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Vorwort in:

Kurt W. Koeder, Tobias Koeder

Mitarbeiterführung - Leading People, page 1 - 6

Pragmatische Instrumente

1. Edition 2020, ISBN print: 978-3-8288-4424-7, ISBN online: 978-3-8288-7434-3, https://doi.org/10.5771/9783828874343-1

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
1 Vorwort „Personalführung ist nicht die Kunst, den Mitarbeiter so schnell über den Tisch zu ziehen, dass er die Reibungshitze als Nestwärme empfindet.“ In Literatur und betrieblicher Praxis werden eine Vielzahl von Führungsinstrumenten, -methoden, -stile und -grundsätze diskutiert, mit dem Ziel, das Verhalten der Mitarbeiter aufgabenund zielorientiert zu beeinflussen bzw. zu steuern. Mitarbeiter „richtig führen“ ist eine schwierige Aufgabe im Berufsalltag einer Führungskraft, nicht zuletzt auch deshalb, da die Führungskräfte zum einen die Anforderungen des Unternehmens (Qualifikationen/Kompetenzanforderungen) zum anderen die Ansprüche, Interessen, Neigungen, Bedürfnisse und die Qualifikationen der zu führenden Mitarbeiter in Einklang bringen müssen und dies nicht zuletzt in einer Zeit zunehmender Arbeitsanforderungen und Veränderungen durch z. B. die Digitalisierung, demographischer Wandel, Globalisierung, Internationalisierung und Wertewandel. Gerade die Digitalisierung und mit ihr die Künstliche Intelligenz wird auch die Führungskräfte (Digital Leadership) zukünftig vor neue und veränderte Herausforderungen im Bereich der Arbeit selbst und 2 der Mitarbeiterführung stellen. „Agile Führung“ und „virtuelle Führung“ als Trends verlangen eine andere, intensivere Nähe zu den Mitarbeitern und dies insbesondere auch in Zeiten von Homeoffice und Teilzeitjobs. Die Führungskräfte haben dabei die richtigen Bedingungen und Ausgangssituationen zu schaffen, unter denen sich die Mitarbeiter erfolgreich entwickeln können. Schlüsselworte des heutigen Führungsverständnisses sind dabei u. a. mehr Selbstorganisation, Vertrauen und die Mensch-zu-Mensch-Beziehung. Der Vorgesetzte muss seinen Mitarbeitern Freiraum gewähren und sie entfalten lassen, den Sinn ihrer Arbeit vermitteln, Emotionen produzieren, motivieren, kommunizieren sowie Spaß an und Identifikation mit der Arbeit sichern und ihre Wertewelt erkennen. Gesellschaft und Wirtschaft befinden sich in einer großen Transformation. An die Stelle hierarchischer Führungsstrukturen treten Netzstrukturen und die kollegial-selbstorganisierte, agile Führung. „Führung ist zu wichtig, um sie nur Führungskräften zu überlassen“ ist ein neuer Denkanstoß in der Mitarbeiterführung. Nachfolgende Beiträge und Anregungen zu einer pragmatischen Mitarbeiterführung halten nicht unbedingt wissenschaftlicher Akzeptanz und Überprüfung stand, es sind „kleine und einfache“ Führungsrezepturen, die sich vor allem aufgrund zahlreicher Gespräche mit Führungskräften jeglicher Hierar- 3 chieebenen und Kollegen sowie den Ergebnissen vieler empirischer Untersuchungen zur Arbeitszufriedenheit in Unternehmen sowie vieler Vorträge zu dieser Thematik ergaben. Ziel ist es, handfeste und einfach nachvollziehbare, der betrieblichen Praxis und dem Lebensalltag entliehene Ansätze auf die Bewusstseinsebene des Einzelnen zu heben und sie durchaus als situative Ratgeber für den unternehmerischen Führungsalltag zu verstehen. Dabei werden aus den umfangreichen Themen und Inhaltskomplexen des