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Teil V. DIE TITELBLÄTTER in:

Felix Pachlatko

Die letzten fünf gedruckten Werke von Johann Sebastian Bach, page 259 - 280

Innere und übergreifende Strukturen

1. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-4416-2, ISBN online: 978-3-8288-7422-0, https://doi.org/10.5771/9783828874220-259

Tectum, Baden-Baden
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Teil V DIE TITELBLÄTTER V DIE TITELBLÄTTER 261 V.1. Einleitung Die vorliegende Arbeit ist nicht die erste, die mathematischen und zahlenallegorischen Auffälligkeiten in den Titelblättern Bachscher Werke nachgeht. Auf dieser gematrischen Spielwiese haben sich schon zahlreiche Exegeten vergnügt .425 Das leicht Despektierliche dieser Ausdrucksweise will andeuten, dass entsprechende Untersuchungen wohl unbestreitbar nicht zu eindeutigen Ergebnissen führen können, da der Deutungsspielraum fast immer zu groß ist . So ist z. B. nicht gesichert, wie das Zählen von Datums- und Jahreszahlen er folgen soll. Sie können als jeweils ganze Zahl gerechnet werden oder als Quersumme, z. B. 1747=1747 oder 1747=Q19 (1+7+4+7). Ähnlich verhält es sich bei Jahreszahlen, die in römischen Zahlen geschrieben sind. Hier kann die effektive Zahl gezählt werden oder auch der Wert der entsprechenden Buchsta ben in einem vordefinierten Zahlenalphabet, also X=10 oder (in der c.s.) X=22, V=5 oder (in der c.s.) V=20. Dazu kommen Fragen des Einsatzes möglicher Joker, die gezählt oder nicht gezählt werden können wie etwa Custoden (siehe z. B. Vorwort zum MO), Abkürzungszeichen wie l (siehe CV oder SCh) oder der Buchstabe ohne i-Punkt. Allein diese fünf angeführten Varianten führen im Kontext der fünf hier zur Diskussion stehenden Titelblät ter zu 25 möglichen Zählergebnissen. An den eingangs dieser Arbeit dargestell ten Untersuchungen zu den Widmungskanons wurde jedoch deutlich, dass Uneindeutigkeit durchaus zu den Gepflogenheiten enigmatischer Aufgabenstellungen gehört, wobei ein allfälliges Ergebnis im Nachhinein den entsprechenden Lösungsweg aufzeigen kann. Aus wissenschaftlicher Sicht ist ein solches Vorgehen jedoch problematisch. Allein, mit der Negation solchen Tuns negiert man grundsätzlich die mögliche Bedeutung einer Interpretation von Zahlenallegorik. In voraufklärerischer Zeit war der Begriff der Wissenschaftlichkeit ohnehin anders gefasst und bot durchaus die Möglichkeit des esoterischen Umgangs mit Zahlphänomenen. Man denke hier etwa an die von Kepler und Galilei erstellten Horoskope. Unter Berücksichtigung der gleichwohl nicht unberechtigten Vorbehalte gegenüber zahlenallegorischen Interpretationen, soll ein Versuch gewagt wer- 425 Siehe z. B. Smend A und Prautzsch . 262 V DIE TITELBLÄTTER den, nachfolgend die Titelblätter der letzten fünf Drucke einzeln und in ihrer Gesamtheit kurz zu analysieren. V.2. Canon triplex Der Canon triplex hat kein Titelblatt im eigentlichen Sinne, er besteht aus nur einer Seite. Seine Titelschrift bildet mit dem Kanon eine Einheit. Die Deutung des Textinhaltes erfolgte bereits in den entsprechenden Kapiteln der Teile II- IV. Innerhalb der hier untersuchten letzten fünf Drucke Bachs ist es das einzige Blatt, das Buchstaben, Zahlen und Noten enthält. Ob Bach für seine Zählung die Valores von Wort- und Notentext berücksichtigt hat, erschließt sich erst im Gesamtzusammenhang. Töne der Kanonstimmen und ihre Valores: Oberstimme: d e fis g e d c h c d e 4 5 33 7 5 4 3 8 3 4 5 = 1181 Mittelstimme: g a c h a g a c 7 1 3 8 1 7 1 3 = 831 Unterstimme: g fis e d h c d g g fis e 7 33 5 4 8 3 4 7 7 33 5 = 11116 1 = 30228 Buchstaben des Textes und ihre Valores: 5C a n o n44 7t r i p l e x98 1á1 166 3v o c.37 3 1 13 14 13 19 17 9 15 11 5 22 1 6 20 14 3 = 17186 3P e r37 6J. S. B a c h41 15 5 17 9 18 2 1 3 8 = 978 2 = 26264 1+2 30228+26264 = 56492 V DIE TITELBLÄTTER 263 Anzahl der