Content

4. Generalisiertes Vertrauen vs. Partikulares Vertrauen in:

Dominik Weigand

Das Confidence-Trust-Modell, page 355 - 370

Zur Entwicklung einer integrativen Vertrauenstheorie

1. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-4421-6, ISBN online: 978-3-8288-7430-5, https://doi.org/10.5771/9783828874305-355

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Sozialwissenschaften, vol. 90

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
355 4. Generalisiertes Vertrauen vs. Partikulares Vertrauen An dieser Stelle sei zunächst zurück ins Gedächtnis gerufen, dass die Funktion sozialen Vertrauens in erster Linie darin besteht, die mit Interaktionen von Individuen verbundene soziale Komplexität zu mindern, indem vorherrschende Informationsdefizite durch die Annahme ersetzt werden, dass der jeweilige Vertraute ausschließlich wohlwollende Handlungsabsichten hat. Ohne wechselseitiges oder zumindest einseitiges Vertrauen, bei dem einer der Vertrauenspartner in Vorleistung tritt, ergeben sich im Normalfall keine Wechselbeziehungen zwischen Individuen. Erst Vertrauen macht Kooperation möglich. (Preisendörfer (1995), S. 266ff) Im vorangegangenen Abschnitt wurden im Wesentlichen zwei Vertrauensformen beschrieben, sogenanntes partikulares und generalisiertes Vertrauen, wobei der Fokus auf der Genese und den Bedingungsfaktoren bzw. Determinanten generalisierten Vertrauens lag. Nachfolgend soll nun die im Rahmen der Diskussion von Vertrauen (trust) und Zuversicht (confidence) begonnene Entwicklung eines integrativen Vertrauensmodells abgeschlossen werden, indem aus partikularem und generalisiertem Vertrauen (particularized trust und generalized trust) die praktischen Manifestationen von Vertrauen (trust) und Zuversicht (confidence) abgeleitet werden. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um eine Synthese, Neuformulierung bzw. Erweiterung der bereits bestehenden Definitionen. Entsprechend wird auch keine Abänderung der Benennung dieser Formen des Vertrauens vorgenommen, sondern es werden die Begriffe „PARTIKULARES VERTRAUEN“ und „GENERALISIERTES VER- TRAUEN“ beibehalten.42 PARTIKULARES VERTRAUEN beschreibt ein Vertrauen zwischen Personen, die einander kennen, und wird aufgrund dieser Eigenschaften ausschließlich auf der Mikroebene wirksam. Solches Vertrauen ergibt sich im Wesentlichen aus Informationen über die Vertrauten und vergangenen Erfahrungen mit den Vertrauten. Es wird dabei auch als thick, personal oder specific trust bezeichnet und entspricht somit im Grunde dem, was landläufig unter Vertrauen verstanden wird. Beispiele für ein solches Vertrauen sind das Verleihen eines wertvollen Gegenstandes an einen Verwandten oder Freund, die Übertragung einer wichtigen Aufgabe an einen Kollegen oder Untergebenen oder die Bitte einer Person aus dem sozialen Nahbereich um einen Gefallen. In all diesen Fällen wird auf Basis von erfahrungsgeneriertem Wissen darauf vertraut, dass der oder die Vertraute(n) sowohl die Kompetenz als auch die Intention besitzt, im Interesse des Vertrauenden zu handeln. Entsprechend folgt aus der vorangegangenen Auflistung und den Erörterungen der verschiedenen Vertrauensansätze und ihrer konzeptionellen Theoriefamilien folgende Definition für PARTIKULARES VERTRAUEN43: PARTIKULARES VERTRAUEN stellt eine dreiwertige Relation dar, die stets auf spezifische Vertrauenssubjekte und spezifische Vertrauensobjekte beschränkt ist. Das heißt: Der Vertrauende vertraut dem Vertrauten 42 Um im Verlauf der weiteren Argumentation den Unterschied zwischen partikularem bzw. generalisiertem Vertrauen und dessen Neudefinition deutlich machen zu können, werden nachfolgend für die ursprüngliche Fassung (vgl. entsprechende Theoretiker im Abschnitt „3. Generalisiertes Vertrauen“) die englischsprachigen Begriffe „particularized trust“ und „generalized trust“ verwendet werden. Dagegen werden partikulares und generalisierten Vertrauen in ihrer Neufassung als „PARTIKULARES VERTRAUEN“ und „GENERALISIER- TES VERTRAUEN“ bezeichnet werden. 43 Wird im weiteren Verlauf dieser Studie von „PARTIKULAREM VERTRAUEN“ gesprochen, so beziehen sich die Ausführungen auf die an dieser Stelle formulierte Definition. Andere Schreibweisen (z. B. partikulares Vertrauen, particularized trust etc.) sind anderen Vertrauenskonzeptionen zuzuschreiben. 