sind aus zentralen Aussagen meiner Befragten in einem sozialen Netzwerk, meiner InterviewpartnerInnen und meiner GruppendiskussionsteilnehmerInnen sowie gegenstandsbezogenen Assoziationen von mir zu den betreffenden Textsequenzen zusammengesetzt. Die Kernsätze dienen der Gliederung als Wegweiser in meiner empirischen Untersuchung. In meiner Arbeit ist mir die sprachliche Differenzierung der Geschlechter sehr wichtig. Wenn an manchen Stellen eine neutrale Form verwendet wurde, wie z. B. „Freunde“ sind damit immer beide Geschlechter gemeint. Mein besonderer Dank gilt meinem Doktorvater Prof. Dr. Thomas Leithäuser, der mich in meiner Forschung und in dieser Arbeit wissenschaftlich beraten und wohlwollend begleitet hat. Inhaltsverzeichnis Vorwort von Thomas Leithäuser . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . XIII Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1 Freundschaft als ein Beziehungsmosaik − eine theoretische Perspektive . . . . . . . 5 Mosaiksteine von Erich Fromm und Robert Spaemann . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5 Mosaiksteine von Margarete Mitscherlich, Sigmund Freud und Arthur Schopenhauer. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12 Mosaiksteine von Rainer Funk, Sören Kierkegaard und Hartmut Rosa . . . . . . . . . . . . . . . . 17 Mosaiksteine von Aristoteles, Martin Seel und Axel Honneth . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20 Der Rahmen des Mosaiks nach Immanuel Kant . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26 Die Methoden der empirischen Untersuchung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31 Die Erhebungsmethoden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34 Die Haltung der Forscherin im Feld . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36 Die Befragung in einem sozialen Netzwerk . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40 Die Auswertungsmethoden. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41 Die Methode der Kernsatzfindung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42 Auswertung der Interviews, Gruppendiskussionen und der Befragung in einem sozialen Netzwerk . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45 Befragung von Nutzern eines sozialen Netzwerkes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45 „Freundschaft ist lebenswichtig und heilig.“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45 „Um bei mir den Status Freund zu erreichen, braucht es Monate und eine Menge Bewährungen im Alltag.“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47 IX „Beste Freundin“ − das gehört der Vergangenheit an! Man entwickelt sich immer weiter!“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48 „Wir haben schon viele Schicksalsschläge zusammen gemeistert und natürlich auch schon viel Spaß gehabt und wunderschöne Tage miteinander verbracht.“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 49 „Wir sind immer füreinander da, ohne dass wir aneinanderkleben.“. . . . . . . . . . . . . . 50 Gruppendiskussionen mit Schülerinnen und Schülern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51 „Freunde sind meine ausgewählte Familie.“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51 „Der beste Freund ist noch so eine höhere Instanz.“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 53 Gruppendiskussionen mit Studierenden der Psychologie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 54 „Wenn ich mich schwach fühle, hilft es mir, dass meine Freunde mir zeigen, dass ich eigentlich stark bin.“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 55 „Freundschaften von Blutsschwestern und Blutsbrüdern.“. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56 Interview mit Hans, einem Politiker . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 57 „In der Politik hat man nur Freunde, wenn es einem gut geht.“. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 57 „Freunde sind einander Wohltäter und mehr.“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62 „Können die eigenen Kinder zu Freunden werden?“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 63 Interviews mit Elsa und Charles, einem Freundespaar aus einem Altenpflegeheim . . 65 „Er hält sich an meinem Rollator fest und ich schiebe das Ding.“. . . . . . . . . . . . . . . . . . 66 „Jeden Morgen bekomme ich meine drei Küsschen.“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68 Interview mit Bernd, einem Unternehmer. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 69 „In der Freundschaft gibt es ‚Inseln der Unbetretbarkeit‘, die man nicht betreten soll.“. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 69 „Echte Freundschaften währen über den Tod hinaus, im stillen, inneren Rategespräch.“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70 „Ich habe viele, viele Freunde gehabt in meinem Leben, und sie sind alle schon tot. Aber sie sind alle noch bei mir und ich mit ihnen.“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 71 „Bernd, lass ihnen das. Sie haben auch nichts. Das ist Freundschaft.“ . . . . . . . . . . . . . 73 „Das tut Ihnen gut, dass Sie mal gerade sitzen lernen.“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 73 Interview mit Petra, einer Modedesignerin, und Arnold, einem Restaurateur . . . . . . . . 74 „Die gemeinsame Aufgabe hat uns zusammengeschweißt.“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 74 „Eine Freundschaft kannst du dir aussuchen, eine Familie nicht.“. . . . . . . . . . . . . . . . . 75 „Unterlegenheit und Überlegenheit in einer Beziehung sind furchtbar.“ . . . . . . . . . 77 Inhaltsverzeichnis X Interview mit Otto, einem Friseur. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 79 „Einen guten Freund möchte ich immer um mich haben.“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 79 „Familie ist eine Säule, ganz private Sachen bespreche ich eher mit einer besten Freundin und einem besten Freund.“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 80 Interview mit Sven, einem Finanzberater . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 82 „Warum soll ich zu Familienangehörigen eine besonders gute Beziehung haben?“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 82 „Also Partnerschaft wiegt um ein Zig-tausendfaches mehr als die Freundschaft für mich.“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 83 „Sind Schulfreunde und Geschäftsfreunde wahre Freunde?“. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 84 Leas Freundschaften – eine Stellungnahme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 86 „Wir unterstehen eben keinem unsichtbaren Gefühls- und Handelsgesetzbuch.“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 86 Freundin und Freund in den Blicken der Anderen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 93 Der objektivierende Blick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 94 Der starre Blick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 96 Der familiale Blick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 98 Der liebende Blick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 104 Der freundschaftliche Blick. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 107 Exkurs: Lob der dritten Sache . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 110 Freundschaft als „Framing“ und als „Interaktionsform“. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 117 „Framing“ als Sinnproduktion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 117 Geldbeziehung als ökonomisches „Framing“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 121 Unbewusste „Interaktionsformen“ in Freundschaftsbeziehungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 124 Freundschaft als „Heimstätte sozialer Freiheit“. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 128 „Intellektueller Egozentrismus“ in Freundschaftsbeziehungen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 130 Die Erfahrung von „wahrer Freundschaft“. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 135 Literaturverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 143 Inhaltsverzeichnis XI Vorwort von Thomas Leithäuser Freundschaft heißt eine soziale Beziehung, die jeder Mensch in der einen oder anderen Weise in seinem Alltag erlebt und erfahren hat. In unseren modernen Gesellschaften gibt es vielfältige Formen der Ausgestaltung von Freundschaftsbeziehungen, die Katja Specht als „Beziehungskulturen“ beschreibt. Diese können rein konventioneller Art sein, sie können sich aber auch zu einer individuellen und sehr persönlichen Beziehungsgestalt entwickeln. Für eine sozialpsychologische Untersuchung, wie sie Katja Specht unternommen hat, sind Freundschaftsbeziehungen ein weites Forschungsfeld. Freundschaft ist nicht ein fixes soziales Faktum, ein festzulegendes Konstrukt, das sich mit strengen Definitionen