Personalmanagements und insbesondere der Führung von Mitarbeitern Denkanstöße für eine größere Wertschätzung und Anerkennung der Mitarbeiterleistung fokussiert, die relativ einfach in der Umsetzung sind, eigentlich nachvollziehbar und allen bekannt, aber doch nur selten praktiziert werden, da deren Anwendung stark auch vom „Naturell des Vorgesetzten“ abhängt. Die Verzahnung der einzelnen beschriebenen Führungsinstrumente kann insgesamt für die Strukturierung des Führungsprozesses im Unternehmen und der HR-Bereiche Hilfestellung leisten. Der deutsche Nobelpreisträger Albert Schweitzer formuliert hierzu für Führungskräfte: „Ein Beispiel zu geben ist nicht die wichtigste Art, wie man andere beeinflusst. Es ist die einzige.“ Der Umgang mit seinen Mitarbeitern am Arbeitsplatz ist und bleibt etwas Individuelles und auf die Besonderheiten des einzelnen abgestelltes. Es erlaubt keine standardisierten Ansätze, die für alle Mitarbeiter Gültigkeit haben (situatives Führen). Daher sollen die nachfolgenden Beiträge zur Mitarbeiterführung das Bewusstsein schärfen und mit erlebten Erfahrungen zum Nachdenken bewegen, Ideen vermitteln und Denkanstöße 4 für das eigene Verhalten bieten sowie natürlich auch Diskussionen provozieren. In der HR-Literatur wird kaum ein Thema so heftig diskutiert wie die Thematik der Mitarbeiterführung und daran wird sich durch die Digitalisierung und Künstliche Intelligenz nichts ändern. Obwohl die Unternehmerin Monique R. Siegel hierzu anführt: „Echte Führer schauen nicht in Führungsbücher, sondern in die Augen ihrer Mitarbeiter.“ Umrahmt wird der Fachtext durch Aphorismen und Lebensweisheiten namhafter Persönlichkeiten insbesondere aus der Wirtschaft, die sich zur Führung generell und zur Mitarbeiterführung und den genannten Führungsinstrumenten geäu- ßert haben. Ein Zitat einer berühmten Person kann durchaus dazu motivieren, eigene Ideen und Überlegungen zu schärfen, präziser zu formulieren und damit zum Nachdenken anzuregen und zum Überdenken des eigenen Führungsverhaltens beitragen. Diese Aphorismen/Lebensweisheiten können ferner den Führungsalltag beflügeln und die Textstellen interessanter machen (www.zitate.de). Die verwendete und empfehlenswerte Literatur ist jeweils am Ende der einzelnen Kapitel aufgeführt. Vielen Dank an dieser Stelle all jenen, die uns in Gesprächen zahlreiche wertevolle Denkanstöße, Anregungen, Hinweise und eine Fülle von Beispielen insbesondere aus der Führungspraxis gegeben haben. Dies waren einerseits berufsbegleitend Stu- 5 dierende, andererseits Mitarbeiter und Führungskräfte der verschiedensten Unternehmen und zahlreiche Kollegen. Ingelheim/Wiesbaden 2020 Prof. Dr. Kurt W. Koeder Dr. Tobias Koeder

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Zusammenfassung

Mitarbeiter „erfolgreich führen“ ist eine schwierige Aufgabe im Berufsalltag jedes Vorgesetzten. Hierzu benötigen wir Vorgesetzte, die in einer Zeit zunehmender Herausforderungen durch die Digitalisierung, den demographischen Wandel und den Wertepluralismus die Klaviatur der Mitarbeiterführung beherrschen und trotz z. B. Homeoffice und der Arbeit mit internationalen Teams den direkten Kontakt zu den Mitarbeitern suchen und festigen. Halten wir es mit dem römischen Politiker und Philosophen Marcus Tullius Cicero, der schon vor über 2.000 Jahren zum Führungsverhalten Treffendes anmerkte: „Wenn Du gesät hast, so wirst Du ernten.“