356 Generalisiertes Vertrauen vs. Partikulares Vertrauen bezüglich eines bestimmten Vertrauensgegenstandes bzw. der Vertrauende vertraut auf ein bestimmtes Verhalten des Vertrauten. PARTIKULARES VERTRAUEN ergibt sich auf der Basis eines unvollständigen Wissens um die individuelle Vertrauenswürdigkeit und Zuverlässigkeit des Vertrauten und ist auf bekannte Individuen gerichtet. Es nimmt an, dass der Vertraute die Fähigkeit besitzt, das von ihm erwartete Handeln umzusetzen, und motiviert ist, im Interesse des Vertrauenden zu handeln. Der Vertrauende akzeptiert dabei sowohl die Abhängigkeit vom Verhalten des Vertrauten beim Erreichen eines speziellen Nutzens, der ohne die Unterstützung des Vertrauten nicht realisiert werden könnte, als auch das hieraus resultierende Risiko der Verletzbarkeit seiner Person. Der Vertrauende hat die Erwartung, dass der Vertraute ein spezielles für ihn vorteilhaftes Verhalten zeigen wird, ohne dass er den Vertrauten dahingehend überwachen müsste. PARTIKULARES VERTRAUEN entwickelt sich in der Regel innerhalb andauernder Beziehungen, die für alle beteiligten Parteien gewinnbringend sind. Je länger eine solche Beziehung andauert, umso gewinnbringender und nützlicher wird sie und umso vertrauensvoller und vertrauenswürdiger werden die beteiligten Personen. Die Annahme eines wohlwollenden Verhaltens seitens des Vertrauten und einer Vermeidung eines Vertrauensmissbrauchs seinerseits, ist deshalb nicht zuletzt durch ein Interesse an einer Fortsetzung der Beziehung begründet. PARTIKULARES VERTRAUEN kann einseitiger oder wechselseitiger Natur sein. Unter der Bedingung der Einseitigkeit bringt der Vertrauende dem Vertrauten Vertrauen entgegen, während unter der Bedingung der Wechselseitigkeit beide an der Vertrauensbeziehung beteiligten Parteien sowohl die Rolle des Vertrauenden als auch die Rolle des Vertrauten innehaben. Während PARTIKULARES VERTRAUEN auf bekannte Personen aus dem nahen sozialen Umfeld bezogen ist, d. h. auf Personen, über die wir 357 Generalisiertes Vertrauen vs. Partikulares Vertrauen Informationen hinsichtlich ihrer Vertrauenswürdigkeit besitzen oder aus ihren Handlungen ableiten können, sind wir im Alltag in einer Vielzahl von Situationen mit Personen konfrontiert bzw. gezwungen zu interagieren, über die wir keine expliziten Informationen hinsichtlich ihrer Vertrauenswürdigkeit besitzen. Aufgrund der Flüchtigkeit des Kontaktes mit den meisten dieser Menschen lässt sich allerdings keine Vertrauensbeziehung im Sinne eines PARTIKULAREN VERTRAUENs aufbauen. Zudem würde sich Vertrauen dieser Art in solchen Alltagssituationen keinesfalls als funktional erweisen, da es eher eine Eskalation, denn eine Reduktion sozialer Komplexität nach sich ziehen würde. So wäre ein ständiges Abwägen, der mit der Vertrauensvergabe verbundenen Risiken vor dem Hintergrund der individuellen Spezifika des Vertrauten und des jeweiligen Vertrauensobjektes notwendig. Zusätzlich trägt die fortschreitende Ausdifferenzierung der Gesellschaft zur Entwicklung von Expertensystemen bei, in deren Folge eine Professionalisierung von Wissensbeständen stattfindet. Daraus ergibt sich, dass die Mitglieder der Gesellschaft auf einer Vielzahl relevanter Sachgebiete nur über Laienwissen oder kein adäquates Wissen verfügen, sondern bei der Bewertung von Sachverhalten auf entsprechendes Expertenwissen angewiesen sind. Charakteristisch für solches Expertenwissen ist allerdings, dass es oft nicht ohne Weiteres nachprüfbar ist bzw. eine Überprüfung spezielle Kenntnisse oder Ressourcen erfordert. Außerdem erweist sich eine Kontrolle meist als wenig ökonomisch, weshalb man notwendigerweise darauf vertrauen muss, dass die Einschätzungen und Empfehlungen der Experten korrekt sind. Mit anderen Worten: Das Konzept PARTIKULAREN VERTRAU- ENs kommt an dieser Stelle an seine Grenzen. Das Problem des Informationsdefizites gegenüber fremden Personen lässt sich indes nur durch eine generalisierte Form des Vertrauens lösen, bei der Vertrauensentscheidungen einer Heuristik folgen. Vertrauen dieser Art wird auch thin, impersonal oder diffuse trust genannt und wird insbesondere dann wirksam, wenn es um einmalige oder flüchtige Kontakte geht. Beispiele hierfür sind das Vertrauen in die Fähigkeiten und die Kompetenz von Piloten, Busfahrern oder Taxifahrern. Bei der Nutzung der entsprechenden Verkehrsmittel muss jedes Mal dar- 358 Generalisiertes Vertrauen vs. Partikulares Vertrauen