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2. Führung – grundlegende und abgrenzende Gedanken in:

Kurt W. Koeder, Tobias Koeder

Mitarbeiterführung - Leading People, page 11 - 16

Pragmatische Instrumente

1. Edition 2020, ISBN print: 978-3-8288-4424-7, ISBN online: 978-3-8288-7434-3, https://doi.org/10.5771/9783828874343-11

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
11 2. Führung – grundlegende und abgrenzende Gedanken Unbestrittene Tatsache ist, dass eine kompetente Führung eines Unternehmens oder gar eines Landes wie der Bundes republik Deutschland einen zentralen Faktor des Erfolges und der Zufriedenheit der jeweiligen Institution und seiner Organisationsmitglieder darstellt. Es gibt hunderte von Büchern und Zeitschriftenbeiträgen, ebooks und Onlinepublikationen u. v. m. mit interessanten Inhalten und gut gemeinten Ratschlägen, Theorien, Instrumenten, Modellen, Untersuchungen und Ansätzen der Führung, aber ihre individuelle Handhabe und die unterschiedlichen Wertvorstellungen machen den Erfolgsnachweis schwierig. Schon mit der Erschaffung der Menschen entstand ein Führungsproblem, denn wie man andere Menschen beeinflusst, war bereits bei Adam und Eva im Paradies ein Diskussionspunkt. Zielorientierte Verhaltensbeeinflussung als eine Definition der Führung hat die Menschheit schon immer beschäftigt. Ob in der Bibel, im Koran oder sonst einer Weltreligion, überall werden Führungsregeln und -prinzipien angesprochen, so auch im neuen Testament: 12 „Wenn ein Blinder einen Blinden führt, werden beide in die Grube fallen.“ (Matthäus 15) Auch die Griechen und die Römer, die Chinesen und Ägypter sowie viele andere Völker haben sich bereits in der vorchristlichen Zeit mit Fragen der Menschenführung auseinandergesetzt wie z. B. Laotse, ein chinesischer Philosoph des 4./5. Jahrhunderts vor Christus und der Begründer des Taoismus, einer chinesischen Philosophie, Weltanschauung und Religion, soll gesagt haben: „Um Menschen zu führen, gehe ich hinter ihnen.“ Selbst von namhaften Persönlichkeiten wie Goethe, Schiller, Shakespeare oder Lincoln liegen uns interessante Weisheiten zum Thema Mitarbeiterführung vor. Wer kennt nicht den Ausspruch von J.W. Goethe zu dieser Thematik: „Ein edler Mensch zieht edle Menschen an und weiß sie festzuhalten.“ Mit diesem Ausspruch hat Goethe in besonderem Maße den Geist der heutigen Zeit im Unternehmen in Sachen Mitarbeiterbindung und -identifikation getroffen. Das Thema Führung ist überall präsent, sei es in der Familie (Erziehung), in der Politik, im Sport, in der Wirtschaft u. v. m. und überall dort, wo es Menschen gibt, die es zu einer bestimm- 13 ten Verhaltensweise anzuregen gilt. Führung ist aber nicht nur auf Menschen beschränkt, auch in der Tierwelt finden wir vielfältige Möglichkeiten des Einflussverhaltens, z. B. im Rudel, im Revier, in der Herde oder bei Fischen im Schwarm. Insbesondere Führungsprobleme sind allerorts existenziell, selbst die Frage des Überlebens der Menschheit (Klimawandel und dessen Auswirkungen auf die Folgegenerationen) auf unserem Planeten ist im Moment ein Führungsproblem. Hier ist in besonderem Maße die Politik und jeder einzelne Bürger in seinem Verhalten, z. B. Konsumverhalten, Umweltverhalten, Verbrauch natürlicher Ressourcen, gefordert. In der Betriebswirtschaftslehre sprechen wir vorab von Unternehmensführung. Dabei bezeichnet dieser Begriff einerseits den Personenkreis, der ein Unternehmen leitet (Unternehmensleitung oder Management), andererseits den Prozess des Führens einer Unternehmung. In diesem Sinne kann Unternehmensführung institutionell (Wer führt?), funktional (Wodurch wird geführt?) und prozessual (Wie wird geführt?) definiert und interpretiert werden. Gegenstand der Unternehmensführung ist die Gestaltung von Organisationen im Sinne von zweckgerichteten sozialen