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VI.3. Einige canonische Verænderungen über das Weynacht-Lied: Vom Himmel hoch da komm ich her in:

Felix Pachlatko

Die letzten fünf gedruckten Werke von Johann Sebastian Bach, page 287 - 287

Innere und übergreifende Strukturen

1. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-4416-2, ISBN online: 978-3-8288-7422-0, https://doi.org/10.5771/9783828874220-287

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
VI FOLGERUNGEN 287 die irrationale Teilung des Goldenen Schnittes nichts zu tun hat mit den ganzzahligen Teilungen der Fibonacci-Reihe, auch wenn diese aufsteigend der Teilung des Goldenen Schnittes immer näher kommen. VI.3. Einige canonische Verænderungen über das Weynacht-Lied: Vom Himmel hoch da komm ich her Die CV bilden innerhalb der Fünfzahl der letzten Drucke die Mitte. Es ist möglich, dass sie deshalb als einziges Werk zwei Goldene Schnitte aufweisen. Das Erscheinungsjahr des Drucks kann nur vermutet werden. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist es das Jahr 1748.455 Die möglicherweise spätere autographe Fassung in der Leipziger-Originalhandschrift ist hier nur bedingt von Belang, da sie als Handschrift nicht in die Überlegungen für die zyklische Form der letzten Drucke einbezogen werden kann. Dennoch sind z. B. die oben dargestellten Änderungen der autographen Fassung im Canone alla Settima (Takt 15/16) interessant, weil sie eine deutliche Präzisierung des Ortes des einen Goldenen Schnittes darstellen. Die Abfolge der Variationen ist für die Konstruktion und Rekonstruktion der beiden Goldenen Schnitte essentiell. Nach der oben dargestellten Zuordnung des Canon triplex und der Variationen zu den einzelnen Strophen des Liedes erweist sich die Druckfassung als auch in dieser Hinsicht verbindlich. Die Konstruktion von zwei gegenläufigen Goldenen Schnitten im Kontext einer Variationenreihe mit ganz unterschiedlichen Variationsstrukturen ist komplex. Über den Zeitraum, den Bach für die Komposition der CV benötigte, wissen wir nicht genau Bescheid. Es ist möglich, dass die Komposition des MO dazwischen kam und den Kontext für die Komposition der CV veränderte. Dies könnte erklären, weshalb das MO zuerst im Druck erschien. Bezüglich der Frage, welche der beiden überlieferten Fassungen die frühere ist, muss aus dem Dargestellten geschlossen werden, dass die Autographfassung die wohl weitgehend spätere ist.456 Auch unabhängig davon sind die in der autographen Fassung enthaltenen Varianten größtenteils als Verbesserungen zu 455 Siehe Kinsky, S. 43 ff. und Clement A, S. 152. 456 Siehe Butler D, S.14 ff.

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Zusammenfassung

Johann Sebastian Bach bereitete in seinen letzten drei Lebensjahren fünf Werke zum Druck vor: „Canon triplex“, „Musicalisches Opfer“, „Canonische Veränderungen über ‚Vom Himmel hoch, da komm ich her‘“, „Sechs Choräle“ und „Die Kunst der Fuge“ (posthum erschienen). Auf den ersten Blick gibt es wenig Veranlassung, eine nähere Verbindung dieser Werke miteinander zu vermuten. Sie wurden bei verschiedenen Stechern, Druckern und Verlegern hergestellt und publiziert. Dennoch bilden diese fünf Werke eine Einheit, wenn auch eine verborgene.

Felix Pachlatko gelingt in der vorliegenden Studie der Nachweis versteckter innerer und übergreifender arithmetischer Strukturen wie Magischer Quadrate, äußerst genauer Goldener Schnitte sowie Kreis- und Kugelberechnungen, die darauf schließen lassen, dass die Gestalt aller dieser Werke – dies gilt besonders auch für „Die Kunst der Fuge“ – Bachs letztem kompositorischen Willen entspricht.