auf vertraut werden, dass der jeweilige Lenker in der Lage ist, das Flugbzw. Fahrzeug zu steuern, nicht unter Drogen steht, suizidale Tendenzen aufweist etc. Eine umfassende Bestimmung der Charakterdispositionen dieser Personen ist in der Regel aufgrund der zeitlichen Limitation der Interaktion und den Einschränkungen hinsichtlich einer Kontaktaufnahme nicht möglich, sodass kein kalkuliertes Vertrauen im Sinne eines PARTIKULAREN VERTRAUENs etabliert werden kann. Eine Überbrückung der aus diesen Beziehungskonstellationen resultierenden sozialen Komplexität lässt sich nur durch ein GENERALISIERTES VERTRAUEN bewerkstelligen. Die Notwendigkeit eines GENERALISIERTEN VERTRAUENs infolge des Kontrastes von Laien- und Expertenwissen lässt sich beispielsweise anhand der Arbeit von Journalisten, Wissenschaftlern und Ärzten veranschaulichen. Die Aufgabe von Journalisten besteht im Normalfall in der Verdichtung und Aufbereitung von Informationen, da es für den Normalbürger kaum praktikabel ist, selbstständig sämtliche relevanten Daten insbesondere zu komplexen Thematiken zu erfassen. Die Adressaten von Journalisten vertrauen dabei darauf, dass die Dokumentationen von Journalisten nach Möglichkeit Resultat einer gewissenhaften Recherche sind und keine Falschinformationen bzw. Fehlinterpretationen, sondern ausschließlich Fakten enthalten. Ähnlich verhält es sich mit den Forschungsergebnissen von Wissenschaftlern. Der Laie muss hier darauf vertrauen, dass diese korrekt sind und durch den Prozess des Peer-Review validiert werden. Er selbst ist mangels Fachwissens nicht dazu in der Lage, sondern muss sich auf entsprechende Kontrollinstanzen und die Aufrichtigkeit bzw. Tugendhaftigkeit des Wissenschaftlers verlassen. Hinsichtlich eines Arztes kommt Generalisiertes Vertrauen dann zum Tragen, wenn es um die Verlässlichkeit von Diagnosen geht. Der Laie muss darauf vertrauen können, dass der Arzt kompetent ist, eine Krankheit zu erkennen und die richtigen Maßnahmen zu deren Behandlung zu ergreifen. Dem Laien fehlt hier im Allgemeinen das notwendige Expertenwissen, um eine eigenständige Überprüfung zu Wege zu bringen. Daneben spielt GENERALISIERTES VERTRAUEN auch eine zentrale Rolle bei der Anbahnung neuer Beziehungen bzw. für das Kennen- 359 Generalisiertes Vertrauen vs. Partikulares Vertrauen lernen fremder Personen. So verfügen wir hinsichtlich uns unbekannter Personen in der Regel über keinerlei Informationen. Informationen über unser Gegenüber stellen allerdings eine der Grundvoraussetzungen dafür dar, einzuschätzen, ob wir beispielsweise jemanden sympathisch finden oder ob jemand eine Bedrohung für uns darstellt. Es ist uns unmöglich, das zukünftige Verhalten des Anderen zu antizipieren. Vor diesem Hintergrund stellt sich dann allerdings die Frage, warum wir trotzdem dazu in der Lage sind, neue Beziehungen mit uns bisher vollkommen unbekannten Personen einzugehen, wenn dafür doch ein Mindestmaß an Vertrauen notwendig ist. Da PARTIKULARES VERTRAU- EN auf Kenntnissen hinsichtlich des Vertrauten basiert, kann dieses nicht dieses Minimum an Vertrauen liefern. GENERALISIERTES VERTRAU- EN fungiert an dieser Stelle als sogenannter leap of faith, der dieses Minimalvertrauen bereitstellt. Man tritt somit der fremden Person gegenüber in gewisser Weise in Vorleistung, indem man ihr wohlwollend entgegentritt, bis man mehr Informationen gesammelt hat, um zu einem abschlie- ßenden Urteil zu kommen. Ein Beispiel für eine solche Situation ergibt sich, wenn Eltern ihr Kind in die Obhut eines neuen Babysitters geben. Sie wissen noch nicht, ob der Babysitter das eigene Kind gut behandeln wird, vertrauen aber darauf. Die nachfolgende Definition GENERALISIERTEN VERTRAUENs ergibt sich dabei als Kondensat der vorausgegangenen theoretischen Erörterungen44: GENERALISIERTES VERTRAUEN beschreibt eine prinzipiell stabile, in ihrem Ausmaß allerdings variable, individuelle Charakterdisposition, die eine abstrakte Vertrauenseinstellung gegenüber Menschen im Allgemeinen bzw. generalisierten Anderen ohne Beschränkung auf spezifische Situationen oder Personen beinhaltet. Als solche ist sie unabhängig von der Entwicklung einer per- 44 Wird im weiteren Verlauf dieser Studie von „GENERALISIERTEM VERTRAU- EN“ gesprochen, so beziehen sich die Ausführungen auf die an dieser Stelle formulierte Definition. Andere Schreibweisen (z. B. generalisiertes Vertrauen, generalized trust etc.) sind anderen Vertrauenskonzeptionen zuzuschreiben. 