Zeilen = 5 Anzahl der Stimmen und Wörter: 3 + 9 = 12 Anzahl der Töne und Buchstaben: 30 + 26 = 56 Valor der Töne und Buchstaben: 228 + 264 = 492 = 12·41 Die Deutung dieser Zahlen erfolgte oben in den entsprechenden Kapiteln . Für die Analyse der Bach-Zahlen in den vorliegenden Titelblättern sind fol gende Valores relevant: 264 = 2·132 ~ 132 = Valor von Jean Sébastien Bach. 228 = Summe der Valores von J.S.B., J.S. Bach und Johann Sebastian Bach. 492 = 12·41 (Valor von J.S. Bach) V.3. Musicalisches Opfer Das Titelblatt zum Musicalischen Opfer wurde, wie bereits erwähnt, in konventioneller Weise von Breitkopf im Bleisatz gesetzt und gedruckt. Die redaktionelle Arbeit oblag zweifellos Bach selber und kann deshalb als autorisiert gelten. Auffallend ist hier im Vergleich zu den übrigen Titelschriften die sprachliche Sparsamkeit. So ist zunächst etwas befremdlich, dass das Werk lediglich seiner königlichen Majestät in Preußen e.c.426 gewidmet ist. Dabei ist nicht ersichtlich, wer diese Majestät ist. Die fehlende Nennung des Namens des Widmungsträgers dürfte schon in seiner Zeit etwas anstößig gewesen sein, auch wenn damals in Deutschland wohl jedermann wusste, wer gemeint ist. Außer dem wirkt das Fehlen eines Artikels vor Musicalisches Opfer leicht befremdlich. Dies ist zwar auch beim Orgel=Büchlein und der Auffrichtigen Anleitung der Fall; doch ist in beiden Fällen der Titel in einen nachfolgenden erklären den und vollständigen Satz eingebunden. Ein Musicalisches Opfer wäre zweifellos schöner. Doch schon die nähere Untersuchung des Titelblattes zum Orgel=Büchlein zeigte, dass die sprachliche Holprigkeit des Buchstabenmaterials dort eine 426 Friedrich II. war zunächst nur König in Preußen und erst ab 1772 König von Preußen. 264 V DIE TITELBLÄTTER Konzession an die arithmetischen Erfordernisse für die Konstruktion eines Magischen Kubus ist.427 So ist die Vermutung auch im vorliegenden Fall nicht abwegig, dass die sprachliche Auffälligkeit tiefere Gründe haben könnte. Dies ist tatsächlich der Fall. Abbildung V.1. J.S. Bach, Musicalisches Opfer, Titelblatt. Die numerische Struktur der Worte sieht folgendermaßem aus: (tiefgestellt = Zeichenanzahl | hochgestellt = Valor) 13Musicalisches 135 12+20+18+9+3+1+11+9+18+3+8+5+18 = 13135 5Opfer 57 14+15+6+5+17 = 557 2Sr. 35 11K=niglichen 107 8Majest(t 89 2in 22 7Preußen 111 2ec. 8 18+17+ // 10+19+13+9+7+11+9+3+8+5+13+ // 12+1+9+5+18+19+6+19+ // 9+13+ // 15+17+5+20+36+5+13+ // 5+3 = 32372 18allerunterth(nigst 218 8gewidmet 82 1+11+11+5+17+20+13+19+5+17+19+8+6+13+9+7+18+19+ // 7+5+21+9+4+12+5+19 = 26300 427 Siehe Pachlatko, Kapitel V. V DIE TITELBLÄTTER 265 3von 47 20+14+13 = 347P15, 6Johann 58 9Sebastian 86 4Bach. 14 9+14+8+1+13+13+ // 18+5+2+1+18+19+9+1+13+ // 2+1+3+8 = 19158 tot = 981069 = (5·158)+(4·41)+(3·29)+(2·14) 5 · Johann Sebastian Bach + 4 · J.S. Bach + 3 · J.S.B. + 2 · BACH Das Titelblatt enthält auf 6 Zeilen 14 Wörter mit insgesamt 98 (=7·14) Buchstaben. Die gesamte Buchstabensumme von 1069 ist die Summe von 5·158 (Johann Sebastian Bach) + 4·41 (J.S. Bach) + 3·29 (J.S.B.) + 2·14 (BACH). 1069 ist zugleich die Hälfte von 2138 (BACH) Somit finden sich auch im Titelblatt verschiedene, sich sogar überlagernde Signierungen. Dabei ist diejenige der Gesamtsumme der Buchstabenvalores gleich konstruiert wie die Widmung des Werks an Carl Philipp Emanuel Bach mittels der Taktsumme.428 Die einen Faktoren der Summanden sind Namenszahlen, die anderen bilden eine arithmetische Folge, hier 2, 3, 4 und 5. Die an das Titelblatt anschließende Widmung an Friedrich in Preußen verdient ebenfalls nähere Betrachtung: 15Allergn(digster150 5K=nig58, 20208 2Ew.26 8Majest(t89 5weyhe62 7hiermit79 2in22 8tiefster98 15Unterth(nigkeit179 3ein27 50582 13Musicalisches135 5Opfer57, 6dessen63 4edel25=//4ster59 5Theil52 3von47 40438 10Deroselben94 5hoher52 4Hand26 6selbst73 9herrFhret121. 