Systemen. Die institutionelle Sicht der Führung von Unternehmen bezieht sich dabei auf eine Person (Geschäftsführer, geschäftsführender Gesellschafter) oder Personengruppe (Mitglieder des Vorstandes), die legitimiert sind, die Organisation zu führen. Die funktionale Sicht steht für Entscheidungen, die für den Bestand und die Zukunft des Unternehmens bedeutend sind wie z. B. die zielorientierte Kombination von 14 Ressourcen, Personalführung und Verantwortung gegenüber Dritten. Sachfunktionen wie z. B. die Produktion, die Logistik, Investitionen werden durch die Unternehmensführung koordiniert und gesteuert. Unternehmensführung aus prozessualer Sicht beinhaltet ein ganzes Bündel von einzelnen Führungsprozessen wie z. B. Entwicklung von Zielen und Steuerung der Zielerreichung. Aufgabe eines Managers ist dabei die Planung, Durchführung, Kontrolle und Steuerung von Maßnahmen zum Wohl des Unternehmenszweckes und aller daran Beteiligten. Daniel Goeudevert, ein französischer Automanager und Unternehmensberater, meinte: „Unternehmensführung ist nicht die Beschäftigung mit Gegenwartsproblemen, sondern die Gestaltung der Zukunft.“ Die Literatur zum Thema Führung (z. B. Neuberger, Malik, Wunderer, Rosenstiel) ist sehr vielfältig, umfassend und auch hoch interessant. So versteht Prof. Wunderer unter Führung eine ziel- und ergebnisorientierte, aktivierende und wechselseitige, soziale Beeinflussung mit dem Ziel der Erfüllung gemeinsamer Aufgaben. Aus historischen Gründen wird im Deutschen nicht unbedingt von „Führer“ gesprochen, sondern eher von Manager. Trotzdem ist es zweckmäßig zwischen Führung und Management zu unterscheiden. Kurz zusammengefasst: Führung läuft über Menschen und Kultur, Management über Hierarchien, Systeme und Strategien durch Planung, Organisation und Controlling. 15 „Was aber einen guten Manager ausmacht, ist die Fähigkeit, andere zu ungewöhnlichen Leistungen zu veranlassen.“ (C. N. Parkinson, britischer Historiker des 20. Jh.) Management ist also nicht ausschließlich Menschenführung, sondern ist das Managen einer ganzen Institution (Unternehmung – Beschaffung, Produktion, Absatz), somit auch die Führung von Organisationen mit Menschen und Professor Malik, ein bekannter Managementlehrer der Hochschule St. Gallen, sagt, es geht auch um die Führung von Menschen in Organisationen. 16 Verwendete und empfehlenswerte Literatur: Dillerup, R./Stoi, R.: Unternehmensführung – Management & Leadership, München 2016 Drucker, P. F.: Die Praxis des Managements, Düsseldorf 1998 Götz, D./Reinhardt, E.: Führung: Feedback auf Augenhöhe, Berlin 2016 Hungenberg, H./Wulf, T.: Grundlagen der Unternehmensführung, Berlin 2015 Jung, R. H. u. a.: Allgemeine Managementlehre, Berlin 2013 Macharzina, K./Wolf, J.: Unternehmensführung, Berlin 2018 Malik, F.: Führen, leisten, leben – Wirksames Management für eine neue Zeit, Frankfurt 2019 Malik, F.: Management, Frankfurt 2007 Rosenstiel, L. von u. a.: Führung von Mitarbeitern, Stuttgart 2014 Steinmann, H./Schreyögg, G.: Management, Grundlagen der Unternehmensführung, Berlin 2013 Wunderer, R.: Führung und Zusammenarbeit, Darmstadt 2011

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Zusammenfassung

Mitarbeiter „erfolgreich führen“ ist eine schwierige Aufgabe im Berufsalltag jedes Vorgesetzten. Hierzu benötigen wir Vorgesetzte, die in einer Zeit zunehmender Herausforderungen durch die Digitalisierung, den demographischen Wandel und den Wertepluralismus die Klaviatur der Mitarbeiterführung beherrschen und trotz z. B. Homeoffice und der Arbeit mit internationalen Teams den direkten Kontakt zu den Mitarbeitern suchen und festigen. Halten wir es mit dem römischen Politiker und Philosophen Marcus Tullius Cicero, der schon vor über 2.000 Jahren zum Führungsverhalten Treffendes anmerkte: „Wenn Du gesät hast, so wirst Du ernten.“