360 Generalisiertes Vertrauen vs. Partikulares Vertrauen sönlichen Beziehung zum Vertrauenspartner und lässt die individuelle Vertrauenswürdigkeit anderer Personen unberücksichtigt. GENERALISIERTES VERTRAUEN geht somit davon aus, dass den meisten Menschen vertraut werden kann, ohne dass spezifische Informationen über diese verfügbar sein müssen. Es wird auf diese Weise auch jenseits von face-to-face-Beziehungen, wie Verwandtschaft, Freundschaft oder Bekanntschaft wirksam und schließt Fremde bzw. Menschen, die einem persönlich nicht bekannt sind, sowie unbekannte Gruppen mit ein. Ein hohes Maß an GENERALISIERTEM VERTRAUEN ist vornehmlich durch eine optimistische Weltanschauung, die Wahrnehmung, Herr über das eigene Schicksal zu sein, und die Überzeugung, dass alle Menschen Teil einer gemeinsamen Wertegemeinschaft sind, innerhalb derer fundamentale moralische Werte geteilt werden, gekennzeichnet. Gleichzeitig geht GENERALISIERTES VERTRAUEN von einem Prinzip generalisierter Reziprozität aus, wonach für einen erwiesenen Gefallen keine unmittelbare Gegenleistung erwartet wird, sondern darauf vertraut wird, dass in der Zukunft der Gefallen, evtl. auch durch dritte, an der Vertrauensbeziehung gänzlich unbeteiligte Personen, vergolten wird. Determinanten und Bezugsrahmen GENERALISIERTEN VER- TRAUENs sind dabei gleichermaßen die soziale Ordnung und politische Verfasstheit einer Gesellschaft, die den Spielraum für angemessenes Handeln innerhalb der sozialen Gemeinschaft definieren. GENERALISIERTES VERTRAUEN dient als sozialer Schmierstoff, der soziale Interaktion und Kooperation in größeren Gemeinschaften und zwischen einander fremden Menschen ermöglicht, indem es die Opportunitätskosten verringert. Hierbei steht insbesondere das einmalige Zusammentreffen von Personen ohne wiederholten Kontakt, die Etablierung neuer Beziehungen mit bisher unbekannten Personen und die Interaktion mit einer großen Anzahl von Personen im Fokus. Es 361 Generalisiertes Vertrauen vs. Partikulares Vertrauen impliziert eine grundsätzliche potenzielle Bereitschaft zu wechselseitiger Kooperation und zu Engagement in gemeinsamen Unternehmungen. 4.1 Zum Zusammenhang „Generalisiertes Vertrauen und confidence“ sowie „Partikulares Vertrauen und trust“ Wie bereits an anderer Stelle beschrieben45 stellen Zuversicht (confidence) und Vertrauen (trust) besondere übergeordnete Qualitäten des Vertrauens dar und scheinen dabei ein elementares Differenzierungsprinzip innerhalb der Mehrzahl der theoretischen Vertrauenskonzeptionen zu repräsentieren. Während confidence einer grundlegenden und fraglosen Form des Vertrauens entspricht, wird mit trust eine reflexive Form des Vertrauens beschrieben. Die confidence-Ebene des Vertrauens scheint dabei seine praktische Manifestation als generalized, thin, impersonal oder diffuse trust (Delhey/Newton (2005), S. 311; Delhey/Newton/Welzel (2011), S. 786) zu finden, wohingegen die Ausdrucksform des Vertrauens der trustEbene mit particular, thick, personal oder specific trust (Delhey/Newton (2005), S. 311; Delhey/Newton/Welzel (2011), S. 786) übereinstimmt. Vorbild für diese Anlagerung PARTIKULAREN VERTRAUENs an trust und GENERALISIERTEN VERTRAUENs an confidence ist dabei das von Uslaner vorgeschlagene Vertrauensmodell. Dieses eröffnet ein Vertrauenskontinuum, an dessen Polen sich moralistic trust und strategic trust diametral gegenüberstehen. Abb. 4.1: Vertrauenskontinuum nach Uslaner „Moralistic trust“ „Generalized trust“ „Particularized trust“ „Strategic trust“ Kollektiv Individuum (Quelle: eigene Darstellung) 45 Vgl. Abschnitt „2.1.2.1 Trust vs. Confidence“ 362 Generalisiertes Vertrauen vs. Partikulares Vertrauen Moralistic trust kommt dabei einer allgemeinen und grundsätzlichen Vertrauenseinstellung gleich und bezieht sich auf „people whom we don’t know and who are likely to be different from ourselves“ (Uslaner (2002), S. 15), wobei gilt: „Moralistic trust is not a prediction of how others will behave. Even if other people turn out to be trustworthy, moral values require you to behave as if they could be trusted.