3Mit40 5einem44 42450 16ehrfurchtsvollen195 3Ver42=// 6gnFgen70 8erinnere84 3ich20 4mich32 6annoch52 3der26 49521 4ganz45 9besondern91 11K=niglichen107 5Gnade30, 2da5 3vor51 7einiger65 4Zeit57, 45451 3bey30 3mei26=//3ner35 11Anwesenheit117 2in22 7Potsdam83, 2Ew.26 8Majest(t89 39428 6selbst73, 3ein27 5Thema45 2zu44 5einer49 4Fuge38 3auf27 3dem21 7Clavier66//3mir38 41428 12vorzuspielen171 9geruheten99, 3und37 8zugleich87 13allergn(digst128 45522 11auferlegten109, 7solches77 8alsobald62 2in22 10Deroselben94//8h=chsten93 46457 9Gegenwart95 11auszufFhren157. 2Ew.26 8Majest(t89 6Befehl37 2zu44 10gehorsamen100, 48548 3war39 5meine44 11unterth(nig136=//3ste42 12Schuldigkeit123. 3Ich20 8bemerkte75 45479 428 Siehe Seite 106 ff. 266 V DIE TITELBLÄTTER 4aber25 3gar25 4bald18, 3daß41 5wegen51 7Mangels67 8n=thiger97 12Vorbereitung148, 46472 3die18 3Aus39=// 7fFhrung96 5nicht52 4also44 8gerathen75 6wollte81, 3als30 2es23 3ein27 44485 2so32 11treffliches107 5Thema45 10erforderte109. 3Ich20 7fassete72 7demnach46//3den22 48453 9Entschluß133, 3und37 6machte48 4mich32 8sogleich75 10anheischig81, 6dieses59 5recht52 51517 10K=nigliche94 5Thema45 12vollkommener144 3aus39=//10zuarbeiten115, 3und37 6sodann63 49537 3der26 4Welt56 7bekannt63 2zu44 6machen42. 6Dieser58 7Vorsatz113 3ist46 8nunmehro102 46550 4nach25 8Verm=gen98//bewerk=// 15bewerkstelliget164 6worden74, 3und37 2er22 3hat28 41448 5keine42 6andere45 3als30 3nur50 5diese41 12untadelhafte112 7Absicht60, 3den22 4Ruhm57 48459 5eines50//9Monarchen86, 2ob16 6gleich43 3nur50 2in22 5einem44 7kleinen66 6Puncte75, 45452 2zu44 13verherrlichen138, 6dessen63 5Gr=ße84 3und37 6St(rke75, 6gleich43//3wie35 2in22 46541 5allen41 6Kriegs66= 3und37 8Friedens77=14Wissenschaften157, 4also44 4auch32 44454 9besonders96 2in22 3der26 5Musik69, 9jedermann79 5bewun61=//4dern39 3und37 40429 8verehren90 3muß68. 3Ich20 7erkFhne83 4mich32 6dieses59 14unterth(nigste178 6Bitten67 51597 12hinzuzufFgen174: 2Ew.26 2Ma13=//6jest(t76 7geruhen75 12gegenw(rtige121 6wenige60 47545 6Arbeit53 3mit40 5einer49 8gn(digen64 8Aufnahme66 2zu44 8wFrdigen101, 3und37 43454 7Derosel74=//3ben20 12allerh=chste125 10K=nigliche94 5Gnade30 4noch38 41381 10fernerweit117 2zu44 6g=nnen70 18231 2Ew.26 8Majest(t89 10115 7Leipzig80 3den22 177. 5Julii58 16167 41747(1747). 41747 18allerunterth(nigst218 12gehorsamsten137 7Knechte63, 37418 3dem21 9Verfasser107. 12128 Tot. 133716092 Auf 23 Zeilen (inkl. Kustode) sind 216 Wörter mit insgesamt 1332 Buchstaben und 2 Zahlen mit 5 Zahlzeichen gedruckt, insgesamt also 1337 Zeichen. Der Valor beträgt, wenn die Jahreszahl 1747 als ganze Zahl gerechnet wird, 16092. Wenn man die Zahlen deuten will, könnte 23 F(ridericus) R(ex) bedeuten, 216 Fridericus + Joh. Sebast. Bach und 1337 ist 7·191. Die Primzahl 191 ist ebenfalls Teiler von 7258, der Gesamtzahl aller Achtel im MO (siehe S. 103). 16092 könnte als Signierung gedeutet werden. Die Zahl besteht aus den deutbaren Faktoren 108 · (108+41) oder auch 1082 + 108·41. 108 ist bekanntlich V DIE TITELBLÄTTER 267 Valor von Redemptor, Joh. Sebast. Bach und Fridericus.429 Innerhalb der verschiedenen Deutungsmöglichkeiten dürfte die Zahl wohl am sinnreichsten mit den Hauptakteuren Joh. Sebast. Bach und Fridericus in Verbindung zu bringen sein. Vielleicht noch bedeutungsvoller als die je einzelnen Summen von Titel blatt und Widmung sind die Gesamtsummen von Titelblatt und Widmung: Titelblatt Widmung Gesamtsumme Anzahl der Zeilen 6 23 29 Anzahl der Wörter 14 216 230 Anzahl der Buchstaben 98 1337 1435 Valor der Buchstaben 1069 16092 17161 Die Zahlen der Gesamtsummen sind im Kontext bekannt und interpretierbar: 29 ist Valor u. a. von J.S.B., 230 ist 10·23, wobei 23 hier vermutlich als Valor von Fridericus Rex zu sehen ist. 1435 ist 35·41 und 17161 ist 1312. Letztere Zahl ist besonders markant, da sie sich bereits in auffallender Weise zeigte.430 Man