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Zusammenfassung in:

Lukas Lehning

Digitale Kommunikation aus der Perspektive des Sozialbehaviorismus, page 233 - 234

Eine Untersuchung digital vermittelter Selbst-Wahrnehmung nach George Herbert Mead

1. Edition 2020, ISBN print: 978-3-8288-4430-8, ISBN online: 978-3-8288-7442-8, https://doi.org/10.5771/9783828874428-233

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Sozialwissenschaften, vol. 92

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
Zusammenfassung Das Internet kombiniert als Hybridmedium bereits existierende Möglichkeiten der Interpersonellen- und der Massenkommunikation mit neuen Formen der Vernetzung und Datenübertragung. Diese Arbeit nimmt weniger einzelne technische Möglichkeiten in den Blick, als vielmehr die wichtigste von diesem Wandel betroffene Einheit, nämlich den Menschen im Umgang mit den technisch vorgegebenen Kommunikationsstrukturen. Ziel war es, herauszufinden, welchen Einfluss die digitale Kommunikation auf die Selbst-Wahrnehmung hat, und ob in ihr die Bedingungen für die Entwicklung von Identität gegeben sind. Hierzu wurde das Konzept G. H. Meads zur intersubjektiven Identitätskonstruktion zugrunde gelegt, der grundlegende Unterschied zwischen menschlicher und maschineller Informationsverarbeitung mit J. Weizenbaum erklärt und erste Überlegungen zur Veränderung der Kommunikation durch weltumspannende Vernetzung mit V. Flusser dargestellt. Dabei wurde herausgearbeitet, dass der Mensch im heutigen digitalen Kommunikationsnetz längst nicht mehr ausschließlich mit anderen Menschen, sondern zunehmend mit künstlichen Intelligenzen kommuniziert. Daraus ergaben sich zwei Fragen: Erstens, was erfährt der Mensch über sich selbst, wenn er digital vermittelt mit anderen kommuniziert? Zweitens, was erfährt ein Mensch über sich selbst, wenn er nicht mehr mit einem anderen Menschen, sondern mit einer künstlichen Intelligenz kommuniziert? Hierzu wurden drei unterschiedliche digitale Kommunikationsmöglichkeiten betrachtet: Messenger Dienste, soziale Netzwerke und die Kommunikation mit künstlicher Intelligenz. Es wurden vier Erkenntnisse gewonnen: Erstens, Verwendung digitaler Kommunikationstechnik überführt Kommunikation als Akt sozialer Handlung in den Akt des Informationsaustausches. Zweitens, digital vermittelte Kommunikation erschwert es Menschen auf Grund der Strukturen sowie der konkreten Verwendung, kommunikatives Verhalten anderer in Ursache-Wirkungs- Zusammenhängen wahrzunehmen. Drittens, künstliche Intelligenz kann 233 Kommunikation nur simulieren, da sich die sinnvolle Verwendung von Sprache immer auf Erfahrungen bezieht. Viertens ist der kommunizierende Mensch nicht mehr in der Lage, die intersubjektive Wirkung seiner Handlung wahrzunehmen, da ihm hierfür metakommunikative Informationen des Gegenübers fehlen oder er mit einer künstlichen Intelligenz kommuniziert, die ihm nicht vor dem Hintergrund menschlicher Erfahrungen entgegentritt, so kann er die Folgen seiner Handlungen im Hinblick auf soziale Normen nicht antizipieren. Zusammenfassung 234

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Das Internet kombiniert als Hybridmedium bereits existierende Möglichkeiten der Interpersonellen- und der Massenkommunikation mit neuen Formen der Vernetzung und Datenübertragung. Um die Folgen dieser Entwicklung zu beschreiben, schlägt der Autor eine Brücke zwischen Kommunikationswissenschaft und Identitätsphilosophie. Auf diesem Weg entsteht eine Interaktionstheorie, die erklärt, wie Kommunikationsphänomene wie Hate-Speech, Identitätsverlust und der Drang nach Selbstinszenierung durch die Spezifika der digitalen Kommunikation vorangetrieben werden. Er stützt sich hierbei auf Denker wie G. H. Mead, V. Flusser, J. Butler und J. Weizenbaum und erklärt so, was der Mensch über sich selbst erfährt, wenn er digital vermittelt mit anderen in Kontakt tritt und was, wenn er statt mit einem anderen Menschen mit künstlicher Intelligenz kommuniziert. So trägt Lukas Lehning auf dem Gebiet der Identitätsphilosophie und der Kommunikationswissenschaft zur Grundlagenforschung bei.