“ (Uslaner (2002), S. 18f) Dagegen ist strategic trust durch eine Erwartung bezüglich eines spezifischen Handelns einer bestimmten Person charakterisiert und entspricht einer Prognose hinsichtlich des zukünftigen Verhaltens dieser Person. (Uslaner (2002), S. 22) Dabei setzt strategic trust voraus, dass man im Hinblick auf die Individuen, mit denen man plant, eine Vertrauensbeziehung einzugehen, entweder über entsprechende Informationen oder persönliche Erfahrungen verfügt. Es gilt im Allgemeinen: „Strategic trust develops slowly, as people gain knowledge about how others behave.“ (Uslaner (2002), S. 24) „Strategic trust is fragile, since new experiences can change one’s view of another’s trustworthiness.“ (Uslaner (2002), S. 24) Der konzeptionelle Unterschied zwischen moralistic und strategic trust besteht nun darin, dass strategic trust eine Verhaltenserwartung beinhaltet, während moralistic trust von einer Verhaltensdetermination ausgeht: „Strategic trust reflects our expectations about how people will behave. Otherwise there is no deal. Moralistic trust is a statement about how people should behave. People ought to trust each other. The Golden Rule does not demand that you do unto others as they do unto you. Instead, you do unto others as you would have them do unto you.“ (Uslaner (2002), S. 23 363 Zum Zusammenhang „Generalisiertes Vertrauen und confidence“ sowie „Partikulares Vertrauen und trust“ Wobei sich die funktionale Differenz von moralistic und strategic trust wie folgt gestaltet: „If trust connects us to our community and helps us solve collective action problems, it must be moralistic trust that does the job. Strategic trust can only lead to cooperation among people you have gotten to know, so it can only resolve reasonably small-scale problems. Should Bill loan $20 to Jane? Should he hire her to paint his house? Moralistic trust helps get us involved with people who are different from ourselves. It connects us to a broader community and leads us to do good works and to resolve disagreements.“ (Uslaner (2002), S. 20f) Betrachtet man diese beiden von Uslaner propagierten Vertrauensformen, so lassen sich gleichermaßen Überschneidungen mit bzw. Analogien zu den Konzepten confidence und trust wie auch Diskrepanzen entdecken. So beschreibt auch confidence wie moralistic trust eine generelle Vertrauenseinstellung, allerdings ohne Vertrauensbereitschaft und Vertrauenswürdigkeit als moralischen Imperativ zu betrachten. Vielmehr stellt Vertrauen auf der confidence-Ebene die Folge eines gesamtgesellschaftlichen commonsense dar und bezieht sich, anders als moralistic trust, nicht nur auf generalisierte Andere, sondern insbesondere auch auf die Konstanz der sozialen Umwelt. Confidence definiert in diesem Sinne eine allgemeinere Vertrauensebene als moralistic trust. Trust und strategic trust umschreiben jeweils ein reflexives Vertrauen, das an spezifischen Informationen über den potenziellen Vertrauenspartner orientiert ist. Beide Vertrauensformen überwinden Kontingenz, indem sie eine Prädiktion des zukünftigen Verhaltens des Vertrauten vollziehen, dabei aber das Risiko einer Fehleinschätzung nicht ausschlie- ßen können. Insofern stellen Vertrauen auf der trust-Ebene und strategic trust verhältnismäßig deckungsgleiche Vertrauenskonzeptionen dar. Zwischen den beiden Polen moralistic und strategic trust ordnet Uslaner generalized und particularized trust an. Während der Ursprung von generalized trust in moralistic trust zu finden ist, ergibt sich particularized trust aus strategic trust. (Uslaner (2002), S. 26ff) Im Gegensatz zu moralis- 364 Generalisiertes Vertrauen vs. Partikulares Vertrauen tic trust stellt generalized trust kein bedingungsloses Vertrauen mehr dar, sondern ist in seiner Reichweite begrenzt und bezieht sich weitestgehend auf Angehörige der eigenen Wertegemeinschaft. Dabei entspricht es zwar einer stabilen Eigenschaft, ist allerdings in seiner Ausprägung variabel. Wie moralistic trust ist generalized trust aber unabhängig von Reziprozität. „Generalized trust is moralistic trust in the real world – not immutable, not so universal, and more tentative.