kann diese Quadratzahl, eine zahlenallegorische Anrufung Jesu Christi , als stillen Wink an die Glaubenszweifel des Widmungsträgers Friedrich den Großen verstehen oder, wohl eher, als implizite Widmung an den Redemptor (gentium), den wahren König aller Menschen. V.4. Einige canonische Verænderungen über das Weynacht-Lied: Vom Himmel hoch da komm ich her Das Titelblatt der Canonischen Verænderungen ist, im Gegensatz zum Bleisatz des MO, kunstvoll gestochen. Der Stecher, Balthasar Schmid in Nürnberg, war ein erfahrener und angesehener Meister seiner Zunft und stach für Bach verschiedene Werke.431 Der Text des Blattes dürfte von Bach selber redigiert 429 108 ist als Ergebnis von 11·22·33 auch Sinnbild für das Potenzieren schlechthin. 430 131 ist Valor von Jesu Christe. Siehe S. 22, 34, 174 f., 214, 257 und Pachlatko, S. 248. 431 Siehe Heussner. 268 V DIE TITELBLÄTTER sein. Vermutlich hatte er sogar beim Zusatz bezüglich des Verlegers und der Verlagsnummer seine Hand im Spiel.432 Auch auf diesem Blatt ist die Abbreviatur l zweimal deutlich auszumachen. Sie hat hier dieselbe Funktion und Bedeutung wie im Widmungskanon für Telemann (und den Titelblättern zu Clavier-Übung II-IV).433 Diese Abbreviatur hat wohl einen Zeichenwert, aber keinen Valor. Dies wird in der nachfolgenden Darstellung und Berechnung berücksichtigt. Abbildung V.2. J.S. Bach, Einige canonische Verænderungen über das Weynacht-Lied: Vom Himmel hoch da komm ich her, Titelblatt des Erstdruckes (leicht beschnitten). Siehe Heussner. 432 Dies ist aus den folgenden Zahlen zu schließen. 433 Siehe Abbildungen I.16 und I.19. Die numerische Struktur sieht folgendermaßen aus: V DIE TITELBLÄTTER 269 6Einige 48 10canonische 87 13Verænderungen 145, 5+9+13+9+7+5+ // 3+1+13+14+13+9+18+3+8+5+ // 20+5+17+6+13+4+5+17+20+13+7+5+13 = 29280 4über 49 3das 23 25+2+5+17+ // 4+1+18 = 772 8Weynacht 93-4Lied 29: 21+5+23+13+1+3+8+19+ // 11+9+5+4 = 12122 3Vom 46 6Himmel 57 4hoch 33 2da 5 20+14+12+ // 8+9+12+12+5+11+ // 8+14+3+8+ // 4+1 = 15141 4komm 48 3ich 20 3her 30. 10+14+12+12+ // 9+3+8+ // 8+5+17 = 1098 3vor 51 3die 18 5Orgel 54 3mit 40 12 2. 9Clavieren 84 20+14+17+ // 4+9+5+ // 14+17+7+5+11+ // 12+9+19+ / 2+ // 3+11+1+20+9+5+17+5+13 = 24249 3und 37 3dem 21 5Pedal 36 20+13+4+ // 4+5+12+ // 15+5+4+1+11 = 1194 3von 47 20+14+13 = 347 6Johann 58 9Sebastian 86 4Bach 14 9+14+8+1+13+13+ // 18+5+2+1+18+19+9+1+13+ // 2+1+3+8 = 19158 1 = 1261 (Titel und Autor) 5König l 58: 3Poh l 37: 3und 37 4Chur 48-5Sæchß 71: 4Hoff 34 11Compositeur 146 10+19+13+9+7+ // 15+14+8+ // 20+13+4+ // 3+8+20+17+18+6+3+8+36+ // 8+14+6+6+ // 3+14+12+15+14+18+9+19+5+20+17 = 35431 7Capellm 58. 1u 20. 6Direct 57. 4Chor 42. 3Mus 50. 4Lips 53. 3+1+15+5+11+11+12+ // 20+ // 4+9+17+5+3+19+ // 3+8+14+17+ // 12+20+18+ // 11+9+15+18 = 25280 2 = 1901972 8Nürnberg 99 2in 22 9Verlegung 105 5Balth 41: 7Schmids 72 13+25+17+13+2+5+17+7+ // 9+13+ // 20+5+17+11+5+7+20+13+7+ // 2+1+11+19+8+ // 18+3+8+12+9+4+18 = 31339 1N 13. 6XXVIII 28. 13+ // 28 = 741 3 = 38380 tot = 2282352 (12·142) 270 V DIE TITELBLÄTTER Anzahl der Zeilen = 13 Anzahl der Wörter: = 47 Anzahl der Buchstaben und Zeichen: = 228 Valor der Buchstaben und Zeichen: = 2352 Neben dem Gesamtvalor 2352 zeigen alle Valores der Zeilensummen deutbare Zahlen. In erster Linie relevant ist aber 2352. Dies ist 12·142. Neben der bekannten Bedeutung der Zahl 14, hier im Quadrat, ist besonders diejenige der Zahl 12 als damals einzige bekannte erhabene Zahl zu beachten. Weiter oben wurde gezeigt, dass der Ct und die CV bei aller Selbständigkeit teilweise auch eine Einheit bilden. Es liegt daher nahe, auch die Summe der beiden Valores auf einen gemeinsamen Bezug zu einem der Nomina Bachs hin anzuschauen: Valor von Ct + Valor von CV 492 + 2352 = 2844 = 18·158434 Auch die Signierung dieses Titelblattes fällt somit überaus deutlich aus, einzeln wie in der Summe mit