einfangen lässt. Freundschaft erschließt sich als ein soziales Phänomen weniger durch Erklärung von Ursachen- und Wirkungszusammenhängen als durch Sinnverstehen. Die Erkenntnis von Freundschaft bedarf der Hermeneutik, einer Methodik des Sinnverstehens. Sie bedarf einer qualitativen Sozialforschung. In der Perspektive einer qualitativen empirischen Forschung hat Katja Specht ihre Methoden des Interviews und der Gruppendiskussion entwickelt. Sie hat in einem sehr ausführlichen Kapitel ihre hermeneutische Methode dargestellt. Sie stützt sich dabei u. a. auf Arbeiten von Ruth Cohn, Alfred Lorenzer, Birgit Volmerg und Thomas Leithäuser. Ein Erkenntnisziel der hermeneutischen Interpretationen der erhobenen Gesprächstexte ist es, einen Begriff von „wahrer Freundschaft“ zu entwickeln. Mit Wahrheit ist hier nicht ein Begriff von objektiver Wahrheit, sondern eine von den Interviewten subjektiv gemeinte Wahrheit gedacht. Die Auswertungen von Katja Specht verweisen immer wieder auf einen tiefen Wunsch nach einer „wahren“, gelingenden Freundschaft. Es gehört zu den Ergebnissen der Untersuchung, dass die Interviewten und Gesprächsteilnehmer der Gruppendiskussionen in eine Art alltägliches Philosophieren geraten. Es gehört zu den theoretischen Erkennt- XIII nissen der Arbeit von Katja Specht, dass sie eine Verbindung dieser alltagsphilosophischen Erörterungen ihrer Gesprächspartner mit Reflexionen der akademischen Philosophie herstellt, so z. B. mit Reflexionen von Aristoteles, Kant, Schopenhauer und Bloch. Herausragend ist dabei die Sentenz von Ernst Bloch: „Ich bin. Aber ich habe mich nicht. Darum werden wir erst.“, die Katja Specht vor dem Hintergrund ihrer empirischen Auswertungen als Ausdruck „wahrer und gelingender Freundschaft“ interpretiert. Das „Wir“, das Bloch meint, ist kein „gleichmachendes Wir“, sondern ein tendenziell „utopisches Wir“, das sich in der Gemeinschaft von „wahren Freunden“ bildet und die Individualisierung des je Einzelnen ermöglicht und anerkennt. Momente eines solchen „Wirs“ finden sich mehr oder weniger ausgeprägt in den Vorstellungen der TeilnehmerInnen der Untersuchung von Katja Specht. Sie hat daher die blochsche Sentenz zum „Kernsatz“ ihrer gesamten Untersuchung ausgewählt. Freundschaftsbeziehungen sind Bestandteile der menschlichen Sozialisation. Sie beeinflussen die Identitätsbildung der Freundinnen und Freunde. Es zeigt sich in einer gelingenden Freundschaft, inwieweit Freundin und Freund sich selbst Freundin und Freund sein können, sich selbst in ihrer Eigenheit erkennen, anerkennen und wertschätzen können. Eine „wahre Freundschaft“ bewährt sich, wie Katja Specht zeigt, nicht allein in der wechselseitigen persönlichen Anerkennung. Freundschaft ist nicht nur eine Beziehungsform zwischen zwei und mehreren Menschen. Freundschaft ist vielmehr vermittelt durch ein gemeinsames praktisches Tun, durch eine „dritte Sache“, an der man gemeinsam arbeitet. Eine Freundschaft entwickelt sich in der Herstellung eines gemeinsamen Projekts. Das kann z. B. die Bewältigung von gemeinsamen Arbeitsaufgaben sein, wie sie Katja Specht beispielhaft in ihren Interpretationen herausarbeitet. Die Beschäftigung mit einer „gemeinsamen Sache“ macht viele zu Freunden. Sie führt Freunde nicht selten in einen alltagsphilosophischen Diskurs, der ihre freundschaftliche Beziehung vertieft. Freunde können miteinander lernen, dass Arbeit mehr als Maloche und alltägliche Routine sein kann, wenn es gelingt, diese zu einer „gemeinsamen dritten Sache“ zu machen. So wird Freundschaft erfinderisch und lebendig. Vorwort von Thomas Leithäuser XIV

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Zusammenfassung

Jeder hat eigene Erfahrungen mit Freundschaftsbeziehungen, von denen er viel erzählen kann. In ihrer qualitativen sozialpsychologischen Untersuchung interpretiert Katja Specht diese Erzählungen als Alltagsphilosophien, die sie mit wissenschaftlichen Theorien aus Psychologie, Philosophie und Soziologie vergleicht. Auf diesem methodischen Wege entsteht ein weit gefächertes Mosaik von Freundschaftsbeziehungen.

In den Freundschaftsbeziehungen, von denen viele InterviewpartnerInnen in Katja Spechts Untersuchung berichten, geht es um die Suche nach einer „wahren Freundschaft“. Sowohl in Interviews und Gruppendiskussionen als auch in Fragen und Antworten aus dem Sozialen Netzwerk erzählen Katja Spechts GesprächspartnerInnen von ihren Freundschaften.