“ (Uslaner (2002), S. 28) Generalized trust in der Lesart von Uslaner unterscheidet sich von GENERALISIERTEM VERTRAUEN darin, dass sich ersteres exklusiv auf Personen bezieht, die der gleichen Wertegemeinschaft angehören wie der Vertrauende selbst, während sich GENERALISIERTES VERTRAU- EN auf den generalisierten Anderen, d. h. Menschen im Allgemeinen, bezieht. GENERALISIERTES VERTRAUEN stellt somit im Vergleich zu generalized trust ein universaleres Vertrauenskonzept dar, während generalized trust auf eine bestimmte Kategorie von Individuen limitiert bleibt. Allerdings geht generalized trust davon aus, dass die meisten Personen, denen der Vertrauende begegnet, dessen Werte teilen. Generalized trust wohnt in diesem Sinne wie GENERALISIERTEM VERTRAUEN ein Element der Fraglosigkeit inne. Zur Vergabe von Vertrauen sind in beiden Konzeptionen keine expliziten Informationen über ein bestimmtes Individuum notwendig. Vielmehr folgt die Vertrauensvergabe einer Art eingeschränktem Automatismus. So stellen generalized trust wie GENERALISIERTES VERTRAUEN zwar gleichermaßen stabile, allerdings keine in ihrer Intensität konstanten Vertrauensdispositionen dar. (Uslaner (2002), S. 26ff) Particularized trust geht zunächst eine Kategorisierung von potenziellen Vertrauten in Mitglieder der in- oder outgroup des Vertrauenden voraus, wobei Vertrauen nur Angehörigen der ingroup entgegengebracht wird. Innerhalb dieses inneren sozialen Zirkels erfolgt die Vertrauensvergabe ohne Einschränkungen, was particularized trust von strategic trust unterscheidet, wo jegliche Vertrauensvergabe von einer erfahrungsbasierten Risikokalkulation abhängig ist, die für jede Vertrauensbeziehung 365 Zum Zusammenhang „Generalisiertes Vertrauen und confidence“ sowie „Partikulares Vertrauen und trust“ neu bestimmt werden muss. Angehörige der outgroup werden dagegen als potenziell bedrohlich wahrgenommen und nicht in den Kreis der Vertrauten aufgenommen. Die Verbindung von particularized und strategic trust ergibt sich dadurch, dass sie jeweils Vertrauenskonzepte darstellen, die eine erfahrungsabhängige Vergabe von Vertrauen vollziehen. Particularized trust verlässt sich dabei allerdings auch auf Stereotype und erweitert auf diese Weise Erfahrungen mit Einzelpersonen auf ein eingegrenztes Kollektiv, während bei strategic trust Erfahrungen an ein spezifisches Individuum gebunden sind und auch nur auf dieses Individuum Anwendung finden. (Uslaner (2002), S. 28) „When you only trust your own kind, your moral community is rather restricted. And you are likely to extend trust only to people you think you know. So particularized trusters rely heavily upon their experiences (strategic trust) or stereotypes that they believe to be founded in knowledge in deciding whom to trust. But they are not agnostic about strangers. Particularized trusters assume that people unlike themselves are not part of their moral community, and thus may have values that are hostile to their own.“ (Uslaner (2002), S. 27) Der Unterschied zwischen particularized trust und Partikularem Vertrauen besteht in erster Linie in der Ausgestaltung des jeweils überspannten Vertrauensradius. So enthält particularized trust, durch den Einbezug von Personen aus der Wertegemeinschaft, der auch der Vertrauende angehört, ohne dass diese im Einzelnen explizit auf ihre Vertrauenswürdigkeit hin geprüft werden, ein generalisierendes Element, welches PAR- TIKULAREM VERTRAUEN fehlt. PARTIKULARES VERTRAUEN beschreibt ein Vertrauen gegenüber spezifischen Anderen hinsichtlich spezifischer Gegenstände und Handlungsweisen. Hierfür sind detaillierte Informationen über den potenziellen Vertrauten erforderlich. Particularized trust dagegen benötigt kein spezielles Wissen über jeden Vertrauten, sondern extrapoliert dessen Vertrauenswürdigkeit anhand der Reputation von Individuen, die dem potenziellen Vertrauten ähnlich sind. (Uslaner (2002), S. 28) Es ist dabei allerdings keinesfalls ausgeschlossen, dass 366 Generalisiertes Vertrauen vs. Partikulares Vertrauen sich Partikulares Vertrauen auch auf den von particularized trust standardmäßig beanspruchten Vertrauensradius ausdehnen lässt. Vielmehr gestaltet sich die Selektion potenzieller Vertrauter bei PARTIKULAREM VERTRAUEN voraussetzungsvoller und restriktiver. Die Verbindung von Zuversicht (confidence) und GENERALISIERTEM VERTRAUEN sowie die Verbindung von Vertrauen (trust) und PARTI- KULAREM VERTRAUEN sind im Wesentlichen analog zur Beziehung von moralistic trust und generalized trust zu verstehen. So entsprechen GENERALISIERTES und PARTIKULARES VERTRAUEN jeweils dem praktischen Ausdruck von confidence und trust bzw. stellen die Manifestation dieser beiden grundlegenden Vertrauenskategorien innerhalb der realen Welt dar. Die Verknüpfung von confidence und GENERALI- SIERTEM VERTRAUEN sowie die Verknüpfung