dem Valor des Ct. V.5. Sechs Chorale (Schübler-Choräle) Die Sechs Chorale und ihr Titelblatt wurden von J.G. Schübler gestochen und verlegt. Daher stammt der heute verbreitete Name Schübler-Choräle. Schübler war zuvor auch in wesentlichen Teilen am Stich des MO beteiligt. Glücklicherweise sind mehrere Handexemplare Bachs mit von seiner Hand eingetragenen Fehlerkorrekturen überliefert. Der Stich weist, die Zahlenallegorik betreffend, zwei Eigenheiten auf, auf die bei der Besprechung der Widmungskanons bereits ausführlich hingewiesen wurde. In gleicher Bedeutung wie dort sind die Abbreviatur l und ein ohne i-Punkt zu verstehen. In Anbetracht der kalligraphischen Sorgfalt des Stichs kann das Fehlen des i-Punktes kein Ver- 434 Der Valor der CV mit dem Textvalor des Ct allein ergibt 2352+264=2616= 24·109. Ob damit Domine Jesu gemeint sein könnte, ist möglich. Die Anrufung des Herrn hat in den CV jedenfalls eine direkte textliche Vorlage. V DIE TITELBLÄTTER 271 sehen sein. Im Kontext wird ein Leser richtigerweise, und wahrscheinlich ohne besonders Anstoß zu nehmen, ein i lesen. Gematrisch ist dieser Buchstabe jedoch als Eins (1) aufzufassen und hat deshalb den Zahlwert 1 und nicht 9.435 Abbildung V.3. J.S. Bach, Sechs Chorale von verschiedener Art (Schübler-Choräle), Titelblatt des Erstdruckes (beschnitten).436 Folgende numerische Struktur ist sichtbar: 4356 Handschriftlich schreibt Bach für die Eins (1) in der Regel jedoch ein großes i mit i-Punkt und folgt damit noch dem alten Verständnis der römischen Zahl. W eil dadurch das Zeichen für die Eins und der Buchstabe i identisch sind, kann das Zeichen nicht als eine Eins gezählt werden, sondern muss den Valor 0 (null) tragen (siehe Fulde-Canon). 436 Über dem Buchstaben i des Wortes L ps. fehlt der i-Punkt. Siehe . 272 V DIE TITELBLÄTTER 5SECHS 52 7CHORALE 59 18+5+3+8+18+ // 3+8+14+17+1+11+5 = 12111 3von 47 13verschiedener 129 3Art 37 20+14+13+ // 20+5+17+18+3+8+9+5+4+5+13+5+17+ // 1+17+19 = 19213 3auf 27 5einer 49 1+20+6+ // 5+9+13+5+17 = 876 5Orgel 54 14+17+7+5+11 = 554 3mit 40 12 2. 9Clavieren 84 3und 37 5Pedal 36 12+9+19+ // 2+ / 3+11+1+20+9+5+17+5+13+ // 20+13+4+ // 15+5+4+1+11 = 21199 12vorzuspielen 171 20+14+17+24+20+18+15+9+5+11+5+13 = 12171 11verfertiget 129 3von 47 20+5+17+6+5+17+19+9+7+5+19+ // 20+14+13 = 14176 6Johann 58 9Sebastian 86 4Bach 14 9+14+8+1+13+13+ // 18+5+2+1+18+19+9+1+13+ // 2+1+3+8 = 19158 1 = 1158 (Titel und Autor) 5König l 58: 5Pohln 61: 3und 37 3Chur 48 . 5Sæchß 71: 4Hoff 34 =11Compositeur 146 10+19+13+9+7+ // 15+14+8+11+13+ // 20+13+4+ // 3+8+20+17+18+6+3+8+36+ // 8+14+6+6+ // 3+14+12+15+14+18+9+19+5+20+17 = 36455 7Capellm 58: 1u 20: 6Direct 57: 4Chor 42:3Mus 50:4L ps 45: 3+1+15+5+11+11+12+ // 20+ // 4+9+17+5+3+19+ // 3+8+14+17+ // 12+20+18+ // 11+1*+15+18 = 25272) 2 = 1591885 2In 22 9Verlegung 105 3Joh 31: 5Georg 50 9Schüblers 107 2zu 44 5Zella 52 2am 13 9Thüringer 120 5Walde 42. 9+13+ // 20+5+17+11+5+7+20+13+7+ // 9+14+8+ // 7+5+14+17+7+ // 18+3+8+25+2+11+5+17+18+ // 24+20+ // 24+5+11+11+1+ // 1+12+ // 19+8+25+17+9+13+7+5+17+ // 21+1+11+4+5 = 51586 4Sind 44 2zu 44 5haben 29 2in 22 7Leipzig 80 3beÿ 30 4Herr 47 7Capellm 58: 6Bachen 32, 3beÿ 30 6dessen 63 5Herrn 60 18+9+13+4+ // 24+20+ // 8+1+2+5+13+ // 9+13+ // 11+5+9+15+24+9+7+ // 2+5+23+ // 8+5+17+17+ // 3+1+15+5+11+11+12+ // 2+1+3+8+5+13+ // 2+5+23+ //4+5+18+18+5+13+ // 8+5+17+17+13 = 54539 * V DIE TITELBLÄTTER 273 6Söhnen 76 2in 22 6Berlin 57 3und 37 5Halle 36, 1u 20: 3beÿ 30 3dem 21 8Verleger 87 2zu 44 5Zella 52. 18+19+8+13+5+13+ // 9+13+ // 2+5+17+11+9+13+ // 20+13+4+ // 8+1+11+11+5+ // 20+ // 2+5+23+ // 4+5+12+ // 20+5+17+11+5+7+5+17+ // 24+20+ // 24+5+11+11+1 = 44482 3 = 1491607 tot = 3083492 (62 ·97) Anzahl der Zeilen = 13 Anzahl der Wörter: = 65 Anzahl der Buchstaben und Zeichen: = 308 Valor der Buchstaben und Zeichen: = 3492 = 62 ·97 Die Zeilen-Valores scheinen über weite Strecken wenig namenspezifisch zu sein. Hingegen ist der Gesamtvalor von 3492 interessant. Er rückt mit seinem Faktor 97 in den Fokus des gematrischen Interesses, indem dieser Valor des Namens Orpheus ist.437 Wie schon Dentler vermutete, könnte Orpheus Bachs Name in der Mizlerschen Sozietät gewesen sein. Somit wäre es möglich, dass Bach mit der Signierung durch seinen Sozietätsnamen die Sechs Chorale der Mizlerschen Sozietät als seine letzte Jahresgabe gewidmet haben könnte. Die Zahl 6 im Quadrat, als Quadratur des signum perfectionis, hat im Lichte der (zahlen-)wissenschaftlichen Ansprüche der Mizlerschen Sozietät zusätzlich ein symbolisches Gewicht. V.6. Die Kunst der Fuge Von der Kunst der Fuge gibt es insgesamt drei Titelblätter, je eines in den beiden Auflagen der Druckfassung und eines im Autograph. Zur Diskussion stehen hier nur die beiden Druckfassungen. Sie sind inhaltlich identisch und unterscheiden sich nur leicht in der Darstellung. Das Titelblatt des Autographs ist von der Hand von Bachs Schwiegersohn Altnickol.438 Die Authentizität des Ti- 437 97 ist auch Valor von Anna Magdalena Bach. 438 Siehe Wolff P, S. 475. 274 V DIE TITELBLÄTTER tels Kunst der Fuga oder Kunst der Fuge ist in der Literatur immer wieder angezweifelt worden. Die gematrischen Verweise auf den Namen Bach dürften jedoch kaum einen anderen Urheber haben als Bach selbst.439 Abbildung V.4. J.S. Bach, Die Kunst der Fuge. Titelblätter von Druck 1 und 2. Die beiden Titeldrucke unterscheiden sich numerisch nur in der veränderten Anzahl der Linien (5 und 7). In der zweiten Auflage ist das Wort HERRN als einziges durch Großdruck hervorgehoben.440 439 Erstmals dargestellt von Prautzsch, S. 290 ff. Seinen theologischen Deutungen der Zahlen vermag ich jedoch nicht zu folgen. V DIE TITELBLÄTTER 275 3Die 18 25 2 4+9+5 = 318 5Kunst 80 3der 26 4Fuge 38 10+20+13+18+19+ / 4+5+17+ / 6+20+7+5 = 12144 5durch 52 4+20+17+3+8 = 552 5Herrn 60 6Johann 58 9Sebastian 86 4Bach 14 8+5+17+17+13+ / 9+14+8+1+13+13+ / 18+5+2+1+18+19+9+1+13+ / 2+1+3+8 = 24218 1 = 44432 11ehemahligen 84 13Capellmeister 131 3und 37 13Musikdirector 157 2zu 44 7Leipzig 80 5+8+5+12+1+8+11+9+7+5+13+ / 3+1+15+5+11+11+12+5+9+18+19+5+17+ / 20+13+4+ / 12+20+18+9+10+4+9+17+5+3+19+14+17+ / 24+20+ / 11+5+9+15+24+9+7 2 = 49533 tot = 93965 Titel: Anzahl der Zeilen 5 Anzahl der Wörter: 15 Anzahl der Buchstaben= tiefgestellte Zahl : 93 = 3·31 Valor der Buchstaben = hochgestellte Zahl : 432+533 = 965 = 5·193 Das Blatt ist inhaltlich wiederum zweiteilig. Der erste Teil mit Angabe des Werks und seines Urhebers hat die Buchstabensumme 432, das ist 4·108 (Joh. Sebast. Bach) und der zweite Teil mit der Berufsbezeichnung und der Herkunft hat die Buchstabensumme 533, das ist 13·41. Damit setzt sich auch die Gesamtsumme aus zwei Zahlen zusammen, die Verweise auf Bach-Nomina enthalten.441 440 Die Anzahl der Großbuchstaben auf der Titelseite der 1. Auflage beträgt 10, in der 2. Auflage 14. Ihr Valor ist 83 bzw. 135. 441 Milka versucht mit Hilfe eines Zahlenkonstruktes, das er mittels Analogien zu den Taktzahlen der ersten vier Contrapuncti aufbaut, zu beweisen, dass das Wort Herrn dem Titelblatt von C.Ph.E. Bach willkürlich zugefügt wurde. Auch wenn 276 V DIE TITELBLÄTTER Ob mit der Gesamtsumme 965=5·193 (193=152+41) gemeint ist, bleibe dahingestellt.442 Die Untersuchung der auf das Titelblatt von KF folgenden Nachricht ergibt Folgendes: 9Nachricht81. 981 3Der26 6selige55 4Herr47 9Verfasser107 6dieses59 6Werkes76 5wurde67 5durch52 44489 5seine50 14Augenkrankheit138 3und37 3den22 4kurz71 6darauf49 2er22=//7folgten75 44464 3Tod37 6ausser79 6Stande60 8gesetzet102, 3die18 6letzte83 4Fuge38,2wo35 2er22 4sich38 44512 3bey30 10Anbringung102 3des27 7dritten86 2Sa19=//4tzes66 10namentlich94 2zu44 41468 8erkennen81 6giebet47, 2zu44 4Ende27 2zu44 7bringen66; 3man26 3hat28 6dahero49 3die18 44430 7Freunde70 6seiner67 4Muse55//5durch52 11Mittheilung132 3des27 2am13 4Ende27 42443 11beygefFgten117 11vierstimmig137 15ausgearbeiteten146 14Kirchenchorals137, 3den22 54559 3der26//6selige55 4Mann39 2in22 6seiner67 9Blindheit80 5einem44 6seiner67 7Freunde70 48470 3aus39 3dem21 9Stegereif91 2in22 3die18 5Feder37 8dictiret85 3hat28,// 8schadlos77 44418 6halten57 6wollen75. 