von trust und PARTI- KULAREM VERTRAUEN ergibt sich dabei aus der Wesensgleichheit der jeweiligen Konzeptionen und der Äquivalenz der Bezugspunkte. So beschreiben Zuversicht (confidence) und GENERALISIERTES VER- TRAUEN Vertrauensformen, die losgelöst von spezifischen Situationen oder einer persönlichen Beziehung zum Vertrauten existieren. Vertrauen macht hier keine speziellen Informationen über das Gegenüber notwendig, vielmehr wird davon ausgegangen, dass Menschen im Prinzip vertrauenswürdig sind. Während Zuversicht (confidence) allerdings einer stabilen und invarianten Vertrauensdisposition gleichkommt, ist GENE- RALISIERTES VERTRAUEN als dessen Ausdrucksform nicht unabhängig von Vertrauensenttäuschungen. So stellt GENERALISIERTES VERTRAUEN im Grunde ebenfalls ein stabiles Merkmal von Individuen dar, weist allerdings eine gewisse Dynamik auf. Es handelt sich somit nicht um eine erfahrungsunabhängige Form des Vertrauens, sondern passt seinen Level als Konsequenz aus positiven und negativen Erlebnissen entsprechend an. Vertrauen (trust) und PARTIKULARES VERTRAUEN beschreiben jeweils eine Vertrauensform mit reflexivem Charakter, die an spezifische Individuen hinsichtlich bestimmter Objekte und Verhaltensweisen gebunden ist. Dabei müssen sowohl Vertrauen (trust) als auch PARTIKU- LARES VERTRAUEN stets in Abhängigkeit von der jeweiligen Situation 367 Zum Zusammenhang „Generalisiertes Vertrauen und confidence“ sowie „Partikulares Vertrauen und trust“ oder vom jeweiligen Gegenstand neu ausgehandelt werden. Es handelt sich somit jeweils um ein in seinem Ausmaß und Adressaten variables Vertrauen. Beide Vertrauensformen sind zwar im Wesentlichen informationsbasiert, dienen aber in erster Linie zur Überwindung von Informationsdefiziten, die aus der Kontingenz menschlichen Verhaltens resultieren können. In diesem Sinne enthalten beide Vertrauensformen ein Risikoelement, indem sie eine Antizipation des eventuellen zukünftigen Verhaltens spezifischer Anderer auf Basis eines unvollständigen Wissens vornehmen und das Handeln des Vertrauenden an dieser Prädiktion orientieren. Vertrauen (trust) und PARTIKULARES VERTRAUEN spezifizieren wechselseitig ein Vertrauen, das das Scheitern einer Vertrauensbeziehung nicht negiert, aber als wenig wahrscheinlich annimmt. Letztendlich sind PARTIKULARES und GENERALISIERTES VER- TRAUEN wechselseitig ineinander überführbar. Allerdings ergeben sich hierbei unterschiedliche Erfolgschancen je nachdem, ob man GENERA- LISIERTES VERTRAUEN in PARTIKULARES VERTRAUEN umwandeln möchte oder PARTIKULARES VERTRAUEN in GENERALISIER- TES VERTRAUEN konvertiert werden soll. Prinzipiell gilt, dass die erstgenannte Transformation einfacher zu realisieren ist als die letztere. So gilt für GENERALISIERTES VERTRAUEN, dass es PARTIKU- LARES VERTRAUEN bereits miteinschließt. Diese Tatsache ergibt sich daraus, dass im generalisierten Anderen bereits der spezifische Andere enthalten ist. Mit anderen Worten: Vertraut man Menschen im Allgemeinen in unspezifischer Art und Weise, so vertraut man automatisch auch bekannten Personen hinsichtlich bestimmter Vertrauensobjekte oder eines bestimmten Verhaltens. Anders verhält es sich mit der Entwicklung GENERALISIERTEN VERTRAUENs aus PARTIKULAREM VERTRAUEN. So unterscheidet sich die Reichweite PARTIKULAREN VERTRAUENs fundamental vom durch GENERALISIERTES VERTRAUEN aufgespannten Vertrauensradius. PARTIKULARES VERTRAUEN setzt spezifische Informationen bezüglich eines Vertrauten sowie eine klare Definition des Vertrauensobjektes voraus und ist insofern nicht ohne Weiteres verallgemeinerbar. Allerdings kann eine Vielzahl von erfolgreichen Kontakten mit unter- 368 Generalisiertes Vertrauen vs. Partikulares Vertrauen schiedlichen Vertrauten die Reifung GENERALISIERTEN VERTRAU- ENs begünstigen. GENERALISIERTES VERTRAUEN ergibt sich somit als Folge einer großen Menge positiver Erfahrungen mit der Vergabe von Vertrauen. Dabei ist aber zu beachten, dass dieser Effekt keinen Determinismus darstellt, sondern allenfalls einer mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit versehenen Konsequenz entspricht. In diesem Sinne gilt: „In other words, our direct experience (strategic trust) with people like ourselves (particularized trust) leads us to have faith in people we don’t know.