12132 Tot. 4264466 Nachricht: Anzahl der Zeilen 7 Anzahl der Wörter: 1 + 75 = 76 = 4·19 Anzahl der Buchstaben= tiefgestellte Zahl : 9 + 417 = 426 = 6·71 Valor der Buchstaben = hochgestellte Zahl : 4466 = 11·14·29 = 14·29+140·29 oder 29 ·14+290·14 Sowohl die Anzahl der Wörter (76) und Buchstaben (426) als auch der Valor der Buchstaben (4466) haben Faktoren, die bereits prominent in Erscheinung getreten sind.443 Dies führt unweigerlich zur Frage, wie weit nicht nur das Titelblatt, sondern auch dieses Vorwort (Nachricht) von Bach selber geschrieben die Zahlen stimmen, ist seine Schlussfolgerung damit nicht zwingend. Siehe Milka B, S. 182 ff. 442 152 ist Valor von Fridericus rex, 41 von J.S. Bach. V DIE TITELBLÄTTER 277 sein könnte. Wäre dies der Fall, hätte auch dies Gewicht bei der Vollendungs frage. Auf jeden Fall sieht es danach aus, dass sich diese Zahlen nicht zufällig ergeben haben. Da anzunehmen ist, dass Bachs Umgebung von seinen Zahlenspielereien wusste, ist nicht auszuschließen, dass etwa Anna Magdalena oder Carl Philipp Emanuel oder Wilhelm Friedemann das Titelblatt im Sinne ihres Ehegatten und Vaters geschrieben haben könnten. Ich halte diese Deutungsvariante allerdings für weniger wahrscheinlich. Der Verfasser des Vorwortes zur zweiten Auflage, Marpurg, gehört aber offensichtlich nicht zum innersten Kreis der Mitwisser, denn dieser Text entfernt sich ganz klar von der Intention der Nachricht zur ersten Auflage. Marpurgs Text trägt stark werberische Züge. Er sollte wohl das Kaufinteresse der potentiellen Käuferschaft wecken und den Verkauf des Werkes fördern. Gesamtsummen von Titel und Vorwort (Nachricht): Anzahl der Zeilen 5 + 7 = 12 Anzahl der Wörter: 15 + 76 = 91 Anzahl der Buchstaben: 93 + 426 = 519 Valor der Buchstaben : 965 + 4466 = 5431P717 (717=3·239) 5431 ist die Summe der Namen-Valores mittels c.s., c.ch. und c.t. von: Johannes Sebastianus Bachius: 266 und 1184 Johann Sebastian Bach: 158 und 500 und 1103 Jean Sébastien Bach: 132 und 411 Joh. Sebast. Bach: 108 und 369 Joh. Seb. Bach: 70 und 178 und 421 J.S. Bach: 41 und 113 J.S.B: 29 und 101 und 219 Bach: 14 und 14 443 19 ist die Anzahl der Buchstaben von Bachs vollständigem Namen, siehe dazu Fn. 165. 71 ist der Valor von Thron. Die Zahl 11 könnte ein Verweis auf die 11 wahren Jünger Jesu sein. 278 V DIE TITELBLÄTTER Die gebräuchlichsten und am häufigsten vorkommenden Signierungsnamen sind in den beiden verbreitetsten Zahlenalphabeten vollständig, d.h. ohne Auslassungen, gezählt. Mit dem anspruchvollsten Zahlenalphabet, der cabbala trigonalis, sind in deutscher Sprache der größte, der mittlere und der kleinste Signierungsname, die eindeutig J.S. Bach zuzuordnen sind, gezählt. Der hohe Ordnungsgrad und die Raffinesse des Vorgehens beim Summieren der Namen-Valores schließt Zufälligkeit wohl aus, sodass von einer ausgeklügel ten Signierung gesprochen werden kann. V.7. Die Summe der Titelblätter Auf Grund des bisher Dargestellten kann vermutet werden, dass auch die Gesamtheit der Summen aller Titelblätter eine Signierung aufweisen könnte . Dies ist tatsächlich auf verblüffende Weise der Fall. Folgende Zahlen stehen zur Verfügung: Teilwerk Summe 1: Titel und Autor Summe 2: Gesamtsumme Canon triplex 264 264 Music. Opfer m. Vorwort 1069 1069+16092=17161 Can. Verænderungen 1261 2352 Sechs Chorale 1158 3492 Kunst der Fuge m. Nachricht 432 965+4466 = 5431 1 = 4184 2 = 28700 Die Titel- und Autorensumme lässt sich in auffallende Summanden zerlegen, welche Produkte von Faktoren sind, die als Bach-Nomina bekannt sind: 266 + 158 + 132 + 108 + 70 + 41 + 29 + 14 = 818 c.s. 1184 + 500 + 411 + 369 + 178 + 113 + 101 + 14 = 2870 c.ch. + 421 + 219 = 1743 c.t. 818 + 2870 + 1743 = 5 ·14·41 1103 21·83 tot 5431 4184 = 2686 + 738 + 522 + 238 V DIE TITELBLÄTTER 279 2686 = 17·158 738 = 18·41 522 = 18·29 238 = 17·14 Die Faktoren, die keine Namenszahlen sind, also je zweimal die 17 und 18, bilden die Summe 70 (2·17 + 2·18 = 70), welche Buchstabensumme von Jesus und Joh. Seb. Bach ist. Bedeutungsvoller ist jedoch der Gesamtvalor 28700: Er ist das Produkt von 50·14·41 (bzw. 700·41) und spricht mit den Faktoren 14 und 41 (bzw. 70[0]und 41) als Namenssignierung für sich. Auch hier ist als Variante noch die Gesamtsumme mit Addition des Noten- Valors des Ct zu erwägen, da der Notentext der drei Kanonstimmen mit dem Sprachtext zumindest eine optische Einheit bildet. Der Noten-Valor des Ct beträgt 228 (siehe S. 262 ). 28700 + 228 = 28928 = 2·14·113. 113 ist der Valor von J.S. Bach gemäß c.ch. V.8. Auswertung In den Valores aller Titelblätter und Vorworte der letzten fünf Drucke findet man Namenszahlen von Bach. Auch in der Gesamtsumme aller Titel-Valores sind seine Signierungen zu finden. Angesichts der Übereinstimmung der Zählund Berechnungsweise muss davon ausgegangen werden, dass hier Absicht vorliegt. Am ehesten dort, wo Produkte zusammengezählt sind, wäre Zufälligkeit möglich. Wenn aber die Faktoren dieser Summanden, die keine Namenvalores sind, eine Reihe oder Symmetrie bilden, ist die Wahrscheinlichkeit von Zufälligkeit sehr gering. Grundsätzlich lassen hohe Summen eine Vielzahl an verschiedenen Summanden zu, auch wenn sich diese aus Produkten zusammensetzen, die gegebenenfalls vorgegeben sind. Bedingung einer solchen Vielzahl ist freilich, dass diese Produkte mit kleinen Faktoren gebildet werden. Dies bedeutet, mindestens im Falle der kleinen Namenszahlen Bachs 280 V DIE TITELBLÄTTER (14, 29, 41, 46, 48, 70, 101, 108, [113, 132, 158, etc.]), dass für größere Summen oft eine Kombination solcher Produkt-Summanden gefunden werden kann. Somit wird der Suchende auch oft etwas finden können. Dies macht das Gefundene grundsätzlich nicht über alle Zweifel erhaben. Im vorliegenden Fall können Zweifel jedoch dadurch erheblich eingeschränkt werden, dass eine klare Systematik der Vorgehensweise erkennbar ist. Alle neben den Bach schen Namenszahlen verwendeten weiteren Faktoren innerhalb dieser als Summanden verwendeten Produkte sind entweder gleich, zeigen eine Symmetrie, oder bilden eine arithmetische Folge. Dies erhöht die Wahrschein lichkeit einer dahinterstehenden Absicht sehr. Vergleicht man diese Vorgehensweise mit derjenigen der Widmungen mittels Taktzahlen in den einzelnen Werken, so ist ein übereinstimmendes Strickmuster festzustellen. Dies erhöht die Plausibilität der Deutung nochmals.

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Zusammenfassung

Johann Sebastian Bach bereitete in seinen letzten drei Lebensjahren fünf Werke zum Druck vor: „Canon triplex“, „Musicalisches Opfer“, „Canonische Veränderungen über ‚Vom Himmel hoch, da komm ich her‘“, „Sechs Choräle“ und „Die Kunst der Fuge“ (posthum erschienen). Auf den ersten Blick gibt es wenig Veranlassung, eine nähere Verbindung dieser Werke miteinander zu vermuten. Sie wurden bei verschiedenen Stechern, Druckern und Verlegern hergestellt und publiziert. Dennoch bilden diese fünf Werke eine Einheit, wenn auch eine verborgene.

Felix Pachlatko gelingt in der vorliegenden Studie der Nachweis versteckter innerer und übergreifender arithmetischer Strukturen wie Magischer Quadrate, äußerst genauer Goldener Schnitte sowie Kreis- und Kugelberechnungen, die darauf schließen lassen, dass die Gestalt aller dieser Werke – dies gilt besonders auch für „Die Kunst der Fuge“ – Bachs letztem kompositorischen Willen entspricht.