“ (Uslaner (2002), S. 39f) Es resultiert nun ein zweischichtiges Vertrauensmodell, das von einer latenten und einer manifesten Vertrauensebene ausgeht, wobei letztere einem horizontalen Kontinuum entspricht. Soziales Vertrauen weist dabei zunächst mit Zuversicht (confidence) und Vertrauen (trust) zwei fundamentale Qualitäten auf, die nicht unmittelbar wechselseitig ineinander überführbar sind. Ihren praktischen Ausdruck finden diese beiden Vertrauensgattungen in GENERALISIERTEM bzw. PARTIKULAREM VERTRAUEN. Dabei bleibt PARTIKULARES VERTRAUEN aufgrund seiner Merkmale und Eigenschaften auf die Mikroebene und im Speziellen auf den face-to-face-Kontakt von Individuen beschränkt. GENE- RALISIERTES VERTRAUEN dagegen wird sowohl auf der Makroebene gegenüber ganzen Bevölkerungsgruppen als auch auf der Mikroebene gegenüber einzelnen Individuen wirksam und dient dabei als sozialer Schmierstoff. Ebenso besetzt es die Mesoebene und stellt den Kontakt zwischen Individuum und Kollektiv her. Abb. 4.2: Confidence-Trust-Modell sozialen Vertrauens Vertrauenskategorie: Zuversicht (conf idence) Vertrauen (trust) Praktische Manifestation der Vertrauenskategorie: GENERALISIERTES VERTRAUEN PARTIKULARES VERTRAUEN Sphäre des Vertrauens Mikro-, Meso- und Makroebene Mikroebene (Quelle: eigene Darstellung) 369 Zum Zusammenhang „Generalisiertes Vertrauen und confidence“ sowie „Partikulares Vertrauen und trust“ Der Unterschied zwischen moralistic, generalized, particularized und strategic trust bzw. die Funktionsweise der verschiedenen Vertrauensformen wird von Uslaner folgendermaßen zusammengefasst: „The foundation of generalized trust is moralistic trust. The etymology is similar: A trusts, rather than A trusts B to do X.“ (Uslaner (2002), S. 27) „The grammar of this type of trust is thus: A trusts B, not simply A trusts, as in generalized trust, nor A trusts B to do X, as in strategic trust. And the class, B, is much larger than a single individual.“ (Uslaner (2002), S. 28) Analog zu Uslaner lassen sich Zuversicht (confidence) und GENERALI- SIERTES VERTRAUEN nun auf folgende Formel bringen: A vertraut.46 Dagegen entsprechen Vertrauen (trust) und PARTIKULARES VER- TRAUEN der folgenden Kurzform: A vertraut B, X zu tun. 46 Vgl. in diesem Zusammenhang auch die Ausführungen von Stolle: „We have distinguished generalized trust here from other forms of trust in the interdisciplinary literature. Generalized trust is not so much an outcome of repeated calculation of risk as implied in models of rational choice accounts, though this approach seems more likely in the interaction with specific others (knowledge-based trust). The scope of generalized trust also needs to be distinguished from identity-based forms of trust, which only include people one personally knows and those individuals who fit into certain social identity category that one holds. The problem with this conception for generalized trust is that total strangers couldn’t be trusted as they could not be easily categorized into a known social identity. What the logic of generalized trust implies is that strangers might be given the benefit of the doubt most of the time (unless there are serious indications that one should not), or not given this benefit in the case of generalized distrust. Generalized trust is also not such a stable value as described in Uslaner’s moral trust model which is mostly independent of the circumstances; instead, it is an attitude that has its origin in the institutional structures in which it develops.“ (Stolle (2002), S. 409) 370 Generalisiertes Vertrauen vs. Partikulares Vertrauen

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Vertrauen stellt als social lubricant eine der zentralen Ressourcen für die Funktionalität ausdifferenzierter Gesellschaften dar. Innerhalb der verschiedenen Theorieschulen zur Beschreibung dieses Phänomens ergeben sich dabei wiederkehrende begriffliche und konzeptuelle Gemeinsamkeiten. Im Wesentlichen sind dies die übergeordneten Vertrauenskategorien „Zuversicht“ (confidence) und „Vertrauen“ (trust) sowie deren praktische Manifestationen „generalisiertes Vertrauen“ und „partikulares Vertrauen“. Während sich die Paarung confidence/generalisiertes Vertrauen auf generalisierte Andere bezieht (z. B. Fremde), ist das Paar trust/partikulares Vertrauen auf spezifische Andere (z. B. Freunde) bezogen. Im Confidence-Trust-Modell wird diese Koinzidenz zu einer integrativen Vertrauenstheorie synthetisiert.